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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 7 Monaten
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Drahbeck, . +

Privilegien, Privilegien und nochmals Privilegien

Startbeitrag von Drahbeck am 28.03.2013 07:31

Also sprach Herr Max Wörnhard, in einem Italien bezüglichen Beitrag:
Zitat

„Es bleibt aber anzumerken, dass – wie auch in anderen Ländern – Privilegien, welche anderen nicht katholischen (oder allgemeiner: nicht großkirchlichen) Religionsgemeinschaften problemlos eingeräumt wurden, von den Zeugen Jehovas stets mühsam und auf gerichtlichem Weg erkämpft werden mussten – auch dies eine Form der langwierigen Diskriminierung."

Dieser Satz sagt denn wohl schon alles.
Privilegien, und nochmals Privilegien will man haben!
Also sprach Frau Angela Nerlich, auch in Luxemburg sei eine Privilegierung möglich. Nur ärgerlich, mit einigen „Kröten" verbunden, zu deren Herunterschluckung man sich derzeit noch nicht durchringen könne.
Zitat

„Überdies hat der Staat, wenn er bis dato auch selten davon Gebrauch macht, in kircheninternen Verwaltungsfragen ein Wort mitzureden. Und die oberste Vertretung der Religionsgemeinschaft muss den Eid auf den Großherzog schwören. Im Gegenzug subventioniert der Staat diese Religionsgemeinschaften in gewissem Umfang aus Steuergeldern."

Na dann warten wir mal ab, wenn auch diese „Kröte" noch heruntergeschluckt wird. Es wäre wohl nicht die erste.
Weiter meint der schon genannte Herr Wörnhard, in seiner Klageliste mit einfügen zu sollen:
Zitat

„Auch die bis in die Gegenwart andauernden, an die Verfolgung unter den kommunistischen Diktaturen mahnenden Aktionen gegen Jehovas Zeugen in Russland und anderen Republiken, die aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangen waren, sind oft mitgeprägt von „Fernwirkungen" der Falschanklagen, die auf westeuropäische „Anti-Sekten-Gruppen" zurückgehen."

Überhaupt hat Herr Wörnhard noch ein paar weitere Klagen zu vermelden.
Desweiteren auch die:
Zitat

„Einmal verlangten Gegner sogar die Inspektion des Bauplatzes, auf den der Kongresssaal von Prato (Toskana) errichtet wurde, indem sie mit Vorwürfen an die Presse gelangten, die freiwilligen Helfer seien in Wirklichkeit bezahlte Schwarzarbeiter außerhalb gesetzlicher Normen und ohne Versicherung."

Aber dazu hat Herr Wörnhard selbstredend eine aus seiner Sicht plausible Erklärung. Und zwar die:
Zitat

„Es war klar, dass es sich beim Einsatz der freiwilligen Helfer, die sich aus den Reihen der Glaubensgemeinschaft für dieses religiöse Bauprojekt unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatten, nicht um einen „Arbeitsvertrag" handelte."

Tja die dümmsten Schweine suchen sich halt ihren Metzger selbst, wäre dazu als Gegenkommentar nur festzustellen.
Dies alles und noch ein paar mehr Events sind nachlesbar in einem auf drei Bände konzipierten Werk mit dem Titel:
„Jehovas Zeugen in Europa – Geschichte und Gegenwart" von dem nun der erste Band erschienen ist.
Als Mit-Herausgeber, zeichnet wieder mal, das ja nicht unbekannte derzeitiges Parteimitglied der Linken, Herr Besier. Einst sich von dem Alt-Kanzler Helmut Kohl promoten lassend, und was für Skrupellose keine Problem ist, heute in der Partei (mit auch) Alt-Stalinisten, seine "Heimat" gefunden habend.
Letzterer meint dann auch noch in der wohl ihm primär zuzuschreibenden Einleitung, auch den „markigen" Satz zu Protokoll geben zu sollen.
Zitat

„Während des Ersten Weltkriegs verhielten sich die „Bibelforscher" ... bei der Einberufung zum Wehrdienst uneinheitlich
Einige nahmen eine streng neutrale Stellung ein und verweigerten völlig jeden Militärdienst, andere entschieden sich dafür, in Sanitätsabteilungen oder in Lazaretten zu dienen, und wieder andere folgten den Dienstbefehlen, richteten jedoch keine Waffen auf andere Menschen."

Ob Besier als WTG-Sprachrohr dieses Ammenmärchen, das er daselbst erneut kolportiert, denn auch selbst glaubt, erscheint mir keineswegs sicher.
Aber ihm geht es nicht um Wahrheit, sondern um Privilegien, wie ja seine Biographie auch belegt.
Er hält sich selbstredend mit einer Verifizierung seiner These auf Deutschland nicht auf.
Letzteres würde auch dieses Ammenmärchen arg ins Schleudern bringen!
Weiteres zum Thema dieses Ammenmärchens
Es ist für Besier und Konsorten auch „Ehren"sache, nicht etwa auf das Vorgänger-Ammenmärchen in die „Harfe Gottes" zu sprechen zu kommen, dass ja dann wohl vorgenanntes gegenwärtig wiederholtes Ammenmärchen zu bestätigen scheint.
Bezüglich von Repros der Passagen an die da zu denken ist; siehe auch:
Mysnip.146404


http://books.google.de/books?id=XvTOqRboV6wC&dq=Jehovas+Zeugen+in+Europa&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Antworten:

Beispiele aus dem "Wachtturm"-Jahrgang 1915, wie sich das vermeintliche "nur in die Luft schießen" zeitgenössisch las:
Also begrüßt der „Wachtturm" vom Februar 1915 seine Leserschaft auch mit der Einladung:

Unter den diversen, in dieser Ausgabe abgedruckten Leserbriefen, auch der einer Alwine Schreiber aus Gegend um Lodz (Polen), wobei hinzuzufügen wäre, in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, befand sich dieser Gegend unter russischer Hegemonie. Als selbstständiger Staat trat Polen erst wieder in Folge des Versailler Vertrages in Erscheinung. Zum Zeitpunkt der Absendung jenes Leserbriefes, gab es offenbar bereits deutsche Invasionsstreitkräfte in jener Gegend. Besagte Frau Schreiber bringt dann ihre Sorgen, in dieser Konstellation zum Ausdruck.

Ein Herr Albert Lächele wird in der „Wachtturm"-Ausgabe vom April 1915 mit einem Leserbrief vorgestellt. Er habe in einer Stadt, abgekürzt mit L. (könnte wegen des hohen jüdischen Bevölkerungsanteil Lemberg sein, ist aber nicht sicher) die Jüdisch-deutsche WTG-Propagandaschrift „Die Stimme" verteilt, beispielsweise in einem jüdischen Geschäft.
Bemerkenswert auch dieses Detail aus seinem Leserbrief:
Zitat

„Die freudigen und verwunderten Gesichter solltet Ihr gesehen haben, ALS EIN SOLDAT
[Hervorhebung redaktionell, nicht im Original]
Zitat

jüdische Schriften verabreichte ..."

Just zu diesem Leserbrief fügt der WT seinerseits noch ein redaktionelles Nachwort an, indem man auch lesen kann
Zitat

„Sicherlich werden in den KRIEGSGEBIETEN
[Hervorhebung redaktionell, nicht im Original]
Zitat

viele bereit sein, einen solchen Trost der Segnungen anzunehmen. ..."

Und dieses Nachwort schließt dann mit der weiteren Angabe:
Zitat

„Wie uns mitgeteilt wird, werden immer mehr Brüder zum Militär eingezogen Auch unsere lieben Brüder Koetitz, Basan und Dwenger sind ausgehoben und können jeden Tag einberufen werden."

Was den mit erwähnten Herrn Dwenger anbelangt, siehe auch die
1964er Jahresdatei, in der ein Abschnitt ihm besonders gewidmet ist.


Das 1974er ZJ-Jahrbuch notiert in eher tendenziöser Weise:
(Basan auch hauptamtlicher Mitarbeiter im Barmer WTG-Büro):
Zitat

„Bei einer Nachmusterung wurden auch Bruder Dwenger und Bruder Basan eingezogen. Bruder Basan konnte bald wieder nach Hause zurückkehren, aber Bruder Dwenger wurde nicht entlassen, sondern mußte im Militärbüro Akten abheften. Er war bereit, dies zu tun, da er es nach seinem damaligen Verständnis, das er über diese Frage hatte, mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Bruder Balzereit, ein Pilgerbruder, dachte jedoch ganz anders als Bruder Dwenger, der ihm gesagt hatte, im Ernstfall werde er den Eid und den Dienst mit der Waffe verweigern. Bruder Balzereit äußerte seinen Widerspruch mit den Worten: „Was denkst du, was du für das ganze Werk anrichtest, wenn du so eine Stellung einnimmst?""

"Wachtturm" Juni 1915.
Ein Abschnitt betitelt „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist", in dieser WT-Augabe, äußert auch ausdrücklich:
Zitat

„Wenn jemand ein Diener im Sinne des Militär- oder eines andern Verhältnisses ist, so sollte er treu sein."


In dieser Konsequenz lag es dann weiter, dass es in dergleichen WT-Ausgabe auch einen Abschnitt „Briefliches von unserer Brüderschaft im Felde" gab.
Als erstes wird darin ein Herr Otto Friedrichs mit einem Brief, datiert Nordfrankreich 5. Mai 1915 vorgestellt. Man erinnert sich. Nordfrankreich das war zu Kriegszeiten jene Gegend, wo sich die Leichenberge im buchstäblichen Sinne, nur so stapelten. Für diese zum Himmel stinkende Gegend verwandte sich sogar der Herr Papst einmal, um einen befristeten Waffenstillstand, als Unterhändler zu vermitteln. Jener begrenzte Waffenstillstand sollte allein nur den Zweck haben, die inzwischen stark angewachsenen Leichenberge mal abtransportieren zu können.
Herr Friedrichs rühmt sich nun, in dieser Konstellation bei seinen Abendvorträgen, einen Miiltärkameraden für die Russell-Lehre interessiert zu haben. Und er meint auch:
Zitat

„Es stört uns das Einschlagen oder Abfeuern der Geschosse nicht"
, womit er lediglich seine inzwischen antrainierte eigene Roheit zu Protokoll gibt.

Siehe auch (unter anderem)
Parsimony17839

In seinem Brief teilt der Herr Friedrichs dann weiter mit, auch ein ihm bekannter Bruder Riedberger:
Zitat

„Doch nun muß auch er des Kaisers Ruf folgen, wie auch unser liebe Bruder Elsässer schon dem Rufe gefolgt ist. Der Herr möge sie stark machen und seine gnädige Hand über sie halten."



Was unter dieser „Stärke" dann zu verstehen sei, hatte ja jener Herr Friedrichs selbst schon zu Protokoll gegeben. Unbeeindruckt zu sein, wenn rechts und links die Geschosse um die Ohren fliegen.

Ein Herr Hermann Hagen aus Düsseldorf teilt in der gleichen WT-Ausgabe, als seine Kriegserlebnisse in Russland unter anderem mit:
Zitat

„Wir deutsche Soldaten werden allenthalben von dem hiesigen Volk als reiche Brotherren angesehen und auf Schritt und Tritt folgen einem solch halbverhungerte Menschenkinder nach; wir erhalten augenblicklich noch reichlich Verpflegung ..."



Der in der weiteren WTG-Geschichte noch besonders bekannt gewordene Ewald Vorsteher, bedankt sich in dieser WT-Ausgabe für die „moralische" Aufrüstung, die ihm da auch WTG-seitig zuteil wurde, wenn er schreibt:
Zitat

„Herzlichen Dank ... Besonders für den schönen Brief: 'An die Brüder im Felde'. Es war dies für mich ein besonderer Trost, da ich mich in der letzten Zeit sehr verlassen fühlte, indem ich lange Tage vergeblich versuchte, die Ruhe in Gott inmitten der Unruhe der Welt wieder zu erlangen."

So umfänglich wie in der „Wachtturm"-Ausgabe vom Juli 1915, spiegelte keine andere der vorangegangenen WT-Ausgaben das Kriegsgeschehen wieder.
Das fängt schon damit an, dass auf der Umschlaginnenseite davon die Rede ist bereits über 200 WTG-Hörige seien zum Militärdienst eingezogen worden.
Und
Zitat

„soweit es in unseren schwachen Kräften stand, (man) die lieben Brüder durch besondere Briefe und Druckschriften zu ermuntern und zu erfreuen" suche.
Resonanlos blieb das ganze sicherlich nicht, denn nach dieser Einleitung folgt eine lange Aufzählung von Briefe und Karten, die man als Reaktion darauf erhalten habe.



Und zum Heftende, auf vollen 2,5 Druckseiten werden dann noch einige solcher eingegangener Briefe abgedruckt.
Ein Wilh. Hildebrandt schrieb in seinem abgedruckten Brief unter anderem die Sätze, er habe beim Vormarsch seiner Einheit, besonders in jüdischen Kreisen die WTG-Thesen verkündet. Aber:
Zitat

„Wie gerne wäre ich nochmal hingegangen, aber am andern Tage wurde uns durch unsern Herrn Rittmeister die Stadt verboten. Wir rückten bald ab und beim Marschieren durch die Stadt konnten wir uns nochmals begrüßen ... Jetzt sind wir wieder 30 Kilometer vorgerückt es hat hier eine große Schlacht gegeben ..."

Dann gibt es einige Details, die verdeutlichen, dass dem Briefschreiber das harte Kriegsgeschehen keineswegs unberührt ließ. Gleichwohl war auch er, weiterhin ein Rädchen in dem diesbezüglichen Getriebe.
Ein Heinrich Rothenstein aus Barmen teilt mit, er sei nun schon seit vier Monaten in einem Kriegslazerett als Folge erlittener Kriegsverletzungen.
Ein Herr Martin Modes meint in seinem abgedruckten Schreiben auch darüber philosophieren zu sollen.
Zitat

„Und wie ihr (die WTG) schon erwähntet, auch diese Schrecken des Krieges müssen uns zubereiten zu dem großen, herrlichen Dienste ... Gott mit uns, bis wir uns wiedersehen."

Jenes „bis wir uns wiedersehen" wird dann in der November-Ausgabe 1916 dann noch mit den Sätzen beschrieben (S. 162):
Zitat

„Bruder Martin Modes aus Obererinitz und Bruder Karl Wahl aus Nürnberg sind, wie uns mitgeteilt wird, auf dem Felde gefallen ..."

Zurückkehrend zur Juli-Ausgabe 1915 des WT.
Als nächstes ist dort ein vom 30. Mai 1915, mit der Ortsangabe „Aus dem Felde" abgedrucktes Schreiben eines Herrn Walter Huhle zu lesen. Selbiger teilt unter anderem mit:
Zitat

„Dem lieben himmlischen Vater hat es wohlgefallen, einige seiner Kinder mit unter das Getöse der Kriegswirren zu stellen, was ich auch von mir sagen muß ... Wohl sind die Prüfungen schwer, doch der Segnungen sind auch viele und über Erwarten große. An dem lieben Pfingsttage wollte der Herr, daß ich die Stunden im Schützengraben zubrächte."

Ob das der besagter Herr tatsächlich so wollte, mag man eher mit einem Fragezeichen versehen sein lassen. Zumindest aber wollten es so seine militärischen Vorgesetzten, und etwaige Anstalten es den Siebenten Tags Adventisten vor dem Weltkriege gleichzutun, die da zwar sechs Tage in der Woche auch Kriegsdienst taten. Nur eben nicht am Sabbatttag, weil der ihn dafür zu heilig war. Vergleichbare Anstrengungen hat sicherlich auch der Herr Huhle nicht praktiziert. Der zog es lieber vor, das Geschehen, als so vom „Herrn gewollt" zu interpretieren.
Dafür steht dann auch sein Selbstsuggestionssatz:
Zitat

„Du darfst dein Kreuz nicht schleppen lassen, du mußt es tragen und zwar mit Geduld!"

In diesem Stil gibt es dann noch einige weitere abgedruckte Briefe in dieser WT-Ausgabe
Man vergleiche (unter anderem) auch
Parsimony.25171
Erneut druckt die „Wachtturm"-Ausgabe vom August 1915, weitere Briefe „von unserer Brüderschaft im Felde" ab. Diesmal etwa 1,75 Seiten Druckumfang umfassend. Daneben gibt es wieder (auf der Umschlaginnenseite) eine zusammenfassende Grußliste von Antwortschreiben, welche die WTG erhielt. Etliche dieser Briefschreiber bestätigen den Empfang von Zuschriften WTG-seitig „An die Brüder im Felde". Einer von ihnen (Karl Weiß) formuliert:
Zitat

„Wie notwendig für einen jungen Kreuzsoldaten die gute Belehrung und Ermahnung ist ..."

Die WTG mühte sich also um die moralische Aufrüstung.
Was die genannte, eingangs abgedruckte Grußliste anbelangt, so sei ein in ihr mit enthaltener Name herausgegriffen.

M(ax) Freschel.
Bereits in der Januar-Ausgabe 1915 druckte der WT einen Leserbrief von ihm ab.
Freschel, jüdischer Abkunft, war offenbar für die WTG besonders für ihre Propagandaambitionen in diesen Kreisen, relevant. Er sollte später noch weitere WTG-Karriere machen, indem er WTG-seitig in die USA beordert wurde.
Wie Mister Knorr dann die sogenannte „Gilead-Schule" einführte, avancierte Freschel, der seinen Namen inzwischen in den USA im Maxwell Friend abgeändert hatte, zum Lehrpersonal jener Schuleinrichtung.
Damit wurden WTG-seitig die angehenden Missionare auch von jemand unterrichtet, von dem man pauschal sagen kann, durch seine aktive Beteiligung am Kriegsdienst, die Missionare wurden auch von jemand unterrichtet, der da Blut an den Fingern hat.
Siehe (unter anderem)
Parsimony.25024
Aus der Schweiz berichtet Emil Lanz in dieser WT-Ausgabe, auch über die dortigen größeren WTG-Versammlungen des Jahres 1915.
Auch Herr Lanz meinte dabei philosophieren zu sollen:
Zitat

„Die Tatsache, daß sämtliche diesjährigen Zusammenkünfte im Zeichen des Kriegsgeschreis und des Schlachtengetümmels standen, ist für uns und alle mit Öl versorgten Jungfrauen Evidenz genug, daß dieser Akt des großen und blutigen Weltdramas nichts anderes als die schmerzhaften Wehen zu der von den Wächtern auf Zions Mauern sehnlichst erwarteten Wiedergeburt der Menschheit und der damit unzertrennlich verbundenen Wiederherstellung aller Dinge bedeute. Glückselig! Wem diese herrliche Hoffnung als Morgenstern leuchtet."

Wieder bietet auch die September-Ausgabe 1915, ein verhältnismäßig umfängliches Arsenal von eingegangenen Briefen, von Bibelforschern, die im Wehrdienst standen.
Das fängt schon mit dem - erstmaligen Abdruck einer Todesmeldung an (Max Nitzsche).
Aus dem in dieser WT-Ausgabe mit abgedruckten Brief eines Max v. d. Steil aus Rußland, datiert vom 23. Juli 1915, sei ein besonders charakteristische Passus zitiert:

Zitat

„Vor einigen Stunden ging der Marsch über Leichenfelder, jetzt ist es Nacht. Ich liege unter meiner Zeltbahn; neben mir am Waldesrand schleudern unsere 21-cm-Mörser ihre vernichtenden Geschosse, zirka 3 Kilometer weiter tobt das Gewehrfeuer der Infanterie. Schon das Anhören läßt mich erschaudern. Schlafen kann ich nicht. Ein Knistern in meiner Tasche, der letzte Wachtturm, der Verkünder der Gegenwart Christi macht mich völlig munter ..."

Siehe (unter anderem)
Parsimony.25034
Erneut liest man im „Wachtturm" vom Oktober 1915 einleitend diese Grussadresse


Unter weiteren abgedruckten Leserbriefen auch der einer Minnie Faleska, Schweizer Herkunft, nun aber in den USA lebend.
Selbige fühlt sich offenbar dazu berufen, unter Hinweis auf die „Brüder im Felde" auch ihr fragwürdiges Scherflein zu deren „moralischer Aufrüstung" beizutragen.


Ein weiterer offenbar ebenfalls in den USA lebender Briefschreiber, welcher in dieser WT-Ausgabe mit zu Wort kommt, teilt mit, er habe dann im Brooklyner Bethel eigens einige dieser Briefe aus dem Felde übersetzt und verlesen.


Als ein Brief „von besonderem Interesse" wird in dieser WT-Ausgabe auch der vom 4. 9. 1915 datierte Brief eines M. Neukrantz bezeichnet. Selbiger teilt mit, er habe bis dato auch eine umfängliche Korrespondenz mit den Brüdern im Felde praktizieren können, und belobigt selbige auch mit den Sätzen:
Zitat

„Habt Dank, liebe Brüder im Felde, daß Ihr uns ein so schönes Beispiel der Standhaftigkeit gebt. Der Herr sei gepriesen dafür! Eure Standhaftigkeit ist uns nicht nur Stärkung für die Gegenwart, sondern auch Stärkung für die Zukunft."



Siehe (unter anderem) auch
Parsimony.25189
Bereits in der Juni-Ausgabe 1915 des „Wachtturms" las man von über 200 WTG-Hörigen, die sich „im Felde" (das heißt im Kriegsdienst) befanden. Offenbar überschlugen sich die Entwicklungen, denn die November-Ausgabe des „Wachtturms" 1915 redet bereits von ca 350 die sich beim Militär befänden. Innerhalb dieser Meldung auch die Angabe von zwei namentlich genannten (Fritz Kownazki und Johannes Finger) die infolge ihres Kriegseinsatzes dabei umgekommen sind. An billigem Trost spart man bei dieser Mitteilung auch nicht, wenn man in diesem Kontext den Bibelspruch bemüht:
Zitat

„Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird, wenngleich er stirbt, leben."



„An die Brüder im Felde" überschrieben, ein zweifelhaftes Gedicht, auch in dieser WT-Ausgabe, unterschrieben mit:
„Eine Schwester".
Getrost darf auch das der Rubrik, billiger Trost - zu billig - zugeordnet werden.


Auch teilt diese WT-Ausgabe mit, man habe eigens für die Brüder im Felde, eine spezielle Ausgabe des eigenen Liederbuches veranstaltet.
Getreu dem Motto:
Mit Gesang stirbt es sich dann wohl besser???



Siehe auch (unter anderem)
Parsimony.17925

Also tönt der „Wachtturm" vom Dezember 1915:
Zitat

„Dieser große europäische Krieg weckt die Leute auf und bringt sie zum Nachdenken, wie nie zuvor; und jetzt ist die Zeit gekommen, wo das wahre Christentum von dem falschen zu unterscheiden sein wird."

Und weiter
Zitat

„Der Verbrennungsprozeß wird jedoch bis zur Vollendung fortschreiten, und die wahren und falschen Christen werden allen offenbar werden."

Wenn also von einem „Verbrennungsprozeß" die Rede ist, dann kann man sicherlich auch in dieser WT-Ausgabe weitere Veranschaulichungen dafür vorfinden.
Etwa wenn unter der Überschrift „Von unserer Brüderschaft im Felde" weitere Namen genannt werden, welche im Militärdienst umgekommen sind. Diesmal nennt der WT gleich sieben Namen von Betroffenen aus den eigenen Reihen:
Zitat

Oswald Oschee
Fritz Heß
Emil Chiarski
Otto Lemke
Bruno Martin
Erich Nohle
Friedrich Hamburger

Und zu diesen Todesmeldungen fügt der WT dann noch den makabren Kommentar hinzu:
Zitat

„Wir haben von diesen Brüdern ein gutes Zeugnis bekommen; ihre Früchte des Geistes, an denen wir nach dem Willen des Herrn Seine wahren Jünger erkennen sollen, berechtigen uns zu der Hoffnung, daß die Lieben das Ende ihres Glaubens davongetragen haben."



von Drahbeck - am 28.03.2013 09:27
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Gott benutzt die Guten
Die Bösen benutzen Gott

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von . + - am 29.03.2013 20:01
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