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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 9 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 9 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck

Im Zeitspiegel

Startbeitrag von Drahbeck am 07.09.2008 05:10

Bezüglich der letzten vorangegangenen Notizen dieser Serie
Siehe:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,7773,7773#msg-7773




„Das Heer der Einfältigen", betitelte die „Freiburger Zeitung" vom 7. 9. 1928 einen ihrer Aufsätze.
Seiner Intention nach wollte jener Artikel „mystische Geheimbünde" etwa in Berlin, beschreiben.

Der Verfasser postulierte:
„Menschen (die) in den Wirren der Nachkriegszeit den inneren Halt verloren haben, lauschten gläubig den Reden der Propheten und folgen in ihrer grenzenlosen Naivität den merkwürdigen Lehren, die ihnen an Stelle einer rauhen Wirklichkeit - meist schon in kurzer Zeit - einen glückseligen Zustand verheißen."

Meiner Meinung nach bleibt der Verfasser aber in Oberflächlichkeiten stecken. Das fängt schon damit an, dass er unterstellt, es gäbe in Berlin zahlreiche „geheime" Sekten.
Genau für dieses „geheim" liefert er aber keinerlei nachvollziehbare Belege.

Als erste Gruppe nennt er dann in Berlin ansässige Buddhisten, wobei er seiner Verwunderung Ausdruck gibt, feststellen zu müssen. Ja die haben ja alle deutsche Pässe.
Ob die schon mal in sein Raster hineinpassen, von „geheim", erscheint doch wohl mehr als zweifelhaft.

Danach nennt er dann tatsächlich eine Geheimgesellschaft Namens „Esoterische Studiengesellschaft". Deren Verfallswert wird allerdings allein schon durch den Umstand gekennzeichnet, das heutige konfessionskundliche Standardwerke über sie, unter diesem Namen, kaum etwas auszusagen wissen.

Die nächste Gruppe die dann in sein Blickfeld tritt, sind die Mormonen. Auch da zeichnet er sich nicht gerade durch „Tiefgründigkeit" aus, bei ihrer Beschreibung.

Danach hat er dann noch die „Weißenberger" entdeckt, die im Sinne seiner Artikel-Überschrift, noch am besten in sein Korsett passen.

Abgeschlossen wird das ganze dann noch mit der Platitüde. Vor dem Krieg habe es in Berlin etwa 100 Wahrsagerinnen gegeben. Jetzt seien deren über 1000.
Wie er seine Zahlen dann so begründet, wird wohl allerdings auf ewig sein Geheimnis bleiben.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=07b2&year=1928&month=09&project=3&anzahl=4

Antworten:

Auch dieses Bild, darf man wohl letztendlich der Rubrik „ungeahnter" Aufstieg des Adolf Hitler zuordnen.


„Freiburger Zeitung" 10. 9. 1928

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=10b1&year=1928&month=09&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 10.09.2008 04:03
In einem Kommentar zur amerikanischen Präsidentenwahl in der „Freiburger" Zeitung" vom 8. 11. 1928, wird von einem überwältigenden Sieg des Kandidaten Hoover berichtet.
An anderer Stelle (ein paar Tage vorher) gibt es auch die Anmerkung, Hoover sei auch der Kandidat der „Trockenen" gewesen.
Das will besagen, er stand in der Prohibitionsfrage, die Amerika damals umtrieb, auf seiten der Hardliner.

Bekanntlich bezog Rutherford im Prohibitionsstreit, die entgegengesetzte Position.
Auch die Wallstreet jubelte zur Wahl Hoover der als Verfechter der „reinen Marktwirtschaft" im Vorfeld gehandelt wurde. Die Ironie der Geschichte brachte es dann mit sich, dass in der Amtszeit diesen Verfechters „reiner Marktwirtschaft", dann die Weltwirtschaftskrise losbrach, deren wesentliche Wurzeln auch in den USA lokalisierbar sind, mit Folgewirkungen auch andernorts, einschließlich des Aufstiegs eines Herrn Hitler (vom politischen Sektierer zum Staatschef).

Jedenfalls war Herrn Hoover eine theoretisch mögliche zweite Amtszeit dann nicht mehr beschieden. Bei der nächsten Wahl (Ende 1932) kam Roosevelt dann ans Ruder.

Zu Roosevelt's politischen Entscheidungen gehörte dann auch die erstmalige Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion. Ein dazu gehöriges Schlaglicht war auch im „Goldenen Zeitalter" vom 15. 6. 1934 zu lesen.
Letzteres motierte:

„Die Anerkennung der russischen Sowjetregierung durch USA hat dazu geführt, dass Seine Exellenz der russische Botschafter Sergejew in Washington, der seither - in äusserst dürftigen Verhältnissen - immer noch im Botschafterpalast wohnte und an offiziellen Empfängen teilnahm, seines Amtes verlustig ging.
Kaiserlich russische Gesandte soll es jetzt nur noch in Buenos Aires und in Rio de Janeiro geben."


http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=08a1&year=1928&month=11&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 08.11.2008 04:30
Nachdem bereits in ihrer Ausgabe vom 29. 5. 1938, die in Lodz (Polen) erscheinende Wochenzeitung „Der Deutsche Weg", das Zeugen Jehovas-Thema aufgegriffen hatte. Und nachdem die WTG bereits mehrmals jenen Artikel - teilweise - zitierte; als Beleg für die katholisch-faschistsche Interessenkoalition, ist zu registrieren, dass es im gleichen Jahrgang jener Zeitung, noch einen zweiten einschlägigen Artikel gab. Diesmal bildet das „Zürcher"(Harbeck)-Buch „Kreuzzug gegen das Christentum", den Anlass für jene Zeitungsredaktion, für eine erneute Thematisierung.

Sicherlich dürfte allerdings, die WTG auch an diesen neuerlichen Ausführungen, kaum Gefallen gefunden haben. Sehe ich es richtig, ist dieser zweite Artikel genannter Zeitung, bisher weder in der WTG-Literatur, noch in der ihrer „Schleppenträger", bislang thematisiert worden. Er sei im nachfolgenden vorerst kommentarlos zitiert. Ein Nachwort meinerseits sei dann noch angefügt:

„Der Deutsche Weg", Lodz, 11. 12. 1938
„Wer sind die „Zeugen Jehovas"?
Unter christlich-religiöser Tarnung wird jüdische Erziehung und Propgaganda getrieben
[Redaktionelle Einfügung: Das ist zwar die Meinung genannter Zeitung, jedoch nicht die meinige. Das sei schon mal ausdrücklich festgestellt. Weiter im Zitat]

Vor einigen Wochen kam uns durch Zufall ein Buch in die Hand, das in Lodz unter unserem Deutschtum bereits eine erhebliche Verbreitung gefunden hat. Das Buch trägt den Titel „Kreuzzug gegen das Christentum", erschienen im Europa-Verlag Zürich-New York. Als Verfasser zeichnet ein gewisser Franz Zürcher. Auf diesen vielversprechenden Titel hin sahen wir uns dieses Buch etwas näher an.

Dabei stellte sich heraus, daß es sich um eine der in letzter Zeit massenweise auf den Markt gebrachten plumpen Hetzschriften gegen das Dritte Reich handelt.
Es enthält zunächst einmal sogenannte grundsätzliche Betrachtungen über „Religion und Christentum", „obrigkeitliche Gewalten", „Die Aufgabe des Christen", um dann zu dem eigentlichen Zweck des Buches überzugehen, nämlich an Hand von „Beweisen" und Nachrichten „aus durchaus glaubwürdiger Quelle" den „Kreuzzug des Dritten Reiches" gegen das Christentum, d. h. die Verfolgungen und Greueltaten" gegenüber den Verfechtern des Christentums in Deutschland aufzuzeigen.
Es ist das sattsam bekannte Bild von verfolgten Christusbekennern, die in Konzentrationslagern schmachten, an Marterpfählen ausgepeitscht werden, die die Schimpflichsten Dienste tun müssen und deren einziges Vergehen doch nur war, eine Hakenkreuzfahne nicht gegrüßt zu haben, an einer Wahl nicht teilgenommen oder religiöse Erbauungsstunden seiner Religionsgemeinschaft veranstaltet zu haben.

Die Tatsache, daß dieses Buch auch bei uns Verbreitung gefunden hat, veranlaßte uns, uns einmal näher damit zu befassen. Das Buch ist im Auftrage der bekannten internationalen Sekte der Bibelforscher (Zeugen Jehovas) geschrieben. In der Annahme, daß hier der eigentliche Ausgangspunkt des Buches zu suchen sei, besorgten wir uns die entsprechenden Unterlagen im Form von Zeitschriften dieser „Zeugen Jehovas" und begannen in den Lehren dieser edlen Christusbekenner ein wenig nachzuforschen.

Unter vielen neuzeitlichen Sekten, die die Menschheit beglücken wollen, finden wir diese Bibelforscher an hervorragender Stelle. Ihre Finanzkraft ist der aller anderen Sekten weit überlegen. Ihre Beziehungen reichen um den ganzen Erdball. In allen demokratischen Ländern haben sie ihre Zweigniederlassungen, und ihre Organisationen erfreuen sich der tatkräftigsten Unterstützung aller Demokratien.

Umgekehrt sind alle Totalitären Staatsführungen in der Ablehnung der Bibelforscher oder Zeugen Jehovas einig. Und in der Tat - ein kleiner Einblick in ihre Lehren genügt, um das zu verstehen. Diese Sekte ist ganz dazu angetan, Verwirrung und Haß unter allen Kirchen und Menschen der Welt zu tragen.

Sie zeichnet ein besonderer kämpferischer Geist aus, der sich in Angriffen gegen Papst, aber auch gegen die evangelische Kirchen ausdrückt. Die ganze Lehre ist von einer religiösen Unduldsamkeit getragen, die sie in jedem anderen Glaubensbekenntnis nur eine Religion erblicken lässt, wogegen die Lehre der „wahren Bibelforscher" (wie sie sich selbst nennen) eine einzige Offenbarung Gottes sei. Der katholischen Kirche werden ihre Machtpläne und die Weltherrschaftsansprüche vorgeworfen. Auf Schritt und Tritt finden wir aber auch in der Literatur der Bibelforscher aufreizende Haltung gegen die Obrigkeit und jede Staatsordnung, die dem Reiche der Zukunft, dem „goldenen Zeitalter" der Bibelforscher Platz machen müßten. In diesen Aussprüchen ist ganz klar ausgedrückt, daß die „Zeugen Jehovas" eine Weltherrschaft anstreben, wenngleich sie der anderen zum Vorwurf machen und selbst das Wort Christi: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt" im Munde führen.

Diese planmäßige Zerstörung und Zerstreuung der religiösen Einheit würde eigentlich die Pfarrer und Pastoren mehr interessieren als den Politiker. Die Aktion gegen die Kirchen ist aber nicht die einzige Tätigkeit der Bibelforscher. Entgegen allen Beteuerungen, nur für die ewige Seligkeit der Menschen zu wirken und von der schnöden Welt nichts wissen zu wollen, nehmen sie immer wieder Stellung zu den politischen, nationalen und sozialen Problemen unserer Zeit. Sie stützen sich auf den Grundsatz, daß keines der bestehenden Reiche nach den Grundsätzen, die im Reiche Gottes zu gelten hätten, regiert werden.

Daraus folgern sie weiter, daß kein wahrer Christ den Gesetzen der bestehenden Staaten folgen könne, weil diese im krassem Widerspruch gegen Gottes Gesetz stünden. Der Bibelforscher käme nun in die größten Gewissenskonflikte, wenn er als „wahrer Christ" (das sind ihrer Meinung nach nur sie) nun den weltlichen Anordnungen seiner Obrigkeit Folge leisten müßte.

Um ihren Anhängern die Nichtbefolgung der staatlichen Anordnungen zu erleichtern, erläutern die Leiter der Lehre den Ausspruch Christ: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat", dahin aus, daß jede weltliche Gewalt usurpatorisch und nicht göttlicher Herkunft wäre, und nur Jehova die einzige Obrigkeit sei, deren Befehle man befolgen müsse. Das heißt mit anderen Worten:

Jedem König und jeder Regierung kann ein „wahrer Christ" den Gehorsam verweigern!
Eine andere Stelle der Bibel: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott was Gottes ist, legen sie dahin aus, daß mit „dem" Kaiser nur die Steuern (!!!) Gemeint wären. Jede andere Bürgerpflicht z. B. das Achten der Nationalhymnen, der Fahnen- und Staatszeichen, ist gegen Gottes Gebot und wird als Götzendienst bezeichnet. Der Kriegsdienst wird selbstverständlich verweigert, und jeder Militärpflichtige, der sich dieser Aufgabe entzieht, bewundert und verehrt.

Über allem aber erhebt sich die Wahrsagung von dem baldigen Weltuntergang, die die „Gläubigen" nur fester und entschlossener machen soll und ihretwegen auch zum großen Teil die Menschen aus einem Angstgefühl und mit geheimen Gruseln zu den Irrlehren strömen.

Eine der Hauptaufgaben dieser göttlichen Bewegung ist der Kampf gegen den Nationalsozialismus, in gleichem Maße, wie gegen den Faschismus oder die spanische Falanga. Sie werden im Grund und Boden verdammt, warum?
Man behauptet, diese Bewegungen bedrohen den Frieden (!) Ihre Machtpläne stünden drohend über allen anderen Völkern. Hitlers und Mussolinis Ziel sei der Weltkrieg. Diese bezeichnende Haltung der Zeugen Jehovas kommt in Protestschreiben an andere Regierungen zum Ausdruck. Sie veröffentlichen in ihren Schriften Beschlüsse der leidenden Bibelforscher, die z. B. Freilassung der politischen Häftlinge im Dritten Reich verlangen. Die Besetzung Abessiniens wird mit aller Schärfe verdammt und den weiland sehr bekannten und inzwischen pleitegegangenen Sanktionen gegen Italien jede Unterstützung zugesichert. Heute wettert man über die gegen ihre Obrigkeit meuternden Araber (weil sie die Juden bekämpfen?) Hierbei erwähnt man aber mit keinem Wort, daß die Engländer auf Betreiben der jüdischen Bodenspekulanten und andere Rothschilds, die Araber massenweise hinmorden und ganze Dörfer in die Luft sprengen. Ein sonderbares christliches Gewissen!

Merkwürdig ist bei all diesen politischen Auftritten, daß dem Kommunismus dabei keine Zeile der Kritik gewidmet wird. Als Gefahr oder zumindest als Frage besteht er für die Bibelforscher gar nicht. Für sie ist Sowjetrußland und das jüdisch verseuchte Amerika ein wahres Paradies.

Amerika wird über den grünen Klee gelobt. Roosevelt ist ein Musterbild eines Präsidenten. Ob ihm dieses Lob seine Mitgliedschaft in den Freimaurerlogen einbringt? Redefreiheit und die Unterstützung, die die Sekten in den USA genießen, ist den Bibelforschern eine ganz besonders angenehme Erscheinung. Man freut sich ganz offensichtlich, daß man ungehindert den Hochverrat vorbereiten kann.

Aus Amerika kommt ja schließlich auch die Sendung der Bibelforscher. Aus Detroit stammen die Geldmittel, die „Literatur", die Unterstützung. Von hier aus greift man die Verhältnisse in Europa an und geißelt unsere Zustände. Ausgerechnet uns Europäern und besonders den Deutschen hält man die Not der Arbeitslosigkeit vor Augen. Die einzige Abhilfe dafür sieht man darin, in süßlichen „Arbeitslosengedichten" die Anderen auf das Elend aufmerksam zu machen und die Arbeitslosen auf das „Goldene Zeitalter" der Bibelforscher zu vertrösten.

Daraus ersehen wir allzudeutlich, in wessen eigentlichen Diensten diese religiös getarnte Sekte steht. Es ist - wie bei der Freimaurerei, dem Marxismus und ... auch wie beim internationalen Kapitalismus - das internationale Judentum. Es hat sich in dieser und anderen Sekten auch auf religiösem Gebiete ein Mittel geschaffen, um gefügige Werkzeuge für seine Pläne und Ziele zu gewinnen. Viele deutsche Menschen stehen so - zum großen Teil unbewußt - im Dienste des Weltjudentums und tragen durch ihre Mitgliedschaft in diesen amerikanischen Sekten zur Erfüllung der jüdischen Pläne bei. Diese Sekten und ihre Propheten sind weder zufällige Erscheinungen, noch tatsächlich religiösen Bedürfnissen entsprungen, sondern ihr planmäßiges Auftreten, die aus tiefen Quellen fließenden enormen Geldmittel und vor allem die von ihnen befolgten Richtlinien weisen deutlich auf einen und denselben Anstifter hin, der nur ein Ziel kennt: Jede Staats- und Volksordnung zu unterhöhlen und zu zerbrechen und an dessen Stelle sein Reich der Zukunft, die Herrschaft Judas, aufzurichten.

Überall da, wo diese Sekten auftreten und Anhänger gewinnen, sind sie dennoch nicht nur für die Kirchen, sondern auch für jedes Volk und für jeden Staat eine große Gefahr. Die meisten Staaten, darunter auch Polen, haben diese Gefahr erkannt und die Organisation der „Zeugen Jehovas" verboten. Trotzdem aber verfügen sie - wie obiges Beispiel zeigt - über eine nicht kleine Anhängerschaft und arbeiten auf höheres Geheiß im stillen. Durch Aufklärung wird es Aufgabe sein, die Deutschen, die dazu gehören, ihren unsauberen Händen zu entreißen."


Nachwort:
Lässt man vorstehende Ausführungen unvoreingenommen auf sich einwirken, kommt man nicht umhin sie im Rang den Holocaustleugnern zuzuordnen. Verblendet von den Propagandathesen, will man einfach nicht wahrhaben, was sich da innerhalb der Grenzen des nazistischen Reiches, abspielte. Es mutet dann wohl zum Treppenwitz der Geschichte an, dass jenes Land, indem vorgenannte Zeitung erschien, dann noch von den nazistischen Horden selbst überrannt wurde.

Offen muss einstweilen die Frage bleiben, welche Rolle dann die Gesinnungsleute dieses „Deutschen Weges", dann dort noch spielten. Kollaborateure der Nazis? Einiges spricht wohl dafür, dass es so dann abgelaufen ist. Jedenfalls für eine objektive Bewertung, der ZJ-Problematik, die durchaus auch einige kritische Aspekte aufweist (kritisch zu Lasten der WTG), hat sich jedenfalls dieser „Deutsche Weg" selbst disqualifiziert.

Naiv oder scheinheilig fragt er zum Beispiel:
„Eine der Hauptaufgaben dieser göttlichen Bewegung ist der Kampf gegen den Nationalsozialismus, in gleichem Maße, wie gegen den Faschismus oder die spanische Falanga. Sie werden im Grund und Boden verdammt, warum?"

Auf dieses „warum" hat dann doch wohl die Geschichte eine eindeutige Antwort gegeben, welche allerdings einige „Ewiggestrige" auch heute noch nicht wahrhaben wollen. Indes lagen die Fakten schon im Jahre 1938 ausreichend deutlich auf den Tisch, um nicht auf diese „spätere Antwort der Geschichte" warten zu müssen.

In der offenkundigen Begünstigung aller Pro-Faschistischen Kräfte, trennt mich eine Welt, von diesem „Deutschen Weg". Das wiederum ist allerdings noch kein Freibrief für die WTG-Politik wie sie unter Rutherford (aber auch Nachfolger) praktiziert wurde.

Zeigt ein Totalitarist mit dem Finger auf den anderen gleichen „Strickmusters", sagt er zwar nichts prinzipiell falsches. Aber er sagt eben nur die sprichwörtliche halbe Wahrheit.
Das gilt es auch hierbei festzustellen.

Und dann noch dieses.
Das Naziregime hatte noch ganz andere politische Gegner überrumpelt und paralysiert. Diese Sachlage war erst mal das Faktum. Der Krug soll bekanntlich solange zu Brunnen gehen, bis er denn mal bricht.

Für politisch wache Menschen konnte daher nur die sinnvolle Parole sein. Zeitweilig in Deckung zu gehen, und erst dann aktiv zu Handeln, wenn Zeit und Umstände dafür sprachen. Genau auch diesen Grundsatz befolgte die Rutherford'sche WTG nicht. Sie nahm es billigend in Kauf, die von ihr Betörten, dem verhassten Gegner als Kanonenfutter noch dazu auf „goldenen Tellern zu servieren".

von Drahbeck - am 11.12.2008 06:39
Ob der Aberglaube hilft?

In einem Artikel über Formen von Silvesteraberglauben in verschiedenen Ländern, in der „Freiburger Zeitung" vom 30. 12. 1928 liest man auch bezüglich der USA:
„... Der dortige Bürger legt in seine rechte Hosentasche ziemlich viel Hartgeld hinein und beginnt damit um 12 Uhr zu klappern, damit es sich im künftigen Jahre vermehren solle ..."

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=30r2&year=1928&month=12&project=3&anzahl=4

Das Land der „unbegrenzten" (begrenzten) Möglichkeiten, hat offenbar noch mehr an „Innovationen" zu bieten.
Eine „wichtige" Marktlücke zu schließen, sah man sich laut einem anderen Artikel der „Freiburger Zeitung" vom 30. 12. 1928, in der Lage.

Diesmal ging es um die Gewerbsmäßige Fabrikation von „Gespenstern".

Allerdings eine Wissenslücke enthält der Artikel wohl. Er berichtet (leider) nichts darüber, ob den eine bekannte andere „Firma" in Brooklyn auch zu der Kundschaft des Anbieters gehört.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=07&day=30r3&year=1928&month=12&project=3&anzahl=8

Nun miss man ja der Fairness halber einräumen, „konventionellen Gespensterglauben Made in Loch Ness, wo einige ein Ungeheuer meinen zu sehen, andere aber nicht. Oder auch Gespensterglauben Made in „Fliegende Untertassen", wiederum von einigen vehement „wahrgenommen", von anderen nicht.
Diese Art des Gespensterglaubens wird ja so von der WTG nicht betrieben.

Ihre Attacken gegen den Spiritismus, seit den ersten Tagen der WTG-Geschichte, basieren ja auf dem Prinzip. Verdrängung der Konkurrenz.

Auch die Gesundbeter-Religion der Mary Baker Eddy wird ja aus dergleichen Motivation, von der WTG gegeißelt.

Die Konkurrenz wird deshalb madig gemacht, um eben das gesamte Feld zu beherrschen. Das Feld der Leichtgläubigen, das Feld der Wunschdenker.

Und für letztere hat ja seit jeher, auch die WTG mit ihren Harmagedontheorien, ein besonderes Angebot parat. Und dieses Angebot erhebt den Absolutheitsanspruch; ergo haben in WTG-Sicht die Konkurrenz-Angebote zu verschwinden.

Bei Sachen die auf den ersten Blick nur wenig durchschaubar erscheinen, empfiehlt es sich immer die Gegenprobe zu machen, in der Form zu fragen:

Wem nützt es?

Nicht nur heutige Zeitgenossen, auch schon frühere Generationen hat Fragen dieser Art „umgetrieben".

Zwei Kontrahenten seien da mal namentlich genannt. Imanuel Kant und Swedenborg; auch ein Emanuel mit Vornamen; also fast ähnlich lautende Vornamen Der erstere der beiden widmete dem zweiten eigens eine Schrift mit dem Titel „Träume eines Geistersehers". Und in selbiger bescheinigt er ihm, man könne Erkenntnis höherer Welten nur um den Preis erlangen, einen Teil jenes Geistes zu verlieren, denn man zur Selbstbehauptung im diesseitigen Leben nötig hat.

Einige Schriften beider Imanuel/Emanuel's habe ich denn ja mal auch gelesen (zwar nicht „alle" aber einige). Und wenn ich die beiden in ein Konkurrenzverhältnis stelle, dann gibt und bedeutet mir jener Imanuel aus Königsberg, erheblich mehr, als jener Emanuel aus Stockholm.

Stellvertretend statt vieler Worte, nur der Ausriss aus einer Kant'schen Schrift.



Dann noch so eine Streitrage.
Wie heisst es nun richtig:
„Echte Geister und falsche Schwindler"
Oder „Echte Schwindler und falsche Geister".

Viele haben auf diese Frage schon ihre Antwort versucht.
Nun mag ja ein Weißgardistischer Jurist, denn es dann nach Hitlerdeutschland verschlagen, und der dort seine Karriere fortsetzen konnte, nicht unbedingt eine ideale Autorität sein. Das sehe auch ich so. Hätte ein anderer Autor den von ihm kreierten Buchtitel bezüglich eines Rudolf Steiner „Ein Schwindler wie keiner" kreiert, wäre mir das mit Sicherheit lieber. Leider war es aber nur der Herr Gregor Schwartz-Bostunitsch, dem da bezüglich Steiner, dieser Titel eingefallen ist. Leider, muss ich auch deshalb sagen, dieweil mir jener Herr Steiner, auch meinerseits, mit jener Buch-Überschrift, durchaus zutreffend charakterisiert erscheint.

Steiner war auch einer jener, die da wähnten, „mehr als Brot essen zu können".
„Wie erlangt man Erkenntnis der höheren Welten?" So der Titel eines der programmatischen Steiner-Bücher. Dieses und noch ein paar mehr, habe ich mir dann ja auch mal in der Phase meiner intensiven Bibliotheksstudien angetan. Und die fing in der Berliner Stadtbibliothek an.

Nun haben Stadtbibliotheken, auch andernorts, nicht jenes umfassende Buchangebot, wie etwa Universitätsbibliotheken oder gar Staatsbibliotheken.
Also was den Sektor Literatur zum Thema Religion anbelangt, hielt der sich in der Berliner Stadtbibliothek noch in halbwegs überschaubaren Größenordnungen. Darunter waren zwar auch einige wenige Highlights, etwa das Beröer-Handbuch aus den frühen WTG-Tagen, das man kaum andernorts im Bibliothekswesen findet. Aber in Gesamtheit muss man schon sagen. Von den einzelnen Religionsformen gibt es nur ein paar exemplarische Bücher, kein Gesamtangebot.

Nun gibt es je vielerlei Religionsformen. Auch der Steinerkult oder Freimaurerei ist im Bestand jener Bibliothek vertreten. Und weil eben nur von jedem eine relative Auswahl, gelangte damit auch der Steinerkult zu meiner näheren Kenntnis. Nutzer der Berliner Staatsbibliothek war ich zu der Zeit noch nicht. Ergo nutze ich das, was die Berliner Stadtbibliothek bot.

Und das Resümee dieser Studien sehe ich durchaus zutreffend in dem ztitierten Schwartz-Botstunitsch'en Buchtitel, wiedergespiegelt.

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,17882,17882#msg-17882

Exkurs:
Auszüge aus:
Immanuel Kant TRAUME EINES GEISTERSEHERS
(zitiert nach einer Reprint-Ausgabe von 1954)

Die "Träume eines Geistersehers" erschienen 1766.
Bei diesem Werke handelt es sich um die "Arcana eoelestia" von Emanuel Swedenborg...
Das in Europa erregte Aufsehen ging immerhin so weit, daß sich nicht nur Kant, sondern später auch Herder (in seiner „Adrastea") mit Swedenborg beschäftigte.
S. 5

Überdem war ein großes Werk gekauft und, welches noch schlimmer ist, gelesen worden, und diese Mühe sollte nicht verloren sein. Daraus entstand nun die gegenwärtige Abhandlung...
S. 14

Ich weiß also nicht, ob es Geister gebe, ja, was noch mehr ist, ich weiß nicht einmal, was das Wort Geist bedeute.
S. 16

Denn nach den obigen Sätzen zu urteilen, kann die anschauende Kenntnis der ändern Welt allhier nur erlangt werden, indem man etwas von demjenigen Verstände einbüßt, welchen man vor die gegenwärtige nötig hat.
... nur besorge ich, daß ihnen irgendein Mann von gutem Verstande und wenig Feinigkeit ebendasselbe dürfte zu verstehen geben, was dem Tycho de Brahe sein Kutscher antwortete, als jener meinte, zur Nachtzeit nach den Sternen den kürzesten Weg fahren zu können: Guter Herr, auf den Himmel mögt Ihr Euch wohl verstehen, hier aber auf der Erde seid Ihr ein Narr.
S. 40

Seine (Swedenborgs) ganze Beschäftigung besteht darin, daß er, wie er selbst sagt, schon seit mehr als zwanzig Jahren mit Geistern und abgeschiedenen Seelen im genauesten Umgänge stehet, von ihnen Nachrichten aus der andern Welt einholet und ihnen dagegen welche aus der gegenwärtigen erteilt, große Bände über seine Entdeckungen abfaßt und bisweilen nach London reiset, um die Ausgabe derselben zu besorgen.
So wie er, wenn man ihm selbst glauben darf, der Erzgeisterseher unter allen Geistersehern ist, so ist er auch sicherlich der Erzphantast unter allen Phantasten, man mag ihn nun aus der Beschreibung derer, welche ihn kennen, oder aus seinen Schriften beurteilen.
S. 54

Die Schwäche des menschlichen Verstandes in Verbindung mit seiner Wißbegierce macht, daß man anfänglich Wahrheit und Betrug ohne Unterschied aufraffet. Aber nach und nach läutern sich die Begriffe, ein kleiner Teil bleibt, das übrige wird als Auskehricht weggeworfen.
S. 58

Das große Werk dieses Schriftsteller« enthält acht Quartbände voll Unsinn, welche er unter den Titel "Arcana coeleatica" der Welt als eine neue Offenbarung vorlegt, und wo seine Erscheinungen mehrenteils auf die Entdeckung des geheimen Sinnes in den zwei ersten Büchern Mosis und eine ähnliche Erklärungsart der ganzen H. Schrift angewendet werden.
S. 61

Als Kontrast dazu noch:
Emanuel Swedenborg „Himmel und Hölle"
Swedenborg-Verlag, Zürich 1977
S. 300:
„Nach ihrem Tode werden die Menschen, sobald sie in die Geisterwelt kommen, vom Herrn aufs genaueste unterschieden. Die Bösen werden umgehed an die höllische Gesellschaft gebunden, zu der sie bereits in der Welt gehört hatten. Die Guten aber werden sogleich mit der himmlischen Gesellschaft verbunden, zu der sie hinsichtlich der Liebe, der Nächstenliebe und des Glaubens auch schon auf Erden gehört hatten."

Dann noch ein Swedenborg bezüglicher Exkurs.
Entnommen dem 1926 erschienenen Buch von Eberhard Buchner
„Medien, Hexen und Geisterseher. Kulturhistorisch interessante Dokumente aus alten deutschen Zeitungen und Zeitschriften (16. bis 18. Jahrhundert)
S. 151ff.

(Das Folgende ist ein Bruchstück des "Briefes eines angesehenen Kavaliers" an die Herausgeber der "Berlinischen Monatsschrift"). ...

In der Vorrede nun zu dem gedachten Auszuge aus Swedenborga bandreichen Schriften fand ich unter anderem eines seiner Wunder angerühmet; und das war dieses:

"Die itzt verstorbene Königin Luise Ulrike habe einmal Swedenborg aufgetragen, Ihren damals schon verstorbenen Bruder, den Prinzen von Preussen, zu fragen, warum er Ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe. Swedenborg habe hier auf nach 24stündigem Zeitraum der Königinn in einer geheimen Audienz die Antwort des Prinzen solchergestalt hinterbracht, daß die Königin, die völlig überzeugt war, niemand kenne den Inhalt jenes Briefes, als Sie und Ihr verstorbener Bruder allein, in die größte Bestürzung gerathen, und des großen Mannes Wunderkraft erkannt habe."

- Auf Thatsachen, zumal wenn man sich auf lebende Zeugen beruft, und das war hier der Fall, läßt sich so gerade heraus ohne Beweis nicht antworten. Ich las dieses Swedenborgische Wunderkreditiw; schwieg, und reiste kurz nachher nach Stockholm.
Hier hörte ich wenig von dem großen Mann; wenigstens was man mir von ihm sagte, bewies nicht, daß seine Grillen viele Anhänger gefunden, und bestand meistens in kleinen Zügen und Wundergeschichten, die als Thorheiten zitiert wurden. Dennoch habe ich aus mehr als einem Grunde Ursache zu glauben, daß damals schon die itzige Philantropische und Exegetische Gesellschaft in Geheim existierte, und an dem fiat lux arbeitete. Aber im beständigen Gewühle des Hofes und der großen Welt bekümmerte ich mich nicht viel um mystische Versammlungen, und war ganz gleichgültig bei der etwaigen Existenz solcher Gesellschaften. -

Unterdeß fand ich Gelegenheit mit der nunmehr verstorbenen Königin Frau Mutter über Swedenborg zu sprechen; und Sie erzählte mir Selbst die Ihren Bruder und Sie betreffende oben angeführte Anekdote, mit einer Überzeugung, die mir seltsam vorkam.

Jeder, der diese wirklich aufgeklärte Schwester des Großen Friedrichs gekannt hat, wird mir Recht geben, daß sie nichts weniger als schwärmerisch, und daß Ihre ganze Geistesetimmung völlig von dergleichen Einfällen frei war. Dennoch schien sie mir von den übernatürlichen Swedenborgischen Geisterkonferenzen so überzeugt, daß ich es kaum wagen durfte, einige Zweifel und meinen Verdacht von geheimen Intrigen zu äußern; und ein königliches: je ne suis pas facilement dupe endigte alle Widerlegungen.

Ich mußte also schweigen, und auf Gelegenheit warten. Sie fand sich bald, schon des ändern Tages, da ich eben den alten nun verewigten würdigen Ritter Beylon, ehmaligen Lektor der Königin Mutter, besuchte* und bei ih-n einen der edelsten aufgeklärtesten und rechtschaffensten Schweden den Grafen F fand. Die Unterredung fiel auf Swedenborg; und ich erzählte, was mir die Königin des Tages zuvor gesagt hatte.

Der alte Ritter sah den Grafen F an, und beide lächelten so, als wenn sie die geheimen Triebfedern der Geschichte wüßten. Das machte mich aufmerksam; und da ich begierig war, mehr davon zu wissen, erzählte mir der Ritter folgende Aufklärung:

"Von der im Jahr 1756 intendierten Revolution in Schweden, die dem Grafen Brahe und dem Hofmarschall Horn das Leben kostete, ward die Königin als eine der Haupturheber angesehn; und es fehlte nicht viel, daß die damals triumphierenden Hüte ihr das vergossene Blut angerechnet hätten.
In dieser so bedenklichen Lage schrieb sie ihrem Bruder, dem Prinzen von Preußen, um sich Rath und Hülfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort; und da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht geantwortet hatte; sie trug deshalb, Swedenborg auf, ihn darnach zu fragen. Eben als sie ihm diesen Auftrag ertheilte, waren die Reichsräthe Grafen T und H zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen hatte, wußte sowohl wie der Gr. T warum keine Antwort erfolgt war; und beide beschlossen, diesen sonderbaren Umstand zu benutzen, um der Königin ihre Meinung über manches zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen hofften.

Sie gingen also des Nachts zum Geisterseher, und legten ihm die Worte in den Mund, die er sagen mußte. Swedenborg, froh in Ermangelung übernatürlicher Einflößungen, diese zu erhalten, eilte des ändern fages zur Königin; und dort in der Stille ihres Kabinetts sagte er ihr:

„Der Geist des Prinzen eei ihm erschienen, und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen:
Er hätte deshalb nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr gemißbilligt hätte, da sie vor Gott Schuld an dem ihrer unvorsichtigen Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Bluts wäre, und dafür büssen müsse.
Er bitte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel mu mischen, die Regierung sich nicht anzumaßen, und keine Unruhen anzustiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde." -

Die Königin, äußerst verwundert über diese Erklärung, und in der festen Überzeugung: niemand als ihr verstorbener Bruder könnte geheime Umstände und Briefe wissen, die sie nur ihm entdeckt hätte, glaubte seit dem Augenblick an Swedenborg, und ward seine eifrige Vertheidegerin, ohne sich jedoch auf den Inhalt seines Berichts einzulassen. Und man kann leicht denken, daß die beiden Herren, die der Königin diese moralisch-politische Arzenei verschrieben hatten, sich wohl hüteten, davon zu sprechen; weil sie auch selbst nach der glücklichen Revolution von 1772 sicher sein konnten, durch deren Entdeckung es auf immer mit ihr zu verderben.

Nur sehr wenige in Schweden wußten, so lange die Königin lebte, -lese Anekdote. Der alte Ritter Beylon, der von ungefähr Morgens um 3 Uhr durch den Südermalm ging, wo Swedenborg wohnte, sah die beiden Staatsmänner aus dessen Hause schleichen; und da er auch zugegen war, wie die Königin ihm den Auftrag gegeben hatte, so errieth er bald den ganzen Plan, den er nicht verrieth, weil er der Königin gern einige Ermahnungen gönnte."
Den 9. Febr. 1788 Berlinische Monatsschrift 1788, April

Der Gewährsmann für diese zweite Fassung der Swedenborg-Luise Ulrike-Anekdote wird von der Redaktion der "Berlinischen Monatsschrift" ebenfalls als eine höchst glaubwürdige vortreffliche Persönlichkeit bezeichnet.

Ich fand in Stockholm selbst das Gerücht fast durchgängig geglaubt: Swedenborg hätte der verwitweten Königinn Luise Ulrike besondere Nachrichten von ihrem verstorbenen Bruder, dem hochseligen Prinzen von Preußen, mitgetheilt; Nachrichten, welche unmittelbaren Bezug auf Umstände hätten, die keinem Menschen als der Königin und dem Prinzen bekannt gewesen wären. Verschiedene behaupteten sogar:
die Königin, welche Swedenborgen, um die Wahrheit seiner Geisterseherei zu prüfen, den Auftrag gegeben, den Geist ihres Bruders darüber zu befragen, habe sichtbare Kennzeichen des größten Schreckens von sich gegeben, als ihr nun der Prophet, den sie zur Unterredung bei der öffentlichen Hoftafel der königlichen Familie herbeigerufen, diese Nachrichten mitgetheilt hättet -

Da mir die Königin den freien Zutritt zu ihrer Person erlaubte, so ergriff ich einst die Gelegenheit, Sie um die Wahrheit des Gerüchtes zu befragen. Sie antwortete mir lächelnd: daß ihr die Sage selbst eben so gut bekannt sei, als die Gründe mancher Personen, welche diese Sage gegen ihre eigene bessere Überzeugung in Glauben zu erhalten, gesucht hätten. Es habe mit der Sache folgende Bewandniß:

Swedenborg habe sich in einer Unterredung, in welcher Sie (die Königin) ihm allerhand Einwendungen gegen die Möglichkeit seiner Visionen gemacht, erboten: ihr die Wahrheit derselben durch Thatsachen anschaulich zu machen. Hierauf habe sie ihm aufgegeben: den Geist ihres seligen Bruders über den Sinn einiger Ausdrücke zu befragen, die ihr bei einer mit ihm gehabten und durch Zufall abgebrochenen Unterredung dunkel geblieben wären; sie habe ihm hierzu einige unterscheidende Umstände dieser Unterredung, als des Orts, der Materie, näher bezeichnet; und Swedenborg sei mit der Versicherung von ihr gegangen, ihr über lang oder kurz Nachricht von dem Erfolge seines Auftrages zu bringen. Diese Nachricht aber sei ihr niemals geworden.

Swedenborg habe sichtbar die Gelegenheiten zu einer Unterredung mit ihr vermieden; und ihr zu zweienmalen, da es nicht vermeiden können, gesagt: er könne den Herrn (nehmlich den Geist des Prinzen) noch nicht zum Spruch bringen.

Wobei er Ihr zugleich zu erkennen gegeben: daß es nicht von ihm abhinge, bestimmte Geister zu sprechen, wann und wie er wolle; und es könnten Jahre darüber hingehen, bevor der Herr sich bei ihm einfände. Einladen könne er zwar, aber die Auswahl der Gäste hinge nicht von ihm ab; und er müsse es sich gefallen lassen, ob ihn ein Geist mit seinem Zuspruch beehren wolle, wer es thun wolle, und wo er es wolle. Sie mögte sich also noch gedulden. Diese Geduld aber ist durch keinen Erfolg gekrönt worden.

- Swedenborg ist gestorben, ohne den Herrn zum Spruch zu bekommen; und die Königin ist gestorben, ohne mit einem Senfkorn Glauben an seinen Visionen zu hängen.




"Wachtturm" 1. 3. 1958

„Die Geisterwelt inspirierte Swedenborg" titelt der „Wachtturm" in seiner Ausgabe vom 1. 3. 1958. Swedenborg ist auch unter dem Aspekt „beachtlich", auch mit einem eigenen Endzeitdatum (1757) in die Geschichte eingegangen zu sein. In WTG-Sicht handelt es sich bei Swedenborg um religiöse Konkurrenz aus dem Lager der „Spiritisten". Das die WTG nichts für die religiöse Konkurrenz übrig hat, ist offenkundig. Folgerichtig bemüht sie sich nach Kräften in vorgenannten Artikel, diesen Swedenborg madig zu machen. Und so wähnt sie denn am Ende ihres Artikels sagen zu können:

„Die Ansichten Swedenborgs mögen gewisse Leute faszinieren, den aber, der Gott liebt, interessieren sie weiter nicht."

Immerhin widmet diese „Wachtturm"-Ausgabe dreieinhalb Druckseiten diesem Swedenborg, was doch wohl eher ungewöhnlich zu nennen ist. Religiöse Konkurrenz hat die WTG ja viele. Aber nur wenige davon bringen es zu der „Ehre", auf dreieinhalb Druckseiten im WTG-Schrifttum „abgekanzelt" zu werden.



von Drahbeck - am 31.12.2008 04:48
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