Hausdurchsuchung bei IWF-Chefin Christine Lagarde

Startbeitrag von ein Bürger, wie Du am 20.03.2013 19:44


Die IWF-Chefin Christine Lagarde

Ermittler haben die Pariser Privatwohnung der IWF-Chefin Christine Lagarde durchsucht. Anlass war nach Angaben ihres Anwalts ein im August 2011 eingeleitetes Ermittlungsverfahren der französischen Justiz im Fall Adidas /Tapie. Der 57-Jährigen wird Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Mittel vorgeworfen.
Lagardes Anwalt sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Mandantin habe in der Affäre um umstrittene Millionenzahlungen an den Unternehmer Bernard Tapie "nichts zu verbergen". Dabei ging es um Entschädigungen von 400 Millionen Euro.
Ermittlungen gegen Lagarde seit 2011

Gegen Lagarde waren im August 2011 im Zusammenhang mit umstrittenen Entschädigungszahlungen aus Staatsgeldern an Tapie Ermittlungen eingeleitet worden, wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt als IWF-Chefin. Zum Zeitpunkt der Entscheidungen zugunsten Tapies war Lagarde französische Finanzministerin unter dem damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy. Es geht um den Vorwurf der "Beihilfe zur Fälschung" und "Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder". Lagarde sei in der Angelegenheit noch nicht befragt worden, sagte der Anwalt der IWF-Chefin weiter.
Ausgang war der Verkauf von Adidas

In der Tapie-Affäre geht es um den Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas an die französische Bank Crédit Lyonnais im Jahr 1993. Tapie hatte der verstaatlichten Bank vorgeworfen, ihn beim Verkauf des Unternehmens übervorteilt zu haben, und auf Entschädigung geklagt. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem Geschäftsmann und der Bank beauftragte die frisch ins Amt eingeführte Finanzministerin Lagarde im Jahr 2007 ein Schiedsgericht damit, den Fall zu lösen. Tapie bekam daraufhin Schadenersatz in Höhe von 285 Millionen Euro zugesprochen - mit Zinsen sogar 400 Millionen Euro.

Lagarde hatte zuletzt Ende Januar beteuert, die Anrufung des Schiedsgerichts sei "damals die beste Lösung" gewesen. Die Ermittlungen gegen sie werden vom Gerichtshof der Republik geleitet, der einzigen Instanz in Frankreich, die zu mutmaßlichen Vergehen von Regierungsmitgliedern während ihrer Amtszeit ermitteln darf. Separat zu den Ermittlungen gegen Lagarde untersuchen auch Pariser Untersuchungsrichter den Fall. Dabei wurden zuletzt unter anderem die Wohn- und Büroräume von Claude Guéant durchsucht, der zum Zeitpunkt der Affäre Sarkozys Generalsekretär im Präsidentenpalast war.
Kein Kommentar vom IWF

Der IWF in Washington erklärte zur Wohnungsdurchsuchung auf Anfrage, es wäre "unangemessen" einen Fall zu kommentieren, mit dem sich die französische Justiz befasse. Der IWF-Exekutivrat habe das Thema aber vor Lagardes Ernennung im Juli 2011 diskutiert und ihr sein "Vertrauen" ausgesprochen.

http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_62657306/hausdurchsuchung-bei-iwf-chefin-christine-lagarde.html

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