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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 5 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren
Beteiligte Autoren:
Drahbeck

Marko Martin

Startbeitrag von Drahbeck am 27.07.2013 11:11

Aufmerksamen Lesern an diesem Ort, sicherlich auch ein Begriff, beispielsweise mit seinem Slogan, es gäbe auch eine religiöse DDR (und von beiden Sorten "`DDR" erachtete er ja das den Staub von seinen Füßen herunterschütteln, als einzig angemeßene Antwort darauf.)

Besagter Marko Martin , sehe ich es richtig - nunmehr als Freiberufler - ab und an für Springer-Blätter schreibend, hat offenbar jetzt einen Roman entdeckt, der gewisse Analogien zum Zeugen Jehovas-Milieu aufweist.

Vielleicht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es den jenen Roman auch zu einem billigeren Preis gibt, was heutzutage ja keine Seltenheit sein soll, mir den auch irgendwann noch mal näher ansehen.
Indes in der Gegenwart begnüge ich mit dem, was via der Rezenssion von Martin dazu zu lesen ist.

www.welt.de/print/die_welt/literatur/article118433367/Gott-ist-kein-Hirte-doch-mangelt-mir-nichts.html

Antworten:

Grace McCleen

Die Handlung des Romans spielt, wie schon notiert im Zeugen Jehovas-Milieu. Für sich selber verwendet die Autorin darin den Pseudonym-Namen „Judith".
Man erfährt:
Zitat

„Schon vor meiner Geburt richteten meine Eltern ein Zimmer für mich her. Mutter tapezierte es, nähte Vorhänge und bastelte einen Lampenschirm in Form eines Heißluftballons, Vater baute ein Bett und eine Truhe für mich. Sie wünschten sich ein Baby, mehr als irgendetwas sonst, und als sie erfuhren, dass Mutter schwanger war, schien alles perfekt. Aber es ging nicht gut."

Dieses „es ging nicht gut" bezieht sich dann auf starke einsetzende Blutungen während der Geburt. Und damit der WTG-Doktrin, keine Bluttransfusion zu akzeptieren.
Zitat

„Die Ärzte verstanden das nicht, und sie halfen ihr nicht. Einige wurden richtig böse. »Retten Sie das Baby«, sagte sie. Ein Arzt erklärte sich dazu bereit; die anderen gingen hinaus.
Die größte Prüfung für den Glauben ist, wenn man sein Leben dafür hingibt. Mutter gab ihr Leben für ihren Glauben hin."

In der Art eines Tagebuch-Berichtes, lässt die Autorin dann einige ihrer Erinnerungen Revue passieren.
Darin findet sich dann auch die Anmerkung:
Zitat

„Ich fragte Gott, ob ich schuld daran sei, dass Mutter gestorben ist, und Er bejahte. Aber das wusste ich schon. Ich wusste es immer dann, wenn Vater wütend auf mich war. »Was kann ich machen?«, fragte ich Gott.
»Nichts. Das hab ich dir doch schon gesagt. Du kannst Dinge machen, aber sie wieder ungeschehen zu machen — das ist etwas ganz anderes.«

Da sie so nun schon mal ihr „Gespräch mit Gott" beschrieben hat, sei auch auf ihren weiteren diesbezüglichen Eindruck verwiesen:
Zitat

„Außer Vater gab es nicht viele Leute, mit denen ich sprechen konnte, und so begann ich mit Gott zu sprechen. Ich habe mir immer gedacht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Er antwortet. Ich stellte mir das wie ein Ferngespräch vor. Die Verbindung war schlecht, Vögel saßen auf der Leitung, und es regnete und stürmte, sodass ich nicht verstand, was gesagt wurde, aber ich zweifelte keinen Augenblick daran, dass ich es irgendwann verstehen würde."

Zum Hintergrund ihrer Eltern notiert sie auch noch das:
Zitat

„Vater und Mutter haben beim Bau des Saals mitgeholfen.
Damals hatte die Gemeinde noch nicht viele Mitglieder, nur vier oder fünf. Ohne Vater und Mutter hätte sie sich vielleicht aufgelöst, aber sie predigten immer weiter, und mit der Zeit ließen sich mehr Leute taufen. Es war wunderbar, als sie endlich ihren eigenen Versammlungsort hatten. Der Bau dauerte drei Jahre, und die Brüder spendeten jeden Penny."

Auch das sonstige familiäre Umfeld ist zu beachten:
Zitat

„Onkel Stan ist der vorsitzführende Aufseher. Er trinkt Milch wegen seines Geschwürs, und er kommt aus »Beemeengoomb«. Anscheinend ist »Beemeengoomb« ein noch größerer Sündenpfuhl als unsere Stadt. Dort hat er sich sein Magengeschwür geholt; manche sagen allerdings, er hat es wegen Tante Margaret bekommen."

Die ZJ-Doktrin der „Absonderung von der Welt", zeitigt ihre Ergebnisse. Unter anderem dieses:
Zitat

„Jetzt reden die Verwandten nicht mehr mit uns, außer Tante Jo, Vaters Schwester, die uns jedes Jahr eine selbst gemachte Weihnachtskarte schickt und uns nach Australien einlädt. Das ärgert Vater sehr, weil sie doch weiß, dass wir nicht Weihnachten feiern, aber er bringt es nicht übers Herz, die Karten wegzuwerfen."

Auch bei der Autorin selbst macht sich dann die ZJ-Erziehung bemerkbar, etwa bei der von ihr wiedergegebenen Episode:
Zitat

„Alfs Stimme wurde lauter. Er fuchtelte mit den Armen.
Ich dachte schon, er würde sich damit im Mikrofonkabel verheddern. »Was verlangt Gott von uns?«, wiederholte er.
Als er die Frage zum dritten Mal stellte, hielt ich es nicht mehr aus, streckte die Hand hoch und sagte: »Dass wir unsere Berichtszettel ausfüllen?«, weil das normalerweise die richtige Antwort ist. Aber alle lachten. Das sei eine sogenannte rhetorische Frage gewesen, erklärte Vater mir später, die lasse man einfach so stehen, ohne eine Antwort zu erwarten."

Da schon das Thema Berichtszettel mit angesprochen ist, bietet es sich auch an, noch diese Episode mit zu erwähnen:
Zitat

„Ein Markthändler sagte: »Verkündet das Evangelium gefälligst woanders!«, aber Onkel Stan antwortete, wir hätten genau das gleiche Recht, hier zu sein, wie jeder andere auch, und dann lieferten wir uns mit dem Markthändler einen Wettstreit, wer lauter schreien konnte."

Wenn die Autorin ihren Roman nun den Titel gegeben hat: „Wo Milch und Honig fließen", dann nimmt das auch auf die ZJ-Doktrin Bezug. Schon eingangs ihres Buches äußert sie:
Zitat

„Ich glaube nicht, dass ich lange auf dieser Welt leben werde. Nicht, weil ich eine Krankheit habe oder jemand mich töten wird ... sondern weil Gott sehr bald Harmagedon schicken wird.
In Harmagedon werden Felswände aufklaffen, Gebäude zusammensacken und Straßen aufreißen. Das Meer wird sich erheben, und es wird blitzen und donnern, die Erde wird beben, und Feuerbälle werden durch die Straßen rollen. Die Sonne wird sich verdunkeln, und der Mond wird nicht mehr scheinen. Bäume werden entwurzelt, Berge eingeebnet werden, und Häuser werden zerbröckeln. Die Sterne werden herabgeschleudert werden, der Himmel wird auseinanderbrechen, und die Planeten werden herabstürzen. Die Sterne werden niedergerissen werden, und das Meer wird mit einem Laut wie ein zerspringender Teller bersten, die Luft wird von dem erfüllt sein, was war, und am Ende wird nichts als ein Schutthaufen übrig bleiben.
Wir wissen, dass Harmagedon nahe ist, weil wir in einem Sündenpfuhl leben, und Vater sagt, es gibt keinen Ort mehr, an den der Gerechte seinen Fuß setzen kann, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes."

Diese Zusammenfassung der ZJ-Doktrin setzt sie dann mit den Worten fort:
Zitat

„Es gibt Schafe (Brüder wie uns), Böcke (Ungläubige) und verlorene Schafe (Brüder, die aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder abtrünnig wurden). Es gibt Unkraut im Weizen (Scheinchristen), falsche Propheten (die großen Kirchen), Babylon die Große (das Weltreich der falschen Religionen), Heuschrecken (wir mit unserer flammenden Botschaft),

Aber im echten Land der Zierde wird es keine Ungläubigen geben, keine Kriege, keine Hungersnöte, kein Leiden. Es wird keine Umweltverschmutzung geben, keine Städte und keine Fabriken. Es wird dort Felder geben, und die Gestorbenen werden wieder zum Leben erwachen, und die Lebenden werden niemals sterben, und es wird keine Krankheiten mehr geben, denn Gott wird all unsere Tränen trocknen. Das wissen wir, weil Gott es versprochen hat."

Eigentlich könnte man ja über diese Art von religiöser Einfalt nur lächeln. Da sie aber in der Tat zum Alltag der ZJ gehört, ist „lächeln" wohl eher weniger angesagt!

Auf eine weitere Rezension vorgenanntes Buch betreffend sei noch hingewiesen. Erreichbar unter der URL:

buzzaldrins.wordpress.com/2013/07/22/wo-milch-und-honig-fliesen-grace-mccleen/

http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/milchundhonig105.html

von Drahbeck - am 04.08.2013 00:57
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