Meinung

Startbeitrag von Drahbeck am 13.05.2013 11:38

Im Zeitspiegel
In dem Buch des Herrn Ralf Georg Reuth aus dem Jahre 1992 mit dem Titel „IM-Sekretär. Die "Gauck-Recherche" und die Dokumente zum "Fall Stolpe", konnte man von diesem Autor unter anderem seine Bewertungen lesen:
die von Stolpe zur Entlastung aufgebotenen Kirchenleute ... Der Superintendent von Berlin-Mitte, Martin Michael Passauer, sei als IM »Tasso« geführt worden, wenn auch nur für eine kürzere Zeit. Der Greifswalder Oberkonsistorialrat Siegfried Plath war als IM »Hiller« registriert, der ebenfalls aus Greifswald kommende Konsistorialpräsident Hans-Martin Harder als IMB »Winzer«, der Thüringer Altbischof Ingo Braecklein, der am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten war, als IMB »Ingo«, der ehemalige Pressereferent des Konsistoriums der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, Rolf Dieter Günther, als IMB »Wilhelm« und der Generalsuperintendent aus Cottbus, Reinhard Richter, als IMS »Roland«. Für den einstigen Leiter des Sekretariats des DDR-Kirchenbundes und Moderators des »Runden Tisches« im Jahre 1989, Martin Ziegler, habe sich ein IM-Vorlauf unter dem Decknamen »Hirte« aus dem Jahre 1984 gefunden.

Dieses Votum eines wohl dem Springer-Verlag zuzuordnenden Journalisten, verdeutlicht, hat einer eine Ostdeutsche Biographie, hat er von den Springerleuten wohl kaum einen Fairplay.Bonus zu erwarten.
Trotz der vorgenannten Vorhalte indes, gelang es besagtem Herrn Stolpe, unter Bundesrepublikanischen Verhältnissen, viele Jahre höchste Regierungsämter zu bekleiden.
Nun habe ich besagten Herrn Stolpe nicht zu verteidigen.
In einem früheren Votum meinerseits hatte ich das schon mal so zusammengefaßt:

„Und mit genannten Namen ist die Galerie der Offiziere im besonderen Einsatz der Stasi im Staatssekretariat für Kirchenfragen keinesfalls "erschöpfend" aufgezählt. Und wenn im Einzelfall dieser Status nicht gegeben war, wie etwa wohl dem Dr. Hans W., konnte er sich doch immerhin zugute halten, auch mit dem Kirchenfunktionär Manfred Stolpe privat zu verkehren. Solcherlei privater Verkehr erschloss dann für die Herren von der Mielke-Firma, auch so einiges!"

Besagter Dr. W. ist im hiesigen Kontext dergestalt auch „interessant", als im Jahre 1985 die Honecker-Entscheidung anstand, Zeugen Jehovas in der Wehrdienstangelegenheit nunmehr planmäßig zu „vergessen" da war es wohl der Part von Wilke, die dazu notwendigen Detailverhandlungen im Ministerium für Nationale Verteidigung, als Abgesandter des Staatsekretariats für Kirchenfragen zu realisieren.
Auch in der östlichen Bürokratie, bedurfte alles seinen „burokratischen genormten" Ablauf.

Mag Stolpe in Gesamtwertung auch in einem schiefen Licht stehen, so hat er dennoch als „Wasserträger nach beiden Seiten", auch der Oppositionszene im östlichen Staat, wie der noch Bestand, durchaus auch reale Dienste geleistet.
Insoweit ist es billig, zu billig in auf das Level eines „Nur Stasi-IM" herabdrücken zu wollen.

Die westliche heile Welt Sicht indes ist wohl erst dann so recht „heil" wenn es denn gelingt den verhaßten Leuten mit Ostdeutscher Biographie das vorgefertigte Stigma aufzudrücken. Darum hat der Springer-Mann Reuth sich aus seiner Sicht auch kräftig gemüht. Aber o weh (für ihn) widrige Umstände bewirkten doch nicht das einzig in westlicher Sicht nur mögliche aussprechen des Todesurteils über den Delinquenten.

Weshalb diese Replik? Nun in der letzten Ausgabe eines Magazins aus einer Arabellastr., dessen Abonnement-Kündigung von mir schon lange angedacht war, jetzt aber tatsächlich realisiert wurde, begegnet man schon auf dem Umschlag einem Titelthema, einer Person mit gleichfalls Ostdeutscher Biographie.
Das neuere diesbezügliche Buch des Herrn Reuth (zusammen mit einem Koautor) werde ich mit Sicherheit nicht lesen. Mir „reicht" es schon was ich da in besagtem Magazin gelesen habe.
Gemessen daran wie Herr Reuth denn den Fall Stolpe zerpflückte, war er allerdings diesmal genötigt, nur „kleine Brötchen" backen zu können. Gerne hätte er doch die Inkriminierte (das ist jetzt meine Unterstellung) ebenfalls wie im Fall Stolpe, nach allen Regeln der Kunst „zerrissen". Pech für ihn, die Faktenlage gestattete es nicht dieses hehre Ziel auch so umzusetzen.
Gehörte denn Frau Merkel vor dem November 1989 der Ostdeutschen Blockflötenpartei CDU als eingeschriebenes Mitglied an. Klare Antwort: Nein. Über die Oppositionsgruppierung „Demokratischer Aufbau" gelangte sie dennoch in die CDU-Kreise dann noch.
Aber Herr Reuth ahnt wohl, den rechten „Stallgeruch" für seinesgleichen hat die wohl nicht. Auch heute noch nicht. Und dieses Unbehagen bringt er denn ja auch dezent, so mehr „zwischen den Zeilen" zum Ausdruck.
Wäre doch ein strammer Alt-Bundesrepublikaner an der heutigen CUU-Spitze, am besten einer mit vorheriger Karriere in einer Vertriebenenorganisation und ähnliche Rechtsaußen-Zirkel, dann wäre für die Reuth und Co, natürlich die Welt in Ordnung. Zu seinem Bedauern besteht aber just diese Gemengelage nicht.
Sein Interview das besagtes Magazin mit ihm führte, lässt er auch mit den bemerkenswerten Sätzen ausklingen:
„Sie nennen Angela Merkel in ihrem Buch eine „Reformkommunistin". Ist das nicht zu hart?
Nein."

Sollten Leute wie Reuth und Co in besagter CDU oder auch FDP Bestimmungsmacht wieder gewinnen, dann wäre mein hartes Urteil ebenso dazu.
Man kann gar nicht so viel essen - wie denn zu kotzen wäre!

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