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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 4 Jahren, 10 Monaten
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Drahbeck, der einzig wahre Bauer

Die Hitler "die Füße küssen"

Startbeitrag von Drahbeck am 27.08.2013 01:40

Im Zeitspiegel
Unter Berufung auf die Zeitschrift "Der Reichswart" (dessen Herausgeber ein Graf E. Reventlow auch eingeschriebenes NSDAP-Mitglied ist) zitiert die Zeitschrift "Wort und Tat" vom Oktober 1933 die "Reichswart"-Ausgabe vom 27. August 1933.
"Wort und Tat schreibt:
Zitat

"Schärfste Abwehr übt jedoch der "Reichswart" den Methoden der Glaubensbewegung "Deutsche Christen" gegenüber. Er verurteilt restlos das "Christentum auf Kommando", das von dort her immer skrupelloser Christen und Nichtchristen gegenüber angewandt wird. Er sieht in der Glaubensbewegung "Deutsche Christen" lediglich eine politische Bewegung. Er bestreitet ihr daher, eine wirkliche Glaubensbewegung zu sein, da in ihr überhaupt kein religiöses Innenleben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, vorhanden sei. „Wir haben die Reden der Hauptsprecher dieser organisatorischen und politischen Pastorenbewegung mit Aufmerksamkeit verfolgt, aber gerade religiösen Drang, religiöse Sehnsucht, religiösen Innenkampf, kurz den Schrei nach Religion nach innerlichem Gotterleben nirgends gefunden, weder in Wort und Tat."

Mit diesem Zitat wird deutlich, dass die Ellbogenstrategie der "Deutschen Christen" schon im Jahre 1933 Widerspruch fand. Das Kalkül der kirchlichen Herren, würden sie Hitler nur die Füße küssen, würden auch ihre Geschäfte "prächtig" laufen, erwies sich zunehmend, als Fehlkalkulation.

http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/dfg-viewer/?set%5Bmets%5D=http%3A%2F%2Fzefys.staatsbibliothek-berlin.de%2Foai%2F%3Ftx_zefysoai_pi1%255Bidentifier%255D%3D974febdb-8ed0-41df-9617-18156fcd262a

Antworten:

„Kulturbolschewismus"

Eine schillernde Vokabel unter der man offenkundig vielerlei zu verstehen beliebte. Auch die Bibelforscher/Zeugen Jehovas wurden dem zugeordnet.

Was Nazis noch alles in diese Schublade hineintun pflegten, darüber gibt vielleicht eine in der „Freiburger Zeitung" vom 30. 8. 1933 abgedruckte Verbotsanordnung für das Land Baden, Auskunft.
Unter der Überschrift „Bekämpfung des Kulturbolschewismus" folgt dann eine Aufzählung von 15 dem zugeordneten Organisationen ect. Nun mag man einwenden, aber die Bibelforscher befinden sich nicht in dieser Aufzählung mit drin. Das ist zwar im formalem Sinne durchaus richtig. Dann aber auch aus dem Grunde, ein Verbot der Zeugen Jehovas, wie es die Nazigazette „Hoheitsträger" im Jahre 1938 mal plastisch formulierte, erfolgte auch aus Gründen der Staatsnotwehr. Ergo das Naziregime hatte an ihnen auch noch allerhand anderes zu bemängeln. Angefangen von der Nichtbeteiligung an „Wahlen", über den Hitlergruß und noch einiges mehr. Dann brauchte man halt die Halblahme Hilfskrücke „Kulturbolschewismus" nicht mehr, als eigentliche Begründung für das ZJ-Verbot.
Unterhalb dieser Gemengelage indes ist der Vorhalt des „Kulturbolschewismus" an die Adresse der Zeugen Jehovas, durchaus nachweisbar.
Eine völlige andere Frage indes dürfte sein, wie denn solcherlei Vorhalte in objektiver Betrachtung zu werten sind. Da dürfte die Nazi-Milchmädchenlogik, wohl ziemlich „alt" aussehen!

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=30a&year=1933&month=08&project=3&anzahl=6

von Drahbeck - am 30.08.2013 00:41

Neue Zahlen

Im Zeitspiegel
Der wöchentliche Kirchgang der Deutschen liegt einer Studie zufolge bei
9 %
Monatlich würden 18 % eine Kirche einmal besuchen.
Unter den verschiedenen soziologischen Gruppen ragen dann wohl die Singles mit 6 % Kitrchenbesuch am unteren Ende heraus

www.jesus.de/index.php?id=885&tx_ttnews[tt_news]=194013&cHash=cbec59b196cb0ccf8750c3f329191772

von Drahbeck - am 30.08.2013 21:42

Morgengabe für die Religionsindustrie

Im Zeitspiegel
Als Morgengabe an die Religionsindustrie, meldet die „Freiburger Zeitung" vom 5. 9. 1933, die Hitlerregierung plane die Einführung des Religionsunterrichtes auch an den Berufsschulen.
Der Bericht erwähnt es zwar nicht, aber die dem zugrundeliegende Motivation kann man so beschreiben:

Helm ab zum Gebet - bevor es in den Schützengraben geht.

Die Religionsindustrie wird es gefreut haben, bekam sie doch so wieder mal ihre vermeintliche „Unentbehrlichkeit" bestätigt.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=05a&year=1933&month=09&project=3&anzahl=6

In einer Notiz der „Freiburger Zeitung" vom 17. 9. 1933 mokiert selbige sich über eine Entscheidung in Österreich, wonach im dortigen Heere an den Fahnen und Standarten „wieder Bilder der Mutter Gottes" angebracht würden.
Wobei man doch an den Spruch erinnert wird, wenn zwei das gleiche tun, so sei es angeblich doch nicht dasselbe!

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=17r&year=1933&month=09&project=3&anzahl=20

Am 18. 9. 1933 gibt es in der „Freiburger Zeitung" die Meldung über einen feierlichen Gottesdienst, nach Inkrafttreten des Konkordats zwischen Hitlerdeutschland und dem Vatikan, unter der Überschrift „Freundschaftsbund zwischen Staat und Kirche".
Da feierte sich also jenes Pack noch selber!

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=18a&year=1933&month=09&project=3&anzahl=6

von Drahbeck - am 03.09.2013 22:24

"müssten alle totgeschlagen werden"

Im Zeitspiegel
„müßten alle totgeschlagen werden"

Die kirchliche Zeitschrift „Der Geisteskampf der Gegenwart" fühlte sich in ihrer September-Ausgabe 1923 unter der Überschrift „Eine volksgefährliche Sekte" (S. 215) zu einem Kommentar veranlasst, zu dem erst mal zu bemängeln ist:
Seine wesentliche Kernaussage wird nicht belegt.

Weitere Nachprüfungen ergeben.
Da zitiert der „Geisteskampf der Gegenwart", ohne es aber zu sagen, einfach eine andere kirchliche Verlautbarung, die in der Tat den inkriminierten Passus mit enthält.
Und zwar wird (ohne Nachweis) das „Kirchliche Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands" 50. Jg. 1923 (S. 406) bemüht, welches in ähnlicher Weise behauptet:
Zitat

„Neuerdings empfehlen sie sogar kurzerhand Zertrümmerung der bestehenden Weltordnung, Lehrer und Geistliche sollen einfach totgeschlagen werden (biblische Begründung:
Elias und die Baalspfaffen)."

Auch besagtes „Kirchliche Jahrbuch" muss sich vorhalten lassen, mit seiner Aussage auf der Ebene des Hören-sagen stecken zu bleiben.
Auch es nennt keine nachprüfbare Quelle.
Die Motivation des „Kirchlichen Jahrbuches" lässt sich dergestalt näher beschreiben als es wähnt auch dergestalt Grund zur Klage zu haben:
Zitat

„Die Kirchenaustrittsbewegung hat mit dem Jahre 1920 zwar ihren Höhepunkt überschritten, dennoch hat sie auch 1921 zahlenmäßig noch große Erfolge gehabt, größere, als wir nach den im Laufe des Jahres sich anbahnenden Stichproben glaubten annehmen zu dürfen. Wieder haben rund 246.000 der Kirche den Rücken gekehrt. Die Zahl ist zwar um rund 60.000 geringer als im Vorjahr, aber es wird doch der Tatsache ins Auge zu sehen sein, daß in den drei Jahren 1919-1921 rund 780.000 die bisher evangelische Christen hießen, das Band, das sie mit der Kirche verband, zerschnitten haben."

Auf der Suche nach Buhmännern für diese die Kirchen betrübende Entwicklung, werden in Rasenmähermanier, auch die Bibelforscher mit einbezogen.
Selbst wenn unterstellt werden kann, dass sind eher „Stammtischparolen"; weitaus weniger in der zitierten zugespitzten Formulierung, im tatsächlichen Bibelforscher-Schrifttum nachweisbar. Und wenn in Ansätzen doch, dann sind selbst diese Ansätze vom „Kirchlichen Jahrbuch" nicht belegt.
Die kirchliche „Stiere" wähnen das „rote Bibelforschertuch" weiter dergestalt wahrzunehmen:
Zitat

„Die naive Frömmigkeit vieler unter dem Druck der Zeit orientierunglos gewordenen Menschen wissen sie für ihre Ideen zu entflammen, besonders aber dadurch, daß sie der kommunistischen Vorstellung der Welt sehr entgegenkommen."

Da ist es dann wohl nicht mehr allzuweit zu dem Pamphlet, welches den auch kirchlichen Autor Paul Bräunlich zu dem Buchtitel inspirierte:


Besagter „Geisteskampf der Gegenwart" muss sich weiter vorhalten lassen, die Kritik an seiner Kolportierung einer „Stammtischparole" unberücksichtigt gelassen zu haben. Etwa in der Zeitschrift „Die christliche Welt" (1924 Sp. 630) die besagter „Geisteskampf" denn wohl generell nicht liest, dieweil die ihm zu liberal und er selber mehr die reaktionären Christentumsformen begünstigt wissen will. Auch in der „Christlichen Welt" war Kritik an der Stammtischparole des „Kirchlichen Jahrbuchs" geübt worden. Man las dort:
Zitat

„Schlimmer ist die Unsachlichkeit, wenn einzelne Entgleisungen oder besondere Radikalismen einer ganzen Bewegung in die Schuhe geschoben werden. Haben wirklich, wie S. 406 steht, die ernsten Bibelforscher neuerdings empfohlen, kurzerhand alle Lehrer und Geistlichen einfach totzuschlagen ?"

Also auch der „Christlichen Welt" war diese These zu abenteuerlich, und auch sie vermisste einen Quellenbeleg dafür.
Auf der Suche nach der Quelle jener abenteuerlichen These, kommt meines Erachtens primär nur eine Anti-Bibelforscher-Schrift in Betracht, und zwar die eines gewissen Karl Haug mit dem Titel „Die ernsten Bibelforscher auch Milleniumsleute oder Russelianer genannt" erschienen 1923 im Karl Rohm Verlag Lorch.
Zu besagtem Karl Rohm wäre noch anzumerken, dann noch frühes eingeschriebenes Mitglied der NSDAP.
Erhard Schlund, bezeichnet in seiner 1924 erschienenen Schrift
„Neugermanisches Heidentum im heutigen Deutschland" wörtlich den Karl Rohm als Nationalsozialist. Auch die Wikipedia bestätigt in einem Artikel über K. Rohm diesen Aspekt.
Es kommt noch besser, sieht man sich seine sonstigen Publikationen an. Unter anderem im Angebot ein Astrologie-Kalender (Lorcher Astrologischer Kalender).
Einer Publikation von Horst Knaut ist entnehmbar, das jener „Lorcher Astrologische Kalender" noch in den 1970er Jahren im Angebot war. Jedenfalls setzt sich auch Knaut mit ihm kritisch auseinander.
Noch so eine Hetzschrift aus diesem Verlag zu Nazizeiten:
Zitat

„Retcliffe, John:
Was ist jüdischer Geist?

Lorch (Württemberg) Verlag Karl Rohm Auf dem Judenfriedhof in Prag"

Wer sich mit letzterem Pamphlet im Kontext der „Protokolle der Weisen von Zion" mal auseinandergesetzt hat, der weis; die Vokabel Hetzer ist für diesen üblen Brunnenvergifterverlag noch geschmeichelt!
Siehe ein paar Textproben daraus in Protokolle
Dort am unteren Ende der Datei. Es wird zwar eine andere Ausgabe jener Hetzschrift zitiert; indes die Substanz ist auch mit der aus dem Karl Rohm-Verlag identisch.

Jener Herr Haug zitiert nun aus einer im gleichen Verlag erscheinenden Zeitschrift mit dem Titel „Der Leuchtturm" Ausgabe Dezember 1922. Und besagter „Leuchtturm" verbreitet sich auch mit den Sätzen:
Zitat

„Von Geburt war er ein Jude (Russell), was sehr zu beachten ist"
was schon mal eine erwiesene Falschbehauptung ist. In diesem Stil geht es dann weiter unter Berufung auf ein WTG-Flugblatt „Proklamation. Ein Aufruf an die Führer der Welt." Aus selbigem Flugblatt werden jedoch keinerlei wörtliche Zitate gebracht. Besagter „Leuchtturm" wähnt nur eine seiner Meinung nach Beschreibung der Gesamttendenz dieser WTG-Schrift vornehmen zu sollen. Und in seiner Lesart, würde jenes Flugblatt aussagen:
Zitat

„Dies sagt der Jude unter der Maske des frommen Bibelchristen: Deutscher Mensch, deine Fürsten, Beamten, Offiziere haben sich verbunden, um dich buchstäblich abschlachten zu lassen.
So eine Gemeinheit! Glaubt der deutsche Michel diesen Blödsinn, dann wird er erfüllt mit Hass und Wut gegen seine geistlichen und weltlichen Führer und in seinem Denken dahin geführt, sich an ihnen zu rächen und sie allesamt in der kommenden neuen Revolution totzuschlagen. Diesen geheimen Ziel dienen die "Ernsten Bibelforscher" bewusst oder unbewusst. Das totschlagen der Geistlichen prophezeien sie auch das soll geschehen, weil es "Gottes Wille" sei. Bolschewisten sind es, die aus der Bibel einer Mordwaffe schmieden.!"
(S. 16)
Wenn man das sehr großzügig, als subjektive Meinungsäußerung noch hinnimmt, ändert dieser Umstand nicht einen Millimeter daran, das besagter „Leuchtturm" diese seine Meinung, ebenfalls durch keinerlei wörtliches WTG-Zitat belegt hat. Da zitiert eine trübe Quelle die andere trübe Quelle. Und je länger sich dieses zitieren fortsetzt, um so weniger findet man Anhaltspunkte, wer denn zuerst mit solcherlei Behauptungen angefangen, und wie die dann sachlich einzuordnen sind.
Laut einer anderen Hetzschrift aus demselben Verlag (Leonard Miksch
„Die ernsten Bibelforscher") sei jener Herr Haug ein schwäbischer Theologe.
Da haben sich dann wohl die „rechten" Leute gesucht und gefunden!
Nochmals auf eine frühere Notiz etwa zu Miksch verweisend:
Zitat



von Drahbeck - am 05.09.2013 00:39

Re: "müssten alle totgeschlagen werden"

Exkurs: „Der Leuchtturm"
Letzteres Blatt, im großformatigem Zeitungsformat erschienen, bis etwa 1925 (danach wohl Erscheinungseinstellung) kam verschiedentlich auch auf das Bibelforscherthema zu sprechen.
In der Ausgabe vom Juni 1919 wird beispielsweise postuliert:
Zitat

„Nur Leser germanisch-christlicher Rasse und Artung sind erwünscht."

Dogmatischer Antisemitismus war eines der Merkmale jenes Blattes, und das generell.
Und wird eine These in den Rang eines Dogmas erhoben, halten die diesbezüglichen Protagonisten sich nicht mit Differenzierungen auf. Auch in diesem Blatt zu „bewundern".
Zitat

„Im religiösen Leben der Gegenwart machten sich in der neueren Zeit besonders zwei Erscheinungen bemerkbar"
meinte jenes Blatt im Jahre 1925 einmal definieren zu sollen (S. 323)
Diese seien in seiner Lesart einmal die Heilsarmee und zum anderen die Ernsten Bibelforscher.
Was die Heilsarmee anbelangt, dürfte da wohl eine Überschätzung ihrer Bedeutung in der zeitgenössischen Gemengelage vorliegen. Immerhin definiert der „Leuchtturm" selbige als weitgehend harmlos.
Zitat

„Die Heilsarmee ist deshalb weder einem andern christlichen Bekenntnis noch einem Volkstum gefährlich."

Anders indes wird das Bibelforschertum eingeschätzt.
Dafür steht dann auch der Satz:
Zitat

„Die „Ernsten Bibelforscher" sind Agenten des internationalen Judentums, die Rolle, die die Marxisten unter den Arbeitern spielen, spielen die „Ernsten Bibelforscher" unter den Frommen im Lande.
Bolschewistische Ideen in frommer Maske."
(1925 S. 144)
Und weiter:
Zitat

„Man kann in ihnen mit Recht Sendboten der geheimen Oberleitung des internationalen Judentums erblicken, die den Auftrag haben, unter dem christgläubigen Teil des Volkes dieselbe auflösende verhetzende Tätigkeit auszuüben, die auf anderem Gebiete die politischen Agenten des Judentums unter der Arbeiterschaft vollziehen."

Es gehört zum Dogmatismus dieser Kreise, dass die These einer „geheimen Oberleitung des internationalen Judentums" keinerlei sachlicher Bewertung standhält. Gleichwohl ist in ihr auch das Credo jenes „Leuchtturms" beschrieben.
In der Dezember-Ausgabe 1920 des „Leuchtturms" nahm ein Herr W. Maasdorff zum Bibelforscherthema Stellung. Was diesem in Sonderheit störte war der Umstand, das von Bibelforscherseite der Spiritismus (wegen seines Konkurrenzcharakters, des wildern in den eigenen Revieren) abgelehnt wird.
Zieht man die Publikation astrologischen Schrifttums in jenem Karl Rohm Verlag mit in Betracht, kann man ja vielleicht die Motivation jenes Herrn Maasdorff erahnen. Und so meint letzterer auch definieren zu sollen.
Zitat

„Die Bibelforscher nennen den Spiritismus ein Werk der Dämonen, wofür sie Bibelworte als Beweis anführen. Ja, ist es eigentlich für den, der an böse Geister glaubt, nicht auch logisch, an gute zu glauben?"

Das Geplänkel in Sachen Spiritismus überstieg aber immer noch nicht die Schwelle der relativen Harmlosigkeit.
Im Dezember 1922 indes, gab es in jenem Blatt eine Stellungnahme, der man vorgenanntes Kriterium nicht mehr zubilligen kann.
Datiert „Berlin, 9. Dezember 1922" wird ein Leserbrief abgedruckt.
Jener Leserbriefschreiber beschwert sich darüber, an jenem Tage sei in der Tageszeitung „Berliner Lokalanzeiger" ein Flugblatt der Bibelforscher beigelegt gewesen. Mit jenem Flugblatt habe jener Leserbriefschreiber schon anderweitige, für ihn unangenehme. Bekanntschaft gemacht.
Zitat

„Weiter wird dieselbe hier in ungeheuren Mengen auf der Straße und Sonntags vor den Kirchen verteilt.
Auch am Totensonntag standen vor den Kirchhöfen, je 2 Mann und verteilten Schriften der „ernsten Bibelforscher". -
Alles dieses völlig gratis bei den heutigen Papierpreisen und Druckerlöhnen!"

Und seine Wertung daraufhin:
Zitat

„Allem Anschein nach steht hier ein ungeheures internationales Judengeld hinter dem ganzen Schwindel, was der Aufdeckung bedarf."

Und weiter:
Zitat

„Ich (der Leserbriefschreiber) beabsichtige eventuell bei der nächsten Sitzung der Berliner Stadtsynode als Synodale die Sache mal zur Sprache zu bringen, damit auch von den Kanzeln Aufklärung gegeben wird."

Besagter „Leuchtturm" seinerseits kommentiert nun den abgedruckten Leserbrief und meint:
Zitat

Es würde „nicht viel Wert haben, die Pfarrer aufzufordern, Aufklärung zu geben. Die Brüder Pfarrer müßten ja sagen, daß der Jude nicht nur hinter den ernsten Bibelforschern, sondern auch hinter der heutigen landläufigen Auffassung des Christentums steht, das er mit dem Judentum vereinerleit und - verjudet.
Die Pfarrer haben eine Judenangst vor den Juden. Auf den Kanzeln sagen sie nichts; denn die Brüder Sozi, die Brüder Demokraten, die Brüder Volksparteiler und die Frömmsten der Frommen, die Pietisten, fallen über sie her wie ein Hornissenschwarm und stechen sie tot, wenn sie etwas gegen die geliebten Juden sagen. Das Volk muß am Juden zugrunde gehen."

Derart eine Steilvorlage habend, fühlt sich der „Leuchtturm" nun als nächstes berufen, das in Rede stehende Flugblatt selber noch zu kommentieren.
Zitat

„Nun zu dem Flugblatt selbst.
Es trägt den Titel: „Proklamation. Ein Aufruf an die Führer der Welt."
Und als Leitsatz die Worte:
Millionen jetzt lebender werden niemals sterben!
Das ist echt jüdischer Trick. Es ist nämlich faustdicke Lüge und kanaler Blödsinn; und es ist zugleich auch nackte Wahrheit"
meint der „Leuchtturm".
In der Substanz handelte es sich dabei um jene „Resolution", verkündet im September 1922 auf einem Bibelforscher-Spektakulum zu Cedar Point in Ohio, USA. Nun also auch die deutsche Leserschaft „beglückend".
Siehe dazu auch:
Mysnip.138025
www.karlo-vegelahn.de/Wachtturm-Literatur/1922_2.jpg
Siehe dazu auch das Rutherford-Buch „Licht" Band I (dort die Seiten 107 - 113)
Seine Definition „Nackte Wahrheit" kommentiert dann dieser Karl Rohm noch wie folgt:
Zitat

„Nackte Wahrheit ist es nämlich, wenn drei Worte eingefügt werden, die dem Satze erst den richtigen Sinn geben; drei Worte, welche die Finanzjuden, die das Geld für diese Propaganda zur Irreführung des christlichen Volkes in Blödsinn und Aberglauben, sehr genau kennen. Drei Worte, die nicht geschrieben, nicht gesprochen, sondern nur leise vom Mund des Einen in das Ohr des anderen jüdischen Halunken geflüstert werden, und diese drei Worte heißen:
„Eines natürlichen Todes"; und der auf diese Weise richtig gestellte Satz heißt:
Millionen jetzt Lebender werden niemals (eines natürlichen Todes) sterben."

Wie auch bei anderen Nazis und Geistesverwandten nachweisbar, bildet dann der Hinweis auf nicht geschätzte Entwicklungen in der Sowjetunion, den Background dazu. Man könnte es eigentlich auch so sagen.
„Der Sack (die Bibelforscher) werden geschlagen und gemeint ist der Esel (die Sowjetunion)".
Die generelle antisemitische Verblendung dieser Kreise, bewirkte dann, das man die Brüchigkeit einer solchen These, welche die Bibelforscher auf die gleiche Stufe stellte wie die Sowjetunion, nicht sah (sehen wollte).
Die Polemik des Karl Rohm geht dann weiter mit den Sätzen:
Zitat

„Und die guten Pfarrer stehen dabei hilflos, wie's Kind beim Dreck. Warum? In der Bibel steht's!
Ja, Bruder Pfarrer, der Jude dreht dir eins: in der Bibel stehts! Nun bis du geliefert! Platt und stumm! In der Bibel stehts! Das verurteilt dich zum Maul-halten, denn über der Bibel, wo jedes Wort Wahrheit ist und derjenige in die Hölle kommt, der einen Punkt versetzt, haben die Gläubigen ihren gesunden Menschenverstand verloren. So hast du die Herde dressiert.

Und nun kommen die Spitzbuben und ziehen einen Talar an und knüpfen die Bäffchen fest, und reden in deiner Sprache zum Volk und schlagen dich mit Bibelworten und Deutungen voll Salbung und Glauben und Blendwerk, und so, wie sie vorher die deutschen Fürsten dem blödsinnigen Pöbel zum Zerstampfen vor die Füße geworfen haben, so werfen sie nun auch den deutschen Pfarrer seiner Gemeinde zum Zerstampfen vor die Füße. Und so, wie die deutschen Fürsten sich nicht gewehrt haben, sondern geduldig und vornehm waren, wie die Schafe, die zur Schlachtbank geführt wurden, oder wie die jüdischen Sündenböcke, die mit Fluch beladen und mit einem Hundstritt in die Wüste gejagt wurden, so wehren sich auch die Pfarrer nicht, und beißen nicht, sie brüllen nicht und hauen nicht, sie bleiben höchst vornehm und lassen sich von den jüdischen ernsten Bibelforschern mit einem Hundstritt in die Wüste jagen."

Die Umstellung in der Rutherford-Diktion auf eine angebliche unsichtbare Gegenwart Christi, bedenkt dann Rohm noch mit den Sätzen:
Zitat

„Derselbige Trick, den Mose in Ägypten angewandt hat: der unsichtbare Gott wird vorgeschoben. Woher wissen denn diese Apostel, was der unsichtbaren Gottes Wille ist?
Warum tritt dieser unsichtbare Gott nicht hervor und zeigt sich? Hat er dazu nicht die Fähigkeit?
Nur Mose konnte mit Jahwe sprechen, nur er war seines Gottes Eingeweihter und Helfershelfer. Und nur die „Ernsten" Bibelforscher"-Führer können mit „ihrem" Christus sprechen, nur „ihnen" offenbart er sich; sie sind seine Eingeweihten und Helfershelfer ..."

Wie man unschwer sehen kann, ist besagter Karl Rohm aber auch schon weitgehend mit der traditionellen kirchlichen Dogmatik zerfallen.
Dennoch gibt er vor, auch die Interessen der Pfarrerschaft zu vertreten. Dann aber wohl nur in seiner eigenen Lesart.
So klagt er weiter:
Zitat

„So geht es fort und diese schurkische, volksverhetzende, gegen jegliche Autorität aufhetzende, jedes gesunde Denken verhöhnende und zerstörende Flugblatt wird zur Zeit in Millionen von Exemplaren in Deutschland gratis verteilt.
Und unsere Pfarrer, was tun sie dagegen? Ach, es sind so vornehme, so gebildete Herrn! Es ist unter ihrer Würde dagegen aufzutreten. Sie kriegen wohl einen roten Kopf, aber sie - schweigen. Sie stehen dabei - wie's Kind beim Dreck."

Sein Votum endet dann mit den Sätzen:
Zitat

„Aber ich fürchte; der „Christenbote" in Stuttgart und das „Evangelische Sonntagsblatt" werden über mich wieder schimpfen, weil ich die lendenlahmen Brüder kitzle, um sie aus ihrem Schlaf aufzurütteln, und zu den Schmähungen der „Ernsten Bibelforscher" werden sie vornehm schweigen oder sie werden darüber flennen; sie können und dürfen nicht dagegen loslegen und das Kind beim rechten Namen nennen, weil sie sich fürchten
1) vor den Sozi,
2) vor den Demokraten
3) vor den Pietisten -
Mittlerweile läuft aber alle Welt den „Ernsten Bibelforschern" und ihrem gefährlichen Blödsinn nach; und in kurzem ziehen die „Ernsten" den „Vornehmen" das Fell über die Ohren."

Zu den Rundumschlägen des Karl Rohm gehören auch noch die Sätze:
Zitat

„Eine Schamlosigkeit hat die Sozialdemokratie vom Judentum. Die Talmudmoral, die den Betrug und den Mord an Nichtjuden als gottgefällig hinstellt, ist zur Moral der Sozialdemokratie geworden."

Namentlich auf jene - wiederum nicht bewiesene - Unterstellung an die Adresse der Sozialdemokratie wäre hinzuweisen, wenn wie bereits ausgeführt, das „Kirchliche Jahrbuch 1923" eine ähnlich tendenziöse These bemüht.
In beiden Fällen ist feststellbar, lokalisierbar auf die Kommentar-Ergüsse des Karl Rohm, nicht jedoch als wörtliches Zitat, im Bibelforscher-Schrifttum.

Auch späterhin griff der „Leuchtturm" das Bibelforscher-Thema auf. So etwa in der Mai-Ausgabe 1923 wo er titelte:
Zitat

„Die „Ernsten Bibelforscher" Schrittmacher der Novemberverbrecher."

Als besonderes „Event" meinte er dazu auch einen Artikel des Bomsdorff-Bergen in einer katholischen Zeitung der Schweiz publiziert („Der Morgen", Olten), zu verweisen, welcher eine Finanzierung der Bibelforscher durch Freimaurer-Kreise, unterstellt. Prompt druckte auch der „Leuchtturm" diesen Artikel aus dem „Morgen" nach.
Zum Komplex Bomsdorff-Bergen, siehe unter anderem:
Mysnip.53190
Auf ein besonderes Event worüber in der Januar-Ausgabe 1924 des „Leuchtturm" berichtet wurde, sei noch hingewiesen.
Danach wurde von den Bibelforschern in Celle ein Vortrag angekündigt über das Thema:
Zitat

„Alle Nationen marschieren nach Harmagedon und Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben" ... worüber Herr Otto, Hannover sprach."

Über mangelnde Publikumsresonanz brauchten sich die Bibelforscher nicht zu beklagen, denn wegen Überfüllung der Veranstaltung, musste selbige - kurzfristig - in einem größeren Saal des angemieteten Theaters umverlegt werden.
Der Berichterstatter im „Leuchtturm" zitiert dann auch ein paar Ausführungen aus jenem Vortrag, der immerhin die stattliche Zeit von 2,5 Stunden in Anspruch nahm!
Da wurde das Publikum unter anderem wie folgt belehrt:
Zitat

„Alle menschlichen Einrichtungen dieser Welt seien auf Selbstsucht einzelner oder ganzer Nationen zurückzuführen:
Eisenbahn, Elektrizität, Geldwirtschaft, Bildung und christliche Kirche, überhaupt jede Kultur seien zum Verderben der Menschheit auf der Welt. Die Geldwirtschaft sei nicht nötig, jeder Mensch könne auf Erden sein Haus und seine Milchkuh im Stall haben, ein Handel mit Milch sei z. B. nicht erforderlich, da die Kuh kein Geld fräße und dieses nur zu selbstsüchtigen und kapitalistischen Ideen auf der Welt sei."

Das ganze mündete dann in den bekannten zeitgenössischen 1925-Thesen aus.
Es wurde bereits erwähnt, 2,5 Stunden nahm diese Berieselung in Anspruch. Sollte ein Teil des Publikums, ob dieser zeitlichen Länge vielleicht mit Müdigkeit zu kämpfen gehabt haben, gab es just für die dann noch ein „Event", was besagte Müdigkeit, wie im Nu wegblies.
Darüber jener Bericht:
Zitat

„Als mit wahrem Haß der Redner die christliche Kirche angriff und verhöhne, die nur dazu da sei, unchristliche Ideen zu züchten, das Volk zu verdummen die Nationen gegen einander zu hetzen und ein Schmarotzerleben führe, rührte sich bei diesen atheistischen, bolschewistischen Anschauung in vielen Herzen der Zuhörer das christliche Empfinden und nach dem der Redner zwei und eine halbe Stunde in Phantasien und alle Kulturwelte verneinenden Redensarten geschwelgt hatte, bat Lehrer Holmers-Bergen ums Wort zur Vertretung seines christlichen Glaubens."

Hier nun das bemerkenswerte.
In einem früheren Bericht aus Augsburg („Leuchtturm" Mai 1922) gibt es über eine dortige Bibelforscher-Veranstaltung auch die Angabe:
Zitat

„daß nach Schluß des Vortrags von einer großen Mehrheit der Anwesenden freie Aussprache verlangt wurde, die der Redner ablehnte mit der Bemerkung:
„Das sind wahrscheinlich Katholiken, die bezahlt sind."

Anders hingegen in Celle. Auch dort wollte der Bibelforscher-Referent eigentlich keinerlei Aussprache über sein Referat anschließend. Hier jedoch der Unterschied. Das Publikum setzte eine Abstimmung über diesen Antrag in Szene, und in deren Ergebnis kam besagter Lehrer dann noch tatsächlich zu Wort.
Jetzt allerdings, hatten die Bibelforscher nichts mehr zu lachen:
Zitat

„Herr Holmes geißelte die volksverführerischen Phantasien, die alle noch die letzten uns in dieser Zeit gebliebenen deutschen Werte von Kirche und Glauben vernichten wollen, als eine reine jüdische Propaganda.
Internationale Verbrüderung, Abschaffung der Kirche und Vernichtung aller nationalen, kulturellen und ethischen Werte, alles echt jüdisch-bolschwistische Tendenzen."

Dann war sein nächstes Argument die bekannte Unterstellung einer Fremdfinanzierung der Bibelforscher.
Zitat

„Während christliche Kirchen verarmen, werfen die jüdischen Bibelforscher Milliarden aus für ihren Reklamedienst an Litfaßsäulen und Flugschriften."

Offenbar hatte jener Lehrer sich auf seinen Auftritt auch dergestalt vorbereitet, als er als nächstes das Publikum dann noch durch Zitate aus der Schrift von Martin Luther mit dem Titel:
„Von den Juden und ihren Lügen" „beglückte".
Damit war dann die Stimmung in jener Veranstaltung, endgültig umgeschlagen. Der Berichterstatter im „Leuchtturm" hielt es dann auch noch für angebracht, zu erwähnen, wie der Ausgang jener Veranstaltung aussah:
Zitat

„In der am Versammlungsschluß veranstalteten Sammlung für die lutherische Kirche kam der ansehnliche Betrag von 5.220.000 Mark zusammen, welcher der Stadtkirchengemeinde zum Kampf gegen die Bibelforscher zur Verfügung gestellt wurde. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß ein deutschchristlicher Arbeiter eine Million Mark stiftete."

Was die genannten Summen anbelangt, sind sie offensichtlich der Inflationszeit in Deutschland zuzuschlagen.

von Drahbeck - am 05.09.2013 00:51

das er mit dem Judentum vereinerleit und - verjudet.

Grundsätzlich nennen sich Jehovas Zeugen Christen - dann müssten sie davon ausgehen, dass das alte Testament keine Anwendung für Christen beinhaltet, insbesondere das was die Regeln für das Volk Israel sind. Jesus hat das Gesetz erfüllt.
Jehovas Zeugen schließen jedoch das alte Testament mit ein und sind somit eine Glaubensrichtung die Teile des Judentums (altes Testament) und Teile der christlichen Lehre vermengen. Wenn man so will, "mit dem Judentum vereinerleit und - verjudet."

der wahre Glaube

von der einzig wahre Bauer - am 05.09.2013 05:48

Re: das er mit dem Judentum vereinerleit und - verjudet.

„Die nahe Wiederherstellung Israels", so der Titel einer Russell-Schrift.
Oder „Trost für die Juden" dito von Rutherford.
Oder Russell's Auftritt vor Juden im New Yorker Hippodrom.
Diese Beispiele der Zionismusbegünstigung der frühen WTG ließen sich noch fortsetzen.
Erst Rutherford „kippte" das ganze dann in den Bänden „Rechtfertigung", Anfang der 1930er Jahre.
Die Stafette der Zionismusbegünstigung ist dann von der WTG auf heutige - namentlich evangelikale - Kreise übergegangen, welche sie in „heiliger Einfalt" fortsetzen, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, alles schon mal dagewesen, namentlich von der frühen WTG praktiziert. Die heutigen Evangelikalen und ihre Schleppenträger sind dann analoge „Einfaltspinsel". Siehe beispielhaft etliche Publikationen aus dem Verlag Schulte Gerth.
Die muss man mal tatsächlich gelesen haben. Ich habe etliche von ihnen in wissenschaftlichen Bibliotheken gelesen, und daher lautet mein Urteil dazu. Diese Evangelikalen sind die weitaus schlimmeren mit dem Brett vor dem Kopf durch die Weltgeschichte marschierenden. Dagegen ist die WTG „fast" ein Waisenknabe
Siehe unter anderem:
Noch so ein Export

Nun ist es wahr, man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Die WTG macht durch ihren Totalitarismus „wieder in ihrem Sinne Boden gut".
Da müssen die Evangelikalen wohl noch hinzulernen, um sich mit ihrem Meister der WTG messen zu können.
Aber in ihrer ideologischen Verblendung nehmen die beiden Strömungen sich wahrlich nichts.

Siehe beispielhaft deren Erguss
„Dreieinhalb Jahre nach einer Fernsehsendung - Harmagedon"

Nur das muss auch gesagt sein.
Namen wie David Friedrich Strauß oder Ludwig Feuerbach stehen dafür.
Das tatsächliche Christentum zur Zeit um oder vor dem ersten Weltkrieg (pietistische Kreise vielleicht ausgenommen) war schon weitgehend verweltlich. D. F. Strauss etwa formulierte „Sind wir noch Christen?" Seine darauf selbst gegebende Antwort. „Nein".

Das wiederum wollte die etablierte Religionsindustrie nicht gelten lassen. Denn ihre Futterkrippe wollten sie sich um jeden Preis erhalten. Auch um den Preis ideologischer Purzelbäume. Ein sich dabei heraus kristallisierendes „Patentrezept" war dann zunehmend die Außerkraftsetzung des „Alten Testament". Fast die ganze Nazizeit über währten dann die Grabenkämpfe zwischen den herkömmlichem Christentum, und den sogenannten „Deutschgläubigen". Die hatten dann mit dem Alten Testament nichts mehr am Hut. Dafür setzten sie dann eine Ersatzdroge ein, namens übersteigerter Nationalismus ein.
Und in dessen Konsequenz eben auch den Antisemitismus. Der kam ursprünglich eher religiös daher (Siehe Luther „Von den Juden und ihren Lügen") wurde aber zusehends, in der skizzierten Gemengelage säkularisiert, bis zu dem Punkt der Selektierung des Judentums an den Nazirampen in den KZ. Weil man - vermeintlicherweise - selbst „Herrenmensch" sei, müsse mit den ebenso vermeintlicherweise „Untermenschen" in Nazi-Manier „aufgeräumt" werden, so deren „Logik".
Ein Prellbock der Antisemiten war in der Tat die frühe WTG-Religion, dieweil deren Credo das „Urchristentum" sich keinesfalls damit „anfreunden" konnte, das Alte Testament außer Kraft zu setzen.

Wer heutzutage - isoliert - das Alte Testament kritisiert, ohne sich gleichzeitig umfängliche Geschichtskenntnisse anzueignen, wie die Entwicklung der „Deutschgläubigen" bis hin zu den Nazis verlief, der möge „höllisch aufpassen" das man ihm nicht nachweisen kann, letztendlich ideologisch auf Nazilinie einzuschwenken. Durchaus nicht mit Bewusstheit, das ist klar. Man kann aber ebenso auch zu einem unbewußten Nazi vagabundieren, namentlich dann, wenn es um die eigenen Geschichtskenntnisse nicht zum besten bestellt ist, wäre meine Warnung dazu.

Verschiedentlich wurde hier schon das Thema des religiösen Antisemitismus angeschnitten.
Siehe etwa
Frühe Antisemiten zum Thema Bibelforscher

Andersen's „Mistbeet"
Und anderes mehr.

von Drahbeck - am 05.09.2013 07:03

Tönerne Riese

Im Zeitspiegel
Wer hätte das gedacht? Im allgemeinen wird zumindest heutzutage davon ausgegangen, dass die amerikanische und auch die deutsche Ausgabe des „Erwachet!" inhaltlich identisch sind. Das aber war offenbar nicht zu allen Zeiten so. Ein Beispiel auch die deutsche Ausgabe des „Erwachet!" vom 1. 9. 1963. Dort wird nämlich eine deutsche Radio-Serie zitiert, von der man unterstellen kann, dieses Zitat dürfte sich so kaum, auch in der USA-Ausgabe des „Erwachet!" vorfinden.
Das entsprechende Zitat lautet:
Zitat

„Über diesen Mangel an Religiosität sagte Dr. Joachim Bodamer in seinem Beitrag zu einer Sendereihe des Süddeutschen Rundfunks:
'Aber das beängstigende Dilemma der Kirche besteht darin, daß sie in Predigt und Verkündigung immer noch ein christliches Bewußtsein voraussetzt, während sie es durch ihr Wort erst schaffen müßte ..."

Da ist man dann doch geneigt, mal auf ein paar spezifische Zahlen, als ergänzenden Kommentar hinzuweisen.
Laut der seinerzeitigen CDU-Tageszeitung „Neue Zeit" vom 13. 12. 1989, wurde die Zahl der Kirchenmitglieder regional im Bereich der bis dahin noch existierenden DDR wie folgt beziffert.
Mitglieder der Evangelischen Kirche nach dem Stand von 1986, etwa 5,1 Millionen.
Mitglieder der Katholischen Kirche nach dem Stand von 1988 etwa 1,050 Millionen.
Eine dritte (Sammelposition) wurde auf zusammen 71.450 beziffert.
Jene Sammelposition beinhaltet dann Baptisten, Methodisten, Adventisten, Altkatholiken (möglicherweise auch die Jüdische Gemeinde) zusammengezählt. Nicht in dieser Zahl mit enthalten, allerdings die Zeugen Jehovas.
Unklar bei dieser kirchlichen Zählung scheint mir auch zu sein. Sogenannte „Freikirchen" sind da ja eindeutig mitgezählt. Was aber ist etwa mit Gruppen wie der Neuapostolischen Kirche, der Johannischen Kirche, der Mormonen? Sind die in jener Zahl mit enthalten oder nicht?
Aufgrund dieser Unsicherheiten kann man die religiöse Szene in diesem regionalen Bereich vielleicht, will man auch die Zeugen Jehovas mitgezählt haben, großzügig gerechnet auf vielleicht 100.000 bis 150.000 veranschlagen. Das wäre dann aber wirklich eine großzügige Schätzung.
Vorgenannte kirchliche Angaben konstatieren weiter, etwa 37,4 Prozent der DDR-Bevölkerung habe zum Zeitpunkt jener Statistikerhebung eine religiöse Bindung.
In der Dezemberausgabe 1989 der Zeitschrift „Glaube und Dienst" werden diesbezügliche Entwicklungen wie folgt zusammengefasst:
Zitat

„Gehörten 1950 in der DDR noch 81 Prozent einer evangelischen Kirche an, so waren es 1983 nur noch 46 und 1986 nur 31 Prozent. Mittlerweile ist die Zahl auf 30 Prozent gesunken. In Neubaugebieten Berlins sind nur noch 2 bis 3 Prozent Mitglied der evangelischen Kirche."

Nun ist es nicht uninteressant sich namentlich die mit genannten 5,1 Millionen der Evangelischen Kirche etwas näher anzusehen. Dies wird möglich in einem weiteren Artikel der „Neuen Zeit" vom 7. 4. 1990.
Letzterer teilt mit, per Stand von 1988, dass die Einnahmen der Evangelischen Kirche in der DDR nicht einmal zur Zahlung der Gehälter für ihre 18.000 Mitarbeiter ausreichen würden. Die Personalkosten betrugen 150 Millionen Mark pro Jahr, wobei noch betont wird, das Lohnniveau in jener Kirche zu jenem Zeitpunkt, liege aber deutlich unter dem westdeutschen Lohnniveau, und auch unter dem Lohnniveau etwa von Facharbeitern in der DDR.
Als weitere Detailzahl wird dazu genannt:
Zitat

„Im Durchschnitt zahlte jedes der 5,1 Millionen Mitglieder etwas über 20 Mark (pro Jahr für die Kirche).
Zum Vergleich: die 25 Millionen Evangelischen in der Bundesrepublik führten 1989 etwa 6,7 Milliarden DM Kirchensteuer ab - durchschnittlich 268 DM pro Mitglied."

Namentlich die westdeutschen Kirchen, und dort wiederum auch unter Abschöpfung von Steuergeldern, haben dann die Ostdeutschen Kirchen finanziell am Leben erhalten, die wohl ohne diesen Umstand, sich kaum den Luxus ihrer 18.000 hauptamtlichen Mitarbeiter hätten leisten können. Das wiederum war nicht zuletzt eine politische Entscheidung westlicherseits, im Interesse der westlichen Politik.
Das mit den 20 Mark pro Jahr mag sich niedrig anhören. Isoliert betrachtet, ist diese Zahl auch nur die halbe Wahrheit.
Zur ganzen Wahrheit gehört dann auch wohl dies. Die tatsächlichen Kirchenbesucher in der Evangelischen Kirche, die am tatsächlichen kirchlichen Leben aktiven Anteil nahmen. Dieses Segment, unter Ausklammerung der Karteileichen, dürfte eine bedeutend höhere finanzielle Summe aufgebracht haben. Da mögen besagte 20 Mark schon mal für wenige Kollekten, die in jener Kirche ja auch üblich sind, angefallen sein. Diese miese Statistikzahl ist einzig und allein den „Karteileichen" zuzuschreiben, in einer auf tönernen Füßen stehenden Kirche, die blos noch vergessen hat, umzufallen.
Eine ergänzende, wenn auch etwas ältere Zahl dazu noch.
Die Wochenzeitung "Die Kirche" notierte in ihrer Ausgabe Nr. 28/1975:
Zitat

"In der DDR leben (1974) 8,47 Millionen Evangelische. Davon gehen noch 340.000 zur Kirche. Das sind vier Prozent. Anders ausgedrückt. Von 8,47 Millionen gehen 8,13 Millionen nicht mehr zur Kirche"

Diese Zahl basiert also noch auf 8,47 Millionen. Spätere Zahlen indes reden nur noch vom 5,1 Millionen. Dann mache man sich dazu mal so seinen eigenen Reim dazu.
Was nun die Finanzen der katholischen Kirche, noch aber mehr die Finanzen des Segmentes der 100.000 bis 150.000 anbelangt, kann mit Sicherheit unterstellt werden, die „schwammen dann förmlich im Geld" im Vergleich gesehen zur Evangelischen Kirche, was sich fallweise auch nachweisen lässt. So jubelten etwa die Methodisten, ebenfalls gemäß „Neue Zeit", ihre Finanzeinkünfte hätten sich in letzter Zeit bedeutend vermehrt, und das sogar aus eigener Kraft, ohne künstliche westdeutsche Lebensbeamtmung.
Zitat

„10. 6. 1978
Jährliche Konferenz 1978 der Evangelisch-methodistischen Kirche in der DDR.
Die hohe Opferbereitschaft der evangelisch-methodistischen Gemeinden in der DDR wurde erneut in den Berichten der Superintendenten hervorgehoben. In den vergangenen acht Jahren sind in den Gemeinden die Einnahmen teilweise bis zu 30 Prozent gestiegen."

Oder auch diese Meldung aus dem Bereich der sogenannten „Freikirchen" in deren Zeitschrift „Glaube und Dienst" Oktober 1986:
Zitat

„Graefe Haus" Bad Klosterlausnitz
Hinter jeder Mark steht die Spende eines Bruders oder einer Schwester. Die Spendenentwicklung hat uns sprachlos gemacht", bekannte der Bundeskassenwart .... In den 2 ½ Jahren Bauzeit brachten die Gemeinden in der DDR 332.600,- Mark auf. Statistisch hat damit jedes Gemeindeglied 388,- Mark gespendet! Das Ziel ist erreicht. Das Haus konnte schuldenfrei eingeweiht werden!"

Wenn also die vermeintlichen Grosskirchen - Interessegeleitet - zur Überstülpung des Westdeutschen Kirchensteuersystems jammern, sie würden ja blos 20 Mark pro Jahr und Kirchenmitglied kassieren, dann reduziert sich das schon mal auf ihren riesigen Karteileichenbestand. Ohne den nämlich, müssten sie durchaus nämlich ähnlich Ergebnisse bezeugen, wie im Falle des „Wort und Dienst"-Zitates.
Aber der Karteileichenbestand hat im Sinne der Kirchenmanager durchaus einen Sinn, nämlich den als Alibi zu dienen, zur zusätzlichen Melkung der Steuerzahlerkasse!
Der tönerne Riese Evangelische Kirche dürfte erst dann seine eigentliche „Größe" erreicht haben, wird er sich eines Tages im Club der „100.000 bis 150.000" wiederfinden.
Einstweilen indes, verhinderte dann ja die vorgenommene Überstülpung des westdeutschen Kirchensteuerssystems auch für den Ostbereich, diesen anstehenden Offenbarungseid!

Bezüglich neuerer Zahlen siehe auch:

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,156610,158711#msg-158711

18. Mai 2013 06:16

von Drahbeck - am 05.09.2013 23:15
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