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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck

Im Zeitspiegel

Startbeitrag von Drahbeck am 01.06.2013 04:19

Letzte Teile dieser Serie
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,156610,156610#msg-156610


„Katzenjammer"
Erneut wird konstatiert:
Es sei auch im Westen inzwischen fast normal - nicht - zur Kirche zu gehören. Gleichwohl sei im „Westen" die Haltung vieler zu dieser „wohlwollend distanziert".
Dieweil Ostdeutsche, mittlerweile schon traditionell keinerlei Beziehung zur Religionsindustrie haben, ist deren Verhältnis zu dieser eher von prinzipieller Gleichgültigkeit gezeichnet. Andere Sorgen stehen vielfach auf der Tagesordnung an vorderen Plätzen. Hingegen sei im Westen eher noch der Typus vertreten, es nicht beim Status „Gleichgültigkeit" zu belassen, fallweise Religionskritik auch inhaltlich näher zu treten.
Ergo die Religionsindustrie lebt weitgehend von ihren staatlichen Krücken weiter; respektive auch von der Tradition. Ohne die dürfte sich verstärkte die Frage einer Mumie stellen, die vielleicht bloß noch vergessen hat umzufallen.
Die offizielle WTG der Zeugen Jehovas hingegen wähnt sich - einstweilen - diesen Tendenzen gegenüber noch erhaben. Eine nähere Besichtigung ihrer Struktur offenbart aber auch.
Ihre konzentrierte Suche nach dem „Strandgut" - etwa im Migrantenmilieu, ermöglicht ihr die relative Bestandswahrung.
Weite Teile der übrigen Religionsindustrie indes sind primär auf das Bürgertum hin orientiert, mit den vorskizzierten Folgen.

aktuell.evangelisch.de/artikel/84119/detlef-pollack-entscheidend-ist-solide-geistliche-arbeit

Antworten:

Die alten Prophezeiungen ...

Im Zeitspiegel
Unter der Überschrift: „Die alten Prophezeiungen der Bibel" in der „Leipziger Volkszeitung" vom 2. 6. 1923 gelesen.
(Genanntes Blatt war zu diesem Zeitpunkt der SPD zuortbar)
Zitat

„Während Versammlungen, in denen ernste politische und wirtschaftliche Fragen erörtert werden, häufig nicht stark besucht werden, laufen viele Menschen, insbesondere Frauen, zu den Versammlungen der Bibelforscher, von denen manche den Leuten nur Zitate aus der Bibel bieten und daneben reichlichen Unsinn verzapfen.
In Eutritsch fand ... eine Versammlung statt, zu der mit Zetteln eingeladen war, auf denen zu lesen war:
Eine neue Weltordnung beginnt! Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben!
Aus dem Inhalt:
Die alte Weltordnung steht vor dem Zusammenbruch; Wiederaufbau ist unmöglich; Not, Arbeitslosigkeit und Teuerung nehmen zu; ganz Europa, ja die ganze Welt leidet an der Krankheit „Frankreich - Deutschland"; Frankreich will nicht, Deutschland kann nicht nachgeben, mit verschränkten Armen sieht man zu, wie die alte Welt untergeht.
Dies alles ist die Erfüllung alter Prophezeiungen der Bibel und zeigt, daß eine neue, vollkommene Weltordnung mit Freiheit, Leben und Glückseligkeit für alle Völker und Menschen vor der Tür steht im Königreich Gottes."

Dazu kommentierte dieses Blatt:
Zitat

„Es ist eine Unverfrorenheit, zu behaupten, Millionen würden nie sterben, jetzt würden die alten Prophezeiungen der Bibel erfüllt, und eine neue Weltordnung komme im Königreich Gottes auf Erden.
Dabei hat das Christentum in Europa viele Jahrhunderte uneingeschränkt geherrscht. Es hat aber dieses herrliche Reich nicht aufgebaut, sondern zunächst dem Feudalismus und später dem Kapital treu gedient.
Man sollte meinen, solche Veranstaltungen würden in Leipzig, wo es an Aufklärung nicht gefehlt hat, gemieden werden.
Die Versammlung in Eutritzsch war aber stark besucht."

Und zum Schluss kommend bemerkt dieses Blatt:
Zitat

„Mitunter gab es, wenn es vielen gar zu dumm wurde, Entrüstungsrufe, aber die meisten hörten das Zeug ruhig an. Es war freie Aussprache zugesichert worden. Die wurde später nicht zugelassen. Es wurde vielmehr das Licht ausgedreht.
Man soll doch wirklich die Bibelforscher unter sich lassen. Wer von ihnen etwas erhofft, wer glaubt, daß mit Hilfe der Bibel eine bessere Welt aufgebaut werden kann, der ist so dumm, so unzurechnungsfähig, daß er seinen Geisteszustand ärztlich untersuchen lassen sollte."

Man vergleiche als Kontrast, als Votum ebenfalls aus der Frühzeit, etwa das von Alfred Rosenberg in der Nazigazette „Völkischer Beobachter".

19222Rosenberg


Was nun den zitierten Artikel aus der „Leipziger Volkszeitung" anbelangt, so fand er auch eine Reflektion in einem Kirchenblatt.
Das „Leipziger Kirchenblatt" notiert in seiner Ausgabe vom 8. 7. 1923:
Zitat

„Selbst der „Leipziger Volkszeitung" wird dieses Treiben zu viel. Sie warnt ... vor den „ernsten Bibelforschern" (Statt freier Aussprache wurde das Licht ausgedreht. Man soll sie unter sich lassen)."

Bereits in seiner Ausgabe vom 13. 5. 1923 kam besagtes „Leipziger Kirchenblatt auf die Bibelforscher zu sprechen. Überwiegend in der Form andernorts entlehnter Zitate. Und offenbar dem Grundsatz huldigend, politisch links und rechts orientierte thematische Stimmen zu zitieren. Wobei wohl die Sympathie jenes Blattes eher den rechtsgerichteten Stimmen gegolten haben dürfte. Wie auch immer, besagtes „Leipziger Kirchenblatt" erwähnt auch:
Zitat

„Manche Kreise, so auch die „Völkischen" vermuten, wie der in Leipzig erscheinende „Hammer" jüdisches Geld hinter der Bewegung.
Ähnliches tut aber auch die kommunistische „Arbeiterzeitung" (15. II), wenn sie spricht von „kapitalistischer Verdummungsanstalt":
„Man sollte es nicht für möglich halten, wie viele Proleten sich noch für den Blödsinn interessieren! Der Saal war gefüllt bis auf die Straße. Arbeiter, macht Schluß mit diesen Verblödungsinstituten und Sekten! Nicht nach oben blinzeln und um Hilfe winseln, sondern ein menschenwürdiges Dasein auf Erden erkämpfen!"
Die proletarischen Freidenker haben gar gegen die „lustigen Bibelforscher" eine Streitschrift „Himmel-Fimmel", eine Studie zur Sektenseuche der Gegenwart, von Hugo Efferoth, dem Verfasser der „Ketzerbibel", herausgegeben. Derartige Auseinandersetzung müssen wir natürlich mit Entschiedenheit abweisen."


von Drahbeck - am 02.06.2013 19:58

Perspektiven

Im Zeitspiegel

Was aus einem abgelegten "Königreichssaal" der Zeugen Jehovas so noch alles werden kann.

Ein Beispiel:

www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/kindergaertnerei-mit-neuem-domizil-id8028767.html?ciuac=true

von Drahbeck - am 05.06.2013 06:16

Hofberichterstattung

Im Zeitspiegel
Zu nachstehendem Link fällt mir nur der eine Satz ein.
Devote Hofberichterstattung!

www.badische-zeitung.de/waldkirch/seminar-der-zeugen-jehovas--72600324.html

von Drahbeck - am 09.06.2013 22:08

... kennen keine Gastgeber, sondern nur Projekte ihrer Propaganda

Im Zeitspiegel
... kennen keine Gastgeber, sondern nur Projekte ihrer Propaganda

„Kein Platz für die Zeugen Jehovas" titelte die „Frankfurter Rundschau" vom 13. 6. 1963 einen Bericht.
Anlass für den Disput der ZJ-Kongress in München des Jahres 1963.
Und wegen dieses Anlasses gab es ein regional verbreitetes kirchliches Flugblatt, welches insbesondere vor der zur Verfügungstellung von Privatquartieren durch die Münchner warnte.
Dennoch gab es nach einem anderen Bericht („Die Welt" vom 28. 7. 1963) etwa 40.000 solcher Privatquartiere. Insofern kann man schon fragen, ob das nicht ein stumpfes Schwert war.
Gleichwohl waren die Zeugen über diese Warnung nicht erfreut. Und in einem von ihnen verfassten Verteidigungstext liest man auch die Sätze:
Zitat

„Bei eucharistischen Veranstaltungen hätten die Zeugen Jehovas ihre Wohnungen für die Teilnehmer geöffnet und damit anders gehandelt."
???
Die Fragezeichen sind in dem Pressetext zwar nicht enthalten, somit meinerseits hinzugefügt. Gleichwohl erscheint mir diese Hinzufügung durchaus angebracht.
Eine Aufgliederung wie denn jene 40.000 Quartiergeber im Einzelnen bezüglich ihrer weltanschaulichen Position bewertbar sind, indes gibt es nicht. Mutmaßlich etliche Indifferente unter ihnen etliche, welche solcherlei religiöse Dispute, am „Allerwertetesten herunterrutschen".
Die Kirchen führten in ihrer Warnung auch an:
Zitat

„Leider hat sich immer wieder erwiesen, daß mit den Zeugen Jehovas kaum ein Gespräch möglich ist. Sie wollen nicht unsere Glaubensüberzeugungen achten, sondern sie bekämpfen. Damit greifen sie den Frieden unseres Hauses an. ..."

Schon im Jahre 1961, anläßlich des Hamburger ZJ-Kongresses, gab es kirchlicherseits ähnliche Warnungen.
Dabei jedoch auch bemerkenswert. Im Vorfeld, laut der Meldung einer kirchlichen Presseagentur vom 16. 6. 1961, luden sich kirchliche Kreise den kirchlichen Sektenexperten Kurt Hutten zu sich, zu einem wie es heißt stark besuchten Vortrag, nach Hamburg ein.
Hutten referierte, laut diesem Bericht, die Zeugen Jehovas seien keine christliche Bewegung, keine Bußbewegung,
Zitat

„sondern eine Happyend-Gesellschaft."
„Das apokalyptische Traumprogramm der Zeugen Jehovas, die nicht auf den wiederkommenden Christus, sondern auf ein Paradies warten, ihre Überheblichkeit, mit der sie sich selbst als gerechtfertigt bezeichnen, während alle bestehenden Völker, Staaten und Kirchen als Werke des Satans eine grausame Vernichtung finden werde, scheide die Zeugen Jehovas radikal vom christlichen Glauben ...

Die Führer der Sekte in der Zentralleitung in Amerika bezeichnete er als skrupellose Verführer, die selbst wahrscheinlich gar nicht einmal an die von ihnen propagierte Lehre glaubten, sondern mit der theokratischen Organisation der „Wachtturm-Gesellschaft" und einer militanten Armee versklavter Sektenanhänger „auf die fromme Tour" die Diktatur über Völker und Staaten anstrebten.
Zitat

„Die Anhänger der Sekte seien keine Bösewichte" ... sondern „bedauernswete Menschen.
Aber im Blick auf ihre Propagandamethoden sei dem evangelischen Christen äußerste Zurückhaltung geboten. Man solle sie darum strikt abweisen, wenn sie an die Wohnungstüre kommen, und ihnen keine Gastfreundschaft gewähren", „denn die Zeugen Jehovas kennen keine Gastgeber, sondern nur Projekte ihrer Propaganda."


Zu den Episoden der Deutsch-deutschen Geschichte gehört dann wohl, dass es da zwei Bücher gibt, welche den gleichen Titel und „fast" den gleichen Autorennamen tragen. Lediglich das eines (dasjenige welches in Ostdeutschland erschien) noch die zusätzliche Angabe enthielt „Bearbeitet von Dieter Pape". Just auch diese Angabe, gab es ja in der Westausgabe jenes Buches nicht.
Mehr noch, man kann von zwei prinzipiell inhaltlich unterschiedlichen Büchern des „Ich war Zeuge Jehovas" der Pape's sprechen. Auch wenn dieser Sachverhalt, WTG-seitig geflissentlich ignoriert wird.
Jenes Buch erschien zwar im Jahre 1961 erstmals, gleichwohl hatte es einen Vorlauf. Und zu der Zeit jenes Vorlaufs, bestand die Ostberliner Mauer noch nicht. Somit hatten auch die Gebrüder Pape in dieser Vorlaufzeit noch leichtere Kontaktmöglichkeiten untereinander, als etwa nach dem 13. 8. 1961.
Namentlich der im Westen lebende Günther Pape, wurde nach einer Angabe von Herrn Hirch auch wie folgt belehrt:
Zitat

„Da Günther Pape durch seine Bekanntschaft zu ... Ernst Haensli, einem Jesuiten-Pater aus dem Berchmannskolleg, alle Unterstützung - sowohl finanzieller als auch juristischer Natur - erwarten und für sich sichern konnte. Günther Pape bekam immer mehr Angst "zwischen zwei Feuern" zu stehen. Er musste sich entscheiden. Dies hat er offensichtlich zugunsten des im Westen mächtigeren Kampfesgenossen, der katholischen Kirche, getan.
In der BRD war durch die Kontakte der Jesuiten schnell ein katholischer Verlag gefunden, der die Buchherausgabe vornehmen wollte."

Dafür war dann allerdings ein Preis fällig. Den formuliert Hirch so:
Zitat

„Der Vorgesetzte des Jesuiten-Paters Haensli bestand auf einem Buch mit "rein katholischem Einschlag".
Es wurde die dezidierte Forderung gestellt, dass Günther Pape die katholische Kirche als einzig wahre Kirche darstellen und er eine antikommunistische Haltung propagieren solle. Dies lehnte Günther Pape vorerst ab. So kam es, dass das Buchprojekt zunächst auf Eis gelegt wurde und die katholische Kirche sich der Veröffentlichung eines anderen Buchprojektes widmete. Es war das Buch von Wilhelm Schnell, einem ehemaligen Wachtturm-Mitarbeiter aus der Zentrale der Zeugen Jehovas in New York.
Das geplante Buch Günther Papes wurde in Westdeutschland verlegt, nachdem die Forderungen der katholischen Kirche erfüllt wurden."

[Einfügung. Es erscheint wohl eher fraglich, ob Herr Hirch das 1958 erstmals erschienene Buch von Schnell: „Dreissig Jahre Sklave des Wachtturms" selbst je gelesen hat. Sonst hätte er wohl den „William" nicht in „Wilhelm" Schnell umgetauft. Ist zwar auf dem äußeren Buchumschlag der Vorname nur abgekürzt angegeben, so hätte schon das aufschlagen der ersten Buchseite völlig ausgereicht, um dort den Vornamen voll ausgeschrieben vorzufinden.]


Nun gab es also, nach 1958 weitere Kontakte der Gebrüder untereinander. Weiter in der Zitierung der Hirch'schen Interpretation dazu:
Zitat

„Nach eigenen Aussagen Günther Papes wollte das MfS ihn bei einem Besuch in Berlin zu einer Mitarbeit zwingen. Zu einem mit seinem Bruder Dieter und Mitarbeitern des Staatssekretariats für Kultur vereinbarten Treffen wurde er offenbar vom Geheimdienst verschleppt, verhört und unter Druck gesetzt. Er wurde beschuldigt für den BND (Bundesnachrichtendienst) zu arbeiten. Nach seinen eigenen Angaben habe er sich seinerzeit mit allem Nachdruck gegen diese Unterstellungen gewehrt."

Hirch meint dazu werten zu können (ob zu Recht oder nicht, sei mal völlig dahingestellt):
Zitat

„Dies wirkte auf die Mitarbeiter des MfS nicht unbedingt glaubwürdig, hatten sie doch in den Verhaltensweisen für Ihre eigenen Mitarbeiter klare Verhaltensregeln festgelegt. Dieter Pape beispielsweise wurde die Instruktion gegeben, sollte er im Westen zu einer Zusammenarbeit mit dem MfS verdächtigt werden, sollte er sich auf folgende Weise zur Wehr setzen: "Direkte Vorwürfe in Richtung einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit lehnen Sie energisch und bestimmt ab, wobei Sie sich weitere Beschuldigungen verbitten."

(Nochmals festgehalten. Also auch nach der Angabe von Hirch, erhielt der im Osten lebende Dieter Pape diese Anweisung. Daraus kann keinesfalls eine erweiterte Sippenhaft, auch auf den Günther Pape (im Westen) rechtmäßig abgeleitet werden.
Weiter in der Zitierung via Hirch:
Zitat

„Günther Pape erklärte dem Geheimdienst, dass maßgebliche Leute in der BRD von seinem Besuch in der DDR wüßten. Nach dieser von ihm berichteten Erfahrung sah er sich wohl darin bestätigt, tatsächlich "zwischen zwei Feuern" zu sitzen. Wieder zu Hause angekommen unterrichtete er sofort den Jesuiten-Pater Haensli, der auch umgehend seine eigenen guten Kontakte zum BND (mit Sitz wie die jesuitische Hochschule ebenfalls in Pullach bei München) nutzte und über die ihm berichtete Entführung Günther Papes den westdeutschen Geheimdienst informierte."

Dieses vorskizzierte Zwielicht sollte in späteren Jahren dann noch die WTG-Apologeten dazu inspirieren, den im Westen lebenden Günther Pape zu bezichtigen „Stasiagent" zu sein. Das ging dann gar soweit, das Pape (West) von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen - zeitweilig - vom Opfer des MfS zum „Begünstigten" des MfS umgestuft wurde. Indes genannte Behörde musste in der Sache letztendlich zurückrudern.
Dazu gab es dann noch eine gerichtliche Auseinandersetzung.
Im Ergebnis selbiger stellt genannte Bundesbehörde in einem internen Schreiben vom 28. 5. 2004 (nach Abschluss dieser gerichtlichen Auseinandersetzung fest):
Zitat

„Nunmehr ist der Rechtsstreit mit gerichtlichem Einstellungsbeschluss vom 15. April 2004 beendet worden. ... Mit der Beendigung des Rechtsstreites war ein Abgehen von der bisherigen Haltung der Behörde verbunden, wonach die streitgegenständlichen Unterlagen zu Herrn (Günther) Pape als Mitarbeiterunterlagen anzusehen seien. ... Die Beendigung des Prozesses erfolgte auf Anregung des Gerichtes in der Weise, dass die Behörde (zur Vermeidung eines Prozessverlustes) ihren Bescheid über die Beurteilung der Unterlagen (nebst Kostenbescheid) aufgehoben hat, verbunden mit einer Klagerücknahme Herrn Papes. Die ehemals streitgegenständlichen Unterlagen können somit nicht mehr als Mitarbeiterunterlagen behandelt werden."




[Redaktionelle Anmerkung: In vorstehendem Repro des internen Schreibens vom Mai 2004 wurde einige darin enthaltene Familiennamen redaktionell verkürzt. Jenes Schreiben kursierte, nebst weiteren ähnlichen Unterlagen auch in einigen Zeugen Jehovas-Kreisen, die es wiederum von obersten WTG-Kreisen erhielten].
Trotzdem die WTG schon frühzeitig wusste, Pape wehrt sich Gerichtlich, tönte noch am 4. 7. 2002 einer der Skrupellosen, die WTG-Geschäfte besorgenden Apologeten, in einem Presseartikel „Wie ein Täter seine Akte sperren ließ".
http://www.kids-lev.com/presse/presse/241.htm

War im Jahre 2002 der Vorgang zwar justiziabel noch nicht abgeschlossen, ist jedoch festzustellen. Der Skrupellose Strohmann der da WTG-seitig vorgeschickt wurde, ist wie auch besonders seine Hintermänner und Inspiratoren, eine der fiesesten Figuren der Gegenwart mit Professorentitel.

Man vergleiche zum Thema auch:
Parsimony.2730

Exkurs:
Vom Sohn des im Westen (damals) lebenden Günter Pape, dem Klaus-Dieter Pape gibt es auch eine Stellungnahme zu den beiden Varianten des Pape'schen „Ich war Zeuge Jehovas". Veröffentlicht in der Nr. 1/1995 der von der EZW hrsg. Zeitschrift „Materialdienst".
K.D. Pape hält nun auf Grund vorangegangener Beiträge zu dieser Thematik, dem „Materialdienst" vor, unreflektiert und tendenziös im Sinne der WTG-Apologetik bei diesem Thema mitzuschwimmen.
Aus besagter Stellungnahme sei im nachfolgenden - unkommentiert - noch jene Abschnitte zitiert, die eben auf diese beiden „Ich war ..." Bücher Bezug nehmen:
Zitat

„Zu den Behauptungen über die Ost-Überarbeitung des Buches meines Vaters Günther Pape, »Ich war Zeuge Jehovas«, (soll) folgendes gesagt werden. Auch hier hat der »Materialdienst« die Sprache und Sicht der WTG benützt. Denn die WTG behauptet, daß Günther Pape Mitarbeiter von CV und des MfS gewesen sei und daß das Buch nur „aufgrund der Protektion des Staatssicherheitsdienstes gedruckt und verlegt wurde". Gegen diese und andere Beschuldigungen hat Günther Pape Klage erhoben. Ich möchte daher nur ganz kurz erläutern, wie die Ost-Ausgabe zustande kam.
Mein Onkel, Dieter Pape, wurde am 24.6. 1952 wegen illegaler Tätigkeit für die verbotene WTG verhaftet und am 8. 10. 1952 zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einer Amnestie wurde er im November 1956 entlassen. 1959/60 hatte mein Vater eine erste Fassung des Manuskriptes seines Buches »Ich war Zeuge Jehovas« fertig. Eine Durchschrift schickte er seinem Bruder nach Ost-Berlin, den er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Dies war als Hilfe für ihn gedacht, um seine Probleme mit Glaubenszweifeln im Zusammenhang mit seiner Hafterfahrung zu überwinden. Mein Onkel antwortete mit der Frage, ob man dieses Buch nicht einem DDR-Verlag anbieten sollte. Mein Vater stimmte grundsätzlich zu, das Manuskript war aber noch nicht für eine Veröffentlichung überarbeitet. Im April 1960 lag das Manuskript dem Union-Verlag vor. Vor allem wegen einer Passage, die nach Verlagsmeinung gegen den Kommunismus ausgelegt werden könnte, wurde es dort nicht angenommen.

Mein Onkel arbeitete das Manuskript nun um. So kam es im Dezember 1960 beim Deutschen Zentralverlag heraus. Erst Monate später bekam mein Vater ein Exemplar zugesandt. Da darin nichts grundsätzlich Falsches stand, hat er nicht öffentlich reklamiert. Im »Materialdienst« liest man nun folgendes: „Federführend war das MfS auch bei der Herausgabe der DDR-Auflage von Günther Papes bekanntem Buch >lch war Zeuge Jehovas< (Ost-Berlin 1961). Am 3. Mai 1960 schlägt die Stasi diese Edition vor."
Hier wird der Anschein erweckt, als ob die Intention in Absprache mit dem Verfasser von der Stasi ausgeht. Fünf Tage vorher, am 28.4. 1960, erhielt mein Onkel einen Brief vom Union-Verlag, worin noch über eine Lektorierung nachgedacht wurde. Wenn nun die Veröffentlichung in einem Verlag in der DDR gleichbedeutend ist mit einer „Federführung durch die Stasi", würde dies bedeuten, daß jedes Buch, das in der DDR erschien, unter „federführender Herausgabe des MfS" erschienen ist. Was die Stasi mit dem Buch dann getan hat, dafür ist der Verfasser nicht verantwortlich. Mein Vater hatte keinerlei Einfluß darauf, daß jeder inhaftierte ZJ dieses Buch lesen mußte. Was ist aber daran „bedrückend", wie es im »Materialdienst« heißt? Durch die Original-Ausgabe des Buches meines Vaters konnte nachweislich vielen Menschen geholfen werden ... War es moralisch wirklich so verwerflich, daß ZJ in Haft durch das Lesen der Ost-Bearbeitung des Buches zum Nachdenken kamen und dadurch von der WTG frei wurden? (Es gab gar keine Ost-Ausgabe, denn der Verlag wollte dies gar nicht.) jeder ZJ, der das Buch gelesen hatte, konnte doch selbst entscheiden, ob er weiter ZJ bleiben wollte oder nicht. Daß die WTG aber die ZJ - heute immer noch - in vielerlei Dingen bewußt in Unwissenheit hält, das ist doch eigentlich der Skandal. Bei der ganzen Darstellung im »Materialdienst« wird nur durch die Stasibrille geschaut, keine andere relevante Quelle wird bei den Ausführungen über die ZJ und die CV benutzt. Es wäre ja wohl nur fair gewesen, die beteiligten Personen zu der Problematik zu befragen, bevor man so einseitige Behauptungen aufstellt. Gefährliche Mißverständnisse, die daraus entstehen können, sehe ich in diesem Beitrag als gegeben an. Es gibt dadurch keine Objektivität. Die Beurteilung der Stasi, selbst deren Meinungen, werden als nicht zu hinterfragende Wahrheiten angesehen. Vor allem wagt der »Materialdienst« eine ganz neue Beurteilung der WTG. An keiner Stelle wird gefragt, was und wieviel Leid die WTG unter die ZJ und ihre Familien gebracht hat und millionenfach immer noch bringt. Aber dies ist die einzige Motivation, warum CV entstanden ist, warum mein Vater sein Buch geschrieben hat ... Inhaltlich und formal gab es an CV sicher Kritikpunkte. Daher hat mein Vater nie eine Zeile für CV geschrieben, im Gegensatz zu manchem westlichen Kollegen. Aber unter den oben beschriebenen Bedingungen konnte es kaum anders laufen. Das bestreitet außer der WTG niemand. Die hätte es gern gesehen, wenn es CV nicht gegeben hätte."

Ein weiterer Nachtrag:
In Heft 4/1995 dergleichen Zeitschrift, gab es auf die Ausführungen von K.D. Pape eine weitere Entgegnung verfasst von Falko S....
Was ist ihr Merkmal? S... arbeitet namentlich die Tragik des formalen CV-Gründers Willy Müller heraus. Das da eine tragische Ausgangslage im Ostdeutschen Stasistaat bestand, ist erst mal unzweifelhaft. Dann bezeichnet er besagtem Müller, unter Stasi-Anleitung als den „langjährigen Leiter" der CV.
In dieser Generalität widerspreche ich S... schon mal. Bereits im Jahre 1970 wurde Müller von der Stasi unsanft abgesetzt. Darüber auch umfänglich zu referieren war in S... Konzept offenbar nicht opportun.
Er begnügt sich mit der Feststellung, die Stasi wähnte, aufgrund des Alters von Müllers sei die Sicherung der Konspiration nicht mehr gewährleistet.
Las man in der Nach Müller-Phase plausible (für Außenstehende plausible) Gründe weshalb denn nun Müller unfreiwillig von dem Betheleinbrecher Karlheinz Simdorn, alias „Wolfgang Daum" abgelöst wurde? Entweder habe ich was übersehen, oder ich habe eben nichts gesehen.
Und auch S... macht da nicht gerade „schlauer". Der Fall Daum scheint überhaupt nicht bis in seinen Gesichtskreis gelangt zu sein.
Besagte CV bestand nach Müllers Absetzung noch weitere 23 Jahre. Da sind wohl die fünf Müller-Jahre eher ein Klacks dagegen. Und schon in diesen fünf Jahren konnte Müller keinesfalls so agieren, wie er es denn vielleicht gerne hätte, würde er unter freiheitlichen Rahmenbedingungen gelebt haben. Die Leine der Stasi, bei den von ihr „Geführten" konnte zwar lang sein, manchmal aber auch recht kurz. Schon Müller durfte auch dieses auskosten.

S... „schießt" sich in seiner Entgegnung namentlich auf den Fall Müller ein.
Merkwürdig nur, über seinen damaligen Vorgesetzten an der Universität Halle/S. und dessen Zeugen Jehovas-Kapitel in der zweiten Auflage seines Buchs „Apostel und Propheten der Neuzeit", (in der ersten Auflage gab es dieses Kapitel ja noch nicht), dass es in der zweiten Auflage dann noch kam, ist unter DDR-Verhältnissen durchaus als ein Politikum zu bewerten, bei dem machtvolle Kreise, vor dem Erscheinen, erst mal ihren „Begünstigungsdaumen" nach unten zu richten hatten; darüber weis S... schon mal nichts zu referieren.
Auch so ein bemerkenswertes Detail. Auch die zweite Auflage des Obst-Buches wurde in einer DDR-Zeitschrift rezensiert. („Deutsche Literatur-Zeitung", September 1983). Weniger die Rezension als solche, wohl aber ihr Autor ist aufschlußreich. Der wie man nach 1989 erfuhr Stasi-IM und Theologieprofessor Kurt Meier.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Meier_(Kirchenhistoriker)

Selbst über den italienischen Ex-Jesuiten Alighiero Tondi, ehemals Jesuit und Professor an der päpstlichen Gregoriana, der dann mal ein „Gastspiel" in Ostdeutschland gab, es aber alsbald wieder vorzog, den Ostdeutschen Staub von seinen Schuhen zu schütteln. Selbst über Tondi ist bekannt, wie ein eingereichtes Buchmanuskrip, in den Mühlen der Gutachterszene, schmorte und schmorte und schmorte.
Die Gutachter hatten offenbar gewisse ihrer Meinung nach, revisonistische Passagen zu bemängeln. Erst als dasselbe Buch in einer Russischsprachigen Ausgabe in der Sowjetunion erschien, ohne das jene inkriminierten Passagen dort gelöscht wurden. Erst als dieser Fall eingetreten war, löste sich auch die Ostdeutsche Gutachter-Blockade. Wenn die Russen jenes Buch durchgehen ließen, konnten die Herrschaften des „vorauseilenden Gehorsams" in Ostdeutschland, genannt „Gutachter", ihre Blockade auch nicht mehr länger aufrechterhalten.
So mancher dieser „Gutachter" ist in meiner Sicht, eine weitaus schlimmere Type, als die eigentliche Stasi gewesen.

Skrupellose, auch mal Theologieprofessoren, dann aber westlicher Herkunft, gibt es ja noch heute. Einer dieser Skrupellosen, den es dann gar noch in die Partei der „Linken" verschlagen hat, vordem sich aber auch vom Altkanzler Helmut Kohl promoten lies, macht ja namentlich auch beim Zeugen Jehovas Thema, noch in der Gegenwart, von sich reden. Seine Auch-Geschäftsbeziehung zur Scientology, hat er dann wohl unter dem Zwang der Umstände, zurückgefahren. Dafür blüht sein Zeugen Jehovas-Geschäft wohl um so prächtiger!

Hält also S... dem Müller seine Stasi-Zwangslage unter die Nase, dann nehme ich mir mal die Freiheit darauf hinzuweisen, dass man auch die Frage stellen kann, ob denn so mancher „Saubermann" mit Professoren-Titel auch ein tatsächlicher Saubermann ist.
Auch in letzteren Falle billige ich durchaus Zwangslagen zu.
Weder Müller noch genannter Professor ahnten zu ihrer Aktivzeit. Eines Tages wird es keine DDR mehr geben.
Dafür aber „Klugscheisser" auch vom Typus S...
In einem anderen, vom gleichen Verfasser publizierten Beitrag zum Zeugen Jehovas-Thema, ist er nicht so eng auf die kritischen Aspekte der Publizistik zu DDR-Zeiten in Sachen Zeugen Jehovas fixiert, als dies in dem hier bewerteten Zeitschriftenaufsatz der Fall ist. Daher ist auch zu seinem 2001er Votum eine konziliantere Einschätzung möglich.
Nochmals zusammengefasst, in seinen Zeitschriftenartikel-Ausführungen stellt S... besagten Müller in ein schiefes Licht (zurecht oder nicht, sei völlig dahingestellt). Indes zum weiter oben angerissenen Pape-Thema weis er seinerseits nicht substanzielles mitzuteilen. Somit bleibt unterm Strich, die Interpretation von Pape, letztendlich unbestritten.
Vorstehend zitierte Details stehen sicherlich nicht im Hauptkontext dieser Betrachtung. Der Hauptkontext ist der 1963er ZJ-Kongress in München.
Sie wurden deshalb mit eingeflochten, weil im nachfolgenden (der bereits mit genannte) Ernst Haensli, erneut Erwähnung finden wird.
Mit einer 1958 erstmals erschienenen thematischen Broschüre, kam Herr Haensli auch schon mal selbst auf das Zeugen Jehovas-Thema zu sprechen; nebst Nachfolge-Auflagen jener Broschüre:


Nun im Jahre 1963, publizierte jener Herr Haensli, in der Nr. 13/1963 des (katholischen) „Klerusblatt" einen Aufsatz, welchem er den Titel gab:
Zitat

„Kritischer Ausblick auf den Wachtturmkongreß in München".

Darin meint er schon mal einleitend:
Zitat

„In Wirklichkeit steht dieser Kongreß in diametralem Gegensatz zu den Interessen von Kirche und Staat in Bayern."

Und weiter:
Zitat

„Noch heute propagiert diese Gesellschaft den gleichen feindseligen Haß, wie ihn Russell besessen hat."

Hätte er diese Aussage auf Rutherford bezogen, hätte ich ihm ja zugestimmt.
Und solch einen Rutherford betreffenden, zustimmbaren Satz gibt es bei ihm ja auch:
Zitat

„Richter Rutherford" wie er sich künftighin nannte, setzte in der Wachtturm-Gesellschaft die „Theokratie", in Wirklichkeit seine eigene Diktatur durch."

Aber vorerst war ja erst mal von Russell die Rede.
In dieser Generalität jedoch auch Russell ein Rutherford-ähnliches Verhalten zu unterstellen, trifft wohl nicht ganz den Kern.
Natürlich sind die verschiedenen Zweige der Religionsindustrie, sich „gegenseitig nicht grün". Das trifft sicherlich auch auf Russell zu, und von Ökumene etwa, wollte mit Sicherheit auch Russell nichts wissen. Aber Haensli spinnt dann im folgenden seinen Faden weiter zu Arius und Waldus, als Russell inspirierende „Übeltäter". Damit gibt er allenfalls seine katholische Borniertheit zu Protokoll.
Anfechtbar erscheint mir auch sein Satz:
Zitat

„Aus zuverlässigen Kreisen ehemaliger Mitarbeiter Rutherfords
(Einfügung da kann dann doch wohl in erster Linie nur Salter gemeint sein, der sich noch mit Rutherford überwarf),
Zitat

verlautet, daß der „Präsident" kein moralisch einwandfreies Leben geführt, der Rauschgiftsucht verfallen war und ein tragisches Ende gefunden hat."

Auch mit dieser Aussage schießt der Herr Jesuit über das Tor hinaus, meiner Meinung nach. Namentlich der Vorhalt von „Rauschgiftsucht" wird von ihm nicht belegt. Und ich kenne auch keine andere Quelle, welche dieses in überzeugender Weise tun würde.
Bemerkenswert auch seine Wertung:
Zitat

„Auf den ... Kongreß (New York 1955) „bewies" der Herr Vizepräsident und „Chefideologe W. Franz, daß Jehova seinen Getreuen nach dem AT gestattete, die Feinde anzulügen um sich zu schützen!".
Also die berüchtigte theokratische Kriegslist, die just zu jener Zeit thematisiert wurde.
Gewisse Apologeten belieben ja, selbige als „nur" zur Abwehr auf Ostdeutsche Verhältnisse konzipiert darzustellen, womit sie schon mal grundlegend schief liegen.
In Kombination mit der damals noch geltenden Rutherford'schen Obrigkeitslehre von 1929, unterstreicht auch dieses Detail, den grundsätzlichen Zeugenanspruch Staat im Staate zu sein.
„Bauchschmerzen" aber bekomme ich bei der nachfolgenden Zitierung von Herrn Haensli:
Zitat

„Die 2. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Bern (Schweiz) hat schon am 28. Mai 1937 die Leiter der Wachtturmgesellschaft, Zweigniederlassung Bern, wegen fortgesetzter Herabwürdigung der Religion durch Verbreitung gedruckter Schriften verurteilt."

In echt jesuitischer Schläue verzichtet der Herr Jesuit aber darauf, den Fall näher zu beschreiben. Nämlich den Fall des Naziagenten Boris Toedtli, welcher da beliebte für die Catholica die Kastanien aus dem Feuer zu holen.
Und er beschreibt auch nicht die Substanz des Streites. Nämlich ob scharfzüngige Karikaturen (in diesem Falle zu lasten der Catholica), in einer freiheitlichen Gesellschaft noch zulässig seien oder nicht.
Allzuweit her war es mit der „Freiheit" in der Schweiz des Jahres 1937 nicht bestellt, wie dieses Nazi-Gefälligkeitsurteil belegt.
Zur Vollständigkeit hätte auch gehört, die zweifelhafte weitere Karriere des Naziagenten Toedtli dann noch zu belegen.
Das indes von jesuitischen Mit den Wölfen-Heulern zu erwarten, ist wohl in der Tat zuviel erwartet!
Siehe zu Toedtli unteranderem:
19382Toedtli
Dort weitere thematische Verlinkungen.

Vielfach belieben westliche Klugscheisser, alles und jedes, was ihnen gegen den Strich geht, auf den Faktor Stasi zu verengen. Auch das ist ein schiefes Bild. Auch in Ostdeutschland gab es die Typen des „vorauseilenden Gehorsams". Jedes Buch das in Ostdeutschland erschien, musste vorher „begutachtet" werden. Nur, die eigentlichen Autoren erfuhren in der Regel nicht, wer denn da so als „Gutachter" auf sie angesetzt wurde. Zwei berüchtigte Namen aus dem Religionsbereich solcher „Gutachter" seien hier mal namentlich genannt.
Der Theologieprofessor Gerhard Bassarak, siehe zu diesem auch:
Parsimony.2450
und der gleichfalls Theologieprofessor Helmut Obst.
Mit letzteren hat dann der Autor zum Thema Neuapostolische Kirche, Horst Hartmann, der bereits zu DDR-Zeiten ein entsprechendes Buch publizieren wollte, auch so seine Erfahrungen gesammelt. Ohne es damals zu wissen, wer da auf ihn als „Gutachter" angesetzt war, haben seine späteren Recherchen nach Ende der DDR ergeben, just jener Herr Obst war es.
Obst hat dann sein Gutachtergeschäft dann gleich mal so ausgestaltet, den Hartmann „wegzubeissen", so dass zu DDR-Zeiten, außer Obst, niemand anders zum Thema Neuapostolische Kirche publizieren konnte.
Man sehe sich mal die fiesen Details der fiesen Figur Obst, dazu näher an.

http://20402.dynamicboard.de/t803f44-Prof-Dr-Helmut-Obst-heiss-geliebt-und-kalt-getrunken.html

von Drahbeck - am 12.06.2013 07:54

Der „Strick um den Hals der SPD"

Im Zeitspiegel
Eine Meldung der „Freiburger Zeitung" vom 14. 6. 1933 berichtet davon, dass hochrangige SPD-Führer, nun vom Prager Exil aus, öffentlich wirken würden.
Einerseits verwundert der Umstand ins Exil auszuweichen, aufgrund der tatsächlichen Situation in Hitlerdeutschlandn nicht. Andererseits existierten noch - einstweilen - neben der NSDAP weitere politische Parteien in Deutschland. Zu „sagen" hatten letztere zwar nichts mehr, aber solche Meldungen über Öffentlichkeitswirksames Wirken im Exil, waren letztendlich für die Nazis, das gefundene Fressen, um den bereits umgelegten Strick um den Hals, nunmehr drastisch anzuziehen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=14a1&year=1933&month=06&project=3&anzahl=4

Am 19. Juni 33 dann die Meldung, die erste Ausgabe des „Neuen Vorwärts" sei in Karlsbad nunmehr erschienen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=19b1&year=1933&month=06&project=3&anzahl=4

Am 23. 6. 33 dann die Meldung über das formale Verbot der SPD, wobei in dessen Begründung, namentlich auch auf das Öffentlichkeitswirksame agieren der SPD im Exil verwiesen wird.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=23a1&year=1933&month=06&project=3&anzahl=4

von Drahbeck - am 13.06.2013 22:50

Württemberg

Im Zeitspiegel
Das formale Verbotsdatum der Zeugen Jehovas für Preußen, datierte auf den 24. Juni 1933. Davor aber, hatten schon Sachsen und Bayern, in ähnlicher Weise vollendete Tatsachen geschaffen. Somit kann festgestellt werden. Es gibt zeitliche Differenzen, bezüglich des jeweiligen Datums einer Verbotsentscheidung.
In der veröffentlichten Literatur ist bislang davon die Rede, für Württemberg wurde "erst" im Februar 1934 das entsprechende Verbot formal ausgesprochen.

Die Zeitschrift "Materialdienst" hatte ihren (damaligen) Redaktionssitz in Stuttgart (also heutiges Baden-Württemberg). Bei deren Auswertung fällt schon mal der Umstand auf, dass zum Zeitpunkt der Aussprechung des preußischen oder vorangegangener Verbote, sich keinerlei Reflektion in ihren Spalten zum aktuellen Zeitpunkt, vorfindet.
Erst in der Ausgabe vom 10. Mai 1935 des "Materialdienstes", gibt es erstmals einen zusammenfassenden Bericht zu den Zeugen Jehovas-Verboten. Selbiger erwähnt dann auch das Preussische Verbot, unter Berufung auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom 30. 6. 1933.
Der Hauptinhalt jenes MD-Artikels indes, weist eine andere Tendenz aus.
Unter Berufung auf die Quelle "Staatsanzeiger" vom 19. 6. 1933 wird mitgeteilt, sowohl die Zeugen Jehovas als auch zugleich die Neuapostolische Kirche, hätten seitens des Innenministeriums eine Art Verwarnung, kombiniert mit angeordneter Aktivitätsbeschränkung, verpasst bekommen. Das ist insoweit schon mal ungewöhnlich, als andernorts die Neuapostolische Kirche, mit dem Zeugen Jehovas-Verbot nicht in Beziehung geraten ist, sieht mal mal von der Textformulierung des Preussischen Verbotes mal ab. Jene "Formulierungskünstler", aus der Ministerialbürokratie, hat damit allerdings nur eines unter Beweis gestellt.
Das er von "Tuten und blasen" keine Ahnnung hat.
Solcherlei unterbelichtete Texte indes, überzubewerten, besteht keinerlei Anlass. Ein Hitler erklärte ja mal. über juristische "Zwirnsfäden" werde er sicherlich nicht "stolpern". Das war dann das eigentliche Credo der Nazis. Ob die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einen der unterbelichteten Ministerialburokraten nun eingetreten ist, oder eben nicht, hatte ohnehin keinerlei Praxisbezug.
Nun also Württemberg, das da in der Tat eine Ausnahme bildet. Diese angeordnete Aktivitätsbeschränkung (um den 14. 6. 33 angeordnet - als noch vor dem preussischen Verbot) hatte in der Tat noch nicht den eigentlichen Verbotscharakter. Etwa Abhaltung Gottesdienstlicher Veranstaltungen, war demzufolge in Württemberg zu diesem Zeitpunkt noch zulässig.
In der veröffentlichten Literatur ist deshalb auch davon die Rede. Ein formales Verbot der Zeugen Jehovas, auch in Württemberg, erfolgte erst im Februar 1934.
Die Zeugen Jehovas hatten somit in Württemberg eine längere Galgenfrist als andernorts!

Anlässlich einer Volks- und Berufszählung vom 16. Juni 1925, wurde die Anzahl der sich zu den Ernsten Bibelforscher in Württemberg bekennenden, auf 1036 Anhänger beziffert. Berücksichtig man die weitgehende Stagnation, als Folge der WTG 1925-Krise, die auch in anderen Teilen Deutschlands nachweisbar ist, dürften es wohl um 1933 auch nicht viel mehr dort gewesen sein. Aufsehen erregten sich vor allem durch ihre Außenwirkung. Kaum aber durch ihren zahlenmäßigen Kernbestand. Insoweit dürfte das Württembergische Innenministerium der Meinung zugeneigt sein. Noch könne moderat reagiert werden.

Nachstehend ein paar einschlägige Passagen aus dem genannten MD-Artikel:
Zitat

"Auch die „Menschenfreundliche Versammlung", auch „Engel Jehovahs genannt, wurden auf Grund der Verordnung zum Schutz von Volk und aufgelöst und verboten. Es handelte sich um eine Vereinigung, die sich früher von den Ernsten Bibelforschern abgespalten hatte und nach ihren Zielen als staatsfeindlich angesehen werden mußte.
Die Neuapostolischen wurden in Württemberg ebenso wie die Ernsten Bibelforscher von einem Werbeverbot betroffen.
Das Innenministerium verbot durch eine Verordnung vom 14. 6. 1933 auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. 2. 1933 den Anhängern dieser Sekten, Personen die n i c h t zu den erklärten Mitgliedern dieser Vereinigungen gehören, zum Zwecke der Verbreitung von Flugschriften dieser Vereinigungen oder der Erörterung ihrer Lehren aufzusuchen.
Zuwiderhandlungen werden auf Grund des § 4 der Verordnung vom 28. 2. 1933 mit Gefängnis nicht unter 1 Monat oder mit Geldstrafe von 150 - 15000 Mk bestraft.
In einem Erlaß an die Polizeibehörde wurde dazu ausgeführt:
„Es ist festgestellt, daß die Anhänger der Internationalen Bibelforschervereinigung e. V. und der Neuapostolischen Sekte in Württemberg in ihrer Werbetätigkeit die Grenzen weit überschritten haben, die ihnen auch bei voller Wahrung der Glaubens- und Gewissensfreiheit vom Standpunkt des deutschen christlichen Staats aus gezogen werden müssen.
Sendboten der 'Ernsten Bibelforscher' ziehen vorzugsweise an Sonntagen und christlichen Festtagen von Haus zu Haus und drängen der Bevölkerung in belästigender Weise die Schriften der Wachtturm- Bibel- und Traktatgesellschaft in Magdeburg auf, die mit gehässigen Angriffen gegen die großen christlichen Kirchen und ihre Organe angefüllt sind.
Desgleichen suchen die Angehörigen der Neuapostolischen Sekte Anhänger für ihre Lehre durch eine intensive, bisweilen in Hausfriedensbruch ausartende Bearbeitung der Bevölkerung zu gewinnen. Hierbei wird vielfach nicht vor den gröbsten Verleumdungen gegenüber den in Deutschland als Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts anerkannten christlichen Kirchen und ihren Organen zurückgeschreckt, auch wird nicht selten mit den Mitteln der Drohung und des Aberglaubens gearbeitet.
Diese zersetzende Tätigkeit, die einen Mißbrauch des Rechts der freien Meinungsäußerung darstellt und geeignet ist, nicht nur in einzelne Familien, sondern in ganze Gemeinden religiöse Zwietracht hineinzutragen, ist mit dem Gedanken einer christlichen deutschen Volksgemeinschaft unvereinbar und kann daher vom Staate nicht länger geduldet werden."


von Drahbeck - am 17.06.2013 00:41

Nornen

Im Zeitspiegel
Die Nornen

Ein größeren Verbreitungsgrad dürfte in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die antisemitische, in Grüna Sachsen gedruckte Zeitschrift „Die Nornen" wohl weniger gehabt haben. Auch die antisemitische Szene war gesplittet, vielleicht auch in sich zerstritten. Besagte „Nornen" erlangten beim Bibelforscherthema insoweit einen gewissen Relevanzgrad, als da ein antisemitischer Hetzer, den anderen antisemitischen Hetzer zitierte. Relativ oft in solchen Zitaten tauchen dann besagte „Nornen" mit auf.
Namentlich die noch einige Furore machende These, die Bibelforscherbewegung erhalte vom „jüdischen Bankhaus Hirsch in New York" prächtige Finanzspritzen, soll dem Vernehmen nach in jenem Blatte erstmals aufgetaucht sein, und fand dann Wiederkäuer von Wiederkäuern, und diese wiederum waren Wieder-Wieder-Wiederkäuern, von vorangegegangenen Wieder-Wieder-Wieder-Wieder-Wiederkäuern.
Genannt wird da besonders eine Nr. 133 jenes Blattes. Die wiederum ist im wissenschaftlichen Bibliothekswesen meines Wissens nicht mehr auftreibbar, was wiederum ein Indiz dafür ist, dass zeitgenössische Bibliotheken jenes Hetzblatt eher dem Bereich „graue Literatur" zuordneten, um dessen Sammlung und Erhalt man sich auch nicht sonderlich mühte.
Zumindest einiges von diesem Blatt ist doch noch erhalten. So „glänzt" etwa die Nummer vom 18. Oktober 1912 (wohl die erste Ausgabe) mit einem zünftigen Hakenkreuz auf dem Titelblatt. Von besagten Hakenkreuz war bekanntermaßen dann noch eine andere „Bewegung" besonders angetan.
In der Juni-Ausgabe 1913 findet man dann auch eine tendenziöse Miterwähnung des Bibelforscherthema.
Eine Kostprobe aus diesem tendenziösen Gewäsch:
Zitat

„Jedermanns-Blatt
Organ der Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher.
Ihnen scheint es hauptsächlich aufs alte Testament anzukommen. Das Blatt wird viel auf dem Lande verteilt. Ein Pastor Russell, der als Bedeutendster mitarbeitet, soll nicht einmal ordiniert sein. Das Blatt ist rein jüdisch ...
Das Blatt weiß recht genau, daß und warum die Juden auswandern, daß der Weltkrieg noch kommt, sie nennen ihn die „Schlacht von Harmagedon".
Die kommt aber erst, wenn alle Juden in Palästina sind, die schon tüchtig auswandern, man lese:
„Es sind noch fast zwei Jahre bis zum Ablauf der „Zeiten der Nationen" (Okt. 1914).
Hochfahrende Aktionen des Protestantismus und Katholizismus, die zur Unterdrückung menschlicher Freiheiten Hand in Hand gehen, wirken auf die Belebung der Bilder hin. Es mag dieses bald kommen, aber Harmagedon kann nicht vorangehen, sondern muß nachfolgen - vielleicht ein Jahr nachher, gemäß unserer Ansicht von der Prophetie.
Noch ein weiteres tritt dazwischen: Obschon sich die Juden allmählich in Palästina ansiedeln und das Land Kanaan in Besitz nehmen, und obschon Berichte sagen, daß sich bereits neunzehn Millionäre dort befinden, so muß doch der Prophezeiung gemäß eine entschieden größere Anzahl reicher Hebräer dort sein, bevor die Harmagedon-Krise da sein kann. Unsere Auffassung geht dahin, daß die „Zeit der Drangsal für Jakob" in dem Heiligen Lande gerade am Schluß der Schlacht zu Harmagedon einsetzen wird.
Dann wird das Königreich des Messias anfangen offenbar zu werden. Von da an wird Israel im Lande der Verheißung allmählich sich erhaben aus der Asche der Vergangenheit zu der geweissagten Größe. Durch seine göttlich eingesetzten Fürsten wird das allmächtige, aber unsichtbare Königreich des Messias anfangen, den Fluch hinwegzuschaffen und die Menschheit emporzuheben."

Auch wenn die Textauswahl aus dem zeitgenössischen Bibelforscher-Schrifttum seitens der „Nornen" tendenziös sein mag. So verdeutlicht sie doch.
Namentlich die philosemtischen Narrenthesen der Bibelforscher, wirkten auf diese antisemitischen Kreise, wie das sprichwörtliche rote Tuch auf den Stier.
Hinzu kam, andere Teile der zeitgenössischen Religionsindustrie, bliesen ja in das Philosemitsmushorn, nicht in dem Umfange, wie es die Bibelforscher taten. Die nahmen da in der Tat, eine Vorreiterstellung ein.
Siehe auch:
August Fetz & Co

von Drahbeck - am 17.06.2013 22:11

Linke und Laizismus

Auch wenn eine entsprechende Meldung sich relativ interessant anhört, gilt auch in diesem Fall:
An den Früchten ist das ganze erkennbar.
Besagte Linke hat den Türöffner für den Herrn Besier als Direktkandidaten in Pirna aufgestellt.
Sollte der tatsächlich als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag einziehen, wäre die ganze Verlogenheit diesbezüglich ziemlich offenkundig.
Und das besagter Herr Besier - nach meiner Privatmeinung - in der Manchesterkapitalistischen FDP weitaus besser aufgehoben wäre, auf Grund seiner Thesen. Diesen Vorhalt sehe ich keineswegs als ausgeräumt an.
Und so lange das so ist, habe ich für die Linken ein Kommentarwort übrig:

U n g l a u b w ü r d i g!

http://hpd.de/node/16184

von Drahbeck - am 21.06.2013 04:31

Ein bemerkenswertes Urteil

Im Zeitspiegel
Ich bin nicht verantwortlich für das, was sich da so alles im Internet tummelt. Fallweise Zitierungen, basieren also auf der eigenen Werteskala, beinhalten somit keinesfalls eine Gesamtidentifikation mit der Zitatquelle.
Das als Vorbemerkung zu nachfolgendem Zitat, dass mir durchaus bemerkenswert erscheint:
Zitat

Viele politische Akteure aus politischen Parteien und christlichen Kirchen sehen in der Aufwertung der (islamischen) AMJ einen Fortschritt auf dem Weg zur Integration von Muslimen. Kritische Stimmen, vor allem aus den Reihen von Befürwortern einer strikten Trennung von Religionsgemeinschaften und Staat, sehen hinter dem Vorgang vor allem eine andere Triebfeder: Den Versuch einer Zementierung der Privilegien und des Einflusses der großen traditionellen Staatskirchen, indem man auch muslimische Gemeinschaften mit "ins Boot zieht" und damit bestehendes Recht als "gleiches Recht für alle" verteidigt.


www.derfunke.de/content/view/1291/75/

von Drahbeck - am 24.06.2013 22:19

Meinung

Eine unzeitgemäße Spekulation
Im Zeitspiegel
Der Herr Steinbrück von der CSPD setzt ja derzeit noch „voll auf Sieg." Leise Zweifel haben sich indessen wohl auch schon bei ihm eingeschlichen, kürzlich ablesbar an der „Schelte" die er da so einigen seiner Mit-Funktionärskollegen verpasste.
Schau'n wir mal also, was aus seinem „Sieg" dann noch so wird.
Meine Wählerstimme - auch wenn die garantiert unbedeutend ist - wird er ebenso garantiert, nicht bekommen.
Das wiederum ist alles andere als eine „Liebeserklärung" für die Manchesterkapitalistische FDP und ihren Wurmfortsatz namens CDU/CSU.

Der Herr Wowereit aus Berlin, war vor einiger Zeit, etwas geschockt, als in seiner Partei ein Konkurrent (und nicht die von ihm favorsisieren lammfrommen Gefolgsleute) das Rennen machte. „Angezählt" etwa beim Thema Flughafenbau, ist wohl inzwischen auch schon Herr Wowereit bezeichenbar.
Indes hat er derzeit noch das Glück, was da als vermeintliche Konkurrenz zu ihm, in seiner Partei sich zu etablieren pflegte, erweist sich bis heute als weitgehend „zahnlos". Insoweit kann Wowereit die Sachlage - einstweilen - entspannt betrachten. Ob das indes immer so bleiben wird, leise oder auch laute Zweifel, diesbezüglich sind keineswegs als „ausgeräumt" bezeichenbar.

Super-Kirchenverfilzer Wolfgang Thierse aus der CSPD, verlautbarte vor einiger Zeit, dem nächsten Bundestag werde er (freiwillig) nicht mehr angehören.
Sollte er indes sich dem Trugschluss hingegeben haben, nun würde aber das große Wehklagen über diesen Verlust eintreten, könnte er inzwischen belehrt worden sein, ein Vakuum ist deshalb keineswegs eingetreten. Diverse andere haben schon ihren Ball in den Ring geworfen und warten nur auf ihre Chance.

Sollten die Traumblüten des Herrn Steinbrück tatsächlich in Erfüllung gehen, dürfte sich in der CSPD wohl kaum relevantes verändern.
Wortbrüchigkeit war von jeher ihr Markenzeichen und wird es weiterhin wohl bleiben.
Sollten indes die Blütenträume des Herrn Steinbrück danebengehen, dann fragt es sich was passiert dann.
Juniorpartner einer anderen Filzpartei?
Oder wird die CSPD dann in die tatsächliche Opposition gedrängt. Letztere böte die einzig reale Chance zu einer Reformation dieses Filzvereines (einschließlich personeller Konsequenzen), die dieser mehr als bitter nötig hätte!

von Drahbeck - am 24.06.2013 23:28

Nazismus Made in Schweiz

Im Zeitspiegel
Der „Materialdienst" vom 23. 6. 1933 vermeldet:
Zitat

„In der Schweiz finden sich antisemitische Elemente in der sog. „Fronten-Bewegung", einem Gegenstück zum Nationalsozialismus. Einer ihrer Führer, Oberstdivisionär Sonderegger-Bern, wandte sich öffentlich gegen Judentum und Freimaurerei. Er forderte u. a. Gesetze zur Abwehr volksfremder Elemente mit einem Verbot der Einbürgerung solcher Elemente, insbesondere von Juden, sowie zur Wiederausweisung derjenigen Juden, die in jüngster Zeit in die Schweiz eingelassen worden sind."

Ende der Durchsage.
Kritik an der inhaltlichen Substanz jener Meldung, hat jener „Materialdienst" nicht vorzubringen. Ergo identifiziert er sich letztendlich damit.
Bei anderen Themen indes war er nicht immer so Sprachlos.
Etwa als der Führer der preußischen Landtagsfraktion der NSDAP, Kube, den Herrn Dibelius mal namentlich angriff und ihm letztendlich „Landesverrat" vorwarf, dieweil Dibelius auf die Selbstständigkeit der Kirche pochte, und es nicht hinnehmen wollte, dass die Kirche zur Unterfraktion der NSDAP degradiert werde, wie es auch dem Herrn Kube vorschwebte. Da bezog der „Materialdienst" durchaus Position. Das Anliegen des Kube, war da nicht sein Anliegen. Aber was da die Schweizer in der zitierten Form so von sich gaben, das störte offenbar die deutschen kirchlichen Herren nicht weiter!
Ein anderes Beispiel dafür dass die kirchlichen Herren durchaus reden konnten, wenn sie denn wollten (wobei dieses wollen eben der Knackpunkt ist), stellt der Fall des Verbotes des „Tannenbergbundes" des Weltkriegsgenerals Ludendorff, im September 1933 dar.
Beim Hitlerputsch waren zwar Ludendorff und Hitler noch gemeinsam marschiert. Nachher aber trennten sich ihre Wege. Knackpunkt auch die Religionspolitik dabei. Ludendorff als Radikalinski, hielt überhaupt nichts von der vordergründig durch die Nazis praktizierten Umgarnung der Religionsindustrie. Die Sachlage spitzte sich dergestalt zu, dass im September 1933 auch sein „Tannenbergbund" von den Nazis verboten wurde. In der Praxis aber wurde jenes Verbot eher lasch gehandhabt, was von anderen Naziverboten durchaus nicht gesagt werden kann.
Für die Kirchen stand jener Ludendorff-Verein auf gleicher Ebene wie das Freidenkertum. Bei beiden sah man ein Verbot durchaus sehr gerne.
Nun in der Ausgabe des „Materialdienstes" vom 24. 11. 1933, unter der Überschrift „Der Tannenbergbund nach der nationalen Erhebung" lies dieser sich es angelegen sein, in Auswertung der archivierten Zeitschriften der Ludendorfferianer, eine Blütenlese zu veranstalten.
Das Verbot war ja, wie bereits bemerkt, schon ausgesprochen. Die Blütenlese die da kirchlicherseits im Nachhinein noch veranstaltet wurde, kann nur als aktives „Nachtreten" bezeichnet werden. Da waren zum Beispiel solche Sätze lesbar wie.
Zitat

„Ludendorff erhob gegen Hitler den Vorwurf, daß er sich in den Dienst des Christentums und der römischen Weltmachtpolitik stelle. Anläßlich der Reichstagswahl am 31. 7. 32 gab er z. B. die Parole aus:
„Das bisherige System war unheilvoll. Das der NSDAP nicht minder. Jedes ist Werkzeug der überstaatlichen Mächte, die aus dem christlichen Boden herausgewuchert sind und Deutsches Volkstum zum Ersticken bringen. Das Hinstreben der Deutschen zur NSDAP ist ein ernstes Zeichen, wie sehr das Volk jede Urteilskraft verloren hat und sich der flachsten Suggestion hingibt. Ich erwarte schärfsten Kampf für Wahlenthaltung und dabei Kampf gegen die NSDAP."

Das soll so in einer Zeitschrift der Ludendorfferinaner vom 19. 6. 1932 gestanden haben.
Oder auch dieses Votum ebenfalls aus dem Jahre 1932:
Zitat

„Die wahrhaft deutsche Revolution ist noch unvollendet, ihr Führer ist Erich Ludendorff, ihre Träger sind diejenigen Deutschen, die (sie) erkämpfen wollen."

Oder auch dieses Ludendorff-Votum:
Zitat

„Die Aufgabe der nichtchristlichen Naionalsozialisten ist es dafür zu sorgen, daß die NSDAP sich nicht mit den Kirchen, sondern mit Deutschem Wollen gleichschaltet."

Das sind zwar einerseits weitere Belege des Größenwahnes dieses Ludendorffs (der Sachkenner vordem schon zur Genüge bekannt war).
Aber nun im November 1933 diese Wiederholung, und sei es nur zu Dokumentationszwecken, aus kirchlichem Munde.
Die kirchlichen Herren konnten also durchaus reden, wenn sie denn mal wollten!

von Drahbeck - am 26.06.2013 21:15
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