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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 9 Jahren, 7 Monaten
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Tagebuch eines Toten II - binnen Kurzem

Startbeitrag von . + am 01.12.2008 23:04

Der vorangegangene Teil:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,17645,17645#msg-17645





Minili.
Minili!

Mein Gott – kleine Minili.
Heute gibt es Entenbrust mit Backpflaumensauce und Spätzle, Champagner in Kristallkelchen – und die unvermeidliche Milchreissuppe… natürlich.

Ich bin begeistert und frage: „Was feiern wir?“

Meine Tochter deute aufs Ohr, ich setzte meinen Hörbügel auf und sage: „Ja, bereit.“

„Wir trinken auf das Leben.“

„Zumindest auf den Rest, der noch da ist, ich glaube …“

Meine Frau unterbricht mich: „Halüüü“.

Das kommentiere ich mit: „Man wird doch wohl sagen dürfen, dass ich noch nicht sterben will.“

„Dann trinken wir für einen besseren Tod, denn verdursten tut schließlich weh“, antwortet sie ihrer Mutter.

Ich nicke Richtung Tochter anerkennend: „Bravo! Womit du recht hast, hast du Recht!“

„Halüüü Vita!“, schmettert meine Frau, sie erhebt ihr Glas als wolle sie einen Toast aussprechen.
„Halüüü Vita!!!“, sagt sie noch einmal.

„Na, wenn es denn sein muss.“ Sage ich. Es wird unser neuer Trinkspruch.

„Halüüü Vita!!!“

Geburt, Leben, Tod, Erwartungen, Gewissheit?
Begrüßen und Abschied?
Meine Frau will sterben, ich will noch nicht gehen.
Noch nicht.

Minili.
Minili!
Minilli ist da.
Julian vollführte regelrechte Indianertänze als Melanie das Licht der Welt erblickte.

Gebt mir noch ein bisschen Zeit.
Ich will noch nicht gehen.

Wenigstens Julian will ich doch noch zumindest das Nötigste sagen.
Es soll sich nicht, wie ich, an Endzeitverkäufer verlieren, die behaupten bestimmtes Vorauswissen von Gott zu besitzen.
Nichts an diesem Vorauswissen besitzt Substanz.

Mein Leben lang, lebte ich in Furcht vor ihrem nahen Ende.
Wieso?

Ist die Erde unbewohnbar geworden?

Das Leben ist zu schön, um es durch Furcht zu verschwenden.

Und wenn das Ende morgen käme – kann man durch seine Endzeitfurcht dem ewigen Leben auch nur eine Elle hinzufügen?

Von professionellen Angsthändlern wurde mir ein Leben lang eingeredet das Ende wäre nahe.
Die Grundstückmakler des Paradieses, die davon profitieren das wir Angst haben.

Mir hat man das Paradies mehrmals, noch zu meinen Lebzeiten versprochen.
Ich dürfte gar nicht alt werden.

Ich möchte noch ein bisschen Zeit haben, um Julian sagen zu können:

„Hör nicht auf die, die Woche für Woche „Ein Wolf! Ein Wolf!“ rufen.“

Sie leben sorglos wie die Made im Speck, von dem verbreiten des falschen Alarms.
Ihre Hände sind vernarbt von den Schlägen, die sie in den letzten hundert Jahren, wegen ihrer Falschprophetie bekommen haben.
Trotzdem machen sie weiter.

So sage ich ganz im Gedanken versunken am Esstisch:
"Ich möchte doch nur noch ein paar Jahre leben!"

Während ich das sagte, sehe ich, dass in den Augen meiner Tochter die Tränen standen und es tat mir unwillkürlich Leid dass ich das gesagt hatte.

Diagnose Alzheimer - Niemand sollte so einen Abschied auf Raten, mit ansehen müssen.

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Wachtturm 15. 10.1995
S. 6-7







Die Wachtturmgesellschaft schürt professionell Endzeitangst.
Nichts bringt Zeugen des Wachtturms derart auf die Palme wie die Aussage dass die Welt gesundet und nicht im Untergang begriffen ist.

Bis zu dem 8. Februar 1964 hieß der Zweck des Erwachet noch:

„…sie spiegelt die sichere Hoffnung auf die Errichtung einer gerechten neuen Welt wider.“



Von dem 22.Februar 1964 bis zu dem 22.Oktober 1995 lautete der Zweck:

„...stärkt die Zeitschrift das Vertrauen zum Schöpfer, der verheißen hat, noch zu Lebzeiten der Generation, die die Ereignisse des Jahres 1914 erlebt hat, eine neue Welt zu schaffen…“



Seid dem 1.November 1995 heißt es in dem Zweck des Erwachet:

„...stärkt die Zeitschrift das Vertrauen in die Verheißung des Schöpfers, eine neue Welt herbeizuführen, die binnen kurzem…“



Wachtturm 15. 6.1998
Seite 4



Die Erde bedroht von herabstürzenden „Himmelskörpern“…

Erwachet 22. 3.1993
S. 3-4



Über hundert Jahre ruft die Wachtturmgesellschaft „ein Wolf! Ein Wolf!“.
Man stelle sich vor, Gott wolle der Menschheit tatsächlich sagen, dass das Ende naht.
Würde er die Wachtturmzeugen schicken, wäre dies eine Lachnummer.

Und man soll zu ihm sprechen:
,Was sind diese Wunden an dir zwischen deinen Händen?‘
Und er wird sprechen müssen:
,Diejenigen, womit ich geschlagen wurde im Hause meiner leidenschaftlichen Liebhaber.“
(Sacharja 13:4-6)

Der Wachtturm, 15. Januar 1981,
S. 17







Der nächste Teil:
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