Vor fünfzig Jahren

Startbeitrag von Drahbeck am 30.06.2013 22:16

Letzte vorangegangene Teile dieser Serie
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,152441,152441#msg-152441


Petrusapokalypse
Wieder mal sieht sich der „Wachtturm" (1. 7. 1963) durchaus mit einem Gefühl, sich in der eigenen Haut nicht wohl zu fühlen, genötigt, auf das Thema der sogenannten „Neutestamentlichen Apokryphen" zu sprechen zu kommen:
Der WT fragt:
Zitat

„Warum erscheinen aber im Codex Sinaiticus nach der Offenbarung noch der Barnabasbrief und der Hirt des Hermas und im Codex Alexandrinus noch die beiden Briefe des Clemens? Ja, es sind in jüngster Zeit noch viele ähnliche Schriften entdeckt worden ... Unter anderem das sogenannte Thomasevangelium, das viel von sich reden machte. ... Nach dem Muratorischen Fragment durfte der Hirt des Hermas gelesen werden, wurde aber bis dahin nicht als kanonisch anerkannt."

Einige Titel der in Rede stehenden Schriften, nennt also der WT selber. Eine Schrift indes findet keine Erwähnung in dieser Auflistung. Und zwar die sogenannte Petrusapokalypse. Von ihrem Selbstverständnis her, wollte diese ja etwa mit der Offenbarung des Johannes auf einer Stufe stehen.
Das auch die Offenbarung des Johannes teilweise in Verruf stand, erwähnt dieser WT ebenfalls nicht.
Es ist müßig darüber zu lamentieren, ob jene Schriften denn „inspiriert" seien oder nicht. Gleichwohl hat auch die letztendlich verfemte Petrusapokalypse, einen tatsächlichen Einfluss auf die Kirchengeschichte ausgeübt.
Man weis zwar einerseits, seitens der Zeugen Jehovas wird die Lehre einer Feuerhölle abgelehnt. Gleichwohl spielte sie in anderen Teilen der Religionsindustrie durchaus eine Rolle. Belegt auch dadurch, nebst anderem, das der Schriftsteller Dante Alighieri (1265 - 1321) in seiner „Göttlichen Komödie auf ihrer Ideologie aufbaute.
Laut Wikipedia schildert das Werk seine Reise durch die Hölle (Inferno), zum Läuterungsberg (Purgatorio), bis hin ins Paradies (Paradiso).

Zugrunde lag solcherlei Ideologie ganz wesentlich auch die Petrusapokalypse, was nicht bedeutet, dass Dante sie nun wörtlich zitiert hätte. Seine Selbstständigkeit beim abfassen seiner Schrift, sei ihm keineswegs abgesprochen.
Aber als Hintergrund-Background ist sie durchaus mit zu benennen.
Besagte Petrusapokalypse trieft förmlich vor Sadismus. Die Frage bleibt weiterhin offen. Auch wenn die WTG keinerlei Verwendung für die Petrusapokalpse hat, ob ihre Ideologie nicht ebenso Sadismus-geladen ist.
Walter Nigg meint in Sachen Petrusaapokalypse ausführen zu können:
Zitat

„Nach der angeführten Stelle des Kanon Muratori gab es damals Christen, die auch mit der Vorlesung der beiden andern Apokalypsen in der Kirche nicht einverstanden waren. Der zweite Kampf galt der Petrusapokalypse, von der heute nur noch Bruchstücke erhalten sind, und deren Schilderungen an Dantes Höllenwanderung gemahnen.
Noch zu Sozomenus' Zeiten wurde die Petrusapokalypse in mehreren Gemeinden während der Osterzeit vorgelesen. Dann aber muß sie immer stärker in den Hintergrund gedrängt worden sein. Die Nachwelt weiß über das Ausscheiden der Petrusapokalypse nichts Näheres. Wahrscheinlich wurde sie als Fremdkörper empfunden, und ihre Benutzung geschah immer
spärlicher. Jedenfalls geriet sie stets in größere Vergessenheit und wurde schließlich dem Christen gänzlich unbekannt. Die zweite Apokalypse starb eines unauffälligen Todes."

Ein Herausgeber solcher sogenannt „Neutestamentlichen Apokryphen" in der Neuzeit, kommentiert zum Thema:
Hennecke meint beispielsweise:
Zitat

"So sind gewisse Beziehungen zwischen der Petrusapokalypse und auch der Paulusapokalypse und dem Inferno Dantes nicht zu übersehen.
Hennecke Band 1 S. 35.
Dazu gehört u. a.: Abfall vom Glauben an Gott, Hurerei, Abtreibung, Mord, Christenverfolgung, Zinsnehmen, Götzendienst außerhalb des Christentums, voreheliche Intimbeziehungen, Sklaven die ihrem Herrn ungehorsam, heuchlerisches Almosengeben, sowie vermeintliche Zauberei, wodurch die religiöse Autorität des Christentums untergraben werden könnte.
In geradezu sadistischer Ausmalung wird den vorgenannten Sündern angedroht:

Zitat

"An ihrer Zunge, mit der sie den Weg der Gerechtigkeit gelästert haben, wird man sie aufhängen. ... Man hängt sie an ihren Nacken und Haaren auf, in die Grube wirft man sie. ... Man hängt sie an ihren Schenkeln in diesen brennenden Ort. ... Man wirft sie ins Feuer, an einen Ort, der angefüllt ist mit giftigen Tieren und sie werden gequält ohne Ruhe. ... Und nimmer schlafendes Gewürm frisst ihre Eingeweide. ... Man quält sie mit glühenden Eisen und verbrennt ihre Augen. ... Man schneidet die Lippen ab und Feuer geht in ihren Mund und in ihre Eingeweide. ... Dabei wirft man mit Ausscheidungen Gesättigte, Männer und Weiber, hinein bis an die Knie. ... Und andere Männer und Weiber stoßen sich selbst von einer Höhe herunter und kehren wieder zurück und laufen und Dämonen treiben sie an. ... Weiter bringt der Engel Ezrael Kinder und Jungfrauen um ihnen die Bestraften zu zeigen. Sie werden bestraft mit Schmerz, mit Aufhängen und vielen Wunden, die ihnen fleischfressende Vögel beibringen. ... Und sie werden ernst bestraft, ihr Fleisch wird auseinandergerissen. ... Und wiederum andere Männer und Frauen, welche ruhelos ihre Zunge zerkauen, indem sie gequält werden mit ewigem Feuer. ... Und bei dieser Qual sind blinde und stumme Männer und Weiber. ...Dann pferchen sie sich gegenseitig zusammen und fallen auf Kohlen
nicht verlöschenden Feuers."

Zum Thema kann man auch noch vergleichen
Forumsarchiv 273
Parsimony.7191
Forumsarchiv A120
Tagebuch eines Harmagedon-Überlebenden

Antworten:

Nicolaus Copernicus

Vor fünfzig Jahren
Laut der Wikipedia soll Martin Luther sich über Nicolaus Kopernikus nach der Aufzeichnung von Studenten angeblich sinngemäß wie folgt geäußert haben:
Zitat

„Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!"

Diese Passage zitiert „Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 8. 7. 1963 zwar nicht, erwähnt aber, dass das Copernicanische Buch „De revolutionibus orbium caelestium" im Jahre 1616 von der Kirche (in diesem Falle der katholischen) indiziert wurde.
Wie man sieht taten sich beide relevante Strömungen der damaligen Religionsindustrie, mit den Copernicanischen Erkenntnissen schwer.
Zitat

„Die Kirche kämpfte um ihr altes Weltbild"
zitiert „Erwachet!" weiter.
Ein eher fürs seichte Publikum konzipiertes Buch von einer Frau Helga Pohl mit dem Titel „Wenn dein Schatten sechzehn Fuß mißt, Berenike" bildet für „Erwachet!" die Quellenbasis seiner Ausführungen.
Auf vorgenannter Quellenbasis aufbauend, bemüht dann „Erwachet!" noch das Vorwort des 1619 von Johannes Kepler veröffentlichten Buches „Harmonices mundi" indem laut „Erwachet!" auch die Sätze stehen sollen:
Zitat

„Seht, die Würfel sind gefallen, ich schreibe ein Buch ob für die jetzt Lebenden oder für kommende Geschlechter einerlei! Lass es hundert Jahre auf seine Leser warten, Gott selbst hat wohl 6000 Jahre auf einen verständnisvollen Zuschauer Seines Werkes gewartet!"

An jenem letzteren Zitat fällt insbesondere die Mitverwendung der kirchlich getränkten 6000 Jahr-Theorie auf.
Möglicherweise ist letzterer Umstand der Ausschlagebende gewesen, dass WTG-seitig jenes Buch der Frau Pohl, überhaupt im wohlwollendem Sinne zitiert wurde.
Dennoch ist festzustellen:
Unter wissenschaftlichen Kriterien ist besagte kirchliche Dogmatik von den famosen „6000 Jahren" nicht haltbar. Wer solcherlei Thesen weiterhin ventiliert, bewegt sich auf dem gleichen Level, wie im Lutherzitat verdeutlicht, oder auch dem Level der Indexierer des Buches von Copernicus!
Selbst ein Herr Ackermann meint in seinem "Siehe Er kommt. Und werden heulen alle Geschlechter der Erde" (Heft 2 S. 46) einräumen zu müssen:
Zitat

"Unter den bald 200 wissenschaftlichen Berechnungen der Aera von Adam bis Christus, deren Extreme (6584 das eine, 3483 das andere) um 2000 Jahre auseinander liegen zählt Julius Afrikanus 5500 Jahre bis auf Christus, Skaliger 3950, Kepler 3984, Ussher 4004."


von Drahbeck - am 08.07.2013 04:22

Otto Estelmann

Vor fünfzig Jahren
Die Vita eines Herrn Otto Estelmann, stellt die WT-Ausgabe vom 15. 7. 1963 etwas näher vor. Letzterer in Deutschland geboren, im WTG-Sog, in späteren Jahren als Pionier in der Tschechoslowakei eingesetzt. Wobei man bei letzterer dann noch unterscheiden muss. Die Zeit vor 1933 und die Zeit ab 1938. Besonders ab letzterem Zeitpunkt, wurde es dann auch für die WTG-Hörigen in der Tschechoslowakei ziemlich ungemütlich. Ein Blick ins Nachbarland Deutschland konnte lehren, was auch den WTG-Hörigen bevorstehen würde, machten sie so weiter wie bisher.
Das sah in diesem Falle wohl selbst der Herr Rutherford in seinem Zehn-Zimmer-Haus in Beth Sarim so. Ergo erging die Anweisung, möglichst „geräuschlos" das bis dahin bestehende WTG-Büro in der Tschechoslowakei aufzulösen. Namentlich besagter Herr Estelmann war wesentlich damit beauftragt.
Da nun der Boden für die WTG-Hörigen in Europa, mittlerweile ziemlich heiß geworden war, empfahl Herr Rutherford dem Herrn Estelmann.
Ab nach Brasilien. Dortige Sprachkenntnisse hatte er aber nicht. Ergo musste er die sich an Ort und Stelle, erst mal mühselig aneignen.
In Brasilien wiederum wurde er mal hier, mal dorthin beordert.
Ein eher beiläufiger Satz dabei:
Zitat

„Ich verkaufte einige Wertgegenstände, um das Geld für meine Fahrkarte aufzubringen, und kam ... in meinem neuen Gebiet an."

So also sieht sie aus, die „Fürsorge" der WTG für die von ihr Betörten. Glück vielleicht für Herrn Estelmann, dass er nach seiner Odyssee nach Brasilien, überhaupt noch „Wertgegenstände" zum verkaufen hatte.

von Drahbeck - am 14.07.2013 22:34

Aussehen wie Theaterprogramme

Vor fünfzig Jahren
Ihre 1963er Kongreßserie, beginnend in den USA, endend wieder in den USA, mit ein paar Zwischenstationen andernorts, unter anderem in München (als einzigste Station für die deutschsprachigen Länder), was jener bayrischen Metropole und auch den Verkehrsmitteln, wie etwa der Bundesbahn, vielleicht auch der Autoindustrie, schon mal einen entsprechenden Tourismusboom bescherte.
Besagte Kongreßserie ist der „Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 7. 1963 einen zusammenfassenden Artikel wert, welche namentlich auch die Unterschiede der örtlichen Religionsindustrie, im Vergleich zu anderen Ländern, herausarbeitet.
Bezogen auf die Startposition in den USA notiert „Erwachet!"
Zitat

„Daß die Vereinigten Staaten gegenwärtig eine religiöse Renaissance erleben. Es gibt in diesem Land viele moderne Kirchen, die sonntags immer voll sind. In vielen New Yorker Hotels liegen die Programme verschiedener Kirchen auf, die aussehen wie Theaterprogramme ..."

Aber auch das muss „Erwachet!" noch notieren:
Zitat

„Obschon die Leute in die Kirchen strömen wirst du wahrscheinlich Kommentare hören, sogar von Geistlichen, wie z. B. die religiöse Renaissance sei nur äußerer Schein, und der Materialismus grassiere unter der amerikanischen Bevölkerung."

Aber oh weh, die verwöhnte amerikanische Religions-Theater-Industrie, welche sich doch so gerne als „Nabel der Welt" sieht, muss auch registrieren. Ihre Schauspielerei wird andernorts nicht in gleichem Maße geschätzt. Davon kündet dann schon mal der Bericht aus London, Großbritannien. Von relativ leeren Kirchen, und das weniger als 13 Prozent der erwachsenen Bevölkerung diese besuchen, ist die Rede. Und der weitere „Erwachet!"-Kommentar lautet:
Zitat

„Manche sagen sogar, es seien nicht einmal 10 Prozent."

Sollten die Theater-Religionsverkäufer nun hoffen, vielleicht sieht es in anderen Teilen Europas für sie günstiger aus, werden sie als nächstes über Deutschland belehrt.
Nominell seien in jenem Lande (zu jenem Zeitpunkt) zwar 96% formelles Mitglied eines der religiösen „Theatervereine". Aber nur etwa 5 Prozent der Bevölkerung würden deren Angebote auch wirklich regelmäßig nutzen. Und jener geringe Kirchenbesuch sei dort keineswegs nur Ergebnis der Neuzeit. Bereits zu Zeiten des Hitlerregimes gab es dort ähnliches zu beobachten.
Da fällt einem nur noch der Spruch von dem tönernen Götzen ein, welcher lediglich noch versäumt hat umzufallen. Was nicht ist kann ja vielleicht irgendwann noch mal werden.


von Drahbeck - am 22.07.2013 00:44

Psychiater

Vor fünfzig Jahren
Zitat

„Müßte ein Psychiater seinen Beruf aufgeben, bevor er zur Taufe zugelassen und als Zeuge Jehovas anerkannt würde?"

So der Text einer im „Wachtturm" vom 1. 8. 1963 abgedruckten Leserfrage.
In deren Beantwortung „windet" sich dann der WT. Nein er müsse seinen Beruf nicht aufgeben, so die formale Antwort aber ...
Und dieses „aber" wird dann breit ausgearbeitet.
Vor allem dürfen seine beruflichen Erkenntnisse nicht in Konflikt zur Interessenlage der WTG geraten. Dieser habe er sich ohne wenn und aber unterzuordnen. Mache er das, könne er selbstredend auch Zeuge Jehovas mit dieser Art von Beruf sein.
Einräumen muss der WT auch, er selbst habe
Zitat

„schon davon abgeraten, einen Pschiater aufzusuchen - es sei denn in ganz dringenden Fällen."

Mit letzteren Halbsatz kommt wieder das „aber" zum tragen. Rechtes Vertrauen in diesen Berufsstand hat der WT nicht, weil er nicht zu Unrecht ahnt, die beruflichen Erkenntnisse würden mit den Interessen der WTG nicht selten kollidieren.
Da auch auf anderen Gebieten die WTG-Strategie gilt, keine formaljuristischen Verbote schriftlich niederzulegen, in der Praxis aber Strukturen zu begünstigen, welche einem Verbot gleichkommen (wenn auch nicht eben im formaljuristischem Sinne), so eben auch in diesem Fall.
Und dann ist auch noch der Umstand beachtlich, dass jene Leserfrage offenbar von einem bereits ausgebildeten und praktizierenden Psychiater ausgeht.
Völlig unerwähnt indes läßt der WT die Frage. Wie sich denn nun Jugendliche aus den eigenen Reihen zu verhalten hätten, die in der Lebensphase stehen, eine Entscheidung über ihre anvisierte spätere berufliche Tätigkeit zu fällen. Mal die außer Betracht lassend, die etwa auf dem „zweiten Bildungsweg" dann in diese Berufstätigkeit gelangen, dürfte wohl erst mal ein universitäres Studium die Grundvoraussetzung dazu sein.
Und da möchte ich nicht wissen, was diejenigen für Spießruten zu laufen hätten, in WTG-Gefilden, die sich für eine solche Berufswahl entscheiden.
Sicherlich gibt es auch unter ZJ-Jugendlichen einige, welche eine Hoch- oder Fachschulausbildung anstreben. Namentlich dann, wenn vorangegangene Versuche zum miesmachen eines solchen Weges - WTG-seitig, nicht fruchteten, wird dann eher gezwungen, dann noch „gute Miene" zum nicht geschätzten Spiel gemacht.
Es sind ja Fälle bekannt, wo es einige aus diesem Bereich, zum Beispiel auf dem Jura- oder Medizinsektor gar zum Doktortitel brachten.
Es wäre in der Tat - sofern überhaupt praktizierbar - eine Untersuchung wert, wieviele Jugendliche mit gestandener ZJ-Sozialisation, tatsächlich eine Laufbahn in Sachen Psychatrie einschlagen. Mein Bauchgefühl sagt mir dazu.
Im Vergleich gesehen, dürften analoge Fälle, etwa einer Laufbahn im Bereich Jura oder Medizin, bei weitem mehr sein, und die Fälle einer Laufbahn im Bereich Psychologie äußerst seltenen Charakter haben.
Man vergleiche auch die Jahrgangsdatei
1960

Dort ziemlich am Textende den Abschnitt:
„Sollte ein Christ den Psychiater konsultieren?"

von Drahbeck - am 31.07.2013 22:09

Bevölkerungsexplosion

Vor fünfzig Jahren
Auf dem Schreckgespenst der Bevölkerungsexplosion reitet wieder mal die „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 8. 1963 mit herum.
Zu den dabei mit verwandten Zahlen (aus den 1960er Jahren) gehören auch die.
In Brasilien kämen 14 Personen auf einen Quadratkilometer, in Japan hingegen 423.
China wird mit 118 Personen pro Quadratkilometer, Indien mit 222 beziffert.
Die USA mit 32, die Bundesrepublik Deutschland hingegen mit 363 Personen pro m2.
Nun haben sich genannte Zahlen in den nachfolgenden Jahren sicherlich verändert.

Bekannt ist auch noch die seinerzeitige Vermarktung durch die WTG des Buches der Paddocks „Hunger 1975", dieweil dieses Zerrbild so schon in die eigenen Theorien hineinpasste.
Thomas Malthus wird in dem Artikel ebenfalls namentlich mit genannt. Letzteres macht in der Tat dergestalt Sinn, als Malthus es war, der mit als erster die Alarmglocken in Sachen Bevölkerungsexplosion schrill klingen ließ, dem denn noch andere nachfolgten, unter anderem eben auch die WTG.
Die Wikipedia meint zu Malthus unter anderem:
Zitat

„Dennoch ist seine Erkenntnisleistung hier fragwürdig geblieben, vor allem weil er den eigenen theoretischen Bezugsrahmen völlig unzulänglich geklärt hatte. Er kam zu kaum nachvollziehbaren Argumentationen, weil er axiomatische mit empirischen Behauptungen sowie mit Werturteilen vermengte."


http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Robert_Malthus

Die Lebenszeit von Malthus (1766 - 1834) ist nun Vergangenheit. Seine Schreckenszenario haben sich so nicht bestätigt.

Bei solcherler Thesen bietet es sich an das Bonmot von Dieter Nuhr zu erinnern:
Zitat

"Ich weis, Entwarnung ist nicht angesagt ...
Die Gletscher schmelzen ...
Der Wald stirbt ja nun schon sechzehn Jahre ...
Aber das dauert .... bis das alles mal so richtig zusammenkracht ...
Und da sitze ich nun in meinen vier Wänden und kriege sogar Anfälle
von Optimismus ...


von Drahbeck - am 08.08.2013 03:48

Das Thema Sport

Vor fünfzig Jahren
Wieder mal versucht der „Wachtturm" vom 15. 8. 1963, mit einer ganzen Reihe von tendenziösen „Ratschlägen" die eigene Jugend für die WTG-Interessen zu trimmen. Sowohl an „Zuckerbrot" wie an der „Peitsche" wird dabei nicht gespart. Etwa wenn die WT postuliert, WTG-indoktrinierte Jugendliche könnten
Zitat

„die künftigen Aufseher in Gottes Organisation" sein.

Zur „Peitsche" gehören dann etwa die „Ratschläge" in Sachen Sport. Etwa wenn der WT postuliert man solle nicht
Zitat

„übertrieben sportbegeistert sein, sei es als Teilnehmer oder Zuschauer."

Denn
Zitat

„wer den Sport zum Mittelpunkt seiner Interessen macht, wird an den Abenden, an denen er ... den Zusammenkünften beiwohnen sollte, bei irgendeiner Sportveranstaltung zugegen sein, und am Wochenende, da er keine Schule hat oder nicht zur Arbeit gehen muß, verbringt er seine Zeit nicht ... im Predigtdienst von Haus zu Haus."

Als Alibi räumt der WT zwar ein
Zitat

„in vernünftigen Rahmen Sport zu treiben kann nützlich sein".
Da aber schon ein Paulus sich dazu negativ verbreitet habe, solle man es lieber ähnlich halten.
Die WTG-Indoktrinierung orientiert also in allererster Linie auf Organisationsegoistische Ziele.

Nun ist sicherlich das Leben vielgestaltig, vielerlei Lebensentwürfe sind möglich. Auch der Entwurf „weltfremd" zu leben, sei es als Mönch in einem Kloster andernorts, oder eben die spezielle Klostererziehung Made in WTG.

Der Punkt der dabei aber besonders ins Auge springt, ist wohl der, das andernorts - vielleicht - eine größeres Maß an Freiheit besteht, lebensfremden Lebensentwürfen aus dem Wege zu gehen. Bei der WTG hingegen hat man eher den Eindruck, in eine Rolle „hineingepeitscht" zu werden, die einer gesunden Entwicklung mit Sicherheit nicht dienlich ist!
Weiteres zum Thema Sport

von Drahbeck - am 14.08.2013 23:56

Zucht

Vor fünfzig Jahren
„Erziehe deine Kinder nach göttlichen Grundsätzen", so der Titel eines etwa 3,25 Seiten umfassenden Artikels in der Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 8. 1963.
Und innerhalb dieses Artikels dann zwei Zwischenüberschriften. Die eine aus nur einem einzigen Wort bestehend:
Zitat

Zucht

Und die zweite
Zitat

„Sie in der „Zucht und Ermahnung des Herrn" aufziehen."

Und jene beiden Abschnitte in diesem Artikel nehmen etwa den Umfang von 1,5 Druckseiten wahr. Also sind wohl kaum als unterrepräsentiert zu bezeichnen.
Zwar wird in jenem Artikel nicht wörtlich der körperlichen Zucht das Wort geredet. Das ist als Ausnahme von der Regel (der damaligen WTG-Zeit) so nicht nachweisbar. Aber das genannte umfängliche lamentieren über den Begriff „Zucht" lässt kaum Zweifel zu, wie sie denn bei den Adressaten „angekommen" sein dürfte.
Zumindest bei den Fällen, die es auch bei den Zeugen Jehovas gibt, wo man in objektiver Wertung von einer Überforderung der Involvierten sprechen kann.
Vielerlei Beispiele aus der Praxis belegen dies.
Stellvertretend auch für andere Beispiele, sei nur auf das Buch:
„Ich war Kind C" verwiesen.
Mysnip.46206

Die „Ausführungsbestimmungen" zu den eher „salbungsvollen" Worten der auch für die Öffentlichkeit bestimmten WTG-Zeitschriften „Wachtturm" und „Erwachet!", gibt es dann nicht selten in der internen WTG-Zeitschrift „Unser Königreichsdienst".
Beispielsweise die:
Zitat

„Königreichsdienst für März 1972
Eure Predigtdienst-Zusammenkünfte
WOCHE VOM 26. MÄRZ
Motto: Kindern und Jugendlichen helfen, aus dem Loskaufsopfer Nutzen zu ziehen.
Kinder dazu erziehen, daß sie ruhig sitzen und zuhören. Die Zuhörer können gebeten werden, sich zu folgenden Gedanken zu äußern: Weshalb besuchen wir die Zusammenkünfte? (Hebr. 10:23-25). Was lernen wir aus 5. Mose 31:12? Eltern werden ermuntert, ihre Kinder zu den Zusammenkünften mitzubringen, selbst wenn sie noch sehr jung sind. Sie sollten mit uns bei den Zusammenkünften sein. Wem fällt die Verantwortung zu, die Kinder dazu zu erziehen, daß sie in den Zusammenkünften ruhig sitzen und zuhören? (Eph. 6:4; Spr. 29:15). Ist der weltliche Standpunkt, im Umgang mit Kindern Nachsicht zu üben, im Einklang mit dem, was in Sprüche 22:15 und Spr 23:13, 14 gesagt wird? (Es ist zu erwarten, daß es einige Schwierigkeiten geben wird, bis Neuen geholfen werden kann, biblische Grundsätze auf die Erziehung und Schulung ihrer Kinder anzuwenden. Kleinkinder mögen Zähne bekommen oder sich sonst nicht wohl fühlen oder dergleichen.) Weshalb bedarf es beständiger Schulung in der Familie? Wieso könnten Kinder verwirrt werden, wenn sie nur in den Zusammenkünften angehalten werden, ruhig zu sitzen, zu Hause aber nicht dahingehend erzogen werden? (Bitte um Anregungen, wie man Kinder zu Hause schulen kann, ruhig zu sitzen. Vielleicht kann die Mutter das Kind fortschreitend dazu anhalten, ruhig zu sitzen, während sie ihr persönliches Studium durchführt usw.) Betrachtet den Grundsatz in Matthäus 5:37, und stellt fest, wie er sich auf die Schulung zu Hause und im Königreichssaal anwenden läßt. Weshalb wäre es besser, Kindern keine Spielsachen zu geben, die Geräusche verursachen, damit sie sich im Königreichssaal mit etwas beschäftigen können? Sollte die Bibliothek oder ein anderer Raum im Königreichssaal als Spielzimmer verwendet werden? Weshalb ist es am besten, bestimmte Formen der Züchtigung nicht im Königreichssaal, sondern im Vorraum oder anderswo vorzunehmen?
Wenn erforderlich, können Diener privat mit Eltern darüber sprechen. ..."


von Drahbeck - am 21.08.2013 23:02

Die Fratze der Totalitaristen

Vor fünfzig Jahren
Etwa fünf Druckseiten umfasst im „Wachtturm" vom 1. 9. 1963 ein „Was ein Gemeinschaftsentzug bedeutet" betitelter Artikel. In der Substanz setzt er die bekannte harte Linie der WTG fort.
Keinerlei Grußerweisung, keine Gespräche führen, keinerlei privaten Kontakt usw.
Deutlich wohl auch der wörtliche Satz:
Zitat

„Der Irrende wird zwar nicht getötet, doch sein Gemeinschaftsentzug wird von allen in der Versammlung respektiert".

Namentlich die WTG-seitig verwandte Vokabel
Zitat

„getötet"
spricht dann wohl Bände, und liegt auf gleiche Wellenlänge wie ähnliche WTG-Ausführungen aus dem Jahre 1953.
"Wachtturm" 15. 1. 1953

Es hat sich zehn Jahre später, somit nicht das geringste „liberalisiert".
Drohend teilt der WT (S. 544f.) weiter mit, sollte im Einzelfall solcherlei Rigorismus nicht so heiß gegessen werden, wie er gekocht wird, droht dem (wörtliche Vokabel)
Zitat

„Rebellen"
ein ähnliches Schicksal, wenn es nach der WTG geht.
Wie die Öffentlichkeit könne er zwar - gegen Bezahlung - wie der WT ausdrücklich betont WTG-Literatur erhalten, jedoch schon mal nicht mehr den „Königreichsdienst" und ähnliche Einschränkungen.
Grunddogma der WTG dabei:
„Die Partei habe immer recht ..."
Zitat

Die Partei sagte, daß Ozeanien sich nie mit Eurasien verbündet hatte. Er, Winston Smith, wußte, daß Ozeanien vor noch nicht einmal vier Jahren mit Eurasien verbündet gewesen war. Aber wo existierte dieses Wissen? Nur in seinem eigenen Bewußtsein, das ohnehin bald ausgelöscht werden würde. Und wenn alle anderen die von der Partei oktroyierte Lüge akzeptierten - wenn alle Berichte gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit. "Wer die Vergangenheit kontrolliert", lautete die Parteiparole "kontrolliert die Zukunft, wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." Es war ganz einfach. Es erforderte nichts weiter als eine nicht abreißende Siegesserie über die eigene Erinnerung. "Realitätskontrolle" nannte man das, in Neusprech: "Doppeldenk"


http://www.metacafe.com/watch/7998029/plusintruder/

von Drahbeck - am 31.08.2013 22:11

Nicarugua

Vor fünfzig Jahren
„Neues Zweigbüro in Nicarugua titelt „Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 8. 9. 1963.
Keinerlei Maschinen seien zu dessen Herstellung verwendet worden, alles reine (Steinzeit)-Arbeitsmethode, für die beteiligten 25 Arbeiter.
Die Baugrube von Hand ausgehoben, notwendige Löcher per Hand gebohrt, Beton ohne Maschinen hergestellt.
Dieser archaischen Arbeitsweise rühmt sich also zu allem Überfluss noch die WTG.
Lediglich nach Bauabschluss sei man für das Glattschleifen von Terrazoböden, um die Verwendung einer entsprechenden Maschine doch nicht herumgekommen.
Zehn Hauptamtliche könnten in jenem Gebäude untergebracht werden.
In Nicarugua gäbe es zu diesem Zeitpunkt 524 Zeugen Jehovas. Und sämtliche finanziellen Kosten wurden von diesen, für diesen Bau aufgebracht. Aus den USA indes floß nicht ein Dollar dafür.
Und auch „Erwachet!" muss einräumen:
„Die Nicaraguer sind in der Regel keine reichen Leute".
Also selbst von diesen Armen preßte die WTG die Kosten jenes Bauvorhabens heraus!

von Drahbeck - am 07.09.2013 22:04

Harold King

Vor fünfzig Jahren
In der „Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 9. 1963 begegnet man einem sechsseitigen Artikel über den Fall Harold King.
Auch noch zusätzlich, in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 9. 1963 ein ebenfalls sechsseitiger Artikel.
Schon dieser große Artikelumfang macht deutlich, dass die WTG sich die Chance zu entsprechender propagandistischer Vermarktung, nicht entgehen liess.
Unter der Überschrift
„WT-Botschaft für verantwortungsbewußte Menschen unannehmbar
Geständnis des WT-Missionars Harold King"
kam auch die CV Nr. 9 vom Mai 1967 auf die Freilassung aus chinesischer Haft des WTG Missionars zu sprechen.
Letztere kommentierte:
Zitat

„Hongkong, 27. Mai 1963 upi:
"Der 52jährige britische Missionar Harold George King ist am Sonntag nach fast fünfjähriger Haft in chinesischen Gefängnissen in Hongkong eingetroffen. King, der Mitglied der Zeugen Jehovas ist, war wegen Spionage und konterrevolutionärer Aktivitäten verurteilt worden. In einer Pressekonferenz in Hongkong weigerte er sich, auf die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen einzugehen. "Ich fühle mich in jeder Beziehung gut", erklärte der grauhaarige Missionar. Die Behandlung in den chinesischen Gefängnissen bezeichnete er als "ausgezeichnet"'. "Falls irgendjemand sagt, die Chinesen hätten mich hart behandelt, so ist das eine Lüge", sagte King, er habe keine Haßgefühle gegen die Kommunisten und gegen irgend jemand anderen.
-
Zitat

Soweit eine upi-Meldung aus der britische Kolonie Hongkong über Br. Harold King der in China, als Gileadmissionar eingesetzt war."

Dazu der Detailkommentar der CV:
Zitat

„Zuvor eine Zwischenbemerkung. Keine Haßgefühle? Das klingt, als verbreite die WTG niemals Haßgefühle gegen die Kommunisten. Vielleicht hat Br. King sie nicht mehr. Das mag nun sein. Es muß aber entgegengehalten werden daß z. B. mit dem WT-Buch WAS' HAT DIE RELIGION DER MENSCHHEIT GEBRACHT?, in dem Kommunisten als "rote Faschisten" verleumdet werden (S., 10), sehr wohl in den Heimstudien antikommunistische Haßgefühle ausgelöst werden.

Br. King hatte sich geweigert in Hongkong vor der Presse auf die Anklagen gegen ihn einzugehen. Er war zuvor von den WTG-Vertretern empfangen worden. Erst nach einem, Vierteljahr, gab die WTG einen Bericht von ihm frei. Darin lesen wir ein erstaunliches Geständnis von Br. King. Er schreibt.

Zitat

"Im Gefängnis begannen die Verhöre … ich wußte, was ich während meines Aufenthaltes in Schanghai getan hatte. Doch ich hatte das nicht mit dem Beweggrund, den mir die Regierung unterschob, gesagt und getan. Wir lehrten die Menschen z. B. aus der Bibel, daß Satan der Gott dieser Welt sei, und daß diese böse Welt in der Schlacht von Harmagedon vernichtet werde. Es wäre jedoch absurd von uns gewesen, hätten wir die Behauptung bejaht, daß dies eine umstürzlerisch Tätigkeit gegen den Staat sei. Die Behörden wünschten jedoch, daß wir das sagen sollten … Die Polizei schien jedoch zufrieden zu sein, als ich dann sagte, das Ergebnis, daß sie sich vorgestellt haben,
k ö n n t e v i e l l e i c h t erwartet werden, w e n n die gesamte Bevölkerung die Botschaft, die wir predigen, annähme, das jedoch offensichtlich nicht vorkommen, kann." (WT 15. Sept. 1963, S. 566/67)

Weiter im CV-Kommentar
Zitat

Das heißt, wenn alle Menschen die WT-Botschaft annehmen, kommt es zu einem politischen Umsturz! Br. King gibt also zu, daß die WT-Verkündigung politisch umstürzlerisch wirkt, wenn sie allgemein angenommen wird. Ist das nicht erstaunlich? Darüber muß man nachdenken.

Was würde praktisch passieren, wenn alle die WT-Botschaft annehmen? Niemand würde dann mehr gesellschaftspolitische oder staatliche Verantwortung übernehmen, keiner würde mehr irgend jemanden in staatliche Regierungsämter wählen oder berufen, da ein WT-Höriger das alles ablehnen muß. Das würde tatsächlich den Zusammenbruch jeder staatlichen Ordnung zur Folge haben! Um noch einmal mit Br. King zu sprechen:
Zitat

Ein Umsturz könnte erwartet werden, wenn die gesamte Bevölkern die WT-Botschaft annimmt.

Zitat

Wollen die Verkündiger aber einen politischen Umsturz durch die Verkündigung? Nein. Denn die Schrift sagt: "Seid aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen untertan!" (l. Petr. 2:13) Wollen sie aber alle Menschen zur Annahme der WT-Botschaft bringen? Ja, soweit es an ihnen liegt. Ändert aber der Umstand, daß die Verkündiger keinen Umsturz wollen, etwas daran, daß die WT-Botschaft zum Umsturz führt, wenn sie allgemein angenommen, wird? Nein. Denn entscheidend für die gesellschaftliche Bedeutung der WT-Botschaft ist nicht, was die Verkündiger wollen, sondern was praktisch dabei herauskommt, wenn sie allgemein angenommen wird. Br. King mußte das erkennen. Die Regierung hat ihm da keinen Beweggrund unterschoben. Der Apostel Paulus sagte zu Timotheus: "Suche dir den Sinn meiner Worte klar zu machen" (2. Tim. 2:7 Me). Ist die WTG mehr als Paulus? Verallgemeinert hat ihre Botschaft umstürzlerische Wirkung, dieser praktische Sinn ist nicht zu leugnen. Man muß immer die Theorie an der Praxis überprüfen, wenn man sicher gehen will.

Zitat

"Mögen die politischen Herrscher Großbritanniens, Amerikas, des kommmunistischen Rußlands und anderer mächtiger Nationen Notiz nehmen",
Zitat

tritt die WTG herausfordernd an die staatlichen Regierungen heran (WT 1. Mai 1959, S. 261). Und dann wundert man sich. Aber die Regierungen können die WT-Botschaft doch gar nicht annehmen. Sie müßten doch dann sämtliche staatlichen Regierungsfunktionen niederlegen, denn jedes "Politik treiben" macht doch angeblich zum "Feinde Gottes"! (WT 1. Jan. 1967, S. 5). Andererseits ergeben sich die Regierungsfunktionen doch aber zwangsläufig aus den natürlichen, von Gott mit der Schöpfung des Menschen begründeten sozialen menschlichen Interessen! Mit anderen Worten: Die von Gott begründeten sozialen Lebensinteressen des Menschen sind die Ursache jeder Politik oder staatlichen Regierung. Diese sozialen Interessen nicht mehr wahrzunehmen, hieße, der Anarchie und Gesetzlosigkeit freien Lauf lassen. Die WT-Botschaft steht also in politischer Hinsicht in Widerspruch zu den von Gott beim Schöpfungsakt in den Menschen hineingelegten sozialen Bedürfnissen.

Kann die WT-Botschaft darum eine von Gott ausgehende, für alle Menschen annehmbare Botschaft sein? Nein, denn sie schließt ihre Annahme bei jedem verantwortungsbewußten Menschen aus. Hier stimmt also etwas grundsätzlich mit der WT-Botschaft nicht! Denn sie müßte, ob man sie nun annehmen will oder nicht, auf jeden Fall
f ü r a l l e M e n s c h e n praktisch annehmbar sein. Das ist sie aber nicht, weil sie, allgemein angenommen, einen politischen Umsturz oder Zusammenbruch zur Folge hätte, wie Br. King zugeben mußte.

Die Frage ist, was stimmt hier mit der WT-Botschaft grundsätzlich nicht?

Ein Bruder meinte, die Feststellung der allgemeinen Unannehmbarkeit der WT-Botschaft zu widerlegen und erklärte: "Die Zeugen Jehovas haben die WT-Botschaft doch angenommen, also können das alle anderen Menschen auch!" - Wirklich?

Soweit jener CV-Kommentar, bei dem man nicht fehlt geht in der Einschätzung, der Kommentator hörte auf den Namen Dieter Pape.
In der 1963er-Jahrgangsdatei wird auch auf den Fall Harold King mit eingegangen. Dort unter der Zwischenüberschrift „China und Estland".

von Drahbeck - am 14.09.2013 23:51

Australien und Bluttransfusion

Vor fünfzig Jahren
„Gehört den Kind dem Staat?" fragt ein tendenziöser achtseitiger Artikel in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 9. 1963. Eher als „Beiwerk" wird als abschreckende Beispiele auf die Fälle Hitlerdeutschland und das kommunistische Rotchina, in einer bestimmten Phase seiner Geschichte verwiesen.
Diese abschreckenden Beispiele staatlicher Willkür sind keinesfalls das eigentliche Kernanliegen, welches jener Artikel rüberbringen will.
Auch wenn es der Artikel so nicht ausspricht, es geht der WTG um den gleichen Grad von Totalitarismus, den sie den genannten politischen Beispielen vorwirft.
Der wesentliche Unterschied ist allerdings der, wer denn der faktische Nutznießer solcher totalitären Strukturen sei. Genannten politischen Beispielen mißgönnt die WTG es, Nutznießer zu sein. Sie möchte es hingegen selber sein, auch wenn jener Artikel das nicht in dieser Deutlichkeit ausspricht.
Die WTG hält es auch für notwendig zu erwähnen, jener Artikel sei von einem Juristen verfasst. Dessen Name allerdings nennt sie nicht. Aber sicherlich vermag sich jener Herr auch in der Kunst des Weißwaschens Blutbefleckter Wäsche, in seiner eigenen Sicht, „wirkungsvoll" zu produzieren.
Worum es diesem „Weißwäscher" in der Hauptsache geht wurde schon mal mit der symbolischen Vokabel „blutbefleckter Wäsche" angedeutet. Es geht um das Thema Blut.
Weinerlich belehrt jener Herr:
Zitat

„Sieben Staaten des Australischen Bundes haben innerhalb ganz kurzer Zeit Gesetze erlassen, um den Ärzten zu ermöglichen, bei Kindern von Zeugen Jehovas gegen den Willen der Eltern Bluttransfusionen vornehmen zu können. Nur Bluttransfusionen können ohne Gerichtsverfahren und ohne Einwilligung der Eltern vorgenommen werden."

Es ist wohl keineswegs so, das eine solche Gesetzeslage „nur" in Australien so bestehen würde. Auch andernorts wird durchaus unterschiedlich gewertet zwischen den Fällen Minderjähriger Kinder und voll Geschäftsfähigen Erwachsenen, sollte das Thema Bluttransfusion auf die Tagesordnung gelangen.
Die emotionalisierte WTG-Darstellung, die da besonders Australien angreift, trifft keineswegs den Kern.
Das Gewäsch der WTG ist wieder mal gewogen und als zu leicht befunden!

von Drahbeck - am 22.09.2013 03:21
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