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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 5 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
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Drahbeck

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise

Startbeitrag von Drahbeck am 14.01.2013 02:30

Das „gereinigte" Christentum - Made in Herrn Andersen

In 19282Andersen wurde bereits auf den Fall des Hauptpastor Andersen eingegangen, welcher in besonderer Weise auch den Zorn des „Goldenen Zeitalters" und zwar in dessen Ausgabe vom 1. 1. 1928, erregt hatte.

Andersen war in der Tat ein Protogonist, keine billige Dutzendware. Er formulierte schon relativ früh jene Grundsätze, welche in der Kirchengeschichte (besonders der Zeit zwischen 1933 - 45) in die Annalen eingegangen sind. Noch heute widmet ihm das „Bibliographisch-Biographische Kirchenlexikon" einen eigenen Artikel. Zum besseren Verständnis wäre allerdings die Kenntnisnahme des vorgenannten Links sehr empfehlenswert.

Laut BBKl war Andersen (1860 - 1940) Mitbegründer und Bundeswart des „Bundes für deutsche Kirche"

Mit einer gewissen Folgerichtigkeit, bejubelt ihn auch der Verfasser einer wüsten Hetzschrift zum Bibelforscherthema. Selbiger, unter anderem unter dem Pseudonym „Hans Lienhardt" schreibend, meint über besagten Herrn Andersen:
Er sei ein
Zitat

„hervorragende Geistliche ... der, schon längst, (erkannt habe), dass die Kirche verjudet ist, dass sie sehr auf falschem alttestamentlichen jüdischen Grund fust und das Judentum ausscheiden muss."

Zu der fraglichen Zeit segelte aber die WTG noch auf Philosemitenkurs, so dass für sie damals Voten der vorgenannten Art, das waren, was für den Stier das „rote Tuch" ist.

Das BBKL notiert über Andersen noch weiter:
Zitat

„Andersen war seit 1890 Diakonus und von 1900 bis zu seiner Pensionierung Hauptpastor an der Johanneskirche in Flensburg. - Als Herausgeber des Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Kirchen- und Schulblattes war A(ndersen) ein Wortführer der kirchlichen Rechten, entwickelte sich aber seit 1904 unter dem Einfluß des Kulturphilosophen Houston Stewart Chamberlain immer mehr zum Verfechter historischer Bibelkritik und zum radikalen Gegner des Alten Testaments und »aller jüdischen Trübungen der reinen Jesuslehre«.

Er geriet deswegen 1907 und 1913 in Konflikt mit seiner Kirchenbehörde und berief sich in seiner Verteidigung vor allem auf Adolf von Harnacks »Marcion«.

Als Vorkämpfer der Deutschkirchlichen Bewegung veröffentlichte A. mit dem Professor Adolf Bartels in Weimar, dem Schriftsteller Hans Paul Freiherr von Wolzogen in Bayreuth und dem Kirchenrat Ernst Katzer in Oberlößnitz bei Dresden in der Schrift »Deutschchristentum auf rein-evangelischer Grundlage« 95 Leitsätze zum Reformationsfest 1917 und gründete Mai 1921 mit dem Berliner Studienrat Dr. Joachim Kurd Niedlich und Gleichgesinnten der Arndthochschule in Berlin den »Bund für deutsche Kirche«, dessen Vorsitzender als Bundeswart er wurde. A. trat bereits 1928 als Redner für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei auf und wurde später Schulungsleiter."

In der Auflage 1932 seines „Der Deutsche Heiland", kann man von ihm beispielsweise die Sätze lesen, dass er Religion als solches - in Sonderheit auch die in seiner Sicht „Christliche" - unbedingt erhalten wissen will. Er polemisiert in diesem Kontext etwa gegen Ludendorff, der was nationalistische Aspekte anbelangt, zwar mit Andersen auf ähnlicher Wellenlänge schwebt. Aber einen Schritt weiter ging, und für die Abschaffung des Christentums plädierte. Da mag Andersen nicht mitziehen und zieht es vor, ein Programm der „Reinigung" des Christentums (in seiner Lesart) zu verkünden.

Und zu diesen „Reinigungselementen" gehören dann wohl auch solche Sätze wie die:
Zitat

„Wir können von all diesen Dingen absehen, so gut wie bei Luther, der ja auch den 'lieben jüngsten Tag' für unmittelbar bevorstehend hielt. Wir müssen aber hier noch einen Schritt weitergehen. Offenbar sind die Zeitgenossen Jesu auch übertrieben wundergläubig gewesen."

Um noch eine „Blüte" aus dem Andersen'schen Erguss der Auflage 1932 zu zitieren. Dort meint er auch noch:
Zitat

„Hitler selbst schreibt in 'Mein Kampf' (München 1930 S. 123):
Der Protestantismus vertrete das Deutschtum besser als die katholische Kirche, versage aber wegen seiner Bindung an das Judentum und könne daher unser Volk nicht aus der Umklammerung durch diesen 'tötlichen Feind' retten."

Und der Andersen'sche Kommentar dazu:
Zitat

„Das ist leider ein richtiges Urteil; aber es wird hoffentlich aufhören, wenn die deutsch-kirchliche Arbeit erst mehr erreicht haben wird."


Man sagt wohl nicht zuviel, stellt man fest. Sowohl Andersen als auch die Bibelforscher/Zeugen Jehovas, stellen äußere Pole im Christentums-Spektrum dar, die jeweils ihren so Personifizierbaren Gegenpol äußerst kritisch (um es milde zu formulieren) bewerten.

Antworten:

Das „Goldene Zeitalter" wird zur Berichtigung gezwungen

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Das schätzt wohl keine Zeitschriften/Zeitungs-Redaktion, wenn sie unter Hinweis auf das Presserecht dazu gezwungen wird, eine „Berichtigung" zu eigenen, früheren Aussagen abzudrucken. Dennoch trat dieser Fall auch beim „Goldenen Zeitalter" ein. Im Jahre 1928 wurde selbiges von der deutschen Aluminiumindustrie gezwungen, eine Berichtigung abzudrucken (Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" 1928 S. 86).

Sucht man nach den Wurzeln dieses Umstandes, stößt man unweigerlich auf einen einschlägigen Artikel in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 1. 1928. Selbiger vermerkt zwar zum Schluss, dass er aus der amerikanischen Ausgabe des „Golden Age" in Übersetzung übernommen worden sei. Aber das an sich, ist ja noch kein Entschuldigungsgrund. Gleiches gilt ja auch für diverse andere Artikel des „Goldenen Zeítalters".

Schon die gewählte Überschrift ist bezeichnend. Sie kündet von
Zitat

„Krankheit und frühes Grab durch die moderne Küche"
.
Schon verständlich, wenn ein vermeintlicher oder tatsächlicher Urheber solchen Umstandes, sich dagegen zur Wehr setzt.

Das Aluminium-Thema wurde dann ja von den Bibelforschern/Zeugen Jehovas, auch noch in den nachfolgenden Jahren thematisiert, völlig unbeeindruckt von dem Umstand, dass da schon mal eine Presserechtliche Gegendarstellung erzwungen worden war.

Als Autor des inkriminierten Artikels nennt das GZ einen „William Bold", welcher „Direktor der Gesundheitsliga in den Vereinigten Staaten von Nordamerika" sei.
Nun mag der geneigte Leser interessiert sein zu erfahren, was denn Herr Bold seiner andächtig lauschenden Leserschaft alles so mitzuteilen wusste. Im nachfolgenden seien einmal die Hauptaussagen seiner Ausführungen kommentarlos vorgestellt.

Herr Bold berichtet:
Zitat

„Im Februar dieses Jahres erkrankten gelegentlich eines Festessens des Eltern-Lehrer-Vereins in Kansas City mehr als 150 Personen, die von der aufgetragenen Speise genossen hatten. Die Speise war in Aluminium-Geschirr zubereitet worden, und hatte eine Zeitlang darin gestanden.

Dann bemüht das GZ einen seiner Haus- und Hof-Kronzeugen
Zitat

Dr. Betts aus Toledo, Ohio. Von dem viele der hier benutzten Angaben herrühren, drängte im Interesse der allgemeinen Gesundheit und auf Grund umfangreicher, von ihm geführter Untersuchung und Erforschung sehr bald darauf, daß die behördlichen Nachprüfungen sich nicht nur auf bakterielle, sondern auch auf mineralische Vergiftung erstrecken: nämlich auf die Erforschung der Aluminium-Chemie. Er erbot sich, die Summe von 500 Dollar zu hinterlegen, um die Kosten für ein anderes Essen zu bestreiten, das wieder in Aluminium-Geschirr gekocht würde, und das Geld zu verlieren, wenn wiederum 150 Personen - n i c h t vergiftet würden. Scheinbar hatte der Doktor einen Mißerfolg: sein Anerbieten wurde nämlich nicht angenommen."

Weiter weis genannter GZ-Autor mitzuteilen:
Zitat

„Wenn der Leser nach Vorführung von Beweismaterial doch noch geneigt ist, Erfahrungen außer seinen eigenen zu bezweifeln, so sei das folgende kleine Experiment empfohlen:
Etwas Wasser ¼ Stunde lang in einem reinen Aluminium Napf und eine gleiche Menge in einem Porzellangefäß kochen, jede Probe in ein besonderes, reines Glas gießen und eine halbe Stunde stehen lassen. Dann beide Proben gegen das Licht halten. Das Wasser aus dem Porzellangeschirr ist klar, während das andere einen weißen Niederschlag zeigt. Dieser Niederschlag ist Aluminium-Hydroxyd, ein Chemikal, das in ausgedehntem Maße bei der Behandlung von Magenkrankheiten, wie schlechter Verdauuung, Blähungen, Erbrechen, Schmerzen und Geschwüren und bei Darmkrankheiten benutzt wird.

Die Menge des Hydroxyds hängt von der Länge der Zeit ab, die das Wasser in dem Geschirr kocht oder steht. Wenn man Speisen in Aluminium-Geschirren bereitet, so erzielt man verschiedene Aluminium-Verbindungen. Wenn man z. B. Eier kocht, so entsteht Aluminium-Phosphat; bei Pökelfleisch Aluminium-Chlorid; bei alkalischen Speisen verschiedene Aluminium-Verbindungen, je nach der Art der Speise.


Wenn Sie so weiter das GZ
Zitat

eine vom Arzt verschriebene Aluminiumverbindung als Arznei nehmen und außerdem Speise genießen, die in Aluminium-Geschirr zubereitet wurde, so werden Sie unverkennbar mehr Aluminiumdrogen schlucken, als Ihnen zuträglich sind. Wenn Sie vielleicht auch kein Aluminium in medizinischen Mengen durch den Arzt nehmen, aber Ihre täglichen Mahlzeiten in Aluminium-Geschirr bereiten lassen, so bekommen Sie doch die Aluminiumdrogen, ob Sie sie nötig haben oder nicht. Und die Menge und die Art der Aluminiumzusammensetzungen, die Sie dadurch essen, sind ohne Sinn und Verstand, weil sie gar keine Möglichkeit einer Kontrolle haben.

Es ist schon gesagt worden, daß, wenn Pökelfleisch in Aluminium-Geschirr gekocht und zubereitet wird - selbst wenn dabei kein Wasser gekocht wird - dann die Verbindung von Natron mit Aluminium entsteht. Um recht zu verstehen, was dieses bedeutet, zitiere ich (Betts) Dr. Herbert Snow, der schon am 17. Oktober 1912 in einem in den 'Chicago Daily News' veröffentlichten Artikel mit Bezug auf Aluminiumchloride folgendes schrieb:

Und nun folgt das Zitat:
Zitat

„... Jenes starke, narkotische, ätzende Gift war unverkennbar durch die chemische Einwirkung des in dem Speck enthaltenen Kochsalzes auf die Metalloberfläche erzeugt worden."
Dr. Snow gab dieser Darstellung nachdem er beobachtet hatte, daß die erwähnte Droge in einer Menge Fett zurückblieb, nachdem Speck in einer Aluminiumschüssel gebraten worden war.

Weiter das GZ
Zitat

Bedeutende Chemiker behaupten, daß Aluminium-Hydroxyd den Magensaft in Ihrem Leibe angreift. Das aber ist die Droge, die Sie zu sich nehmen, wenn Sie Flüssigkeiten genießen, die in Alumiumgeschirren gekocht wurden aber standen. Um Ihre Speise richtig zu verdauen, müssen Sie normalen Magensaft haben. Aber nachdem sich Aluminium-Hydroxyd mit der Verdauuungsflüssigkeit des Magens vermischt hat, neutralisiert es diesen und saugt ihn auf; was soviel heißt, wie den Menschen dieses wichtigen Verdauuungsstoffes berauben.

Die Natur versucht stets, die nötigen Bedürfnisse zu beschaffen, und so ist sie auch bemüht, wenn Ihr Magensaft durch Aluminiumdroge beseitigt ist, mehr Magensaft zu bereiten, indem sie Überstunden macht, wie man sagt. Aber schließlich, wenn sie fortfahren, Ihren Magen mit Aluminium-Hydroxyd zu beladen, gewinnt diese Droge den Sieg und bleibt als ein Gift im Magen.

Eine weitere „Autorität
Zitat

Diese Meinung brachte auch Dr. Vaughn, ehemals Dekan der medizinischen Abteilung der Universität Michigan, zum Ausdruck. Vor der Bundes-Handels-Kommission sagte er:
„Die Schlußfolgerung ist, daß Aluminiumsalze im menschlichen Körper schädlich sind ..."; eine Schlußfolgerung, die er auch vor einem Senatsauschuß geäußert hatte.

Dr. Guigan erklärte, indem er vor der Bundes-Handels-Kommission in Washington über die Wirkungen des Aluminiums sprach: „Wenn es innerlich genommen wird, so wird die Wirkung durch den chemischen örtlichen Einfluß auf den Magen und Darm veranlaßt; und die durch die Verbindung von Metall mit Eiweiß frei gewordene Säure durchdringt mit zusammenziehender Wirkung die Gewebe. Die örtlichen Rückwirkungen sind Verlust des Appetits, Schmerzen und Unbehagen, Übelkeit, Erbrechen, Abführen, Blutandrang und von reizender und ätzender Tätigkeit herrührende Blutungen. Auch Geschwüre mögen durch bakterielle Einwirkung auf totes Gewebe entstehen."

Diese Ansicht, die unter Eid abgegeben wurde, bedeutet in die Laiensprache übertragen, daß, nachdem die Aluminiumverbindungen im Magen Verwüstungen angerichtet und die Widerstandskraft dieser Teile geschwächt haben, die Bakterien, die stets gegenwärtig sind, aber die gesunden Organe nicht versetzen konnten, jetzt ungehindert ihr zerstörendes Werk an dem unbeschützten Gewebe tun können.

Die Schlußfolgerung des GZ dann:
Zitat

Wir nehmen an, daß der Leser skeptisch sein und sorgfältig alles „Für und Wieder" erwägen wird, bevor er sich entschließt, das glänzende Aluminiumgeschirr, das seine Küche schmückt, auf den Abfallhaufen zu werfen; und müssen deshalb noch ein wenig mehr Beweismaterial vorlegen.

Indem wir unsere Nachforschungen fortsetzen, erfahren wir, daß Harry Gideon Wells, Professor der Pathologie an der Universität Chicago, etwas über die Wirkung der Aluminium-Verbindungen auf rote Blutkörperchen zu sagen hat. Er erklärte:

„Aluminium-Verbindungen in Lösungen können von irgendeinem Teile des Darmkanals in den Blutstrom gelangen, vom Munde bis zum After. In dem Augenblick, in dem eine solche Verbindung die Oberfläche der Darmwand passiert hat und in die Blutgefäße der Darmwand eingetreten ist, kommt sie in Berührung mit den roten Blutzellen und veranlaßt diese Körperchen, sich zusammenzuziehen oder zu verklumpen, und Gelegenheit zu nehmen, genau die schädliche Wirkung hervorzubringen, als ob die Aluminiumzusammensetzung unmittelbar in den Blutstrom eingeführt worden wäre. Das Bestreben der roten Blutkörperchen, zu verklumpen, ist eine sehr ernste Sache, da solche Körperchen brüchig werden und zerbrechen und zu Blutarmut oder Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen führen. Man kann alles Gift, das durch den Mund aufgenommen wird, in den Ausscheidungen des Darmes darstellen und doch den Beweis von Giften in entfernten Teilen des Körpers erbringen."

Während der Behandlung von Patienten wegen Blutarmut war der Verfasser (Betts) dieser Zeilen in mehreren Fällen geradezu ärgerlich und in Verlegenheit über die langsame Besserung dieser Patienten; und er fand wiederum andere, die einen Rückschlag erlitten, nachdem schon ein gewisser Fortschritt erzielt worden war. Seine Beobachtungen, daß andere Familienmitglieder der Patienten, die auch blutarm waren, seiner Behandlung besser entsprachen, führte zu Nachforschungen; und es stellte sich heraus, daß diese Patienten ihre Mahlzeiten meist in Restaurants einnahmen (wo damals Aluminium-Geschirr selten benutzt wurde), während die „zuhause bleibenden" Patienten gänzlich „zuhause" aßen, wo alle Speisen in Aluminium-Geschirr zubereitet wurden. Als dieses Geschirr beiseite getan wurde, wurde der Fortschritt im Zustand der Patienten befriedigend; und schließlich erfolgte Genesung.

Andere haben die Beobachtung gemacht, daß Kranke, die über verschiedene Magen- und Darmstörungen klagten, ohne irgendeine Behandlung genasen; sie hatten nur 6 - 8 Wochen lang das Aluminiumgeschirr nicht benutzt. Wo sich aber bereits eine ernste Krankheit entwickelt hatte, wie z. B. Krebs, da konnte die Nichtbenutzung von Aluminiumgeschirr natürlich keine Besserung bringen.

Immer mehr „Autoritäten"
Zitat

Unter denen, die den Gebrauch von Aluminium-Verbindungen in Speisen verurteilen, befinden sich Dr. Metthews (Universität Cincinnati), Williams Gries, Prof. der Biologischen Chemie, Columbia; Dr. Loenenhart, Prof. der Pharmakologie, Universiät Wisconsin; Dr. Hawk und Dr. Smith vom Jefferson Medicinal-Collegium, Philalphia; Dr. Balls, Universität Pennsylvanien, Dr. Hammeth, vom Vistar-Institut der Anatomie in Philadelphia und viele andere.

Den Ansichten, die diese und viele andere Wissenschaftler im Aluminiumstreit zum Ausdruck gebracht haben, steht die Meinung des Wortführers der Medizinischen Vereinigung und der Propagandaagenten der Aluminium-Industrie entgegen. Viele tausend Ärzte haben der Angelegenheit nicht die Beachtung geschenkt und die Sorgfalt zugewendet, die sie im Interesse ihrer Patienten verdient.

Einige haben sich durch die Darlegung der stets achtsamen Reklameagenten der Medizinischen Vereinigung beeinflussen lassen, wie sich Laien meist auf die oft unrichtige Meinung und den Rat von Journalisten-Ärzten verlassen. Ich glaube, daß die meisten Ärzte, wenn sie richtig informiert wären, ohne weiteren Aufschub ihre Patienten mit dem Gegenstand bekannt machen und ihre Aufmerksamkeit auf das Risiko lenken würden, das sie eingehen, wenn sie fortfahren, in Aluminium-Geschirr zubereitete Speisen zu genießen.

Ist es nicht seltsam, daß einige Zeitungen, die ermangelt, die vorher erwähnte Vergiftungsaffäre der 150 Personen anzuschneiden, kurz nach der Veröffentlichung der Angelegenheit durch andere Zeitungen, seitenlange Reklamen von Aluminium-Küchengeschirr enthielten? Dies ist doch ein merkwürdiges Zusammentreffen.

Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien, die Schweiz, Tschechoslowakeit, Ungarn und Brasilien verbieten den Gebrauch von Aluminium-Verbindungen in Nährstoffen, einschließlich Alaun in Backpulver. Es wird kaum bezweifelt werden, daß die genannten Länder fortschrittlich sind und die Dienste sachverständiger Chemiker, Pathologen und Ärzte zur Verfügung haben, die ohne Zweifel vor der Einbringung solcher Gesetze, die die Volksgesundheit zum Ziel haben, befragt wurden.

Was ist also der Grund, daß in Amerika mit seiner großen Aluminium-Industrie, welche 1926 für über 100 Millionen Dollar Aluminiumwert verkaufte Aluminiumverbindungen in Nährstoffen gestattet sind? Was ist der Grund, daß alle Proteste von Männern, die die Tatsache der Aluminiumvergiftung kennen, daß alle ihre Warnungen taube Ohren trafen? Daß nichts getan worden ist um die todbringende Wirkung des Aluminiums zu hemmen?

„Aber", so wird der Leser fragen, „gibt es noch andere Beweismittel, um zu zeigen, daß Krankheiten wirklich mit dem Gebrauch von Aluminium-Küchengerät zusammenhängen?"
Ich (Betts) antworte darauf mit der Statistik. Sie ist zwar trocken zu lesen, aber sie nötigt Aufmerksamkeit ab.

1911 war Aluminium für Kochgerät wenig bekannt. 1920 war die Ausbeute 41 Millionen Dollar; und seither hat der jährliche Verkauf die 100 Millionen-Grenze erreicht.

1911 hörte man wohl von einem alten Manne oder von einer alten Frau, die an Krebs starben. Seitdem aber der Name Aluminium im Haushalt heimisch und ein Sprichwort der Küche geworden ist, ist eine ungeheure Zunahme der Krankheiten aller Art des Magens und des Darmes zu verzeichnen. Diese Zunahme lief parallel mit der Zunahme des Verkaufs von Aluminium-Küchengerät."

[Redaktionelle Einfügung:
An dieser Stelle mag es angebracht sein, die GZ-Zitierung zu unterbrechen. Wie eben zitiert unterstellt der GZ-Autor
Zitat

„seit 1911" habe „eine ungeheure Zunahme der Krankheiten aller Art ..."
stattgefunden. Und er setzt diese - so nicht bewiesene - These in einem ausdrücklichen Zusammenhang mit der vermehrten Verwendung von Aluminium-Küchengerät. Das dürfte sich wohl als der entscheidende Knackpunkt erwiesen haben, welcher der Aluminium-Industrie die Handhabe bot, die Veröffentlichung einer Gegenerklärung im deutschen „Goldenen Zeitalter" zu erzwingen. Weiter in der Zitierung des GZ]:
Zitat

„Wenn Sie es mit Ihrer Logik und Ihrem gesunden Verstande vereinbaren können, dann verletzen Sie Ihr besseres Urteil und schreiben dieses verhältnismäßige Anschwellen, dieses Schritthalten von Krankheit und Aluminium-Gebrauch einem zufälligen Zusammentreffen zu. Aber wenn Sie so urteilen, dann sollten Sie auch nicht dem plötzlichen Anwachsen irgendeiner besonderen Krankheit zu einer Epidemie Aufmerksamkeit schenken, und nicht nach Ursachen solcher Umstände suchen. Sie müssen dann auch konsequent sein und alle solche Dinge dem Zufall zuschreiben.

Die gegenwärtige Statistik belehrt uns, daß auf je fünf Todesfälle Erwachsener in den Vereinigten Staaten von Amerika einer auf Krebs zurückzuführen ist. Das ist eine Zunahme von 100% auf Tausend, seitdem der Gebrauch von Aluminium-Geschirr allgemein geworden ist. Wann hörten wir v o r der Einführung des Aluminium-Kochgeräts wie es jetzt der Fall ist, von Krebskrankheiten zwischen 13 und 19 Jahren?

Ist es nicht vielsagend, daß Aluminium-Hybroxyd die vermehrte Entstehung von Chlorwasserstoff (Salzsäure im Magen) bedingt? Und ist es nicht wie ein „Mene Tekel", daß jeder Krebskranke zuerst Aridosis hat. Mit anderen Worten:
Dem Krebs geht allgemein gerade d e r Zustand vorauf, den Benutzer von Aluminium-Verbindungen in ihrem Körper hervorrufen: Aridosis.

Noch viel könnte geschrieben werden (meint Betts), wollte man versuchen, die Meinungen derer anzuführen, die sich zu Protokoll vernehmen ließen, um Aluminium in Nahrungsmitteln zu verurteilen. Aber welchen Nutzen würde das haben? Wer nach Darlegung obiger Tatsachen nicht auf dem Wege ist, eine Anti-Aluminium-Stellung einzunehmen, ist eben unvernünftig.

Sollte es nicht wichtiger sein, wenn Forscher, die auf ihren besonderen Gebieten ausgebildet sind, anerkannte Wissenschaftler, ihre Entdeckungen kundtun, als wenn diejenigen widersprechen, die wohl am lautesten schreien, denen aber noch keine genaue Untersuchung Kenntnis oder wissenschaftliche Erfahrung zur Seite steht, auf die sie ihre Ansprüche gründen könnten? Sollte die Darlegung irgend jemandes, der direkt oder indirekt an der Aluminium-Industrie interessiert ist, die Meinung aufrichtiger, vorurteilsloser und ausgebildeter Männer der Wissenschaft überwiegen können?

Die Leugner und Verschreier der Aluminium-Gegnerschaft müssen ein großes Vertrauen in die Unwissenheit der Massen setzen, daß sie die Meinung der wissenschaftlichen Welt herausfordern. Solange die Masse verhindert wird, die Wahrheit zu erfahren, werden die Aluminium-Industrie und diejenigen, die in ihrem Schlepptau sind, ein gutes Geschäft machen. Es ist die Menge, es sind die Massen, die bezahlen, wie die zahllosen siechen, invaliden und sterbenden Kranken im ganzen Lande und ihre beraubten Angehörigen beweisen. ...."

Zum Thema ist auch zu vergleichen.
19302Aluminiumstreit

von Drahbeck - am 17.01.2013 22:34

Tannenberg

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Ein Tagespolitisches Schlaglicht, in Kombination mit der Kirchenpolitik, kann man dem „Goldenen Zeitalter" vom 15. 1. 1928 entnehmen. Zu der darin artikulierten Kritik wäre noch anzumerken. Nichts ist so alt, wie der Ruhm von gestern. Es ist nur eine Frage von Zeit und Umständen, wenn (unter anderem) Kirchen sich in der Praxis als korrumpiert erweisen. Das erkannte schon der römische Kaiser Konstantin, mit der nach seinem Namen benannten Wende. In der Neuzeit hört diese „Konstantnische Wende" insbesondere auf den Namen „Körperschaft des öffentlichen Rechts". Die Spielregeln erweisen sich dabei als ziemlich ähnlich. Damals jedenfalls, meinte das „Goldene Zeitalter" unter der Überschrift „Tannenberg!" noch postulieren zu können. Und bevor das Zitat erfolgt noch der Hinweis, dass schon damals in der vom Magdeburger WTG-Büro veranstalteten Neuauflage des Rutherford-Buches „Die Harfe Gottes", ursprünglich vage, kriegsdienstgegnerische Passagen wegzensiert wurden. Ein Nachweise dafür auch in
Herrberger

Zum Thema „Tannenberg" schrieb damals noch das GZ:
Zitat

„Die ganze Welt sprach von 'Tannenberg', weil das Wort vor einigen Wochen durch den ganzen Blätterwald ging. Aber nicht nur in Deutschland wurde davon gesprochen, nein, alle Nationen, die sich im sogenannten 'Völkerbund' dann und wann ein Treffen geben, feierten 'Tannenberg', d. h., benutzten alle erdenklichen Gelegenheiten, Regimentsfeiern, Denkmalsenthüllungen für die Gefallenen, Kriegsgedenktage usw., um die Begeisterung für das Menschenschlachten, genannt Krieg, wach zu halten.

Das 'G. Z.' ist nicht dafür da, um diesen indirekten 'Kriegslärm im Frieden' durch Erwähnung weitere Beachtung zu verschaffen, (der Leser weiß ja, daß so etwas zu den 'Zeichen der Zeit' gehört), aber doch wird es gut sein, darauf aufmerksam zu machen, wer auch bei diesen Gelegenheiten alles andere, nur nicht Worte des Friedens und der Versöhnung findet. Nach dem 'Dortmunder Generalanzeiger' vom 21. 9. 27, wickelte sich der kirchliche Teil der Feier ab wie folgt:

Dann zitiert das GZ
Zitat

Das Einweihungsgebet:
O heiliger Gott, o heiliger, starker Gott, o heiliger unsterblicher Gott! Zu aber Tausenden stehen wir hier vereint mit den bewährten Heerführern vor Dir und weihen dieses Denkmal zu Deines Namens Ehre, zum Danke für den Sieg von Tannenberg, durch den Du, barmherziger Gott, unser Ermland und Masuren, unsere ostpreußische Heimat vom Feinde befreit und unser deutsches Vaterland vom Untergang errettet hat. Sei uns, o Gott, auch fernerhin ein starker Schirm vor dem Angesicht des Feindes. Nichts vermöge der Feind wider uns. Segne das Deutsche Reich, lasse Deine Gnade groß sein über unserem Reichspräsidenten, den Sieger von Tannenberg, erhalte ihn und stärke ihn zu treuem Dienste am Vaterland noch lange Jahre. Verleihe ihm Hilfe von Heiligkeit und beschütze ihn. Segne unser deutsches Volk. Um der gefallenen Brüder willen schenke uns Einigkeit und Friede und Freiheit. Schütze und schirme unsere Heimat und unser deutsches Vaterland. Wir halten treu zu dem Alten, wenn es sich als gut erweist. Wir alle stehen treu zu ihm bis in den Tod. Jetzt bricht die Not das Eisen, einst bricht das Eisen die Not. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Weiter im GZ:
Zitat

Was der katholische Divisionspfarrer sagte:
Kameraden! Deutsche Männer, deutsche Frauen! Der Vertrag von Versailles hat unsere alte Armee zerschlagen, aber nichts in der Welt vermag die Erinnerung an ihre große ruhmreiche, Geschichte im Herzen unseres Volkes auszulöschen! - Unser altes Heer war 1870/71 das Mittel, dessen Gott sich zum Wiederaufbau des Deutschen Reiches bediente. Seinem unvergleichlichen Heldenkampf im großen Völkerringen 1914/18 ist es zu danken, daß die Einheit des deutschen Volkes erhalten geblieben ist. Auf den Grundfesten, die durch die alte Heeresmacht geschaffen wurden, ruht auch die heutige: der neue Staat. So ist es naturgemäß, wenn in unserem Vaterlande sich immer wieder das Verlangen geltend macht, den Ruhm unserer alten Armee forttönen zu lassen. Auch der heutige Tag gilt ihr, Hindenburg! - Tannenberg! - Erinnerungsklammern des Sieges flammen auf in unserer Brust! Die „geata die per Germanos", die Toten, die Gott durch die Deutschen auf dieser heiligen, mit Blut getränkten Heimaterde vollbracht hatte, sollen wir mit Stolz feiern! ..."


von Drahbeck - am 20.01.2013 00:48

Hier ein bisschen gebogen, dort ein bisschen gezerrt ...

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Es ist für das „Goldene Zeitalter" „Ehrensache" zu glauben, man lebe in der Endzeit. Das Faktum von Erdbeben spielt im diesbezüglichen Argumentations-Szenario, sicherlich keine untergeordnete Rolle. Nun gibt es wohl von Zeit zu Zeit auch den Umstand, dass mit der Materie befasste Wissenschaftler, sich zu diesem Thema auch in der Öffentlichkeit äußern. Nicht, um nun expressis verbis die WTG-Theorien zu bestätigen; sondern lediglich um ihre Sicht - aus der Sicht des Wissenschaftlers - mitzuteilen.

Kommt der WTG ein solcher Artikel zu Gesicht, erlebt man es ja nicht selten. Hier ein bisschen gebogen, dort ein bisschen gezerrt, und nur die „Hälfte" der Ursprungs-Aussage zitiert. Und schon „passt" das alles in die WTG-Theorie. Immerhin gab es in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 2. 1928 solch ein Veranschaulichungsbeispiel. Da gewährt die Redaktion des „ Goldenen Zeitalters" sogar einen Einblick, wie sie denn solche Artikel für sich „passend" zu machen pflegt. Einige Auszüge aus diesen GZ-Ausführungen. Einleitend wird ausgeführt:
Zitat

„Die Berliner Illustrierte Zeitung bringt in ihrer Nr. 44 vom 30. Oktober 1927 einen Artikel mit dieser Überschrift („Was ist mit unserer Erde los?"), in dem der Verfasser darlegt, daß kein Anlaß zur Nervosität vorliegt, weil die Erde schon immer gebebt habe, man habe die Beben nur in der Gegenwart besser registrieren können, ja die Erde bebt dauernd. Die modernen Bebenstationen, über die ganze Erde verstreut, verzeichnen mit ihren Empfindlichen Instrumenten Jahr für Jahr rund dreißigtausend Erdbeben, oder jeden Tag mehr als 80. In Japan allein beobachtet man etwa 600 Beben jährlich. Es hätten sich also nur die Erdbeben-Meldungen vermehrt, nicht die Beben selber. Die Erde ist dadurch nicht bedroht. Die Erdrinde befindet sich in einer unaufhörlichen Umlagerung gegen den fortschreitend erkaltenden Erdkern zu. Die Umlagerungen machen sich als Beben oder Erdstöße besonders dort bemerkbar, wo steile, tiefe Einbuchtungen der Erdoberfläche vorhanden sind. Das ist dicht westlich von Japans Küste der Fall, wo sich im Meeresboden eine sehr tiefe, steile Rinne befindet, das Tuscarora-Tief, etwa 8 Kilometer unter dem Wasser. Unter dieser „Schlucht" befinden sich die meisten Herde der japanischen Beben."

In seinem Kommentar dazu meint dann das GZ:
Zitat

„Wenn nun der Wissenschaftler diese vielen Erdbeben als nichts Besonderes oder Außergewöhnliches darzustellen sucht, weil das schon immer so war, so wissen doch Bibelforscher, daß zur Zeit des Endes des Zeitalters „große Erdbeben sein werden an verschiedenen Orten, als Zeichen der Wiederkunft unseres Heilandes."

Im weiteren Verlauf der GZ-Ausführungen räumt selbiges ein:
Zitat

„Wir wollen dem unbekannten Artikelschreiber zugeben, daß schon immer so viele Erdbeben waren, obwohl er das nicht beweisen kann, eben weil sie früher nicht registriert werden konnten."

Damit lässt es aber das GZ nicht bewenden (man ahnte es schon) und betont:
Zitat

„Wir wissen auf Grund der Bibel, daß das Jahr 1874 maßgebend für die Wiederkunft unseres Herrn ist."

Und von dieser These ausgehend meint man ab diesem Zeitraum besonders viele Erdbeben wahrzunehmen. Die vorher selbst zugegebene Einschränkung, dass eine umfängliche Registrierung von Erdbeben, so in früheren Jahrhunderten nicht stattfand, erweist sich als nicht realisiertes Lippenbekenntnis. Man will eben wissen, 1874 sei das magische „Wendedatum", und wer diese These eben nicht zu teilen vermag, wird nicht anerkannt; zumindest nicht vom GZ.

Das alles läuft auf die bekannten Zirkelschlüsse hinaus. Was man will, dafür werden eben auch die passenden Argumente zurecht gebogen.

von Drahbeck - am 21.02.2013 04:30

Radio-Vortrag

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
Sowohl in der Schweizer als auch der deutschen Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 2. 1928 konnte man die nachfolgende Vorankündigung lesen:
Zitat

„Radio-Vortrag von Radiostation Bern (Wellenlänge 411)
Wir möchten hiermit unseren geschätzten Lesern bekannt geben, daß erstmals am 19. Februar 1928 um 19.30 Uhr abends ein Radio-Vortrag von der Radio-Station Bern über das Thema „Radio als Förderer von Menschlichkeit und Christentum" ausgestrahlt werden wird. Jedes Mitglied des „Radioklubs Goldenes Zeitalter" und überhaupt jeder Leser des Goldenen Zeitalters, der einen Empfangsapparat besitzt, ist hierdurch gebeten, auf diesen Vortrag einzuschalten und den Empfang nebst Anerkennung der Radiostation direkt mitzuteilen."

Zu registrieren ist allerdings, dass die Berner Ausgabe den 25. (nicht den 19.) Februar als Termin nennt.

Das die WTG in der Richtung sowohl in Deutschland als auch der Schweiz, große Anstrengungen unternahm, ist unstrittig. „Anfeuernd" dürfte da ohne Frage ihr eigener Sender WBBR in den USA, und die kommerzielle Nutzung weiterer Radiosender, dort gewirkt haben.
Es ist allerdings eines nach „süßen Früchten" zu gieren, die bekanntlich nicht selten, ziemlich hoch hängen. Ein anderes hingegen ist es, ob man denn diese „Früchte" auch tatsächlich bekommt.

Schon als Vorgriff auf die weitere Entwicklung in der Frage, kann gesagt werden. Es wurde nichts aus dem Radio-Vortrag über den Sender Bern!

In der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 2. 1928 findet man zwar noch eine wörtliche Wiederholung jener Reklame-Vorankündigung. Aber in der parallelen Magdeburger Ausgabe, ebenfalls vom 15. 2. 1928, liest man es schon etwas anders. Die Magdeburger Ausgabe schreibt:
Zitat

„Der Radio-Vortrag des Leiters des Berner Büros der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung, Herrn Harbeck, wird nicht wie ursprünglich angegeben, am 19., sondern am 25. Februar 19.30 auf Welle 411 von Bern gefunkt. Alle Radio-Empfänger werden gebeten, den interessanten Vortrag zu empfangen, und dem Berner Sender Bericht über den Empfang und Anerkennung für die Sendung auszudrücken. Gleichzeitig teilen wir mit, daß der von der Berliner Funkstunde für Januar in Aussicht gestellte Vortrag des Herrn Balzereit bis zum Mai-Programm verschoben wurde. Wir stellen es den Tausenden unserer Leser, die gleichzeitige Radioempfänger sind, frei, sich beschwerdeführend wegen dieser Verschleppungstaktik an die Deutsche Funkstunde Berlin zu wenden."

In der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 3. 1928 nahm selbiges dann noch wie folgt Stellung:
Zitat

„Warum fand der angekündigte Radio-Vortrag nicht statt?
Nachdem man uns über ein halbes Jahr durch allerlei Ausflüchte und Entschuldigungen hingehalten hatte, und wurde schließlich am 4. Januar dieses Jahres schriftlich die Erlaubnis erteilt, einen vorher eingereichten Vortrag am 19. Februar halten zu dürfen. Dieses Datum jedoch wurde dann auf den 25. verschoben was man uns ebenfalls schriftlich bestätigte. Unmittelbar vor dem Termin, an dem der Vortrag gehalten werden sollte, wurde das Programm dem Betriebsausschuss der Radiostation vorgelegt und dieser brach in seiner Sitzung in schnöder Weise das uns gegebene Versprechen unter dem Vorwand, dass es aus Gründen der Konsequenz gegenüber anderen privaten Religionsgemeinschaften, deren man im Kanton Bern viele besitze, ratsamer sei, den Vortrag nicht in ihr Programm aufzunehmen.
Wir möchten denn hiermit die geschätzten Leser um Entschuldigung bitten, dass sie durch die Anzeige auf den Vortrag vorbereitet und nachher enttäuscht wurden. Die Verantwortung jedoch trifft die Feinde der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Es werden nun andere Schritte unternommen und wir haben die feste Zuversicht, dass die Wahrheit sich auch in diesen Stücke bahnbrechen wird. Gleichzeitig möchten wir alle Leser des „Goldenen Zeitalters" die am Radio ein Interesse haben, bitten, Ihre Reklamation direkt an die Radio-Station, Bern, zu richten."

In der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1928, gab es erneut noch einen Bericht in der Sache. Selbiger führte aus:
Zitat

„Wir erhalten vom Berner Büro der V. E. B. folgende Zuschrift:
„Nachdem man uns über ein halbes Jahr durch allerlei Ausflüchte und Entschuldigungen hingehalten hatte, wurde uns schließlich unter Datum des 4. Januar ... schriftlich Erlaubnis erteilt, einen vorher eingereichten Vortrag am 19. Februar halten zu dürfen. Dieses Datum jedoch wurde dann auf den 25. verschoben, was ebenfalls schriftlich bestätigt wurde.

Unmittelbar vor dem Termin, an dem der Vortrag gehalten werden sollte, wurde das Programm dem Betriebsausschuß der Radio-Station vorgelegt und bei dieser Sitzung wurde dann das uns gegebene Versprechen in schnöder Weise gebrochen unter dem Vorwand, „daß es aus Gründen der Konsequenz gegenüber andern privaten Religionsgemeinschaften, deren wir im Kt. Bern viele besitzen, ratsamer sei, den Vortrag nicht im Programm aufzunehmen."

Wir möchten die verehrlichen Leser um Entschuldigung bitten dafür, daß sie durch die Anzeige auf den Vortrag vorbereitet und dann enttäuscht wurden. Die Verantwortung hierfür ruht auf denen, die in selbstsüchtiger Weise versuchen, die Rechte und Freiheiten ihrer Mitmenschen einzuschränken. Es werden nun andere Schritte unternommen werden, und wir haben die feste Zuversicht, daß die Wahrheit sich doch Bahn brechen wird.

Gleichzeitig möchten wir alle Leser des „Goldenen Zeitalters", die am Radio Interesse haben, bitten, ihre Reklamationen direkt an die Radio-Station Bern einzusenden.

Trotz dieser ablehnenden und treulosen Haltung der Radio-Station Bern wurden wir gebeten, uns finanziell an dem Bau einer neuen Station in Zürich zu beteiligen. Wir werden die Leser über den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit unterrichtet halten.
I. B. V. Bern
Diese eigenartige Stellung der Radio-Station Bern dürfte auch unsere deutschen Leser interessieren."

Man geht wohl nicht fehl in der Annahme. Selbst wenn jener beabsichtigte Vortrag gesendet worden wäre, hätte man ihn zusätzlich im „Goldenen Zeitalter" mit abgedruckt vorgefunden.
Es ging in diesem Fall also vor allem um die damit verbundene Imageaufwertung. Weniger um die Inhalte. Man ahnt es schon. Nachdem also die Radio-Publizierung „geplatzt" war, stellt „stolz wie Oskar" das GZ in seiner Ausgabe vom 1. 5. 1928, diesen Vortrag noch im Detail vor.
Da liest man dann folgendes (zitiert nach der Magdeburger Ausgabe):
Zitat

„Beinahe über Radio gesandt!
Auch die Schweizer Leser des Goldenen Zeitalters erleben ununterbrochen die Enttäuschung, daß das Radio, diese große, wunderbare Erfindung, welche Gemeingut der ganzen Welt, ohne Ansehen des Standes, der Religion, der Partei oder Nationalität ist, einseitig gebraucht wird und beschlagnahmt ist für Parteiinteressen verschiedenster Art. -
Man hatte der Schweizer Zentralstelle der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung fest zugesagt, selbst den Termin angekündigt, den nachfolgenden Vortrag über Radio zu funken. Auf Grund von Treibereien gewisser Konkurrenz-religiös eingestellter Kreise zuckte man dann zurück. Man lese diesen Vortrag und frage sich warum!

Radio als Förderer von Menschlichkeit und Christentum
Motto:
Und sie versprachen
Ihr Wort und brachen
Es, weil's nicht lohnet,
Wahrheit zu künden
Und Spott zu finden.

Es ist nicht meine Absicht, eine philosophische, noch eine theologische Abhandlung zum Besten zu geben. Ich bin nicht gekommen, um eine unbekannte neue Lebensweisheit preiszugeben, noch um für irgendeine religiöse Richtung Propaganda zu machen. Hingegen ist mein Zweck und Vorhaben, meine geschätzte Zuhörerschaft aus allen Kreisen für die hohe Aufgabe zu begeistern, den Radio-Engel nicht nur für Zeitvertreib und bloße Unterhaltung zu verwenden, sondern diese wunderbarste Erfindung der Gegenwart mehr und mehr als Hüter der kostbarsten Güter der Menschheit, nämlich als Förderer von Menschlichkeit und Christentum zu bestellen.

Wenn Sie dann meiner kurzen Ausführung bis zum Ende - nur eine kleine halbe Stunde - mit voller Aufmerksamkeit zugehört haben, werden Sie auch imstande sein, ein Urteil abzugeben, ob und wie weit ich mein Ziel bei Ihnen erreicht habe. Ich wiederhole das Thema: „Radio als Förderer von Menschlichkeit und Christentum."

Jedermann wird ohne weiteres zugeben, daß das Radio sich im Dienste der Menschheit täglich große Verdienste erwirbt. Man denke nur, wie manches Menschenleben gerettet wurde, weil Schiffe in Not auf hoher See Nachbarschiffe mittelst Radio eilendst zu sich rufen konnten. Oder man mache sich ein Bild von einem Flugzeug, das sich im pfadlosen Äther in Nacht und Nebel verirrte; die Mannschaft will schier verzagen und siehe - eine Radiostimme bringt Rettung und führt sie auf rechter Straße zu sicherem Landungsort.

Aber auch in weniger auffallender Weise und doch bedeutsamer Art ist diese wunderbare Erfindung in den edelsten Dienst der Menschheit getreten. Der Radio-Engel bringt Freude und Glück in das Haus der Einsamen und Verlassenen, Trost und Lebenshoffnung an das Bett des Kranken; er schürt nicht nur das Feuer des heimatlichen Herdes, indem er durch gemeinsame Unterhaltung die Familie im traulichen Kreise verbindet, sondern er leuchtet auch dem Fremdling in der Ferne und frißt das heimwehkranke Herz mit süßen Liedern, mit Sang und Klang aus der trauten Heimat.

Wer weiß, ob nicht das Radio in der Zukunft mehr als je mithelfen wird, das Mißtrauen unter den Völkern zu vernichten. Vielleicht spinnt die Radiosee schon jetzt mit Silberfäden - weit erhoben über alle Grenzen gegenwärtigen menschlichen Daseins - an einem Netz der Brüderlichkeit, das einmal die ganze Erde umspannen wird.

Niemand bezweifelt die Verantwortlichkeit der Presse als Trägerin der Zivilisation und Kultur. Aber der Rundfunk ist noch mehr geeignet als jene, die Erkenntnis der Zusammengehörigkeit der menschlichen Familie und die Tatsache, daß die Interessen der Gesamtheit auch die Interessen des einzelnen Menschenbürgers bilden, hinauszustrahlen. Ja, es ist meine aufrichtige Hoffnung und wirkliche Überzeugung, daß das Radio in Übereinstimmung mit göttlicher, wohlwollender Vorsehung in stiller, unbewußter Art eine goldene Himmelsbrücke der Nachbarlichkeit zwischen Mensch und Mensch bauen und einen Kranz der Eintracht und des Friedens unter den Völkern der Erde winden wird.

Ein moderner, deutscher Schriftsteller, Heinrich Lhotzky, schildert uns in seinem Buche „Vom Erleben Gottes", wie die höchsten Güter der Menschheit, nämlich Menschlichkeir und wahrhaft christliche Kultur am erfolgreichsten durch unpersönliches und ungezwungenes und unbewußtes Dafüreintreten vermittelt werden. Wir zitieren Lhotzkys Worte, Seite 10 bis Seite 12.

Zitat

„Wenn ich das Wort Menschlichkeit höre, ist's mir immer, als sollte man einen Edelstein aus dem Staube aufheben. Es gibt in der Welt einen geheimen Zauber, mit dem die festeten Türen gesprengt, die größten Taten verrichtet und wirkliche Wunder vollbracht werden können. Dieses Zaubermittel gibt's Wer Wunder tun will, kann es, denn das Mittel ist nicht etwa im Besitz weniger Auserwählter, sondern aller ohne Ausnahmen. Nur wissen die Menschen nicht, wie reich sie sind, und lassen ihren Edelstein im Staube liegen, ja häufen selbst noch staub darauf. Dieses köstliche Gut ist die Menschlichkeit.

Im rein Menschlichen liegt unsere beste Kraft und größte Macht. Es ist nur bei vielen tief vergraben unter dem Gebildeten, oder dem Geadelten, oder dem Besitzlichen, oder dem Religiösen, oder dem Politischen, oder irgendwelcher bunten Torheit, mit der wir uns zu behängen lieben. Aber wer irgendeinen Wirkungskreis haben will, wer irgend etwas Weitergehendes leisten will, kann es nur durch seine wahre Menschlichkeit.

Je wahrer, je einfacher und klarer ein Mensch ist, desto nachdrücklicher wird er sich auswirken. Je gekünstelter, geschraubter und absichtlicher jemand sich gibt, desto mehr schrumpft sein Wirkungskreis zusammen. Wer harte Herzen erschließen, Widerspenstige zähmen, Menschen, Tiere und die ganze Natur überwinden will, muß alles Berechnete, Überstiegene, Gewalttätige ablegen und mit einem wahren Kinderherzen voll Vertrauen, voll Freude und Herzlichkeit, voll unverwüstlichen, unverbitterten Frohsinns seine Straße gehen. Er muß mit einem Worte Mensch sein, und soweit er es sein kann, reicht sein Einfluß. Bei dem einen reicht er weiter, bei dem anderen ist er sehr eng begrenzt. Das liegt nicht in einem Tun oder einer Angewöhnung, sondern in einem ganz einfachen Sein, das angeboren oder auch erwachsen sein kann, aber nie angelernt, angewöhnt.

Eigentlich weiß das jeder ohne weiteres. Jeder Künstler, jeder Schriftsteller, jeder Lehrer und Erzieher, jeder Prediger, jeder Redner, jeder Feldherr, ja jeder Fabrikherr, jeder Kaufmann, jeder Vorgesetzte überhaupt weiß, daß sein wahrer Einfluß reicht, soweit seine Menschlichkeit geht. Man kann die Menschen auch anders zwingen, mit Gewalt, mit Wissen, mit Geld, man kann sie mit Polizeimacht Hurra zu schreien nötigen, aber jeder weiß ganz genau, daß er sich mit diesen Mitteln ebenso leicht verhaßt als lächerlich macht. Wunder wird solch einer nicht tun und weiß auch, daß er es nicht kann, und bleibt darum ewig unbefriedigt.

Aber merkwürdig. Obgleich wir alles das wissen, entschuldigen wir unverdrossen jede Schwäche mit unserer Menschlichkeit, erklären unsere Torheiten damit, daß wir Menschen sind, und wenn es in einem Kreise zu recht gröblichen Schwierigkeiten kommt, sagt man: Es menschelt. So häufen wir Staub auf den besten Edelstein dieses Planeten und vergraben unser Bestes in Schutt. Wir verstehen unsere Wahrheit nicht."

Zitat

Lhotzky führt ferner aus:

Zitat

„Menschen, die Trostquellen für Unglückliche sind, wirken sich im allgemeinen mehr unbewußt aus. Wohltätige Wirkungen entströmen ihnen wie sonnige Glücksstrahlen. Ihr ganzes Sein vermag zu trösten, nicht ihr Tun und Reden.

Sammle in dir die Strahlen des Friedens, ganz still, ganz unscheinbar, ganz verborgen und mache so wenig Aufhebens wie möglich davon. Es schadet nichts, wenn deine Augen und Mienen noch finster bleiben. Du sollst gewiß keine Friedensgesichter schneiden. Das würde dich nur verunstalten. Du kennst solche ewig freundliche Vollmondsfriedensfratzen. Sie stehen dir übel an.

Nein, sammle die Friedensstrahlen in dir, für dich. Sie werden, ohne daß du es merkst, aus dir herausleuchten und dich verklären. Nur so wird der Friede Wirklichkeit, Geschichte, Beweis für die Welt.

Um versöhnlich zu wirken, dazu bedarf man gar keiner Umstände. Man hat weder eine Partei, noch Religion, noch Konfession, noch irgendeinen anderen Menschen dazu nötig. Nur einen einzigen Menschen hat man nötig. Der ist man selbst. Man hat gar nichts dabei zu tun, nur ganz einfach eine neue, aufrichtige Haltung allen Menschen gegenüber einzunehmen, der nächsten Umgebung zuerst. Wer damit anfängt, zunächst auf weitere Kreise wirken zu wollen, ist ganz gewiß auf falschem Wege. Unser Einfluß liegt überhaupt nicht im Bereiche des persönlichen Lebens, sondern des unpersönlichen. Rechte Wirkungen gehen nur unbewußt und unwillkürlich von uns aus und sind ein Zeichen unserer geistigen Gesundheit.

Es gibt kaum ein deutlicheres Kennzeichen für die Zugehörigkeit zum Reiche Gottes als die Versöhnlichkeit. Kein frommes Gebärdenspiel, keine religiöse Sprechweise gehört zum Reiche Gottes. Nur wer mit leidet, mit trägt, mit glaubt, mit hofft, und zwar unter allen Umständen, der ist Christi, ganz gleichviel, ob er eine Religion hat, oder welcher religiösen Sonderfärbung er zugehört.

Vergeben, wie der Vater vergibt. Das ist nicht eine Kunstfertigkeit, die man erlernen kann, sondern das Natürliche, was das Reich Gottes von selbst bewirkt in dem Maße, als jemand in seinem Lichte steht, und auch der Sündigste und Stumpeste und Ungebildeste weiß ohne weiteres, daß das die Wahrheit ist für die Welt." (Seite 15-16).

Zitat

Das Radio bildet nun gerade ein solches Mittel zur Überbringung dieser höchsten Güter, weil bei einem Radiovortrag die Persönlichkeit des Redners in den Hintergrund tritt und jede Tendenz einen bestimmten Kreis von Menschen zu erreichen, dahinfällt, weil er ja nicht weiß, wo und von wem seine Stimme gehört wird. In diesem Sinne und ohne dabei irgendeine bestimmte Richtung zu vertreten, möchte ich Ihnen noch eine kurze biblische Begebenheit erzählen, die deshalb für unsere Zeit - so voll von materialistischer Weltanschauung - Bedeutung hat, weil in diesem Wunder der biblischen Geschichte die Hoffnung des Reiches Gottes auf Erden wie der Schatz im Acker verborgen liegt.

„Ein gewisser stadtbekannter Krüppel saß wie gewöhnlich an seinem Platz in der Nähe der schönen Pforte des Tempels auf der Treppenstufe, wohin er Tag für Tag getragen wurde, um von mitleidigen Menschen beachtet zu werden. Er war als Krüppel auf die Welt gekommen und hatte nie die Freude froher Kinderspiele gekannt. Manchmal, wenn er dem bunten Treiben der Menge zuschaute, muß ihm tiefer Schmerz am Herzen genagt haben. Ach, daß er doch einmal sich der jubelnden Menge anschließen könnte, wenn sie hinaufging in den Tempel an den Feiertagen! Mit der Zeit hatte er sich daran gewöhnt, seinen bitteren Schmerz zu verbergen, und er brachte es so weit, daß ein leichtes Lächeln über sein sonst so verschlossenes, bleiches Antlitz huschte, wenn jemand auf der Treppe zögerte und ein Almosen in seinen Schoß warf. Heute aber war die Stadt in großer Aufregung über diese neue Lehre von der Wiederherstellung aller Dinge und über das eigentümliche Auftreten dieser ungelehrten Fischersleute aus Galiläa. Hier kommen jetzt zwei dieser Männer, die so viel Aufsehen erregen - Johannes und Petrus wenden ihre Schritte dem Tempel zu; - ob sie ihn, den Bettler, wohl bemerken werden? Wie sie näher kommen fleht er sie an um eine Gabe. Die Apostel blicken mitleidsvoll auf diesen Armen Menschen. Dann spricht Petrus:
„Gold und Silber habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu, des Messias, des Nazaräers. - stehe auf und wandle!" Und er faßt ihn bei der rechten Hand und richtet ihn auf. Da werden plötzlich seine Füße und Köchel fest. Er springt auf, - steht, wandelt und geht mit ihnen hinein in den Tempel, um Gott zu loben." -

Der lahme Mann stellt die Menschheit dar, die gleich am Anfang ihrer Geschichte lahmt und krank wurde dadurch, daß der erste Mensch, Adam, Gottes Gebot übertrat und dadurch eigene Schuld die Strafe des Todes nebst Krankheit und Schmerz auf die ganze Menschheit brachte. Adam und Eva waren als vollkommene Menschen erschaffen und sie wohnten im schönsten Teil der Erde, die nur erst zum Teil als Heimstätte des Königs der irdischen Schöpfung zubereitet war. Diese ersten Eltern kannten weder Sorge noch Tränen, bis die böse Tat das paradiesische Glück zerstörte. Sie wurden aus Eden vertrieben und mußten im Schweiße des Angesichts ihr Brot essen, unter Dornen und Disteln ihr Dasein fristen, bis das ganze furchtbare Urteil „Sterbend sollst du sterben", „Du bist Staub und sollst wieder zu Staub werden", sich an ihnen ausgewirkt hatte. Von der Zeit an haben die Menschen sterben müssen und viele, die auf Erden gelebt haben oder heute noch leben, sitzen in trostloser, stiller Verzweiflung an der schönen Pforte des Tempels, ohne zu wissen, daß die Stunde der Befreiung und die Zeit der Wiederherstellung herbeigekommen ist.

Die schöne Pforte könnte ein Sinnbild sein von dem sich öffnenden Tor eines neuen Zeitalters, von dem Johannes sprach in Offenbarung 21: 2-4:

„Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen."

Ein bekannter Schriftsteller schildert diese goldene Zeit mit folgenden Worten:

Zitat

„Schließe deine Augen einen Augenblick vor dem Elend und dem Weh, vor der Entartung und den Mühsalen, die jetzt um der Sünde willen herrschen, und male vor dein Geistesauge die Herrlichkeit der vollkommenen Erde! Kein Flecken der Sünde stört mehr die Eintracht und den Frieden eines vollkommenen Gemeinwesens; kein bitterer Gedanke, kein unfreundlicher Blick, kein hartes Wort; Liebe aus allen Herzen quellend begegnet gleicher Erwiderung in allen anderen Herzen; Wohlwollen kennzeichnet jede Tat. Da wird keine Krankheit sein, kein Weh, kein Schmerz, noch irgendein Anzeichen von Verfall, nicht einmal die Befürchtung solcher Dinge.

Denke an alle Bilder verhältnismäßiger Gesundheit und Schönheit der menschlichen Gestalt und Gesichtszüge, die du je gesehen hast, und wisse, daß die vollkommene Menschheit von noch weit überragenderer Liebenswürdigkeit sein wird. Innere Reinheit und geistige und moralische Vollkommenheit wird jedes strahlende Antlitz kennzeichnen und verklären. So werden die Bewohner der Erde sein. Da werden den Weinenden und Trauernden alle Tränen abgetrocknet sein, wenn so das vollständige Werk der Auferstehung vor ihren Augen dasteht," -

Zitat

Der vorhin zitierte Schriftsteller Lhotzky äußerte die gleiche Hoffnung, indem er schrieb:
Zitat

„Es wird eine Zeit kommen, da werden die Menschen keine Ketten irgendwelcher Art mehr tragen wollen, keine Sklavenketten und keine Geistesketten. Da wird ein einziger Schrei aus der Menschheit gellen: Freiheit! Die Freiheit im Geiste, die Freiheit der Kinder Gottes ist das Menschheitserbe. Je näher es kommt, desto sehnsüchtiger wird die Menschheit erregt. Sie fühlt das Nahen und versteht es nicht. Darum ist sie so unruhig und unbändig. Ihr Heil kommt."

Zitat

So hoffe ich denn, daß viele meiner Zuhörer, die die Überzeugung teilen, daß wir uns auf die Schwelle einer neuen Epoche befinden, und daß die wunderbaren Erfindungen der Gegenwart als Vorzeichen einer neuen Weltordnung betrachtet werden können, mithelfen werden, durch Erben für das Radio, nicht nur als Spielzeug angenehmer Unterhaltung, sondern als Kulturträger und als Förderer von Menschlichkeit und Christentum. Sie werden mir bestimmen, wenn ich behaupte, daß das Radio in kurzer Zeit das Leben eines jeden Menschen nicht nur beeinflussen, sondern gewaltig verändern wird. Es öffnet die Tür zu Tausenden von Möglichkeiten, die noch vor 20 Jahren als unmöglich galten. Hören Sie zum Schlusse, was Herbert S. Stenson darüber sagt in einer weltbekannten Zeitung: „Die Boston Post":

Zitat

„Selbst der Durchschnittsmensch, dem es an Phantasie fehlen mag, wird zugeben, daß das Zeitalter unserer Kinder das „Radio-Zeitalter" oder die Epoche sein wird, in welcher Unmögliches möglich gemacht wird. Was ist das Radio-Zeitalter? Worin bestehen seine Möglichkeiten? Ohne Reserve behaupte ich, daß es der Menschheit letzte und höchste Epoche sein wird. Es wird Utopien sein, welches die Träumer und Wissenschaftler gesehen haben durch den Vorhang von Unglauben und Unwissenheit. Radio wird diesen Vorhang zerreißen, und wir werden in Lebenszustände eintreten, die kühnsten Träume des vorigen Jahrhunderts übertreffend. Nun, wie wird dies geschehen? Als Antwort wollen wir einen praktischen Vergleich machen mit der Vergangenheit. Alle Autos werden ohne Geräusch laufen und ihre Kraft von Radiostationen erhalten, die an den großen Wasserkraftquellen angelegt sind. Straßen und Häuser werden erleuchtet sein durch kalte immer brennende Lichter, die ihre Energie aus der Luft ziehen. Intensive Heizung wird nicht nur au unsere Wohnhäuser erwärmen, sondern auch das Freie. Das Klima wird reguliert werden.

Telefon und Telegraph werden veraltet sein. Wir werden durch Radiowellen über die Kontinente hinweg sprechen können. Ozean-Dampfer und Passagierflugzeuge werden nicht nur durch Radio getrieben werden, sondern auch gleichzeitig mit dem Ufer in steter Verbindung sein. Die Neuigkeiten der Welt, Opern und die besten Konzerte, werden in die einfachsten Häuser Freude bringen. Nicht nur die Stimme oder der Klang, sondern das lebende, atmende Bild wird auf den Flügeln des Radios fortgetragen werden und auf größte Entfernung sich wiederum entfalten in schönster Pracht. Sie werden mit Radio mit einem weitentfernten lieben Freund reden und gleichzeitig das lächelnde Antlitz sehen und antworten, als wenn Sie Seite an Seite sitzen würden.

Wasserstoff-Gas, welches bisher in nur geringen Quantitäten gewonnen werden konnte, wird durch Radio-Vibration ausgelöst werden und wird den ausgenützten Boden des kultivierten Teiles der Erde wiederum sättigen, sodaß ein Übermaß an Früchten und Blumen hervorsprießen wird. Radio-Empfangsgeräte von größter Genauigkeit werden jede menschliche Empfindung, Liebe Haß und dergleichen registrieren. Das Verbrechen wird aus der Welt geschafft werden. Ehescheidung und Laster werden aufhören, Krankheit wird aussterben. Pestillenzen werden von der Erde hinweggefegt werden. Wie? Durch Radio-Vibrationen, die mit solch ungeheurer Macht über die Erde strömen, daß sie alle Krankheitskeime töten und vernichten. Die Luft, die wir atmen, wird mit gesundheitsbringender Kraft erfüllt sein. Wir alle wissen, wie rein und erfrischend die Luft nach einem Gewitter ist. Radio wird die Ursache sein, sie immer so zu erhalten.

Wenn jemand die Gesundheit, Intelligenz und das Glück seiner Umgebung fördert, so fördert er die Kultur und die Demokratie. Er sorgt ferner dafür, daß das Christentum blüht, wo vorher Sünde und Laster hausten. Radio-Aktivität wird dieses und noch mehr tun. Radio wird ein eiserner Arm des Christentums, der Demokratie und des Lebens selbst werden. Alle Religionen sind sich einig darüber, daß wir uns in den letzten Tagen, in der Zeit der Erfüllung der Prophezeiungen befinden. Sorge, Schmerz und Sünde werden von der Erde hinweggefegt. Die Flügel des Radios sind bildlich gesprochen die Flügel des Engels, der alles Geschehen niederschreibt. Wir sind auf der Schwelle angelangt. Das Radio-Zeitalter wird des Lebens Erfüllung, der Erde höchste Krone und der Himmel sein, dem wir alle unbewußterweise zusteuern."

Zitat

Soweit dieser Bericht, der uns wiederum das Bild der unglücklichen Menschheit zeigt - sitzend an der Schwelle der schönen Pforte, die sich bald auftun wird und der ganzen Menschheit die Segnungen bringen wird, die Gott in Bereitschaft hält für alle, die ihn lieben und deren Ausdruck findet in den Worten des Dichters:

Zitat

„Der Denker"
(Aus dem Epilog „Die Weinpresse" von A. Noyes).
Jawohl, ein Hauch der Dämmerung uns're Stirne fühlt,
Obwohl wir noch umfangen sind von dunkler Nacht.
Der Schnitter „Tod" vom Pfeile sich getroffen fühlt,
Ein Gott hält an des Schicksals Schwelle Wacht.
Jehovas Geist einst schwebend über Wa'ssers Tiefen,
Durchdringt der Menschheit Sinn mit neuem Licht;
Die Völker fühlen's, die so lange schliefen,
Wie Frühling nun ihr Träumen stört und bricht.

Der Tag bricht an, der Tag, es hören die Nationen
Von weither einen Ruf, der ihnen allen gilt. -
Gestiegen seid ihr hoch, ihr Generationen,
Durch Krieg und Streit und Morden, toll und wild -
Und doch, - ein noch viel höh'res Ziel ist euch beschieden,
Im lichter'n Höhen, über aller Erdennot,
Ein Pfad der Liebe und von Frieden,
Den heil'gen Weg - den Weg - bahnt uns'rem Gott. J. H. B.

Sicherlich wird man einräumen müssen. Das ist wohl eine „Sonntagspredigt", wie sie auch von anderen kirchlichen Kreisen stammen könnte. Zumindest in Teilen. Zwar nicht plakativ, dennoch vorhanden, in ihr auch die These der Endzeit-Naherwartung. Und da selbige ja das „Markenzeichen" der WTG-Religion darstellt, ist ihre Artikulierung zugleich identisch mit einer „parteilichen Werbung", in einem „öffentlich-rechtlichen Medium". Und an Parteivoten stellen selbige sicherlich höhere Hürden, als wenn derselbe Sachverhalt im eigenen Medium (in diesem Falle das GZ) dargestellt wird. Da „trifft" sich eine „parteiliche Klientel". Ein Öffentlich-rechtliches Medium indes, kann sich so nicht parteilich vereinnahmen lassen. Es sei denn es ist Werbefinanziert. Dann „singt es das Lied dessen, der die Musik bestellt hat".

Parteiisch wirkt auch das mit enthaltene Votum in diesem Vortrag:
Zitat

„daß die wunderbaren Erfindungen der Gegenwart als Vorzeichen einer neuen Weltordnung betrachtet werden können."

Das ist dann wohl eine These, die andere Religionsgemeinschaften, zu der Zeit nicht so mittrugen. Auch da stand die WTG mit dieser These „allein auf weiter Flur".

Inwieweit eine ausländische Zeitung, wie die „Boston Post", die in diesem Vortrag auch mit vorkommt; die aber wohl kaum ein Schweizer tatsächlich lesen dürfte, und die zudem noch mit einer Aussage bemüht wird, bei der man hin- und herschwankt. Ist das nun eine „Allerwelts-Aussage"; oder eine Aussage im zeitgenössischen Rahmen bewertet, die etwas zuviel Utopie-Elemente enthält. Inwieweit die Einflechtung solcher Quellen ein besonderes „Geschick" offenbart, mag man ebenfalls anzweifeln.

von Drahbeck - am 24.02.2013 07:05

Weiteres in Sachen „Stern-Verlag"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Auf den Fall des „Sternverlages" und der von ihm verlegten Schrift „Die größte Geheimmacht der Welt", wurde schon im Kontext des Berichtes über das „Goldene Zeitalter" vom 15. 10. 1926 eingegangen.
GZ Zeitreise Jahrgang 1926
Insbesondere über die Rolle des deutschen Bibelforscher-Häuptlings Balzereit dabei, sind wohl einige ungeklärte Fragezeichen zu notieren. Wird doch unterstellt (und das ist bis heute nicht beweiskräftig widerlegt), Balzereit selbst sei der Verfasser jener Kampfschrift, die letztendlich einer gerichtlichen Bewertung zugeführt wurde.

Das diesbezügliche Verfahren lief allerdings so ab, dass nur der Verleger vor Gericht erscheinen musste. Balzereit hingegen weder als formal Angeklagter, noch als Zeuge, in Erscheinung trat. Insofern hat er es wohl verstanden, juristischen Fallstricken aus dem Wege zu gehen. Und so kann man den das Endergebnis jener Verhandlung, kaum als befriedigend „aufgeklärt habend" bezeichnen.

Nachweisbar ist auch die massive Reklame für jene Schrift in der deutschen Ausgabe des „Goldenen Zeitalters". Jene massiv gerührte Werbetrommel erzwingt schon die Frage. Und? welche auch materiellen Interessen an ihr, hatte Balzereit?
Über seinen Verlagsvertrag mit jenem Verlag, macht er ja keine Angaben. Eine Schrift die jedoch - auch dank der GZ-Reklame - in einer die Hunderttausend erreichenden Auflage erscheinen kann, dürfte wohl auch für dessen Verfasser einiges an Tantiemen abgeworfen haben. Anderweitige Interpretationen bedürfen des Nachweises. Dieser Nachweis ist bis heute nicht erfolgt.

Nun ist erneut in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 2. 1928, Reklame für diesen „Sternverlag" zu registrieren.
Es stellt sich allerdings die Frage. Ist dieser „Sternverlag" nicht blos - in diesem Falle - eine Buchhandlung, die Literatur aus anderen Verlagen besorgt und verkauft?! Sicherlich dürfte es so gewesen sein, denn die Schrift über die „Leidens und Todesgeschichte des Johann Huß" erschien in einem Konstanzer Verlag. Bereits in der Ausgabe vom 1. 2. 1926, machte das GZ für sie Reklame. Allerdings nur in der Form der Zitierung des Buchtitels, kombiniert mit der Angabe, beim „Sternverlag" erhältlich.

Wenn der sich in der Sache aber nur als vermittelnde Buchhandlung entpuppt, dann stellt sich schon die Frage. Warum ausgerechnet diese Buchhandlung? Warum überlässt man es dem Interessenten nicht selbst zu entscheiden, über welche Buchhandlung er denn bestellt. Bestellungen führen im Prinzip auch andere Buchhandlungen aus. Die Bezugsmöglichkeit für eine außerhalb des WTG-Verlages befindlichen Verlag, sind nicht zwangsläufig auf nur „eine" Buchhandlung beschränkt. Die Favorisierung des „Sternverlages" auch in diesem Falle, stellt schon erneut die Frage. Und warum? Und welches persönliches Interesse hatte vielleicht Balzereit daran?

Diesmal wählt das GZ (in der Ausgabe vom 15. 2. 1928) den Weg, durch einen Artikel mit etwas umfänglicher Zitierung aus dem in Rede stehenden Buch, das Interesse der GZ-Leserschaft zu forcieren. Selbiges aber zugleich gezielt dem „Sternverlag" als Nutznießer zuzuführen.

Wiederum ist es besonders die Antikatholische Komponente, die auch in diesem GZ-Artikel herausgestellt wird. So liest man z. B. unter der Überschrift „Roms Opfer":
Zitat

„Es ist bedauerlich, daß man in Deutschland nicht einen gleich festen Standpunkt einnimmt - gegenüber neuen Vergewaltigungsversuchen jener alten römischen Geheimmacht wie es in der Tschecho-Slowakei geschieht."

Hier baut also Balzereit schon seine bekannte Vokabel von der „Geheimmacht" mit ein.

Weiter liest man in dem Artikel:
Zitat

„Die in vergangenen Jahren erfolgte Zurückberufung des päpstlichen Delegaten und die damit verbundenen Vorgänge beweisen, daß die Tschechen nicht gewillt waren, sich ihre menschliche unverbrüchliche Freiheit rauben zu lassen durch ein arglistiges Priestertum, das die Religion und Bibel nur als Mittel zum Zweck gebraucht, um politisch einflußreich zu werden. Die ernsthafte Diskussion der Konkordatsfrage, die augenblicklich in Deutschland die Bereitwilligkeit mancher zweifelhafter Politiker, Freiheit und Bildungsmöglichkeit des deutschen Volkes zu verschachern, offenbart, war in der Tschecho-Slowakei unmöglich. Das ungerechte und haßerfüllte Handeln an Böhmens Reformator ist dort zu tief im Volke und seiner Geschichte ausgeprägt, als daß man es vergessen könnte."

Man kommt nicht umhin, dieses Votum auch als ein „Hereinhängen" in die damals aktuelle deutsche Innenpolitik zu bewerten. Was wiederum in bemerkenswerten Kontext zu dem Umstand steht, die theoretisch diesbezügliche „Neutralität" in der Praxis nicht einzuhalten.
Hatten die Katholiken damals ihre Zentrumspartei, so ist Balzereit offenbar nicht weit davon entfernt, eine „Anti-Zentrumspartei" zu kreieren.

von Drahbeck - am 24.02.2013 23:11

Blick durch eine arg getönte Brille

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
Druckt eine Zeitschriftenredaktion eigentlich alle ihr zugehenden Leserbriefe ab? Man geht wohl nicht fehl in der Einschätzung wenn man sagt: Wohl kaum. Ein sicherlich nicht gering zu veranschlagender Prozentsatz landet dabei auch im „Papierkorb". Das, was dann tatsächlich abgedruckt wird, ist das, was der Redaktion ins eigene Konzept passt; respektive von selbiger aus anderen Überlegungen als interessant eingestuft wird.

Diese Sachlage dürfte wohl auch in der Redaktion des deutschen „Goldenen Zeitalters" so bestanden haben, dass seine Auflagenhöhe ja mit Hunderttausende beziffert.
Erfolgt dann noch der Abdruck eines solchen „Leserbriefes", ohne ergänzende und kommentierende redaktionelle Anmerkungen, ist es wohl nicht schwer zu unterstellen, der vermeintliche oder tatsächliche Leserbriefschreiber, artikuliert nur das, was die entsprechende Redaktion auch selbst gerne ausspricht, es sich aber nicht in jedem Fall traut, es „ungeschützt" zu tun. Wie „schön", kann man dann einen „Leserbrief" als handhabaren Puppen-Marionette vorweisen.

Ohne eigenen redaktionellen Kommentar, oder „Richtigstellungen", druckte also das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 1. 3. 1928 einen tatsächlichen (oder vorgeblichen) Leserbrief ab. Da konnte man das nachfolgend-erstaunliche lesen:
Zitat

„An das Goldene Zeitalter!
Der Schwede Alfred Nobel, der Erfinder des Dynamits, hat ein sonderbares Testament hinterlassen. Diesem zufolge sind die Zinsen seines großen Vermögens alljährlich in vier Preisen aufzuteilen, und zwar je ein Preis für Chemie, Physik, Medizin und ein Friedenspreis. Das heißt, die Preise werden an solche Männer und Frauen gegeben, die auf den genannten Gebieten Hervorragendes geleistet haben im Dienste und zum Wohle der leidenden Schöpfung. Für 1927 ist der Friedenspreis noch nicht verteilt, wahrscheinlich weil das Nobelpreis-Komitee noch nicht imstande war, jemand zu finden, der diesen Preis verdiene. Ich würde dafür sein, daß man Dir und Deinen Mitarbeitern - ich will nicht schmeicheln - den Friedenspreis gebe. Nicht um Dich finanziell zu stützen, sondern weil Deine Tätigkeit auf dem Gebiet des Friedens völlig selbstlos und aufrichtig ist.

Für 1926 ging der Friedenspreis an drei große Politiker, die Herren, Briand, Chamberlain und an den deutschen Außenminister Stresemann.

Man gab diesen Männern den Preis wegen des Abschlusses des Locarno-Vertrages zwischen diesen Mächten. Wenn dieser Vertrag wirklich so etwas Besonderes ist, müßten doch die Völker etwas davon merken. Man macht etwas, nämlich das Gegenteil von dem, was man spricht. Sieh einmal hin nach Frankreich - England. Die Debatten in der französischen Kammer, anläßlich des Militärbudgets zeigen, daß die Väter des Locarno-Vertrages jenseits des Rheines an etwas anderes als an Frieden denken. Mit diesen diplomatischen Winkelzügen ist es gelungen, nämlich den Nationalisten, einen Abbau der Wehrmacht zu verhindern. Das schmeckt nach allem anderen, nur nicht nach Frieden. In England liegen die Verhältnisse ähnlich, in Frankreich zu Lande, in England zur See und in der Luft. Man sieht, das Nobelpreis-Komitee hat sich wohl doch in der Wahl der Träger des Friedenspreises geirrt. Der Prophet hat recht, wenn er sagt, daß die Völker zu einer Zeit ihre Pflugmesser zu Schwertern und ihre Rebmesser zu Spießen umschmieden.

Erinnern möchte ich noch an den Zusammenschluß der Rüstungsindustrie Englands und Frankreichs. Hier hätten die Träger des Friedenspreises ihre Stimme erheben sollen. Man lauscht hinein in die Finsternis und hört Waffenlärm, wie von einem großen Volke. Die Völker schauen aus nach Licht, und siehe, nur das Aufblitzen der Kanonen. Doch das Morgenrot umstrahlt die Höhen. In der Hoffnung, daß Du ohne Nobelpreis für den Frieden weiterhin wirken darfst, grüße ich Dich, liebes Goldenes Zeitalter, als Dein getreuer Leser
N. L. R."

Offenbar trug der zitierte Leserbriefschreiber wohl eine arg getönte Brille. Dinge, die ihm sein Anliegen ihm rosarotem Lichte erscheinen ließen, waren dann wohl auch solche, die man in dergleichen GZ-Ausgabe lesen konnte:
Zitat

„Die Balfourerklärung, durch die den Juden Palästina zugesprochen wurde, soll dem Umstand zu verdanken sein, daß Dr. Chaim Weizmann eine chemische Entdeckung machte, die der britischen Regierung von großem Nutzen war. Als er nach dem Preise gefragt wurde, weigerte er sich, irgendeine Summe dafür anzunehmen, und er bestand auf seinem schon so vielmals ausgedrücktem Wunsche, daß dem Juden ihr Land gegeben werden sollte.

Wie leicht es dem Herrn, Wege zu ebnen, wenn er es will, um seinem Willen hinauszuführen. Dr. Weizmann ist seit seinem zehnten Lebensjahre Zionist."

Zu der letzteren GZ-Meldung sollte man dann wohl noch hinzufügen. Zeitgenössisch spielten besonders die Antisemiten die „erste Geige" im Anti-Bibelforscherkampf. Wie eben gelesen verklärten die damaligen WTG-Anhänger aber den Zionismus als des „Herrn Wille". Auch wenn diese These später (unter Druck?!?) noch aufgegeben wurde. 1928 war es noch nicht so weit. Da hatte Rutherfords „Trost für die Juden" noch volle Geltung. Die verhinderten Nobelpreisträger von eigenen Gnaden, müssen sich also auch sagen lassen. Mit ihrer Analysefähigkeit der Weltsituation ist es wohl nicht zum besten bestellt. Anderen werfen sie das zwar auch vor. Indessen hat man nicht selten den Eindruck. Ihre Vorwürfe gleichem einem Bumerang!

von Drahbeck - am 10.03.2013 23:23

Parapack

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
In den Gestapo-Akten die Zeugen Jehovas bezüglich, befindet sich auch, mit Datum Stuttgart, den 20. November 1938, nachfolgendes Dokument:
Zitat

Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS
Der SD-Führer des SS-Oberabschnittes Süd-West
Adressiert
An das Sicherheitshauptamt
Zentralabteilung II 1 in Berlin

Im Zusammenhang mit der Vernehmung des Bezirksdieners Stikel ... wurde festgestellt, dass der Bibelforscher Heinrich Coordes, verh. Kaufmann, geb. 4. 1. 88 ... in seinem Hause angeblich durch seine Frau ein Parapack-Institut betreibt (Parapack-Packungen werden gegen Rheumatismus, Ischias usw. verabreicht).
Da sich der Verdacht nicht von der Hand weisen liess, dass auch andere Institute von Bibelforschern betrieben werden könnten, um dadurch eine einfache Verbindung untereinander aufrecht zu erhalten, wurden entsprechende Erhebungen im Oberabschnittsgebiet veranlasst. Es konnten bis jetzt - Württemberg hat seine Erhebungen bis jetzt noch nicht durchgeführt - im Oberabschnittsgebiet folgende Parapack-Institute festgestellt werden:

1.) Parapack-Institute in Haiger,
Leiterin Karolina Coordes, geb. Hentz, ... betätigte sich früher für die IBV
2.) Parapack-Institut in Kehl,
Leiterin Anna Ross, geb. Hühnerfauth ... betätigte sich früher für die IBV
3.) Parapack-Institut in Baden-Baden,
Leiterin Hermine König, geb. Müller ... betätigte sich früher für die IBV.
4.) Parapack-Institut Karlsruhe
Leiterin Marie Börgerding ... Betätigung für die IBV konnte nicht festgestellt werden.
5.) Parapack-Institut St. Georgen
Leiterinnen Christine Staiger ... Und Frida Staiger ... Betätigung für die IBV konnte nicht festgestellt werden.
6.) Parapack-Institut in Lahr,
Leiterin Else Anselm ... betätigte sich früher für die IBV.
7.) Schöttle und Kirschbaum, Parapack-Institut, Heidelberg ...
Inhaberinnen Luise Schöttle, dipl. Fusspflegerin ... und Kläre Kirschbaum, Krankenschwester ... Betätigung für die IBV konnte nicht festgestellt werden.
8.) Familie Ditschkowski, Pforzheim
Inhaber Artur Ditschkowski ... Heilpraktiker und dessen Ehefrau Emma Ditschkowski, geb. Gold ..., Bibelforscher, zur Zeit wegen Betätigung für die IBV in Haft.
9.) Parapack-Institut in Lahr
Inhaberin Berta Kölderitz ... Betätigung für die IBV nicht feststellbar
10.) Parapack-Institut in Konstanz
Inhaberin Alwine Busl ... Betätigung für die IBV konnte nicht festgestellt werden.
11.) Parapack-Institut Freiburg-Littenweiler
Inhaber Albert Lehr, Dipl. Ing. ... Betätigung für die IBV konnte nicht festgestellt werden.

Da sich unter den oben festgestellten 11 Parapack-Instituten 5 befinden, die von Bibelforschern betrieben werden, ist eine gewisse organisatorische Zusammengehörigkeit unter der Leitung von Bibelforschern möglich. Zur Gewinnung bestimmter Anhaltspunkte wird daher gebeten im gesamten Reich ähnliche Erhebungen zu veranlassen. ..."

Ein weiteres analoges Schreiben vom 8. 12. 1938 notiert:
Zitat

„Im Anschluss an das Schreiben vom 22. 11. 1938 II 113 4 - 100 33 konnte nachträglich in Erfahrung gebracht werden, dass die frühere Leiterin des Parapack-Institutes in Baden-Baden
Hermine König, geb. Müller ...
am 6. 7. 1937 festgenommen und mit 10 Tagen Haft bestraft wurde, da sie sich geweigert hatte, an einem Luftschutzlehrgang teilzunehmen. Nach ihrer Entlassung aus der Haft wurde sie von der Geheimen Staatspolizei in Schutzhaft genommen und vom Sondergericht Mannheim am 21, 1. 38 wegen Vergehens nach $ 4 der Verordnung vom 28. 2. 33 zu einem Jahr und 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Zur Sttafverbüssung befindet sie sich z. Zt. in der Strafanstalt Gotteszell.
Das Parapack-Institut wurde von ihrer Tochter Meta Koppel ... verheiratet mit einem Juden Albert Koppel ... einige Zeit weitergeführt. Nachdem ihr Gatte, der Jude Albert Koppel ... wegen Beihilfe zur Rassenschande in Schutzhaft genommen wurde, hat die Meta Koppel das Parapack-Institut aufgegeben ...
Die nochmals in Kehl angestellten Erhebungen ergaben, dass die in obigem Schreiben erwähnte
Anna Ross, geb. Hühnerfauth ... sich wegen illegaler Betätigung für die IBV im Konzentrationslager Mohringen befindet.
Das betreffende Parapack-Institut wurde daher vor einiger Zeit aufgelöst."

Soweit erstmal diese Zitate.
Die Motivation der Nazis dürfte offenkundig sein. Weniger die Existenz von „Parapack-Instituten" als solches interessierte sie. Was ihren Argwohn erweckte war eben der Umstand, dass dort eben das Bibelforscher-Milieu massiv mit vertreten war und sie befürchteten, damit sei eine weitere Organisationsschiene für die WTG-Tätigkeit gegeben. Und selbige „unschädlich" zu machen, darum ging es ihnen vor allem.

Noch etwas lehrt der Bericht. Gibt es irgendwo einen „neuen Schrei" in der Heilpraktikerszene. Man kann fast buchstäblich darauf warten, den auch im Bibelforschermilieu widergespiegelt zu finden.
Dann auch noch dieses. Man sehe sich doch mal die Biographien jener an, welche dem Bibelforscher/Zeugen Jehovas-Milieu zugehörig, in die Heilpraktikerszene aktiv eingestiegen sind. Man muss da keineswegs auf den Zeugen Jehovas Max Hollweg hinweisen (Vom Maurer über den Umweg KZ zum Heilpraktiker). Auch die Biographien der Protagonisten jener „Parapack-Institute" belegen es doch. Eine reguläre - konventionelle und anerkannte - Mediziner-Ausbildung hatte kaum einer von ihnen vorzuweisen. Höflich formuliert war es ihnen dennoch möglich, als „Quereinsteiger" wirtschaftlich nutzbare Medizinleistungen zu praktizieren. Und dabei auch noch die Gewissheit zu haben, eine zahlende Klientel dafür zu haben.

Zum Thema „Parapack" als solches soll hier nicht weiter Stellung genommen werden. Nur auf den Umstand hingewiesen werden, welcher offenbar ihn auch im Bibelforscher-Milieu begünstigte. Als Ausgangspunkt dafür kann meines Erachtens ein einschlägiger Artikel in der deutschen Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 3. 1928 angesehen werden. Er sei im nachfolgenden, noch kommentarlos vorgestellt. Das GZ schrieb:
Zitat

„Eine neue Entdeckung auf dem Gebiete der Wäremetherapie
Von H. Stricker, Dr. des Pittsburgh College of Naturropathy in Pittsburgh
Daß die Wissenschaft nicht stillsteht, sondern stets bemüht ist, auf allen Gebieten neue und bessere Metoden zu finden, ist nur zu begrüßen, und so verdanken wir auch der freien Forschung die Paraffinbehandlung, die dazu berufen scheint, besonders in der Behandlung der Fettleibigkeit und anderer Stoffwechselleiden, wie Rheuma, Gicht, Ischias, Hexenschuß usw. eine große Umwälzung herbeizuführen. Die Wärme als Behandlungsmittel leistete auch schon bisher gute Dienste bei den verschiedenen Krankheiten, nur wurde die Wärmebehandlung dadurch stark begrenzt, daß man hohe Temperaturen infolge Empfindlichkeit des Hautgebildes nicht anwenden konnte, auch wurde die Herzkraft schließlich angegriffen, und so erzielte man bei den oben genannten Leiden oft nicht den gewünschten Erfolg, da, wie schon eben gesagt, in vielen Fällen Rücksicht auf die vielfach geschwächte Herzkraft des Patienten genommen werden mußte. Deshalb ist es außerordentlich wertvoll, daß jetzt eine Behandlungsart gefunden ist, die bei diesen Leiden das Herz absolut nicht angreift und man mittels dieser Methode Temperaturen bis über 100 Grad Celsus an den menschlichen Körper bringen kann, ohne zu schaden oder unangenehm zu wirken. 70 Grad Paraffinwärme werden vom Körper nur wie lauwarmes Wasser empfunden, während erst ab 80 Grad der Begriff Hitze festzustellen ist. Bedenkt man, daß in einem Schwitzbad die Schweißabsonderung nur 200 bis 500 Gramm beträgt, durch eine Paraffinbehandlung aber die Möglichkeit besteht, die Schweißabsonderung auf ca. 5000 Gramm zu steigern, so kann man sich die Wirkung dieser Methode ausmalen. Das Paraffin, welchem medizinische Zusätze beigegeben sind, wird auf die zu behandelnde Stelle des Körpers durch besondere Apparatur schmerzlos aufgespritzt, ca. 5 Millimeter dick, und mit einem pergamentartigen Papier umwickelt. Darauf wird der Patient gut eingepackt und muß in dieser Packung ca. eine Stunde liegen. Nach dem Abnehmen der Packung erfolgt eine Einreibung mit einer Speziallösung. Der Patient wird so aus der Behandlung entlassen, daß er sich nicht angestrengt, sondern gestärkt fühlt. Letzteres ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Paraffinbehandlung. Hieraus ersieht man leicht, welchen großen Wert die Paraffinbehandlung hat, ganz abgesehen davon, daß eine Erkältung kaum vorkommen kann, wie das so leicht nach anderen Schwitzbädern möglich ist. Natürlich kann eine Behandlung nicht genügen, es ist je nach Lage des Falles eine kürzere oder längere Kur notwendig, obgleich die Möglichkeit besteht, daß zum Beispiel Fettleibigkeit durch jede Behandlung ein bis vier Pfund und auch mehr an Gewicht gemindert werden kann; dieses ist aber individuell sehr verschieden. In einzelnen Fällen habe ich sogar bis zu 8 Pfund Gewichtsabnahme durch eine Paraffin-Ganzpackung feststellen können. Das Paraffinbehandlungsverfahren stammt aus Frankreich von dem französiscchen Arzt Dr. Barte de Sandfort, dort ist es auch offiziell bei Heer und Marine eingeführt. Neuerdings wird es auch in Amerika schon geübt.

Weiter folgt die schon zu erwartende Salvatorische Klausel.
http://de.wikipedia.org/wiki/Salvatorische_Klausel
Zitat

Diese neue Art der Heilbehandlung kann aber nur dann zweckdienlich sein, wenn für sie die Anzeichen gegeben sind. Man wird beispielsweise einem Tuberkulosen, der mit Mühe und Not einige Pfund abgenommen hatte oder zufällig über sein normales Körpergewicht hinausging, keine Paraffinbehandlung (auch nicht auf dringendes Verlangen) verordnen, wie man einem schweren Herzfehlerkranken ebensowenig eine gewaltsame Paraffinkur verschreiben dürfte.

[Redaktionelle Einfügung (nicht vom GZ). Man beachte die Einschränkungen. Nicht für Tuberkulose-Kranke. Nicht für Herzfehlerkranke. Böse Zungen können das auch anders formulieren. Wieder einmal ein Verfahren, das bereits Gesunden, Gesundheit verspricht. Weiter im Text des GZ]
Zitat

Leidet aber jemand unter einer allgemeinen, von keinem anderen schweren Leiden herrührenden Fettsucht oder einem anderen Stoffwechselleiden, wie Rheuma, Gicht, Ischias usw., so ist das Paraffinverfahren sicherlich angebracht. Eine genaue Kontrolle der körperlichen Funktionen ist dabei immer unerläßlich. Wer sich darum solch einem Verfahren unterziehen möchte, sollte sich stets einer gründlichen Untersuchung bei einem tüchtigen Arzt oder einem Heilkundigen - der möglichst mit dieser neuen Behandlungsart vertraut ist - unterwerfen, und auch die Nachuntersuchung und Beratung in seinem Interesse vornehmen lassen.

Möge daher diese neue, segensreiche Methode in weiteren Kreisen bekannt werden und die ihr gebührende Beachtung finden, zum Wohle der kranken, leidenden Menschheit.

Zwei weitere Kurzmeldungen seien noch aus der Ausgabe Magdeburg des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 3. 1928 zitiert. Sie wurden zwar schon an anderer Stelle dokumentiert. Da hier aber das Prinzip verfolgt wird, Kommentare zum GZ der jeweiligen Ausgabe selbigen zuzuordnen, nochmals ihre kommentarlose Zitierung.
Auf der Seite 92 (Ausgabe Bern S. 91) liest man in der Rubrik „Aus unserem Fragekasten":
Zitat

„Frage: Was kann ich tun, um mein Kind ungeimpft zu lassen, da ich große Impfschäden kennen gelernt habe und deshalb in Sorge um die Gesundheit meines Kindes bin?

Antwort: Wir empfehlen Ihnen, sich an den Verband der Impfgegner e. V. Leipzig-O. 28, Paulinenstr. 21 zu wenden, der mannigfache Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hat. Der Verband wird ihn gerne Auskunft erteilen."

Die zweite Meldung hingegen, druckte nur die Magdeburger Ausgabe des GZ (S. 86) ab. Nicht jedoch die Berner. Sie besagte:
Zitat

„Berichtigung
Es ist nicht richtig, dass Aluminium und seine Verbindungen die Ursache für zahlreiche Erkrankungen des Magens und der Därme ist. Weiter ist nicht richtig, dass insbesondere die Krebskrankheit durch das Aluminium oder seiner Salze hervorgerufen oder verbreitet wird.
Vielmehr ist richtig, dass das Aluminium und seine Verbindungen vollkommen ungiftig sind und vom gesundheitlichen Standpunkt aus keinerlei Bedenken gegen eine Verwendung als Geschirr in Haushaltungen, Hotels und Krankenhäusern zu erheben sind. Das ist auch der Standpunkt des Reichsgesundheitsamtes in seinem Gesundheitsbüchlein wünschen S. 105.
Reichsverband der deutschen Aluminiumwaren Industrie
gezeichnet Dr. Görnandt
Redaktionelle Notiz
Wir bringen nebenstehend eine gemäß § 11 des Pressegesetzes uns übermittelte Eingabe das Reichsverbandes der deutschen Aluminium-Industrie zum Abdruck.
Wir bemerken dazu, um Missverständnisse bei unseren Lesern vorzubeugen, dass wir keineswegs den Standpunkt des Verbandes ohne weiteres teilen. Es würde aber über den Zweck und Rahmen unserer Zeitschrift hinausgehen, wenn wir die Frage, ob die Benutzung von Aluminiumgeschirr im Haushalt gesundheitsschädliche Wirkungen haben kann wissenschaftlich erörtern wollten .
Die Schriftleitung.


Über eine Fortsetzung zum Thema Aluminiumstreit, wird dann noch im Bericht über die "Goldenes Zeitalter"-Ausgabe vom 1. 6. 1928, weiteres zu berichten sein.

Beispiel wie sich der „neueste Schrei Parapack", auch im Anzeigenteil der „Freiburger Zeitung" wiederfand.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=04&day=14a1&year=1932&month=09&project=3&anzahl=4

Kritisch wäre anzumerken. Wenn ausgebildete Fachmediziner im Einzelfall die Verwendung dieser Methode als
sinnvoll ansehen .. Nun gut.
Es ist jedoch der Status erreicht, so wie für Joghurt und anderes, als vermeintlches „Wundermittel" per Zeitungsinserate geworben wurde. So auch im Falle Parapack.
Der Medizinlaie, als welcher der gewöhnliche Zeitungsleser anzusprechen ist, ob der wirklich beurteilen kann, was da angepriesen wird, ist eher zweifelhaft. Das alles gleicht eher dem Bereich irreführender Werbung aus materieller Interessenlage gespeist.



Übrigens war das „Goldene Zeitalter" im Jahre 1924 auch auf den Yoghurt-Reklamezug mit aufgesprungen, als vermeintliches „Wundermittel".
Siehe dazu auch:

GZZeitrreise 24
Dort der Eintrag vom: 19. Juni 2009 05:06

von Drahbeck - am 25.03.2013 04:08

Samoa

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Im Dezember 1899 gelang es dem vermeintlich unrechtmäßig vom „Platz an der Sonne" verdrängten Deutschland. Oder anders formuliert:
Im Jahre 1899 gelang es Deutschland, dass im Vergleich zu anderen Kolonialmächten, was den „Erwerb" von Kolonien anbelangte, nicht sonderlich erfolgreich war. Andere Kolonialmächte hatten da weitaus größere Gebiete eingeheimst. Also nun im Dezember 1899 konnte der verhinderte „Möchte-gern-groß-sein", doch noch einen Erfolg verzeichnen. Nicht mittels Kriegsschiffen, wie denn solche Eroberungen im allgemeinen abzulaufen pflegten (nicht selten genug Vorläufer habend, die dem zu „kultivierenden" Volke erst mal die Bibel brachten). Was selbige dann im Rückblick nicht selten so kommentierten:
Zitat

„Früher hatten wir das Land - und ihr die Bibel. Jetzt haben wir die Bibel und ihr das Land".

Als Ausnahme von dieser Regel, waren es also nicht Kriegsschiffe und Missionare, die da ihr „Kultivierungswerk" veranstalten. Nein, als Ausnahme wurden am Diplomatentisch ein „Deal" geschlossen.

Ort der Begierde: Samoa in der Südsee, ein Inselstaat. Handelnde Akteure:
Großbritannien, die USA und Deutschland. Auch namentlich die USA befanden, Samoa habe kein Recht, Selbstständig zu sein. Gemäß dieser Doktrin krallten sie sich dann auch etliche Inseln davon ein und erklärten die nun zu amerikanischem Staatsgebiet.

Waren die USA damals noch zu schwach? Oder was war es? Jedenfalls war es ihnen wohl nicht möglich, den ganzen „zu verteilenden Kuchen" für sich in Beschlag zu nehmen. Sie mussten an besagter Konferenz sich dazu bequemen einen Teil der Samoanischen Inseln dem verhinderten „Möchte-gern-gross", namens Deutschland zuzugestehen. Und wie nicht selten bei solchen Anlässen registrierbar, hatte man auch flugs salbungsvolle Vokabeln dafür zur Hand. Von Okkupation redete keiner der Akteure. Das las sich in deren Lesart dann anders. Die okkupierten Gebiete wurden unter den „Schutz des deutschen Reiches" gestellt.

Das hatte dann wohl auch den „Vorteil" dass da für einige bislang nicht übermäßig große Sprünge machende deutsche Beamtenseelen ein paar Pöstchen dort abfielen, zum Beispiel als „Gouverneur"

Allerdings, welches Unglück für all diese Blütenträume. Dann kam doch eines Tages der Erste Weltkrieg. Nicht unbedingt in Samoa sich abspielend. Wohl aber auch dort indirekte Auswirkungen habend. Jener Weltkrieg endete dann mit dem vielfach ungeliebten Versailler Vertrag. Und eine seiner Bestimmungen besagte eben auch. Neuseeland (hinter ihm Großbritannien stehend) übernimmt nun das Mandat über diesen Bereich. Die Deutschen haben da nichts mehr zu sagen.

Nun mag ja für den Durchschnitts-Mitteleuropäer Samoa in der Tat eine entlegene Gegend sein. Und da das „Hemd näher zu sein pflegt als der Rock", spielten in der Mitteleuropäischen Tagespolitik, sicherlich andere Aspekte, in den nachfolgenden Jahren, die „erste Geige". Insofern sind diese geschichtlichen Aspekte schon in den Hintergrund getreten.

Es ist aber zugleich nicht ganz uninteressant zu registrieren, wie denn besagte Samoa-Inseln sich in den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelt haben. Und dabei mag (zumindest hier), die dortige religiöse Szene ins besondere Blickfeld treten. Und so kann man denn einer Angabe der Wikipedia folgend auch folgende Statistik-Angaben entnehmen. Was die etwas kleineren Religionsgemeinschaften dort anbelangt, weisen selbige die nachfolgenden Prozentzahlen an der Gesamtbevölkerung auf:
Methodisten = 15 %
Mormonen = 12,7 %
Siebenten-Tags-Adventisten 3,5 %
Zeugen Jehovas 0,8 % usw.

Wie man sieht, scheinen die Zeugen Jehovas dort, trotz aller ihrer Anstrengungen, im Vergleich zur religiösen Konkurrenz, nicht sonderlich erfolgreich zu sein. Dennoch befand diese 0,8% Religion es einmal für angemessen, sich dem Thema Samoa im besonderem Maße zu widmen. Und das alles spielte sich in der Ausgabe ihrer damaligen Zeitschrift „Das Goldene Zeitalter" vom 1. 4. 1928 ab.

Wie bereits ausgeführt, hatte Deutschland dort nach dem Weltkrieg, nichts mehr zu sagen. Hatte Samoa zur Zeit der deutschen Kolonialherrschaft dort, blühend paradiesische Zustände?

Wer das unterstellt, muss wohl ziemlich blauäugig sein. Keine Kolonialmacht war je „Wohltäter" in den von ihr okkupierten Gebieten. Insoweit sie eventuell etwas zur Entwicklung des Landes beitrugen, war dies immer den übergeordneten, ausgesprochenen Ausbeutungs-Interessen untergeordnet. Das dürfte im Falle der deutschen Kolonialherrschaft dort nicht viel anders gewesen sein.

Nun wurde aber registriert. Es gab einen Wechsel. Die neuen Herren waren sicherlich auch nicht viel besser. Genau diesen Aspekt stellt nun das „Goldene Zeitalter" in seinem Artikel heraus. Was dieser Artikel indes nicht sagt ist. Wie denn die Zustände zu Zeiten der deutschen Kolonialherrschaft dort waren. Darüber hüllt es sich dezent in Schweigen. Genau dieses Schweigen offenbart aber eine merkwürdige Parteilichkeit. Wollte das GZ nicht eigentlich „unparteilich" sein?

Die Erben der geplatzten Kolonisationsträume in Deutschland, waren ohne Zweifel die Nazis. Und selbige dürften mit Sicherheit vielleicht sogar das Gefühl gehabt haben.
Was da das „Goldene Zeitalter" in Sachen Samoa schrieb, hätte ebensogut einer nazistischen Gazette entnommen sein können. Bei diesem Aspekt dürfte jedenfalls kein Disszenz zwischen Nazis und dem „Goldenen Zeitalter" bestanden haben! Nachstehend dann noch die Dokumentation des inkriminierten Artikels.
Das „Goldene Zeitalter" schrieb in der genannten Ausgabe:
Zitat

„Unter dem Vorwande, daß die Deutschen nicht imstande seien, West-Samoa zu regieren, hat der Völkerbund der britischen Regierung Neu-Seelands ein Mandat über das samoanische Gebiet übergeben, und sie gebeten, auf das beste für das materielle und moralische Wohlbefinden wie auch den sozialen Fortschritt der dortigen Bevölkerung bedacht zu sein.

Wir haben soeben einige gedruckte Mitteilungen von S. H. Meredith aus Samoa erhalten, die deutlich zeigen, wie dieses Mandat ausgeführt wird, und sie genügen, das Blut selbst eines besonnenen Mannes in gerechtem Zorn sieden zu machen.

Die Samoaner sind ein stolzes, intelligentes und würdevolles Geschlecht von Polynesiern, die anerkanntermaßen der höchste Typ von Eingeborenen sind, über die die Europäer ihre „segensreiche" Herrschaft ausüben. In Samoa hatte man seit Hunderten von Jahren ein sorglich behütetes System eines Erbrechtes, das sorgfältiger beachtet und durchgeführt wurde, als irgendwo sonst auf der Erde.

Unter dem britischen Mandat aber haben die Samoaner heute viel weniger Rechte als sie es unter der Herrschaft der Deutschen hatten. Sie werden heute von einer Gesetzgebung beherrscht, die in der Tat eine Schöpfung des jeweiligen Gouverneurs ist, den Neu-Seeland ernannte. Die Eingeborenen haben absolut nichts zu sagen oder zu tun, als nur die Abgaben zu leisten, die von ihnen gefordert werden.

In dreißig von dreiunddreißig Distrikten haben die Eingeborenen die gesetzgebenden Beamten, die der Gouverneur über sie eingesetzt hat, abgelehnt. Um sie in ihre Stellungen zurückzubringen, hat nun der Gouverneur eine Bestimmung erlassen, die ihm das Recht gibt, jeden Samoaner aus seiner Heimat zu verbannen, ihn zu schicken, wohin ihm beliebt, ihm seine angeborenen Rechte zu nehmen und ihn gefangen zu setzen.

Unter dieser Tyrannenherrschaft sind die samoanischen Häuptlinge in ihrer ererbten Häuptlingsschaft, die vom samoanischen Volke mit großer Ehrfurcht aufrecht erhalten wurde, und ihrer Heimat beraubt worden. Man hat sie aus der Gegend vertrieben und gezwungen, ihren Namen zu ändern, so daß sie nicht als Häuptlinge anerkannt werden können."


von Drahbeck - am 26.04.2013 02:30

Abraham und die 206 Knochen

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
In ihrer Rubrik „Zeichen der Zeit des Endes" vermag das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 4. 1928 die nachfolgende erstaunliche Meldung mitzuteilen:
Zitat

„Abrahms Grab geöffnet
Die Höhle von Machelpa in Hebron, in der sich das Grab Abrahams befindet, ist von den Mohammedanern zur Besichtigung freigegeben worden. Sie liegt in einer Moschee und war bisher den Mohammedanern verboten. In der Höhle befinden sich die Grabmäler von Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea."

Bei dieser Meldung dürfte wohl der Vatikan mit seinem „Grab des Petrus" arg ins Grübeln gekommen sein, über die da auftauchende Konkurrenz. Und bedenkt man, das Abraham und Co. wohl noch erheblich älter sind, dann verschwinden ja die Vatikanischen Reliquien fast zur Bedeutungslosigkeit.

Woher man dass alles so genau weis, das besagter Abraham genau an der nun im zwanzigsten Jahrhundert im „Goldenen Zeitalter" mitgeteilten Stelle begraben ist, just an dieser Stelle und nicht „irgendwo", das alles bleibt im Nebel des Glaubens verborgen.

Einen eigenen Kommentar, außer der Zuordnung dieser Meldung in der Rubrik „Zeichen der Zeit des Endes", fügt das GZ ja nicht mit hinzu. Es macht auch nicht die geringsten Anstalten, zu dieser Meldung, irgendwelche (und seien sie noch so leise) Zweifel anzumelden.

Der Unbedarfte Leser, auf den sich das GZ im besonderen stützt, soll das alles ja für bare Münze nehmen.

Apropos „Münze". Dieweil es je für den unbedarften GZ-Leser „ausgemachte Sache" ist, dass Abraham dereinst, „bald" auferstehen wird. Und da man ja nun schon ganz genau weis, wo man ihn denn zu erwarten hätte. Und da man weiter weis, für ihn wird noch ein „Haus der Fürsten" errichtet, zwar nicht in Palästina, aber dafür im klimatisch angenehmen Kalifornien. Auch wenn es 1928 noch nicht soweit war. Das mit „Beth Sarim" kam erst ein paar Jahre später. Aber „voraussehend" wie man ist, macht man sich schon so seine Gedanken. Wie macht es nun der Abraham, um von Palästina nach Beth Sarim und zurück zu düsen?

Tja, die technische Entwicklung hat auch dafür eine Lösung parat, wie das selbst schon die unbedarften GZ-Leser wissen. „Aeroplane" seien dafür vorgesehen, weis man an anderer Stelle zu lesen. Nun ist dieser Begriff heute wohl nicht mehr so geläufig. Aber was damit gemeint war, ist offenkundig. „Abraham" wird also von Palästina nach San Diego und zurück per Flugzeug düsen. Damit wäre also diese Frage geklärt. Nun haben allerdings jene Gesellschaften, welche Flugzeuge betreiben, so eine „unangenehme" Eigenschaft. Sie wollen doch tatsächlich für diese Dienstleistung Geld sehen.

Das genügend Geld für Abraham's Reisen zusammenkommen würde (von den Gläubigen), das steht wohl für die Gläubigen außer Frage. Und damit der Abraham nicht gleich, bei seinem „Erwachen aus dem Todesschlaf" schon wieder einen „Kulturschock" bekommt, muss man ihm schon schonend beibringen. Das Aussehen des Geldes zwischen Anno dunnemals und der Zeit des „auferstandenen Abrahams", hat sich dazwischen verändert.

Als Service für den Langerwarteten, bildet denn auch das GZ gleich mal in dieser Ausgabe eine paar Geldscheine ab, welche die Gläubigen wohl dem Abraham in die Hand drücken, damit er standesgemäß seine „Dienstreisen" von Palästina nach San Diege und zurück, unternehmen kann.


Weil man schon beim Thema ist, erweist es sich als naheliegend, selbiges noch etwas weiter auszubreiten. Und so findet man denn in dieser GZ-Ausgabe einen weiteren Artikel, überschrieben:
Zitat

„Die Rückkehr der Juden nach Palästina
(gefunkt durch Radio-Sendestation WBBR, 256,3Meter)."

In der Sache teilt dieser Artikel allerdings nichts anderes mit, was man nicht auch schon im Rutherford-Buch „Trost für die Juden" lesen konnte. Nun ist besagtes Buch sicherlich breiter angelegt. Schon aus Platzmangel kann daher das GZ nur einen Ausschnitt daraus vermitteln.
Aber auch „Trost für die Juden" hatte so seine besonderen Highlights. Und siehe da, einem von ihnen begegnet man erneut in diesem GZ-Artikel. So kann man denn auch in ihm, die nachfolgende erstaunliche Weisheit lesen:
Zitat

„Viele Prophezeiungen sind in bildlicher Sprache gegeben: Der Prophet Hesekiel gebrauchte in seiner Prophezeiung von der Wiederherstellung Israels ein Bild von einem Tal verdorrter Gebeine. Sicherlich ist dies ein treffendes Bild für ein so lange verworfenes Volk. Gott ruft den Propheten und sagt: „Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Gebeine! Höret das Wort Jehovas! So spricht der Herr, Jehova, zu diesen Gebeinen: Siehe, ich bringe Odem in euch, daß ihr lebendig werdet. Und ich werde Sehnen über euch legen und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen, und ich werde Odem in euch legen, daß ihr lebendig werdet. Und ihr werdet wissen, daß ich Jehova bin." - Hesekiel 37: 4-6.

Dann zeigt der Prophet in bildlicher Sprache, wie sich die Prophezeiung erfüllt. Er sagt: „Und ich weissagte, wie mit geboten war. Da entstand ein Geräusch als ich weissagte, und siehe, ein Getöse; und die Gebeine rückten zusammen Gebein an Gebein."
Nicht selten gebraucht die Heilige Schrift den menschlichen Körper als ein Bild für eine Gesellschaft oder Körperschaft. ...

Die zusammengerückten Gebeine, die ein Skelett bilden, stellen darum das Skelett oder den Anfang einer Organisation dar. Die Juden hatten schon lange die Sehnsucht, in ihr Heimatland zurückzukehren, und zur bestimmten Zeit erweckte Gott Theodor Herzl und benützte ihn, die verdorrten Gebeine zusammenzubringen und eine Organisation zu bilden. Wie bekannt, enthält das menschliche Knochengerüst 206 Knochen. Auf dem ersten Zionistenkongreß zu Basel, der dazu bestimmt war, das Werk zu organisieren, waren 206 Delegierte, also ebensoviele wie Knochen in einem menschlichen Körper. Das ist kein bloßer Zufall, sondern es hilft uns dazu, die Prophezeiung zu verstehen. Der Zionismus war der Anfang einer Organisation, um die Juden in ihr Heimatland zurückzubringen."


von Drahbeck - am 26.04.2013 23:46

Ein Highlight aus „Die Harfe Gottes"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Nun ist das „Goldene Zeitalter" (Magdeburger Ausgabe vom 1. 5. 1928) wieder einmal fündig geworden. „Religion - Politik - Finanz" in trauter Gemeinsamkeit. Diese These ist ja vielfach von der WTG in ihren sonstigen Schriften in Wort und Bild dokumentiert.
Man vergleiche etwa ihre dem Rutherford-Buch „Licht" Band 1 entnommene Karikatur


Wie schön, meinte zumindest die WTG, kann man selbige These dann auch mal zur Abwechslung andernorts nachweisen. Solche Gelegenheiten lässt man sich dann ungern entgehen. Und so offeriert das „Goldene Zeitalter" (Magdeburger Ausgabe) vom 1. 5. 1928, seinen Lesern stolz eine entsprechende Karikatur.


Sehe ich es aber richtig, wurde selbige (aus welchen Gründen auch immer) von der Schweizer Ausgabe des GZ nicht mit übernommen.

Bereits seit geraumer Zeit offerierte das GZ „Häppchenweise" als Fortsetzungs-Serie Auszüge aus dem Rutherford-Buch „Die Harfe Gottes". So auch wieder in der (Magdeburger) Ausgabe vom 1. 5. 1928. Man kommt aber wohl nicht ganz um den Umstand herum, dass der in dieser Ausgabe bemühte Auszug, wohl ein besonderes „Highlight" jenes Buches insgesamt darstellt. So sei er denn auch an dieser Stelle dokumentiert. Das GZ zitiert unter der Zwischenüberschrift „Unseres Herrn Wiederkunft":
Zitat

„Die arbeitenden Klassen sind stets niedergetreten und von den finanziellen, kirchlichen und politischen Machthabern in Unterwürfigkeit gehalten worden,
Es war im - Jahre 1874, dem Beginn der zweiten Gegenwart unseres Herrn, als die erste internationale Arbeiterorganisation der Welt ins Leben gerufen wurde. Von dem Zeitpunkt an hat es eine wunderbare Zunahme von Licht und Kenntnis gegeben, und die seitdem gemachten Erfindungen und Entdeckungen sind zu zahlreich, um sie hier alle aufzählen zu können, doch seien einige derer genannt, die seit 1874 ans Licht gekommen sind, als weiterer Beweis der Gegenwart des Herrn seit jener Zeit, wie folgt:

Additionsmaschinen, Aluminium, antiseptische Chirurgie, automatische Bahnkuppelung, automatische Pfluge, Automobile, bewegliche Bilder, drahtlose Telegraphie, dunkelstes Afrika, Dynamit, Eisenbahnsignale, elektrische Eisenbahnen, elektrische Schweissmethoden, Erntemaschinen, Eskalatoren, feuerlose Kochapparate, Gasmaschinen, Göttlicher Plan der Zeitalter, Induktions-Motoren, Korrespondenz-Schulen, künstliche Farben, Leuchtgas, Luftschiffe, Nordpol, Panamakanal, Pasteursche Schutzimpfung, Radium, Rahm-Separatoren, rauchloses Pulver, riesenhohe Geschäftsgebäude, Röntgen-Strahlen, Schreibmaschine, Schuhnähmaschine, Setzmaschine, Sprechmaschine, Stacheldraht, Streichholzmaschine, Südpol, Telephon, Untergrundbahn, Unterseeboote, Vakuum-Teppichreiniger, Zelluloid, Zweiräder,

Die Schrift enthüllt eine vollständige Parallele betreffs des jüdischen und des Evangelium-Zeitalters. Die Parallele existiert sowohl mit Bezug auf Zeit als auch auf Ereignisse, Das jüdische Zeitalter endete mit einer Ernte, und diese Ernte begann mit der Himmelfahrt unseres Herrn im Jahre 33 n. Chr. Mit der Bezeichnung ,,Ernte" an dieser Stelle ist das Einsammeln des Überrestes der Juden zu Christo hin gemeint. Die Erklärung Jesu ist offenbar die, dass das Evangelium-Zeitalter mit einer Ernte enden wird, während welcher Zeit er gegenwärtig sein würde, das Werk dieser Ernte leitend. In den dreiundeinhalb Jahren seines Wirkens auf Erden, beginnend mit seiner Weihung und Taufe, bereitete Jesus die Juden auf die Ernte jenes Zeitalters vor. Wir sollten erwarten, eine Parallele hiervon mit Bezug, auf die Ernte des Evangelium-Zeitalters zu finden und so finden wir es auch bestätigt. Indem wir dreiundeinhalb Jahre von 1874 an rechnen, der Zeit seiner Gegenwart, bringt uns dies bis 1878,

Während der Gegenwart des Herrn von 1874 bis 1878 traf er Vorbereitungen für die. Ernte des Evangelium-Zeitalters, Die jüdische Ernte umfasste einen Zeitraum von vierzig Jahren, die im Jahre 73 nach Chr. endeten. Wir sollten demnach erwarten, dass das Ende der allgemeinen Ernte des Evangelium-Zeitalters in das Jahr 1918 fallen würde."


von Drahbeck - am 24.05.2013 02:28

Philosemitismus

Oder: was Dr. Detlef Garbe nicht ausreichend sachgerecht, in einschlägigen Ausführungen bewertet.

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Wieder spielt das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 5. 1928, auf der Klaviatur des Philosemitismus. Nicht achtend den Umstand (zumindest zu dem Zeitpunkt), damit Wasser auf die Mühlen der Antisemiten, namentlich in Deutschland, zu leiten.

In den USA mag da in der Tat eine andere Situation bestanden haben. New York wurde zeitgenössisch als eine Stadt bezeichnet, die eine der größten jüdischen Populationen aufweist. Spätestens seit Russell's Auftritt vor Juden im New Yorker Hippodrom, weis man, dass die WTG sich diese Sachlage zunutze machte.


Nur, in dem Moment, wo die WTG-Religion darauf ausging, International - damals besonders auch in Deutschland - zu wirken, muss man es sich schon genauer überlegen, wieweit man denn da in der Parteinahme geht - gehen kann -.

So bringt das GZ in dieser Ausgabe auch eine Meldung, bei der man „ganz hin- und hergerissen" ist. Zumindest ist sie für die zeitgenössischen Antisemiten ein zusätzlicher Beleg gewesen, die WTG-Religion sei eine Religion der „Judenknechte". Hätte sich das GZ die Weitergabe dieser Meldung erspart, wäre dies sicherlich kein substanzieller Verlust gewesen.

Im Zuge des „rosarot-Zeichnens" liest man nachfolgendes, dem als Kontrast vom GZ eine Meldung aus den USA vorangestellt ist:
Zitat

„In den Vereinigten Staaten herrscht Arbeitslosigkeit, wie sie noch nie dagewesen ist. Da man in Amerika keine Arbeitslosenunterstützung kennt und auch keine zuverlässige Arbeitslosenstatistik hat, sind die Zahlenangaben über die Höhe dieser Arbeitslosigkeit sehr verschieden. Die Angaben schwanken zwischen zwei und sieben Millionen. Bei Annahme von vier Millionen wären das immer noch zehn Prozent der amerikanischen Arbeiterschaft. Die Ursache der Arbeitslosigkeit ist die Rationalisierung nach Ford'schen System in den letzten fünf Jahren. Die amerikanische Industrie erzeugt heute mit 12 Prozent weniger Arbeitern 2 Prozent mehr Waren als im Jahre 1923. In einzelnen Industriezweigen ist die Spanne zwischen Mehrproduktion und Minderbeschäftigung noch weit größer als 14 Prozent; in der Tabakindustrie sind es 46, in der Zementindustrie 28, und der Baumwollindustrie 19 Prozent. Bei der Newyorker Untergrundbahn hat die Einführung von automatischen Türen 25 Prozent der Schaffner überflüssig gemacht und den Verkehr um 50 Prozent gesteigert. Der Leiter des statistischen Büros des Arbeitsdepartments, Herr Stewart, hält die gegenwärtige Arbeitskrise nur für das Vorspiel eines großen Kampfes zwischen Kapital und Arbeit (Sonntagsztg. v. 8. 4. 28)

Die zweite Meldung in dieser GZ-Ausgabe
Zitat

Keine Arbeitslosen mehr in Palästina.
Die Auszahlung von Arbeitslosenunterstützung seitens der Zionistischen Exekutive in Palästina konnte eingestellt werden, da durch Einleitung verschiedener Arbeiten aus öffentlichen Mitteln der Arbeitsmarkt imstande ist, auch den Rest der Arbeitssuchenden zu absorbieren. Damit ist ein wichtiges Resultat erreicht, das der zionistischen Aufbauarbeit neue Möglichkeiten eröffnet.
(Jüd. Rundschau 17. 4. 28)

Über „Die Lage in Palästina" berichtet Harry Sucher, Mitglied der Palästina-Exekutive u. a.:
Im „ganzen ist die Situation günstiger als zu Beginn des vergangenen Oktobermonats. Die Besserung ist teils eine Folge der Mitwirkung der Palästina-Regierung in der Arbeitsversorgung - teils ein Ergebnis vergrößerter wirtschaftlicher Aufnahmefähigkeit des Landes. Die verschiedenen Siedlungen entwickeln sich in aufsteigender Linie und ganz allgemein geht es der Landwirtschaft gut. Im letzten Jahr hat die Industrie in sehr ausgesprochener Weise an Kraft gewonnen. Dieser Fortschritt vollzieht sich in einem schleunigen Tempo, das auf ein erhebliches Maß von Vertrauen des privaten Kapitals in die wirtschaftliche Zukunft Palästinas schließen läßt. Ohne die rückhaltlose und unvermeidliche Hilfe und Mitwirkung der Arbeiterorganisationen wäre es nicht möglich gewesen, die Arbeitslosen durch sehr schwere Zeiten einer besseren, nicht allzu fernen Zukunft entgegen zu führen. Der dauernde und wesentliche Erfolg jüdischer Arbeit in Palästina ist jetzt gesichert. (Jüd. Rundschau v. 20. 4. 28).

Das alles ordnete sich für die zeitgenössische WTG in das Prokrustesbett vermeintlicher Bibelprophezeiungen ein, wovon - in Wiederholung - weitere Aussagen in dieser GZ-Ausgabe künden. Etwa mit der Aussage:
Zitat

„Während mehr denn vierzig Jahren hatten die Bibelforscher verkündigt, daß das Jahr 1914 das Ende der Herrschaft der Nationen bedeuten würde, mit anderen Worten, daß mit ihm die Zeit, während welcher Satan Macht über die Völker hatte, abläuft, und der Verfall der Nationen einsetzt ...

Seit dem Jahre 1878 hat eine allmähliche aber anhaltende Rückwanderung der Juden nach Palästina stattgefunden. ... Jehova hat verheißen sie zurückzubringen, und ihre Rückkehr gipfelte in der allgemein bekannten zionistischen Bewegung."


http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,159162,159162#msg-159162



Literaturbericht

Zum lesen auch empfohlen:
Eckart Schörle
Internationale der Antisemiten
Ulrich Fleischhauer und der »Welt-Dienst«

http://www.werkstattgeschichte.de/werkstatt_site/archiv/WG51_057-072_SCHOERLE_ANTISEMITEN.pdf

Der Fairness halber muß eingeräumt werden, Garbe weis sehr wohl, wie er selbst ja mal in einem Aufsatz im „Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte" (Band 23, 1994) formulierte:
Dass "Sendboten des jüdischen Bolschewismus. Antisemitismus als Motiv - nationalsozialistischer Verfolgung der Zeugen Jehovas" anzusprechen sei.
Just zu diesem Garbe-Aufsatz hatte ich schon früher mal kommentiert:
Zitat

"Leider gehen die diesbezüglichen Passagen in seinem Buch dann doch vielfach unter, so das man sie im nachhinein nicht mehr so bewusst registriert.
Anders in seinem Aufsatz in dem „Tel Avier Jahrbuch für deutsche Geschichte", Hier ist schon aus Platzgründen vieles konzentrierter und wenn man die Frage stellt, was vor 1945 zu den Zeugen Jehovas publiziert wurde - dann erhält man auf diese Frage zumindest im Ansatz eine deutlichere Antwort.
Diese Antwort mag aber durchaus nicht allen kirchlichen Kreisen "angenehm" sein, etwa wenn Garbe konstatiert, daß etliche dieser Schriften "eine kirchliche Variante völkisch-antisemitischer Schmähschriften darstellten"

Auch diesen Satz konnte man in diesem Aufsatz lesen;
Zitat

„Da die Positionen der Rechten außerhalb und innerhalb der Kirchen kaum Unterschiede erkennen ließen und die "Bibelforscherfrage" zu denjenigen Bereichen gehörte, in denen Interessengleichheit bestand, kam es schon früh zu Bemühungen, die Aktivitäten gegen die IBV zu bündeln."

Die Frage die sich nun im Jahre 2013 stellt ist die.
Der Link in Sachen Garbe-Vortrag verwendet auch die Formulierung:
Zitat

„der vermeintlichen Nähe zum Judentum den Hass völkisch-antisemitischer Kreise auf sich gezogen"

Gegen diese Bagatellisierung als „vermeintlich" richtet sich mein Widerspruch. Wer ist für die Formulierung des fraglichen Textes verantwortlich. Wirklich nur die entsprechenden Macher jener Seite, die da den Garbe-Vortrag ankündigen?
Oder soll damit nicht die Tendenz verstärkt werden, die Ausführungen von Garbe im „Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte", eher ins Abseits zu stellen. Und die Linie fortzuführen, die im eigentlichen Garbe-Buch auch zu beobachten ist, diese Aspekte als „nebensächlich" herunterzuspielen?!
Wer aus dem breiten Publikum liest denn einen Aufsatz der an der entlegenen Stelle „Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte" publiziert wurde?
Online gibt es diesen Aufsatz ohnehin nicht.
Gerade mal - mit Ach und Krach - ist das Inhaltsverzeichnis des fraglichen Bandes ermiitelbar. Jehoch keine dazu gehörigen Texte.
http://www.lbz-rlp.de/Inhaltsverzeichnis/6443894.pdf

Ergo besteht nur die theoretische Option die Bestände (größerer) wissenschaftlicher Bibliotheken zu nutzen. Das ist für den Durchschnittskonsumenten, der das eigentliche Garbe-Buch vielleicht liest, eine als zu groß zu bezeichnende Hürde. Im Garbe-Buch fand der Durchschnitts-Konsument, den in Rede stehenden Aspekt unterrepräsentiert, wenn überhaupt dargestellt. Insoweit braucht man sich dann auch nicht mehr zu wundern, wenn da Thesen wie die von der „angeblichen" Nähe auftauchen.

Exkurs:
„Neues Wiener Journal"
Mittwoch 22. März 1911, Nr. 6256
S. 14
"Der Zionismus in der Prophezeiung
Pastor Russell (New York und London) erfreute sich gestern abend im großen Saal des Hotels Continental einer großen und intelligenten Zuhörerschaft. Er sprach im wesentlichen wie folgt über Jes. 40, 1 u. 2: 'Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott; redet zu Jerusalem freundlich und predigt ihr, daß ihre Bitterschaft ein Ende hat, denn ihre Missetat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen von der Hand Jehovas für alle ihre Sünden.'
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sich die Worte unseres Textes auf den Samen Jakobs beziehen, welcher jahrhundertelang schmerzliche Erfahrungen gemacht hat. Er bildete eine Nation ohne Land, ein Volk mit den wundervollsten Verheißungen, und doch im Besitze keiner derselben, ein Volk über die ganze Erde zerstreut, und doch nach Gottes willen und Verheißung getrennt von allen anderen Völkern.
Die Juden sind ein Wunder in sich selbst. Sie sind für diese zivilisierte Welt Zeugen von Gottes Verheißungen und seiner Macht. Wie die Schrift vorhergesagt hat, haben sie jahrhundertelang weder einen Propheten noch einen Priester gehabt, weder einen Leibrock mit Brustschild, noch Gesicht oder Offenbarung. Das Volk, welches zu einer Zeit allein die Ehre besaß, daß ihm Gottes Absichten kund getan wurden, ist seit mehr als 1800 Jahren verlassen und ohne Beweise göttlicher Gunst gewesen, außer in der einen Tatsache, daß seine Einheit als Volk bewahrt blieb.
Wir gehören nicht zu denen, welche über die Juden spotten und sie mit Schimpfnamen belegen. Wir sagen nicht, die Rache Gottes liegt auf euch, und das was ihr jetzt leidet, ist nur ein Vorgeschmack von schrecklichen Leiden, welche ihr in alle Ewigkeit erdulden müßt! Gott sei Dank, nein! Wir haben keine solch arge Gesinnung in unserem Herzen. Wir haben nur Mitgefühl mit den Juden, obwohl wir in ihm sowie in allen Adamskindern vieles sehen, was nicht empfehlenswert ist; trotz alledem sehen wir auch seine empfehlenswerten Eigenschaften. Unter anderem sehen wir die Eigenschaft, welche Gott an Abraham so sehr schätzte, nämlich den Glauben an ihn und seine Verheißungen. Solcher Glaube hat das auserwählte Volk all die Jahrhunderte hindurch begeistert, auf das verheißene Reich des Messias zu warten, trotz aller Entmutigungen und Verfolgungen.
Und jetzt haben wir nun beinahe die Zeit erreicht, in welcher nach den Prophezeiungen der jüdischen Schriften die Herrlichkeit des Herrn offenbart und von allem Fleisch gesehen werden soll. (Jes. 40,5). Die lang verheißene Zeit für Israels Erhöhung zum Kanal der messianischen Segnungen für alle Menschen ist nahe, sie eilet mit Macht. Was schadet es, daß in Verbindung mit der Einführung der neuen Ordnung noch eine große Zeit der Trübsal kommen soll! Hinter dem Seufzen und Weinen tagt der Morgen, der herrliche Tag, an welchem die Sonne der Gerechtigkeit alle Schatten des Todes und der Verzweiflung aus der Welt vertreiben wird, welche die Sünde und ihre Strafe auf das Menschengeschlecht gebracht haben!
Was liegt daran, daß nach der Schrift in Verbindung mit der Zeit der großen Trübsal für die Welt auch über Israel noch 'die Zeit der Angst Jakobs' kommen soll! Nichts von alledem soll uns daran hindern, uns über die neuen Himmel und die neue Erde zu freuen, welche Gott bald zu schaffen versprochen hat, um durch dieselben die Welt zu beherrschen. 'Sie werden sich ewiglich freuen und fröhlich sein über dem, was ich schaffe.' (Jes. 65,18).
'Neue Himmel' und eine 'neue Erde' sind nur symbolische Ausdrücke für das neue Zeitalter, in welchen eine neue soziale Ordnung sowie auch neue geistige Mächte, ewig in den Himmeln da sein werden.' Die Zeit ist gekommen, in welcher unser Text seine Erfüllung findet. Der helle Schein der Lampe der Wahrheit auf die prophetischen Blätter zeigt, daß die große Uhr des Weltalls die Stunde anzeigt wenn der, dessen Recht es ist, seine große Macht übernehmen und herrschen wird. Ja, wir erinnern uns, daß geschrieben steht, daß dann die Völker zornig sein werden und Gott seinen Grimm offenbaren wird; daß dann das Gericht der Toten und der Lohn für alle, Große und Kleine kommen wird. Dessenungeachtet freuen wir uns, daß die 'Zeiten der Heiden' bald zu Ende sind, und die Zeit der theokratischen Herrschaft des Messias nahe ist. Er muß herrschen, bis er alle Ungerechtigkeit und allen Widerstand unterdrückt hat, bis sich ihm jedes Knie gebeugt und jede Zunge ihn bekannt hat zur Ehre Gottes des Vaters.
Die erste Arbeit des Königreiches wird das Binden des Satans sein, das Werk eines himmlischen, nicht eines irdischen Königs. Nach und nach in den Gerichten, Befehlen, Belohnungen, Strafen der Menschen und in der Verbannung von Sünde und Tod, wird der große König der Gerechtigkeit seinen gnadenvollen Charakter und des Vaters Gerechtigkeit den Menschenkindern zeigen.
Ein König, aber zwei Königreiche
Die Christenheit im allgemeinen hat in der Vergangenheit übersehen, daß die an Abraham gegebenen Verheißungen durch seinen Samen erfüllt werden sollen, durch eine himmlische Klasse und durch eine irdische Klasse, mit dem Messias als Haupt über beide. Achtzehn Jahrhunderte lang hatte Gott Abrahams Samen, das Volk Israel, begünstigt. Sie erfuhren Strafen und Ermahnungen zur Gerechtigkeit, doch hatten sie während all dieser Zeit die göttliche Gunst im Gesetz und den Propheten, und in den Vorteilen, welche aus dem Gesetzesbund erwuchsen, wie zum Beispiel den jährlichen Versöhnungstag, durch welchen sie in der Gunst Gottes erhalten blieben. Diese Zeit der göttlichen Gunst fing mit dem Tode Jesu an abzunehmen, und kam im Jahre 70 nach Christi, als die römische Armee Jerusalem zerstörte, zum vollständigen Ende. Eine solch lange Zeit ist seither verflossen, welche unser Text das 'Zwiefältige' oder 'Doppelte' nennt, und nun kehrt Gottes Gunst wieder zu dem jüdischen Volke zurück.
Die Juden waren zu keiner Zeit während der verflossenen 1800 Jahre so behaglich und günstig gestellt wie jetzt. Ihr Segen hat eben nur erst angefangen. In Gottes eigener Zeit, welche nahe bevorsteht, wird er seinem auserwählten Volke all die herrlichen Verheißungen in dem Gesetz und den Propheten erfüllen. Die Juden fangen bereits an, diese Tatsachen wahrzunehmen. Die Zionistenbewegung, welche anfänglich eine politische war, fängt jetzt an, als eine religiöse Bewegung zu erblühen, und ohne Zweifel nach Gottes Vorsehung. Die Worte der Verheißung, welche so lange ohne Verständnis gelesen wurden, fangen an, leuchtend hell zu werden und weisen ihnen den Weg des Herrn, welcher zur Wiederaufrichtung Jerusalems und höherer Ideale unter dem jüdischen Volke führt. Eine Stimme wird gehört in der Wüste, und die Juden überall horchen auf dieselbe. Sie verlangt nicht von ihnen Christen zu werden, sondern Juden zu bleiben und als solche die Ideale zu erkennen, welche ihnen der Herr in den Propheten vorgestellt hat.
Alle, welche sich leiten lassen, werden in Kürze einen großen Segen empfangen, welcher sie für alle Leiden in der Vergangenheit entschädigen wird. Weder durch Schwerter noch Kanonen, weder durch Kriegsschiffe noch Luftschiffe oder Torpedos wird Israel den großen Sieg erlangen, weder durch Geldmacht, noch durch Anbeter des goldenen Kalbes der Finanzen noch durch den Arm des Fleisches, sondern dadurch, daß sie auf den Herrn schauen, von welchem die Hilfe kommt. Das geistige Weltreich des Messias, welches aufgerichtet wird, wird den Satan binden, das Böse hindern und die Richtschnur in Gerechtigkeit für die Menschen aufrichten; er wird das Volk Israel segnen und an stelle des alten Gesetzesbundes den Neuen Bund mit ihm schließen, durch den besseren Mittler, welcher mächtiger ist, als der große Moses war; der ein größerer König ist, weiser als Salomo und von Gott geliebter als David. Dieses große himmlische Reich wird in der Welt unter großer Trübsal aufgerichtet werden, einer Zeit der Angst und Not, welche die Propheten als sehr schrecklich beschreiben, eine Zeit anarchischer Herrschaft. Juden, Christen und Heiden, Arme und Reiche sind verantwortlich für das Hereinbrechen dieser Trübsalszeit, wegen der Selbstsucht, welche jetzt die Welt regiert, deren großartige Zivilisation der Herr in Kürze zerschlagen wird. Sozialistische Wortschlachten und kirchliche Vereinigungen werden den Kampf nur verschärfen.
Israels Hoffnungen - warum verzögert?
Der Gedanke, welche unsere jüdischen Freunde sowie auch die Christen quält, ist dieser: Wenn das Reich des Messias noch aufgerichtet werden soll, wie die Juden erwarten, und wenn es Gottes Absicht ist, die heiligen Männer des Alten Bundes und das bevorzugte Volk Israel in Zukunft als Werkzeuge zur Hinausführung seiner Segenspflichten zu gebrauchen, warum hat er diese Sache so lange verzögert?
Wie wir im 45. Psalm lesen: 'Anstatt deiner Väter werden (sie) deine Kinder sein, die wirst du (Messias) zu Fürsten setzen in alle Welt', zu Stellvertretern seiner Macht, Herrschaft und Autorität. Zu der Zeit wird der Segen zu Israel zurückkehren, welche Gott vor achtzehn Jahrhunderten von ihnen genommen hat. Unter ihrem Neuen Bunde sollen sie gesegnet werden.
Ich nötige niemals die Juden, Christen zu werden, aber ich zeige ihnen die göttliche Richtschnur, um sich für die Erfüllung der ihnen gegebenen göttlichen Verheißungen bereit zu halten. Daß die Zeit für die Erfüllung vorhanden ist, ist der Trost, welchen wir ihnen anbieten, gemäß unseres Textes. Der Prophet sagt, daß, wenn sie in ihr eigenes Land zurückgekehrt sein werden, und nachdem die große Trübsalszeit hereingebrochen ist, dann die Juden ihren großen Messias der Herrlichkeit erkennen werden, auf dessen Reich sie so lange gewartet haben. Der große 'Michael' in Daniel 12 ist kein anderer als der Mensch Christus Jesus, welcher sich vor nahezu 1900 Jahren gegeben hat zum Ersatzlösegeld für alle Menschen. Gott wird dann die Augen ihres Verständnisses öffnen, und der Prophet sagt: 'Sie werden sehen, welchen sie durchstochen haben', sie werden dann sehen, daß der Jesus, welcher für die Sünden Israels und der Welt geopfert wurde, und der Messias der Herrlichkeit, welcher unter seiner Herrschaft Israel zum Segen der übrigen Völker gebrauchen will, ein und derselbe ist.
Ausführlicheres über die prophetischen Studien Pastor Russells versendet gratis der Volkskanzelverlag in Barmen, Deutschland."

Donnerstag, 23. März 1911, Nr. 6258
(Das gleiche Blatt)
„Skandalszenen während eines Vortrages"
"Im großen Saal des Hotels Continental erschien gestern der bekannte amerikanische Missionar Pastor Russell, um über das Thema 'Zionismus in der Prophezeiung' zu sprechen. Der Vortrag war schon für vorgestern angekündigt, Pastor Russell konnte aber wegen Zugverspätung nicht persönlich erscheinen. Für ihn trat sein Dolmetsch vor, um einige Aufklärungen über die Person des erwarteten Redners zu geben, wurde aber durch die zahlreich anwesenden Zionisten in lärmender Weise unterbrochen.
Die Skandalszenen wiederholten sich in nachhaltigerer Art während des gestrigen Vortrages. Abermals hatten sich schon vor 9 Uhr abends zahlreiche Zuhörer im Saal eingefunden, vor dessen Eingang Agitationsschriften in jüdischer Sprache verteilt wurden, die vom zionistischen Teil des Publikums in demonstrativer Weise zerrissen wurden.
Inzwischen hatte Pastor Russell, dessen ehrwürdiges typisch priesterhaftes Aussehen auffiel, auf dem Podium Platz genommen und begann mit seinem Vortrag in englischer Sprache. Ein neben dem Redner stehender Dolmetsch übersetzte die Rede satzweise.
Schon bei den ersten Worten entstand ein ohrenbetäubender Lärm. Die Zionisten, zumeist ganz junge Leute, opponierten durch laute Zurufe und Pfiffe gegen die Verquickung des Zionismus mit der Bibel und suchten die weiteren Auseinandersetzungen zu verhindern. Einige stimmten das jüdische Nationallied an, andere warfen die Stühle um. Nur mit größter Mühe verschaffte sich Pastor Russell für einen Moment noch Gehör, betonte, daß er als Philosemit gekommen sei und bat, ihn ruhig anzuhören.
Auch ein Zionist ergriff das Wort und wies darauf hin, daß der Vortragende ein Freund Dr. Theodor Herzls gewesen und deshalb schon auch von seinen Gegnern geachtet werden müsse. Der Lärm verstärkte sich aber immer mehr, so daß der Redner den Saal unter schützender Begleitung der besonneren Elemente verlassen mußte. Die Anwesenden verharrten jedoch weiter unter lärmenden und erregten Diskussionen, die nahezu zu einem Handgemenge führten. Erst beim Erscheinen einiger Wachleute verließ das Publikum langsam das Lokal.."

"Neue Wiener Journal" am 24. 3. 1911
S. 6
"In Ergänzung unseres gestern unter diesem Schlgwort gebrachten Berichtes über die Vorgänge während des von Pastor Russell gehaltenen Vortrages wird uns von zionistischer Seite mitgeteilt, daß sich die Opposition hauptsächlich gegen das frühere Vorgehen des Redners richtete. Pastor Russell wird von den Zionisten beschuldigt, die Herzlmarken des jüdischen Nationalfonds nachgebildet und auch durch sein sonstiges Vorgehen die zionistische Bewegung geschädigt zu haben. Die Demonstrationen im Vortrag waren lediglich ein Ausdruck dieser Erbitterung."

Umfänglich dokumentiert, und mit diversen Faksimiles versehen, auch in der Schrift von:
Bernhard. Brabenec
„Charles T. Russells Besuche in Wien"
Wien (Selbstverlag) 2009
Gleichwohl sei die Anmerkung gestattet, meine eigenen Zitate basieren auf Studien in der Berliner Staatsbibliothek. Insoweit sehe ich mich als von Brabence inhaltlich unabhängig.
Bezüglich der mageren Ergebnisse nach Exemplaren dieser Schriften in wissenschaftlichen Bibliotheken, ist das eher ernüchternde Ergebnis.
Nur in der Deutschen Bücherei in Leipzig vorhanden.
https://portal.dnb.de/opac.htm?query=Bernhard+J.+Brabenec&method=simpleSearch

Dabei spielt die Arroganz der Bibliotheken gegenüber Selbstverlags-Schriften wohl eine Rolle.
Definitiv weis ich, die Deutsche Bücherei bekam auch eine weitere Schrift Brabenec's zugesandt
Titel: „Joseph F. Rutherford Besuche in Wien";
ebenfalls im Selbstverlag, Wien 2008. Wer sie in Bibliotheks-Katalogen sucht, sucht freilich vergebens.
Und die Zusendung beider Schriften erfolgte in ein und derselben Postsendung.
Offenbar aber in Leipzig dann „verschütt gegangen".
Kommentar zu dieser Arroganz seitens der Bibliotheken.
Siehe Vorstehend.
Vielleicht aber hat man in Bibliothekskreisen, via anderweitiger Internetnotizen auch schon mal „läuten hören", da gäbe es noch eine dritte von Brabenec herausgegebene Schrift.
Titel: „Die Stiftshütte. Das Zelt Jehovas".
A ja zu diesem Titel kann ich mir dann auch nicht die Frage verkneifen.: Und nun Brabenec, wohin soll die Reise eigentlich gehen?

von Drahbeck - am 24.05.2013 23:53

Re: Philosemitismus

Lese ich bei Garbe erneut solch „fromm-schwammigen" Vokabeln wie:
„Glaubensgehorsam und Märtyrergesinnung der Zeugen Jehovas"; dann als Kommentar dazu, nochmals die Zitierung eines Forumsbeitrages (andernorts) der dann auch wohl für das „Stammbuch" des Dr. Garbe geschrieben sein könnte:

Ein Vorangegangenes Zitat:
„Ich sehe nur, dass die Zeugen Jehovas aus der DDR die Stigmata davongetragen haben, die der ... Kirche heute fehlen."

Dazu der Kommentar:
Kann man Äpfel mit Birnen vergleichen"? Einige meinen es zu können. Sachgerecht ist es wohl weniger.
Was war denn der wesentliche Aspekt, welcher die beiden deutschen Diktaturen (Hitlerdeutschland und Ostdeutschland) in der Zeugen Jehovas-Angelegenheit, im besonderen „auf die Palme" brachte?
Es war wohl deren vermeintliche Politikabstinenz.

Registrierten Nazis und Nachfolger etwa bei ihrer November 1933-Volkszählung (genannt „Wahlen"), da haben sich doch tatsächlich einige wenige es sich erlaubt dafür zu sorgen, dass jene Volkszählung kein „Hundertprozentiges" Ergebnis aufwies (eigentlich wären ja wohl mehr als Hundert Prozent angesagt gewesen, zumindest in Nazisicht).
Und dann reagierten selbige eben auf ihre sattsam bekannte Art.
In Kleinstädten wurden gar, ermittelte Nichtwähler mit Plakaten behängt, durch die Straßen geführt; sie hätten es gewagt, dem „größten Feldherrn aller Zeiten" eben nicht ihre Stimme zu geben.

Liebend gerne hätten die Kommunisten, zu ihrer Zeit, das gleiche Spektakel wiederholt, wagten es nur nicht, im Hinblick auf die Außenwirkung solcher Aktionen. Aber ihre Geisteshaltung war verdächtig ähnlich denen der Nazis.
Gleichwohl bewegte sich das alles im Promillebereich.

Weder zu Nazi noch zu Ostdeutschen Zeiten, kamen die das so praktizierten, über den Status einer Minderheit hinaus.
Gleichwohl hatte der Hass beider Diktaturen damit ein Ziel gefunden, auf dass er sich einschießen konnte, und man schoss sich ein.

Dann sei doch auch noch an den katholischen Bischof Sproll von Rotenburg zu Nazizeiten erinnert. Auch der wähnte, es nicht verantworten zu können, bei einer Volkszählung vorgenannter Art, mitzumachen. Es ist ihm sicherlich nicht gut bekommen.
Insofern lassen sich ähnliche Bespiele, gleichfalls im Promillebereich, auch andernorts nachweisen.

Erinnert sei auch an einen Pfarrer Paul Schneider aus dem Hunsrück, im evangelischen Bereich, der aus ähnlicher Motivation ins KZ einrücken musste.
Um zu Nazizeiten ins KZ zu gelangen, gehörte sicherlich nicht viel.

Das betraf keineswegs „nur" die Zeugen Jehovas. Einen den es auch erwischte, und der sich im KZ in der „Strumpfstopferkompanie" wiederfand, war der Schriftsteller Ernst Wiechert. Und sensibler als vielleicht andere, bewertete er seine Mitleidens-Genossen in jenen bitteren Tagen. Und er bescheinigte letztendlich den Zeugen Jehovas, ihr Ungemach das sie da zu erdulden hatten, sei letztendlich das von Narren, die da glauben, man dürfe nur Gras als Nahrung essen (symbolisch zu verstehen).
Er konnte sich also nicht dazu durchringen, dem agieren der Zeugen eine „Vorbildfunktion" zuzuerkennen.

„Es ist später als du denkst", ein Zeugen Jehovas-Slogan aus dem Jahre 1949, verdeutlicht einen weiteren wesentlichen
Aspekt, ihre Endzeit-Nahorientierung. Jenes „später" wurde dann schon mal bis 1975 hinausgeschoben, und danach durch eine „Wischi-waschi-Mixtur" ohne konkrete Datennennung ersetzt.
Damit ist man weit entfernt von jener Position, die in der (Legende) einem Luther zugedichtet wird, der da mal postuliert haben soll (wie gesagt Legende).
Und wenn morgen der jüngste Tag anbrechen würde, so würde er dennoch heute noch sein Apfelbäumchen pflanzen.

Ein weiterer Schriftsteller, Gerhart Hauptmann, beschrieb mal in einem Roman („Der Narr in Christo Emanuel Quint"), die Geistesgeschichte der Zeugen Jehovas (auch der, obwohl die zum Zeitpunkt der Abfassung seines Romans noch keine Relevanz besaßen). Und er lässt seine Story mit einer markanten Episode ausklingen.
Da waren nunmehr einige der vordem verachteten in der gesellschaftlichen Anerkennung „aufgestiegen". Dieser „Aufstieg" indes kostete seinen Preis.
Auch wenn Hauptmann es expressis verbis nicht mit ausführt, war dieser Preis mit dem des Simson zu alttestamentlichen Zeiten vergleichbar.
Vorher ein kraftvoller Mensch, der da selbst Tempel mit bloßen Händen einzureißen vermocht haben soll, wurde es ihm zum Verhängnis, das mit dem Scheren seiner Haarpracht, auch seine „wundersame Kraft" verloren ging.
Genau auf diesem Level sind auch die heutigen Zeugen Jehovas, mit ihrem Anspruch, auch KdöR sein zu wollen, inzwischen angelangt.

Friedrich Baumgärtel publizierte im Jahre 1958 mal ein Buch mit dem Titel „Wider die Kirchenkampf-Legenden". Das nahm selbstredend auf die sogenannten „Großkirchen" bezug.
Einer neuzeitlichen Kirchenkampf-Legende begegnet man heutzutage im Zeugen Jehovas-Bereich im besonderen.
Ihre Protegierer vergessen nur eines hinzuzufügen.
Auch sie progagieren letztendlich nur eines.
Man dürfe nur (symbolisches) „Gras" als menschliche Nahrung essen.
Die Antwort darauf kann schon in Ernst Wiechert's „Der Totenwald" nachgelesen werden.

Ergänzend sei als ähnliche Auseinandersetzung auch hingewiesen auf;

Mysnip.118439

von Drahbeck - am 25.05.2013 00:08

Rumänien

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
Die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 6. 1928 berichtet unter der Überschrift „In rumänischer Kriegsgerichtsgefangenschaft" nachfolgendes (von der Berner Ausgabe wurde dieser Bericht nicht mit übernommen).
Zitat

Der Hauptschriftleiter des „Goldenen Zeitalters", Herr P. J. G. Balzereit und der Syndikus des Verlags des „Goldenen Zeitalters", Herr Hans Dollinger, befanden sich zur Erledigung einer Angelegenheit geschäftlicher Art in Rumänien und wurden dort vor einiger Zeit auf Grund falscher Denunziation eingekerkert und in Kriegsgerichtsgefangenschaft gesetzt. Die öffentlichen Verhältnisse Rumäniens sind die denkbar ungünstigsten und die allgemeine innerpolitische Lage des Landes ist so zerrissen, daß irgend jemand auf Grund irgendwelcher Denunziationen die gefährlichsten Erlebnisse durchkosten kann. Auch gegen diese beiden Herren wurde lediglich auf Grund einer falschen Anschuldigung vorgegangen, und sie wurden 10 Tage lang in Gefangenschaft gehalten, während welcher Zeit sie zum Protest gegen die ungerechte Maßnahme die Nahrungsaufnahme verweigerten.

Es wurden auf der ganzen Welt und auch in Deutschland große Protestaktionen eingeleitet, die über das Auswärtige Amt Berlin, die Deutsche und die Amerikanische Gesandtschaft zu Bukarest von der rumänischen Regierung die sofortige Freilassung der zu Unrecht Eingekerkerten verlangten. Auch viele Leser des „Goldenen Zeitalters" in Deutschland haben sich an der Unterzeichnung dieser Protestlisten beteiligt. Wir möchten an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank hierfür zum Ausdruck bringen und gleichzeitig die Mitteilung machen, daß die beiden Verhafteten dann nach 10 Tagen der Gefangenhaltung auf freien Fuß gesetzt worden sind und mit ziemlich geschwächten Körpern wieder in Deutschland eintrafen. Die Angelegenheit in Rumänien nimmt in der Weise ihren Fortgang, daß ein Privatklage-Verfahren eingeleitet worden ist.

In der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 4. 1929, wurde dann nochmals auf diesen Fall eingegangen. Dieser zweite Bericht schrieb:
Zitat

„Zwei deutsche Bürger, Balzereit und Dollinger, waren in ihrer Eigenschaft als Direktor bzw. Syndikus einer Filiale Watch Tower Bible & Tract Society, deren Vertretung ihnen übertragen war, von Magdeburg Deutschland, nach Rumänien gesandt worden, um von einem Rumänen, der das dortige Eigentum dieser amerikanischen Hauses zu unterschlagen suchte, wegen Betrügereien von den zuständigen Gerichten zur Verantwortung zu ziehen. Gerade an dem Tage, als diese Bemühungen erfolgreich zu werden versprachen, wandte sich der schlauer Rumäne - der die Mentalität rumänischer Verhältnisse genau kennend - an die von chauvinistischen Geiste durchsetzten Kriegsbehörden des unter Belagerungszustand stehenden Siebenbürgens und machte die Meldung, da seien zwei Deutsche gekommen, die offenbar irgend etwas im Schilde führten. Er ließ schlauer Weise auch das Wort „Bolschewismus" mit durchklingen und erreichte sein Ziel.
Die beiden Deutschen wurden noch am selben Tage verhaftet, all ihre Papiere beschlagnahmt, und der rumänische Gauner konnte zunächst seine Schurkereien ungehindert fortsetzen. Energische Proteste des Auswärtigen Amtes, Berlin, der amerikanischen Gesandtschaft in Bukarest und auch selbst des Weißen Hauses in Washington erreichten dann, innerhalb 12 Tagen, dass der Kriegsgericht-Staatsanwalt der wohl mittlerweile auch bereits eingesehen hatte, dass er eine Dummheit machte - auf Drängen der rumänischen Regierung die beiden Deutschen notgedrungen freilassen musste.
Man wandelte man die Anklage gegen die beiden Deutschen dahin um,

Zitat

sie hätten Propaganda für die internationale Bibelforscher Vereinigung - die unter dem alten Regime in Rumänien verboten war - betrieben.
Weder sie noch das Auswärtige Amt, Berlin, erhielten irgendeine Vorladung zu einem Termin, sondern Mitte Februar 1929 wurde einfach Termin anberaumt und die beiden deutschen Herrn in contumacium unter der vorgenannten Anklage der Propaganda für die IVEB zu 10 Jahren Zuchthaus und Einziehung der Ihnen bei Ihrer damaligen Haftentlassung als Kaution abgeforderten 200.000 rumänische Lei verurteilt.

Kommentierung der politischen Lage in Rumänien
Zitat

Es kann getrost gesagt werden, dass der eigentliche Herrscher Rumäniens der priesterliche Patriarch des Landes ist, denn der rumänische König ist noch ein Knabe und bei allen Staatsgeschäften, militärischen Veranstaltung oder ähnlichen Anlässen sieht man das schlaue Rasputin-Profil des Patriarchen schmunzeln."

Ergänzend liest man dazu im 2006er ZJ-Jahrbuch, dass der dortige erste Leiter des WTG-Büros ein gewisser Jakob B. Sima war. Weiter erfährt man über selbigem:
Zitat

„Leider wurde zu jener Zeit Jacob B. Sima untreu. Durch sein Verhalten verlor die Gesellschaft im Jahr 1928 den ganzen Grundbesitz samt Ausrüstung!
Im Jahrbuch 1930 hieß es:
Zitat

"[Die Brüder] haben sich . . . zerstreut und ihr Vertrauen ist erschüttert. Wegen der schwierigen Lage wurde die Aufsicht über das Werk in Rumänien im Jahr 1929 dem deutschen Zweigbüro und später dem Zentraleuropäischen Büro in Bern (Schweiz) übertragen."

Offenbar hatte der Herr Sima den Balzereit und Dollinger ihr „Geschäft", für die WTG zu retten, was zu retten ist, nach Kräften erschwert.

Zum Thema kann man auch vergleichen:
19292Rumaenische

von Drahbeck - am 18.06.2013 22:36

Der Streit ums Aluminium-Geschirr geht weiter

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
In Kommentierung der „Goldenen Zeitalter"-Ausgabe vom 1. 1. 1928, wurde auch auf den Umstand eingegangen, dass selbiges von der Aluminium-Industrie zu einer Presserechtlichen „Berichtigung" gezwungen wurde. Zwar wurde dem entsprochen. Indes der ihm zugrunde liegende Disput, war damit keineswegs „ausgeräumt"

Schon in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 6. 1928, sieht sich selbiges erneut genötigt, einem „Berichtigungs"-Verlangen nachzukommen. Wiederum „gewürzt" mit eigenen weiteren Beiträgen zum Thema, über die jene das Berichtigungs-Verlangen durchdrückende Aluminium-Industrie wohl kaum „glücklich" gewesen sein dürfte. Im nachfolgenden sei dieser Disput, kommentarlos, in Fortsetzung weiter vorgestellt.
Man liest in dieser Ausgabe:
Zitat

„Berichtigung
Gemäß § 11 Preßgesetz geben wir folgender Berichtigung Raum, welche uns von dem Geschäftsführer des Reichsverbandes der deutschen Aluminiumwaren-Industrie mit dem Ersuchen um Einrückung zugeht:

Zitat

„Es ist nicht richtig, daß das Aluminum und seine Verbindungen die Ursache für zahlreiche Erkrankungen des Magens und der Därme ist. Weiter ist nicht richtig, daß insbesondere die Krebskrankheit durch das Aluminium oder seine Salze hervorgerufen oder verbreitet wird. Vielmehr ist richtig, daß das Aluminium und seine Verbindungen vollkommen ungiftig sind und vom gesundheitlichen Standpunkt aus keinerlei Bedenken gegen eine Verwendung als Geschirr in Haushaltungen, Hotels und Krankenhäusern zu erheben sind. Das ist auch der Standpunkt des Reichsgesundheitsamts in seinem Gesundheitsbüchlein S. 105.
Reichsverband der deutschen Aluminiumwaren-Industrie
gez. Dr. Görnandt."

Dazu der GZ-Kommentar:
Zitat

Noch einmal das Aluminium-Kochgeschirr
Wir hatten bereits vor einiger Zeit eine uns vom Reichsverband der deutschen Aluminiumwaren-Industrie zugesandte Berichtigung vorgenommen. Bekanntlich enthält das deutsche Preßgesetz eine Paragraphen, welcher besagt, daß zu irgendwelchen Meldungen, durch die sich irgend jemand berührt fühlt, dieser das Recht hat, die Darlegung der Sache von seinem Gesichtspunkte aus zu verlangen. Die Frage, ob Aluminiumgeschirr schädlich oder nicht schädlich ist, ist als eine absolut streitbare zu bezeichnen. Und dann beabsichtigen wir nicht, es zu einem Gerichtsverfahren kommen zu lassen, und haben die uns seinerzeit von dem Verband gesandte Berichtigung aufgenommen, sintemal es ja auch zu einem der vornehmsten Grundsätze des G. Z. gehört, soweit es Raum und Verhältnisse gestatten, jedem das Wort zu geben. Neuerdings aber schreibt der betreffende Verband wieder und hat ein anderes Häckchen gefunden, in das er einhakt, dergestalt, daß die von uns gebrachte Berichtigung nicht den Forderungen des Preßgesetzes entspräche, weil sie nicht in derselben Schriftgröße gesetzt sei wie der Artikel, und verlangt, daß wir die Berichtigung nochmals bringen.
Nun gut, er wird das Vergnügen genießen. Vorstehend die Berichtigung noch einmal.


Wir hätten diese Frage nicht wieder angeschnitten,
Zitat

trotzdem uns aus unserem Leserkreis ungemein viele Zuschriften zugingen, welche die in dem angefochtenen Artikel zum Ausdruck gebrachten Gedanken unterstützen, aber der Aluminiumverband hat scheinbar ein Interesse daran, die Frage noch einmal aufs Tapet zu bringen, weshalb wir an dieser Stelle - ebenfalls auf Grund des Preßgesetzes, das uns nachweislich der ständigen Rechtsprechung dieses Recht einräumt - noch einmal betonen, daß weder die Berichtigung des Aluminiumwarenverbandes, noch das Gutachten des Reichsgesundheitsamtes - das durchaus nicht so restlos positiv spricht, wie es der Aluminiumverband versteht - die Tatsache ungeschehen machen, daß eine große Anzahl ernst zu nehmender Männer der Medizin und der Chemie - auf welche auch in dem angefochtenen Artikel Bezug genommen wird - mit uns der Überzeugung sind, daß Aluminiumgeschirr keineswegs so gesundheitsunschädlich sind, wie dies nach der vorstehenden Berichtigung angeblich der Fall sein soll. Aus der Fülle des uns aus den Reihen unserer Freunde und Leser eingesandten Materials geben wir nur zwei Zuschriften zur Kenntnis.

Herr K. O. In Hirtscheid-Erbach (Westerwald), der uns einen längeren Artikel dafür, daß Aluminium-Kochgeschirr giftig sind, einsandte, schreibt uns:

Zitat

„Ich übersende beigeschlossen die Originalkarte des Laboratoriums „Weißer Hirsch", Inhaber Regnar Berg, Dresden. Auf die Angaben dieses Chemikers ist mein Artikel zum Teil aufgebaut, zum anderen beruht er auf Angaben in bedeutenden medizinischen Werken, wie z. B. Arzneimittellehre von Farrington, ferner Lehrbücher der Homöopathischen Therapie (Verlag Dr. W. Schwabe, Leipzig) und auf anderen Quellen."

Die Auskunft des physiologisch-chemischen Laboratoriums (öffentliches Laboratorium für klinische, chemische und mikroskopische Untersuchungenm Analysen und Gutachten) Weißer Hirsch-Dresden, lautet:

Zitat



von Drahbeck - am 19.06.2013 22:55

Narrengewäsch

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Zwei Bilder aus dem „Goldenen Zeitalter" vom 15. 6. 1928, einschließlich ihrer vom GZ hinzugefügten redaktionellen Kommentierung, mögen im nachfolgendem einmal vorgestellt werden. Ein zusätzlicher Kommentar dürfte sich wohl erübrigen. Der vom GZ bereits gegebene Kommentar spricht wohl für sich:



von Drahbeck - am 21.06.2013 01:57
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