Zeitgeschichte vor siebzig Jahren

Startbeitrag von Drahbeck am 24.07.2013 23:10

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Father Divine
Bereits in der Ausgabe vom 15. 11. 1937 hielt das „Goldene Zeitalter" es für angemessen, den Fall der Sekte um „Father Divine" zu kommentieren. Und dies trotz des Umstandes, dass dessen Anhängerschaft in Deutschsprachigen Gefilden eher als bescheiden einzuschätzen ist.

Gleichwohl nimmt „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 7. 1943 das Thema erneut auf. Einfach zur Tagesordnung übergehen, und den „Father Divine", einen „Father Divine" sein lassen, erschien der „Trost"-Redaktion dann doch wohl nicht angemessen.
Damit wird deutlich, bei aller Kritik, die auch „Trost" an dieser Bewegung artikuliert, dass da offenbar sich eines zeigt. Derselbe „Humus", auf dem offenbar beide Bewegungen „gedeihen". Und da „Trost" diesen „Father Divine" auch als relative Konkurrenz für sich erkannt hat, ist es für selbige Ehrensache, die dann madig zu machen, wenn sich die Chance dazu bietet. Und die Chance dazu ist dann gegeben, registriert man andernorts vielleicht einen entsprechenden Pressebericht. Den lässt man sich nicht entgehen, und zitiert ihn dann auch genüsslich. So wieder geschehen in der „Trost"-Ausgabe vom 1. 7. 1943. Dort liest man dazu:
Zitat

„Folgendes Gespräch mit dem sogenannten Negergott "Father Divine" (göttlicher Vater) war in der schweizerischen Zeitschrift "der Neue Tag" (Nr. 6, 1943) zu lesen. Es bringt Bedenken zum Ausdruck, die jedem aufsteigen, der von diesem Religionsführer hört. Man beachte die geschickte Weise des "Göttlichen Vaters", die Bedenken zu zerstreuen!

Zitat

"FATHER DIVINE gewährt Fräulein Angeline Riley von Detroit, Michigan, ein Interview.
FATHER: Friede!
Frl. Riley: Friede, lieber VATER!
FATHER: Nehmen Sie bitte Platz. Ihr Name, bitte ?
Frl. R.: Oh, diese Frage habe ich von Ihnen nicht erwartet. Ich dachte, Sie wüßten es ja schon, denn wenn Sie GOTT sind, so dachte ich, würden Sie meine Gedanken lesen können, so gut wie ich glaube, die Ihrigen lesen zu können.
FATHER: Was sagten Sie?
Frl. R.: Ich habe mich Ihnen gegenüber vielleicht nicht richtig ausgesprochen.
FATHER: Ja, sehen Sie, Sie tun als ob GOTT nicht als Person mit Ihnen sprechen könnte, wo Sie doch als Person mit Ihm zu sprechen wünschen.
Frl. R.: Das wollte ich ja gerade. Ich habe zu Ihm als Person gesprochen. Wie anders müßte ich es denn tun?
FATHER: Nun denn; aus diesem Grunde fragte Ich Sie um Ihren Namen. Wie sagten Sie, daß Ihr Name sei?
Frl. R.: Mein Name ist Angeline Riley.
FATHER: Nun, Ich frug Sie dies gerade so, wie Ich damals Adam frug: "Wo bist du?", und gerade so, wie Ich zu Maria und Martha sagte: "Zeigt Mir, wo ihr Ihn hingelegt habt." Damit ist nicht gemeint, daß Ich es nicht gewußt hätte, sondern in Meiner Herablassung sprach ich mit den Menschenkindern nach ihrem Glauben, damit sie es verstehen können und wissen, daß Ich wußte, wovon sie sprachen und wovon Ich sprach.
Frl. R.: Weshalb ist es so; ist es eine Form der Rede? Mit ändern Worten, ist es nur eine Redensart?
FATHER: Ganz bestimmt. Es wäre folglich gar nicht nötig, etwas zu sagen, sehen Sie. Natürlich weiß GOTT um alle verborgenen Dinge des Herzens, und der Geist in Ihnen weiß alles, soweit es dies betrifft, oder in jeder Person weiß der Geist alle Dinge. Um aber der Person entgegenzukommen und um der Person willen spreche Ich sehr oft durch meine Herablassung zu ihnen.
Was ist es nun, das Sie zu Mir führte, Fräulein Riley.
Frl. R.: Ich möchte letzten Endes wissen, ob ich mich in bezug auf die guten Dinge in der rechten Richtung entfalte; darauf hätte ich gerne eine Antwort. Ich möchte mich gerne so verhalten, wie Sie sagten, daß ich es sollte, um den Geist Jesu zu erreichen.
FATHER: Nun, auf welche Weise würden Sie es wissen, wenn Sie den Geist Jesu erreichen.
Frl. R.: Das weiß ich nicht. Ich glaube, Sie sollten mir dies sagen.
FATHER: Der Geist Jesu ist die Gesinnung, die im Evangelium beschrieben ist.
Frl. R.: Ja, ich würde aber den Sinn nicht erfassen.
FATHER: Sie sollten es aber wissen, wenn Sie das Wort lesen.
Frl. R.: Meinen Sie, meiner Auffassung entsprechend ist dies richtig?
FATHER: Dem Wort entsprechend."


Dazu kommentiert „Trost" dann noch seinerseits.
Zitat

So trefflich dieser Schluß, so lästerlich der Anfang. Wie in den bekannten "christlichen" Religionen ist auch hier etwas Wahrheit mit kräftigen Irrtümern gemischt. Und zwar lehrt dieser Mann, der sich "Father Divine" nennen läßt, manche Wahrheit, die auf eine beträchtliche geistige Höhe schließen läßt. Kein Wunder, daß er selbst in der Schweiz Anhänger hat, also in einem Land mit ordentlicher Schulbildung des Volkes. So sagte er in jenem Zwiegespräch zu Frl. Riley, die früher katholisch war: "Ich mache die Wahrnehmung, daß Sie eine ganze Menge von Tradition und Orthodoxentum ihr eigen nennen ...
Eine Person sollte aber nicht von voreingenommenen Ideen oder von abergläubischen Anschauungen beherrscht werden. Man sollte etwas anderes suchen. Ich meine etwas Größeres, Besseres als die Beweisführungen abergläubischer Anschauungen, die von Tradition und Orthodoxentum herrühren, denn diese sind irrig und führen auf falsche Fährte . . . Das Evangelium, die Wahrheit, ist logisch . . ." Und zu einem Liedervers (Wenn ihr wünscht Freude, Fried' und Glück, preist dauernd seinen Heil'gen Namen!) gibt er folgende Erklärung: "Wenn ihr innehalten und darüber nachdenken wolltet, was dies in Wirklichkeit zu bedeuten hat, so würdet ihr all' euer Kriechertum, all' euer Grämen, Weinen, Seufzen und Nörgeln in Lobpreisungen verwandeln."
Wie ein Mensch bei soviel Einsicht in göttliche Wahrheit dennoch zu so lästerlichen Methoden greifen kann, um sich selbst Gott gleich zu machen, ist verwunderlich.
Beim Zitat von Johannes 11: 34 ("Wo habt ihr ihn hingelegt?") macht sich dieser "Father Divine" zum Sohn, Jesus; aber im Zwiegespräch selbst sagt er, Jesus sei intelligent genug gewesen, um zu wissen, daß er sich nicht Gott gleichstellen sollte.
Die Begebenheit, da Frl. Riley erwartete, der "Göttliche Vater" müsse als Gott doch ihren Namen wissen, ist zunächst recht ergötzlich. Scheingötter lieben es nämlich nicht, an einer verwundbaren Stelle getroffen zu werden. Doch bezeugt die Antwort über die "Herablassung" des "Father" viel Geschick und schlangenhafte Wendigkeit. Das entspricht dem Geist seines Vaters, der alten Schlange."

Antworten:

Ein „Sinnspruch"

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
„Trost" vom 15. 7. 1943 meint Grund zum feiern zu haben. Dies sei seit 1922 (Schweizer Ausgabe des GZ/Trost) deren 500. Ausgabe. Und zur „Feier des Tages" bekommen dann auch alle „Trost"-Abonnenten, statt einer, gleich zwei Ausgaben dieser Folge ausgehändigt. Sicherlich ein geschickter Markeeting-Trick.

Wer allerdings gehofft haben sollte; das wäre doch ein geeigneter Anlass, mal die eigene Geschichte etwas im Detail näher zu referieren, der sieht sich erneut enttäuscht.
Auch diese Ausgabe, wie auch alle vorangegangenen, liefert keinerlei nähere Auskunft darüber, was denn aus dem ersten Redakteur der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" so wurde.
Da verschwand über Nacht, aus dem GZ-Impressum. Ohne Erläuterung, ohne etwaige „Würdigung" seiner Redaktionsphase.

Er wurde zur „Unperson", über die man in ZJ-Kreisen nicht mehr sprach. Tja, auch die Zeugen sind nicht davor gefeit, was denn eine Volksweisheit in die Worte zusammenfasst:
„Gestern noch auf hohen Rossen. Heute eine Kugel durch die Brust geschossen."

Wenn auch „Trost" sich ziemlich einsilbig bezüglich dieses Herrn Ernst Zaugg zeigt. So kann man das von der Schweizer Tagespresse so nicht sagen. Selbige wusste sogar einen konkreten Grund für sein Verschwinden in der Versenkung zu benennen.
Siehe dazu auch:
19252Schweizer

Auch diese „Trost"-Ausgabe ist wieder mit Bildmaterial angereichert. Und wie nicht unüblich, bekommen solche Bilder nicht selten eine Ergänzung in Form eines Kurztextes (Sinnspruch). Auch in dieser Ausgabe zu beobachten. Kein geringerer als ein J.F.R. (sprich Rutherford höchstpersönlich) darf da als Autor eines solchen Sinnspruches glänzen.

Man muss es ja wohl auch sehen. Wenn die Abonnenten gleich die doppelte Menge an „Trost"-Ausgaben als sonst erhielten, dann ist damit sicherlich auch auf eine breitere Öffentlichkeit, außerhalb der Stammleserschaft des „Trost" hingezielt. Und diese Öffentlichkeit bekam schon mal in der Form des Rutherford'schen Sinnspruches, einen durchaus zutreffenden Eindruck, was sie denn in dieser Organisation zu prinzipiell erwartet. Herr Rutherford meint also, via seines Sprachrohres „Trost", auch die breitere Öffentlichkeit über nachfolgendes belehren zu sollen:
Zitat

"Heute gibt es unter Geweihten, die Kinder haben, solche, die ihre Kinder nicht zur Arbeit anhalten, ja sie nicht einmal dazu ermuntern.
Sie gehen von der Theorie aus, man müßte die Kinder ihrem eigenen Wunsche nach Müßiggang und Spiel überlassen. Hierin fügen die Eltern den Kindern und sich selbst
großen Schaden zu." (J. F. R.)"

Und „passenderweise" gibt es diese Aussage im Original, in dem Rutherford-Buch mit dem Titel „Kinder" (S. 348,349)
Zu selbigem gab es dann auch noch eine separate Broschüre mit „Studienfragen" dazu. Diese „Studienfragen" haben ja erklärtermaßen die Zielstellung, gewisse „Kerngedanken" noch besonders einzuprägen. Und dieser Aspekt ist auch in dieser „Studienfragen"-Broschüre ausdrücklich thematisiert, wenn die Frage zur Seite 348 dort lautet:
Zitat

„Warum ist die Theorie, daß Kinder spielen und keine Arbeit tun sollten, verkehrt, und was sollten Eltern ihre Kinder lehren, wenn sie sie wirklich lieben?"

Nun soll diese Aussage nicht an sich weiter kommentiert werden. Es gilt aber auch den Kontext zu sehen. Da gab es mal eine WTG-Zeitschrift namens „Jehovas Jugend", welche eben eine spezifische Form von Jugendgruppen ect. praktizieren wollte. Die wurde aber auf Geheiß jenes Rutherford, wieder eingestellt. Und auch der Zeitpunkt der Einstellung ist beachtlich.
Nicht übermäßig lange Zeit danach, setzte jener Rutherford seine These auf den „Ententeich", mit dem Heiraten, bitte schön, doch bis „nach Harmagedon" zu warten. In diesem Kontext muss man auch vorgebrachtes Rutherford-Zitat sehen.

Somit bekam die breitere Öffentlichkeit mit dieser Werbenummer, einen durchaus zutreffenden Einblick!

von Drahbeck - am 31.07.2013 05:32

Pfarrer Bernoulli

Vor siebzig Jahren
Im Lager ihrer gewiss nicht wenigen Gegner, meint die zeitgenössische WTG in den Jahren 1943-44 auch einen Pfarrer namens Bernoulli entdeckt zu haben.
Soweit es um die Auseinandersetzungen des Jahres 1944 geht, wurde schon früher darauf eingegangen.
Siehe dazu auch : 19442.Bernoulli

Aber schon im Jahre 1943 hatte dieser Pfarrer offenbar das Nervenkostüm der WTG arg strapaziert. Schon 1943 hatte sie jene Presseorgane, worin er publiziert hatte, mit „Berichtigungs"-Verlangen (erfolglos) traktiert. Und dieweil nun erfolglos, lässt „Trost" seinen Frust darüber in seiner Ausgabe vom 1. 8. 1943 freien Lauf.
Zitat

„Dreißig Entstellungen und Unwahrheiten über die Zeugen Jehovas"
meinte „Trost" in der Bernoulli'schen Publizistik wahrgenommen zu haben. Zu den Dingen die da Trost" (nach seiner eigenen Berichterstattung) offenbar „auf die Palme" brachte, gehören z. B. solche Aussagen (Originalton „Trost").
Zitat

„... Ebenso verwerflich ist die Behauptung, daß J. F. Rutherford in der "Harfe Gottes" "als Beweis der Gegenwart des Herrn seit 1874" nichts Besseres vorbringen könne als "Additionsmaschinen, Aluminium, drahtlose Telegraphie, dunkelstes Afrika, Dynamit"' usw."

Dazu meint „Trost":
Zitat

„Er (Rutherford) hat später seine frühere Auffassung verworfen, aber seine Kritiker übersehen dies...."

Nun mag man diesem Pfarrer vorhalten, nicht ausreichend zu differenzieren, was wann und in welchem Kontext, gesagt wurde.

Bemerkenswert ist jedoch. „Trost" dokumentiert umfänglich, seine erfolglosen Versuche, „Berichtigungen" durchzudrücken. Jedoch den „Stein des Anstoßes", die Darstellung eines Bernoulli'schen Textes, im Detail, gibt es auch im „Trost" nicht.

Nun, so mag denn an dieser Stelle, dieses absichtliche Versäumnis von „Trost" etwas ausgeglichen werden. Es steht dann jedem frei, sich eine eigene Meinung zu dem Bernoulli'schen Text zu bilden.

In der Januar-Ausgabe 1943 der Zeitschrift „Evangelischer Kirchenbote für den Kanton Thurgau" schrieb dieser Pfarrer über die Zeugen Jehovas unter anderem:
Zitat

„... Wer trotzdem den Versuch unternimmt, den Zeitpunkt der Weltenwende zu berechnen, mißachtet das Wort des Herrn und mißbraucht die Bibel. Ernste Bibelforschung und Berechnung der Wiederkunft Christi schließen einander aus wie Feuer und Wasser. ...
Der gegenseitige Austausch hatte zur Folge, daß Russell den Zeitpunkt dieser Wiederkunft erfuhr und Barbour sich nicht mehr enttäuscht fühlen mußte. Die Freundschaft ging zwar schon zwei Jahre später in die Brüche, aber das Jahr 1874 blieb für Russell das endgültige Datum und der Angelpunkt seiner seltsamen Rechenkünste.
Russell hat nachträglich zugegeben: 'Es war ein Fehler, daß ich die Heiligen des Herrn glauben machte, daß vor Oktober 1914 die Kirche in Herrlichkeit vereint sein würde.'
Sein Nachfolger Rutherford wagte auf Seite 70 seiner Schrift 'Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben' die kühne Behauptung:
'Daher können wir vertrauensvoll erwarten, daß mit 1925 die Rückkehr Abrahams, Isaaks, Jakobs und der glaubenstreuen Propheten des Alten Bundes eintreten wird.'

Seit die geschichtliche Wirklichkeit auch diese Weissagung Lügen strafte, mußte Rutherford Vorsicht lernen und nennt deshalb in seiner Schrift über 'die Hölle' keinen nachprüfbaren Zeitpunkt mehr:
'Alle Dinge erfüllen sich in unseren Tagen und bezeugen, daß der Herr Jesus gegenwärtig und sein Reich herbeigekommen ist. Die Auferstehung wird bald beginnen. Mit dem Worte 'bald' meinen wir nicht das nächste Jahr; aber wir glauben zuversichtlich, daß es geschehen wird, ehe ein weiteres Jahrhundert vergeht.' ...

Die Weltzentrale befindet sich zu Brooklyn im Staate New York in einem Gebäude von acht Stockwerken mit 80 Räumen und 200 hauptamtlich tätigen Mitarbeitern.
Die Zeugen Jehovas besitzen in den Vereinigten Staaten 2, in Kanada 4 eigene Sender und haben sich durch Verträge mit mindestens 14 weitern Stationen Amerikas und Afrikas die Durchgabe ihrer Vorträge gesichert.
Am meisten kennzeichnen sich jedoch die Zeugen Jehovas durch ihre maßlose Hetze gegen Kirche und Staat. Sie nennen die Geistlichen Bibelverdreher, Kriegshetzer, Teufelsanbeter, Verbreiter gotteslästerlicher Lehren und wissenschaftliche Lügner. Die katholische Kirche gilt als Hauptvertreter Satans auf Erden und Mutter der Huren.
'Der Protestantismus soll von der ganzen Erde verachtet und verspottet werden.'
Von der Militärorganisation sagt Rutherford auf Seite 273 der 'Prophezeiung', daß ihr Satan voranreitet als ihr mächtiger Gott.
Der 1938 im Europa-Verlag unter dem Titel 'Kreuzzug gegen das Christentum' erschienene Bericht über die furchtbaren Leiden der Zeugen Jehovas im Dritten Reich erbringt einem wirklich aufmerksamen Leser den Beweis, daß im Grunde jede politische Mitarbeit gegenüber jedem Staat verweigert wird.
'Schon von jeher haben Jehovas Zeugen Wahlenthaltung geübt' (Seite 126, ebenso 97, 117 und 129).
Es wundert uns deshalb nicht, daß die Hetze gegen Kirche und Staat und der Kampf gegen den Militärdienst auch Schweizer Gerichte zur Fällung von Strafen nötigt.
Der Sekretär der Zweigniederlassung Bern und Verfasser des erwähnten Buches, Franz Zürcher, mußte am 26. November 1942 vom Territorialgericht 2a wegen Untergrabung der militärischen Disziplin, wegen Verleitung zur Dienstverweigerung und wegen Zuwiderhandlung gegen das Verbot staatsgefährlicher Propaganda zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Einstellung in der bürgerlichen Ehrenfähigkeit verurteilt werden."

Noch einmal nahm derselbe Pfarrer in der November-Ausgabe 1943 derselben Zeitschrift zu den inzwischen eingetretenen Entwicklungen Stellung. Seiner zweiten Replik gab er die Überschrift:
Zitat

„Ein kurzes Nachwort zu den Artikeln über die Sekten"
Darin liest man:
Zitat

„Von seiten der Christlichen Wissenschaft und der Zeugen Jehovas sind zwei Zuschriften bei der Redaktion des 'Kirchenboten' eingelaufen, welche die Darstellung ihrer Bewegung und Lehren beanstanden.
Das Sekretariat der Vereinigung 'Jehovas Zeugen der Schweiz' erklärt, unsere Darstellung enthalte etwa 30 Entstellungen und Unwahrheiten. Wir wollen den Lesern des Kirchenboten zur Kenntnis geben, daß die Zeugen Jehovas beteuern, sowohl Richter Rutherford, ihr verstorbener Präsident, sei 1918 in Nordamerika unschuldig verurteilt worden, als auch F. Zürcher, der Sekretär der Zweigniederlassung in Bern. Wir müssen den Zeugen Jehovas die Verantwortung für ihre Behauptung überlassen.
Wir bringen allerdings der Gerechtigkeit unserer Schweizerischen Militärgerichte mehr Vertrauen entgegen als der Wahrheitsliebe der Zeugen Jehovas.
Sie erklären, der Vorwurf maßloser Hetze gegen Kirche und Staat erfolge zu Unrecht.
Wir erinnern sie deshalb daran, daß die 2. Strafkammer des Berner Obergerichtes M. C. Harbeck, damals Geschäftsführer der Zweigniederlassung Bern der Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft, und den bereits erwähnten Franz Zürcher wegen Herabwürdigung der Religion verurteilt hat. Die Urteilsbegründung spricht von 'abscheulicher Besudelung und Verspottung der Religion der christlichen Kirchen.'
Wir müssen es als Hetze bezeichnen, wenn Rutherford in der Broschüre 'Freiheit für die Völker' (Seite 24) schreibt:

'Die Könige und Präsidenten der Nationen sind nicht die wirklichen Herrscher. Sie sind gewöhnliche Menschen, die ihre Plätze ausfüllen und lediglich das Symbol der Herrschermacht darstellen. Die herrschende Macht hinter dem Sitze der Autorität ist Satan, der Teufel.'

Dasselbe 'Mundstück Gottes', wie Rutherford von seinen Verehrern genannt wird, wirft in 'Licht' (Band I, Seite 332) allen Herrschern der Erde vor, daß sie den Teufel anbeten.
Deshalb wundert es uns nicht, daß Herr Harbeck 1936 insgeheim nach Moskau gereist ist und nach dem Zeugnis eines ehemaligen Mitarbeiters von Seiten der bolschewistischen Machthaber moralische und finanzielle Hilfe zugesichert erhielt für seine Bewegung, die vorzüglich geeignet sei für die Arbeit in 'religiös denkenden und fühlenden Ländern'!

[Redaktionelle Einfügung: Mit dieser Unterstellung geht Bernoulli in der Tat zu weit. Eine „Unterstützungszusage" hatte Harbeck in Moskau eben nicht erhalten. Er hätte sie zwar gerne gehabt. Aber er bekam sie nicht. Siehe dazu auch „Also doch".
Indem Bernoulli auch diesen Aspekt mit in seinem Statement einbaut, offenbart sich andererseits aber auch, wie tief die Gräben waren, die da bestehen. Ende der Einfügung]
Zitat

Mein Hinweis auf die Überschwemmung der Welt mit Schriften wird für unzutreffend erklärt. Weshalb steht aber in ihren 'Schriftstudien' (Band VII, Seite 510).
„Eine solche Überflutung der Welt mit Flugschriften, die Tausende von Millionen Druckseiten in sich bargen, ist niemals zuvor bekannt gewesen, war bis dahin eine völlig unmögliche Sache'!
Nicht zurückgewiesen wird dagegen von Jehovas Zeugen der schwerste Vorwurf, den wir gegen sie erhoben, die Leugnung der Gottheit Christi. In Rutherfords Schrift 'Rechtfertigung' findet sich in Band III auf Seite 87 mit der Unterschrift 'Erschlagt die Teufelsanbeter' ein Bild, das die Anbetung des dreieinigen Gottes als Götzendienst verspottet und mit der Verehrung des Mammons auf eine Stufe stellt. So steht es mit Jehovas Zeugen. So weit ist diese Sekte des Verderbens von der biblischen Wahrheit abgefallen."


von Drahbeck - am 29.08.2013 06:05

System „positives Denken"

Vor siebzig Jahren
Eine Leserfrage und ihre Beantwortung aus dem „Trost" vom 15. 8. 1943, sei im folgenden kommentarlos vorgestellt. Allenfalls mag ein Kommentar in der Feststellung bestehen (unabhängig von zeitbedingten Elementen, die man ja „ausblenden" kann), was denn so für Fragen die Stammleserschaft des „Trost" umtrieben. Und indirekt ist das dann auch ein Kommentar zu den relativ vielen WTG-Verlautbarungen, in Sachen der Konkurrenzreligion „Christliche Wissenschaft".
Wäre da nicht eine gegenseitige Affinität gegeben, würde die WTG bezüglich dieser Konkurrenzreligion eher schweigend zur Tagesordnung übergehen. Das dem eben so nicht ist, bestätigt den gleichen „Humus", auf denn den beide „Blüten" zu gedeihen pflegen.
Nun also zur Frage und ihrer Beantwortung.
Angefragt wurde da:
Zitat

„Was halten Sie vom System Coue, das mittels Autosuggestion auf die Einbildungskraft (das Unterbewußtsein) wirken will, da der Wille, wenn im Widerstreit mit der Einbildung, jedesmal versage. Die empfohlenen Suggestionen ("Es geht mir von Tag zu Tag in jeder Hinsicht besser und besser") sollen am wirksamsten .sein, wenn sie etwa 20mal litaneiartig, ohne zu denken, mit verschlossenen Augen hergemurmelt werden. Erfolge, teils glänzende, sind nicht zu leugnen.
Es fragt sich nun, ob gegen göttliches Gebot verstoßen wird, bei Anwendung solcher Suggestionen (beim Appellieren an sein eigenes Unterbewußtsein oder seine eigene Lebenskraft, wie es Coue nennt) ?
Haben die Dämonen nichts damit zu tun? Dies ist für mich die Hauptfrage."

Und als Antwort dazu schreibt „Trost":
Zitat

„Aus obiger Beschreibung, die sehr kurz gehalten ist, geht vorläufig nicht hervor, daß es sich bei Heilungen um dämonische Wirkungen handelt. Verdächtig ist nur die Berufung auf das "Unterbewußtsein"; denn dieses ist häufig die scheinwissenschaftliche Bezeichnung für Zustände, Wirkungen oder Vorgänge, die nach der Bibel in der Sprache der Evangelien mit "Besessenheit" zusammenhängen.
Wenn starke Einbildungen von krankhafter Heftigkeit Störungen der Gesundheit und auch wunderbare Heilungen verursachen, dann ist
k a u m anzunehmen, daß die Mächte der Finsternis nicht dabei beteiligt seien.
Bei Menschen von gesundem Geist wird wahrscheinlich die heilende Wirkung der litaneienmäßigen Suggestionen gering sein oder ganz fehlen. Bei eingebildeten Leiden dagegen wird die Heilwirkung gelegentlich überraschend sein. Ein froher Geist oder ein heiteres Gemüt fördert aber gewiß die Gesundheit mehr als die mechanische Wiederholung von "Zauberformeln". Selbstverständlich ist es berechtigt, alle Kräfte des menschlichen Geistes und Körpers anzuwenden, um die Gesundheit zu gewinnen oder zu bewahren. Auch die Einbildungskraft mag dabei mitwirken."


von Drahbeck - am 30.08.2013 22:06

Gewerkschaften

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Einer verschiedentlich schon zitierten - schwammigen - WTG-Stellungnahme in Sachen Gewerkschaftsmitgliedschaft, ja oder nein, kann man in der Rubrik Fragenbeantwortung des „Trost" vom 1. 9. 1943 begegnen. Das ganze ist so formuliert, dass jeder das herauslesen kann, was er denn gerne möchte.

Davor gab es schon einmal eine Stellungnahme des „Goldenen Zeitalters" in Sachen Gewerkschaft, und zwar in der Magdeburger Ausgabe vom 1. 4. 1929 (Schweizer Ausgabe dito am 15. 4. 1929). In der 1929er Stellungnahme wurde ausgeführt:
Zitat

„Darf ein Christ gewerkschaftlich organisiert sein?
Wir beantworten diese Frage jedes Bedenken prinzipiell mit einem entschiedenen „Ja". Wir sind der Überzeugung, dass die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der gegenwärtigen Zeit auf absolut ungerechten und auch unbiblischer Grundlage ruhen, indem sie in die Hände einiger weniger Menschen große Reichtümer und in das Leben der Masse des Volkes noch große Armut und Entbehrung legen. Die Bibel tadelt diese Zustände häufig und deutlich, und drückt ebenso klar ihre Missbilligung hierüber aus, siehe Jakobus 5: 1-5 und anderes. Wenn also irgendein Mensch etwas tut, um sich auf gesetzlichen Wege gegen ungerechte Übervorteilung beim Verkauf seiner Arbeitskraft zu sichern, so ist es einfach als eine Handlung der Vernunft und Einsicht zu bezeichnen. Es wenden zwar einige ein, man sollte Gott vertrauen, auch ohne menschliche Organisation. Das ist ohne Zweifel richtig, aber Gott vertrauen heißt nicht, ihn versuchen.
Wie ein für die Wohlfahrt der Seinen besorgter Familienvater einer Krankenversicherung beitritt, so ist es genauso vernünftig, wenn ein bedrängte Arbeiter einer seiner Interessen schützenden Organisation beitritt. Bedingung sollte nur sein, dass diese Organisation keinerlei kirchlichen Einfluss unterworfen ist"

Sieht man sich die genannte „Trost"-Ausgabe näher an, welche da - theoretisch - Gewerkschaftsmitgliedschaft erlaubt, ist schon der Schlussatz in der dortigen Stellungnahme beachtlich:
Zitat

„Darum harren wir auf die wahre Befreiung. Inzwischen darf sich jeder ehrliche Mensch gerechterweise gegen Ausbeutung wehren, wenn er dabei niemand unrecht tut. Unsere Regel ist: Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes!"

Letztendlich zieht man sich auch wieder auf die alte Russell-Linie zurück. Die Arbeiter hätten nur von einer Seite Hilfe zu erwarten „von Gott" - am Sankt Nimmerleinstag, wie man durchaus relevant, noch hinzufügen muss.
Bis dahin predigt auch die WTG nur eines:
Konservatismus, Konservatismus und nochmals Konservatismus.
Wer auf der „Sonnenseite" konservativer Gesellschaftsstrukturen sich befindet, mag das ja gut finden. Für wen das nicht zutrifft, hat die WTG nur eines parat. Ihm Fesseln (moralischer Art) anzulegen!

Pape, der das 1943er WTG-Statement auch zitierte, kommentierte dazu:
Zitat

„Diese Antwort der Wachtturm-Gesellschaft aus dem Zweigbüro in Bern ist ein wahres Idyll von Widersprüchen! Wer das gründlich durchliest, weiß überhaupt nicht mehr, was richtig sein soll.
Er kann Unrecht leiden, soll also lieber Ungerechtigkeit hinnehmen, als selber Unrecht tun. Tut der, welcher sich gegen Unrecht wehrt, unrecht? Sicherlich soll das ein christlicher Rat sein, Unrecht geduldig zu ertragen. Jeder ehrliche Mensch darf sich aber auch gegen Ausbeutung wehren, wenn er dabei nicht Unrecht tut. Wann trifft das zu?
Diese ganze Fragenbeantwortung der Zeugen ist typisch.
Und dann, nur nebenbei bemerkt, scheinen die Gewerkschaften in den Augen der Zeugen ein Unrecht zu sein!
Heute kann ich nur den Kopf darüber schütteln, daß ich nicht noch früher diese Ungereimtheiten erkannte.
Jemand sagte einmal, daß die Zeugen für jeden Topf einen passenden Deckel haben. Ja, es ist so, denken wir doch an Rutherford, der mit der Bibel alles beweisen will."

Einige Apologeten der Zeugen Jehovas, belieben ja diese schwammigen Formulierungen, als billiges Alibi vorzuschützen. So liest man etwa in einem Text der Herren Pikl und Glockenthin auch den Passus:
Zitat

„Es gibt viele Zeugen Jehovas, die Gewerkschaften, Vereinen oder Verbänden angehören, seien es Verbände für Ärzte, Juristen, Unternehmer oder Handwerks-, Industrie- und Handelskammern usw."

Ein anderer dieser Sorte der WTG-Apologeten, der Herr Noll, beschreibt auch apologetisch - wenngleich etwas weniger schönredend - den Sachverhalt schon so:
Zitat

„Die Ablehnung des aktiven oder passiven Wahlrechts in der staatlichen Willensbildung bedeutet jedoch nicht ein völlige Ablehnung von Gemeinschaftsverantwortung. So gibt es viele Zeugen Jehovas, die Gewerkschaften, Vereinen oder Verbänden angehören. Auch an Wahlen für Betriebsräte, Klassensprechern oder Eltemvertreter können Zeugen Jehovas sowohl aktiv als auch passiv teilnehmen. Die Wahlfreiheit umfasst aber auch die Möglichkeit, von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen. Selbst falls eine Wahlpflicht normiert werden sollte, bedeutet dies lediglich die Pflicht zum Erscheinen im Wahllokal. Ob dann eine gültige Stimme abgegeben wird oder nicht, entzieht sich jeder Kontrolle.
Die Stimmenthaltung muss genauso rechtmäßig sein wie die Stimmrechtsausübung.
Bei der Besprechung dieses Problemkreises darf man nicht übersehen, dass es sich bei den Zeugen Jehovas um eine zahlenmäßig verschwindende Minorität handelt, deren Wahlverhalten für die Funktionsfähigkeit des demokratischen Prinzips nicht ausschlaggebend ist."

Das wäre die eine Seite, der WTG-Apologeten. Die andere Seite ist dann die, wie solcherlei Thesen - namentlich bei den „kleinem" Zeugen ankommen.

Ein Veranschaulichungsbespiel dafür liefert Valerie Tomsett in ihrem Buch-Bericht „Befreit vom Wachtturm", wenn sie darin auch schrieb:
Zitat

„Wir waren auch sehr stolz auf die Tatsache, daß die Zeugen Jehovas die Gewerkschaften nicht unterstützten, die - nach unserer Ansicht - in den meisten Fällen von den Kommunisten gelenkt wurden. Wie Paulus betont, konnten wir keinem irdischen Herrn gute Diener sein, um dann zu versuchen, ihn durch eine Gewerkschaft zu unterwandern, selbst wenn wir dabei der zusätzlichen Vorteile verlustig gehen sollten, die die Gewerkschaften durch Agitation und Streiks erreichen können.

Der durchschnittliche Zeuge Jehovas ist nicht vom Kommunismus angekränkelt. Er ist aber der Gehirnwäsche dermaßen ausgesetzt, daß auch der intelligenteste Mensch bald zu einem mechanisch gesteuerten, willenlosen Geschöpf werden kann, das gehorsam alles aufnimmt, was ihm im Namen Jehovas dargeboten wird. So wäre es schon möglich, ihm eine kommunistische oder fast jede andere Lehre ohne weiteres einzutrichtern.
Ich hatte keinen Grund, an der Integrität der Zeugen als Angestellte zu zweifeln, bis ich sie in späteren Jahren als meine Kollegen bei der Arbeit kennenlernte und auch Bekannte hatte, die mit ihnen zusammen arbeiteten. Oft sind sie faul; aber in ihrem Eifer für die «Wahrheit» sind sie den ganzen Tag damit beschäftigt, um andere zu überzeugen und bringen damit Unruhe unter das Personal der Firmen."


von Drahbeck - am 27.09.2013 00:34

Eine Prestigefrage

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Auf einen unter der Überschrift „Toleranzrekord" erschienenen Artikel in der Schweizer Presse, auf den sich auch „Trost in seiner Ausgabe vom 15. 9. 1943 beruft, wurde schon früher eingegangen.
Siehe dazu
19432Toleranzrekord

Nachdem Rutherford die Umbennung von „Bibelforscher" in „Zeugen Jehovas" durchgedrückt hatte, aus zwei Hauptmotivationen heraus.
Einmal um sich schon im Namen von den Schismatischen Gruppen der eigenen Geschichtslinie abzusetzen. Zum anderen ist der Begriff „Zeuge" für eine auf Treppenterierdasein getrimmte Organisation, sicherlich motivierender, als ein sonstiger, eher neutraler Name.

Das wiederum änderte nicht viel an dem Umstand, dass man sich über die Herkunft des Namens „Jehova" dabei keinerlei sonderliche Rechenschaft ablegte. „Wissenschaftliches" Forschen, war ja noch nie - weder in Vergangenheit noch Gegenwart - eine besondere Domäne dieser Organisation.

Man schwamm also auch in der Jehova-Namenfrage, weitgehend im Kielwasser gewisser Traditionen, die schon vorher bestanden.
Erinnert sei daran, dass die frühen Ausgaben der Elberfelder Bibelübersetzung, welche völlig unabhängig von der WTG in Deutschland entstanden, dieweil selbige, zu dem Zeitpunkt, hierzulande noch keinerlei relevante Rolle spielte. Das just jene Elberfelder Bibelübersetzung schon den Namen Jehova verwandte.

Indem selbiger Name nun aber von der Rutherford-Organisation für sich vereinnahmt wurde, bekam diesbezügliche Quellenkritik ein weitaus höheres Gewicht. Damit war nun auch die WTG gezwungen, sich mit dieser Sachlage auseinanderzusetzen.

Nur, inzwischen hatte das ganze den Rang einer Prestigefrage erreicht. Etwa in der Konsequenz diesbezüglicher Einsichten, sich etwa in „Jahwes Zeugen„ erneut umzubenennen. Davor scheute man sich jetzt in der Tat. Und so wird denn von der WTG alles begierig aufgegriffen, was sie denn als „Alibi" anführen kann, um zu erläutern, weshalb sie denn ihren Namen nicht erneut umbenennen will.

Eine erste solche Alibi-Argumentation der WTG vor 1945, ist meines Erachtens in der „Trost"-Ausgabe vom 15. 9. 1943 enthalten. Sie sei im nachfolgenden, kommentarlos vorgestellt.
Genanntes „Trost" schrieb zum Thema:
Zitat

Jehova oder Jahve?
Bis vor wenigen Jahrzehnten galt die Aussprache "Jehova" allgemein als die richtige. In neuerer Zeit ist unter den Sprachgelehrten und Theologen die Aussprache "Jahve" gebräuchlich geworden, und die frühere Bezeichnung wird verpönt. Ob mit Recht?
Da das jüdische Volk aus heiliger Scheu den Namen gewöhnlich nicht aussprach, (sondern durch Wörter umschrieb, die etwa Herr oder Gott bedeuteten), ist es begreiflich, daß Unsicherheit über die richtige Aussprache entstand. In der hebräischen Schrift wurden nur die vier Konsonanten JHVH geschrieben, die zugehörigen Vokale wurden in dieser Sprache nur durch mündlichen Gebrauch einigermaßen festgehalten. Daher rühren die vielen Vokalvertauschungen bei der Aussprache biblischer Namen.
Man denke an Beispiele wie Noah, Noeh, Simson, Samson, Isebel, Jesebel, Jesabel, Bileam, Balaam, Megiddo, (Har)-magedon.

Unter der angeblich "richtigen" Aussprache muß
man in allen Sprachen immer nur die durch Gewohnheit zufällig übliche Aussprache verstehen. Denn wer will oder kann entscheiden, welchen Namen die Menschen irgendeinem Ding geben müssen und wie der Name "richtig" auszusprechen sei? Wir lesen, daß Adam Gelegenheit hatte, den Tieren nach Gutdünken Namen zu geben; "und wie irgend der Mensch ein lebendiges Wesen nennen würde, das sollte sein Name sein." (l. Mose 2:19) Damit ist der Name als eine willkürliche Sache nachgewiesen. Wenn dem Höchsten besonders daran gelegen wäre, daß wir den hebräischen Namen JHVH so oder anders aussprechen, so wären bei der Eingebung des Neuen Testamentes viele Gelegenheiten gewesen, die "richtige" Aussprache in den Zitaten aus dem Alten Testament schriftlich niederlegen zu lassen; denn in griechischer Schrift werden ja die Vokale nicht weggelassen. Nach dem Evangelium hat Jesus, der sagen konnte: "Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen ..." (Johannes 17:6), den buchstäblichen Namen nicht ausgesprochen. Offenbar war dem Herrn nur daran gelegen, die Bedeutung des Namens Gottes (die Tugenden Gottes, nennt es ein Apostel) den Jüngern bekanntzugeben. Über die "richtige" Aussprache des Namens Gottes gab er keine Belehrung. Darüber streiten und spotten bloß manche unserer Gegner.
Nach dem "Kirchlichen Handlexikon" (Dr. Ph. Carl Meusel) sind die Sprachgelehrten sehr uneins über die ursprüngliche Aussprache des Namens Gottes. Die jetzt fast allgemein anerkannte Lesart Jahve ist danach immer noch strittig. Folgender Abschnitt mag darum manchen unserer Leser interessieren:

Zitat

"Die Aussprache Jehovah hat, nach manchen Älteren und nach J. D. Michaelis, der diese Form wenigstens für viel älter als die masorethische Vokalisation hält, neuerdings besonders in Hölemann (Bibelstudien I: die Aussprache von JHVH) einen geistvollen Anwalt gefunden. Er findet in der Benennung Gottes, Offenbarung Johannes l: 4,8 nicht nur eine Umschreibung, gleichsam Übersetzung des Jhvh, sondern auch die dort ausgedrückte Dreiteilung der Zeit und des Seins hier in die Form des Einen nomen indeclinabile unübertrefflich zusammengefaßt, sodaß Je (==Jehi) das Futurum; ho (==hove, Partizip.) das Präsens; vah (==havah) das Präteritum (Vergangenheit) ausdrücken.... Bezeichnet Öhler eine solche Wortbildung im Hebräischen als abnorm, so hält Hölemann gerade die hebräische Sprache zu solcher Konformation für geeignet und die allerdings einzige und spezifische Zusammensetzung des Namens Jehovah als der spezifischen Einzigkeit des damit zu bezeichnenden allerhöchsten Wesens entsprechend. Aus der Tatsache, daß jenes trichotomische Verständnis des heiligen Namens eine altrabbinische Annahme, schließt Hölemann, daß die jüdischen Gelehrten aller Zeiten Jehovah für die richtige und einzig mögliche Aussprache des Schem (Namens) angesehen haben...." (S. 538)"


von Drahbeck - am 29.09.2013 04:52

Bei welchen das anziehen der „Daumenschrauben" „hilft" - und bei welchen nicht

Vor siebzig Jahren
Was nunmehr die „Glocke" für die WTG in der Schweiz geschlagen hatte, konnte selbige auch an der Polemik ablesen, welche sie mit dem Schweizer Pfarrer Bernoulli geführt hatte, und worauf (unter anderem) im Bericht bezüglich der „Trost"-Ausgabe vom 1. 8. 1943 schon mit eingegangen wurde.
Siehe auch
19442.Bernoulli

Es war ja keineswegs so, dass nur jene katholischen Kreise um die „Gesellschaft für Kirche und Papst" (Stichwort der Herr Metzler und Vorgänger), aktiv - unter Inanspruchnahme, auch Hitlerdeutscher Schützenhilfe, auf ein Verbot der WTG in der Schweiz hinarbeiteten.

Auch wenn der Herr Pfarrer die Vokabel „Verbot der WTG" als solches nicht in den Mund nahm (dazu betrachtete er sich wohl als zu „vornehm"). Man kann aber durchaus unterstellen. Auch er hätte gegen ein solches nicht viel einzuwenden gehabt. Vielleicht hätte er nicht ganz so plump wie die Metzler's und Co agiert. Aber wäre es zum Verbot gekommen.

Nun, Augurenlächeln soll der Pfarrerschaft ja generell nicht unbekannt sein. Man muss nicht immer lauthals in alle Welt „Verbot" hinausschreien. Man kann auch einfach seinerseits mit darauf hinarbeiten. Und sollte es dann tatsächlich eintreten, zur Tagesordnung übergehen, und der WTG mit Sicherheit, keine Träne nachweinen. So ist wohl auch der Herr Pfarrer Bernoulli einzuschätzen, wenn man in seinem Votum auch die „markigen" Sätze las:
Zitat

„Wir wollen den Lesern des Kirchenboten zur Kenntnis geben, daß die Zeugen Jehovas beteuern, sowohl Richter Rutherford, ihr verstorbener Präsident, sei 1918 in Nordamerika unschuldig verurteilt worden, als auch F. Zürcher, der Sekretär der Zweigniederlassung in Bern. Wir müssen den Zeugen Jehovas die Verantwortung für ihre Behauptung überlassen.
Wir bringen allerdings der Gerechtigkeit unserer Schweizerischen Militärgerichte mehr Vertrauen entgegen als der Wahrheitsliebe der Zeugen Jehovas."

Das war nun auch der WTG überdeutlich geworden, und in diesem Kontext muss sehr wohl die Schweizer Wehrdiensterklärung eingeordnet werden, welche „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 10 und noch einmal in der Ausgabe vom 15. 10. 1943 abdruckte.
Es erwies sich also auch im Falle der WTG-Funktionäre, dass ihnen im Ernstfall das „Hemd näher ist als der Rock". Das sie im Ernstfall - wie andere auch - die hehrsten Grundsätze verleugnen. Allenfalls stellt sich die Frage, wieweit die „Daumenschrauben" angezogen werden müssen, bis es soweit ist.

An den Grundsätzen halten dann im wesentlichen nur zwei Gruppen noch fest. Die, welche ohnehin nichts mehr zu verlieren haben (so oder so - siehe der Fall Zeugen Jehovas in Hitlerdeutschland)


oder die zweite Gruppe der Naivlinge.

Indes die Schweizer WTG-Funktionäre hatten was zu verlieren noch, und sie waren sich nicht zu Schade dazu den Spagat zu machen, dass ihnen mögliche zu tun, dieses drohende Unheil abzuwenden. Und der Preis, der dafür - auch in der Schweiz - zu zahlen war, bestand eben in der berüchtigten Schweizer Wehrdiensterklärung der WTG!

von Drahbeck - am 28.10.2013 04:25

In Sachen Vegetarismus

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Gelegentlich tauchten sie in Form von Leserbriefen, auch in der „Trost"-Redaktion auf. Die Verfechter des Vegetarismus. Indes zu ihrem Leidwesen, wollte sich „Trost" ihre Position nicht in dieser Radikalität zu eigen machen. Nolens volens billigte auch „Trost" das Fleisch-Essen zu. Damit wiederum hatte es bei den Verfechtern des strengen Vegetarismus, nun überhaupt kein „Stein im Brett" gewonnen.

Einem solchen Disput kann man auch in der „Trost"-Ausgabe vom 15. 10. 1943 begegnen. Da beschwerte sich ein Leserbriefschreiber über den Umstand, dass „Trost" ja das Fleischessen als erlaubt erklärt hatte. In der diesbezüglichen von „Trost" abgedruckten Leserfrage liest man auch die Sätze:
Zitat

„Was Sie ... über den Fleischgenuß sagen, scheint mir nicht im mindesten gerecht zu sein. Leider sind die Tiere unter die Herrschaft der Menschen gestellt, und daß Jesus so gar nichts für die stummen Geschwister tat und lehrte, ist sicher nichts Rühmenswertes und man kommt der Vermutung nahe, daß die Bibel eben auch nur von ganz unvollkommenen Menschen geschrieben wurde. Warum soll man sich nur auf die Bibel stützen ? Wenn Gott die Tiere zum Genuß der Menschen schuf, also allein zu einer ewigen Qual, dann hätte er sie gefühllos erschaffen müssen wie die Pflanzen. ..."

Da hatte „Trost" nun sein „Fett weg". Da aber nicht sein kann, was nicht sein soll, wurde letztendlich auch dieser Fragesteller nur mit Worthülsen „abgefertigt" zum Beispiel der:
Zitat

„Wer in dieser Weise mit dem Schöpfer rechtet, zeigt wie Hiob, daß er Dinge beurteilt, die er nicht versteht ...."

So ist das also. Der Fragesteller „versteht nicht". Warum „versteht er wohl nicht"? Weil seine Gedankengänge eben nicht in das Dogmensystem von „Trost" hineinpassen. Und dieser Umstand wird dann beschönigend als „nicht verstehen" bezeichnet!

Aber „Trost" meint noch ein „Trostpflaster" für den Fragesteller parat zu haben:
Zitat

„Daraus ergibt sich, daß die Zeit kommen wird, wo die Menschen kein Fleisch mehr essen werden. Nur der Schöpfer hat das Recht, den Genuß des Fleisches von Tieren zu gestatten oder zu verbieten. Es ist darum unrecht, jenen Vorwürfe zu machen, die mit Danksagung Fleisch essen."

Nur eines vergaß „Trost" noch mit hinzuzufügen.
„Einlösbar" am Sankt Nimmerleinstag!

von Drahbeck - am 28.10.2013 23:18

Tragweite nicht erfasst?

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Eine seltsame (partielle) Übereinstimmung zwischen dem Publikationsorgan der Himmler-Schergen in Nazideutschland, mit Namen „Das Schwarze Korps" und der Zeugen Jehovas-Zeitschrift „Trost", kann man in der Ausgabe des letzteren, vom 1. 11. 1943 beobachten.

Wie war denn die Ausgangslage? Die Ausgangslage war die, dass eine Schweizer Zeitung, just jenes „Schwarze Korps" zitierte. Deren Zitierung erfolgte keineswegs im „zustimmendem" Sinne. Eher in dem Sinne, jenes „Schwarze Korps" „vorzuführen", als abschreckendes Beispiel, was dessen Lesern in Hitlerdeutschland alles so zugemutet wurde.

Das „Schwarze Korps" seinerseits, hatte einen vermeintlichen „Sturm der Entrüstung" in Szene gesetzt, bezüglich einer anderen Aussage, die es in der ansonsten weitgehend gleichgeschalteten Nazipresse entdeckt hatte. Diese Gleichschaltung hatte offenbar aber noch nicht - auch - bezahlte Todesanzeigen in der Nazipresse erfasst. Und an solch einem Inserat-Text nahm nun das „Schwarze Korps" Anstoß und entfaltete dazu eine aggressive Polemik.
Und das ganze fiel - wie gesagt - auch einer Schweizer Zeitung ins Auge, welche dann ihre Leserschaft darüber informierte.

Zu deren Leserschaft wiederum gehörte offenbar auch die „Trost"-Redaktion, die prompt den Fall aufgriff, und auch an ihre Leserschaft weiterreichte. Nicht ohne es zu versäumen, auch seinerseits einen Kommentar hinzuzufügen.

Es wäre wohl zu weitgehend, von einer „Kumpanei" zwischen dem „Schwarzen Korps" und „Trost" zu sprechen. Da gab es in der Tat - und das ist unbestreitbar - auf anderen relevanten Feldern, deutliche, ja erhebliche Differenzen.

Aber dennoch muss „Trost" sich schon sagen lassen. Eine sachlich begründete aktuelle Notwendigkeit, sich zum Multiplikator jener ursprünglich dem „Schwarzen Korps" entnommenen Meldung, zu machen bestand sicherlich nicht. Und wenn diese Ausgangsmeldung dann gar noch dazu benutzt wird, den „eigenen Senf" dazu hinzuzugeben, dann bleibt da ein merkwürdig fader Beigeschmack mit zurück.

Es sei „Trost" zugebilligt, dass es zeitgenössisch die Tragweite dessen vielleicht doch nicht erfasst hat. „Gut" das wäre eine Erklärung. „Besser" wird die Sache indes auch durch diese Erklärung nicht.

Nachstehend dann noch kommentarlos, was denn die „Trost"-Leserschaft in der Sache damals zu lesen bekam:
Zitat

Das "Berner Tagblatt" (Nr. 213, Sept 1943) schreibt:

Zitat

"Nach einem Bombenangriff auf eine deutsche Stadt, bei dem ein 16jähriger Sohn ums Leben kam, stand in der Lokalzeitung folgende Todesanzeige:

Zitat



von Drahbeck - am 24.11.2013 23:28

„Christliche Wissenschaft" - zum xten Mal

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Wieder mal - nun wahrlich nicht zum „ersten" Male - begegnet man in „Trost" vom 15. 11. 1943 einer polemischen Auseinandersetzung selbigen, mit der sogenannten „Christlichen Wissenschaft" Und zur rechten Einstimmung der eigenen Leserschaft, bekam dieser Artikel, der dem „Trost" erneut 1,5 seiner Druckseiten „wert" war, die Überschrift:
„Philosophie und eitler Betrug".

Die Häufigkeit mit der „Trost" dieses Thema aufgreift, und der für seine Verhältnisse nicht geringe Umfang, der ihm jeweils gewidmet wird, zeigt einmal mehr die Befürchtung der „Trost"-Redaktion, dass besagte „Christliche Wissenschaft" ja auch im eigenen Revier „wildern" könnte. Man wird der Mary Baker Eddy-Religion nun nicht unterstellen können, dass sie in der Richtung gezielte Anstrengungen unternahm. Das wohl eher weniger. Aber „Trost" hat wohl nicht zu unrecht erfasst, dass die eigene Klientel, eben eine besondere Anfälligkeit auch für deren Thesen - fallweise - zeitigen würde. Und dem sucht man nun entgegenzusteuern.

Es ist wohl auch offenkundig, dass eine Religion, die von „Trost" schon in der Überschrift als „eitler Betrug" gebrandmarkt wird, über just diesen Umstand alles andere denn als „erfreut" ist. Und so wurde denn „Trost" auch prompt mit Gegendarstellungen seitens der Mary Baker-Eddy-Religion eingedeckt. „Trost" kam auch nicht umhin, ein paar Sätze aus diesen Gegendarstellungen zu zitieren. Lässt aber keinen Zweifel darüber aufkommen, wie es dazu steht.
Als gewievte Profis verpackt „Trost" das ganze in eine agressive Polemik, von der schon die Artikel-Überschrift kündet.

Nicht ungeschickt, leitet jener Artikel mit der Ausführung ein:
Zitat

„Da die Welt voller Geheimnisse und Rätsel ist, versuchen alle natürlichen Menschen, sogar schon im frühen Kindesalter, sich in der Überfülle der Erscheinungen zurechtzufinden. Man möchte wissen, warum man des Nachts Sterne sieht, weshalb der Mond zu- und abnimmt, warum das Wasser zu hartem Eis werden kann, woraus der Blitz oder die Sonne besteht, wieso aus Samen Blumen und Bäume hervorwachsen, worauf die Vererbung von Tugenden und Fehlern von Geschlecht zu Geschlecht beruht, warum Menschen sterben müssen, ob es ein Weiterleben nach dem Tode gibt, wie das Böse in die ursprünglich vollkommene Welt kommen konnte, ob es von Anfang neben Gott einen Teufel gab, und was man tun kann, um dem allgemeinen Verderben zu entrinnen. Auf solche und viele ähnliche Fragen geben kaum zwei selbständig denkende Menschen ganz die gleiche Antwort; denn wir erkennen nur stückweise. So entsteht dann die Frage: Welche Auffassung entspricht nun
der Wirklichkeit? Was ist Wahrheit?"

Aber damit ist der „höfliche Teil" der „Trost"-Replik schon mal beendet. Im folgenden macht man dann aus dem eigenen Herzen keineswegs eine Mördergrube.
So belehrt dann „Trost":
Zitat

„Nach dieser "eitlen" Grundlehre ist also Sünde, Krankheit und Tod nicht wirklich vorhanden. An anderer Stelle leugnet die "Christliche Wissenschaft" überdies auch die Wirklichkeit der materiellen Schöpfung. Nach dieser "Weltweisheit" oder Philosophie ist es nicht wahr, daß Adam aus Staub war, daß er eine wirkliche Sünde getan hat und wirklich den Tod dafür erntete. Wenn es nach dieser eitlen Lehre keine wirkliche Krankheit gibt, dann braucht man die Kranken auch nicht zu heilen."

Und als weiteres „Highlight" darf sich die Mary Baker-Eddy-Religion, via „Trost" dann noch ins „Stammbuch" schreiben lassen:
Zitat

„Wer die vernünftigen Lehren der Bibel verwirft, gerät in die Schlingen des Fürsten der Finsternis. Paulus schreibt: "Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft [oder Wirksamkeit] des Irrtums, daß sie der Lüge glauben."

Auch über den „Trost"-Satz, dürfte die Mary Baker Eddy-Religion wohl kaum erfreut gewesen sein:
Zitat

„Tatsächlich ist uns noch kein Gläubiger dieser unnüchternen Lehre begegnet, der im Ernst das selber wirklich glaubt, was er nach dem Lehrbuch der Gründerin seiner Gemeinschaft anerkennen sollte. Mit jedem Atemzug leben auch sie in völliger Abhängigkeit von dem, was sie unwirklich nennen."

Und ausklingen tut die „Trost"-Replik dann noch mit den Worten:
Zitat

„Aber Jesus heilte ... Nicht durch Belehrung über Philosophie und eitlen Betrug. Und dadurch unterscheiden sich Jesu Heilungen gründlich von allen religiösen Heilungsnachahmungen."


Und da fliegen die Fetzen

von Drahbeck - am 26.11.2013 01:20

Emil Brunner

Vor siebzig Jahren
Über „Glaube und Forschung" sprach, nach dem Bericht des „Trost" vom 1. 12. 1943, der Rektor der Universität Zürich, Emil Brunner, in einer Festrede, anläßlich des 110. Stiftungstages jener Universität.
Bezüglich einer früheren Erwähnung jenes Emil Brunner, siehe auch die
Kommentarserie 1942
Dort der Eintrag vom 30. Mai 2012 01:10.
Wenn das Presseorgan auf das „Trost" sich diesbezüglich beruft, zwar sich „Schweizerische Bauzeitung" nennt, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dass selbiger mit Bauwesen am allerwenigstens je zu tun hatte. Von seiner Biographie her, eher ein „gestandener Theologe", denn es dann auch noch auf den Rektor-Posten verschlug.

Stellvertretend sei als Beleg nur auf eine 1966 im Zwingli-Verlag erschienene Publikation verwiesen, in der dieser Aspekt schon im Buchtitel zum Ausdruck kam:
„Dank an Emil Brunner, Prof. Dr. theol. et jur.DD"

Nun also bringt es dieser Theologe wieder auch zur Erwähnung im „Trost". Ungewöhnlich genug an sich. Und seine der Presse entnommenen Äußerungen, kommentiert „Trost" seinerseits mit den Sätzen:
Zitat

„Wird die Verwerfung kirchlicher Glaubenssätze die Sittlichkeit oder das Rechttun der Menschen gefährden? Und die Verwerfung des Gottesglaubens?
Es ist bekannt, daß Freidenker, die das Dasein Gottes leugnen, durchaus nicht anerkennen, daß die Nächstenliebe aufhöre, wenn der Glaube an Gott weggetan wird.
Sie sagen uns, man könne gerechter Gesinnung sein, ohne an den Schöpfer der Welt zu glauben, und daß die Musterbilder kirchlicher Gottesgläubigkeit häufig keine Hemmungen haben, Unmenschlichkeit, Bedrückung oder Krieg gutzuheißen und theoretisch mit Gottes Willen in Übereinstimmung zu bringen.
Teilweise ist ihre Auffassung wohl richtig."

Und ein weiterer „Trost"-Kommentar zu dieser Rede lautet:
Zitat

„Während in jener Rede Prof. E. Brunner das Gebiet des Glaubens so sehr beschneidet, daß es mit der Naturwissenschaft nicht in Konflikt gerät, ziehen wir vor, an die Verheißungen der Bibel zu glauben und von falsch verstandener Wissenschaft zu reden, wenn die "Forschung" das Wort der Wahrheit Lügen strafen will. Keine wirkliche Forschung kann nämlich dartun, daß Tod und Krankheit ewig bleiben."

„Trost" möchte also diese Rede gleichzeitig dazu benutzen, seine Variation als Jenseitsverkäufer als die rechte zu interpretieren.

Und sogar ein umfängliches Stück aus jener Rede zitiert „Trost" wörtlich:
Zitat

"Die Forschung mußte sich aus der Bindung an das kirchliche Dogma befreien, ja zu ihm in Gegensatz treten, wenn sie nicht ihrem eigenen Wahrheitsstreben Gewalt antun und sich verkümmern lassen wollte. ... Der Name Galileis wird uns überdies an die betrübliche Tatsache erinnern, daß die Kirche sich nicht damit begnügte, diesen Kampf mit geistigen Waffen auszufechten, sondern ihn durch den Gebrauch staatlicher Machtmittel verschärfte und vergiftete und dadurch auf Seiten der Forschung ein Ressentiment schuf, das bis heute nachwirkt. Die für die freie Forschung begeisterte Welt hat es der Kirche nie vergessen, daß sie durch ihren Dogmatismus und durch ihren Bund mit dem Staat dem wissenschaftlichen Fortschritt während Jahrhunderten schwere Hindernisse in den Weg legte.
Diese Auseinandersetzungen zwischen Glaube und Forschung sind um so bedauerlicher, als sie keineswegs in der Sache begründet waren, sondern aus einer Reihe von Mißverständnissen entsprangen . . .
Das erste dieser Mißverständnisse war die Verquickung des christlichen Glaubens mit dem Weltbild der Antike, das zugleich das Weltbild der Bibel ist. Es bedarf einer ebenso mutigen als geduldigen Erziehungsarbeit, bis die Masse der Gläubigen versteht, was die großen Geister - ein Kopernikus so gut wie ein Kepler oder Newton - von Anfang an wußten, daß nämlich der christliche Glaube als solcher mit der Frage nach der Größe des Weltraumes oder nach den räumlichen Beziehungen von Sonne und Erde, nach dem Alter der Welt und des Menschengeschlechtes oder nach den Einzelheiten der biblischen Geschichtserzählung überhaupt nichts zu tun hat ..."

Und dazu kommentiert „Trost" dann seinerseits:
Zitat

„Wir denken über diese Dinge etwas anders:"

Letzteres wusste man eigentlich auch so, schon vorher.
Insofern bleibt als Gesamteindruck, der der Rosinenpickerei übrig. Ob „Trost" damit eine Legitimation hat, sich sachlich begründet, auf just jenen Professor zu berufen, erscheint mehr als fraglich.
„Trost" nutzt lediglich einen bekannten Namen, um ihn vor den eigenen Karren zu spannen.
Aber auch dieser Name vermag nicht, den Karren des „Trost", aus dem Dreck engstirniger Borniertheit, zu ziehen!

von Drahbeck - am 27.12.2013 01:17

Ein weihnachtlicher „Spagat"

Vor siebzig Jahren
Terminlich einigermaßen passend, greift die letzte Ausgabe des 1943er Jahrganges des „Trost" (15. 12. 1943), das Thema Weihnachten erneut auf. Zwar lehnte man dessen feiern schon einige Jahre vorher ab. Aber man ist sich auch bewusst, dass breite christliche Kreise andernorts, dem so nicht zu folgen vermögen (wollen).

Im Gegensatz zu der bei den Zeugen Jehovas nicht selten zu beobachtenden Aggressivität, auch dieses Thema betreffend, sucht dieser Artikel den „Spagat" zu vollbringen.
Einerseits das Weihnachtsfest abzulehnen. Zum anderen aber dabei - in der Wortwahl - nicht übermäßig aggressiv zu sein. Diese für Zeugen Jehovas-Verhältnisse - relativ - milde Wortwahl, ist das eigentlich ungewöhnliche an diesem Artikel.
Nachstehend, einige Auszüge aus ihm:
Zitat

„Zeichnet sich der 25. Dezember vor den übrigen Tagen irgendwie besonders aus, etwa wie der Frühlingsanfang oder der Tag der größten Sonnennähe?
- Jawohl, lieber Freund, es ist - versteh mich nicht falsch! - der längste Tag. Du siehst mich fragend an.
Es gibt freilich in der Sternkunde allerlei Unerwartetes, das der Unkundige gläubig annimmt, obwohl er es nicht selbständig durchschaut: so etwa, daß die Erde im Januar der Sonne näher ist als im Juli, oder daß das Sommerhalbjahr fast 6 Tage länger ist als das Winterhalbjahr.
Aber wie soll es gemeint sein, daß der 25. Dezember länger ist als andere Tage ? Sind denn nicht alle Tage genau 24 Stunden lang?
- Nein, genau gleich sind sie nicht. Da die jährliche Erdbahn nicht ganz kreisförmig ist und eben deswegen die Sonnenentfernung zwischen 147 und 152 Millionen km schwankt, und weil überdies die Erdachse schräg in der Ebene der jährlichen Bahn steht, darum ist die Dauer von einem Mittag (als Zeitpunkt) bis zum nächsten Mittag etwas veränderlich.

Um "Weihnachten" beträgt die wahre Tageslänge 24 Std. 30 Sek. In der Mitte des Septembers sind
die Sonnentage am kürzesten, nämlich nur 23 Std.
59 Min. 39 Sek.
Wer hätte das gedacht! Man lernt nie aus, aber es wäre doch einfacher, wenn alle Tage gleich lang wären und gerade 24 Stunden dauern würden. Muß denn immer alles so kompliziert sein? So ist ja auch der Anfang der "christlichen Zeitrechnung" in eine schier undurchdringliche Berechnung "verwickelt":
Die Geburt Christi soll auf den 25. Dezember fallen, aber die Jahre nach Christi Geburt zählt man doch nicht von diesem Datum, sondern vom l. Januar an.
Welches ist nun recht? - Keines von beiden. Jesus
wurde weder am ersten Januar des Jahres eins noch am 25. Dezember des gleichen oder des vorangehenden Jahres geboren.
Ist denn das richtige Datum weder in der Bibel noch in der Weltgeschichte verzeichnet? - Nur annäherungsweise. Gut begründet ist die Berechnung, die Jesu Geburtsdatum auf den Anfang des Oktobers des Jahres 2 vor Christus verlegt. Die '"christliche Zeitrechnung" beginnt also mit ihrem l. Januar des Jahres l um l ½ Jahre zu spät. Die Verwirrung wird übrigens noch etwas größer durch die Tatsache, daß der Dezember früher der zehnte Monat war, der Oktober der achte. Heute ist es anders.
Wenn die Geburt Christi so wichtig war, daß ausnahmsweise eine Menge der himmlischen Heerscharen sichtbar erschien, ist dann der Brauch nicht berechtigt, dieses Ereignis jährlich zu feiern ? -
Wenn es Gottes Wille wäre, den Geburtstag Jesu feiern zu lassen, hätte er in seinem Wort darüber wohl eine Anweisung gegeben und auch den passenden Tag bezeichnet, wie etwa beim Passah oder Gedächtnismahl. Das Festfeiern ist meist ein menschliches Vergnügen ungeistiger Art und darum wirklich kein Gottesdienst. ...

Ich begreife jetzt deine Abneigung gegen Feste. Aber denkst du, daß die Beweggründe jener Leute, die Weihnacht feiern und einander Geschenke machen, durchaus schlecht sind? - Nein, nicht durchaus!
Aber unsere Beweggründe, alle scheinheiligen Übungen oder Festfeiern zu meiden sind besser als die Beweggründe religiöser Festteilnehmer. Gut und schlecht sind hier im biblischen Sinn zu verstehen.
Wie ist das gemeint? - Es bedeutet, daß nur Gottes Wort uns zeigen kann, was als guter oder schlechter Beweggrund zu gelten hat. Einzelpersonen können "in guten Treuen" etwas tun, das zwar in Gottes Augen ein Greuel ist, aber sie wissen es noch nicht. Man darf ihnen darum vorläufig keinen schlechten Beweggrund unterschieben, obwohl der tiefere Grund, der den Leuten oft unbekannt ist, schlecht ist. Menschen, die nicht in der Schrift nachprüfen, ob ihr Handeln recht oder unrecht sei, werden ausnahmslos getäuscht durch den Einfluß der unsichtbaren Mächte der Finsternis. Jesus kam, um die Menschen guten Willens vom Einfluß der Dämonen, also von der Finsternis zu befreien. ...

Ich habe gelesen, daß bei den Römern etwa am 25. Dezember ein Fest als "Tag der unbesiegten Sonne" gefeiert wurde und daß man darum den Geburtstag des "Lichtes der Welt", Christi, auf dieses Datum verlegte. Ist das Grund genug, Weihnachten dieser heidnischen Herkunft wegen abzulehnen? -

Das wäre ein Grund von geringer Bedeutung, da ja heute kein vernünftiger Mensch an Weihnachten die Sonne verehrt oder anbetet. Was die alten Heiden am 25. Dezember dachten und trieben, ist gewiß nicht für uns ein Grund, scheinheilige Feste abzulehnen. Daß die Römer aßen und tranken und sich beschenkten, bedeutet nicht, daß wir nun nichts essen, trinken oder schenken dürfen. Aber wir verabscheuen den von finstern Mächten herrührenden "heiligen" Schein der religiösen Festfeiern. Wer die Wahrheit liebt oder das Licht, haßt Scheinheiligkeiten in jeder Form, auch wenn sie mit "guten Taten" verquickt sind."


von Drahbeck - am 28.12.2013 02:12
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