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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 9 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 9 Jahren, 7 Monaten
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. +, Bluna, Frau von x, Frau von x, Barbier vom Mond, Drahbeck

Tagebuch eines Toten II - Albert Martin

Startbeitrag von . + am 30.11.2008 23:02


Mein Name ist Albert Martin,

ich wurde gerade zum dritten Mal Urgroßvater.
Von drei Kindern - zwei Töchtern und einem Sohn – wurden mir sieben gesunde Enkel und jetzt drei Urenkel geschenkt.

Während eines meiner Enkel auf ihre Niederkunft wartet, bleibt ihr Julian (2 Jahre alt) bei mir – bei Uropa zum spielen.

Seit ich in Rente ging widmete ich mich mit Hingabe dem Großvaterdasein.
Auf meinem Dachboden liegen Kistenweise Spielsachen und Teddybären, die alle nur darauf warten, wieder ausgepackt und zum Leben erweckt zu werden.
Ich bin der Märchenonkel, dessen Wohnung ein einziger Abenteuerspielplatz ist.

Bei mir spricht jede Puppe, jeder Teddy und jede Spielfigur – selbstverständlich ohne Batterie.

Aber seit einiger Zeit geht mir selber die Sprache verloren.

Während Julian das Sprechen lernt, gleiten mir die Wörter aus den Fingern, wie feiner trockener Sand den man vergeblich versucht festzuhalten.
Von den Erwachsenen um mich herum bekomme ich Mitleid und Verständnis.
Das ist lieb von ihnen, aber es schmerzt ungemein.

Bei Julian ist das anders.
Deswegen bin ich ihm so verfallen.
Mit den neu gelernten Wörtern erfasst er die Wirklichkeit, die mir mit den Wörtern Stück für Stück entgleitet.
Mit den Wörtern beginnt er zu denken und erobert die Welt, die ich mit eben diesen, Stückweise verlasse.

Neuerdings redet Julian zweisilbig in einer Sprache, die ich silbenweise verstehen kann und gestikuliert mit Hintersinn.
Mpa ist dann Opa und Julian wird zu Lulian.
Die Eisenbahn wird zur Eikibah.
Hat er sich weh getan wird dies zu „wedan“.

Er zeigt während des gemeinsamen Essens über den Tisch und ruft „Mpa“ und ist entzückt, wenn ich „Lulian“ antworte, ebenfalls den Arm auswerfe und auf Julian zeige.
Dann lacht er, kann sich gar nicht mehr beruhigen und beendet das Lachen, indem er die Hand vors Gesicht legt und sich nicht mehr sieht.
Mich auch nicht mehr.
Diese Welt können nur wir zwei entern.

Ich lerne von ihm was ihn von den Aufregungen sämtlicher Anfänge ablenkt und versuche damit die Aufregungen meines Abschieds zu überspielen.

Himmel – was erwarte ich von diesem Kind.

Lieber Julian,

Während mir die Worte abhanden kommen habe ich das Gefühl, Dir noch so unendlich viel sagen zu müssen.

Mein Arzt meinte ich solle ein Tagebuch führen und meine Erinnerungen festzuhalten.
Das Schriftliche wird mein schwindendes Gedächtnis unterstützen.

Während mir die Sprache und mit ihr meine Zeit, wie Sand in den Fingern zerrinnt, möchte ich Dir noch solange es mir möglich ist zeigen, wessen leeren Versprechungen ich vertraut habe.
Deswegen schreibe ich es hier in mein Tagebuch, das ich Dir hiermit zusammen mit dem Tagebuch meines Vaters vermache.

Meinen Vater, den ich nie kennen lernen durfte, weil auch er blind diesen Menschen vertraut hat, die dieses Vertrauen nicht verdient haben.

Julian, ich bin jetzt über 90 Jahre alt.
Ich habe blind den Lehrern in der Versammlung vertraut.
Erkenntnis von Gott habe ich dort jedoch keine gesehen, die dieses Vertrauen gerechtfertigt hätte.

Das Leben ist zu schön um es für fremde Ideen zu verschwenden.

So nehme ich Dich in die Arme und wir verbergen zusammen unser Glück hinter unseren Händen.
Sei gegrüßt mit einem fröhlichen „Lulian“

Dein Mpa

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Wachtturm 15.2.2009
Seite 24





Seite 25



Seite 27





Seitenweise beweihräuchert die Wachtturmgesellschaft sich selber und fordert bedingungsloses Vertrauen ein.
Doch ist sie diesem entgegengebrachten Vertrauen jemals gerecht geworden?

Wachtturm 1. 5.2002
S. 16 Abs. 10-12





Die Wachtturmgesellschaft ist ein Meister im formulieren der Worte, dass sie an sich zwar korrekt sind, andere aber dennoch bewusst dadurch irregeführt werden.
Sie übertreibt oder verschweigt gewisse Einzelheiten.

Sie missbraucht das ihr entgegengebrachte vertrauen.

Wachtturm 1. 1. 2003
S. 21



Was machen wir mit Wächtern, die wieder und wieder Falschalarm auslösen, nur um sich zu profilieren oder die Aufmerksamkeit der Schar der Bewunderer an sich zu binden?

Wachtturm 1. 5. 2003
S. 22



Was aber machen wir mit denen, die dem Volk durch ihre vielen leeren Versprechungen geschadet haben?

Wachtturm 1. 11. 2003
S. 4





Bei wiederholtem Vertrauensbruch stellt sich doch die Frage, ob man sich bei der Wahl der Religionsorganisation nicht vertan hat.

Wachtturm 1.3 2004
S. 13-14









Der nächste Teil:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,17729,17729#msg-17729

Antworten:

Hallo "+",

also diese Geschichte, muss ich sagen, hat bei mir einen heftigen und tiefen Eindruck hinterlassen. Ein alter Mann kommt in den letzten Tagen seines Lebens doch noch darauf, das er es an die WTG verramscht hat und will seinem Ur-Enkel als Mahnmal diese Geschichte samt Untermauerung, warum er der Gesellschaft geglaubt hat, als Erbe mitgeben.

Aber diese Geschichte hat auch etwas Gutes: Ein Aktiver und ein Potenzieller weniger.

Schade ist nur, das den Meisten erst am Ende ihres Weges den sie so voller Eifer "im Glauben" gegangen sind, auffällt, das sie die ganze Zeit falsch gehandelt haben. Aber die allermeisten bekommen das gar nicht mit und flehen noch auf dem Sterbebett zu ihrem "Jehova", der doch nichts für sie tun kann.

Diese endgültige Situation macht es einem erst bewußt, wieviel Glück man damit hat da raus zu sein aber auch wieviele es gibt, die blind bis in den Tot folgen....

Es ist gut, das man mit solchen Berichten die Leser versucht zu sensibilisieren....

In diesem Sinne

von Barbier vom Mond - am 01.12.2008 12:54

Re: Tagebuch eines Toten II / Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Zitat
. +
Wachtturm 15.2.2009
Seite 25



Seite 27





Seitenweise beweihräuchert die Wachtturmgesellschaft sich selber und fordert bedingungsloses Vertrauen ein.


WT vom 15.JUNI 2008 S.21 Abs.13

Gott hat jedoch vorgesehen, dass die Klasse des treuen und verständigen Sklaven für geistige Speise zur rechten Zeit sorgt (...). Wir sollten demütig anerkennen, dass das der Weg ist, durch den Jehova heute für sein Volk sorgt.

WT vom 15.AUGUST 2008 S.6 Abs.15

Aus Dankbarkeit stehen wir eng zu dem "treuen und verständigen Sklaven, ...". Diesen Sklaven hat Jesus "über seine ganze Habe" gesetzt (...).

WT vom 15.SEPTEMBER 2008 S.9 Abs.13

Bleiben wir mit der Anleitung auf dem Laufenden, die wir vom "treuen Sklaven" ... erhalten, dann sind wir immer gut genährt ... .

WT vom 15.OKTOBER 2008 S.4 Abs.8

Gottes Liebe zeigt sich in der Belehrung und in den Regeln, die in der Bibel vermittelt werden, sowie in der geistigen Speise, die "der treue und verständige Sklave" austeilt (...).

S.22 Absatz 9

Halten wir uns eng an biblischen Rat, den uns die Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" gibt, dann verrät das unsere Achtung vor dem, was Jehova eingerichtet hat.

WT vom 15.NOVEMBER 2008 S. 14 Abs.10

Veilleicht kann einem untätigen Verkündiger geholfen werden, indem man ihm vor Augen führt, wie hervorragend die geistige Speise ist, die der "treue und verständige Sklave" austeilt (...). Dieser Tatsache verdankt er es ja, dass er die Wahrheit überhaupt kennengelernt hat.



Steven Hassan 'Ausbruch aus dem Bann der Sekten' S.104

Gedankenkontrolle

In totalitären Sekten wird die Ideologie als , ... verinnerlicht. ... Die Gruppe hat den Anspruch, alle Antworten auf alle Probleme und Situationen bereitzuhalten. Ein Anhänger braucht nicht selbst zu denken: Die Doktrin übernimmt das Denken für ihn.



von Frau von x - am 05.12.2008 09:53

Re: Tagebuch eines Toten II / Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Hallo Frau von X,

Ich wollte dieses Posting als Anlass nehmen Dir zu sagen, das man unter Aussteigern über Deine Beiträge spricht.
Das man sich über Deine „Wachtturmextraktionen“ unterhält.

Ich telefonierte neulich mit jemanden der die Wachtturmgesellschaft verlassen hatte.
Dieser bezog sich auf Deine Wachtturmbetrachtungen.

Es ging darum das die Brüder die Texte zwar anstreichen aber der Inhalt gar nicht mehr zu ihnen durchdringt.
An dieser Stelle bezog sich mein Gesprächspartner auf Deine Texte.
Mein Kommentar war, das es wahrscheinlich sowieso nur die Abtrünnigen sind, die die Wachtturmliteratur noch ernsthaft lesen.

Übrigens brachte mich persönlich Dein „Dreifach-Schnur-Artikel“ auf die Palme.
Einzig meine nicht vorhandene gute Kinderstube gebot es mir, nicht unflätig darauf zu Antworten.


Mit lieben Grüßen wollte ich Dir also hiermit nur sagen, das Deine Artikel gelesen und geschätzt werden.


von . + - am 05.12.2008 10:34

Re: Tagebuch eines Toten II / Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Wobei ich mich dann ja diesem Lob anschliessen möchte!!!


von Drahbeck - am 05.12.2008 10:38

Re: Tagebuch eines Toten II / Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Wenn ich auf den „Dreifach-Schnur-Beitrag“ geantwortet hätte, hättest Du mir 14 Tage Forenurlaub verordnet...

;-)







von . + - am 05.12.2008 11:32

Re: Tagebuch eines Toten II / Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Hallo "+", hallo Manfred!

Vielen Dank für euer Lob. Es tut gut zu hören, daß das was man macht nicht umsonst ist.

Wenn ich lese, daß Selina zwei Tage lang ihr Heim schmückt und dieses Jahr zum ersten Mal mit ihren Kindern und Jochen Weihnachten feiert, dann zeigt es: unsere Arbeit lohnt sich, auch wenn nicht immer eine unmittelbare Reaktion kommt.

Was du sagst "+", bestätigt meine Befürchtungen. Als ich den "Dreifach- Schnur-Artikel" schrieb, hatte ich zwei Personen im Sinn, dich und "Bluna". Mir war klar, daß er dich zum Kochen bringen würde und sie wahrscheinlich traurig macht.
Ich hab nicht damit gerechnet, daß du so einen Dampf vor unserem Forenmaster hast. ;)

Von mir aus hättest du deinen Gefühlen freien Lauf lassen können. Man kann ja Beiträge im Nachhinein löschen und du wärst es erstmal los gewesen. Sowas soll ja auch befreiend sein. Aber ich möchte natürlich niemanden herausfordern.



Viele Grüße und ich wünsche uns allen ein langes Durchhaltevermögen! (Manfred hat es ja schon bewiesen)







von Frau von x - am 05.12.2008 21:27

Re: Tagebuch eines Toten II / Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Liebe Frau von X,

an anderer Stelle habe ich Dir meine Meinung über den "Schnurartikel" geschrieben.
Du weißt ja wo. ;)
Und ich danke Dir auch für Deine Zusammenfassungen der garstigen äh," geistigen Speise"!
Es geht auch ohne "Abtrünnigenliteratur", um die WTG zu durchschauen. Sie stellen sich selbst bloß, nur merken es die meisten Schafe nicht.:-(

Liebe Grüße,

Bluna

von Bluna - am 06.12.2008 12:32
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