J.J.Kassl: Mit zweierlei Maß. Wann Bomben Terror, und wann Bomben die "Befreiung" sind.

Startbeitrag von Gerry am 25.10.2016 08:49

25. Oktober 2016


Mit zweierlei Maß

Während die Bombardierung Aleppos durch russische
Streitkräfte und syrischen Regierungstruppen ein großes
Verbrechen ist, ist die Zerstörung Mossouls durch die
von den USA angeführte 60-Staaten-Koalition,
mit französischen Kampfjets an vorderster Front,
ein „Akt der Befreiung.“ Auf beiden Seiten werden
Kinder, Frauen und Männer hingeschlachtet, unvorstellbare
Verbrechen werden begangen und der Tod ist allgegenwärtig.
Jedoch nur eine Seite bekommt politisch den "Schwarzen Peter"
zugespielt und wird medial hingerichtet: Putin und Assad.
Obama, Hollande und die ganze westliche Phalanx, bleiben
unter allen Umständen Diener der guten Sache und Verfechter
der Demokratie, die auf bluttriefenden Boden nun auch am
rechten Ufer des Tigris gedeihen soll.

Hier gehört einiges zurückgerückt. Und der gleichsam
bekannte wie integre Publizist Jürgen Todenhöfer
tut dies in seinem aktuellen Facebook-Beitrag auf gewohnt
entlarvende und unerschrockene Weise.

Die folgende Veröffentlichung zeigt, was uns die Alpha-Journalisten
des Mainstreams verschweigen und wofür sie sich schämen
sollten.

Jahn J Kassl


Jürgen Todenhöfer: „Auch die Bombardierung Mossuls ist Terror“

Liebe Freunde, ich schreibe diesen Text voll Zorn und Scham.
Fast täglich regnet es Bomben auf Mosul. 15.000 Zivilisten
wurden in der Region bereits durch Luftangriffe der US-Koalition
getötet. Die Welt aber schweigt. Die USA töten heimlich.
Und leise.
Wo sind die Politiker, die sich diesem Bomben-Terror
entgegen stellen und schreien: "Mosul darf nicht sterben!"

Jetzt planen die USA das blutige Finale. Sie wollen die 5.000
IS-Terroristen, die sich noch in Mosul verbergen, mit 90.000
schiitischen, kurdischen, türkischen und ein paar tausend
bestochenen arabisch-sunnitischen Kämpfern angreifen.
Unterstützt von 6.500 US-Spezialeinheiten. Parallel wird eine
von den USA geführte 60-Staaten-Koalition die Millionenstadt
Mosul im Minutentakt bombardieren. 80% der Bombardements
führen die USA selbst durch. Den Rest koordinieren sie.
Das Kräfteverhältnis zum IS beträgt 100:1, vielleicht 1000:1!

Zehntausende unschuldige Einwohner Mosuls werden sterben.
Wichtige Infrastruktur-Einrichtungen Mosuls wurden bereits
durch Bomben der US-geführten Koalition zerstört.
Die Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Schulen, die Universität,
mehrere Krankenhäuser. Auch das deutsche Krankenhaus.
Niemand protestiert. Im Gegenteil: Wir machen im Hintergrund
mit.

Seit der US-Invasion 2003 macht das Glück um die irakischen
Sunniten einen großen Bogen. Schon in Tikrit, Ramadi und Falludscha hinterließen die USA eine breite Blutspur. Seit August 2014 tötete die US-geführte Koalition mit ihren Bomben auf sunnitisch-irakische Städte (einschließlich Mosul) 50.000 Zivilisten. Verbündete Bodentruppen
töteten weitere 15.000 Zivilpersonen. Der Bombenkrieg der USA
gegen irakische Städte ist ein Verbrechen und eine Schande.

Doch anders als in Syrien, wo die russische Luftwaffe den Tod
von 5-10.000 Zivilisten zu verantworten hat, gibt es keinen
Aufschrei unserer Politiker und Medien. Auch das ist eine Schande.

Wer, wie fast alle unsere Politiker, von der 'Befreiung' Mosuls spricht,
lügt. Die sunnitischen Städte im Irak werden nicht befreit, sondern
zerstört. In Schutt und Asche gelegt. Die geflohenen Einwohner
verlieren alles. Hab und Gut, oft ihre Familien, alles. Und niemand
im Westen protestiert. Sind wir Vasallen, Knechte der USA oder
ein stolzes, freies Land?

Ich habe Mosul zwei Mal besucht. Einmal 2003, wenige Wochen
vor der amerikanischen Invasion, einmal unter der Diktatur des IS.
Es waren erschütternde Tage. In Mosul leben wunderbare Menschen.
Menschen wie Du und ich. Aber in furchtbarem Leid: Sie mussten die mörderischen Sanktionen Clintons erdulden, den Krieg Bushs, den
Terror des IS und jetzt die 'Freiheitsbomben' Obamas. Doch wer
weint schon um Mosul, wer um sunnitische Iraker? Jeden Tag
denke ich an die Menschen von Mosul.

"Herr Obama, würden Sie auch die amerikanischen Städte
Philadelphia oder Phoenix in Schutt und Asche legen, wenn
sich dort 5.000 Terroristen verstecken würden?
Oder München oder Hamburg? Ja, auch die Mörder des IS töten
im Irak. Bis heute 10.000 Menschen - Kämpfer und Zivilisten.
Wir müssen den Terror des IS in der Tat bekämpfen.
Aber mit klügeren Strategien. Bisher haben die USA mit ihrer Bombardierungsstrategie keine 10.000 IS-Terroristen ausschalten
können. Alle anderen Zahlen sind Fantasieprodukte.

Stattdessen hat die US-geführte Bomber-Koalition 50.000 Zivilisten
getötet. Wie bei all Ihren Kriegen töten die US-Bomben die Falschen.
Und züchten dadurch neuen Terror.
Die meisten IS-Terroristen, die sich während Ihres Bombenkriegs
noch in den Städten aufhielten, konnten entkommen. Zusammen
mit Flüchtlingen oder durch Tunnel oder durch Bestechung.
Trotzdem sprechen Sie von großen Erfolgen. Was für ein Zynismus:
Die sunnitischen Städte liegen in Trümmern, zehntausende Zivilisten
sind tot, der IS ist weitgehend entkommen. Doch Sie sprechen von
Sieg und Befreiung. Perversion des Denkens!

Die geflohenen IS-Terroristen kämpfen längst an anderen Orten
weiter. In diesen Tagen zum Beispiel in Kirkuk. Oder sie sind in
den Untergrund abgetaucht. Nachdem der IS zunehmend sein
'Staatsgebiet' verliert, ist er zu seiner früheren Guerilla-und
Terrortaktik zurückgekehrt. Sein mörderischer Kampf aber
geht weiter. Ohne Staatsgebiet und ohne die Last der Verwaltung
der Städte könnte der IS noch unberechenbarer werden als bisher.

Von einem Sieg über den IS kann jedenfalls keine Rede sein.
Der sunnitische Irak stirbt. Aber der Terror lebt.
Es ist Volksverdummung, etwas Anderes zu behaupten.
Die Zahl der Terroristen im Irak hat sich sogar erhöht.
Das ist nicht überraschend. In manchen der total zerstörten
sunnitischen Städte haben junge Leute, die alles verloren haben,
dem IS Treue geschworen. Oder anderen Terrororganisationen.
Aus Verzweiflung. Zum Beispiel In Ramadi, das ich gut kenne.

Nicht wenige IS-Terroristen werden sich demnächst nach Europa
aufmachen. Auch nach Deutschland. Und in andere Regionen der
Welt. Um Rache zu nehmen. Wir werden die amerikanische
Bombenstrategie mit Jahrzehnten des Terrorismus bezahlen.
Die USA haben nichts dazu gelernt.

Es hätte Strategien gegeben, den IS ohne Bombenterror zu
besiegen. Dem Weißen Haus liegt ein offizielles Angebot der
oppositionellen irakischen Sunniten - einschließlich der früheren
Baathisten - vor, die bereit waren (und sind), den IS ein für
allemal auszuschalten. Hinter ihnen stehen 10 Millionen Sunniten.
Der IS hätte gegen sie nicht die Spur einer Chance.
Ich selbst habe dieses Angebot der US-Führung übermittelt.

Einzige Bedingung der sunnitischen Opposition: Sie wollten
nach mehr als einem Jahrzehnt totaler politischer Diskriminierung
wieder gleichberechtigt am politischen Leben des Irak teilhaben.
Dem Weißen Haus war das zu kompliziert. Bombardieren ist einfacher.

Wenn sich die Welt nicht endlich gegen diesen Bombenterror
erhebt, wird die Jahrtausende alte Kulturstadt Mosul bald nicht
mehr existieren. Dank Clinton und Bush, dank dem IS.
Und dank Ihnen, Herr Obama.

Wenn Sie diesen kriminellen Wahnsinn nicht stoppen,
wird Mosul sterben. In den Trümmern Ihrer großen Worte.
Und unserer Feigheit.

Ihr JT


Quelle: https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/videos/10154095262880838/

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