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Abraham
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vor 5 Jahren, 12 Monaten
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ein Bürger, wie Du

Tante Emma kommt zurück – mehr als nur ein Trend?

Startbeitrag von ein Bürger, wie Du am 26.08.2012 22:01

Der Dorfladen erlebt eine Renaissance – und die Schlecker-Pleite ist da nur ein Faktor.


“Es gibt immer mehr ältere Menschen, die alleine wohnen. Für die kann so ein Geschäft eine Art Ersatzfamilie werden”, sagt Wolfgang Gröll. “Die Demografie spielt den Betreibern der Dorfläden in die Karten.”

Gründe für diesen Boom gibt es reichlich: Da wäre die von Gröll angesprochene Alterung der Gesellschaft. Zu der demografischen Entwicklung gehört auch, dass es immer mehr kleine Haushalte mit ein, zwei oder maximal drei Personen gibt.

“Ein Dorf läuft nur, wenn man sich engagiert”, sagt Lang. “[...] Und für den Zusammenhalt eines Dorfes ist eben ein Laden ganz wichtig. Ohne einen Laden ist ein Dorf tot.”Die Pleite von Schlecker scheint zumindest in einigen Fällen Bürger kleiner Ortschaften dazu angeregt zu haben, sich in Eigenregie um einen Ersatz des “Drogeriemarktes mit Zusatzangebot” zu bemühen. Neben einer echten Nachfrage, besonders seitens der älteren, nicht mehr so mobilen Generation, schwingt aber auch oft ein Hauch von Nostalgie mit. Dabei haben die kleinen Krämerläden möglicherweise eine große Zukunft.

Wer davon ausgeht, dass die Finanzkrise demnächst in die finale Phase eintritt, der befürchtet höchstwahrscheinlich und zwangsläufig auch drastische Versorgungslücken. Viele der riesigen Supermärkte auf den grünen Wiesen um uns herum könnten dann nämlich quasi über Nacht ihren Dienst quittieren, weil sie einerseits rein kreditfinanziert existieren und damit Gefahr laufen, den Zusammenbruch der Banken schon unmittelbar nicht mehr zu überleben.

Andererseits wird die “just in time”-Abhängigkeit dieser Ketten den Märkten ebenfalls das Rückgrat brechen, weil ihre Lieferantenprozesse bereits auf kleinste Störungen im komplexen Ablauf äußerst empfindlich reagieren. Fällt hier auch nur ein Glied der langen Kette aus – nach einem Kollaps des Bankensystems absolut wahrscheinlich – steht der gesamte Lieferprozess still und die Regale sind binnen Tagen, wenn nicht Stunden leer. Lager existieren schließlich schon lange keine mehr.

Selbst wenn es in der jeweiligen Region zahlreiche Bauern gibt, welche Getreide, Kartoffeln oder sonstige Grundnahrungsmittel anbauen, den Weg in die Regale der Supermarktketten werden diese Produkte kaum finden, weil beide Seiten nicht darauf vorbereitet und ausgelegt sind. Die kleinen Tante Emma Läden jedoch können sich leicht an die ortsansässigen Produzenten anpassen und bringen die verschiedenen Produkte der Region zentral in einem Geschäft zu den Kunden.

Wer allerdings davon ausgeht, dass mit so einem kleinen Laden mal eben der Bedarf der Bevölkerung nach Schließung von Lidl, Aldi, Penny, Edeka, Netto und Norma gedeckt werden könnte, der irrt selbstverständlich. Die Masse der Bürger befindet sich nach wie vor im Blindflug vor dem baldigen Aufprall und kauft weiterhin nur soviel ein, dass der Kühlschrank gerade noch bis zum übernächsten Tag gefüllt ist.

Anstatt daher in dieser durchaus lobenswerten Entwicklung neuer Tante Emma Läden die Rettung in der Krise zu sehen, sollten wir realistisch bleiben. Zwar sind diejenigen Bürger mit einem solchen Ladengeschäft im eigenen Dorf den meisten anderen Gemeinden zumindest mental und organisatorisch um einige Längen voraus, trotzdem wird niemand darum herumkommen, sich zur Sicherheit für einige Zeit mit Vorräten einzudecken, denn besonders romantisch wird das kommende Szenario ganz bestimmt nicht.

http://www.crash-news.com/2012/08/23/tante-emma-kommt-zurueck-mehr-als-nur-ein-trend/

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