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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck, der einzig wahre Bauer, . +, Gerd B.

Im Zeitspiegel

Startbeitrag von Drahbeck am 03.08.2013 04:02

Letzte Teile dieser Serie:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,164718,164718#msg-164718


Österreich und weiteres
„Alles drängt nach den Futtertrögen
mittlerweile 3,8 Milliarden Euro im Jahr"
und
„Sobald es unangenehm wird für die Religionen, pfeift man eben gemeinsam auf das Gesetz."

Das alles in einem Kommentar des „Humanistischen Pressedienst", selbiger in seinem Selbstverständnis eine Art „Flaggschiff" der säkularen Szene.
Mittlerweile auch die Option der Werbefinanzierung entdeckt habend und extensiv einsetzend.

http://hpd.de/node/16544

Und wer hätte das gedacht, sogar die Siebenten-Tags-Adventisten, letztere doch wohl nicht atheistisch orientiert, fanden diesen Kommentar so interessant, um ihn auf einer ihrer eigenen Plattformen zu dublizieren

http://www.stanet.ch/APD/news/3688.html

In einem längeren Interview stellt der hpd auch den Politologen Manfred Isemeyer vor, der es zum Vorsitzenden der „Dienstleistungs-Firma Humanistischer Verband" brachte.
Einige interessante Aspekte daraus.
Zu Weimarer Republikzeiten hatten damalige Freidenkerkreise schon entdeckt, „ohne Moos sei nichts los". Ihr damaliges „Patentrezept" dann gründen wir halt eine Geschäftsfirma die zunehmend den Freidenker-Impetus in den Hintergrund drängte, die Feuerbestattung. Sogar die Nazis kamen nicht umhin, obwohl sie die Freidenker als solches verboten, diesen Geschäftszweig weiter bestehen zu lassen.

Nach 1945 stellte sich erneut die Frage, des Vermögens dieser Art von Organisation. Und zur Ernüchterung einiger wurde Gerichtlicherseit befunden, eine heutzutage bestehende „Ideal"-Versicherung, könne sich jenes Vermögen einkrallen, nicht aber Freidenkerkreise.

„Law und Order-Mann"-Henkel kommt in jenem Interview auch mit vor „Law und Order-Mann" Henkel, ist Besitzer eines CDU-Parteibuches. Und da Herr Wowereit von der CSPD mit den „Grünen" nicht konnte (oder auch umgekehrt die „Grünen" nicht mit Wowereit), dann letztendlich zum „Sozius" von Wowereit in Berlin aufgestiegen.
„Law und Order Mann" Henkel entdeckte dann auch die Stasi-Totschlagkeule. Sein Opfer das es diesbezüglich zu treffen galt, der auch mal Funktionär des „Humanistischen Verbandes" Bruno Osuch, dessen Fall auch hier kommentiert wurde.

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,25549,25549#msg-25549

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,47515,47515#msg-47515
(und Nachfolgepostings)
Zusammengefasst auch in
Forumsarchiv319.htm

„Law und Order-Mann" Henkel indes befand, das ganze mache aber (für ihn) nur dann „Spass", könne man die Verleumdungen des Herrn Osuch zugleich in finanzielle Münze umsetzen. Ergo den staatlichen Geldhahn für den „Humanistischen Verband" zudrehen. Pech für besagten „Law und Order-Mann", das klappte aber nicht so, wie in seiner Regie vorgesehen.
a) weil Osuch sich erfolgreich wehren konnte,
b) weil auch die Kirchen sagten, das Thema der staatlichen Finanzierung wollen sie mal lieber nicht thematisiert sehen. Den letztendlich hätten die Kirchen da wohl weitaus mehr zu verlieren. Ergo „gönnen" sie halb gezwungen auch dem „Humanistischen Verband" sein Mitnaschen an der staatlichen Futterkrippe.

http://hpd.de/node/16545

Antworten:

Man sieht es den erschreckten Augen an

Im Zeitspiegel
Man sieht es den erschreckten Augen an
Wie im Trickfilm

„Alles Friede, Freude, Eierkuchen", das wieder mal das unausgesprochene Motto in der Berichterstattung, einer großen überregionalen Tageszeitung, mit Sitz in München.
Äußerer Anlass dass 1973er Kongreßspektakel der Zeugen Jehovas in München.
Und so erfährt denn der geneigte Leser in jenem Blatt, in dessen Ausgabe vom 1. 8. 1973:
„Alle drei Sekunden geht ein Essen raus", zubereitet in 100 Kochkesseln von 25 Meisterköchen und über 3000 Helfern, die sich dem Dienst am Nächsten verschrieben haben. Gespült wird das Geschirr für die nächste Essenausgabe in eigens (von Ingenieuren aus den Reihen der Zeugen Jehovas) konstruierten Spülmaschen (alles keimfrei") ..."

Eine in Frankfurt/M ihren Sitz habende überregionale Zeitung, welche in ihrer Ausgabe vom 4. 8. 1973 auch über den Müchner ZJ-Kongress berichtete, notierte unter anderem die zu beobachtende „Selbstdisziplin" der Teilnehmer.

„Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als sei das olympische Oval von Journalisten bevölkert, da ungefähr jeder zweite Kongreßteilnehmer sich eifrig und säuberlich Notizen macht."

Nun waren die bereits zitierten Journalisten nicht die einzigsten Presseseitig, welches jenes Kongressspektakel in Augenschein nahm.
In einem anderen Blatt („Deutsche Zeitung - Christ und Welt" vom 10. 8. 1973) tat es der nicht unbekannte Friedrich-Wilhelm Haack ihnen gleich.
Zwar redet letzterer nur, laut Untertitel des Artikels von „Beobachtungen vom Wachtturm-Kongreß". Indes in seiner eigentlichen Artikelüberschrift wurde er schon mal etwas deutlicher, wenn er von „Gebremster Hoffnung für Jehovas Fußvolk" redet.
Schon den nachfolgenden Satz von Haack findet man bei dem Bericht der Frau Wach (in dem Münchner Blatt) nicht. Weder wörtlich, noch inhaltlich:
Zitat

„Statistik ist ein Lieblingspferd der Zeugen Jehovas. Geschickt verbinden sie Organisationstalent und Gehorsam.
Schlagzeilen wie „Von den Zeugen Jehovas fluchte niemand" und „Nirgendwo lag Abfall" danken es ihnen (so auch in der großbürgerlichen Zeitung mit Sitz in Frankfurt/M. zu „bewundern").
In der Tat hätte es Grund zum Ungehaltensein gegeben. Für 60.000 Besucher blieben die 24.000 Tabletts auch dann zu wenig, wenn einige tausend sich mit den Imbißbeuteln ... begnügten."
(das wiederum ist den Berichterstatter, der FAZ, wohl wegen seiner ihm „von den Zeugen verpassten „3D-Brille" wo man nutzt man sie, alles „rosarot" sieht) wohl entgangen.
Auch das beobachtet Haack:
Zitat

„Stundenlanges Sitzen in Sonne und Regen, quengelnde Kinder - die aber in der Minderzahl, denn die meisten kleinen Zeugen Jehovas sind artig auf Stillsitzen getrimmt."

Zum inhaltlichen bemerkt Haack:
Zitat

„Man spielt geschickt auf der Endzeitharfe und fragt:
„Läuft die Zeit für die Menschheit ab?"
Die steigenden Lebenshaltungskosten, das Überhandnehmende Verbrechertum - Fühlen Sie und Ihre Angehörigen sich zu Hause oder auf der Straße sicher? -
Und Herz-Kreislauf.Erkrankungen sowie Krebs müssen für die Torschlußpropagands der in Massenbehandlung versierten Manager aus Brooklyn herhalten.
Man sieht es den erschreckten Augen an, daß sie alle diese Ängste mit durchleiden. Und sie atmen so befreit auf, als ihnen gesagt wird, das sie keine Angst mehr zu haben brauchten.

Das Ende käme ja bald, ganz bald, ziemlich bald, irgendwann demnächst.

Und zwei Tage darauf ... lenkt Bruder Grand Suiter, jahrzehntelanger Kassierer und Sohn eines langjährigen ZJ-Spitzen-Funktionärs die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß mancher doch noch vorher sterben werde."

Dazu kommentiert Haack:
Zitat

„Nur zwei, drei Sätze dieser Art, aber niemand soll später sagen, man hätte damals wieder einen nahen Endzeittermin verkündigt. Das tut man geschickt zwischen den Zeilen."

Ein weiterer Journalist, Hannes Burger, gab seine Eindrücke vom Münchner Kongreßspektakel in der Ausgabe vom 12. 8. 1973 des „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes" zu Papier.
„Unerschütterlich" so sein einleitendes Votum
Zitat

„in Disziplin und Glaubensgehorsam, wie ein Fels standen denn auch die sogenannten Delegierten aus rund 40 Ländern ein fünftägiges Programm durch mit dem ihnen die Stärke und Macht ihrer Glaubensgemeinschaft in ununterbrochener Berieslung eingetrichtert wurde."

Weiter in seinen Beobachtungen:
Zitat

„Zum Teil sind ganze Clans angereist, stramm organisierte Familienverbände oder örtliche Gemeinschaften, aus denen auch junge Leute kaum ausbrechen konnten, ohne die totale Isolierung und Verstoßung zu riskieren. Die penetrante Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen bei den Zeugen Jehovas, so wie man sie sonst nur noch aus der schlimmsten Zeit des christlichen Konfessionalismus in Erinnerung hat ..."

Zum mehr inhaltlichen übergehend vermerkt er:
Zitat

„Nicht gerade von modernem Zeitgeist angekränkelt waren auch die Bibel aktualisierenden Dramen, die an drei Abenden ... aufgeführt wurden."

Als nächstes kommt er auf den damaligen „Shootingstar" der deutschen WTG zu sprechen:
Zitat

„Eine Stunde und 15 Minuten verliest Konrad Franke ... Mit heißerer Stimme seine programmatische Rede zum Kongreßthema „Göttlicher Sieg - Was bedeutet er für die bedrängte Menschheit?"

Damit etwas „unbedarfte" Journalisten auch genau wissen worauf es der WTG ankäme, geht es weiter im Bericht mit der Angabe:
Zitat

„Diese Rede wird anschließend ausgedruckt verteilt, und ein Mitarbeiter der Pressestelle tut ein übriges, um dem Berichterstatter zu helfen, aus den 30 Druckseiten des Heftchens jene Passagen zu finden, auf die es für die Öffentlichkeit der bedrängten Menschheit ankommt, das politische Wachtturm-Testament und die Schlußabrechnung mit der Welt und der Christenheit vor dem nahenden Ausbruch des Paradieses."

Derart belehrt referiert Herr Burger weiter:
Zitat

„Seine vielbeklatschte Quintessenz:
Trotz ihrer Religiosität steht die Christenheit als äußerst verwerflicher Feind Gottes da. Zusammen mit dem gottlosen Kommunismus und anderen Elementen der Welt ist sie gegen Gott. Die Christenheit muß weichen."

Sein Kommentar zu dieser Aussage:
Zitat

„Frankes Politik aus erster Hand ist ganz auf politische Analphabeten zugeschnitten, kein Thema, das den kleinen Mann beschäftigt ist ausgelassen, und die Deutung ist primitiv, streckenweise geradezu lächerlich.
Aber sie bietet eine Lösung an, die allen Leicht- und Gerngläubigen verblüffend einfach erscheinen muß."

Sein Schlußresumee dann:
Zitat

„Dieses politisch-religiöse Gemisch aus Bibelverdrehung und Weltdeutung, aus militanter Intoleranz, Drohung und Verlockung schließt mit der genüßlichen Schilderung des göttlichen Sieges in der entscheidenden Schlacht bei Harmagedon, bei der herkömmliche Christen und Kommunisten nach der Gebrauchsanweisung aus der geheimen Offenbarung „lebendig in den Feuersee geschleudert werden, der mit Schwefel brennt", oder „mit langen Schwert getötet werden". Jedenfalls so umkommen, daß „alle Vögel von ihren Fleischteilen gesättigt werden." Überleben werden dagegen nur die Zeugen Jehovas."

Kontrastierend dazu ein Bericht vom 26. 7. 1973 in der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post".
Selbiger merkt an, die 1973er Kongresspektakels der Zeugen Jehovas in Deutschland, seien auf nur zwei Kongreßorte konzentriert. Neben München, für den „übrigen deutschen Rest", eben auch solch eine Veranstaltung in Düsseldorf.
Der Berichterstatter des letzteren Blattes hebt besonders die disziplinarischen Aspekte hervor:
Zitat

„Die Geduld, mit der Menschen dieses Jahrzehnts stundenlang ohne Murren in Reih und Glied warten können, die Sanftheit der zahlreichen Ordner, deren Signale wie im Trickfilm befolgt werden."


von Drahbeck - am 10.08.2013 00:05

Quick

Ein Bericht aus der seinerzeitigen Illustrierten "Quick" vm 11. 8. 1963
http://de.wikipedia.org/wiki/Quick_(Zeitschrift)





von Drahbeck - am 12.08.2013 02:48

Re: Quick

Wow - großartige Fotos!

von . + - am 12.08.2013 07:30

Re: Quick

Zitat
. +
Wow - großartige Fotos!


Und ich war dort dabei - Riesenhitze.

Nicht nur ich kühlten uns beim Maß Pschorr :cheers:

von Gerd B. - am 12.08.2013 10:57

Re: Quick

fürs Maß war ich damals noch zu klein :(

Aber die Bavaria interessierte mich damals deutlich mehr als die Verkündigungen auf der Theresienwiese. Doch dann waren mir die Stufen an der Bavaria irgendwie doch sehr riesig vorgekommen. Die Krönung des Kongresses war für mich die Eroberung der Bavaria am letzten Tag nach Ende des Kongresses, als ich oben herumrennen und sie mir unterwerfen konnte. :)

Der Kongress war langweilig, es war heiß und sehr staubig - es wurde Wasser verspritzt

Und die "Wahrheit" von damals? Welch einen Schmarren Jehova den Menschen damals erzählt und verkündet hat. Nach der heutigen Lehre von Jehovas Zeugen ist sehr vieles heute längst Geschichte. Und da gehört dieser Gott von Jehovas Zeugen auch hin. Er ist ein toter Gott der nur in den Köpfen einiger Menschen lebt. In den Köpfen von Menschen die falschen Hoffnungen erlegen sind.



von der einzig wahre Bauer - am 12.08.2013 18:56

Re: Quick

Da erinnere ich mich an die Toilettenzelte.

Aus Latten und weißen Stofftüchern waren die Kabuffs abgeteilt. Gußeiserne WC


Das hier sieht noch wunderschön uas. Die Dinger damals waren schwarz, ohne Toilettenbrille. Da hockte man sich nicht drauf.

Hände wusch man unter dem dünnen Strahl angebohrter Rohrleitungen die sich über einer trogartigen Holzkonstruktion befanden und das "Wachbecken" aus einer langen in der Mitte durchhängenden dicken Teerpappe bestand.

In dieser Art war dann auch die Pinkelrinne gefertigt, nur eben tiefer angeordnet.

tja, das waren noch Zeiten...

Und Schlange stehen für das Mittagessen. Erst Bons kaufen, dann brav anstehen für das Kongressessen. Tablet durchschieben und einen Stehplatz suchen. Die Tische waren so auf 1,40m Höhe. Nachdem man sein Essen verspeist hatte, häufig war es angebratenes Frühstücksfleisch oder Leberkäse mit Kartoffelpüree und Soße, räumte man den Platz und brachte das Tablet zur Geschirrabgabe.

von der einzig wahre Bauer - am 13.08.2013 13:15

Dazu hatte er weder Geld noch irgendwelchen Grad von Verständnis

Im Zeitspiegel
Zitat

„Möchte es ihnen gelingen, auch das, was jene „Erntearbeiter" in Afrika niedergerissen haben, von neuem zu sammeln, zu stärken und in kirchlich geordnete Bahnen zu lenken."

Mit diesen Worten endet in der „Allgemeinen Evangelisch-lutherischen Kirchenzeitung" vom 25. 8. 1913 ein mehrteiliger Artikel unter der Überschrift „Die kirchlichen Separationen unter den Missionschristen Südafrikas", verfasst von einem Pastor namens Hentsch.
Herr Hentsch meint, die Russelliten würden in jener Gegend als sogenannte „Kirche des lebendigen Gottes" bekannt sein. Die wiederum sei identisch mit dem, was eben in Deutschland als „Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher" dahersegle.
Einleitend sucht er erst mal seinem Publikum darzustellen, wie besagte Bibelforscher sich aus kirchlicher Sicht in Deutschland darstellen würden.

Die Russelllehre beschreibt er auch mit den Sätzen, nachdem er noch hervorgehoben hat, außer zustimmende Leserbriefe, und Russellartikel gäbe es im „Wachtturm" keine anderen Meinungsäußerungen. Dann ist seine nächste Feststellung:
Zitat

„Den letzten 7000-Jahrtag läßt Russell mit der Erschaffung Adams beginnen und mir der „Wiederbringung aller Dinge" nach Apg. 3,21 enden.
Die letzten 1000 Jahre davon stellen das Zeitalter der Herrschaft Christi dar.
Sie haben nach Russells biblischer Zeitrechnung 1874/75 begonnen.
Seit der Zeit besteht analog der 40 Jahre von 30 bis 70 nach Christo, die die jüdische Erntezeit darstellen, für die Christenheit eine gleichlange Erntezeit, die 1914/15 zu Ende geht.. Bis dahin müsse der „Weizen", d. h. die wahren Christen, von der Spreu, d. h. die Namenchristen geschieden sein, um mit Christo zur himmlischen Herrlichkeit erhoben zu werden."

Dann leitet er als nächstes nach Afrika über:
Zitat

„Das zweifelhafte Verdienst, diese Idee den afrikanischen Missionschristen gebracht zu haben, hat ein früherer schottischer Missionar Namens Booth.
Schottische Freunde hätten ihm im Jahre 1906 während seines Heimaturlaubs das Russellsche Werk geschenkt. Er las es und glaubte schließlich, nun das allein Richtige gefunden zu haben. Die Russellschen Anschauungen begeisterten ihn so, daß er sich entschloß, das ihm übertragene kirchliche Missionsamt niederzulegen, nach Allegheny zu Russell zu reisen und ihm seine Dienste anzubieten."

Weiter geht es mit dem Bericht:
Zitat

„Schon im Januar 1907 trat er, von Russell ausgestattet seine Ausreise nach Afrika an."

Dort aber, hatte er anfänglich keinen sonderlichen Erfolg. Das wiederum sollte sich alsbald dergestalt ändern:
Zitat

„Russell sandte ihm nun einen farbigen Helfer nach, und schon im April 1908 konnte er von 35 gewonnenen Auserwählten ... berichten.
1909 meldete er, daß der größte Erfolg in und um Pretoria zu verzeichnen sei, ja daß einer seiner neugewonnenen Mitarbeiter, Mr. Elliott Kamwane, bereits bis zum Nyassaland vorgedrungen sei. Dort habe er bis Ende 1908 schon 9126 Erwachsene, einmal 300 an einem Tage, nach Russellschen Ritus taufen können.
An einem Orte sollten sich 700 Auserwählte, an 30 anderen zusammen 3000 befinden, die die Russellsche Bibellehre ... vorgezogen haben.
Weitere 6000 sollten dafür interessiert sein."
Selbst ein König namens Lenaika „600 Meilen nördlich von den Pretoria-Fällen, soll an Russells Vertreter sogar eine Abordnung mit der Bitte um Zusendung der sechs Bände Schriftstudien „Millenium-Tages-Anbruch" gesandt haben, wünschend, daß die neue Botschaft nicht nur von seinen Kapitänen, sondern auch von seinem ganzen Volke angenommen werden möchte."

Weiter Hentsch kommentierend:
Zitat

„Das Resultat der Tatsache, daß sich überall dort, wo Russells Sendboten hinkamen, die glaubensjungen Christen in Scharen für die neue Erkenntnis begeistern ließen, war ein für die Kirchenmissionare recht empfindlicher Verlust ...
Durch die Verbreitung der Russellschen Ansicht, daß die kirchlichen Pastoren die Pharisäer seien, die ihren Gemeinden den Schlüssel der wahren Erkenntnis weggenommen haben bzw. vorenthalten, verloren die Missionare endlich auch noch allen Respekt und alle Achtung auf Seiten der Gemeindeglieder."

Schien der Erfolg der Russelbewegung einstweilen ungebrochen, sollte alsbald doch noch eine empfindliche Delle eintreten dergestalt, dass der bereits genannte Mr. Booth beschloss, die Endstation seiner Weltanschauungsreise, könnte der Russellismus noch nicht gewesen sein.
Booth trat nämlich nach diesem Bericht, als nächstes zu den Siebenten-Tags-Adventisten über.
Der Bericht geht dann mit den Angaben weiter:
Zitat

„Mit Booth hatte Russell seine damals stärkste Stütze in Afrika verloren. Er sandte deshalb einen Wm. Johnston zur Untersuchung und Neuordnung der Dinge dorthin.
Auch Johnston fand viel Willigkeit zum Hören, aber noch viel mehr zu ordnen. Die Separatisten, die sich seinerzeit unter Booth und Kamwana von der Mission losgesagt hatten, wiesen auf die von ihnen mit hinübergenommenen, inzwischen teils verfallenen Kirchen und Schulen hin und forderten ordentliche Bestallung und Beihilfe für ihre Prediger, wie sie das von den Kirchenmissionaren gewohnt waren. Ebensowenig als Russell bis dahin für diese Zwecke etwas übrig gehabt hatte, ebensowenig konnte ihnen Johnston irgendwelche Aussicht auf Erfüllung ihrer Wünsche machen.
Ihnen schließlich noch, wie die Kirchenmissionare, in wirtschaftliche Beziehung mit Rat und Tat beizustehen, war ihm erst recht nicht gegeben.
Dazu hatte er weder Geld noch irgendwelchen Grad von Verständnis für die Frage, ob die in der modernen Kultur noch jungen Afrikaner wieder nackend umhergehen oder aber mit ihrer Christianisierung auch nach außen hin fortschreiten sollen."


Exkurs Booth.
Zu dem mit erwähnten Joseph Booth dessen eher „Endphase" bereits beschrieben wurde, gälte es noch etwas über seine „Frühphase" zu erwähnen.

en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Booth_(missionary)

Eine programmatische Schrift letzteren („Afrika den Afrikanern"; nur Englischsprachig erschienen.

http://books.google.de/books?id=_OLLyPCZ38MC&printsec=frontcover&dq=Joseph+Booth&hl=de&sa=X&ei=bJ0KUodfytCyBuqfgQg&ved=0CDcQ6AEwAA#v=onepage&q=Joseph%20Booth&f=false

Besagtes Buch hört sich vom Titel her erst mal Antikapitalistisch an. Ob es indes dieses auch tatsächlich ist, erweist sich wohl als eine anders gelagerte Frage.

Regional spielten wesentliche Vorgänge sich dabei in jener Region ab, welche heute als Malawi bekannt ist (davor als Nyassaland).
Schon vor Booth gab es dort christliche Missionare. Namentlich die Schottische Staatskirche, hatte traditionell dort einen „Fuß in der Tür"
Indem nun Booth mit missionarischem Impetus, auch in jener Region auftauchte, muss das im Sinne der Konkurrenz, aber kaum im Sinne einer nicht vorhandenen Kooperation unter den christlichen Missionsgesellschaften angesehen werden.

Ein herausragendes Stichwort in diesem Kontext ist die „Zambesi-Industrial-Mission".
Booth entdeckte, einige weltliche Pflanzer hätten mit dem Kaffeeanbau, dort das „große Geld" gemacht. Besagtes „große Geld" wollte auch er letztendlich machen. Aber im Gegensatz zu den weltlichen Pflanzern dann mit einem frömmelnden Anstrich, und auch in Konkurrenz zur dort bereits etablierten Mission der Schotttischen Nationalkirche.
In den Jahren 1894 und 1897, kam dann auch die Deutschsprachige „Allgemeine Missions-Zeitschrift" verschiedentlich auf die Ambitionen des Joseph Booth zu sprechen. Unter Verzicht auf die konkreten Seitenangaben, in den beiden genannten Jahrgängen des vorgenannten Blattes, sei aus dessen zeitgenössische Berichterstattung einiges nachfolgend zitiert.
Vorgenanntes Blatt notierte:
Zitat

„Ein Herr Joseph Booth in Natal (Durban) ... hat mit 3 anderen gebildeten Schwarzen, unter denen sich auch der Nataler Dr. med. Nembula befindet und mit 4 amerikanischen schwarzen Herren ein Komitee gebildet, welches einen Aufruf erlassen hat zur Bildung einer „Afrikanisch-christlichen Vereinigung" (African Christian Union). Diese hat den Zweck, die afrikanische Rasse zu einen zu Gebet und Arbeit, daß Afrikas Volk ein christliches Volk werde. Angestrebt wird Gleichberechtigung mit den Europäern, Afrika soll seiner Rasse erhalten werden, „Afrika für die Afrikaner" ist die Losung."

Aber so geht der Bericht weiter:
Zitat

„Aber die Mittel, welche Booth und Genossen zur Erreichung des gesteckten Ziels anwenden wollen, sind so abenteuerlich, ja so ungeheuerlich, daß man nur Mitleiden mit allen haben kann, die sich durch solche Pläne berücken lassen."

Als Details werden genannt:
Zitat

„Zunächst soll Amerika veranlaßt werden, jedem Neger, der nach Afrika zurückkehren will, 2000 Mark zu zahlen als Entgeld für die früher geleisteten Sklavendienste. Die Kolonialregierungen sollen angegangen werden um Schenkungen von Land, oder es soll solches käuflich erworben werden. Industrie-Centren sind anzulegen, an denen Europäer als Angestellte (Servants) die Eingeborenen in medizinischer Wissenschaft, in Plantagenbau, Astronomie, Nautik usw. unterrichten, und die Kosten dafür sollen die Afrikaner selbst aufbringen."

Zur Finanzierung des gesamten Unternehmens heisst es dann:
Zitat

„Zunächst soll mit dem Aufwande von 1.400.000 Mk. eine Niederlassung auf dem Schirehochland gegründet und dazu sollen alle auf dem Schire und dem unteren Sambesi laufenden Dampfer und Frachtboote aufgekauft werden."

Dazu kann der Berichterstatter in der „Allgemeinen Missions Zeitschrift" sich doch nicht ganz den Kommentar versagen;
Zitat

„Es ist nicht nötig, den Kindlichen, um nicht zu sagen kindischen Optimismus zu beleuchten, der in diesen Vorschlägen sich ausspricht."

Nun trat der Umstand ein. Die theoretischen Thesen hört man wohl, was indes ist zu ihrer praktischen Umsetzung zu sagen?
Dazu gibt es dann die Angabe:
Zitat

„Booth begann damit, der Blantyre-Mission ihre begabtesten Schüler wegzufangen, um sie gegen hohen Lohn in seinen Dienst zu nehmen. Die Missionsleitung in Edinburgh beschwerte sich indessen so nachdrücklich bei der Oberleitung der „Zambesi-Industrial-Mission", daß diese Booth fallen ließ."

Damit drohten dessen Pläne zu Makulatur zu werden.
Es könne aber nicht sein, was nicht sein soll befand Booth dieserhalb. Und über seinen nächsten Schritt vernimmt man:
Zitat

„Nicht zufrieden; begab er sich nach Schottland, um dort für ein neues, unter seiner Leitung stehendes Konkurrenzunternehmen Geld zu sammeln. Er ging dabei so rücksichtslos vor, daß sich der Missionsvorstand der schottischen Staatskirche bei dem Vorstande der schottischen Baptisten über ihn beschwerte, und auch die schottischen Baptisten ließen ihn offiziell fallen."

Weiter im Bericht:
Zitat

„Das hat aber Booth nicht verhindert, eine „schottisch-baptistische Industrie-Mission" (Baptist Industrial-Mission of Scotland) ins Leben zu rufen, die 1896 gleichfalls in der Nähe von Blantyre ihre erste Kaffeeplantage Gowa gegründet hat."

Ergo ein Konkurrenzunternehmen, mittlerweile auch in Konkurrenz zu einem solchen, das er früher selbst mit begründet hatte.
Vielleicht hat Herr Booth darauf spekuliert: „viel Feind, viel Ehr". Bei dieser Spekulation indes, blieben dann wohl letztendlich nur die Feinde übrig!
Bis jetzt wurde aus der Berichterstattung des Jahres 1897 zitiert. Nun noch ein Zitat aus der davor liegenden Berichterstattung des Jahres 1894:
Zitat

„Er brachte Samen mit für ½ Million Kaffeepflanzen, erwarb 100.000 Acker Land, suchte sich in England 26 „auserwählte Mitarbeiter" und sammelte ein Kapital von 400.000 M.- nach seinen eignen Angaben. Im nächsten Jahre schon soll jede Acker einen Reinertrag von 600 M. liefern - also zusammen die ungeheure Summe von 60 Millionen M. In immer 3 Jahren will der kühne Rechner die Pflanzung verdoppeln und so viel Geld herausschlagen, daß in 33 Jahren die ganze Welt evangelisiert werden kann. Alles nach seinen eignen Worten.
Jetzt ist er wieder auf dem Heimwege, um noch 200.000 M. Anlagekapital zu holen."

Noch ein Zitat aus dem 1894er Bericht:
Zitat

„Und bei rechter Plazierung eines jeden nach seinem besten Geschick (tact) ist er gewiß, daß die ganze Maschine von selbst korrekt arbeiten wird. Keiner bekommt Gehalt, der ganze Gewinn wird angewendet um immer mehr Land zu kaufen und das Geschäft auszudehnen."
Das ist ganz genug. Der Berichterstatter ist ganz entzückt von diesem Projekt, welches er wiederholt versichert, mit den eigenen Worte des Herrn Booth beschrieben zu haben. Und er nennt es ein „Mostglapiouswerk!"
Daß wir uns erlauben, andrer Meinung zu sein, brauchen wir wohl kaum hinzuzufügen."


Siehe thematisch auch
CVTower
19072Booth
Malawi
Parsimony10158

von Drahbeck - am 24.08.2013 23:00

In Fulda „tickten die Uhren anders"

Im Zeitspiegel
Unter der Überschrift „Am Rande notiert" konnte die Juli/August-Ausgabe 1973 der Zeitschrift „Freidenker" es sich nicht ganz „verkneifen", zu einem örtlichen Presseartikel ein paar Anmerkungen hinzuzufügen.
Einleitend wird berichtet
Zitat

„In Fulda fand im März 1973 ein Kreiskongress der Zeugen Jehovas statt."

Über einen dortigen Referenten mit Namen Callein, wird weiter notiert, er trage den Titel „Bezirksaufseher".
Nun muß man es wohl Außenstehenden durchaus zugestehen, dass sie einen solchen Titel als ungewöhnlich empfinden.
Diese Verwunderung des Berichterstatters kommt dann schon mal in der Äußerung zum Ausdruck, das
Zitat

„der Name dieser Funktion seinen Preis wert sei".
Der Berichterstatter vertieft zwar diesen Aspekt nicht weiter. Aber es wäre schon denkbar, dass sich ihm da eine Gedankenassoziation, wie etwa „KZ-Aufseher" aufgedrängt hat. Da jener Berichterstatter das aber so nicht selber ausspricht, verbleibt das ganze eher im Bereich der Spekulation.
Zum inhaltlichen wird zitiert, dass jener Bezirksaufseher gesagt haben soll:
Zitat

„Gemäß der biblischen Prophetie und Chronologie wird durch den auferstandenen Christus eine neue Ordnung mit dem himmlischen Königreich kommen. Diese Epoche hat bereits 1914 begonnen und wird noch in unserer Generation ihre Vollendung finden.
Dieses Geschehen sei der Anbruch der 1000jährigen Friedensherrschaft Christi, durch die die Auferstehung der Toten in greifbare Nähe gerückt sei. Nun wäre es zu prüfen, wie wir Gottes Wohlwollen und die Hoffnung auf ein ewiges Leben erlangen könnten. - Das alles steht in einer Zeitung der Stadt Fulda."

Dazu kommentiert der Berichterstatter dann:
Zitat

„Die Frage ist nur: Woher weiß der Bezirksaufseher eigentlich, daß die Epoche für eine neue Ordnung 1914 begonnen hat?
Schon um das Jahr 1000 hat man das himmlische Königreich erwartet, später sagten es Kometen an usw. Und nun also sind wir mitten in der Epoche der Erwartung drin:
Mit einem zweiten Weltkrieg, einem USA-Krieg in Vietnam, mit einem Mosche Dajan in Israel usw."

Und sein Bericht endet mit der Aussage:
Zitat

„Wozu doch die religiöse Weltdeutung führen kann!
Zu solchen Mißdeutungen übrigens wurden in Fulda 23 Zeugen nach christlichem Vorbild getauft. Der Kongreß hatte 700 Teilnehmer."


von Drahbeck - am 26.08.2013 03:37

„Zeichen der Zeit"

Die katholische „Weltbild"-Gruppe ist laut Presseberichten ins Gerede gekommen (wieder mal).
Das Internet zwingt zum Umbau der Geschäftsgrundlagen.
Verstand man unter jenem Konzern früher ein überwiegend Buch-Verlagsunternehmen, sind bereits wesentliche Teile jenes Sektors an andere Käufer gegangen. Nur mit dem „Käufern" sei das so eine Sache. Die stünden „nicht unbedingt Schlange".
Auch der gleichfalls der Buchbranche zugeordnete „Thalia"-Konzern, ebenfalls mit aktiven Umbauplänen beschäftigt, meint indes, bisher noch alles im Griff zu haben.
Anders bei „Weltbild" wobei insbesondere eine gewisse Zerstrittenheit der Eigner eine Rolle spielt. Einigen aus der Riege der katholischen Bischöfe, ist das Unternehmen schon lange nicht mehr katholisch genug. Da aber auch bei katholischen Manager-Bischöfen „zwei Seelen in der Brust" ruhen, fürchtet man andererseits aber auch Folgewirkungen, etwa im Falle einer Insolvenz. Etwa sich dann als Arbeitsplatzvernichter im öffentlichen Diskurs betiteln zu lassen, schmeckt ihnen auch nicht so recht. Ergo hinken sie mal nach dieser, dann wieder nach jener Seite.
Da Beispiel ihres Limburger Bischofskollegen und seiner fürstlichen Allüren, zeigt auch jenen „Bischofs-Mangern". Wie immer sie sich entscheiden oder auch nicht entscheiden. Die veröffentlichte Meinung wird anschließend wenig „Gnade" für die tatsächlichen Entscheidungsträger übrig haben.
Im Falle „Weltbild" sei derzeit nichts im eigentlichen Sinne „spruchreif" verlautbart man weiter. Das Hin und Hergehinke mit nicht aktivem Handeln, wo Handeln angesagt wäre, dürfte wohl nicht auf lange Sicht durchhaltbar sein. Die „Stunde der Wahrheit" kommt!

www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/der-verlagsgruppe-weltbild-soll-die-pleite-drohen-a-921251.html

www.augsburger-allgemeine.de/politik/Weltbild-unter-Druck-id26937551.html

von Drahbeck - am 10.09.2013 22:47

Der Herr Gutachter

Im Zeitspiegel
Der Herr Gutachter
Bereits in der Ausgabe vom 26. 10. 1918 der „Psychiatrisch-Neurologischen Wochenschrift" (20. Jg.), die damals noch den Untertitel trug:
„Internationales Korrespondenzblatt für Irrenärzte" gab es einen Artikel von einem Dr. S. Loeb über die „Dienstverweigerung aus religiösen Gründen und ihre gerichtliche Beurteilung".
Besagter Herr Gutachter beliebt schon mal einleitend zu vermelden:
Zitat

„Es erscheint fast auffallend, daß wir in diesem Weltkriege so wenig von Dienstverweigerung aus religiösen Gründen gehört haben. Die großen religiösen Gemeinschaften gestatten allerdings ihren Gläubigen nicht nur die Ausübung des Kriegsdienstes, sondern stellen sich bei allen kriegführenden Völkern ganz in den Dienst der nationalen Sache."

Aber auch das weis der Herr Gutachter zu vermelden, bei einigen Sekten sei das anders.
Wenn benennt denn der Herr Gutachter diesbezüglich?

Als erstes fallen ihm da die Mennoniten ein, von denen es seiner Bewertung nach noch circa 15.000 in Deutschland geben soll. Aber er muss zu diesen auch anmerken:
Zitat

„In Friedenszeiten wahren sie von der Leistung des Fahneneides entbunden."

Nun kann man es ja vielleicht nachvollziehen, das Kriegführende Staaten, im Falle tatsächlicher Wehrdienstverweigerer, den Herrn Gutachter (oder einige seiner Kollegen) halt mit einer entsprechenden Begutachtung von Einzelfällen beauftragen.
Welche Gutachten hatte denn nun der Herr Gutachter (oder einer seiner Kollegen) im Falle der Mennoniten, zu Zeiten des ersten Weltkrieges zu erstellen.
Offenbar nicht viele - bis zur Zahl Null hin tendierend.
Als nächstes knöpft er sich dann mal die Adventisten vor. Da hatte er wohl tatsächlich einen Fall von denen zu begutachten
Aber o weh. Der Mann wollte sich einfach nicht impfen lassen, was ihm denn eine Gutachtliche Bewertung durch Irrenärzte einbrachte. Indes von einer Wehrdienstverweigerung ist auch in diesem Falle nicht die Rede.
Dann hatte der Herr Gutachter wohl noch so mitbekommen, es gäbe ja noch die Religionsgemeinschaft der Quäker, denen man auch Wehrdienstverweigerung nachsagt.
Nur sein Pech, die waren aber in Deutschland zu der Zeit kaum mit einer superscharfen Lupe auffindbar.
Also wieder nichts mit einem Gutachter-Honorar für einen diesbezüglichen Fall, eben weil es solche Fälle in Deutschland zu der Zeit nicht gab.
Aber um wenigstens von der genannten Zeitschriften-Redaktion ein Veröffentlichungs-Honorar zu ergattern, musste der Herr Gutachter seinen Artikel noch etwas ausschmücken.
Und so belehrt er denn zusammenfassend:
Zitat

„Können wir also sagen:
Religiöse Ideen können ihrem Inhalt nach kaum in gesunde und kranke geschieden werden."

Diese Grundthese breitet er dann noch etwas weiter ausgewalzt aus.
So kulminierend auch in dem Satz:
Zitat

„Manchen wird diese Abgrenzung wenig befriedigen, weil er kräftigere Unterscheidungsmerkmal erwartete und nur mit feinen Abstufungen abgespeist wird."

Da hatte wohl ein Kollege von ihm, mit Namen Dr. O. Marienfeld, etwas mehr Glück.
Letzterer verbreitete sich im selben Blatt in der Ausgabe vom 22. 9. 1923 (Nr. 25/26 des 25. Jg.) und wusste schon mal etwas eindrucksvoller zu titeln:
Zitat

„Über einen Fall von Kriegsdienstverweigerung aus religiösen Gründen."

Er schaffte es sogar, sieben Zeitschriften-Seiten lang, für die Darstellung seines Falles zu benötigen.
Wie es sich für einen zünftigen Gutachter gehört, endet auch sein Bericht mit reinem Resümee, und zwar diesem:
Zitat

„Ich halte das ganze religiöse Gedankensystem unseres Patienten für die Reaktionsform eines von Natur aus religiös veranlagten, intellektuell nicht sehr hoch stehenden Menschen, durch welche der Mangel an Anpassungsfähigkeit an die realen Verhältnisse in gewissem Sinne ausgeglichen zu werden angestrebt wird."

Wie entwickelte sich jener Fall im einzelnen?
Nun der Proband wurde im Februar 1918 zum Militär eingezogen.
„Angeblich nicht früher, weil er geborener Pole sei."
Seine Mutter aus Baptistenkreisen stammend habe ihn streng religiös erzogen.
Er trage immer eine Bibel bei sich, „in der er zahlreiche Stellen mit verschiedenen Zeichen versehen habe."
Und bei einem veranstalteten Intelligenztest „ist kein eigentlicher Defekt nachweisbar."
Der Proband meint in seinem Gutachterverfahren auch mit anführen zu sollen:
Zitat

„Er kümmere sich nicht um politische Dinge, obwohl von Politik nicht die Rede ist."

Und weiter:
Zitat

„Durch vernunftgemäße Einwände gegen seine religiösen Vorstellungen ist er nicht zu beeinflussen."

Im Sommer 1917 sei er durch einen, wie der Herr Gutachter nicht versäumt mit zu betonen, „Arbeiter" in Kiel zu seiner jetzigen Position bekehrt worden.
Er habe „alles abgelegt, was er für sich als sündhaft erkannt habe. Rauchen, Trinken, Tanzen, ins Kino gehen usw."
Die eschatologische Orientierung des so „Gestrickten" wird dann herausgearbeitet.
Zitat

„Auch den Sanitätsdienst müsse er als einen Teil des Militärdienstes verwerfen. Befragt, wie er sich denn zu seiner Tätigkeit auf der kaiserlichen Werft stelle, antwortet er, er habe Brot haben müssen und seiner Arbeit hänge auch nicht unmittelbar mit Unterstützung des Krieges zusammen."

Der Gutachter meint dann weiter werten zu können:
Zitat

„Wir sehen also, daß zu dem einen Motiv der Dienstverweigerung, dem Überdruß am Kriege dem wir nicht die entscheidende Rolle zumessen wollten, wenn wir auch zugeben wollen, daß ihm vielleicht auch in unserem Falle eine gewisse kumulierende Wirkung zukommen mag".

Ob der Begutachtete, über die nachfolgenden Sätze in dem Gutachten „glücklich" sein konnte, mag ja völlig dahingestellt bleiben. Ohnehin war der Adressat des Gutachtens nicht der Proband. Der war allenfalls Subjekt, Gegenstand der Bewertung.
Immerhin meint der Herr Gutachter mehr zum Abschluss kommend auch werten zu sollen;
Zitat

„Aus dem Gesagten erhellt, daß zurzeit die sichern Symptome einer Paranoia, insbesondere die Progressive, nicht nachweisbar sind. Die Stellung der Diagnose auf „beginnende Paranoia" ist zurzeit unmöglich, da uns hier sichere Anhaltspunkte zur Abgrenzung des schon Pathologischen vom noch Normalen fehlen, worauf ... hingewiesen wurde.
Ich halte das ganze religiöse Gedankensystem unseres Patienten für die Reaktionsform eines von Natur aus religiös veranlagten, intellektuell nicht sehr hochstehenden Menschen, durch welche der Mangel an Anpassungsfähigkeit an die realen Verhältnisse in gewissem Sinne ausgeglichen zu werden angestrebt wird."

Auffällig in dem weitschweifigen Geschwafel. Es gibt keinerlei Hinweise etwa dergestalt, dass schriftliche Bekundungen, des religiösen Kreises (also nicht nur des Probanden) zitiert werden, in dem besagter Kreis sich auch wehrdienstgegnerisch artikulieren würde. Der Gutachter kann also nur das tatsächliche Verhalten des Probanden belegen. Es ist ihm aber nicht möglich, irgendwelches Schrifttum des Kreises zu benennen und zu zitieren, dem der Proband sich zugehörig weis, welches belegen würde. Auch jener religiöse Kreis sei generell Wehrdienstgegnerisch orientiert.
Man beachte auch die Zeitangaben. Erst im Sommer 1918 wurde der Proband erstmals mit der Wehrdienstthematik aktiv tangiert. Wenn seine Mutter als Baptistin bezeichnet wurde, so gilt wohl ab Sommer 1917, für ihren volljährigen Sohn, diese Einordnung nicht mehr.
Die Religionsgemeinschaft, welcher der Proband seit Sommer 1917 sich zugehörig weis, wird aber in dem Artikel keineswegs eindeutig benannt.
Das kann ebensogut ein „All und Jeder Verein" gewesen sein.
Allerdings spricht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, es handelte sich um die WTG geführten Bibelforscher.
Dann jedoch ist die beschriebene Verhaltensform, erst mehr zum Kriegsende virulent. Keinesfalls auch schon beim Kriegsanfang, auch in diesem Fall.

Bezüglich weiterer thematischer Verlautbarungen in dergleichen Zeitschrift, siehe auch
Mysnip.48738

Als ein verspäteter Ausläufer die Zeit des ersten Weltkrieges betreffend, kann man auch einen Artikel eines Prof. J. Lange aus Breslau, in der „Münchner Medizinischen Wochenschrift" ansehen Nr. 1/1937. Dortselbst verbreitete er sich über die „Dienstverweigerung aus religiösen Gründen.
Er er sei nachfolgenden etwas näher vorgestellt.
Einleitend verlautbart er:
Zitat

„Seit dem Ende des Krieges bis in die jüngste Zeit hinein hat es eine Frage der Dienstverweigerung aus religiösen Gründen nicht gegeben."

Zur Begründung führt er an:
Zitat

"Zudem entheben die großen Konfessionen den einzelnen Gläubigen der Gewissensnot. Sie segnen den "gerechten" Kämpfer, und im großen Kriege war mancher Feldgeistliche für die Stimmung der Truppe nicht weniger wichtig, als der eigens dafür bestimmte Offizier."

Aber, meint er weiter verlautbaren zu sollen:
Zitat

„Wie die großen christlichen Kirchen als die wesentlichen Gestaltungen des über die Völker hinwegreichenden Christentums mit den Schwierigkeiten fertig werden - die feindlichen Völker ziehen ja im Namen des gleichen Gottes ins Feld - geht uns hier nichts an. Wir haben es mit der heute wieder wichtigen Tatsache zu tun, daß Angehörige bestimmter Sekten und Einzelne mit ganz persönlichen religiösen Einstellungen aus ihrer echten oder unechten religiösen Haltung heraus jedweden Dienst, den Heeresdienst, den Eid oder den Dienst an einzelnen Tagen oder in bestimmten Formen ablehnen."

Zu sich selber überleitend führt er dann aus:
Zitat

„Meiner Klinik wurden im Laufe des letzten Jahres zwei Leute zugeführt, die nach der Einziehung zum Arbeitsdienst zwar durchaus nicht die Arbeit, aber den Eid auf den Führer verweigerten."

Und weiter sein Votum:
Zitat

„Oft genug lösen sich die Schwierigkeiten dadurch, daß der Dienstverweigerer als geisteskrank, meist als schizophren, erkannt wird."

Er meint weiter werten zu können:
Zitat

"Jedes erprobte Sektenmitglied wird allmählich fanatisiert und damit starr und unbiegsam, kampfbereit und um Gottes Willen auch des Martyriums gewärtig. Ja, die Sektenzugehörigkeit reißt auch äußerlich vielfach eine Kluft auf, wenn sie etwa zur Heiligung des Sabbaths zwingt oder bestimmte Speiesegebote auferlegt, so daß die Gläubigen auffallen und äußerlich sichtbar aus mancherlei allgemeinen Gewohnheiten ausgeschlossen werden. Der Sektenangehörige ist also vielfach schon gewohnt, andere Wege zu gehen, als die allermeisten anderen und dies, trotz Widerstand und Spott und Aufsehen, stolz, und unbekümmert oder eigensinnig und verbissen zu tun."

Weiter sein Votum:
Zitat

"Daß es auch Dienstverweigerer aus solchem echten Glauben gibt, daran ist kein Zweifel. Aber sie sind so selten wie unter den Querulanten die echten Rechtsfanatiker von Schlage des Michael Kohlhaas."

Als Tatsachen meint er dann definieren zu können, dass es im Anfange des ersten Weltkrieges keine Dienstverweigerung aus religiösen Gründen gab.
Und weiter, noch 1917 konnte ein Berufskollege von ihm, während einer thematischen Tagung, nur zwei solcher Fälle näher vorstellen.
Zitat

„Anfang 1918 aber schon über 14 religiöse Dienstverweigerer berichten."

Sein Kommentar dazu:
Zitat

„Es ist nicht einzusehen, weshalb echte religiöse Überzeugung nicht schon 1914, 1915,1916 vom Kriegsdienst ferngehalten haben soll."

Und sein Schlussresümee lautet dann:
Zitat

„Es erscheint uns keine Möglichkeit gegeben, die Dienstverweigerung aus religiösen Gründen anders zu behandeln als andere Formen von Dienstverweigerung auch. Die etwaigen, sicherlich wenig zahlreichen, echten Märtyrer aber werden sich durch jede Art der Bestrafung von ihrem Gottes ausgezeichnet sehen."

Nun muss man wohl berücksichtigen, dass namentlich der erste Weltkrieg, das Blickfeld jenes Artikels darstellt. Unterstellt man weiter, Erstellungszeitraum des Artikels das zweite Halbjahr 1936, also zu dem Zeitpunkt wo weder der Krieg gegen Polen, noch der zweite Weltkrieg, bereits Tatsache war, so kann noch festgestellt werden.
Zu diesem frühen Zeitpunkt stellten etwa Begutachtungsaufträge für ihn oder seine Kollegen, die Zeugen Jehovas etwa betreffend, noch keine Rolle.

Wer hätte auf Anhieb das gedacht? Auch die Schweiz beschäftigte Gutachter im Kontext von Wehrdienstverweigerungen. Berichte darüber sind im Jahrgang 1963 einer Zeitschrift mit dem Titel „Schweizerische Medizinische Wochenschrift" „bewunderbar". Schon in der Ausgabe vom 12. 1. 1963 referierten dort die Herren O. Mühlberg und O. Riggenbach zum Thema:
Zitat

„Zur psychiatrischen Beurteilung von Dienstverweigerern aus Gewissensgründen."

Genannte Herren wissen erst mal zu belehren, auch die Schweiz huldige dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht. Und weiter, es sei ausgehend von dieser Prämisse
Zitat

„verständlich, wenn die Bestrebungen gewisser Kreise um Einführung eines Zivildienstes, d. h. einer Dienstleistung für rein zivile Aufgaben an Stelle der militärischen Dienstleistung, politisch keine Aussicht auf Verwirklichung hätten."

Und weiter das
Zitat

„Prinzip der Unverletzlichkeit der Glaubens- und Gewissensfreiheit (gelte) nur insoweit, daß Glaubensansichten nicht von der Erfüllung der bürgerlichen Pflichten entbinden."

Und weil das so sei, macht sich derjenige strafbar „und wird der Militärjustiz überwiesen" der das anders sehen möchte in Theorie und Praxis.
Zitat

„Das Strafmaß schwankt, wenn nicht besondere Milderungsgründe vorliegen, zwischen 3 und 6 Monaten."

Als Zahlengrößenordnung nennt jener Bericht die Zahl von etwa 25 - 35 solcher Fälle jährlich.
Da der in Rede stehende Artikel im Jahre 1963 erschien, mag es angebracht sein die Vergleichszahl der Zeugen Jehovas in der Schweiz, in diesem Zeitraum mit zu benennen. Laut den ZJ-Jahrbuchstatistiken wird für 1962 die Schweiz mit der Höchstzahl von rund 5400 ausgewiesen (entsprechend einem Verhältnis zur übrigen Bevölkerung von 1 zu 1029).
Mögen sich die bisherigen Angaben zur Praxis in der Schweiz auch wenig liberal anhören, sollte man sicherlich auch diesen Satz nicht übersehen:
Zitat

„Jeder Wehrpflichtige hat das Recht, sowohl bei der Aushebung als auch während der ganzen Dauer seiner Wehrpflicht aus Gewissensgründen zur Sanität als nicht-kombattanter Truppe zu- bzw. umgeteilt zu werden."

Namentlich die letztere Angabe macht deutlich. Die genannten 25 - 35 Fälle pro Jahr, reduzieren sich auf solche Fälle, die (wie beispielsweise Zeugen Jehovas in Deutschland zu der Zeit), die selbst die Einteilung zum Dienst in einem Krankenhaus verweigerten (dieweil sie dadurch sich in ihrem Predigtdienst behindert sähen).
Die genannten Gutachter wähnen nun für die Jahre 1958 bis 1962 über eine Dokumentation von 96 Verweigerungsfällen zu verfügen, wobei das Gros dieser Fälle Zeugen Jehovas beträfe.
Und deren Motivation für ihr Verhalten beschreiben sie mit den Worten:
Zitat

Sie „betrachten den Staat als Einrichtung des Satans und sich selbst als Angehörige eines Gottesstaates.
Aus dem Grundsatz, daß man nicht zweien Herren dienen kann, ziehen sie die Konsequenz der Dienstverweigerung dem Staat gegenüber, dem sie hienieden angehören.
Es muß aber festgestellt werden, daß lange nicht alle Zeugen Jehovas so weit gehen; diejenigen, die den Dienst verweigern, betrachten sich als die Reingläubigen und bedauern ihre Mitbrüder, die aus mangelnder Kraft der Überzeugung oder aus Schwäche diesen letzten Schritt nicht wagen."

Unter Anführung eines Fallbeispieles, etwa dieses:
Zitat

„In einer Familie von Zeugen Jehovas arbeitet der Vater als Wächter in einer Munitionsfabrik und leistet Dienst; auch 2 ältere Brüder leisten Dienst. Der jüngste Bruder verweigert den Dienst in der Sanitäts-Rekrutenschule und bedauert das Verhalten seiner Angehörigen als Schwäche im Glauben."

Im Anschluss an dieses Fallbeispiel werten die Autoren:
Zitat

„Erstaunlich ist die uniforme Argumentation - zumindest nach außen - behauptet wird, daß der Entschluß selbständig ohne Beeinflußung durch Drittpersonen erfolgt sei.
Sehr simplifiziert ist die einheitliche Beantwortung ..."

Zum Resümee kommend findet man in diesem Aufsatz auch die wertenden Sätze:
Zitat

„Was aus einer statistischen Analyse nicht hervorgehen kann, jedoch jeden, der sich schon um einen Zeugen Jehovas bemüht hat, ob Richter oder ärztlicher Begutachter, immer wieder beeindruckt, ist die erschütternde Gleichförmigkeit, ja Sturheit der sektiererischen Haltung.
Charakterzüge wie Kontaktarmut, Selbstunsicherheit, Schizoide, Verschrobenheit, Lahmheit, geistige Unreife, Trotz und Ressentiments, Geltungsbedürfnis, Fanatismus und Neigung zu Märtyrertum bilden den Boden, aus welchem ein jede Diskussion ausschließendes Glaubensbekenntnis von monotonlichhaftem Gepräge erwächst."

Im gleichen Jahrgang (8. 6. 1963) gab es dann noch einen weiteren thematischen Artikel, welcher sich im wesentlichen als Ergänzung zum bereits zitierten Artikel verstand.
J. Janner über die „forensisch-psychiatrische und sanitätsdienstliche Beurteilung von Dienstverweigerern."
Kernpunkt darin wohl, wie sollen die Herren Gutachter, ihr Gesamturteil im Einzelnen formulieren?
Janner entschied sich offenbar für die Variante:
Zitat

„Die wenigen Fälle, die nicht Zeugen Jehovas sind, müssen im allgemein als die psychisch Abnormsten beurteilt werden. Sie sind zum Teil als nicht voll zurechnunggsfähig zu betrachten.
Die Kerngruppe der Zeugen Jehovas jedoch erfüllt den seit 1950 im Militärgesetz qualifizierten Tatbestand der Dienstverweigerung aus religiösen Gründen und ist deshalb als voll zurechnungsfähig zu beurteilen.
Trotzdem sind auch sie immer als abnorme Persönlichkeiten aufzufassen, so daß die sanitorische Ausmusterung aus psychiatrischen Gründen nach dem ersten Strafverfahren gerechtfertigt ist."

Ob denn die von besagten Gutachter empfohlene Ausmusterung, in der Praxis dann auch tatsächlich zur Anwendung kam, wäre indes eine andere Frage. Nicht jeder Richter, pflegt in allen Einzelheiten, einem Gutachten zu folgen.
Letzterer Aspekt wird in einer anderen Schweizerischen Zeitschrift mit dem Titel „Gesundheit und Wohlfahrt" in deren November-Ausgabe 1944 besonders thematisiert.
Der Verfasser, ein Dr. med G. Stutz bemerkt über sich selbst, er habe eine 7jährige Gutachter-Erfahrung „als Richter eines Divisionsgerichtes."
Und dann stellt er schon mal fest:
Zitat

„Bekanntlich sind gerade die Urteile der Militärgerichte sehr verschieden voneinander."

Und weiter in seinem Votum:
Zitat

„In der Regel kennt nur der Präsident, der Ankläger und der Verteidiger das ganze Gutachten. Die Richter kennen häufig nur den Gutachtenteil, sehr oft nur die letzten Seiten und häufig nur die allerletzte Zusammenfassung."

Böse Zungen wären geneigt dazu zu kommentieren. Also auch die Schweizer Justiz (und wohl nicht „nur" diese) liebt ein geruhsames Leben!
Dann vergleicht dieser Gutachter, die Zeit des ersten Weltkrieges, mit der Zeit des zweiten (immer aus der Perspektive der Schweiz aus gesehen). Und meint dazu werten zu können:
Zitat

„Besonders eindrücklich war die Praxis bei den Dienstverweigerern während des jetzigen Krieges. Gegenüber 1918 ist ein grundsätzlicher Unterschied vorhanden. Damals neigte man dazu, fast eile Dienstverweigerer als abnorm zu bezeichnen und zu exkulpieren. Die heutigen Militargerichte bezeichnen die Dienstverweigerer vom Typus des ernsten Bibelforschers als voll verantwortlich; er ist der normale Dienstverweigerer. Ich habe schon eine ganze Anzahl derartiger Dienstveweigerer mitverurteilen helfen, sie waren einander sehr ähnlich, und ich halte diese Art von Behandlung für richtig. Wenn Sie also heute einen Dienstverweigerer zur Begutachtung bekommen, so ist er dem Untersuchungerichter irgendwie besonders aufgefallen. ... Die militärgerichtliche Praxis 1939/1944 hält also grundsätzlich gewisse Verschrobenheiten, überwertige Ideen und paronoische Entwicklungen im Sinne des Strafgesetzes nicht für abnorm."

Beim Thema Schweiz und Wehrdienstproblematik soll sicherlich nicht, die 1929 in Zürich erschienene Dissertation von Ernst Altorfer
„Die Dienstverweigerung nach schweizerischem Militärstrafrecht" vergessen werden.
In ihr wiederum aus dem Wertungsteil die Feststellung:
Zitat

„Das Jahr 1917 brachte das Anschwellen der Dienstverweigerung aus Gewissensgründen auf die Höchstzahl von 37 Fällen."
(S. 200)
Wie setzten sich nun zu Zeiten des ersten Weltkrieges die tatsächlichen Wehrdienstverweigerer in der Schweiz zusammen?
Dazu Altorfer:
„S.205:
Zitat

Vor dem Kriege waren es hauptsächlich die Sabbathisten, die die Militärgerichte beschäftigten. In den Jahren 1915-1919 verweigerten zahlreiche Antonianer den Dienst, während seit 1922 die Angehörigen der Sekte Leib Christi und der ernsten Bibelforscher das Hauptkontigent der Dienstverweigerer stellen. ...
In den ersten Kriegsjahren standen mehrere Antonianer vor Gericht, in die Zeit vor dem Kriege, in vereinzelten Fällen jedoch bis zum Jahre 1924 fallen die Dienstverweigerungen der Sabbathierer, während es seit 1922 die Sekte "Leib Christi" und die ernsten Bibelforscher sind, die die Mehrzahl der Dienstverweigerer stellen.
Die Sekte der Antonianer ist besonders deshalb interessant, weil sie, im Gegensatz zu den andern, eine typisch schweizerische, nur im Kt. Bern vorkommende ist."

Bemerkenswert an dieser Analyse. Also erst ab 1922 (nicht jedoch schon zu Zeiten des ersten Weltkrieges), spielten die Bibelforscher in der Schweiz bei der angesprochenen Thematik, mit eine Rolle.
Schon seit der Jahrhundertwende gab es aber in der Schweiz, von Russell inspirierte Kreise. Auch wenn man deren Schismen mit in Betracht zieht. Etwa das durchaus einige Zeitlang die Schweizer Zeitschrift „Die Aussicht" für Russell eine ihm Abbruch tuende Konkurrenz darstellte, so hat dieser Aspekt aber dergestalt keine Bedeutung, als Nachweisbar ist, auch im Kreis der sich um die „Aussicht" sammelte, ist fallweise Absolvierung des Wehrdienstes nachweisbar.
In diesem Punkte handelten sowohl die Russell-Hörigen, als auch ihre Opposition im Kreis um die „Aussicht" zu Zeiten des ersten Weltkrieges ähnlich.
Altorfer hingegen datiert den Beginn nachweisbarer Wehrdienstverweigerungen aus dem Kreise von WTG-Hörigen, ausdrücklich erst auf ab 1922.
Auch dieser Satz aus der Diss. von Altorfer sei nicht vorenthalten; wobei erneut an das Erscheinungsdatum der Arbeit von Altorfer erinnert sei (1929):
Zitat

„In einem Falle begründete ein ernster Bibelforscher seinen Standpunkt mit einem Brief an das Gericht, der aus 126 Bibelstellen zusammengesetzt war; eigener Text fand sich ausser den immer wiederkehrenden Worten "Denn es steht geschrieben" keiner in diesem Schreiben.
Die Betreffenden haben sich so in das System ihrer Sekte eingearbeitet, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, die Dinge anders wahrzunehmen, als sie durch ihre Bibelforscherbrille sehen. Ihre Gedankengänge sind im Gebiet der religiösen Ansichten derart von effektiven Momenten beherrscht, dass sie verstandesmaßig nicht mehr korrigierbar sind, da ihnen die Möglichkeit, Gegenvorstellungen zu bilden, vollständig fehlt.
Es trifft also auf 11 verurteilte 10 als unzurechnungsfähig erklärte ernste Bibelforscher zu!"
(S. 211, 212)

von Drahbeck - am 23.09.2013 22:18

Das Naziregime droht

Im Zeitspiegel
„Freiburger Zeitung" vom 25. 9. 1933


http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=07&day=25a&year=1933&month=09&project=3&anzahl=8

von Drahbeck - am 24.09.2013 22:05

Gleich und gleich - und dennoch nicht gleich!

Im Zeitspiegel
Gleich und gleich - und dennoch nicht gleich!
Samuel Limbach, Herausgeber einer in der Schweiz erscheinenden Zeitschrift, mit dem Titel „Weissagungsfreund" wie soll man den nun einordnen?
Wollte nicht die Bibelforscher-Organisation der Frühzeit, mit Ausläufern bis in die Gegenwart, auch eine Art „Weissagungsfreund" sein?!
Im Falle Limbach zeigt sich wieder mal, die sich (mit Abstrichen) inhaltlich am nächsten stehen, können eben wegen dieser Nähe dennoch zum „Lieblingsfeind" mutieren.
Sicher gab es auch Differenzen theologischer Art, zwischen den Russelliten und Limbach. Aber eben auch nicht unbeträchtliche „Schnittmengen".

In der März-Ausgabe 1913 seines „Weissagungsfreund" sprach Limbach diese Differenzen mal an.
Als Überschrift wählte er : „An ihren Früchten sollt ihr Sie erkennen" und führte dann aus:
Zitat

„Wir haben vor einigen Jahren einen Artikel im Weissagungsfreund gebracht, mit der Überschrift „Prüfet die Geister!" der vor allerlei falschen Propheten unserer Zeit warnte, unter anderem vor dem Gründer des Milleniums- oder Tages-Anbruch-Sekte, dem Amerikaner Ch. T. Russell und seine Irrlehren, die er mit viel Pathos vorträgt und die durch die Organe dieser Sekte in Masse unter die Leute gebracht werden, wodurch viele religiös angeregte, aber unbefestigte Seelen verwirrt werden."

Als Irrlehren meint er bezeichnen zu können:
Zitat

„Zu dieser Irrlehre gehört die Leugnung des Fortlebens nach dem Tode, die Auferstehung Aller die Wiederbringung des Meisters im Millenium und die Vernichtung der beharrlichen Gottlosen."

Dann geht er zu eher aktuellen Aktivitäten der Russellianer über:
Zitat

„Dieser Russell hat nun eine Reise um die Welt gemacht, um die bisherige Missionsarbeit zu „prüfen". Seine Visitationsreise dauerte im ganzen 116 Tage, die er zumeist auf dem Schiff zubrachte.
Eine solche Visitationsreise im Flug um die Welt nennt er eine „sorgfältige Untersuchung".

Und mehr zum Schluß kommend fügt er noch mit hinzu:
Zitat

„Und wenn dann ein solcher Prophet sich noch dazu vor Gericht mit seiner geschiedenen Frau herumschlägt, so zeigt auch dies, dass er ein falscher Prophet ist.
Wir warnen somit auch noch einmal nachdrücklich vor ihm und seinen Lehren - besonders den Zeitschriften „Zions Wachtturm", „Volkskanzel", „Jedermanns Blatt".

Man kann zwar nachvollziehen, das Bibelforscher-Kreise über dieses Votum nicht sonderlich angetan sein werden. Dennoch hat sich Limbach mit seinen Ausführungen durchaus im Rahmen des zulässigen bewegt.
Das ändert nichts daran, dass er mit einiger zeitlicher Verspätung dann noch Post von den Bibelforschern erhielt, worüber Limbach im Jahrgang 1914 seines Blattes dann noch schrieb.
Datiert vom 20. März 1914 schrieb ihm, wie das Schreiben unterzeichnet war, ein „Dr. Emil Lanz
Präsident des Schweiz. Zweiges der I.V.E.B."

Lassen wir mal jetzt den Umstand außer Betracht, dass in späteren Jahren, auch ein Emil Lanz noch den WTG-Staub von seinen Füßen schüttelte (und er war sicherlich nicht der einzigste über den diese Feststellung getroffen werden kann).
Aber entscheidend ist ja nun, das Herr Lanz im Jahre 1914 noch unter der WTG-Fahne segelte.
Herr Lanz entschuldigt sich in einem Schreiben aus dem Jahre 1914 an Limbach erst mal, dass ihm der inkriminierte Artikel nur verspätet bekannt geworden sei.
Da kann man schon mal kommentierend anmerken. Also auch Lanz verfolgte die Käseglockenpolitik (nicht nach links und nicht nach rechts zu schauen. Ausnahmen nur dann, liegt plötzlich ein Stein im Wege).
Es wäre ja denkbar, dass er jenes „Geistesverwandte" Blatt auch als Abonnement bezogen hätte. Dann hätte er sicherlich zeitnaher Kenntnis, von dem in seiner Sicht „Stein des Anstoßes", was aber offenbar nicht der Fall war.
Herr Lanz gedachte nun auch nicht, sich umfänglich mit den Ausführungen mit „Weissagungsfreund" auseinanderzusetzen.
Er zog es vor, sich nur auf einen speziellen Punkt „einzuschießen."
In dem Schreiben des Lanz las sich das dann so:
Zitat

„Ihr Artikel enthält und anderen den Passus

Zitat

„Und wenn dann ein solcher Prophet noch dazu vor Gericht mit seiner von ihm geschiedenen Frau herumschlägt ..."

Zitat

Damit haben sie ein Pressedelikt begangen, das sich als eine Unwahrheit und Verleumdung qualifiziert und das gerichtlich verfolgbar ist.
Da sie sich aber bereit erklärten in der nächsten Nummer des Weissagungsfreund eine sachliche von uns redigierte Richtigstellung zu veröffentlichen, sehen wir von einer gerichtlichen Verfolgung ab und fordern Sie hiermit auf, dieses Schreiben in extenso in der April-Nummer ihres Blattes zu veröffentlichen.
Tatsache ist nur soviel, das Frau Russell, die der Frauenrechtsbewegung huldigte und ihren Mann nicht dazu bekehren konnte, vor Jahren gegen ihn eine Trennungsforderung vor Gericht einreichte, welchen auch entsprochen wurde, als die Richter erkannten, dass ein weiteres Zusammenleben unter diesen Umständen unmöglich geworden war. Von einer Scheidung aber, der ganz andere Ursachen zu Grunde liegen müssen, war überhaupt nie die Rede.
Wir billigen ihn gerne die ihr Delikt mildernde „bona fides" in der Angelegenheit zu und wollen sie auch vorderhand nicht weiter in Verlegenheit bringen durch Widerlegung ihrer weiteren Äußerung über Pastor Russells Welt-Missionsreise. Die nobel und wahrhaft christlich gesinnten Leser ihres Blattes werden ganz von selbst die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen wissen und die Motive die sie zur Veröffentlichung resp. Weitergabe unwahrer Gerüchte, wie im vorliegenden Falle bewogen, nach ihrem sittlichen Wert zu taxieren verstehen. Dies zu ihrer persönlichen und zur Orientierung aller, die Pastor Russell lieber alles andere nachreden als etwas Gutes."

So so, da belehrt also Herr Lanz über die Unterschiede zwischen einer Trennung und einer Scheidung.
Nun soll es doch wohl so sein: Tatsächlichen Scheidungen, pflegt immer eine Trennung vorauszugehen.
Erfolgt dann der nächste Schritt der Scheidung, stehen damit unweigerlich, vorrangig wirtschaftliche Aspekte auf der Tagesordnung.
Auch heutzutage wird ja manchmal empfohlen in solchen Fällen, Mediatoren einzuschalten. Die können ihr Wirken für den Fall als erfolgreich verbuchen, gelingt es, diese wirtschaftlichen Aspekte im Sinne eines Interessenausgleiches, zu neutralisieren.
Die „Trennung von Tisch und Bett" indes ist so oder so, als dauerhaft einschätzbar. Hat Russell also eine wie auch immer geartete relative Verständigung mit seiner Frau erzielt, ist die Erbsenzählerei zwischen „Trennung und Scheidung" wohl eher kleinkariert.

Limbach erwähnt weiter:
Zitat

„Oben erwähnter Herr legte mir ein von Russell unterzeichnetes Dokument vor, in dem er mit Berufung auf den Richter erklärt, dass er nicht geschieden sondern nur gerichtlich getrennt sei von seiner Frau. Die Unterschrift Russells - nicht der Inhalt seines Schreibens - war amtlich beglaubigt."

Auch diese Angabe, deutet dann wohl eher auf die Verwendung von Advokatentricks zur Überrumpelung des nicht geschätzten Gegners hin.

Im weiteren Verfolg dieses Disputes teilt Limbach dann noch mit:
Zitat

„In „Licht und Leben" Nr. 14 (5. April 1914) S. 218 steht wörtlich zu lesen.

Zitat

„Der Zweck dieser ganzen Veräußerung war, Frau Russell ihrer Mitgift zu berauben, und es ist ein Betrug an ihr."

Zitat

Auch wurde festgestellt, daß er Vermögen angehäuft habe durch Aktien, Spekulationen und durch Schenkungen seitens seiner Anhänger, die gelehrt werden, zu glauben, daß das Millenium (tausendjärige Reich) im Oktober 1914 beginnen wird."

In der Ausgabe vom 29. 9. 1912 teilt dann das „Dt. Gemeinschaftsblatt" mit, als Folge dieses Berichtes seien bei der Redaktion etliche Widerspruchsschreiben, namentlich die Details der Trennung/Scheidung eingegangen.
Daraufhin mußte die Redaktion dazu bescheiden:
Zitat

„Wir möchten niemanden, auch keinem Irrlehrer Unrecht tun und nehmen daher gern Notiz von dem Scheidungsgrund, den ein amerikanisches Sonntagsblatt anführt:

Zitat



von Drahbeck - am 29.09.2013 23:40
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