10 Mythen über introvertierte Menschen

Startbeitrag von ein Bürger, wie Du am 24.08.2013 20:03

Introvertierte Menschen sind eher Außenseiter in einer extrovertierten Gesellschaft, manchmal wird es fast wie eine Krankheit angesehen. Aber vieles, was wir über Introvertierte glauben, stellt sich bei näherem Hinsehen als ziemlich oberflächliche Sichtweise heraus.
Introvertiert - ein Urteil voller Missverständnisse


Im Jahr 2008 hatte ich das Glück, ein Buch mit dem Titel, „Die Macht der Introvertierten: Der andere Weg zu Glück und Erfolg" von Marti Olsen Laney zu entdecken. Es fühlte sich an, als hätte jemand einen Enzyklopädie-Eintrag über jene seltene Rasse von Menschen geschrieben, der ich offenbar angehöre. Nicht nur erklärte das Buch viele meiner exzentrischen Verhaltensweisen, es half mir, mein ganzes Leben in einem neuen und produktiven Kontext zu redefinieren.

Jeder, der mich kennt, würde wahrscheinlich sagen: "Blitzmerker! Warum hat es so lange gedauert, um zu merken, dass du ein Introvertierter bist?" So einfach ist es nicht. Das Problem ist, dass die gängige Bezeichnung als Introvertierter, ein sehr oberflächliches Urteil voller Missverständnisse ist. Es ist tatsächlich etwas komplexer.


Introvertierte und Extrovertierte

Ein Teil von Laneys Buch kartiert das menschliche Gehirn und erklärt, wie die Neuro-Transmitter im Nervensystem von Introvertierten und Extrovertierten ganz unterschiedlichen dominanten Pfaden folgen. Wenn die Wissenschaft hinter dem Buch richtig ist, stellt sich heraus, dass introvertierte Menschen überempfindlich auf Dopamin reagieren, so dass zu viel externe Stimulation sie erschöpft. Umgekehrt bekommen Extrovertierte nicht genug Dopamin, und ihr Gehirn braucht Adrenalin um es zu produzieren. Extrovertierte haben einen kürzere Wege und weniger Blutfluss zum Gehirn. Bei Extrovertierten umgehen die Impulse des Nervensystems meist umgehen das Broca-Areal im Frontallappen, wo ein großer Teil der kontemplativen Betrachtung stattfindet.

Laut diesem Buch sind nur etwa 25% der Menschen introvertiert. Und ein noch geringerer Prozentsatz davon so extrem, wie ich es bin. Dies führt zu einer Menge von Missverständnissen, da die Gesellschaft nicht über sehr viel Erfahrung mit meinen Leuten verfügt.

Hier also ein paar Missverständnisse über Introvertierte auf der Grundlage meiner eigenen Lebenserfahrung:


1. "Introvertierte reden nicht gerne."

Das ist nicht wahr. Allerdings reden Introvertierte nur, wenn sie auch was zu sagen haben. Sie hassen Small-Talk. Wenn du allerdings einen Introvertierte dazu bringst, über ein Thema zu reden, das ihn interessiert, wird er tagelang nicht mehr aufhören zu reden. :-)

2. "Introvertierte sind schüchtern."

Schüchternheit und Introvertiertheit sind zwei Paar Schuhe. Introvertierte haben nicht zwangsweise "Angst" vor Menschen. Sie brauchen lediglich einen Grund, um jemanden anzusprechen. Sie kommunizieren nicht, nur um zu kommunizieren. Wenn du einen Introvertierten ansprechen willst: Tu es einfach. Höflichkeitsfloskeln sind nicht nötig.

3. "Introvertierte sind unhöflich."

Introvertierte sehen meist keinen Grund darin, um den heißen Brei herumzureden und verzichten auf Geplänkel und Floskeln. Sie wünschen sich, dass jeder einfach authentisch und ehrlich ist. Leider ist das in zahlreichen Situationen unerwünscht, weshalb Introvertierte einen großen Druck verspüren, sich anzupassen - was sie wiederum als anstrengend und ermüdend empfinden.

4. "Introvertierte mögen keine Menschen."

Ganz im Gegenteil: Introvertierte schätzen die wenigen Freunde, die sie haben, sehr. Sie können ihre echten Freunde meist an einer Hand abzählen. Wenn ein Introvertierter dich als Freund betrachtet, hast du wahrscheinlich einen treuen Verbündeten fürs Leben gewonnen. Wenn du einmal ihren Respekt als tiefgründiger Menschen gewonnen hast, hast du sehr gute Karten, einen Introvertierten als Freund zu gewinnen.

5. "Introvertierte gehen nicht gerne aus."

Auch Introvertierte gehen gerne aus, allerdings nicht allzu lange. Da sie Situationen sehr schnell erfassen, müssen sie sich nicht lange irgendwo aufhalten, um die Eindrücke in sich aufzunehmen. Sie würden dann gerne wieder nach Hause gehen, um ihre Batterien wieder aufzuladen und die Erlebnisse zu verarbeiten. Ausreichende Regeneration ist für Introvertierte von entscheidender Bedeutung.

6. "Introvertierte wollen immer alleine sein."

Introvertierte fühlen sich mit ihren eigenen Gedanken sehr wohl. Sie denken viel und gerne. Sie arbeiten gerne an Problemen und ihren Lösungen. Aber sie können auch unglaublich einsam sein, wenn sie niemanden haben, mit dem sie ihre Entdeckungen teilen können. Sie sehnen sich nach echten, innigen und offenherzigen Beziehungen - mit je einer Person zu einer Zeit.

7. "Introvertierte sind sonderbar."


Introvertierte sind meist Individualisten. Sie folgen nicht der Masse. Sie würden gerne für ihre originellen Lebenswege und -stile geschätzt werden. Sie denken eigenständig und hinterfragen deshalb oft die gesellschaftlichen Normen. Ihre Entscheidungen treffen sie nicht danach, was gerade beliebt oder modern ist.

8. "Introvertierte sind unnahbar."

Introvertierte richten ihre Aufmerksamkeit lieber nach innen und achten sehr auf ihre Gedanken und Gefühle. Das heißt aber nicht, dass sie nicht mitkriegen würden, was um sie herum geschieht, sondern nur, dass ihre innere Welt für sie weit anregender und reicher ist.

9. "Introvertierte können sich nicht entspannen oder Spaß haben."

Introvertierte entspannen sich normalerweise zuhause oder in der Natur, nicht an hektischen öffentlichen Orten. Introvertierte brauchen wenig Action oder Nervenkitzel. Wenn zu viel Lärm oder Geplapper um sie herum ist, machen sie "dicht". Ihre Gehirne reagieren sehr sensibel auf den Neurotransmitter Dopamin. Bei Introvertierten und Extrovertierten "dominieren" unterschiedliche Nervenbahnen. Das kann man nachschlagen.

10. "Introvertierte können sich ändern und Extrovertierte werden."

Eine Welt ohne Introvertierte wäre eine Welt beinahe ohne Wissenschaftler, Musiker, Künstler, Dichter, Filmemacher, Ärzte, Mathematiker, Autoren oder Philosophen. Dennoch gibt es zahlreiche Wege für Extrovertierte, zu lernen, mit Introvertierten umzugehen. (Ich habe die beiden Begriffe bewusst vertauscht, um zu zeigen, wie voreingenommen unsere Gesellschaft ist.)

Introvertierte können sich nicht in Extravertierte verwandeln und verdienen Achtung für ihren natürlichen Charakter und ihren Beitrag zur Menschheit. Eine Studie von Silverman aus dem Jahr 1986 zeigt sogar, dass der Prozentsatz an Introvertierten mit ansteigendem IQ zunimmt.

Es kann schrecklich destruktiv für einen Introvertierte sein, sich selbst zu verleugnen, um sich einer von Extravertierten beherrschten Welt anzupassen. Wie bei anderen Minderheiten besteht auch bei Introvertierten die Gefahr, dass sie sich selbst und andere aufgrund ihrer Abweichungen von der Mehrheit ablehnen oder gar zu hassen beginnen.

Wenn du glaubst, introvertiert zu sein, ist es oft sehr hilfreich und belebend, sich mit anderen Introvertierten auszutauschen oder erstmal einfach nur mehr über das Thema zu lesen. Es kommt nicht darauf an, dass Introvertierte "normal" werden. Extravertierte sollten die Verschiedenheiten anerkennen und respektieren - und die Introvertierten selbst auch.

http://www.sein.de/geist/persoenliches-wachstum/2013/10-mythen-ueber-introvertierte-menschen.html

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