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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Drahbeck

Im Zeitspiegel

Startbeitrag von Drahbeck am 04.04.2013 01:23

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http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,149086,149086#msg-149086


„Deutsche Christen"
Über eine Reichstagung der „Glaubensbewegung Deutsche Christen", jenes zeitweilige Nazi-Hätschelkind, erfährt man in der „Freiburger Zeitung" vom 4. 4. 1933 etwas.
Besagte „Deutsche Christen" wären sicherlich nicht nur zeitweilig, sondern länger noch, Nazi-Hätschelkind, wenn sie denn vom Erfolg verfolgt worden wären. Das war jedoch, je länger, umso weniger der Fall, so dass selbst die Nazis sich genötigt sagen, ihre massive Protektion jener Gruppe - gezwungenermaßen - zurückzufahren. Ganz aufgegeben haben sie diese Protektion wohl nie, aber zumindest wiederwillig, dann zurückgefahren.
An salbungsvollen Worten ließen es denn die Herren der „Deutschen Christen" auch nicht mangeln, wie etwa den:
Zitat

„Daß durch Gottes Fügung"
(wozu denn eine „Fügung Gottes" alles so „gut" sein kann)
Zitat

„Ein urmächtiger Wille des deutschen Volkes"
(besser wäre es wohl formuliert, der Wille Karriegeiler Kirchenfunktionäre)
Zitat

„aus dem Bereich des Wunsches in dem der Wirklichkeit erhoben worden sei."

Ein Dompfarrer Wieneke verbreitete sich dann auch noch auf jener Tagung mit dem Satz:
Zitat

„Wir haben erkannt daß Hakenkreuz und Christuskreuz zusammengehören."


http://books.google.de/books?id=rxv1V-UyW9YC&pg=PA442&lpg=PA442&dq=Dompfarrer+Wieneke&source=bl&ots=h2L7EPnvwJ&sig=YjnzU14kV-PY1sXExcuzgodhLMw&hl=de&sa=X&ei=hb5bUZ6pCsaMtQas4oCgAg&ved=0CDEQ6AEwAA#v=onepage&q=Dompfarrer%20Wieneke&f=false

http://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=518

Was jenem Herrn in der Vor-Nazizeit bereits umtrieb, mag vielleicht auch seine Schrift aus dem Jahre 1907 verdeutlichen, über „Das preußische Garnisionsschulwesen".

http://archive.org/details/daspreussischeg00wiengoog

„Passenderweise" wurde dann jene Tagung
Zitat

mit einem dreifachen Heil auf Adolf Hitler und das deutsche Volk
beendet.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=04b1&year=1933&month=04&project=3&anzahl=4

„Passend" aus den „frommen" Verlautbarungen jener Superfrommen Herrschaften, auch noch jener „bewunderungswürdige" Satz:
Zitat

„Kriegsdienst ist in keinem Fall Vergewaltigung des christlichen Gewissens, sondern Gehorsam gegen Gott."


http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=05b1&year=1933&month=04&project=3&anzahl=4

Angesichts solcher frühzeitigen Anbiederungssätze, kann man schon Ermessen, wie es denn um die Überlebenschancen der WTG-Hörigen bestellt sein würde.

Da will dann Hitlers Steigbügelhalter, Franz von Papen, und damaliger Vizekanzler, auch nicht nachstehen, und lässt laut gleicher Zeitungsausgabe verkünden, er habe für den Bereich der katholischen Kirche, eine ähnliche Organisation gegründet:
„Bund katholischer Deutscher. Kreuz und Adler".
Letzterer dann ebenfalls in rückblickender Wertung, grandios gescheitert.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=04b1&year=1933&month=04&project=3&anzahl=4

Antworten:

Ein Herr Steinbrück

Im Zeitspiegel
mit seiner Politik die CDU von rechts zu überholen, hat sich wieder mal eine Schlappe eingehandelt. Offenbar will er dokumentieren, die „bessere CDU" zu sein.

www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-lehnt-getrennten-sportunterricht-von-muslimischen-kindern-ab-a-892861.html

Ein anderer Kommentator stellt in seiner Replik auch die Frage
„Und was machen die Sozialdemokraten?" Die ernüchternde Antwort „Nichts!"

www.spiegel.de/wirtschaft/rezession-im-euro-raum-wie-die-spd-aus-krise-kapital-schlagen-koennte-a-892286.html

Ein Kurt Tucholsky sähe sich wohl in seinem den Sozialdemokraten gewidmeten Kommentar, grandios bestätigt. Ob er allerdings auf diese Bestätigung sonderlich Wert legen würde, scheint so nicht ausgemacht zu sein.
Schließen wir einen kleinen Kompromiss ...

Eine Minderheitsregierung schließe er aus, vernimmt man von ihm weiter.
Sicherlich ist letztere nicht „das Gelbe vom Ei."
Indes, die Gefahr sich mit dieser Variante näher auseinandersetzen zu müssen, dürfte eher gering sein, aus Mangel an Masse. Herr Steinbrück hat ja ein unnachahmliches Talent die zu verprellen, die sich von Hause aus, keineswegs bei der CDU „gut aufgehoben fühlen".
Wie brachte es ein Karikaturist in der heutigen „Berlinerr Zeitung" auf den Punkt. Auch wenn Steinbrücks Umfragewerte sich im Kellergeschoß bewegen. Eine „Fan" hat er aber trotzdem - die Frau Merkel. Die kann zum Fall Steinbrück nur kommentieren: Weiter so! Umso besser laufen ihre eigenen Geschäfte!

www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-schliesst-minderheitsregierung-aus-a-892340.html

von Drahbeck - am 06.04.2013 07:50

"Warnungstafel"

Im Zeitspiegel
„Licht und Leben" in der Frühzeit der deutschen Bibelforscher-Geschichte, wohl das relevanteste Publikationsorgan seitens der „Landeskirchlichen Gemeinschaften" (pardon: des Sektenflügels der Großkirchen), musste sich verschiedentlich mit dem Umstand auseinandersetzen, das just jene „Landeskirchlichen Gemeinschaften" „das" Revier waren, wo auch die Russelliten relativ erfolgreich „wildern" konnten.

Als Gegenpol, wo die Russelliten auf „Granit" bissen, kann man etwa die die Zeitschrift „Die Geistesfreiheit" hinweisen. Dort exemplarisch auf den Aufsatz:
„Pech Schwefel und Kolophonium"

Aber für die „Landeskirchlichen Gemeinschaften", entwickelten sich auch die Russelliten als eine echte Gefahr.
In der Ausgabe vom 12. 1. 1913 teilt nun „Licht und Leben" mit, man habe im Format 34 x 43 cm eine „Warnungstafel" hergestellt, die in den Gemeinschaftssälen an die Wand gehängt werden möge, damit sie jeder dortige Besucher, sofort im Blick habe.
Nicht „nur" vor den Russelliten wurde auf dieser gewarnt, indes eben auch vor sie.
Unter anderem las man darauf auch:
Zitat

„Warnung. Aus Liebe zum Wort und zum Volke Gottes sehen wir uns genötigt, vor nachstehend bezeichneten unevangelischen Richtungen und Parteien zu warnen, die besonders geeignet sind, die Seelen zu verwirren und auf falsche Bahnen zu bringen. ...
Die Milleniums-Tagesanbruchsleute behaupten, wir leben im Anbruch des tausendjährigen Reiches (1874 - 1914); alsdann beginne das tausendjährige Reich mit dem unsichtbaren Kommen des HErrn. -
Sie leugnen die Unsterblichkeit der Seele und die Hölle.
Die Schriften der Milleniumsleute erscheinen bei Wachtturm, Bibel- und Traktatgesellschaft in Barmen (früher Elberfeld). Der eigentliche Sitz der von Ch. Russell gegründeten Gesellschaft ist Allegheny (Vereinigte Staaten). Ihre falsche Schriftauslegung findet sich besonders in dem sechsbändigen Buche „Milleniumstagesanbruch" und in den Zeitschriften „Zions Wachtturm" und „Volkskanzel."

In der Ausgabe vom 6. 4. 1913 gab „Licht und Leben dann einem Pastor Ferdinand Herbst aus Barmen das Wort, welcher sich unter der Überschrift „Wie haben wir uns die Hölle vorzustellen?" mit den Russelliten auseinandersetzt.
Herbst beklagt in diesem Aufsatz:
Zitat

„Die Frage, ob es wirklich eine Hölle gebe, wird stets aufs neue gestellt. In einer Zeit, wo an den Grundfesten des christlichen Glaubens gerüttelt wird, wie es die gegenwärtige ist, wird sie begreiflicherweise oft mit einem entschiedenen Nein beantwortet."

Aber beklagt Herbst weiter:
Zitat

„Nicht bloß von Gegnern des Christentums überhaupt, sondern auch von einer amerikanischen Sekte, welche die Heilige Schrift sonst sehr hoch hält, den Russellianern.
Sie verspotten bei jeder Gelegenheit die Lehre vom Fegefeuer und von der Hölle als Märchen und suchen damit die große Menge zu ködern."

Was denn Herr Herbst wähnt als Gegenargumentation ins Feld führen zu können, hat er dann noch in seiner separat erschienenen Schrift „Wo sind unsere Toten?" dargelegt, aus der im nachfolgenden noch einiges zitiert sei.
Einleitend führt er aus:
Zitat

„Das Gehirn, sagt der Materialist, erzeugt die Gedanken, ist das Gehirn tot, so ist auch die Seele tot. Der Unsterblichkeitsglaube ist nur eine Ausgeburt der Selbstsucht, und die Unsterblichkeit nicht einmal zu wünschen den, sagt Häckel in seinen 'Welträtseln', es wäre gewiss manchen nicht angenehm, wenn er wieder mit seiner Schwiegermutter zusammenkäme. Auch ein Grund gegen die Unsterblichkeit!
Nun, wenn es keine solche gibt, müßen wir unsere Toten wie es manche auch wirklich tun, ins Grab nachrufen: Auf Nimmerwiedersehn!
Eine ganz ähnliche Antwort auf unsere Frage geben die so genannten Millenniums- oder Tagesanbruchleute."

Dann bietet er eine Referierung der Russell-Thesen, die in seiner (Herbst's) Aussage mündet:
Zitat

„Wenn der Mensch stirbt, höre er auf zu existieren. Gott bewahre ihm zwar seine Identität und sein Gedächtnis und Bewusstsein und Gedächtnis werde dort, wo er im Tode aufgehört habe, wieder eingesetzt bei der Auferstehung, an die sie glauben; aber in der Zeit zwischen Tod und Auferstehung sei der Mensch nicht mehr vorfanden, er sei tot nach Leib und Seele.
Selbst die Schrift wird von dieser Sekte gebraucht um diesen handwerklichen Irrtum zu stützen, besonders die bekannte Stelle von Prediger Sal. 3,19-21:
Zitat

"Es gehet dem Menschen wie dem Vieh, wie diese stirbt, so stirbt auch er und haben alle einerlei Odem; und der Mensch hat nichts mehr als das wie das Vieh, denn es ist alles eitel. Es fährt alles an einen Ort, dass es alles von Staub gemacht und wieder wird wieder zu Staub. Wer weiß ob der Odem des Menschen aufwärts fahre und der Odem des Viehes unter die Erde fahre?"

Das wiederum meint Herbst mit dem Satz kommentieren zu können:
Zitat

„Mit diesem Schriftbeweis Russells ist es also nichts. Was fängt er aber mit dem Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus an (Luk. 16), diesem sonnenklaren Zeugnis des Herrn Jesu von der Unsterblichkeit der Seele? Er weiß sich zu helfen: Der reiche Mann bedeutet nach ihm die Juden und Lazarus die Heiden."

Aber, so Herbst weiter:
Zitat

„man versuche einmal das Gleichnis mit dieser Deutung zu durchdenken, so wird man bald am Unsinn angekommen sein.
Oder was macht er mit dem Worte Jesu an den Schächer
Zitat

"Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein?"
Zitat

Er ist auch da nicht verlegen, indem er das "heute" nicht zu den folgende Worten, sondern zu den vorhergehenden bezieht.
Aber wie wichtig und kraftvoll klingt das Wort, wenn es mit dem zweiten Satz verbunden wird:
Zitat

"Heute wirst du mit mir im Paradies sein!"
Zitat

Da braucht also nicht zu warten bis ich meinem Reiche komme, (wörtliche Übersetzung) bis zum jüngsten Tag, sein, heute schon soll deine Bitte überreich erfüllt werden! Ist das aber richtig dann folgt daraus die Unsterblichkeit unwidersprechlich."

Derart siegesgewiß geht es in der Bewertung von Herbst weiter mit der Aussage:
Zitat

„Wenn aber unsere Toten nicht im Grabe sind, wo sind sie dann? Wir antworten zunächst: im Geisterreich. Denn ein solches muss es so gewiss geben, als der Mensch einen unsterblichen Geist hat."

Von dieser These leitet er dann ab:
Zitat

„Es ist daher eine unglaublich dreiste Lüge, wenn die Russell Sekte behauptet, die Bibel lehre nichts von einer Strafhölle. ... Wenn sie sagen würden, wir glauben es nicht, obwohl die Bibel es lehrt, so wäre dies doch wenigstens ehrlich. Aber sich den Anschein geben, man halte die Bibel für Gottes Wort und glauben nur an die Bibel, und dann doch diese klare Bibellehre leugnen unter den Vorgeben die Bibel lehre keine Hölle, diese sei vielmehr nur eine Erfindung des finsteren Mittelalters, das können wir nicht anders denn eine traurige Unwahrhaftigkeit nennen."

Und er meint weiter zu wissen:
Zitat

„Es haben schon mehr Leute beweisen wollen, dass es keine Hölle gebe, aber es ist und bleibt dies ein vergebliches Bemühen."

Über die „Schlüssigkeit" der Argumentation des Herrn Herbst mag sich denn ja jeder so seine eigene Meinung bilden.
Als ein Kontrastbeispiel aus der Neuzeit, siehe auch:
Parsimony.7191

Die Meldung von der erwähnten „Warnungstafel" machte auch in anderen einschlägigen Blättern ihre Runde. So etwa in der von den Baptisten herausgegebenen Zeitschrift „Der Wahrheitszeuge".
Soweit - ideologisch - voneinander entfernt waren weder „Landeskirchliche Gemeinschaften" noch die Baptisten. Letztere rangieren dann unter der Rubrik „Freikirchen", dass heißt im Gegensatz zu den „Landeskirchlichen Gemeinschaften", haben sie die Nabelschnur zu den „Großkirchen" tatsächlich durchtrennt. Aber eben nur diese organisatorischen Aspekte sind wirklich relevant. Weniger die inhaltlichen (vielleicht die Tauffrage ausgeklammert).
In der Ausgabe vom 8. 2. 1913 berichtet also besagter „Wahrheitszeuge" ebenfalls über diese „Warnungstafel".
Noch aufschlußreicher ist vielleicht eine Meldung in der Ausgabe vom 8. 12. 1913 im „Wahrheitszeugen".
Selbige verlautbart (S. 388):
Zitat

„Aus Pommern schreibt ein Bruder wie folgt:
'Der Russellismus breitet sich auch in den größeren Orten unserer Gegend auffallend aus, ihm fallen unsere Ausgeschlossenenen und andere zu.'"

Damit man eine geographische Orientierung mal hat, das Zitat aus der „Wikipedia":
„Bis 1945 bestanden (dort) die beiden Regierungsbezirke Köslin und Stettin."
http://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Pommern

Und passend dazu jenes historische Kinderlied:
Zitat

„Maikäfer flieg!
Der Vater ist im Krieg,
Die Mutter ist im Pommerland,
Und Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg!"

de.wikipedia.org/wiki/Maik%C3%A4fer_flieg
Wer sich nun über die Erfolge der frühen Bibelforscherbewegung, just in jener Gegend wundern sollte; über den allerdings bestände Grund sich noch heutzutage zu wundern.
In dergleichen Ausgabe des „Wahrheitsfreundes" wird dann noch etwas umfänglicher aus einer Abwehrbroschüre mit dem Titel: „Sieben Sekten des Verderbens" zitiert, deren Grundlage (dann noch erweitert) eben besagte „Warnungstafel" ist.
Als Kostprobe (via „Wahrheitszeuge") dann mal ein paar „Events" aus diesem theologischen Hinterhofkellergezänk:
Zitat

„Stecken wir die Irrtümer Russells kurz zusammen, so sind es hauptsächlich folgende. ...
5. Die Lehre, daß sich der Mensch von den Tieren nur durch edlere Körpergestalt, feinerem Organismus und besser entwickeltes Gehirn unterscheide. Seine Seele müsse sterben wie die des Tieres, daß er einen unsterblichen Lebenskeim habe, sei eine haltlose Hypothese.
Hier stimmt Russell vortrefflich mit den Materialisten überein.
Wenn er aber diesen Unglauben mit der Schrift beweisen will, so ist das der reinste Unsinn, denn die ganze Bibel lehrt sonnenklar die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Man denke nur an das Sterbensgebet des Herrn: 'Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!'
6. Die Leugnung der Hölle. Jeder denkt da wohl sofort an das Gleichnis vom reichen Mann, von dem der Herr selber sagt;
'Da er nun in der Hölle und in der Qual war.'
Man fragt sich:
'Wie stimmt damit Russells Lehre? Aber der Mann ist nicht verlegen. Er versteht das Gleichnis wie die Sabbatisten nur bildlich und sagt:
'Der reiche Mann bedeutet die jüdische Nation, Lazarus die Heiden. Der reiche Mann wurde krank und fing an zu sterben, als der Herr gekreuzigt wurde. Siebenunddreißig Jahre später, im Jahre 70 starb er. Seine fünf Brüder sind die Stämme Israels (die freilich nicht fünf, sondern eben zwölf sind). Seitdem werden die Heiden (der Lazarus, der aber doch auch gestorben und also vernichtet ist!) Getröstet durch die Segnungen des Evangeliums. Durch eine solche Schriftauslegung beweist der Mann, daß es keine Hölle gibt!
Wer wollte sich einen solchen Phantasten zum Lehrer und Führer erwählen! Er ist fürwahr ein blinder Blindenleiter. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
Das sollte nun doch wohl genügen, um zweifelhaften Seelen Klarheit über den Russellismus zu geben."

In der Tat: „es reicht ...."
Seine Beziehungen nach den USA ausnutzend, zitiert der „Wahrheitszeuge" in der Ausgabe vom 29. 3. 1913 einen Professor W. G. Moorehead, D. D., der Präsident des presbyterianischen theologischen Seminars in Xenia in Ohio sei.
Letzterer Herr meint dann auch, folgende „umwerfende" Kritik noch zu Papier bringen zu sollen:
Zitat

„Einer der größten Irrtümer bezieht sich auf das Schicksal der Gottlosen. Es wird ohne weitere Erklärung geleugnet, daß die Gottlosen, die Verlorenen, in dem zukünftigen Leben zu leiden haben. Die Lehre der Heiligen Schrift über dieses ergreifende Thema wird entweder umgangen oder versinnbildet.
Das ist eine gute Botschaft für die Ungläubigen, die in Scharen zu Russell kommen, um mit innerer Befriedigung von ihm zu hören, daß es keine Hölle, kein ewiges Gericht und keine Hoffnungslosigkeit nach dem Tode gibt."

Auch die dem Freikirchen-Spektrum zuortbare Zeitschrift „Gute Botschaft des Friedens" rührte in ihrem 1913er Jahrgang die Werbetrommel für besagte „Warnungstafel".
Eine weitere Werbetrommel-Rührung begegnet man dort in der Juni-Ausgabe 1913.
Dort wird eine im eigenen Verlag erschienene Schrift von einem W. Meili mit dem Titel: „Die bekanntesten Irrlehren und zweifelhaften religiösen Strömungen der Gegenwart" beworben. Und als Kostprobe wird in dem Werbetext auch ausgeführt:
Zitat

„Indem wir dieses Büchlein hier anzeigen, tragen wir noch nach, daß die Milleniumsleute („Millenium-Tagesanbruch") ihre alten Lügen und bösen Irrlehren, über die das obige Büchlein auch berichtet, nun in ein neues schönes Gewand kleiden. Sie nennen sich neuerdings „Internationale Vereinigung ernster Bibelforscher". Durch diesen langen und verführerischen Titel sind sie nur noch umso gefährlicher geworden. Sie machen immer wieder neue Anstrengungen, ihre verderblichen Lehren, worin sie z. B. die ewige Gottheit des Herrn Jesu Christi und Seine Auferstehung und ebenso das ewige Gericht der Gottlosen leugnen, in der ganzen Christenheit zu verbreiten. Der Herr bewahre in Gnaden jede gottesfürchtige und aufrichtige Seele vor ihrem tödlichen Gift! -
Wir warnen jede Seele, die den Herrn Jesum in Wahrheit liebt, vor ihren Schriften, wie „Zions Wachtturm" und „Volkskanzel" und auch vor ihrer neuen Zeitschrift „Jedermanns Blatt!
Ach, daß wir, ja daß alle Christen, die die lautere Wahrheit kennen, ähnliche Anstrengungen machen möchten, das Gute zu verbreiten, wie jene sich bemühen, das Böse auszubreiten."

In der Ausgabe vom 20. 4. 1913 kam „Licht und Leben" erneut auf die Russellianer zu sprechen. Inhaltlich anders diesmal. Gleichwohl auch der Dokumentation wert.
In genannter Ausgabe konnte man lesen:
Zitat

„Russell der Begründer der Milleniumssekte, der sich jetzt Pastor titulieren läßt, hat eine Reise um die Welt gemacht, um die Missionsarbeit in den verschiedenen Ländern zu prüfen.
Am 31. März 1912 hat er seinen Bericht vor einer großen Versammlung in Newyork vorgetragen. Er fand vieles in der Mission zu tadeln. Überall fehlt eben die Arbeit nach seinem System; darauf meint er, warten die Heiden.
Ein Kreis angesehener und gelehrter christlicher Männer hat sich nun daran gemacht, die Berichte und Urteile Russells zu prüfen, und hat das Ergebnis ihrer Untersuchung veröffentlicht.
Sie haben gefunden, daß Russell außerordentlich oberflächlich und mangelhaft geprüft und geurteilt hat, ja, daß manche seiner Behauptungen unwahr sind.
Schon die Kürze seiner Reise - sie dauerte 116 Tage, also nicht ganz vier Monate - läßt es unmöglich erscheinen, daß er eine, wie er behauptet, „sorgfältige" Untersuchung der Missionsarbeit der verschiedenen Missionsgesellschaften hätte vornehmen können.
Fast alle 116 Tage hat er auf Schiffen zugebracht und auf diesen nur mit zwei Missionaren kurze Unterredungen gehabt. In China hat er drei Städte besucht. Schanghai, Kanton und Hongkong, war in jeder Stadt nur einen Tag, hat aber doch angeblich die Missionsarbeit in China „sorgfältig" untersucht.
Er behauptet, daß in China durch die Missionare 600 verschiedene christliche Kirchen und Sekten vertreten seien; er würde aber nicht imstande sein, auch nur 100 verschiedene Denominationen zu nennen, die in China Mission treiben.
Aber Russell hat sich gewöhnt, den Mund immer recht voll zu nehmen, und damit macht er auf gedankenlose und ungebildete Menschen immer Eindruck. Von dem großen und fruchtbarsten Missionsgebiet Afrika hat Russell auf seiner „sorgfältigen" Missionsuntersuchungsreise nichts gesehen. Solche Untersuchungen und Untersuchungsberichte, die darauf berechnet sind, nur die eigene Sache zu fördern und andere geringschätzig zu behandeln, schlagen meist der Wahrhaftigkeit ins Gesicht, und wenn man mit solcher Oberflächlichkeit dabei verfährt und doch ein so großes Geschrei davon macht, als hätte man wunder was geleistet, so wird man mit Recht unter die Schwindler gerechnet. ..."


von Drahbeck - am 07.04.2013 00:49

"Badische Zeitung"

Im Zeitspiegel
Ein ZJ-"lammfromm" gestylter 0-8-15-Bericht in diesem Blatt über ein "Vortragswochende der Zeugen" hat offenbar eine Reihe von Leserbriefkommentare verursacht.
Was den Kommentatoren weniger aufgestoßen ist (mir aber schon). Nebst Deutschsprachigen ZJ-Vorträgen wurde zugleich auch eine Russischsprachige Variante davon offeriert.
Die Zeugen wissen halt, wo sie innerhalb Deutschlands ihre Zuwäche am leichtesten ergattern können!

www.badische-zeitung.de/vortragswochenenden-bei-zeugen-jehovas

von Drahbeck - am 09.04.2013 11:17

Heilsarmee

Im Zeitspiegel
Der „Materialdienst", eine heute noch erscheinende Zeitschrift (heutiger Herausgeber die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen), teilt in seiner Ausgabe vom 10. 4. 1933, unter Berufung auf einen Bericht in der „Vossischen Zeitung" (vom 29. 3. 1933) mit:
Zitat

„Auch die deutsche Heilsarmee hat sich mit einem Schreiben an das internationale Hauptquartier in London gewendet und gegen die in der Auslandspresse gegen Deutschland betriebene Lügenpropaganda Stellung genommen."

Mit dieser lapidaren Meldung lässt es der „Materialdienst" aber nicht bewenden, und hängt noch ein eigenes redaktionelles Nachwort dazu an.
Darin meint man verlautbaren zu sollen:
Zitat

„Es mag sein, daß manchem die Abwehrmaßnahmen gegen die ausländische Lügenpropaganda zu scharf gewesen sind oder daß er sie zu sehr unter dem Gesichtspunkt der Propaganda ansieht. Er möge aber die Gefahren bedenken, die nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Beziehung eine ungehemmte Fortsetzung dieser Auslandspropaganda nach sich ziehen würde."

Man meint weiter von
Zitat

„aus England und Amerika berichteten versuchten Schritten jüdischer Vereinigungen bei den Regierungsstellen mit dem Ziel diplomatischen Einschreitens"
zu wissen.
Gab es für die Heilsarmee-Meldung eine nachprüfbare Quellenangabe, so für die letztere Meinung des „Materialdienstes" indes nicht.
Damit dürfte sich selbiger allerdings, ungerecht bewertet sehen, denn er nennt im folgenden durchaus noch eine Quelle.
Da auch die Nazigazette „Völkischer Beobachter" zu den vom „Materialdienst" ausgewerteten Blättern gehört, verweist man im folgenden „passenderweise" auf dessen Ausgabe vom 31. 3. 1933.
Darin habe kein Geringerer als die Nazikoryphäe Alfred Rosenberg, aus einer (auch) von ihm veranstalteten Ausgabe der Hetzschrift „Protokolle der Weisen von Zion" zitiert.
Und da fand Herr Rosenberg wohl die nachfolgenden Sätze, als der Wiederholung wert. Es soll dort auch geschrieben stehen (von wem wird nicht weiter reflektiert). Es wird einfach behauptet:
Zitat

„Sobald ein nichtjüdischer Staat erwägt, uns Widerstand zu leisten (das wären dann wohl die famosen „Weisen von Zion"), müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Kriege gegen ihn zu veranlassen. Wollen auch die Nachbarn gemeinsame Sachen mit ihm machen und gegen uns vorgehen, so müssen wir den Weltkrieg entfesseln. Wir müssen die nichtjüdischen Staatsleitungen zwingen, diesen breit angelegten Plan tatkräftig zu unterstützen. Als Mittel dazu werden wir die öffentliche Meinung vorschützen. Diese haben wir durch die sog. achte Großmacht, die Presse, in unserem Sinn bearbeitet. Mit ganz wenigen Ausnahmen, die überhaupt nicht in Frage kommen, liegt die ganze Presse in unseren Händen."

In der Ausgabe vom 1. 11. 1935 berichtete jener „Materialdienst" dann auch über den in der Schweiz stattgefundenen Prozess, bezüglich der Hetzschrift „Protokolle der Weisen von Zion". Und da ist dessen Redakteur, Dr. Kurt Hutten, sich auch nicht zu schade, die nachfolgende Passage aus dem Referat der vor dem Gericht agierenden Nazi-Koryphäe Ulrich Fleischhauer ebenfalls kommentarlos seiner Leserschaft mitzuteilen. Nun mag man von einer verbohrten Nazikoryphäe, zwar mit dem Ausdruck des Bedauerns, aber mit einem gewissen Maße von Verständnis, dessen krude Thesen hinnehmen. Da entblödete sich also Herr Fleischhauer auch zu der These:
Zitat

„Auch die „Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher" fördere die religionspolitischen Pläne der Juden. Auch sie verfüge über ein Weltherrschaftsprogramm. Danach werde Jerusalem die künftige Welthauptstadt sein, und Abraham werde vom Berge Zion die Geschichte der ganzen Welt mittels vollkommener Rundfunkstationen lenken und alle Nichtjuden würden durch Beschneidung zu Juden gemacht werden."

Was nun das aufspießen der Philosemitischen Komponente der Bibelforscher-Verkündigung bis Ende der 1920er Jahre, anbelangt, mag man entschuldigend anfügen. Selber schuld. Wer selber Narr ist braucht sich nicht zu wundern, via andere Narren sein Narrentum in einem Spiegel wieder zu sehen.
Aber die Rede ist ja davon, dass Hutten jene Fleischhauer'schen Ergüsse, auch kommentarlos wiedergab. Und da muss man ihm, als einem der es durchaus besser wissen konnte, schon mal vorhalten.
In der gesamten Bibelforscherliteratur gibt es nirgends einen Passus, der die Behauptung des Fleischhauers belegen würden: „alle Nichtjuden würden durch Beschneidung zu Juden gemacht werden.". Das hat sich Fleischhauer einzig und allein aus seinem verlogenen Spatzengehirn herausgequetscht.
Hutten indes lässt auch diese Aussage kommentarlos durchgehen, und unternimmt keinerlei Anstalten zum Widerspruch, womit er sich nicht gerade ein Ruhmeszeugnis ausgestellt hat.
Nun war und ist besagter „Materialdienst", keine Publikumszeitschrift. Adressaten sind vorwiegend kirchliche Kreise. Jene kirchlichen Kreisen, denen offenbar schon von den „flotten Sprüchen" des Bibelbuches Offenbarung des Johannes, ihren Sinn vernebelt haben. Derart vernebelt, fiel es ihnen dann offenbar auch nicht schwer, auch noch die Rosenberg'sche zusätzliche Verneblung mit herunterzuschlucken!
Kurt Hutten vor 1945
Kurt Hutten Kulturbolschewismus

von Drahbeck - am 10.04.2013 01:22

Kulturbolschewismus

Im Zeitspiegel
Also sprach Herr Franz Steinbach, im Jahre 1933 in Kaning, Kärnten (Österreich) wohnhaft. Und damit auch noch die „geneigte" Nachwelt seiner Erkenntnisse teilhaftig werden kann, überantwortete er seine Meinung schon mal der in Salzburg erscheinenden „Katholischen Kirchenzeitung", in deren Nr. 8/1933 seine Mitteilungen verewigt sind.
Herr Steinbach stellt sich darin dem Leser schon mal mit der Angabe vor:
Zitat

„Als der Schreiber dieses noch im rheinisch-westfälischen Industriegebiet weilte - damals war er noch nicht Priester - wurde er einmal auf offener Straße von einem dieser Propheten angehalten. Als der Prophet nach langem Zureden merkte, daß er einen ganz „Verstockten" vor sich habe, stieß er die fürchterlichsten Verwünschungen gegen alles katholische aus und verschwand."

Das muss für Herrn Steinbach dann wohl eine Art Schlüsselerlebnis gewesen sein, denn er belehrt seine andächtig lauschende Leserschaft weiter:
Zitat

„Falsche Propheten hat es immer gegeben. Die Not der heutigen Zeit, die ungewisse Zukunft, die unsichere Lage jeder Existenz aber bringt es mit sich, daß gerade heutzutage der Weizen der falschen Propheten blüht. Sie werden immer zudringlicher, diese falschen Propheten, sie bleiben nicht mehr in den Städten und auf dem platten Lande - sie kommen schon zu uns herauf aufs Gebirge und suchen hier schon im Trüben zu fischen."

Aber, weis unser Autor weiter mitzuteilen:
Zitat

„Die meisten dieser ... Sekten machen uns hier nichts zu schaffen - für uns kommen hauptsächlich die Bibelforscher und die Adventisten in Frage. Sie dürften für uns die gefährlichsten Sekten sein."

Und weiter:
Zitat

„Die Propaganda dieser Sekte ist äußerst rührig und aufdringlich. Ja, unter Umständen kann sie unverschämt werden. In der Schweiz und in Deutschland bilden die Bibelforscher schon seit langem eine förmliche Landplage für die Seelsorger - übrigens scheint es nun auch bei uns hier so werden."

Derart ein eindeutiges Feindbild geoutet habend, lässt Herr Steinbach es sich angelegen sein, seinen Kritikgegenstand nach „allen Regeln der Kunst" zu widerlegen.
Zu seiner Widerlegungskunst gehört dann wohl auch dieses:
Zitat

„Eine der Hauptlehren der „Ernsten Bibelforscher" ist die Leugnung der ewigen Höllenstrafe."

Aber o weh, auch das muss Herr Steinbach registrieren:
Zitat

„Das hören sehr viele Leute gerne und schließen sich deshalb ebensogerne den Bibelforscher an. Die Bibelforscher richten mit dieser Lehre unendlich viel Schaden an. Und wo die Bibelforscher diese Lehre einmal durchgesetzt haben, da glaubt man bald überhaupt nicht mehr an die Hölle."
.
Schlimm, schlimm befindet auch Herr Steinbach, der doch dieserart, einen wesentlichen Joker seiner eigenen Religionsfirma entwertet sieht.
Aber o weh, es kommt noch schlimmer (zumindest in der Sicht von Herrn Steinbach), der da desweiteren meint beklagen zu sollen;
Zitat

„Eine weitere wichtige und verhängnisvolle Lehre der Bibelforscher ist die Leugnung der Unsterblichkeit der Seele".

Auch der Bibelforscher-Ablehnung der Dreieinigkeitslehre, gerät selbstredend ins Visier von Steinbach, der über diesen Umstand ebenfalls nicht erfreut ist.

Da Herr Steinbach (vermutlicherweise) auch Leser von Tageszeitungen ist, kann man vielleicht weiter unterstellen, das das zeitgenössische Schlagwort vom „Kulturbolschewismus", als einem Schreckgespenst auch für ihn und seinesgleichen, auch ihn in Kärnten schon erreicht hat.
Und da er schon mal bei einer „Abrechnung" ist, war es für ihn dann wohl Ehrensache, auch seinerseits jenes Schlagwort mit aufzunehmen. Vielleicht nicht im wörtlichen Sinne, mehr auf die indirekte Art und Weise. Und so fügt er denn seiner Bibelforscherkritik auch noch dieses Detail mit bei:
Zitat

„Bei einigen Zuschauen wird es übrigens niemand wundernehmen, daß Judentum, Bibelforscher, und auch die von Israels Söhnen irregeführte Sozialdemokratie sich samt und sonders auf einer Ebene bewegen"
, meinte zumindest Steinbach.
Und wer solcherlei Meinung ist, hat selbstredend substanzielle Beweis nicht nötig. Dito Steinbach. Oder hat er doch einen „Beweis"?
Dann soll es wohl dieser sein:
Zitat

„Was der Sozialdemokratie an den Bibelforschern gefällt, ist folgendes;
Die Zeit, die Gott den Königreichen dieser Welt gesetzt hatte, war im Jahre 1914 abgelaufen. Die große Erschütterung, die seit 1914 in der Welt herrscht, ist darauf zurückzuführen, daß die Zeit gekommen ist, wo alles, was nicht auf Recht und Gerechtigkeit gegründet ist, hinweggetan wird, weil bald die neue Welt, darin Gerechtigkeit wohnt aufgerichtet werden soll. Solche Töne hören die Sozialdemokraten gerne, und deshalb sind sie mit den Bibelforschern gut Freund."

Das mit den „gut Freund" kann man ja vielleicht anzweifeln, was aber nicht weiter bewertet sei. Aber sicherlich hat auch Herr Steinbach mit seinen Ausführungen dokumentiert, das er die Enzyklika eines verstorbenen Herrn Papstes, namens „Rerum novarum", mit ihrer Propagierung des Ständestaates, gut beherzigt hat.
Es möge alles so bleiben wie es ist, sagte jene Enzyklika dem Sinne nach schon.
Herren bleiben Herren.
Knechte und Sklaven dito selbiges. Und für die Steinbachs und Co, fällt dann dabei auch noch ein möglichst gut dotierter Priesterposten dabei ab.
So sei die Welt dann in Ordnung. Und besagte „Ordnung" herzustellen müht sich ja auch Herr Steinbach!

von Drahbeck - am 11.04.2013 00:13

Verbotsentwicklung

Im Zeitspiegel
In Form einer Bekanntmachung des Bayrischen Staatsministeriums vom 13. April 1933 gab es eine Verbotsanordnung die Bibelforscher (Zeugen Jehovas) in Bayern betreffend.


Siehe ergänzend dazu dazu auch Anbiederung

Auch mit Datum vom 19 April 1933 teilt das „Sächsische Verwaltungsblatt" (Nr. 34/1933 S. 251) mit:
Zitat

Nr. 221: Verbot der Ernsten Bibelforscher
Ministerium des Innern (Reichskommissar)
18. April 1933, Nr. 34243
§ 1.
Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (Reichsgesetzbl. I S. 83) wird die Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher (Bund der „Internationalen Bibelforscher; Ernste Bibelforscher) samt ihren Unterverbänden für das Gebiet des Freistaates Sachsen mit sofortiger Wirkung aufgelöst und verboten.
§ 2.
Wer sich als Mitglied der aufgelösten Vereinigungen betätigt, die aufgelösten Vereinigungen auf andere Weise unterstützt oder durch die Vereinigung geschaffenen organisatorischen Zusammenhalt weiter aufrecht erhält, wird nach § 4 der genannten Reichspräsidentenverordnung bestraft.
§ 3.
Die von den aufgelösten Vereinigungen etwa verwendeten Räume sind polizeilich zu schließen. Die ihnen gehörigen Gegenstände sind zu beschlagnahmen.
§ 4.
Diese Verordnung tritt mit ihrer Verkündigung in Kraft.

Das war sicherlich nicht das einzigste relevante Verbot in dieser Zeit. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sei denn mal so erwähnt, was im selben Jahrgang des „Sächsischen Verwaltungsblattes" noch so alles an namentlichen Verbotsankündigungen auftaucht:

Weiteres Verbot marxistischer Verbände ...
Rote Hilfe Deutschland
Internationale Arbeiterhilfe
Kommunistischer Jugendverband Deutschlands samt der Kindergruppe: die Roten Jungpioniere und die Rote Jungschar
Roter Frauen- und Mädchenbund
Revolutionäre Gewerkschaftsopposition
Revolutionärer Industrieverband
Kampfbund gegen den Faschismus
Roter Massenselbstschutz
Antifaschistische Aktion
Kartell roter Wehrverbände sowie sämtliche kommunistische örtliche Selbstschutzorganisationen (Rote Wehr usw.)
Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit und alle örtlichen kommunistischen Sport-Organisationen
Freier Radio-Bund Deutschlands
Internationaler Bund der Opfer des Kriegs und der Arbeit
Bund der Freunde der Sowjetunion und Gesellschaft der Freunde des neuen Rußland
Bund schaffender Landwirte und Lausitzer Bauernbund
Allgemeine Arbeiter-Union
Freie Arbeiter-Union Deutschlands
Anarchistisch-syndikalistische Jugend Deutschlands
Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Organisationen
Sozialistischer Schülerbund
Arbeiter- Turn- und Sportbund Sozialistische Schülergemeinschaft
Allgemeiner Verband der Kriegs- und Arbeitsopfer Deutschlands
Verbot der Vorbereitung und Veranstaltung kommunistischer und sozialdemokratischer Jugendweihen
Verbot kommunistischer und sozialdemokratischer Mütter-, Braut, Ehe- und Totenweihen und sonstige gleichgerichtete Veranstaltungen die bestimmt sind, die kirchlichen Taufe-, Trauungs- und Begräbnisfeierlichkeiten zu ersetzen
Arbeiter- Sport- und des Arbeiter- Kultur-Kartells
Arbeiterwohlfahrt
Bund Deutscher Landstreicher
Deutsche Heimatwehr
Deutsche Liga für Menschenrechte
Deutsche Liga für Völkerbund
sog. Friedensgesellschaften
Sächsisches Friedenskartell
Deutsche Friedensgesellschaft
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit
Deutschvolk
Gemeinschaft proletarischer Freidenker
Sozialistischer Studentenbund
Personen, die einer Freimaurerloge angehören, sind im öffentlichen Dienst des Landes nicht mehr anzustellen
Hirt und Herde
Jungdeutscher Orden
Verbot öffentlicher Geldsammlungen für die KPD
Verbot kommunistischer Versammlungen und Druckschriften
Nationaler Kampfbund der Sparer und Rentner
Reichsbanner und seine Hilfsorganisationen und die Eisernen Front
KPD + KPD-"Opposition"
Reichsbund der Inflationsopfer
Republikanischer Reichsbund
Rote Falken
SPD
Sozialistische Arbeiter-Jugend

Unfraglich hat das WTG-Verbot in Sachsen, die WTG besonders getroffen. Konnte man sich doch die Jahre zuvor rühmen, die zu damaliger Zeit, weltweit größte Bibelforschergemeinde in Dresden zu haben, und die sei sogar größer als die in New York. Die USA holten was Zuwachsraten anbelangte, erst ab den 1940er Jahren massiv auf. Setzt man die vorhandenen Bibelforscherzahlen in Verhältnis zur übrigen Bevölkerung, und berücksichtigt man, dass die USA eben wesentlich größer als Deutschland sind, hatte in dieser Vergleichsanalogie Deutschland, damals, eindeutig die Nase vorn. Und innerhalb Deutschlands wiederum (damals) an der Spitze stehend Sachsen, Gefolgt als nächstes von jenen damals deutschen Gebieten, welche heute zu Polen gehören. Der übrige Teil Deutschlands (einschließlich Bayern) eher nur marginale Bibelforscherbestände aufweisend (damals).

Noch aber hatte die WTG eine Galgenfrist. In offensichtlicher Vorkenntnis des französischen Einmarsches im Rheinland (Frankreich wähnte Deutschland erfülle seine Reparations-Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag nicht genügend, und daher müsse sich Frankreich innerhalb Deutschlands ein Faustpfand sichern).
In offenkundiger Vorkenntnis dieser politischen Verwerfungen, hatte die WTG ihre Deutschlandzentrale aus dem „Muckertal" (einer der klassischen Sektierergegenden in Deutschland) noch rechtzeitig nach Magdeburg verlegt. Damit war nun unter den Bedingungen des Naziregimes, eine zeitlich befristete Galgenfrist vorhanden, denn die Gegend um Magdeburg, gehörte politisch zu Preussen. Der Länderföderalismus wurde dann zwar von den Nazis (und auch den Kommunisten zu späteren Zeiten) noch eliminiert. Zu jener frühen Zeit indes war es noch nicht soweit.

Die WTG hatte somit noch die Chance um „gutes Wetter" zu winseln. Sie hatte auch zeitweilige Phyrrussiege noch erreicht, indem zeitweilige Besitzungen der Magdeburger Liegenschaften, wieder aufgehoben wurden.
Ein herausragendes Dokument, nebst der zeitlich später veranstalteten Berlin-Wilmersdorfer Veranstaltung vom Juni 1933 mit ihrer sattsamen „Erklärung" nebst zugehörigen Begleitschreiben.
Ein zeitlich davor liegendes relevantes WTG-seitiges Dokument, war unfraglich das „Sonder-Bulletin" der deutschen WTG für April 1933.
Damals nannte sich der heutige „Unser Königreichsdienst" eben „Bulletin". Und für besagten April 1933 gab es noch ein „Sonder-Bulletin"
In selbigem gab es dann auch die Sätze:
Zitat

„Die allgemeine Umstellung in Deutschland hat naturgemäß auch hier und da eine gewisse Unsicherheit in der Behandlung unserer Tätigkeit hervorgerufen. Die in der Vergangenheit gegen uns durch falsche Meldungen erzeugten Vorurteile und falschen Auffassungen haben an einigen Stellen auch zu Übergriffen gegen Ortsgruppen und ihre Veranstaltungen geführt. Aber nach dem bisherigen schnellen Handeln der neuen Regierung ist zu erwarten, dass in kürzester Zeit Verhältnisse geschaffen werden, die es möglich machen zu beurteilen, welche Arbeitsmöglichkeiten und gesetzlichen Grundlagen vorhanden sein werden. Der gegenwärtig Zustand kann als für unsere Angelegenheiten zwar ungeklärt, aber vorübergehend bezeichnet werden. Wir bitten daher die Gruppen, in allen Fällen, in denen irgendwelche örtlichen Maßnahmen gegen die Arbeit und die Gruppen unternommen werden, unter keinen Umständen von sich aus irgendwelche Gegenmaßnahmen zu ergreifen."

Zu weiteren Zitaten aus diesem „Sonder-Bulletin" siehe auch:
19332Kraftchristentum

Indes, alles taktieren vermöchte den „Verbotszug" auch in Preussen, nicht mehr aufzuhalten.
Hinzuweisen ist da auf eine dem Verbot dienende Konferenz einiger Macher des Bürokratenapparates, bzw. auch mit eingeladene „Aushängeschilder" von Anfang Juni 1933, Ob denn jene kirchlichen Aushängeschilder in der Sache was zu „sagen" hatten oder nicht, kann als völlig bedeutungslos eingestuft werden. Das Naziregime hatte seine Entscheidungen, so oder so gefällt. Die Kirchen hatten allenfalls zu ihr die Option „Ja und Amen zu sagen" oder es auch sein zu lassen.
Siehe auch:
Verbotsprotokoll

Was nun die Stellung der zeitgenössischen Kirchen zu den genannten Vorgängen anbelangt, kann man namentlich auf die „Deutsch-Evangelische Korrespondenz" des Jahres 1933 als relevantem „Sprachrohr" hinweisen.
In deren Ausgabe vom 12. April 33 gibt es den Hinweis auf das in Bayern ausgesprochene Verbot. Jener Text verlautbarte:
Zitat

„Wie man aus dem 'Völkischen Beobachter' vom 5. April 1933 erfährt, ist dem Bunde der Internationalen Bibelforscher (Ernste Bibelforscher) in Bayern, jede Tätigkeit untersagt worden, da der Bund unter dem Schein des Christentums an der Verwirrung und Zersetzung mit der SPD und KPD zusammengearbeitet habe."

Beachtet man die in diesem Text mit enthaltenen Datumsangaben, kann man wohl sagen, dass die DEK schon verhältnismäßig früh „das Gras wachsen hörte."
In ihrer Ausgabe vom 3. 5. 1933 teilte die DEK dann noch das analoge Verbot in Sachsen mit.
Allerdings gilt es auch zu sagen. Die danach eingetretene Verbotssituation in Preussen, war für die DEK dann kein Berichtsgegenstand mehr. Offenbar stellte sich deren Redaktion auf den Standpunkt, dass sei ohnehin in der allgemeinen Presse ausreichend dargestellt, so dass man selbst dazu nicht auch noch votieren müsse.
Das Beispiel eines solchen - tendenziösen - Berichtes in der Tagespresse kann man der in Breslau erschienen „Schlesischen Zeitung" vom 30. 6. 1933 entnehmen. Also einem Blatt, das nicht unbedingt zum Kernbereich von Preussen zuortbar ist. Eher Provinzbereich, und letzteres wiederum ein fruchtbarerer Boden für die WTG-Religion, als wie etwa reine Großstadtgegenden. Gleichwohl auch als „versteckte" Warnung an dortige Kreise verstanden werden kann, denn nach Sachsen, kamen eben die Bibelforscher, in ihrer damals relevantesten Verbreitung, just in dieser Gegend vor. Und was die Tendenziösität jener Meldung anbelangt, brauchte man zu Nazizeiten dieserhalb nicht verwundert sein. Objektive Kriterien waren für jenes Regime ein Fremdbegriff.
Genanntes Blatt schrieb:
Zitat

„Vereinigung Ernster Bibelforscher verboten ...
Der preußische Minister des Innern hat auf Grund des Gesetzes zur Sicherung von Volk und Staat vom 28. 2. 33 in Verbindung mit § 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes die Vereinigung Ernster Bibelforscher einschließlich ihrer sämtlichen Organisationen im Gebiet des Freistaats Preußen aufgelöst und verboten.
Das Verbot ist erfolgt, weil die Internationale Bibelforscher-Vereinigung unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Bibelforschung eine ungeheure Hetze gegen die christliche Kirche und den Staat unternommen hat. Sie leistete in hohem Maße Kulturbolscgewistische Zersetzungsarbeit und verstieß damit gegen die Elremente der neuen Staatsführung. Die Gefährlichkeit der Umtriebe dieser Vereinigung geht schon daraus hervor, daß in zunehmendem Maße Anhänger marxistischer Parteien und Organisationen in die Bibelforscherbewegung eintraten."

Letztere Behauptung, ist allerdings eine reine Propaganda-Behauptung, und hält keinen objektiven Kriterien stand, und wurde zuvor, auch WTG-seitig, entschieden bestritten.
Aber wie bereits vermerkt, mit „Objektivität" pflegten Nazis sich nicht aufzuhalten.

Namentlich freikirchliche Kreise, mit Sicherheit noch mehr als großkirchliche Kreise, dieweil den Bibelforschern/Zeugen Jehovas ideologisch näherstehend, verfolgten aufmerksam, welches Schicksal diesen nun ereilte. Nicht dass man selbst in ähnlicher Gefahr stand, dazu war man halt wendig genug. Aber die unausgesprochene Befürchtung bestand schon, das der Wind sich drehen könnte. Und sollte bei einem gedrehten Wind, das Rasenmäherprinzip eine Ausweitung erfahren, konnte man sich kaum in Sicherheit wähnen.
Exemplarisch am Beispiel der baptistischen Zeitschrift „Der Wahrheitszeuge" veranschaulichbar.
In der Ausgabe vom 9. 7. 1933 gab es dort eine Meldung über das Verbot in Bayern. Zwar kaum über sonstige Presseberichte inhaltlich hinausgehend, aber immerhin, es wurde von genanntem Blatt notiert.
Bereits eine Woche später, in der Ausgabe vom 16. 7. 1933, gab es dort - unter ähnlichen Kriterien - auch noch die Meldung über das Verbot in Preussen.
Es kann unterstellt werden, das jene Redaktion dann namentlich durch das Verbot in Preussen mit hochgeschreckt wurde, und erst bei diesem Anlaß, dann auch noch die ältere bayrische Meldung mit ausgrub.

Exemplarisch sei auch auf den Kommentar des „Wahrheitszeugen" in der Ausgabe vom 16. 4. 1933 verwiesen. Er bleibt in seiner Tonlage so, das er für das nazistische Regime keine direkten Angriffspunkte bot. Wer jedoch auch etwas „zwischen den Zeilen liest", kann durchaus einige Zeitgenössische Sorgen aus ihm herauslesen.
Genanntes Blatt schrieb:
Zitat

„Wir leben in Deutschland seit dem 30. Januar in einer neuen Situation. Es hat sich nicht nur ein Regierungswechsel vollzogen, nicht nur bahnen sich neue wirtschaftliche, politische und nationale Zustände an, nein, die geistige Gesamtlage hat sich geändert - wesentlich geändert. Der Staat von Weimar mit seiner Freiheitsaufassung, mit seinem Gemeinschaftsideal, mit seiner Regierungs- und Führungsmethode, mit seinem geistigen Inhalt ist vorbei. An seine Stelle ist getreten der neue Staat mit seinem Anspruch, ein totaler Staat zu sein. Er will alles neu ordnen und alles neu formen und gestalten. Er erhebt den Führungsanspruch des Diktatorischen, beginnt das Kulturleben, das Rechtsleben, das Wirtschaftsleben, das soziale Leben ganz neu zu gestalten nach seinen Idealen und Zielsetzungen.
Ein mächtiger Jubel ist darüber im Volke erwacht, weil Millionen über die große Erwartung eines wirtschaftlichen Neubaues stehen. Fürwahr, das deutsche Volk durchlebt zurzeit größte und bedeutsamste Stunden seiner Geschichte. Gott macht mit Deutschland Geschichte. Und auch wir Menschen der Gemeinde stehen bei diesem Tun still und erkennen Gottes Stunde.
Auf allen Gebieten legt der neue Staat seine Hand an - auch auf dem Kirchlichen. Hier nicht offiziell. Aber der ersten Reichstagung der „Glaubensgemeinschaft deutscher Christen" merkt man es an, daß sie in diesem Zeichen steht.
Der Deutschlandsender hat die Begrüßungsreden durchs Land getragen, hat auch die grundsätzliche Rede Pfarrer Hossenfelders, des nationalsozialistischen Leiters der „Deutschen Christen", eine halbe Stunde vorher verbreitet. Und der Oberpräsident von Brandenburg und Berlin, Fraktionsführer Kube von der Preußenfraktion der NSDAP, hat gerade als Fraktionsführer die notwendigen gesetzlichen Maßnahmen zugesagt. Und in den Bemerkungen des Ansagers hieß es, daß die „Glaubensgemeinschaft" die Vereinigung der vielen Landeskirchen zur Reichskirche erstrebe und die Judenmission ablehne. Vom Politischen geht der Weg zum Kirchlichen, zum Weltanschaulichen in klarer Erkenntnis der Notwendigkeiten eines totalen Staates."

Hingewiesen sei auch auf eine Buchbesprechung im „Wahrheitszeugen" vom 4. 6. 1933:
„Gott und Nation. Ein evangelisches Wort zum Wollen des Nationalsozialismus und zu Rosenbergs Sinndeutung" von Dr. theol. Walter Grundmann.
(Einfügung. Das ist jener Herr von dem unter anderem auch dieses Buch stammt.

und später dann noch eine paar bezeichnende Leistungen, wie etwa ein von ihm geleitetes kirchliches Institut zur Entjudung des kirchlichen Lebens. 1933 war es halt noch nicht ganz so weit. Weiter im Zitat):
Zitat

„Wir stehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge vor der neuen Gegenwart. Wir sehen die nationalsozialistische Welle als ein großes Gottesgeschenk an und werden doch von der geheimen Furcht geplagt, diese Welle könnte schnell verderbenbringend durch ihre Deiche brechen und für Religion und Kirche verhängnisvoll werden. Von diesen stillen Voraussetzungen geht der Verfasser aus und zeigt uns den Faden für dieses Labyrinth. Er hat unsere Nöte durchgekämpft mit dem Resultat, daß er selbst Nationalsozialist wurde. Sein Buch wirkt befreiend ...
Aber es muß noch Stellung genommen werden zu Rosenbergs Rassenphilosophie. So geht es noch einmal ins Labyrinth. Rosenberg lebt in einer ganz anderen Welt als ein an der Bibel orientierter Mensch. Er hat ein ganz anderes religiöses Wörterbuch, und es gehört zum Verdienst des Verfassers, auch in diese Finsternis Licht geleitet zu haben, Licht vom Kreuz."

In ihrer Ausgabe vom 18. 10. 1933 meldete sich die bereits genannte DEK zum Thema erneut zu Wort. Diesmal verlautbarte sie:
Zitat

„Nachdem die Polizei festgestellt hatte, daß die im Sommer aufgelöste Internationale Bibelforscher-Vereinigung in Erfurt geheime Zusammenkünfte abhielt und auch außerhalb Erfurts wieder ihre Propagandatätigkeit aufgenommen hatte, gelang es bei einer geheimen Zusammenkunft fünf Personen, darunter den Leiter der verbotenen Internationalen Bibelforscher-Vereinigung, festzunehmen. Zahlreiches Material, das vor der Auflösung beiseite geschafft worden ist, sowie ein zur Propaganda benutztes Auto wurde polizeilich beschlagnahmt."

Die wohl relevanteste kirchliche Verlautbarung aus dieser Zeit, kann in den Ausführungen der Zeitschrift „Wort und Tat" (Nr. 8/1933) gesehen werden.
Auf sie wurde bereits früher hingewiesen.
19332 Schwanengesang

Kritisch bewertet werden muss allerdings eine weitere Meldung der DEK, und zwar die vom 20. Dezember 1933.
In ihr wurde verlautbart:
Zitat

„In den letzten Tagen wurden, wie die Nürnberger „Allgemeine Rundschau" vom 18. Dezember 1933 mitteilt, im Stadtbezirk Augsburg durch die Vereinigung Ernster Bibelforscher an eine Reihe von Persönlichkeiten, hauptsächlich an Geschäftsleute, durch die Post Waschzettel versandt mit dem Aufdruck 'Das Licht Gottes erscheint in der Finsternis' und 'Die biblische Weissagung'. Den Sendungen lagen hierbei durch Maschinenschrift gefertigte Hetzschreiben gegen die nationale Regierung bei. Da derartige Vorkommnisse geeignet sind, Unruhen in der Bevölkerung hervorzurufen, und außerdem der Inhalt dieser Schriften eine Verleumdung des Reichskanzlers und anderer Regierungsmitglieder darstellt, und damit zu rechnen ist, daß die Vereinigung in gleicher Weise weiterarbeitet, wurden als Gegenmaßnahmen mehrere führende Persönlichkeiten der Vereinigung Ernster Bibelforscher in Schutzhaft genommen."

Eine weitgehend identische Meldung gibt es auch in der in Augsburg erschienenen „Neuen Nationalzeitung" vom 16. 12. 1933.

Da in vorzitiertem Text auch ausdrücklich eine Lokalisation auf Augsburg vorliegt, bietet es sich mit an, aus der Zeit nach 1945 auch die einschlägige Studie von Gerhard Hetzer „Ernste Bibelforscher in Augsburg" mit zu befragen. Und letztere teilt dann in der Sache mit;
Zitat

„Unter Anleitung eines Kontaktmannes sächsischer Bibelforscher, des Naturheilkundigen Karl Klemm, der wahrscheinlich über familiäre Bindungen nach Augsburg verfügte, waren Augsburger Bibelforscher um die Monatswende November/Dezember 1933 dazu übergegangen, Broschüren mit Titeln wie »Das Licht Gottes erscheine in der Finsternis« oder »Die Biblische Weissagung von 1914 ab bis in Ewigkeit« per Post vor allem an Geschäftsleute zu versenden.
Den Sendungen lag eine Schrift Klemms bei, die den 27. Mai 1934 als aus Studien der Bibel ermitteltes Datum des Sturzes Hitlers benannte. Zu lesen stand weiter,
». . . daß Hitler von einem Geist des Schwindels geleitet werde, daß er seine Anhänger sämtlich ins Verderben führe und daß alle Menschen vor Juda, dem Weltherrscher erzittern werden« .

Angesichts dieser Herausforderung reagierte die Politische Polizei in gewohnter Weise:
Sie nahm bis zur Identifizierung der Täter einige ihr bekannte Bibelforscher in Schutzhaft" und ließ den übrigen Anhängern für Wiederholungsfälle mit Einschaffung nach Dachau drohen".
Während Klemm, gegen den bereits andernorts ein Verfahren wegen Verbreitung staatsfeindlicher Schriften schwebte, nicht dingfest gemacht werden konnte, wurden seine Augsburger Helfer am 16. und 17. Dezember 1933 verhaftet."

Ende der substanziellen Aussage bei Hetzer.
In einer Fußnote räumt letzterer aber auch ein:
Zitat

„Eventuell handelte es sich um eine Gruppe, die den Kompromißkurs der IBV bewußt konterkarieren wollte."

Zumindest kann besagter Herr Klemm als vom Bibelforscher-Gedankengut infisziert bezeichnet werden, was nicht zwangsläufig identisch mit den Thesen Hitler betreffend sein muss. Die offiziellen WTG-Hörigen zu der Zeit, hielten es da lieber mit dem „leisetreten". Besagtem Herrn Klemm mal ausgenommen.
Es ist nicht viel, was an Schrifttum von diesem Herrn Klemm noch heute auftreibbar ist. Erschwerend kam wohl noch hinzu, wohl nur als Selbstverlag praktiziert. In einer dieser Selbstverlags-Schriften aus dem Jahre 1927 mit dem Titel
„Das neue Weltreich steht sehr nahe bevor", konnte man lesen:
Zitat

„Es ist also eine absolute Unmöglichkeit, daß die Herrschaftssysteme irgendwie gerecht sein, oder der Wahrheit gemäß richten und urteilen könnten. Dazu kommt noch, daß Gott von 1914 ab, wie wir sehen werden, den Verstand der Verständigen hinwegtut." (S. 11)

Das sind dann ja Thesen, welche ebensogut von den offiziellen WTG-Hörigen stammen könnten.
Dem im Jahre 2003 erschienenen Buch:
„Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945. Band 8 Thüringen" konnte man auch entnehmen:
Zitat

„Die "Geraer Zeitung" vom 14. April 1934 berichtete über einen Prozess vor dem Sondergericht Weimar gegen acht "Bibelforscher" aus Gera. Hauptangeklagter war der Naturheilkundler Karl Klemm, Jg. 1894 aus Wernsdorf. Die Anklage erfolgte wegen der Herstellung und Verteilung selbstverfasster Flugschriften u. a. mit dem Titel "Bis wann regiert Hitler?" Er wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, sein Sohn Kurt zu sechs Monaten Gefängnis, der Geraer Kohlenhändler Rudolf Hilbert erhielt sieben Monate Gefängnis, ebenso zwei weitere Angeklagte."

Noch eine „Fußnote" in Sachen Klemm.
Da gab es mal eine (untergegangene) Webseite namens „Aktion Freie Geschichtsforschung".
Ihr Macher ein wohl damals in Konstanz lebender Dr. Herwig Schaefer-Stahl.
Für mein Empfinden sehr Torsohaft geraten. Eine Art unvollendeter „Zettelkasten".
Dann erlitt der (Kostenlos-Provider) wo jene Webseite gehostet war, eines Tages einen Crash, und sämtliche dortige Webseiten verschwanden im Nirwana (auch die vorgenannte).
Zu einer Neu-Etablierung andernorts, konnte oder wollte Schaefer-Stahl sich offenbar nicht durchringen.
Wie es jene Seite noch gab, fiel mir schon damals auf, dass etliche dort integrierte Dokumente auf einer separaten Webseite mit dem Detailnamen „User Klemm" deponiert waren.
Wieso wählte Schaefer-Stahl ausgerechnet diesen Namen dafür? Das war mir schon damals rätselhaft.
Ich kann nun nicht berichten, mit „Schaefer-Stahl" denn je „klargekommen" zu sein. Die überschaubare damalige eMail-Korrrespondenz, verengte sich damals in eher aggressiver Tonlage seitens Schaefer-Stahl, etwa auf Fragen wie Uraniabuch.
Aber auch ich hatte Fragen an Schaefer-Stahl, die letzterer unbeantwortet lies. Damalige eMail-Adressen sind heute ohnehin „tot".
Eine solche - unbeantwortete Anfrage - meinerseits war zum Beispiel die:
Zitat

„Sehr geehrter Herr Dr. Schaefer-Stahl!

Da mich eine Anfrage, den Ewald Vorsteher betreffend erreichte, ergab sich als Rechercheergebnis unter anderem die Webseite:
http://bildung.freepage.de/k-moor/faelschung/pariser-Briefe2.htm

Selbige ist ja noch im Netz im Gegensatz zu:
http://web.archive.org/web/20010418082321/www.seeseiten.de/user/klemm/index.htm

Ich habe im Internet schon einige „Aktivisten" zum Thema Zeugen Jehovas, kommen und gehen sehen.
Aber bei Ihnen drängt sich mir doch der Eindruck auf, dass von Ihnen offenbar auch zeitweise intensive Archivstudien zum Thema getätigt wurden. Meine Frage wäre doch die. Darf man vielleicht noch hoffen, nochmals weiteres von Ihnen in der Sache zu hören?
Rätselhaft ist mir auch Ihr seinerzeit verwandter Name „User Klemm".
In Augsburg gab es ja einen, den Bibelforschern zugehörigen Heilpraktiker, der auch schon früh in Konflikt mit dem Naziregime geriet, namens Klemm. Besteht da irgendwie ein Kontext?
Ich weis ehrlich gesagt nicht so recht, wie ich denn Ihr seinerzeitiges ZJ-bezügliches Engagement einordnen soll.
Ich erlaube mir höflichst die Mitteilung, dass es mich schon interessieren würde, dürfte ich näheres dazu erfahren.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung"

Das als „Fußnote".
Zum mitgenannten Ewald Vorsteher; siehe auch
Vorsteher
Parsimony.24513

von Drahbeck - am 13.04.2013 05:47

„Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"

Im Zeitspiegel
Diesen eher vernebelnden, denn beschreibenden Begriff, begegnet man in einem Bericht der „Freiburger Zeitung" vom 13. 4. 1933

Mit ihm wurde in systematisierter Form, auf Gesetzesebene, die Entrechtung der Juden, und der politisch links stehenden Kräfte eingeleitet.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=13a1&year=1933&month=04&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 14.04.2013 02:41

Wieder eine Ernüchterung

Im Zeitspiegel
Was wird wohl der Herr mit Sitz im Verteidigungsministerium zu dieser Entscheidung sagen, (sofern er denn dazu überhaupt was sagt)?
Vielleicht hat er aber mit seiner Partei ohnehin nicht mehr viel zu „verteidigen". Dann arbeitet er ja ohnehin schon im „rechten" Ministerium und bracht seinen dortigen Job nur noch durch eine „rechte" Parteizugehörigkeit zu ergänzen.

www.burks.de/burksblog/2013/04/14/piratenpartei


http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,126868,128495#msg-128495

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,135930,141627#msg-141627

von Drahbeck - am 15.04.2013 09:49

Pfahl-Traughber

Im Zeitspiegel

hpd.de/node/15665

von Drahbeck - am 15.04.2013 09:55

Finnland

Im Zeitspiegel
Ein eher beiläufiger rückblickender Bildbericht in der „Freiburger Zeitung" vom 16. 4. 1933.
Rückblickend wird berichtet, dass es deutschen Truppen, noch im April 1918 gelang, in Finnland, bolschewistische Truppen zurückzudrängen. Damit war Finnland - einstweilen - eine westlich-bürgerliche Entwicklung gesichert. Die Kommunisten konnten - dort - nicht aufs Trapez kommen.
Ähnliche militärische Anstrengungen gab es auch in den baltischen Staaten. Dort allerdings mit sehr wechselhaften Ergebnissen. Mal waren die Kommunisten am Ruder, dann wurden sie wieder zurückgedrängt, auch mit Hilfe deutscher militärischer Kräfte. Teilweise wiederholte sich dieses Wechselspiel innerhalb kurzer Zeit, mehrfach.
Eine Nebenwirkung dabei. Indem Moment wo die deutschen Truppen sich auf dem erzwungenen Rückzug befanden, erfolgte auch der Auszug deutschsprachiger Kräfte, die dort traditionell auch gelebt hatten, mit nach Deutschland.
Hier in Deutschland wiederum, bildeten die Baltikumer (beispielsweise ein Alfred Rosenberg), ein Hauptreservoir der sich formierenden Nazipartei in der Frühzeit. Selbstredend stießen zu der später auch noch hiesige Deutsche mit hinzu, aber es ist ja von der Einschränkung auf die Frühzeit diese Rede.
Den Finnen hingegen blieb die Zwangsauswanderung nach Deutschland erspart, dieweil eben dort die Kommunisten, wirksam zurückgedrängt worden waren, und keine reale Chance zur Machtusurpierung dort mehr hatten.
Siehe auch
Aktion
(dort der Text ab etwa Anmerkungsnummer [174] bis etwa [182] )
Im Ansatz wird diese Thematik auch mit gestreift in:
Mysnip.43090

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=16r3&year=1933&month=04&project=3&anzahl=8

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=04&day=19b2&year=1933&month=04&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 18.04.2013 16:58

Sarrazin

Im Zeitspiegel
Vertreter der Ideologie rassischer Überlegenheit
Und, wer gehörte zu sein Helferinnen beim „unter den Teppich kehren" diesbezüglich.
Genau, eine Frau im Machtgefüge der CSPD alias SPD, auch ansonsten bekannt als „geeichte Verfechterin des „Kultur"christentums".

www.spiegel.de/politik/deutschland/uno-ruegt-deutschland-wegen-sarrazin-und-setzt-ultimatum-a-895208.html

von Drahbeck - am 19.04.2013 04:57

Linke

Im Zeitspiegel
Eine Meldung die Linke betreffend.
Da fällt mir nur der Kommentarsatz ein:
Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube.
Oder auch der Satz:
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Denke ich an den Herrn Besier mit dem Parteibuch der „Linken" spreche dieser Partei erst mal die Glaubwürdigkeit ab, ohne wenn und aber.
Und der Funktionär der Linken, der für den Herrn Besier Türöffner war, glänzte ja schon mal mit der These, er wolle diese Partei zur Partei „für Künstler und Intellektuelle" profilieren.
Zonen-Gaby kommt in dem Text übrigens auch mit vor. Die Dame die da mal bedauerte, dass sie die Kirchenlieder nicht freihändig singen könne, dieweil in ihrer Kindheit eben keine Einstudierung von Kirchenliedern für sie angesagt war. Na dann viel „Glück" mit diesem Personal wäre mein Kommentar dazu nur.
Für mich persönlich stellt sich die Frage weiterhin so, bei der anstehenden Wahl.
Protestwahl ist angesagt.
Und in dem Protestwahl-Spektrum, ziehe ich mir „einstweilen" etwa die „Piraten" oder schon mit erheblich mehr „Bauchschmerzen", die „Grünen" vor. Was bei späteren Wahlterminen ansteht, ist heutzutage noch völlig offen.
Im Jahre 2013 haben besagte „Linke" allem ihrem Gesäusel zum Trotz, keinerlei Chance, was immer sie denn auch thematisch zu verkünden belieben.
Ein Herr Gysi wird es zwar wohl wieder mal schaffen, eine Direktkandidatur zu erreichen.
Das hat er ja schon zweimal geschafft. Aber auch bei diesem dann wohl dritten Mal, erneut ohne meine Wahlstimme.

hpd.de/node/15719

von Drahbeck - am 19.04.2013 11:52

Penetranter Götzenkult

Im Zeitspiegel
Nun war der neue „Papst" Hitler, doch erst verhältnismäßig kurze Zeit am politischen Ruder.
Trotzdem überschlägt sich die Presse fast, in der Mitteilung entsprechender Laudatios anlässlich seines Geburtstages, der zudem im Jahre 1933, noch nicht mal eine „runde Zahl" beinhaltete.
So auch die „Freiburger Zeitung"

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=20b1&year=1933&month=04&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 20.04.2013 00:01
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