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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 4 Jahren, 4 Monaten
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Drahbeck, prozessor

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Startbeitrag von Drahbeck am 20.07.2013 03:33

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http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,144564,144564#msg-144564


„Religiöse Sozialisten"
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Gleich zwei Artikel ist dem „Goldenen Zeitalter" in der Ausgabe vom 1. 7. 1928, das Thema des sogenannt „religiösen Sozialismus" wert.
Grundsätzlich wäre dazu festzustellen, dass dieselbe Thematik - zeitgenössisch - auch andernorts einige Druckspalten füllte. Das Thema bewegte, und sei es nur in der Form des „schlechten Gewissens".

Es ist aber auch ausdrücklich festzustellen. In Organisatorischer Form, kam der sogenannt „religiöse Sozialismus" weder in Deutschland, noch in der Schweiz, auf „einen grünen Zweig".

In Deutschland wirkte nachhaltig die Dominanz des Deutschnationalismus, dessen Speerspitze der Nazismus wurde. Waren auch nicht alle Pfarrer „Nazis" im engeren Sinne, so gab es dabei aber auch Abstufungen. Vor 1933 war der Nazismus nur eine von mehreren Spielarten desgleichen Milieus. Da gab es auch „Deutschnationale" Parteien. Unterstellt man, dass eine formale Mitgliedschaft nicht immer das ausschlaggebende ist, sondern eben auch „Sympathie" ohne formale Mitgliedschaft, kann man desweiteren unterstellen. Wesentliche Teile der deutschen Pfarrerschaft waren Sympathisanten der Deutschnationalen.
Stellvertretend sei nur auf das Buch des auch später noch in die Schlagzeilen geratenen Pfarrers Martin Niemöller hingewiesen: „Vom U-Boot zur Kanzel".

Auch in der Schweiz kamen die religiösen Sozialisten, auf „keinen grünen Zweig". Dort aber aus dem Grunde, dieweil die Schweiz schon seit jeher, stark bürgerlich dominiert ist. Wer dort nicht das „Lied der Bürgerlichen singt", hat eher einen schweren Stand.

Von ihrer sozialen Interessenlage war die (damalige) Hauptklientel der Bibelforscher, durchaus dem religiösen Sozialismus zugetan. Wiederum mit der Einschränkung. Nicht in der organisierten Form. Der „religiöse Sozialismus" der organisierten Form, verstand sich ja im besonderen als Widerpart zum Freidenkertum. Beide verfolgten in sozialer Beziehung, etwa ähnliche Ziele. Der Trennpunkt war eindeutig die Atheismusfrage. Die Freidenker huldigten ihm weitgehend. Genau in diesem Punkt mochten die „religiösen Sozialisten" nicht mitziehen, und legten deshalb entsprechenden Wert auf eine klare Trennlinie.

Auch in den Bibelforscher-Statements zum Thema, kommt dieser Aspekt zum Tragen. Was die beiden Artikel zum Thema in der GZ-Ausgabe vom 1. 7. 1928 betrifft, so erschien einer davon offenbar nur in der Schweizer Ausgabe. Inhaltlich macht jedoch auch er deutlich. Er entstammt deutschen Gefilden. Dieser Artikel sei denn erst mal zuerst vorgestellt. Unter der Überschrift „Quo vadis ecclesia?" liest man:
Zitat

„Unter dieser Überschrift bringt im Jenauer Volksblatt vom 3. 1. 28 der eifrige Vorkämpfer für religiösen Sozialismus Professor Dr. Hans Müller einen Artikel, der die Ursachen der riesenhaften Kirchenaustritte der letzten Jahre in das richtige Licht rückt, indem er sie in dem völligen Versagen der Kirchen und in ihrer Verbindung mit dem Gelde sieht. Der Artikel stellt eine direkte Bestätigung alles dessen dar, was Richter Rutherford in seiner neuesten Broschüre „Freiheit für die Völker" sagt. Wir zitieren einige der interessantesten Sätze Dr. Müllers, die eben dadurch besonders objektiv wirken, weil Professor Müller selbst Mitglied des Landeskirchentages ist.

Nachdem er die Feststellung macht, daß unter den bestehenden Verhältnissen die völlige Auflösung der Landeskirchen nur noch eine Frage der Zeit ist, geht er auf die Ursachen hierfür ein und sagt:

Zitat

„Liegen wirklich die Dinge in unserem Volke so, daß es heute der christlichen Religion und deshalb auch einer das religiöse Bewußtsein wachrufenden und entwickelnden kirchlichen Gemeinschaft entbehren könnte? Hat der Christenglaube seine Rolle in der Geschichte des deutschen Volkes ausgespielt?

Wer das tiefe Sehnen unseres Volkes nach Religion, das sich nicht selten sogar hinter der Religionsfeindschaft freidenkerischer Kreise verbirgt, belauscht hat, wird die obigen Fragen nicht bejahen können, vielmehr der Ansicht sein, daß uns nichts so nottut, als ein unsere Volksseele ergreifender und begreifender tiefer Gottesglaube. Ein Hungern und Dürsten nach Gott verzehrt innerlich Hunderttausende, und sie würden in die Kirchen strömen, wenn ihnen dort geboten würde, wonach ihre Seele Verlangen trägt, wenn sie dort Antworten und Lösungen auf die Fragen erhielten, mit denen ihr Geist und Herz ringen. Es ist ein Fluch, der auf den meisten Dienern unserer Kirche liegt, daß sie diese Fragen nicht zu beantworten wissen, ja sie nicht einmal hören und verstehen. Was sie von der Kanzel predigen, berührt diese Fragen, wenn überhaupt, so von ferne, so zaghaft, so unsicher und schwachherzig, daß sie bei denen, die nach dem Worte Gottes verlangen, kein Vertrauen dazu aufkommt, daß sie sich enttäuscht abwenden. Es ist leider eine, wenn auch furchtbar bittere Wahrheit, die Konsistorialrat Dr. Alfred Fischer aus Berlin hier in Jena in einem letzten Sommer gehaltenen Vortrag aussprach, als er sagte, es gäbe viele Menschen, die ihren Glauben durch ihre Geistlichen verloren hätten!

Was ist es, das heute unser Volk in seiner Tiefe bewegt? Wonach fragt es, worauf will es von der Kirche eine Antwort?
Es will von ihr wissen, ob die herrschende gesellschaftliche Ordnung, unter der es so furchtbar leidet, die ihm so viele Schmerzen bereitet, die eine so große Unsicherheit und Dürftigkeit seiner Existenz verursacht, so viele Volksgenossen der gräßlichsten Not überliefert und verzweifeln läßt, zu Recht besteht, ob sie die von Gott heute noch gewollte Ordnung ist, oder ob das Volk recht hat, wenn es aus dieser Ordnung herausstrebt, wenn sie in seinem sittlichen Bewußtsein erschüttert ist und in seinen Augen ihre Existenzberechtigung verloren hat. Um diese Frage nach der Daseinsberechtigung und des in ihr herrschenden Wirtschaftsystems dreht sich alles Sinnen und Denken des Volkes, hierauf will es eine Antwort, will wissen, warum diese Ordnung da ist, ob sie sich mit dem Evangelium vereinbaren läßt; wenn nicht, was dann die Kirche dem Volke zu raten hat, ob und auf welche Weise es zu einer anderen Ordnung kommen kann.

Wo ist heute in unserer Landeskirche der Geistliche, der es wagen würde, diese Frage, deren Beantwortung das Volk mit Recht von der Kirche verlangt, energisch und sachkundig anzupacken, darauf eine Antwort zu geben, die Hörner und Zähne hat?

Mit Mitleid, mit Wohltätigkeit, mit geistlichem Zuspruch und frommen Tröstungen ist dem Volke in seiner heutigen Lage wahrlich nicht gedient. Es fühlt gleichsam instinktiv, daß die Stunde der Umgestaltung seiner Gesellschaftsordnung herangekommen ist, es verlangt jetzt nicht salbungsvolle Worte, sondern das Wort, das rettende Tat ist, von seiner Kirche, das Wort, wodurch sie ihm allein beweisen kann, daß sie im Besitze von Heilswahrheiten ist, welche es bei den Parteien, den Staatsmännern, den Gelehrten vergebens gesucht hat.

Und die Kirche, was tut sie, wie verhält sie sich in bezug auf diesem dem Volk auf der Seele brennende Frage? Sie weiß wohl um sie, sie besitzt auch die erlösende und befreiende Antwort darauf im Evangelium, aber aus Menschenfurcht und Menschenschwächlichkeit wagt sie diese Antwort nicht auszusprechen, wagt nicht zu erklären, daß in der Anwendung des evangelischen Gemeinschaftsgedankens auf Gesellschaft und Wirtschaft die allein mögliche und erfolgversprechende Lösung enthalten ist.

Hier liegt die große Schuld und Unterlassungssünde der Kirche, hier die Ursache der Entfremdung zwischen ihr und der großen Masse des arbeitenden Volkes, der Grund ihrer heutigen Isolierung und Einflußlosigkeit auf das Volksleben und die soziale Bewegung.

Wie soll das Volk zu einer Kirche Vertrauen fassen und ihrer Wortverkündigung Glauben Schenken, wenn es an ihr den Mut vermißt, aus ihrer eigenen Lehre, die im Interesse des Volkes liegenden Schlußfolgerungen zu ziehen?

Muß da nicht die Meinung aufkommen, die Kirche stehe im Solde der Reichen, einer Klasse, die an dem Fortbestand des heutigen Wirtschaftssystems interessiert ist, in welchem dem arbeitenden Volk nur soweit und insofern ein Daseinsrecht zuerkannt ist, als es durch seine Arbeit den Reichtum der Reichen vermehrt, aber existenzlos wird, wenn dieser Zweck nicht erreicht wird?"

Zitat

Die Zeichen mehren sich auch der vorstehende Artikel ist ein weiterer Beweis für das, was das „Goldene Zeitalter" immer wieder betont: Religion kann nur segensreich sein, wenn sie unbeeinflußt von Geld und Politik ihre Stimme erhebt für die Bedrängten und Unterdrückten. Das G. Z. wird fortfahren dies zu tun. Was der Kirchen Mangel ist, ist unser Reichtum. Reich sein an Gelegenheiten für Recht und Wahrheit, für Gott und sein Königreich einzutreten, ist der schönste Reichtum, den irgend jemand besitzen könnte."

Und dann noch der zweite thematische Artikel aus dieser GZ-Ausgabe. Selbiger hat den Titel:
„Sozialismus und Jesus".
In ihm wird ausgeführt:
Zitat

„Im sozialistischen Parteiblatt Sönderborgs Dänemark, werden in einem Artikel „Diskussion über Jesus" Gedanken zum Ausdruck gebracht, wie sie in dänischen Sozialistenkreisen vertreten werden. Wenn wir auch nicht alles wörtlich unterschreiben, was dieser Artikel zum Ausdruck bringt, so muß doch vorbehaltlos anerkannt werden, daß man sich dort ernstlich auf dem Wege befindet, den einen Fehler gutzumachen, den zweifellos die Sozialisten Deutschlands machten, wenn sie im Kampfe die Grenze zwischen Mißbrauch der Religion und wahrer Religion nicht fanden. Es kann zweifellos nirgendwo ein wahrhaft sozialer Geist zum Ausdruck kommen, als in der Bibel, und mit der kategorischen Ablehnung der Bibel und der Lehren Jesus' ist wirklich der Sache der Armen schlecht gedient. Die dänischen Sozialisten sind in dieser Beziehung zweifellos ihren deutschen Kollegen ein gutes Stück voraus. Wir lassen nun den Wortlaut des Artikels, sinngemäß ins Deutsche übersetzt, folgen:

Zitat

„Neulich war an dieser Stelle etwas über den „Sozialisten Jesus" geschrieben von Herrn Broby Johansen - zu lesen.

Etwas besonders Neues war dort nicht gesagt, und die angeführten Gesichtspunkte waren weit entfernt von einer sachlichen Behandlung dieses Themas. Aber der Bericht könnte trotzdem Veranlassung geben, über einige Gedanken, Jesus betreffend, zu diskutieren.

Zunächst einmal die Frage: Hat Jesus überhaupt gelebt, oder ist er nur eine Sagenfigur, geschaffen von der sozialen Bewegung der niederen Volksklassen damaliger Zeit?

Vom marxistischen Gesichtspunkt aus ist das Entstehen des Christentums schlechtweg die geistige und ideenmäßige Seite des damaligen sozialen Freiheitskampfes. Dazu ist zu sagen, daß auch Marxisten, wenn sie auch sonst ganz ausgezeichnete Menschen sein mögen, sich irren können. Es geht ja oft so im Menschenleben, daß, wenn man aus einen Graben herausfahren will, man hinüber in den anderen springt. Und da die marxistische Geschichtsauffassung dazu helfen sollte, uns ein besseres Verständnis für die eigentlichen treibenden Kräfte in der Geschichte - in ihrer Beziehung zu den wirtschaftlichen Kräften und Verhältnissen - zu geben, ist zu bedenken, daß die Menschen damals wohl geradeso einseitig waren, wie sie es immer gewesen sind. Darum sollte man nicht den Fehler machen, zuviel Gewicht auf die wirtschaftliche und soziale Seite der Frage zu legen und dabei den Einfluß der geistigen und persönlichen Kräfte zu unterschätzen und zu vergessen.

Auf jeden Fall ist es in der Regel so, daß große geschichtliche Bewegungen ihre Kraft in den Gedanken eines einzelnen großen Mannes und dessen geistiger Parole fanden. Der eigenartige Freimachungskampf der Jetztzeit entstand und mußte kommen wegen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, - aber es war Karl Marx, der ihm seine Bedeutung, sein Ziel, seine Seele und sein Wollen gab.

Darüber zu streiten, ob es die sozialen Bewegungen sind, welche ihre großen Männer hervorbringen, oder ob die großen Männer die Bewegungen schaffen, ist geradeso unvernünftig, wie darüber zu streiten, was zuerst bestand: das Ei oder die Henne? Das Ei aber ist natürlich von einer Henne gekommen, und es ist ein endloses Problem, feststellen zu wollen was zuerst war.

So ist es in der Regel auch mit großen Männern und großen Bewegungen. Das eine ist nicht ohne das andere denkbar; man kann auch nicht sagen, das eine hat das andere geboren. Man kann sagen, das eine benötigt das andere, aber sicher ist es richtig zu sagen, daß sich beide gegenseitig geschaffen haben.

Die Gesichtspunkte, Gedanken und Theorien großer Männer sind für die Bewegungen ungefähr dasselbe, was die Befruchtung für das Ei ist: das Lebenweckende und Formende, das heißt das, was nötig ist, um neues Leben und neue Formen den vorhandenen Möglichkeiten gemäß zu schaffen.

Angesichts der Ausbreitung, welche das Christentum fand, ist aller Grund zu der Annahme vorhanden, daß hinter der Entwicklung der Bewegung eine mächtige Persönlichkeit stand und steht, deren Geist der Bewegung Leben gab und deren Gedanken die Kraft der Bewegung wurden.

Selbst wenn wir keinerlei Kenntnis des Inhalts der Neutestamentlichen Schriften hätten, müßte uns doch die Kraft der christlichen Lebensbewegung Grund zu der Annahme geben, daß eine so machtvolle Persönlichkeit wie Jesus wirklich gelebt hat.

Jesus war wirklich eine machtvolle Persönlichkeit Schon der Umstand, daß wir heute noch - 1900 Jahre nach seinem Tode - über ihn und seine Gedanken diskutieren, ist genügend Beweis dafür.

Ohne etwas Herabsetzendes über große Persönlichkeiten der Gegenwart sagen zu wollen, ist doch sicherlich kein Grund vorhanden anzunehmen, daß man ihre Gedanken und Lehren noch nach 1000 Jahren diskutieren wird.

Mit Jesus aber kann man niemals fertig werden. Man behandelt ihn historisch-kritisch, marxistisch, theologisch und sucht ihn auf verschiedene andere Weise einzuordnen an seinen bestimmten historischen Platz und für eine bestimmte Mission - und so kommt es denn, daß sein Name in der Jetztzeit immer wieder auftaucht und trotz all unserer Vielgeschäftigkeit, trotz unseres Interesses für Politik und Boxkämpfe erfaßt er unser Gewissen, so daß wir nicht aufhören können, uns mit ihm zu beschäftigen, von ihm zu lesen, zu schreiben, ihn zu lieben oder ihn zu hassen. -
Warum?
Weswegen können wir es nicht unterlassen über Jesus zu diskutieren?

Einfach deshalb, weil er eine Botschaft hatte, durchdachte Gedanken, geistdurchlebte Worte, und weil er ein Leben lebte, welches an das Gewissen aller Menschen appellierte.

Jesus kann nicht in eine bestimmte Epoche eingereiht werden. Selbstverständlich war er in vielen Sachen ein Mann seiner Zeit, sprach heraus aus deren Voraussetzungen und teilte in gewissem Maße deren Gesichtspunkte. Er predigte nicht mittels Radio, sondern setzte sich - wie es damals Sitte war - auf einen Stein und machte seinem Herzen in reichen Gedanken Luft, und zwar in einer Sprache, welche die Menschen damals verstehen konnten. Mit Recht kann man sagen, er war bedungen von seiner Umgebung und seine Parole war bedungen von dieser. „Die Erfüllung der Zeit" war ja nicht bloß etwas Religiöses, sondern auch im hohen Grade etwas Soziales und Politisches. Aber er gab etwas, brachte eine Botschaft, welche weit über seine Umgebung und ihre Bedingungen hinausragte. Auch wirkte er stets anspornend auf die Gemüter der Menschen.

Er hatte ein klares soziales Programm und Ziel. Er wollte eine neue Welt, in welcher der Gott der Liebe und Gerechtigkeit König sein - und wo Friede und Brüderlichkeit herrschen sollte.

Die Verhältnisse der damaligen Zeit waren nicht so, daß er als Reichstags-Kandidat aufgestellt werden - oder sozialdemokratische Zeitungen usw. Zur Propaganda für seine Sache herausgeben konnte. Opposition wurde bekanntlich - wie auch heute im russischen Reich nicht - auch im damaligen römischen Reiche nicht geduldet. Es war deswegen ganz natürlich, daß Jesus seine Blicke nach innen wandte und an die persönlichen Voraussetzungen dachte, welche nun gefordert werden mußten, wenn das Reich der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit Wirklichkeit werden sollte. Es ist ganz sicher, daß wir Menschen im hohen Grade beeinflußt, gebildet und bestimmt werden von unserer Umgebung und den Verhältnissen, in denen wir leben. Es ist aber auch ganz sicher, daß wir uns selbst erziehen - selbst auf uns einwirken und unsere Umgebung formen können. Wenn wir dies nicht könnten, so wäre keine Veranlassung da für irgendwelche politische Agitation, auch nicht im sozialistischen Sinne. Denn auch die Agitation zielt darauf hin, die einzelnen Individuen aufzurütteln, damit sie ihre Verantwortung erkennen und zu einem Stück Arbeit am eigenen wie am Freiheitskampf der ganzen Klasse veranlaßt werden.

Wenn wir Menschen schlechtweg ein Produkt unserer Umgebung sind, werden die einfachsten Ärgernisse zum Urheber ungewollter Streitigkeiten. Man kann ja in solchen Fällen nichts dazu tun, daß man sich so gebärdet wie man ist, und es ist geradeso gesinnungslos sich über solch einen Zwischenfall zu ärgern, wie man sich über den Stein ärgern wollte, an welchem sich unser Fuß stößt, wenn wir den Fuß nicht hoch genug gehoben haben. Wenn wir uns mit Recht erzürnen über jemand, welcher unbrüderlich und ungerecht auftritt, ist es besonders deswegen, weil uns unser gesunder Verstand sagt, daß ein jeder Mensch eine persönliche, moralische Verantwortlichkeit für gutes Benehmen und rechte Handlungsweise hat.

Wir können uns willen- und gedankenlos von den Einflüssen treiben lassen, welche von unserer Umgebung und unseren Verhältnissen ausgehen, wir können auch mit zusammengebissenen Zähnen und klarer Überlegung und dagegen auflehnen und anstatt uns von umgünstiger Umgebung beeinflussen zu lassen, diese umbilden und dirigieren.
Es dürfte eine ewigwährende Wahrheit auch für die Formen der Gesellschaft sein, was der Quäker William Penn über Staatsverfassungen sagt. Mit Staatsverfassungen ist es geradeso, wie es mit Musikinstrumenten ist, das Resultat hängt davon ab, wer darauf spielt. Gute Menschen verbessern die schlechten Verfassungen und schlechte Menschen zerstören selbst die besten Staatsverfassungen.

Die persönlichen Eigenschaften der Menschen sind von außerordentlicher Wichtigkeit für die Bildung neuer Gemeinschaftsformen. Und hier liegt der Kernpunkt. Jesus hat eine große Losung hervorgebracht. Er glaubte und verkündigte - und setzte sein Leben ein für diesen seinen Glauben und diese Verkündigung - daß die neue Gemeinschaft, die Verwirklichung des Reiches Gottes vor allen Dingen erst mit einer Erneuerung, einer Sinnesumbildung des Menschen einsetzen müsse, indem sich die Gedanken und die Gesinnung des Menschen auf das Neue, das werden soll, einstellen müsse, und zwar so positiv, daß dieses auf eine gewisse Art und Weise gewissermaßen zwangsläufig hervorsprießen müßte. Wenn wir das Reich der Gerechtigkeit wollen, so sollten wir auch selbst lernen gerecht zu handeln, selbst wenn auch andere an uns ungerecht handeln. Wenn wir das Reich der Brüderlichkeit wünschen, sollten wir auch zunächst lernen, brüderlich zu handeln und Liebe zu üben, selbst wenn auch andere nicht liebenswürdig gegen uns auftreten. Wenn wir das Reich des Friedens wollen, müssen wir zuvor positiv für Frieden eintreten und friedenstiftend, versöhnend und vergebend wirken, selbst wenn andere unfriedlich gegen uns sind.

Selbst wenn die einzelnen nicht erreichen, die Verwirklichung des Reiches Gottes zu ihren Lebzeiten zu sehen, sollte ihr Entschluß für dieses Ziel zu leben und zu dienen nicht aufhören, denn weil dieses Reich die Absicht Gottes ist, würden ja solche, welche für das Ziel Gottes leben, niemals um ihren Lohn kommen. Ein jeder treue Diener sollte also unter allen Umständen in die Freude seines Herrn eingehen.

Die innere Stärke einer jeden Bewegung beruht auf ihrer Fähigkeit, Hoffnung, Verantwortungsgefühl und Handlungskraft zu erwecken. Die große Losung von Karl Marx war, die Arbeiterklasse auf ihre geschichtliche Mission hinzuweisen, auf ihre Hoffnung und darauf, daß soziale Freimachung nicht Utopie ist, sondern eine Realität, welche innerhalb der Welt des Möglichen liegt.

Damit wurden die schlummernden Kräfte der Arbeiterklassen zur Initiative erweckt. In dieser materialistischen Geschichtsauffassung verkündigte Karl Marx, vielleicht ihm selbst unbewußt, einen fast religiösen Glauben an gewisse Entwicklungskräfte, das heißt an Kräfte, welche - allgemein sich an Natur und Leben anschließend - höhere Gemeinschaftsformen zum Ziele haben.

Jesus sagte dasselbe auf Grund eines bewußten Glaubens daran, daß Gott der Vater, welche die Erde erschaffen hat und sich das Ziel setzte, allein Gott zu sein, alle Gerechtigkeit und Brüderlichkeit will, und daß darum das Reich der Gerechtigkeit kommen und verwirklicht werden müsse. Gott ist der Allmächtige und er wird früher oder später seinen Willen durchsetzen. Man braucht sich nicht darüber zu wundern, daß Jesus aus seinen Voraussetzungen heraus mindestens teilweise seine Hoffnungen mit den herrschenden apokalyptischen Vorstellungen verband, das will sagen, mit den Gedanken über einen kurz bevorstehenden Weltzusammenbruch, wo Gott direkt eingreifen und die Welt von aller Ungerechtigkeit reinigen werde.

Es ist sehr zu verwundern, daß diese Gedanken ihn bei seiner Verkündigung nicht noch viel mehr beherrschten, als sie es taten. In seinen Verkündigungen spricht er in der Regel über das Reich Gottes, wie über ein Senfkorn oder den Sauerteig, dessen Kräfte durch Wachsen und Entwicklung wirken. Die praktischen Anweisungen, die Jesus über die Stellung gab, welche der einzelne einnehmen sollte, um nicht ein Hindernis für, sondern ein Träger des kommenden Reiches Gottes zu sein, sind ewig gültig. Er sagte: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit", und „alles, was ihr wollt, daß die Menschen euch tun sollen, dieses solltet ihr zuerst ihnen tun." Das will sagen: „Ihr, die ihr die Verwirklichung des Reiches Gottes wollt, bittet und arbeitet darum und auch eure Gedanken sollen nur darauf gerichtet sein. Denn ihr seid dazu berufen, sowohl daran teilzuhaben, wie auch den Kern zu bilden, von welchem aus das Reich in alle Welt hinaus wachsen kann.
Dies sind ewige Wahrheiten, welche immer an die Gewissen der Menschen appellieren, mit welchen die gegenwärtigen Freiheitsbewegungen immer im Einklang sein sollten, wenn sie ihre Ziele erreichen wollen. Diese Gedanken sollten den Bewegungen Stärke und innere Tiefe geben, von denen das Leben einer jeden Bewegung abhängt.

Die Kirche hat leider das Christentum verpfuscht, indem sie Jesus Hoffnung zu etwas rein Persönlichem und Himmlischen, etwas, das der „einzelne" erreichen solle, wenn er stirbt, gemacht hat. Man war innerhalb der Kirche oft dazu geneigt, allein die leere Theorie über Jesus' Geburt und Tod zu dem eigentlichen Kern des Evangeliums zu machen, während man Jesus praktische Lebensanweisungen und praktische Reden über das Reich Gottes von sich wies, wie etwas, was nur geringe Bedeutung hätte. Ein gesundes Band der Christenheit und des Sozialismus kann die ewigen Lebenswertere des Christentums hoch halten und diese mit den wahrhaft wissenschaftlichen Gesichtspunkten vereinigen. Auf diesem Wege könnte das Christentum ein mächtiger Faktor auch im gegenwärtigen Freiheitskampfe werden!"

Zitat

In diesem Artikel gibt es mancherlei zu denken und wir würden wünschen, Deutschlands Sozialisten würden, anstatt über die Arbeit der Bibelforscher - die eben in dem hier angedeuteten Sinne an den Menschen arbeiten, um sie für das in der Bibel angekündigte messianische Königreich Gottes vorzubereiten - zu spotten, diese Vorurteilslos in dem Sinne betrachten, ob sie nicht wirklich dem einzig wahren überparteilichem Sozialismus entspricht, den Jesus stiftete, dem Sozialismus, das heißt der Gemeinschaft der Menschen unter der Herrschaft Gottes.

Antworten:

„Rom und das Geld" (und weiteres)

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Offenbar war für das zeitgenössische „Goldene Zeitalter", ein gewisser Dr. Schaefer, Halle, eine „Kapazität", wenn es darum ging, antikatholische Akzente zu setzen. Nun ist dieser Familienname so ausgefallen wohl nicht, so dass man sich wenigstens die Hinzufügung des Vornamens hätte gewünscht, um Genannten etwas besser einschätzen zu können. Diesen Gefallen tut einem das GZ allerdings nicht.

Immerhin ist es auch für GZ-Verhältnisse als ungewöhnlich zu bezeichnen, dass seine Artikel überhaupt namentlich gezeichnet sind.
In der Ausgabe vom 15. 7. 1928 des „Goldenen Zeitalters" begegnet man beispielsweise einem solchen Artikel. Dort verbreitet der Genannte unter der Überschrift „Rom und das Geld" sich wie folgt:
Zitat

„Rom hat sich allezeit als geschäftstüchtig erwiesen. Hinter Scheinheiligkeit verbarg es regsten Geschäftssinn. Wegen Geschäftsschädigung ist der Haß gegen Luther so groß.

Symmachus (500) führte Palliengelder ein. Jeder Bischof muß das ihm verliehene Pallium (Bischofsmantel) bezahlen, ziemlich hoch. Zur Zeit gibt es über 2000 Bischöfe. Gregor I. (600) organisierte den Reliquienhandel, der nach den Kreuzzügen sehr stark ausgeübt wurde. Es waren eine Unmenge von Reliquien nach Europa gebracht worden. Dann erfand er das Fegefeuer, das eine ständige Einnahmequelle wurde. Sie wurde später noch erweitert, (1650) dadurch, daß man für verstorbene Verwandte auch Gebete bestellen konnte. Um 900 wurde der Peterspfennig erhoben. Gregor VII. (1075) brachte dauerndsten Gewinn durch Einführung des Zölibats. In einer Verordnung des Bischofs von Tours heißt es:

Zitat

„Da die Fleischeslust den geistigen Stand vielfältig entehrt, besonders wenn es zum Kinderzeugen kommt, so verordnen wir, daß die Kleriker sich nicht unterstehen, ihren im geistlichen Stand erzeugten Söhnen oder ihren Konkubinen etwas testamentarisch zu vermachen. Solche Vermächtnisse sollen der Kirche des Testators zufallen."

Zitat

Im 13. Jahrhundert kam der Rosenkranz und Scapultiere auf, mit denen die Kirche einen schwunghaften Handel trieb. Bonifazius VIII. (1300) gründete das Jubeljahr, zunächst für 100 Jahre, seine nächsten Nachfolger feierten es schon alle 25 Jahre, da es sich als sehr einträglich erwies. Clemens V, bald nachher, beglückwünschte die Bischöfe mit den Annaten, d. h. sie mußten die Einkünfte des ersten Jahres nach Rom schicken. Die Heilig- und Seligsprechungen kosteten und kosten ein Heidengeld. Dispense aller Art mußten und müssen bar bezahlt werden. Gewaltige Summen werden durch Erbschleicherei erzielt.

Schon Kaiser Gratianus (400) sah sich gezwungen, durch Gesetze der Erbschleicherei Einhalt zu tun. Hieronymus, Sekretär des Bischofs Damasus, schrieb:

Zitat

„Ich bedaure nicht die kaiserlichen Verbote, sondern mehr, daß meine Brüder sie notwendig gemacht haben! Sie halten kinderlosen Greisen und alten Matronen den Nachttopf hin, stets geschäftig um ihr Lager; mit den Händen fangen sie ihren Auswurf auf, und Witwen heiraten nicht mehr, denn Priester dienen ihnen um Geld."

Zitat

Wahre Ströme von Golf flossen aber nach Rom, als die Päpste (1200 - 1517) durch ganz Europa ein Heer von Mönchen „mit Sündenvergebung hausieren" gehen ließen. Der Großindustrielle Johann XXII hatte für alle Sünden bis zum Elternmord, auch für die noch zu begehenden, einen Tarif aufgestellt, mit dem Bemerken, daß Arme solcher Gnaden nicht teilhaftig werden könnten. Tetzel fuhr unter Glockengeläut auf seinem Karren in den Ortschaften ein und zeigte dort ein Hemd vor, welches Maria bei der Geburt Jesus getragen haben sollte. Das rief Luther auf den Plan, und er machte durch das ganze Geschäftsprogramm einen Strich.

Als die Unruhen in Mexiko ausbrachen, klagte man, die Religion sei in Gefahr: das Kirchenvermögen! Der dritte Teil des Landes befand sich im Besitz der Kirche; eine ungeheure Anzahl von Geistlichen wurde auf ein Drittel reduziert, da sie täglich nur eine Messe zu lesen hatten; als Anführer des scheußlichen Eisenbahnattentats wurden drei Geistliche festgenommen, was die Gesandtschaft in Berlin bestätigte. Reiche Kirche, armes Volk, das ist Mexiko.

Katholiken, leset die Schrift: Nie hat Christus solche Geschäfte gemacht.
Dr. Schaefer, Halle."

Auch die Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 8. 1928 offeriert einen weiteren Artikel dieses Dr. Schaefer. In selbigem verbreitet er sich wie folgt:
Zitat

„Der Primat - (Oberpriesteramt des Papstes)
Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwinden", sagte Christus zu Petrus (d. h. Felsenmann) nach dessen Bekenntnis: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn." Weiter sagte Christus: „Und ich will dir des Himmelreiches Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein."
Auf diese Worte zusammen gründet das Papsttum die Lehre vom Primat, es meint, mit diesen Worten sei dem Petrus und dessen Nachfolgern in Rom die „Oberherrschaft" über die Kirche gegeben. Diese Lehre ist falsch! Zunächst hat Christus niemals von einer Kirche gesprochen, sondern das so übersetzte Wort bedeutet Gemeinde; die gesprochenen Worte gelten Petrus allein, nicht aber seinen angeblichen Nachfolgern. Abgesehen davon, daß es höchst zweifelhaft ist, ob Petrus in Rom gewesen ist, war Paulus der erste Bischof (Aufseher) in Rom. Als Erster, zeitlich, nicht aber dem Range nach, hatte Petrus sein Glaubensbekenntnis abgelegt. An eine Priesterherrschaft hat Christus nie gedacht, er hat sie sogar ausdrücklich verboten: „Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch; sondern so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener. Und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht. Gleichwie des Menschen Sohn nicht gekommen ist, daß er sich bedienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele." Diese Stelle wird in den katholischen Kirchen niemals verlesen!

Petrus hat auch niemals einen Vorrang beansprucht. Die Apostel haben ihm einen solchen niemals zuerkannt! So schreibt Petrus im 1. Petrus 5: 1-3: „Die Ältesten unter euch ermahne ich als Mitältester, weidet die Herde, die euch befohlen ist ... Nicht als die übers Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Herde!" Und 1. Korinther 3: 21 - 23 schreibt Paulus: „So rühme sich niemand eines Menschen. Es sei Paulus, Apollos oder Petrus, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes!" Dann Galater 2:6:
„Von denen aber, die das Ansehen hatten [Jakob, Petrus, Johannes] ... daran liegt mir nichts, denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht." Galater 2: 11-14 erteilt er Petrus eine Rüge.

Auch in den ersten sechs Jahrhunderten erkannten die Bischöfe von Karthago und Konstantinopel, als dieses Hauptstadt des Römischen Reiches geworden, den römischen Bischof nicht als Primat an, sogar der Bischof Gregor I von Rom nennt den Anspruch eines Papstes der Gesamtkirche „eine Gotteslästerung, eine Ausgeburt der Eitelkeit, die Erfindung eines Abtrünnigen, den ruchlosen Ausdruck einer Ueberhebung, dem schamlose Aufgeblasenheit zugrunde liege, genährt von einer Schmeichlerbande, ein Aergernis in der Kirche, einen Frevel gegen Gottes Gebot, gegen das Evangelium, gegen die Kirchengesetze, gegen die Kirchenverfassung, gegen die Würde der Bischöfe, eine Beleidigung der Gesamtkirche, deren einziges, universales Haupt Christus sei."
Deutlicher konnte er wohl nicht ablehnen! Jahrhundertelang hatte die Kirche gleichzeitig zwei, ja drei Päpste, die sich gegenseitig der scheußlichsten Verbrechen beschuldigten und verfluchten; auf dem Konzil zu Konstanz wurden drei solcher Päpste abgesetzt und vom Kaiser ein neuer Papst ernannt.

Der Papst nennt sich Stellvertreter Gottes, seit Innozenz III., der die Ohrenbeichte und die Verwandlung diktiert hat. Das ist eine Gotteslästerung, deren sich weder Petrus noch die übrigen Apostel schuldig gemacht haben! Christus braucht keinen Stellvertreter, denn: „Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Matthäus 18:20) Und: „Ich bin bei euch alle Tage." - Matthäus 28:20.

Er läßt sich „Heiliger Vater" nennen seit Gregor VII. (1073 - 1085), der in seinem dictatus papae diktierte, jeder Papst sei heilig. Bis dahin war die Anrede „Herr Papst." Christus aber sagt: „Und soll niemand Vater heißen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist." (Matthäus 23:9) Weder Christus noch Petrus haben sich „Heiliger Vater" nennen lassen. Er trägt eine dreifache Krone, Christus die Dornenkrone. Er wohnt im größten Palaste (!) der Welt, Christus hatte nicht, da er sein Haupt hinlegen konnte, der arme Mann ist der reichste Souverän der Welt (Jesuit Marsolli). Durch die gläubige Menge läßt er sich über deren Köpfe erhaben auf einen Sessel tragen, läßt die Menge vor sich knien, sich bei Empfängen die Pantoffel küssen. Er besitzt einen Hofstaat und eine Leibgarde, verleiht Titel und Orden. War er früher den Konzilien oder Synoden unterstellt, so hat er sich seit dem letzten Konzil (1870) für „unfehlbar" erklärt, damit alle Konzile aufgehoben und sich zum „Diktator" in Religions- und Kirchensachen gemacht. So ist also erfüllt: „Der da ist der Widersachr und überhebt sich über alles, was Gott und Gottesdienst heißt, also daß er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, als sei er Gott!" (2. Thessalonicher 2.4) 1870 verlor er den Kirchenstaat und lebt darum in Feindschaft mit dem Könige, obwohl Christus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt", und: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit ... Wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." So ist die ganze Primatstellung des Papstes widerchristlich!

Vor vierzig Jahren schrieb der hochbetagte, exkommunizierte Professor der Theologie und Domdakan v. Dollinger an seinen Bischoff:

Zitat

„Es ist mir klar und gewiß, daß das ganze Gebäude der päpstlichen Allmacht und Unfehlbarkeit auf Liest und Trag, Zwang und Gewalttat in manigfacher Form beruht, und daß die Bausteine, mit denen dieses Gebäude aufgeführt worden ist, einer durch alle Jahrhunderte seit dem fünften sich erstreckenden Reihe von Fälschungen und Fiktionen und darauf gegründeten Schlüssen und Folgerungen entnommen sind!".
Zitat

Fügen wir noch hinzu: Aufgebaut auf der Beschränktheit der unwissenden Menge und der Täuschung durch die wissende Minderheit!" So wird es stimmen.
Dr. Schaefer, Halle."

Und in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 12. 1928 (Schweizer Ausgabe vom 15. 12. 1928) hat er sich dann den Marienkult als Thema erkoren. Dazu führt er aus:
Zitat

„Er wurde durch Beschluss der Synode zu Ephesus im Jahre 449 eingeführt. Es war das erste „Katholische", „Hinzugefügte", wie es später die tägliche Opferung, das Fegefeuer, die Wandlung, die Ohrenbeichte (1215), der Heiligenkult, der Rosenkranz, die Scapuliere, der Reliquienhandel, die Wallfahrtsorte waren. 416 hatte noch Innozenz I. verboten, etwas hinzuzufügen. Darum hat auch Luther durch all den unchristlichen Aberglauben einen Strich gemacht. Der Marienkult ist auch unbiblisch, denn Christus hat seine Mutter rein menschlich bewertet: „Wer ist meine Mutter?" „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?" Dann widerspricht er dem ersten Gebot. Die Leute konnten damals nicht lesen, dazu war das Lesen der Bibel verboten. Der Bischof Bonomelli von Cremona ... hat vor kurzem Protest erhoben und auf die Gefahr des Ausartens in heidnischen Götzendienst hingewiesen.
Davon ein Beispiel aus letzter Zeit: („Die größte Geheimmacht", Stern-Verlag, Leipzig) [Hervorhebung redaktionell]
Zitat

Gelegentlich der Abstimmung in Oberschlesien haben polnische Geistliche Wallfahrten nach dem römisch-katholischen Czenstochau veranstaltet, um die „Schwarze Mutter Gottes" zu befragen, wofür sie stimmen sollen. Sie antwortete „polnisch"! ...

Nun wurde aber der Marienkultus geschäftlich ausgebeutet. Dazu bediente man sich eines sonderbaren Mittels. 1294 sollten Engel das Haus der Maria in Nazareth nach Loretto getragen haben. Es sieht aus wie andere Häuser in Loretto, über ihm wölbt sich eine große Kirche. Noch heute besuchen Landsleute den Ort und waschen in den Schüsseln, die Jesus benutzt haben soll, ihre Rosenkränze. Der Wallfahrtsort ist unermeßlich reich. Es entstanden nun viele Wallfahrtsorte mit besonderen Gnadenbildern, die gewaltige Einnahmen brachten. Dann „erschien" die Mutter Gottes dem Dominikus (Guzmann), dem Massenmörder, der 300 000 Albigenser 1232 hingemordet hatte. Sie übergab ihm persönlich einen Rosenkranz mit dem Bemerken, dies Gebet sei ihr das Liebste. Der Verkauf des Rosenkranzes brachte ungeheure Summen ein. Dominikus wurde für sein Verdienst - er hatte einmal eine Geschäftsschädigung verhindert, ein andermal tüchtige Geschäfte gemacht - unter die Heiligen versetzt. Auch dem Mönch Simon Stock in England erschien die Mutter Gottes und zeigte ihm ein Scapulier mit den Worten: „Wer mit diesem stirbt, wird das ewige Feuer nicht erleiden."

Dem Johann XXII. erklärte Maria, daß sie die Seelen der Träger dieses Scapuliers am Samstag nach ihrem Hinscheiden persönlich aus dem Fegefeuer holen werde. (Bulle vom 3. März 1322). Pius IX. stiftete das rote Scapulier mit vollkommenen Ablaß. Wie teuer es ist, weiß ich nicht, billig wird es nicht sein. Er stellte auch 1854 das Dogma von der unbefleckten Empfängnis der Maria auf. d. h. daß auch die Mutter der Maria unbefleckt empfangen habe. Insbesondere förderten die Jesuiten den Kult. Von ihnen stammen die marianischen Kongregationen und die Maiandachten. Der Jesuit Lignori schrieb die „Herrlichkeiten der Maria". von denen selbst ein früherer Jesuit sagt, daß ihr Verfasser geisteskrank gewesen sein müsse.

Die Einführung des Kults war eine Liest, das weibliche Geschlecht zu gewinnen. Man hört in den katholischen Kirchen mehr von Maria als von Christus. Die Redner und Schriftsteller betonen auch mehr das Katholische als das Christliche. Daher ist der Katholizismus kulturhemmend und erheblich weniger auf die Moral einwirkend als irgend etwas anderes, denn die Anzahl der Verbrechen ist in den katholischen Ländern erheblich größer als in den protestantischen.

Der Papst hat am 6. 1. 28. dem Protestantismus die Existenzberechtigung abgesprochen. Wir danken für den Aberglauben!
Herr Papst, studieren Sie das Neue Testament:
1. Timotheus 2:5!

Ohne Anspruch darauf, „alle" Beiträge im GZ dieses Dr. Schaefer erfasst zu haben, sei noch auf seine Ausführungen in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 8. 1930 hingewiesen. Dort verbreitete er sich unter der Überschrift „Etwas aus der Geschichte des Papsttums" über das „Blutbad in Perugia unter Pius IX. - 1859".
Dazu wusste er mitzuteilen:
Zitat

„In heller Begeisterung für die Einigung Italiens hatten sich die Italiener um das Banner Viktor Emanuels II. geschart zum Kampf gegen Österreich, darunter auch die Bürger der kleinen päpstlichen Bergstadt Perugia. Der Erzbischof der Stadt, Peel (der spätere Leo XIII.), hatte ihre Fahnen gesegnet. Bald darauf bezeichnete er sie als verruchte Rebellen, verließ in der Nacht vom 14. zum 15. Juni 1959 Perugia und eilte zum Papst Pius IX. Nun erging an den päpstlichen Oberst Schmidt (!) der Befehl, mit einem Bataillon von 3600 Mann an den Perugianern, die 200 Mann unter Waffen hatten, Rache zu üben. Die päpstliche Truppe bestand aus dem Auswurf von Franzosen, Belgiern, Polen und Irländern. Am 20. Juni nahm Schmidt nach kurzem Widerstande von der Stadt Besitz und ließ seine Unmenschen 13 Stunden lang die fürchterlichsten Greuel ausüben. Nach dem amtlichen Bericht wurden 43 Häuser vollständig ausgeplündert und eingeäschert, 120 Menschen hingeschlachtet, darunter 3 Säuglinge, mehrere Kinder. Unter den Augen der Offiziere, die sich beteiligten, wurden Hunderte von Frauen und Mädchen vergewaltigt, darunter 3 Nonnen und mehrere Novizen, vor den Altären, Kruzifixen und Madonnenstatuen! Ein Schmied hatte alles Bargeld hingegeben, die schriftliche Zusage erhalten, es werde ihm, der Frau und andern weiblichen Personen im Hause nichts geschehen; all die letzteren wurden vergewaltigt und die Frau getötet. Eine Modistin wurde ermordet, die Mädchen vergewaltigt. Ein 70jähriger Greis wurde die Treppe herab auf die Straße geworfen, von einem Kaplan an den Haaren herumgezogen und von der Soldateska halbtot geschlagen.

Am schlimmsten wüteten diese Papisten in den Klöstern und Kirchen. Im Waisenhaus wurden die beiden schönsten Mädchen vor den Augen der Nonnen vergewaltigt, das Pfarrhaus wurde zerstört, die Altargemälde zerschossen. Im Kloster des hlg. Petrus tanzten sie in Meßgewändern vor den Altären angesichts von Frauen und Mädchen, denen sie dann Gewalt antaten, raubten alles Gold, Silber und Edelsteine. Im Keller konnten sie die Menge Weins nicht bewältigen, zerschossen die Fässer, die dann auf dem Wein umherschwammen. Auf seiten der Päpstlichen waren 8 Tote, Peerl schrieb auf ihren Katafalk:
„Selig sind, die im Herrn sterben!"

Auf seine Empfehlung wurde Schmidt auf der Stelle zum General ernannt, die Offiziere erhielten Orden und ebenfalls Beförderungen, die Mannschaften zur Beute einen vollen Monatssold auf Kosten des Landes Umbrien, dessen Hauptstadt Perugia war.

So zu lesen in: Spectator alter (Prof. Der kath. Theologie Franz Xaver Kraus). „Die Krisis im Paptsttum", Berlin 1904. Nach amtlichen Quellen.

Das war einer der grausamsten Akte der Weltgeschichte des vorigen Jahrhunderts. Selbst die Napoleonischen Heere (50 Jahre vorher) haben solche Scheußlichkeiten nicht begangen. So ließen römische Päpste wüten! Diese Zeiten sehnen die Katholiken wohl zurück? Die Dalai Lamas in Tibet haben ihre Finger rein vom Blut gehalten!"

Zudem zuletzt zitierten GZ-Beitrag, gab es dann in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 11. 1930, noch eine Presserechtliche Berichtigung. Über ihre Relevanz mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Sie sei, der Vollständigkeithalber, nachstehend auch noch zitiert:
Zitat

„Berichtigung
Zu dem Artikel mit der Überschrift: „Etwas aus der Geschichte des Papsttums" in Nr. 16 des „Goldenen Zeitalters", Magdeburg vom 15. August s. Js., wird berichtigend bemerkt:
Die im vorletzten Absatze des vorerwähnten Artikels stehende Bezeichnung von „Prof. der kath. Theologie Franz Xaver Kraus" als „Spectator alter" ist unrichtig.
Richtig ist nur, daß der sich „Spectator alter" nennende Verfasser des Buches: „Die Krisis im Papsttum", Berlin 1904, das Buch dem Andenken des 1901 verstorbenen Professors Franz Xaver Kraus gewidmet hat.
Der Vorstand des Pax-Vereins kath. Priester Deutschlands e. V.
gez. P. Limberg, Prälat, Vorsitzender."

Offenbar gibt es unter der URL www.joseph-wittig.de/ eine eigene Webseite über den Schlesischen Theologen und Geschichtsschreiber (1879 - 1949) Joseph Wittig. Wie dessen Lebensdaten verdeutlichen, darf man wohl diese Webseite kaum dem genannten Autor, wohl aber seiner „Fangemeinde" zuordnen; respektive, wofür der Denic-Eintrag zu sprechen scheint, einem engeren Angehörigen selbigen.

Auch der Wikipedia ist er einen eigenen Artikel wert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Joesph_Wittig

Letzterer notiert unter anderem:
Zitat

"Mit dem Aufsatz Die Erlösten, der 1922 in der Kulturzeitschrift "Hochland" erschien, begannen die Schwierigkeiten mit der Amtskirche. In dem Artikel stellte Wittig der Theologie, deren Aussagen zur Erlösung oft schwer verständlich waren, in erzählerischer Form die von Alltagserfahrungen getragenen Ängste und Erlösungswünsche der einfachen Christen gegenüber."

Weiter heißt es:
Zitat

1925 wurden mehrere seiner wissenschaftlichen Schriften, in denen er sich für Reformen in der katholischen Kirche eingesetzt hatte, auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Die Auseinandersetzungen mit der Amtskirche hatten die Beurlaubung an der Universität und schließlich im Jahre 1926 in Exkommunikation zur Folge."

1946 sei diese Exkommunikation zwar wieder aufgehoben worden; was jedoch ihm nicht mehr allzuviel genutzt haben dürfte. Hatte es es in seiner "Glanzzeit" doch bis zum Dekan der Katholischen Fakultät der Universität Breslau gebracht. Lediglich der "Catholica-Inquisition" dürfte diese späte Rehabilitierung genutzt haben. Kann man doch in altbewährter Manier nunmehr heucheln. Der ist ja nicht mehr exkommuniziert. Und getünchte Denkmäler über sein Grab errichten.
Via eines Presseberichtes wurde offenbar auch das „Goldene Zeitalter" (Schweizer Ausgabe vom 15. 11. 1925) auf den Fall Wittig aufmerksam. Der fragliche Pressebericht thematisierte insbesondere das Buch des Wittig mit dem Titel: „"Das Leben Jesu in Palästna, Schlesien und Anderswo".
Dazu berichtet in kommentierter Form das GZ:
Zitat

„Nun sind diese beiden wunderbaren Bände des bekannten katholischen Theologie-Professors Josef Wittig (in Breslau) laut einer in der Presse umgehenden Mitteilung in Rom auf den "Index" gesetzt worden, d. h. kein Katholik darf diese Bücher ohne besonders bei der bischöflichen Behörde eingeholte Erlaubnis lesen, wenn er sich nicht gegen die Autorität der Kirche auflehnen will. Wer Katholik ist, hat sich mit dem Spruch Roms abzufinden, auch wenn er die Erfordernis des Verbotes nicht ohne weiteres einsieht.

Wittig, der innerhalb der Jugendbewegung und innerhalb aller geistig aufgeschlossenen Menschen eine starke Anhängerschaft hat, gab in seinem ,,Leben Jesu" kein gelehrtes Buch, keine Forschungsergebnisse, sondern er verkündet darin die Frohebotschaft aus seinem eigenen Erlebnis. Aus Jugenderinnerungen, aus Begegnungen mit dem Meister, aus Erzählungen der Mutter, Großmutter, aus dem Zusammentreffen mit anderen Menschen, die für ihn irgendwie den biblischen Text versinnlichten, aus dem Leben des Alltags speist er seine Bücher.

Ein beneidenswert religiöser Mensch, eine verehrungswürdige Persönlichkeit spricht aus diesen Kapiteln mit den Worten eines Dichters.
Mit und in Jesus lebt dieser Wittig, der, wie er selbst sagt, tief erkannt hat,
Zitat

daß alle angelernte Theologie und alle angezogene Kirchlichkeit keine Theologie und keine Kirchlichkeit, sondern Theater ist.

Zitat

Immer war es mir, als ob gerade Wittig eine Heimkehr zu den wahren Quellen, zu einer tieferlebten, lebendigen und nicht veräußerlichten und verhärteten Religiosität sei.
Gerade in Wittig sah ich einen begnadeten und kindlich zu uns sprechenden wahrhaftigen Seelsorger. Nun ist er verboten, "ex cathedra" verboten. Wittig selber wird sich dem Machtspruch Roms beugen und viele Tausende werden sein "Leben Jesu" nicht mehr berühren,
("Saarbrückcr Zeitung" v. 29. VIII. 1925)."

Man braucht wohl kein Prophet zu sein, um sagen zu können. Auch dieser Fall war „Wasser auf die Mühlen des GZ".

In gewisser Hinsicht bringt den genannte GZ-Ausgabe, seinen Jubel über diese Meldung auch durch das Titelbild dieser Ausgabe zum Ausdruck:


Der nicht näher verifizierter Dr. Schaefer, Halle, von dem einleitend schon die Rede war, sandte der GZ-Redaktion dazu auch sein Votum, dass selbige hocherfreut dann auch abdruckte (Ausgabe vom 1. 10. 1926 sowohl in der Berner als auch in der Magdeburger Ausgabe des GZ). Unter der Überschrift „Christus und der Papst" liest man da:
Zitat

„Vor kurzem wurde der kath. Theologie-Professor Wittig-Breslau exkommuniziert, nachdem nicht lange vorher fünf seiner Schriften, für die er erst die kirchliche Druckgenehmigung erhalten, für Katholiken verboten worden waren. Die treibende Kraft gegen die Schriften war der Jesuit Muckermann! Die am schärfsten verbannte Schrift sind „Die Erlösten" (Franke-Habelschwandt) eine Osterbotschaft für 1922. W. hatte in mehrjähriger Seelsorgetätigkeit bemerkt, daß überstarkes Schuldgefühl und Verantwortlichkeitsbewußtsein allzu große Unsicherheit, Not und Angst bei seinen Beichtkindern verursachte. Jeder, der kirchenfromme Katholiken kennt (die kleinere Hälfte aller Katholiken), weiß, in welcher Stimmung (ganz im Gegensatz zu der ihrer Geistlichen), sie leben, sehen sie doch das Damoklesschwert der ewigen Verdammnis allezeit über ihrem Haupte schweben.

In den „Erlösten" richtete W. die Zaghafteren auf Christi Worte hin:
„Wer glaubt, hat das ewige Leben", auf Matth. 9:2: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben" (Der Gichtbrüchige).
Auf Luk. 7:50): „Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin in Frieden" (Die Sünderin) und fügte hinzu, daß sie dann nicht bis zur nächsten Beichte warten brauchen, ihren Frieden mit Gott wiederherzustellen.

Da hieß es, er bekämpfe die Lehrautorität der Kirche und die Beichtstuhlpraxis! Der Katholik kann nur durch Vermittlung der Kirche, durch den Beichtvater Vergebung der Sünden erlangen. W. unterlag also, weil er nicht ein Diener Christi sein durfte, sondern eine Sklave des Papstes sein mußte!
Die Ohrenbeichte, (wer weiß es? Den Katholiken wird es nicht gesagt) ist erst 1215 von Innozenz III. eingeführt worden. Er war der weltbeherrschende Papst, setzte Kaiser und Könige ein und ab, er nannte sich als erster „Stellvertreter Gottes auf Erden", und erfand, wie alle wahnsinnige Herrschsucht zum Terror greift, als geistigem Terror die Ohrenbeichte, um sich die Massen unterzuzwingen. Bis 1215 galt die reine Lehre Christi hinsichtlich des Heils vor Gott, die dann Luther wiederhergestellt hat. Genau 800 J. vorher (416) hatte Innozenz I. betont, daß der von Petrus überlieferten Lehre nichts hinzugefügt werden dürfe! Das Ketzertum, dessen W. beschuldigt worden, liegt nicht auf seiner, sondern der päpstlichen Seite! (Die Exkommunikation ist von Rom aus verfügt worden)."

Von dem genannten Buch gibt es auch inzwischen Neuauflagen. Sieht man die sich an, drängt sich der Eindruck auf. Der Autor lies da auch seine Kindheits- und Jugenderinnerungen mit einfließen. Da findet man denn auch Sätze, die ans "kirchliche Eingemachte" gehen. Etwa den:
Zitat

"Ich wollte gerade sagen: „Die verflischte Erbsünde", aber das paßte schlecht zu den frommen Worten der Großmutter."

"Erfreut" dürfte wohl die "Amtskirche" auch nicht über die Wittig'sche Charakterisierung gewesen sein:
Zitat

"Wie Jesu Leben sich erneuert in allen Generationen, die ihre Wiedergeburt in der Taufe finden, so erneuert sich auch der bethlemitische Kindermord in allen Generationen, besonders aber in unserer Zeit. Es ist, als ob ein geheimer Befehl von einem Herodeshofe ausgegangen wäre, das Kindliche möglichst ganz auszurotten. Und die Helfershelfer denken nicht mehr daran, daß damit eigentlich das Heilige ausgerottet werden soll. ... Man kann gar nicht zeitig genug aus den Kindern große Leute machen, also das Kindliche töten."

Oder auch den Satz:
Zitat

"Der ganze Religionsunterricht, den Jesus den Kindern seines Volkes gab, bestand darin, daß er sie auf seine Knie nahm, sie segnete und dabei die Worte sprach: „Ihrer ist das Himmelreich." Das war etwas für Kinder! Der heutige Religionsunterricht versucht aber aus den Kindern schon perfekte Theologen zu machen."

Ein Schelm, der bei letzterem Satz nicht unwillkürlich auch an die heutigen Zeugen Jehovas denkt!

Auch der Wittig'sche Satz könnte den Zeugen Jehovas auf den Leib geschrieben sein:
Zitat

"Eine große Sehnsucht ist in der Christenheit nach dem Ende der Welt. Erscheint ein Buch über den „Weltuntergang", dann drängen sich die Leute im Laden, um es zu kaufen. Wer es gekauft hat, verbirgt es wie eine kostbare Perle und will es nicht sehen und bespötteln lassen. Ein junges Mädchen kann sich kaum mehr freuen über den Brief des Liebsten, daß er kommen wird, als die Gläubigen über solch ein Buch."


von Drahbeck - am 20.07.2013 22:19

„Sieben kleine Negerlein" - und dann waren es deren nur noch sechs

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Es wirkt schon makaber, wie denn technische Katastrophen auch vor den Karren der WTG gespannt werden. Ein Beispiel dafür liefert auch die Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 8. 1928.
Verwundert nimmt man in diesem Reklametext auch zur Kenntnis, dass da nur sechs Bände „Schriftstudien" offeriert werden. Waren es deren nicht einstmal sieben?!

Nun kann man die Sache vielleicht auch dahingehend erklären. Es geht um den „Schlußverkauf". Eine „Neuauflage" war ohnehin nicht vorgesehen. Rutherford's eigenes Schrifttum trat da in aktive Verdrängungs-Konkurrenz. Vielleicht ist der siebente Band schon vorher ausgegangen. Das wäre zumindest eine Erklärung.



Allerdings spricht einiges dafür. In der GZ-Redaktion wusste wahrscheinlich die „linke Hand" nicht, was die „rechte Hand" tat. Denn auch in den nachfolgenden GZ-Ausgaben noch, werden die „Schriftstudien" offeriert. Dort sind dann aber alle sieben Bände im Angebot.

von Drahbeck - am 21.08.2013 01:57

Palästina „unter göttlichem Schutz"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Zwei kleinere Meldungen aus der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 8. 1928. Die erstere davon wurde auch von der Magdeburger Ausgabe des GZ mit übernommen. In ihr liest man.
Zitat

„Palästina offenbar unter göttlichem Schutz.
Aus dem Umstand, daß eine plötzliche Änderung der Windrichtung große Heuschreckenschwärme, die gerade auf Palästina zu kamen, vertrieben hat, kann man schließen, daß das Land unter göttlichem Schutze steht. Die Regierung hatte bereits umfassende Maßregeln zur Bekämpfung der Plage getroffen, die unabwendbar zu sein schien; aber sie erübrigte sich."

Anzumerken wäre noch. Über diese Meldung dürften wohl (auf ihre spezielle Art), insbesondere die zeitgenössischen Antisemiten „erfreut" („erfreut" in Anführungszeichen) gewesen sein; bekamen sie doch so wieder einmal Munition für ihre Agitation, „frei Haus geliefert".

Eine zweite Kurzmeldung, offenbar seht man es richtig, zu dem Zeitpunkt nur in der Schweizer Ausgabe des GZ enthalten, meinte folgend erstaunliches wahrgenommen zu haben:
Zitat

„Trauben zur Heilung von Krebs.
Es wird behauptet, daß eine ausschließliche Traubendiät in der Zeit von zwei Monaten Krebs heilen kann. Während der Kur mag es vorkommen, daß außergewöhnliche Schwäche

[Einfügung nicht vom GZ: Wieso „außergewöhnlich"? Wer sich zwei Monate einseitig von Weintrauben ernährt, braucht sich wohl über die Folgewirkungen, die hier in verharmlosenden Vokabeln angedeutet sind, kaum zu wundern. Getreu dem Motto. Kur geglückt. Bis auf den einen „Schönheitsfehler" Patient tot. Ende der Einfügung.]
Zitat

Abnahme des Gewichts, Fieber, Erbrechen und Hautausschläge sich einstellen. Die Mahlzeiten werden alle zwei Stunden genommen. In Fällen äußersten Schwächegefühls kann außerdem alle Viertelstunden reiner Traubensaft getrunken werden."

Die Fortsetzung zu dieser Quaksalber-Weisheit ist dann nachlesbar in 19302Weintraubenkur

Dr. Eisenbart

von Drahbeck - am 24.08.2013 05:03

Radiovortrag

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Nachdem sich bereits herausgestellt hatte, dass für die Schweizer WTG-Anhänger, deren Ambitionen in Sachen Radio betreffend, die „Trauben" dafür, ziemlich hoch hingen, war nun ein diesbezüglicher WTG-Vorstoß auch in Deutschland zu registrieren. Dazu schrieb das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 1. 6. 1928:
Zitat

„Radiovortrag erst am 6. Juni.
Monatelang schon bemüht sich die Bibelforscher-Vereinigung, auch in Deutschland Gelegenheit zu erhalten, über Radio zu ihren zahlreichen Freunden im ganzen Reich sprechen zu können, wie dies in Amerika regelmässig über ca. 100 Sendestationen geschieht. Nach mehrmaligen Vertröstungen hat die Berliner Funkstunde nunmehr eine offizielle Zusage dahingehend erteilt, dass die Bibelforscher-Vereinigung
Am Mittwoch den 6. Juni 1928, abends zwischen 7 bis 8 Uhr über Sendestation Berlin, Welle 484 einen Radio-Vortrag halten kann.
Der Leiter der deutschen Bibelforscherbewegung zugleich auch Hauptschriftleiter des „Goldenen Zeitalters", Herr P. J. G. Balzereit, wird über
'Eines Bibelforschers Weltanschauung'
sprechen. Sicher werden unsere verehrten Leser diese Gelegenheit mit Freuden begrüssen. Wir haben die bestimmte Erwartung, dass der Bibelforscher-Verinigung daran anschliessend von den verschiedenen Sendestationen Deutschlands regelmässig die Möglichkeit gewährt wird, zum Nutzen des Volkes allgemein interessierende Themen über Radio zu behandeln."

Was die genannte „bestimmte Erwartung" anbelangt, ist allerdings zu registrieren. Sie blieb ein „Luftschloss". Immerhin der einmalige Vortrag konnte tatsächlich gesendet werden. Ehrensache für das „Goldene Zeitalter", selbigen auch in seinen Spalten zu dokumentieren, und zwar in der Ausgabe vom 1. 9. 1928.

Nachstehend sei er zur Ermöglichung einer eigenen Meinungsbildung, vorgestellt:
Zitat

„Eines Bibelforschers Weltanschaaung
Radiovortrag, gefunkt über den Deutschlandsender Königswusterhausen
Das „Für und Wider" der bestehenden verschiedenen religiösen, philosophischen und politischen Weltanschaungstheorien erscheint nur solange beunruhigend, wie man im „Kampf der Geister" selbst einen ruhenden Punkt noch nicht gefunden hat.

Der Ausdruck: „soviele Menschen - soviele Weltanschauungen" ist zweifellos eine Übertreibung, aber ebenso wahr ist es, daß heute viel mehr als zu irgendeiner Zeit sich jeder im reiferen Alter befindliche Mensch ein Weltbild zu machen sucht. Warum ist das so?

Eben, weil Dinge, Verhältnisse und Zustände unserer Tage mit ihrem seit Jahren unfruchtbar bleibenden, oft katastrophalen Geschehen die Menschen heute mehr als früher zum Denken veranlassen, ihnen gewissermaßen die Frage aufzwingen:

„Warum - wenn es einen Gott gibt - ist heute alles so trostlos auf der Erde, und warum wird es nie besser, sondern scheinbar immer schlechter?"

Das ungestüme Fragen unserer Zeitgenossen fordert Auszug und Antwort. Von den verschiedensten Seiten bemüht man sich beides zu geben. Das Resultat sind die verschiedensten Weltanschauungstheorien und Parteiprogramme, an denen unsere Zeit so reich ist.

Nachdem ungezählte Versuche der verschiedensten Geistesrichtungen - den in Not und Unruhe geratenen Organismus das Weltgeschehen in Ordnung zu bringen - versagten, ist es nicht verwunderlich, daß man sich allgemein auch wieder der Religion zuwendet, in der Hoffnung, durch sie die ersehnte Beruhigung der Lage zu bewirken. Und „wahre" Religion vermöchte diese Hilfe auch zu bringen; ja es ist unzweifelhaft, daß sie auch allein die Verhältnisse zu ändern und zu bessern vermöchte. Aber, es müßte auch wirklich „Religion" sein und sich hinausheben über das, was wir bis heute allgemein als Religion ansahen, was aber bis zur Stunde weder uns noch andern Völkern der Christenheit in gleicher Lage das Los abzuwenden vermochte, das wir tragen und beklagen.

Der Begriff „Religion" - gleichbedeutend mit Gottesverehrung - sollte immer streng geschieden werden von den Mitteln, deren der Mensch sich bedient, um „religiöser Form" Ausdruck zu geben. Religion also sollte unterschieden werden von religiösen Zeremonien.

Wo dieser Unterschied zwischen wirklicher Religion und religiös scheinenden Zeremonien verwischt wird, ist man verantwortlich dafür, daß die Menschen anstatt wirklicher Religion lediglich wertlose zeremonielle Ausdrucksmittel religiöser Form besitzen, die - da sie eben nur Äußerlichkeit sind - im Ernstfall völlig versagen. Aus diesem Grunde auch vermochte bei Ausbruch des Weltkrieges die äußere Form eines Christentums, wie es die Christenheit der Erde eben nur besaß, den Weltkrieg unter den Christen - Brudervölkern - nicht zu verhindern.

Wahre Religion ist die tiefinnerste, Wesen gewordene Einstellung des Menschenherzens zu Gott, zum Gottwohlgefälligen und damit zum Gottgleichen. Die Fülle der voneinander abweichenden verschiedenen Dogmen und zeremoniellen Gebräuche der verschiedenen Kirchenrichtungen der Welt aber sind eben nur Theorie, sind lebenslose, symbolische Darstellungen vergangener, gegenwärtiger oder zukünftiger Geistesrichtungen, die - mit Ausnahme eines vorübergehenden Einflusses auf das Gefühl - ohne jeden realen Wert für die Innengestaltung des Menschen bleiben. Um daher in unseren ferneren Ausführungen alle Begriffe genau zu präzisieren, unterscheiden wir streng zwischen „Religion" und „religiöser Form". Mit religiöser Form bezeichnen wir die auf ein bestimmtes, oft auch politisch durchsetztes Ziel konzentrierten religiös erscheinenden Formen und Zeremonien der verschiedenen Kirchen der Welt, während wirkliche Religion eigentlich nur einen im Inneren des Menschen sich abspielenden Vorgang kennzeichnet, der ganz unabhängig ist von einer Zugehörigkeit zu irgendeiner Kirchenrichtung.

Zusammenfassend konstatieren wir also: Religion im Sinne der Bibel ist das im Herzen eines Menschen wohnende, Wesensart gewordene Bedürfnis, Gott zu ehren durch gottwohlgefälliges Handeln im eigenen Leben und an allen Menschen.

„Religiöse Form" aber bezeichnet jene im Christentum unserer Tage geübte Unsumme von Zeremonien und Äußerlichkeiten, die zwar zweifellos oft sehr schön aussehen, aber nun doch leider mit all ihrem vergänglichem Glanz die Dunkelheit des Erdendaseins bis zur Stunde nicht zu wandeln vermochten. Unsere unpersönlichen Ausführungen möchten aber bitte nicht als Kritik, sondern als das Bemühen einen besseren Weg zu zeigen betrachtet werden.

Wie kommt der Mensch zu wahrer Religion?
Das ganze Menschendasein baut sich auf der Fähigkeit des Menschen verstandesgemäß Eindrücke aufzunehmen und zu verwerten. Was nur gefühlsmäßig aufgenommen wird ist von kurzer Dauer. Darum auch kann Religion im Sinne der Bibel dem Menschen nie durch gefühlsmäßige Eindrücke, sondern nur mittels seines Verstandes zuteil werden. Aus diesem Grunde lehnen Bibelforscher es ab, die Menschen gefühlsmäßig durch Zeremonien und anderes zu beeinflussen, suchen aber um so mehr, sie zum verstandesgemäßen Erforschen der Bibel und zur Annahme ihrer Grundsätze zu bewegen.

Niemand der wahrhaft die Bibel vertritt und ihr zu dienen bemüht ist sollte das Erwachen der Menschheit und die Tatsache, daß sie allgemein mehr als früher anfängt zu denken, fürchten, sondern man sollte dies begrüßen. Darum sind auch alle Maßnahmen, die ein Unterbinden der Denkfähigkeit des Menschen zugunsten religiöser Form und Dogmen anstreben als ein Unrecht an wirklicher Religion, d. h. als ein Unrecht an der Bibel und als ein Hindernis auf dem einzig möglichen Wege zur Gesundung zu bezeichnen. Mögen solche Maßnahmen nun auf dem Gebiete der Kindererziehung, des Schulunterrichtes, der allgemeinen Literatur oder sonstwo liegen, wenn ihr Ziel ist, irgendwo die Denkfreiheit zu unterbinden, sind sie menschenfeindlich. Es wird sich freilich nicht vermeiden lassen, daß bei unbehinderter Denkarbeit auch dieser und jener dunkle Platz des Geisteslebens der Erde durchwandert, durchlebt, durchdacht und aufgeklärt werden muß; aber, wie und warum will man das verhindern? Schaden einem Rennfahrer bezüglich seines Könnens die gemachten Umwege, oder einem Philosophen gemachte und dann erst erkannte Fehlschlüsse?

Vermehren sie nicht die Kraft und das Wissen?
Was wir sagen wollen ist dieses:
Schund und Schmutz sind aus dem Leben der Menschen nicht mittels gesetzlicher Maßnahmen zu entfernen, solange sie nicht aus den Herzen der Menschen entfernt sind! Das Herz oder die Gesinnung aber ist mit Gesetzen nicht zu wandeln, sondern muß - um dieses zu erreichen - mit wahrer Religion, d. h. mit Erkenntnis der Bibel und ihrer Wahrheiten erfüllt sein, und das kann nur über den Verstand des Menschen, über seine Fähigkeit zu denken erfolgen.

Es gebrauchte einmal jemand den Ausdruck: „Wie der Mensch, so sein Gott." Angesehen von einem Körnchen relativer Wahrheit in diesem Satz stellt er dennoch als Ganzes eine bedauerliche Gedankenlosigkeit dar; denn das Umgekehrte ist der Fall, nämlich: „So wie dein Gott, so bist du", d. H.: „So, wie du dir deinen Gott vorstellst und denkst, so wird er deine Gedankenwelt erfüllen und dich gerade so beeinflussen, wie du über ihn denkst." Formuliert hieße dies: „Nicht der Mensch macht die Gotteserkenntnis, sondern Gotteserkenntnis macht den Menschen." Und darum ist eine richtige Gotteserkenntnis von allerhöchster Bedeutung für dieses Leben. - Wieso?

Ideale und Vorbilder sind im Leben des Menschen von großer Bedeutung. Das höchste Ideal eines Menschen wird auch den größten Einfluß auf sein Leben ausüben. Wenn wir es nun als feststehend ansehen, daß es für einen Menschen ein höheres Ideal als Gott nicht geben kann, dann ist von diesem Gesichtspunkt aus ein rechtes Verständnis des Menschen über Gott - also ein richtiger Gottesglaube - von allergrößter Bedeutung. Glauben aber heißt nicht nur irgend etwas „für wahr halten", weil andere es auch für wahr halten, sondern heißt innerlich und ohne jedes Hemmungsgefühl überzeugt zu sein. Eine bestimmte Überzeugung aber kann sich wohl nur herausbilden, wenn alles „Für und Wieder" sorgfältig geprüft wurde und ein zufriedenstellendes, verstandesgemäß erfaßtes Resultat verbleibt. Nur ein so aufgebauter Glaube vermag den Menschen zu nützen und Halt zu bieten.

Wir halten es daher auch nicht für richtig, im Menschenherzen sich erhebende Zweifel einfach immer mit einem „du mußt glauben" zurückzuweisen, sondern wünschen vielmehr stets alle Einwände sorgfältig zu würdigen und darauf zu antworten. Zu diesem Zwecke greifen wir jetzt eine schon am Anfang unserer Ausführungen wiedergebene Frage auf, die fast überall im Herzen der Menschen wohnt. Sie lautet:

Warum - wenn es einen Gott gibt - ist heute alles so trostlos auf der Erde, und warum wird es nie besser, sondern scheinbar immer schlechter?
Warum läßt Gott das Böse zu?
Diese Frage läßt sich zusammenfassen in die Worte:

Warum läßt Gott das Böse zu?
Wir wollen nun im Rahmen dieses Vortrages, der unsere Weltanschauung darlegt, kurz diese Frage beantworten.

Gutes und Böses herrschen in der Welt, und das Böse hat überall die Oberhand. Da keine Wirkung ohne Ursache ist, muß auch das Gute und das Böse eine Ursache haben.
Die Quelle alles Guten ist Gott, - alle seine Werke sind Güte und Liebe, denn sie sind schön. Die Harmonie seines weltweiten Schöpfungswerkes, wo überall - um der Wohlfahrt des Ganzen willen - sich eins in das andere einfügt, unterordnet und aufgeht, ist eine Offenbarung seiner hervorragendsten Eigenschaft, der Selbstlosigkeit. Die Bibel sagt in ihrer durch Einfachheit des machtvollen Ausdrucks bewiesenen Göttlichkeit: „Gott ist Liebe!"

Gottes Forderung an die Menschheit ist göttlich, allumfassend und kindisch einfach. Sie lautet: „Du sollst Gott über alles lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." Jesus sagt, daß diese beiden Gebote die Summe aller wahrhaften Religion enthalten, wenn er lehrt: „In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten."

Warum aber ist der Mensch so böse?
Auch hierauf antwortet die Bibel. Der Mensch ist nicht böse, weil er in sich selbst böse ist. Es gibt keinen Menschen, der es liebt als böser Mensch bekannt zu sein; aber der Mensch ist böse, weil auch eine Quelle alles Bösen da ist, deren völliges Versiegen jedoch nahe vor der Tür steht. Die Quelle alles Bösen aber ist Satan, der Teufel.

Die Frage, warum Gott denn einen Teufel schuf aufnehmend, antworten wir, daß Gott keinen Teufel geschaffen hat. Nach der Bibel war Satan - sein biblischer Name ist Luzifer - ursprünglich ein reines sündloses Geiswesen, welches, wie der Prophet Hesekiel im 28. Kapitel sagt, von Gott als beschützender Cherub zur Bewahrung des ersten Menschenpaares in den Garten Eden gesetzt worden war. Luzifer aber mißbrauchte diesen ihm von Gott zugewiesenen Vertrauensdienst, wurde stolz und suchte seine eigene, anstatt Gottes Ehre. Der Profet Jesaja berichtet wörtlich im 14. Kapitel hierüber und sagt, daß dieses wilensfreie, stolzgewordene Geistwesen in seinem Herzen folgenden empörerischen Entschluß faßte:

„Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben - ich will hinauffahren auf Wolkenhöhen, mich gleich machen dem Allerhöchsten."

Dieses Bibelwort sagt also, daß Luzifer ein angebeteter Herrscher werden wollte, wie Jehova Gott selbst, und - um dieses zu erreichen - versucht hat, die Menschen vom Gehorsam gegen Gott abzuwenden und zur Unterordnung unter sich - Luzifer - zu bringen. Die Verführung und der Sündenfall des willensfreien Menschen in Eden waren das Resultat dieses Versuches.

Da Gott Liebe ist und sein Gebot an die Menschen „Liebe zu Gott und alles umfassende Nächstenliebe" fordert, konnte Luzifer - um die Menschen fortzuführen - nur Wege gehen, die den vom Schöpfer eingeschlagenen Wegen entgegengesetzt waren, nämlich, anstatt Liebe zu Gott und zum Nächsten, Wege der Menschenvergötterung und Eigenliebe.

Es ist unnötig, irgend etwas weiteres zum Beweise dafür anzuführen, daß dies wirklich der Weg war, den die Welt in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte seit Eden gegangen ist. Des Menschen letzte Weisheit für Völker und Einzelwesen seit jener Zeit war nicht Nächstenliebe, sondern der Grundsatz: „Jeder ist sich selbst der Nächste."

Natürlich hätte Gott - unter Vergewaltigung des freien Willens des Menschen - eingreifen und den Ungehorsam verhindern können, aber seine Gerechtigkeit ließ diese Vergewaltigung nicht zu. Gott gab dem Menschen vielmehr die Belehrung: „Wenn du die dir nicht gehörende Frucht issest, d. H. Ungehorsam und selbstsüchtig wirst, mußt du sterben." Nachdem aber - wegen des im Menschen lebenden Forschungsdranges und der Versuchung durch Luzifer - die Belehrung den Menschen nicht mehr aufhielt, blieb für den Schöpfer in seiner Weisheit nur noch der von ihm längst zuvor erkannte Weg, den Menschen unter Satans Herrschaft - der er sich ja selbst unterworfen hatte -, den Weg der Erfahrung mit dem Bösen gehen zu lassen. Seitdem geht die Menschheit diesen selbstgewählten Weg. Daß wirklich das Böse, also Satan, auf Erden die Oberhand hatte und noch hat bedarf ja keiner weiteren Diskussion.

Wenn im Neuen Testament, und zwar in Lukas 4 Vers 6, Satan die auch von Jesus unwidersprochen gebliebenen Worte gebrauchte, er - Satan - sei der Herrscher aller Reiche dieser Welt und er gebe ihre Macht wem immer er wolle, und wenn auch Jesus selbst im Evangelium Johannes Kapitel 12 Vers 31 sagt, daß Satan der Fürst dieser Welt sei, so sollte dies natürlich von niemand so aufgefaßt werden, als ob die Bibel sagen wollte, irgendwelche Dinge, Menschen oder Personen ließen sich bewußt als Diener oder Agenten Satans gebrauchen.

Der Gedanke ist ein ganz anderer; denn es gibt sicherlich keinen Menschen auf Erden der gerne etwas mit diesem gefallenen Engel - Luzifer - Satan, zu tun hätte. Aber die Bibel wünscht zu sagen, daß die Menschen - weil sie nicht erkennen, daß die Einflüsse, welche sie zu Selbstsucht, Eigennutz, Haß, Betrug, Blutvergießen und ähnlichem beeinflussen, nicht von Gott kommen können - falsch geleitet, falsch geführt, also vom Fürsten dieser Welt verführt sind. Die Bibel wünscht zu sagen, daß mit dem Einfluß jenes falschen, Gott entgegengesetzten Geistes, der heute die Gesinnung wohl der allermeisten Menschen füllt, nicht Gott, sondern Satan unbemerkt auch alle Angelegenheiten des öffentlichen Lebens der Menschen und Völker mehr oder minder beeinflußt.

Die trostlosen Ergebnisse des allgemeinen Zustandes der Menschheit, sowie der sozialen, wirtschaftlichen und allgemeinen Lage der Erde beweisen zur Genüge, daß diese ungesegneten Einflüsse nicht von Gott sein können.

Der Apostel sagt: „Der Fürst dieser Welt hat die Sinne der Ungläubigen, d. h. Keinen wahren Glauben habenden, verblendet, daß ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums", d. h., daß sie die daraus möglichen Glücks- und Geistesgüter nicht erlangen.

Not, Verbrechen, Sünde, Krieg und Armut sind also nicht Gott, sondern der Verführung oder falschen Führung durch Satan, dem Fürsten dieser Welt und dem falschen Geiste, der infolgedessen selbstgewählt und gewollt die Menschenherzen füllt, zuzuschreiben. Das größte Hindernis auf dem Wege der Gesundung aber ist die Tatsache, daß dieses alles von den Menschen nicht erkannt wird; denn, durch religiöse Formen getäuscht - sich völlig als Christen fühlend - erkennen sie nicht, daß ihr Handeln den Forderungen wahrer Religion, d. h. der Bibel, entgegengesetzt ist. Außerdem versteht der Teufel diejenigen, die auf seine Verführung hinweisen, trotzdem sie in Wahrheit Wohltäter der Menschheit sind, als Feinde der Ordnung hinzustellen. Er lenkt die Menschen immer wieder von einer Erkenntnis wichtiger Wahrheiten des Lebens und wahrer Religion ab und führt sie immer wieder mit dem Täuschungsmittel religiöser Form auf Wege, die bis jetzt nur Unglück brachten und auch weiter bringen werden. So knechtet, fesselt und unterdrückt er das Königtum Mensch, das unter der Universalherrschaft Jehovas, des Schöpfers Himmels und der Erden, so glücklich sein könnte.

Jedoch das übereinstimmende Zeugnis der Bibel beweist, daß die Zeit der Befreiung der Menschheit und das in der Offenbarung Kapitel 20 genannte Binden Satans vor der Tür steht.

Zeichen hierfür sind - in der Bibel vor langen Zeiten vorausgesagt - überall ringsumher auf der ganzen Erde wahrnehmbar. Eine der markantesten Beschreibungen dieser Zeichen gibt Jesus in Matthäus 24, wo seine Jünger ihn nach Zeichen für das Ende dieses Zeitalters fragen und er erklärt, diese Zeichen würden sein: Kriegswirren, weltweite Kriege von Nation zu Nation und Königreich wider Königreich, Hungersnöte, Seuchen Erdbeben usw.

Seit dem Jahre 1914 ist eine ununterbrochene Folge genau dieser Geschehnisse auf Erden zu verzeichnen, und in der allgemeinen, auf der ganzen Erde ununterbrochen zunehmenden Bibelforscherbewegung und ihrer Missionsarbeit sehen wir gleichfalls eine Erfüllung des 14. Verses dieses 24. Matthäus Kapitels, der da lautet: „Und das Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreise, allen Nationen zu einem Zeugnis und dann wird das Ende kommen." - Eine weltweite Predigt des Königreichs-Evangeliums?

Die Konsequenz aller Tätigkeit der Bibelforscher der ganzen Welt ist die immer wieder von neuem in die Menschenmassen hineingerufene Botschaft, daß wir seit 1914 eingetreten sind in die Zeit der beginnenden Aufrichtung des Königreiches Gottes auf Erden, in welchem Satan gebunden worden, Jesus als König herrschen und durch welches „Friede auf Erden" entstehen soll.

Einige Zahlen mögen beweisen, wie umfangreich diese Tätigkeit der Bibelforscher - deren Zentralbüro in Magdeburg seinen Sitz hat - sich in den letzten Jahren gestaltete:

Allein in Deutschland sind in den letzten Jahren durch die Bibelforscher Hausmission verbreitet worden: über 8 Millionen Bücher und Broschüren, über 25 Millionen Zeitschriften, annähernd 150 unentgeltlich verbreitete Traktate usw.
Ein Vielfaches dieser Zahl ist die Summe der Schriften, die in allen anderen Ländern der ganzen Welt und in allen Sprachen der Erde zur Verbreitung kamen. Auszugehen ist hierbei von der Tatsache, daß in manchen Ländern die Bewegung verhältnismäßig noch wesentlich stärker ist als in Deutschland.

Alle Literatur wird zu Selbstkosten durch unbezahlte, freiwillige Mitarbeiter verbreitet, die von Haus zu Haus gehen, weil Liebe zur Sache und keineswegs Erwerbs- oder Gewinnabsichten das anspornende Motto bei der Verbreitung sind.
Mehr als 10.000 solcher freiwilliger unbezahlter Hausmissionare suchen in Deutschland täglich in ihrer Freizeit und sonntags das ganze Jahr hindurch in selbstloser Weise der Verbreitung biblischer Wahrheit zu dienen.

In den Vereinigten Staaten und in Kanada hat die Bibelforscher-Vereinigung zehn eigene Radiostationen, während auch noch über 43 weitere Sendestationen fremder Gesellschaften die Bibelforscher Vorträge wöchentlich gefunkt werden.

Die Botschaft, die von Bibelforschern überall auf der ganzen Erde zur Verbreitung kommt, ist kurz skizziert folgende:
Gott schuf den Menschen nicht für den Himmel, sondern für die Bestimmung, ewig als Mensch auf der Erde zu leben. Durch den Sündenfall und das darauf folgende Todesurteil ging den Menschen also auch nicht der Himmel, sondern die Fähigkeit, als Mensch auf Erden ewig zu leben, verloren. Und aus Offenbarung Johannes Kapitel 21 Vers 3 und 4, sowie Jesaja 65 Vers 21-22, Micha 4 und anderen Stellen der Heiligen Schrift geht klar hervor, daß, wenn das große, von Gott verheißene Befreiungswerk der Menschheit vollendet sein wird, die Menschenwelt alles wider erlangen wird, was ihr durch Satans Verführung verloren ging, also ewiges menschliches Leben auf paradiesgleicher Erde in Harmonie mit Gott. Wir lesen in den genannten Bibelstellen: „Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen - und er wird jede Träne abwischen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein -. Und sie werden Häuser bauen und sie bewohnen und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen. Sie werden nicht bauen und ein anderer es bewohnen, sie werden nicht pflanzen und ein anderer essen." „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht mehr wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen."

So spricht die Bibel über die Zeit, der wir entgegengehen, die Zeit des auf Erden aufgerichteten Königreiches Gottes. Satan und alles Böse werden für ewig vernichtet werden und die Menschheit wird durch die dann durchlebte Erfahrung des Bösen für ewig gegen alle Böse geschützt sein. Durch den Einfluß der Wahrheit der Bibel, durch wahre Religion soll sie hierzu geführt werden.

Das heute allgemein einsetzende Gott- und Wahrheitssuchen weiter Kreise der Menschheit ist der Ausdruck des Bemühens der Menschen, den unsichtbaren, harten Geistesfesseln der Herrschaft des Bösen und seines Regenten - Satans - zu entrinnen und jenen gesegneten Zustand zu erreichen, den Jesus den Menschen auf Erden verhieß, wenn er seine Jünger beten lehrte:
„Zu uns (d. h. zu uns auf die Erde) komme dein Reich, damit dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden."

Damit dies kommen kann aber braucht die Menschheit Erkenntnis, Erkenntnis der Wahrheit der Bibel und Erkenntnis Gottes. Hierin allein liegt das Heil der Welt, wie ein kleiner einfacher Vers es ausdrückt:
Drum, wenn's auch lange wärte,
Bald ist's vorbei!
Was alles Volk beschwerte
Wird - wie's auch sei -
Hinwegtun jener Morgen,
Den Seher künd'ten lang,
Die Welt wird - statt mit Sorgen -
Erfüllt sein mit Gesang.
Schon fall'n des Tages Lichter
Auf müde Angesichter -
Nur e i n s, Mensch, mußt du machen:
Du mußt zuvor erwachen!

Möchten diese wenigen Worte eine Anregung werden, auch von dem hier angedeuteten Gesichtspunkt aus einmal die schwebenden Fragen alles Menschenleides zu betrachten; vielleicht wird dies einigen helfen, das wirkliche Heilmittel für alles Erdenleid zu finden in wahrer Gotteserkenntnis und wirklicher Religion.
Mit diesem herzlichen Wunsch schließen wir unseren Vortrag: Auf Wiederhören!"


Als Kommentar zu diesem Radiovortrag drängt sich zumindest mir der Eindruck auf. Einerseits eine „Sonntagsrede", welche neuralgische Punkte geflissentlich umschifft. Zum zweiten wohl aber auch - vom Anspruch her - so konzipiert, als sei man den Großkirchen ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Und genau dies sollte sich als der entscheidende Trugschluss erweisen. Nur eine GZ-Ausgabe davor (15. 8. 1928) hatte man vehement Klage darüber geführt, sich diversen gegnerischen Angriffen ausgesetzt zu sehen - auch auf der Justizebene. Man beklagt, dass der Gemeinnützigkeitsstatus, welcher erhebliche steuerliche Vorteile für den Inhaber bietet, massiv angefochten sei. Das war doch die eigentliche Sachlage zu der Zeit. Der Anspruch „wir sind wer", welchen das GZ da offeriert, glich eher einem Ruf im einsamen Wald. Das dies der erste und zugleich letzte Radiovortrag der Bibelforscher zur Zeit der Weimarer Republik war, stellte sich im nachfolgenden, noch überdeutlich heraus.

von Drahbeck - am 17.09.2013 23:21

Erfindungen - auf welche die Welt wartete

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Von Zeit zu Zeit gibt es immer mal wieder Meldungen über „Erfindungen, auf welche die Welt gewartet hat". Nicht selten erreicht ihre „Lebenskraft" aber keine ernst zu nehmende Zeiträume. Wenn das so ist, besteht wohl nicht selten die Gefahr, dass sie sich vor allem für Witzblätter eignen.

Offenbar konnte auch das „Goldene Zeitalter" nicht der Versuchung widerstehen, auch solcherlei Berichte an ihre Leserschaft weiter zu geben. Nun ist zwar das GZ, in dem Falle nicht der „Erfinder", sondern lediglich ein Multiplikator, der darüber berichtet.

Dennoch kommt man nicht umhin zu staunen, in welchen ideologischen Kontext das GZ solcherlei „Erfindungen, auf welche die Welt wartete", einordnet.

Zwei solcher Beispiele werden auch in der GZ-Ausgabe vom 1. 9. 1928 offeriert.

Unter der Überschrift „Schnupfen-Heilung durch Bazillentötung" berichtet das GZ:
Zitat

„Prof. Bordier in Lyon hat einen Apparat erfunden, mit dem es möglich sein soll, innerhalb 10 Minuten durch Bazillentötung jeden Schnupfen, und sei er noch so stark, zu beseitigen. Wir beabsichtigen nicht, über den Wert oder den Unwert dieses Apparates ein Urteil zu fällen, weil wir ihn nicht gesehen und erprobt haben. Wir möchten aber nicht versäumen die Tatsache zu registrieren, als einen der vielen Beweise, die sich in den mancherlei Erfindungen unsrer Tage auch auf medizinischem Gebiet zeigen: Beweise dafür, daß wir uns mehr und mehr der Zeit nähern, wo Gott den Menschen Mittel und Wege eröffnet, um auf natürliche Weise aller Erkrankungen Herr zu werden, so daß sich endlich und schließlich auch jenes alte Bibelwort auf vernunftvolle Weise erfüllt haben wird, das geschrieben steht in Jesaja 33:24 und besagt:
„Und kein Einwohner wird mehr sagen: ich bin krank."

Als zweites Beispiel meint das GZ anführen zu können:
Zitat

„Derselbe Gedanke findet seine Bestätigung durch die Erfindung eines Apparates zur Heilung von Seekrankheit, der ... kürzlich auf dem Dampfer „Columbus" mit Erfolg erprobt wurde."


von Drahbeck - am 18.09.2013 23:26

Allerlei Segen

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 9. 1928 kommentiert:

Zitat

„Allerlei Segen!
Es geschehen auf religiösem Gebiete Zeichen, die denen, die zu sehen vermögen, die Augen öffnen darüber, wie Gott sich zu manchen Dingen stellt, die soviel sie auch immer den Anschein einer gewissen Religiosität haben, trotz alledem seine Billigung nicht finden. Ohne hier die Frage näher zu erörtern, ob und inwieweit überhaupt irgendein unter der Sünde und dem Todesurteil stehender Mensch in der Lage ist, andere Menschen zu segnen, muß mit aller Deutlichkeit verstanden werden, daß im Volk der falsche Begriff großgezogen wurde, als ob irgendein zu erreichender Segen abhängig sei vom Wollen oder Nichtwollen gewisser Personen, welche sich das Recht anmaßten, angeblich in der Lage zu sein, solche Segnungen Gottes zu verteilen oder wenigstens zu vermitteln. Ein Geschöpf kann nur von Gott selbst gesegnet werden, und dazu bedarf es keiner weiteren Mittelspersonen als Jesu, des Sohnes Gottes. In seinem Namen hat jeder Mensch das Recht, sich selbst Gott zu nähern. Jeder andere Segen, wie pompvoll und auffällig er auch immer aufgemacht sein mag, ist nach den klaren Lehren der Heiligen Schrift wertlos.

In dem Maße, wie die Augen der Menschen „von Gott ab" und „auf Menschen" gelenkt sind, und in dem Maße, wie prunkvolle Aufmachung und Stellung solcher Personen die Aufmerksamkeit „von Gott ab" und „auf Menschen" lenken, ist es allerdings wahr, daß solche zweifelhafte Segnungen in unserer an äußerem Schein und Unechtem so reichen Zeit sehr häufig gesucht werden."

Als Beispiel wird angeführt
Zitat

Es gehört schon eine besondere Einstellung dazu, die Segnung eines Sportplatzes, wie sie vom Kardinal Vannitesti in Rom vorgenommen wurde, oder gar die Segnung neuer Automobile, wie sie am 8. März am Tage der Santa Franzeska Romana alljährlich vor dem Kolosseum stattfindet, zu verstehen. Noch viel schwerer mag es denen, die diese Einstellung nicht haben, werden, zu verstehen, was der Duisburger General-Anzeiger vom 10. 5. 1928 zu (einem) Flugzeugbildnis berichtet. Er sagt:

Zitat

„Das für neue Streckenrekordversuche bestimmte Flugzeug „Jesus der großen Fähigkeiten" (man höre und staune! Red. G. Z.) wird vom Kardinal Hunballi in Gegenwart der königlichen Familie in Sevilla gesegnet. Rechts und links vom Flugzeug die kühnen Piloten Jimenez und Iglesius, die den Streckenrekord brechen wollen."

Zitat

Zu dieser Notiz bemerken wir nur: Man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll, über die Sache selber, oder über den Namen „Jesus der großen Fähigkeiten." Wie gesagt, es gehört eine besondere Einstellung dazu, diese Dinge zu verstehen. Wer auf dem Boden der Bibel und - wenn er sie recht versteht - damit wahrhaft auf dem Boden einer nüchternen, gesunden Lebensauffassung steht, wird allerdings nur ein Kopfschütteln für solche Dinge übrig haben.

Es ist übrigens - wie schon eingangs gesagt wurde - merkwürdig, wie deutlich in vielen Fällen offenbar die Mißbilligungen Gottes wegen dieser Dinge zum Ausdruck gebracht wird. Es ist noch nicht lange her, daß jenes amerikanische Flugzeug, das den Ozean überfliegen wollte, mit Mann und Maus nach wenigen Tagen versunken war, trotzdem oder - was ist wahrscheinlicher? - weil es vorher von Bischöfen besonders gesegnet worden war? Sollte nicht der Ausgang solcher Unternehmungen, von denen mit viel Propaganda bekanntgemacht wurde, daß die Kirche sie gesegnet hat, denkende Menschen bezüglich des Wertes oder Unwertes solchen Segens sehr nachdenklich stimmen?

Und nun selbst gar, wenn - wie der Bote aus dem Riesengebirge berichtet - der Warschauer Militärbischof sogar einige neue Eisenbahnzüge eingesegnet hat, die zur Propaganda von Giftgasabwehr bestimmt sind?

Oder aber, was kommt heraus, wenn man sich der mit einem ganz besonderen päpstlichen Segen bedachten Expedition Nobiles erinnert?

Wir bringen nachstehend einige Pressemeldungen aus den Tagen, in denen die ganze Welt von der beabsichtigten Fahrt Nobiles zum Nordpol sprach, und wie endete die mit dem besonderen Segen des Papstes ausgerüstete Expedition? Ein Kreuz sollte am Nordpol aufgerichtet werden und sollte als Sinnbild gelten für die erdumspannende Herrschaft der römischen Kirche vom Süd- zum Nordpol. Was Gott zu diesem Unternehmen gesagt hat, war bereits an den ununterbrochenen Schwierigkeiten und Hindernissen zu erkennen, die Nobile selbst auf seinem Fluge über das Festland zu bewältigen hatte, ganz abgesehen von dem unrühmlichen Ende, das schließlich die Expedition selbst nahm.

Die derzeitigen Meldungen über den beabsichtigten Flug Nobiles und dessen kirchenpolitische Absicht lauteten:

Zitat

„Einsegnung des Luftschiffes
Mailand, 11. April. Heute fand die Taufe des Luftschiffes Italia und die Übergabe des Kreuzes, das eine Spende des Papstes ist, statt. Die Zeremonie wurde vom Mailänder Erzbischof, Kardinal Tosi, anstatt bisher vom Bischof von Loretto, in Anwesenheit hoher Offiziere und der Geistlichkeit vorgenommen. Nach der Einsegnung hielt der Kardinal eine kurze Ansprache und entbot den Startbereiten den Gruß und besonderen Segen des Papstes. Außer dem Kreuz wurde an der Kabine ein Bildnis der Mutter Gottes von Loretto angebracht. Das Bildnis hat General Nobile bereits bei seinem letzten Flug nach dem Nordpol begleitet."


Zitat

Und eine andere, ähnliche Lesart:

Zitat

„Einsegnung des Luftschiffes 'Italia'
Am Mittwoch fand die Taufe des Luftschiffes 'Italia' und die Übergabe des Kreuzes, das eine Spende des Papstes ist, statt. Die Zeremonie wurde vom Mailänder Erzbischof, Kardinal Tos, assistiert vom Bischof von Loretto, in Anwesenheit hoher Offiziere und der Geistlichkeit vorgenommen. Nach der Einsegnung hielt der Kardinal eine kurze Ansprache und entbot den Startbereiten den Gruß und den besonderen Segen des Papstes. Außer dem Kreuz wurde an der Kabine ein Bildnis der Mutter Gottes von Loretto angebracht. Das Bildnis hat General Nobile bereits bei seinem letzten Fluge nach dem Nordpol begleitet."

Zitat

Wir erkennen in dem unrühmlichen Ende dieser Expedition ein scharfes, klares Gottesurteil.
Man sollte die Sprache dieser bedeutsamen Ereignisse beachten. Es ist die Sprache Gottes, mit der er seine Mißbilligung diesem Unternehmen gegenüber zum Ausdruck bringt. Man soll sich nur daran erinnern, daß es ein Unternehmen war, das mit dem besonderen Segen der römischen Kirche beladen war. Hinzu kommt eine neuere Notiz, die wir der amerikanischen Zeitschrift „Golden Age" Nr. 226 entnehmen. Sie lautet wie folgt:

Zitat

„Der Besitzer der „Allgemeinen Makkaroni-Gesellschaft" zu Erie in Pennsylvanien, ein sehr strenger Katholik, ersuchte einen katholischen Priester, seine Fabrikanlage zu segnen, da er glaubte, dadurch einen besonderen Schutz zu gewinnen. Vielleicht dachte er, dies sei besser als eine Feuerversicherung. Für zehn Dollars wurde die Fabrikanlage gesegnet, und eine geweihte Kerze brannte zwölf Stunden lang in dem Gebäude, um den Segen noch zu befestigen. Dies geschah am 5. Februar.

Am nächsten Tage gegen 19 Uhr brach in dem Gebäude Feuer aus. In wenigen Minuten brannte es über und über, Flammen und Rauch brachen aus jedem Fenster. Das Feuer brannte etwas über zwölf Stunden, dann war das große, vierstöckige Gebäude vollständig abgebrannt, alles verloren, trotzdem fünf Feuerwehrzüge ihr Bestes taten, das Feuer zu löschen. Die Ursache des Feuers ist nicht zu ermitteln. Der unglückliche Besitzer wünscht keinen Segen mehr!"

Zitat

Eine ununterbrochene Reihe ähnlicher kennzeichnender Geschehnisse ließ sich hinzufügen, und überall, wo solche Ereignisse eintreten, sollten sie registriert werden. Der natürliche Mensch allerdings wird sehr leicht und gern von Zufall reden; aber wer gewohnt ist, die Dinge vom Standpunkt der Bibel aus zu betrachten, wer da weiß, daß Jehova sich jetzt einen Namen auf dieser Erde macht und alles zunichte machen wird, was ihm und seinem Namen entgegensteht, oder Ehre, die ihm allein gebührt, Menschen zuwendet, der vermag auch Ereignisse wie diese im rechten Lichte zu sehen und richtig zu bewerten."

Und weil das vorstehend ausgeführte, offenbar die Befindlichkeit der GZ-Leser im besonderen ansprach, gab es dann noch in der Magdeburger Ausgabe vom 1. 12. 1928, in der Form eines veröffentlichten Leserbriefes, einen „Nachschlag" dazu. Jener Leserbriefschreiber meinte:
Zitat

„Vieles ist bereits über das Drama am Nordpol durch die Zeitungen berichtet worden.

[Einfügung: Als Hintergrund-Info kann man dazu etwa vergleichen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Umberto_Nobile
http://de.wikipedia.org/wiki/Italia_(Luftschiff)]
Zitat

Ein Geheimnis schwebt noch über den Geschehnissen, und das ist ein schlechtes Zeichen, denn die Wahrheit hat noch nie das Licht des Tages gescheut. ... Insonderheit dürfte es interessant sein, die sogenannte „heilige Mission am Nordpol" im Lichte der Bibel zu charakterisieren.

Eine deutsche illustrierte Zeitung brachte vor ca. 2 Monaten Illustrationen mit Bezug auf die „heilige Mission", die mit der Nordpolexpedition in Verbindung stand. Ein katholischer Geistlicher segnete ein riesiges Metallkreuz ein und betraute den Leiter der Expedition mit einer „allerhöchsten Botschaft", die dahin ging, Rom vom Nordpol bis zum Südpol anzukündigen. ...

Eine solche Handlung ist nicht nur völlig unbiblisch, sondern sie ist geradezu angetan, den Namen Gottes herabzuwürdigen. ...
Wenn Jesus Christus seine Nachfolger zum Kreuztragen ermuntert, so kann das keineswegs so verstanden werden, daß man die Erde mit „Kreuzen" behängt und, wie im vorliegenden Falle, ein solches am Nordpol den Eisbären etc. zur Verwunderung als Visitenkarte und Selbstbildnis abwirft. Es ist mir unbegreiflich, daß die gesamte Christenheit, insonderheit die „protestantische" Kirche, so wenig Luthergeist zeigt, diese Dinge zu verstehen und gebührend zu kennzeichnen. Wie verhält es sich denn mit dem Gotteslästerungsparagraphen. Schützt der in der Tat das Wort Gottes - oder nur ein nominelles Kirchentum?

Wer glaubt wohl ernstlich, daß der betreffende katholische Geistliche in göttlicher Autorität handelte? Wer gab den Auftrag zu dieser „heiligen Mission", und wer bezahlte das Kreuz? ...

Angesichts des kläglichen Ausgangs der „heiligen Mission am Nordpol" sollte es wahren Christen nicht schwer fallen, festzustellen, daß man den Namen Gottes wieder einmal zu eitlem, selbstischen Machwerk benutzt hat, und daß der Segen natürlich genau so ausblieb, wie im Weltkrieg 1914 - 1918, wo das internationale-nationale Christentum sich im Namen Gottes zerfleischte ..."

Die Berichte über die Nordpol-Expedition des italienischen General Nobile, waren dem „Goldenen Zeitalter" (Schweizer Ausgabe) vom 1. 4. 1930, dann noch einen „Nachschlag" wert.
Das GZ konnte es sich nicht versagen, noch kommentierend zu berichten:
Zitat

„Das Urteil über Nobile
Des Papstes Segensspruch verwandelte dann Gott in Fluch. Und doch - das größte Fiasko kommt erst noch.
Wie die Zeitungen zu melden wissen, sollen die amtlichen Untersuchungen über den unglücklichen Ausgang der von dem faszistischen General Nobile geleiteten Polarexpedition von 1927 sehr ungünstig ausgefallen sein.

Man schreibt: "Das Urteil über Nobile ist vernichtend". - Der Bericht der offiziellen Untersuchungskommission lautet dahin, daß General Nobile in keiner Weise zur Führung eines Luftschiffes befähigt gewesen sei, noch dazu berechtigt war. "Nobile", so heißt es wörtlich in dem Bericht, "hatte seinerzeit lediglich nur die Erlaubnis bekommen, Probeflüge über der Stadt Rom zu unternehmen. Die von ihm geleitete Expedition war nur oberflächlich vorbereitet, so z. B. hatte der an Bord des Luftschiffes befindliche Mechaniker vorher keinen einzigen Flug unternommen und der Expeditionsphotograph hatte nie zuvor - photographiert" u.s.w.

Jeder aufmerksame Leser muß sich beim Lesen dieses Berichtes fragen, wie hat im Lande der absoluten Staatsdisziplin Mussolinis eine Nachlässigkeit in der Vorbereitung zu solch einer überaus wichtigen Unternehmungsreise stattfinden können, da doch die Ordnung, Autorität und der Gehorsam die obersten Grundsätze des Faszismus bilden! - Wie konnte sich ein wohldisziplinierter General solch eine Eigenmächtigkeit erlauben!

Es scheint einem unglaublich geradezu. Oder hat der Ärmste zu sehr auf den Segen des Papstes vertraut, der ihm und seinem Luftschiff erteilt worden ist! Oder verließ er sich zu sehr auf das ihm vom Vatikan anvertraute Kreuz, das er zum Zeichen der Weltherrschaft des Papstes am fernen Nordpol abwerfen sollte. Vielleicht! Nun ja, das dürfte womöglich eine Entschuldigung für ihn sein. Es ist ja schon mancher ehrgeizige Streber durch den väterlichen Segen des vermutlichen Stellvertreter Gottes auf Erden verleitet, getäuscht und betrogen worden und hat ein unrühmliches Ende erreicht.

Auch Kaiser Wilhelm hat den eigenhändigen Segen des Papstes empfangen und wurde das "Schwert des hl. römischen Reiches" oder des Katholizismus genannt. Und wo sitzt er heute! Und wie viele andere Weltgrößen der Vergangenheit und Gegenwart teilten dieses Los! Und wie viele andere werden es in der Zukunft noch teilen müssen! Ob denn die arme Menschheit nicht bald zur Einsicht kommen wird!

Wie ganz anders würde das Urteil über Nobile ausgefallen sein, wenn sein verwegener Nordpolflug von Erfolg begleitet gewesen wäre! Gewiß würde er unter dem feierlichen Klang der St. Petersglocken in Rom empfangen worden sein. Man würde die Besatzung des Luftschiffes in buntfarbiger Prozession in der Stadt herumgetragen haben. Und der Papst hätte sich dabei neben Mussolini als Weltboxer aufgespielt, durch dessen Segen all dies Werk zustande kam. 0 wie doppelt selbstbewußt würde man sich gebärdet haben! wie würdig und groß!

Aber leider - Gott ließ diesen Triumphzug scheinbar nicht zu. Mobiles päpstlich-faszistisches .Abenteuer hat einen kläglichen Abschluß gefunden, ruhmlos, von Bolschewiken Händen gerettet, kehrten die armen Teilnehmer in ihre Heimat zurück.

Nun sucht man die Sache geschickt aus der Welt zu schaffen, indem man den Führer der Expedition allein zur Verantwortung zieht und ein unbarmherziges Urteil über ihn fällt.

Das Urteil der amtlichen Untersuchungskommission über Nobile schließt mit der Feststellung ab:

Zitat

"Vollständig unfähig ein Luftschiff zu führen, energieloser Charakter, minderwertiger Flieger".
Zitat

Armer General! Wie wäre es, wenn man dein vielleicht gerechtes Urteil auch über deine Segenspender ausgesprochen oder ausgedehnt hätte; besonders auf den Herrn Papst:

"Vollständig unfähig einen Segen zu erteilen, ungöttlicher Charakter, minderwertiger Nachfolger Christi".

Nobile ist dem unvollkommenen Gerichte der Menschen zum Opfer gefallen, seine Helfershelfer und Mitverantwortlichen werden jedoch dem gerechten Gerichte Gottes nicht entgehen, er wird sie ebenfalls zu finden wissen und ihnen zeigen, daß er nicht durch ruhmsüchtige Nordpolfahrten, sondern durch Aufrichtigkeit und Wahrheit geehrt werden will."


von Drahbeck - am 19.09.2013 22:54

Anfangstage des Fernsehens

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Die Anfangstage des heutigen Fernsehens, findet man auch schon im „Goldenen Zeitalter" reflektiert, und zwar in dessen Ausgabe vom 1. 10. 1928.
Angesichts der nachweisbaren Radio-Euphorie, kann man diesem Bericht eine gewisse innere Berechtigung, keinesfalls absprechen.


Auch später wurde das Thema Fernsehen noch vom „Goldenen Zeitalter" aufgenommen. So in der Schweizer Ausgabe vom 15. 12. 1928. Dort gleich mit zwei Meldungen. Einer Kurznotiz, und einem andernorts entlehnten, umfänglicheren Artikel. Als Kurznotiz liest man:
Zitat

„Zweitausend TeIevision-Apparate
Nur ganz kurze Zeit scheint es seit der ersten Meldung her zu sein, daß Television praktisch möglich sei. Jetzt will eine der New Yorker Radiostationen, WRNY, Televisionen der Artisten aussenden, nachdem diese ihre Programmnummer beendigt haben. Es wird behauptet daß in der Stadt New York sich zweitausend Empfangsapparate für Television befinden."

Den zweiten, Fernsehen bezüglichen Beitrag in dieser GZ-Ausgabe, ordnet das GZ ausdrücklich seiner Rubrik „Zeichen der Zeit" zu. Selbiger Artikel führt aus:
Zitat

„Das Fernsehen als neue Industrie
Vom Fernsehen hat die Menschheit schon lange geträumt. Heute ist das Problem gelöst. Das Fernsehen, von dem Wissenschaftler und Forscher der ganzen Welt ein halbes Jahrhundert lang träumten, ist nun zur praktischen Wirklichkeit geworden. Einem britischen Erfinder, Jon Logie Baird, blieb es vorbehalten, diese Erfindung auf das kommerzielle Gebiet zu bringen. Nach jahrelangen geduldigen Forschungen sah er seine Arbeiten von Erfolg gekrönt, als im Januar 1926 vierzig kritische Männer der Wissenschaft, Mitglieder des Königlichen Instituts, in seinem kleinen Laboratorium der ersten Vorführung des Fernsehens beiwohnten und zu ihrem höchsten Erstaunen lebende menschliche Bilder, die von einem Zimmer ins andere übertragen wurden, sehen konnten. Nach diesen Vorführungen verbrachte Baird zwei weitere Jahre mit der Entwicklung und Vervollkommnung seiner Erfindung.

Im Verlaufe dieser Zeit gelang es ihm, Fernsehen über Telephonleitungen zwischen London und Glasgow und auf drahtlosem Wege zwischen London und Neuyork durchzuführen. Ein dramatischer Gipfelpunkt wurde von ihm vor einigen Wochen erreicht, als eins Vorführung auf dem Cunard-Dampfer "Berengaria" stattfand.

Als sich das Schiff etwa 1500 Meilen vom Land entfernt auf See befand, konnte der Oberbordfunker seine Braut sehen, wie sie in einem Zimmer in London mit andern Personen sprach. Er wusste nichts davon, dass er sie sehen würde, erkannte sie aber nach einigen Zweifel, sobald ihr Gesicht erschien.

Die Tage der Versuche sind nun vorüber, und das Fernsehen ist in die Reichweite aller Menschen gelangt. Vom September ab wird der Bairdsche Fernseher entweder als besonderes Gerät oder in Kombination mit einem Rundfunksender verkauft werden, und der Eigentümer wird gleichzeitig einen Vortragenden auf der Rundfunksendestation hören und sehen können. Das Fernsehen wird also tatsächlich über alle Entfernungen von vielen Meilen und über alle dazwischen liegenden Hindernisse hinweg vor sich gehen, und Ereignisse, die in der Ferne stattfinden, wird man im gleichen Augenblick genau so bequem sehen, also von weitem genießen können. wie schon längst entfernte Laute vermittels der drahtlosen Teleplionie zu vernehmen sind.

Hierbei ist zu bemerken, daß das Fernsehen, das einen augenblicklichen Prozeß darstellt, nicht mit der Bilderübertragung zu verwechseln ist, die keinerlei lebende oder bewegliche Bilder überträgt, sondern lediglich vermittels eines verhältnismäßig langsamen Prozesses mechanische Kopien von Photographien und dergleichen, die aus der Ferne übermittelt werden, herstellt. Solche Photographien müssen bekanntlich erst auf dem gewöhnlichen Wege durch Apparate aufgenommen werden Dank der Tätigkeit der Baird Television Development Company ist in andern Ländern der kommerzielle Fortschritt schon weiter vorgeschritten als in England, der Heimat der Erfindung

In den Vereinigten Staaten gehen jetzt die Pläne für die Errichtung von Fernseh-Rundfunksendern ihrer Vollendung entgegen, die über die ganzen Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko verteilt werden und von denen einige sehr bald in Betrieb genommen werden sollen. In Holland sind Vorkehrungen getroffen worden, um die Geräte auf der Niederländischen Industrieausstellung, die zurzeit stattfindet, zu zeigen und vorzuführen.

Es ergibt sich somit die Tatsache, daß mit der Vervollkommnung des Bairdschen Fernsehers das Fernsehen so weit ist, um seinen Platz auf dem kommerziellen Gebiet neben den andern drahtlosen Geräten und Sprechmaschinen einzunehmen. Es ist kaum notwendig, über die Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung dieser erstaunlichen Erfindung zu sprechen. Wir können uns alle selbst vorstellen, daß der Tag nicht mehr ferne sein wird. wo wir, ohne unsere Stühle daheim zu verlassen, alle größern Ereignisse im Augenblicke des Geschehens werden sehen können, also nicht in der Art wie die Filme, die wir ja erst nach einem Ereignis zu sehen bekommen.

Eine weitere mit dem Fernsehen verknüpfte Entdeckung des genialen Erfinders ist das Nachtsehen, d.h. die Möglichkeit, in voller Finsternis zu sehen. Anläßlich der Sommerversammlung der British Association im vergangenen Jahr zeigte Baird, daß es mit Hilfe von unsichtbaren infraroten Strahlen möglich ist, eine im Zimmer sitzende Person zu sehen, in das keinerlei Licht eintritt. Diese Strahlen durchdringen sogar den Nebel, und es ist leicht ersichtlich, welche Vorteile man aus dem Nachtsehen für die verschiedenen Tätigkeitsgebiete ziehen kann.

Ferner wird unter dem Namen "Phonovision" eine Erfindung bekannt, durch die Fernsehzeichen auf Schallplatten festgehalten werden können. So kann man von ein und derselben Platte nicht nur die Stimme des Sängers oder Sprechers wiedergeben, sondern auch sein lebendes bewegliches Bild, das auf einen mit dem Gerät verbundenen Schirm projiziert wird, sehen. Eine neue Industrie steht somit am Eingangspunkt ihrer Laufbahn, und zwar eine Industrie von solcher Bedeutung und mit solchen unbegrenzten Entwicklungsaussichten, daß in kurzer Zeit das Fernsehen und die damit zusammenhängenden Auswirkungen ein starker Konkurrent des Kinos, des Rundfunks und der Schallplatten werden und diese alle sogar bei weiterem Fortschreiten weit hinter sich lassen wird.

Professor Dr. Karolus in Leipzig, der gemeinsam mit der Telefunkengesellschaft das bis jetzt beste Verfahren der Funkentelegraphischen Bildüberfragung, wie sie im Verkehr zwischen Berlin und Wien angewendet wird, geschaffen hat, hat nun auch das Problem des Fernsehens gelöst. Darüber werden Einzelheiten bekannt. Die Versuche sind so erfolgreich verlaufen, daß es in absehbarer Zeit möglich sein wird, zugleich mit den funkentelegraphisch übertragenen Theateraufführungen auch das Bühnenbild zu empfangen. Das Fernsehverfahren arbeitet ganz ähnlich wie das Bildübertragungssystem auf der
Sendeseite mit der Photozelle, die die Lichtimpulse in elektrische Stromimpulse umsetzt, worauf diese von einem Kurzwellensender weitergegeben werden können. Der Empfänger besteht neben einem Kurzwellenapparat in einem elektrooptischen Relais, das die elektrischen Stromschwankungen wieder in Lichtschwankungen verwandelt und zwar so, daß der Beschauer durchaus den Eindruck des beweglichen Bildes wie beim Film hat.
("Installateur")

Zitat

"Und die Erkenntnis wird sich mehren!" - Daniel 12:4."


von Drahbeck - am 18.10.2013 00:20

„Errungenschaften bei den Tieren der Dschungeln"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Weitere (vermeintliche) Innovationen, thematisiert die GZ-Ausgabe (1. 10. 1928) auch noch. Offenbar war dem GZ da ein einschlägiges Buch zu Gesicht gekommen mit dem Titel:
„Wilde Tiere: Eines weißen Mannes Errungenschaften bei den Tieren der Dschungeln" (Verlag: D. Appleton, London und New York).

Ob denn dieses Buch wirklich jene These stützt, welche das GZ aus ihm herauslesen möchte, erscheint mir zumindest, keinesfalls als ausgemacht. Einerseits wird ja die Evolutionstheorie abgelehnt, und zwar entschieden abgelehnt. Wenn denn wilde Tiere zu Pflanzenfressern mutieren sollen, setzt das ja irgendwie - auch in der Lesart des GZ - eine Art „Evolution" voraus.
Zu den Anti-Evolutionsargumenten der Bibelforscher/Zeugen Jehovas gehört aber auch das Züchtungs-Mutationen (Veränderungen) nicht dauerhaft seien. Nach einigen Generationen sind sie wieder verschwunden.

Bekanntes Beispiel der sogenannte „Wunderweizen" aus der Frühzeit der Bibelforscher. Selbst der WTG-nahe Autor Cole räumt ein. Heute gibt es diesen „Wunderweizen" der damals Furore machte, so nicht mehr. Und als es ihn noch gab, seien seine Früchte auch nicht optimal gewesen, hätten einige von Mühlenfachleuten keineswegs geschätzten, unerwünschten Nebeneigenschaften gehabt.

Insofern besteht mehr als berechtigter Grund anzuzweifeln, das wilde Tiere, durchaus dauerhaft zu Pflanzenfressern werden könnten. Genau das aber ist doch die unterschwellige Botschaft, welche das GZ, vermeintlicherweise glaubt aus diesem genannten Buche, herauslesen zu können.

Da seitens des GZ der Inhalt des fraglichen Buches durchaus umfänglich referiert wurde, sei diese Berichterstattung auch hier wieder gegeben. Ob sie indes wirklich eine „Stütze" für die genannte GZ-These ist, mag dann jeder für sich noch beantworten. Man liest im Detail:
Zitat

„Kann nun der paradiesische Zustand zwischen Mensch und Tier wiederhergestellt werden? Kann es möglich sein, daß der Mensch und die großen, wilden Tiere in gegenseitigem Verstehen und gegenseitiger Zuneigung beisammen wohnen?

Mit diesen Gedanken befaßt sich Wyant Hubbard in seinem Buche ... Mr. Hubbard verbrachte drei Jahre in Rhodesia (Britisch-Südafrika) und Ost-Afrika und befand sich diese ganze Zeit über in enger Gemeinschaft mit Tieren der Wildnis. Seine Aufgabe war es, den amerikanischen zoologischen Gärten lebende Exemplare zu verschaffen. Er versichert auf das bestimmteste, daß sich die Geschichten seines Buches genau so zugetragen haben, wie er sie erzählt. Und sie sind außerordentlich fesselnd.

Mr. Hubbard hat ein größeres Interesse für Tiere als für menschliche Wesen. Seine Liebe zu allen Lebewesen brachte es so weit, daß aus dem jagenden Naturforscher ein Mensch wurde, der des Glaubens ist, daß alle wilden Tiere denken, sich etwas mitteilen, lehren und lernen können, und sich darum zu Haustieren eignen. Seine Tierfarm in Tara kann nicht besser beschrieben werden, als mit seinen eignen Worten:

Zitat

„Um unsere drei Wohnzelte und Küchen gruppierten sich Drahtkäfige, Gehege von Pfählen, an denen Paviane befestigt, Drahtseile, an denen Leoparden und Gepards festgebunden waren, alles ganz planlos ... In der Nähe unserer Viehherden befanden sich die jungen Antilopen, die frische, warme Milch brauchen. Gegenüber der Reihe der Paviane waren die Fleischfresser. In der Nähe der Küche hatten die Leoparden ihren Auslauf, und nahebei war ein kleiner Gepard, der an einer leichten Kette dreißig Meter in einer mit Stahldraht umgebenen Einfriedung umherlaufen konnte. Dann kamen wider fünf Paviane.

Dann kamen Tibetkatzen, langgestreckt, mit langen Mähnen und gelbgefleckten Fellen. Sie waren die einzigen Tiere unter den mehr als fünfhundert, die sich nicht zähmen ließen. Etwa dreihundert Meter hinter der Küche, wo unser Tierpark begann, ging es zu Ende. Das letzte waren die Käfige der Pythons (Tigerschlangen) ... Im Speisezimmer hatten wir beständig die Jungen, die dauernder Pflege und Fürsorge bedurften. Zahme Antilopen liefen frei umher, und die Blauhäher betrachteten das Dach unserer Feldhütte als ihre spezielle Wohnung.

Zitat

Auf der Jagd hatte Mr. Hubbard viele aufregende Abenteuer, bei denen er knapp mit dem Leben davonkam. Sein Zweck war natürlich, junge Tiere einzufangen. Dabei mußte oft viel gewagt, und die alten Tiere mußten getötet werden. Mit einer Schar von erfahrenen Eingeborenen und einer großen Menge von Hunden drang er tief in die afrikanischen Dschungeln ein. Die Hunde erwiesen sich dabei als hilfreich, die alten Tiere von den jungen wegzulocken, damit diese gesichert werden konnten.

Bei diesen Exkursionen sammelte Hubbard eine Menge wertvollen Wissens und hatte einzigartige Gelegenheiten, die Eigenart der wilden Tiere zu studieren. Unter den Bewohnern seiner Kolonie befanden sich auch drei junge Elefanten. Mary, der kleinste von ihnen, war, als er gefangen wurde, nur knapp 1 m hoch und hatte noch keine Zähne. Er mußte es lernen, aus einer Flasche zu trinken, und bei täglich fünfundzwanzig Flaschen Haferschleim machte er gute Fortschritte. Als Mary ihre Zähne bekommen hatte, durfte sie mit zwei größeren Elefanten, die unter der Aufsicht von sechs Eingeborenen standen, ausgehen. Gegen Abend wurden sie wieder eingetrieben, dann mußten sie in einem Wasserloch ihr Bad nehmen. Da sprangen sie mit lautem Freudengeschrei hinein, spritzten den Schlamm nach allen Richtungen, standen Kopf und schossen Purzelbäume.

Die interessante Geschichte, wie Jim, der zweite Elefant, gefangen wurde, ist ein Beispiel von vielen anderen interessanten Berichten des Buches. Nachdem ihn die Hunde von der Elefantenherde isoliert hatten, wurde er stundenlang von Hunden, Eingeborenen und Weißen gejagt. Schließlich wurde er mit einem starken Seil zwischen vier Bäumen gefangengenommen. Dort ließ man ihn die Nacht über. Die Schar der Jäger zog sich zurück, zündete ein Feuer an und ging an das Zubereiten und Essen ihrer Abendmahlzeit.

Plötzlich hörten sie ein Krachen von Zweigen; die Hunde schlugen an, und die Männer standen auf. Das ganze Lager befand sich in großer Bewegung. Die Elefantenherde war gekommen, um Jim zu befreien. Die Männer flüchteten sich in der Dunkelheit auf einen Ameisenhaufen. Die wütenden Elefanten schrien fürchterlich, trampelten das Feuer aus, brachen kleinere Bäume um und vollführten einen Höllenlärm. Zitternd kamen die Jäger vom Ameisenhaufen herunter und fanden zu ihrer Freude, daß Jim noch da war.

Eins der interessantesten Kapitel in dem Buche ist: „Denken die afrikanischen Tiere?" Mr. Hubbard behauptet, daß die wilden Tiere imstande seien, zwei oder mehrere Tatsachen zusammenzubringen und nach dem Schluß, den sie daraus gezogen haben, zu handeln. Er bezweifelt es, daß sie so etwas, wie eine instinktive Furch haben. Furcht ist gewöhnlich erst ein Ergebnis von Erfahrungen, die entweder die jungen Tiere selbst oder ihre Eltern gemacht haben.

In der Farm zu Tara wurden zwei Pythons in einem großen, 7 ½ Meter langen, 4 ½ Meter breiten und 2 Meter hohen Käfig gehalten. Natürlich mußten sie nach einiger Zeit gefüttert werden, und ihre natürliche Nahrung sind kleine Säugetiere und Vögel. Drei Hühner und eine Ziege wurden in den Käfig gelassen, und sie zeigten gar keine Furcht vor den Schlangen. Die Ziege begann ruhig das Gras des Erdbodens zu fressen und stieg dabei über die Schlangen hinweg. Die Hühner traten direkt auf sie. Seltsamerweise nahmen die Schlangen gar keine Notiz von den für sie ausersehenen Opfern und mußten schließlich gewaltsam gefüttert werden.

Keines der jungen Tiere, die in die Gefangenschaft kamen, zeigte Furcht vor den Menschen. Ein kleiner Leopard fühlte sich ganz zu Hause unter 50 Hunden, die wild genug waren, Elefanten und Büffel lebend einzufangen. Still um, der große ausgewachsene Leopard, hatte eine besondere Freundschaft mit einer großen dänischen Dogge, und niemand hat je gesehen, daß sie sich zankten oder bissen.

Ein interessantes Beispiel dafür, daß diese Tiere keine instinktive Furcht haben, lieferte Janey, daß sechs Monate alte Warzenschwein. Es grub sich beständig aus seiner Hürde aus und kam mit Schnüffeln und Grunzen direkt in das Speisezimmer. Mit Klapsen wurde es zurückgetrieben, aber es kam immer wieder. Ganz frei lief dieses Tier durch das Gebiet des Leoparden hindurch und hatte offenbar keine Ahnung, daß Warzenschweine die Lieblingsspeise von Leoparden sind.

Die wilden Warzenschweine zeigen große Vorsicht. Sie halten sich immer in der Nähe des Loches eines Ameisenhaufens auf, in das sie sich zurückziehen, wenn sich ihnen ein Feind naht.

Die Säbelantilope legt sich, wenn sie verfolgt wird, hin und rollt sich zu einem runden Klumpen zusammen, den sie erfolgreich mit ihren langen gebogenen Hörnern verteidigen kann. Wenn sie von Menschen verfolgt wird, ist Flucht ihre einzige Rettung.

Als ein interessantes Beispiel dafür, daß alle Tiere denken, wird uns von einer Löwin erzählt, die mit drei Jungen in einem Käfig eingesperrt war. Eines der Jungen traf beim Balgen mit seinen Geschwistern seine Mutter mit der Tatze ins Gesicht. Sofort fing sich die Mutter ihr unaufmerksames Kind ein, schüttelte es ein wenig und stellte es in eine Ecke, mit dem Gesicht nach der Wand. Das Junge blieb ruhig stehen, bis es nach etwa 10 Minuten denken mochte, es habe seine Strafe abgebüßt, und zu seinem Spiel zurückkehrte.

Man hat Elefanten beobachtet, die in einem ausgetrocknetem Flußbett entlang gingen, sorgfältig den Boden untersuchend. Wenn sie an eine Stelle kamen, wo sie noch eine Wasserspur entdeckten, scharrten sie mit ihren Vorderüßen den Sand weg und warteten ein Weilchen, bis das Wasser emporsickerte. Wenn zur Zeit der Früchte ein Baum zu fest gewurzelt ist, als daß er von einem einzelnen Elefanten umgerissen werden könnte, holt sich dieser einen anderen zur Hilfe, und mit vereinten Kräften ziehen sie an dem Baume, bis sie ihn entwurzelt haben, um sich die Früchte zu sichern.

Löwen haben eine sehr kluge Art, Rindvieh aus der Umfriedung herauszudringen. Mr. Hubbard erzählt, daß er eines Abends, ehe der Mond aufging, ein Geräusch bei den Rindern hörte und sich bereit machte hinauszugehen, hörte er von der Seite her, von der der Wind kam, ein schreckliches Löwengebrüll. Diesem folgte sofort ein Gebrüll der Rinder, und eine der Planken, womit das Gehege umfriedet war, gab krachend nach und etwa 60 Ochsen ergriffen die Flucht. Als der Mond aufging, sah man, daß zwei Löwinnen sich an dieser dem Winde entgegengesetzten Seite postiert und einen Ochsen gerötet hatten.

In seiner trauten Gemeinschaft mit den wilden Tieren ist Mr. Hubbard zu folgenden Schlüssen gekommen:
1. Jedes wilde Tier ist zu zähmen, vorausgesetzt, es ist noch sehr jung, wenn es eingefangen wird, und es wird von einer sehr verständigen, mitfühlenden und geduldigen Person behandelt.

2. Es ist sehr falsch, wenn man die wilden Tiere so darstellt, als seien sie an sich streitsüchtig, böse oder grausam.

3. Obwohl jedes wilde Tier zu zähmen ist, so bieten doch nur gewisse Tiere die Möglichkeit, später einmal als Haustiere dienen zu können. Zu diesen gehören: der Büffel, der Elefant, das Elen, das Wildschwein, der wilde Hund, die Wildkatze und vielleicht das Zebra...."


von Drahbeck - am 24.10.2013 22:24

Superindendent Danneil

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Bereits in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 8. 1928, meint man sich in der Form eines ganzseitigen Inserats beschweren zu müssen.
Nicht nur dort, wäre hinzuzufügen. Auch in diversen Tageszeitungen, wurden - gegen Bezahlung - entsprechende inhaltlich ähnliche, Inserate eingesetzt. So laut GZ vom 15. 10. 1928, unter anderem im „Königsberger Tageblatt", und mit Sicherheit auch noch in weiteren Tageszeitungen.

„Protest! Aufruf! An unsere Leser und ihre Familien!" bekommt man da zu lesen.
„Unter dem Vorwand des Verstoßes gegen die Gewerbeordnung" liest man weiter, würden ungezählte Prozesse, die man als Schikanen werte, heraufbeschworen.
Zitat

„Fast fünftausend finanzgerichtliche und sonstige Prozesse haben unsere kirchlichen Gegner im Laufe weniger Jahre inszeniert."

Und weiter:
Zitat

„Natürlich erfolgte mit Ausnahme weniger Fälle, in denen die rechtzeitige Einspruchsfrist oder ähnliches versäumt war immer Freispruch. Aber trotzdem wurden - ohne Rücksicht auf die auch dem Staat dadurch entstehenden Kosten - von unseren kirchlichen Gegnern immer neue Prozesse bewirkt."

Man beruft sich weiter darauf, dass die in eigener Regie hergestellte WTG-Literatur - im Vergleich zu von regulären Verlagen hergestellten Sachen - billiger sei. Besonders erbost ist man darüber, dass die etliche Jahre bestehende Steuerfreiheit dafür, da als „Gemeinnützig" deklariert, nun offenbar aufgehoben wurde „mit der Begründung, daß die in Frage kommende Literatur Ausdrücke scharfer Kritik enthalte und weder der evangelischen noch der katholischen Kirche nützlich sei, so daß von Gemeinnützigkeit nicht gesprochen werden könne."

Mit dem richtigen Riecher dafür, dass kirchliche Kreise, die ihrer Staatskirchensituation nachtrauerten, mit dieser Art von Argumentation letztendlich nicht durchkommen würden, beschließt die WTG zum Gegenangriff überzugehen, wovon eben auch dieser „Protest" kündet, und fordert ihre Anhängerschaft auf, sich möglichst umfassend in entsprechende Protestlisten einzutragen.
Wer so in die Öffentlichkeit tritt mit seinem Anliegen, der braucht sich dann wohl auch nicht zu wundern, wenn ihm just aus jener Öffentlichkeit, ein entsprechendes Echo entgegenhalt. Und so ist es denn auch abgelaufen.

Und in der GZ-Ausgabe vom 15. 11. 1928, gab es dann noch einen „Nachschlag" zum Thema. In dem Artikel stellt man ganz bewusst den „starken Mann" heraus. Mehr als eine Million Deutscher, hätten vorgeblicher Weise (ohne stichhaltigen Beleg dafür) sich dem WTG-Protest angeschlossen.
Und dann gibt es eine Aufzählung der Umsatzzahlen:
Zitat

„Fast 7 Millionen Bücher und Broschüren wurden im Jahre 1928 in Deutschland durch die freiwillige Missionsarbeit der Bibelforscher verbreitet"
, liest man da. Und weiter:
Zitat

„Die letzte Versuch in dieser Richtung bewegte sich auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung, indem man versuchte, die Tätigkeit der Bibelforscher als steuerpflichtig zu bezeichnen, trotzdem es eine allgemein - auch gerichtlich sachverständigerseits - festgestellte Tatsache ist, dass die Verbreitung der Literatur der Bibelforscher und ihre ganze Tätigkeit in keinen Sinne gewerbsmäßig erfolgt. Ein zur Klärung dieser Frage angestrengter Gerichtsprozesses vor dem Finanzgericht in Magdeburg entschied deshalb auch in diesen Tagen, dass die Tätigkeit der Bibelforscher unbedingt unter dem Begriff "Gemeinnützigkeit" falle, ganz abgesehen davon, wie ihre Einstellung zu den großen Kircheneinrichtungen unserer Tage sein mag."

Dann meint man sich darauf berufen zu können. Man habe 1926 bei einer Bibelforschertagung in Magdeburg 15.000 Anwesende gezählt. 1927 bei einer analogen Tagung in Berlin, die gleiche Zahl.
Und nun 1928, würde man nicht nur eine zentrale Veranstaltung der Art durchführen, sondern mehrere, regional gegliedert. Als entsprechendes Zahlenwerk dazu wird genannt:
Dresden 5000
Berlin 3500 (in der "Neuen Welt")
Königsberg 350 bis 400
Essen 2800 bis 3000 Bibelforscher

Entweder kann ich nicht mehr richtig zählen, oder was. Nach meiner Addition ergeben aber die Zahlen für diese vier Städte keinesfalls, die vorgenmannten 15.000. Auch dann nicht wenn man die auch genannten 2000 in Basel (Schweiz), großzügigerweise mitzählt.

Diesen Umstand meint man dann noch mit der Angabe kaschieren zu können:
Zitat

„Alles in allem betrachtet wurden also allein anläßlich dieser Bibelforscher-Konferenzen über 100.000 Bücher und Broschüren in die Hände der Menschen hineingelegt."

Nun war ja die WTG, bekanntermaßen, in Magdeburg ansässig. So gesehen verwundert es nun überhaupt nicht, dass ein dortiger Superintendent der Evangelischen Kirche, sich zum Sprecher der Gegenargumentation (oder meinetwegen auch Gegenpolemik) machte.

In der Pose der „verfolgten Unschuld vom Lande" berichtet nun das GZ in der Ausgabe vom 15. 10. 1928, über diesen Magdeburger Superintendenten.

Da liest man dann:
Zitat

„Die Internationale Bibelforscher-Vereinigung hat sich bekanntlich durch einen Protest-Aufruf gegen den Versuch, sie durch ein heraufbeschworenes Steuerverfahren in ihrer Missionsarbeit zu hindern, gewehrt und in manchen Städten in Geschäften Listen ausgelegt zur Unterzeichnung dieses Protestes von seiten derer, die Freunde der Bibelforscherarbeit sind. Es ist scheinbar dem Herrn Superintendenten Danneil zu Magdeburg schier unerträglich, daß verschiedene bedeutende Geschäfte an verkehrsreichen Stellen dieser Stadt nicht nur die Listen auslegten, sondern sich auch selbst dem Protest anschlossen, weil sie das Ungerechte des gegen die Bibelforscher geführten Kampfes klar erkennen. Der Herr Superintendent scheint sich zu einer Methode entschlossen zu haben, die letzten Endes darauf hinausläuft, christliche Nächstenliebe auf sonderbare Art zu pflegen, indem er die indirekte Drohung ausspricht, er würde dafür bemüht sein, daß solchen Geschäftsleuten der Lebensunterhalt geschmälert werde, -- durch Veröffentlichung einer sogenannten schwarzen Liste?

Oder sollten wir uns hierin irren? Dann wären wir dankbar, wenn uns erklärt würde, weshalb Herr Danneil ein Rundschreiben des Kreissynodalvorstandes des Kirchenkreises Magdeburg, datiert vom 1. August 1928, aussandte, welches folgenden Wortlaut hat:

Zitat

„An den Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Magdeburg sind in diesen Tagen viele Anfragen von Gliedern der evangelischen Kirchengemeinden ergangen wegen eines Vorstoßes der Ernsten Bibelforscher.

Die evangelischen Gemeinden haben den Kampf gegen diese aus Amerika kommende Sekte stets offen und ehrlich geführt, obwohl die Angriffe dieser Sekte alles Maß überschreiten.

Die Ernsten Bibelforscher haben nun als ihre Kunden die Bitte gerichtet an Sie, eine Protestliste in Ihrem Geschäft auszulegen.
Sie haben der Bitte entsprochen,

Wir müssen Sie darauf hinweisen, daß die Mehrzahl Ihrer Kunden zu den evangelischen Gemeindegliedern gehören, die mit Recht verwundert sind, daß derartige Angriffe gegen sie von Ihnen mit einem solchen einseitigen Wohlwollen für die Gegner behandelt sind.

Es wird im nächsten Magdeburger Kirchenblatt (14 000 Abonnenten) berichtet werden über diesen neuen Angriffsversuch der Bibelforscher und über die Stellungnahme der Geschäfte, die ihre Unterschriften gegeben haben.

Einige Geschäfte haben auf Anruf von evangelischen Kunden die Protestliste zurückgegeben, und uns ist dann Mitteilung gemacht.
Da unsere Gemeindeglieder ein Recht darauf haben zu erfahren wie die Geschäfte, bei denen sie kaufen, in der Sache entschieden haben, stellen wir Ihnen anheim, uns einen Bescheid zu geben, damit die Mitteilungen erfolgen können.
Hochachtungsvoll
gez. Danneil, Superintendent."

Ob der Herr Superintendent, da mit seinem Agieren die „feine englische Art" praktizierte oder eben nicht. Die Frage mag ja einstweilen unbeantwortet bleiben. Aber selbst wenn man der Meinung zuneigt, die „feine englische Art" war das wohl nicht, dann muss man aber auch hinzufügen. Analoges galt auch für die Bibelforscher.

Im weiteren Verlauf der GZ-Ausführungen, zitiert dann selbiges Stellungnahmen solcher, welche sich dem vorgenannten kirchlichen Ansinnen nicht beugten.

Im weiteren Verlauf der GZ-Ausführungen liest man dann noch die Sätze:
Zitat

Inzwischen ist auch die angedrohte Veröffentlichung in dem Magdeburger Kirchenblatt, Nummer 9, September 1928, durch das den genannten Herrn (Superintendent Danneil, Magdeburg) erfolgt. ...

(Pro) WTG-Briefe hat er natürlich in dem Gemeindeblatt nicht veröffentlicht, sondern nur einen ihm günstig lautenden
[Einfügung: Genau dasselbe tat aber auch die WTG in der Sache]
Zitat

und dazu hat es zum Zwecke persönlicher Verunglimpfung eine weitere Unwahrheit veröffentlicht, indem er behauptet, und der Leiter der Bibelforscher Bewegung sei ein früherer Matrose, was völlig aus der Luft gegriffen ist und ja auch kennzeichnend ist für den Herrn Superintendenten, der „von der Sache" mit Verleumdungen „auf den Menschen" geht.

In derselben Veröffentlichung sagt er dann - wirklich meisterhaft gedreht und gedeutet ausgedrückt - über die Broschüre „Freiheit für die Völker":

Zitat

„Wenn man dies Heft liest, kommt es einen wirklich so vor, als ob diese Sekte ein Ableger des auf Sowjetleute ist. Diese Behauptung ist neulich in allem Ernst aufgestellt und der Beweis dafür ist versucht".

Zitat

Er weiß genau, dass die Quelle auf die er sich dort bezieht, ein gewöhnliches Produkt übelster Verleumdungsversuches ist, darum auch schreibt er:
„Der Beweis ist versucht". Aber hierbei kommt es ja nicht darauf an die Wahrheit zu verbreiten, sondern möglichst einen unbequemen religiösen Gegner durch den Schmutz zu ziehen.
Im übrigen wird der Herr Superintendent doch nachdenklich werden, wenn er bei Abschluss des Protestes hört, wieviel Hunderttausende deutscher Bürger sich voller Entrüstung unsrem obigen Protest angeschlossen haben. Zur ganzen Handlungsweise dieses Kirchenführers und seinem auf uns bezogenen Ausspruch: „Wir wenden uns mit Ekel ab", bemerken wir, daß wir diesen zwar nicht gebrauchen, ihm aber denselben hiermit zurückgeben, mit dem Hinweis auf die Worte Jesu: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen."

Als Kontrast dazu, mag es noch angebracht sein, sich den inkriminierten Artikel aus dem „Magdeburger Kirchenblatt" (Nr. 9/1928) einmal etwas näher anzusehen.
Selbiger trägt den Titel: „Die Reklame der Bibelforscher, und was dabei herauskam".
Ausgeführt wird in ihm:
Zitat

„Eines Tages wurde Magdeburg überrascht durch riesengroße Anzeigen in der Zeitung. Protest stand dick darüber. Es handelte sich um eine Steuersache der Bibelforscher.
Nicht ohne Humor ist die Tatsache, daß die Bibelforscher für ihr Unternehmen Gemeinnützigkeit verlangen und daß auf der andern Seite es in Frage gestellt wird, ob eine Vereinigung als gemeinnützig gelten darf, die die großen Kirchengemeinschaften in der niedrigsten Art und Weise beschimpft.

Sehr hübsch hat Faßhauer in seiner 'Sachsenschau' angeführt, indem er auch hinweist auf die äußere Lebensführung des jetzigen Leiters, eines ehemaligen Matrosen.

[Einfügung. Mit der Kolportierung vorgenannter Angabe über den Beruf des Balzereit, offenbart der Herr Superintendent nur eines. Er hat offenbar einschlägige antisemitische Anti-Bibelforscher-Pamphlete gelesen. Das ist dann seine „Bildung" auf dem Sektor. Weiter im Zitat]
Zitat

Was aber überraschte an dem Protest, war etwas ganz anderes. Man las unter dem Protest eine Reihe von Magdeburger Firmen, die bereit waren zur Auslegung der Protestlisten.

Die Bibelforscher reden hier ganz offen von den „kirchlichen Gegnern". Und man sollte eigentlich von einem Geschäftsinhaber erwarten, daß er erst genau prüft, ehe er seine Unterschrift gibt. Daß diese Prüfung nicht immer erfolgte, stellte sich bald heraus.
Der Kreissynodalvorstand hat sich mit der Sache befaßt und hielt es für angebracht, an alle Unterzeichner einen Brief zu richten.

(dann folgt die Zitierung jenes Briefes, welchen weiter oben dokumentiert, auch die WTG zitiert hatte).

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen äußert Danneil dann noch:
Zitat

„Am interessantesten ist eine kleine Broschüre, die für 10 Pfennig zu haben ist: „Freiheit für die Völker" von Richter Rutherford.
Wenn man dies Heft liest, kommt es einem wirklich so vor, als ob diese Sekte ein Ableger der Sowjetleute ist. Diese Behauptung ist neulich allem Ernst aufgestellt, und der Beweis dafür ist versucht. Jedenfalls muß daß gesagt werden, daß die Bibelforscher in dieser Broschüre eine politische Demagogie in religiösem Gewande treiben, die einmal weiteren Kreisen bekanntgemacht werden muß.
Mit Ekel wenden wir uns ab von dieser Art, die Bibel als Deckmantel für niedrigste politische Verhetzung zu gebrauchen."

Besonders das letztere Danneil'sche Statement erweist sich als aufschlußreich. Er polemisiert also gegen die WTG-Schrift „Freiheit für die Völker" und stellt die Bibelforscher in die „kommunistische Ecke". Damit steht Herr Danneil in der Tat nicht alleine. Selbiges taten noch etliche andere seiner Kirche. Allen voran der Herr Paul Braeunlich. Bei Braeunlich bin aber zumindest ich versucht, eine Namens-Verballhornung vorzunehmen dergestalt,. Zwischen „Bräunlich" und „braun" ist wohl kein großer Unterschied!

Weder Herr Braeunlich noch Herr Danneil, mag ja eingeschriebenes Mitglied der NSDAP gewesen sein. Oder überhaupt eingeschriebenes Mitglied einer Partei. Zu der Zeit (1928) war ja die NSDAP nur eine von mehreren Parteien aus dem rechten Parteispektrum. Und 1928 war es in der Tat noch nicht klar, wer aus diesem Spektrum das Rennen machen würde. Die Entscheidung in dieser Gemengelage hat dann der Karikaturist Heartfield einmal bildlich dargestellt (Oktober 1932); als er Hitler, mit über den Kopf erhobenen geöffneten Händen sagen ließ:
www.brasscheck.com/heartfield/hf1.jpg
[Keine Direktverlinkung da eine externe Quelle]
„Hinter mir stehen Millionen".
Das waren dann aber jene buchstäblichen Millionen, welche auf technischer Ebene erst mal von Notenbanken herausgegeben wurden. Und zu deren Verteilern zugunsten des Hitler, auch wesentliche Teile des US-Kapitals gehörten.

Das alles konnte Herr Danneil so sicherlich nicht vorausahnen. Mag er auch kein direkter Symphatisant der NSDAP gewesen sein. Als Sympathisant der sonstigen Deutschnationalen Parteien, darf man sicherlich auch ihn, nebst weiteren wesentlichen Teilen seines Berufsstandes, bezeichnen.

Dann mag es doch noch angebracht sein, einige jener Zitate aus „Freiheit für die Volker" mit vorzustellen, die auch für Danneil den schlüssigen „Beweis" darstellten, die Bibelforscher in die kommunistische Ecke zu stellen.
Den Volltext der Broschüre kann man sich ansehen unter:
Freiheit fuer die Voelker.pdf

(den Ladeumfang von etwa 15 MB beachten).

Darin enthalten auch solche Zitate wie die:
Zitat

Jakob Christmann (fingierter Name) war ein Mitglied der lutherischen Kirche. Der Pastor dieser kirchlichen Konfession war einer derer, die die jungen Männer in den Krieg hinein gepredigt hatten und bei der Militäraushebung Helfershelfer und Aufhetzer waren. Es fiel Elsie schwer zu verstehen, wie er ein Geistlicher sein um gleichzeitig beständig einen solchen Weg gehen könnte.
Wie können die Nation und ihre Prediger in den Kirchen behaupten Christen zu sein, und dabei Krieg befürworten und das Volk zwingen, in den Krieg zu ziehen, gegeneinander zu kämpfen und einer den andern zu töten, ja selbst gegen ihren eigenen Willen und gegen ihre Einwilligung?

Wer ist also für den Krieg verantwortlich? Einige selbstische und ehrsüchtige Männer, danach strebend. ihre Macht zu vergrößern, wollten einige Millionen menschlicher Wesen in den Tod jagen, um ihre Ziele zu erreichen. Ein winziger Vorwand für eine Kriegserklärung wurde gefunden und der Krieg begann. Das Großgeschäft stellte die Kriegsmaschinerie her und lieferte das erste und hierzu notwendige Geld, wissend, dass es als Rückzahlung tausend Prozent erhalten würde.
Die Berufspolitiker setzen Aushebungsgesetze in Kraft, um den Kriegsapparat in Bewegung zu setzen. Unredliche und treulose Prediger verschiedenster religiöser Benennungen, vorgebend, Christus nachzufolgen drängten gleichzeitig das Volk in den Krieg und handelten als Kriegsagenten. Heuchelnd predigten sie Krieg von ihren Kanzeln. In vielen Fällen wurden sich hier schändliches tun von den großen Geldmännern, denen Krieg für ihren privaten Gewinn erwünscht war, bezahlt. Das allgemeine Volk wohl gezwungen, seine Brust für Kugeln und Granaten zu entblößen und sich Eigentum und Leben nehmen zu lassen, damit die ruchlose, eigenliebige Gier dieser Menschen befriedigt werde.

Wenn das „Großgeschäft" wünscht, seine Besitztümer zu vermehren, und Krieg vorteilhaft für seine selbstischen Interessen zu sein scheint, zögert es nicht, Krieg zwischen den Völkern der verschiedene Nationen zu provozieren. ...
Wer ist verantwortlich dafür, dass solche harte, grausamer Herrschaft „Christentum" genannt wird? Ich antworte: die Geistlichkeit der verschiedenen Bekenntnisse. Ehrgeizig nach der Billigung und dem Beifall der Menschen und mit einem Wunsch in Behaglichkeit und Üppigkeit zu leben haben sich die so Gesonnen mit dem Großgeschäft und den Berufspolitikern verbündet.

Einige überselbstsüchtige Menschen bilden das „Großgeschäft" und kontrollieren den Handel, der Welt. Sie tun dieses durch die Macht des Geldes, dass sie dort Händen der Massen der Arbeiter ungerechterweise entrissen haben. Sie kontrollieren die Wahlen, weil die Politiker solche Gesetze anordnen und erzwingen, wie sie es wünschen. Sie besitzen und kontrollieren die öffentliche Presse und veröffentlichen nur, was Sie wünschen, dass das Volk liest.
Jahrhundertelang waren die Vorrechte, deren sich die Menschen erfreuten, sehr ungleichmäßig verteilt; die Massen haben en Wohlstand der Welt zwar erzeugt, aber sind ungerechterweise der Früchte ihrer Arbeit beraubt worden. Das organisierte Christentum hat ein taubes Ohr gegenüber den Gesuchen und dringenden Bitten des Volkes um Abhilfe gezeigt.


von Drahbeck - am 26.10.2013 06:15

Re: Anfangstage des Fernsehens

Zitat
Drahbeck
Auch später wurde das Thema Fernsehen noch vom „Goldenen Zeitalter" aufgenommen.


Aber damals war das Fernsehen ja noch schwarzweiß. Deshalb hatte es noch nicht dazugeführt, dass "alle Menschen sich bessern". Das geschah erst durch das Farbfernsehen, wie man 1929 erkannte.

Zitat
Das Goldene Zeitalter, 1. Januar 1929, Seite 2


von prozessor - am 31.10.2013 19:43

Ein schwarz-weiss-Bild

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Wie sang ein Herr Walter Scheel mal (ohne allerdings für den Text ein Copyright in Anspruch nehmen zu können)
„Hoch auf dem gelben Waa'agen ..."
http://www.youtube.com/watch?v=s3HvMnYnGcA

A ja. In dem Schwarz-weiss-Bild ist das Wagen ja gar nicht gelb. Wie wahr. Schwarz-weiss ist auch durchaus geeigneter zu charakterisieren, was denn die da offerierte Ideologie beinhaltet. Eben eine Schwarz-weiss-Weltsicht. Aber gemessen an den damaligen Verhältnissen, stellt dass schon eine massive Art von Reklame dar. Die Formen der Reklame mögen sich ja in der Zwischenzeit gewandelt haben. Ihr Tenor der Un-Dezentheit, wohl nicht!

Eine neuere Form undezenter Reklame meint der „Bürgerreporter Schalies" wieder mal zum „besten" geben zu sollen. Die Indoktrinierungsanstalt namens „Gilead", namentlich deren Gründungsdatum, hat es ihn diesmal angetan. Das wäre dann wohl wieder mal so eine Meldung auf welche die Giessener Zeugen Jehovas Welt „gewartet" hat. Gibt es eigentlich in Giessen und Umgebung noch ein paar Nicht-Zeugen Jehovas? Ob die auch auf die neueste Schalies-Kreation gewartet haben, erscheint wohl eher zweifelhaft. Das aber bekommt ein Herr Schalies in seinem mißratenen Missionarswahn, dann schon mal überhaupt nicht mehr mit.

Herr Schalies scheint es eher mit dem „Bodenständigensein" zu halten. Wäre es anders hätte er ja auch eine der vielen WTG-Aufforderungen, zum dienen in „Hilfe tut not"-Gebieten, Folge leisten können, und anschließend über seine dort gesammelten Erfahrungen ein Buch schreiben können. Einer der es im Gegensatz zu Schalies tatsächlich tat, und - auf eigene Kosten - dann nach Portugal zog, konnte dann auch solche „Events" berichten. Dortige Unterkunft, ein umgebauter Hühnerstall. Es wäre doch mal aufschlußreich, wie Herr Schalies solche Elemente der WTG-Vorsorge dann kommentieren würde, sofern er sich in etwas jüngeren Jahren, zu ähnlichem hätte motivieren lassen.

Der Hühnerstall als angemessene Unterkunft, ist dem Schalies dann ja erspart geblieben. Seine große Fresse, die er da heutzutage zu Markte trägt, würde wohl auch erst dann etwas kleinlauter, wenn er denn selbst mal solche Events wie Hühnerstall und Co am eigenen Leibe ausgekostet hätte.
www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/86576/jehovas-zeugen-feiern-70-jahre-wachtturm-bibelschule-gilead/

Die Hackordnung wird gewahrt
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,175762,175762#msg-175762

von Drahbeck - am 16.11.2013 22:45

Ein Radio-Vortrag

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Radio-Vortrag, gehalten durch Sendestation WBBR, Wellenlänge 256,3 m, liest man ungezählte male auch in den deutschen Ausgaben des „Goldenen Zeitalters". So auch wieder in dessen Ausgabe vom 1. 11. 1928. Da mag es dann doch mal angebracht sein, sich (auszugsweise), solche eine „Radioberieselung" anzutun; so, wie sie das GZ in gedruckter Form offeriert. Die genannte Ausgabe vom 1. 11. 28 berichtet unter anderem:
Zitat

„Die meisten Menschen glauben, daß das Weihnachtsfest der Geburtstag Jesu sei. Das ist jedoch nicht richtig. Das heilige Kind wurde etwa am 1. Oktober geboren. Es ist also auch nicht richtig, wie viele Leute glauben, daß das Weihnachtsfest von den Kirchen zur Ehre Christi gefeiert wird. Aber für die Allermeisten ist die Feier zu dieser Jahreszeit mehr als alles andere ein gutes Geschäft. Für die Kirchen ist es eine Gelegenheit, Geld zu sammeln, wie es für die Geschäftsleute eine Gelegenheit ist, besonders gute Verkäufe zu machen. Wenige nur sind über die wahre Bedeutung der Geburt Jesu unterrichtet.

Wenn auch dieser Zeitpunkt der Geburtstagsfeier nicht richtig ist, so ist es doch zu jeder Zeit angebracht, von dem zu reden, dessen Geburt mehr für die Menschheit bedeutet, als die Geburt irgendeines anderen Wesens, das je auf Erden geboren wurde. ...

Der damalige römische Kaiser, der Beherrscher Palästinas, erließ eine Verordnung, daß alles Volk besteuert werden solle. Alle mußten sich in ihre Vaterstadt begeben, wo sie gezählt und zur Steuer eingeschätzt wurden. Joseph, der Zimmermann, stammte aus dem Hause Davids, obwohl er in der Stadt Nazareth wohnte. Er mußte darum in Davids Stadt gehen, um sich dort schätzen zu lassen. Da auch Maria aus demselben Geschlecht, aus dem Hause Davids stammte, ging sie mit ihm. Der Herr geleitete sie dorthin, weil es seinen Absichten entsprach, daß das Kind dort geboren werden sollte. ...

Den Hirten, die auf dem Felde bei ihren Herden wachten, erschien der Engel des Herrn. „Und die Herrlichkeit des Herrn erleuchtete sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute in Davids Stadt ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr." ...

Neunzehnhundert Jahre sind seither vergangen. Diese prophetische Botschaft ist während der letzten Jahrhunderte durch die Verbreitung von 600 000 000 Bibeln in allen Sprachen verkündigt worden.
Doch, seltsam, trotzdem sich die zivilisierten Völker der Erde seit dem Jahre 800 n. Chr. Als christliche Nationen bekannten, und trotzdem der Engelgesang Jahr für Jahr wiederholt wurde, traten die herrschenden Mächte der Erde noch die Geistlichen für Frieden und Wohlgefallen auf Erden ein, noch wurde Gott in der Höhe Ehre dargebracht. Alle haben ihre eigene Ehre und ihren eigenen Vorteil gesucht.

Heute, steigen die Wogen der Furcht vor einem kommenden Krieg höher und höher. Unter dem Vorwand, daß sie in Friedenszeiten zum Kriege rüsten müßten, rüsten sich die Nationen mit Mordwaffen des Krieges aus. Wenn wir den Horizont des Weltgeschehens betrachten, sehen wir eine grauenhafte Gefahr näher und näher kommen. ...

Die Geburt Jesu hat unsrem Planeten bis jetzt noch keinen Frieden gebracht, noch brachte die von Jesus gepredigte Botschaft internationale Übereinstimmung, Harmonie und Zusammenarbeit. ...

Durch seinen Propheten Jesaja und Hesekiel gibt uns Jehova Gott einige Informationen über Eden. Obwohl Adam und Eva als erwachsene Menschen erschaffen waren, waren sie doch Kinder in bezug auf Erfahrung; darum unterstellte sie Gott in liebevoller Fürsorge der Aufsicht eines Schutzengels, der ihr unsichtbarer Lehrmeister sein sollte. Hesekiel sagt, als für Gott sprechend, zu diesem Engelwesen:
„Du warst ein schirmender gesalbter Cherub, und ich hatte dich dazu gemacht." Jesaja sagt uns im 14. Kapitel, im 12. Verse (engl. Übersetzung), daß er Luzifer, das heißt „Lichtträger" hieß. Doch anstatt den Weg Adams und Evas zu erleuchten, tat Luzifer etwas anderes. Hesekiel sagt:
„Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tage an, da du geschaffen worden, bis Unrecht an dir gefunden wurde."

Luzifer begehrte, ein eigenes Königreich zu haben; und es gelüstete ihn nach der Herrschaft, die der Herr Adam anvertraut hatte. Dieses Begehren war sein Fall. „Wie bis du vom Himmel gefallen, du Glanzstern [Luzifer], Sohn der Morgenröte! ... denn du sprachst in deinem Herzen: Zum Himmel will ich hinauffahren, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben ... Ich will mich gleichmachen dem Höchsten."
Das heißt, er wollte ein Herrscher sein, der von seinen Untertanen als Gott angebetet wird. In seiner Schlauheit erkannte er, daß, wenn es ihm gelingen würde, Adam und Eva auf seine Seite zu bekommen, er auch ihre gesamte Nachkommenschaft vom Gesetz abwendig machen und unter seine Herrschaft zwingen würde ...

Gott konnte Satans Herrschaft über die Erde nicht anerkennen; denn er hatte ihn nicht hierzu ermächtigt. ...
Doch inmitten des Reiches des Teufels hat Gott der Herr während all der vergangenen Jahrhunderte seine treuen Vertreter gehabt. ...

Jesus suchte weder Kompromisse mit der Organisation Satans zu schließen, die damals genau wie heute aus dem Großgeschäft, der hohen Politik und der hohen Geistlichkeit bestand, noch suchte er diese Organisation zu reformieren ...

Der Apostel Johannes sagt: „Hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden, auf daß er die Werke des Teufels vernichte." (1. Johannes 3:8) Welches war die Gott wohlgefällige Art dies zu tun? Etwa indem er das Volk gegen die Regierung aufwiegelte und eine Revolution herbeiführte? O nein! Als Jesus die fünftausendköpfige Volksmenge mit fünf Broten und und zwei Fischen gespeist hatte und diese ihn, durch dieses Wunder begeistert, zu ihrem König machen wollten, entzog er sich ihnen. Gott würde ihn zum König machen, nicht Menschen, und Gottes Stunde war noch nicht gekommen. Zu dem römischen Statthalter sagte Jesus: „Wenn mein Reich von dieser Welt [dieser ungerechten Organisation] wäre, würden meine Diener für mich kämpfen, daß ich den Juden nicht überliefert würde." ...

Zitat

Wir haben bereits in vielen vorhergehenden Radio-Vorträgen bewiesen, daß wir uns in den letzten Tagen der Welt befinden, und daß Christus Jesus unsichtbar als ein herrliches Geistwesen gegenwärtig ist. Wenn nun der Friedefürst da ist, warum haben wir dann noch nicht Frieden und Wohlgefallen auf Erden? Warum herrschen heute Bedrängnis, Furcht und Ratlosigkeit unter den Nationen? Die Bibel antwortet:
Im Jahre 1914 hat Gott dem Reiche oder der Welt des Teufels erklärt: „Bis hierher und nicht weiter! Dein Ende ist gekommen. Die Zeit der Nationen ist zu Ende." ...

Auch der Völkerbund kann sie nicht wieder zusammenflicken.


von Drahbeck - am 18.11.2013 07:03

Wozu Orangensaft nicht alles „gut sein soll"

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Folgende erstaunliche Meldung liest man in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 11. 1928:
Zitat

„Orangensaft anstatt Blutübertragung
Der Herausgeber der amerikanischen Zeitschrift "Health Culture" (Gesundheitspflege) schreibt, nachdem er all denen, die zu Gunsten anderer unter großer Selbstverleugnung ihr Blut zur Übertragung hergegeben haben, seine Anerkennung zollt, dass nach den Erfahrungen die er gemacht hat, eine Obertasse voll süßen Orangensaft des durch den Mund dem Körper zugeführt, denselben Dienst tut wie die Blutübertragung. Die Beobachtungen in den Krankenhäusern haben ergeben, dass sich bei Anwendung dieses einfachen Mittels die Blutübertragung erübrigte"

Damals (1928) war das Thema Blutübertragung für die Bibelforscher/Zeugen Jehovas, so noch nicht akut. Die damalige Motivation für den Abdruck dieser Meldung dürfte eher dem Bereich. Begünstigung des Heilpraktikertums, zuzuordnen sein. Versteht es irgendein Quacksalber auf dem Gebiete, mit einer neuen „Innovation" von sich reden zu machen. Man kann fast darauf warten, dass dann auch im „Goldenen Zeitalter" reflektiert vorgefunden zu haben.
Mysnip.128884

Der Zitierte meinte also, Orangensaft könne eine Blutübertragung ersetzen. So, so, mag man dazu nur sagen. Er verbreitet sich allerdings nicht darüber, unter welchen Rahmenbedingungen. Auch bei einem Unfall-bedingten hohen Blutverlust?
Auch bei einer medizinischen Operation, wo alle ärztliche Erfahrung bestätigt. Oft ebenfalls mit hohem Blutverlust einherzugehen. Diese Fragen und ihre Beantwortung stellen Quacksalber in der Regel nicht. Und zu den Quacksalbern darf sich getrost das „Goldene Zeitalter" hinzuzählen, indem es so diese These offeriert. Ohne auch nur andeutungsweise darauf einzugehen, was dagegen spricht.

Und dann wäre da noch eine Frage. Nach 1945 wurde es bei den Zeugen Jehovas, bezüglich Ablehnung von Bluttransfusionen ernst. Da wäre es doch durchaus interessant gewesen, wenn vorgenannte These „stichhaltig" gewesen wäre, wenn die WTG da in dieser neuen Konstellation ihre frühere Meldung aus dem Jahre 1928, dazu erneut ausgebuddelt hätte. Bis heute ist mir allerdings, in der Richtung nichts bekannt.
Nicht in der vorzitierten Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" wohl aber in einer anderen (1. 11. 1930) - das als Kontrast noch - konnte man auch dieses Lesen:



von Drahbeck - am 21.11.2013 01:39

Sommerlath und die Seele

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - eine Zeitreise
Die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 12. 1928, wähnt Oberwasser zu haben (Die Schweizer Ausgabe des GZ brachte den in Rede stehenden Bericht erst in der Ausgabe vom 15. 1. 1929). Und wenn das so ist, betrachtet man es als Ehrenpflicht, auch die eigene Leserschaft darüber zu unterrichten. Es gibt zwar noch einen weiteren Artikel in der gleichen GZ-Ausgabe, in dem man sich erzürnt darüber zeigt, kirchlicherseits wieder einmal als Sekte eingestuft worden zu sein. Wenn man indes mal eines kirchlichen Artikels habhaft wird, der dieses Stigma nicht verwendet, ist man natürlich hoch erfreut. So eben auch in dieser GZ-Ausgabe geschehen. Die eigene Leserschaft wird also wie folgt informiert:
Zitat

„Das Kreisblatt Blankenburg berichtet in seiner Nr. 235 d. J. über einen Vortrag, den der Professor der Theologie Dr. Ernst Sommerlath von der Universität Leipzig gehalten hat, über das Thema „Was wissen wir vom Leben nach dem Tode?"

Und dessen Ausführungen meint das GZ wie folgt interpretieren zu können:
Zitat

„Wenn man diesen Bericht liest, dann sieht man, daß dieser Theologie-Professor, wenn auch sehr vorsichtig, so doch zielbewußt im Begriff ist, die Brücke zu bauen zu einem Zugeständnis der Evangelischen Kirche, und zwar zu einem Zugeständnis mit Bezug auf die Frage „Ist die Seele des Menschen sterblich oder unsterblich?"

Alle Leser des „Goldenen Zeitalters", und vor allen Dingen auch Kenner der Bibelforscher-Literatur wissen, wie die Bibelforscher sich bemüht haben, der zweifellos von Satan, dem Widersacher, aufgestellten Lehre, jeder Mensch habe eine unsterbliche Seele, entgegenzutreten, weil diese Lehre mit dem klaren Zeugnis der Bibel nicht übereinstimmt, die nicht sagt, daß der Mensch eine Seele h a b e, sondern, daß er selbst eine Seele ist (1. Mose 2:7), und daß die Seele, welche sündigt, sterben soll (Hesekiel 18:4). Sie wissen auch, wie sehr die Bibelforscher gerade dieser aufklärenden Tätigkeit wegen verspottet und allgemein angefeindet worden sind. Oft genug hat man sie um dieser Ursache willen als Irrlehrer verschrien. Es ist interessant, zu sehen, wie dieser Theologie-Professor jetzt langsam und vorsichtig den Übergang zu einem Bekenntnis anbahnt, das gerade dem entspricht, was Bibelforscher über diesen Gegenstand bislang immer gesagt haben. Der Herr Professor sagt nämlich unter anderem:

Zitat

„Die Unsterblichkeit der Seele mit irgendwelchen philosophischen oder vernünftigen Gründen zu beweisen, muß man aufgeben."

Zitat

Auch die Wiederherstellung des Menschen zu ewigem Leben auf Erden wird - vorsichtig andeutend - von ihm als zu erwägendes Bekenntnis zugegeben, mit den Worten:

Zitat

„Nicht Unsterblichkeit der Seele ist Christenhoffnung, sondern nach dem leblosen Zustand neue Leiblichkeit."

Das alles meint man weiter mit den Sätzen kommentieren zu können:
Zitat

„Es ist ja gut, und wir sind froh, zu sehen, daß unsere Aufklärungsarbeit, trotzdem sie so befehdet wird, doch endlich Nachdenken und Beachtung findet; wenngleich wir denken, ein offenes Bekenntnis wäre eher der Weg, den Gott anerkennen wird. Ein offenes Bekenntnis dergestalt:
„Ja, es ist wahr was die Bibelforscher allezeit gesagt haben, die Lehre von der unsterblichen Seele und ewiger Qual für die Seele in Hölle und Fegefeuer ist unbiblisch, entspricht also nicht den Lehren der Bibel, und in dieser Beziehung hat die katholische wie auch die evangelische Kirche gefehlt. Die Hoffnung für die ganze Menschheit ist einfach nur das Königreich Gottes auf Erden, die Auferstehung des Menschen und seine Wiederherstellung zu vollkommenen menschlichen Leben in Glück und Wohlfahrt und zu Harmonie mit Gott auf der Erde."

Deutlicher spricht sich schon der Geistliche Gustav Kochheim, Hamburg, in der „Christlichen Volkswacht", Heft 6/7, 1927 in einem Artikel, betitelt „Eine ernste Forderung an die christliche Seelsorge", über das irrige Unsterblichkeits-Dogma aus:

Zitat

„Das Wort von der unsterblichen Seele, das heidnischen Ursprungs ist, hat die falsche Vorstellung von einer individuellen Wesenheit erzeugt, die im vergänglichen Körper gleichsam gefangen sitzt und je nach ihrem Glauben oder Unglauben im Tode der ewigen Seligkeit teilhaftig wird oder der ewigen Verdammnis anheimfällt. Das Neue Testament aber spricht nicht von Unsterblichkeit, sondern von Auferstehung. Eine unsterbliche Seele im landläufigen Verstande gibt es gar nicht. Wir sind mitsamt unsrem Leid und unserer Vernunft 'Seele', und unsere 'Sorge' gilt der Seele, kann nur der Seele gelten, muß aber auch der ganzen Seele und allen ihren Nöten gelten."

Zitat

Ein solch offenes, freies Bekenntnis fordern wir aber von der evangelischen und auch von der katholischen Kirche als Ganzes; denn es ist die Wahrheit. Die Wahrheit aber soll man offen bekennen und nicht so sorgfältig unter Mäntelchen verbergen. Also noch einmal: ein offenes Bekenntnis!"

Das „Goldene Zeitalter" konnte es zwar noch nicht wissen, indes zur Charakterisierung jenes Sommerlath mag noch der Umstand erwähnt werden, ab 1958 fungierte selbiger auch als Herausgeber der „Theologischen Literaturzeitung". Selbige indes steht generell für eine Tendenz, welche das Bibelforscher/Zeugen Jehovas-Schrifttum der Rubrik „Schrott" zuordnet. Und mit „Schrott" hält man sich wegen der „Zeitverschwendung", in der Regel nicht weiter auf. Das musste schon mal der altkatholischer Pfarrer Walter Küppers (alias „Johannes Walther") erfahren. Küppers („Walther") dann auch noch besonders unrühmlich mit seiner 1912-These im Stile Russells hervorgetreten. Jedenfalls wähnte Küppers („Walther") als relativ neu (im Jahre 1895) gekürter Dr. der Theologie, der „Theologischen Literaturzeitung" auch eine seiner Publikationen, zwecks Besprechung in dieser zusenden zu sollen. („Neue Untersuchungen über den Quellenwert der vier Evangelien"). Es gab dann dort im Jahre 1902 auch eine tatsächliche Notiz in dieser in Sachen Küppers („Walther"). Ob über diese indes bei Küppers tatsächliche „Freude" aufgekommen ist, erscheint ziemlich zweifelhaft, konnte er dort doch den „Zerriß" über sich lesen:

Zitat

"Der geneigte Leser sieht, dass diese Publikation nur pathalogisches Interesse hat. Der Rezensent kann mit diesem kurzen Bericht seine Aufgabe als erledigt ansehen."

Küppers konterte dann zwar mit dem markigen Spruch:
Zitat

„ Phytagoras, der Philosoph, ersann
Ein neues Lehrgesetz und brachte dann,
Da er doch nur ein Heide war,
Den Göttern hundert Opferstiere dar.
Is's da ein Wunder, dass die Ochsen zittern,
Sobald sie eine neue Wahrheit wittern?"

Alsbald konnte er - auf Empfehlung seines Verlegers - nur noch unter Pseudonymen weiter publizieren.
Die Charakterisierung der ThLZ von Küppers als „pathalogischer Fall", durch den Theologieprofessor Emil Schürer dortselbst, tat ihre Wirkung. Das hatte sich Küppers sicherlich anders vorgestellt, als er eben auch die ThLZ mit seiner Abhandlung mit dem Titel „Neue Untersuchungen über den Quellenwert der vier Evangelien", „beglückte".
Das sollte man auch beachten, wenn ausgerechnet das „Goldene Zeitalter" sich auf den Theologieprofessor Sommerlath beruft.
Andererseits zum Thema Seelenlehre siehe auch dieses:

Parsimony.8860
Parsimony.7191

von Drahbeck - am 18.12.2013 23:49

Nochmals: Weihnachtsfest

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Gleich zwei Artikel zum Thema „Weihnachtsfest" offeriert das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 12. 1928. Bemerkenswert, einer davon wurde aber in der Schweizer Ausgabe des GZ nicht mit abgedruckt. Da auch die Bibelforscher früher Weihnachten feierten:
Man vergleiche für die frühe Position zu diesem Thema etwa
19072Weihnachten
kann man diese Artikel durchaus der „Übergangsperiode" zuordnen, in welcher man begann, sich von diesem Brauch abzusetzen.

Und noch etwas ist bemerkenswert. Es sind ansonsten eher Freidenkerisch-atheistische Kreise, welche mit diesem Brauch auch „über Kreuz liegen". Die WTG nähert sich also - zumindest in diesem Punkte - jenen Kreisen an, was sie beim „konventionellen Christentum", zusätzlich suspekt macht. Zur Veranschaulichung mal eine Ausführung aus der Freidenkerisch-atheistischen „Ecke", entnommen der Webseite „Humanist":
Zitat

"Mythos Weihnachten -
Geburt des Jesus-Kindes?"
Vortrag von Helmut Steuerwald
vom 19. November 1999 beim Bund für Geistesfreiheit Fürth
In seinem Vortrag über den "Mythos Weihnachten" bezog sich Helmut Steuerwald auf christliche und vor allem auf vorchristliche Quellen des Festes.
Der Referent betonte, dass nichts an Weihnachten genuin christlich ist: Alles war schon vorher da, alles gab es in ähnlicher Form auch in anderen Religionen.

Lange vor der Entstehung des Christentums finden wir ähnliche Geburtslegenden, vor allem bei den im Römischen Reich verbreiteten Mysterien. Ja - zum Teil ist die Wortwahl sogar die gleiche.

Das frühe Christentum zeigte wenig Interesse am Lebensweg Jesu, stand doch bei den ersten Christen die Erwartung des nahen Weltunterganges - die Apokalypse - im Zentrum ihres Daseins. Außerdem war im ersten und Anfang des 2. Jahrhunderts das sogenannte "Alte Testament" von zentraler Bedeutung, und man bemühte sich damals, das Leben Jesu mit diesen Schriften in Einklang zu bringen.

Im ältesten Evangelium, in dem des Markus, steht kein Wort zur Kindheit Jesu. So ließ man dann in den wesentlich später entstandenen Evangelien des Lukas und Matthäus den angeblichen Gottessohn in Bethlehem zur Welt kommen, schon um erklären zu können, dass er aus dem Geschlecht David komme, aus dem die Ankunft eines Messias erwartet wurde.

Heute sind auch die meisten Theologen der Überzeugung, dass Jesus nicht in Bethlehem, sondern in Nazareth geboren wurde, und dass es sich bei der ganzen Geburtsgeschichte um eine reine Legende handelt.
In den Weihnachtsgottesdiensten wird das dem Volk natürlich nicht gesagt. Es wird weiter die bekannte Legende von der Krippe im Stall von Bethlehem gefeiert.

Helmut Steuerwald wies auch auf viele Widersprüche in der Bibel hin. Er ging auf die nicht in den Kanon der Bibeltexte aufgenommenen Schriften ein, die Apokryphen, und er stellte Vergleiche an. Zum Beispiel wurde gefragt: Woher stammt die Legende von Ochs und Esel im Stall? Wie ist sie entstanden? Denn in der Bibel steht darüber nichts.

Dann kam der Referent auf die Hintergründe des Geburtstages Jesu, den 25. Dezember, zu sprechen, auf den es in der Bibel keinerlei Hinweise gibt. Gerade an diesem Beispiel lässt sich der heidnische Ursprung des Festes zeigen. Das Christentum hat diesen Tag willkürlich aus anderen Religionen übernommen. So war der 25. Dezember der Geburtstag des Gottes Mythras; außerdem wurde er im spätrömischen Kaiserreich mit dem Sonnenkult von Emesa, dem Kult um "Sol invictus", in Verbindung gebracht.

Papst Gregor hat im Jahr 354 den 25. Dezember
willkürlich als das Geburtsdatum Jesu festgelegt.
Das Geburtsjahr ist ohnehin nicht feststellbar. Kein Theologe behauptet heute, dass dies im Jahre 0 war. Heute geht man davon aus, dass Jesus zwischen den Jahren 8 und 4 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde. Insofern entbehrt das Jahr 2000 einer nachweisbaren realen Grundlage.

In der anschließenden Diskussion wurden Fragen zum Thema gestellt und beantwortet. Ein interessanter Abend, der zum Nachdenken anregte!

www.humanist.de/veranstaltungen/report/weihnachten.html
Nun also das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 12. 1928.
Als erstes mal jener Artikel, welchen beide Ausgaben des GZ abdruckten:
Zitat

„Der Ursprung des Weihnachtsfestes
Der Dezember-Ausgabe v. 1926 der amerikanischen Zeitschrift "Fortschritt" entnehmen wir folgende Ausführungen;
"Unsere alten germanischen Ahnen waren glücklich, wenn die Sonne, die sie als die Quelle alles Guten verehrten, von ihrer Flucht vor den Mächten der Finsternis- und des Winters zurückkehrte und ihren Lauf wieder aufnahm und das Dunkel des Winters zerteilte, wie an seinem Anfang; wenn sie die säuselnden Winde des Südens, zwitschernde Vögel, die vor dem hereinbrechenden Frost geflohen waren, und knospende Blumen im Gefolge mit sich brachte; wenn sie die schlummernden Kräfte des Lebens wieder zur Arbeit rief und wieder das herrliche Panorama des Jahres zu entfalten begann. Wenn sie dann die Rückkehr der Sonne mit Festlichkeit und Tänzen feierten, zwang sie eine Mythologie, die noch viel älter war als die Naturanbetung ihrer Zeit, immergrüne Bäume als ein Symbol des großen Baumes Jgdrasill des nordischen Glaubens aus ihren Wäldern hereinzubringen. Die Zweige dieser Bäume stellten das Himmelsgewölbe dar. Sie schmückten sie mit Lichtern, die die Sterne darstellen sollten, die von dem großen Baum des Weltalls getragen werden; und zum Zeichen ihrer Dankbarkeit für all die Segnungen, die sie der Sonne verdankten, brachten sie Geschenke herbei.

Als dann zur bestimmten Zeit die Verkündiger eines neuen Glaubens kamen und fanden, daß diese Zeit des Festefeierns zu einem Teil dieses Volkslebens geworden war, nahmen sie diesen Brauch für die Kirche an und verbanden damit die Geschichte von der Geburt Jesu, wo die Hirten des Nachts ihre Herden auf dem Felde weideten und die Weisen aus dem Morgenlande kamen und ihre Gaben darbrachten."

Die Geschichte berichtet uns, daß Weihnachten im vierten Jahrhundert von Papst Gregor zu einem Fest gemacht wurde. Wie bereits angeführt, pfropften katholische Missionare diese heidnische Festlichkeit ihrem eigenen Glauben ein und machten sie zu einem Teil der römisch-katholischen Religion, um so mehr Einfluß auf das Volk zu gewinnen und mehr Bekehrungen zu machen.

Dies erinnert uns an die Worte eines bekannten Kardinals, daß das römische System der Gottesverehrung heidnischen Ursprungs ist, wobei die heidnischen Kulte durch Adoption von der Mutterkirche geheiligt wurden. Es ist ja geradezu erstaunlich, wie eng sich das Zeremoniell der Weihnachtsfeier der ,,Christenheit" an die heidnische Festlichkeit anschließt: der Baum, die Lichter, die Schenksitte, ein feierliches Begehen, vielleicht sogar mit Bier, Wein, Gelagen usw. Oft scheint sich dieser Geist den Menschen in wirklich nicht schöner Weise mit Trunkenheit usw. zu bemächtigen. Man glaubt Selbstlosigkeit und Liebe zum üben, indem man sich Geschenke macht, aber meistens erwartet man für eine jede Gabe eine Gegengabe und ist oft sogar böse, wenn sie nicht mindestens in gleichem Wert erfolgt. Wie wertlos aber sind solche Geistesregungen!

Die Luft ist zwar zu dieser Zeit mit Predigten und Sinnsprüchen über Christus förmlich geschwängert. Jeder Mensch scheint zu dieser Weihnachtszeit eine gewisse .Christusverehrung zu haben, aber es ist meistens doch so, wie der Psalmist sagt: "Gott ist nicht in all ihren Gedanken!" Man hat sich im Herzen von Gott entfernt und beugt sich vor einem Bilde, einer Gewohnheit, einer Reliquie aus heidnischer Zeit. Wie oft sind außerdem Trunkenheit, Übermut, Vergnügungssucht usw. in besonderem Maße gerade während der Weihnachtszeit und Neujahrtage am Ruder und liefern damit also nur ein Kennzeichen dieser Zeit des Endes der ,,gegenwärtigen bösen Welt". So kommt
es auch, daß an manchen Stellen die Weihnachtszeit, das ,,Fest der Liebe", mit immer größer werdendem Luxus und Prunk angesichts einer darbenden Menschheit angefüllt ist.

Sogar wirklich ernste Christen haben diese Sache nicht immer klar erfaßt und ließen sich mehr oder weniger in den Ersatz-Gebrauch dieses ,,Ersatz-Liebesfestes" hineinziehen. Sie wissen, daß der 25. Dezember nicht der Geburtstag unseres Herrn ist, aber sie schienen nicht darüber nachgedacht zu haben, daß alles fein zu seiner Zeit und ordnungsgemäß geschehen muß. Wenn Jesus eine Feier seines Geburtstages eingesetzt hätte, würde er zweifellos angeordnet haben, daß diese Feier am richtigen Datum seines Geburtstages abgehalten werden sollte, und nicht fast drei Monate später. Wir sehen also, Christus hat durchaus nichts mit der Feier des Weihnachtsfestes am 25. Dezember zu tun, und darum erhebt sich die Frage: Sollen wir auch weiterhin diesen römischen Kirchen-Feiertag beobachten und unsere Knie vor Rom beugen?

Gehört dies nicht auch mit zum ..Malzeichen des Tieres"? Sollte es nicht mit den anderen Menschenlehren, inhaltslosen Zeremonien und Bräuchen zur Seite gelegt werden? Sollten wir nicht vielmehr ruhig darüber hinweggehen, wie auch über andere unbiblische römische Feiertage? Wir werden es fortan tun!

Doch, was würde wohl geschehen, wenn die Massen das Weihnachtsfest nicht mehr feiern würden? Wenn sich wirklich eine bemerkenswerte Bewegung gegen die Feier des von Rom eingeführten Weihnachtsfestes entwickeln würde, so würde sie doch vom ganzen ,,Christentum", von den Katholiken sowohl wie von den Protestanten, bekämpft werden, und die Kirchenführer würden eine solche Bewegung auf alle nur mögliche Weise anfeinden, Sie würde genau so unpopulär sein, wie die ganze Wahrheit es ist.

Wir haben einen geschichtlichen Präzedensfall in den Bestrebungen der Puritaner, zu Wiklifs Zeiten, die das Weihnachtsfest nicht mitfeiern wollten, da sie es als einen wichtigen Teil der Religion des römischen Systems erkannten. Aber sie stießen auf die größten Schwierigkeiten. Tatsächlich sind das Weltliche, das Fleischliche und die herrschenden Klassen dieser Welt für die Aufrechterhaltung und Beobachtung dieses Brauches, und das sollte denen, die dem Dienste Jehovas völlig geweiht sind, Grund genug sein, fortan irgend etwas, was eben nichts weiter ist, als die mit einem ändern Namen belegte Durchführung eines heidnischen von Rom christianisierten Brauches, abzulehnen."

Dann noch jener Artikel, aus dergleichen GZ-Ausgabe, welcher sich nur in der Magdeburger Ausgabe selbigen nachweisen lässt. Meines Erachtens offenbart letzterer, durchaus noch ein gewisses Schwanken bei dieser Thematik. Er führt aus:
Zitat

„Weihnachten
Ich stand im Walde still und stumm
's ist Ruh' und Frieden ringsherum.
Zart wispernd wiegt sich Reif in glitzernden Kristallen
Ich stand und lauscht', nichts regte sich,
Die Tanne rauscht, da legt es sich
Wie Feiertag weit über Winterwaldes Hallen.
Und ungehört brachs über mich herein. -
So feierlich: Es muß bald Weihnacht sein:
O Weihnachten, du Fest der großen Liebe,
Wenn bald doch nur - statt bloßem Lichterschein -
Der Wahrheit Licht möcht' aufgenommen sein
Von aller Welt, und ihr erhalten bliebe
Agnes Bahn

Zitat

Wir benutzen dieses kleine uns gesandte Verslein um die Verhandlung einer Frage in die Wege zu leiten, die uns häufig von Freunden und Lesern des „Goldenen Zeitalters" gestellt wird: Die Frage nach dem Ursprung der Weihnachts-Feierlichkeiten.

Allgemein verbreitet ist der Gedanke, das Weihnachsfest sei ein rein christliches Fest; Tatsache aber ist, daß - wie in manch anderer Beziehung, so auch bezüglich des Weihnachtsfestes - das Christentum Gebräuche des Heidentums einfach übernommen hat. Natürlich lassen sich irgendwelche solcher aus dem Heidnischen übernommenen Gebräuche mit christlichen Gedanken verbinden; aber wenn und wo dies geschieht auf Kosten wahren Christentums, ist ein solches Handeln verwerflich. Ursprünglich wurde das Weihnachtsfest in verschiedenen heidnischen Religionen als Fest der Geburt des Lichtes in Verbindung mit dem Wechsel des kürzesten Tages und der längsten Nacht gefeiert. Wenn das Christentum nun diesen Gebrauch aufnahm ... und ihn auf die Geburt Jesu anwandte, den die Bibel als das wahre Licht der Welt bezeichnet, so erfolgte doch insofern eine Vergewaltigung des wirklichen Tatbestandes, als der 24. Dezember gar nicht der Geburtstag Jesu ist. Nach unumstößlich feststehenden, an Hand der Aufzeichnung des Neuen Testamentes zu beweisenden Tatsachen liegt der Geburtstag Jesu Anfang Oktober ...

An und für sich ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, daß die Menschen zu irgendeiner Zeit der großen Gabe Gottes - der seinen einzigen Sohn für die Menschheit dahingab - gedenken, und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, daß die Menschheit sich an irgendeinem Tage des Jahres besondere Liebesbeweise durch das Darreichen kleiner Geschenke usw. - wie es zu Weihnachten geschieht - gibt; aber es ist falsch, wenn diese Handlung durch verkehrte Voraussetzung und Verschweigen wirklicher Tatsachen erfolgt. Denn in diesem Falle werden zu Weihnachten die ganzen Feierlichkeiten unter der aus der Luft gegriffenen Behauptung verunstaltet, Jesus sei an diesem Datum geboren. Diese Behauptung muß unbedingt als unwahr bezeichnet werden, und es ist weiterhin zu betonen, daß auch die meisten Theologen und Prediger in den Kirchen wissen, daß diese Behauptung unwahr ist, und daß Jesu Geburt am Anfang des Monats Oktober erfolgte. Wenn trotz alledem die Behauptung aufgestellt wurde, der 24. Dezember sei der Geburtstag Jesu, so nur darum, weil das diesen Feiertag einführende römische Kirchentum bei Aufstellung dieser Behauptung von dem Wunsche geleitet wurde, seine eigenen Feierlichkeiten möglichst der Zeit und Art heidnischer Feierlichkeiten anzupassen, um es auf diese Weise den Massen des Heidentums leichter zu machen, zum Christentum überzutreten, wobei diese gemachten Konzessionen immer mehr zur Verwässerung des Christentums führten.

In diesem Handeln ist eine der Ursachen dafür zu sehen, daß Millionen das Christentum annahmen. Aber, sie nahmen und nehmen heute noch häufig einen Wechsel ihres Glaubens auf sich - z. B. bei Eheschließungen usw. -, wie ein anderer Mensch sein Kleid wechselt. Hier liegt gerade die Krankheit jener großen nach Millionen zählenden Gebilde, die heute gemeinhin als „die christliche Kirche" bezeichnet werden, und doch so bitter wenig mit der wahren Kirche Jesu Christi, der es um die Wahrheit des Wortes Gottes zu tun ist, gemein haben.

Gewiß ist es gut, ein Fest der Liebe zu feiern, und gewiß ist es gut, Buße zu tun; aber wenn man z. B. einen „besonderen" Bußtag im Jahre einführt, so ist dieser Bußtag insofern ein Übel, als er die Menschen indirekt glauben macht, dieser eine Tag sei dafür da, daß im ganzen Jahr darauf losleben könnten; denn am Bußtag wird ja „Buße" getan. Liegt nicht diesem Gedanken des „Festes der Liebe" eine ähnliche Wirkung zugrunde? Sollte nicht - wie es unser kleines Verslein andeutet - für den Christen das ganze Jahr ein Fest der Liebe sein? Sollte der wahre Christenmensch sich nicht befleißigen, jeden Tag diese gehobene Freude, bereit zum Geben, zum Helfen, Schenken und Erfreuen, in sich zu tragen, wie er sie an den Weihnachtstagen vorübergehend, gewissermaßen ablösungsweise in sich trägt, wenn er geheimnisvolle Gänge macht, Einkäufe tätigt und sich freut auf den Moment, wo er das freudige Aufleuchten der Augen der Beschenkten sieht? Welch ein wunderbarer Zustand könnte auf Erden entstehen, wenn die Menschen nicht gelehrt würden, nur an diesem einen Abend im Jahre ein „Fest der Liebe" zu feiern und - dabei auf Gegengeschenke warten, sondern wenn sie zielbewußt gelehrt würden, jeden Tag zum Helfen, Schenken und Geben bereit zu sein, ohne auf Vergeltung zu warten, so wie Gott am Anfang Oktober vor 1928 Jahren seinen Sohn, das Liebste was er hatte, für uns in die Welt sandte und 33 Jahre danach schmachvoll am Kreuze sterben ließ. So sollten auch sie jeden Tag das Herz mit Dankbarkeit füllen, wie die Bibel es in die Worte kleidet, wenn sie fordert: „Liebet euch untereinander."

Möchten die Tage dieser von Menschen eingeführten Weihnachtszeit daher von allen unseren Lesern und Freunden - auch dann, wenn man sich gegenseitig mit Geschenken kleine Freuden macht - mit diesen Erwägungen ausgefüllt sein. Möchten sie, wo man sich an diesen Tagen der Liebe Gottes erfreut, einen Glanz vorauswerfen, der unser Handeln erwärmt und fortleuchten macht alle Tage des kommenden Jahres; dann werden unsere Weihnachtswünsche recht verstanden werden; Wünsche die nicht nur für die Weihnachtszeit selber gelten, sondern sich erstrecken über das ganze Jahr, ja, das ganze Leben; Wünsche nach Licht, Leben und Liebe, nach wirklicher „Weihe" des Lebens, und in diesem Sinne nun:
„Fröhliche Weihnachten!"
Das Goldene Zeitalter"


von Drahbeck - am 19.12.2013 23:10
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