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Abraham
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ein Bürger, wie Du

Wundererde soll Stadt erblühen lassen Umwelt – Uraltes Wissen von Indianern könnte Gartenbau revolutionieren – Test-Beet

Startbeitrag von ein Bürger, wie Du am 13.08.2013 20:55


Hat große Pläne: Dieter Krellmann will das jahrtausendealte Wissen um die sogenannte Wundererde der Indios nach Darmstadt holen – im „Königreich Popo“ lässt der Boden bereits Bohnen sprießen. Foto: Claus Völker


Schon vor 2000 Jahren wussten Indios im Amazonasgebiet, wie man schlechten Boden in fruchtbaren Humus verwandelt. Doch das Wissen ging verloren. Einer der angeblichen Wiederentdecker der schwarzen Erde ist ein Darmstädter – und er will mit der Wundererde den Gartenbau in seiner Heimat revolutionieren.

Die Feuerbohnenpflanzen überragen Dieter Krellmann stehend mittlerweile um gut anderthalb Meter. „Dabei haben wir die erst Anfang Juni gepflanzt“, sagt der zweiundfünfzigjährige Darmstädter. Das Radieschen im Topf ist groß wie ein Golfball. „Und die werden nicht nur groß, sondern sind auch nährstoffreich und schmecken richtig gut.“ Wer jetzt an Gentechnik denkt, liegt falsch – das Zauberwort heißt: „Terra Preta“, portugiesisch für: schwarze Erde. Oft wird sie auch „Wundererde“ genannt.

Schon vor über 2000 Jahren betrieben Indianervölker im Amazonasgebiet Landwirtschaft. Dafür mussten sie allerdings einen Weg finden, den schnell verwitternden Regenwaldboden in fruchtbaren Humus umzuwandeln. In Tonkrügen ließen sie Pflanzen- und Speisereste, Fäkalien und Holzkohle vergären – die Grundlage für „Terra Preta“.
Der Boden bindet CO2 aus der Luft

Die Wundererde ist ein wahres Multitalent: Sie lässt die Pflanzen selbst auf schlechtem Untergrund sprießen, speichert Wasser besser als andere Böden und kann dazu noch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf natürliche Weise einspeichern, also einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Dschungel Brasiliens etwa lässt sich die „Terra Preta“ in früheren Siedlungsgebieten der Indios auch nach Jahrtausenden noch nachweisen.

Aber das Wissen darum ging verloren, erst seit etwa dreißig Jahren versuchen Forscher, das Originalrezept der Wundererde nachzuahmen. Drei Forschern aus Rheinland-Pfalz ist das angeblich gelungen.

Sie produzieren und vertreiben die schwarze Erde seit einigen Jahren im pfälzischen Hengstbacherhof – gemeinsam mit Dieter Krellmann, der die Erde jetzt nach Darmstadt holen will. Eigentlich hat er das längst: Die Feuerbohnen im wilden Garten der Festival-Bar „Königreich Popo“ auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs wachsen darauf, und auch das städtische Grünflächenamt hat Interesse: In einem Beet auf der Rosenhöhe wird die Erde testweise genutzt, wie Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel auf ECHO-Nachfrage bestätigt.

Auch einigen Privatgärten in der Stadt hat die „Terra Preta“ zu unverhofftem Erntesegen verholfen, sagt etwa Hobby-Gärtnerin Ilse Körner aus Bessungen dem ECHO: „Auf dem sandigen Boden hier hat es mit dem Anpflanzen von Gemüse nie geklappt.“ Seitdem sie die schwarze Erde verwende, erfreue sie sich regelmäßig an Gurken und Paprika – erstmals überhaupt seit 45 Jahren.
Produktion von Biokohle ist sehr aufwendig

Aber um Hobbygärtner gehe es ihm in erster Linie gar nicht, sagt Dieter Krellmann, der eigentlich Grafik-Designer ist und vor Jahren durch Zufall mit den Pfälzer Forschern zusammenkam, wie er sagt. Seine Vision reicht viel weiter: Er träumt von einer Revolution des städtischen Gartenbaus und der Landwirtschaft auf der ganzen Welt. Bioabfälle könnten als „Terra-Preta“-Grundlage dienen, und vor allem in ärmeren Ländern könnten schlechte Böden nutzbar gemacht werden, ohne Urwälder roden zu müssen.

Um Profit gehe es ihm dabei nicht, beteuert er. „Es geht um etwas viel Größeres, nämlich darum, die Idee in die Welt zu tragen. Jeder kann sich seine eigene ,Terra Preta' machen, das ist sogar erwünscht.“

Allerdings gibt es in puncto Herstellung einen Haken: Ein wichtiger Bestandteil der Wundererde ist Kohle, aber nicht irgendeine, sondern rein pflanzliche Biokohle – und deren Herstellung ist sehr aufwendig und darüber hinaus noch nicht besonders gut erforscht.

Der Bodenkundler Bruno Glaser von der Universität in Halle an der Saale hat darum im Sommer vergangenen Jahres ein EU-weites Forschungsprojekt zur Biokohle ins Leben gerufen. Auch die Wissenschaftler um Glaser befassen sich seit Jahren mit „Terra Preta“. Sie konnten die besonderen Eigenschaften ebenfalls nachweisen – in den Versuchsgärten sprossen die Pflanzen ähnlich wie im „Königreich Popo“.

Ob die Wundererde künftig ganz Darmstadt zum Erblühen bringen wird, bleibt abzuwarten – noch hält sich das Grünflächenamt bedeckt. Mit ersten Ergebnissen des Tests auf der Rosenhöhe werde frühestens im Herbst gerechnet.

Bis dahin sind Krellmanns Feuerbohnen acht Meter hoch – das wettet er jedenfalls. Und er hat keinen Zweifel daran, diese Wette zu gewinnen.

http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Wundererde-soll-Stadt-erbluehen-lassen;art1231,4173195
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