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vor 5 Jahren, 3 Monaten
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Gerry

Die faulsten Floskeln: Wenn die Politik hohle Phrasen drischt

Startbeitrag von Gerry am 16.11.2012 11:14

Wenn die Politik hohle Phrasen drischt

"Wir sagen es in aller Klarheit: Am Ende des Tages sollten wir die Menschen wieder abholen und unsere Hausaufgaben machen, auch wenn es uns nicht gelungen ist, unsere Inhalte richtig zu vermitteln": Diese Sätze ergeben für Sie wenig bis keinen Sinn? Richtig - wer sagt es den Politikern?
Von Thomas Golser / Kleine Zeitung

Und da ist es schon wieder passiert: Verirrt im Wald aus Floskeln. Ausgesetzt am Spielplatz der Stehsätze. Randvoll mit leeren Phrasen. Dass manche Politiker in ihrer Rhetorik allzu oft im abgestandenen Wasser waten, war ja zu befürchten - doch gerade jetzt im Wahlkampf häufen sich auffällig oft Beispiele für Aussagen ohne jeden Gehalt. Was gesagt wird, wenn einem eigentlich nichts von Substanz einfällt, ist schnell entlarvt.

Zehn Negativbeispiele aus gegebenem Anlass - schlucken wir noch mehr Worthülsen?

"In aller Klarheit"

Das wohl wichtigste Füllmaterial, gewissermaßen die rhetorische Amalgam-Plombe, wenn es für Politiker darum geht, ihren Aussagen besonderen Nachdruck zu verleihen und ultimativen Wahrheitsgehalt vorzugaukeln.

"Inhalte nicht richtig vermittelt"

Eine vorgegossene und sehr schnell gezückte Floskel, wenn es darum geht, schmerzhafte Wahlschlappen so gut wie möglich aussehen zu lassen. Nicht das Programm als solches, sondern nur die Art, wie es verkauft wurde, sei falsch gewesen.

"Den Wähler abholen"

Den Wähler abholen - eine ebenfalls seit geraumer Zeit (und in allen Parteien gängige) Wendung, die zwangsläufig eine weitere Frage provoziert: Wo war er denn nun, der Wähler? Auf der Flucht? Abgestellt, abgeladen - oder doch nach der Wahl ein Mal zu oft verladen? Ein eher nichtssagendes Konstrukt aus dem prall gefüllten Wörterbuch der politischen Stehsätze.

"Politik für die Menschen"

Der Politiker als Menschenfreund, die Politik als Jungbrunnen der Selbstlosigkeit - ein Klassiker. Politik wird selbstverständlich nicht für die Partei und deren Wohlbefinden betrieben, sondern nur für die Menschen - immer. Ausnahmslos. Angeblich.

"In keinster Weise" bzw. "zur vollsten Zufriedenheit"

Hier dürfte nicht nur der aufmerksame Deutschprofessor stutzig werden: Wenn es möglicherweise mit interessanten Inhalten etwas hapert, neigt der Politikerstand zu atemberaubenden Steigerungsformen - und zu Superlativen.

"Sage ganz offen"

Der Politiker, der sein Herz so richtig öffnet und endlich Tacheles spricht? Direkt, ungeschönt und schonungslos ehrlich? Mitnichten!

"Habe mit den Menschen gesprochen"

Ich habe mit den Menschen gesprochen, wird bevorzugt zu Wahlkampfzeiten abgesondert und soll vortäuschen, dass zwischen dem Politiker und dem Wähler kein Blatt Papier mehr Platz habe. Ob nun im Bierzelt, unter dem Rednerpodium oder vor dem Wahlkampf-Bus: Angeblich wurden die Antennen ausgefahren, der Puls gefühlt, die Ohren gespitzt und dann destilliert, was dem Wähler wirklich auf dem Herzen liegt und auf der Seele brennt...

"Ursprünglich nicht vorgesehen" bzw. "derzeit nicht nötig"

Ursprünglich nicht vorgesehen bzw. derzeit nicht nötig sind zwei Möglichkeiten der verbalen Frotzelei, die allerdings auf das gleiche hinauslaufen und übersetzt nicht selten so viel bedeuten wie: Was jetzt eingetreten ist, konnten wir leider auch nicht verhindern - und was bis jetzt noch nicht erledigt wurde, könnte schon recht bald unvermeidbar sein.

"Die Hausaufgaben machen"

Die Politik, rhetorisch zurück am Weg in die Grundschule - vor allem dann, wenn Gefahr in Form von roten Zahlen in Verzug ist. Die Hausaufgaben machen sollten immer auch die Politiker selbst - für die breite Masse namens Volk übersetzt heißt das aber nicht selten: Den Gürtel enger schnallen bitte, da geht noch etwas!

"Am Ende des Tages"

In der politischen Landschaft von heute wird es manchmal ziemlich dunkel. Was liegt also für viele Volksvertreter näher als auch gleich ihre Aussichten und Erwartungen gegen das Ende des Tages hin zu verlagern: Oft werden dem Bürger auf diese Weise unliebsame Wahrheiten (z.B. Mehrbelastungen in Form von Steuern und Kürzungen in Form von Sparpaketen) verkauft, denn am Ende des Tages müsse man sich eben damit abfinden.

Anm.: Die Erklärungen unter den Sprüchen sind gekürzt, lesen Sie sie vollständig hier bei der Kleinen Zeitung.
Dort finden Sie auch das Kurzvideo mit Loriots Bundestagsrede.

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