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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 5 Jahren, 5 Monaten
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Drahbeck, Frau von x, offthehook

Im Zeitspiegel

Startbeitrag von Drahbeck am 01.07.2012 22:06

„Christl. Bäckervereinigung"
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http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,128096,128096#msg-128096


Gelesen (als Notiz) in der „Freiburger Zeitung" vom 2. 7. 1932:
Zitat

„Christl. Bäckervereinigung
Dienstag abends 6 Uhr
Bibl. Betrachtung für Meister und Gehilfen"

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=04&day=02r2&year=1932&month=07&project=3&anzahl=4
Auf diesen Hinweis „wartete" dann wohl das „Christliche Abendland".

Antworten:

Bayern geht voran

Im Zeitspiegel
Im "Bayerischen Polizeiblatt" vom 23. 11. 1931 gab es bereits eine Auflistung von WTG-Schriften, zwecks Beschlagnahmung.
Siehe dazu auch Anbiederung
Noch bestand die Weimarer Republik. Insofern erwiesen sich zu der Zeit Versuche, der aggressiven WTG-Verkündigung durch ebenso aggressive Gegenmaßnahmen auf der staatlichen Ebene beizukommen, als „auf dünnem Eis" befindlich. Gleichwohl gab es diese Bestrebungen. Als dann das Naziregime hereingebrochen war, hielt man sich weder in Sachsen noch in Bayern „lange mit der Vorrede auf". Beide Länder waren es, welche die ersten Zeugen Jehovas-Verbote des Jahres 1933 dekretierten.
Das sich anbahnende Ungemach für die WTG konnte man auch einem in der Ausgabe vom 1. 7. 1932 in der „Zeitschrift für Rechtspflege in Bayern" erschienenen Artikel entnehmen, zum Thema Bibelforscher. Als Verfasser zeichnete ein Herr Oberlandesgerichtsrat Dittrich in München.
Im nachstehenden seien einige relevante Passagen aus diesem Zeitdokument einmal näher vorgestellt.
Einleitend wird vermerkt:
Zitat

„In letzter Zeit macht sich in Bayern wieder eine rege Tätigkeit der Bibelforscher bemerkbar. Sie vollzieht sich in der Regel in der Weise, daß Anhänger dieser Bewegung einzeln oder in Gruppen, meist Leute einfachen Standes, die zahlreichen Flugschriften der Wachtturm- Bibel- und Traktatgesellschaft in Magdeburg von Haus zu Haus verkaufen."

Bewertet werden dann diese Aktionen mit den Sätzen:
Zitat

„Die Schriften der genannten Gesellschaft greifen nicht selten die anerkannten Religionsgesellschaften und die bestehenden Regierungen und deren Diener und Organe an, indem sie deren Handlungen als im Widerspruch mit den Lehren der Heiligen Schrift stehend erklären, und sind deshalb größtenteils geeignet, bei den Anhängern der verschiedenen Bekenntnisse Ärgernis zu erregen und in den Köpfen einfacher Leute Verwirrung anzurichten."

In Bayern würden
Zitat

„deshalb seitens der Verwaltungsbehörden seit Jahren ein nachdrücklicher Kampf gegen die Tätigkeit der Bibelforscher geführt, in dessen Verlauf sich in der Regel auch die Gerichte und Staatsanwaltschaften mit dieser Tätigkeit zu befassen haben."

Weiter wird rekapituliert:
Zitat

„Die Strafanzeigen gründen sich meist auf wirkliche oder vermeintliche Übertretungen der Bestimmungen der Gewerbeordnung über den Gewerbebetrieb im Umherziehen und verursachen den beteiligten Justizbehörden nicht selten erhebliches Kopfzerbrechen, zumal die Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft juristisch gut beraten ist, sozusagen „gesetzlich gut eingerichtet" zu sein scheint und ihre der Gefahr der Strafverfolgung ausgesetzten Anhänger in jeder möglichen Weise mit Schriftsätzen, Anträgen und Beschwerden unterstützt."

Dann muss sich jener Herr Oberlandesgerichtsrat mit der Preisgestaltung des zeitgenössischen WTG-Schrifttums auseinandersetzen und kommt dabei zu dem Resultat:
Zitat

„Der Preis der Bücher liegt, wie Sachverständige wiederholt festgestellt haben, oft unter dem Gestehungspreis, übersteigt jedoch nie die Herstellungskosten."

Dadurch entstehende Unterbilanzen würden entweder durch Spenden der WTG-Anhänger, oder (zeitweilig, wohl nicht mehr im Jahre 1932) durch Zuschüsse der US-amerikanischen WTG beglichen.
Weiter entstünden keinerlei relevante Vertriebskosten, da der Vertrieb eben durch die WTG-Anhänger erfolge.
Weiter in dieser Folge:
Zitat

„Mit Rücksicht darauf, daß die Internationale Bibelforschervereinigung weder politische noch gewerbliche oder wirtschaftliche Zwecke verfolgt, sondern rein religiös eingestellt ist, hat der preußische Minister des Innern durch Erlaß vom 19. April 1930 angeordnet, daß von der Einleitung von Strafverfahren, insbesondere wegen Vergehens gegen die Reichsgewerbeordnung oder gegen das Gesetz über die Besteuerung des Gewebebetriebes im Umherziehen abzusehen ist, wenn nicht bestimmte Tatsachen vorliegen, die im Einzelfall eine Abweichung von der allgemeinen Beurteilung erforderlich machen."

Es gäbe weitere Gerichtliche, bzw. Verwaltungsbehördliche Entscheidungen, mit gleichem Tenor. In Bayern indes meint man kommentierend dazu:
Zitat

„Im Gegensatz zu dieser Stellungnahme maßgebender norddeutscher Stellen und des Reichsfinanzhofs werden die Bibelforscher seitens der bayerischen Verwaltungsstellen nach wie vor mit Entschiedenheit bekämpft."

Auf der Suche nach „geeigneten" Strohhalmen dabei hat man wohl auch die bayerische Plakatverordnung entdeckt. Derart „siegesgewiss" geht es dann weiter mit der Aussage:
Zitat

„Grober Unfug kann beispielsweise vorliegen, wenn die Bibelforscher, wie es schon vorgekommen sein soll, gleich Kolonnenweise anrücken und eine Ortschaft förmlich mit ihren Schriften überschwemmen, dadurch Beunruhigung und Ärgernis in weite Kreise tragend".

Noch einen „Lichtblick" meint man in Bayern erspäht zu haben:
Zitat

„Neuerdings sind aber die Verwaltungsbehörden dazu übergegangen, die Schriften der Bibelforscher auf Grund der Notverordnung vom 28. März 1931 ... zu beschlagnahmen und einzuziehen, weil dann hinsichtlich der Frage der Einziehung eine richterliche Tätigkeit entfällt."

Zusammenfassend kann man wohl sagen, es war in Bayern der Zeit vor 1933, ein ausgeprägteres „Katz- Mausspiel" zwischen der WTG und Bayern, als vielleicht andernorts in Deutschand. Die sich da in der Rolle der „Katze" sehenden, werden wohl aufgeatmet haben, dass alsbald das Naziregime hereinbrach, welches sich mit sonderlichen Skrupeln nicht aufhielt. Wäre es so nicht gekommen, bleibt die Frage offen, ob der bayerische Kirchenfilzstaat unter den Rahmenbedingungen der Weimarer Republik, in diesem Duell wirklich „Sieger" geblieben wäre!

von Drahbeck - am 02.07.2012 22:16

„God's own country"

Im Zeitspiegel
Aus „God's own country"

„Freiburger Zeitung" 10. 7. 1932
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=10r4&year=1932&month=07&project=3&anzahl=6

„Freiburger Zeitung" 2. 12. 1932
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=02b4&year=1932&month=12&project=3&anzahl=4

Man vergleiche thematisch auch den Kommentar in der Freiburger Zeitung" vom 19. 7. 1932. Dort unter der Überschrift:
"Der neue Gott Amerikas".

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=19b2&year=1932&month=07&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 10.07.2012 02:56

„Die Christliche Welt" Nr. 15/1922

Im Zeitspiegel
Eine seit den 1880er Jahren (bis 1941) erscheinende kirchliche Zeitschrift trug den Titel „Die Christliche Welt". In heutigen Charakteristiken wird sie vielfach als „Organ des Kulturprotestantismus" gehandelt.
Jene Vokabel „Kulturprotestantismus" würde ich vorzugsweise etwas variieren als „Kulturchristen" generell (nicht unbedingt begrenzt nur auf den Protestantismus). Wesentliches Merkmal dieser Kreise:
„Gott ist ein guter Mann" - und das war es dann auch schon.
Sollte es welche geben, die jenes „gut" etwas anders gedeutet wissen wollen, die „Kulturchristen" interessiert das zu allerletzt.

Man kennt ja auch andernorts die Bedeutung des „Vitamin B..." „B" steht dann für Beziehungen. Beziehungen zum Geschäftmachen können sicherlich viele gebrauchen.
Die da auf der Suche danach sind, müssen nicht zwangsläufig bei den „Kulturchristen" landen, sind aber ziemlich häufig just dort vorfindlich. Sie können sich ebenso als „Religion der Highsociety" von vorgestern, als „Freimaurer" formieren und anderes mehr. Da ist die Spannbreite sicherlich ziemlich breit.

Eine Art Gegenpol zu besagten „Kulturchristen" kann man dann besonders bei den „Evangelikalen" bewundern, Die legen dann schon mal erheblich mehr Wert auf die „rechte Auslegung eines Kommas", ein Thema dass den „Kulturchristen" dann eher am „Allerwertesten vorbei geht".
Hat man die zeitgenössische kirchliche Zeitschriftenliteratur der 1920er Jahre so einigermaßen im Blick, fällt schon mal mächtig ins Auge, das Bibelforscherthema war außerst selten bis nie, auch ein Thema, welches die „Kulturchristen" „umgetrieben" hätte.
Das passte einfach nicht in ihr Konzept „Gott ist ein guter Mann - und das war es dann".
Eine seltene Ausnahme von dieser Regel ist jedoch zu beobachten.
Die 1920er Jahrgänge der Zeitschrift „Die Christliche Welt", habe ich mir denn ja auch mal angesehen. Wissenschaftliche Bibliotheken machen es ja möglich. Und was war der „Ertrag", suchte man dort nach irgendwelchen Ausführungen zum Bibelforscherthema?
Ertrag fast Null.
Das Thema bewegte diese Kreise in der Tat nicht. Andere Kreise hielten es dabei anders.
Eine einzige Ausnahme von vorbeschriebener Regel ist jedoch zu beobachten.

In der Nr. 15/1922 der „Die Christliche Welt" gab es da tatsächlich mal was zu vorstehendem zu lesen. Das wiederum thematisch durchaus eingeschränkt.
Ein Jahr zuvor war die Bibelforscher bezügliche Schrift von Friedrich Loofs in Broschürenform auf dem Buchmarkt erschienen. Und da der Name Friedrich Loofs auch für die zeitgenössischen „Kulturchristen" einen relativ guten Klang hatte, wollten sie es ihm wohl nicht antun, seine genannte Publikation mit Schweigen zu übergehen.
Ergo war es einem Karl Müller vorbehalten, in genanntem Heft eine kleinere Rezension zu der Loofs'schen Schrift zu publizieren.
Damit war dann aber für „Die Christliche Welt" das endgültige Ende der „Fahnenstange" erreicht. Nie mehr davor oder danach, sollte sich in ihren Spalten, eine Ausführung zum Bibelforscherthema mehr vorfinden lassen.

Im Bewusstsein vorskizzierter „Bedeutung", sei dann noch nachstehend, die genannte Rezension des Herrn Müller näher (kommentarlos) vorgestellt.
Letzterer meinte berichten zu können:
Zitat

„... Deutlicher, als es geschehen ist, hätte vielleicht auf den einen Grund des großen Erfolges der Bibelforscher hingewiesen werden können (durch Loofs); dieser liegt nämlich - neben der zutreffend gewürdigten massiv-rückständigen „Gemeindetheologie", die letztlich wehrlos gegen die sie noch übertrumpfenden Eindringlinge ist - gerade in dem stark sozialistischen Zuge des Gedankenvorrates, in dem kräftigem Hervorkehren des lebhaften Gefühls für die tiefen Anfechtbarkeiten und Widergeistigkeiten unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur. Gerade von hier aus gelingt es den Bibelforschern, die Kirchen, die es an gleicher Deutlichkeit bisher immer noch fehlen ließen, als die „Namenkirchen" auch dem einfachen Mann zu diskreditieren. Gestreift ist auch dieses Problem. Im Zusammenhang damit ist zu bedenken, daß nicht überall, gerade in den der Werbung zugänglichsten Kreisen, der Appell an das Nationalgefühl aussichtsreich ist, sondern, daß gerade der Wille zu einer wenn auch unklaren Überneutralität gewisse Sympathien weckt, die den Kirchen unzugänglich sind."


Eine Art Gegenpol zur „liberalen Theologie", der sich da besonders zu Weimarer Republikzeiten herausgebildet hatte, war eine Religionsgemeinschaft, welche sich die „Christengemeinschaft" nennt. Einer ihrer Mitbegründer, Friedrich Rittelmeyer, einstmals im Bereich der evangelischen Kirche, ein gefeierter Star, bevor er mit anderen zusammen, dann seinen „eigenen Laden" aufmachte. In diesen Kreisen begegnet man ganz besonders pointierter Kritik an der „liberalen Theologie". Eine dieser Kritikthesen etwa lautet, die „liberale Theologie" sei letztendlich zur nur Religionswissenschaft „verkommen". Diesen Kritik-Vorhalt, kann man sich bei objektiver Betrachtung in der Tat nicht entziehen.
Allerdings pflegten die Herrschaften der „liberalen Theologie" sich in der Regel auch noch ein zweites Standbein zuzulegen. Das indes, bewerten die Rittelmeyer und Co. dann schon mal erheblich weniger.
Dieses zweite Standbein heißt: der Zeitgeist.

Predigt der Zeitgeist, übersteigerten Deutschnationalismus, für die „liberale Theologie" kein Problem. Dann predigten sie halt um die Wette mit.
Predigte der Zeitgeist, ein Hitler sei wohl als neuer Messias anzusehen, und entsprechend zu würdigen. Wieder für die Herrschaften von der „liberalen Theologie" kein Problem. Dann haben sie eben, ebenfalls diese Meinung.

Predigt der Zeitgeist (nach 1945) das mit dem Hitler war wohl nichts, jetzt müssen wir anstelle dem, eine Partei wie die CDU/CSU massiv aufpäppeln. Wiederum für die „liberale Theologie" kein Problem. Auch da mischen sie dann kräftig mit.
Und predigt der Zeitgeist Manchesterkapitalismus Made in USA-Hedgefonds sei das „wahre Evangelium". Auch da kann man wieder mal die Schlangengleiche Anpassung dieser Kreise, an den Zeitgeist „bewundern".

In der Tat spielten die Rittelmeyer und Co dieses vorskizzierte Spiel so nicht mit. Schon zu Zeiten des ersten Weltkrieges ist belegt, dass Rittelmeyer, als andere sich mit dem in die Schützengräben hineinpredigen, noch förmlich überschlugen. Das zu dieser Zeit jener Rittelmeyer, einer der ganz wenigen besonneren Stimmen im Bereich der evangelischen Kirche, darstellte. Das „ganz wenige" nochmals ausdrücklich wiederholt.
Also jenes Maß an Opportunismus, dass seine schlangengleichen Berufskollegen in Sonderheit auszeichnete, wird man jenem Rittelmeyer, so pauschal nicht unterstellen können.
Hielt er es auch nicht sonderlich mit den etablierteten Formen des Zeitgeistes, so war doch auch er letztendlich einer anderen Form des Zeitgeistes verhaftet. Nur das diese von ihm bevorzugte Variante, eben nicht gar so Marktbeherrschend war.

Auch er hatte da einen neuen „Messias" entdeckt, dem er da zujubelte. Sein Messias hörte zwar nicht auf den Namen Hitler, dafür aber auf den Namen Rudolf Steiner.
„Wie erlangt man Erkenntnis der höheren Welten", so beispielsweise der programmatische Titel eines der Bücher jenes Herrn Steiner, die es dann wohl auch letztendlich dem Rittelmeyer angetan hatte. Ein Emanuel Kant hätte dem Rittelmeyer dazu allerdings kommentierend ins Gesicht gesagt.
Erkenntnisse der höheren Welten kann man nur dadurch erlangen, indem man „verrückt" wird, den gesunden Menschenverstand verliert.
Das indes würde ein Rittelmeyer, so nie akzeptieren. Er wähnte dann auch einen „Königsweg" gefunden zu haben.

Der klassische Protestantismus war ihm überhaupt zu nüchtern trocken. Neidvoll blickte er da auf den Kultus der katholischen Kirche, und vielleicht dito auch der Orthodoxen Kirche. In der Folge ließ er es sich angelegen sein, jene kultischen Elemente, besonders konzentriert, auch in seine „Christengemeinschaft" mit einzubauen. Damit wähnte er dann der Religionsindustrie eine generelle Überlebenschance gesichert zu haben, die er in der Tat - nicht unberechtigt - durch die „liberale Theologie" gefährdet sah.
Das ganze Rittelmeyrer'sche Konstrut, kann man letztendlich auch als eine Art Gegenentwurf zu den Zeugen Jehovas bezeichnen, welcher bekanntermaßen auch nichts mit Kultus, sonderlich am Hut haben.

Welcher dieser „Gegenentwürfe" zur „liberaleren Theologie" denn letztendlich der Überlebenskräftigere ist, mag an dieser Stelle nicht entschieden sein.
Welche Sorgen zu Weimarer Republikzeiten denn auch den Rittelmeyer so umtrieben, mag ein Zitat aus seiner von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Die Christengemeinschaft" verdeutlichen. Dort sah er sich beispielsweise zu der nachfolgenden „Gegenpolemik" veranlasst. Nachdem er einen Artikel in der kommunistischen Tageszeitung „Die Rote Fahne" gelesen hatte, standen auch „ihm die Haare zu Berge". Wohl nicht nur ihm. Ich stelle fest, das die Radikalität, welche da besagte „Rote Fahne" propagierte, nicht die meinige ist. Insoweit „identifiziere" ich mich mit deren vorgetragenen Thesen so nicht. Auf die Feststellung dieser Distanzierung lege ich meinerseits ausdrücklichen Wert.
Genug der Vorrede. Nachstehend sei dann noch (kommentarlos) zitiert, was auch Rittelmeyer bei der Lektüre der „Roten Fahne" auf die Palme brachte. Bilde sich also jeder sein eigenes Urteil dazu.
Zitat aus „Die Christengemeinschaft" 2. Jahrgang, Heft 4. Juli. 1925 S.127 f.:
Zitat

"Der heilige Geist der Revolution.
Wie nah unter uns die selben Kräfte wirksam sind ... zeigt die Pfingstnummer der "Roten Fahne". Sie bringt uns einen soeben erschienen Gedichtbuch von J. R. Becher ein „Vaterunser". In diesem Gebet an den "Vater unser, der du nicht bist im Himmel,
nicht auf der Erde,
nicht unter der Erde, heißt es zum Beispiel:
Wir beten nicht:
Vergib uns unsere Schuld -
Wir werden unsere Schuld uns selbst vergeben. Vergeben wird sein uns die Schuld in dem Augenblick, da wir das Messer hindurch durch die Rippen unserer Zwingherrn gestoßen haben, da wir den Geist der Knechtschaft in uns gemordet haben, dann, wenn wir allwissend,
allfühlend, allsehend, allerkennend, allmächtig. Dann, werden wir frei sein - Amen!"
Dies wird als "Pfingstgedicht" unserer Arbeiterschaft vorgesetzt. Die Skizze stellt eine Männergestalt mit geballten Fäusten dar, die einen Kruzifixus mit einem Fußtritt zu Boden stürzt!
Kein unterirdisches Grollen in den Tiefen der Erde kann erschütternder sein als solche Dämonenoffenbarung. Wer hilft mit, daß Starkes geschieht zur religiösen Erneuerung?"

Siehe aus der Google-Büchersuche auch dieses Snippets

Allerdings, kommt man auf diesem Wege nicht sonderlich weiter, müsste sich also fallweise selbst die genannte Quelliteratur besorgen.
Man vergleiche kontrastierend dazu auch das Titelbild, mit dem - jahrelang - das Englischsprachige „Golden Age" der WTG-geführten Bibelforscher aufmachte.
Dort insbesondere die Bildkarikatur oben links


Zwei schon früher formulierte Exkurse in Sachen Rittelmeyer noch:
Zitat



von Drahbeck - am 10.07.2012 22:31

Eine Statistiknotiz

Im Zeitspiegel
Jahrelang (nach 1945) stand die BRD auf Platz zwei der ZJ-Weltrangliste, gleich nach den USA kommend. Davor ebenfalls schon zu Weimarer Republikzeiten.

Im Jahre 1974 wurde sie - erstmals - auf den dritten Platz „abgedrängt". Neuer Platzhaber des zweiten Platzes wurde Nigeria mit der Höchstzahl für 1974 in Nigeria von 100.898.

Dieses weitere zahlenmäßige Zurückdrängen, setzte sich in den nachfolgenden Jahren fort.
Soweit also erst mal jene 1974er Meldung.

Da bietet es sich doch mal an, nachzusehen, auf welchem Platz in der ZJ-Weltrangliste nunmehr Deutschland im Jahre 2011 steht.
Offenbar inzwischen auf Platz zehn abgerutscht!
Selbst Russland hat sich mittlerweile - wenn auch nur geringfügig - vor die BRD gesetzt.
Demnach sähe die 2011 ZJ-Rangliste etwa so aus:

1) USA: 1.205.572
2) Mexiko: 739.954
3) Brasilien: 649.772
4) Nigeria: 330.316
5) Italien: 245.657
6) Japan: 218.057
7) Philippinen: 176.001
8) Kongo 173.416
9) Russland: 165.447
10) Deutschland 165.387

Natürlich ist diese Streiflichtzahl dergestalt unbefriedigend, als volkreiche Staaten gegenüber kleineren, einen automatischen Vorteil für diese Art von Statstikauswertung haben. Fairerweise müsste man auch noch bewerten, welches Land welche Verhältniszahl von einem Zeugen zur übrigen Bevölkerung hat.
Bezogen (nur) auf die genannten zehn Länder sähe diese Verhältniszahl in etwa so aus:

1) Mexiko: 1 zu 155
2) Italien: 1 zu 248
3) USA: 1 zu 261
4) Brasilien: 1 zu 263
5) Kongo 1 zu 391
6) Deutschland 1 zu 494 (Deutschsprachige Vergleichszahlen: Österreich 1 zu 399 / Schweiz 1 zu 434. Was nun die Verhältniszahl für Deutschland anbelangt 1 zu ... , sind auch dabei gewisse Schwankungen zu beobachten. Im Jahre 1998 war man in Deutschland schon mal bei 1 zu 478 angelangt. Der „Gegenpol" etwa das Jahr 2006 mit 1 zu 503).
7) Nigeria: 1 zu 500
8) Philippinen: 1 zu 539
9) Japan: 1 zu 580
10) Russland: 1 zu 864

Sicherlich ist die vorstehende Zahlenauswertung auch so ein Schlaglicht!
Immerhin entsprechen diese 4 069.579 Zeugen Jehovas jener zehn genannten Länder, mehr als 50% (als grobe Daumpeilung) aller weltweiten Zeugen Jehovas, geht man von weltweit etwa 7.659.019 im Jahre 2011 aus.

Die WTG indes, würde das etwa so kommentieren:






Siehe auch:
Statistiknotizen

von Drahbeck - am 17.07.2012 01:54

Kalter Staatsstreich in Preußen

Im Zeitspiegel
„Der kalte Staatsstreich in Preußen", titelt beispielsweise am 22. 7. 1932 die „Freiburger Zeitung".

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=22b5&year=1932&month=07&project=3&anzahl=8

Bereits in den vorangegangenen Tagen (etwa ab 20. 7. 32) gab es auch in diesem Blatt, weitere thematische Berichte dazu.

Hitlers Steigbügelhalter Franz von Papen, legte damit sein „Gesellenstück" ab. Und die opportunistische SPD, die es im Falle Preußen besonders traf, hatte außer halbherzigen Protesterklärungen, die noch nicht mal das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt waren, dem nichts entgegenzusetzen.

Noch war v. Papen, in konzertierter Aktion mit Reichspräsident v. Hindenburg, auf der Basis einer der berüchtigten Notverordnungen, formal, der vordergründig handelnde. Hitler trat da noch nicht in Erscheinung.

Aber aufmerksam registriert haben dürfte er schon, wie mit den „Schlappschwänzen der SPD" umgesprungen werden kann. Als er dann selbst am Ruder saß, war es für ihn eine der leichtesten Übungen, diese Erkenntnisse auch seinerseits in die Praxis umzusetzen!

http://de.wikipedia.org/wiki/Preußenschlag

von Drahbeck - am 20.07.2012 01:11

Re: Kalter Staatsstreich in Preußen

Wie wahr...

von offthehook - am 20.07.2012 07:18

- 126.000

Etwa 126.000 haben im Jahre 2011 der Firma des Herrn Papstes in der Bundesrepublik Deutschland Ade gesagt; zu denen allerdings nicht die Frau Nahles von der CSPD gehört, was wohl auch nicht zu erwarten war.
Nun sind solcherlei Zahlen immer relativ. Gemessen an der Gesamtzahl der Karteileichen und der tatsächlich aktiven Katholiken in der BRD, lassen sich ja solcherlei Zahlen herunterspielen, was denn ja auch prompt zu beobachten ist.
Immerhin: 126.000 bleibt trotz aller herunterspielenden Taschenspielerkünste, relativ gesehen, eine beachtliche Zahl.

hpd.de/node/13679

von Drahbeck - am 26.07.2012 17:25

„Uniformierter Glaube an Gott"

Im Zeitspiegel
Ein Presseartikel der „Berliner Zeitung" vom 3. 8. 1992

Am 15. 7. 1991 gab es von dergleichen Journalistin einen Artikel, welchen sie
betitelt „Verena fürchtet sich nicht vor Harmagedon", in der Tendenz ähnlich strukturiert.
Letzterer nahm als Thema eine Kongressveranstaltung der Zeugen Jehovas, im Jahre 1991 im Berliner Jahn-Stadion:
Zitat

„Harrten 12.000 Zeugen Jehovas in sengender Sonne und strömenden Ragen aus."

Zitiert wird dann eine Interviewpartnerin:
Zitat

„Bald kommt Harmagedon, und dann wird Gott alle Menschen vernichten, die nicht auf ihn gehört haben", sagt Verena Jahn. Munter dreht sich die zehnjährige Berlinerin aus Neuköln bei diesen apokalyptischen Worten auf ihren Fußspitzen. Nein, Angst hat sie nicht vor 'Harmagedon', dem Jüngsten Gericht. Schließlich lebt sie seit ihrer Geburt 'in der Wahrheit." Verena ist Mitglied der Zeugen Jehovas."

Zu den Eindrücken, welche jene Journalistin bei dieser ZJ-Kongressveranstaltung sammelte, gehört dann wohl auch der:
Zitat

„Kein lockeres Dorffest im Stil der Kirchentage wird hier geboten, sondern eine dreitägige Schulung in der engen Auslegung des Alten und Neuen Testaments."

Im weiteren Verlauf ihres Berichtes, arbeitet sie dann weitere, für Außenstehende unübersehbare, Indoktrinationselemente der Zeugen Jehovas heraus. In Zusammenfassung der Aussagen weiterer Interviewpartner gibt es dann auch den Satz:
Zitat

„Die beiden benutzen dieselben Worte, die gleichen Sätze. Ihre Individualität scheint ersetzt durch wiederkehrende Glaubensformeln."

Zum Schluss des Berichtes gibt es noch die Episode:
Zitat

„Warum steigt sie mit 88 Jahren vom Protestantismus auf die Zeugen Jehovas um? Eine Antwort fällt ihr schwer. 'Jehova ist sehr angenehm', sagt sie. Marie Kurrei ist die einzige Zeugin in ihrem Heimatort Mangelshorst. Nicht nur ihre Familie kann mit dem Glauben wenig anfangen."

Siehe auch:

Diskobesuche und Geburtstage sind tabu

von Drahbeck - am 02.08.2012 22:09

Re: Vor 21 Jahren / heute

Zitat
Drahbeck
1991 im Berliner Jahn-Stadion:
Zitat

„Bald kommt Harmagedon, und dann wird Gott alle Menschen vernichten, die nicht auf ihn gehört haben", sagt Verena Jahn. ... die zehnjährige Berlinerin aus Neuköln ... Verena ist Mitglied der Zeugen Jehovas."


WT vom 15.JUNI 2012 mit den Studienartikeln für August S.18 Abs.19:
Wir können sicher sein, dass die Vernichtung der falschen Religion und die Schlacht von Harmagedon bald kommen werden. ... Jetzt ist die Zeit, sich auf die Seite Jehovas zu stellen und sein Königreich zu unterstützen (...).

von Frau von x - am 04.08.2012 08:49

Autofahrer

Im Zeitspiegel
Gelesen in einem katholischen Buch mit dem Titel:
„Aus dem Gebetsschatz der heiligen Kirche"


Na dann hoffen wir mal, dass es den anvisierten auch tatsächlich hilft.

von Drahbeck - am 06.08.2012 22:07

Video

Im Zeitspiegel

Noch ein Video-Bericht
(Laufzeit etwa 13 Minuten Dauer).

www.do1.tv/2012/08/06/ich-war-jehovas-zeugin-eine-aussteigerin-berichtet/

von Drahbeck - am 06.08.2012 22:54

Im Labyrinth der Sekte

Im Zeitspiegel

www.fr-online.de/panorama/russland-sekte-haelt-kinder-in-bunker-fest,1472782,16840662.html

Ähnliche Berichte unter diesem Titel auch in anderen Pressepublikationen feststellbar.

von Drahbeck - am 10.08.2012 05:59

Ägypten - Rolle rückwärts

Im Zeitspiegel

www.stern.de/panorama/islamischer-frauensender-maria-tv-nachrichten-unterm-schleier-1865224.html

www.news.de/politik/855335039/aegypten-maria-tv-sender-nur-mit-verschleierten-frauen/1/

Die Printausgabe des Magazin "Focus" Ausgabe vom 6. 8. 2012, brachte über zwei Druckseiten auch einen schockierenden Bildbericht zum Thema. Das Bildmaterial stammt von einer bekannten Nachrichtenagentur.
Da "Focus" gemäß seiner Politik, das nicht Online stellt und da besagte Nachrichtenagentur mit einer Duplizierung ihrer Bilder, nicht zu unterschätzende finanzielle Forderungen koppelt, werde ich mich hüten, obwohl es mir "in den Fingern gejuckt hat", meinerseits diese Bilder auch einzustellen.
Indes ergab die "Befragung von Google", das man auch anderwärts fündig werden kann, unter anderem in den beiden genannten Links. Weitere Nachweise lassen sich bei Google ermitteln.

von Drahbeck - am 10.08.2012 10:04

Nur noch 51 %

Im Zeitspiegel

51 % der Deutschen halten sich derzeit für religiös (im Jahre 2012)
Im Jahre 2005 indes, bezeichneten sich noch 9% mehr (sowohl in Deutschland als auch weltweit) als religiös.
Zieht man ältere Angaben andernors mit heran, etwa die „Erwachet!"-Ausgabe der Zeugen Jehovas vom 22. 7. 1963, so wurden zu diesem Zeitpunkt etwa 96 % der Deutschen, als formelles Mitglied eines Zweiges der Religionsindustrie bezeichnet. Von besagten 96 % hätten schon damals, nur etwa 5% der Gesamtbevölkerung die Angebote der Religionsidustrie genutzt. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen, war schon damals, weitgehend dem Bereich „Karteileichen" zuzuordnen.
Eine Gallup-Studie zufolge sind die wirtschaftlich ärmsten Länder zugleich auch die am religiösesten.

www.jesus.de/blickpunkt/detailansicht/ansicht/186621religiositaet-in-deutschland-nimmt-ab.html

Da frage ich mich blos, wieso eine Frau Nahles, im Gremium der SPD aka CSPD so Lobbyistenfunktion für die Religionsindustrie wahrnehmen darf.
Ein Ernst Reuter, auch mal SPD-Mitglied, nach 1945 noch Bürgermeister von Westberlin, war ja nicht schon immer „Bürgermeister". Er übte vordem auch schon mal andere Funktionen aus. Unter anderem in der Zeit um den ersten Weltkrieg herum, im „Komitee Konfessionslos", welches wie der Name schon andeutet, in Sonderheit das organisieren von Kirchenaustritten auf seine Fahne geschrieben hatte.
Nun will ich nicht unbedingt dem organisieren solcher Aktionen das Wort reden. Freiwillig ja, aber nicht unbedingt in organisierter Form.
Indes ein Herr Ernst Reuter dürfte sich noch heute, angesichts einer Frau Nahles in der CSPD, „im Grabe umdrehen."

von Drahbeck - am 10.08.2012 20:50

Gemeinsamkeit von Freidenkern und Bibelforschern

Im Zeitspiegel
Auch die zeitgenössischen „Freidenker" hatten nun im Jahre 1932, dass Bibelforscherthema entdeckt. Und sogar eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden doch recht unterschiedlichen Strömungen gab es. Die Kritik an den etablierten Großkirchen.
Das war es dann aber auch schon.
Ansonsten gingen die Wege deutlich auseinander.
Seitens der „Freidenker" war der Aufsatz „Bibelforscherkonjunktur" im „Freidenker" vom 16. 8. 1932 sicherlich ein Beleg dafür. Auf ihn wurde schon früher mit eingegangen.
Siehe

19322Feinde

von Drahbeck - am 15.08.2012 23:39

167.107

Zur Zeit noch etwas mehr also, wie im letzten Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten sind (siehe weiter oben in diesem Thread)
Aber das mit den Austritten kann sich ja möglicherweise noch steigern.

www.jehovaszeugen.de/Statistik.18.0.html

Nicht in dieser Aufgliederung auf die einzelnen Bundesländer enthalten ist hingegen der im tatsächlichen Zunehmen begriffene Anteil Fremdsprachiger Zeugen Jehovas-Versammlungen innerhalb Deutschlands
Laut "Unser Königreichsdienst" September 2005 gab es in Deutschland 8.174 russischsprachige Verkündiger die in 125 Versammlungen und 17 Gruppen organisiert sind.
Erfreut meinte man zu registrieren, dass im letzten "Dienstjahr" im russischen Gebiet (in Deutschland) allein 16 neue Versammlungen gegründet werden konnten.

Auch in anderen fremdsprachigen Gebieten in Deutschland, geht es für die Zeugen Jehovas voran. Symptom dafür ist auch die Aussage:

"Mit Beginn des neuen Dienstjahres gibt es in Deutschland drei neue Kreise, nämlich zwei russische und einen französischen. Zusätzlich werden das albanische, das vietnamesische, das rumänische sowie das Twi- und das Gebärdensprachengebiet durch Kreisaufseher betreut ...
In Deutschland gibt es jetzt 121 Kreise und 6 deutsche Bezirke in fremdsprachigen Gebiet".


Exkurs:
Einige kontrastierende Zahlen.
Laut der seinerzeitigen CDU-Tageszeitung „Neue Zeit" vom 13. 12. 1989, wurde die Zahl der Kirchenmitglieder regional im Bereich der bis dahin noch existierenden DDR wie folgt beziffert.
Mitglieder der Evangelischen Kirche nach dem Stand von 1986, etwa 5,1 Millionen.
Mitglieder der Katholischen Kirche nach dem Stand von 1988 etwa 1,050 Millionen.
Eine dritte (Sammelposition) wurde auf zusammen 71.450 beziffert.
Jene Sammelposition beinhaltet dann Baptisten, Methodisten, Adventisten, Altkatholiken (möglicherweise auch die Jüdische Gemeinde) zusammengezählt. Nicht in dieser Zahl mit enthalten, allerdings die Zeugen Jehovas.
Unklar bei dieser kirchlichen Zählung scheint mir auch zu sein. Sogenannte „Freikirchen" sind da ja eindeutig mitgezählt. Was aber ist etwa mit Gruppen wie der Neuapostolischen Kirche, der Johannischen Kirche, der Mormonen? Sind die in jener Zahl mit enthalten oder nicht?
Aufgrund dieser Unsicherheiten kann man die religiöse Szene in diesem regionalen Bereich vielleicht, will man auch die Zeugen Jehovas mitgezählt haben, großzügig gerechnet auf vielleicht 100.000 bis 150.000 veranschlagen. Das wäre dann aber wirklich eine großzügige Schätzung.
Vorgenannte kirchliche Angaben konstatieren weiter, etwa 37,4 Prozent der DDR-Bevölkerung habe zum Zeitpunkt jener Statistikerhebung eine religiöse Bindung.
In der Dezemberausgabe 1989 der Zeitschrift „Glaube und Dienst" werden diesbezügliche Entwicklungen wie folgt zusammengefasst:
Zitat

„Gehörten 1950 in der DDR noch 81 Prozent einer evangelischen Kirche an, so waren es 1983 nur noch 46 und 1986 nur 31 Prozent. Mittlerweile ist die Zahl auf 30 Prozent gesunken. In Neubaugebieten Berlins sind nur noch 2 bis 3 Prozent Mitglied der evangelischen Kirche."


Nun ist es nicht uninteressant sich namentlich die mit genannten 5,1 Millionen der Evangelischen Kirche etwas näher anzusehen. Dies wird möglich in einem weiteren Artikel der „Neuen Zeit" vom 7. 4. 1990.
Letzterer teilt mit, per Stand von 1988, dass die Einnahmen der Evangelischen Kirche in der DDR nicht einmal zur Zahlung der Gehälter für ihre 18.000 Mitarbeiter ausreichen würden. Die Personalkosten betrugen 150 Millionen Mark pro Jahr, wobei noch betont wird, das Lohnniveau in jener Kirche zu jenem Zeitpunkt, liege aber deutlich unter dem westdeutschen Lohnniveau, und auch unter dem Lohnniveau etwa von Facharbeitern in der DDR.
Als weitere Detailzahl wird dazu genannt:
Zitat

„Im Durchschnitt zahlte jedes der 5,1 Millionen Mitglieder etwas über 20 Mark (pro Jahr für die Kirche).
Zum Vergleich: die 25 Millionen Evangelischen in der Bundesrepublik führten 1989 etwa 6,7 Milliarden DM Kirchensteuer ab - durchschnittlich 268 DM pro Mitglied."

Namentlich die westdeutschen Kirchen, und dort wiederum auch unter Abschöpfung von Steuergeldern, haben dann die Ostdeutschen Kirchen finanziell am Leben erhalten, die wohl ohne diesen Umstand, sich kaum den Luxus ihrer 18.000 hauptamtlichen Mitarbeiter hätten leisten können. Das wiederum war nicht zuletzt eine politische Entscheidung westlicherseits, im Interesse der westlichen Politik.
Das mit den 20 Mark pro Jahr mag sich niedrig anhören. Isoliert betrachtet, ist diese Zahl auch nur die halbe Wahrheit.
Zur ganzen Wahrheit gehört dann auch wohl dies. Die tatsächlichen Kirchenbesucher in der Evangelischen Kirche, die am tatsächlichen kirchlichen Leben aktiven Anteil nahmen. Dieses Segment, unter Ausklammerung der Karteileichen, dürfte eine bedeutend höhere finanzielle Summe aufgebracht haben. Da mögen besagte 20 Mark schon mal für wenige Kollekten, die in jener Kirche ja auch üblich sind, angefallen sein. Diese miese Statistikzahl ist einzig und allein den „Karteileichen" zuzuschreiben, in einer auf tönernen Füßen stehenden Kirche, die blos noch vergessen hat, umzufallen.
Eine ergänzende, wenn auch etwas ältere Zahl dazu noch.
Die Wochenzeitung "Die Kirche" notierte in ihrer Ausgabe Nr. 28/1975:
Zitat

"In der DDR leben (1974) 8,47 Millionen Evangelische. Davon gehen noch 340.000 zur Kirche. Das sind vier Prozent. Anders ausgedrückt. Von 8,47 Millionen gehen 8,13 Millionen nicht mehr zur Kirche"

Diese Zahl basiert also noch auf 8,47 Millionen. Spätere Zahlen indes reden nur noch vom 5,1 Millionen. Dann mache man sich dazu mal so seinen eigenen Reim dazu.
Was nun die Finanzen der katholischen Kirche, noch aber mehr die Finanzen des Segmentes der 100.000 bis 150.000 anbelangt, kann mit Sicherheit unterstellt werden, die „schwammen dann förmlich im Geld" im Vergleich gesehen zur Evangelischen Kirche, was sich fallweise auch nachweisen lässt. So jubelten etwa die Methodisten, ebenfalls gemäß „Neue Zeit", ihre Finanzeinkünfte hätten sich in letzter Zeit bedeutend vermehrt, und das sogar aus eigener Kraft, ohne künstliche westdeutsche Lebensbeamtmung.
Zitat

„10. 6. 1978
Jährliche Konferenz 1978 der Evangelisch-methodistischen Kirche in der DDR.
Die hohe Opferbereitschaft der evangelisch-methodistischen Gemeinden in der DDR wurde erneut in den Berichten der Superintendenten hervorgehoben. In den vergangenen acht Jahren sind in den Gemeinden die Einnahmen teilweise bis zu 30 Prozent gestiegen."

Oder auch diese Meldung aus dem Bereich der sogenannten „Freikirchen" in deren Zeitschrift „Glaube und Dienst" Oktober 1986:
Zitat

„Graefe Haus" Bad Klosterlausnitz
Hinter jeder Mark steht die Spende eines Bruders oder einer Schwester. Die Spendenentwicklung hat uns sprachlos gemacht, bekannte der Bundeskassenwart .... In den 2 ½ Jahren Bauzeit brachten die Gemeinden in der DDR 332.600,- Mark auf. Statistisch hat damit jedes Gemeindeglied 388,- Mark gespendet! Das Ziel ist erreicht. Das Haus konnte schuldenfrei eingeweiht werden!"

Wenn also die vermeintlichen Grosskirchen - Interessegeleitet - zur Überstülpung des Westdeutschen Kirchensteuersystems jammern, sie würden ja blos 20 Mark pro Jahr und Kirchenmitglied kassieren, dann reduziert sich das schon mal auf ihren riesigen Karteileichenbestand. Ohne den nämlich, müssten sie durchaus ähnliche Ergebnisse bezeugen, wie im Falle des „Wort und Dienst"-Zitates.
Aber der Karteileichenbestand hat im Sinne der Kirchenmanager durchaus einen Sinn, nämlich den als Alibi zu dienen, zur zusätzlichen Melkung der Steuerzahlerkasse!
Der tönerne Riese Evangelische Kirche dürfte erst dann seine eigentliche „Größe" erreicht haben, wird er sich eines Tages im Club der „100.000 bis 150.000" wiederfinden.
Einstweilen indes, verhinderte dann ja die vorgenommene Überstülpung des westdeutschen Kirchensteuerssystems auch für den Ostbereich, diesen anstehenden Offenbarungseid!

von Drahbeck - am 17.08.2012 17:10

Der Herr Bischof von Limburg

liebt offenbar das fürstliche.
Als Fürst wollte er auch ein bekanntes Hamburger Politikmagazin, wegen ihm nicht genehmer Berichterstattung in die Knie zwingen, worüber letzteres auch in seiner Printausgabe berichtete.
Weitere Details in nachfolgendem Link

www.heise.de/tp/blogs/6/152637

Sollte es tatsächlich mal so kommen, wie da auch spekuliert wird, jener Herr aus Limburg könnte ja mal den Herrn gleichen Standes in Köln beerben, dann hat wohl jene Religionsfirma die allerbesten Chancen, die Austrittswellen aus ihrem Verein, noch weiter nach oben zu befördern.

Siehe als etwas älteren Beitrag auch:

www.spiegel.de/spiegel/print/d-70940374.html

von Drahbeck - am 24.08.2012 10:43

Bernd Schlömer

Meinung

Bernd Schlömer Regierungsdirektor im Bundesministerium der Verteidigung tätig und seit April 2012 Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland.

Einen Eintrag zu seiner Person in der Wikipedia ist auch noch dieses Detail entnehmbar:
„Nach eigenen Angaben ist er gläubiger Katholik"

Als persönlich n i c h t g l ä u b i g e r Katholik sage ich dann dazu nur mal „Danke".
Die Frau Nahles von der CSPD Katholik.
Der Herr Thierse ebenfalls CSPD, Katholik.
Über letzterem berichtete übrigens die „Berliner Zeitung" kürzlich, für die Bundestagswahl im nächsten Jahre will er nicht mehr kandidieren. Das er nicht mehr kandidiert dann, stört zumindest mich nicht.

Lobbyisten für die Katholikenfirma gibt es auch ohne ihn mehr als genug.
Nun also auch noch der Herr Schlömer.
Würden die Katholiken sich in einer Partei wie der CDU/CSU sammeln, wäre das ja noch nachvollziehbar. Selbige bringt das ja schon in ihrem Parteinamen zum Ausdruck. Aber wie man vernimmt, eben nicht nur dort.

Weshalb diese Replik
Auf der Blogseite eines auch Mitgliedes von besagter Piratenpartei, las ich jetzt eine Stellungnahme zu besagten Herrn Schlömer. Der Katholkenaspekt kommt in selbiger zwar nicht zum tragen. Im übrigen erscheint mir das in diesem Blogbeitrag ausgeführte, durchaus als Nachdenkenswert.

Meine Meinung noch dann die, kommt also das berüchtigte Leistungsschutzgesetz durch?
Wozu sind dann besagte Piratenpartei in ihrer gegenwärtigen Verfassung eigentlich noch „gut"?
Blos um „einen Etablierten durch einen anderen Möchte auch gern etabliert sein", dann auszuwechseln? Dieses Spiel kennt man ja zur Genuge, beispielsweise auch bei den Grünen.
Der Politikverdrossenheit wird so zusätzliches Fahrwasser offeriert.
Ein bisschen mager dieses Angebot, für mein Empfinden!

www.burks.de/burksblog/2012/08/29/offener-brief-an-bernd-schlomer

Nochmals aus dem Blogbeitrag "zum Mitschreiben":

Zitat

Wir wurden als inhaltliche Alternative zu den etablierten Parteien gewählt, uns wählten viele, denen nicht nur CDU und SPD als unwählbar erschienen, sondern auch die, die die Linke mit ihren hierarchischen Strukturen oder die Grünen als inzwischen etabliert ablehnen.


Denke ich an das Parteimitglied namens Besier in der Partei der sogenannt "Linken", kann ich meinerseits deren Negativwertung, nur ausdrücklich nochmals wiederholen.

von Drahbeck - am 29.08.2012 15:17

Re: Nur noch 51 %

Schweizer Zahlenspiele

Eine Statistik-Erhebung in der Schweiz, den Anteil der Religionsindustrie an der Schweizer Wohnbevölkerung zu quantifizieren, ist offenbar etwas ins Wanken geraten.
Namentlich jener Bereich, welcher allgemein mit dem Sammelbegriff "Freikirchen" bezeichnet wird, fühlte sich falsch dargestellt. Man wähnt in Gesamtheit habe jener "Freikirchenblock" keine relevanten Verluste zu verzeichnen, muss aber einräumen.
Zumindest für die Methodisten und Heilsarmee, seien diese Verluste wohl vorhanden.
Da aber in diesem "Freikirchenblock" allerlei Gruppierungen zusammengefasst gezählt wurden, beruhigt man sich. Wenn auch Methodisten und Co Verluste aufweisen, gelte das aber so nicht, für den zusammengezählten "Freikirchenblock"

Noch etwas muss man (eher ungern) zugeben. Zwischen 2000 und 2010 habe sich die Zahl der Konfessionslosen in der Schweiz fast verdoppelt.
Die Zahl der "Reformierten" (etwa in Deutschland mit der Evangelischen Kirche vergleichbar), wird nun auf etwa rund 30 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung veranschlagt. Eine Abnahme gegenüber 2000 um etwa 5%
Bemerkenswert auch der Schlusssatz in diesem Bericht.
Es zeige sich "das einige Leute im Herzen etwas anderes sind als auf dem Papier."
.
www.reformiert.info/artikel_11801.html

von Drahbeck - am 31.08.2012 15:34
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