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vor 3 Jahren, 5 Monaten
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ein Bürger, wie Du

Was ist Zeit eigentlich?

Startbeitrag von ein Bürger, wie Du am 22.06.2014 20:33

Tic Tac Tic Tac Tic Tac
Christoph Jehle 22.06.2014
Das unermüdliche Ticken einer Uhr oder eines Metronoms erscheint oft als Symbol für den Wettlauf mit der Zeit. Ein Wettlauf mit der Zeit? Ist das überhaupt möglich?
Was ist Zeit eigentlich? Spätestens seit dem 1997 erschienenen Band Eine Landkarte der Zeit von Robert Levine wurde auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst, dass die Vorstellung von Zeit vom Lebensumfeld (und damit auch von der Kultur des Einzelnen) abhängig ist. In den industrialisierten Ländern wird die Zeit zumeist als Zeitstrahl verstanden, während in Asien ein zirkulares Zeitverständnis vorherrscht. Aber selbst in Europa hat eine Zeitangabe nicht in allen Regionen das gleiche Gewicht. Ein berühmtes Beispiel, das so manchen Kontinentaleuropäer zur Verzweiflung treiben kann, ist die sogenannte irish time. Eine Verabredung für Sonntag um 15:00 heißt: Man trifft sich entweder irgendwann am Sonntag oder irgendwann um 15:00.
Zeitvorstellungen

Will man die verschiedenen Zeitvorstellungen grob differenzieren, so kann man zwischen der Natur-, der Ereignis- und der Uhr-Zeit unterscheiden. Die Naturzeit orientiert sich üblicherweise an den jährlichen Regen- und Trockenperioden und knüpft damit an Aussaat und Ernte an. Beide Termine sind jedoch nicht im Kalender fixiert, sondern werden flexibel nach der jeweiligen Witterung gesetzt. Reis, der nicht reif und trocken geerntet wird, ist taub und kann zwar gegessen, aber nicht als Saatgut für die nächste Saison genutzt werden. Als technisches Hilfsmittel zur Anzeige der Zeit im Tagesgang wurde bis ins 19. Jahrhundert die Sonnenuhr benutzt.

Die Ereignis-Zeit orientiert sich, wie der Name vermuten lässt, an bestimmten Ereignissen. Solch ein Ereignis ist beispielsweise der Zeitpunkt, wenn die Tiere auf die Weide getrieben oder wieder in den Stall geführt werden. Im Umfeld der regelmäßigen Ereignisse, die als solche normalerweise gar nicht wahrgenommen werden, kann jedoch auch der Ausfall in einem regelmäßigen Ablauf ein Ereignis darstellen. Diese Denkweise herrscht zum Beispiel in Fernost auch außerhalb der Landwirtschaft vor und jemand, der aus den westlichen Industriestaaten kommt und nicht weiß, was hätte geschehen sollen, aber aktuell nicht geschieht, ist mit seiner Einschätzung der jeweiligen Situation schnell auf dem Holzweg. Ein Aspekt, der den Nutzen des Abhörens der Telekommunikation durchaus ad absurdum führen kann.

Im sogenannten Westen herrscht heute üblicherweise die Uhr-Zeit vor, die mit dem technischen Hilfsmittel der Uhr in möglichst gleiche Zeit-Abschnitte zerlegt wird. Als Maß der Dinge gilt dabei die Atomzeit. Die digitale Uhrzeit läuft unerbittlich weiter und treibt in den Industriestaaten ziemlich alles vor sich her. Die technikgetriebene Zeitvorstellung ist noch vergleichsweise jung und hat sich über die industrielle Revolution von England ausgehend mit der Industrialisierung verbreitet. Als Konsequenz der technischen Präzision der Uhren entwickelten sich in der industriellen Produktion die genaue Taktung der Fertigungsvorgänge am Fließband und die permanente Optimierung dieser Abläufe mit dem Ziel, die Produktivität der Fertigung zu erhöhen. Unter dem Einfluss der Religion wurde Nichtstun als Zeitverschwendung stigmatisiert und später in den Urlaub verbannt. Als Bildungsurlaub getarnt, kehrte der getaktete Leistungsdruck jedoch bald auch wieder in die Freizeit zurück.
Zeitmessung

Neben der alltäglichen Strukturierung des Tagesablaufs mit Hilfe der Uhrzeiten hat die technische Zeitmessung mit ihrer immer größeren Präzision die Geschichte des Sports beeinflusst. Und somit ist es wenig verwunderlich, dass sich das Olympische Museum im schweizerischen Lausanne dem Thema "Wettlauf mit der Zeit" vom 5. Juni 2014 bis zum 18. Januar 2015 in einer Sonderausstellung widmet.

Die von Lorenzo Greppi gestaltete und von der Open-University-Kuratorin Kath Woodward betreute Ausstellung widmet sich, dem Veranstaltungsort geschuldet, schwerpunktmäßig der Zeit im Zusammenhang mit dem sportlichen Wettkampf - und hier vor allem der Olympiade unter Einschluss des klassischen Vorbilds in Griechenland. Damals wurde - das mag manchen jetzt überraschen - der Sieger nicht durch die Stoppuhr bestimmt, sondern von Zeus ausgewählt. Einen deutlichen Hinweis darauf, dass das Zeitverständnis im Sport zu jener Zeit ein zirkulares war, geben die bekannten Abbildungen der sportlichen Abläufe auf den aus Griechenland stammenden antiken Vasen.

...hier bitte weiterlesen:

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41981/1.html

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