Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
Beiträge im Thema:
15
Erster Beitrag:
vor 6 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck, Drahbeck , sebe

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Startbeitrag von Drahbeck am 25.01.2012 02:03

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Wandlungen der „Fischer-Jäger"-Auslegung

Auf die Entdeckung einer „Marktlücke" durch die WTG, namens Begräbnisansprachen, auch für solche, welche Organisatorisch mit ihr nicht verbunden gewesen sind, wurde schon im Rahmen der Serie „Im Zeitspiegel" hingewiesen.
Siehe dazu
Parsimony.22958
Parsimony.22970

Offenbar war es die „Goldene Zeitalter"-Ausgabe vom 1. 1. 1927, die im besonderen darauf hinwies.

Weiter in jener Ausgabe.
Einen Israel bezüglichen Artikel in den „Dresdener Neuesten Nachrichten" entdeckend, nimmt das „Goldene Zeitalter" vom 1. 1. 1927 selbigen zum Anlass um unter der Überschrift „Alte Prophezeiungen und ihre wunderbare Erfüllung", zugleich Reklame für das im eigenen Verlag erschienene Rutherford-Buch „Trost für die Juden" zu machen.

Und zu den weiteren Kommentaren in dieser Sache gehören dann auch noch die Sätze:
Zitat

„Es ist jedoch bedeutsam zu sehen, wie alle Prophezeiungen der Schrift, die vor Jahrhunderten, ja vor Jahrtausenden gesprochen und niedergeschrieben wurden, sich heute erfüllen, nämlich jene von der Wiedereinsammlung Israels nach Palästina. Wie bemerkenswert ist jene Prophezeiung in Jeremia 16:16, wo der Prophet sagt, daß Gott zunächst zu Fischern senden werde, um die Juden nach Palästina zu führen, womit zweifellos das vergebliche Bemühen der verschiedensten kirchlichen Bekenntnisse, die Juden zum Ergreifen ihres Messias Jesus zu veranlassen, bezeichnet wird. Derselbe Prophet fährt dann fort zu zeigen, daß Gott danach zu vielen Jägern senden würde, was unzweifelhaft auf die verschiedensten Judenverfolgungen Bezug nimmt, welche fast alle Länder der Welt in der Vergangenheit sahen. Doch das gesegnete Endresultat auch in dieser Beziehung ist:
„Ich werde sie in ihr Land zurücksenden, das ich ihren Vätern gegeben habe."

Solcherlei Thesen, auch von anderen Philosemiten vertreten, etwa dem Ernst F. Stroeter, entwickelten noch ihre makabere Eigendynamik. Extreme Beispiele, etwa die den Zeugen Jehovas nahestehende „Tagesanbruch Bibelstudien Vereinigung", deuteten gar den Hitler'schen Antisemitismus als diesbezügliche „Bibelerfüllung".
Mysnip.112948
Auch in der Schrift „Gott und Vernunft" dieser Gruppe kann man lesen:
Zitat

„Es sei zugegeben, dass in den letzten Jahren die Juden aufs neue verfolgt wurden, und dass ihre Vorrechte in Palästina beschnitten worden sind; aber auch diese Erfahrungen stimmen mit den Prophezeiungen überein und beziehen sich auf jenen Zeitabschnitt, in dem die göttliche Gunst sich ihnen wieder zuwenden wird. Gottes Prophet sagte klar und deutlich, dass "Jäger" ausgesandt werden würden, um die Juden in ihr eigenes Land zurückzutreiben. (Jer. 16:16) Ferner, dass schliesslich Gott sich ins Mittel legen werde, um sie von ihren Feinden zu erretten, nachdem sie sich im Heiligen Lande niedergelassen haben würden."

Seitens der WTG gab es dann noch einen namentlich „Fischer und Jäger" betitelten WT, worüber etwa Friedrich Zipfel, bezugnehmend auf die Verhaftung des WTG-Funktionärs Franz Fritsche reflektierte.
Nach Zipfel wurde Fritsche am 25. 1. 1944 verhaftet. Zu den Anwürfen des Naziregimes gehörte, WT-Artikel vervielfältigt zu haben. Einige davon werden namentlich genannt. Eben auch einer der „Fischer und Jäger" betitelt war.

Hierbei ist allerdings zu sagen, dass der Philosemitismus der WTG in späteren Jahren wieder aufgegeben wurde. Gleichwohl wirkten die Ursprungsthesen noch bis in die KZ's hinein nach, wenn etwa KZ-Kommandant Höß reflektiert, und darüber verwundert selbst er sich, die Bibelforscher würden meinen, die Juden würden zu Recht leiden.

Aber es ist offensichtlich, dass die Auslegung der ominösen Fischer - Jäger Bibelstelle, bezogen auf die Juden von der späteren WTG, aufgegeben wurde. Schon in dem Rutherford-Buch „Religion" wurde sie anders gedeutet. Jetzt sah man sich selbst in der Rolle der „Fischer und Jäger".

Ein früher Beleg für diesen Wechsel kann man auch dem Jahrgang 1945 des internen Blattes „Informator" entnehmen. Dort entblödet man sich ja diese Bibelstelle in den Kontext zu setzen, dass die WTG (damals) forderte, Sonderpioniere hätten 175 Stunden und allgemeine Pioniere 150 Stunden Predigtdienst zu erbringen.

Auch in den internen Mitteilungen für die deutsche Untergrundorganisation
19432Briefe1943
fand man schon diesen Paradigmawechsel, wenn es auch darin drohend hiess:
Zitat

„So bitten und ermahnen wir Euch denn, unverzüglich noch einmal, die WT "Fischer u. Jäger", "Trost für die Versprengten" und wenn möglich, auch "die Prophezeiung Michas" gebetsvoll und sorgfältig zu studieren und Ihr werdet überzeugt werden, daß der Herr in Eile noch ein sehr großes Werk vor den Hereinbruch der Schlacht von Harmagedon an den Menschen guten Willens für uns vorgesehen hat.

Wer sich daher weigert oder es unterläßt, unter das Volk zu gehen und die Menschen in ihren Wohnungen aufzusuchen, um ihnen die lebenspendende Botschaft vom Herrn zu überbringen, und wer die hindert oder entmutigt, die dem Herrn gehorchen, indem sie den Menschen die Botschaft der Wahrheit bringen, offenbart, eine lieblose und ungerechte Gesinnung, weil er dadurch die Jonadab-Klasse erbarmungslos dem Scharfrichter ausliefert, damit sie in Harmagedon hingerichtet werde. Eine Unterlassung oder Weigerung, diese Verantwortung zu übernehmen und zu erfüllen, wird der Herr keineswegs unbeachtet lassen."

Setzt man diese beiden Auslegungsvarianten ein und derselben Bibelstelle im Vergleich, kommt einem wohl unwillkürlich der Spruch in Erinnerung, von der alten Fidel, auf der man denn jedes Lied spielen könne!

Antworten:

Rauschgiftdealer und das der schlimmsten Sorte!

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Rauschgiftdealer und das der schlimmsten Sorte!

Eine ständige Rubrik der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" (auch im Jahrgang 1927) trug die Überschrift „Zeichen der Zeit des Endes". Obwohl sich die Inhalte der Magdeburger und der Berner Ausgabe des „Goldenen Zeitalters", bezogen auch auf die jeweils gleichen Datumsausgaben, im Jahre 1927 weitgehend angeglichen haben (was nicht immer der Fall war), übernahm das Berner GZ die Rubrik „Zeichen der Zeit des Endes" nicht immer. Nun soll man diesen Umstand nicht überbewerten. Ideologisch schwammen beide Ausgaben ja im gleichen Kielwasser. Aber da es nun mal ein gewisser Unterschied war, braucht man ihn auch nicht zu verschweigen.

Der Inhalt dieser Rubrik lässt sich stellvertretend auch an der Magdeburger Ausgabe des GZ vom 15. 1. 1927 verdeutlichen. Darin las man unter anderem:
Zitat

„Die deutsche Regierung gestürzt. Durch die vereinigte Opposition der Sozialdemokraten und Deutschnationalen ist das Kabinett Marx gestürzt worden ..."

Oder (jetzt nur noch die Überschriften zitiert):
Zitat

„Staatsstreich in Litauen ...
Große Schneestürme in Spanien. ...
Amerikanische Intervention in Nicaragua ...
Krisenwirrwarr in Südslawien."

Beide genannte GZ-Ausgaben brachten zeitgleich auch noch einen umfänglicheren „Ein drohender weltweiter Rassenkrieg" überschriebenen Artikel. Der lag denn auf der gleichen Wellenlänge der vermeintlichen „Zeichen der Zeit des Endes".

Nun ist es unbestritten, dass es weltpolitische Spannungen in Vergangenheit und Gegenwart gibt. Der Mensch erntet eben das, was er sät. Es ist jedoch nicht damit abgetan, sich in der Rolle des Schwarzmalers darzustellen, der wenn er denn mal aufgefordert werden sollte, etwas anderes als nur schwarz zu malen. Entrüstet darauf verweist: Aber doch nicht ich!

Ideologieverkäufer haben eine grosse Verantwortung. Ideologieverkäufer wollen auch eines vor allem. Von ihrem (Schrott) auch materiell leben, und das möglichst nicht schlecht. Windige Ideologieverkäufer müssen deshalb auch damit rechnen, dass man ihnen (früher oder später) auf den Kopf zu sagen wird, was sie vor allem sind:

Rauschgiftdealer und das der schlimmsten Sorte!

von Drahbeck - am 26.01.2012 00:00

„Münchner Post"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
„Münchner Post"

Die GZ-Ausgabe vom 1. 2. 1927 entdeckte auch einen Pressebeitrag, den sie auch ihren Lesern genüsslich zelebriert. Aus der Zeitung „Münchner Post" zitiert man eine Art selbstkritischen Beitrag. Selbstkritisch in dem Sinne, dass da die Kreise angesprochen sind, für welche die „Münchner Post" im besonderen spricht.
Und in diesem Text liest man denn auch die Sätze:
Zitat

„Unsere Religion ist bürgerlich geworden. Sie ist gesättigt, behaglich, ohne Fragen. Sie verbietet sich jede Störung. Der Mechanik des Sonntags entspricht die Gottlosigkeit des Alltags. -
In diese Religion gehört der Priesterbeamte, der definitive Katechet, der vom Staate besoldete Religionsprofessor, alles ist System ...
Und so hat die Religion die Kraft verloren, das Feuer zu sein ...
Wir haben eine Furcht vor dem Worte Gottes. Aber selbst diese Furcht fällt uns nur selten an. Dafür sorgt schon das System. Der Beamte herrscht, und der Prophet wird zum Narren erklärt. - ...
Und unsere Kirchen werden immer leerer. Wien, du katholische Stadt, so gerühmt auf dem ganzen Erdkreis, wo Brüder mit Liebe und heiligem Stolz die Werke Gottes preisen, Wien - in dir kommen nur mehr fünfzehn von hundert deiner Getauften, um Sonntags das Mysterium der Erlösung zu feiern! - Anderswo ist es nicht anders. -"

Diese Meldung ist denn für das GZ das gefundene Fressen; wähnt man sich doch haushoch überlegen diesbezüglich. Indes das darf man den „Körperschaften des öffentlichen Rechts" noch mit auf den Weg geben. Das „letzte Wort" ist diesbezüglich noch nicht gesprochen.
Und: Nichts ist so alt, wie der Ruhm von gestern!

von Drahbeck - am 12.02.2012 03:01

Die Impfgegner spielen sich gegenseitig die Bälle zu

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Die Impfgegner spielen sich gegenseitig die Bälle zu

Die Meldung ist zwar knapp, aber im Kontext der zeitgenössischen Bibelforscher, inhaltsschwer. Sowohl in der Schweizer als auch in der deutschen Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" liest man in der Rubrik „Fragekasten" nachfolgenden Text (1. 2. 1927):
Zitat

„Frage: Wo kann man Näheres über Impfangelegenheiten erfahren und an wen könnte man sich evtl. um Auskunft und Hilfe wenden?
Antwort: Der Verband der Impfgegner e. V., Leipzig V 28, Paulinenstraße 21 ist in der Lage im oben genannten Sinne zu dienen."

Wenn das mal keine Reklame ist, noch dazu für diesen Verband eine kostenlose!
Machten sonstige Tageszeitungen für diesen Verband Reklame? Ein entsprechender Beleg ist mir jedenfalls nicht bekannt. Auch das GZ nennt solche Belege nicht. Es tritt daher mit seiner Meldung aus dem Rahmen dessen heraus, was man auch in anderen Zeitungen lesen könnte. Irgendwelche Kritik baut es in diese Meldung auch nicht mit ein. Es macht sich somit zum Kumpan dieser Bestrebungen. Das wusste man zwar auch so. Nur eben das „Goldene Zeitalter" bestätigt es nochmals ausdrücklich.

In der Magdeburger Ausgabe des GZ vom 1. 3. 1927 nimmt man das Thema erneut auf; diesmal aber etwas ausführlicher:
Zitat

„Die Impfung und ihr in mancher Beziehung zweifellos schädliche Folgen.
Bei verschiedenen Anlässen haben wir bereits in den Spalten des G. Z. auf den Verband der Impfgegner aufmerksam gemacht. Die verschiedenen Anfragen aus den Kreisen unserer lieben Freunde und Leser des G. Z. immer einzeln zu beantworten, ist uns unmöglich, und darum verweisen wir alle unsere lieben Freunde und Leser, die irgendeine Auskunft in Fragen der Impfung oder über Schritte, die getan werden müssen bei eingetretenen Impfgiftschäden, zu erhalten wünschen, an den Verband der Impfgegner e. V., Leipzig o 28, Paulinenstraße 21. Schriftliche Anfragen dort werden stets umgehende Erledigung finden. Die Schriftl. des G. Z."

Offenbar muss sich aber auch das „Goldene Zeitalter" mit dem Umstand auseinandersetzen, dass solcherlei massive Reklame, zugleich auch windige Geschäftemacher mit auf den Plan ruft. In einer weiteren Kurzmeldung, diesmal in der GZ-Ausgabe vom 1. 6. 1927, kann man trotz der Kürze des dort verlautbarten Textes, den dennoch Bände sprechenden Satz lesen:
Zitat

„Zur Beachtung:
Um unsere Leser vor Kosten zu schützen, machen wir erneut darauf aufmerksam, daß alle Anfragen, Impfangelegenheiten betr., nicht an den vom Impfgegnerverband ausgeschlossenen Georg Kapphahn, sondern an den Impfgegnerverband, Leipzig O 28, Paulinenstraße 21, zu richten sind."


Wie letzterer einzuordnen ist mögen dann die Bibliographischen Angaben zu einer anderen Schrift, verdeutlichen:
Voigt, K.:
„Medizin ist Gift! Gegen den Arzneiaberglauben und andere Verirrungen der Wissenschaft. Naturgemäße Heilmethoden!"
Leipzig, Georg Kapphahn Verlag, 1922.
Oder auch diese:
Georg Kapphahn
„Hypnose. Ihre Geschichte, ihr Wesen und ihre Anwendung".
Leipzig, Kapphahn, 1923.

von Drahbeck - am 20.02.2012 03:13

Die Grippeseuche

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Die Grippeseuche

„Harmagedon" das Lieblings- und Standardthema der Bibelforscher/Zeugen Jehovas, findet man auch in der Ausgabe vom 15. 2. 1927 des „Goldenen Zeitalters", vielfältig reflektiert. Schon die „Standardrubrik" der Magdeburger Ausgabe selbigen mit dem Serientitel: „Zeichen der Zeit des Endes", strotzt in dieser Ausgabe nur so von einschlägigen Meldungen. In Auswahl zitiert zum Beispiel diese:
Zitat

„Die Grippeseuche in Berlin. 50 neue Erkrankungen. ...
Die Grippeseuche in der Tschechoslowakei. Die Preßburger Schulen sind wegen der Grippeepidemie geschlossen. In Prag werden alle Bälle und Massenveranstaltungen wegen der Grippe verboten.
Die Grippeseuche in Baden geht nicht zurück. Schulen geschlossen. ...
Grippeseuche in München. Innerhalb zehn Tagen 943 Grippeerkrankungen, 3 Todesfälle.
Influenza in Budapest. 300 Erkrankungen, 3 Todesfälle
Grippeseuche in Leipzig. Täglich 200 neue Krankheitsfälle, zwei tödlich."

Das Thema erwies sich wohl für das GZ als eine Art „Dauerbrenner", denn nur einen Monat später, in der Ausgabe vom 15. 3. 1927, gab es dazu, einen diesmal ausführlicheren „Nachschlag". Genannte GZ-Ausgabe berichtet:
Zitat

„Noch ist der Schrecken der großen spanischen Grippe nach den Kriegsjahren in aller Erinnerung, und schon wieder jagt eine Krankheitswelle über den Erdenball, diesmal besonders Europa heimsuchend.
Angesichts der rasenden Verbreitung dieser Krankheitswelle hat sich die Hygiene-Abteilung des Völkerbundes veranlaßt gesehen, ein tägliches Bulletin über den Stand besonders der Grippe-Epidemie herauszugeben. Außerdem hat die genannte Abteilung bei den maßgebenden Gesundheitsbehörden der europäischen Staaten eine Umfrage veranstaltet, die kürzlich folgendes Ergebnis hatte.
Es berichten:
Belgien hat zahlreiche Grippefälle, die sich durch leichten Verlauf und kurze Krankheitsdauer auszeichnen.
In Dänemark zeigte sich ein epidemieartiger Anstieg von Grippeerkrankungen im Laufe der dritten Dezemberwoche vorigen Jahres, namentlich in den Städten des südlichen Teiles von Jütland. In der letzten Dezemberwoche sprang die Epidemie nach Fünen über, ohne den nördlichen Teil von Jütland zu erreichen. Eine Reihe von Fällen wurden in Kopenhagen und sonst auf der Insel Seeland festgestellt.

In Spanien bemerkte man die ersten zahlreicheren Grippefälle anfangs Dezember, in dem nahe der französischen Grenze gelegenen Städten, vor allem in St. Sebastian und Barcelona. In Madrid hielt die Grippe Mitte Dezember ihren Einzug und entwickelte sich dort sehr schnell. Aber auch hier zeigten die Fälle überall einen gutartigen Charakter. Die Sterblichkeit war nicht höher als in dem entsprechenden Zeitabschnitt des vergangenen Jahres.
In Frankreich wütete und wütet die Grippeepidemie in den mittleren, östlichen und südlichen Landesteilen. Statistische Angaben lagen bisher nur für Paris vor. Es starben dort in der Zeit vom 20. November bis 31. Dezember 343 Personen an Grippe (Gesamtzahl der Todesfälle: 6324) und vom 20. November bis 20. Dezember an Krankheiten der Luftwege, die bekanntlich vielfach auf eine Infektion mit Grippe zurückgeführt werden 992 Personen (Gesamtzahl der Todesfälle: 4382). Die Niederlande werden von der Grippe seit Weihnachten 1926 heimgesucht. Als besonders bedeutungsvoll wird darauf hingewiesen, daß die Krankmeldungen wegen Grippe der im öffentlichen Dienst stehenden Beamten, vor allem der in Innenräumen tätigen, bisher im Januar dieses Jahres 2- bis dreimal so hoch waren wie in der gleichen Zeit des Vorjahres; beispielsweise erkrankten von den in einem Amsterdamer Krankenhause tätigen Krankenwärtern 25 Prozent.
In Norwegen zeigte die Grippeepidemie, über deren Beginn Angaben nicht gemacht werden, abgesehen von der Häufung der Erkrankungen, nichts Besonderes. In Oslo wurden im Monat Dezember 501 Grippeerkrankungen mit 2 Todesfällen, 913 Luftröhrenerkrankungen mit 3 Todesfällen und 32 Erkrankungen an Lungenentzündung mit 7 Todesfällen gemeldet.
Die Schweiz benennt als Ausgangspunkt der dort herrschenden Grippeepidemie den 10. Dezember 1926. Die Seuche zog besonders die Kantone Bern, Basel-Stadt und Genf in Mitleidenschaft. Obwohl die Erkrankungen auch dort in der Hauptsache gutartig verliefen, mehren sich in der letzten Zeit die Komplikationen seitens der Lunge ganz erheblich. Die Todesfälle betrafen wie in Frankreich vor allem ältere weibliche Personen.
Inzwischen hat nach amtlichen Veröffentlichungen die Grippe auch auf Österreich übergegriffen. Auch in Deutschland befällt die unheimliche Seuche immer weitere Gebiete. Aus Breslau wird gemeldet, daß eine Zeitlang täglich über 300 Neuerkrankungen aufgetreten sind. In West- und Süddeutschland breitet sich die Grippe immer mehr aus. In Köln sind mehr als 1000 Personen schwer erkrankt. Auch in Koblenz ist eine Zunahme, besonders der schweren Lungenerkrankungen, zu verzeichnen. Die Zahl der Grippekranken in Offenbach beträgt etwa 1800. In fast allen größeren Städten Badens, so auch vor allem in Karlsruhe, mußten die Krankenhäuser von einem großen Teil der dort stationierten Patienten geräumt werden, um den ungeheuren Zugang an Grippekranken ärztlich versorgen zu können. In großen Teilen Süddeutschlands mußten Betriebe geschlossen werden, bezw. mit verminderter Belegschaft arbeiten, da häufig mehr als ein Drittel der Arbeiter und Angestellten grippekrank ist. Die Zahl der Grippekranken in den größeren Städten Südbadens wird nach amtlicher Mitteilung auf über 50000 geschätzt. In Kehl, wo die Krankenhäuser mit Grippekranken überfüllt sind, und in Straßburg nimmt die Sterblichkeit beängstigend zu.
Vereinzelt werden auch andere seuchenartige Krankheiten gemeldet. So wird aus Charbin berichtet, daß in der Mongolei die Pest wüte. Bisher seien allein 4000 Pferde der Pest erlegen, sodaß die Ausfuhr von Fleisch aus der Mongolei über Rußland nach England verboten werden mußte. Und aus Galizien kommt die Kunde, daß speziell im Kreise Perzynnek (Ostgalizien) eine choleraähnliche Epidemie ausgebrochen sei. Zeitungen berichten, daß täglich 20 bis 50 Todesfälle zu verzeichnen wären, und daß die bisher angewandten sanitären Vorbeugungsmaßnahmen sich nicht als genügend erwiesen hätten.
Die Ursache der Grippe wird meist auf die nasse Witterung zurückgeführt. Die Ärzteschaft rechnet damit, daß bei Eintritt von Frostwetter ein Rückgang der Seuchen zu verzeichnen sein wird. Aber gerade das rasch wechselnde Klima unserer Zeit, heute Frost, morgen Schnee und übermorgen schon Regen, geben der unheimlichen Krankheit weiteren Nahrungsstoff. Und es darf nicht wunder nehmen, wenn unter dem Einfluß der Seuche auch viele Fälle von Schnupfenfieber und Lungenentzündung auf das Konto „Grippe" gebucht werden . ..."

Derart eingestimmt fragt man sich. Dann hat die europäische Menschheit also nicht bloß zwei, sondern gar drei Weltkriege erlitten. Der dritte wohl offiziell als solcher nicht anerkannte, war dann wohl jene Grippeepidemie, von der das GZ so umfänglich-schreckliches zu berichten weis. Dann ist es wohl eine Art „Wunder", das trotz alledem, die europäische Bevölkerung immer noch nicht restlos ausgerottet ist.

Wem vielleicht vorstehende Berichte etwas zu einseitig erscheinen, und wer auf Argumentation der vorgenannten Art nicht so recht anspricht. Auch an diese „ungläubige Thomasse" hat das GZ gedacht. Dem müsse man eben mit anderen Argumenten „überzeugen". Vielleicht mehr in die politische Richtung gehend. Und siehe da; auch in der Richtung wurde das GZ fündig.

Nun jagen durch politische Entscheidungen (Fehlentscheidungen) noch heute nicht wenige Meldungen, ebenfalls nicht wenigen, die Angstschauer über den Rücken. Dabei soll durchaus nichts bagatellisiert werden; der Mensch erntet in der Tat das, was er sät.

Nur das muss man dann aber auch sagen. Auch den Zeitgenossen des Jahres 1927, namentlich wenn sie Leser von WTG-Publikationen waren, erging es ähnlich.
Nachstehend denn mal (kommentarlos) zitiert, einige der Angstschauer des Jahres 1927, welchen das „Goldene Zeitalter" in einem „Harmagedon" überschriebenen Artikel, in dieser GZ Ausgabe, ihren Lesern zu kredenzen sich bemüht:
Zitat

„Wir nehmen täglich die Zeitung zur Hand, um immer wieder festzustellen, wie es im Reiche des Fürsten dieser Welt auf der Erde drunter und drüber geht, wo der Teufel wütet, weil er weiß, daß er wenig Zeit hat. ...Regierungskrise folgt auf Regierungskrise in allen Ländern; die Ministerwechsel sind Tagesordnung geworden; eine Kleinigkeit vermag einen Minister - und sei er noch so tüchtig - gehen heißen; eine Zufallsmehrheit oder -minderheit stürzt ein ganzes Regierungskabinett. Der Völkerbund ratet in einer Ratlosigkeit mit zahllosen Organen, Kommissionen, Konferenzen. Unter.- und Zwischenkommissionen, mit Bergen von Papier, Kundgebungen, Beschlüssen, Prüfungen, Kontroll- und Forschungsreisen, daß dem Zuschauer vor dieser ungeheuren Arbeit Angst und Bange werden könnte. Doch - der Berg kreist und ein Mäuslein wird geboren.

Ein betrunkener französischer Leutnant schießt einige Deutsche tot, wird vom Gericht zu Landau freigesprochen und sofort ist das Ergebnis monatelanger Völkerbundssstreit ... Ein Gnadenakt - besser gesagt Verlegenheitsakt - vermag noch einmal die Situation zu retten. Dabei sind die Völker von einer Nervosität aufgeregt, die den wissenden Beobachter immer aufs Neue in Staunen versetzt.

Eine Bierrede (Dr. Stresemann in Genf) vermag ganz Frankreich außer Rand und Band zu bringen und die Journalistenfedern der halben Welt wochenlang in Bewegung zu setzen, weil schon von einer Bierrede das Wohl und Wehe der Nationen der Erde abhängt.

Das Gebaren eines kleinen aber schlauen Gernegroßes, des Präsidenten von Albanien, vermag ein halbes Dutzend Nationen in Atem zu halten, während im Hintergrunde die Großmächte, dauernd rivalisierend, auf dem Sprunge stehen, um bereit zu sein, sobald der Funke in dieses Pulverfaß - das noch immer der Balkan ist - fällt.

Kann sich eine Prophezeiung treffender erfüllen als Jesaja 8:10? „Beschließt einen Ratschlag und er soll vereitelt werden; redet ein Wort und es soll nicht zustande kommen." Alles dieses aber ist der Auftakt zu dem großen Kriege von Harmagedon ...

Während die europäischen Staaten eifrig damit beschäftigt sind, den Vertrag von Versailles auf Gültigkeit und Ungültigkeit, auf Durchführbarkeit und Undurchführbarkeit, auf Nutzen und Schaden für die einzelnen Nationen und für Europa zu bearbeiten, zu prüfen, zu zerpflücken, zusammenzuhalten, zu sezieren; während der Völkerbund in eifriger Papierarbeit von Konferenz zu Konferenz, von Kommission zu Kommission eilt oder schleicht, je nachdem man's nimmt, dieses Todes- und Mordinstrument, genannt „Friedens"- Vertrag von Versailles als Ausgangspunkt und Mittel seiner Tantalusarbeit benützend, von der nicht loszukommen ist - während Europa blind für alles andere sich um sich selber kreisend dreht - rückt das Weltgeschehen Schritt für Schritt vorwärts, mit ehener Notwendigkeit und Folgerichtigkeit erfüllend ...

Wenn in diesen Tagen von dem werdenden „asiatischen Völkerbund" (Rußland-Türkei-China) geredet wird, so taucht neben diesem Pan-Asien das Pan-Europa oder die Vereinigten Staaten von Europa auf und man sieht einmal den Unterschied in der Tendenz dieser beiden Mächtegrupen in der Theorie, indem der Gedanke Pan-Europa - noch weit entfernt, Wirklichkeit zu werden - auf den Weltfrieden eingestellt ist, während Pan-Asien - dicht vor der Wirklichkeit stehend - wie Figura zeigt, sich gegen die Knechtung der farbigen Völker durch die weiße Rasse richtet und so zum anderen in der Praxis das Bild klar zwei Fronten scharfer Gegner erkennen läßt: das degenerierte, auf Völkermord und Völkerentrechtung aufgebaute und daran zugrunde gehende Europa einerseits und das erwachende, nach Freiheit und Gleichberechtigung dürstende Asien, dem sich Afrika bereits ganz bemerkenswert anschließt, andererseits. Die Theorie des Pan-Europa-Planes scheitert an den Sünden der Vergangenheit seiner Völker und die rauhe Wirklichkeit stellt es eines baldigen Tages vor die Tatsache, anstatt Frieden zu schaffen, Krieg zu ernten ...

Bereits im vorigen Jahre zeichnete August Schmidt in seinem Buch „Das neue Deutschland in der Weltpolitik und Weltwirtschaft" (Verlag Reimar Hobbing) sowohl die Gegensätze der sogenannten Kulturstaaten, als auch die immer drohender werdende Gefahr für Europa, in in dem Erwachen Asiens liegt. In tief eindringenden Betrachtungen weist er darauf hin, daß in der Welt trotz Völkerbund, trotz der Müdigkeit der Völker nach dem Weltkriege und trotz aller pazifistischen Bemühungen außerordentlich viel Zündstoff bedrohliche Gegensätze vorhanden sind, die die Möglichkeit neuer großer Kriege in ihrem Schoße bergen. Trotz aller Freundschaftsversicherungen wird der englisch französische Gegensatz immer offenbarer, der eine
ü b e r d i e g a n z e E r d e entscheidende Lösung finden wird. Ebenso gefährlich sind der englisch-russische und der japanisch-amerikanische Gegensatz. Dazu tritt das Erwachen der moslemischen und der afrikanischen Welt und das Erwachen Chinas. Konfliktstoffe von unübersehbarer Tragweite.

Heute ist die Entwicklung so weit gediehen, daß der „Asiatische Völkerbund" in greifbare Nähe gerückt ist. Die Odessa-Konferenz Tschitscherins und des türkischen Außenministers Tewski-Bei ist ein gewichtiger Schritt dahin. Sie wird eine weitere Annäherung Rußlands an die Türkei, Persiens und Afghanistans zur Folge haben. Die ablehnende Haltung Rußlands gegen den Eintritt in den Völkerbund ist hierbei bezeichnend.

Ossendowsky führt in seinem berühmten Buche über Asien ... ein vom asiatischen Wesen wieder aufgesogenes Rußland vor Augen, das weder nach Westen noch nach Osten eine bestimmte Orientierung finden kann, dem Osten aber sicher unterliegen wird, indem dieser aufnahmefähiger für den Bolschewismus ist, der in den slawischen Völkern seinen Stoßtrupp fand, dessen gegenwärtiger Stand aber erst die Ouvertüre der großen Tragödie bilden dürfte.

Wenn bisher die Furcht des Farbigen vor dem Weißen den ersteren im Zaume hielt, so ist dies heute völlig anders geworden. Alle haben praktisch gesehen und gelernt, wo die Schwächen der Weißen sind. Im Weltkrieg warfen diese die Maske ab und zeigten den unterdrückten Völkern die ganze Scheußlichkeit ihrer „Zivilisation". ...
Nicht mehr lange und Asien wird in der Lage sein, Europa zu überrennen. China ist mit wachsendem Erfolg dabei, die ihm aufgezwungenen Vorrechte der Europäer zu beseitigen. ...

Indien mit 300 Millionen intelligenter Eingeborener, in Fesseln gehalten von nur 75.000 Soldaten Englands, ringt nach Befreiung. Was die Türkei bis heute erreicht hat, ist sehr beachtenswert und wird England wie Frankreich noch manche harte Nuß zu knacken geben. Auch Ägypten ist sehr weit in der Selbstständigkeit vorgeschritten und ein wichtiger Faktor im Aufbau dieses kommenden Konfliktes.

Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, daß sich die asiatischen Völker in wirtschaftlicher Beziehung immer mehr selbstständig machen und so die Exportmöglichkeiten für Europa immer geringer zu werden drohen. In China, Mandschurei, Sibirien, Indien, den französischen und holländischen Kolonien sind zahlreiche neue Industrien entstanden, die zu schildern ein ganzes Kapitel für sich wäre. Dasselbe gilt von großen Teilen Afrikas ...

Um noch einmal das Stichwort Grippe-Epidemie aufzunehmen, veranschaulicht an einem Kontrastbeispiel.
Unter dem Titel „Religiöse Volkskunde" publizierte im Jahre 1925 ein Herr Joseph Weigert, katholisch orientiert, eine Schrift. Seinen „Bauchschmerzen" begegnet man in dieser schon mal in der Form der Klage:
Zitat

„Dagegen hat gefehlt die Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Sie hat alles Volkstümliche in der Religion als Götzendienst und Aberglauben hingestellt und bekämpft und abzuschaffen gesucht:
Die vielen Feiertage, die Darstellung des Glaubensgeheimnisses, die Prozessionen, Wallfahrten, Bruderschaften, die Heiligenverehrung, die religiösen Volksschauspiele, die Feldkreuze und Waldkapellen. -
Dagegen fehlt mancher Übereifrige, der am Volk zu viel erziehen, zu viel herumdoktern will."

Er meinte seine Klage noch mit einem anderen Beispiel belegen zu sollen. Und zwar diesem.
Zitat

„Als 1836 die Cholera Deutschland bedrohte und dann wirklich auftrat, wurde in einem deutschen Staat durch einen Ministerialbefehl den Pfarrern und Seelsorgern aufgetragen, sie sollten vor allem das Volk vor dem Aberglauben bewahren, als wäre die Cholera eine Strafe Gottes; denn dieser Aberglaube könne wie jeder andere nur verderblich wirken. Sie sollten das Volk über die Natur dieser Krankheit und ihre Ansteckung belehren und es vor aller Furcht und Bangigkeit bewahren."

Aber o weh, meint er weiter zu wissen;
Zitat

„Die Pfarrer hatten schwere Arbeit, denn als eine Belohnung Gottes konnte doch niemand dieses Übel ansehen.
Und das Volk war nun einmal so, daß es an eine Weltregierung Gottes und an göttliche Belohnung und Strafen (und Prüfungen - setze ich (Weigert) hinzu) glaubte."

Noch ein weiteres in seiner Sicht Buhmann-Beispiel, meint er seinem Publikum offerieren zu können. Und zwar dieses:
Zitat

„Bölsche, berauscht von den Erfolgen der Naturwissenschaft, hat gemeint
:
Zitat

„Der Blitzableiter hat das Kreuz besiegt; er ist stärker als das Kreuz."

Aber, so weiter Weigert, das sei
Zitat

die alte Täuschung. Aber man kann wohl vergessen, daß hinter der Natur Gott steht, von dem man immer abhängig ist."


Zwischen den Zeilen lässt also Herr Weigert durchblicken.
Egal ob ein durch Blitzeinschlag entstandener Schaden, oder eben auch eine Cholera-Epidemie. Die möchten er und seinesgleichen, zu allererst für ihr „Theologiesieren" verwendet sehen.
Diffuse Ängste eher verstärkend, denn dämpfend, den auf dieser Basis lässt sich für Seinesgleichen das Geschäft der Ausbeutung am wirkungsvollsten realisieren.
Besagter Herr hätte sich im Mittelalter auch vortrefflich als „Haus- und Hoftheologe" der Geissler geeignet, die da auch wähnten, durch Selbstgeisselungen ein Ungemach abwenden zu sollen. Genau auf diesem Wege, das aber nicht erreichten. Nur durch strengste Hygiene hätten sie eine Chance gehabt, nicht aber durch Selbstgeisselungen.
Wie die Bilder sich doch gleichen, mag man dazu nur sagen.

Man vergleiche als weiteres Beispiel auch den Fall des Herrn Philipp Mauro.
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,31513,31513#msg-31513

Nachtrag:
Noch eine Meinung zu einem etwas anders gearteten Angstschauer der Gegenwart.
Stichwort Griechenland.
Da las ich dieser Tage in einem Posting andernorts.
Ein Herr Schröder und sein Finanzminister Eichel seien die Schuldigen.
Noch so ein weiteres vollmundiges Votum.
Europaparlament, alle die da sitzen seien „abgehalfterte" zweitklassige Politiker.
A ja, nun kann ich weder Herrn Schroeder noch seinen Finanzminister „verteidigen". Besagter Herr Schroeder würde mir persönlich noch in anderen Kontexten als Buhmann einfallen.
Stichwort Schroeder-Maschmeyer und noch einige Stichworte mehr.
Nur, in der Gegenwart sitzt besagter Herr Schroeder nicht am politischen Hebel. Da sitzt halt eine andere Partei am Ruder.
Und die Entscheidungen jener anderen Partei sind die Gegenwart. Nicht die Entscheidungen jener Partei, welche da schon zwei Bundestage lang, „weg vom Ruder ist".
Es ist ein alter Erfahrungssatz, bei Vorgängen die auf dem ersten Blick etwas undurchsichtig erscheinen, tut man gut auch zu fragen, wem nützen sie denn eigentlich?
Und hat man eine Antwort darauf gefunden, ist man vielleicht schon ein Stück weiter auf dem Erkenntnisweg.

Noch eine Reminiszenz, um die Frage nach dem „wem es nützt" noch etwas detaillierter zu beantworten.
In Berlin (wo ich wohne) gibt es auch etliche Straßenbahnlinien. Sicherlich sage ich damit nichts neues. Und es mag vielleicht sogar nachvollziehbar sein, dass ich gelegentlich solche eine auch nutze, so dieser Tage wieder mal geschehen. Und wie es der Zufall so will, die Streckenführung einer dieser Bahnen führte just auch an einem gewissen Gebäude mit vorbei.
Das Gebäude ist die Parteizentrale der NPD in Berlin. Dieweil ich das auch schon vordem wusste tat ich also einen Blick aus dem Fenster der Bahn. Und was war da zu sehen?
Nun die NPD beliebte ihr Gebäude mit einem kaum zu übersehenden, nennen wir es mal „Reklametext" zu versehen. Der kritisierte massiv den Euro. Ergo schlussfolgere ich daraus, ihre Politik heisst auch: Raus aus den Euro.

Damit wäre schon mal eine Richtung angedeutet, wem das artikulierte Missbehagen letztendlich nützt.

Auch ein Herr Hitler war massiver Kritiker des Versailler Vertrages. Jene Politiker die ihn auf deutscher Seite unterzeichneten, bedachte er schon vor 1933 mit dem Stigma der „Erfüllungspolitiker", der „Novemberverbrecher" und anderes mehr von der Güte.
Er machte es sich in seiner Polemik allerdings etwas zu einfach, als er keinesfalls alle relevanten Aspekte mit gebührend berücksichtigte. Auch besagte „Erfüllungspolitiker" befanden sich in einer Zwangslage. Der Text des Versailler Vertrages, als Abschluss des ersten Weltkrieges, wurde weitgehend von den Siegermächten diktiert. Und zu denen gehörte eben nicht Deutschland. Hätten besagte „Erfüllungspolitiker" jenen Vertrag nicht unterzeichnet, wäre das mit der Fortsetzung des Krieges identisch gewesen.
Nur bei einem weiter fortgesetzten - oder neu aufgeflammten Krieg - wäre Deutschland noch weitaus größer in die „Kniee gezwungen worden". Die besagten „Erfüllungspolitiker" entschieden sich letztendlich für das kleinere Übel für Deutschland.
All diese Aspekte hingegen lies der Populist Hitler unberücksichtigt.
Er beutete lediglich ein vorhandenes Mißbehagen einseitig aus.

Und die Populisten der Gegenwart befinden sich auf ähnlichem Level und befördern letztlich die Interessen der NPD und Co.
Wenn sie selbiger auch nicht organisatorisch angehören, so betreiben diese Populisten, doch letztendlich deren Geschäfte, wie das weiland schon zu Hitlers Zeiten zu beobachten war!

Siehe thematisch auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,122756,122756#msg-122756
02. Februar 2012 05:30












von Drahbeck - am 24.02.2012 21:46

„Für unsere Zeit"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
„Für unsere Zeit"

Von jeher nimmt Religion (auch) die Funktion des „Seufzers der bedrängten Kreatur" war. Das wird man auch derjenigen der Bibelforscher/Zeugen Jehovas zubilligen müssen. Also dass auch sie (vielleicht sogar stärker als andere), den Finger in bestehende Wunden legten, kann nicht strittig sein.

Wie war denn das politische Gesamtklima auch in den 1920er Jahren? Deren Eliten, spätestens nach 1933 zeigte sich das unübersehbar, waren stark nationalistisch orientiert. Nationalistisch gleichsetzbar mit übersteigertem Egoismus, zu Lasten anderer, die da „im dunkeln sind". Und deren Leid und Not man nicht sehen will.

Bis eines Tages dann vielleicht, die Gegensätze derart sich zuspitzen, dass auch die da nichts sehen wollenden, dann noch die Augen geöffnet werden. Das dann aber nicht mehr auf die „sanfte Tour".

Nur ein Narr kann meinen, diese Problematik bestünde heute nicht mehr. Und Narren soll ihre Wissenslücken, manchmal ebenfalls auf recht unsanfte Weise, vom Unterbewusstsein ins Bewußtsein befördert werden.

Wo standen in dieser „Gemengelage" die „Grosskirchen", einschließlich auch der Freikirchen?
Nicht selten, wenn nicht in Worten, so doch in Taten, auf Seiten der Saturierten, von deren „Melkung" sie denn zu leben pflegen, und das möglichst nicht schlecht. Bei allen kirchenpolitischen Gegensätzen im Naziregime, tastete selbiges im „Altreich" eine „heilige Kuh" nie an. Und das war der staatliche Kirchensteuereinzug. Die - faktisch - staatliche Alimentierung der Kirchen. Sicherlich gab es im Naziregime diesbezüglich schwer überhörbare Stimmen (etwa die eines Alfred Rosenberg), die das gerne anders gesehen hätten. Sicherlich eskalierte auf diesem Felde einiges. Aber allen weltanschaulichen Distanzierungskräften zum Trotz, blieb die staatliche Kirchenalimentierung im Ansatz, bis zum Schluss des Naziregimes ungebrochen (bezogen auf das sogenannte „Altreich"). In den okkupierten Gebieten herrschte in der Frage in der Tat ein „anderer Wind". Auch das ist unbestritten.

Selbst solche Leute wie Martin Niemöller, hatten nie irgendwelche Skrupel, voll auf der Nationalismus-Schiene zu fahren, wovon denn schon sein Buchtitel: „Vom U-Boot zur Kanzel" beredtes Zeugnis ablegt. Und auch diese Erfahrung ist nicht neu. Trotz der skizzierten, nicht angetasteten Wirtschaftsgrundlage, gab es im Alltag mehr als genug (übergenug) Reibungsflächen.

Insofern kann man die Kirchen - pauschal - als nationalistisch orientiert bezeichnen. Die Bibelforscher/Zeugen Jehovas schwammen damals in der Tat nicht in diesem Strom mit. Sie kultivierten im besonderen den Aspekt des „Seufzers der bedrängten Kreatur".

Zu seufzen allerdings ist das eine. Das andere ist dann, welche „Lösungsansätze" dabei in Ansatz gebracht werden. Auch in der Weimarer Republik gab es erklärte Pazifistenorganisationen. Nicht eine einzige von ihnen, konnte je einen Bibelforscher/Zeugen Jehovas zu ihren passiven, erst recht nicht zu ihren aktiven Mitgliedern zählen.
Insofern war das „seufzen" Marke Bibelforscher, ziemlich nutzlos, lief es doch auf eines nur heraus, alle anderen religiösen Opiumdealer bei weitem zu übertreffen.

Das Rezept der „seufzenden Bibelforscher" war als nur eines. Religiöses Opium in der verstärkten Dröhnungsform zu offerieren.

Im Jahre 1927 wurde von der Magdeburger WTG auch eine Art Gratiszeitung mit dem Titel „Für unsere Zeit" herausgegeben. Selbige vermerkt zwar, „vierteljährlich" zu erscheinen. Tatsächlich kamen jedoch, nach bisherigem Überblick davon nur zwei Ausgaben heraus. Dann lies man die Sache wohl wieder einschlafen.

Just die Nr. 1 jener „Für unsere Zeit" enthielt auch den Nachdruck eines Artikels mit dem Titel „Ist ein allgemeiner Weltfriede möglich?"; aus dem „Goldenen Zeitalter" vom 1. 3. 1927. Bei selbigem versäumt man es dann auch nicht im Untertitel mit hinzuzufügen:
„Radio-Vortrag gehalten durch Radio-Station WBBR des „Goldenen Zeitalters" (Wellenlänge 416, 4 Meter)."

Lediglich diesen Werbehinweis auf den eigenen Radiosender lies man dann in „Für unsere Zeit" entfallen. Ansonsten besteht weitgehende Identität. Inhaltlich enthält er im besonderen die Aspekte des „Seufzers der bedrängten Kreatur" und man versprach sich wohl eine beträchtliche Werbewirkung damit in jenen Kreisen, welche man denn im besonderen erreichen wollte.

Das die Geschäfte für das deutsche „Goldene Zeitalter" damals florierten, machen auch die Angaben über dessen Auflagenhöhe deutlich. Die Ausgabe vom 1. 1. 1927 beziffert selbige mit 270.000. In der Ausgabe vom 1. 3. 1927 nennt man schon 300.000, und am Jahresende war man dann bei 320.000 angelangt.

Da konnte die Schweizer Ausgabe selbigen, wohl nicht im entferntesten mithalten, obwohl selbiges auch andere deutschsprachige Gebiete in Europa mit versorgte. Etwa das (damals) politisch nicht zu Deutschland gehörige Saarland; und auch Elsaß (Gegend um Strasbourg in Frankreich); Österreich und Tschechoslowakei (Sudentengebiet). Eine Angabe über seine Auflagenhöhe, druckte die Schweizer Ausgabe des GZ nie ab. Deren Zahlen dürften ohnehin nie berauschend gewesen sein. Hier wirkte soziologisch eben mit nach. Der Schweiz blieb die aktive Involvierung in den ersten Weltkrieg erspart. Die dort dominierende bürgerliche Orientierung (bis hin zu ausgesprochenen Rechtspopulismus in der Gegenwart), bestand ungebrochen weiter.

Die infolge des Weltkrieges in Deutschland stark gewordenen „Proletenschichten", von denen besonders zwei an sich gegensätzliche Strömungen zu partizipieren pflegten (nämlich KPD und Bibelforscher). Diese soziologische Grundlage war in der Schweiz nicht im mindesten gegeben.
Im Gegensatz zu den deutschen Auflagen-Erfolgszahlen, las man im Schweizer GZ ganz andere Töne. Etwa die in ihrer Ausgabe vom 1. 2. 1927 abgedruckte Klage:
Zitat

„Wichtige Anzeige
Wir machen die lieben Leser des „Gold. Zeitalters auf die Erneuerung ihres Abonnements per 1927 aufmerksam. Wer den Jahresbetrag ... noch nicht einbezahlt hat, möchte es jetzt nachholen, ansonst er Gefahr läuft, von der Liste gestrichen zu werden. Nicht selten treffen Reklamationen ein, daß „Das Goldene Zeitalter" nicht erhalten wurde, was in den meisten Fällen dem Umstand zuzuschreiben ist, daß der Abonnementspreis nicht bezahlt war."

Nachstehend dann noch die eine Dokumentierung der wesentlichen Ausführungen des vorgenannten GZ-Artikels; basierend auf der Variante „Für unsere Zeit". Was es dazu grundsätzlich als Kritik zu sagen gilt, wurde bereits ausgeführt:
Zitat

„Vor dem Ausbruch des großen Weltkrieges schien allgemeiner Weltfrieden nicht nur eine Möglichkeit, sondern sogar eine Wahrscheinlichkeit zu sein. Man erklärte, dass Beilegen von Streitigkeiten auf dem Kriegswege gehöre der Vergangenheit an, und man habe in unserer Zeit endlich entdeckt, daß es besser sei, unsere Schwierigkeiten auf dem Wege friedlichen Ausgleiches zu regeln. Man schloss Friedensverträge und baute Friedenspaläste, Gegenseitigkeit war das Schlagwort des Tages, und die Pazifisten waren in manchen Ländern nicht nur geduldet, sondern sehr geehrt. Wohl rüsten die großen Nationen zum Kriege, aber diese Rüstungen so erklärte man, dienten nur einer Befestigung des Friedens. Die Welt wollte Frieden haben „und wenn sie sich ihn erkämpfen sollte", und die Folge hat gezeigt, dass sie gekämpft hat, aber sie hat keinen Frieden bekommen."

Aber, so wähnt man:
Zitat

„Alle Prophezeiungen haben eine weltweiten Frieden vorausgesagt, und Christen haben immer um diesen Frieden gebetet und gehofft, dass er kommen werde. Viele der großen Führer der Welt haben sich sehr bemüht, ihn herbeizuführen. Die große Mehrheit der Menschen wünscht ihn herbei und hat oft geglaubt ihn fast erreicht zu haben.

Ein jeder sagte „Friede! Friede!" und doch brach mit einem Mal der größte Krieg der Weltgeschichte aus. Andere Kriege folgten, und trotz des Schreies nach Abrüstung haben auch heute noch die Rüstungen überall zugenommen. Und so scheint zur Zeit wenig Hoffnung zu bestehen, dass die Welt jemals eine Zeit erreichen wird, wo es keinen Krieg mehr geben soll. Immer noch ruft man „Friede! Friede!" und es ist doch kein Friede. ... Man hofft auf Frieden, und da ist nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung und siehe da, Schrecken" - Jeremia 8: 11,15.

Immer noch herrscht Gewalt auf Erden und friedlicher Vergleich ist - wie man meint - nur für Schwächlinge. Wir haben einen Haager Schiedsgerichtshof, der Völkerbund und den Weltgerichtshof, nur eines habe nicht, nämlich Frieden. Aber nur solche Völker, die aus gewissen zwingenden Gründen, hervorgerufen durch bestehende Tatsachen keinen Krieg wollen, wenden sich an diese Körperschaften, wenn Abessinien durch die großen Nationen England und Italien sich in seinen Rechten beeinträchtigt glaubend, sich an den Völkerbund wandte, tat es dies nur deshalb, weil es nicht hoffen kann, bei einem Kriege gegen diese Mächte etwas zu gewinnen.

Doch wenn Mussolini eine kleine Schwierigkeit mit Griechenland hat, weiß er einen besseren Weg, um das zu erreichen, was er wünscht, nämlich, die altgeehrte Methode der Gewalt.
So bleibt es dabei, dass wir Friedensverträge schließen und neue Schlachtschiffe bauen, Friedenskonferenzen abhalten und neue Kriege planen, Friedensworte kauen, aber Kriegstaten bauen. Die Welt spricht wohl von Frieden und früheren Abrüstung, während sie tatsächlich bis an die Zähne bewaffnet ist, angeblich zur Verteidigung des Friedens, aber in Wahrheit für einen neuen Weltkrieg.

Tatsächlich zwingt fast eine jede Nation auf Erden, ob groß oder klein, ob reich oder arm, ihr Volk unter ein fast unerträgliches Joch von Steuern, nur um ein Heer unterhalten zu können und Kriegsschiffe zu bauen, die oft schon veraltet sind, bevor sie vom Stapel gelassen werden."

Von Europa zu den USA überleitend vernimmt man:
Zitat

„Die Vereinigten Staaten von Amerika sind allerdings vorangegangen, ihre Armee auf Friedensstärke herabzusetzen und einen Teil der Kriegsschiffe einzuziehen, und es sind auch bei besonderen Völkern Abrüstungen zu Lande und zur See aber schon vorgeschlagen, sind auf dürres Erdreich gefallen, so dass auch Präsident Coolidge vor kurzem erklärte, daß wenn die Weltmächte nicht ihre fortwährenden Rüstungen zu künftigen Kriegen einstellen würden, die Vereinigten Staaten gezwungen seien, in einem noch nie dagewesenen Maße zu rüsten.

Die ganze Weltgeschichte ist ein Bericht von Kriegen und Kriegsgerüchten, von Angriffen und Aufständen von Bedrückung und Revolution. Wir sehen die Geschichte sich wiederholen. Es ist darum kein Wunder, das viele Leute zu der Ansicht gekommen sind, ein weltweiter Friede sei eine Unmöglichkeit. Viele sagen, es habe immer Kriege gegeben und werde es immer geben. Sie sagen, die Stärkeren haben immer die Schwächeren unterdrückt, und das Gesetz vom Überleben der Tüchtigen müsse sich immer weiter auswirken.
Und diese Behauptung erscheint manchen einleuchtend."

Der destruktive Kern der eigenen Verkündigung findet sich auch in der These:
Zitat

„Seit Jahrhunderten haben die Menschen versucht, einen Zustand des Friedens herbeizuführen, aber es ist ihnen nicht gelungen. Und in der Tat beweist die Geschichte, dass der Menschen Bestrebungen in dieser Richtung immer fehlschlagen.
Doch Gott sei Dank, es gibt eine höhere Macht, die eines Tages eingreifen und zustande bringen wird, was der Mensch nicht vermochte. Gott sagt durch den Psalmisten prophetischer Weise: „Der die Kriege beschwichtigt bis an das Ende der Erde ... Lasset ab und erkennet, dass ich Gott bin." - Psalm 46: 9,10.

Sofern es sich um die Bemühungen der Menschen handelt, ist ein allgemeiner Weltfrieden allerdings eine Unmöglichkeit und zwar aus drei bestimmten Gründen:
1.) Fast alle Nationen rüsten zum Kriege, und die Geschichte beweist, dass, wo Kriegsrüstungen gemacht werden, der Krieg die Folge ist.
2.) die sogenannten christlichen Kirchen, von denen wir das zustande bringen eines solchen Friedens erhoffen sollten, haben ihre Unfähigkeit bewiesen.
3.) Es gibt überhaupt keine Organisation und keinen Einfluss, der mächtig genug wäre, einen solchen Frieden herbeizuführen.

Zu dem ersten angeführten Punkte möchten wir sagen, man sollte denken, das der letzte Krieg die Völker wenigsten etwas gelehrt, hätte nämlich das Kriegsrüstungen den Krieg unausbleiblich nach sich ziehen. Dennoch hören die Völker nicht auf zu rüsten. Sie werden von Furcht und Misstrauen beherrscht. Eine jede Nation fürchtet die anderen und weiß wohl, was einer wohlgerüstete Nation gegen eine andere unvorbereitete zu tun vermag, wenn sie will.

Ein jedes Volk weiß, dass unsre ganze Zivilisation nur auf Selbstsucht gegründet ist, und zwar bei den Völkern wie auch bei den einzelnen Menschen. Ein jeder sieht nur auf seine eigenen Interessen und denkt nicht an die Interessen anderer. Ein jedes Volk schaut über seine Grenzen und sieht seinen Nachbarn Soldaten drillen, Schlachtschiffe vom Stapel lassen, Flugzeuge kaufen, Munition produzieren usw. usw.

Natürlich werden dann die Führer des Volkes von Furcht ergriffen und verlangen, das ihr Volk dasselbe tue wie die anderen. Solange die Selbstsucht in der Welt herrscht, werden die Menschen einander misstrauen und mit Recht eine Abrüstung für undurchführbar halten. Somit können also die Kriege durch menschliche Bemühungen nicht aus der Welt geschafft werden. Die Geschichte hat in zahlreichen Fällen bewiesen, dass die zum Kriege rüsten, andere zum Rüsten zwingen und die Folge davon ist Krieg. Das ist in genauer Übereinstimmung mit der Bibel.

Große Staatsmänner und Politiker der Welt glauben allerdings die Lage, wie sie heute ist, meistern zu können, aber sie blicken dennoch voller Furcht in die Zukunft.
Sie hoffen, sich auf irgendeine Weise hindurchzuwinden, aber sie sind ihrer Sache nicht sicher. Sie fürchten sich und zittern und versuchen einen Plan nach der andern, aber die Aussicht für die Zukunft bleibt schwarz. Heilmittel auf Heilmittel hat man in den gegenwärtigen Schwierigkeiten versucht, aber keine Lösung gefunden. Große Staatsmänner haben erklärt, daß, wenn ein weiterer Krieg wie der letzte kommen würde, unsere Zivilsation zugrunde gehen müsse. Dennoch rüsten die Nationen weiter für den nächsten Krieg und machen ihn dadurch zur Gewissheit.

Offenbar ist es die Absicht Gottes, die Dinge ihren Gang gehen zu lassen, damit sich die Worte Jesu erfüllen: „Alle die das Schwert nehmen, werden durch das Schwert umkommen" (Matthäus 26: 52).

Nicht nur die konservative Klasse, die an der Herrschaft ist (gleichviel ob Könige oder Kaiser Präsidenten oder Diktatoren, Politiker oder Geistliche sind), hat sich Unruhe und Nervosität bemächtigt, sondern man findet bemerkenswerte Erschütterung auch unter den Massen besonders unter den radikalen Elementen. Gerade wie das Meer gegen die Küsten des Landes schlägt und sie abzutragen sucht, geradeso so wütet das radikale Element der menschlichen Gesellschaft gegen Dämme und Befestigungen, die das konservative Element der Gesellschaft zu seinem Schutz aufgerichtet hat und aufzurichten sucht.

Also wird das Erschüttertwerden solange dauern, bis die gegenwärtige unvollkommene Ordnung der Dinge vollständig durch eine neue Ordnung, die weder von den Konservativen noch von den Radikalen beherrscht werden wird, ersetzt sein wird. Ein Element beschuldigt das andere der Selbstsucht und sie haben beide Recht. Darum wird keiner von beiden einen Weltfrieden zustande bringen können. Unter beider Herrschaft würden die gegenwärtigen Zustände der Selbstsucht in dieser oder jener Form bestehen bleiben."

Als nächstes bekommt die religiöse Konkurrenz ihr Fett weg:
Zitat

„Die Kirche hat fast zweitausend Jahre gebetet:
„Dein Reich komme, dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel." Doch anstatt den Willen Gottes auf Erden zu tun, und anstatt das Friedensreich Christi aufzurichten, ging die ganze Welt des sogenannten Christentum im Jahr 1914 in den Krieg und arrangierte das schrecklichste Menschenschlachten aller Zeiten. Der Grund dafür ist, dass die Kirche selbst verfehlt hat, den Geist des Meisters in sich aufzunehmen, und darum auch trotz all ihres Predigens von guten Werken, niemand diesen Geist zu verbreiten vermochte. Lassen Sie uns die Tatsachen prüfen.

Der Krieg wurde zwischen verschiedenen Nationen erklärt, die alle zusammen „christliche" Nation waren. Hat die Geistlichkeit dieser Länder bei ihren Regierungen gegen den Krieg Einspruch erhoben? Hat die Geistlichkeit dieser Länder ihre Gemeinden und alle Christen aufgefordert sich zu weigern, am Kriege teilzunehmen? Nein, im Gegenteil, sie haben sich hier und da, direkt oder indirekt zu Kriegswerbern her, und sie forderten die Herde auf, in den Kampf zu ziehen. Zahllose Gebete um Segen für erfolgbringendes Töten recht vieler Menschenleben wurden von den Geistlichen der verschiedenen sich feindlich gegenüberstehenden „christlichen" (!) Brudervölker gebetet zu demselben Gott, er möge doch ihre Heere Ehre segnen, damit die auch „christlich" sein wollenden Menschen der Heere des Gegners umgebracht werden könnten.

Was war die Folge davon? Die natürliche Folge des Weltkrieges ist, dass die „Christenheit" als Organisation nicht nur im christlichen, sondern auch in heidnischen Ländern ein gut Teil ihrer früheren, zweifellos großen Einflusses verloren hat.

Ja, die Kirche hat ihren Einfluss verloren und zwar mit gutem Recht. Sie hat gezeigt, dass sie zur Führerschaft unfähig ist und nicht vermag zusammenzuhalten; sie selbst beweist das auch durch ihre Zersplitterung in zahlreiche Sekten. Darum haben heute die Kirchen so wenig Einfluss, dass auch, wenn sie sich zusammenschließen würden, dieses keinen Einfluss auf die Zustände in der Welt mehr ausüben könnte.

Wir wissen, dass man uns nicht liebt, weil wir dies alles furchtlos aussprechen und wissen, dass alle, die sich durch unsere Ausführungen getroffen fühlen, zum Kampfe gegen uns aufrufen.
Gott hat allen wahrhaft Geistlichen nicht geboten, einen Menschen-Frieden zu predigen, sondern sein Königreich des Friedens zu verkündigen.
Der Völkerbund wird bereits von vielen als Fehlschlag bezeichnet und ernsthafte Kenner der Lage erwarten seinen Zusammenbruch."


von Drahbeck - am 13.03.2012 23:22

Mexikos Präsident hält Vortrag

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Mexikos Präsident hält Vortrag

Das „Goldene Zeitalter" (Ausgabe vom 15. 3. 1927), ist wieder mal fündig geworden, seinen Lieblingsfeind betreffend. Wenn man einfach nur zitieren kann, was man selbst meint, es aber durch den Mund anderer ausgesprochen findet, dann konnte wohl auch das „Goldene Zeitalter" nicht der Versuchung widerstehen, sich dieses nicht entgehen zu lassen. Und so liest man denn in der genannten GZ-Ausgabe (kommentarlos zitiert):
Zitat

„In der Zeitschrift „Liberty" gibt S. Sutherland einen außerordentlich interessanten Bericht von einer Unterredung mit dem Präsidenten Calles von Mexiko, in welchem jener folgendes sagt:

Zitat

Warum blind sein, warum sich selbst betören wegen der Rolle, welche die römisch-katholische Kirche seit vierhundert Jahren in Mexiko gespielt hat? Es gibt nichts Gutes für sie auszuführen, was ihre Existenz auf Erden gerechtfertigt hätte; doch sie ist der Fluch meines Landes gewesen, seitdem ihre ersten Priester hierher kamen.

Man braucht nur den Verhängnissen Italiens, Österreichs, Spaniens und Irlands nachforschen, um zu erkennen, was jene Kirche vollführte. Sie hat sich in Politik eingemischt, ja in die Politik fast eines jeden Landes hat sie ihre Krallen nun beinahe 2000 Jahre gesenkt. Sie machte Könige und Dynastien und hob sie auch wieder auf. Ihre Würdenträger hatten tausend von herrschenden Häusern, um auf den Ärmsten herumzutrampeln. Sie organisierte Kreuzzüge, erklärte Krieg, schrieb Friedensverträge, zeichnete und änderte die Grenzen der Welt.

Die römische Kirche ist genau bis zu dem Grade emporgeblüht, wie Unwissenheit, Aberglaube und Bettelei vorherrschend waren. Sie bestimmte die Sitten und die Sprache der ganzen lateinischen Welt Amerikas. Wo Unwissenheit vorherrschend war, da war sie mächtig. Sie gedieh in der Nacht des finsteren Mittelalters und wurde fett, ausschweifend und liederlich auf dem Elend menschlicher Wesen.

In dem Maße wie die Welt an Zivilisation, Wissenschaft, Erkenntnis und Kultur zunahm, schwand das Prestige, der Einfluß und die Macht der katholischen Kirche wieder dahin.

Wo sie nicht bekehren konnte, da mordete sie. - Wo sie nicht überreden konnte, da folterte sie. - Wo sie nicht herrschen konnte, da vernichtete sie. - Cortez in Mexiko, Pizarro in Peru und Torquemado in Spanien sind vollkommene Stichproben ihrer Kreuzträger und ihrer Handlungen und Machenschaften.

Heute schmollt und ziert sie sich in ihrer Ohnmacht auf dem winzigen irdischen Fleck, den die Welt ihr auf dem St. Petershügel noch gelassen, gerade so wie die Welt stets das sie Bedrohende einzusperren genötigt war. Aber sie wacht und wartet (auf das, was seit Jahrhunderten ihr Programm war) auf eine Gelegenheit, ihre verlorene Herrschaft wieder zu erlangen. Die ganze Welt täte besser, ein Auge auf Rom gerichtet zu halten!

Zu seiner eigenen Politik überleitend äußert er:
Zitat

Und was für ein entrüstetes Gesicht sie aufsteckt, wenn sie zu mir von Toleranz, Pressefreiheit, Redefreiheit und Gewissensfreiheit spricht! Schatten von St. Bartholomäus! - Lies ihre blutbefleckte, pechschwarze Geschichte - und dann noch von Toleranz reden - freilich! -

Immer sag ich es auf's Neue, die römisch-katholische Kirche konnte nur in dem Maße gedeihen, wie Unwissenheit und Elend um sie herum waren. Als deshalb General Obregon und ich versuchten, etwas für unsere armen, unglücklichen, landlosen Landsleute zu tun, da schrie das gutsituierte Geschäft: „Bolschewismus!" Und die katholische Kirche heulte: „Gottesleugner".

Weiter geht es in seinem Statement:
Zitat

Sie mischte sich nicht in Politik? Die römische Kirche hat während ihrer ganzen langen, schrecklichen Laufbahn nichts weiter getan, als nur in die Politik sich eingemischt! Schaut, was sie mit England machte, als Heinrich VIII. von ihr abfiel. Schaut, was sie Deutschland antat, als Martin Luther voll Ekel und Widerwillen sie verließ. Schaut hin, was man mit Savonarola machte, als er die böse Geistlichkeit zu reformieren versuchte. Schaut, was sie mit dem Ignaz Loyola zuerst zu tun versuchte, ehe sie einen Platz für diesen feurigen Kämpfer in ihrer Hierarchie fand.

Blickt hin auf die Vereinigten Staaten Amerikas, was sie tat, als sie versuchte, unser Land in einen Krieg mit Groß-Britannien zu verwickeln, als sie ihre morastigen Horden nach Kanada sandte. Schaut nach Frankreich, was sie dort zu tun versuchte, als jene erleuchtete Republik es müde wurde, das kostspielige Krebsgeschwür, zu welchem die Priesterschaft angewachsen war, länger zu ertragen. Blickt hin, was sie mit Italien macht, seitdem ihre weltlichen Grenzen bis auf die Gebiete des Balkans beschränkt wurden. Schaut, was sie erst kürzlich tat, als Spanien sich von der Staatsregierung loszureißen versuchte, aber nicht die Kraft dafür fand.

In der Tat, schaut, was diese Kirche in einem jeden Lande getan hat, das aufgewacht, den Alp des Katholizismus von sich weichen fühlte und hineintrat in das Licht der Vernunft und Wissenschaft. Blickt auf ihre „Index Expurgatorius" und seht die Aufzeichnung der Männer, die die Welt zu einem besseren Wohnplatz gemacht haben.

Wir mischen uns nicht in Politik? Warum gerade in diesem Augenblick versuchen die „Knights of Columbus" und die organisierte Kirche der Vereinigten Staaten Washington zu zwingen, sich mit den mexikanischen Angelegenheiten zu befassen? Damit ein Krieg auf eine solche Einmischung folgen möge, - doch ich beeile mich zu sagen, daß nichts dergleichen geschehen wird, weil es hundert Millionen Nicht-Katholiken in Amerika gibt, die es der amerikanischen Regierung nicht erlauben würden, die Kastanien des Papstes aus dem mexikanischen Feuer zu holen, - damit Tausende, junges amerikanisches Leben, in einem solchen Krieg verloren gehen. Es würde einen langen, teuren und nutzlosen Konflikt bedeuten, Steuern und Preise würden steigen und die Herzen ihrer Mütter würden in Schmerz zerrissen werden. -
Alles dieses bedeutet nichts in den Augen der katholischen Kirche, wenn sie nur ihre Priesterschaft hier wieder in den Sattel heben könnte."


von Drahbeck - am 19.03.2012 00:52

Re: Mexikos Präsident hält Vortrag

Diese Fakten müßten in jedem kathol.Priesterseminar auf dem Lehrplan stehen!!Wobei die evang. Kirche mit ihren Untervassallen an Sekten und Gemeinschaften
auch nicht nachstehen!!

von sebe - am 19.03.2012 09:37

„Dr. Eisenbart"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
„Dr. Eisenbart"
Zitat

„Ich bin der Doktor Eisenbart, kurier die Leute auf meine Art. Kann machen, das Blinde wieder geh'n, und Lahme wieder seh'n".

Wie mag es wohl kommen, dass ausgerechnet dieser Spruch mir beim lesen des „Goldenen Zeitalters" (Ausgabe vom 1. 4. 1927) in den Sinn kam? Nun denn wenn ein, wie er sich denn selbst so nennt „Facharzt für Biologische Heilkunst", noch dazu unter Angabe seinen vollen Anschrift (München, Theresienstr. ...) sich auf vollen drei Druckseiten in der genannten GZ-Ausgabe verbreiten darf, dann ist das wohl selbst für GZ-Verhältnisse als ungewöhnlich zu bezeichnen, obwohl man da bereits einiges gewohnt ist.
Die im „Goldenen Zeitalter" mit enthaltene konkrete Hausnummer der Anschrift, wird hier nicht mit übernommen, da es gewisse Webseiten gibt, welche das Internet gezielt nach Adressdaten durchforsten.
Was nun weis dieser Dr. Erwin Hof, seinem geneigten Publikum via „Goldenes Zeitalter" mitzuteilen? Unter der Überschrift „Was, wie und wieviel esse ich?" hat er offenbar ein besonderes Patentrezept mitzuteilen. In einem Wort zusammenfassbar, für die er allerdings erheblich mehr Worte benötigt, heißt dieses Zauberwort:
Fastenkur.

Es ist zwar nicht nachweisbar, dass er nun direkt Wasser predigen und selbst Wein saufen würde. Aber auch er versäumt es nicht, sich bei seinen Ausführungen die berühmten Hintertürchen mit einzubauen. Zum Beispiel mit dem Satz:
Zitat

„Da nur die Lebenskraft heilt, so ist es ohne weiteres klar, daß durch das Fasten wohl jede Krankheit, nicht aber jeder Kranke heilbar ist."

Bei solchen Thesen lässt dann wohl sein „Vetter", der eingangs genannte „Dr. Eisenbart" grüßen.

Wie man das auch vom sonstigen „Kleingedruckten" in mit riesigen Reklamelettern versehenen Verträgen kennt, gibt es auch bei diesem „biologischen Heilkünstler" das „Kleingedruckte". Etwa mit dem Satz:
Zitat

„Ist der Mensch bereits zu alt, aber seine Lebenskraft infolge Lebensschwäche, schwerer Kämpfe oder Leiden aus anderen Gründen bereits zum größten Teile verbraucht und der mit Gift und Unrat durchseuchte Körper damit schon morsch und schwach, so reicht entweder die Lebenskraft zu einer so tiefgehenden Reinigungskur, wie sie das Fasten ist, nicht mehr aus, oder der vermorschte Körper bricht unter der Flut der durch sie eingeschmolzenen Krankheitsgifte zusammen. Die Fastenkur muß also, soll sie nicht enttäuschen, mit weiser Überlegung angewendet werden, d. h. also nur auf Rat und Anordnung von erfahrener Seite."

Ob jener „biologische Heilkünstler" indes dabei wirklich der geeignete Ratgeber ist? Die diesbezüglichen Zweifel wollen immer noch nicht weichen.

Selbst für den Personenkreis, die von vorgenannten Hintertürchen noch nicht mit erfasst sind, hat er offenbar vorgesorgt. So weis er etwa zu belehren:
Zitat

„Da der Fastende in den seltensten Fällen alle zur richtigen Durchführung der Kur unerläßlichen Voraussetzungen (richtige Pflege, Gelegenheit zu Luft- und Sonnenbädern, Massage, Wärme- und Wasserbehandlung, reine, frische Luft usw.) zu Hause vorfindet, so ist der Sanatoriumsaufenthalt dringend zu empfehlen."

Es würde denn überhaupt nicht verwundern, wenn denn in der Praxis dieses „biologischen Heilkünstlers" gleich auch noch die „geeignet" erscheinenden Sanatorien mit vermittelt würden (und das wohl kaum ohne Honorar).

Allerdings muss dieser Wunderdoktor einräumen, dass wohl nicht in allen Fällen sein Patentrezept wirklich das geeignete ist. Aber er glaubt in bestimmten Fällen durchaus „punkten" zu können. Etwa in dem:
Zitat

„Was die Syphilis anbetrifft, so ist nach meiner (d. h. der Meinung dieses „biologischen Heilkünstlers") Anschauung diese Krankheit durch keine andere Heilmethode, auch keine andere biologische, so rasch und gründlich zu heilen wie durch das Fasten."

Er meint weiter sich mit der Aussage ins Rampenlicht stellen zu sollen:
Zitat

„Ich habe Knochentuberkulosen, die 10, 15 und 20 mal ohne Erfolg operiert worden waren, mit e i n e r Fastenkur und Dauerumstellung auf Rohkost in einigen Wochen dauernd geheilt."
(aber auch bei diesem Satz gibt es dann noch ein Hintertürchen, denn er setzt sich wie folgt fort:
Zitat

„Soweit ich sie allerdings noch heilen konnte, denn die zerschnittenen Sehnen und Nerven und die daraus entstandenen Lähmungen und Versteifungen konnte ich nicht mehr beseitigen."

Ob denn ausgerechnet Syphillis-Kranke im relevantem Umfange mit zu den Lesern des „Goldenen Zeitalters" gehörten, mag man berechtigterweise anzweifeln.

Aber allein schon das mit voller Adressen-Angabe im GZ dieser „biologische Heilkünstler" sich selbst darstellen konnte, spricht Bände. Und vieles spricht dafür, dass mittels dieses Artikels seine Praxis einen nicht unwesentlichen Aufschwung erfuhr. Die aufnahmebereite „richtige" Klientel hat er ohne Frage sich dazu ausgewählt!

Übrigens, es blieb nicht nur bei jenem Artikel in der GZ Ausgabe vom 1. 4. 27.
Die GZ-Redaktion war offenbar von seinen Ausführungen dermaßen angetan, das sie ihm noch in zwei weiteren GZ-Ausgaben Raum zur Darstellung seiner „biologischen Heilkunst" gewährte.
In diesen beiden anderen Artikel war etwa auch dieses zu lesen:



Ein eher müdes Nachwort seitens der GZ-Redaktion gab es zwar auch


Ergänzender Nachtrag:
Ein User meinte andernorts am 12.04.2010, 19:39
Zitat

„Dr. Erwin Hof verstarb kurze Zeit darauf im Jahr 1928. Er erreichte mit 47 Jahren selbst für damalige Verhältnisse ein unterdurchschnittliches Lebensalter. Woran er gestorben ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ein Jahr vorher schriebe er noch dies:
Zitat von GZ vom 15. Juli 1927, S. 218-219
„Ich bin 46 Jahre alt, von muskulösen Körper und nehme es mit jedem jungen Menschen in jedem Sport auf."


http://forum.sektenausstieg.net/showthread.php?11518-ZJ-und-Medizin/page4&highlight=Erwin
Dann mache man sich mal so einen Reim auch auf seine nachfolgende Aussage:


Siehe bei Bedarf auch:
Goldene Zeitalter 1. 4. 1927

Goldenes Zeitalter 15. 7. 1927
Goldene Zeitalter 1. 8. 1927

von Drahbeck - am 18.04.2012 23:25

Die wundersamen Radiowellen

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Die wundersamen Radiowellen

Das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 4. 1927, macht sich wieder mal zum Makler einer etwas sonderbaren Theorie. Solange lag ja die Russell'sche Wunderweizen-Story zu dem Zeitpunkt ja noch nicht zurück. Aber inzwischen sind ja einige Jahrzehnte vergangen, und die „Schul-Wissenschaft" will immer noch nicht jene neue Theorie des GZ bestätigen. Aber das ficht wohl diesbezüglich Gläubige nicht an. Weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart.

Im genannter Ausgabe des GZ verbreitet sich unter der Überschrift „Ist das Radio dem Wachstum der Pflanzen förderlich?", ein wie es laut Untertitel heißt „amerikanischer Mitarbeiter" (des GZ) wie folgt:
Zitat

„Seit fünfzehn Jahren habe ich Weintrauben gebaut. Der Ertrag war ungefähr immer derselbe bis zum Jahre 1925 wo er sich ungefähr um das Dreifache vermehrte. Meine Weinstöcke trugen so schwere Früchte, daß ich sie anbinden und stützen mußte. Wo ich früher eine Traube geerntet hatte, erntete ich in diesem Jahre drei.

Weiter geht die Story mir der Aussage:
Zitat

Alle meine Bekannten bemerkten es und fragten mich, womit ich diese große Zunahme des Ertrages erzielt habe. Ich mußte ihnen sagen, daß ich es selbst nicht wisse. Ich hatte nichts anderes zur Pflege meines Weines getan als in den vorhergehenden Jahren. Je mehr ich darüber nachdachte, umso verwunderlicher kam es mir vor.

Eines Morgens, als ich den Boden unter den Weinstöcken von dürrem Laube säuberte, bemerkte ich in diesem Laube Tausende von toten Insekten. Das war merkwürdig, denn in früheren Jahren hatte ich bemerkt, daß der Boden unter den Weinstöcken oft von lebenden Insekten wimmelte. Ich sah nun jeden Morgen nach, und fand tatsächlich an jedem Morgen eine Menge toter Insekten, die offenbar in der Nacht zugrunde gegangen waren. Und mit der Hand durch die Weinranken streifend, konnte ich nur ganz wenige Wanzenkäfer finden, die sonst in Fülle dagewesen waren, und die sich bei der Hitze des Tages in dem Laube der Weinstöcke verbargen und des Nachts den Saft aus den Weinstöcken sogen und ihnen schadeten. Was ich aber fand, war eine Menge toter Mücken und Insekten, die noch nicht abgefallen waren.

Auch das versäumt jener Berichterstatter via GZ nicht noch hinzuzufügen:
Zitat

Dies alles war mir rätselhaft. Wenn ich auch weiß, daß wir in das goldene Zeitalter eintreten, wo sich der Ertrag der Erde mehren wird, so mußte ich doch erkennen, daß diese Mehrung des Ertrages eine andere und natürliche Ursache haben mußte. Darum setzte ich meine Untersuchungen dieser merkwürdigen Erscheinung fort. Ich konnte mir nicht erklären, warum Insekten, die in meine Weinstöcke kamen, stets, bevor ein neuer Tag kam, ihr Leben lassen mußten.

Schließlich bemerkte ich, daß die Radioleitung meines Nachbars über die ganze Länge meines Weingartens hinging; und es schien mir, als ob die Spannung der Leitung, wenn sie des Abends, wenn er seinen Radioapparat anstellte, in Schwingungen versetzt wird, einen zerstörenden Einfluß auf das Leben der Insekten in ihrer unmittelbaren Nähe habe. Ich befragte einen Sachverständigen, und er bestätigte meine Meinung. Ebenso erscheint es möglich, daß die Radiowellen noch außer dem zerstörenden Einfluß auf die Insekten, die die Säfte aus dem Weinstock saugen, einen guten Einfluß auf das Wachsen des Weines haben. Zweifellos läßt sich die ganze Wohltat des Radio heute noch gar nicht ermessen. Alles liegt noch in den Kinderschuhen.


von Drahbeck - am 20.04.2012 01:59

„Von den Chinesen lernen - heisst siegen lernen" ?

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
„Von den Chinesen lernen - heisst siegen lernen" ?

In Fortsetzung des Berichtes über die wundersamen Radiowellen
Siehe http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,121993,128943#msg-128943
20. April 2012 03:59
wäre noch zu berichten;
Auch in der Ausgabe vom 1. 11. 1927, wähnte das GZ wieder fündig geworden zu sein.
In letzterer Ausgabe, offenbar als Zusendung aus den Leserkreis des GZ fühlt selbiges sich berufen, auch seine Leserschaft, wie folgt zu informieren (Zitierung ohne inhaltliche Bewertung):
Zitat

„Eine wunderbare Vervielfältigung der Getreideernten ...
Die Tragik jedes wahren Fortschritts scheint zu sein, daß er langer Zeiträume bedarf, um sich durchzusetzen. Die Schnelligkeit allen Scheinfortschrittes steht dazu in komischen Gegensatze. Erst die Not muß den Widerstand der Menschen brechen. Die nicht zu verkennende Notlage unsrer Landwirtschaft macht die Zeit und die Gemüter der Menschen günstig. Die Notwendigkeit einer Neubelebung und Stärkung der Landwirtschaft wird immer mehr als unaufschiebbar erkannt. Darin herrscht Übereinstimmung von der Deutschnationalen Volkspartei über die Demokraten bis hin zur Sozialdemokratie. Zwar sind die sprichwörtlich gewordenen Klagen der „notleidenden Landwirtschaft" nicht neu. Sie datieren bereits seit dem denkwürdigen Übergange der deutschen Wirtschaftspolitik vom Freihandel zum Schutzzoll im Jahre 1879 unter Bismarcks Aera. Ohne allerdings leider die finanziellen Nöte beseitigen zu können, hat die deutsche Landwirtschaft in den nachfolgenden Jahrzehnten eine erstaunliche Kraft bewiesen. In den Jahren 1882 bis 1914 ist ohne Vergrößerung der Anbaufläche der Ertrag der Getreideernten von 11 Millionen auf 28 Millionen Tonnen gesteigert worden. Leider haben die Nachkriegsjahre diese Höhe infolge vieler ungünstiger Umstände noch nicht wieder erreichen können. Viele glauben, daß damals der Höhepunkt aller Intensivierung erreicht war. Aber schon zeigen sich neue Möglichkeiten der Steigerung, z. b. die sich immer mehr ausbreitende Hackkultur.

Nach dieser Einleitung geht es weiter mit der Aussage:
Zitat

„Diese Intensivierung wird aber durch eine neue und dennoch uralte Methode - sie wird von den Chinesen schon seit Jahrtausenden angewendet - in den Schatten gestellt. Namentlich dem kleinen Landwirt mit wenig Grundbesitz und zahlreicher Familie ist sie von größtem Nutzen. Diese ostasiatische Methode erzielt mit intensivster Menschenarbeit auf kleinstem Raume ein Höchstmaß des Ertrages, das jenes unserer üblichen Feldbestellung auf gleicher Bodenfläche um ein Vielfaches fast unglaublich übertrifft. Wir müssen unser Getreide pflanzen lernen, jawohl pflanzen, wie man Salat, Kohl und sonstiges Gemüse pflanzt. Es ist bekannt, daß die Verwöhnung und Überfütterung unserer Kulturpflanzen mit künstlichen Düngesalzen zu einer gewissen Schwächung der Wurzelbildung geführt hat. Der Chinese hingegen legt besonderen Wert auf kräftige Wurzelbildung.

Das Samengetreide wird in Anzuchtkästen oder -beeten dicht ausgesät, in unserem Klima etwa Ende Juli bis Mitte August. Wenn die Pflänzchen ca. 12 - 15 cm hoch sind, am ersten Halmknoten das 3. oder 4. Blatt erscheint, werden sie einzeln in die für die Ernte bestimmten Felder umgesetzt und bis über den ersten Stengelknoten, ca 2-3 cm tiefergepflanzt, sodaß er 1-2 cm mit Erde bedeckt ist und sich aus ihm besondere Adventivwurzeln entwickeln können. Vom Gemüsebau kennen wir ähnliche Tätigkeit unter dem Namen „pikieren". Nach dem Umpflanzen werden die jungen Pflänzchen begossen, am besten mit verdünnter Jauche. (1:6)
Viel Wintergetreide soll das Begießen bis in den Herbst hinein fortgesetzt werden, im Frühjahr dann allerdings unterbleiben, je mehr Dung, umsomehr Ertrag. Nach kurzer Zeit des Stillstandes, während dessen die Pflanzen „trauern", entwickelt sich eine kräftige Bewurzelung mit mehreren Bündeln übereinandergeschichteter Wurzeln, die auch tiefer als gewöhnlich in die Erde eindringen."

Als weiteres Detail wird belehrt:
Zitat

„Bei dieser überreichen Bewurzelung und späteren Bestockung müssen freilich die Entfernungen der einzelnen Pflanzen erheblich weiter als bei unserer üblichen Ackerbestellung sein, etwa 20-30 cm, je nach Art und Boden. Am besten geschieht das Pflanzen in schachbrettartigen Reihen oder Bändern. Die spätere Bearbeitung wird dadurch sehr erleichtert. Geht die Entwicklung kräftig voran, so werden die Pflanzen im Laufe des Herbstes leicht behäufelt, wobei die Mitteltriebe schwach mit Erde bedeckt werden. Die letzte herbstliche Behäufelung, etwa 4 cm hoch, soll ca. 14 Tage vor Beginn der eigentlichen Frostperiode erfolgen. Die leichte Behäufelung wird auch im Frühjahr wiederholt. Wo der Boden schnell verkrustet, muß er im Herbst und Frühjahr wiederholt leicht behackt werden.
Der kräftigen Bewurzelung unter der Erde entspricht eine erstaunliche oberirdische Bestockung."

Als Resultat meint man verkünden zu können:
Zitat

„Während bei unserer üblichen Kultur aus einem Samenkorn höchstens 5 Sprossen hervorgehen, entsprießen hier 6-10 mal soviel; einzelne Versuche ergaben sogar bis 120 Ähren aus einem Korn. Dabei trägt jeder Halm eine fast doppelt so große Ähre mit einem Durchschnittsertrage von 100 Körnern, deren Tausendkorngewicht bis 40 gr. beträgt. Zum wenigsten erwartet man bei Winterroggen durchschnittlich 25 Ähren, bei Winterweizen 35 Ähren von doppelter Länge mit je 90 bis 100 schönen vollen Körnern. Die allgemeine Kräftigung bewirkt, daß die Pflanzen sowohl Frost wie Hitze und Dürre weit besser als unser gewöhnliches Getreide überstehen. 110 Doppelzentner Weizen auf einem Hektar Ernteertrag sind keine Seltenheit. Prof. Dr. Strecker in Leipzig erzielte auf einem Versuchsfelde, allerdings unter sehr günstigen Bedingungen, sogar 240 Doppelzentner auf dem Hektar. (Kein Druckfehler!) Das klingt paradiesisch und unglaublich, ist aber durch vielfache Versuche als Wirklichkeit bestätigt."

Dann kommt wieder mal, das zu erwartende „Kleingedruckte":
Zitat

„Die geniale Einfachheit dieser Methode, die freilich den verschiedenen Gegenden und Bedingungen durch praktische Erfahrungen angepaßt werden muß, besteht
1. In der Aussaat des Getreides in Anzuchtstätten oder -beeten,
2. In der Umpflanzung und Erweiterung des Zwischenraumes zwischen den einzelnen Pflanzen und
3. Im Behäufeln, Dungguß und Behacken.

Als Referenzen meint man verweisen zu können:
Zitat

„Kein Geringerer aus Justus von Liebig hat diese gärtnerische Ackerkultur der Chinesen bereits gekannt und gepriesen. Fürst Kropotkin vor vielen Jahrzehnten empfohlen, Demtschinsky für unsere Klimate wissenschaftlich ausprobiert. (Demtschinsky, „Die Vervielfältigung und Sicherstellung der Ernteerträge", Verlag Paul Parey, Berlin.)

Der erfinderische Menschengeist hat auch hier schon durch Maschinen die mühseligste Arbeit abgenommen, namentlich spielt die von Reyenburgische Bodenfräse, System Siemens-Schuckert, eine große Rolle, die in einem Arbeitsgange alle notwendigen Feldvorbereitungen erledigt. Der Gesamtarbeitsaufwand ist nicht größer, eher kleiner als bei der üblichen Feldbestellung. Etwa ein halber bis ein ganzer Hektar Boden könnte zur Ernährung einer Familie genügen."

Die Belehrung setzt sich fort mit der Aussage:
Zitat

„In der Nähe der Industriezentren und der großen Städte läßt sich die Intensität der Landwirtschaft durch rationellen Gemüse und Obstbau noch viel mehr steigern. Die gärtnerische Meisterschaft europäischer Nachbarvölker kann uns hier als Vorbild dienen. ... Hoffentlich wird das Treibhaus bei uns bald zu den notwendigen Zubehör jeder Wirtschaft zählen. Dann ließen sich 6 - 9 Ernten innerhalb eines Jahres auf demselben Stück Boden ermöglichen. In Österreich wurden bereits mit staatlicher Hilfe wohlgelungene Versuche mit solchen Getreidegärtenkolonien gemacht. Wunderbare Aussichten für unsere Siedlungsbestrebungen eröffnen sich hiermit. ..."

Und fast hätte man darauf gewartet. Dieser Artikel kann es sich nicht versagen, dann mit den Schlusssätzen zu enden:
Zitat

„Ist nicht auch in dem hier geschilderten wieder ein Zeichen zu erblicken? Eine Erfüllung jenes Prophetenwortes (Hesekiel 36: 29-39):
Zitat

„Und ich werde das Getreide herbeirufen und es mehren, und keine Hungersnot mehr auf euch bringen; und ich werde die Frucht des Baumes und den Ertrag des Feldes mehren, auf daß ihr nicht mehr den Schimpf einer Hungersnot traget unter den Nationen."

Als Nachwort darf man dann wohl noch anmerken. Bereits seit Russell's Wunderweizern-Story, ist ja die diesbezügliche Euphorie bekannt. Im nachschauendem Rückblick ist aber auch bekannt, dass jener „Wunderweizen" dann zur „Seifenblase" mutierte. Es drängt sich der Verdacht auf, es hierbei mit einer variierten Neuauflage selbiger Sache zu tun haben. Was denn an dem Bericht „dran" ist, werden wohl nur landwirtschaftliche Fachleute beurteilen können. Vielleicht lautet deren Urteil dann auch:
Erfindungen - auf welche die Welt gewartet hatte. Und sie dennoch nicht zu gebrauchen vermag!

von Drahbeck - am 27.04.2012 20:32

Wieder ein Patentrezept auf welches die Welt wartete

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
Wieder ein Patentrezept auf welches die Welt wartete

Nachdem im „Goldenes Zeitalter, (Schweizer Ausgabe 15. 7. 1925; Ausgabe Magdeburg 1. 9. 1925) bereits, im Rahmen der Gesundheitsratschläge des GZ, eine Lanze für den Honig gebrochen wurde. Etwa mit der Aussage:
Zitat

„Es wird uns von einem berühmten Arzte berichtet, der das Alter von 98 Jahren erreichte. Er verwendete statt Zucker nur Honig zum Süßen der Speisen, weil er, wie er sagte, so lange wie möglich leben und sich, solange er lebte, wohl fühlen wollte. Er schrieb:
Zitat

,,Es würde den Gesundheitszustand der jetzigen Generation außerordentlich heben, wenn der Honig wenigstens teilweise wieder zu einem allgemeinen Nahrungsmittel gemacht werden könnte. Das fast allgemeine Verlangen nach Süßigkeiten irgendwelcher Art beweist, daß der Körper ein wirkliches Bedürfnis in dieser Richtung hat. ... In dem wunderbaren Laboratorium des Bienenstockes finden wir eine Süßigkeit, die keines Verdauungsprozesses bedarf. So sorgfältig ist sie von den wunderbaren kleinen Chemikern, den Bienen, bereitet, daß sie niemals den Magen oder die Nieren belasten wird."

Mit dieser Aussage war das Thema für das GZ offenbar noch nicht beendet. In der GZ-Ausgabe vom 1. 5. 1927, gibt es dazu noch einen „Nachschlag" (die Imker werden das sicherlich zu schätzen gewusst haben). Diesmal meint man unter der Überschrift „Der Honig - ein vernachlässigtes Nahrungsmittel" zu wissen. Und nachfolgendes wird Kommentarlos zitiert. Ob es den ein „Patentrezept" ist oder nicht, diese Frage mag denn jeder für sich selbst beantworten:
Zitat

„Mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand unseres Volkes und besonders auch unserer arg geplagten und gehetzten Großstadtbevölkerung ist dies (das in den Hintergrund treten des Honigs) sehr zu bedauern, denn unsere Vorfahren wußten recht gut, was für ein vortreffliches Heil- und Vorbeugungsmittel gegen mancherlei Krankheiten und Beschwerden ihnen in dem Honig gegeben war; deshalb schätzten sie ihn hoch und räumten ihm in Küche und Vorratsraum den ersten Platz ein. Und das mit vollem Recht; denn durch seinen Gehalt an Frucht- und Traubenzucker, Vitaminen und Ameisensäure, Eisen, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphorsäure und anderen für den Aufbau und die Funktion des menschlichen Organismus unentbehrlichen Stoffen besitzen wir in dem Honig in der Tat ein allererstes Genußmittel von höchster Heilkraft, das besonders in der gegenwärtigen, an Epidemien der verschiedenen Art überreichen Zeit in viel ausgiebigerem Maße als tägliches Nahrungsmittel benutzt werden sollte, als es vereinzelt hier und da der Fall ist. -

Ein oder mehrere Teelöffel Honig in einem Glase heißen Wassers aufgelöst und, wenn möglich, den Saft einer halben Zitrone hinzugetan, sind selbst in Fällen schwerster Erkältungskrankheiten mit hohem Fieber von geradezu erstaunlicher Wirkung; eine solche Lösung, mehrmals am Tage eingenommen, drückt hohe Fiebertemperaturen wirksamer und vor allem nachhaltiger als alle chemischen Mittel, die in solchen Fällen mit Vorliebe angewendet werden, nieder. Auch in der Rekonvalenz gibt es nichts Besseres als reichlichen Genuß des Bienenhonigs, gleichgültig ob in Wasser gelöst oder in der natürlichen, zahlflüssigen Form; die Verdauuung wird dadurch gefördert, die Darmtätigkeit angeregt, die Nerven werden beruhigt, das Blut wird gereinigt und der ganze Körper in seinen Funktionen mächtig gestärkt. Regelmäßiger Honiggenuß abends vor dem Schlafengehen schafft selbst dem nervösesten Menschen, der sonst vielleicht erst nach stundenlangen Liegen einschlafen konnte, schon nach kurzer Zeit erquickenden traumlosen Schlaf. Bei allen akuten oder chronischen Erkrankungen des Magens, des Armes, der Schleimhäute und verschiedener Drüsen, bei nervöser Überanstrengung und Mattigkeit, bei Entwicklungshemmungen der Jugend, Bleichsucht und Blutarmut, Gelenkrheumatismus, Arterienverkalkung, Asthma u. v. a. hat sich der Honig vorzüglich bewährt und bei regelmäßigem Genuß schon nach kurzer Zeit zu überraschenden Erfolgen geführt. Mir (dem GZ-Schreiber) sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen jahrein, jahraus regelmäßig wiederkehrend, chronische Erkältungskrankheiten mit ihrem weniger gefährlichen als lästigem Gefolge wie Halsentzündungen, Schnupfen, Bronchitis und sonstige Leiden speziell der Schleimhäute durch längeren Genuß von Honig gänzlich verschwunden sind, ohne jemals - sei es auch nur in kurzen Anfällen - zurückzukehren. Selbst der mit Recht so gefürchteten Diphteritis ist in dem reinen Bienenhonig ein Vernichter entstanden, der leider noch viel zu wenig gewürdigt und anerkannt wird.

So berichtet u. a. Weigert (Blätter für die deutsche Hausfrau 1926, 30) über einen Fall in seiner näheren Verwandtschaft, wo ein kleines an Diphtheritis erkranktes Mädchen, das bereits von allen Ärzten aufgegeben, mit dem Tode rang, nach längerer Honigkur gerettet und völlig wiederhergestellt werden konnte. Ähnliche Fälle sind in letzter Zeit auch von anderer Seite berichtet worden, und nach den Erfahrungen, die ich (der GZ-Schreiber) selbst von der starken Heilwirkung des Honigs machen konnte, nicht weiter erstaunlich. Auch noch auf die wirklich einzigartigen, prompten Erfolge einzugehen, die gerade in letzter Zeit mit einer Honigkur auch bei schweren Lungenleiden gemacht wurden, muß ich mir leider aus Raummangel versagen. Doch kann ich (der GZ-Schreiber) den Ausführungen des Herrn Dr. Harald nur vollinhaltlich zustimmen, wenn er sagt, daß es ihm stets ein Gegenstand des Verdrusses sei zu sehen, mit welcher Geringschätzung die breiten Volksmassen den für unsere Gesundheit so außerordentlich wichtigen Honig beurteilen, während sie dagegen auf der anderen Seite recht beträchtliche Summen für die verschiedensten sogenannten „Nährsalze" ausgeben, die sich - zwar nicht immer - aber oft als reinster Schwindel entpuppen [Hervorhebung nicht im Original]. Die Mahnung ist in der Tat dringend erforderlich, erst einmal auf die natürlichen Produkte zurückzugreifen, die unserem Organismus all das geben, was er braucht, und alle sonstigen Surrogate durchaus überflüssig machen."

[Redaktionelle Nachbemerkung. Vorstehend zitiertes stellte die Auffassung des „Goldenen Zeitalters" dar, so wie sie in der genannten Ausgabe enthalten ist. Eine Gewähr für darin enthaltene substanzielle Aussagen, wird in keiner Weise übernommen.]

von Drahbeck - am 20.05.2012 23:55

„Erfüllte Prophezeiungen"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise


Dieses im „Goldenen Zeitalter" vom 15. 5. 1927 veröffentlichte Bild, inspirierte offenbar die GZ-Redaktion einen etwas umfänglicheren Kommentar dazu mit hinzuzufügen. Wie man unschwer erraten kann hielt die GZ-Redaktion eine Überschrift wie:
Zitat

„Erfüllte Prophezeiung - ein unumstößlicher Beweis der Aufrichtung des Königreiches Gottes"
für angemessen.
Zu den Binsenweisheiten dieses Kommentares gehören dann auch solche Sätze wie:
Zitat

„Eine Prophezeiung kann erst verstanden werden, wenn sie erfüllt oder im Verlauf der Erfüllung ist."

Bösen Zungen fällt da unwillkürlich der Spruch von dem auf dem Mist krähenden Hahn ein, dessen Gekrähe man auch so zu deuten vermag:
„Das Wetter ändert sich - oder es bleibt so wie es ist."

Das wiederum - man ahnt es schon - würde die GZ-Redaktion nie auf sich sitzen lassen, wähnt sie doch „handfestere Beweise" zu haben. Zum Beispiel die Bibelstelle Jesaja 60:8 in der laut GZ zu lesen ist:
Zitat

„Wer sind diese, die wie eine Wolke geflogen kommen, und gleich Tauben zu ihren Schlägen?"

Dazu meint dann das GZ zu wissen:
Zitat

„Niemand hätte vor der Erfüllung dieser Prophezeiung wissen können, was das Prophet hier meinte"
; womit man den wieder beim auf dem Mist krähenden Hahn angelangt wäre. Fatal nur dass sich mit solchen „Misthähnen" kein sonderliches Geschäft machen lässt. Was wäre denn eine Jahrmarktsbude ohne lautstarken Anpreiser:

„Komm' sei rein, komm' se rein. Hier werden sie genauso beschissen wie nebenan." Das muss wohl auch dem GZ-Schreiber im Unterberwusstsein gedämmert haben. Denn in demselben Artikel rühmt er sich auch, dass die von ihm vertretene Organisation im Jahre 1926 allein in Deutschland 3.300.00 Bücher und Broschüren und 12.000.000 Traktate verbreitet hätte. Solche Umsätze lassen sich wohl schwerlich bewerkstelligen, hat man nur krähende „Misthähne" zu offerieren.

Und damit das geneigte Publikum vor lauter Staunen das Maul nicht mehr zubekommt, weis der GZ-Schreiber zu berichten:
Zitat

„Doch das Hereinbrechen der Zeit des Endes dieses Zeitalters brachte uns die Wunder der Technik, und zu ihnen gehört das Flugzeug..."

Na wenn das mal kein Highlight für Unbedarfte ist!
Sein Publikum weis der GZ-Schreiber offenbar richtig einzuschätzen, denn er hat noch einen zweiten Kassenschlager dieser Güte mit auf Lager.
Diesmal muss der Bibeltext Hiob 38, 34, 35 herhalten, der denn laut GZ lautet:
Zitat

„Kannst du deine Stimme zum Gewölk erheben ... Kannst du Blitze entsenden, daß sie zu dir sagen: Hier sind wir."

Und da wähnt sich der GZ-Schreiber so richtig in seinem Element, wenn er denn weiter tönt:
Zitat

„Nichts besser könnte man eine Erfindung der neuesten Zeit schildern, nämlich das Radio. Durch die Radio-Wellen wird es möglich gemacht, die Stimme eines Menschen Hunderte von Meilen weit zu vernehmen."

Derart euphorisch eingestimmt, und im Bewusstsein, das eigene Geldsäckel ist ausreichend gefüllt; war es besonders in „God's own Country" das besondere Anliegen, dieser Propheten, die Radiotechnik, auch für die eigenen Propagandabelange einzusetzen. Und für Money ist in „God's own Country" vieles möglich. Auch das, mit abstrusen Religionsthesen der Mitmenschheit, auch ungebeten „auf den Keks" zu gehen.

Zwar sah dass die religiöse Konkurrenz nicht so gern. Aber bis sie es dann geschafft hatte, Rutherford wieder aus dem Radio zu vertreiben, vergingen einige Jahre. Mit Sicherheit war ihnen das im Jahre 1927 noch nicht möglich.

Mag es auch marginale Unterschiede bei diesen Jahrmarktsverkäufern geben. Eines eint sie wohl allesamt:

„Komm' sei rein, komm' se rein. Hier werden sie genauso beschissen wie nebenan."

von Drahbeck - am 25.05.2012 03:07

Der famose „Heilige Rock" zu Trier

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Das „Goldene Zeitalter" (Ausgabe vom 1. 6. 1927) informiert, diesmal über den „Heiligen Rock zu Trier". Der kritischen Tendenz dieses Berichtes mag man sich ja durchaus anzuschließen. Indes ob ausgerechnet die WTG-Religion dabei der geeignete Ankläger ist, erscheint doch mehr als zweifelhaft. Das gleiche Geschäft mit der menschlichen Dummheit (wenn auch auf variierten anderen Ebenen) wird doch auch von ihr betrieben und das massivst.

In genannten Beitrag konnte man lesen:
Zitat

„Im Jahre 1844 fand eine Ausstellung des heiligen Rocks zu Trier statt. Ein Sturm der Entrüstung ging damals durch die gebildetere katholische Welt Deutschlands. Über eine halbe Million Katholiken traten aus der römischen Kirche aus (F. Jaskowski), 60.000 davon bildeten unter Führung des kath. Pfarrers Ronge die Deutsch-Katholiken. Eine im amtlichen Auftrage geführte Untersuchung durch die Prof. Sybel und Gildemeister ergab die Unechtheit des Rockes, also Betrug. Letzterer geht schon daraus hervor, daß außer in Trier noch vier Exemplare, alle mit der päpstlichen Bulle der Echtheit versehen, vorhanden sind: in Argenteuil, St. Jago, Rom, Friaul!

1891 fand wiederum die Ausstellung statt. Da legte der kath. Geistliche F. Jaskowski im Bezirk Trier seine Entrüstung in einer Schrift nieder: Verlauf und Fiasko des Trierer Schauspiels, H. Klingebeil, 1891. Er bezeichnete sich als ultramontanen Geistlichen und übt eine vernichtende Kritik aus. Er schreibt im Auszug:

Zitat

Bischof Korum ließ noch einmal durch zwei zur Verschwiegenheit verpflichte Geistliche, davon einer ein Jesuit, den Rock untersuchen und machte die Protokolle bekannt. Danach wurden ein Ober- und Untergewand, dazwischen ein völlig zerrissener Lappen, der angebliche hl. Rock, völlig vom Schimmel bedeckt, dem Gewölbe entnommen, gereinigt und genäht. 1876 hatte der Domherr v. Wilmowski den angeblichen Rock für Futter des Obergewandes erklärt. Der Papst hatte einen vollkommenen Ablaß gewährt unter gewissen Bedingungen. Außer einem einladenden Hirtenbrief hatte der Bischof in einem anderen um Geldopfer für den Dom und für den Papst gebeten. J. bemerkt, der Dom habe Millionen ausgeliehen, und der Jesuit Margotti habe den Papst für den reichsten Souverän erklärt. Während der Vorbereitungen wurde auch der hl. Rock in Argenteuil ausgestellt. Beide Bischöfe versicherten sich, daß jeder den echten Rock habe! Bei der Eröffnungsfeier im Dom war kein katholischer Fürst zugegen, kein höherer katholischer Beamter, keiner der 50 deutschen Bischöfe, nur zwei Ausländer.

So kam viel Volk aus den niedrigsten Ständen. Landleute, Arbeiter, Dienstboten, andere waren nur vereinzelt zu sehen. Die Pilger stammten zum größten Teil aus dem Bezirk Trier und dessen Nachbarschaft, im ganzen in 45 Tagen 1.000.000. Trotz der Eisenbahnen dieselbe Zahl wie 1844. Der Rock mit den anderen Gewändern war in einem Glasschrank hinter dem Altar in einem Bündel aufgehängt, der Schrank hatte an beiden Seiten eine Öffnung, durch welche je ein Geistlicher, Rosenkränze, Bilder usw. der Pilger einen Augenblick an das Bündel hielt. Die Pilger schritten zu zweien zunächst an zwei mächtigen Opferkästen, dann an dem Schrank vorbei, vor dem ihr für den einzelnen nur etwas mehr als eine Sekunde Aufenthalt gelassen war, jeder konnte nur einen Blick auf das Bündel werfen, beim Abgang mußten sie noch einmal an einem Opferkasten vorbei. (1844 saßen am Ausgang zwei Geistliche am Kassentisch; Beschreibung eines ehemaligen Jesuitenzöglings). Die Pilger waren fast durchweg arme Leute, die Trier verließen, ohne für einen Pfennig verzehrt zu haben; sie brachten sich kärglichste Lebensmittel mit und tranken Brunnenwasser, reisten nach ein paar Stunden wieder ab. Die Geschäftsleute hatten alle Preise hochgetrieben, sahen sich getäuscht, für viele wurde die Spekulation zum Ruin.


Zitat

J. schließt mit den Worten:

Zitat

„Nur einen Erfolg scheint das Trierer Schauspiel zu haben. Die Schatullen für den reichen Dom und für den armen Heiligen Vater sind gefüllt; allein, da dieses Opfergeld zum großen Teil vor Armen und Notleidenden gespendet, so ist dieser pekuniäre Gewinn kein Erfolg, sondern eine Niederlage in moralischer Hinsicht!"

Zitat

Ein braver Christ. Mir ist unbegreiflich, daß die Staatsanwaltschaft nicht eingeschritten ist; sie tut es doch sonst bei solcher Massenausbeutung. Kirchenprivilegien hören doch auch auf, sobald sie mit der christlichen Moral in Konflikt kommen! Der Reliqienhandel ist von Gregor I. (600 n. Chr.), dem Erfinder des Fegefeuers, eingeführt worden."




Siehe zum Thema unter anderem auch:
Mysnip.35677

von Drahbeck - am 11.06.2012 21:13

Nochmals „Dr. Eisenbart"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Siehe auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,121993,128884#msg-128884
19. April 2012 01:25

Dem Lieblingsthema des „Goldenen Zeitalters", dass von Zeit zu Zeit immer wider mal in neuen Varianten hervorgeholt werden muss, kann man auch in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 6. 1927 in der Form einer Zeichnung begegnen.

Eigentlich aber, springt aber ein anderer Beitrag in dieser Ausgabe, besonders ins Auge.
Nachdem er sich schon im „Goldenen Zeitalter" vom 1. 4. 1927, mit voller Adressenangabe, wirkungsvoll als „Facharzt für Biologische Heilkunst" vorstellen konnte, war es diesem „Dr. Eisenbart" (pardon: Dr. Erwin Hof), dank der wohlwollenden Unterstützung der GZ-Redaktion, vergönnt, sich erneut in der GZ-Ausgabe vom 15. 6. 1927, wirkungsvoll in Szene zu setzen: Diesmal sogar über vier Druckseiten verteilt (S. 197 - 200). Bei seinem „Antrittsbesuch" hatte er sich noch mit drei Druckseiten begnügen müssen. Die Bewilligung von immer mehr Druckraum, zeigt denn auch, dass die GZ-Redaktion ihren „Star" auch entsprechend zu würdigen wusste.

Wusste er bei seinem Einstiegs-Artikel sich beispielsweise als Helfer für Syphilis-Kranke zu outen. Und wusste er für selbige eine auf dem ersten Blick etwas ungewöhnliches Heilmittel anzupreisen. Nämlich eine zünftige Fastenkur.

So lies er damals allerdings die Frage unbeantwortet, ob denn alle so von ihm verarzten Syphilis-Kranken wirklich (auch) unter chronischem Übergewicht leiden. Da kann dann ja eine Fastenkur als nachvollziehbares Rezept in der Tat gelten. Sollte indes ein „Spindeldürrer" Syphilis-Kranker in seiner Praxis auftauchen. Ob er dem dann auch eine Fastenkur verordnete? Diese Frage blieb leider unbeantwortet.

Im Bewusstsein, bei seiner angesprochenen Klientel via GZ, bereits ein „mächtigen Stein im Brett zu haben", geht es also in der GZ-Ausgabe vom 15. 6. 1927 mit seinen Ratschlägen weiter.

Und die GZ-Redaktion als solches, lässt denn auch keinen Zweifel, wo sie denn in diesen und ähnlichen Fragen steht. Denn sie bewilligt diesem „Dr. Eisenbart" (pardon: der hiess ja anders. Aber das wurde ja schon gesagt), ein eigenes würdevolles Nachwort zu seinen Ausführungen. Und in selbigem verbreitet sie sich auch mit dem Satz:
Zitat

„Wir sind der absoluten Überzeugung, daß die Zukunft der Naturheilkunde gehört ..."

Da haben sich also die rechten Partner gesucht und gefunden.
„Dr. Eisenbart" (alias Dr. Erwin Hof) ist aber offenbar ein vorsichtiger Mann, denn wiederum baut er in seine Ausführungen seine bereits bekannte salvatorische Klausel mit ein:
Zitat

„Ich behaupte, daß jede Krankheit heilbar ist, wohl zu beachten, jede Krankheit, nicht jeder Kranke!"

Das könnte wohl sein Stammvater, der „Dr. Eisenbart", auch nicht besser gesagt haben, denn zu dessen Künsten gehörte es ja auch Blinde gehend zu machen, und Lahme sehend.

Es ist offenkundig, dass die Dr. Hof's und Co, welche sich auch mit dem Umstand herumschlagen müssen, dass ihre Dienstleistungen nicht von allen Krankenkassen anerkannt und bezahlt werden. Sie also ihre Patienten selbst und direkt zur Kasse bitten müssen (in nicht wenigen Fällen). Das bei denen durchaus so etwas wie Neid auf die an den Krankenkassen-Krippen sitzende Schulmedizin aufkommt. Auch dieser Dr. Hof blieb offensichtlich vor diesem Frust nicht verschont.
Wie bei ihm und seinesgleichen zu erwarten, spart er denn nicht an Plattitüden. An Sätzen, welche in nicht wenigen Fällen auch die Schulmedizin zu unterschreiben vermag.

So weis er beispielsweise mitzuteilen:
Zitat

„Weiterhin sind es die Genußgifte Alkohol und Tabak, die in hohem Maße gefäßschädigend wirken."

Wird das von der Schulmedizin „bestritten"? Wohl kaum.

Zu seinen auch von der Schulmedizin bestätigten Plattitüden gehört dann wohl auch der Satz:
Zitat

„Auch jede dauernde körperliche und geistige Überanstrengungen, dann Kummer, Leid, Ärger, Sorgen, kurz alle psychischen Aufregungen, durch die das Kreislaufsystem ständig aufgepeitscht und zu anormalen Mehrleistungen gezwungen wird, führen ebenfalls zur frühzeitigen Schwächung und Abnutzung der Gefäße und ihrer Verkalkung."

Bestreitet diesen Satz nun die Schulmedizin? Wohl kaum. Wer solcherlei Plattitüden nochmals, Honorarpflichtig, gesagt bekommen möchte, kann dies natürlich tun. Davon leben ja die „Dr. Hof's und Co" und in der Regel leben sie davon wohl nicht schlecht.

Seinen Frust über die Schulmedizin lässt dieser Dr. Hof dann eher in Nebensätzen durchklingen.
Etwa in dem:
Zitat

„Ist es nicht eine Schmach, daß in einer Zeit, in der mit größter Tatkraft alle in unserem Volke vorhandenen Kräfte gesammelt und erhalten werden müßten und in der in inmitten aller Volksschichten auch kraftvoll für dieses Hochziel gearbeitet wird, sich im Hartmannsbund, ein Bund von Ärzten zusammengeschlossen hat g e g e n die Abstinenzbewegung?"

Und das interpretiert er dann so:
Zitat

„Und dann wundert man sich auf Seiten der Staatsmedizin, wenn das Volk in Massen ihr entflieht und zur Volksmedizin übergeht? - Nicht aus Bosheit, Dummheit oder mangelhafter Gesetzgebung ist die Volksmedizin entstanden, sondern aus tiefster Not des Volkes heraus, weil die offizielle Hüterin der Volksgesundheit, die Staatsmedizin, eben so mannigfaltig versagte. Nur wenn der Schmied nichts taugt, geht man zum Schmiedel. Hochmütig und gehässig erklärt die Staatsmedizin jeden, der mit nicht anerkannten Heilmethoden oder ohne Approbation zu heilen wagt, trotz glänzendster Erfolge für einen Kurpfuscher. Ich sage: Ein Kurpfuscher ist der, der eine Kur verpfuscht. Ob er approbiert ist oder nicht, oder mit einer Methode heilt, die von der rückständigen, auf einer ganz falschen Weltanschauung aufbauenden Staatsmedizin noch nicht erfaßt worden ist, das spielt dabei keine Rolle."

Da hatte also die „Schulmedizin" das gesagt bekommen, was sie sich „hinter den Spiegel stecken kann". Sie sei eben „Rückständig". Wahrscheinlich wohl auch, weil die Hof'sche Fastenkur gegen Syphilis immer noch nicht Eingang in die offiziellen Medizinlehrbücher gefunden hat.
Ein Glück für diesen Dr. Hof, dass er da im „Goldenen Zeitalter" den geeigneten Partner gefunden hat, wo er sich denn auch mal ausweinen darf!

Das Thema nun, dass dieser „Dr. Eisenbart" in dieser GZ-Ausgabe im besonderen aufgenommen hat, ist das der Arterienverkalkung, mit ihren schlimmen Folgewirkungen, wie etwa Schlaganfällen und ähnlichem.
In diesem Kontext weis er mitzuteilen:
Zitat

„Die Schulmedizin erklärt die Arterienverkalkung für eine unvermeidliche Kultur- und Alterskrankheit, der sie hilflos gegenübersteht."

Dieses „hilflos" ist dann wohl für diesen Dr. Hof der geeignete Aufhänger, um so Betroffene denn möglichst in seine Praxis zu lotsen.

Interessant ist dann wohl, was er denn seinerseits empfiehlt, da er sich ja der Schulmedizin überlegen fühlt. Dieses Repertoire das er dabei vorträgt, erweckt allerdings den Eindruck ziemlich einsilbig zu sein.
Etwa wenn er schreibt:
Zitat

„Ja bei noch jungen und lebenskräftigen Individuen
[Man beachte schon diese Einschränkung: jung und lebenskräftig]
Zitat

kann sogar eine Rückbildung der Verkalkung erfolgen durch strenge Meidung aller Genuß- und Ernährungsgifte, Anregung des Stoffwechsels durch Wasseranwendungen, Luft- und Sonnenbädern (die aber nur unter ärztlicher Aufsicht zu nehmen sind) und ganz besonders durch eine zeitweise völlige Entlastung des Kreislaufes durch eine unter ärztlicher Aufsicht oder Anordnung zu machende Fasten- oder Frischfruchtkur bei völliger Enthaltung von jeglicher körperlichen oder geistigen Arbeitsleistung."

Damit dürfte er dann wieder mal sein Patentrezept postuliert haben, dass er schon Syphiliskranken empfahl. Eine Fastenkur, möglichst unter den Rahmenbedingungen eines Sanatoriums.

Er hat aber noch mehr solcher Rezepte auf Lager. Etwa auch das:
Zitat

„Wer geschlechtlich abstinent zu leben vermag, der lasse sich von der Behauptung, dies sei ungesund, nicht irreleiten. Im Gegenteil: Geschlechtskrafteinsparung ist Lebenskrafteinsparung ... Der Mensch sollte sich doch in dieser Beziehung eigentlich nicht unter das Tier stellen, bei dem nur einmal im Jahr die Brunst auftritt, und in der Tat ist durch eine gift- und reizfreie mäßige Ernährung und sonstige gesundheitsmäßige Ernährung dieser Zustand alsbald wieder zu erreichen."

„Alsbald wieder zu erreichen", nochmals diesen Satzteil wiederholt. Ob denn dieser Wunderdoktor selber schon sein so postuliertes Ziel erreicht hat, darüber aber lässt er den Leser dann doch im Unklaren, was denn wiederum verdächtig, an seine bereits zitierte Polemik gegen den Hartmannbund erinnert. Der Satz. Arzt heile dich erst mal selbst, hat offenbar für diesen Dr. Hof nur sehr eingeschränkte Bedeutung.
Einige Auszüge aus der Artikelserie im Magdeburger „Goldenen Zeitalter" des Jahres 1927, dieses Dr. Erwin Hof (S. 107, 189, 235)




Versteht man es richtig, so scheint Abstinenz, auf den unterschiedlichsten Ebenen, ein besonderes Rezept dieses Dr. Erwin Hof zu sein. Daher darf man es wohl als kaum „unerwartet" bezeichnen, wenn er auch ausdrücklich den Tabak mit in seinen diesbezüglichen Katalog aufgenommen hat.
Nun dürfte wohl bekannt sein, dass auch die Schulmedizin das Rauchen als ein möglichst zu unterlassendes Übel bewertet. Insofern ist die Originalität dieses Dr. Hof den Aspekt des Rauchens betreffend, eher als gering einzuschätzen.
Indem er aber dieses Thema mit aufnimmt, sagt er ja nichts falsches. In der Ausgabe vom 1. 7. 1927, gewährt ihm daher das „Goldene Zeitalter" wieder umfänglichen Druckraum zum Thema Rauchen. Seinen „Starcharakter", wieder mit der vollen Angabe seiner Anschrift, unterstreichend.

Da das strikte ablehnen des Rauchens, auch mit zu den heutigen Grundsätzen der Zeugen Jehovas gehört, kann man auch diesen „Die Tabakseuche" überschriebenen Artikel, als eine frühe Wurzel dazu bewerten. Seine wesentlichen Ausführungen seien im nachfolgenden vorgestellt.
Zitat

„Im selben Maße, wie der Alkoholkonsum durch den Krieg zurückging, stieg der Verbrauch eines anderen, nicht minder verderblichen Giftes, des Tabaks. Wer da meint, das Rauchen sei ein harmloses Vergnügen, befindet sich in schwerem Irrtum. Der Tabak, der erst im 16. Jahrhundertz aus Amerika nach Europa gebracht und anfangs als schädliche Giftpflanze auf das heftigste bekämpft wurde, kann wohl keinen bewußtlosen Rauschzustand, wie der Alkohol, hervorrufen; die in ihm enthaltenen und beim Konsum entstehenden Gifte haben jedoch bei regelmäßigem Genuß eine nicht minder, Kraft und Gesundheit vernichtende Wirkung, wie er. Das weiß heute jeder Arzt, der es wirklich ernst mit seinem Berufe meint. Vor allem ist das im Tabakrauch und -saftenthaltene Alkaloid, das Nikotin, ein schweres Gift, das an Virulenz der hochgiftigen Blausäure gleichkommt und infolge dessen bei dauernder Zufuhr den Organismus auf das schwerste schädigt. Schon auf die bloße Haut gebundene Tabakblätter haben bei Schmugglern zu den schwersten Vergiftungserscheinungen geführt. Die Indianer benützen konzentrierten Tabaksaft zum Vergiften ihrer Pfeilspitzen. 1 - 2 Tropfen töten Kaninchen, 2 - 3 Hunde. Beim Menschen genügt ein Tropfen Nikotin, um die schwersten Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Außer Nikotin enthält der Tabakrauch als weitere, sehr giftige Bestandteile das Kohlenoxydgas, Pyridinblasen und Blausäure, die letztere in zwar geringen, aber doch noch schädlich wirkenden Mengen. Alle diese Gifte gelangen beim Rauchen, zum Teil zusammen mit der Atmungsluft in der Lunge, zum Teil mit dem Speichel, der verschluckt und im Magendarmkanal aufgesogen wird, indirekt in die Blutbahn, werden vom Blute zusammen mit dem Närmaterial in alle Organe, Gewebe und Zellen getragen, wo sie - vor allem in den lebenswichtigen, zarten Gehirn- und Nervenzellen - ihre verhängnisvolle, den ganzen Zellstoffwechsel und damit die Zellfunktion lähmende und verändernde Wirkung ausüben. (Ein jeder Zigarettenraucher kennt die sofortige, lähmend und schwächend im ganzen Körper sich bemerkbar machende Wirkung seiner nüchtern, mit tiefen Lungenzügen gerauchten Morgenzigarette.) Funktionsuntüchtigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen krank machende Einflüsse, besonders gegen feindliche Bazillen aller Zellen und der einzelnen Organe sind die Folgen der chronischen Tabakvergiftung bei gewohnheitsmäßigem Rauchen. Bei den ersten Rauchversuchen sucht sich der Körper durch Erbrechen, Schweißausbrüche, Stuhlentleerung usw. rasch und restlos der ihm aufgezwungenen Gifte wieder zu entledigen. Bald jedoch erlahmt diese seine natürliche Abwehrkraft. Er erliegt der Flut der Tabakgifte und zieht sich in die zweite Abwehrstellung zurück, in der er sich mit den gegebenen, nicht zu ändernden Verhältnissen durch Einlagerung der Gifte und Anpassung an ihr Vorhandensein so gut es geht, abfindet. Damit ist der Anfang zur chronischen Tabakvergiftung und Tabakflucht mit all ihren schweren Folgen von körperlichem und geistigen Siechtum und Frühtod gemacht.

Vor allem schädigen und lähmen die Tabakgifte die lebenswichtigen Organe: Gehirn und Nerven, ohne die ein gesundes Leben und vollwertiges Arbeiten des ganzen Körpers nicht möglich ist. Gerade in der heutigen Zeit mit ihrem nervenzerrütenden Berufs-, Geschlechts- und Nachtleben ist der Tabak ein doppelt verheerend wirkendes Gehirn- und Nervengift. In zweiter Linie ist der Tabak ein schweres Herzgift, sowohl direkt durch Schädigung des Herzmuskels und der Gefäßwände, als auch indirekt, durch die lähmende Wirkung auf die Herzinnervation, deren Folgen allgemeiner Gefäßkrampf, Herzlähmung, Herzkrämpfe, Herzarhytmie usw. sind. Besonders ist der durch den chronischen Gefäßkrampf erzeugte, ständig zu hohe Blutdruck gefährlich, da er auf die Dauer zur Arterienverkalkung mit ihren schweren Folgeerscheinungen führt. Schwere Störungen der Magen- und Darmtätigkeit, sowie Schädigungen des Lungengewebes sind ebenfalls direkte und indirekte Folgen des Rauchens.

Die schwerste Gefahr beim gewohnheitsmäßigem Tabakgenuß liegt jedoch in der durch die Tabakgifte herbeigeführten allgemeinen Schwäche und Widerstandsunfähigkeit aller Zellen und Organe, die jeder Bakterieninvasion den denkbar besten Boden bieten und dadurch zur Hauptursache infektiöser Erkrankungen werden. Nicht der zellfeindliche Bazillus ist bei der Infektionskrankheit der Hauptfeind, sondern die geschwächte Körperanlage, derzufolge die in jedem gesunden, normal funktionierenden Organismus sofort mit durchschlagendem Erfolge in Aktion tretenden Abwehrkräfte nicht mehr vorhanden sind, sodaß er rettungslos dem Massenansturm der in wenigen Stunden sich zu Millionen vermehrenden feindlichen Bazillen unterliegt.

So wird der Tabak, sowohl allein, als vor allem im Verein mit den anderen, in gleicher Weise die Widerstandskraft des Körpers zerstörenden Kulturschäden: Alkohol, Mietskaserne, Geschlechtskraftvergeudung, einseitige und überanstrengende Berufstätigkeit, Fleisch- und Küchenkost, Mangel an Körperbewegung, Nachtleben usw. zur Grund und Mitursache einer großen Anzahl von akuten und chronischen Krankheiten. Krebs, vor allem Magen-, Darm-, Kehlkopf-, Zungenkrebs, schwere Seh- und Gehörstörungen (vor allem durch Verkalkung der entsprechenden lebenswichtigen Arterien und schwere Schädigung der Innervation), Hautkrankheiten aller Art, Vereiterung der verschiedenen Kopfhöhlen, Erkrankungen des Gehirns, Blutarmut mit allen ihren schweren Folgen, geschlechtliche Impotenz durch Degeneration der Hoden, das ganze Heer der nervösen Störungen, von den Ausfallerscheinungen und der Gedächtnisschwäche bis zu den schwersten Neurosen und Hysterie und endlich das nicht minder große Heer der Infektionskrankheiten, vor allem die Tuberkulose mit ihren verschiedenen Formen, dann die Lungenentzündung, Grippe usw. sind die Folgen der durch die Tabkgifte entstandenen Widerstandsunfähigkeit des Organismus.

Durch das Tabakrauchen wird nicht nur der Raucher selbst geschädigt, sondern auch seine Umgebung. Die gemachten Erfahrungen und angestellten Untersuchungen mit Kindern nikotinsüchtiger Väter haben klar und einwandfrei bewiesen, daß der Aufenthalt in Räumen, in denen geraucht wird, fast ebenso gesundheitsschädlich wirkt, wie das Rauchen selbst. Die schwersten chronischen Erkrankungen von Kindern, deren Väter täglich zu Hause rauchten und deren rasche und völlige Ausheilung nach Aufhören der chronischen Tabakvergiftung sind schlagende Beweise hierfür. Schwer wird in dieser Hinsicht unbewußt, infolge mangelnder Aufklärung, an unserer heranwachsenden Jugend gesündigt. Es ist hier nicht möglich, näher auf die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse über die gesundheitsverheerende Wirkung des Tabakgenusses einzugehen. Wer sich dafür interessiert, den verweise ich an die einschlägige, sehr gute Lektüre des Verlages des „Bundes Deutscher Tabakgegner."

Die schlimmste Art des Tabakgenusses ist das Zigarettenrauchen, bei dem der Rauch tief in die Lungen eingesogen wird, wodurch seine Gifte in großen Mengen direkt in den Lungenbläschen vom Blute absorbiert werden.

Riesengroß sind die Verluste an Gesundheit und Kraft, die die immer mächtiger anschwellende Nikotinseuche in unserem Volke, insbesondere unter der Jugend anrichtet. In der Früh das erste und am Abend das letzte ist die Zigarette. 10, 20, 30, 40, 60, 80 bis 100 Stück beträgt der Tageskonsum eines gewohnheitsmäßigen Zigarettenrauchers; dabei berechnet sich bei einer 6,5 g schweren Zigarette der Nikotingehalt auf 4,5 mg und die bei ihrer Verbrennung entstehende Kohlenoxydmenge auf 18 cbcm. Sogar beim Baden im Wasser wird geraucht. Das Schlimmste ist, daß auch unsere Frauen und Mädchen in immer größerer Zahl der Körper und Geist zerrüttenden Seuche anheimfallen. Was soll für eine Nachkommenschaft entstehen, wenn nicht nur der väterliche Samen, sondern auch das mütterliche Ei durch Tabakgifte auf das schwerste geschädigt und das werdende Kind im Mutterleibe, während seiner ganzen Entwicklung, von dem nikotinverseuchten Mutterblute durchkreist und der Säugling mit nikotinvergifteter Muttermilch genährt wird? Eine öffentlich rauchende Frau wirkt auf mich immer abstoßend. Nicht nur in den Lokalen, sondern auch schon auf der Straße rauchen manche Frauen und nicht nur Zigaretten, sondern sogar Zigarren und Pfeifen. Ich danke für eine Frau, die mit der Zigarette im Munde lutschend und spukend auf der Straße neben mir herqualmt und Tabakwolken paffend mir in der Wohnung die Luft verdirbt, und vor allem danke ich für eine Mutter, die meine Kinder in ihrem Leibe und mit ihrer Milch vergiftet und dann zu Sichtum und Frühtod verdammt.

„Mäßiges Rauchen schadet nicht." Mäßigkeitsphrasen dienen nur zur Beschönigung und als Deckmantel für Schwäche und Genußgier. Es gibt keine Mäßigkeit bei Betäubungsgiften! Wo ist die Grenze zwischen schädlich und nicht schädlich beim Rauchen oder den übrigen Genußgiften? Der eine geht an den Folgen zweijährigen Zigarettengenusses zugrunde, der andere raucht mit 80 Jahren noch seine Pfeife! Die ererbte Körperanlage, die Art des Berufes, die Zahl der anderen Kulturschäden, die sozialen Verhältnisse usw. sind wichtige individuelle Komponenten bei der Tabakschädigung, die die Festsetzung einer allgemeinen Schädlichkeitsgrenze nie zulassen.

Zu den gesundheitlichen Schädigungen kommen die schweren moralischen und wirtschaftlichen Nachteile des Tabakgenusses noch hinzu. Daß eine so schwere, Kraft und Gesundheit zerstörende, chronische Vergiftung, wie das gewohnheitsmäßige Rauchen, auch die moralischen Kräfte und das natürliche Anstandsgefühl im Menschen schwächt, ihn unter Umständen sogar träge, minderwertig und ungezogen macht, ist eine theoretisch wie praktisch bewiesene Tatsache. Ein jeder kennt z. b. die Nikotinlümmel, jene jungen Flegel, die rücksichtslos ihrer Umgebung ihren stinkenden Tabaksqualm ins Gesicht blasen, die glimmende Asche ihrer Pfeife oder Zigarette ihrer Nachbarschaft auf die Kleider abstreifen, die aufgerauchten Stummel, ohne sie auszulöschen, unter den Tisch oder auf den Aschenteller werfen, in der Eisenbahn im Nichtraucherabteil rauchen und die dagegen protestierenden Mitreisenden schließlich noch verspotten oder auf das gemeinste beschimpfen.

Wie jeder weiß, braucht der Tabak besten Getreideboden, wenn er gedeihen soll. Viele Tausende von Hektar fettesten Ackerlandes werden zur Erzeugung dieser, die Volkskraft und Gesundheit verwüstenden Giftpflanze vergeudet, während das Volk hungert und unsere Kinder und Alten verhungern. Es ist ja nur natürlich, daß die Tabakindustrie mit allen Mitteln ihre im Kriege erzwungene glänzende Geschäftslage zu erhalten sucht. Mit unsinnigsten Behauptungen wird dem Volk weisgemacht, welcher Segen es für das Volksganze sei, wenn durch einen hohen Tabakkonsum eine möglichst große Anzahl Arbeiter „Brot" und der Staat viel Steuern bekomme. Nicht Brotbeschaffung, sondern Brotvernichtung bedeutet die Tabakindustrie mit ihrer Boden- und Arbeitskraftvergeudung; und was der Staat durch den Tabakkonsum an Steuern einnimmt, das büßt er (beim Alkohol ist das gleiche der Fall), hundertfach wieder ein durch die durch den Tabak verursachten Verluste an Volkskraft und Volksgesundheit und die Aufwendung für Kranken-, Irren-, Armen-, Erziehungs- und Zuchthäusern, in denen die direkt und indirekt Nikotin- oder Alkoholgeschädigten untergebracht werden müssen. 500 Millionen Goldmark hat das Volk schon im Frieden in Rauch aufgehen lassen. Heute ist der Tabakverbrauch auf ein Vielfaches des Friedenskonsums gestiegen. Hier liegen, wie auch im Alkohol- und Fleischgenusse, die Quellen großer Armut und mancher Leiden.

Nach diesen eher medizinischen Aspekten, leitet er dann auf weltanschauliche um und fragt:
Zitat

Warum rauchen die Menschen eigentlich? Vier Gründe sind es, die Männern wie Frauen dieses Gift in die Hand zwingen. Einmal die Gott- und Seelenlosigkeit unserer materialistischen Weltanschauung, dann das wirtschaftliche äußere Elend, ferner die aus ihr sich ergebende innere Not und „last least", die Suggestion.

In einer Zeit, die Gott durch wissenschaftliche Beweise aus der Welt schaffte, ist es nur natürlich, daß ein rohes, rein animalisch sich äußerndes Genuß- und Triebleben zum höchsten Lebenszweck wurde. „Nach diesem Leben das Nichts." Also her, mit allen Genüssen, die dieses Jammertal zu bieten vermag und so viel von ihnen, als Körper und Geldbeutel aushalten! Man kostet nicht mehr klug einen Genuß nach dem anderen, sondern in wahnwitziger Gier stopft man, um sich über die innere Leere und Armut hinwegzutäuschen, alle nur möglichen Genüsse zu gleicher Zeit in sich hinein. Mit vollem Magen, auf dem Tische das volle Bier- oder Weinglas, die Zigarette im Munde, den neuesten Gassenhauer in den Ohren, in einem zotigen Witzblatt oder einer Schundzeitschrift lesend, oder einen zweifelhaften Film betrachtend oder ähnlich genießt heute mancher Großstädter!

Vor allem aber ist es die Not, die den Menschen die Betäubungsgifte aufdrängt. „Wer Sorgen hat, hat auch Tabak", können wir frei nach Wilhelm Busch zitieren.

Armut, Siechtum, Arbeitslosigkeit, Wohnungselend und anderes sind oft Hauptursachen für den Tabakgenuß und je schwächer der Mensch von Natur aus ist, desto leichter und lieber greift er nach der Betäubung, die ihm ja so freigebig überall in unbegrenzten Mengen angeboten wird. - Aber noch mehr wie die äußere Not zwingt die innere zur Betäubung mit Tabak und Alkohol. All den ungezählten Tausenden, die die wirtschaftliche Not in Berufe gedrängt, die sie nur mit Widerwillen ausüben und das große Heer der unglücklich Verheirateten - die die Kurzsichtigkeit begingen, in einer Vernunft- und Geldheirat Erlösung aus drückender Lage zu erwarten, und nun an der Seite eines ungeliebten, sie nicht verstehenden Menschen hungern, ja, verhungern, ihnen ist der Tabak Lebensbedürfnis geworden, für kurze Zeit zwar Vergessen bringend, aber gleichzeitig in ihnen auch die Kraft, erlösende Änderung zu schaffen, immer mehr zerstörend.

Berufs- und Eheelend sind nach meinen ärztlichen Erfahrungen auch die Hauptursachen für das Überhandnehmen des Tabakgenusses bei Frauen und Mädchen. Die Not zwingt die Frau brutal in die Arbeitsfront oder zur Ehe ohne Liebe und entzieht sie ihrem ureigensten Berufe der tief und treu liebenden Gattin und Mutter; darum greift auch sie heute zum Betäubungsgift und zwar zum Tabak, weil er von den beiden bei uns gebräuchlichsten das anständigere ist.

Daß schließlich auch die suggestive Wirkung der rauchenden Umgebung ein mächtiger Faktor für die Ausbreitung der Tabakseuche ist, daran zweifelt keiner, der die unheimliche Kraft der Suggestion kennt. Ihr fallen alle die kritik- und urteilsunfähigen Herdenmenschen, (die ja unsere seelenmordende, alles Individuelle brutal zerstörende, moderne Erziehungsmethode und Arbeitsweise in Massen züchtet), die alles, auch das Unsinnigste und Naturwidrigste gedankenlos nachmachen, zum Opfer.

Was wird gegen die Tabakseuche getan? So gut wie garnichts! Gleichmütig sieht man der Zerrüttung der Volkskraft durch sie zu. Jeder darf seinem Körper Nikotin einverleiben, so viel er nur will. Das Gehen auf dem Bahnkörper, das Baden an tiefen Stellen, das Abspringen von der Trambahn usw. wird polizeilich wegen der damit verbundenen Lebensgefahr verboten. Die tödlichen Gifte, Alkohol und Tabak, die darf jeder in unbegrenzten Mengen verkonsumieren und sich, seine Umgebung und seine Nachkommenschaft damit zu Grunde richten. Den ernsthaften Bestrebungen der Wenigen, denen der Nikotinlutscher, nicht das klare Denken trüben und das Gewissen einlullen konnte, der verheerenden Wirkung des Tabakgenusses Einhalt zu tun, fällt man mit dem Zetergeschrei über „Vergewaltigung des Selbstbestimmungsrechtes und der persönlichen Freiheit" und der banalen Feststellung, daß alle Kulturvölker rauchen, in die Arme.

Das einzige, was man gegen die Tabakseuche unternommen hat, ist ein Rauchverbot für die Jugend, um den in den Entwicklungsjahren durch alle schädlichen Einflüsse besonders gefährdeten Organismus zu schützen. Den zartesten und empfindlichsten Kindeskörper aber, den männlichen Samenfaden, das mütterliche Ei und den im Mutterleibe wachsenden Fötus, den läßt man die nikotinsüchtigen Eltern ruhig vergiften. Welche Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit! Und was wird mit dem Rauchverbote für die Jugend erreicht? Meist das Gegenteil! Es möge nur jeder an die eigene Knabenzeit zurück denken. Wäre es nicht verboten gewesen, hätte keiner je daran gedacht, die stinkenden, entsetzlich schlecht schmeckenden und das schwerste Übelsein hervorrufenden Zigaretten zu rauchen. Aber da der Lehrer, der Arzt, der Pfarrer, der Bürgermeister, der Vater, kurzum alle imponierenden Männer rauchten, erschien es uns als der Inbegriff höchster Männlichkeit, das Rauchen vertragen zu können. Und ein ganzer Mann zu sein, danach strebt als Junge (leider vielmehr als in späteren Jahren) ein jeder.

Ja, ihr Erzieher, Priester, Ärzte und Väter, solange ihr mit dem Nikotinträger von morgens bis abends herumlauft, solange werdet ihr der Jugend weder durch Prügel, noch durch schöne Worte vom heimlichen Rauchen abhalten. Aber sobald ihr selbst nicht mehr mit der Pfeife im Munde hinter dem Bierkruge sitzt (und somit dem Nachwuchs nicht weiter das Bild des rauchenden und trinkenden Vaters und Lehrers als Inbegriff höchster Männlichkeit vor Augen schwebt, sind alle Rauch- und Trinkverbote für die Jugend überflüssig geworden.

Das schlimmste beim Nikotingenuß ist, wie bei allen Betäubungsgiften, die Gewöhnung. Ist der Organismus erst durch und durch mit Nikotin durchtränkt, dann wird die Unnatur zum zwingenden Bedürfnis. Wie dem Säufer der Schnaps, dem Morphinisten das Morphium, so wird dem Raucher das Nikotin unentbehrliches Bedürfnis, für dessen Befriedigung er Gesundeit, Familienglück, Ehre und Freiheit aufs Spiel setzt. Auf der tiefsten Stufe der Tabakverelendung steht der Nikotinlump, dem nicht mehr das Rauchen, sondern nur noch das Trinken des im Wassersacke der Pfeife sich ansammelnden Tabaksaftes die nötige Beruhigung für seine zerrütteten Nerven gewährt.

Wir kommt es, daß der Raucher nicht mehr auf das Tabakgift verzichten kann? Sobald der durch Nikotin hervorgerufene angenehme Zustand der Betäubung einige Zeit nach Einstellen des Rauchens aufhört, macht sich ein immer stärker werdendes Unbehagen und Schwächegefühl bemerkbar. Unterbleibt das Rauchen länger, so beginnt der Körper alsbald mit der Entspeicherung der in ihm eingelagerten Tabakgifte und dieses Losreißen der Giftmoleküle aus dem Zellverbande, besonders aus dem Verbande der empfindlichen Gehirn und Nervenzellen, erzeugt im Verein mit dem Fehlen des gewohnten Betäubungszustandes, die bis zu Krämpfen und Delirien sich steigernden unerträglichen Entwöhnungserscheinungen, die bis zur völligen Reinigung auszuhalten keiner der durch jahrelangen Tabakgenuß zerrütteten, energielos gewordenen Raucher die Kraft mehr hat.

Man raucht nicht nur den Tabak, sondern man kaut und schnupft ihn auch. Die gesundheitlichen Schädigungen gewohnheitsmäßigen Tabakschnupfens und kauens stehen hinter denen des Rauchens nicht zurück.

Auf, ihr deutschen Ärzte und Erzieher, die ihr euch der ebenso hohen, wie tiefernsten und schweren Aufgabe, die die heutige Zeit schwerster innerer und äußerer Not gerade von euch fordert, bewußt seid, werft kraftvoll den Tabaklutscher für immer beiseite! Männer braucht unser Volk so bitter notwendig, Männer mit klarem Kopfe und mit durch keine Gifte geschwächten Kräften, gesunde, körperlich hochstehende, durch innere Gebundenheit wahrhaft freie Männer! Sonst gehen wir ruhmlos unter, nicht an unseren äußeren Feinden, sondern an unseren inneren."


von Drahbeck - am 12.06.2012 22:30
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.