Neumann zieht die Reißleine

Startbeitrag von rosi81 am 26.06.2013 17:16

Von Marcus Bräuer

Die Handball-Service UG stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht, welches diesen auch bestätigt. Jürgen Arndt, der Präsident des HC Aschersleben, wiegelt jedoch ab.
Aschersleben/MZ.

Anfang Juni konnte noch Entwarnung gegeben werden. Da hieß es, dass die Budgetplanung des HC Aschersleben für die Saison 2013/14 sicher ist. Doch nichts ist sicher bei den Alligators. Die Handball-Service UG, die Spielbetriebsgesellschaft des HCA, hat letzte Woche einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Magdeburg gestellt. Auf Nachfrage der MZ bestätigte die Pressesprecherin des Amtsgerichts: „Ja, es gibt einen Eigenantrag.“

Arndt arbeitet an Notlösung

Mit dieser Tatsache konfrontiert, äußerte sich HCA-Präsident Jürgen Arndt gestern überrascht: „Davon weiß ich nichts, ich habe noch keine Kenntnis davon. Es wird aber sicher noch ein klärendes Gespräch geben.“ Es ist klar, mit wem er dieses klärende Gespräch führen wird: Randolf Neumann.

Neumann ist der Geschäftsführer der Handball-Service UG. Er hat den Insolvenzantrag gestellt. Er begründet diesen Schritt wie folgt: „Seit vier Monaten rede ich intern darüber, dass etwas Entscheidendes passieren muss. Aber es ist bis heute nichts passiert.“ Neumann habe explizit folgende Fragen ans Präsidium gestellt: Welcher Handball soll in Zukunft in Aschersleben gespielt werden? Und: Wie stellt man sich die Finanzierung vor? „Ich wollte dem Verein die Möglichkeit einräumen, sich neu zu gestalten. Das hat aber zu lange gedauert. Uns läuft die Zeit davon“, so Randolf Neumann. „Ich habe mich zum Handeln gezwungen gefühlt. Im Sinne des Vereins war es aus meiner Sicht eine Notwendigkeit, den Insolvenzantrag zu stellen“, so Neumann.

Auch wenn Präsident Jürgen Arndt bis gestern nichts von dem Insolvenzantrag wusste, eine Ahnung, wie schlecht es finanziell um die Handball-Service UG steht, wird er gehabt haben. Denn: Am Montagabend saß er mit dem Vorstand des HCA zusammen. Randolf Neumann war nicht zugegen, da er kein Mitglied des Vorstandes ist. Es ging um die Frage, wie der Handball in Aschersleben weitergehen soll. Gestern Abend - nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe - wollte sich Arndt mit den Spielern zusammensetzen. „Ich habe eine Notvariante erarbeitet“, sagte Arndt. Genauer wollte er aber noch nicht darauf eingehen. „Es gibt noch zu viele Unbekannte, mir fehlt Zahlenmaterial. Da jetzt schon etwas zu sagen, wäre Kaffeesatzleserei.“

Spekulieren ist aber erlaubt. Alle Lizenzen liegen beim HC Aschersleben „Alligators“ e. V., also nicht bei der Handball-Service UG. Von daher ist es durchaus möglich, dass der HC Aschersleben auch in der Spielzeit 2013/14 in der 3. Liga spielen kann, obwohl die Handball-Service UG insolvent ist. Solange der HCA glaubhaft versichert, dass er den Spielbetrieb finanziell absichern kann.

Eine schnelle Klärung muss her

Neben dem Insolvenzantrag steht ein weiterer Fakt: Binnen dieser und der nächsten Woche muss sich etwas Entscheidendes tun, sonst steht der semiprofessionelle Handball in Aschersleben vor dem Ende. Bisher konnte der Verein noch keinen Neuzugang präsentieren. Aufgrund des neuesten Kenntnisstands ist klar, warum das so ist. Die Konkurrenz hat die sportlichen Planungen für die neue Saison hingegen größtenteils abgeschlossen. Auch für die im Kader verbliebenen Spieler ändert sich die Situation. Anfang Juni hatten sie sich dazu bereit erklärt, auf Geld zu verzichten. Sie dachten, dass damit der Spielbetrieb abgesichert werden kann. Nun wissen sie nicht, wie es weitergeht.

Antworten:

die nächste hiobsbotschaft:

Handball-3. Liga Ost Jörg Neumann wurde am Dienstagabend mitgeteilt, dass im Notplan des HC Aschersleben für ihn kein Platz ist. Geschäftsführer hat gekündigt.
Aschersleben/MZ.

Als Jörg Neumann am späten Dienstagnachmittag zum Training nach Aschersleben fuhr, hatte er schon so ein Gefühl. „Ich bin mit der Ahnung gefahren, dass es eine Insolvenz gibt“, so Neumann. Sein Bauchgefühl täuschte ihn nicht. Am frühen Abend wurden er und die Spieler von HCA-Präsident Jürgen Arndt davon in Kenntnis gesetzt, dass die Handball-Service UG, in Person von Geschäftsführer Randolf Neumann, am 19. Juni einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Die Folgen für die Mannschaft und den Trainer sind weitreichend. Jörg Neumann wurde mitgeteilt, dass er ab sofort nicht mehr der Trainer des HC Aschersleben ist. „Mir wurde gesagt, dass mein Gehalt das Budget übersteigt“, sagte Jörg Neumann gegenüber der MZ. Die Spieler wurden nicht gefeuert. Ihnen wurde aber eine finanzielle Obergrenze genannt. Sie müssen sich nun entscheiden, ob sie den neuen Weg zu verkürzten Bezügen mitgehen wollen.

Der Verein strebt zudem keine Fortführung der Handball-Service UG an. Stattdessen läuft ab der neuen Saison, die am 1. Juli startet, alles über den HC Aschersleben „Alligators“ e. V. Randolf Neumann hat bereits am Dienstag reagiert und die Kündigung seines Anstellungsvertrages eingereicht. „Ich will mich nicht aus der Verantwortung ziehen, sondern den Weg für den HCA frei machen“, sagte Neumann im MZ-Gespräch: „Ich habe aber noch einmal zum Ausdruck gebracht, dass ich im Rahmen dessen, was möglich ist, bereit bin zu helfen.“

Für Jörg Neumann ist es bereits die zweite Insolvenz, die er mitmacht. Er war vor einigen Jahren Co-Trainer bei Concordia Delitzsch, bis der Zweitligist Insolvenz anmelden musste. Die Vorgänge beim HC Aschersleben bezeichnete er als „heftig“. Wie es für ihn im Handball weitergeht, weiß Jörg Neumann noch nicht. Er hat im Moment keine Option. „Mich haut die Entlassung nicht um, da ich auch selbstständig bin. Ich habe genug zu tun“, so Neumann. Natürlich will er aber bald wieder als Trainer tätig sein. Die Entscheidung des HC Aschersleben kann Neumann sogar verstehen. Ihm missfällt aber die Art und Weise. „Man hätte es viel eher klarmachen müssen, was los ist“, so Neumann. Anfang Juni schien die kommende Saison noch in trockenen Tüchern. Neumann sagte aber auch: „Selbst wenn der Verein mich nicht entlassen hätte, bei einer Insolvenz hätte ich nicht weitergemacht. Irgendwo hat man auch einen Anspruch.“

Jörg Neumann hat gestern beim Arbeitsamt einen Antrag auf Insolvenzausfallgeld gestellt. Auch die Spieler werden diesen Schritt gemacht haben. Sie müssen nun entscheiden, ob sie beim HCA weitermachen wollen oder nicht. So einfach aufhören geht für die wenigsten. Es gibt nicht viele Alternativen. Die meisten Vereine haben ihre Kaderplanungen bereits abgeschlossen.

Wie das Gesicht des HC Aschersleben in der am kommenden Montag startenden neuen Saison aussehen wird, ist unklar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Profispieler sich einen neuen Verein suchen. Aufgrund der Vorgänge hat der Verein natürlich auch bei potenziellen Neuzugängen an Attraktivität verloren. Und seit Dienstag muss der Verein nun auch noch nach einem neuen Trainer suchen.

von juletrasher - am 27.06.2013 09:04
Schade, wirklich schade... Bin im Moment einfach nur unheimlich traurig, dass unser Verein so rasant den Bach runter geht. Hoffentlich können wir wenigstens die vakanten Positionen im Kader schließen, damit der Spielbetrieb weitergehen kann, in welcher Liga auch immer...

von MovieMaker - am 27.06.2013 10:38
Man ist ja durch diverse Auswärtsfahrten ziemlich dicht dran gewesen an der Mannschaft, und das da was im Argen liegt, konnte man spüren. Trotzdem ließ sich die Truppe nicht hängen und schaffte den Klassenerhalt. Respekt! Ich weiß nicht, wie es uns ergehen würde, wenn ein paar Monate die Firma nicht zahlen würde. Ist schon krass! Nun die Reißleine, ich hoffe nicht zu spät. Mir würde was fehlen, wenn der Handball in Asl den Bach runter gehen würde. Ich weiß zwar nicht wie das geht, dass man trotz Insolvenz die Möglichkeit hat, am Spielbetrieb der 3. Liga teilzunehmen(wenngleich oben beschrieben), hoffe aber es bleiben noch sieben Spieler übrig, um antreten zu können. Das hat dann sowas wie"Jetzt erst recht" oder "David gegen Goliath" und wir hätten sicher unsere Sympathiewerte in der Liga. Außerdem können wir Fans uns selber feien und dann ironisch singen "Wir sind nur ein Punktelieferant", aber langfristig hätte ich als Fan doch gerne ein Konzept, wie es weiter geht. Und sicher nicht nur ich, achso -bekannt gegeben werden könnte dann der Zukunftsplan auch einmal. Man erfährt ja nur Halbwahrheiten aus Presse und Gerüchten, ein offizielles Statement vom Verein vermisse ich bis heute.
Trotzdem werde ich weiter ins Ballhaus pilgern, egal welche Liga.

Miami

von miami261 - am 28.06.2013 12:22
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