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Abraham
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vor 5 Jahren, 11 Monaten
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Gerry

Für die, die es noch nicht wissen: Wie entsteht eigentlich "Geld"?

Startbeitrag von Gerry am 06.09.2012 10:50

Die "Gelderschaffung" am Beispiel der US-Notenbank Federal Reserve (FED)


Die Federal Reserve (Fed) der USA – die staatliche US-Notenbank. Ist diese US-Notenbank wirklich in staatlicher Hand? Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass dem nicht so ist:

„Manche glauben, die Banken des Federal Reserve Systems seien Institutionen der US-Regierung. Das sind sie aber nicht ..., sie sind private Kreditmonopole...”, so der Kongressabgeordnete Charles McFadden, Vorsitzender des Ausschusses für Banken und Währungen im Repräsentantenhaus, 10. Juni 1932.

„Die Regierung ist nicht Eigentümer der Fed. Eigentümer ist ein Konsortium von Privatbanken, deren größten die Citibank und die J. P. Morgan Chase Company sind. Diese beiden Megabanken sind die finanziellen Säulen des Imperiums, das J. P. Morgan und John D. Rockefeller aufgebaut haben ..., die 1913 die Verabschiedung des „Federal Reserve Act” inszeniert haben”, so die Autorin Ellen Hodgson Brown in ihrem Buch „Der Dollar Crash”, Kopp Verlag.

Wenn die Federal Reserve also in privater Hand ist (in der Hand der zwölf Banken, welche das Federal Reserve System bilden), dann stellt sich die Frage, wie die Geldschöpfung der Federal Reserve funktioniert, wenn z.B. die USA neue Kredite im Rahmen einer Neuverschuldung aufnehmen.

In diesem Falle gibt der Staat eine neue Anleihe heraus, welche eine Art „Wertpapier” darstellt, da dem Inhaber ja seitens des Staates die Rückzahlung des Geldes samt Zinsen in Aussicht gestellt wird. Diese Anleihe wird nun gegen Geld getauscht, z.B. auf dem freien Markt oder über die Federal Reserve.
(Anm. v. Gerry: Diese "Wertpapiere" sind nichts anderes als Kredite, die Politiker als "Staatsanleihen" im Namen des Volkes gewähren und für die natürlich das Volk haftet. Das ist einer der Wege der Umverteilung von unten nach oben, wie man gerade in Griechenland sieht: Weil die Staatskredite (Anleihen) mangels "Wirtschaftswachstum" nicht bedient werden können, muss der Haftende (das Volk) dafür aufkommen. Hier zunächst u.a. über eine neu geplante 6 Tagewoche bei niedrigeren Löhnen, die logische Folge ist aber ein Konkurs des Volkes. Und im Konkursfall bleiben die Politiker, obwohl diese die Kredite gewährt haben, unbehelligt, ganz im Sinne dieses Systems.)

Wird die Anleihe bei der Federal Reserve eingereicht, dann nimmt die Fed die Anleihe in Empfang und händigt dem Staat nun einen Scheck in Höhe des auf der Anleihe genannten Betrages aus.
Aber woher hat die Fed das Geld, um all die Regierungsanleihen zu kaufen, die in ihren Tresoren lagern?
Ellen Brown schreibt in ihrem oben genannten Buch: „Die Fed ... schöpft (erschafft) es. Wenn die Fed einen Scheck über eine Regierungsanleihe ausstellt, dann tut sie genau das ... Sie hat das Geld schlicht und einfach durch die Ausstellung eines Schecks geschöpft (Anm.: aus dem Nichts!).Will der Empfänger dafür Bargeld haben, kann die Fed dem nachkommen, indem sie das Bargeld druckt [oder der staatlichen Bundesdruckerei den Auftrag gibt, dies zu tun (Anmerkung des Verfassers)].”

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Fed der USA eine Privatbank ist, die dem Staat (der USA) Geld im Tausch gegen Staatsanleihen gibt. Dieses Geld, welches im Tausch angeboten wird, wird „geschöpft”, d.h. aus dem „Nichts” erzeugt, vereinfacht gesagt werden einfach Banknoten gedruckt und gegen die Staatsanleihen getauscht, (wofür die Bürger haften).

Die im Tausch gegen das selbst geschöpfte Geld erhaltenen Staatsanleihen dienen der Fed nun als sogenannte „Mindestreserve”. Eine Bank, die z.B. über acht Millionen US$ an Bargeld verfügt, kann beispielweise bei einem Mindestreservesatz von 8% ganze hundert Millionen US$ an Krediten gewähren, für die sie dann auch Zinsen bekommt. Der Gedanke dahinter ist, dass von den genannten hundert Millionen US$ die Beträge nur von einem Konto zum anderen innerhalb der gleichen Bank oder unter verschiedenen Banken hin und her gebucht werden – das Bargeld für diese Kreditsumme muss also nie in Form von Banknoten zur Verfügung stehen. Statistisch reicht eine „Bargeld-Reserve” von acht Prozent aus, falls sich doch mal jemand sein Geld in Form von Banknoten auszahlen lassen wollen würde. Daher kommt auch die große Furcht der Banken vor einem Ansturm der Kunden auf die Geldinstitute – maximal acht Prozent der Kunden, wenn alle kommen würden, könnten ihr Geld bekommen.

Die im Austausch für das selbst geschöpfte Geld erhaltene Staatsanleihe dient der Fed nun als Mindestreserveneinlage, d.h. sie darf bei einem Mindestreservesatz von acht Prozent die zwölfeinhalbfache Summe dieses Geldes an andere Kunden verleihen und dafür Zinsen kassieren. Bei einem Zinssatz von z.B. vier Prozent würde die Fed innerhalb eines Jahres 50% der genannten Mindestreserveneinlage als Zinsen kassieren, innerhalb von zwei Jahren wären es sogar 100%. Dieses Prinzip funktioniert auch bei allen anderen Banken so – zahlt ein Kunde beispielsweise 800,- € auf sein Konto ein, so wird dieser Betrag den Mindestreserven der Bank zugerechnet. Die Bank darf also den zwölfeinhalbfachen Betrag „schöpfen” und verleihen und darauf Zinsen kassieren. Bei nur vier Prozent Zinsen hat die Bank aus der Einlage in Höhe von 800,- € innerhalb von zwei Jahren den gleichen Betrag an Zinsen (800,- €) eingenommen.

Der amerikanische Kongressabgeordnete Jerry Voorhis hat den Vorgang im Jahr 1973 folgendermaßen beschrieben (Quelle der beiden folgenden Zitate siehe Linktipp unten):

»Für jeden Dollar oder jede 1,50 Dollar – die jemand, auch die Regierung – auf ein Bankkonto einzahlt, kann das Banksystem wie aus dem Nichts und mit einem Federstrich etwa zehn Dollar an Scheckbuch-Geld oder Sichteinlagen schöpfen. Diese zehn Dollar können verzinslich weiter verliehen werden, solange die Bank noch einen Dollar oder etwas mehr als Sicherheit in Reserve hält.«

Auch Präsident Obama höchstpersönlich hat diesen »Multiplikatoreffekt« bestätigt. Am 14. April 2009 sagte er bei einer Rede in der Georgetown University (Anm.: hier hört man eindeutig heraus, wem er dient) :

»Obwohl viele Amerikaner verständlicherweise meinen, die Regierung täte besser daran, ihr Geld direkt an die Familien und Unternehmen zu geben statt an die Banken ist es doch in Wahrheit so, dass aus einem Dollar Kapital in einer Bank tatsächlich acht oder zehn Dollar an Krediten für eine Familie oder ein Unternehmen werden können; dieser Multiplikatoreffekt kann letztendlich dazu führen, dass das Wirtschaftswachstum schnell ansteigt.«

Das Argument gegen Präsident Obamas Argumentation wäre übrigens, dass der Staat eben dann gleich selbst die acht- bis zehnfache Geldmenge selbst schöpfen und an die Familien weitergeben könnte. Hierbei würde sich der Staat nicht verschulden (er kann sich nicht bei sich selbst verschulden) und die Familien würden nicht unter den Zinslasten erdrückt werden.

Zurück zum Thema: die USA müssen nun also auf ihre Anleihen, die sie bei der Fed eingereicht haben, Zinsen zahlen. Obwohl das Geld, das sie dafür erhalten haben, von der Fed aus dem „Nichts” heraus geschöpft wurde. Dieser Sachverhalt wurde in den USA bereits erkannt, infolgedessen einigte man sich mit der Fed darauf, dass die Fed nun 95% der über die Staatsanleihen eingenommen Zinsen jeweils an die USA zurückzahlen muss.

Bleibt noch die ursprüngliche Summe des aus dem Nichts erzeugten Geldes, die ja mal wieder im Tausch gegen die Staatsanleihen an die Fed zurückgegeben werden müsste. Da niemand wirklich davon ausgeht, dass dies jemals der Fall sein wird, stellt sich diese Frage nicht wirklich. (Anm.v.Gerry: Das ist der Grund, warum alle Staaten Schulden haben und diese immer mehr ansteigen. Und die auch immer mehr werdenden Zinslasten sollten durch immer mehr steigendes Wirtschaftswachstum bedient werden. - Das jetzige Chaos zeigt uns nur die Unmöglichkeit eines ewigen Wachstums auf.)

Die Zinsen auf die Staatsanleihen muss die Fed also fast vollständig zurückzahlen, ein Rücktausch der Staatsanleihen gegen das aus dem Nichts geschöpfte Geld wird voraussichtlich niemals eintreten – oder allenfalls sehr spät, wenn die Inflation den ursprünglichen Wert stark dezimiert hat.

Worin liegt nun also der Vorteil für die Fed?

Dieser liegt in der genannten Tatsache, dass die Staatsanleihen der USA, die sie im Austausch für das geschöpfte Geld bekommt, den Mindestreserven der Fed hinzugerechnet werden dürfen und dass sie die zwölfeinhalbfache Menge dieser Beträge verleihen bzw. mit ihr am Finanzmarkt spekulieren darf. Wie gesehen, kann sie also bei nur vier Prozent Zinsen die ursprüngliche Mindestreserveeinlage innerhalb von nur zwei Jahren verdoppeln. Oder sie kann mit diesen Beträgen massive Spekulationen am Finanzmarkt durchführen, sie kann damit Währungen stützen oder zu Fall bringen, Firmen durch die Manipulation von Aktienkursen stärken oder zu Fall bringen. Und nicht vergessen werden darf die Möglichkeit der Fed, mit der aus einer Staatsanleihe als Mindestreserve geschöpften Geldmenge über verdeckte Kanäle weitere Staatsanleihen zu kaufen – in diesem Falle würde der Staat seine zu zahlenden Zinsen nicht zurückbezahlt bekommen.

Wer profitiert vom aktuellen Bankencrash?

Einfacher ist zuerst die Frage zu beantworten, wer der große Verlierer ist. Das ist der Steuerzahler – er muss für die Einlagen der riesigen Bankenrettungsfonds haften. Auch darf er für die Sicherheit seiner eigenen Einlagen auf der Bank selbst haften und sich so in Sicherheit wiegen – nichts anderes stellt die Bürgschaft der Bundesregierung in Höhe von einer Billion Euro für alle Spareinlagen dar: der Bürger darf mit seinem eigenen Geld für sein eigenes Geld auf der Bank haften, nur eben über den Umweg der Staatsverschuldung und der daraus resultierenden Steuerlast.
Aber wer profitiert nun davon?

Entsprechend einer Meldung des Spiegel Online vom 21.10.2008 heißt es: „US-Regierung will mit Rettungspaket Bankenfusionen befeuern. Die Bush-Regierung steigt mit bis zu 250 Milliarden Dollar in die größten US-Banken ein – und will ihren neuen Einfluss offenbar ausnutzen. Der "New York Times" zufolge will sie vor allem Institute fördern, die die Übernahme schwacher Rivalen planen. Das soll die Branche rasch konsolidieren.” Im weiteren Verlauf dieser Meldung wird verlautet, dass die US-Regierung ihre Milliardenhilfen auch als Hebel nutzen will, um Fusionen in der US-Bankenlandschaft voranzutreiben. Beispielsweise soll der Finanzkonzern JP Morgan Chase einige angeschlagene Großbanken übernehmen und somit seine Macht und seinen Einfluss ausbauen. Interessant ist damit die Tatsache, dass gerade die beiden am Anfang dieses Artikels genannten Banken, die Citibank und die JP Morgan Chase Bank, als Sieger beim großen Kollaps der Banken hervorgehen, ergänzt noch um die Goldman Sachs Bank, deren ehemaliger Vorstandsvorsitzender von der Bush-Regierung zum US-Finanzminister berufen wurde. Wie eingangs erwähnt, stellen die Citibank und die JP Morgan Bank die Hauptsäulen der Fed dar.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Finanzkrise die Fed und deren Hauptanteilseigner nicht betrifft und dass diese sogar als die großen Gewinner der Krise hervorgehen. Gar manche Autoren stellen sich an dieser Stelle die Frage, ob dies nicht von Anfang an so geplant war.

Das aktuelle System der Geldschöpfung – neues Geld entsteht immer nur durch neue Schulden, worauf wiederum Zinsen bezahlt werden müssen – führt systembedingt dazu, das Geld immer knapp ist, da die zu zahlenden Zinsen nicht Bestandteil der ursprünglich getätigten Geldschöpfung sind. Eine steigende Verschuldung mit neuen Krediten ist die Folge. Statistische Untersuchungen kommen übrigens zum Ergebnis, dass 50% der Kosten eines Produktes anteilige Zinskosten der Wertschöpfungskette sind. Ein weiteres Beispiel: wer beispielsweise ein Haus kauft und dies in ca. 20 Jahren abbezahlt, der bezahlt insgesamt die zwei- bis dreifachen Summe der ursprünglichen Kreditmenge zurück.

Nun – jetzt lässt sich zumindest die Aussage von Henry Ford, dem Gründer der Ford Motor Company, nachvollziehen:
„Wenn die Leute wüssten, wie das Geldsystem funktioniert, dann gäbe es sofort einen Aufstand”.


Noch anzumerken ist an dieser Stelle, dass der in den Beispielsberechnungen angesetzte Mindestreservesatz von 8% mittlerweile weiter stark reduziert worden ist. Verschiedene Quellen berichten inzwischen von einem Satz von nur 3%, d.h. dass die 33-fache Geldmenge (die sogenannte Geldmenge M3) daraus als Buchgeld geschaffen werden kann.

Die Autorin Ellen Brown berichtet davon, dass 30% der auf diese Weise per Buchung erzeugten Geldmenge M3 von den Banken auf eigene Rechnung investiert wurde – dieses Geld stellt die Basis der mittlerweile geplatzten Spekulationsblase dar. Der angenommene Wert des weltweiten Derivathandels betrug im Dezember 2007 atemraubende 681.000.000.000,000 $ – zehnmal so viel wie der jährliche Ausstoß der gesamten Weltwirtschaft.


Buchtipp:

Ellen Hodgson Brown: Der Dollar Crash - Was Banker Ihnen nicht erzählen, Kopp Verlag, Rottenburg, August 2008, ISBN 978-3-938516-69-0. In ihrem Buch beschreibt die Autorin den Prozess der Geldschöpfung und der Kontrolle des Geldes durch Privatbankiers, welche sich hinter der FED (der Federal Reserve Bank der USA) verbergen. Sie verdeutlicht, wie dieses private Kartell internationaler Banker Geld schöpft und ausleiht, und wie dieses Kartell die ganze Welt in ein Schuldennetz verstrickt.

Linktipp:

Ellen Brown: Der Weg zur Lösung der Schuldenkrise in Kalifornien. Vier Wall-Street-Banken, die Finanzspritzen von jeweils 15 bis 25 Milliarden Dollar vom Steuerzahlern kassiert haben, weigern sich nun, die Schuldscheine des US-Bundesstaats Kalifornien zu akzeptieren, angeblich, weil bei dem Staat ein erhöhtes Kreditrisiko besteht. Man sollte doch eigentlich meinen, dass Banken, denen selbst aus der Patsche geholfen worden ist, sich verpflichtet fühlen sollten zu helfen...

Filmtipps:

Warum überall Geld fehlt - Die Geschichte vom Goldschmied Fabian: 50 aufschlussreiche Minuten über den Fehler in unserem Geldsystem und das unentdeckte Geheimnis des Banken- und Geldwesens. Die Autoren des Films versuchen mit Ihrem Beitrag auf leicht verständliche Art und Weise Licht ins Dunkel unseres Geldsystems zu bringen.

Geldsystem und Weltfinanzkrise – ein Interview mit Dr. Bernd Senf: In einem zweistündigen Interview spricht Dr. Bernd Senf, Professor für Volkswirtschaftslehre an der FHW Berlin, über die tieferen Ursachen der Weltfinanzkrise und die notwendigen Konsequenzen. In von Volkswirten selten vernommener Klarheit erläutert Prof. Senf die Zinsproblematik, die Geldschöpfung der privaten Geschäftsbanken sowie der teilweise privaten Zentralbanken und die Auswirkungen der dadurch zwangsläufigen, allgemeinen Verschuldung.

Bankenkrise und Geldordnung - ein Vortrag von Nicolas Hofer: Erfahren Sie das ungeschönte Urteil der Experten über die systemisch bedingte, astronomische Staatsverschuldung, das faktisch wertlose virtuelle Zahlungsmittel welches in unserem Kreditgeldsystem völlig legal von den Zentral- und Geschäftsbanken aus dem nichts erschaffen wird, das "Tarnen und Täuschen" als essentielles Element des Bankensystems, die brauchbaren und unbrauchbaren Lösungsansätze und vieles mehr.

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