Vor fünfzig Jahren

Startbeitrag von Drahbeck am 01.04.2013 04:05

Letzte vorangegangene Folgen dieser Serie:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,143707,143707#msg-143707


Leviathan
Ein ganze Reihe den Bibelforschern/Zeugen Jehovas kritisch gegenüber stehender Autoren, hat sich - teils entrüstet, teils belustigt -, über Russells Auslegung den „Leviathan" betreffend mokiert.
Russell wähnte in dem die Lokomotive wahrzunehmen, und baute ihn in seine Theorie mit ein, den wissenschaftlich-technischen Fortschritt in der Bibel „vorhergesagt" zu finden. Vielleicht hat nebst anderen, Jonak diese Technikeuphorie, nebst „Leviathan" besonders pointiert aufgespießt.
Siehe dazu auch:
Rutherford's Trost

Nun ist aber die Sachlage so, ein heute noch lebendes Tier, welchen den auch von der Wissenschaft anerkannten Namen Leviathan führen würde, gibt es aber nicht.
Was in grauer Vorzeit mal war, man denke beispielsweise an ausgestorbene Saurier, Mammuts und ähnliches, kann nicht Gegenstand der Bewertung sein.
Insoweit ist bei einer mythologischen Verwertung jenes Begriffes, eine gewisser Spielraum durchaus gegeben. Am allerwenigsten indes, passt eine Lokomotive in dieses Schema hinein, so wie von der WTG praktiziert.

Nun widmet sich ein Artikel der „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 4. 1963 den in der Bibel erwähnten Tieren „Behemoth" und „Leviathan".
Bei „Behemoth" meint der WT auf das Fluß- oder Nilpferd tippen zu können. Und der „Leviathan" wäre in seiner Lesart, dann wohl den Krokodilen zuzuschlagen.
Allerdings muss der WT auch einräumen, der Hiob, bei dem diese Begriffe vorkommen, mag ein Krokodil selber nie gesehen haben. Sollte es so sein, gibt er also blos vom Hörensagen vernommenes wieder.
Sogar sechs Druckseiten ist dem „Wachtturm" jener Artikel wert.
Indes was ein Herr Russell nebst Nachfolger zu diesem Thema bereits mal zum „besten" gegeben haben, erfährt man indes nicht mit dem Bruchteil einer Silbe.
Wieder ein Beispiel der Unredlichkeit der WTG!

Bereits in den "Schriftstudien" Band 3 (S. 51, 52) begegnet man den Anfängen der Technikeuphorie von Russell.
Etwa mit diesen Aussagen:



Namentlich und besonders, auch das „Photodrama", welches ja noch von Russell selber verantwortet wurde, schwimmt auch auf der Welle der Technik-Verklärung.





Siehe etwa auch die Druckausgabe von 1925 (Online-Variante nur schwarz-weiis-Bilder). Dort etwa ab S. 179.
Daran anschließend (S. 180f.) der Abschnitt:
"Viele werden hin und her rennen"
http://wtarchive.svhelden.info/archive/de/Publikationen/1914_XX_Photodrama_(1925).pdf
Siehe auch:
de.wikipedia.org/wiki/Photo-Drama_der_Sch%C3%B6pfung
http://archive.org/details/PhotodramaOfCreation
http://www.agsconsulting.com/menucn3.htm
Gleichwohl, wenn mich nicht alles täuscht, ist die Zuspitzung auch den Leviathan und den Behemoth für solcherlei Auslegungskünste zu bemühen, in besagten "Schriftstdudien" der Bände 1 - 6 noch nicht nachweisbar.
Dieses "Draufsatteln" blieb somit den postumen Herausgebern des Bandes 7 vorbehalten.
Weitere Belegstellen zur Technikeuphorie aus der WTG-Literatur, auch in
Forumsarchiv A190
Kritiker meinen übrigens zu dem Aspekt:

Zitat

Die literarischen Ähnlichkeiten der ägyptischen und der christlichen Religion sind erschütternd.
Zum Beispiel dies:
Ist es nicht eigenartig das Hiob das Flusspferd mit Lotusbäumen in Verbindung bringt?
Nicht, wenn man berücksichtigt das die Schreiber der Bibelbücher Mose und Hiob mit den ägyptischen Mythen gut vertraut waren und ihre Gottheiten in dem direkten Konkurrenzkampf mit den Göttern der Ägypter sahen.

„Hier nun ist [der] Behemoth (Flusspferd), den ich ebenso wie dich gemacht habe.
…Unter den stachligen Lotusbäumen legt er sich nieder,
Im Versteck des Schilfes und der sumpfigen Stelle.
Die stachligen Lotusbäume halten ihn mit ihrem Schatten abgesperrt;"
(Hiob 40:15-22)


Zitat

Auf der obigen Abbildung sieht man eine ägyptische Flusspferdskulptur aus der 11. oder 12. Dynastie ca. 2000-1900 v.u.Z.
Ein sieg über das Nilpferd stellte den Sieg über das Chaos dar.
Die Lotusblume galt in der Bildersprache der Ägypter als die Darstellung des Odems des Lebens.
Das Nilpferd in Verbindung mit der Lotusblume stellte die Regeneration im Jenseits dar.

Das Bibelbuch Hiob wird mit seiner Vollendung der Niederschrift um 1473 v. u. Z. datiert.
Es war also kein seltsamer Zufall das der Autor in Hiob das Nilpferd in einem Atemzug mit der Lotusblume nannte…

Siehe: Forumsarchiv 249
Exkurs:
Auch der Bibelforscherkritiker Paul Bräunlich ließ sich dieses „Event" nicht entgehen. Bräunlich besonders dadurch hervorgetreten, dass er den Schwindler Leo Taxil zu dem (auch) Schwindler C. T. Russell in Beziehung setzte.
Nachstehend zitiert eine der Bräunlich'schen Reflektionen dazu:
Zitat

„Im Buche Hiob ist nämlich von riesigen Tieren die Rede, dem Flußpferd (Behemoth) und dem Krokodil (Leviathan). Da gibt denn unser "Pastor" seinen Gläubigen folgende, eines Taxil würdige Erklärung: Gott offenbarte Hiob im Geiste die glänzende Entwicklung, die dereinst unsere Industrie nehmen würde. Er zeigte ihm u.a. eine Dampfmaschine, möglicherweise einen Riesenmotor Kraftwerk mit Stauwerk, und eine moderne Lokomotive (einige der Freunde Russells meinen sogar, es sei ein Automobil gewesen).
In seiner Verlegenheit, diese Dinger richtig zu benennen, gab Hiob der Lokomotive den Namen "Leviathan" und dem Kraftwerk "Behemoth". -.-
Dem Propheten Nahum erschien bei Nacht ein fahrender Eisenbahnzug. Er sieht die Lokomotive mit den Stirnlichtern auf sich zukommen. ... Der Heizer schürt das Feuer, steht im hellen Schein, ist "in Karmesin gekleidet". Der Zug fährt vorüber: "Ihre Spieße beben, die Wagen rollen auf, den Gassen". Der Prophet steigt ein. Der Schaffner fordert die Fahrkarten; "Er gedenkt seiner Helden". Wegen der Schwankungen des Wagens ist der Gang des Eisenbahners unsicher: "Sie taumeln auf ihren Wegen". Die Station naht: "Sie eilen zur Mauer''. Man fährt in die überdachte Bahnhofshalle: "Das Schutzdach wird aufgerichtet". Ankunft, Alles steigt aus. "Die Tore werden geöffnet an den Wassern (vermutlich Kellner mit Bier, Marke "Weltkrieg" d. Vfr. ) und der Palast wird verlassen". - - - Allerhand Achtung, vor solcher "ernster" Bibelforscnung! Auch sonst fehlt es keineswegs an ähnlichen Dingen in den Schriften dieses "amerikanischen" Taxil."


Wenn die Bibelforscherkritiker die dubiosen Auslegungskünste bezüglich Leviathan und Behemoth vielfach genüßlich aufgespießt haben, (auch Kurt Hutten noch, in seinem „Seher, Grübler Enthusiasten"), dann muss aber hinzugefügt werden; wohl nur in Band 7 der „Schriftstudien" so enthalten (dort etwa S. 107 der Auflage von 1925). Jedenfalls konnte ich in keiner zeitlich davor liegenden WTG-Publikation bisher ähnliches entdecken. Wer da meint andere Erkenntnisse zu dem Thema zu haben, möge die dann bitte belegt, mitteilen.
Vielleicht kommt im englischen „Wachtower" Dezember 1880 jener Begriff mit vor. Da diese frühe Ausgabe aber nicht zu denen gehört, die auch ins Deutsche übersetzt wurden, ist es wohl etwas schwierig, den Kontext zu beurteilen indem er dort verwandt wurde.
Danach - bis zum Erscheinen des Bandes 7, hatte die WTG wohl keinerlei weitere Verwendung für diesen Begriff mehr.
Nun kann man darüber spekulieren, auf wessen Mist diese Auslegung denn gewachsen sind. Dem Mist der Herren George H. Fisher und Clayton J. Woodworth als Herausgeber bzw. Bearbeiter jenes siebenten Bandes. Und oder gar auch auf dem Mist ihres Mentors, des Herrn Rutherford.
Spätere WTG-Publikationen, etwa das WTG-Buch „Die neue Welt" (Englisch zuerst im Jahre 1942 erschienen), haben dafür schon mal eine andere Deutung, als Symbol für „Satans Organisation".
Auf letzt genannter ähnlicher Wellenlänge schwimmt dann auch eine Publikation der Siebenten-Tags-Adventisten, die sich in ähnlicher Art und Weise verbreitet. „Grundbegriffe von A - Z. Lehre und Leben der Siebtenten Tags Adventisten" S. 10.

Antworten:

Irvington New Jersey, USA 1962

Vor fünfzig Jahren
Die WTG-Geschichte hat auch bewiesen dass in ihren Reihen, fallweise Rassentrennung praktiziert wurde.
Siehe etwa
19492Rassentrennung

Weiter gilt die Feststellung: Die WTG-Religion ist eine, welche was die erste Generation der zu ihr neu hinzustoßenden anbelangt, nicht selten solche gewinnt, die zu den sozialen Unterschichten gehören.
In den USA sind nicht selten, die nicht zur weißen Rasse gehörigen davon betroffen.
Weiter ist festzustellen. Bis heute ist etwa die sogenannte „leitende Körperschaft" der Zeugen Jehovas, eindeutig von Personen weißer Rassezugehörigkeit dominiert.
Und es möge sich niemand einbilden, dass die Deutschsprachigen Länder etwa, eine „Insel der Seligen" diesbezüglich wären. Mitnichten! Rassismus gehörte schon zum Wesenselement der Nazis.
Rassismus und politische Rechtsorientiertheit haben nicht selten eine unheilvolle Symbiose geschlossen.
Politische Rechtsorientiertheit und variierter Rassismus (wenn auch nicht auf die Hautfarbe beschränkt), ist zum Beispiel auch Wesenselement Anti-Islamischer Kreise innerhalb Deutschlands.
Vormal echauffieren sich diese Kreise nicht selten über ihrer Meinung nach „Steinzeit-Religionsformen" innerhalb des islamischen Spektrums. Gleichzeitig sind sie vorsätzlich auf dem rechten Auge blind, und thematisieren nicht im gleichen Umfange, auch die Menschenrechtsverletzenden Strömungen, die es auch innerhalb des Christentums gibt.
Die aggressive Siedlungspolitik Israels, Ursache weiterer Konfliktlagen, findet bei ihnen auch keine kritische Bewertung. Eher eine Begünstigung.
Insoweit sind diese Anti-Islamischen Kreise: Gewogen und für zu leicht befunden!

Nochmals wiederholt und herausgestellt. Politische Rechtsorientiertheit, ist nicht selten das integrale Wesenselement vorgenannten Strömungen.

Die Arroganz politischer Rechtsorientierung, ist selbstredend auch in den USA nachweisbar. Auch dort nicht selten, die Symbiose eingehend. Lokalisierbar (vielfach) auf Kreise weißer Hautfarbe.
Da wie nun bereits ausgeführt, die WTG-Religion bei ihren Neukonvertierungen der ersten Generation, überproportional soziale Unterklassen anzieht (bei den zweiten und dritten Generationen kann dann allerdings schon eine grundlegend andere soziale Struktur bestehen). Angesichts dieser Sachlage gibt es keinerlei Grund sich darüber zu wundern, dass in einzelnen Regionen der USA, eben auch überproportinal viele zu den Zeugen Jehovas gehören, die schwarzer Hautfarbe sind. Ist örtlich die Situation so, dass die ZJ der schwarzen Hautfarbe die Majorität bilden, dann ist auch für die WTG der Punkt erreicht, dass sie den Rassismus rechtsgerichteter weißer Kreise, so nicht länger mittragen kann.

Offenbar bestand in Irvington New Jersey, USA im Jahre 1962, solch eine Situation, wie einem Bericht der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 4. 1963 zu entnehmen ist.
Gemäß diesem Bericht, wurde von den Zeugen Jehovas, für eine ihrer beabsichtigten 3tägigen Versammlungen, der örtliche Hörsaal einer Mittelschule angemietet. Die Anmietung solcher genannten Immobilien ist keineswegs „ungewöhnlich". Nicht überall verfügen die Zeugen Jehovas, etwa über eigene Kongresszentren. Letztere waren in den 1960er Jahren mit Sicherheit noch nicht akut. Ergo musste man sich nach Mietsälen, fallweise umschauen. Das alles ist nachvollziehbar.

Nun ist der Umstand zu beobachten, dass infolge dieser Umstände, Rechtsgerichtete Kreise, weißer Hautfarbe in den USA in dieser Region, mit Terror zu reagieren begannen.
„Erwachet!" berichtet dazu, und mit der kommentarlosen Zitierung der entsprechenden Passagen, mag diese Betrachtung sich ihrem Ende nähern. Also in der genannten „Erwachet!"-Ausgabe konnte man als Detail lesen:
Zitat

„Ein Bürger von Irvington rief z. B. bei der Polizei an und drohte:
'Ich werde heute Nachmittag um vier in der Mittelschule von Irvington eine Bombe loslassen!'
Warum? Die Irvingtoner Zeitung 'Herald' gab in ihrer Ausgabe vom 13. September 1962 die Antwort:
'Der Stein des Anstoßes eine Tagung der Zeugen Jehovas. Noch genauer ausgedrückt: die Schwarzen, die die Mehrheit der rund 2000 Zeugen ausmachen, die an der Tagung ... teilnehmen.'
'Das Polizeihauptquartier', fuhr der 'Herald' fort, 'wurde, als die dreitägige Versammlung - von Freitag bis Sonntagnachmittag - weiterging, mit Anrufen bombardiert ... Was die Leute am Telefon sagten, darf man gar nicht drucken. Es beleidigte sogar die Ohren der Polizisten, die es gewöhnt sind, eine grobe Sprache zu hören. Die Gemeinheiten drehten einigen den Magen um.'
Manche Bürger riefen auch den Schulrat an und stellten Fragen wie:
'Hallo, ist dort das farbige Bestattungsinstitut?'
'Hallo ist dort die Praxis des farbigen Arztes?'"..."


von Drahbeck - am 08.04.2013 00:59

Kreuzbrötchen

Vor fünfzig Jahren
Also tönt der „Wachtturm" vom 15. 4. 1963 auch:
Zitat

„Es ist schändlich, solche heidnischen Überbleibsel wie Osterfladen, Kreuzbrötchen, Eier, Hasen, Osterfeuer und ähnliches ... in Verbindung zu bringen mit einer der größten christlichen Wahrheiten."

Und weiter im WT-Text:
Zitat

„Zugegeben, Kinder wollen sich vergnügen - auch die Erwachsenen möchten das -, aber gewiß gibt es bessere Vergnügen ... (als) ein heidnisches Zerrbild zu machen."

Mit diesem Votum der WTG, werden dann von ihr eine Reihe von Osterbräuchen stigmatisiert, da sie in ihrer Lesart, heidnischen Ursprunges seien.
Wieder mal sucht die WTG dem Grundsatz Geltung zu verschaffen:

Der Mensch habe um der Dogmen willen da zu sein; nicht jedoch die Dogmen um des Menschen willen.

Vielleicht mag man über die mit genannten Kreuzbrötchen eher lächeln. Indes für diejenigen, die sich so betören lassen, ist das keineswegs mehr zum lachen. Wer sich wegen solcher Banalitäten ins Boxhorn jagen lässt; lässt sich das auch in anderen Fällen - etwa beispielhaft beim Thema Bluttransfusion - was dann eben keine Banalität mehr ist.
So übt die Religionsindustrie ihre Herrschaft aus! Keinesfalls „nur" die WTG. Die Menschen mit abstrusen Thesen ins Boxhorn zu jagen. Je besser ihr das im Einzelfall gelingt, um so besser „klappen" auch ihre darauf aufgebauten Ausbeutungsmechanismen!

Zum mit genannten Fallbeispiel „Kreuzbrötchen" (oder in anderer Schreibeweise auch: Kreuzsemmel) siehe auch:
Parsimony.19928
Bemerkenswert auch der Satz aus einem Zeitzeugenbericht:
Zitat

„Wir jedenfalls, haben damals tatsächlich keine Kreuzsemmel gegessen.".

ForumsarchivA187

Wie man sieht, wirkte diese Indoktrination!

von Drahbeck - am 15.04.2013 04:56

Destruktiv

Vor fünfzig Jahren
Die als Sonderausgabe konzipierte „Erwachet!-Ausgabe vom 22. 4. 1963, widmet sich nur einer Destruktivthese der WTG, der Polemik gegen die Vereinten Nationen (UN).
Unter anderem wird notiert - mit Ausnahme der WTG - würden vielfach Religionsvertreter eine positive Grundeinstellung zur UN haben. Und sei es es nur eine Grundeinstellung mit Vorbehalten. Als Beispiel solcher Vorbehalte, wird WTG-seitig der Theologe Karl Barth zitiert, der da auch gesagt haben soll:
Zitat

„Daß die Weltorganisation keinen echten Frieden zustandebringen, sondern nur einen Anfang machen könne."

Und weiter:
Zitat

„Professor Karl Barth nannte die Vereinten Nationen 'einen Hoffnungsstrahl', fügte aber hinzu: 'Wir wollen hoffen, daß er nicht trügt ... Nach einer Besichtigung des UN-Gebäudes blickte er an dem imposanten Glaspalast hoch und sagte: 'Ich hoffe, daß dieses Gebäude nicht dasselbe Schicksal wie der Turm von Babel haben wird."

Trotz aller Vorbehalte artikulierte Barth, dennoch eine positive Grundstimmung. Es geht der WTG also nicht um einzelne Vorbehalte, sondern ihre Polemik soll diese positive Grundstimmung generell treffen.
Namentlich das Beispiel des Karl Barth ist auch dahingehend aufschlussreich, als letzterer mal - zum Verdruss der Falken in den USA und der BRD - einen „Brief an einen Pfarrer in der Deutschen Demokratischen Republik" publizierte. Letzterer ließ den kalten Kriegern dann so richtig den Wutkamm anschwellen über den „Wehrdienstverweigerer Barth".
Der "Wehrdienstverweigerer" Karl Barth und der Herr B...

Und im Konzert der Jaultöne, die da dem Barth in der Folge entgegenschlugen, fand man selbstredend von jeher, auch die Jaultöne der kalten Krieger-Religion WTG mit vor.
Insoweit ist ihre neuerliche Polemik gegen die UN, einerseits nichts Neues, andererseits weiterhin als destruktiv zu bezeichnen.
Die Alternative zur UN ist nun mal nur der kalte, fallweise auch der heiße Krieg. Als dessen Befürworter sich die WTG wieder mal outet!

Die WTG und die UNO

UN Kontroverse

von Drahbeck - am 22.04.2013 01:18

Brooklyner Alltag

Vor fünfzig Jahren
Sich selbst belobigend, schildert die „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 5. 1963 etwas über den Alltag in der Brooklyner Zentrale der WTG:
Zitat

„Um 6.30 Uhr werden die Glieder der Familie durch ein Klingelzeichen geweckt. Einige Minuten vor sieben strömen sie aus ihren Zimmern herbei und begeben sich in endlosen Reihen die Treppen hinunter in die beiden großen Speisesäle im Kellergeschoß, die 950 Personen fassen können. ...
Punkt sieben bittet der Präsident oder bei seiner Abwesenheit der Vizepräsident ein Glied der Familie, den Bibeltext für den betreffenden Tag aus dem 'Jahrbuch der Zeugen Jehovas' vorzulesen. Dann fordert er einige, die im voraus beauftragt wurden, die Fragen zu beantworten, die zu dem Bibeltext gestellt werden, auf, einen Kommentar zu geben. Sie haben sich gründlich vorbereitet und ihre Kommentare können durch die Verstärkeranlage in beiden Speisesälen gehört werden. Jedes Glied der Familie kommt bei diesen allmorgendlichen Besprechungen, die durch die Bemerkungen des Präsidenten abgeschlossen werden, alle paar Wochen einmal an die Reihe. Nach dieser Betrachtung wird ein Gebet gesprochen und dann das Frühstück aufgetragen."

Liest man diesen Bericht, drängt sich als Kommentar dazu den Satz auf.
Ein typisches Kasernenleben.
Namentlich auch die Indoktrinierung vor dem Frühstück ist beachtlich.
Indes weis auch die WTG-Geschichte davon zu berichten, unter den „Gleichen soll es manchmal auch solche geben, die etwas gleicher sind."
Zum Beispiel traf letzteres sicherlich auf diesen Herrn zu.



Die da in den WTG-Zentralen kaserniert sind, dürften in der Regel keinen sonderlichen Spielraum haben. Für die läuft es dann so ab, wie geschildert.
Aber dann gibt es ja noch die Klasse der Kreis- und Bezirksaufseher und ähnliches. Nicht zwangsläufig ist deren Wohnanschrift mit einer der WTG-Kasernen identisch. Da viel Reisen zu ihrem Berufsalltag gehört, hat die Erfahrung gezeigt, dass durchaus in organisierter Form, einige der Reisenden ihre individuellen Unterkünfte am Reiseziel, nicht etwa in Hotels und ähnlichem finden, sondern bei denjenigen WTG-Betörten, die sich da vielleicht durch zuvorkommende Behandlung ihrer WTG-Fürsten einen individuellen Karrieresprung versprechen, und es sich auch finanziell leisten können, ihren WTG-Fürst, wie einen tatsächlichen Fürst zu behandeln.
Über ein nicht-fürstliches Leben dann, brauchen sich diese WTG-Fürsten wohl eher selten zu beklagen.
Auch auch darüber mal - nicht getürkte - Berichte in der offiziellen WTG-Literatur vorzufinden. Die Suche danach - dieweil ergebnislos - kann man sich ersparen.

von Drahbeck - am 01.05.2013 03:20

Briefe schreiben ...

Vor fünfzig Jahren
Wieder mal begegnet man in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 5. 1963 sogenannten Erfahrungsberichten, bei denen man nicht so recht weiß. Soll man über die nun lachen, oder doch lieber weinen. Wenn die WTG solcherlei Berichte veröffentlicht, dann doch wohl, um auch andere zu ähnlichen Höchstleistungen aufzupeitschen.
Das menschliche Leben kann mit Risiken verschiedenster Art gekoppelt sein. Die machen weder vor Zeugen Jehovas noch vor Nicht Zeugen Jehovas halt. Die Frage ist dann doch wohl die. Tritt solch ein Fall ein, wie verhält sich die Umwelt des davon Betroffenen dann. Versucht sie Hilfestellungen zu geben? Wenn ja in welcher Art und Weise, in welchem Umfang?
Nun fühlt sich die WTG bemüßigt von einer Zeugin Jehovas aus Illinois (USA) zu berichten, welche in ihren besseren Tagen, monatlich etwa zehn Stunden Predigtdienst für die WTG absolvierte.
Es trat nun der Fall gesundheitlicher Komplikationen ein, die sich im laufe der Zeit weiter verschärften, und letztendlich zur Bettlägerigkeit der Betroffenen führten.
Damit war dann auch mit dem WTG-Predigtdienst erst mal Schluss.
Nichts indes erfährt man in diesem Bericht davon, ob vielleicht eine Hilfe zur nun komplizierteren Alltagsbewältigung der Betroffenen auch WTG-seitig organisiert wurde. Und es kann auch unterstellt werden, da wurde auch nichts „organisiert".
Indes waren die WTG-Apparatschicks dennoch nicht untätig. Deren „Hilfe" sah dann so aus.
Ein eher wohl einmaliger Besuch, bei der Betroffenen von einer Stunde Dauer, endete mit einem eher makabren Event.
Zitat

„Der Versammlungsdiener gab mir (der Betroffenen) einige Ablaufzettel von (Abonnenten des WTG-Schrifttums), die außerhalb der Stadt wohnen ... brachte mir Postwertzeichen, Briefumschläge usw."

Weiter vernimmt man:
Zitat

„Ich benutze keine Schreibmaschine, sondern schreibe alle Briefe mit der Hand. Manchmal fange ich schon morgens um sechs an, Briefe zu schreiben, dann muß ich nachts meine Hände einbinden, damit sie nicht anschwellen."

Jubilierend notiert die WTG, der Monatsbericht jener Betroffenen sähe jetzt durchschnittlich so aus:
Zitat

„2,6 Bücher, 8,8 Broschüren, 93,1 Stunden, 1,8 Abonnements, 47,8 Zeitschriften, 37 Nachbesuche und ein Bibelstudium".

Fast unnötig, zu erwähnen, die WTG erwähnt es aber trotzdem, auch die Versendung sogenannter „Trostbriefe" an Hinterbliebene von Todesfällen würde nun zu deren Programm gehören.
Besonders erfreut ist zumindest die WTG, dass als Folge solcher „Trostbriefe" sogar eine Rückantwort dergestalt erfolgte, dass solch ein Adressat eine Geldspende seinerseits sandte, die sie
Zitat

„für ihre Kirche annehmen möge".


von Drahbeck - am 08.05.2013 05:15

Schwere seelische Probleme

Vor fünfzig Jahren
Wieder mal fühlt sich der „Wachtturm" vom 15. 5. 1963 bemüßigt, seiner Leserschaft mit zu verklickern:
Zitat

„Selbst wenn er (ein Zeuge Jehovas) schwere seelische Probleme hat, fragt er nicht jemanden um Rat, der zwar vielleicht Psychologie studiert hat, aber nicht an Jehova Gott glaubt."

Mit dieser Aussage belegt die WTG erneut, dass es ihr nur um die Wahrung ihrer getünchten Fassade geht.
Ihrer Anhängerschaft indes, erweist sie damit einen Bärendienst.
Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas
Wohin diese Ignoranz führen kann

Die Meinung von Manfred Neumann

von Drahbeck - am 15.05.2013 03:55

Russische Hühner

Vor fünfzig Jahren
Eine Meldung in „Erwachet!" vom 22. 5. 1963. Ich kann nicht verhehlen, gewisse Zweifel dabei, sind bei mir keineswegs ausgeräumt. Der Begriff der Eintagsfliegen oder auch der Zeitungsenten, dürfte ja nicht unbekannt sein. Ohne ein verbindliches Urteil abgeben zu können, scheint mir doch, dass jene Meldung letztendlich auch diesem Bereich zuzuordnen ist.
Offenbar stand jene Meldung aber mal in der „grossen Presse". Wenn sie nun auch „Erwachet!" mit übernahm, ist man dergestalt verwundert, als sie letztendlich doch die eigene WTG-Blut-These konterkariert. Das wäre jedenfalls mein Kommentar dazu.
Nun noch unkommentiert jene Meldung, zu der sich dann jeder seine eigene Meinung bilden kann.
„Erwachet!" schreibt:
Zitat

„Nach einer Meldung der 'Frankfurter Rundschau' vom 15. März, die sich auf eine TASS-Meldung stützte, wird auf einem Staatsgut bei Leningrad eine neue Hühnerrasse gezüchtet. Durch die von Professor Solikow bei den Hühnern vorgenommenen Bluttransfusionen sollen diese neue wertvolle Eigenschaften entwickelt haben.
Die Hennen sollen angeblich durchschnittlich 200 Eier im Jahr legen, die ein Gewicht von 80 bis 85 Gramm haben. Auch sollen sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten sein und selbst starke Fröste ohne Schwierigkeiten überstehen können. Mit einem Gewicht von 4 bis 4 ½ Kilogramm sollen sich einige Hennen sogar mit Gänsen messen können. Bisher sollen angeblich 15000 dieser Hühner gezüchtet worden sein."


von Drahbeck - am 22.05.2013 03:33

Konrad Franke

Vor fünfzig Jahren
Die Ausgabe des „Wachtturm" vom 1. 6. 1963, enthält innerhalb der WT-Serie „Mein Lebensziel verfolgend" auch einen Bericht des nicht unbekannten Konrad Franke. Einige Anmerkungen dazu wurden bereits in der Jahrgangsdatei 1963 mit aufgenommen. Sie seien hier nochmals separat wiedergegeben:
Zitat

Auch Franke erwähnt in seinem Bericht, dass die massenhafte organisierte Verbreitung der WTG-Broschüre „Die Krise" in der Zeit vom 8. - 16. 4. 1933 die Situation WTG-seitig bewusst anheizte. Solche Heißsporne wie Franke waren da WTG-seitig gefragt.

Was sagte Konrad Franke aus?
Die WTG-Broschre "Die Krise" heizt die Situation an
Herrn Franke's 1975 Vortrag
Parsimony.15632

von Drahbeck - am 01.06.2013 02:38

München

Vor fünfzig Jahren
Erfreut teilt der „Erwachet!" vom 8. 6. 1963, im Vorfeld des für 1963 in München angesetzten ZJ-Kongresses auch eine Statistikzahl mit. Danach gab es in diesem Zeitraum in der Bundesrepublik Deutschland eine Verhältniszahl von einem Zeugen Jehovas zur übrigen Bevölkerung von 1 zu 738 Einwohnern.
In München hingegen soll zur gleichen Zeit jene Verhältniszahl schon 1 zu 329 beitragen haben.
Wenn dem so ist, bietet es sich an, auch mal nach anderweitigen Statistikanalysen Umschau zu halten.
Zum Beispiel nach dem langjährigen konfessionsundlichen Standardwerk des Kurt Hutten mit dem Titel: „Seher, Grübler, Enthusiasten" (13. Aufl.).
Letzterer notiert auch eine nicht uninteressante Detailangabe. Und zwar die:
Zitat

„Eine erste griechische Versammlung entstand 1962 in München."

Bei Hutten gehen diesbezügliche Detailangaben weiter mit der Aussage:
Zitat

„1973 gab es bereits 1560 griechische Verkündiger in der Bundesrepublik. Bis 1973 waren 660 spanische und 1000 italienische Verkündiger mit 45 Vollzeitdienern gewonnen. Auch türkische und jugoslawische Gruppen entstanden."

Huttens Angaben datieren auf den Zeitraum von vor 1990. Bekanntlich hat sich die Bundesrepublik Deutschland, just im Jahre 1990 geographisch verändert. In der Folge dieser Veränderungen, leitete der damalige Kanzler Kohl auch eine Politik ein, welche weiteren Nichtdeutschen Sprachgruppen, eine Renaissance in der BRD verschaffte. Nicht zuletzt wäre da auch an die russische Sprachgruppe zu denken.
Noch heutzutage vernimmt man die Kunde, dass namentlich die russische Sprachgruppe, auch in anderen Bereichen der Religionsindustrie auf deutschem Territorium, früher ungeahnte Zuwachsraten eingefahren hat.
Eine Spezifizierung auf die Zeugen Jehovas dabei, ist meines Wissens, in der veröffentlichten Publizistik weniger nachweisbar. Gleichwohl sind auch die Zeugen Jehovas Nutznießer dieser Entwicklung.
Als willkürliches Beispiel sei nur genannt.
Vor 1989 betrieb die WTG im damaligen Westberlin (Bayernallee) auch ein eigenes Zweigbüro. Im Zuge der nachfolgenden politischen Entwicklung dann aufgegeben, heute als Privatwirtschaftliches Seniorenheim geführt, für welches die WTG weiterhin, entsprechende Marktübliche Mietkosten einstreicht.
Gekoppelt war das Objekt Bayernallee auch mit einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas, welcher noch heute diese Funktion wahrnimmt.
Am entsprechenden Schild jener Immobilie, kann man auch entnehmen, dass dort (auch) eine Russischsprachige Gruppe der Zeugen Jehovas, ihren Versammlungsort hat.
Ähnliches dürfte mit Sicherheit auch anderswo in der BRD nachweisbar sein.
Gelesen in "Unser Königreichsdienst" März 2006:
Zitat

"Am 25. Dezember 2005 fand im Bethel die Abschlussfeier für die Schüler der 20. Klasse der Schule zur dienstamtlichen Weiterbildung statt. Die 24 Brüder wurden griechisch-, italienisch-, russisch-, arabisch-, türkisch-, englisch, serbeo-kroatisch, chinesischen ... Versammlungen zugeteilt."

Ach ja die durch ... kenntlich gemachte Auslassung aus vorstehendem Text sei denn nicht unterschlagen "und deutschsprachig". Soweit ist man also schon in WTG-Gefilden. Deutsch mutiert zur "und-Sprache"; quasi unter ferner liefen.
Oder auch diese Meldung:
Laut "Unser Königreichsdienst" vom September 2005 gab es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt 8.174 russischsprachige Verkündiger die in 125 Versammlungen und 17 Gruppen organisiert sind.
Erfreut meint man zu registrieren, dass im letzten "Dienstjahr" im russischen Gebiet (in Deutschland) allein 16 neue Versammlungen gegründet werden konnten.
Auch in anderen fremdsprachigen Gebieten in Deutschland, geht es für die Zeugen Jehovas voran. Symptom dafür ist auch die Aussage:
Zitat

"Mit Beginn des neuen Dienstjahres gibt es in Deutschland drei neue Kreise, nämlich zwei russische und einen französischen. Zusätzlich werden das albanische, das vietnamesische, das rumänische sowie das Twi- und das Gebärdensprachengebiet durch Kreisaufseher betreut ...
In Deutschland gibt es jetzt 121 Kreise und 6 deutsche Bezirke in fremdsprachigen Gebiet".

Zurückkehrend zu München.
Über einem dortigen Zeugen Jehovas, der dort in der Nazizeit, in besonderer Art und Weise in die Zeugen Jehovas-Geschichte eingegangen ist, wurde bereits im
Forumsarchiv A192 etwas berichtet.

von Drahbeck - am 08.06.2013 03:10

Alfred Pryce Hughes

Vor fünfzig Jahren
Quasi als „Briefkastenfirma" besteht im Formaljuristischen Sinne wohl bis heute die INTERNATIONAL BIBLE STUDENTS ASSOCIATION fort. Ihr spezielles Wirkungsgebiet ist England (Großbritannien).
Als deren Beamte liest man , etwa im 1969er Jahrbuch die Namen:
Zitat

N. H. Knorr Präsident
Alfred Pryce Hughes Vizepräsident
E. C. Chity Sekretär-Kassierer
Grant Suiter Hilfs-Sekretär-Kassierer

Schon der mit vorhandene Name des N. H. Knorr verdeutlicht, dass besagte INTERNATIONAL BIBLE STUDENTS ASSOCIATION, über den Status einer Briefkastenfirma, kaum je hinausgekommen ist. Mit einer Ausnahme vielleicht.
Da gab es um 1954 in Schottland ein Gerichtsverfahren (Fall Walsh) zu dem als zu vernehmender Zeuge, auch der damalige WTG-Vizepräsident F. W. Franz vorgeladen wurde.
Herr Franz bekam da unter anderem die Frage gestellt:
Zitat

„Frage des Anwalts: Sagen Sie bitte, wird über die Fortschritte, wie Sie es nennen, von den Direktoren abgestimmt?"
Fred Franz: Nein."
Frage des Anwalts: Wie werden sie dann zu offiziellen Verlautbarungen?"
Fred Franz: Sie werden dem Herausgeberkomitee vorgelegt und ich prüfe sie an Hand der Bibel und gebe meine Zustimmung."

Und da nun schon mal die Option bestand, hochrangige WTG-Granden, wie eben jenen Herrn Franz, gerichtlich vernehmen zu lassen, ließen es sich die WTG-gegnerischen Rechtsanwälte nicht entgehen, besagtem Herrn Franz noch mit einer anderen Frage zu konfrontieren:
Zitat

„Fred Franz (wurde) gefragt, ob er Hebräisch lesen und sprechen könnte. Franz erwiderte, daß er nicht Hebräisch spreche.
Es wurde ihm außerdem die englische Gerichtsbibel vorgelegt, mit der Frage ob er Genesis 2:4 für die Anwesenden ins Hebräische übersetzen könnte"
, was wohl ebenfalls nicht so recht geklappt hatte.
Just in jenem Gerichtsverfahren, welches sich letztendlich um die rechtliche Anerkennung der WTG drehte, wurde auch besagter Herr Hughes, mit als Zeuge gerichtlich vernommen. Soweit es die Aussagen des Hughes anbelangt, erreichten die allerdings nicht jenen Grad, den die Aussagen des F. W. Franz erreichten, über die sein Neffe Raymond Franz, dann ja später noch in seiner Publizistik berichtet hatte.
Schon damals dürfte auch in dieser gerichtlichen Vernehmung deutlich geworden sein, dass der theoretisch von Herrn Hughes bekleidete Funktionärsposten kaum über den Rahmen eines Statisten in einer Briefkastenfirma hinausreichte.
Das wiederum wurde ja durchaus eindrucksvoll durch die Aussage des F. W. Franz belegt, dass er es sei, der zu damaliger Zeit, die doktrinären Fäden der WTG-Ideologie fest in der Hand hatte. Das alle andere Namen, die da noch formaljuristisch genannt wurden, nicht über den Status von Statisten hinausgekommen sind.
Auch der Britische Staat hatte die Zeugen Jehovas zu Zeiten der Weltkriege relativ hart angefasst. Es gab gerichtliche Verurteilungen, der bis dahin in England tätige WTG-Funktionär Albert Schroeder wurde gar nach den USA ausgewiesen.
Und just zu jener Zeit im zweiten Weltkrieg, offenbar dann schon in der Knorr-Ära, wurde WTG-seitig jener Herr Hughes zum Zweigaufseher für England bestellt. Einen Posten den er etwa zwanzig Jahre lang bekleidete; bis dann etwa 1976 neue WTG-Strukturen auch in England eingeführt wurden.
Im Rahmen dieser Veränderungen bekam ein Herr Wilfred Gooch das Amt des Koordinator, und Hughes trat mehr ins zweite Glied zurück.
Just von jenem Herrn A. P. Hughes, publizierte nun die „Wachhturm"-Ausgabe vom 15. 6. 1963 unter der Überschrift „Schritt halten mit der treuen Organisation" einen Bericht, der mehr auslässt, als er denn tatsächlich „berichtet".
Als „Pluspunkt" für sich meint Herr Hughes auch anführen zu können, die Zahl der Zeugen Jehovas in Großbritannien sei von 7.000 im Jahre 1939 auf etwa 50.000 zum Zeitpunkt seiner Artikel-Publizierung angestiegen.
Namentlich England war es zu Zeiten des ersten Weltkrieges eine Ausnahme von der Regel, wo es tatsächliche Wehrdienstverweigerer auch in WTG-Kreisen gab. Das wiederum kann so pauschal auf andere Länder, namentlich auch auf Deutschland, nicht übertragen werden.
In beiden Weltkriegen, war dann auch Herr Hughes von der Wehrdienstproblematik tangiert. Der Unterschied etwa zu Hitlerdeutschland bestand aber schon mal darin, dass dort Wehrdienstverweigerer auf Nimmerwiedersehen, zeitlich unbefristet in die Konzentrationslagern landeten.
In England hingegen traf es die Tangierten, mit zeitlich befristeten Strafen. So eben auch jenen Herrn Hughes.
Welche Überschrift jener Herr Hughes seinem Bericht gab, wurde bereits zitiert. Zur Unterstreichung dieser Überschrift führt er dann in seinem Artikel auch einige weitere Details an. So etwa dieses:
Zitat

„Ich wollte eine ... Grundlage legen ... Dadurch konnte ich im Glauben fest bleiben, als später aufkommende Stürme viele aus der Organisation hinaustrieben."

Auch seine nachstehend zitierte Aussage, liegt auf ähnlicher Wellenlänge:
Zitat

„In den Jahren 1918 bis 1922 wurde unser Glaube sehr gründlich geprüft. Viele Stimmen ertönten, die alle darauf Anspruch erhoben, Gottes Kanal der Wahrheit zu sein. Die Zeit der Sichtung ... (war) gekommen."

Namentlich die bereits genannte Zahl der nur 7.000 WTG-Hörigen im Jahre 1939, ist Beleg dafür (wie auch analoge Vergleichszahlen für die Schweiz etwa), dass zur Rutherford-Zeit in der Tat etliche aus dieser Organisation wieder, wie es Rutherford mal plastisch formulierte „hinausgeschüttelt" wurden. Mit seiner zitierten Aussage, belegt auch Hughes diesen Fakt.
Weiter muss Hughes in seinem Bericht einräumen:
Zitat

„Im Jahre 1914 erwarteten wir, von der Erde in den Himmel genommen zu werden. Viele zählten die Tage, bis die bestimmten Zeiten der Nationen gemäß Jesu Vorhersage in Lukas 21:24 ablaufen sollten."

Nun besteht wohl der zu benennende Unterschied auch darin, Hughes war in der Zeit um 1914 noch ein junger Mann. Wenn also ältere aus seiner damaligen Umgebung, fieberhaft darauf warteten, in den Himmel „entrückt" zu werden, nach dem Zusammenbruch ihrer Illusionen, dann gar mit zu den „Hinausgeschüttelten" gehörten, so betraf das den damals jungen Mann Hughes, nicht im gleichem existenziellen Umfange. Er gehörte also eher zu denjenigen, die trotz aller Desillusionierungen, weiter die WTG-Stange hielten, und bereitwillig auch dargebotene neue Strohhalme der WTG, ergriffen.
Und die Botschaft, welche der WT auch mit diesem Artikel an die Adresse anderer rüberbringen will, lautet eben. Gebt euch mit den offerierten Strohhalmen zufrieden.
Mehr als ein Strohhalm-Lieferer ist die WTG in der Tat nicht!

Siehe thematisch auch:
Ein Jahrhundertprozess

von Drahbeck - am 15.06.2013 03:21

78 zu 128 Prozent

Vor fünfzig Jahren
Zu den Details welche die „Erwachet!"-Redaktion (Ausgabe vom 22. 6. 1963) offenbar der externen Presse entnommen, und ihrerseits tendenziös weitergab, gehört auch die Angabe.
Seit dem Jahre 1940 sei die Zahl der Kirchenmitglieder in den USA um 78 Prozent gestiegen, die Zahl der Verbrechen hingegen um 128 Prozent.
Nun möchte es „Erwachet!" so gedeutet wissen, als wären ausgerechnet Jehovas Zeugen eine Ausnahme von dieser Regel.
Nun ist zwar bekannt, dass man mit Statistikzahlen „alles und nichts beweisen" könne, was wohl auch für dieses Thema gelten mag. Einen qualitativen Unterschied aber gilt es dennoch zu benennen. 1963 war das Internet-Zeitalter noch nicht angebrochen; in der Gegenwart ist es jedoch. Und eine seiner Folgen auch, die leichtere Erreichbarkeit von Informationen, die vordem von interessierten Kreisen, eher unter Verschluss gehalten wurden. Und sieht man sich etliche Meldungen aus der Internetzeit näher an, auch Zeugen Jehovas betreffend, kann man durchaus feststellen:
Auch Schwerstkriminalität macht um sie keinen Bogen. Damit ist zwar die Frage nicht beantwortet, wie denn diese Kriminalitätsrate im Verhältnis zu anderen Bevölkerungsschichten steht. Gleichwohl kann man sagen, will „Erwachet!" suggerieren, die Zeugen Jehovas seien eine Ausnahme von der Regel, ist dazu kommentierend festzustellen:
Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube!

Ein Beispiel, welches letztendlich der Vor-Internetzeit zuzuordnen ist.
Erich Brüning, einer jener WTG-Betörten, so betört, dass er sich Teile seiner Altersversorgung vorzeitig auszahlen ließ, um quasi auf eigene Kosten, dem WTG-Ruf zu folgen, in ein sogenanntes "Hilfe tut not Gebiet" umzuziehen. In seinem Fall von Deutschland nach Südtirol in Italien, sammelte, an Ort und Stelle angekommen, auch ein paar spezifische Erfahrungen.
Eine Erfahrung beispielsweise, dass seine Tochter, die es dann ins WTG-Büro nach Rom verschlug, dort im Selbstmord endete.
Hat die WTG über diesen Fall je berichtet? Das kann verneint werden. Darüber wurde wie auch in anderen Fällen die Käseglocke des Totschweigens übergestülpt. Hätte der spätere Brüning diesen Fall nicht selbst mal mit erwähnt, wüsste man kaum etwas darüber.
Damit war allerdings, das Erfahrungspotentizial das Brüning als Neuankömmling in einem "Hilfe tut Not Gebiet" zu sammeln hatte, keineswegs erschöpft.
Eine weitere Erfahrung, die er da so sammelte, war die Wahrnehmung ausgesprochener Filzstrukturen. Er als Neuankömmling sah das mit schärferem Blick, als wie die Einheimischen, die es lieber nicht sehen wollten.
"Eine Hand wusch da die andere". Und einer dieser "Wäscher" brachte es gar zu dem Status von Interpol, steckbrieflich als Wirtschaftskrimineller gesucht zu werden.
Der Neuankömmling Brüning machte nun den "Fehler" das was er da so sah und mitbekam, auch mal auszusprechen. Da hatte er allerdings nicht mit den klassischen Filzstrukturen gerechnet, denn besagter Wirtschaftskrimineller hatte sein Beziehungsgeflecht bis ins WTG-Büro in Rom hinein ausgebaut. Und die "heiße Kartoffel" wurde erst im allerletzten Moment fallen gelassen, als es schon gar nicht mehr anders ging.
Das nutzte Brüning dann aber auch nichts mehr, dieweil er "vor der Zeit" aussprach, was er sah, und was andere eben nicht sehen und hören wollten.
Solcherlei schockierende Erfahrungen bewirkten letztendlich die Abkehr des Brüning von der WTG.
Aber nochmals festgestellt, eine WTG-seitige Aufklärung zu diesen Vorgängen, gibt es in veröffentlichter Form bis heute nicht.
Brüning indes ist kein Einzelfall.
Zitat bei Brüning:
Zitat

„Die Jahre vergingen. Unsere Kinder wurden in den Dienst und in das Schema dieser Organisation hineinerzogen. Sie standen ebenfalls mehr oder weniger im Vollzeitdienst. Das bedeutete pro Monat 90 bis 140 Stunden Dienst von Haus zu Haus ohne Vorbereitungsstunden auf die Zusammenkünfte - kurz, unsere Familie war engagiert.
Wie kam es nun zum Bruch mit der Organisation? Wir bemühten uns etwa zwei Jahre lang, die gesetzwidrigen Handlungen eines ihrer Mitglieder zur Kenntnis zu bringen. Die Verantwortlichen umgingen die Angelegenheit, ohne die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Die WT-Gesellschaft ignorierte alle Beweise. Der Mann wurde nach unserem Ausschluß durch die Kriminalabteilung XY vom ZDF in Deutschland und der Interpol gesucht.
Wir gingen damals bis in die Zentrale nach Rom, schrieben zweimal an das Hauptbüro Brooklyn, aber wir erhielten nicht einmal eine Bestätigung des Schreibens. Als wir nicht nachgaben, die Regulierung der Sache zu erwirken, sandte die Organisation einen Sonderbeauftragten, der die Angelegenheit abrupt beendete. Wir bekamen Gemeinschaftsentzug wegen Spaltung der Versammlung. So verließen wir und noch ein junges Ehepaar, welches die Dinge ebenfalls durchschaute, die WT-Organisation für immer."

Erich Brüning etwa hat in einem Kassettentext ("Die letzte
Generation", welcher das Thema "1975" abhandelt), mit eingeflochten, das auch er selbst infolge dieser Hysterie zehn Jahre seiner Altersversorgung "streichen" liess (im Klartext eben vorzeitig auszahlen liess). Selbstredend stehen solch ausgezahlten Beträge, dann im regulären, eigentlich vorgesehenem Zeitraum, nicht mehr zur Verfügung.

Siehe auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,30679,30760

http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=11988&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=1

Namentlich in der eben genannten Tondatei (die Anhörenswert ist!) gibt es ziemlich am Ende des Vortrages, auch die Detailangabe, Brünings älteste Tochter habe sich im Jahre 1991 in der Wachtturm-Zentrale in Rom erhängt.

Brüning selber und seine Ehefrau wurden im Jahre 1981 von einem wie vermerkt wurde, Sonderbeauftragten der WTG, der aus Rom nach Meerane (Südtirol) gesandt wurde, um den schon im voraus beschlossenen Gemeinschaftsentzug zu verkünden, exkommuniziert. Jener Sonderbeauftragte meinte auch damit brillieren zu können, in Rom (bei der WTG) existiere bereits ein umfängliches Dossier über Brüning. Die WTG-KGB indes hielt es nicht für erforderlich, wie es etwa auch der KGB nicht für erforderlich hielt, dem Delinquenten, Einsichtnahme in jene Akten zu gewähren. Er wurde einfach als Unruhestifter abqualifiziert, und das reichte dem WTG-KGB völlig für seine selbstherrliche Entscheidung aus.
Der Selbstmord seiner Tochter hingegen, erfolgte erst rund zehn Jahre später. Wobei Details über die Ursachen, die dazu führten, nicht überliefert sind.

Die Unheile Welt (auch) der Zeugen Jehovas

von Drahbeck - am 22.06.2013 03:25
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