Über die wahre Vergebung

Startbeitrag von Gerry am 15.01.2017 10:31

von Anne-Ruth Eichel liohnaherzgefluester.de



Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass wir Vergeben könnten, aber nicht vergessen müssten. Wahre Vergebung sieht anders aus. Sie hat viel mehr in sich, als nur Jemandem zu sagen: ich vergebe dir. Obwohl schon das in manchen Situationen schwer über die Lippen kommt.
Wahre Vergebung ist radikal, umfassend und wirklichkeitsverändernd.

Schuld und Vergebung

In der Kirche wurde der Begriff Vergebung immer eng mit Schuld verknüpft. Und Schuld ist ein wirksames Instrument, um Menschen zu manipulieren. Jeder von uns kennt Schuldgefühle, sei es, weil wir wirklich etwas „Schlimmes“ getan haben, meist aber, weil wir meinen, etwas „Schlimmes“ getan zu haben. Die 10 Gebote geben die Regeln unserer Schuld vor. Du sollst nicht……
Und wenn du es doch getan hast, bist du unwürdig. Aber nach der damaligen Kirchensicht (ich rede hier von der katholischen Lehre), waren es ohnehin alle Menschen. Ich bin nicht wert, dass du in mein Haus kommst, ….das wird sogar in einigen evangelischen Kirchen heute noch von den Gläubigen gesprochen. Du kannst dir leicht ausmalen was das mit dem gesamten Glaubenssystem gemacht hat. Wir alle wären dementsprechend eine Meute von Schuldigen.

Die vermeintliche Grundschuld

Wie schon beschrieben, gibt es aus Kirchensicht eine Grundschuld, wenn auch Jesus Worte zuletzt gewesen sein sollen: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Unsere Seele aber kennt auch eine Art Grundschuld, nämlich die Idee, dass wir uns von Gott getrennt haben. Dass das nicht möglich ist, lernen wir gerade wieder. Das war auch Jesus Intention, uns dieses Wissen zu vermitteln. Er hat es auf jede erdenkliche Weise versucht zu erklären. Wir haben aber überwiegend nicht zugehört.

Wenn es aber die Idee der Trennung von Gott gibt, dann sind wir schuldig. Dass wir niemals getrennt waren, ist für viele Menschen eine Erlösung. Doch solange der Grundglaube vermeintlich existiert, existiert auch eine vermeintliche Grundschuld. Und unser Ego nutzt diese Gefühle gerne gegen uns, bzw. um uns zu manipulieren. Zunächst mal projiziert sie die nicht gewollten Gefühle nach außen. Genug Schuldige gibt es ja. So viele Fremde, Kriminelle, Diktatoren oder einfach nur doofe Leute um uns herum, die Auswahl ist groß.

Das Prinzip

Prima, wenn ich die Schuld dann erfolgreich woanders hin geschickt habe, kann ich sie auch angreifen. Dass dadurch unter Umständen gleich wieder „Schuld“ kreiert wird, dient dem Ego zur Aufrechterhaltung seines Systems. Ich schrieb schon einmal über den Groll, der verborgen in jedem von uns ist. Ursächlich ist es ein Groll auf uns Selbst, wegen unserer Trennung vom Göttlichen.

Er entsteht aber auch immer dann, wenn „wir“ uns angegriffen fühlen. Besser gesagt, wenn sich unser Ego angegriffen fühlt. Unser Ego ist sterblich, unser Ego ist verletzlich – im Gegensatz zu unserem wahren Sein.
Und Angriff löst Schuldgefühle aus, entweder bei Dem, der angreift oder bei Dem der angegriffen wird. Diese Schuldgefühle arbeiten undercover, sie sind uns in der Regel nicht bewusst. Doch das Prinzip der Projektion nach außen funktioniert trotzdem.
Und so dreht sich das Rad weiter…

Was die wahre Vergebung bewirkt

Die wahre Vergebung löscht ein ganzes System von Grund auf. Sie löscht nach und nach alle Fallen, in denen wir uns verstrickt haben. Sie beendet die Manipulation und macht damit frei. Und sie beendet die Idee, wir seien von irgendwas oder irgendwem getrennt.

Wahre Vergebung bedeutet etwas aus der Wirksamkeit heraus nehmen. Und es ist genau das: wenn ich etwas vergebe, dann ist es aus meinem Erinnerungsspeicher gelöscht. Und damit kann es nicht mehr wirken. Ich habe schon mit vielen Menschen zum Thema Vergebung gearbeitet und es waren heftige Situationen dabei, die in die Vergebung gebracht worden sind.
Das ist nicht leicht – es ist einfach, aber nicht leicht.

Wenn dir wirklich etwas Schlimmes, Schmerzhaftes zugefügt worden ist, dann sind die Wut und der Schmerz selbst nach Jahren immer noch abrufbar. Nur dass es jetzt nicht mehr der Täter ist, der dir etwas antut, sondern du Selbst. Diesen Schmerz aufzugeben fühlt sich für die „Opfer“ oft so an, als würden sie damit den Täter freisprechen. Und das wollen sie oft auf keinen Fall. Dass sie sich aber selbst weiterhin zum Leiden verdonnern, ist den meisten unbekannt. Die Vergangenheit ist aber vorbei, sie kann uns im Heute nichts mehr tun, es sei denn, wir wählen es anders. Aber wir sind es, die das tun, niemand sonst.

Vergebung als Weg zur Freiheit

Jede Schuld, die wir tragen, jeder Groll, der in uns ist, ist eine Last, wiegt schwer. Jedes Mal, wenn wir vergeben, legen wir ein Stück dieser Last ab. Das erste, was wir manchmal ablegen müssen, ist die Idee, wir Selbst könnten und dürften nicht vergeben, das stünde nur Gott zu.
Und hier ist es jetzt von großer Wichtigkeit, sich zu erinnern. Wir sind nicht getrennt von Gott! Jede Erfahrung ist eine Erfahrung, nicht mehr und nicht weniger! Und nichts und niemand kann uns aus der Liebe Gottes herausnehmen, denn wir sind Teil davon. Deshalb können wir alles, was immer wir auch getan haben, ablegen und es aus der Wirksamkeit herausnehmen.

Wenn wahre Vergebung gelingt, sind wir wahrhaftig frei. Doch der Weg dahin kann sich weit anfühlen, denn wer ehrlich zu sich ist, wird sich auch immer wieder mal im Groll ertappen. Sich selbst gegenüber oder anderen. Doch auch das ist nicht schlimm, gehört zu den Erfahrungen.
Also bitte ich dich, sei ehrlich mit dir und ganz, ganz liebevoll. Du bist wunderbar, so wie du bist und es steht dir zu, frei zu werden. In deinem Tempo und zu deiner Zeit.

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