Schuldenschnitt? Ja bitte – wir sind alle Griechen!

Startbeitrag von Gerry am 29.01.2015 17:35

Wie realitätsfern muss man sein, gegenüber Griechenland eine „harte Haltung“ zu fordern? Wie ignorant gegenüber der eigenen Situation? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jedes europäische Land einen Schuldenschnitt braucht. Griechenland ist uns da nur ein paar Jahre voraus. Wir sind alle Griechen.

Die Griechen haben über ihre Verhältnisse gelebt, das steht außer Frage. Dass sie das überhaupt konnten, haben wir zu verantworten. Wir, das heißt die Politik und die Bankenwelt des gesamten Westens. Sobald sich die Gelegenheit bot, haben die Europäer den Griechen verboten, ihre restriktiven Zollgesetze beizubehalten, die verhinderten, dass in Griechenland Importgüter konsumiert werden, die sich das Land eigentlich nicht leisten kann. „Großzügig“ wurden Kredite angeboten, mit denen beispielsweise unsere teuren Autos nach Griechenland verkauft werden konnten. Früher unterlag das strengen Auflagen.

Griechenlands Probleme sind auch die unseren

Die Globalisierung war für Griechenland eine Katastrophe. Die einst leistungsfähige griechische Textilindustrie ist chinesischen Wanderarbeitern und der „Geiz ist geil“-Mentalität zum Opfer gefallen. Die Werftindustrie, einst der Stolz der Hellenen, gibt es nicht mehr. Das Letzte, was Griechenland noch exportieren könnte, wollen wir nicht mehr haben: Das gute griechische Olivenöl, weil die profitgierigen Kaufleute die Deutschen lieber mit dem billigsten, schlechtesten und gesundheitsschädlichen Rapsöl vergiften. Griechenland hat ein akutes Problem, das die armen Griechen aber nicht aus eigener Kraft lösen können.

Die Griechen werden ihre Schulden niemals begleichen können, soviel steht fest. Im Insolvenzrecht steht geschrieben, dass ein Insolvenzverfahren einzuleiten ist, wenn abzusehen ist, dass ein Schuldner seine Schulden nicht in absehbarer, vernünftiger Zeit begleichen kann. Das trifft auf Griechenland zweifelsfrei zu.

Allerdings ist an dieser Stelle die Frage zu stellen, auf welchen Staat das nicht zutrifft. Nehmen wir als Beispiel das „gesunde“ Deutschland.

Die Staatsschulden Deutschlands sind immer schneller angewachsen auf mittlerweile etwa 3.000 Milliarden Euro. Schäuble brüstet sich jetzt mir einer „schwarzen Null“, zu deren Entstehung er nichts, aber auch gar nichts beigetragen hat. Schulden tilgen kann er aber nicht. Und selbst wenn er könnte, dann sollte man eine kleine Rechnung aufmachen: Angenommen, und das ist eine absolut unrealistische Annahme, Deutschland würde ab diesem Jahr jedes Jahr Schulden tilgen in Höhe von 50 Milliarden Euro, dann würde es 60 Jahre dauern, bis alle Schulden getilgt sind. Realistisch betrachtet, wird Deutschland selbst in tausend Jahren nicht schuldenfrei sein, so lange nicht wirklich einschneidende Maßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel ein radikaler Schuldenschnitt. Wir sind alle Griechen!

Mit ihrer Wahl haben die Griechen der Welt eine wichtige Botschaft gesendet: Wir machen diesen Wahnsinn nicht mehr mit! Den Wahnsinn, dass irgendwelche privaten (!) Finanzhaie Volkswirtschaften ausplündern mit Hilfe eines perfiden Systems. Erst wird ein Land in Schulden getrieben und dann lässt man es Frondienste leisten, deren Ausmaß man nahezu beliebig steuern kann mit der Höhe der Zinsen. Diese wiederum werden wiederum nahezu beliebig festgeschrieben von wiederum privaten US-Ratingagenturen, die keinerlei vernünftiger Kontrolle unterliegen. Eines muss dabei dem Letzten ins Stammbuch geschrieben werden: Es gibt kein westliches Land, das jemals seine Schulden begleichen kann. Schulden, die nicht beglichen werden können, sind nicht nur unmoralisch, sie müssen, und ich wiederhole, sie müssen in einem Insolvenzverfahren geklärt werden.

Was jetzt in Griechenland mit der neuen Regierung geschehen könnte, sollte wegweisend für ganz Europa sein und eigentlich für die ganze Welt. In den letzten hundert Jahren hat es eine ganze Menge an „Staatspleiten“ gegeben und die Welt ist nicht untergegangen. Man bedenke, wenn von heute auf morgen alle, restlos alle Schulden und Guthaben annulliert würden, dann würde von dieser schönen Erde nichts verschwinden – außer eben diese völlig irrsinnigen Geldmengen und, ich denke hier liegt das Problem, mit dem Geld die Macht, die dieses Geld ausübt. Es würde aber etwas ganz anderes, Positives geschehen: Alles, alle Waren würden über Nacht um etwa 30 Prozent billiger werden. Wie bitte? Es ist ganz einfach: Die allgemeine Zinslast – der Staaten und im privaten Bereich – macht alles teurer und zwar um den Zinsanteil für Kredite, die aufgenommen worden sind und sich akkumulieren, um Investitionen tätigen zu können. Diese Zinsen fließen in die Taschen derjenigen, die – auf welchem (unanständigen) Weg auch immer – Unmengen von Geld angehäuft haben und sich so ein Luxusleben auf Kosten der fleißigen Menschen ergaunern.

Globales Insolvenzverfahren ist überfällig

Man muss also nicht nur darüber diskutieren, ob man Griechenland einen neuerlichen Schuldenschnitt „genehmigen“ will, sondern darüber, wann, nicht ob, wann genau so ein Schuldenschnitt für alle Länder anzuwenden ist. Und mit Schuldenschnitt meine ich nicht 50 Prozent, ich fordere 100 Prozent. Alles, was unter 100 Prozent liegt, schreibt nur den jetzigen Zustand weiter fest, auf einem etwas niedrigeren Niveau und es ist dann nur eine Frage der Zeit, wann wir wieder an derselben Stelle sein werden, wie Griechenland heute ist.


Auszug, den vollständigen Artikel von Peter Haisenko finden Sie hier bei AnderWelt online.

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