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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 5 Monaten
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Drahbeck, offthehook

Vor sechzig Jahren

Startbeitrag von Drahbeck am 02.10.2013 01:59

Letzte vorangegangene Teile dieser Serie
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,164600,164600#msg-164600


Kitawala und Mau Mau
Auf eine in WTG-Sicht „Falschdarstellung" kommt der „Wachtturm" in seiner Ausgabe vom 1. 10. 1953 zu sprechen. In einigen afrikanischen Staaten gab es die religiös-politische "Kitawala"-Bewegung, die Elemente der Russell-Bewegung aufgenommen, aber außer WTG-Kontrolle geraten war. Nun gab es in dem afrikanischen Staat Kenia eine gleichfalls religiös-politische Bewegung als „Mau Mau" einige Schlagzeilen machend. In unzulässiger Vereinfachung, wurde offenbar Kitawala und Mau Mau gleichgesetzt. Das ist in der Tat unzulässig. Beide Gruppierungen haben weder etwas untereinander noch mit der WTG gemein. Über diese Sensationsberichterstattung ohne ausreichend recherchiertem Hintergrund notierte genannter WT:
Zitat

„Im Parlament von Kapstadt wurde von einem Abgeordneten die Erklärung abgegeben, die Wachtturm-Bewegung sei für die Mau-Mau-Greuel in Kenia, Ostafrika verantwortlich. Als Quelle dieser Meldung wurde auf etwas verwiesen, was in der Londoner Zeitschrift 'The Twentieth Century' vom Januar 1953 unter dem Titel 'Hintergrund der Mau Mau' erschienen war.

Der Artikel besagt:
Zitat

'Bewegungen, die 'Politik' und 'Religion' miteinander verknüpfen, sind nichts Neues in Afrika, wo der Unterschied im Stamme sowieso unbekannt ist … Jedenfalls haben die Kultgemeinschaften derart zugenommen, daß ein hoher katholischer Würdenträger kürzlich in einem Privatgespräch - und zwar nicht nur scherzweise - erklärte, daß der allfällige Erbe aller Zeitalter in Afrika die Wachtturm-Bewegung sein werde. Diese letztere Erscheinung, vielleicht die weitestverbreitete politisch-religiöse Bewegung der Gegenwart, ist verknüpft, wie so viele, mit einer Quelle in Amerika, in diesem Fall mit Richter Rutherford, dem New Yorker Gründer der Zeugen Jehovas, dessen englische Anhänger man an allen Wochenenden beim Verkauf von Flugschriften auf den grauen Straßentrottoirs irgendeiner englischen Provinzstadt sehen kann. Auch sie, gleich den Afrikanern, möchten sich hervortun, um den Behörden und Großen dieser Welt eins zu versetzen … Diese Bewegungen stammen alle entweder vom Protestantismus her oder werden unter 'deranines' (Entwurzelten) ausgebreitet. Es scheint in der katholischen Welt weniger Bewegungen von dieser Art zu geben, vielleicht wegen des überragenden Symbolismus des Katholizismus, seines weniger aktiven Bildungswesens und seiner überlegenen Psychologie, wodurch er nicht so oft gegen den hauptsächlichen Abstoßblock des protestantischen Afrikas, die Vielweiberei anrennt.'

Zitat

Unter dem Datum des 24. Februar 1953 sagte die Zeitung 'Cape Argus' unter dem Titel 'Watch Tower' folgendes:
Zitat

'Es war ans Licht gekommen, daß der Grund der Unruhe in Kenia bei der Wachtturm-Bewegung von Amerika zu suchen war. Die Organisation hatte ihre Literatur weitgehend in Kenia und in Rhodesien verbreitet. Die Behörden untersuchen nun die Sache.' …

Zitat

Erschien später die Sonderausgabe der Zeitschrift 'Life' vom 4. Mai 1953 mit ihrem langen Artikel über 'Afrika'. Auf Seite 126, unter dem Titel 'Halbüberzeugte Bekehrte' sagte der Schreiber folgendes:
Zitat

'Selbst das Christentum, das wir ihnen gegeben haben, scheint etwas Oberflächliches zu sein. Ich habe gefunden, daß mit Ausnahme jener, die von den Katholiken geschult waren, die Missionen nicht befriedigende oder vertrauenswürdige Bekehrte hervorgebracht zu haben scheinen. Dies ist wenigstens die Meinung unter jenen, die Missionsjungen beschäftigt haben. Ich kann keine Erklärung abgeben, ausgenommen jene vielleicht, daß der Eingeborene schnell erfaßt, daß der Weiße selten das ausübt, was er predigt. Und es genügt wohl kaum, einen Jungen zu lehren, Hymnen zu singen und die Bibel zu lesen, und die Mädchen, ihre anmutige Nacktheit mit Röcklein zuzudecken und dann zu erwarten, daß ihnen die christlichen Tugenden der Nächstenliebe und Ehrlichkeit unverzüglich eingeprägt seien.'

Zitat

Dann, auf Seite 178, flicht dieselbe Ausgabe des 'Life' in ihrem redaktionellem Artikel über 'Amerikaner und Afrika' folgende Bemerkung ein:
Zitat

'Von den USA-Missionen in Afrika sind Jehovas Zeugen nicht die am wenigsten Einflußreichen, und ihr Evangelium, weit davon entfernt, die 'Zivilisation' zu fördern, unterstützt die ärgsten Phantasiegebilde der Afrikaner."

Zu letzterer Aussage von „Life". Siehe auch:
ForumsarchivA51

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Mürzzuschlag

Vor sechzig Jahren
Der USA-Falke McCarthy, bekannt geworden (um die überspitzte WTG-Formulierung zu benutzen), wer rote Limonade verkaufe, ist deshalb schon ein politischer Roter. Besagter Herr hatte es der WTG auch angetan; „verdankte" sie doch seinem Wirken auch, in die kommunistische Ecke in den USA gestellt zu werden.
Immer wenn die WTG den Namen McCarthy las, der für sie gleichsam zum „roten Tuch für den Stier" geworden, verabsäumte sie es nicht, auch ihren „Senf" dazu zu geben. Und das selbst in Situationen, die vordergründig keine direkte Beziehung zum Falken McCarthy hatten.

Einem solchen Beispiel begegnet man auch in der „Erwachet!„-Ausgabe vom 8. 10. 1953. Dort wurde ein Pressebericht aufgespießt und genüsslich zitiert, worin zwar auch der Name McCarthy mit vorkam, der aber in der Sache sich nicht auf die USA bezog.
Unter der Überschrift „Deutsche Wahlkampf-Methoden" berichtet „Erwachet!":
Zitat

„… Nicht der Geist Hitlers, aber der Geist McCarthys geht in Deutschland um", schreibt der Bonner Korrespondent der Baseler 'National-Zeitung' (3. 9. 53). „Obgleich ein Adenauer gewiss nichts mit einem McCarthy zu tun haben möchte, so erinnert doch manches was auf seiten der Regierungsparteien in diesem Wahlkampf geschah, sehr stark an die von dem amerikanischen Senator benutzten Methoden … Bedenklich ist es weiter, daß auch die Katholische Kirche diesmal in äußerst massiver Weise in den Wahlkampf eingegriffen hat. Daß die Priester von der Kanzel herab die Wähler auffordern, für die CDU zu stimmen, mag zwar noch angehen, aber wenn ein Pater die SPD und die FDP als 'Lügner und Mörder' bezeichnet, oder wenn katholische Geistliche mit 'Stoßtrupps' versuchen, SPD-Kundgebungen zu stören, oder wenn ein Kaplan die SPD mit der NSDAP gleichstellt, oder wenn ein Dekan '10 Gebote der SPD' von der Kanzel verliest, darunter: 'Du sollst töten und abtreiben; Du darfst stehlen, Du sollst lügen und schwindeln, besonders vor der Wahl' - nun dann ist der Weg zum Kleriko-Faschismus nicht mehr allzuweit …"

Noch eine weitere Pressemeldung, die „Erwachet!" notierenswert erscheint, ist in dieser Ausgabe herausragend. Formal verteidigt sich dabei „Erwachet!" gegen eine „Falschdarstellung". Dem Buchstaben nach, war das sicherlich eine Falschdarstellung. Das ist unstrittig. Ob es dem Geist nach indes auch so ist? Da bleiben doch einige Zweifel zurück.

„Erwachet!" schreibt:
Zitat

„… (das) Jehovas Zeugen erneut Gegenstand einer Flut von Pressemeldungen wurden, diesmal aber in weniger wohlwollendem Sinne.
Jehovas Zeugen brachten ein ganzes Dorf durcheinander - Jehovas Zeugen predigten Weltende - Weltuntergang blieb aus - Verschenkte Vermögen, enttäuschte Frauen und viel Freibier - Aufregung in Mürzzuschlag - Protest mußte helfen"; so und ähnlich wurde in sensationellen Schlagzeilen 'berichtet', daß in Mürzzuschlag in Österreich Jehovas Zeugen den Weltuntergang für den 20. August angekündigt und die Einwohner ihnen (überraschenderweise!) Glauben geschenkt hätten. Phantasievoll wurde geschildert, wie die Dorfbewohner sich in alle erdenklichen Untugenden gestürzt hatten, vom Verjubeln der Ersparnisse über Zechgelage bis zu Betrug und Ehebruch. Eine sorgfältige Untersuchung ergab jedoch einwandfrei, - daß die ganze Geschichte von A bis Z erfunden war. Weder hatten Jehovas Zeugen einen Weltuntergang prophezeit, und dann noch auf Tag und Stunde, noch wußte irgendein Bewohner Mürzzuschlags etwas von den angeblichen Vorgängen. Das erklärt, warum die Meldung vom 20. August bis 8. September brauchte, um von Mürzzuschlag bis Wien zu gelangen, von wo aus sie ihren Lauf durch den deutschen Blätterwald nahm. Es braucht anscheinend viel Zeit eine solch ausgewachsene, fette Zeitungsente richtig auszubrüten und großzuziehen. Zahlreiche Zeitungen brachten den „Bericht" zwar auch, ließen aber von sich aus die Behauptung weg, daß es sich um Jehovas Zeugen gehandelt habe …"


von Drahbeck - am 09.10.2013 03:55

Konflikte auf den Philippinen

Vor sechzig Jahren
"Die Geister die man rief, wird man nicht mehr los", mag man als Kommentar zur "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 10. 1953 nur sagen.
Euphorisch notierte der WT darin:
Zitat

"Das 'Jahrbuch der Zeugen Jehovas' 1953 (engl.) berichtet uns, daß trotz all der Hindernisse die Anzahl der Diener für Jehova während des Jahres 1952 um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahre gewachsen ist.
Dies ist aber nicht nur in Ostdeutschland der Fall. Das Werk in der Dominikanischen Republik wuchs trotz einer heftigen Verfolgung, bei der einmal mehr als ein Drittel von Jehovas Dienern während des vergangenen Jahres im Gefängnis war. Auch in Jugoslawien wurde trotz Verfolgung, Verboten und Einkerkerungen ein Wachstum verzeichnet. Und in Polen hinter dem Eisernen Vorhang erlebte man in den vergangenen Jahren ein erstaunliches Wachstum, obgleich keine öffentliche Tätigkeit erlaubt ist und viele Zeugen im Gefängnis sind …"

Das alles ist wohl nur möglich, wenn ein Klima des Fanatismus vorherrschend ist. Letzteres wird man wohl bestätigen müssen, wobei die Endzeit-Naherwartung dabei mit das wesentliche Element ist. Sicherlich kann man nicht sagen; dass dies nur auf die Ostblockstaaten zutreffend war. Es war auch andernorts so. Das Spezifikum der Ostblockstaaten mag lediglich zusätzlich noch gewesen sein, dass politische Oppositionshaltung in "religiöse" Stigmen umformatiert, hierbei maßgeblich noch mit hinein spielten.

Aber dem Klima des Fanatismus, begegnet man in den zeitgenössischen Zeugen Jehovas-Versammlungen auch andernorts. Und dort wird dieser Fanatismus, selbst der WTG schon unheimlich. In der gleichen "Wachtturm"-Ausgabe liest man auch diesbezügliche Beispiele. Sie werden von der WTG getadelt, dass ist unbestritten. Das aber sie überhaupt erst zustande gekommen sind. Das ist das wesentliche, wenn man nicht nur Oberflächenkosmetik betreiben, sondern auch zu den Wurzeln vordringen will.

Mit Missvergnügen berichtet die WTG von den Philippinen:
Zitat

"In Gerona, Tarlac, sollten am Sonntag, dem 15. März 1953, die Zeugen Jehovas den Öffentlichen Hörsaal für ihren öffentlichen Vortrag benutzen und hatten die schriftliche Genehmigung reichlich im voraus dazu erhalten. Indes wurde etwas später dem Exekutivkomitee des Stadtfestes von Gerona zur Abwicklung eines Programmes von Volkstänzen die Genehmigung erteilt, dasselbe Gebäude zur selben Zeit von 13 - 18 Uhr zu benutzen. Als am Sonntagnachmittag entdeckt wurde, daß der Saal vom Festkomitee gebraucht werde, suchte man mit dem Bürgermeister Fühlung zu nehmen. Er war zur Zeit nicht in der Stadt, hatte aber seinem Sekretär den Bescheid hinterlassen, daß die Zeugen ihre Versammlung nach einem anderen Ort verlegen sollten, obwohl man sie vorher von diesem Wechsel nicht unterrichtet hatte. Angesichts der Tatsache, daß die Brüder die Genehmigung in Händen hatten, schritten sie dazu, den öffentlichen Vortrag im Saale abzuhalten.

Bei ihrer Ankunft fanden sie, daß eine Eintrittsgebühr erhoben wurde, und das Fest der Volkstänze war in vollem Schwunge. Lautsprecher waren aufgestellt usw. Die Zeugen baten die verantwortlichen Personen, sie möchten ihr Programm beenden und ihre Ausrüstung fortschaffen, da die Zeit für den öffentlichen Vortrag heranrücke, und sie wiesen die Erlaubnis vor, die sie zur Benutzung des Gebäudes ermächtigte. Der Vorsitzende der Veranstaltung erklärte, auch er besitze eine Genehmigung für das Fest der Volkstänze, doch konnte er sie nicht vorweisen. Nachdem er sich geweigert hatte, die Bühne freizugeben, wurden die Saalordner der Zeugen Jehovas vom Prediger, der den Vortrag halten sollte gebeten, die Ausrüstung fortzuschaffen und die Bühne für den Vortrag zu räumen, und das taten sie

Gerade dann erschien der Bürgermeister der, sehr aufgebracht über das, was vorging war. Er hielt eine kurze Ansprache, worin er bemerkte, er sei der Stadtvater, und daher sollten alle ihm gehorchen. Dann hieß er die Zeugen, die Versammlung nach einem anderen Ort zu verlegen. Als er sah, daß sie entschlossen waren, den Vortrag abzuhalten, zog er einen Revolver, schoß in die Luft und trat den Zeugen mit der Frage entgegen: 'Wer unter euch wagt es, mich herauszufordern?' Seine Äußerung wurde aber ignoriert, der Redner wurde eingeführt, und er begann seinen Vortrag. Der Chef der Bundespolizei bedrohte den Redner ebenfalls mit einem Revolver; ein Maschinengewehr wurde aufgestellt, das gegen den Redner gerichtet wurde, und die Stadtpolizei erschien mit Gewehren, die zum Gebrauch geladen waren. Trotz all dieser Schaustellung von Waffen bewahrte der Redner sein Vertrauen und Gleichgewicht und setzte den Vortrag fort. Saalordner der Zeugen hielten den Bürgermeister und auch andere ab, die sich nach vorn begeben wollten, um den Redner mit Gewalt zu unterbrechen, und erhielten für ihre Mühe einige Schläge von denen, die sie angreifen wollten.

Als letzte Bemühung wurde die Lautsprecheranlage abgestellt, aber der Redner sprach einfach lauter und setzte seine Rede fort. Am Schluß desselben näherte sich der Bürgermeister dem Redner und entschuldigte sich dafür, daß er heftig geworden sei und einen der Saalordner geschlagen habe. …"

Offenbar gehen Konflikte dieser Art nicht immer so glimpflich aus, wie vorstehender Bericht das suggerierte. Gleichfalls von den Philippinen liest man in dergleichen WT-Ausgabe noch:
Zitat

"In Barrio San Jose, Dumalag, Capiz, waren am 12. November 1952 Brüder zu einem öffentlichen Vortrag in Verbindung mit einer dreitägigen Versammlung zusammengekommen, als eine Pöbelrotte, die die Zeugen an Zahl weit übertraf, sich näherte und verlangte, daß sich die Versammlung zerstreue. Polizisten waren nicht zugegen. Die Rotte wurde angeführt vom Bruder des Bürgermeisters, der Erlaubnis zur Abhaltung der Veranstaltung gegeben hatte, und unter dem Mob befand sich auch jemand, der zuvor mit den Zeugen vereinbart hatte, daß sie etwas von seinem Grundstück benutzen dürften.

Obwohl derjenige, der den Vortrag halten sollte, den Rädelsführer nicht überreden konnte, Jehovas Zeugen unbelästigt zu lassen, bestand er auf seinen verfassungsmäßigen Rechten und setzte seinen Vortrag fort. Da die Rotte sah, daß die Zeugen nicht nachgeben wollten, geriet sie in wilde Erregung, stürmten den Ort und trieb die Zeugen fort, nicht nur von der Versammlungsstelle, sondern auch aus der Stadt hinaus, ja weithin in die Hügel der Umgebung. Dort wanderten die Zeugen zwei Tage lang umher, bis sie schließlich Kalibo, den nächsten Ort, erreichten. Die Pöbelrotte vernichtete sämtliche Literatur und drang sogar in die Häuser der Zeugen des Ortes ein und zertrümmerte ihre Möbel."


von Drahbeck - am 16.10.2013 02:58

Er „liebte doch alle Menschen"

Vor sechzig Jahren
In der Endphase der "DDR", machte dessen Staatssicherheitsminister im "Parlament" (Volkskammer) mit einer Rede Furore, die je nach Standpunkt geeignet war, Lachsalven oder auch das Gegenteil davon zu produzieren.
"Ich liebe doch alle Menschen. Ich liebe doch alle …" tönte da der Herr Mielke.
So, so, mag man dazu nur sagen. Wer diese vorgebliche "Liebe" in der Praxis erfuhr, wird da wohl andere Vokabeln dafür verwenden.
An vorstehendem fühlt man sich unwillkürlich erinnert, wenn man in "Erwachet!" vom 22. 10. 1953 die nachfolgende Ausführung über die "Liebe" der Zeugen Jehovas liest:
Zitat

"Ein Abonnent schreibt: 'Gestern machte ich einen Nachbesuch bei einem Mann, der sich erkundigte: 'Was denken Sie über die Katholiken?' Ich frage ihn: 'Was halten Sie von ihnen?' Er antwortete: 'Nun, ich weiß nicht, aber ich hörte, daß Jehovas Zeugen sie hassen.' Darauf erwiderte ich: 'Ich will Ihnen sagen, was wir wirklich von ihnen denken. Wir lieben sie so sehr, daß wir von Haus zu Haus gehen, Stunde um Stunde, Tag für Tag, Jahr um Jahr in jedem Lande auf der Erde, um ihnen von Gottes Königreich zu erzählen und sie auf den Weg hinweisen, den sie einschlagen möchten, um ewig in Glück zu leben, und dies trotz all der Dinge, die sie oder irgend jemand sonst uns deswegen antun mögen. Lieben Sie so sehr?"


von Drahbeck - am 22.10.2013 22:18

Re: Er „liebte doch alle Menschen"

Ich denke, dass Mielke zu dieser Zeit schon senil war...

von offthehook - am 23.10.2013 08:43

Re: American Standard Bibel

Vor sechzig Jahren
Anläßlich der "Freigabe" der sogenannten "Neuen Welt Übersetzung" der Bibel, durch die Zeugen Jehovas, die in Etappen erfolgte. Zuerst das sogenannte "Neue Testament" (alias "Christlich Griechische Schriften"). Später das sogenannte "Alte Testament" (alias "Hebräische Schriften"); diese wiederum in Etappen "freigegeben". Anläßlich einer solchen "Freigabe" hielt WTG-Präsident N. H. Knorr, am 22. 7. 1953 im New Yorker Yankee-Stadion einen Vortrag, der denn prompt auch in der (deutschen) Ausgabe des "Wachtturms" vom 1. 11. 1953 nachgedruckt wurde.
Was zu erwarten war, trat ein. Besonders ging Knorr auf die Verwendung des Namens Jehova in dieser Übersetzung ein. Dabei konnte er es sich nicht versagen, zu kritisieren, dass eine andere Bibelübersetzung, die American Standard Bibel, in einer kürzlichen Neuausgabe, diesen Namen nicht mehr wie früher, auch verwandte.

Dazu zitiert er einiges aus deren Vorwort, bezüglich dieser Entscheidung. Für Knorr ist das ein Sakrileg. Indes mögen die Ausführungen für sich selbst sprechen. Der "Wachtturm" zitiert:
Zitat

"In Abschnitt 17 des Vorworts dieser neuen Übersetzung vom Jahre 1952 legt das Komitee seinen Grund für diesen Entscheid dar. Durch seine Äußerungen über den göttlichen Namen gibt dieses Vorwort das Komitee der 'Amerikanischen Standard'-Bibel ganz der Lächerlichkeit preis. Abschnitt 17 lautet:

Zitat

Eine größere Abweichung von der Verfahrensweise der Amerikanischen Standard-Übersetzung ist die Wiedergabe des göttlichen Namens, des 'Tetragrammatons'. Die Amerikanische Standard-Bibel gebrauchte das Wort 'Jehova'; die King-James Bibel hatte dieses Wort an vier Stellen gebraucht; doch in allen anderen Fällen (ausgenommen in drei, wo es als Teil eines Eigennamens stand) verwendete sie das in Kapitälchen gedruckte englische Wort LORD, d. H. HERR (oder in gewissen Fällen GOTT). Die jetzige revidierte Ausgabe kehrt zur Verfahrensweise der King-James-Bibel zurück, die dem Beispiel der alten griechischen und lateinischen Übersetzer und dem seit langem eingeführten Brauch beim Lesen der Hebräischen Schriften in der Synagoge folgt. Während es fast, wenn nicht ganz sicher ist, daß der Name ursprünglich 'Jahwe' ausgesprochen wurde, so wurde diese Aussprache doch nicht angegeben, als die Massoreten den konsonantischen hebräischen Text mit Vokalzeichen versahen ... Aus zwei Gründen ist das Komitee zum vertrauteren Brauch der King-James-Bibel zurückgekehrt:
1.) Das Wort 'Jehova' stellt nicht genau irgendeine im Hebräischen je gebrauchte Form des Namens dar; und
2.) der Gebrauch irgendeinen Eigennamens für den einen und einzigen Gott, als ob es andere Götter gäbe, von denen er unterschieden werden müßte, wurde im Judaismus vor der christlichen Ära aufgegeben und ist ganz unpassend für den universellen Glauben der christlichen Kirche.


von Drahbeck - am 01.11.2013 23:02

Re: Technischer Hinweis

Mit vorstehendem Posting die „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 11. 1953 betreffend, ist der Jahrgang der Kommentarserie 1953 zugleich beeendet.
Die restlichen Hefte jenes Jahrganges wurden bereits früher kommentiert. Zusammengefasst gibt es jenen Jahrgang also jetzt unter:

Kommentarserie 1953

Zugleich bedeutet dieser Jahrgangsabschluss auch das Ende der darauf basierenden Serie „Vor sechzig Jahren".
Einen Überblick über die bereits aufgearbeiteten Jahrgange kann man auch entnehmen in:
Übersicht der Jahrgangsdateien
Es geht also weiter wie bisher, dann mit der Serie „Vor fünfzig Jahren" fort. Und auch den sonstigen thematischen Serien.

von Drahbeck - am 01.11.2013 23:05
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