Zeitgeschichte vor siebzig Jahren

Startbeitrag von Drahbeck am 28.01.2013 00:57

Neujahr 1943
„Zum neuen Jahr" titelt „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 1. 1943, seinen ersten einleitenden Artikel. Und in selbigem auch ein Abschnitt „Ein Blick in die Zukunft".

Und wie würde selbige aussehen? Die Frage die „Trost" und seine Leserschaft, auch in diesem Artikel, umtreibt, ist doch die:
Zitat

„Werden wir nun die Aufrichtung der gerechten, neuen Welt erleben dürfen?"

Und der eigenen Konkurrenz auf dem Markt der Leichtgläubigen, meint man im nächsten Satz bescheinigen zu sollen:
Zitat

„Von Wahrsagern in Anmaßung geäußerte Prophezeiungen, wie etwa Horoskope, sind völlig wertlos."

So so, wäre da wohl blos erst mal zu sagen. Und was ist mit den „Wahrsagern" in den eigenen Reihen? Etwa dem damals langjährigem „Ober-Wahrsager" Rutherford. Hatte der denn nicht noch jüngst in dem Buch Kinder, dass zu der Zeit, auf Geheiß der WTG, sich die Zeugen immer noch mühten, es in klingende Münze umzusetzen. Hatte der nicht in dem Buch noch getönt, mit dem „Heiraten bis nach Harmagedon" zu warten?!

Warum, weil es doch nur noch eine „kurze" Zeitspanne bis dahin sei.
Nun wenn Wahrsager etwas verkünden, muss man sich allerdings, auf allerlei Taschenspielertricks gefasst machen. Das gilt dann auch und besonders für den „Oberwahrsager" Rutherford.

Was ist in dessen Lesart, eine „kurze" Zeitspanne?
Wollte er nicht eigentlich selbst noch Nutznießer selbiger sein?
Sicherlich, in seinem „Beth Sarim" lebte es sich sicherlich angenehmer, als etwa in einer „Mönchsklause" in Brooklyn. Insofern ist er ja wohl keineswegs „zu kurz" gekommen.

Aber nun erlitt auch Herr Rutherford, das Schicksal aller „Wahrsager". Eines Tages ist Schluss.

Aber sein Gummiband von der „kurzen Zeitspanne" geisterte weiter umher. Warum? Weil es halt immer wieder welche gibt, die ihr Wunschdenken mit der Realität verwechseln, und gleich den dem Narren in Gorkis „Nachtasyl" sich auf den Standpunkt stellen.
Wenn Gelehrte sagen, das erhoffte „Reich der Gerechtigkeit, für das man gedarbt, gedarbt und nochmals gedarbt habe, gebe es eigentlich nicht, dann sei das „Raub". Und „Raub" wolle man sich halt nicht gefallen lassen. Also darbt man weiter.

Es ist eine große Tragik menschlicher Natur, die sich da offenbart, ohne Zweifel. Wer sich nicht dazu durchringen kann, „den Himmel den Spatzen zu überlassen", der wird wohl immer wieder neu-alten „Wahrsagern" auf den Leim krauchen. Und auch die WTG könnte ihr Geschäft nicht betreiben, fände sie nicht eine aufnahmebereite Klientel vor.

Darüber waren sich aber die „Wahrsager"-Nachfolger des Herrn Rutherford sehr wohl im klaren. Jetzt heisst es wohl erst mal „die Kurve zu bekommen".

Gummibänder sind zwar gut und schön, jetzt ist es aber mal angesagt, diese Gummibänder in eine etwas andere Richtung zu zerren.

Und selbiger kann man auch in diesem „Trost"-Artikel begegnen, wenn es denn weiter heißt:
Zitat

„Was ist zu erwarten? Wird der gegenwärtige Krieg die alte Welt beenden und beginnt unmittelbar danach die neue Welt der Gerechtigkeit? Die ... Antwort lautet: "Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Sehet zu, erschrecket nicht; denn dies alles muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende." ... Ehe Harmagedon kommt, wird sich l. Thessalonicher 5: 3 erfüllen müssen: "Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, . . . und sie werden nicht entfliehen." Dieses Ende der Macht des Widersachers zeigt Daniel ...
"Aber Gerüchte von Osten und Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in großem Grimme, um viele zu vernichten und zu vertilgen. ... Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen."

Diese Gerüchte von Norden und Osten, die den "König des Nordens" erschrecken, beziehen sich offenbar auf die Botschaft, die nach Friedensschluß in Gottes Auftrag verkündet wird."

Und mit diesem „Verkündigen" ist man ja nach wie vor beschäftigt. Und wenn sie denn nicht gestorben sind, verfolgen auch sie ihren Narrenlauf, bis zum Sankt Nimmerleinstag!

Antworten:

„Voreilige Erwartungen"

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Zitat

„Die voreiligen Erwartungen der Urkirche und vieler Gläubigen in frühern Zeiten vor uns sind kein Beweis dafür, daß das Reich des Christus immer wieder „verschoben" wird. Einmal muß es mit großer Macht erscheinen. Und eine Überfülle von Prophezeiungen zeigt, daß wir in dieser wichtigen Zeit leben"
, meint „Trost" in seiner Ausgabe vom 15. 1. 1943.

Ein solches Votum ist zwar einerseits aus der zeitgenössischen Befindlichkeit - mitten im zweiten Weltkrieg - verständlich.
Andererseits gilt es aber auch klar zu sagen:
Wunschdenken und Realität, sind „zwei linke Schuh", die vorne und hinten nicht zusammen passen.

Das wiederum ficht die vom Wunschdenken durchtränkten, nicht im mindesten an, was man ja keineswegs „erst" seit Maxim Gorkis „Nachtasyl" zur Genüge kennt.



Ein besonderes „Schmankerl" indes meint diese „Trost"-Ausgabe dennoch noch zu haben. Beginnend mit dieser Ausgabe, sich fortsetzend bis zum 15. 3., offeriert sie ihren Lesern den Fall Ivan Panin. Zwar verwies auf den schon im Jahre 1907, die sich ab diesem Zeitpunkt in zunehmender Opposition zur WTG befindliche „Aussicht" darauf. Siehe dazu 19072Pilati Aber die offizielle WTG scheint jenes Thema eben bis zu den „Trost"-Ausgaben des Jahres 1943, dann wohl nicht mehr aufgenommen zu haben.

Eine Zusammenfassung der Panin-Ausführungen des „Trost" in
Parsimony.3832

von Drahbeck - am 29.01.2013 00:19

Der „Stein des Anstoßes"

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Das in St. Gallen erscheinende katholisch orientierte Blatt „Die Ostschweiz", veröffentlichte in seiner Ausgabe vom 11. 12. 1941 auch einen „Das System der 'Zeugen Jehovas'" überschriebenen Artikel.
Als redaktionelle Einführung konnte man in selbigem auch die Sätze lesen:
Zitat

„Die 'Zeugen Jehovas', die sich früher 'Ernste Bibelforscher' nannten, unternehmen derzeit eine neue Offensive in der Schweiz. In den größeren Städten, wie in Zürich, Basel usw. berufen sie Massenkundgebungen ein. In St. Gallen wurde die geplante Veranstaltung noch rechtzeitig verboten. Der nachfolgende Artikel gibt einen aufschlußreichen Einblick in das System der 'Zeugen'".

Und im nachfolgenden lies dann dieser katholische Artikelschreiber seinen Aversionen freien Lauf, u. a. mit den Sätzen:
Zitat

„Behandeln wir erst den zweiten Punkt ihres Programms: Kampf gegen das sog. Christentum. Dies muß notwendigerweise in der Leugnung der christlichen, vor allem der katholischen Glaubenswahrheiten bestehen.
Ihre diesbezüglichen Vorwürfe lassen sich wie folgt aus ihrem Schrifttum zusammenstellen:
Die Unsterblichkeit der Seele ist eine Lüge Satans.
Das Dogma von der Dreifaltigkeit Gottes ist eine Gott entehrende Lehre, ist ein trinitarischer Unsinn.
Fegfeuer und Hölle bestehen nicht, die katholische Lehre darüber ist gotteslästerlich.
Das Sakrament der Taufe wird von der katholischen Kirche unrichtig gespendet, denn es sollte durch Untertauchen vollzogen werden, und zudem dürfen nur Erwachsene getauft werden. Die hl. Messe ist eine ungereimte Theorie, ein Scheinopfer, eine Grundirrlehre.

Weiter im Text:
Zitat

Der 1914 ausgebrochene Weltkrieg hat die Haltlosigkeit solcher Lehren bewiesen und erspart uns eine Widerlegung. Übrigens geben die Zeugen Jehovas selbst zu, daß sie sich darin geirrt haben.
Jetzt aber ist der Zeitpunkt der Wiederkunft Christi trotzdem gekommen, wie sie gerade in Zürich wieder verkündigt haben. Nun soll das falsche Christentum endgültig vernichtet werden in der großen Gottesschlacht, von ihnen genannt die Schlacht von Harmagedon.
Aber einige Fragen richten wir an diese Leute zur Beantwortung.

Zum Beispiel diese:
Zitat

Wie überbrückt ihr diesen Zeitraum vom Tode des letzten Apostels bis zu Russell?
Wie wollt ihr schließlich beweisen, daß Gottes Zorn, den Ihr den christlichen Religionen androht, Euch nicht treffen wird, wo doch in der Geheimen Offenbarung (22, 18-19) gedroht wird:
„Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buche geschrieben steht. Wer von den Worten eines prophetischen Buches wegnimmt, dem wird Gott wegnehmen seinen Anteil am Baume des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buche geschrieben ist."

Da hatten also die Zeugen, via der „Ostschweiz", ihr „Fett weg". Waren sie davon „beeindruckt" Wohl kaum. Das hätte man aber auch vorher wissen können. Nur, wer das eben nicht wußte (oder besser gesagt: nicht wissen wollte), war besagte „Ostschweiz".

Wie bereits in Kommentierung zur „Trost"-Ausgabe vom 1. 2. 1942 festgestellt wurde,
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,122282,125333#msg-125333
war letztendlich dieser „Ostschweiz"-Artikel für die WTG ein gefundenes Fressen. Ein „Fressen", das sie sich nicht entgehen lässt. Hatte doch der katholische Schreiber darin auch formuliert, den Zeugen Fragen zu stellen. Und wenn denn „Fragen" gestellt werden, ist ja ein billiges Alibi gegeben, darauf auch zu antworten.

Das wann immer von katholischer Seite etwa Begriffe wie „Hölle", „Fegfeuer", „Trinität" mit in den Anti-Zeugen-Diskurs eingebracht werden, kann man dann fast darauf warten kann, dass diese Reizworte auch prompt von den Zeugen aufgenommen, und des lang und breit darüber disputiert wird, trat auch in diesem Fall ein. Und genau so, ist es dann auch abgelaufen.

Bereits in der „Trost"-Ausgabe vom 1. 2. 1942 offerierte also die WTG ihre Form der „Antwort" darauf. Und genauso, wie der Ausgangs-Artikel der „Ostschweiz" wohl in erster Linie im Sinne katholischer Selbstbestätigung verfasst war. Kaum aber in dem Sinne den Gegner zu überzeugen. Genauso verlief es nun auch in umgekehrter Richtung. An der Fähigkeit beider Seiten, prächtig aneinander vorbei zureden, mangelte es sicherlich nicht.

Und weil die WTG sich nun schon auf „Euphorie-Wolke sieben" in dem Disput wähnte, beschloss man den vermeintlichen Triumph dann noch weiter auszubauen. Dergestalt, dass man dass was man bereits in „Trost" vom 1. 2. 1942 geschrieben hatte, gleich noch als Separat-Flugblatt unter dem Titel „Katholiken fragen Zeugen Jehovas" herausbrachte.

Sollten also katholische Kreise je geglaubt haben, mit jenen „Ostschweiz"-Artikel den Zeugen eins „ausgewischt" zu haben, erfuhren sie nun was schon Goethe in seinem Zauberlehrling reflektierte.
Die Geister die man rief, wird man nicht mehr los!

O, sagte sich da wohl die Catholica. Da müssen wir doch jetzt mal die Notbremse betätigen. O sagte sich der wohl katholisch orientierte „Statthalter der Ortschaft Sursee" im Kanton Luzern (beiläufige Frage: Wer außerhalb des Kantons Luzern kennt Sursee?)

Wie auch immer, nun wollte auch der „Statthalter von Sursee" in treuer Gefolgschaft für Catholica, mal „große Geschichte schreiben". Ergo, was tat er?
Er schickte der aber im Kanton Bern ansässigen WTG, die Polizei auf den Hals, mit der Maßgabe, alle noch greifbaren Exemplare des Flugblattes „Katholiken fragen Zeugen Jehovas" beschlagnahmen zu lassen. Und siehe da, 6400 Exemplare davon konnten so noch konfisziert werden.

Das die WTG darüber nicht „erfreut" sein würde, hätte eigentlich auch der „Statthalter von Sursee" im voraus wissen können. Sein vorauseilender Gehorsam gegenüber der Catholica indes, hat wohl diesen Aspekt verdrängt.

Nun aber musste sich der „Statthalter von Sursee" als erstes in der Folge mal belehren lassen. Er sei doch im Kanton Luzern angesiedelt. Die WTG indes im Kanton Bern. Ergo habe er eigentlich schon damit seine Machtkompetenzen überschritten.
Wie man unschwer erraten kann, fand nun diese Komödie auf der Ebene der Justiz ihre Fortsetzung.
Ach ja. Da waren dann noch zwei WTG-Funktionäre.
Alfred Rütimann und Maurice Fleury mit Namen. Selbiger „beehrte" dann der Statthalter von Sursee noch mit einer „amtlichen Anzeige".
Und weil diese Groteske für die WTG-Interessen letztendlich gut auslief, versäumt es „Trost" in seiner Ausgabe vom 15. 2. 1943 nicht, diese amtliche Anzeige, unübersehbar, im DIN A4-Format mit abzubilden.

Selbige „Trost"-Ausgabe weis dann auch zu berichten, dass die WTG in allen wesentlichen Punkten, dann noch einen gerichtlichen Freispruch erkämpfte.

Das hätte man eigentlich auch im voraus in „Schildburghausen" wissen können.
Pardon: Es war ja nicht von „Schldburghausen" die Rede sondern nur von „Sursee" alias Catholica. Was wiederum wohl kein „großer" Unterschied in der Praxis sein dürfte!

von Drahbeck - am 26.02.2013 12:49

Ivan Panin

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Etwa zwei Druckseiten ist „Trost" (in Fortsetzung) sein Jubelbericht über den Ivan Panin, in der Ausgabe vom 1. 2. 1943 wert, was schon ein gewisses Indiz dafür ist, welchem Stellenwert man ihm denn beimisst. Bereits in der vorangegangenen „Trost"-Ausgabe, begann ja dieser Panin-Bericht.
Siehe auch:
Parsimony.3832

Im alten Infolink-Forum meinte am 23. 2. 1999 der User „LuckyX" einmal, dass die WTG in den 20er mit dem Ivan Panin (laut „Trost" vom 1, 2. 1943 selbiger in Toronto, Kanada) zusammenarbeiten wollte, ihn dann jedoch fallen ließ, als Johnson, in London in Ungnade fiel.

Am 14. 4. 1999 schrieb selbiger User nochmals in Sachen Panin:
Zitat

„Weniger zu Ihrer (der ZJ) Freude aber meinte er, die Worte am Kreuz zum Schächer seien infolge der zusammenhängende Zahlenblöcke eindeutig :
Wahrlich, ich sage Dir, heute wirst Du mit mir im Paradiese sein (und nicht wie ZJ behaupten: Heute sage ich Dir, Du wirst .. (in einer fernen Zukunft) mit mir im Paradiese sein).

Und weiter:
Zitat

„Die WTG hatte mit ihm in den Zwanziger Jahren zusammengearbeitet, Kontaktmann war der Londoner Zweigdiener Johnson. Als dieser in Ungnade fiel (man hatte ihm später Unregelmäßigkeiten nachgesagt, ein altes und probates WT-Mittel, unliebsame Ex-Mitarbeiter zu verunglimpfen), endete auch diese Zusammenarbeit. Man findet einige Hinweise auf Panin unter folgender URL :

cs.anu.edu.au/people/Brendan.McKay/dilugim/panin.html
(Offenbar noch heute aufrufbar).

Vorstehende Webseite kommentierte genannter User dann noch mit den Worten:
Zitat

„Allerdings ist der Autor dieser Page ein recht heller Kopf, ein Mathematiker an einer australischen Universität und macht keinen Hehl aus seiner Meinung, wonach das letztlich großer Humbug sei.
Ein Link auf seiner Page verweist auf einen amüsante Satire (Anmerkungen von Besucher 6006), man kann da schon schmunzeln.


cs.anu.edu.au/people/Brendan.McKay/dilugim/vis6006.html

Zitat

Schließlich weist er nach, daß ähnliche Muster sich auch aus anderem Schrifttum destillieren lassen, z.B. den Schriften von Edgar Allen Poe, der ja eher dem Absurden und Okkulten zugetan war.

cs.anu.edu.au/people/Brendan.McKay/dilugim/poe.html
Zitat

Ein Verlag "Die Fundgrube" hatte in den Sechziger Jahren Panins Schriften vertrieben und sie wurden von ZJ sehr geschätzt, wenn es darum ging, anderen zu "beweisen", daß die Bibel Gottes Wort sei. Man hatte sogar aufgrund der Zahlenstrukturen eine "korrigierte" Bibel rekonstruiert, dergestalt daß die Zahlenstrukturen auch dort auftauchten, wo sie nicht vorhanden waren (d.h. verloren gegangen sein mußten). Der Name Jhwh hatte dabei allerdings keinen Platz im neuen Testament.
Aber so etwas konnte man ja verdrängen, brauchbar war der Panin ja trotzdem. Und wo er der WTG Lehre widersprach, hatte diese ja sowieso und ganz automatisch recht, aufgrund höherer Einsichten sozusagen."

Soweit es Deutschsprachige Quellen betrifft, sind mir für diese Aussagen dort kein näheren Quellenbelege bekannt.
Die Haupt"wirksamkeit" des Panin lag wohl im Englischsprachigem Raum.
Fest steht jedoch, dass eben „Trost" im Jahre 1943 diesen Panin im besonderen herausstellte, und sich damals auch dessen Thesen zu eigen machte.

Was den mit genannten „Verlag Fundgrube" anbelangt, selbiger in Deutschland in einer Ortschaft mit dem sinnigen Namen „Post Warngau" angesiedelt, so veröffentlichte selbiger mal von diesem Panin eine Schrift mit dem Bandwurmtitel:
„Die entscheidende Entdeckung aller Zeiten der unwiderleglich exakt wissenschaftlich-mathematische Beweis der Existenz Gottes und des Urtextes seiner Schriften durch die Feststellung, daß Gott jeden Buchstaben des Urtextes mit einer Zahl versiegelt hat."

Offenbar hat man zeitgenössisch solcherart „entscheidende Entdeckung" eben nur in „Post Warngau" zu würdigen gewusst; respektive - auch - bei den Zeugen Jehovas.

In genannter Schrift kann man z. B. die markigen Sätze lesen:
Zitat

„Der Ivan Panin, der diese Entdeckung der Zahlenversiegelung der Bibel machen durfte, war früher selbst ein Gottesleugner, weshalb sein Werk um so großartiger ist" (S. 3)

Und damit auch alle sonstigen Kaffesatzleser, Astrologen und was es da sonst noch alles so an einschlägigen Dummheits-Verkäufer gibt, ehrfurchtsvoll vor diesem Panin in die Kniee gehen mögen, heißt es weiter in dieser Schrift:
Zitat

Zum Schlusse findet sich noch eine übernatürliche Bekräftigung der Richtigkeit der Zahlenwerte des hebr. und griech. Alphabets in den beiden Tatsachen:
Der Zahlenwerte des Alt-hebräischen Alphabets, in dem das A. T. geschrieben ist - 1455 - ist gleich der Anzahl der Jahre, die das israelische Volk 'unter dem Gesetz' verbrachte - d. i. vom Auszug aus Ägypten im Jahre 2537 bis zur Kreuzigung Christi im Jahre 4037;
Der Zahlenwert des Koine griechischen Alphabets, in den das N.T. geschrieben ist - 3999 - ist gleich der Anzahl der Jahre, die seit Erschaffung des ersten Menschen bis zur Geburt Jesu Christi, des Menschensohnes, vergangen sind. 'Wer Ohren hat zu hören, der höre!'"(S. 13).

Na ja, wer denn einstmals aus den Maßen der Pyramide zu Gizeh, unter Verwendung eines eigens kreierten „Pyramidenzolls" die erstaunlichsten Dinge herauslas;wobei sich dann noch die Maße jenes „Pyramidenzolls" in die unterschiedlichen Auflagen von Band 3 „Schriftstudien" veränderten Über den braucht man sich dann wohl nicht mehr zu wundern, ordnet er auch einen Panin mit in seine Ahnengalerie ein.

von Drahbeck - am 27.02.2013 23:16

1925

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
In lapidaren Worten, begegnet man in der Rubrik „Fragenbeantwortung" des „Trost" vom 1. 3. 1943 auch dieser:
Zitat

„Was hat es eigentlich mit 1925 auf sich?"

Zwar wird erwähnt, dass von Rutherford in „Millionen jetzt lebender werden nie sterben", jenes Datum mal auf den „Ententeich" gesetzt wurde. Damit ist dann aber auch für „Trost" schon das Ende der „Fahnenstange" erreicht.
Jenes Datum sei zwar „verfrüht". Das wiederum ficht „Trost" nicht weiter an.
Und man meint sich auch noch mit dem Taschenspielerkünststück herausreden zu können, dass gemäß auch der eigenen Auffassung „die Erde nicht untergehen wird."

Wenn also andernorts - unter Hinweis auf Rutherford - vielleicht die Vokabel „Weltuntergang" oder ähnliches Verwendung findet, wähnt man sich die Hände in Unschuld waschen zu können.

Die „Antwort" die da „Trost" offeriert erweist sich somit identisch mit einem ziemlich löchrigen „Schweizer Käse". Vor allem die „Löcher" dabei, „imponieren" im besonderen!

von Drahbeck - am 29.03.2013 23:55

Fragwürdige „Verbündete"

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
So so, mag man da nur als erstes mal sagen.
Wie war das eigentlich, als einige Tageszeitungen in der Schweiz, den Tod Rutherford's zum Anlass nahmen, einen Artikel über die Zeugen Jehovas zu publizieren, der auf WTG-Seite nur eines vor allem bewirkte. Helle Empörung (ob zu recht oder nicht, ist jetzt eine ganz andere Frage).
Mysnip.121950

Wie reagierte da die WTG?
Die in Rede stehenden Zeitungsredaktionen wurden mit „Berichtigungs"-Verlangen (ob zu Recht oder nicht, ist wiederum eine andere Frage), überschüttet. Noch nach 1945, als die Schweizer Zeitschrift „Die Woche", jenen (für die WTG) missliebigen Artikel nachdruckte, gab es von ihrer Seite nur eines vor allem. Die Forderung nach einer „Berichtigung".

Wie waren denn die Wurzeln jenes Artikels, welche die WTG so in Rage brachte? Geht man dieser Frage, stellt man vor allem eines fest. Noch bevor irgendeine Tageszeitung jenen Artikel nachdruckte, war es der Schweizer „Freidenker" der ihn zu allererst brachte. Sein Verfasser ist somit eindeutig einer bestimmten Richtung zuzuordnen.
Man vergleiche dazu auch:
Die Kommentare zu „Trost vom 1. 1. 1942 und „Trost" vom 3. 1. 1942
Kommentarserie 1942

sowie auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,610,2383#msg-2383

Hat man das alles schon nach relativ kurzer Zeit bei der „Trost"-Redaktion/Zeugen Jehovas wieder vergessen?
Oder dominierte selbige auch der Grundsatz, dass der Zweck die Mittel heilige?!

Es ist schon fast eine Lachnummer zu registrieren, welchen vermeintlichen „Verbündeter" sich da „Trost" in ihrem Bemühen der religiösen Konkurrenz eins auszuwischen, bedient. In der „Trost"-Ausgabe vom 1. 3. 1943, sogar den „Freidenker". Da hatte „Trost" einen Pressebericht entdeckt und fühlt sich prompt dazu veranlasst, seinerseits entsprechenden „Senf" hinzuzugeben. Aber bilde sich jeder seine eigene Meinung über diese „Trost"-Kommentierung.

Unter der Überschrift „Unberechtigte Angriffe?" schreibt also „Trost" zur Information für seine Leserschaft:
Zitat

"Der Beobachter" (Nr. 2, 1943) beklagt sich über
Zitat

"das Sprachrohr derer, die an keinen Gott und an keine Religion glauben und die stolz darauf sind."

Zitat

Gemeint ist die Monatsschrift "Der Freidenker", die nach Aussagen des "Beobachters" andauernd
Zitat

"gegen eine Religion hetzt, die immerhin seit 650 Jahren die Grundlage unseres Staates gewesen ist."

Zitat

Die Aussage, daß das Christentum die Grundlage der Schweiz seit 650 Jahren gewesen sei, wird zwar heute häufig wiederholt, aber wer die Schweiz und ihre Geschichte kennt und aus der Bibel einen Begriff hat von wahrem Christentum, wird seine Bedenken gegen jene fromme Behauptung nicht so schnell los.

Was sonst noch sachlich über die Schweiz im "Beobachter" berichtet wird, (über Steuerhinterziehungen, Mentalität vieler Arbeitgeber, Strafrecht, Volontärinnen im Fremdsprachgebiet als billige Arbeitskräfte ausgenützt, Verstöße gegen Treu und Glauben, Erfahrungen beim Einsammeln des Wochenbatzens für kriegsgeschädigte Kinder, usw.) bestärkt noch die berechtigten Zweifel an der "christlichen Grundlage" der Schweiz.
"An ihren Früchten sollt ihr es erkennen", nicht an der frommen Propaganda.
Pestalozzi war ehrlich, als er schrieb, daß es bis zu seiner Zeit keinen christlichen Staat gegeben habe.
Interessant ist noch der Nachweis "gehässiger Angriffe gegen die Kirche", den ein Zitat erbringen soll. "Der Beobachter" schreibt:

Zitat

Aber es erscheint kaum eine Nummer des "Freidenkers", die nicht die gehässigsten Angriffe gegen die Kirche richtet, die vielen Schweizern ebenso heilig ist wie den organisierten Gottlosen ihre Gottlosigkeit.
So setzt sich der "Freidenker" vom l. Januar mit dem Aberglauben der Horoskopstellerei auseinander und schreibt dazu:

Zitat



von Drahbeck - am 31.03.2013 02:17

Nochmals: Herr Mäder

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
„Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 4. 1943, ist bezüglich seines zeitgenössischen katholischen „Lieblingsfeindes" wieder einmal fündig geworden. Ehrensache für „Trost", dass es sich diese Chance dem dann ein „auszuwischen", nicht entgehen ließ. Lag doch „Trost" noch sein „Dynamit unterm Schweizerhaus", „schwer im Magen". Sah man sich doch darin selbst als verachtetes „Dynamit" dargestellt.
Siehe dazu auch den Kommentar zur
„Trost"-Ausgabe vom 15. 9. 1941.
Nun also hatte „Trost" eine bereits 1917 erschienene Schrift dieses seines Gegners, entdeckt. Der „Trost"-Kommentar zu selbiger sei im Nachfolgenden noch kommentarlos vorgestellt. Nicht die Kritik an diesem katholischen Gegner kann hierbei der relevante Aspekt sein. Der relevante Aspekt besteht allenfalls in der Frage. Inwieweit ist denn nun „Trost" „besser"?

Sicherlich, vieles im Leben ist von Zeit und Umständen abhängig. So auch in diesem Fall. Und die Freiheitskämpfer von gestern, entpuppen sich nicht selten als die Diktatoren von Morgen, wenn sie denn die Chance dazu bekommen. Das gilt es auch dabei zu sehen. Genug des Kommentars. Nachstehend noch das, was „Trost" in der genannten Ausgabe ausführte:
Zitat

„Intolerante Leute haben immer wieder unter allerlei Vorwänden einen Weg gesucht, des Herrn Gebot zu umgehen. Die Interessen ihrer "Kirche" lagen ihnen so sehr am Herzen, daß sie lieber in ihrem Eifer den Weizen mit ausrotteten, als Christi Anweisung, zu warten, befolgten.

Zu diesem Thema schreibt ein katholisches Büchlein ("Wenn Paulus wiederkäme . .." Gedanken über die katholische Sprache von R. Mäder, Pfarrer, 1917):

Zitat

"Die Kirche soll die Erde zum Garten Gottes machen. Man kann nicht Gärtner sein, ohne das Recht, das Unkraut ausreißen zu dürfen.
Was jeder Lehrer, jeder Arzt, und jeder Gärtner darf, das darf auch die Kirche. Das war ihre Sorge von Anfang an, das ihr anvertraute Wahrheitsgut rein und unbefleckt zu bewahren. Kein Jota dazu, keins davon!

Nie kannte Rom das, was jetzt Achtung vor fremder Überzeugung genannt wird ...
Deswegen hat die Kirche, vom Recht der Zensur Gebrauch machend, die Bücher auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und gegebenenfalls verboten. Sie hat im Index ein Verzeichnis der verbotenen Schriften zusammengestellt und das Lesen einiger derselben sogar mit der Exkommunikation bestraft." (Seite 7 und 8)"

Dazu kommentiert „Trost":
Zitat

„Dieser Auszug ist sehr gehaltreich. Kein Jota wollen sie dem Wort Gottes hinzufügen und keines wegnehmen. Aber das Gute, das sie wollten, taten sie nicht: Sie fügten eine umfangreiche Erblehre dem Wort Gottes hinzu, mehr als ein Jota! Und das Wort vom "zusammen wachsen lassen" haben sie nicht aus ihrer Bibel gestrichen, nur handeln sie nicht danach:
Das Böse, das sie nicht wollten, das tun sie. Und sie rühmen sich dessen!

Noch ein Abschnitt über Index und Zensur von R. Mäder:

Zitat

"Wer folgerichtig denken kann, wird nun im Zeitalter der Militärzensur (1917) auch den kirchlichen Index verstehen. Jede Religion hat eine gute Literatur. d. h. eine solche, die ihren Grundsätzen en: spricht, und eine schlechte Literatur, d. h. eine solche, die ihren Lehren widerspricht und vor der sie ihre Anhänger warnt.
Jede Religion hat ihren Index, gedruckt oder ungedruckt, das ist gleichgültig. Jede handhabt die Kontrolle über ihre Gegner und verurteilt, was sie sagen und was sie schreiben. Es ist ihre Indexkongregition.
Das Indizierungsverfahren ist nicht nur katholisch, es ist international. Keine Religion, keine Philosophie, keine Partei, keine Regierung ohne Index.

Gut! Lassen wir Rom den Seinigen. Er ist älter. dünner, vernünftiger, gerechter als alle andern ..." (Seite 9)

Zitat

Hier darf man vielleicht beifügen, daß diesmal das Alter den Index nicht ehrenwerter oder vernünftiger macht. Das Verbot wissenschaftlicher Bücher, etwa Galileis, hat nichts mit Vernunft zu tun gehabt, auch nicht mit Gerechtigkeit. Auch ist ein Unterschied zwischen einer Warnung und einem Verbot. Obwohl es wahr ist, daß heute nicht nur die römische Kirche, sondern auch Regierungen gewisse Bücher verbieten, so ist doch jeder denkende Mensch überzeugt, daß man heute kaum ein Buch wegen seines Unwahrheitsgehaltes verbietet, sondern wegen den darin aufgedeckten Tatsachen. Unwahrheit könnte man widerlegen, Wahrheit kann man nicht widerlegen, sondern nur verbieten. Und mit Recht fürchtet die Finsternis, daß das Licht der Wahrheit manches offenbar machen könnte, was den Kindern der Finsternis nicht genehm ist. Wer einen Index nötig hat, beweist also nicht etwa sein gutes Gewissen!

R. Mäder ist anderer Meinung. Er schreibt:

Zitat

"Das kirchliche Schriftwort leistet in Wirklichkeit mehr für den Fortschritt der Wissenschaft durch seine Warnungssignale als ganze Universitätsbibliotheken." (Seite 10)"


von Drahbeck - am 29.04.2013 03:35

selbst prüfen, ...was menschliche Erwartung

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Da windet man sich wieder einmal wie ein Aal, mag man nur als Kommentar zu der im „Trost" vom 15. 4. 1943 abgedruckten Fragenbeantwortung sagen.

Und noch etwas. Zum Zeitpunkt dieser Fragenbeantwortung. Kurze Zeit später (zumindest in der Schweiz), war dann auch das damals neue WTG-Buch „Die Wahrheit wird euch frei machen" greifbar. Insbesondere die darin vorgenommene Chronologie-Verschiebung um hundert Jahre ist beachtlich.

So wie aber die superblöde WTG-Horde solcherlei dogmatische Zäsuren zeitgenössisch nicht sonderlich registrierte (ganz im Sinne der WTG). Und wenn es sein muss schwarz für weiß erklärt und umgekehrt; so ist es auch in diesem Fall.
Nachstehend also die Frage und ihre WTG-Beantwortung, wobei wie gesagt, das kurze Zeit später im WTG-Ententeich auftauchende WTG-Buch „Die Wahrheit wird euch frei machen", noch nicht mit eingeflossen ist.

In genannter „Trost"-Ausgabe wird also angefragt:
Zitat

„In den Schriftstudien von Pastor Russell wird gezeigt, daß die 6000 Jahre seit der Erschaffung Adams im Jahre 1872 endeten, daß aber erst zwei Jahre später, also 1874, das große Jubeljahr der Erde nach den biblischen Vorbildern begann (und Christus unsichtbar gegenwärtig, wiedergekommen sei); woher mag nun diese Lücke von zwei Jahren rühren?"

Als Antwort darauf wird dazu verlautbart:
Zitat

„Pastor Russells Erklärung oder Vermutung war die, daß die 6000 Jahre von der Erschaffung Adams an zählen, daß aber die "parallelen Zeitordnungen" erst vom Sündenfall an gerechnet seien. Er nahm darum als wahrscheinlich an, daß der Sündenfall zwei Jahre nach der Erschaffung stattfand. Und daher rührt die Lücke von zwei Jahren, nach welchen hier gefragt ist.
Es ist übrigens gut, zu beachten, daß die biblischen Zahlen, etwa das Ende der sechs Jahrtausende um 1872, zuverlässig aus der Schrift entnommen sind, aber die an die "parallelen Heilszeitordnungen" geknüpften Erwartungen waren oft übertrieben.
Die Rückkehr der Gunst Gottes zum jüdischen Volk, das Ende (Verherrlichung) der Kirche auf Erden, der Tag der Schlacht von Harmagedon und andere Ereignisse waren in den Schriftstudien voreilig festgesetzt oder völlig verfehlt angenommen.
Im Vorwort der Ausgaben von 1916 oder später wurde auf diese unberechtigten Erwartungen besonders hingewiesen.
Jeder Leser muß heute selbst prüfen, wieviel von jener Zeitrechnung rein biblisch und was menschliche Erwartung, Zutat oder falsche Auslegung ist. Die Zahlen der Bibel sind von Gott eingegeben, aber es ist nicht ganz leicht (und vor der rechten Zeit unmöglich), die richtigen Schlußfolgerungen daraus zu ziehen, weil man aus den Vorbildern oder Schatten nicht "vor der Zeit" ganz sicher auf die Zeitperioden des Gegenbildes schließen kann. Der Regierungsantritt Christi im Jahre 1914 (im Sinne von Offenbarung 11:17 bis 12:17) ist jedoch unzweifelhaft."


von Drahbeck - am 30.04.2013 00:14

Schopenhauer

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
„Etwas verfrüht", meinte „Trost" kommentierend in seiner Ausgabe vom 1. 5. 1943.
„Was" ist verfrüht?
Nun, liest man weiter wird man belehrt, ein Ausspruch Schopenhauers sei verfrüht.

So, so, mag man da wohl nur sagen. Seit wann ist auch Schopenhauer für „Trost" eine Autorität?

In Gesamtheit ist er es doch wohl nicht. Allenfalls in der Form einer selektiv herausgepickten Aussage selbigen.
Nun, das mit dem „herauspicken" soll wohl eine Eigenschaft sein, die man nicht nur „Trost" anlasten kann. Man kann sie auch andernorts registrieren. Ergo sei auch „Trost" zugebilligt, sich auf Schopenhauer zu berufen, auch wenn dies auf den ersten Blick etwas skurril wirken mag.

Jene von „Trost" bemühte Schopenhauer'sche Aussage, sei denn hier auch nicht weiter kommentiert. Lediglich die eine Frage sei doch wohl gestattet. „Trost" zitiert ja den Schopenhauer, weil es sich von dessen Kritik nicht selbst tangiert wähnt.

Das aber, scheint mir der eigentliche Trugschluss zu sein.
Nachstehend dann noch kommentarlos das, was „Trost" seiner Leserschaft denn als Schopenhauersche's Zitat präsentierte:
Zitat

„Etwas verfrüht sah Schopenhauer das Ende der Religion vorher. Er schrieb:

Zitat

"In frühem Jahrhunderten war die Religion ein Wald, hinter welchem Heere halten und sich decken konnten. Aber nach so vielen Fällungen ist sie nur noch ein Buschwerk, hinter welchem gelegentlich Gauner sich verstecken. Man hat dieserhalb sich vor denen zu hüten, die sie in alles hineinziehen möchten, und begegne ihnen mit dem (spanischen) Sprichwort: detras de la cruz estä el diablo" (hinter dem Kreuz steckt der Teufel). - Parerga ... 2. Bd., § 182.


von Drahbeck - am 27.05.2013 01:22

Statistik-Sandkastenspiele

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Zitat

„ ... in der kurzen Zeit, die uns noch von Harmagedon trennt, mit der Eile von Tauben dem Eingang des Zufluchtsortes der Sicherheit zufliegen."

Diesen markigen Satz, kann man wieder einmal, in der „Trost"-Ausgabe vom 15. 5. 1943 lesen. Und ein geeignetes Instrumentarium dazu wäre eben auch - in der WTG-Lesart - der Besuch ihrer Kongreß-Veranstaltungen. Auch für das Jahr 1943 gelang es in der Schweiz, eine solche zu organisieren (25. + 26. 4. 1943). Und wie auch in anderen Ländern, beflügelten die Kriegerischen Umwelt-Verhältnisse auch dort, die WTG-Tätigkeit.

Genannte „Trost"-Ausgabe wartet dann auch mit einer Aufstellung der Kongress-Besucherzahlen in der Schweiz auf.

Danach gab es 1939 1100 Anwesende.
1940 dann 1400.
und 1941 1700.
Aber schon 1942 brachte einen relativen „Quantensprung" auf 3000; und nun 1943 meint man gar 4400 gezählt zu haben.

Die WTG wäre allerdings nicht die WTG, würde sie diesen Umstand nicht gleich auch noch für weitere „Anfeuerungen" ausnutzen. Statistikbesessen wie man ist, weis man weiter mitzuteilen:
Zitat

„Von den 4 Millionen Einwohnern besuchen nur etwa 3200 die Versammlungen der Zeugen Jehovas, also noch nicht l von 1000.
Da nur etwa 1100 regelmäßige Verkündiger die gute Botschaft von Haus zu Haus verbreiten, kommen auf jeden Verkündiger also durchschnittlich etwa 4000 Zuhörer oder 1000 Familien. Es ist demnach dringend nötig, daß weitere Verkündiger in den Dienst treten."

Damit ist das Statistik-Sandkastenspiel der WTG aber noch nicht beendet. Sie weis desweiteren zu belehren:
Zitat

„In welchem Verhältnis steht der Durchschnittswert von 13 Stunden monatlicher Dienstzeit eines Verkündigers zur übrigen Zeit?
Jeder Monat hat 720 Stunden.
Als Ziel des Durchschnittswertes gilt unter heutigen Verhältnissen ein Anteil von 8% oder 60 Stunden monatlich, das sind 2 Stunden täglich."

Und damit das alles auch so, wie von der WTG geplant klappt, muss man dem blöden Esel natürlich eine „Mohrrübe" vor die Nase halten. Sie wurde eingangs schon zitiert, indem man von einer vermeintlich „kurzen Zeit" fabuliert. ...

von Drahbeck - am 28.05.2013 23:11

„Trost" kommentiert ein Gerichtsurteil

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Als „Wasser auf die eigenen Mühlen", sah „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 6. 1943 offenbar einen zeitgenössischen Pressebericht an, welcher in der Sicht von „Trost" der verhaßten katholischen Konkurrenzkirche eins „auswischte". Solche Chancen lässt „Trost" sich selbstredend nicht entgehen; und so zitiert es denn diesen Pressebericht genüßlich.
Er sei im nachfolgenden kommentarlos vorgestellt, so, wie „Trost" über den Fall berichtete:
Zitat

„Ein konfessioneller Hetzer verurteilt
Folgender Bericht stand in der „Nationalzeitung" (Nr. 172, 1943):

Zitat

"Anfang Januar vergangenen Jahres erhielten vier Redaktionen von einem angeblichen Anton Kälin ein Pamphlet, das von Schmähungen gegen den Protestantismus strotzte. Hinter der Maske dieses Anton Kälin verbarg sich, wie man später feststellte, der katholische Geistliche von Dübendorf, Pfarrer Oskar Aebi.
Er wurde eingeklagt. Gegen das im vergangenen Jahr gegen ihn wegen Störung der Glaubensfreiheit gefällte Urteil, das ihn mit 300 Franken büßte, appellierte er ans Zürcher Obergericht.
Er sei durch die Stellungnahme verschiedener Blätter gegen die Neujahrsrede von Bundesrat Etter in Hämisch gebracht worden. Doch habe er nicht etwa die Absicht der Veröffentlichung seines Schreibens verfolgt, ließ er vor Obergericht geltend machen.

Steht er noch heute zu seinen Schmähungen? Gemeinheit für Gemeinheit seiner Hetzschrift hält ihm der Gerichtspräsident vor. Halten Sie daran fest:
"Der Protestantismus ist ein Werk des Teufels, allerdings durch Gottes Zulassung eine wohlverdiente Zuchtrute für die Katholiken", fragt der Gerichtspräsident?
Und erhält eine bejahende Antwort Halten Sie am Ausspruch fest:
"Könnte man etwa Z w i n g l i einen Landesvater nennen? Nein, einen Hurenbuben, einen Landesverräter, einen Revolutionär..."
Auch daran hält Pfarrer Aebi fest.
Der Präsident wirft ihm den Satz vor:
"Man kann im Schweizerlande nichts besseres tun als beten, daß die Pest des antichristlichen Protestantismus, der unser Volk zerriß, recht bald verschwindet"
Die Antwort des Pfarrherrn:
Das ist die Lehre der Kirche. Ich muß daran festhalten.
Hingegen bequemt er sich, den Satz zurückzunehmen:
"Mit allen erlaubten Mitteln den blöden Protestantismus zu bekämpfen, ist heilige Pflicht jedes Eidgenossen."
Dem Hetzer wird sein Ausspruch zum Vorwurf gemacht:
"Nieder mit Zwingli, dem Vater der Zwietracht und des Bürgerkrieges: Mit dem Schwert in der Hand hat er gegen die Wahrheit gekämpft, Gott hat ihn gerichtet, der Teufel hat ihn geholt.."
Auch daran hält Aebi fest und verbrämt seine ausweichende Erklärung mit der Bemerkung, er könne nicht beweisen, wo Zwingli sei: "gestorben ist er."
Weitere klare Fragen des Präsidenten sucht er mit Ausflüchten zu beantworten. Wenn er seinerzeit geschrieben habe, "der Zürcher Protestant ist wesentlich falsch, freundlich ins Gesicht, aber hintenherum gegen alles Katholische voll Gift und Galle und Haß ..." so habe er nicht den einzelnen Protestanten gemeint, sondern nur die Redaktoren und Bücherschreiber.
Der Inhalt seines Pamphletes, wagt der Seelsorger vor Gericht zu behaupten, ist die Meinung aller katholischen Geistlichen, doch dürften sie es nicht öffentlich sagen.
Diese Beschimpfungen, erklärte der referierende Oberrichter, zeugen von einer Niedrigkeit der Gesinnung und sind außerordentlich schwerer Art. Ihr Zweck war, das religiöse Empfinden anderer in gemeiner Weise zu verletzen, und das Schriftstück war geeignet, den inneren Frieden des Landes zu gefährden.
Nach eingehenden rechtlichen Erörterungen fand das Zürcher Obergericht einstimmig, daß hier eine Störung der Glaubensfreiheit im Sinne von Artikel 261 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vorliege. Dieses sieht Buße oder Gefängnis bis zu sechs Monaten vor. Obwohl die Richter ein schweres Verschulden des Angeklagten annehmen, gelangten sie, um ja nicht in den Verdacht konfessioneller Urteilsfällung und kulturkämpferischer Stimmung zu gelangen, zur Bestätigung der milden vorinstanzlichen Strafe, so daß der konfessionelle Hetzer mit der minimen Buße von 300 Franken wegkommt.
F.B.

Zitat

Anmerkungen: Der erwähnte Artikel 261 lautet:
"(Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit)
Wer öffentlich und in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen, insbesondere den Glauben an Gott, beschimpft oder verspottet oder Gegenstände religiöser Verehrung verunehrt, wer eine verfassungsmäßig gewährleistete Kultushandlung böswillig verhindert, stört oder öffentlich verspottet, wer einen Ort oder einen Gegenstand, die für einen verfassungsmäßig gewährleisteten Kultus oder für eine solche Kultushandlung bestimmt sind, böswillig verunehrt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Buße bestraft."

Die Erläuterungen (von Thormann und von Overbeck) dazu lauten:
Zitat

"In gemeiner Weise erfolgt die Beschimpfung oder Verspottung namentlich dann, wenn die Äußerung nach Form oder Inhalt so beschaffen ist, daß sie vom Standpunkt eines anständig denkenden Menschen aus als sittlich verwerflich oder verächtlich erscheint ... Den Gegensatz zu den gemeinen bilden solche Äußerungen, die selbst bei einer gewissen Schärfe der Kritik oder der Satire die Grenzen einer anständigen und sachlichen Behandlung der erörterten Fragen nicht überschreiten und auch nicht durch die Umstände zu anstößigen oder verwerflichen gestempelt werden. Indem solche Äußerungen der Strafbarkeit nach Art. 261 entzogen sind, wird die freie Aussprache im Sinne der Glaubens- und Gewissensfreiheit in der Preßfreiheit gesichert."

Dazu kommentiert „Trost" seinerseits noch:
Zitat

„Das Geschimpfe des Pfarrers verdient kaum weitere Aufmerksamkeit. "Wer zu schimpfen anfängt, hat Unrecht" gilt gewiß auch hier. Beachtenswert hingegen ist die Aussage des Pfarrers vor Obergericht, daß gewisse Auffassungen "die Lehre der Kirche" sind, woran er festhalten muß, z. B. über die Pest des antichristlichen Protestantismus. Wenn Aebi zu behaupten wagt, und zwar vor Obergericht, der Kern seiner Schmähschrift sei die Meinung der Kirche oder "aller katholischer Geistlichen, doch dürften sie es nicht öffentlich sagen", so ist das vermutlich etwas übertrieben. Aber in der Hauptsache kommt es dem wirklichen Sachverhalt vielleicht doch näher, als den Protestanten lieb ist. Pfarrer Aebi, der seine Kirche wohl noch besser kennt als wir, muß wohl wissen, was allen Kennern bekannt ist: daß die römische Kirche jedes Bekenntnis (jede Konfession) als antichristlich oder teuflisch erachtet, das von ihrem eigenen abweicht. Diese katholische Überzeugung wirkt auch dann nicht freundlich auf Andersgläubige, wenn sie weniger massiv vorgetragen wird, als es Aebi tat. Die intolerante Auffassung, die keinen "Ketzer" duldet, gehört aber offenbar zu den Lehren der Kirche. Hat darum Pfarrer Aebi vielleicht nur die unduldsame Gesinnung seiner Kirche unvorsichtigerweise in allzu anstößiger Form veröffentlicht? So muß seine Behauptung doch wohl aufgefaßt werden, daß auch alle (?) übrigen Geistlichen so denken wie er. Soweit uns bekannt, hat die katholische Presse der Schweiz zwar die Beschimpfungen als gesetzwidrig anerkannt, aber sie hat nicht bestritten, was Aebi über die Lehren der Kirche und über die Meinung der andern Geistlichen aussagte. Und wir haben auch keinen Grund, anzunehmen, daß Aebi mit seiner Behauptung das Obergericht täuschte oder täuschen wollte.

Duldsamkeit und Achtung vor fremder Meinung ist seit Jahrtausenden nie die Tugend der "Kirchen" gewesen. Man verlange auch von keinem aufrechten Menschen, daß er Achtung habe vor Irrtum und religiösem Aberglauben! Aber man sei tolerant, wenn jemand sich bemüht, öffentlich für göttliche, biblische Wahrheit einzustehen und gegen das Unrecht aufzutreten! Man nenne die Bloßstellung von Heuchelei, wie Jesus sie durchführte zu seiner Zeit, nicht Gotteslästerung ! Und die Kirche, die selbst nicht duldsam und schonend mit "Ketzern" verfährt, hat keinen guten Grund sich zu beklagen, falls Wahrheitszeugen eine göttliche, scharfe Botschaft verkünden, wie die Schrift es vorschreibt."

Und damit glaubte „Trost" dann sich selbst bequem zurücklehnen zu können, und ein willkommenes Alibi für die eigene Aggressivität in Theorie und Praxis zu haben.

von Drahbeck - am 27.06.2013 22:06

Die Arche Noah Story

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Bereits das frühe WTG-Buch „Beröer Handbuch zum Bibelunterricht" verbreitete die Meldung:
Zitat

Die "Chicago-Tribüne" vom 13. August 1883 brachte ein Telegramm von London, aus Konstantinopel sei der Bericht gekommen, daß eine türkische Kommission auf dem Berge Ararat die Arche entdeckt habe - mit Gletschereis bedeckt. Das Innere der Arche sei in Kammern von 15 Fuß Höhe eingeteilt."

Jene Meldung greift nun „Trost" in seiner Ausgabe vom 15. 6. 1943 unter der Überschrift „Die Entdeckung der Arche Noahs" erneut auf:
Zitat

„Vor 60 Jahren brachte die "Chicago-Tribüne" (vom 13. August 1883) ein Telegramm von London, aus Konstantinopel sei der Bericht gekommen, daß eine türkische Kommission auf dem Berge Ararat die Arche entdeckt habe - mit Gletschereis bedeckt. Das Innere der Arche sei in Kammern von 4,5 m Höhe eingeteilt."

Offenbarer Neu-Anlass für das aufwärmen jener Meldung war nun eine Meldung in der Schweizer Presse, die auch zur Kenntnis der WTG gelangte. „Trost" schreibt da:
Zitat

„Vor wenigen Jahren berichtete auch eine illustrierte, schweizerische Zeitschrift von der Entdeckung der Arche. Einen neuen, interessanten Bericht eines Augenzeugen veröffentlichte das "Wynentaler-Blatt" (20. Februar 1943). Es handelt sich um russische Flieger, die kurz vor dem Sturz der Zarenregierung etwa 40 km nordwestlich des Araratgebirges stationiert waren. Der Berichterstatter erhielt damals den Auftrag, gewisse Versuche mit neuen Instrumenten bei Flügen in beträchtlicher Höhe durchzuführen. Dabei umkreiste er den schneebedeckten Ararat in einer Höhe von etwa 5000 m.
Als er auf einen wunderbar schön gelegenen Gebirgssee zusteuerte, wurde er durch den Anblick eines Schiffes aufs äußerste überrascht:

Zitat

"Ein Unterseeboot! rief ich aus. Nein, das war es nicht; denn es hatte kurze Masten und das Dach war abgerundet. Welch sonderbar aussehendes Fahrzeug, es war so gebaut, als ob der es geplant und gebaut hatte erwartet hätte, daß die Wogen darüber hinweg rollen sollten ...
Wir flogen abwärts und so nahe heran, wie wir es ungefährdet tun konnten, und umkreisten die Stelle mehrmals. Zu unserm Erstaunen bemerkten wir, daß der hölzerne Bau, den wir sahen, sehr groß war, von der Größe eines modernen Kriegsschiffes. Dieses Wrack befand sich am Ufer des erwähnten Gebirgsees und war ungefähr ein Viertel unter Wasser. Auf der einen Vorderseite war es teilweise abgerissen, und auf der ändern Seite war eine große Öffnung, ungefähr 6 m im Quadrat, aber die Türe fehlte. Dies schien außerordentlich, da man heute selbst auf den größten Schiffen kaum halb so große Eingänge macht..."

Zitat

Obwohl man den Fliegern nach der Rückkehr zum Landungsplatz nicht glauben wollte, unternahm es der Kapitän trotzdem, sich im Flugzeug nochmals hinfahren zu lassen. Er erfaßte den geschichtlichen Zusammenhang wohl richtig, indem er den Begleitern (und dem Berichterstatter) folgendes erklärte:

Zitat

"Dieses befremdend aussehende Ding, wie Sie es nennen, ist die Arche Noahs. Nahezu fünftausend Jahre hat sie dort geruht. Da es dort neun oder zehn Monate im Jahr nicht auftaut, sondern fest gefroren bleibt, ist das Holz nicht verfault. Sie war sozusagen in einem Kühlraume die ganze Zeit hindurch aufbewahrt. Sie haben die wunderbarste Entdeckung unseres Zeitalters gemacht."

Zitat

"Der Kapitän sandte seinen Bericht an die Regierung, und dort wurde ihm großes Interesse entgegengebracht. Der Zar von Rußland sandte zwei Abteilungen Soldaten, den Berg zu ersteigen.... Es wurden Messungen vorgenommen und Zeichnungen gemacht sowie Photographien.
Alles dies wurde dem Zar von Rußland zugeschickt.

Weil wenige Tage später die damalige russische Regierung gestürzt wurde und die Bolschewisten zur Herrschaft kamen, wurde nichts von den gemachten Entdeckungen veröffentlicht.

Der Berichterstatter kam nach Amerika. Für ihn galt das, was er auf dem Ararat gesehen hatte, als überzeugender Beweis von der Wahrheit der Bibel und des biblischen Berichtes von der Flut zur Zeit Noahs.

Die Übereinstimmung des Tatsachenberichtes dieses Augenzeugen mit den biblischen Angaben ist durchaus befriedigend. Er schreibt noch:

Zitat

"Wir fanden, daß die Arche hunderte von kleinen Räumen enthielt, und einige Räume waren groß. Die größten Räume hatten Abteilungen von starken Balken, die auch die größten und stärksten Tiere sicher gefangen halten würden. In andern Räumen sah man Reihen von Käfigen, ähnlich wie man sie heute auf Geflügelausstellungen sehen kann. Alles war von einer wachsähnlichen Farbe überzogen, und die ganze Arbeit wies auf große Geschicklichkeit hin. Das beim Bau der Arche gebrauchte Holz war Oleanderholz, das der Fäulnis besonders lange widersteht. Dies zusammen mit der bedeckenden Farbe und dem meistenteils gefrorenen Zustande erklärt das gute Erhaltensein des alten Baues.
Auch fand man auf einer Anhöhe in der Nähe die angebrannten Reste des an dem Schiffe fehlenden Holzes. Es scheint, daß das Holz dahin geschafft worden war und gebraucht wurde, um ein kleines Heiligtum zu errichten, indem man einen Altar fand, wie die alten Hebräer ihn zur Darbringung der Opfer gebrauchten ..."

An diesem Bericht fällt schon mal der Satz auf, an dem allerlei Verschwörungstheoretiker ihre helle Freude hätten:
Zitat

„Weil wenige Tage später die damalige russische Regierung gestürzt wurde und die Bolschewisten zur Herrschaft kamen, wurde nichts von den gemachten Entdeckungen veröffentlicht."

A ja. Der Sturz der alten russischen Regierung, setzte also prompt zum „passenden" Zeitpunkt ein.
Unabhängig davon, dass ein wissenschaftlich ernst zu nehmender und stichhaltiger Beweis, auch in späteren Jahrzehnten, in denen sich die politischen Rahmenbedingungen, und auch die technischen Möglichkeiten für Expeditionen, noch mehrmals änderten. Unabhängig davon, dass ein so stichhaltiger Beweis eben bis heute nicht erbracht ist, was wiederum die so Gläubigen, zu keiner Zeit angefochten hat.

Erinnert sei daran, dass sich auch das „Goldene Zeitalter" selbst als Multiplikator ähnlicher Meldungen schon betätigt hatte. Wenn auch ohne Kommentar, schrieb z. B. die Berner Ausgabe des „Goldenen Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 4. 1929:
Zitat

„ Die Arche Noah soll gesucht werden
Wie der „Manchester Guardian" meldet, beabsichtigt die Stadt Chicago allen Ernstes, eine Expedition nach dem Berge Ararat auszusenden, um dort die Arche Noahs zu suchen. Man scheint in Chicago fest davon überzeugt zu sein, die Arche des Stammvaters der Menschheit zu finden, "denn", so wird von den Befürwortern der Expedition wörtlich erklärt, "sollte Noah nach der Sintflut wirklich auf dem Berge Ararat gelandet sein, so ist die Arche auch noch sicher dort vorhanden, zumal da auf dem Berge Ararat die Luft so dünn ist, daß die Arche trotz der inzwischen verflossenen Jahrtausende unmöglich verwittert sein kann. Man hofft die Arche bis zum Jahre 1933 gefunden und nach Chicago gebracht zu haben, wo sie eine Hauptattraktion der dann dort stattfindenden Weltausstellung bilden soll."

Unabhängig davon, wurde selbst der späteren WTG, diese These allmählich unheimlich.

Beleg dafür ist auch ein WTG-Artikel in „Erwachet!" vom 22. 12. 1975, der dieses Thema erneut aufnahm. In selbigem findet man auch den Satz:
Zitat

„Wirkliche Beweise schwer festzustellen.
Viele sind davon überzeugt, daß das, was diese Augenzeugen erzählt haben, der Wahrheit entspricht. Denn - so sagen sie - aus welchem Grund würden diese Leute eine solche Geschichte erfinden? Eine ehrliche Prüfung dagegen zeigt, daß es bisher nicht möglich gewesen ist, mit Sicherheit nachzuweisen, daß sich die Arche heute noch auf dem Ararat befindet."

Oder auch der Satz:
Zitat

„Eine Organisation namens Holy Ground Mission Changing Center von Palestine (Texas) hat einige übertriebene Behauptungen über die Stelle, wo sich Noahs Arche befinden soll, veröffentlicht. Tom Crotzer, der Sprecher dieser Organisation, behauptet, daß Angehörige dieser Organisation die Arche aus einer Entfernung von etwa 850 Metern gesehen und fotografiert hätten; da es ihnen aber an der richtigen Bergsteigerausrüstung gefehlt habe, hätten sie darauf verzichten müssen, näher an die Arche heranzugehen.
Diese Organisation hat der Awake!-Redaktion ein 20 × 25 cm großes Schwarzweißfoto von der Arche überlassen. Bei diesem Bild handelt es sich um eine Vergrößerung. Ist es ein überzeugender Beweis?
Die Vergrößerung wurde von sieben Berufsfotografen untersucht. Fünf von ihnen sagten, daß das verschwommene Bild nicht vom Originalnegativ, sondern von einem Abzug davon stamme, der offensichtlich retuschiert worden sei. Das sei vor allem geschehen, um den Eindruck hervorzurufen oder zu verstärken, die Seiten des Gegenstandes bestünden aus Brettern. Die anderen beiden Fotografen sagten, das Bild sei so schlecht, daß es irgend etwas sein könne."

Und weiter:
Zitat

„Keine der Gruppen, die im vergangenen Sommer den Ararat bestiegen haben, kann etwas aufweisen, was als überzeugender Beweis dafür angesehen werden könnte, daß sich die Arche Noah noch dort oben befindet. Es sind alles nur Indizien."

Also wie man sieht, ist selbst der späteren WTG das Thema langsam leid und sie vermeidet es, sich von anderen religiösen Narren, in der Sache zu sehr vereinnahmen zu lassen!

Siehe auch
Mysnip.164311

von Drahbeck - am 29.06.2013 01:51
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.