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Abraham
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vor 6 Jahren, 7 Monaten
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zigorimedia

Absurdes Geldsystem - Interview mit Prof. Dr. Franz Hörmann

Startbeitrag von zigorimedia am 01.12.2011 17:16

Univ.Prof. Franz Hörmann macht in diesen Tagen ganz besonders von sich reden. Der Experte für Finanz- und Wirtschaftsfragen verblüffte mit Äußerungen zur anhaltenden Finanzkrise und zu unserem Geldsystem. Demnach gebe es ein „systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird“. Und er erklärt weiter: „Wenn man aber Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell.“ Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit Prof. Dr. Franz Hörmann, Wien über Betrug, Finanzkrisen, ein neues Geldsystem und die Rückkehr zur Vernunft.

Prof. Hörmann, Sie haben mit Ihren Äußerungen zum Geldsystem im wahren Wortsinn viel Staub aufgewirbelt. Denn dieses System wird in dieser Form schon seit Ewigkeiten praktiziert. Worin liegen in Ihrer Sicht die Gründe, dass Politiker bisher nicht das Geldsystem an sich kritisch unter die Lupe nehmen und dann eine ähnliche, auf die Ursachen ausgerichtete Diagnose des Desasters stellen wie Sie es tun?

Die Antwort auf diese Frage hängt unmittelbar mit der Natur unseres Bildungssystems zusammen. Wir werden darin, das beginnt schon in der Grundschule, nicht darauf vorbereitet, Dinge, die an uns herangetragen werden, kritisch zu hinterfragen, sondern darauf konditioniert, die Erwartungshaltungen anderer Menschen zu erfüllen, der Lehrer, der Vorgesetzten, der Amtsträger etc. Der Vorgang der Geldschöpfung im Kredit durch private Geschäftsbanken durch Bilanzverlängerung (und damit die Erzeugung einer doppelten Schuld, nämlich der Schuld des Kreditnehmers UND einer Schuld der Bank!) ist zwar gut dokumentiert und öffentlich zugänglich z.B. in der Broschüre „Geld und Geldpolitik“ der deutschen Bundesbank, ab Kapitel 4.4., es wird aber in der Ausbildung, auch an den Hochschulen, nicht auf die sich daraus ergebenden Konsequenzen (die sinnlose doppelte Verschuldung, die fehlende Erzeugung von Geld für die Zinszahlungen, die bilanzrechtliche Fragwürdigkeit der Begründung einer verzinsten Forderung mit einer bilanziellen Verbindlichkeit) hingewiesen.

Daraus folgt, dass wohl 99 Prozent der Menschen, welche diese Ausbildung absolviert haben, die Problematik schlicht übersehen und der Rest einfach annimmt, irgendetwas daran falsch verstanden zu haben. Die Absurdität dieses Vorgangs ist ja so atemberaubend, dass niemand sich blamieren will, indem er öffentlich so abenteuerliche Bedenken anmeldet. Die Situation gleicht daher exakt der Geschichte von „Des Kaisers neuen Kleidern“ – man muss Verständnis heucheln um seinen guten Ruf nicht zu beschädigen!

Wer profitiert von der Schieflage dieses Systems? Nur die Banken oder wer hängt noch alles an den Vorteilen eines Systems, das es so wohl gar nicht geben dürfte?

In Wahrheit sind dies alle Menschen, die gut davon leben, dass sie „ihr Geld arbeiten lassen“. Die alte Kritik an diesem Ausspruch gründete sich in der Vergangenheit ja hauptsächlich auf moralische und humanistische Bedenken. Neu ist nun aber, dass dieser Kritik auch knallharte, sachliche Argumente zugrunde liegen, an denen auch unsere ökonomisch-rationalen Eliten nicht ohne weiteres vorbeisehen können, weil nun ganz klar beweisbar ist, dass ihre bisherigen Geschäftsmodelle (leistungslose Einkommen in Form von Zinsen, Dividenden und Kurssteigerungen) schlicht auf einem antiken Buchungsfehler beruhen und, logisch konsistente Buchführung vorausgesetzt, so überhaupt nicht funktionieren können: Im Kreislauf der doppelten Buchhaltung ist die Geldmenge an sich stets konstant, jeder finanzielle Gewinn muss daher immer zu Lasten anderer Menschen erzielt werden, da ja für jede Buchung eine Gegenbuchung existieren muss.

Die einzige heute legale Methode der Geldschöpfung besteht nun aber darin, dass private Geschäftsbanken Kredite vergeben, dabei Geld erzeugen, das vorher noch nicht existierte, dies jedoch stets als verzinste Schuld, wobei aber das Geld für die Zinszahlung nie mit erzeugt wird. Diese (mangels Geld) verzinst nie rückzahlbare Schuld lassen die Banken aber durch dingliche Sicherheiten der Kreditnehmer besichern, womit es im Gesamtsystem zwangsläufig zu Enteignungen von Kreditnehmern kommen muss, da die zu geringe Geldmenge die Bezahlung der Zinsen ja nicht gestattet. Es müssen daher stets neue Kredite aufgenommen werden, um einfach die Zinsen zu bezahlen. Verschuldete Staaten sind also nicht das Ergebnis fahrlässiger Politik sondern das Resultat eines Systemfehlers in der Buchhaltung der Geschäftsbanken.

Es ist wohl noch nicht so richtig bis zur Politik durchgedrungen, aber die Bürger tolerieren Rettungsaktionen mit finanzakrobatischen Hebelwirkungen und Summen in Billionenhöhe nicht. Wie gefährlich schätzen Sie die derzeitigen Rettungsaktionen ein?

Was in der Politik momentan passiert ist bei weitem nicht so interessant, wie es in den Medien der Öffentlichkeit dargestellt wird. Alle diese Summen, die durch Zinseszins und Spekulation künstlich weiter erhöht werden, besitzen in Wahrheit keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Jeder nur halbwegs ökonomisch gebildete Mensch weiß, dass solche Beträge, einmal in realwirtschaftliche Kaufkraft umgesetzt, zu Hyperinflation in „biblischem Ausmaß“ führen würde, daher bleiben diese Geldbeträge auch das, was sie immer waren: bloße Zahlen auf Papier. Die Eigentümer jedoch, die auf den „Wert“ dieser Staatsanleihen und anderen Papiere Erwartungen hinsichtlich ihres persönlichen Wohlstands gründen, sollten sich langsam ernsthaft die Frage stellen, ob sie selbst an diese Spiele noch glauben. Es wäre für diese Menschen wesentlich erfüllender, ihr Glück im Sein anstatt im Haben zu finden, frei etwa nach Erich Fromm.

Was würden Sie den politischen Akteuren in der derzeitigen Situation der vermeintlichen Staatspleiten in Europa raten?

Ich würde ihnen empfehlen nicht von „Staatspleiten“ sondern von einer historischen Falschbuchung und einem damit verbundenen fehlerhaften Geldschöpfungsprozess zu sprechen. Eine „Pleite“ setzt doch, rational überlegt, zumindest ein funktionierendes Geldsystem voraus, in dem man überhaupt „pleitegehen“ kann! Geld, das jedoch durch eine historische Falschbuchung erzeugt wird, in diesem Sinne daher Falschgeld, kann daher weder einer Unternehmens-, noch einer Staats- oder auch einer Privatpleite zugrunde liegen. Alle diese absurden Prozesse und Streitereien müssen daher schleunigst ausgesetzt werden, so lange, bis wir, zumindest in Europa, günstigstenfalls auch weltweit, erstmals über so etwas wie ein „funktionierendes Geldsystem“ verfügen. Dieses darf natürlich nicht als verzinste Schuld vom Monopol privater, gewinnorientierter Unternehmen erzeugt werden.

Wenn wir dann auch noch erkannt haben, dass die Grundfunktion des Geldes einfach darin besteht, die Verteilung von Gütern und Dienstleistungen in einer Gesellschaft zu regeln, dann können wir das, beim Stand der heutigen Technologie, auch viel effizienter bewerkstelligen, als durch die kreisförmige Weitergabe „virtueller Goldstücke“, also ein traditionelles Geldsystem. Diese Entwicklung muss aber von der aufgeklärten Bevölkerung ausgehen. Man kann heute sogar so weit gehen zu sagen: „Demokratie beginnt mit einem demokratischen Geldsystem!“

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass es einmal zu einem solchen, ganz neuen und gerechteren Geldsystem kommt und wer muss dabei am weitesten über den eigenen Schatten springen?

Da ich einerseits ein unverbesserlicher Optimist bin und andererseits weiß, dass die Menschheit bei Fortführung dieses absurden und schädlichen Geldsystems keine Überlebenschance besitzt, weil sie durch die dann zwangsläufigen weltweiten Verknappungserscheinungen in einer Woge der Gewalt untergehen wird, bin ich vom Vollzug dieses notwendigen Entwicklungsschrittes für die globale Menschheit felsenfest überzeugt. Über den Schatten springen muss genau genommen niemand, die Menschen müssen nur ganz rational, nach Kenntnisnahme und geistiger Verarbeitung dieser für sie zunächst noch neuen Informationen (Geldschöpfung „aus Luft“ aber als verzinste, nicht rückzahlbare Schuld durch private Geschäftsbanken mit der sich daraus zwingend ergebenden Konkurrenz um das immer zu knappe Geld in der Realwirtschaft), ihre eigene innere Einstellung zum Phänomen „Geld“ bzw. „in Geld bewertetem Eigentum“ hinterfragen. Dabei sollten sie sich auch ganz ehrlich überlegen, ob sie nicht in einer Welt ohne Geld, mit genügend realwirtschaftlichen Gütern und Dienstleistungen für jeden Menschen auf diesem Planeten, glücklicher wären als heute. Wie z.B. der Wirtschaftsgeograf Wolfgang Hoeschele in seinem sehr empfehlenswerten Buch „The Economics of Abundance“ nachweist, sind nämlich auch in den Ländern der „dritten Welt“ keineswegs die Nahrungsmittel knapp. Zu knapp ist immer nur das Geld, daher sind diese Dinge einfach nur zu teuer, um weltweit von allen Menschen zu diesen Preisen gekauft zu werden und sie in der bestehenden Rechtsordnung satt zu machen.

Wie Jean Ziegler in seiner „dann doch gehaltenen Rede“ ja schon erwähnt hat, geht die UNO heute davon aus, dass wir ganz leicht auf dieser Erde sogar zwölf Milliarden Menschen ernähren könnten – wenn die Verteilungsregeln andere wären als unser heutiges verzinstes Schuldgeld!

Das Gespräch führte Ursula Pidun

Auszug, das gesamte Gespräch steht HIER bei zigorimedia

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