"Materialdienst"

Startbeitrag von Drahbeck am 20.12.2013 06:04

Entsprechend der Standardpolitik der von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen herausgegebenen Zeitschrift „Materialdienst" gibt es deren Beiträge nur in Auswahl, und dann oftmals noch gekürzt, auch in einer Internetvariante. Man will also auf diese Art kommerzielle Abonnements „erzwingen". Ob jenes Kalkül indes aufgeht, erscheint zumindest mir, mehr als zweifelhaft.
Der dortige für den Bereich Zeugen Jehovas in der letzten Zeit mit zuständige Referent (die da seit ich jenes Blatt im Abonnement habe), auch ziemlich oft gewechselt haben. Besagter Herr Michael Utsch scheidet zum Jahreswechsel aus der Redaktion aus (ist in seiner Kirche als Brotunternehmen, halt die „Treppe nach oben gefallen"). Mal schauen wer denn in der Sache seinen Part übernimmt.
Das Thema Zeugen Jehovas ist in diesem Blatt ohnehin zur „Randnotiz" mutiert. Wenn es denn mal was dazu gibt, dann vielfach noch von externen Verfassern. Allerdings muss dann schon mal die Redaktion des Materialdienstes dann ihr okay dazu geben.
Im Dezemberheft 2013 (S. 469f) gab es wieder mal solch einen Fall.
Ich hätte es eigentlich vorgezogen, einfach bloß einen Link zu jenen Artikel zu setzen, ohne weiteren Kommentar. Da selbiges mangels fehlenden Link nicht möglich ist, muss ich halt den anderen Weg der Teil-Referierung beschreiten.

Verfasser jenes Beitrages, der nicht unbekannte Herr Twisselmann. Man reicht sich halt in den eigenen, sich gewogenen Kreisen fallweise herum. Eine „Hand wäscht da die andere". Das soll man auch aus anderen Kreisen, zur Genüge kennen.
Grundlage seiner Ausführungen ist für Twisselmann der „Wachtturm" vom 15. 7. 2013.
Da selbiger auch Online erreichbar ist, sei das nochmals mit erwähnt. Das erspart weitere „Salbadereien".

Die Sophistik, wer denn nun bei den Zeugen Jehovas die eigentlichen Fäden in der Hand hat, war bis zur Zeit der WTG-Präsidenten Knorr, und auch Franz, sicherlich leichter zu beantworten. Seitdem dürfte die tatsächliche Bestimmgewalt eher auf eine Clique von Technokraten übergegangen sein. Was die eint ist einzig und allein der Umstand, ihre „Firma" weiter als Brotunternehmen am laufen zu halten, und nicht zuletzt auch deren erzielte ökonomischen Ergebnisse zu steigern. Das hat bis zum heutigen Tage im Sinne ihrer Macher auch weitgehend geklappt.

Wie denn die ZJ-Bilanz des Jahres 2013 aussehen wird, muß erst noch die Analyse der Jahrbuchzahlen erweisen.
A pro po Jahrbuch.
Täuscht mich nicht alles, war voriges Jahr um diese Zeit, bereits das damals aktuelle Jahrbuch 2013 Online erreichbar.
Einen ähnlichen Umstand, meine ich bezüglich des Jahrbuches 2014 bislang noch nicht registrieren zu können. Schau'n wir also mal, wie sich denn jener Aspekt so weiter entwickelt.
Indem bei der WTG die Technokraten, kaum aber mehr eine „charismatische" Persönlichkeit (der letzte diesen Typus war dann wohl der F. W. Franz) das tatsächliche Sagen haben, stellt sich auch die Frage nach dem „Überrest" aus den sogenannten „144.000". Jene Ententeichthese, einstmals von Rutherford, zur Stabilisierung seiner eigenen Machtansprüche eingeführt.
Zu „sagen" hatte besagter „Überrest" schon lange, lange, lange, überhaupt nichts mehr. Sollte der nun auch verbal auf „Abstellgleis" geschoben werden. Was soll's? Da befand er sich schon vorher. Twisselmann wähnt nun aufgrund der genannten WT-Ausgabe, seinen Artikel mit „Klammheimliche Machtübernahme?" betiteln zu können. In der Substanz etwas zu sehr aufgebauscht, meiner Meinung nach!

Antworten:

Zitat
Drahbeck

Verfasser jenes Beitrages, der nicht unbekannte Herr Twisselmann. Man reicht sich halt in den eigenen, sich gewogenen Kreisen fallweise herum. Eine „Hand wäscht da die andere". Das soll man auch aus anderen Kreisen, zur Genüge kennen.
Grundlage seiner Ausführungen ist für Twisselmann der „Wachtturm" vom 15. 7. 2013.
Da selbiger auch Online erreichbar ist, sei das nochmals mit erwähnt. Das erspart weitere „Salbadereien".


Dort wird auf das Heft "Brücke zum Menschen", 4/2013 verwiesen:

http://www.bruderdienst.de/Seite92.html

Inhaltsangabe des o.a. Artikels:

Die Studienausgabe der Zeugen Jehovas-Zeitschrift Der Wachtturm vom 15. Juli 2013 ist dem 'neuen Verständnis' des Gleichnisses vom "treuen und verständigen Sklaven" gewidmet. In der Nr. 196 der Brücke zum Menschen befassen wir uns mit den Hintergründen und Folgen dieses Versuches der "Leitenden Körperschaft", ihren Führungsanspruch unangreifbar zu machen. Wir befassen uns ferner mit der Einordnung dieser Lehre in die Endzeit-Doktrin der Zeugen Jehovas, fragen nach ihrem Wahrheitsanspruch und bewerten ihn aus christlicher Sicht. Ein weiterer Artikel setzt sich kritisch mit einer Ansprache auf dem diesjährigen Bezirkskongress der Zeugen Jehovas zu den so genannten "Abtrünnigen" auseinander."

von Gerd B. - am 22.12.2013 00:40
Besagtes Heft 4/2013 der BzM habe ich selbstredend auch vorzuliegen.
Dort auf S. 10 beispielhaft fett gedruckt auch der Satz
Zitat

„Macht und die Sorge um Machterhaltung sind siamesische Zwillinge".

Sicherlich eine zutreffende Feststellung, indes ob die echten „Neuigkeitswert" enthält, erscheint wohl nicht unbedingt ausgemacht zu sein.
Es ist wohl zu viel an unberechtigtem Optimismus, würde man hoffen, angesichts ihres ideologischen Bankrotts, würde die WTG nunmehr auch juristisch ihren materiellen Bankrott erklären.
Da ist eher wie bisher, das weiter vor sich hinwursteln angesagt.
Ich will das jetzt hier nicht weiter vertiefen. Mir erschien nur die Artikelüberschrift im „Materialdienst" eine „Nummer zu groß".
Der Artikel in der BzM. titelt auch etwas zurückhaltender „Jesu Gleichnis im Dienst von Machtinteressen". Gegen diese zurückhaltendere Formulierung ist sicherlich nichts einzuwenden. Die Kritik betrifft eben den Umstand, dass es dazu im „Materialdienst" eine weitaus reißerische Überschrift gab, „Klammheimliche Machtübernahme?". Zu dieser Überschrift ist zu sagen, die Technokraten in der WTG hatten schon vorher die tatsächliche Macht. Und sie haben sie auch weiterhin. Eine solche reißerische Überschrift könnte den mißverständlichen Eindruck erwecken, hat da also in WTG-Gefilden eine Art Machtputsch stattgefunden. Das konnte allenfalls von Rutherford's Machtantritt gesagt werden, mit der Folge auch von organisatorischen Separationen.

Die Stammleserschaft des „Materialdienst" ist ja bekanntermaßen, hauptsächlich die evangelische Pfarrerschaft. Deren „Alltagsbetrieb" ermöglicht es den wenigsten von ihnen, sich vertieft, namentlich mit den ideologischen Hintergründen der Zeugen, selbst auch aktiv, auseinanderszusetzen. Die haben allenfalls mal Kenntnisse über zerrissene Familien durch den WTG-Einflus in ihrem Gemeindebezirk und ähnliches mehr, als Anschauungsunterricht aus der Praxis. Mit den ideologischen Hintergründen dann auch noch auseinander zu setzen. Da sind die schlichtweg überfordert. Lesen die dann solch eine reißerische Artikelüberschrift wie die im „Materialdienst", kann bei denen der mißverständliche Eindruck entstehen, ist die WTG also kurz vorm Zusammenbruch?
Zu schön um wahr zu sein.

Was den Aspekt der „siamesischen Zwillinge" anbelangt, hatte schon Stefan Heym, in seinem „König David Bericht" einiges durchaus relevantes mit herausgearbeitet
Etwa seine Sätze:
Zitat

„Der biblische König David gar opferte gleich Tausende seines Volkes der Pest um selber am Leben zu bleiben"

Oder auch seinen rekapitulierenden Satz:
Zitat

„Ich berichtete ihr dann von den verschiedenen Arten von Wahrheit, und von den Meinungen der Mitglieder der Kommission, und von den Entscheidungen, die getroffen wurden. Da gibt es Parteien und Parteien innerhalb der Parteien, und die Kommission selber ist gespalten, so dass ein Autor wie ein Vogel ist während der großen Flut, der nicht weiß, wo er sich niederlassen soll.
Und Jonathan sagte zu mir: Um zu herrschen, darfst du nur ein Ziel sehen - die Macht. Darfst du nur einen Menschen lieben - dich selbst. Sogar dein Gott muss ausschließlich dein Gott sein, der ein jedes deiner Verbrechen rechtfertigt und es mit seinem heiligen Namen deckt."

Oder auch der Satz noch:
Zitat

„'Wer braucht Zeugen?' Wiederholte Benaja grimmig. 'Geständnisse haben wir in der letzten Zeit überreichlich. Wir erheben Anklage gegen jemand wegen Denkens unerlaubter Gedanken."

Was Heym da schon feststellte, hat etwas zeitloses an sich.
In der Politik gab es die Kontroverse im sogenannten „Historikerstreit", das rot und braun letztendlich in ihrer Praxis vergleichbar sind, vom grundsätzlichen her, mit einigen auch nachweisbaren Nuancierungen.
Gerald Hacke fasste das mal treffend in dem Satz zusammen, die einen produzierten „Leichenberge", die anderen halt eben vorrangig „Aktenberge".
Diese These von der Austauschbarkeit von rot und braun, müsste um eine weitere Farbbenennung, meiner Meinung nach, noch ergänzt werden. Um die Farbe lila
Stefan Heym

von Drahbeck - am 22.12.2013 07:08
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