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Abraham
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vor 5 Jahren, 2 Monaten
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Gerry

Prof. Wilhelm Hankel: Die Eurobombe entschärfen

Startbeitrag von Gerry am 26.04.2013 11:45

Seit einigen Jahren schwelt die Eurokrise in Europa. Immer größere Rettungspakete werden verabschiedet, immer neue Methoden zur Eurorettung ersonnen. Einer der größten Kritiker der Gemeinschaftswährung und der Euro-Rettungspolitik ist Prof. Dr. Wilhelm Hankel. Der Volkswirt, Eurokritiker der ersten Stunde und Buchautor erklärt, welche Fehler er in dem Euro sieht und welche Lösung er Bundeskanzlerin Angela Merkel empfehlen würde.




Herr Prof.Dr. Hankel, Sie gelten in Deutschland als einer der profiliertesten Gegner des Euro. Vor der Währungsunion hatten Sie vor den Folgen durch die Euro-Einführung gewarnt. Vieles hat sich bewahrheitet. Was wurde Ihrer Meinung nach bei der Einführung des Euro falsch gemacht?



Prof. Dr. Hankel: Der gravierendste Fehler war, dass den unterschiedlichen Volkswirtschaften ihre Wechselkurse genommen wurden. Nur mit eigenen Wechselkursen kann man die Folgen politischer Entscheidungen abfedern und die Volkswirtschaften können sich in einem gemeinsamen Markt und den damit verbundenen Nationen miteinander abstimmen. Wie schon der große Ökonom Milton Friedman sagte: Es ist immer leichter einen Preis zu verändern – den Wechselkurs statt der Millionen, Preise, Kosten, Löhne, Renten. Das war auch der Inhalt der Klage die meine Kollegen und ich damals vor dem Bundesverfassungsgericht schon vor der Euroeinführung vorgebracht hatten.

Seit mehr als drei Jahren schwelt die Euro-Schuldenkrise in Europa. Was wurde Ihrer Meinung nach seit Ausbruch der Eurokrise falsch gemacht?



Prof. Dr. Hankel: Zum ersten Fehler wurde noch ein zweiter gravierender Fehler hinzugefügt. Die automatisierte Finanzierung von Leistungsbilanzen und von Budgetdefiziten. So etwas nennt man monetäre Staatsfinanzierung. Auch wurde zur Eurorettung ein schwerer Rechtsbruch begangen: Das Bail-Out Verbot wurde missachtet. Dies war eine ökonomische Dummheit ersten Ranges, da die Staaten sich jetzt weiter unverantwortlich verhalten werden. Es ist zu einem Moral Hazard Problem bei den Staaten kommen. Die Eurorettung löst also nicht die Eurokrise sondern verschärft sie sogar, da sie dadurch zu einer systemischen Krise wird.

 


Jüngst wurde auch das kleine Zypern als systemrelevant gerettet. Das Land hat einen Finanzbedarf von rund 23 Milliarden Euro. Doch gilt Zypern auch als Eldorado für Geldwäsche und Schwarzgeldkonten. Ist denn eine Rettung Zyperns überhaupt noch für den deutschen Steuerzahler nachvollziehbar?


Prof. Dr. Hankel: Zypern ist das Menetekel für die Zukunft von Deutschland und ganz Europa. Denn jetzt sanieren auch die Sparer die Banken. Für mich ist dies besonders schmerzlich. Ich habe mit der Bankenenquete von 1969 den Anstoß zur Einlagensicherung in Deutschland gegeben, wofür ich übrigens das Bundesverdienstkreuz erhalten habe. Die Situation in Zypern ist ein Alarmsignal für Deutschland und ganz Europa.



In Deutschland werden die Vorteile des Euro für das Land und die Wirtschaft betont. Sie verneinen dies. Warum ist Ihrer Meinung nach der Euro schlecht für Deutschland?


Prof. Dr. Hankel: Davon kann sich jeder selber überzeugen, indem er Deutschland mit der Schweiz vergleicht. Dort herrscht das was wir auch einmal hatten: Vollbeschäftigung, Währungsstabilität, Ruhe am Arbeitsmarkt, Lohnzuwächse und eine positive Entwicklung der Realeinkommen.



Also sollte Deutschland die D-Mark wieder einführen und damit riskieren, dass der Export einbricht, wenn die D-Mark stark aufwertet?



Prof. Dr. Hankel: Die Schweiz ist die Antwort. Können sie sich vorstellen, dass die USA ihren Dollar aufgibt oder Russland den Rubel, um den Euro einzuführen? Die jetzige Eurokrise ist abschreckend für andere Staaten, auch außerhalb der EU.



Was halten Sie von den Rettungspaketen, die für die Eurokrisenländer geschnürt wurden? Wer hat davon am meisten profitiert?

Prof. Dr. Hankel: Sie müssen wissen: Nicht der Euro wird gerettet, sondern das falsch in den Euro investierte Geld. Es wird das Geld der Banken gerettet, eventuell auch das Geld von „selbstlosen“ Ratgebern wie George Soros. Die Steuerzahler retten also das in den Eurosand gesetzte Geld der Investoren.



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Thema: Eurokrise und die deutsche Politik

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