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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Drahbeck, X ~ mysnip, Frau von x

Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise -

Startbeitrag von Drahbeck am 18.04.2009 01:38

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Was die als „klassisch" bekannte Impfgegnerschaft der Bibelforscher anbelangt, so begegnet man in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" (Ausgabe Bern vom 15. 7. 1923; Ausgabe Magdeburg 15. 10. 1923) schon einer diesbezüglichen Horrormeldung. Um ihrer Leserschaft den diesbezüglichen Schrecken einzujagen, meint das GZ berichten zu können:

„Angesichts der sich mehrenden Todesfälle, ist es nutzlos, zu behaupten, daß der Impfzwang eine segensreiche Einrichtung wäre. Folgende Beobachtung, die auf den Philippinen gemacht wurde, ist bemerkenswert:
Diese Inseln wurden in den letzten Jahren von drei Epidemien heimgesucht. Bei einer Pockenepidemie vor 1905 verliefen 10% der Pockenfälle tödlich. Damals hatte man noch keine systematische Impfung vorgenommen.

Eine weitere Epidemie trat 1905-1906 auf. Damals war die allgemeine Impfung schon in die Wege geleitet und die Zahl der Todesfälle belief eich dann auf 16%.
Im Jahre 1908-1909, als die Impfung noch allgemeiner durchgeführt wurde, starben 25% an den Pocken, und während des letzten Ausbruches der Epidemie, als der Impfzwang eingeführt war, zählten die Todesfälle über 56%."


Diese Zahlen können (so das GZ) "in dem Bericht des philippinischen Gesundheitsamtes nachgeprüft werden". Eine detaillierte Zitierung besagter Quelle erfolgt allerdings nicht.

Weiter Originalton GZ:
„Ferner erbringen heute Statistiken der Regierung der Vereinigten Staaten die Beweise, daß die Epidemien der Maul- und Klauenseuche, von der das Land in den Jahren 1902-1903, 1908 und 1914 heimgesucht wurde, durch Impfgift verursacht wurden. Es wird behauptet, daß Tausende von Schulkindern unter Impfzwang mit Serum, das Maul- und Klauenseuchebazillen enthielt, geimpft wurden, wodurch eine totale Vergiftung des Blutes erfolgte, ein Übel, dessen ganze Tragweite vielleicht erst in späteren Jahren an ernsten Folgen zu erkennen sein wird."

Und der abschließende GZ-Kommentar lautet dann:
„Es ist höchste Zeit, daß die Menschheit aufwacht, und in der Tat kann ein solches Erwachen festgestellt werden. Die Massen fangen an zu prüfen. Althergebrachte Theorien werden nicht mehr ohne weiteres verdaut. Man prüft, untersucht und vergleicht und was die Prüfung der gesunden Vernunft nicht besteht, wird abgelehnt."

Auch zu späteren Zeiten mühte sich das „Goldene Zeitalter" kräftigst, Abscheu gegen das Impfen zu schüren. Etwa wenn es in seiner Ausgabe (Ausgabe Bern) vom 15. 7. 1925 schrieb:
„Vor einiger Zeit erschien im "Goldenen Zeitalter"
ein Artikel, in dem gegen die sogenannte Schutzimpfung und die Serumbehandlung geschrieben wurde. Dazu schreibt uns ein lieber Leser folgendes:

"Das Einpfropfen von Eiter oder toten Keimen in den menschlichen Körper ist damit zu vergleichen, wenn man tote Ratten in das Haus bringt, um Ratten auszutreiben. Die toten Ratten werden die lebenden austreiben, das ist sicher, aber ist das Haus mit den toten Ratten besser daran? Zuerst wird man aufatmen von den lebenden befreit zu sein. Doch warte ein Weilchen und du wirst dich nicht mehr wohl fühlen. Zuerst wird die Nase von dem unangenehmen Geruch berührt, dann wird der Magen in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich wird es unmöglich sein, in einem Hause zu leben, in dem tote Ratten angehäuft sind, denn da sie sich nicht selbst wieder aus dem Hause entfernen können, so kommt das Haus durch sie in einen sehr schlechten Zustand.

Ebenso ist es, wenn tote Keime und Eiter in den Körper gebracht werden. Die lebenden Bazillen mögen dadurch aus dem Körper ausgetrieben werden, aber die toten Keime können sich nicht von selbst wieder entfernen; dadurch entsteht Fieber und Entzündung und oft zum Tode führende Krankheit. - Möchten wir lernen, vernünftiger zu leben, uns richtig zu ernähren, uns rein zu halten, frische Luft zu genießen und uns richtig auszuarbeiten."


Wie nicht anders zu erwarten, kommen bei dieser einseitigen Betrachtungsform, etwaig anders herum gelagerte Erkenntnisse, grundsätzlich nicht in den Betrachtungsradius.

Unter der Überschrift „Ist Impfen nützlich?" publizierte die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1924 einen größeren Artikel dazu. Einleitend wird auf eine abwertende (weiter oben zitierte) Notiz verwiesen.

Man bedankt sich dann beim „Allgemeinen deutschen Impfgegnerverband, Sitz Leipzig" und nennt auch ausdrücklich die Anschrift seiner Geschäftsstelle (Südstraße 68), welcher „weiteres Material zur Verfügung gestellt" habe.

Als Quintessenz selbigen sieht man an, dass „unbedingt etwas geschehen müßte, um zunächst die Zwangs-Impfung zu beseitigen."
Und an Reklame für diesen Verband lässt man es auch nicht fehlen:
„Obengenannte Vereinigung ist wie uns (dem GZ) bekannt, bereit Eltern und Erziehern mit Rat zwecks Bewahrung vor Impfschäden zur Seite zu stehen."

Dann wird ausführlich aus einem Flugblatt dieses Impfgegnerverbandes zitiert. Die von letzteren vorgestellten Meinungsäußerungen, sind in der Tat hochgradig parteiisch. Eine etwaige Äußerung, die einen positiven Sinn im Impfen anzuerkennen bereit ist, sucht man darin vergebens. Dafür gibt es abwertende Urteile in Fülle. Zum Beispiel Aussagen wie die:

„Das Impfwesen ist das brennendste Unrecht, die tiefste Schmach, das furchtbarste Unheil, das dem Menschengeschlecht jemals angetan wurde ...
Die Zwangsimpfung macht den Mord gesetzmäßig ...
Nicht Pulver noch Blei, nicht Schwert noch Lanze haben soviel Leben akut und chronisch vernichtet, wie die Lanzette des Impfarztes. ...
Der Impfzwang ist beinahe ebenso scheußlich wie der im Mittelalter durch die Inquisition ausgeübte Glaubenszwang. ..."


Ein äußerst knappes redaktionelles Nachwort seitens der GZ-Redaktion gibt es zwar. Das aber erschöpft sich in der Kernaussage:
"Wir notwendig ist doch das Königreich Gottes, wo nicht mehr solche Ungerechtigkeiten geschehen können."

Fazit: Der zeitgenössische Leser des „Goldenen Zeitalters" bekam in umfänglicher wörtlicher Zitierung die Argumentation dieses Impfgegnerverbandes vorgestellt. Etwaige Gegenargumente dazu blieben außen vor. An tendenzieller Schwarzmalerei mangelt es in der Argumentation des Impfgegnerverbandes mit Sicherheit nicht.
Seitens des GZ wurde zudem noch die volle Anschrift des Verbandes genannt, was auch mit einer Werbemassnahme gleichzusetzen ist. Dessen Argumentation wurde im GZ, unwidersprochen als „Non plus ultra" vorgestellt. Man kommt also nicht umhin, dies als weitgehende Übereinstimmung des GZ damit, zu interpretieren.

Letztendlich muss der Rubrik „Schleichwerbung" auch jene „Fragenbeantwortung" in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 10. 1924 zugeordnet werden.
Dort wird angefragt:
„Ist es möglich, ohne mit den Behörden in Konflikt zu kommen, unsere Kinder nicht impfen zu lassen und sie vor diesem Unfug zu schützen?"

In der Antwort darauf widerspricht das GZ der Einschätzung „Impfen sei Unfug" erst einmal prinzipiell nicht. Es führt lediglich aus:
„Soviel uns bekannt ist, erlassen in der Tat einzelne Behörden Strafbefehle gegen irgendwelche Leute, die sich weigern, ihre Kinder impfen zu lassen. Wieweit dieselben berechtigt sind oder nicht entzieht sich unserer Kenntnis. Wir sind auch nicht in der Lage, darüber ausführlich Auskunft zu erteilen, sondern bitten unsere Leser, sich mit ihren Anfragen an besser orientierte Stellen zu wenden. Fragen, irgendwelche Schritte betreffend, von der Impfung frei zu werden, sind zu richten an den Allgemeinen deutschen Impfgegner-Verband, Leipzig, Südstraße 68."

Auch zu späteren Zeiten lässt sich die Sympathie des "Goldenen Zeitalters" ("Trost") für die Impfgegner verschiedentlich nachweisen.

Zu nennen ist das beispielsweise der „Tatsachen und Zahlen als Beweise medizinischer Unwissenheit" überschriebene Artikel in der Schweizer Ausgabe vom 15. 2. 1925, der laut Untertitel „Von einem Arzt" verfasst sei. Was dieser gewundene Titel auf den ersten Blick nicht erkennen lässt, wird deutlich, sieht man sich ihn im Detail an. Auch er erweist sich in seiner Hauptaussage, als massive Attacke gegen das Impfen und das generell.

Schon einleitend lässt dieser Arzt wissen:
„Meine reichen praktischen Erfahrungen liessen mich ein ausgesprochener Gegner der Schulmedizin werden."
GEGNER DER SCHULMEDIZIN; nochmals redaktionell wiederholt

Nun verwundert eine solche Aussage bei Gesamtkenntnis des „Goldenen Zeitalters" („Trost") nicht im geringsten. Dieser Gegnerschaft gegen die Schulmedizin begegnet man dort allerorts. Nicht immer wird dann dabei aber auch plakativ mit ausgesprochen. Man sei grundsätzlicher Gegner der Schulmedizin. Hier jedoch sprach es ein „Arzt" selber aus, und seine willfährige Tribüne dafür ist das „Goldene Zeitalter".

Mehr im Detail seiner Ausführungen findet man dann Horrormeldungen wie die:

„Niemand kann darum wissen, was ein Medikament, eine Impfung oder ein Serum an außer Gleichgewicht gebrachten, in Unordnung geratenen und zerstörten Zellen ausrichten wird ...

Medikamente, Impfungen, Serums etc. die Leute krank machen, und häufig töten. Das ist auch der Grund, daß die Menschen so plötzlich an Bräune, Diphterie, Herzschlag, Lungenentzündung, Grippe etc. sterben, wenn Medikamente, Impfungen, Serums etc. bei ihnen angewendet wurden. Als ich das erste Mal Zeuge einer Serumanwendung bei Bräune war, starb das Kind innerhalb einer Viertelstunde, nachdem ihm das Serum verabreicht worden war. Das Kind starb nicht an Erstickung. ...

Von 169 Personen, die von tollwütigen Tieren gebissen waren, 7 mit Serum behandelt; von diesen starben 3, während von den nicht behandelten 162 kein einziger starb. ...

Trotzdem man sich rühmt, das gelbe Fieber unterdrücken zu wollen, kennt niemand seine Ursache. Alles, was man über sein Entstehen weiß, ist, daß es von der Mosquitofliege, der sogenannten Stegomyia, übertragen wird, die jemanden gestochen haben muß, der das gelbe Fieber hat, ehe sie das gelbe Fieber auf andere übertragen kann.

Die medizinische Welt weiß noch nicht, wie der erste Patient das gelbe Fieber bekommen hat, ehe es durch die Mosquitofliege von ihm auf andere übertragen werden konnte. Über seine Entstehung herrscht große Unwissenheit, und bedarf keineswegs der Entfaltung besonderer Gelehrsamkeit, die an gelbem Fieber Erkrankten zu isolieren und die Mosquitos zu töten. Es bedarf keines gewaltsamen Krankmachens und Mordens der Menschen, um das gelbe Fieber zu unterdrücken.

Jetzt wird mit Kuhblattern- und Blatterngift und außerdem noch mit vierzehn anderen Giften geimpft. Wo das Impfen Zwang ist, ist die Zahl der an Blattern Gestorbenen von 10,14 und 18 % auf 65 und 85 % gestiegen.

Die Länder, in denen der strengste Impfzwang ohne Rücksicht auf Hygiene herrscht, haben die meisten Todesfälle an Blättern zu verzeichnen, während in den Ländern, die der Hygiene mehr Beachtung schenken und weniger impfen, weniger Menschen an Blattern sterben. ...

Weiter schreibt Dr. Sallmann von der Universität Cleveland in seinem Buche "Die Wirkung der Medikamente", daß die Impfgifte die Zellen zerstören, und Dr. Millard berichtet von Japan in seinem Buche "Die Impffrage", das im Jahre 1914 veröffentlicht wurde:

"Trotz Impfens, Wiederimpfens und außerordentlichen Impfens wurden von 1890 bis 1910 80.000 Personen von den Blattern befallen und starben 23.000.
Auf den Phillippinen starben trotz des Impfens und Wiederimpfens in den Jahren 1918-1919 59.741 Personen an den Blattern."

"The Hygeia", eine medizinische Zeitschrift in Amerika, schreibt in der Novemberausgabe von 1923 von Japan, einem Lande mit strengem Impfzwang:
"Japan hat, seit Einführung des Impfzwanges, andauernd Blattemepidemien gehabt."

Aber sie unterläßt, hinzuzufügen, daß in Japan von 1889 bis 1908 28.280 Todesfälle und von 1917 bis 1920 3.397 Todesfälle infolge von Blattern trotz strengen Impfzwanges und hygienischer Maßnahmen gezählt wurden. Wenn strenge Isolierung und Hygiene angewendet und das Impfen unterlassen worden wäre, könnte sicher von Japan dasselbe berichtet werden, wie von Meridiam, Miss,, wo seit mehr als siebzehn Jahren, seit man den Impfzwang aufhob und mehr Wert auf Hygiene legte, keine Blatternepidemie mehr geherrscht hat. Ebenso ist in Leicester mit 250.000 Einwohnern seit 30 Jahren keine Blatternepidemie mehr aufgetreten.
Auch dort gibt es keinen Impfzwang mehr, sondern gute sanitäre Maßnahmen."


Und seine tendenziösen Ausführungen lässt er dann mit der Aussage ausklingen:
„Möge man doch endlich diesem gesundheitsschädlichen, mörderischen Impfen für immer ein Ende machen, und vor allen Dingen dem Impfzwang!"

Sicherlich wird man diesem Arzt dahingehend beipflichten können, dass Hygiene wichtig und notwendig ist. Nur ist es Brunnenvergifterei es so darzustellen, als wären nur die Gegner der Schulmedizin zu solch einer Einsicht gelangt.

Die subjektiven Meinungen dieses Arztes mag er meinetwegen unter Fachkollegen austragen. Jedenfalls ist eine Zeitschrift vom Stile des „Goldenen Zeitalters" dafür als die verkehrte Tribüne bezeichenbar.

Das selbige solche Thesen begierig wie ein Schwamm aufsaugte, wurzelt nicht zuletzt in der Grundsatz-Prämisse, man dürfe ja Gott „nicht ins Handwerk pfuschen". Die Details sind dem GZ eigentlich völlig bedeutungslos. Hauptsache, es kann vorgenannte These, gleich einer alten Fidel, immer wieder bis zum erbrechen abspielen.

Aufmerksam werden auch etwaige Pressemeldungen zum Thema verfolgt. So notiert etwa die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" in der Ausgabe vom 15. 6. 1925:

„Impfgegner werden sich freuen zu hören, daß der hessische Landtag gegen eine kleine Minderheit einen Antrag angenommen hat, der den Gewissenszwang in der Impffrage beseitigt. Er ersucht die Regierung die Kreisgesundheitsämter anzuweisen, daß sie die wiederholte Aufforderung zur Impfung unterlassen, falls der Erziehiehungsberevhtigte, nachdem er einmal wegen Unterlassung der Impfung seiner Pflegebefohlenen gerichtlich rechtskräftig bestraft worden ist die eidesstaatliche Versicherung abgibt, daß er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, seinen Pflegebefohlenen impfen zu lassen."

Aber fragt das GZ im Anschluß an diese Meldung weiter:
„Warum, so fragen wir, macht denn der hessische Landtag nicht gleich ganze Arbeit? Könnte er denn mit der Beseitigung des Gewissenszwanges zur Impfung nicht auch den Strafzwang gleich mit über Bord werfen?"

Erneut meint das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 1. 12. 1927, bezüglich der Impfgegnerschaft fündig geworden zu sein. Diesmal schrieb man:

„Dr. J. G. Wilkinson, der einst für die Impfung entrat, sagte, nachdem er einmal genötigt war, den Gegenstand sorgfältig zu untersuchen, voller Abscheu:
„Obwohl ich nicht leugnen kann, daß es noch andere Arten sozialer Schlechtigkeit gibt, betrachte ich doch jetzt nach sorgsamen Studium die Impfung als eines der größten und tiefsten Übel. Sie nimmt dem Menschengeschlecht die letzte Hoffnung, die neugeborene Gesundheit.

Dr. Milton Roß, ein berühmter Arzt und Professor, gibt die überraschende Erklärung ab:
„Ich müßte den größten Interessen der Menschheit gegenüber unehrlich sein, wenn ich nicht meine Überzeugung, die auf unbestreitbaren Tatsachen beruht, aussprechen wollte, daß die Impfung ein ungemildeter Fluch und der schwerste medizinische Betrug ist, der je dem Menschengeschlecht zugefügt werden konnte."

Dr. med. John Henry Clrke, ein berühmter Arzt in Boltom St. London, England sagt:
„Eine Impfepidemie (oder mit anderen Worten eine Schutzimpfung gegen Blattern) ist ein sicherer Vorläufer zu einem Ausbruch von Krankheiten. Ich habe eine Anzahl von Fällen angetroffen, wo Abschwellungen der Milz und Schmerzen in der Gegend des Krummdarms unmittelbare Folgen der Impfung waren. In solchen Fällen sind Heilmittel, die die Wirkung der Lymphe aufheben, absolut unerläßlich, um dem Patienten Erleichterung und Heilung zu verschaffen."

Dr. Adolph, Professor der sanitären Statistiken und der Hygiene in Bern, gab vor der kaiserlich britischen Kommission folgendes Zeugnis:
Nachdem ich die genauen Einzelheiten von 400.000 Blatternfällen gesammelt habe, sehe ich mich gezwungen zu bekennen, daß mein Glaube an die Schutzimpfung vollständig zunichte geworden ist."

Dr. Charles Creighton, eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Epidemien, erbringt unwiderlegbare Beweise von der Verkehrtheit des Impfens.
Prof. Edgar M. Crooksband, Bakteriologe am Königskollegium erklärt in seinem Werke „Geschichte und Pathologie des Impfens", diesen Brauch für „unsicher, unwissenschaftlich und gefährlich."

Professor Russell Walace sagt:
„Der ganze Brauch des Impfens widerspricht aller sanitären Wissenschaft."
Der berühmte Dr. S. Monckton Copeman sagt:
„Als das geeignetste Material (zum Impfen) erwies sich die eitrige Masse, die man den Blattern von Leichen entnahm, die in einem zeitigen Stadium der Kranheit gestorben waren."

Dr. Carlo Ruaia, Professor der Medizin an der Universität zu Perugia, sagt:
„Ich glaube nicht an den Nutzen des Impfens. Es ist eine weltweite Täuschung, ein unwissenschaftlicher Brauch, ein schrecklicher Aberglaube, dessen Folgen Tausende von Toten und Verwundeten, Tränen und Schmerzen ohne Ende sind."

Dr. Walter H. Hadwen, der unermüdliche und erfolgreiche Impfgegner sagt:
„England hat 400.000 Pfund Sterling zur Heilung von Solaten, die als Invaliden aus dem Kriege heimkehrten, ausgegeben. Ich habe selbst viele Fälle behandelt, deren Krankheit nur die Folge des Impfens gegen Typhus war."

Dr. Zachery T. Miller sagt:
„Wir müssen diese Bemühung des Menschen, aus Furcht, daß einige wenige an Blattern erkranken könnten, ein ganzes gesundes Volk krank zu machen, ein Ende bereiten. Wir müssen gegen die Idee ankämpfen, daß ein gesunder Mensch eine Bedrohung anderer ist. Wir müssen darauf sehen, daß die Erziehung unserer Kinder nicht von der vergifteten Lanzette bedroht wird. Wir müssen gegen diesen Aberglauben, der durch den Staat verübt wird, Front machen. Wir müssen unser persönliches Recht wahren, uns unsere Nahrung, unsere Religion, unsere Politik und unsere Medizin selbst wählen zu können."


Und dem fügt das „Goldene Zeitalter" dann noch ein eigenes redaktionelles Nachwort an. Grundsätzlich wird man wohl sagen können. Hier wird ein Medizinerstreit auf die Laienebene verpflanzt. Es werden zwar diverse Anti-Impfen-Voten bemüht. Jedoch kein einziges für die gegenteilige Ansicht. Dennoch wird quasi der Laienleser des GZ, in diesem Streit zum „Richter" bestellt. Wobei das Urteil allerdings schon vorgegeben ist.

Das GZ fühlt sich also bemüßigt, als eigenes Resümee den Ausruf zu tätigen:
„Möchten doch auch bei uns in Deutschland die Ärzte, die dieses Übel erkennen, mit noch größerem Freimut dieses scheußliche Verbrechen, das unsere Jugend vergiftet, bekämpfen helfen!"

Eine weitere Meldung im Stile der Impfgegner findet man auch in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 9. 1928. Dort wird unter der Überschrift „Opfer der 'Schutzimpfung'" in der Wortwahl betont parteiisch berichtet:

„Aus Bundaberg in Australien wird wieder von zwölf blühenden Kindern berichtet, die als Opfer des schrecklichen Aberglaubens der Impfung mit Eiter von kranken Kühen den Tod fanden. Mit dieser Schmutzerei sollte Diphterie verhindert werden. In Dallas (Texas, Verein Staaten) wurden im Jahre 1919 auf diese Weise zehn Kinder getötet, und in der Nähe Wiens im Jahre 1924 sechs. In Amerika haben schon mehrere Eltern auf Schadenersatz für das furchtbare Unheil, das ihren Kindern zugefügt wurde, geklagt. In vielen Fällen wo die Kinder nicht starben, sind sie doch siech und von Krämpfen befallen geblieben."

Einen dokumentierten Nachweis für die getätigten Anschuldigungen indes gibt es nicht. Es „ist" halt so, weil das GZ „mit direktem Draht zu Jehova", es so für Recht befindet.

Auf ähnlicher „Wellenlänge" liegt beispielsweise auch jene Kurzmeldung im "Trost" vom 15. 3. 1938, welche da unter der Überschrift "Weniger Impfungen - bessere Gesundheit" wissen wollte:

"In Australien werden jetzt weniger als ein Prozent der Kinder geimpft. Die Blattern sind durch Verbesserung der sanitären Verhältnisse verschwunden. Es sind in Australien, während der letzten zehn Jahre nur 5 Kinder an Blattern gestorben."

Auch die „Trost"-Ausgabe vom 15. 7. 1938 präsentiert solch eine tendenziöse Meldung.
Ihr zufolge habe „der Bergbewohner John Marsh von Carlisle in Pennsylvanien erklärt, lieber im Gefängnis verfaulen zu wollen, als zuzugeben, daß sein siebenjähriger Sohn geimpft wird; denn seine Nichte sei durch Impfung erblindet. Wahrscheinlich hat er auch davon gehört, wie unwirksam sich das Impfen in Japan und auf den Philippinen, wo es eifrig betrieben wird, erwiesen hat. Er will vor allem seinen kerngesunden Jungen nicht durch Gifteinspritzungen krank machen lassen.
Schon mehrmals hat er wegen seiner Weigerung im Gefängnis gesessen, einmal acht Monate hintereinander."


Und da kann es sich das „Trost" nicht versagen, als eigene redaktionelle Meinung noch hinzuzufügen:
„Derartige Verfolgungen sind äußerst ungerecht."

Wer indes erwarten sollte, ein wissenschaftlichen Kriterien entsprechender Beweis (oder zumindest der Quellennachweis, wer denn diese Meldung zuerst verbreitet hat), für die Behauptung „seine Nichte sei durch Impfung erblindet." zu bekommen..

Wer nun erwartet, der Beweis für diese Behauptung wird mit geliefert, wird allerdings wieder einmal enttäuscht. Es wird einfach behauptet, und der reguläre „Trost"-Leser, hat auch das im Glaubensstil einfach herunterzuschlucken.

Dem Bereich Impfgegnerschaft ist auch das Votum eines Dr. John Harvey Kellogg zuzuordnen, der sich gemäß den im „Trost" vom 1. 3. 1939 von ihm wiedergegebenen Statement unter anderem wie folgt verbreitete :

„Zu den unverständigsten Dingen, die von der Ärzteschaft befürwortet werden, gehört die Impfung von Kindern und Erwachsenen gegen Blattern; denn man kann tatsächlich nicht beweisen, ob schon ein einziger Mensch durch die Impfung von Blattern verschont blieb. Dieser sogenannte Schutz vernichtet alle Beweismittel; denn wie können wir wissen, ob ein Geimpfter, der diese Krankheit nicht bekommt, sie ohne Impfung je bekommen hätte.

Man kann wohl mit Bestimmtheit sagen, daß nicht mehr als zehn Prozent der Menschen für diese Krankheit empfänglich sind, selbst wenn sie mit einem Blatternkranken im selben Bett schlafen würden. Am ehesten kommt Ansteckung vor bei solchen, die in sehr schmutziger Umgebung leben. Doch kann niemand sagen, ob er von Natur aus immun ist, oder ob er seine Immunität dem Impfschutz verdankt.

Ich kann von einer Blatternepidemie berichten, bei der von den mehr als 900 Erkrankten 95 Prozent geimpft waren. Aus meiner eigenen Praxis weiß ich von einer kleineren Epidemie, bei der unter 33 Patienten 29 geimpft waren, etliche davon erst letztes Jahr. Es hatte ihnen also nichts genützt!
Dagegen war in einer Familie, in der fünf Personen von der Krankheit befallen waren, ein ungeimpftes Mädchen, das gesund blieb, obwohl es alle fünf Patienten pflegte.
Also: immun von Natur!

Dasselbe trifft auch auf andere Krankheiten zu. Warum erkranken zum Beispiel bei Ausbruch einer Grippeepidemie nicht alle Menschen? Die Keime (wenn es sich hier um Keime handelt, was wir nicht wissen) sind überall. Man kann ihnen nicht entfliehen; und doch werden nur vielleicht 10 Prozent der Bevölkerung von der Krankheit betroffen. Was schützt die anderen 90 Prozent? Natürliche Immunität.

Doch, wenn wir in diesem Jahre immun sind, sind wir es vielleicht im nächsten Jahre nicht, und dann kann uns kein sogenannter Impfschutz immun machen.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß bei einer Diphtherie-Epidemie höchstens 15 Prozent der Kinder in dem betroffenen Gebiet erkranken. Die anderen 85 Prozent bleiben verschont, wie sehr sie auch der Ansteckungsgefahr ausgesetzt sein mögen. Wir haben verschiedene Schutzmittel angewendet, um die Kinder immun zu machen, und müssen doch zugeben, daß 15 Prozent erkranken, also nicht immun sind.

Vor einigen Jahren impfte man im Krankenhaus der Cook County in Illinois die Hälfte des Personals mit Diphtherie-Serum, und später brach unter diesen Geimpften Diphtherie aus. Es wurden dann auch Ungeimpfte von der Krankheit befallen, aber die größere Anzahl der Patienten befand sich unter den Geimpften.

Ich habe mich seit nunmehr dreißig Jahren auf die Behandlung chronischer Krankheiten spezialisiert; und während dieser dreißig Jahre sind mir viele Fälle vorgekommen, wo kleine Kinder, die bis zu ihrer Impfung keinen einzigen Tag lang krank gewesen waren, in den darauffolgenden Jahren keinen Tag mehr gesund waren. Ich konnte nicht feststellen, welche Krankheit sie hatten; sie waren einfach nicht gesund; ihre Widerstandskraft war dahin.

In England, wo die Statistiken etwas zugänglicher sind als z. B. in Amerika, zeigen die offiziellen Berichte, daß in den letzten 21 Jahren dreimal soviel Todesfälle durch Impfung als durch Blattern zu verzeichnen waren. Und ich möchte wetten, daß, wenn man in den Berichten selbst dreimal soviel Todesfälle der Impfung zuschreibt, in Wirklichkeit noch dreimal mehr Fälle auf diese zurückzuführen sind.

Ein Unempfänglichmachen gibt es nicht
Es gibt in Wahrheit kein Unempfänglichmachen gegen irgendeine Krankheit. Wenn es möglich wäre, durch künstliche Mittel dem menschlichen Körper die natürliche Widerstandskraft gegen Krankheiten zu verleihen, so würde ich mich darüber sehr freuen. Aber dies gibt es eben nicht. Der Körper hat seine eigene Abwehrmethode. Sie ist abhängig von der jeweiligen Lebenskraft des Körpers. Ist diese stark genug, dann widersteht der Körper jeder Ansteckungsgefahr; aber man kann die Lebenskraft nicht durch Gifteinspritzen bezw. Impfen steigern. ....

Da ist zum Beispiel das Insulin gegen Zuckerkrankheit. Hat es nicht vielen Kranken gut getan? Gewiß; hat es aber ihr Leben verlängert? Die Zahl der Zuckerkranken hat prozentual zugenommen, seitdem wir wissen, was diese Krankheit ist. Das Insulin hat diese Zunahme nicht verhindert. Wir haben das Leben der Diabetiker nicht verlängern können.
Es gibt auch Fälle, wo der Patient zuviel Insulin genommen hat und darauf schneller verfallen ist. Das hat natürlich die Sterblichkeitsziffer noch erhöht."


Unter Berufung auf den "Kalifornischen Vivisektionsgegner- u. Tierschutzverband", Los Angeles, macht sich „Trost" vom 15. 9. 1939 erneut zum Sprachrohr entsprechender Ressentiments. Um denn den Abscheu gegen das Impfen generell anzuheizen, weis besagter Verband via des Sprachrohres „Trost", das nachfolgende zu berichten:

„Wie das Blattern-Impfgift hergestellt wird
Man schnallt ein Kalb auf den Operationstisch, rasiert in der Magengegend etwa 30 qcm glatt ab und macht ungefähr hundert Einschnitte. In einen solchen Einschnitt läßt man einen Tropfen glyzerinisierter Lymphe (eine Blatternkultur, die durch eine Glyzerinlösung gegangen ist) fallen und reibt sie gründlich hinein. Dann tritt Fieber auf und das Tier wird schwerkrank.

In ein paar Tagen kommen Bläschen zum Vorschein, Schorf bildet sich und das Kalb beginnt Blut und Unreinigkeiten verschiedener Art in Form von Eiter auszuscheiden. Nach Ablauf von sechs Tagen ist der Ausscheidungsprozeß so weit gediehen, daß die Bläschen voll sind von Eiter, verfaulten Zellen usw. Diese Ablagerungsstellen der Krankheit sind mit Schorf bedeckt. Dann wird das Kalb nochmals auf den Operationstisch geschnallt. Der geimpfte Körperteil wird mit warmem Wasser abgewaschen und jedes Bläschen
einzeln mit Klammern eingefaßt. Die Kruste wird sorgfältig mit der Schneide eines Stahlwerkzeuges abgekratzt, und die tote Haut, die Lymphe, der giftige Eiter und das ausgestoßene Blut kommen in einen kleinen Tiegel. Diesem schrecklichen verfaulten Zeug wird eine gleiche Menge Glyzerin zugesetzt und das Ganze dann gründlich durcheinandergerührt und mit Hilfe eines kleinen Elektromotors gemischt. Wenn das geschehen ist, kommt die Masse in einen anderen Tiegel und wird durch ein sehr feines Sieb abgegossen, um die gröberen Stücke verfaulten Fleisches, die Haare usw. zu entfernen.
Dann wird die Mischung nochmals geschlagen, gründlich durcheinandergerührt, in Röhren abgefüllt und als reine Kalbslymphe über das ganze Land verteilt, obwohl es so etwas wie reine Lymphe überhaupt nicht gibt. Trotzdem sind die Gesundheitsämter, Schulbehörden und Ärzte darauf versessen, jährlich das Blut von Millionen von Schulkindern mit diesem verfaulten Zeug zu verunreinigen!


In der gleichen „Trost-Ausgabe, wird dann noch unter Berufung auf die gleiche tendenziöse Quelle, die nachfolgende Behauptung weiter gegeben:

„Wie Statistiken zugunsten der Impfung gefälscht werden
Dr. Carr, der frühere Redakteur des "Medical Journal" von Columbus (Vereinigte Staaten) sagte:
,,In unserer Stadt (Columbus, Ohio) war angeblich eine Blatternepidemie. Viele wurden unter Quarantäne gestellt, und sehr viele wurden geimpft. Ich machte mir die Mühe, mir die Liste dieser Erkrankten zu verschaffen. Sie wurden alle als niemals geimpft bezeichnet. Die Liste verschaffte ich mir aus den Büchern des Gesundheitsamtes und begann, die darauf angeführten Personen zu besuchen, und zwar besuchte ich die ersten dreißig.

Diese waren alle, ohne Ausnahme, geimpft worden, manche davon drei- bis viermal. Ich ging ins Amt zurück und verlangte eine Erklärung über diese falsche Statistik, worauf man mir erwiderte:
,Es hat nichts zu sagen, wie viele Impfnarben jemand hat. Wenn er die Blattern bekommt, ist er nicht richtig geimpft worden. Der einzige Beweis, den wir dafür brauchen, daß er nicht richtig geimpft wurde, ist die Tatsache, daß er an Blattern erkrankt ist. Und wenn er nicht richtig geimpft wurde, ist das ebensogut, als wenn er überhaupt nie geimpft worden wäre.' -

Man stellt also einfach fest, wer die Blattern hat, und notiert sie dann als niemals geimpft."
Eine andere Methode, Blattern-Statistiken niedriger zu halten, ist, solche Fälle, wo bereits geimpfte Kinder an Blättern erkranken, als Windpocken zu bezeichnen."


Es war für das „Goldene Zeitalter" („Trost") offenbar eine Art „Ehren"pflicht, alle relevanten Impfgegnerischen Artikel, die es andernorts entdeckte, prompt auch an die eigene Leserschaft weiter zureichen. So geschehen auch im „Trost" vom 15. 3. 1940. Dort konnte man beispielsweise lesen:

„Die Impffreunde betrachten es als selbstverständlich, daß bei Kriegszeiten das ganze Volk durchgeimpft werden sollte. Bekanntlich ist der Impfzwang beim Militär eingeführt, und zwar aus dem Grunde, weil die Schulmedizin heute auf dem Standpunkte steht, daß das Impfen einen Schutz gegen Ansteckung von Pocken sei. Es ist dies eine Behauptung, über die bis heute noch die entsprechenden Beweise fehlen. Im Gegenteil, es ist bei der letzten Pockenepidemie, welche zwar in der Schweiz ganz leicht aufgetreten ist, vorgekommen, daß auch viele Geimpfte erkrankten.

Im ganzen sind in den vier Jahren 1921 bis 1924 in der Schweiz ca. 1700 Personen an Pocken erkrankt, davon sind nicht mehr als 10 Todesfälle vorgekommen. Es zeigte diese geringe Mortalität schon, daß diese Epidemie, die ungeheuer viel Aufsehen und bewußte Verängstigung des Volkes gebracht hatte, doch nicht so schlimm war. Man behauptet, wer geimpft ist, sei vor Pocken gefeit, aber eine große Anzahl von Geimpften bekommen die Pocken trotzdem.

Herr Dr. Campell behauptete damals, es seien nur Ungeimpfte erkrankt, während dies den Tatsachen nicht entsprach. In der Schweiz haben wir mit Ausnahme der welschen Kantone und Graubünden keinen Impfzwang. Es ist auch ganz richtig so, und wir sind damit sehr gut gefahren und hoffen, daß die Impffreiheit weiter bestehen bleibt, auch in diesen Kriegszeiten.

In der Statistik wird vielfach das Material etwas merkwürdig verarbeitet. Wer geimpft ist, bekommt keine Pocken, und wenn er sie trotzdem bekommt, so sind es die "wilden Pocken" und diese werden in der Pockenstatistik nicht angeführt. Bei einem, der nicht geimpft ist, zählen die Windpocken oder wilde Pocken auch als Pockenfall. Auf diese Weise wird die Statistik nicht ganz ehrlich. Windpocken und echte Pocken müßten streng voneinander geschieden werden. Da dies in vielen Fällen nicht möglich ist, besteht eine gewisse Willkür in der Taxierung der Pockenart.

Bei den Kindern kommen sehr häufig die Windpocken vor, welche zu Hause behandelt werden können. - Was aber sehr verbesserungsfähig wäre, das ist die Methode der Pockenbehandlung. Im Pockenspital wird eigentlich so gut wie nichts gemacht, "abwartend" ...
Die Pockenlymphe, welche zum Impfen verwendet wird, ist bekanntlich tierischen Ursprungs. Die Kuhpocken werden beim Rinde erzeugt, die reifen Blasen abgekratzt, in dem Inhalt der Blasen sind viele Eiterbazillen und etwas Serum. Nun wird das Ganze mit Glyzerin vermischt und durch einen Bakterienfilter durchgetrieben. Dabei kann es leicht vorkommen, daß nicht nur Serum, sondern auch Strepto- oder Staphylo-Kokken durch den Filter gehen. Bei der Kontrolle der Lymphe ist es nicht leicht, festzustellen, welche Zusammensetzung diese hat, sie ist auch ganz verschieden, manchmal wirkt sie leicht, manchmal sehr schwer. Und wer ist das Opfer des Zufalls?
Wenn man eine Verletzung der Haut macht und den Impfstoff einreibt, ist die Folge, daß die nächsten Lymphdrüsen, die Achseldrüsen, in wenigen Tagen aufschwellen. Diese Schwellung der Lymphdrüse geht öfters auch auf die Halsdrüse über und somit ins ganze Blut- Diese Schwellungen bleiben öfters mehrere Monate, sie können sogar bösartig werden, man spricht von Skrofulöse, manchmal wird der ganze Körper durch diese Impfung stark hergenommen.
Es gibt aufgeschwollene, entzündete Bronchialdrüsen, Augen- und Ohrenkrankheiten, Nierenleiden, Hautausschläge und andere Krankheiten. Daß die Reaktion oft erst ein halbes oder ganzes Jahr nach der Impfung erfolgt, ist gar nicht verwunderlich.

Nun ist das Schwierige und Problematische bei der Pockenimpfung, man kennt den Bazillus der Pocken nicht und doch wird geimpft. Ist das nicht etwas Unwissenschaftliches? Auch die Grippe, die Kinderlähmung, Scharlach und Masern sind Krankheiten, bei denen der Bazillus bis heute nicht entdeckt wurde. Es ist bekannt, daß alle Serums, die bei diesen Krankheiten angewandt werden, keinen überzeugenden Erfolg haben. Warum, soll man bei den Pocken den Menschen eine Tierlymphe einimpfen, welche nachgewiesenermaßen öfters zu leichteren oder schwereren Krankheiten Anlaß gibt?, welche den Menschen oft Jahre oder Jahrzehnte in der Gesundheit schwer schädigen? Außerdem wird von Impfärzten zugestanden, daß der supponierte Impfschutz nur l-6 Monate bis höchstens ein Jahr daure. Somit müßte man sich alle Jahre wieder impfen lassen. - Es ist auch höchst unlogisch und unwissenschaftlich, ein Serum gegen eine Krankheit herzustellen, deren Erreger wir noch gar nicht kennen.

1. Der körperlichen Gesundheitspflege soll gerade in den seuchengefährlichen Zeiten besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Vor allem gehört dazu viel Genuß von frischer Luft! Unsere Gesundheit hängt ab vom richtigen Genuß freier Luft, vom tüchtigen Atmen, Bergsteigen und Sport! Der Stubenhocker ist empfindlicher als der Freiluft- und Bewegungsmensch!
2. soll man möglichst reizloses Essen zu sich nehmen.
Stark gesalzene Speisen sind sehr ungesund und vermindern die Widerstandsfähigkeit des Körpers, wie auch der Alkohol.
Man meide stark gesalzene Speisen, wie Würste, Rauchfleisch,Käse, gesalzene Fische und Konserven. Vegetarische Diät vorziehen! Viel rohes Obst und Rohgemüse essen! Verstopfung bekämpfen!
3. Die persönliche Hautpflege und Reinlichkeit ist die beste Verteidigung des Körpers gegen Infektionen. Man sollte mindestens jede Woche ein heißes Reinigungsbad nehmen, sich abseifen und bürsten. Jeden Morgen soll man den Körper abbürsten mit einer Badebürste, nachher kurz eine Ganzabwaschung mit kaltem Wasser machen. Diese Ganzabwaschung dient im Winter dazu, die Widerstandsfähigkeit gegen Erkältungen zu heben.
Dr. med. A. K.
(Mit freundl. Genehmigung der Schriftlg. dem Heft 1/1940 der "Volksgesundheit", Zürich, entnommen.)


Solcherart Meldungen sind dann „Wasser auf die Mühlen" der Heilpraktikerszene, welche bei den Bibelforschern ein besonders gläubiges Potential vorfand (und nicht selten heute noch: vorfindet). Wehe dem, wer den auf diesem Humus blühenden Geschäftemachern, die es sehr wohl gibt, in die Quere kommt. Das mussten schon selbst solche Institutionen, wie der Fernsehsender ZDF, in der Gegenwart erfahren, wovon denn auch eine Notiz in der Zeitschrift „Focus" Nr. 42/2007 kündet.



Antworten:

Von der vermeintlich Schulreformerischen Einrichtung der „Waldorf-Schulen", werden etliche sicherlich schon etwas gehört haben. Ihr Spiritus rector ein gewisser Rudolf Steiner, 1925 verstorben. Mit seinem Namen wird insbesondere eine „Strömung" namens „Anthroposophie" verbunden. Die wiederum wurzelt in der sogenannten „Theosophie", welcher Steiner auch mal angehörte, bevor er sich dann selbstständig machte.
Siehe auch:
Parsimony.16730
Parsimony.13334

Sicherlich ist die „Theosophie" hier kein reguläres Thema, und wird es auch nicht werden.
Lediglich der Umstand ist zu registrieren; dass „Goldene Zeitalter" (Ausgabe Magdeburg vom 15. 4. 1924; Ausgabe Bern vom 1. 8. 1924) kam in Rahmen einer Fragenbeantwortung mal auf sie zu sprechen. Ob denn überzeugend - oder nicht - geantwortet wurde, sei hier jetzt nicht weiter bewertet, da ihre Gedankengänge - darüber kann es keinen Zweifel geben - ohnehin den der Bibelforscher/Zeugen Jehovas, diametral gegenüberstehen.

Es sei also einfach bloß das kommentarlos zitiert, was die genannte GZ-Ausgabe da als Fragenbeantwortung schrieb.

„Die Theosophie ist eine der vielen Theorien, die der Widersacher benutzt, um die Menschheit von Gott und von Christo abzulenken. Der ausgesprochene Gedanke der Theosophie ist der der Selbsterlösung, indes die Schrift unbedingt den Standpunkt vertritt, daß keiner seinen Bruder erlösen kann, und nicht vermag irgend jemand für seinen Bruder ein Lösegeld zu geben. Wir sehen das ganze Menschengeschlecht in Sünde gesunken, und wir finden, daß alle Bemühungen der Menschen immer mehr und mehr dazu führen, daß sie tiefer und tiefer hineinsanken in Sünde und Selbstsucht. Keineswegs können wir auf die Geschichte und Dinge in der Welt und der Angelegenheiten der Völker und Menschen und Parteien blicken und sagen, daß irgendwelches menschliches Bemühen die Menschheit vorwärts oder höher gebracht hätte, wie es der ausgesprochene Gedanke der Theosophie ist, daß der Mensch sich fortentwickeln soll, selbst nach seinem Tode verschiedene Leiber durchwandeln soll, um endlich göttlich zu werden.

Alle diese Theorien der Theosophie stützen sich absolut auf Hypothesen. Wir verstehen, daß irgendein Christ keinerlei Dinge annehmen sollte, sie stützten sich denn auf Gottes Wort. Alles aber, was sich auf 'Menschenweisheit', 'Schlußfolgerung' und Hypothese und bloße Annahme stützt, sollte unbedingt abgelehnt werden. Wir beabsichtigen nicht auf die Einzelheiten theosophischer Lehrsätze einzugehen, denn wir glauben, daß die Untersuchung des Irrtums keineswegs zum Segen gereicht. Wir empfehlen vielmehr allen denjenigen, die von theosophischen Ansichten angekränkelt sind, daß sie das untrügliche Wort Gottes zur Hand nehmen möchten, um sich an Hand desselben davon zu überzeugen, daß das, was die Theosophie vertritt, für Menschen ganz unausführbar ist, denn unmöglich kann jemand der selbst im Schlamm und Selbstsucht der Sünde sitzt, sich selbst daraus hervorheben, und auch menschliche Unterweisungen irgendwelcher Art vermögen dies nicht zu tun.

Um herauszukommen aus Sünde und Selbstsucht vermag nur das Wort Gottes zu helfen und auch nur dann, wenn wir es so annehmen, wie es uns gebracht wird unter beständiger Bezugnahme auf den für uns dahingegebenen Sohn Jesus, der sein kostbares Leben zur Erlösung für uns auf Golgatha gelassen hat. Nur alle die in ihm zum himmlischen Vater kommen, können von Gott gesegnet werden und werden befähigt werden durch die Kraft des Wortes der Wahrheit und durch den Geist der Wahrheit frei zu werden von allem Menschlichen, von allem Irdischen, vom Staube der Selbstsucht und der Sünde. Wir empfehlen allen Lesern dieser Zeilen ein fortgesetztes Studium des Goldenen Zeitalters, sie werden durch die in dem Goldenen Zeitalter behandelten biblischen Gegenstände unter die Bibel bestätigenden Hinweise auf Gegenstände des allgemeinen Wissens vielmehr zu Gott gezogen werden und vielmehr geadelt werden als durch alles menschliche Denken und alle menschliche Weisheit ohne Gottes Wort."


Am Rande vermerkt.
Erneut in der Magdeburger Ausgabe vom 15. 10. 1924, wurde wortwörtlich wieder die Fragenbeantwortung in Sachen „Theosophie" abgedruckt. Offenbar hatte da die GZ-Redaktion wohl den Überblick verloren!

von Drahbeck - am 19.04.2009 03:54
Da reibt man sich verwundert die Augen. Da versucht das „Goldene Zeitalter" (Ausgabe Bern) vom 15. 4. 1924, sich doch tatsächlich in der Rolle eines Märchenerzählers. Nur eine Kleinigkeit fehlt wohl noch. Der betreffende Artikel leitet nicht, wie bei Märchen sonst üblich, mit: „Es war einmal ..." ein.

Statt dessen ist in der Überschrift von einem Traum die Rede. Nicht die Rede von einem Alptraum, diese Bezeichnung wäre doch wohl angemessener. Aber bilde sich jeder sein eigenes Urteil. Nachstehend mal einige der wesentlichen Aussagen, die da glaubte der GZ-Artikelschreiber zum „besten" geben zu sollen: [Redaktionelle Anmerkung. Das eingebettete Bildmaterial entstammt teilweise auch dem „Goldenen Zeitalter", jedoch nicht dieser konkreten Ausgabe]

„Ich träumte, und mir war, die ganze Welt befinde sich im grössten Elend und jede Nation liege im Todeskampfe, Der Geschäftsgang und Handelsverkehr stockten beinahe vollständig, und jedes Menschen Hand war wider seinen Nächsten gerichtet. Allerorten herrschte Anarchie und hielt unter allen Ständen und Klassen blutige, furchtbare Ernte. In hellem Zorn erhob das Volk seine Hand gegen die Tyrannei, Geistlichkeit und Grossindustrie und die übrigen Bedränger und verwüstete in seiner unvernünftigen Wut alles, bis auf den von ihm selber in Anspruch genommenen Eisenbahn-, Telegraphen, Telephon- und Ocean-Verkehr, den nach Möglichkeit zu schützen, in seinem eigenen Interesse und Willen lag. ...

Jerusalem, immer noch von den Völkern als heilige Stadt betrachtet, war der Zufluchtsort für viele Tausende geworden, nicht allein nur Juden, sondern aus allen Völkern flüchteten dorthin viele. Nach schweren Kämpfen mit zahlreichen Feinden, kehrte in ihr anscheinend langsam Friede, Wohlfahrt und Glück ein. Aber gerade in diesem Moment stand die Stadt neuerdings in höchster Gefahr vor mächtigen Feinden, die sie gänzlich zu verderben drohten. Die ganze Welt wandte nun begehrliche Blicke voller Hass und Neid nach dem neuaufblühenden Palästina, wo die Bewohner auch mit dem Wiederaufbau der heiligen Stadt und des Tempels begonnen hatten und daher weder Zeit noch Gedanken hatten, sich mit Kriegsrüstungen abzugeben. Mit eiligen Schritten näherte sich die Drangsal Jakobs - wie sollen sie sich nun verteidigen! - ...

Vor einigen wenigen Jahren hatte sich eine kleine Gesellschaft in Ran Allah, in der Nähe Jerusalems, niedergelassen, um von dort die Ereignisse dieser bedeutsamen Zeit mit grösster Aufmerksamkeit zu verfolgen. Nun sahen sie die Streitkräfte Gogs sich um Palästina zusammenziehen und die Heerscharen Dedans, Schebas und Tarsis sich den Eindringlingen entgegenwerfen; zwischen den feindlichen Heeren befand sich die geängstigte Stadt Jerusalem, eingeschlossen wie zwischen zwei Mühlsteinen ...

Am Morgen des ersten Neumondes nach der Frühlings Tag- und Nachtgleiche stieg die Sonne über den Bergen Judäas empor, diesen Bergen rings um Jerusalem; aber gar nichts Aussergewöhnliches kündete die Wunder an, die schon vor dem nächsten Sonnenaufgang die Welt in Staunen setzen würden. ...

Am Abend dieses Tages erstrahlte der Himmel in rosigem Glanz, der sich mit der untergehenden Sonne in Purpurherrlichkeit verwandelte. Die langgestreckten Schatten der westlichen Hügelketten lagen über dem Weg, auf dem ich und noch ein Freund der erwähnten Ram Allah-Gesellschaft Jerusalem zukamen. Wir hatten den Tag am südlichen Abhang des Oelberges inmitten der Gräber der Propheten zugebracht und befanden uns nun auf dem an den Grabmälern Absaloms und König Josaphats vorbeiführenden Weg.

"Mein Glaube", sagte mein Freund in hebräischer Sprache, die wir beide in der neugegründeten Universität in Palästina gelernt hatten, ,,steht auf harter Probe. Könnte es möglich sein, dass sich ein Fehler in der chronologischen Berechnung eingeschlichen hätte?"

Mein Freund war etwas jünger als ich, mit etwas vorgebeugtem Haupt einherschreitend, schlug er mit seinem Stock die Steine aus dem Wege, wahrend er fortfuhr: "Aber die Sache immer wieder überprüfend, entdeckte ich nicht den geringsten Fehler. Warum denn nun diese Verzögerung?
Was mag ihre Ursache sein?"

Ich stimme dir voll und ganz zu, erwiderte ich, vielleicht, ja sehr wahrscheinlich haben wir eben noch etwas Geduld zu lernen. Unser Glaube, unser Verständnis, sind richtig; eine Ahnung sagt mir auch, dass unsere Prüfung bald vorüber sein wird. Daher, lieber Freund, blicke getrost empor. Die Verheissung einer neuen Erde muss sich bald erfüllen. Siehe einmal diesen Purpurglanz, die Königsfarbe: es ist wie ein Vorzeichen des Herannahens eines grossen Königs! Dazu der wundervolle Hauch des verlöschenden Tages - ein treffliches Bild des vergangenen Zeitalters. Und diese milde, die Nähe des Frühlings verratende Luft! Wir wollen ferner im Glauben Abrahams ausharren, sehen wir doch den Feigenbaum - ein Sinnbild des Volkes Israel - knospen, ja sogar schon Blätter treiben. Wahrlich, nicht ein einziges Zeichen fehlt mehr, das von unserem Herrn und Meister als Beweis des Endes der Weltzeit aufgezählt wurde!

Eben bei einer scharfen Kurve des Weges angelangt, befanden wir uns unversehens in nächster Nähe eines Mannes. Sein Angesicht war von uns abgewandt, er ruhte auf einem Stein und schien ganz in Gedanken versunken zu sein. Wie wir aber an ihn herantraten, wandte er sich mit etwas erstauntem Gesichtsausdruck, doch sogleich freundlich lächelnd uns zu und fragte liebreich grüssend ebenfalls auf Hebräisch; ,,Sagten Sie nicht eben etwas von Abraham?"

"Ja", antwortete ich erstaunt, "wir sprachen soeben vom Abraham des Alten Testaments, auch über seinen wunderbaren Glauben und die an diesen Glaubenshelden geknüpften Verheissungen Gottes."

„0, dann sprechen Sie doch noch weiter über diese Dinge und gestatten Sie mir, mit Ihnen zu gehen."

"Mit Vergnügen laden wir Sie ein, mit uns zu gehen. Sind Sie in dieser Gegend fremd?"

Ja und nein, lautete die Antwort, „es ist dies eigentlich mein Heimatland. Gleichwohl komme ich mir sonderbarerweise fremd vor, ähnlich wie einem, der nach langem Schlafe aufgewacht, seinen Traum in Erfüllung gehen sieht. Aber ,Abraham'! - Dieser Name interessiert mich nicht wenig."

Uns beiden klopfte das Herz stärker bei diesen Worten des Fremdlings. Mit einem raschen, vielsagenden Blick auf meinen Ram Allah-Freund sagte ich dem Fremdling :
"Schon vor langer, langer Zeit wurde es in den Büchern Mose niedergeschrieben, dass Gott dieses Land dem Abraham verheissen hatte. Aber wiewohl er lange lebte, besass er doch keinen Fussbreit davon. Nun sehen wir aus den heiligen Schriften, dass die Zeit der Auferstehung für Abraham fällig ist; sein Volk wartet auf ihn, damit er das verheissene Land in Besitz nehme. Das war der Gegenstand unserer Unterhaltung, als wir uns Ihnen näherten."

"Ist es möglich", fiel hier der Fremdling ein, und während er sprach, leuchteten seine dunklen, schönen Augen in fast überirdischem Glanze. Wir erkannten in ihm einen grossen Denker, voll Weisheit und Erfahrung. Er mochte ungefähr ein Alter von 30-35 Jahren sein. Einen Moment stand er ganz in Gedanken versunken da; hierauf ging er einige Schritte vorwärts. Wir wagten nicht, das Stillschweigen zu unterbrechen, ein sonderbares Etwas hielt uns zurück; aber unsere Herzen brannten, und wir ahnten etwas Aussergewöhnliches, Hoffnung und Furcht, Zweifel und kühne Vermutung bewegte uns derart, dass wir kaum mehr sprechen konnten, und so wanderten wir langsam Jerusalem zu.

Nun kamen wir durch den Garten Gethsemane und gelangten über Steinstufen an eine Stelle, von der aus wir die Stadt überblicken konnten. In der Ferne sahen wir zur Linken die Bahnstation, in welcher gerade ein Zug einfuhr. Ueber uns gleitete ein Aeroplan in elegantem Fluge dahin. Autos eilten. auf den Strassen der Stadt zu und vom Hauptbahnhof her.





Der Fremdling war aufs höchste erstaunt über diesen Anblick und eine Zeitlang wieder ganz in Gedanken versunken. Mit erhobener Hand, als ob er Schweigen gebieten wollte, betrachtete er Jerusalem. Endlich wandte er sich wieder uns zu und sagte; "Ach, ich finde mich langsam zurecht. Ich erinnere mich, dieses Bild schon einmal gesehen zu haben." "Wirklich", fragten wir immer mehr erstaunt,

,,Ja", fuhr der Fremdling fort, "Ich sah dieses vor uns liegende Bild - der rauchende Ofen mit dem langen nachfolgenden Zug von vielen Wagen, das fliegende Schiff über uns und diese wie Blitze hin- und herfahrenden Wagen - in einer Vision wohl vor sehr langer Zeit. Eine tiefe Finsternis hatte mich überfallen am Abend eines angestrengten Tages, wo ich herabfliegende Vögel von meinen Opfertieren verscheuchen musste; auf Gottes Geheiss sollte ich dieselben darbringen, um Antwort auf meine Frage zu erhalten, woran ich erkennen sollte, dass ich dieses Land ererben werde. Hierauf gab mir Gott zu verstehen, dass dann, wenn ich dieses alles in Wirklichkeit sehen würde, die Erfüllung der Verheissung für mich gekommen sein werde. Und nun - träume oder wache ich? Ist es Wirklichkeit oder wiederum nur eine Vision?" -

Wie aus einem Munde riefen wir beide in höchstem Erstaunen: "Wer sind Sie denn? Nur Abraham selber könnte so etwas sagen."

"Sie haben recht, ich bin Abraham", erwiderte er ganz schlicht und einfach.

Sprachloses, überwältigendes Erstaunen bemächtigte sich uns beider. Sollte es möglich sein, sollte wirklich endlich nach so langem, endlos scheinendem Warten das grosse Geschehen sich vor uns abspielen und Abraham auferstanden sein? Wer kann es fassen, ist es Wirklichkeit oder Traum? Das waren die Gedanken, die sich jagten bis ich endlich wieder Worte fand.

"Wenn du wirklich Abraham bist, dann ist dies Dein Land, Vater Abraham, Wir harrten und warteten auf Dich "

"Ach dann seid Ihr sicher zwei zu meinem Geleite gesandte Boten?"

"Darüber besteht wohl kein Zweifel", lautete unsere Antwort, "Wozu noch warten? Komm, wir bringen Dich ins Hauptquartier; dort sind Freunde, die hoffen und warten gleichfalls auf Dein Kommen."

Bald traten wir durchs Tor in Jerusalem ein und durchschritten in tiefes Nachdenken versunken und voll Jubel und Dankbarkeit im Herzen die alten Strassen der geliebten Stadt. Welche Freude und Ehre erfährt heuten die Stadt! bemerkte ich im Weil ergehen. Ja, und gerade in dem Moment, als ich mutlos geworden war, erwiderte mein junger Freund.

Nun gelangten wir in jenen als "Neustadt" bezeichneten Stadtteil, wo die Harrenden für Abraham bereits sein schönes Haus zu seiner Aufnahme in Bereitschaft hielten - einesteils zu seiner würdigen Unterbringung und andernteils auch zur Empfangsmöglichkeit des wohl bald herbeiströmenden Volkes.



Das nächste Bild
„Abrahams" Selbsternannter „Platzhalter"




Bei der Ankunft auf dem grossen vor der Halle gelegenen Platz, waren wir nicht wenig erstaunt, als wir sahen, wie noch andere Gruppen von allen Richtungen heran gezogen kamen und sich in der mit Marmorsäulen geschmückten grossen Halle mit ihren Freunden einfanden. Welch leuchtende Augen, welches Erstaunen auf allen Gesichtern! Jetzt wurde uns alles klar, es war kein Zweifel mehr, der grosse Tag der Auferstehung hatte begonnen. Wir führten unsern wunderbaren Gefährten in die Säulenhalle wo wir ihn den Anwesenden als Abraham vorstellten. Unbeschreibliches Erstaunen, Aufregung und Freude leuchteten aus allen Angesichtern, und nahm stets zu als eine Gruppe nach der andern ankam, die den Versammelten als die auferstandenen Patriarchen - Isaak, Jakob, Joseph, Moses, Josua, Samuel und noch viele andere vorgestellt und gegenseitig mit unbeschreiblichem Jubel begrüsst wurden. ...

Einem unmittelbaren Impulse folgend, begaben wir zwei uns wieder auf die Strasse; wir wollten sehen, was noch weiter geschehen würde. Den steilen Weg hinaufeilend, gelangten wir bald zu einem Turm, von dem aus wir eine schöne Aussicht über die ganze Stadt genossen; beim Hinschauen wurden wir Zeugen eines der grössten Wunder, das die Welt je sah.

In langen .feierlichen Prozessionen wallten durch die Tore weissgekleidete Menschen. Die einen kamen aus der Richtung der Gräber der Propheten von Norden, andere von Westen, ein Teil von Hebron her im Süden, aber die meisten vom Oelberg im Osten. Sie sangen alle wundervolle Lieder. ...

Keiner von diesen Auferstandenen wusste woher er kam, so wenig als ein Kind von seiner Geburt oder Adam von seiner Erschaffung wusste. Das Bewusstsein kehrte erst zurück, nachdem heilige Engel den wiedererschaffenen Leib an den von Gott bestimmten Ort hingebracht hatten.


Zahlreiche Frauen der Patriarchen und der treuen Knechte und weniger hervorragenden Dienern, deren treue Dienste nicht unbelohnt bleiben sollten, befanden sich unter den Scharen.

Alles schien auf einen Punkt hinzusteuern; bald bemerkten wir, dass sie sich zum Hause begaben, zu dem wir Abraham geleitet hatten. Sogleich eilten wir nun wieder dahin zurück und kamen gerade an, als diese Prozessionen auf den Platz einzogen, wo dann sofort Vorbereitungen zum Empfang der Auferstandenen getroffen wurden. Eine würdige Erscheinung kam eben von der Halle herunter, und indem er sie mit ergreifenden Worten herzlich und freudig willkommen hiess, gebot er mit erhobener Hand Stille.

Voll tiefer Ehrfurcht und Ergriffenheit redete dieser Führer das Volk an. Kurz schilderte er den Verlauf der Weltgeschichte von der Zeit Christi an und verbreitete sich dann etwas eingehender über das Ende des Evangeliums-Zeitalters. Dann erklärte er eingehend die Aufgabe, die dem in sein Land zurückgekehrten Volk Israel in der Wiederherstellung der Welt zugewiesen sei ...

Hierauf erklärte er ihnen kurz die nächstliegenden Aufgaben und mahnte, dass alles in Ruhe und Ordnung getan werde. Als er zu Ende war, erhob sich eine andere Stimme. Es war ein Mann von königlicher Erscheinung, dessen Stimme klar und deutlich bis zu den entferntesten Reihen der Zuhörer drang.

,,Kommet her und lasset uns anbeten", sprach der liebliche Sänger David, der jetzt das Volk mit einer kurzen aber ergreifenden Ansprache begrüsste. Und als er seine Rede schloss, brauste ein gewaltiges "Amen" durch die Luft, in das ein unsichtbarer Sängerchor einzustimmen schien: ...

In aller Eile wurde nun ein neuer Triumphzug geformt. Wie vor alters ... setzte sich derselbe mit dem Schall der silbernen Trompete in Bewegung, Voran die Musik, dann Sänger, hierauf von Abraham und seinen Begleitern angeführt, alle auferstandenen Väter und Patriarchen, denen die Volksscharen nachfolgten. Die Musik spielte die Jubelhymne ...

Und das Volk stimmte in den Refrain ein ...

Verschiedene Regierungs- und Stadtbeamte, die Kenntnis von den Vorgängen erhalten hatten, demütigten sich aber und riefen den Namen des Herrn an, und Er - seine Verheissung treu erfüllend - rettete sie aus ihrer Bedrängnis. Daher waren ihre Herzen freudig und dankbar bewegt, als sie den Zug kommen sahen und eine Stimme vernahmen, die, wie es sich herausstellte, dem Propheten Elias angehörte. ...

"Der Wagen Gottes sind Tausende und aber Tausende;

Jetzt erschien am Himmel plötzlich eine leuchtende Wolke - eine Feuersäule, von deren Spitze goldfarbene Lichtstrahlen ausgingen, durch die man eine Herrlichkeit erblickte wie eines erhabenen Thrones, auf dem Einer wie eines Menschen Sohn sass, gekrönt und geschmückt wie zu einem Hochzeitsfest. Um diesen Thron herum standen umgeben von glänzenden Engelscharen göttliche Wesen, die wie die Sonne leuchteten im Reiche ihres Vaters. Wie das Volk diese Herrlichkeit sah, fiel es auf sein Angesicht und betete an.

Nun schien die Wolke über dem Tempel, dem sich der Triumphzug näherte, stillzustellen. In ganz kurzer Zeit war das Gebäude samt den äussern Vorhöfen mit einer Menge Menschen angefüllt. Herrliche Musik durchbrauste die Tempelhallen und begrüsste die Auferstandenen und Sänger mischten sich ihr bei und ihre unvergleichlichen Lieder erschallen, wie sie die Erde noch niemals in so vollendeter, Klangfülle vernommen hatte.

Als die Musik endete, trat eine vornehme achtunggebietende Gestalt nach vorn - und Josua, denn er war es, richtete einige Worte an das versammelte Volk und sprach ...

Schon war die Nacht weit vorgerückt; der Morgen eines neuen Tages nahte. Ehe aber die Sonne aufging, hat sich noch etwas Grosses zugetragen.

Wiederum formte sich der Zug, doch diesmal gegen den Verwaltungspalast, wo die Gesandten und Vertreter der Nationen sich versammelt hatten. Von den Türmen und Zinnen herunter grüssten die Flaggen vieler Länder. Die Befehlshaber und höheren Beamten hatten die Kunde der überwältigenden Geschehnisse vernommen und ahnten, was nun geschehen mochte. Sie standen in grosser Erwartung in der mächtigen Halle. Sowie die Prozession mit dem alten Banner König Davids, hinter dem die vielen Auferstandenen einhergingen, in Sicht kam, wurden alle übrigen Flaggen als Zeichen der Ehrfurcht auf Halbmast gehisst.

In edler, einfacher, aber bezwingender Würde und Erhabenheit betraten die alttestamentlichen Ueberwinder die Halle, wo ihnen alsdann die Staatsdokumente von mit den Staatsangelegenheiten vertrauten Beamten übergeben wurden. Vater Abraham nahm sie in Empfang und gab sie durch den Propheten Samuel weiter an David. Hierauf brachte man eine Krone und setzte sie dem sich auf die Knie niederlassenden David aufs Haupt, indes Samuel die bei der Krönung übliche Zeremonie erfüllte. ...

Im Moment der Krönung Davids wurden sämtliche Flaggen der fremden Staaten heruntergelassen und die mit dem weissen Stern geschmückte Fahne auf die höchste Zinne gehisst, wo sie der Morgenwind entfaltete und zugleich mit der eben aufgehenden Sonne der Erde das goldene Zeitalter ankündete. ... Kaum ehe es völlig Tag geworden, durchlief schon die einzigartige Botschaft telegraphisch und auf dem Radiowege den ganzen Erdkreis."


Replik.
Als Herr Knorr wieder mal die Weisheit mit Löffeln gefressen hatte, wusste auch er bzw. seine Speichellecker in dem WTG-Buch „Die neue Welt" zu verkünden:



von Drahbeck - am 20.04.2009 02:29
Eine ganzseitige Zeichnung im „Goldenen Zeitalter" (Ausgabe Bern vom 1. 5. 1924; Ausgabe Magdeburg, 15. 6. 1924) zeigt wieder einmal welche euphorische Wirkung und Stimulanz, dass damals neu aufgekommene Radio, offenbar auch auf die Bibelforscher ausübte.


Um über technische Innovationen als Laie zu staunen, braucht man in der Tat kein „Bibelforscher" zu sein. Diesbezüglichen Emotionen können sicherlich auch andere sich nicht entziehen. Der entscheidende Punkt ist aber dann der. Seitens der Bibelforscher wurde das alles in das Korsett vermeintlicher „Bibelprophezeiungen" hineingepresst, die von der Sache her, indes überflüssig wie ein Kropf sind.

Die propagandistischen neuen Möglichkeiten, welche durch das Radio erschlossen wurden, haben natürlich auch andere erkannt. Etwa die Nazis. Damalige - relativ preiswerte Radiogeräte - hiessen deshalb nicht umsonst im Volksjargon „Goebbelsschnauze". Aber eben auch die Bibelforscher meinten gar das Radio für sich usurpieren zu können. Eine Rechnung, die nicht aufging. Die euphorische Grundstimmung macht auch der Text in dieser Zeichnung deutlich:

„Radio ist entschieden die grösste Errungenschaft der Gegenwart, weil man in einer Minute auf der ganzen Erde verkündigen kann, dass das goldene Zeitalter nahe vor der Türe steht."

Das Radio sei Jehovas Erfindung

Die vermeintlich unterdrückte „Wahrheit"

Der verlorene Kampf

Technologische Auslegungen




von Drahbeck - am 11.05.2009 04:30

Re: Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise - / 85 Jahre später

Zitat

„Radio ist entschieden die grösste Errungenschaft der Gegenwart, weil man in einer Minute auf der ganzen Erde verkündigen kann, dass das goldene Zeitalter nahe vor der Türe steht."


"Jehova wird bald alles beseitigen, was das Leid verursacht."

"Jeden Tag werden wir mir traurigen Nachrichten bombardiert. Doch weil Gottes himmlische Regierung gehorsamen Menschen bald Frieden bringen wird, können wir dennoch optimistisch sein."

Quelle: WT vom 1.MAI 2009 S.9 u.17

von Frau von x - am 11.05.2009 09:13
Rauchen
Das Rauchen ist ein Thema, dass auch andere Religionsgemeinschaften, mit Gesundheitsreformerischen Ambitionen, etwa die Siebenten-Tags-Adventisten, sich besonders angelegen sein lassen.
Der Knackpunkt dabei ist wohl der. Die STA bieten (oder boten teilweise) Rauchern, unter ärztlicher Anleitung, eigene Entwöhnungskurse an. Man orientiert also auf praktische Hilfestellungen. Bei den heutigen Zeugen Jehovas indes wird diesbezüglich einfach nur kategorisch gefordert. Wer zu schwach ist, diesen Forderungen zu entsprechen, kann und wird sogar mit Exkommunikation bestraft. Das ist doch das eigentliche Skandalum.


Immerhin ist es durchaus beachtenswert, was aus gesundheitlicher Sicht bewertet, das „Goldene Zeitalter" ( Ausgabe Bern 1. 5. 1924; Ausgabe Magdeburg 15. 6. 1924), in einem das Rauchen bezüglichen Artikel einmal ausführte:

Einiges über Tabak
In Amerika wurde von einem hervorragenden Sachverständigen, Bernarr Macfadden, ein Buch von 183 Seiten unter obigem Titel herausgegeben, das so viele Wahrheiten betreffs des Tabakgenusses enthält, dass sie unbedingt jeder kennen sollte. Von vielen dieser Tatsachen haben die Menschen keine Ahnung, weil die Aerzte selbst rauchen, sich darüber hinwegtäuschen, und sie verschweigen, und weil es Männer gibt, die eine so starke Konstitution haben, dass sie ungestraft fast jeden Missbrauch mit ihrer Gesundheit treiben können. Es besteht natürlich auch ein grosser Unterschied zwischen der geringen Schädlichkeit, die der Rauch hat, wenn er nur die Mund- und Nasenhöhle passiert und dem schweren Schaden, den der Rauch verursacht, wenn er in die Lungen eingeatmet wird.

In einem englischen Werke, das von der "Wirksamkeit der Gifte" handelt, wird gesagt;
"Unzählige ernste Krankheitsfälle werden durch das Einatmen von Tabakrauch und die Einwirkung auf Lungen und Schleimhäute erzeugt. In vielen Fällen ist eine Vergiftung durch Tabak erfolgt. Einige dieser Fälle sind auf absichtliches oder zufälliges Einatmen des Tabakrauches zurückzuführen. Nächst der Blausäure ist Nikotin dass am schnellsten und stärksten wirkende Gift".

Der Vergleich des Nikotins mit Blausäure ist treffend. Ein Tropfen Blausäure auf die Zunge eines Menschen tötet diesen wie ein Blitzschlag. Ein Tropfen Nikotin auf der Haut eines Kaninchens verursacht dessen Tod. Wenn das Nikotin, das in einer einzigen Zigarette enthalten ist, unter die Haut eingespritzt wird, so genügt es, einen Menschen, der den Tabakgenuss nicht gewöhnt ist, zu töten.

Doch das Nikotingift ist nicht das einzige, was den Tabak schädlich macht. Wenn der Tabak brennt, verwandeln sich 70 Prozent des Nikotins in Pyridin und Colidin; die übrigen 30 Prozent des Nikotins werden eingeatmet. Pyridin ist so giftig, dass es mit dazu verwendet wird den Alkohol zu denaturalisieren; d. h. es wird dazu verwendet den Alkohol noch schädlicher zu machen, als er sonst sein würde.

Wenn der Tabak brennt, entwickelt er ein weiteres Gift, das Kohlenstoff-Monoxid. Dr. Kress sagt in einer Abhandlung über die schädlichen Einwirkungen auf das Blut, das dieses Gift, das in Sumpf und Leuchtgas zu finden ist, fast ebenso tödlich wirkt, wie das Nikotin. Er führt aus, dass Tabakraucher unwissentlich oder wissentlich langsam Selbstmord begehen und sagt:
„In vielen Fallen wird Selbstmord mit diesem Gift begangen. Bei Gasvergiftungen ist die Ursache das Ausströmen von Kohlenstoff-Monoxid. Das Blut nimmt natürlicherweise alle Gifte auf, die ihm durch Einatmung zugeführt werden. Die meisten der Gase, die sich in der Luft befinden, werden glücklicherweise ebenso schnell vom Blute wieder abgesondert, wie sie eingenommen werden. Doch mit Kohlenstoff-Monoxid ist es anders. Es verbindet sich sofort mit dem Hämoglobin, dem Farbstoff der roten Blutkörperchen. So nimmt das Blut dieses Gas schnell in sich auf, ist aber nicht imstande, es wieder auszustossen; so häuft es sich an und zerstört schliesslich die roten Blutkörperchen, wodurch die Funktion des Blutes, dem Zellgewebe Sauerstoff zuzuführen, gestört und gehindert wird."

Doch nicht das allein ist es, wodurch das Tabakrauchen dem Blute gefährlich ist. Das Blut wird durch die Luft, die wir durch die Lungen einatmen, von den Unreinigkeiten gereinigt. Wenn Tabakrauch eingeatmet wird, wird dieser Reinigungsprozess gehindert, und erwiesenermassen haben sich viele durch gewohnheitsmässiges Rauchen Lungenkrankheiten zugezogen.

Noch auf eine weitere Art wird das Blut durch Tabakrauch verdorben. Das Herz wird geschwächt und kann den warmen Lebensstrom nicht allen Teilen des Körpers so zuführen, wie es nötig ist. Weil das System mit verbrauchten Blutkörperchen angefüllt ist, die es nicht auszuscheiden vermag, arbeitet das Herz, um eine Reinigung des Blutes zu bewirken automatisch stärker, bis es schliesslich schwach wird und hüpft anstatt zu schlagen, bis schliesslich Erscheinungen eintreten, die als ,,Raucherherz" bekannt sind,

Zuerst lahmt oder verlangsamt das Nikotin den Herzschlag und vermehrt den Blutdruck oder Andrang. Dadurch wird eine narkotische oder bedrückende Wirkung auf das
Gehirn ausgeübt. Da das Gehirn den Mittelpunkt des Nervensystems bildet, so kommt durch eine ungünstige Einwirkung auf das Gehirn das ganze Nervensystem in Unordnung:
Es gibt viele Menschen, die behaupten, das Rauchen beruhige ihre Nerven. Der Tabak beruhigt wohl zuerst die Nerven, aber, wie andere narkotische Mittel, wird er mehr und mehr zum Bedürfnis, um diese beruhigende Wirkung hervorzurufen, bis schliesslich der Raucher ein Sklave dieser Gewohnheit wird.

Obwohl der Tabak bis zu einem gewissen Punkte die Nerven beruhigt, so hat doch, wenn dieser Punkt überschritten ist, jede weitere Zigarre oder Zigarette eine gegenteilige Wirkung, und der Raucher bekommt bestimmt ein Bedürfnis nach starken Getränken. Das Rauchen führt leicht zum Trinken; die beiden Gewohnheiten gehen Hand in Hand. Ein Schnapstrinker, der Tabak raucht, kann das Trinken nicht lassen, ehe er sich das Rauchen nicht abgewöhnt hat.
Ein weiteres Gift, das durch Tabakrauch hervorgebracht wird ist Furfurol. Das Furfurol im Zigarettenrauch ist es, das das charakteristische Zwinkern und Zittern der Nerven hervorruft, an dem man den leidenschaftlichen Zigarettenraucher sofort erkennt. Der Rauch einer Zigarette enthält ebensoviel Furfurol, wie zwei Gramm schlechten Whiskys, denn es ist dasselbe Gift, das allen Schnaps so gefährlich macht. Darum sind Schnaps und Zigarette verwandt.

Tabak stumpft das Gedächtnis ab und unterbricht die Gedankengänge. Interessant ist, dass innerhalb von fünfzig Jahren niemals ein Raucher den ersten Preis der Harvard- Universität in Amerika erlangt hat. Ein Professor der Columbia-Universität stellte fest, dass sich die nichtbestandenen Examina der Raucher zu denen der Nichtraucher wie
zehn zu vier verhalten. Doch was sollen wir nun von jenen klugen Männern denken, die da behaupten, dass ihre Gedanken beim Genuss einer Zigarette besser in Fluss kommen? Sie sind einfach in derselben Lage wie alle an Gifte gewöhnte Personen, deren Gedanken in Fluss kommen ausser unter Anwendung von gewohnten Giftstoffen. Diese Männer würden allezeit in „Stimmung" sein, wenn sie nicht der Gewohnheit des Rauchens unterworfen wären.

Das Zigarettenrauchen übt einen zerstörenden Einfluss auf die Präzision des Gehirns aus, es mindert die Genauigkeit des Denkens und Arbeitens sowohl, als auch den Willen zum Denken und Arbeiten. Richter haben festgestellt, dass fast ausnahmslos alle mit Lastern Behafteten auch starke Raucher sind.

Dr. Bankroft, ein amerikanischer Irrenarzt erklärte, dass ihm mehrere Fälle von Geisteskrankheit bekannt sind, denen unzweifelhaft als einzige Ursache der Tabakgenuss zugrunde liege. Andere Irrenärzte bestätigen das.

Dr. Forbes Winstow, ein berühmter englischer Psychiater, erklärt, dass die wahren Ursachen für Geisteskrankheit nicht die Leiden der zivilisierten Welt, sondern die Laster derselben sind. Er stellt die Trunksucht an die erste, das Rauchen an die zweite und die Unkeuschheit an die dritte Stelle dieser Laster.

Nach einer in der New-York-World veröffentlichten Statistik finden von elf Fällen von Wahnsinn neun Fälle ihren Ursprung im übermässigen Trinken, dem wieder übermassiges Rauchen zugrunde liegt. Dr. Winstow bestätigt das, indem er die interessante Beobachtung machte, dass der grösste Teil der Degeneration, dem Alkohol der als Folge grossen Tabakgenusses zum Laster wurde, zuzuschreiben ist,

Geisne, ein französischer Arzt, untersuchte achtunddreissig Zigaretten rauchende Knaben im Alter von neun bis fünfzehn Jahren, Zweiundzwanzig trugen die Merkmale gestörter Blutzirkulation an sich und litten an Herzklopfen; dreizehn hatten unregelmässigen Pulsschlag. Acht litten an ausgeprägter Anonie, vier hatten Mundgeschwüre, einer litt an Schwindsucht, mehrere litten an Nasenbluten, Schlaflosigkeit und Alpdrücken - alles dieses eine Folge des Tabakgenusses. Der Tabak hindert das geistige und körperliche Wachstum der Knaben.

Ein kleines Stück Tabak auf die Zunge eines Knaben, der noch niemals geraucht hat, gelegt, wird Ekel, Erbrechen und schwere Störung der Herztätigkeit und Blutzirkulation hervorrufen. Der Mensch ist der einzige Tor unter allen animalischen Lebewesen, der durch einen einmaligen Versuch nicht kuriert wird. Kein Tier würde ein zweites Mal ein Kraut ins Maul nehmen, dessen Schädlichkeit es erprobt hat.

Thomas A. Edison erklärt, dass er niemals jemanden anstellen wird, der der Gewohnheit des Rauchens unterworfen ist. Er behauptet, dass das Akrolein, ein weiteres Gift, das beim Rauchen erzeugt wird, eine starke Wirkung auf das Nervenzentrum ausübt, eine Entartung des Gehirns bewirkt, was bei Knaben in ausserordentlich schnellem Masse vor sich geht. Und diese Entartung ist eine fortdauernde und unhemmbare.

Die Richter Amerikas sind sich im allgemeinen darüber einig, dass der Tabakgenuss einen verheerenden Einfluss auf die Moral der Jugend ausübt. Sie sagen, dass Zigarettenrauchende Knaben die Fähigkeit zu erröten verlieren, den Masstab für "mein und dein" und für die Wahrhaftigkeit einbüssen usw. Es ist bezeichnend, dass in Amerika jeder jugendliche Verbrecher, der zum elektrischen Stuhl verurteilt wird, seinen Gang dorthin mit einer Zigarette antritt.

Seid dem l. April 1900 ist in Japan der Verkauf von Tabak in irgendeiner Form an junge Männer unter zwanzig Jahren verboten, weil Tabak, ebenso wie Opium narkotische Gifte enthält, die das Nervensystem angreifen und die geistige und moralische Kraft der Jugend schwächen und so der Lebenskraft des Volkes den Todesstoss versetzen.

Ein amerikanischer Arzt berichtet von den Ergebnissen, die bei zweihundertzehn Männern, die in athletischen Uebungen wetteiferten, beobachtet wurden. Man fand, dass die Nichtraucher die Raucher um 32 % übertrafen. Mit anderen Worten, der Mann, der raucht, ist 2/3 des Mannes, der er sein würde, wenn er nicht raucht.

Der Tabakraucher verhärtet die Arterien. Wenn Tiere dem Rauch ausgesetzt werden, so verhärten sich ihre Adern sehr schnell. Der Mensch ist zäher als das Tier. ...

Neben allen anderen schon erwähnten Schäden, die das Tabakrauchen anrichtet, raubt es den Zellgeweben ihre
Elastizität und schwächt das Augenlicht. Lippen-, Zungen- und Kehlkopfkrebs waren gar oft bei Männern auf Entzündung zurückzuführen, die durch die Pfeife, den heissen Rauch und die Ammoniakschärfe des Tabaks verursacht wurden.

Es gibt in Amerika zahlreiche grosse und kleinere Unternehmungen, die konsequent keine Tabakraucher mehr anstellen, darunter sind bekannte Namen wie Wanamahes, Morgan, etc.

Niemand kann sagen, wieviel stärker an Zahl die einzelnen Völker sein würden, wenn das Tabakrauchen nicht unter ihnen gebräuchlich wäre. Die Statistiken beweisen, dass rauchende Frauen weniger Kinder haben als nichtrauchende und dass die Gesundheit der Kinder von ersteren viel schwächer ist, als die der Kinder nichtrauchender Frauen. Brustkinder saugen das Nikotin direkt mit der Muttermilch ein.

Dr. D. H. Kress behauptet: "Die Zigarette verursacht eine Entartung der Drüsen und ganz natürlicherweise entarten die geschlechtlichen Drüsen mit den anderen Drüsen des Körpers. Der Tabakrauch, der Insekten, die ihm ausgesetzt sind, tötet, übt dieselbe schädliche Wirkung auf die feinen empfindlichen Zellen aus, aus denen sich ein Kind entwickelt. In Ländern, wo das Rauchen zur Gewohnheit der Frauen geworden ist, ist ein rapider Geburtenrückgang zu verzeichnen."

In den Vereinigten Staaten Amerikas schätzt man den jährlichen Verlust, der durch Rauchen entstandenes Feuer verursacht wurde, auf 50 000 000 Dollars ausser den Menschen, die dabei ums Leben kamen. Ausserdem ist der Geruch, der von einem Raucher ausgeht für viele, besonders für Menschen mit feinem Geruchsinn und starkem Empfinden für Reinlichkeit, sehr ekelhaft. Nächst den Steinarbeitern, sind die Zigarren- und Zigarettenarbeiter diejenige Klasse, bei der die meisten Todesfälle infolge von Tuberkulose zu verzeichnen sind. Interessant ist die Feststellung, dass die Summe, die jährlich in der Union für Tabak aufgewendet wird den Gesamtwert aller Metalle (Eisen, Kupfer, Silber, Gold, etc.) die in demselben Zeitraum in den Vereinigten Staaten gefördert werden, übertrifft, dass sie die Summe, die zur Erziehung, vom Kindergarten bis zur Universität, aufgewendet wird, übertrifft und fast das doppelte des Gesamtwertes des Anthrazits und der Kohle ausmacht, die jährlich in den Vereinigten Staaten gefördert werden. In anderen Ländern wird eine derartige Feststellung ähnliche Verhältnisse ergeben.

Das Tabakrauchen hat seinen Ursprung in einer religiösen Zeremonie, die die Wilden Nordamerikas zur Teufelsverehrung ausübten. Die Wilden brannten den Tabak in dem Glauben, dass der Rauch ihre erzürnten und rachsüchtigen Götter zu besänftigen vermöchte. Die Medizinmänner die in direkter Verbindung mit den Dämonen und unter deren direktem Einfluss standen, waren die ersten Tabakraucher ..."

Weiteres zum Thema Rauchen

Das „Wort zum Tage von der WTG"

von Drahbeck - am 13.05.2009 01:34
Gesellschaftskritik in religiöser Verbrämung. Das ist unzweifelhaft eine der Wurzeln, wenn nicht gar „die" Wurzel, welche die erste Generation der Bibelforscher in Deutschland (mit Abstrichen auch andernorts) ansprach.
Die saturierten „Großkirchen" hatten zwar in der Inflationszeit auch zu kämpfen. Aber das waren dann doch wohl eher zeitweilige „Täler".


Man war schon früher bürgerlich orientiert. Und diese Orientierung hielt man bei. Für die „Proleten" war je länger je mehr, in den „Grosskirchen" kaum noch Platz. Die orientierten sich, wenn sie denn meinten, weiter die religiöse Sozialisation als wesensbestimmendes Merkmal beibehalten zu wollen, eben auf solche Gruppen wie die Bibelforscher.

Charakteristisch dazu auch die zeitgenössische Zitierung durch Fritz Schlegel eines Artikels aus dem „Miesbacher Anzeiger" vom 19. 10. 1919, der

„wörtlich aus Rosenheim berichtet: "Seit dem Ausbruch der Revolution blüht hier der Weizen der sog. Ernsten Bibelforscher, die das Volk mit ihren Sprüchen vollends konfus zu machen versuchen. In den Tagen der Rosenheimer Räterepublik erfreute sich diese kleine Gesellschaft der besonderen Gunst der Spartakisten, die den Hauptteil der Versammlungsbesucher stellten und an dem Herunterreißen von Staat und Kirche helle Freude hatten. Diese Bibelforscherversammlungen wurden zu regelrechten Verbrüderungskundgebungen zwischen den Adventisten (lies: Ernsten Bibelforschern) und Bolschewisten."

Zum Thema kann man auch vergleichen:
Miesbacher Anzeiger

In zwei Zeichnungen, bringt die Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 5. 1924 diese Sachlage auch bildlich zum Ausdruck.


(Eben wiedergegebenes Bild wurde von der Magdeburger Ausgabe des GZ erst am 1. 8. 1924 übernommen)

Das „Wort zum Tage von der WTG"



von Drahbeck - am 18.05.2009 03:19
Da musste sich das „Goldene Zeitalter" (Magdeburger Ausgabe vom 15. 5. 1924) in seiner „Fragekasten"-Rubrik, wieder einmal mit einer nicht „eingeplanten" Frage auseinandersetzen.
Man teilt mit
:
„Einige 'G. Z.'-Leser sind der Ansicht, daß, wenn es im 'Goldenen Zeitalter' so werden soll, wie es vor dem Falle Adams war, es keine modernen Einrichtungen, wie z. B. Telephon, Telegraph, Automobile usw. geben könne, sonst wäre dies nicht wie in Eden."

Dieser Auffassung mag die GZ-Redaktion sich nun überhaupt nicht anzuschliessen. Aber ihr Antwortversuch offenbart ein einziges „Herumgeeire". Immer so formuliert, dass jeder das daraus entnehmen kann, was er denn gerne hören möchte. Ein klares Entweder - oder wird jedoch vermieden. Der vielleicht relevanteste Satz in diesem um den heißen Brei herumreden besteht in der GZ-Aussage:

„Ohne Zweifel sind alle diejenigen die Bedenken haben, wie sie oben genannt sind, außerdem nicht völlig von einer irrtümlichen Auffassung los, die früher auch uns beseelt, wenn wir uns das Paradies wie einen himmlischen Zustand dachten. Das Paradies wird auf der Erde sein."

Das „Wort zum Tage von der WTG"

von Drahbeck - am 20.05.2009 03:13
Eine der motivierenden Ideen der frühen Bibelforscher-Bewegung war auch der vermeintliche elektrische Ring, dem da gar wunderbare Sachen zugeeignet werden. Darauf wurde schon früher etwas eingegangen. Siehe etwa:
Parsimony.19242
Parsimony.19243

Erneut fühlt sich das GZ bemüßigt (Magdeburger Ausgabe vom 15. 5. 1924) in einem „Der elektrische Ring in Wissenschaft und Bibel" überschriebenen Artikel darauf einzugehen.

In diesem Artikel meint man unter anderem zu wissen:

„Die Erde ist von 3 Gasringen umgeben.
Der 1. ist die 11 Kilometer hohe Troposphäre. Sie enthält 79 Volumenteile stick- u. Kohlenstoff, sowie 21 Volumenteile Sauerstoff. Die Stratosphäre, welche die 2. Gasschicht ist, dehnt sich 63,5 Kilometer hoch aus. Diese ist der sogenannte 'Elektrische Ring', welcher sich aus verschiedenen Gasen zusammensetzt, welche zum Teil mit negativer und teilweise mit positiver Elektrizität geladen sind.
Der 3. Gasring ist das Coronium. Er ist von reinem Wasserstoffgas gebildet und erhebt sich 220 Kilometer hoch empor. Diese Ringe bilden zusammen die Erdatmosphäre. Alsdann folgt der luftleere und unendliche Weltenraum."


Diese eben zitierten Aussagen kommentiert das GZ dann mit dem Satz:
„Dürften wir nicht annehmen, daß der große Lenker des Universums alles genau so vorbereitete, um zur gegebenen Zeit auch auf unserem Planeten Zustände der Vollkommenheit herbeizuführen?"

Und man meint weiter zu wissen:

„Die Wissenschaft bestätigt uns, daß der elektrische Ring sich in Kürze zur Erde niedersenken werde, und daß der Wasserstoffgasring daraufhin eine günstigere Wirkung auf die Erde ausüben wird. Schwere Erdbeben und Vulkanausbrüche werden die ernsten Folgen dieser geologischen Umwälzung sein. Ohne Zweifel wird unser Planet in den kommenden Zeiten noch ganz gewaltige Veränderungen erfahren, welche mit dem Abbruch der alten Ordnung der Dinge und der Aufrichtung des Goldenen Zeitalters in engen Zusammenhange stehen.

Die Elektrizität wird einen sehr großen Teil der Weltmeere in Sauer- und Wasserstoff auflösen, wodurch die Luft gereinigt und schließlich vollkommen gemacht wird, und somit die Gefahren ansteckender Krankheiten beseitigt sind."


Da man seitens des GZ nun schon nahezu klassischerweise zur Heilpraktikerszene tendiert, darf dann auch ein Satz wie der nicht fehlen:
„Elektrische Kräfte werden, wie uns die Heilmethode der Elektro-Homöapathie zeigt, alle Bakterien ausnahmslos vernichten."

Nun soll es in der heutigen „Heilpraktikerszene" etliche geben, welche da ihr Geschäft auch mit der Angst vor elektrischen Strahlen (Elektrosmog und ähnliche Stichworte) befördern. Demgegenüber war offenbar das GZ - zumindest zu damaliger Zeit - noch anderer Auffassung, denn es meinte auch zu wissen:

„So hat man z. B. die Beobachtung gemacht, daß die Arbeiter der elektrischen Straßen- und Eisenbahnen, kurz gesagt alle Männer, welche mit wirkender Elektrizität zu tun haben, auf Grund der heilsamen Einflüsse derselben von Rheumatismus verschont blieben."

Dann lässt der Artikelschreiber seiner Fantasie freien Lauf wenn er glaubt auch zu wissen:

„Alle Extreme werden, teils durch warme Strömungen, teils durch elektro-magnetische Energien gemäßigt, sodaß in wenigen Jahrhunderten allerorts südländische Früchte gedeihen können. In dieser neuen Aera wird es weder Frost noch Hitze geben, sondern es wird allenthalben eine gleichmäßige Temperatur herrschen. ... Auch wird es in dieser neuen Zeitverwaltung keine Stürme mehr geben, sondern nur ein mildes und sanftes Lüftchen durchziehen."

An Pseudowissenschaftlichem Palaver lässt man es auch im weiteren Verlauf des Artikels nicht mangeln. Etwa in Form der Aussage:

„Während der letzten Jahre wurden von Astronomen und Geologen starke Schwankungen der Erdachse festgestellt, welche auf elektro-magnetische Störungen zurückzuführen sind. Man nimmt an, daß die Erdachse, welche jetzt in einem Winkel von 33 Grad zur Sonne steht, infolge Einwirkung elektro-magnetischer Energien ihre Stellung zur Sonne so weit verändert, daß sie senkrecht zur Sonne zu stehen kommt. Diese Veränderung würde auf der ganzen Erde einen ewigen Frühling hervorrufen.

Während dieser allgemeinen Revolution in der Natur werden auch die zahlreichen Spaltpilze umkommen, sodaß alsdann keine Milch mehr sauer werden, und, weil die Gährung auch vermittels der Elektrizität beseitigt ist, kein Wein mehr gähren, also auch nicht mehr berauschend wirken würde. Obst und Kartoffeln würden nicht mehr faulen, wenn dann die Fäulniserreger getötet und alle schädlichen Stoffe der Pflanzen zerstört sein werden. Dann kann sich auch die Vegetation zur Vollkommenheit entwickeln, wodurch Pflanzen und Tiere außerordentlich begünstigt werden."


Seine Ausführungen „krönt" der GZ-Artikelschreiber dann noch mit der Aussage;

„In dieser Vollkommenheit wird der Menschheit die Elektrizität ein gehorsamer Diener sein. Wunderbar gebaute Teleskope werden den sternenbesäten Himmelsdom in nächste Nähe rücken, während der Radiograph und das Radiophon den persönlichen Verkehr über den gesamten Erdball vermitteln.

Die Menschen werden mittels Radium, welches wohl allgemein im Gebrauche sein wird, ersinnen und experimentieren, was ihnen gefällt. Wenn genügend Radium vorhanden sein wird, was wir im Gegensatz zur sogenannten Wissenschaft annehmen, wird man mit demselben kochen, heizen und Maschinen treiben, sodaß nichts mehr einer mühseligen Handarbeit bedarf. ... Würde nicht elektrische Beleuchtung überflüssig werden, wenn die Innenwände der Häuser mit radiumhaltigen Farben bestrichen werden, welche genügend Helligkeit ausstrahlen. Ja, so würde sich somit wiederum die Schrift erfüllen, auch buchstäblich, wie geschrieben steht, daß man keine Lampe mehr brauche: Jehovas Blitze erleuchten den Erdkreis."


Das „Wort zum Tage von der WTG"

von Drahbeck - am 21.05.2009 03:39
Man muss sich wohl die Frage stellen, ob denn die Redaktion des „Goldenen Zeitalters" (Schweizer Ausgabe vom 1. 6. 1924) sich wirklich im klaren war, auf was für Geister sie sich da berief?
Es sei ihr allenfalls zugebilligt, das sie als faktische politische Halbidioten, sich in der Tat nicht im klaren war, wen sie da zu ihrem Gewährsmann beförderte. Und zwar niemand anders als den Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff. Man kann eigentlich kein scharf genug akzentuiertes Urteil dazu aussprechen. Und muss darauf bestehen.
„Pardon" kann diesem schon damals „Ewiggestrigen" nicht gewährt werden.

Ludendorff im besonderen war es, der dem vermeintlich dem Deutschen Volke „nur" zustehenden „Siegfrieden", dann auch noch zu Weimarer Republikzeiten nachtrauerte.
Ludendorff war es, der da den Buchmarkt (unter anderem) mit diversen Kriegsverherrlichenden Ergüssen überschwemmte. Beispiele der Ludendorff'schen Kriegsapologetik etwa die:




Ludendorff war es, der im besonderen

(nebst auch anderen; etwa dem „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund"; selbiger als wesentliche Wurzel den „Alldeutschen Verband" zu Kaisers-Zeiten aufweisend; und zugleich massgeblicher Kriegstreiberverband auf deutscher Seite, im Vorfeld des ersten Weltkrieges. Der Anti-Bibelforscher-Apologet August Fetz etwa ist diesen Kreisen zuortbar. Sein Parteichef machte den prompt auch in den „Deutschvölkischen Blättern", und auch als Separat-Schriften, massive Reklame für den Fetz'schen Anti-Bibelforscherguss.
Nicht zu vergessen der auf gleicher Wellenlänge liegende Karl Weinländer (letzterer unter dem Pseudonym „Lienhardt" und noch ein paar mehr Pseudonym-Namen agierend.
Wer sich mit diesen Ergüssen mal aus eigener Anschauung auseinandergesetzt hat, kann über diese politisch Rechtsgerichteten Apologeten, nur ein total vernichtendes Urteil aussprechen. "Rechtskreise" gab es damals viele; nicht zuletzt auch in den Großkirchen. Die "Lienhardt" und Fetz hingegen können sich "zugute" halten, den Ultrarechten "in die Schützengräben hineinpredigende" zuortbar zu sein).
Sie alle inspirierte die
„Dolchstoßlegende" , welche in letzter Konsequenz zum Hitlerismus führte.

Man komme auch nicht mit dem billigen - zu billigen - Argument; auch Ludendorff habe sich dann ja noch mit Hitler überworfen.
Weshalb hat er sich denn mit diesem überworfen? Weil er Hitler noch „von rechts" überholen wollte, weil Hitler im Vergleich zu ihm immerhin noch mehr (zeitweiliger) Realpolitiker war.

Eigentlich wollte ja Ludendorff jene Rolle wahrnehmen, die dem Hitler dann vergönnt war. Es klappte für ihn aber nicht.
Dann steht man bei der Bewertung vor dem Dilemma, was denn nun das kleinere Übel sei:
Der Teufel oder der Beelzebub?
Ich kann keinem der beiden Protagonisten etwas „abgewinnen". Ausdrücklich auch nicht dem Ludendorff.

Nun sei dem GZ zugebilligt, dass eine Aussage von ihm in ihr Konzept passte.
Vorab erst mal ein paar Auszüge aus der Wikipedia zum Thema Ludendorff.

[Ergänzend die Anmerkung: Texte der Wikipedia sind variabel. Die Zitierung kann auch aus einer älteren Variante stammen. Eine Gewähr, dass sie auch den derzeitigen Textbestand der Wikipedia entspricht, kann nicht übernommen werden].

In der Weimarer Republik „spielte Ludendorff eine führende Rolle in den republikfeindlichen und chauvinistischen Kreisen der völkischen Bewegung und war sowohl am Kapp- als auch am Hitlerputsch aktiv beteiligt. In dem auf den Hitlerputsch folgenden Prozess wurde er aber trotz des schwerwiegenden Belastungsmaterials freigesprochen. ...
1925 ließ sich Ludendorff als Kandidat der Völkischen für die Wahl zum Reichspräsidenten nominieren, da Hitler zu diesem Zeitpunkt noch in Festungshaft saß. Im ersten Wahlgang errang er aber nur 1,1 Prozent der Stimmen. Nachdem Hitler, auf dessen Unterstützung er gerechnet hatte, seine Anhänger dazu aufgefordert hatte, für Hindenburg zu stimmen, trat Ludendorff im zweiten Wahlgang nicht mehr an. ...
Das Scheitern seiner parteipolitischen Karriere erklärte er verschwörungstheoretisch mit dem „Wirken überstaatlicher Mächte […]". Damit waren der Jesuitenorden, die Freimaurerei, das Judentum und die kommunistische Internationale gemeint, die sich, so wähnte der immer paranoider werdende Ludendorff, zusammengetan hätten, um Deutschland zu demütigen und zu knechten.
Zu diesem Zweck hätten sie unter anderem schon 1914 die Morde von Sarajevo inszeniert, die russische Revolution, den Kriegseintritt der USA, den Umsturz vom 9. November 1918 und den Versailler Vertrag. Dass die einzelnen Gruppierungen in dieser angeblichen Weltverschwörung einander zum Teil spinnefeind waren, hielt Ludendorff nicht davon ab, immer mehr dergleichen konspirationistisches Garn zu spinnen. ...
Unter dem Einfluss von Ludendorffs zweiter Frau Mathilde entwickelte sich der Bund aber zu einer Gruppierung, in der zunehmend antichristliches Gedankengut vertreten und in der an Stelle des Christentums die Philosophie Mathilde Ludendorffs gestellt wurde. In den späteren Veröffentlichungen des Tannnenbergbundes konstruierte Ludendorff nicht nur weitere Verschwörungstheorien, sondern vermutete kabbalistische Hintergründe bei bestimmten Geschichtsdaten:

Da die Ziffern 10 und 5 als kabbalistische Zahlwerte der ersten beiden Buchstaben des Gottesnamens JHWH den Juden heilig sind, müsse der nächste Weltkrieg, der von ihnen ausgelöst werden würde, am 1. Mai 1932 oder 1941 beginnen, denn die Zahlen 1932 und 1941 haben als Quersumme 15.

Die abstrusen Phantasmen des ehemaligen Kampfgenossen waren selbst den Nationalsozialisten zu viel, die ansonsten Verschwörungstheorien wie den Protokollen der Weisen von Zion nicht abgeneigt waren, und die ja selbst Krieg führen wollten. Alfred Rosenberg vermutete, der ehemalige Generalquartiermeister sei psychotisch geworden, während Goebbels in seinem Tagebuch ätzte:
"Diese Frau ist sein böser Geist".

Bereits am 5. Februar 1927 war ein Rundschreiben an alle Gauleitungen der NSDAP ergangen, das parteioffiziell feststellte:
"Exz. Ludendorff ist nicht Mitglied der NSDAP und hat deshalb auf diese keinerlei Einfluss".


Und ergänzend gibt es in der Wikipedia noch ein passendes Bild.
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_102-16742,_Erich_Ludendorff_mit_Adolf_Hitler.jpg

Dieser Ludendorff nun mutiert auch zum Gewährsmann des „Goldenen Zeitalters". Das muss man sich zweimal auf der Zunge zergehen lassen!

Auch die „Madame" Ludendorff sei dann nicht vergessen.
Sie war zwar auch eine Art "Religionskritikerin". Stellvertretend sei nur ihr Pamphlet genannt


Es muss ausdrücklich wert auf die Feststellung gelegt werden.
Religionskritiker zu sein, ist an sich noch kein „Qualitätsbeweis". Unter selbigen kann man auch Typen des Gossenniveaus namhaft machen. Sucht man nach einem exemplarischen Beispiel einer Gossenschreiberin, wird man bei der „Madame" Ludendorff garantiert fündig!

Die Motivation, welche das GZ zu diesem akrobatischen Schritt veranlasste sich auf Ludendorff zu berufen, war offenbar eine antikatholische Attacke von Ludendorff im Hitler-Prozess.

Es wurde schon beim Zitat aus der Wikipedia deutlich. Hitler und Ludendorff konnten je länger je mehr nicht so recht miteinander. Eigentlich hätte sich ja Ludendorff gerne in der Rolle gesehen, die dann Hitler tatsächlich ausübte. Das ihm diese Gunst nicht zuteil wurde, hat er zeitlebens nicht mehr verkraftet. Waren Hitler und Ludendorff im Hitlerputsch noch gemeinsam am Werke, so änderte sich das schon kurze Zeit danach. Der Katalysatorpunkt dabei war massiver Antiklerikalismus auf Seiten Ludendorffs, der selbst Hitler zu weit ging.

Überliefert ist dazu die sinngemäße Aussage von Hitler, als er von Ludendorff zur Rede gestellt wurde, weil er seinem Kurs nicht folge:
„Exzellenz können es sich leisten, ihren Gegnern zu sagen, sie totzuschlagen. Ich aber (Hitler) benötige sowohl die Protestanten und Katholiken Deutschlands zum Machterwerb".

Fortan waren beide Herrschaften geschiedene Leute. Das alles konnte einem die politische Tagesszene genau Beobachtenden, schon damals bekannt sein. Offenbar aber nicht dem GZ.
Man mag lediglich als Grund dafür anerkennen. Die Schweizer GZ-Redaktion war eben mit den deutschen Verhältnissen nicht ausreichend genug vertraut.
(Diese „Entschuldigung" kann allerdings nur begrenzt gelten, denn auch das deutsche „Goldene Zeitalter" druckte in seiner Ausgabe vom 15. 7. 1924, diese Ludendorff-Meldung, unverändert nach. Man lies sich eben durch den Umstand blenden, dass ihr eine antikatholische Aussage enthalten ist. Im „Goldenen Zeitalter" liest dass sich dann so.

Unter der Überschrift: „Die Kirchenhimmel werden zusammengerollt" eingeordnet in die Rubrik „Zeichen der Zeit", wird ausgeführt:
„Was der Ministerpräsident Deutschlands, das sich als Hort des Protestantismus betrachtet, an den päpstlichen Nuntius zu berichten weiss."
Und man fragt dazu:
„Wo ist da der Geist Luthers und wo der Protest der Protestanten hingekommen? Man könnte glauben, sich im Mittelalter zu befinden!"


Und dann ziert man:
„(Wir entnehmen dem 'Expreß'):
Der preussische Ministerpräsident hat vor einiger Zeit an den päpstlichen Nuntius Pacelli in Berlin ein Schreiben gerichtet, das dem amtlichen preussischcn Pressedienst zufolge folgenden Wortlaut hat;

Die von dem General der Infanterie a. D. Ludendorff in seiner Verteidigungsrede vor dem Münchener Volksgericht gegen Seine Heiligkeit, den Papst, gerichteten Angriffe geben mir Veranlassung, Ihrer Exzellenz zum Ausdruck zu bringen, wie lebhaft die preussische Regierung die Ausfälle des Generals gegen Seine Heiligkeit bedauert. Sie bedauert sie umsomehr, als sie sich bewusst ist, wie unbegründet die Angriffe sind und welchen warmen Dank sie dem Heiligen Stuhl für seine Bemühungen um den Frieden und die Wohlfahrt des preussischen Volkes während und nach dem Kriege schuldet. Wenn es sich auch bei General Ludendorff um eine rein private Person handelt, die als Angeklagte bemüht ist, alles vorzubringen, was ihrer Ansicht nach für sie von Nutzen sein könnte, so hält sich die preussische Regierung bei den ausgezeichneten Beziehungen, deren sie sich zu dem Heiligen Stuhl zu erfreuen hat, gleichwohl für verpflichtet, ihr tiefes Bedauern über das Vorgehen des Herrn Ludendorff auszusprechen.
Ihrer Exzellenz wäre ich ganz besonders dankbar, wenn Seiner Heiligkeit die Auffassung der preussischen Regierung über den Vorfall zu übermitteln Sie die Güte hätten."


Das GZ registriert also, dass selbst der damaligen preussischen Regierung, Ludendorff mit seinen Ausfällen unheimlich wurde, und dass sie versucht, diplomatisch gegenzusteuern. Das alles will das GZ eigentlich nicht wissen. Es starrt nur auf den Umstand, dass da ein Radikalinski regierungsamtlich in die Schranken gewiesen wurde. Und genau jenen Aspekt deutet es seinerseits als „faktischen Verrat an Luther".
Also für das GZ war es offensichtlich recht und billig, das der Teufel auch mit dem Beelzebub ausgetrieben werden könne!

Die Unbedarftheit des „Goldenen Zeitalters" gegenüber Ludendorff, offenbart sich auch in seiner unkritischen Reflektion der Ludendorff-Schrift „Weltkrieg droht auf deutschem Boden".
In Parsimony.25631
bin ich auf selbige schon mal etwas näher eingegangen.

Zurückkehrend zum „Goldenen Zeitalter". Ob denn selbiges die genannte Ludendorff-Schrift tatsächlich auch mal gelesen hat, stelle ich mit gewichtigen Gründen in Frage. Es wird wohl eher so sein. Das was das GZ in Sachen Ludendorff mit aus Tageszeitungen aufgeschnappt hat, gibt es an seine Leser weiter. Sich mit dem Fall Ludendorff indes im Detail auseinanderzusetzen. Dazu waren die Politik-Idioten, in der GZ-Redaktion schon wieder nicht fähig.

Jedenfalls konnte man in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 5. 1931 (Schweizer Ausgabe vom 15. 5. 1931) noch die nachfolgende Kurzmeldung lesen:

„Ludendorffs düstere Prophezeiungen
General Ludendorff, der oft das Gehirn des deutsch-kaiserlichen Heeres genannt wurde, sagt für das Jahr 1932 einen neuen Weltkrieg voraus. Er meint Frankreich, Rumänien, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien würden gegen England, Deutschland, Österreich und Ungarn gehen. Und Russland würde nach den Knochen jagen, die von beiden übriggelassen würden. Er sagt, 45.000 Deutsche würden in Russland im militärischen Kommunismus ausgebildet."


Dann in der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 3. 1932, kam man erneut auf Ludendorff zu sprechen. Diesmal hatte man es wohl (wenn auch spät) noch erfasst, um was für eine Koryphäe es sich bei diesem Ludendorff handelt.
Die zuletzt genannte Ausgabe des GZ notierte zu ihm:

„Erich Ludendorff's "Krieg im Jahre 1932".
Die Veröffentlichung dieses Zukunftskriegsbuches hat Furore gemacht und je nach Einstellung wurde es als Hirngespinst, Utopie, oder Evangelium bezw. "Prophezeiung" angesprochen.
Was man auch vom Sujet denken kann, die Aktualität des behandelten Stoffes "der Krieg im Jahre 1932", sowie die Kompetenz des Verfassers in kriegerischen Dingen, sind nicht zu bestreiten. (General Ludendorff war bekanntlich während des letzten Krieges Generalquarticrmeisler und Mitarbeiter von Hindenburg.) Mit einer präzisen "Gabe des Voraussehcns" schildert General Ludendorff, nachdem er in der Einleitung die Ursachen des neuen Weltbrandes erklärt hat, wobei L. die sich bekriegenden Gegner in drei Systeme gruppiert (Moskau, Rom und Paris), im Einzelnen die Phasen des Konfliktes, der zuerst Europa, dann die ganze Welt verheeren soll und dessen Beginn er vielleicht nicht aufs geratewohl auf den 1. Mai 1932 festlegt.
Der ganze Wagemut und die Phantasie, die dieser General im Verlaufe des letzten Krieges auf verantwortungsvollstem Posten zeigte, findet man in dieser Antizipation wieder. Er schildert Tag für Tag, nachdem „die Gewehre von allein losgegangen sind", den Marsch der Truppen der drei Systeme, im Rahmen der sich entwickelnden Ereignisse, berechnet die mobilisierten Streitkräfte der Systeme, erläutert und kommentiert die Strategie und die Taktik der Führer und schlägt, immer in der Zukunft, Riesenschlachten - zum Glück nur auf dem Papier -.
Die zwischendurch gestreuten Schilderungen über Vernichtungen, Greueltaten und Elend sind derart realistisch, dass man tief und nachhaltig erschüttert ist. Ein lesenswertes Buch!

Doch wie jedes Werk, so hat auch Ludendorff's Schrift ein Ziel. Die vaterländische Einstellung des Verfassers ist bekannt. Er versucht nachzuweisen, dass die Reichswehr, die er im imaginären Konflikt mit ihrem alleinigen Effektivbcstand von 100.000 Mann im "horizontalen System", an der Seite der Engländer, Österreicher, Bulgaren, Italiener etc. gegen das "vertikale System" der Franzosen, Belgier, Polen etc., aufmarschieren lasst, unbedingt zu schwach ist, um nur die Grenzen zu beschützen, geschweige denn um sie zu verteidigen. Eskamotiert sind z. B. die militärischen Formationen, deren es im heutigen "abgerüsteten" Deutschland eine Unzahl gibt, kein einziger Mann, kein Freiwilliger, nichts von der grosssen Kraftreserve Deutschlands, das 60 Millionen Menschen zählt, werden in dieser Berechnung eingesetzt. Allein die durch den Versailler Vertrag festgesetzten Ziffern der Effektivstärken der Wehrmacht und der Rüstungsmittel sind in der Berechnung eingesetzt und auf der andern Seite stehen die rüstungstrotzenden Feindstaaten.

So moralisch wertvoll eine solche Schrift sein konnte im Interesse des Friedens, so wertlos und aufstachelnd wirkt sie im gegenteiligen Sinn eben durch diese ungeheuerliche Camoufflage der realsten Wirklichkeit zur Stimmungsmache "für eine energische Aufrüstung Deutschlands" hei gleichzeitiger Abrüstung für die ändern. Sachlich ist die Schrift nicht, nur zu sehr einseitig.

Der französischen Ausgabe dieses Werkes, das überall zum Preise von 10 Fr. zu haben ist, geht eine Einleitung von Co'lonel Jean Fabre, Depute, ehemaliger Minister und Präsident der Armeekommission voraus, der in markigen Strichen manchen Widerspruch aufdeckt und auf das oben angedeutete Endziel des Buches Ludendorffs hinweist. Hoffen wir, noch zahlreiche Kommentare im Kreislauf der Jahre erleben zu dürfen, ohne dass Ludcndorffs Prophezeiung vom „Krieg im Jahre 1932" in Erfüllung geht.


Spät, im Jahre 1933, findet auch das Schweizer „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 1. 1933 deutlich-kritische Worte zu Ludendorff. Das allerdings wird durch den Umstand entwertet. Zu spät. Diese kritischen Worte posaunten zu der Zeit auch noch andere Publikationsorgane. Das GZ springt somit lediglich auf einen zeitweilig fahrenden Zug mit auf.

In der zuletzt genannten GZ-Ausgabe war dann zu lesen:

„Immer noch der " Gott"
General Ludendorff hielt bei einer Gedächtnisfeier für den Sieg von Tannenberg eine Rede, worin er die völkische Doktrin verteidigte und die Politik des Judaismus und der römischen Kirche streng verurteilte. "will", sagte er, "die Deutschen endlich erkennen, dass die jüdische Bibel ein Gesetzbuch ist, das dazu dient das deutsche Volk m knechten; ich will, dass die Deutschen die nötige Kraft aufbringen, eine solche Doktrin zu verwerfen und dass sie sich zu jener Doktrin bekennen, die von Gott kommt und dem Instinkt der deutschen Rasse entspricht jener Doktrin, welche erklärt, dass für den Menschen das höchste Gut die Freiheit ist"

Frau Ludendorf hielt ebenfalls eine Rede, worin sie ähnliche Anschauungen vertrat
Ludendorf will nichts mit dem Gott der "jüdischen Bibel" zu tun haben! Begreiflich, denn dieser Gott verbietet das Töten. Der ehemalige deutsche Generalstabschef scheint nur von diesem blutigen Handwerk leben zu können, und so wünscht er, dass das arme deutsche Volk aufs neue zum deutsch-rassigen Gott Zuflucht nehmen möchte, zu jenem, der es bereits im Weltkriege trotz aller scheinheiligen Gebete im Stiche gelassen hat ..."


Exkurs:
Ernst Niekisch in seinem 1958 erschienenen Erinnerungsband mit dem Titel „Gewagtes Leben" über die Ludendorff's (S. 176f.)

In meiner Dresdener Zeit hatte ich eine Begegnung mit dem General Ludendorff. Er war in die sächsische Hauptstadt gekommen, um gemeinsam mit seiner Frau Mathilde einen Vortragsabend zu veranstalten. Ihm lag offenbar daran, einen Bericht im 'Volksstaat' zu erhalten, und er ließ mich bitten, ihn zu besuchen.
Er empfing mich in der Wohnung eines seiner Bekannten, der sich eine Ehre daraus gemacht hatte, ihn als Gast aufzunehmen.
Ludendorff kannte, wie sich zeigte, meinen 'Widerstand'
[Einfügung: Zeitschrift dieses Namens].
Unverkennbar litt der General, der sich mit stolzem Selbstbewußtsein als geborener Feldherr fühlte, unter die Niederlage, mit welcher der erste Weltkrieg geendet hatte.
Es hätte sein Selbstbewußtsein beeinträchtigt, wenn er die Schuld an dem Zusammenbruch bei sich gesucht hätte. Er war bestrebt, andere Schuldige zu entdecken, und fand sie in den „Überstaatlichen Mächten."
Unter den „Überstaatlichen Mächten" verstand er die Jesuiten, die Juden und die Freimaurer.
Die Jesuiten verkörperten nach seiner Auffassung einen intrasigenten, gegen das protestantische Deutschland gerichteten katholischen Universalismus, die Juden das fremdrassige Blut, das instinktiv die hochwertigen Germanen rachsüchtig zu ruinieren trachtete, die Freimaurer die internationale Geldmacht, das Bank- und Finanzkapital.

Seine Frau hatte diesen symbolischen Feindestrio einige mystische, religiös gefärbte Elemente beigemischt; sie sprach von einer deutschen Gotterkenntnis und ließ durchblicken, daß die Deutschen wertvoll genug seien, eines eigenen, allein ihnen zugetanenen Gottes gewiß sein dürfen.

Hitler sollte ihn mit der Massenbasis versorgen. Hitler war es anfänglich zufrieden, nur als Trommler des berühmten Feldherrn zu gelten.
Nach dem Münchner Novemberputsch 1923 wurde Ludendorff zwar freigesprochen, war aber doch reichlich kompromitiert. Als Hitler, um wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden, den bayerischen Klerikalen das Versprechen gegeben hatte, den Kampf gegen die Kirche einzustellen, rückte Ludendorff von Hitler ab.
Mit seiner neuen Lehre hoffte er, Massen an sich ziehen zu können; sein Erfolg war, daß er in seinem „Tannenbergbund" kleinbürgerliche Rentner und Rentnerinnen, verzweifelte Handwerker und unglückliche alleinstehende alte Weiblein zusammenbrachte; zu ihnen gesellten sich noch zahlreiche entlassene Offiziere, die Ludendorff als Soldaten bewunderten und die es gewohnt waren, von ihrem Weltkriegsgeneral jedes Wort als letzte Weisheit entgegenzunehmen.

Ich zeigte etliches Widerstreben und einige Skepsis. Da ereignete sich etwas höchst Seltsames. Die Gesichtszüge des Generals wie die seiner Frau veränderten sich, die Augen glühten, in maskenhafter Starrheit saßen die beiden vor mir, von dämonischer Besessenheit zeigten sie sich ergriffen. Der Anblick fesselte mich so sehr, daß ich kaum auf ihre Worte hörte; endlos wiederholten sie:
Jude, Freimaurer, Jesuit, überstaatliche Mächte.
Es war eine unheimliche Situation.

Ludendorff zog das Publikum an; er war noch eine Sensation. Viele waren auf der Suche nach einem neuen Heiland gekommen.
Der General redete trocken, kühl und nüchtern; der Ton stand im Gegensatz zu der Verworrenheit seiner Ideen.
Nach etwa fünfzig Minuten endete er. Dann trat seine Frau an das Rednerpult.
Sie sprach fanatisch, sektenpriesterlich und endlos. Sie mochte zweieinhalb Stunden das Wort behauptet haben.
Es war ersichtlich, daß sie sich als die Hauptperson fühlte; ihr Mann hatte ihr nur als Lockmittel gedient, die Menschen herbeizuschaffen.

Später schrieb ich im „Widerstand" einen Aufsatz über Ludendorff, in dem ich ihn als germanischen Recken und Barbaren darstellte, der aus Urwelt- und Urwaldunstinkten gegen Rom, gegen den Westen revoltierte.
Als ich dann aber in der „Entscheidung", einer Wochenschrift, Ludendorffs Abhängigkeit von seiner Frau beklagte und das Bild gebrauchte, seine Frau schleppe ihn wie einen Bären aus Germaniens Urwäldern am Nasenring von Ort zu Ort, erklärten mir das Haus Ludendorff und der Tannenbergbund den Krieg. Ich wurde zu den „überstaatlichen Mächten" gerechnet. ..

Noch ein Exkurs:
In Rudimenten gibt es ja heutzutage auch noch Ludendorfferianer. Wie auch andere Gruppen, haben auch sie bei ihrer "Geschichtsschreibung" eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, die eigene Geschichte "schönzuschreiben".
In diesem Kontext scheint ihnen auch zu passe zu kommen, dass es da tatsächlich Differenzen zu den Hitlerianern gab.
Ein zeitgenössischer Text aus dem Jahre 1931 (also noch bevor die Hilterianer die Macht usurpieren konnten), kündet (als Beispiel) auch davon.

Lawrence D. Stokes zitiert in seinem Buch
"Kleinstadt und Nationalsozialismus
Ausgewählte Dokumente zur Geschichte von Eutin 1918-1945" auch diese Pressepolemik, in einer seinerzeitigen Tageszeitung veröffentlicht. Laut Stokes gab es da im
"Anzeiger für das Fürstentum Lübeck" vom 14.10. 1931 den nachfolgenden Text. Bei dem in Text genannten "Tannenbergbund" handelt es sich um eine (damalige) Kernorganisation der Ludendorfferianer. Nun noch das entsprechende Zitat:

"Eingesandt der NSDAP-Ortsgruppe Eutin.
Am 9.10. 1931 fand in Eutin eine Versammlung des Tannenbergbundes statt. Zu dem Vortrag des Redners Hans M. (aus Halberstadt) und über die Tapferkeit dieses "Urdeutschen" Tannnenbergbundes kurz folgendes. Der Redner weist darauf hin, dass keine Partei außer dem Tannenbergbund in ihrem Programm entscheidende Maßnahmen für Entschädigung der Sparer, Maßnahmen gegen die Bodenspekulation, Maßnahmen gegen jüdische Machenschaften usw. getroffen hätten.

Es sei dem Tannbergbund an dieser Stelle einmal empfohlen, das Programm der NSDAP (vom 24. Februar 1920) etwas eingehender zu betrachten. Sodann spricht der Redner eingehend über die Freimaurerei, stellt aber seiner Ausführung so hin, als hätte außer (General) Ludendorff noch kein Mensch dies alles eingesehen und außerdem Tannenbergbund noch niemand entscheidende Maßnahmen dagegen getroffen....

Wie aber die NSDAP gegen die internationale Freimaurerei kämpft, davon will oder darf der Redner nichts wissen. Der Kampf Hitlers gegen das Zentrum, gegen Freimaurer und Judenherrschaft sei nur ein Scheinkampf, die täglich hingemordet SA- und SS-Leute die nach Tausenden zählenden verletzten der NSDAP, sind alles nur Scheinmorde, es sei ein Listkampf. Eigenartig ist nur, dass es heute noch kein Tannenbergler von der internationalen Mordbestie angerührt wurde. Kein Wunder, denn die internationale Hochfinanz des Judentums hat bisher ihren Kampf nur gegen wirkliche Kämpfer der Wahrheit geführt und nicht gegen hohlköpfige Phrasendrescher.

Außerordentliche Kühnheiten wagte sich der Redner in seinen Ausführungen über die Religion. Er lobte auf der einen Seite Martin Luther als Beispiel der großen deutschen Religionsreformators, und nach der Pause, als man dem in der Versammlung anwesenden Landespropst Kieckbusch ... verweigert hatte, öffentlich dazu Stellung zu nehmen, und er darauf das Lokal verließ, dann erst fällt der Redner über jede christliche Religion her....

Den Höhepunkt allen Irrsinns, hervorgerufen durch krankhafte Unlogik, erreichte der Redner, als er folgendes behauptete:
"1931 wäre schon der große Weltkrieg ausgebrochen, das Völkermorden hätte eingesetzt, doch dann kam der große Feldherr Ludendorff griff in das Getriebe der Weltgeschichte ein und es ward wieder Ruhe."

Und wie kam das? Weil General Ludendorff den Gegnern der deutschen Volkes hinter die Karten gesehen hatte!!! ... Der ganze Hitler ... besteht nur aus Scheinkampf - und warum? Weil Hitler Christ ist. Die Logik ist folgende: Christ sein heißt jüdische Weltanschauung haben, wenn man nicht jeden Priester aufhängt heißt man romhörig.
Wenn man den Romhörigen Gegner nicht sofort auf illegalem Wege aus der Welt schafft, ist man Freimaurer. Folgerung Hitler verrät das deutsche Volk. ... immer mehr zersplittert und der Freimaurerei nur noch mehr ausliefert, dann ist man nach dem Dafürhalten der Tannengergler urdeutsch. ... Überhaupt urdeutsche Tugend und Tapferkeit über alles!

Leider nur in Worten. Den als ein Redner der NSDAP sich meldete und öffentliche Diskussion verlangte (der Nationalsozialist ist aus München), wurde ihm dies verweigert und er sogar mit den Worten beschimpft
"Die Süddeutschen täten besser zu Hause zu bleiben als hier in Norddeutschland das Volk zu verseuchen"!!
Kurz vorher sprach der Redner noch von deutscher Einigkeit. Die Begründung, warum die NSDAP zu keiner Diskussion zulassen wird, erklärte der deutschen Herr M. folgendermaßen:
"Der Tannenbergbund schlägt sich mit geistigen Waffen und ist nicht gewohnt, dass man bei Diskussion sich erst dann durchsetzt, wenn man erst die Joppe ausziehen muss." ...
Den tapferen Urdeutschen Tannbergbund (Vulgo Kneifer) wird hiermit dringend geraten, sich bei Gelegenheit mal einige Zentner Logik und auch einige Tonnen Tapferkeit zu bestellen.
Im Tacitus aus dem der Herr Hans M. zum Schluss seiner Ausführungen vortrug, steht auch geschrieben, dass die Germanen ein tapferes Volk waren, die sich jederzeit zum Kampf stellten und noch keine Ahnung von dem Begriff "Kneifer" hatten.


Am Rande vermerkt. Skurril wirkt es, wie Mlynek in einer Dokumentation zitiert, wenn man im
"Lagebericht der Staatspolizeistelle Hannover an das Geheime Staatspolizeiamt Berlin für den Monat April 1935" vom 4. Mai 1935 auch die Sätze liest:

"Anlässlich des Geburtstages des Generals Ludendorffs (70. Geburtstag am 9.4. 1935) wurden an verschiedenen Orten des Bezirks Geburtstagsfeiern abgehalten, die keine besonders zahlreiche Beteiligung aufzuweisen hatten. Neben Anhängern des früheren Tannenbergbundes nahmen die Mitglieder der Partei und ihre Gliederungen, aber auch frühere Mitglieder der KPD und SPD und Bibelforscher teil."

Nun mag man über die Authentizität dieser Aussage streiten. Fest steht auf jeden Fall:
Sie ist so authentisch in den Naziakten überliefert.
Der Religionskritische Drall des Ludendorff wurde ja bereits vermerkt. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass bei jenen als "Bibelforscher" bezeichneten, es sich um von der WTG abgesplitterte Kreise handelt (einiges spricht für diese Interpretation).
Wie auch immer, "der Apfel fällt selten weit vom Stamm"!

Für die These, dass die Splittergruppen der WTG gemeint sind, spricht ein weiterer bei Mlynek mit abgedruckter Lagebericht. Und zwar der von der Staatspolizeitstelle Hannover an das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin abgefasste für den Monat Februar 1936 vom 4. 3. 36.
Und daselbst gibt es auch den Passus:
"Während die Anhänger der IBV (Zeugen Jehovas) als die radikalere Bewegung ausnahmslos den deutschen Gruß ablehnen und sich auch weigern, Ehrenamtliche Stellen als Luftschutzwart usw. anzunehmen, gibt es unter den ernsten Bibelforscher hierüber verschiedene Ansichten."

Wem diese Replik vielleicht zu abenteuerlich erscheint, der sei noch auf ein weiteres Dokument aus der Studie von Mlynek verwiesen. Und zwar auf den Lagebericht der Staatspolizeistelle Hannover an das Geheime Staatspolizeiamt Berlin für den Monat Oktober 1935 vom 4. November 1935.
Daselbst ist zu lesen:

"In der Berichtszeit ist eine zunehmende Werbetätigkeit der Ludendorffbewegung in Erscheinung getreten. Eine Versammlung die in Marienhagen Krs. Alfeld, geplant war und auf welcher der bekannte Agitationsredner des früheren Tannenbergbundes (Paul) Neuhaus aus Elze reden sollte, ist verboten worden, da die Gefahr bestand, dass unter dem Deckmantel der Religion reaktionäre Politik betrieben werden sollte.
Als Neuhaus das Lokal für dieser Versammlung mieten wollte, sprach immerfort von "Eurer Führer". Auf die Frage ob er nicht auch sein Führer sei erklärte er: "Nein mein Führer ist das nicht".
Auf Vorhalt warum er den Gruß "Heil Hitler" nicht erwiderte, sagte er, der Gruß käme für ihn nicht in Betracht." Zitatende.

Nun wie man weis, gibt es ja noch eine andere Gruppe, welche sich (heutzutage) auch viel auf die Verweigerung des Hitlergrußes zugute hält. Haben sich da also zeitgenössisch in der Frage "gleichgestimmte" Kräfte gesucht und gefunden, wäre so ungewöhnlich, das auch nicht!

Man vergleiche etwa in der Gegenwart, den Umstand der Bestückung der WTG-eigenen Bibliothek in Selters.
In einem (gewährten) Interview mit der evangelikalen Zeitschrift „idea" gibt es auch darin die (beiläufige) Anmerkung.
Die Werke des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner, sind dort (zumindest einige von ihm) vorhanden. Deschner ist ja nicht „irgendwer", sondern hat (unter anderem) eine „Kriminalgeschichte des Christentums" verfasst.
Nicht hingegen (jedenfalls nicht öffentlich) sind dort die Bücher von Raymond Franz, und andere WTG-Kritiker vorhanden.

Siehe auch
Parsimony.24254
Und zuletzt in gedruckter Form, ist der Artikel auch im Buch von Kühne enthalten („Eine schrecklich nette Familie")
Analog kann man auch den Fall Ludendorff einordnen.
Man lässt sich von seiner militanten Kirchengegnerschaft blenden (ohne sich wirklich mit ihm auseinanderzusetzen).
Und im Rahmen dieser Oberflächlichkeit, werden auch einige „Kröten" äußerst bedenklicher Art, mit heruntergeschluckt!

von Drahbeck - am 18.06.2009 05:50
Wie schon verschiedentlich festgestellt wurde, ließ es sich das „Goldene Zeitalter" angelegen sein, (fast) jeden neuen Schrei aus der „Heilpraktikerszene", die auch zur Kenntnis der GZ-Redaktion gelangte, prompt auch an ihre Leserschaft weiter zu geben.

In der Berner Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 6. 1924 (Magdeburger Ausgabe vom 1. 8. 1924) begegnet man wieder mal solch einem Fall. Das GZ zitiert zwar nur, vermeidet einen eigenen Kommentar. Wäre es indes nicht von der Nützlichkeit solcher Zitate überzeugt, hätte es sie sicherlich nicht gebracht.

Nun denn, halten wir es ähnlich: Zitieren wir nur das, was das GZ zitierte. Eine inhaltliche Bewertung kann und wird nicht gegeben. Die Verantwortung muss das GZ alleine, bzw. seine Gewährsmänner (Frauen) tragen).

Genannte GZ-Ausgabe berichtet:

Sauermilch, ein Mittel zur Verlängerung des Lebens
Mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin Frau Maria Binzegger, H.
In dem heutigen Zeitalter, in dem das hilfesuchende kranke Publikum so viel mit nutzlosen künstlichen Nährpräparaten, die mit einer marktschreierischen Reklame in allen Zeitungen angepriesen werden, überflutet wird, ist es angezeigt, auf den Heilwert vieler natürlicher Nahrungsmittel, die uns die gütige Natur als lebendige Medizin geschenkt hat, hinzuweisen und so für die Verbreitung eines diätischen Regimes zu wirken, das in der Krankenbehandlung und in der Vorbeugung von Krankheiten mehr zu leisten berufen ist, als alle in den letzten Jahrzehnten von der pharmazeutischen Industrie ausgeklügelten, mit so schönen Namen belegten künstlichen Heilmittel.

Eine ständige Gefahr und damit eine Grundursache für viele Krankheiten besteht in dem zu langen Verweilen des Inhaltes im Darmrohre, Die ungeheure Menge von Bakterien im Darme wird dadurch befähigt, fäulniserregendc Prozesse einzuleiten. Nach den Untersuchungen von Dr. med. Strassburger besteht ein Drittel des Trockengewichtes des Kotes aus Bakterien, so dass der Mensch täglich etwa 8 Gramm Bakterien entleert, was wohl an 128 Billionen Bakterien sind. So ist es einleuchtend, welche Folgen eine zu lange Stauung des Dickdarminhaltes haben muss. Stellen sich auch nur geringfügige Darmstörungen ein, so erhöht sich auch die Zahl der Bakterien. Es entwickeln sich dann Fäulnisprozesse, die den Darm angreifen, aber auch die Bildung giftiger Stoffe begünstigen.

Der Körper ist allerdings in der Lage, sich gegen diese Feinde zu schützen und dieselben durch den Einfluss der Bauchspeicheldrüse und der Galle unschädlich zu machen. Dann werden die Gifte umgewandelt und ausgeschieden. Ist der Ansturm jedoch ein zu grosser, so kommt es zur Selbstvergiftung des Organismus, der stark bedroht werden kann. Vor allem werden so die Grundursachen für viele chronische Krankheiten geschaffen.

Der vor einigen Jahren in Paris gestorbene Professor Metschnikoff, der Leiter des Instituts Pasteur in Paris, sah die geschilderten Vorgänge im Darm, das allmählige Unterliegen der natürlichen Schutzkräfte, als die Grundursache für das frühe Altern und den vorzeitigen Tod an. Nach Metschnikoffs Anschauung ist der Mensch mit seinem langen Darmrohre von Natur aus kein Fleischesser, sondern auf Vegetabilien, besonders Früchte und Nüsse, angewiesen. Die Rückstände dieser Nahrung würden niemals die geschilderten Fäulnisprozesse hervorrufen können. Diesem Umstande und der Tatsache, dass die Vögel keinen Dickdarm besitzen, schreibt Metschnikoff die lange Lebensdauer vieler Vögel und deren ungeminderte Frische im hohen Alter zu.

Im Jahre 1907 hat Dr. Dutowski die Aufmerksamkeit auf eine Sauermilch gelenkt, wie sie in Bulgarien gerne von allen Volksschichten unter dem Namen "Yogurth" genossen wird. In dortigen Landesteilen, in denen diese Dickmilch zu den ständigen Nahrungsmitteln gehört, lässt sich eine ungewöhnliche Langlebigkeit der Bevölkerung feststellen. Zur Bereitung der Yogurth verwendet man meistens die bulgarische Maya, ein Ferment (Gärungserreger), welches in der Milch eine Gärung hervorruft. Da man heute schon in den meisten grösseren Städten, d. h. in den Molkereien fertige Yogurth-Milch beziehen kann, so brauchen wir die Zubereitung hier nicht zu beschreiben.

Die Zubereitung der Yogurth-Milch ist umständlich und verlangt Zeit. Wir selbst sind Anhänger der Dick- oder Sauermilch nach deutscher, resp. schweizerischer Art, welche Methode einfach und ohne viel Mühe angefertigt wird und für uns Abendländer den gleichen Zweck aufweist: die Gärungsvorgänge im Darm aufzuheben, den Darm zu desinfizieren und damit die Bildung der gefürchteten Selbstgifte im Organismus zu verhindern.

Gemüse, Früchte und Sauermilch ist die gegebene Idealernährung das ganze Jahr hindurch und besonders in sommerlicher Zeit!



Reklamebild aus der zeitgenössischen „Freiburger Zeitung" entnommen, wo man auch unzählige Male in Reklame-Inseraten, diesem vermeintlichen Wundermittel begegnen kann. Beide abgebildete Herren sollen achtzig Jahre (so meint der Reklametext) alt sein. Der linke, strammer Yoghurt-Konsument; der rechte dann eben nicht.

von Drahbeck - am 19.06.2009 03:06
Die Serie seine „Gesundheitsartikel" setzt übrigens das „Goldene Zeitalter" (Berner Ausgabe vom 15. 6. 1924; Magdeburger Ausgabe vom 15. 7. 1924) mit einem Artikel fort, der von der Sache her nicht unbedingt „negativ" bewertet werden soll. Allenfalls kann man Staunen darüber bekunden, solche Ausführungen in der Zeitschrift einer Religionsgemeinschaft vorzufinden, und wie „emotional aufgeheitzt" er doch abgefasst ist. Genannte GZ-Ausgabe berichtet

Was das Volk wissen muss
Dass der Alkoholismus und die Geschlechtskrankheiten mit ihren furchtbaren Folgen die Volksgesundheit untergraben, wissen wir leider zur Genüge. In der neueren Zeit droht aber unserem Volksganzen von anderer - ebenfalls skrupelloser grosskapitalistischer - Seite eine noch viel tiefer greifende Schädigung, die vom kleinsten Kinde angefangen alle Menschen jedes Alters trifft: das ist die gewissenlosen Industriezwecken dienende Entwertung und systematische Vergiftung unserer grundlegenden Nahrung.

Seit Sinclairs ,,Sumpf" hat kein Buch solches Aufsehen erregt, wie A. W. McCann's "Kultursiechtum und Säuretod" (Verlag von E, Pahl in Dresden). McCann hat seine Erfahrung hinter den Kulissen der amerikanischen Nahrungsmittelindustrie erworben. Er war viele Jahre Vorstand des chemischen Laboratoriums einer der grössten und modernsten Nahrungsmittelfabriken. In dieser Eigenschaft hatte er täglich mit staatlichen und gemeindlichen Nahrungsmittelfabrikanten, Importeuren, Schiebern und Agenten zu tun. Als Propagandachef einer Nährstoffabrik, die im Jahre einen Umsatz von mehr als 12 Millionen Dollars hatte, kam er zu der Ueberzeugung, dass diese Fabriken am Ruin der Menschheit arbeiten und Schuld am Tode von jährlich 400 000 Kindern allein in den Vereinigten Staaten sind.
McCann ist heute Gesundheitskommissar von New-York und anderen grossen Gemeinden und ein unerschrockener Mann, der seine einträgliche Stellung aus Gewissensgründen aufgab, um die Wahrheit in alle Winde zu schreien zur Rettung des betrogenen Volkes. Sein Buch ist eine flammende Anklage gegen diese besondere Art Volksausbeuter, die die Nahrungsmittel entkeimen, auslaugen, bleichen, färben, ihnen ihre lebensnotwendigen Mineralsalze und Vitamine nehmen und Gifte zusetzen. Das gilt nicht nur für Amerika, sondern überall.

Seit Casimir Junk die Vitamine als Träger der Lebenskraft entdeckt und durch Ragnar Berg die von Hensel und Lahmann geahnte unbedingte Notwendigkeit der nur in den äußersten Deckschichten des Getreidekorns, den Früchten und Gemüsen vorkommenden Mineralsalze, bezw. Basen wissenschaftlich begründet wurde, wissen wir, dass es ein Volksverbrechen ist, einer hohen Ausmahlung des Brotgetreides, bezw. einem hellen Brote das Wort zu reden.
Bis zu Ludwig XIV. ass man in allen Ländern Vollbrot; dieser König, durch seine Mätressenwirtschaft in Schulden geraten, ordnete, um die Mahlsteuer ergiebiger zu gestalten, an, dass der Weizen nur einmal aufgeschüttet werden dürfe, so dass nur das erste helle Mehl erhalten blieb und von da an Weissbrot gegessen werden musste.

Die ,,Vornehmen" anderer Länder äfften dies nach und seitdem gilt es als "feiner", ein möglichst helles und weisses Brot zu essen. Das Brot aus höher ausgemahlenem Getreide aber ist minderwertig. Weissbrot und Feinmehlspeisen legen die Grundlage zu Bleichsucht, Rhachitis, Körperschwäche und Schwindsucht. Die in den äusseren Schichten des Getreidekorns enthaltenen organischen Mineralsalze sind in einem Masse lebensnotwendig, dass ganze Völker dem Untergang preisgegeben sind, wenn sie weiter diese wertlose Ernährung mit Weissmehl, poliertem Reis und Feinmehlspeisen betreiben. Die enorm zunehmende Tuberkulose, Zahnkaries, Blutarmut und Nervenschwäche, Krebs und Neurithis, kurz ein Heer von Krankheiten sind das Ergebnis dieser entmineralisierten die Widerstandskraft des Körpers untergrabenden Ernährung mit dem "Bleichsuchtfutter" des landläufigen Brotes und Weissmehls.

Die Schäden, die dadurch entstehen, sind noch grösser als diejenigen des Alkoholismus, denn schliesslich ist nicht jeder, besonders nicht jedes Kind, ein Alkoholiker, während mit wenigen aufgeklärten Ausnahmen fast jeder Mensch diese entwertete Nahrung geniesst.

Wenn Nährmittel, aus denen die Mineralsalze aus Geschäftsgründen oder durch falsche Zubereitung enfernt wurden, gegessen werden, so kommt es zur Bildung von freier Schwefel- und Phosphorsäure. Diese Säuren müssen so schnell wie möglich neutralisiert werden. Wenn nun die neutralisierenden Basen - die Mineralsalze - fehlen, dann reissen diese Säuren basische Elemente einfach aus dem lebenden Gewebe, was zu dessen Zerstörung führt.

Während vor dem Kriege schon alle Aufgeklärten nur unpolierten Reis und hundertprozentig ausgemahlenes Vollmehl verwendeten und ihre Kinder damit zu starken und kräftigen Menschen heranbildeten, ist uns jetzt zwangsweise auferlegt, dass wir nur Weissmehl und - mit Ausnahme des jetzt schon in vielen Städten erhältlichen vollwertigen Steinmetz-Brotes - von entwertetem Mehl hergestelltes Brot zu kaufen bekommen. Unwissende loben das Mehl noch, wenn es besonders schön weiss ist.

Dem Volke wurde von den profitgierigen Agrariern das Märchen von der leichten Verdaulichkeit des helleren Brotes eingehämmert, wie die verbrecherische, braukapitalistische Lüge, dass Bier ,,flüssiges Brot" sei, bis es beides glaubte. Das Volk in seiner entschuldbaren Unwissenheit glaubt "Autoritäten", auch wenn sie Söldlinge des Alkoholkapitals und der Nahrungsmittelindustrie sind, und wenn sie noch solchen Unsinn lehren. Es glaubte seinerzeit gehorsam die heute längst widerlegte Lehre von der Uebertragbarkeit der Rindertuberkulose auf den Menschen und trank auf höheren Befehl nur abgekochte und dadurch entwertete Milch, während die ärztlichen Autoritäten heute das Gegenteil anordnen: trinkt nur rohe Milch, weil durch das Kochen die lebenswichtigen Vitamine getötet und das Eiweiss unverdaulich gemacht wird. Zehn Jahre wurde ihm gepredigt, es müsse seine Ernährung nach dem Kolorienwert, d. h. nach Wärmeeinheiten bemessen. Das klang furchtbar gelehrt und hat doch beispielloses Fiasko gemacht, denn nicht die Kalorie ist das Wichtigste, sondern die Erhaltung der Mineralsalze (Basen) und Vitamine, Man kann bei 3-4000 Kalorien taghell doch elend zugrunde gehen.

McCann erzählt in seinem fesselnden Buche die Tragödie der Mannschaft des deutschen Kreuzers ,,Kronprinz Wilhelm", die 255 Tage bei einer Ernährung von reichlich Fleisch, Speck, Butter, ausgelaugten Konserven, poliertem Reis, Weissbrot und Feinmehlbisquits an schwerer Acidose, d. i. Uebersäuerung des Blutes, die die furchbarsten Kalk-Zerstörungen der Gewebe hervorruft, erkrankt und dem Tode nahe war, durch Darreichung von Kartoftelschalenaufguss, Weizenkleie, Vollweizenbrot, Gemüse und Obst aber geheilt und gerettet wurde.

McCann berichtet, wie die Scott- und die erste Sliakleton-Expedition zusammengebrochen seien, weil sie jene Nahrungsmittel ausser Acht gelassen hatten, die die lebensnotwendigen Stoffe enthalten und fast nur Fleisch und Feinmehlnahrung mitgenommen hatten. Mann für Mann brach an Acidosis und deren schweren Folgekrankheiten zusammen, während bei der MacMillan- und der zweiten Shalcleton-Expedition, die nur Vollweizenmehl, Vollweizenzwieback, Trockengemüse, Südfrüchte, Hülsenlrüchte und weder Fleisch noch Weissmehl mitgenommen hatten, kein Mann auch nur einen Tag krank war und alle heil wiederkehrten.

Was für die Polarforscher recht ist, ist für unsere Kinder billig. Unsere Mütter füttern ihre Kinder mit jenen Nahrungsmitteln, Bleichsuchtbrot, Weissmehlspeisen, poliertem Reis, Makkaroni, Feinmehlbisquits - jenen aus Obstabfällen, Sacharin, Glykose, roter Teerfarbe, Phosphorsäure und Natriumbenzoat bestehenden "Marmelade", jener aus verdächtigem, minderwertigem, oftmals verdorbenem, durch Chemiekünste entstänkerten Fleisch hergestellten ,,Wurst'', den in feinen Packungen zum Wohle der Dividendenaktionäre käuflichen ,,reparierten", d. h. entwerteten Feinmehlen und Extrakten gar nicht zu reden - langsam um Kraft und Gesundheit zu gewinnen und wundern sich, wenn diese blutarm, zart und zu allen Krankheiten disponiert sind. Sie verstehen es nicht besser und unterliegen der Suggestion der Reklame und eines vom Volksuntergang lebenden gewissenlosen Grosskapitals.

Der Uebersetzer des Buches von McCann, Dr. von Borosini, lernte eines Tages einen Nahrungsmittel-Grossindustriellen kennen, den er auf diese Misstände aufmerksam machte, worauf dieser edle Menschenfreund entgegnete: ,,Geschäft ist Geschäft! Wir scheren uns drum, ob die Leute draufgehen, wenn wir nur verdienen. Warum sind sie so dumm und kaufen den Dreck?"

Dieser klassische Ausdruck sollte allen Frauen und Männern aus dem Volke die Augen öffnen und zu einer Prüfung der Ernährungsfragen anregen.
(Sonderdruck aus der Zeitschrift "Die Lebenskunst")



von Drahbeck - am 20.06.2009 05:24
Angeblich fand „1914 im Himmel ein Kampf statt". So das Ammenmärchen, auch der heutigen Zeugen Jehovas. Das indes irdische Kriege, auch sehr irdische Ursachen zu haben pflegen, dass wird mit solchen Ammenmärchen-Thesen bewusst verschleiert. Und durch diese Verschleierung wiederum faktische Politik betrieben.

Eine der seltenen Ausnahmen, worin auf die irdischen Interessengegensätze als Ursachen von Kriegen eingegangen wird, kann man in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" (Ausgabe Magdeburg 15. 6. 1924;Ausgabe Bern schon am 1. 5. 1924; ) begegnen.
Unter der Überschrift „Der nächste Krieg" kann man darin auch das folgende lesen.
Aber es ist schon mehr als bemerkenswert zu nennen, dass die wesentlichen Ausführungen eben nicht auf dem eigenen GZ-Mist gewachsen sind; sondern dass es sich um eine Zitierung handelt. Letzteres macht schon die Angabe deutlich:

„Die folgenden Betrachtungen sind einem Aufsatz des Amerikaners Upton Sinclair entnommen, der in der "Weltbühne" kürzlich abgedruckt war."
Zu letzteren kann man etwa die Wikipedia vergleichen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Upton_Sinclair
Interessant zum Thema auch:
www.evolver.at/stories/Upton_Sinclair_Der_Dschungel/

Das Sinclair bei der WTG ein besonderen Stellenrang einnimmt, kann man auch einer Angabe im 1975er ZJ-Jahrbuch entnehmen. Bezugnehmend auf die Verhaftung von Rutherford und Anhang während des ersten Weltkrieges, wird Sinclair dazu wie folgt bemüht:
„Als die Herausgeber der Kirchenzeitungen davon erfuhren, daß die Angeklagten zu zwanzig Jahren verurteilt worden waren, jubelten sie praktisch alle, ob klein oder groß, über das Ereignis. Ich konnte nicht ein einziges Wort der Anteilnahme in irgendeinem orthodoxen
religiösen Blatt finden. ,Es kann kein Zweifel darüber bestehen, schloß Upton Sinclair, daß ,die Verfolgung . . . zum Teil daher kam, daß sie sich den Haß der "orthodoxen" Religionen zugezogen haben."


In dem neueren WTG-Buch: „Die Offenbarung. Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe", wird diese Sinclair-Passage erneut zitiert. Zitiert wurde der Pazifist Sinclair auch in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1936. Da die Substanz seiner Aussagen darin ähnlich ist, sei die Wiedergabe seiner Aussagen auf jene im GZ (Bern) vom 1. 5. 1924 beschränkt.
Sinclair wird dann wie folgt zitiert:

„Das britische Reich baute sich auf Schiffen auf, die aus Eichenholz verfertigt waren; England besass selbst das Material und die Seeleute dazu, die prahlten, dass ihre Herzen aus Eichenholz seien. Dann aber kam die Entdeckung der Dampfkraft, und das britische Reich entwickelte sich auf einer Basis von unbeschränkten Kohlenvorräten. Vor etwa dreissig Jahren wurde die Selbstzündermaschine erfunden; es stcllle sich heraus, dass Schifte, die als Heizmaterial Petroleum benutzten, doppelt so viel wert waren, und dass ein auf Kohle basiertes Reich dem Untergang geweiht sei.

Die englischen Kapitalisten suchten daher sich allen Petroleums zu bemächtigen, und sie organisierten Gesellschaften wie die ,,Royal Dutch" oder die "Shell". Heute kontrollieren sie das ganze Petroleum von Mexiko, Zentral-
und Südamerika, sowie Holländisch-Indien und anderen Weltteilen.

Deutschland wollte ebenfalls eine mit Petroleum betriebene Flotte besitzen; deshalb planten die Deutschen die Bagdadbahn, um sich in den Besitz der Petroleumquellen Mesopotamiens, Persiens und des Kaukasus zu setzen. Die Engländer, Franzosen, Russen und Italiener verbündeten sich, dies zu vereiteln, und der Weltkrieg brach aus.

Uns Amerikanern wurde eingeredet, dieser "Krieg werde geführt, um für immer den Krieg aus der Welt zu schaffen"; aber der Mann, der dies verkündete, hatte Theologie studiert, war Politiker und Rechtsanwalt - nicht Geograph oder Nationalökonom oder Spezialist für Selbstzündcr und Petroleumfinanz. Er bedachte nicht, dass die Engländer, Franzosen und Italiener nach der Vernichtung der Petroleum-Industrie Deutschlands die Beute unter einander teilen müssen - und nicht würden teilen können, weil jeder alles verlangen würde. Auch zog er nicht in Betracht, dass der Petroleumvorrat der Vereinigten Staaten äusserst beschränkt ist, und dass die Standard Oil Company oder vielmehr die zweiunddreissig vom Höchsten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gegründeten Standard Oil Companies seit etwa zwanzig Jahren genügend Macht besitzen, um einen Präsidenten oder eine politische Partei fortzujagen, falls diese sich in ihre Pläne einmischen und sie daran hindern wollen, der Kontrolle der britischen Royal Dutch Company oder Shell Groups über die Petroleumquellen in Mexiko, Guatemala, Nicaragua, Columbia, Venezuela - abgesehen von Mesopotamien und dem Kaukasus - einen Riegel vorzuschieben.

Heute versucht Frankreich, sich des ganzen Petroleums im Nahen Osten zu bemächtigen, während sich England mit Italien verbündet, um Frankreich daran zu hindern. Die Vereinigten Staaten aber haben sich in Mexiko, Zentral- und Südamerika, sowie in Mesopotamien und anderen fernen Ländern festgesetzt.

Der nächste Krieg naht mit Riesenschritten, und er wird ein Petroleumkrieg zwischen England und Frankreich sein. Italien wird hineingezogen und alle Länder Zentraleuropas. Die Vereinigten Staaten aber werden auf dem Zaun sitzen und so lange zuschauen, bis die Standard-Oil-Kapitalisten festgestellt haben, welche der kriegführenden Gruppen ihnen den höchsten Preis bietet; dann werden die Propagandabureaux der Petroleum-Industrie ans Werk gehen, und in ein bis zwei Monaten wird jeder biedere patriotische Amerikaner überzeugt sein, dass es sich hier um einen Krieg für Kultur und Demokratie handelt.

Ich lebe in der Nähe einer der neuen Petroleumquellen. Einige meiner Freunde sind in der letzten Zeit reich geworden, andere auch, aber schnell wieder verarmt. Ich sah den jähen Aufschwung einer kalifornischen Stadt, die ganz in Baugründe eingeteilt war. Ich sah, wie die Besitzer sich veruneinigten, wieder vereinigten, bekämpften. Ich sah in einem einzigen Stadtblock kleine Weltkriege wüten. Die Kriegsbazillen scheiden in den Körpern ihrer Opfer das Gift des Neides, der Habgier und des Hasses aus, und die Unseligen schicken sich an, das Glück ihrer Nachbarn und dadurch das eigene zu zerstören.

Für die Petroleumgewinnung in Süd-Kalifornien ist eine Riesensumme ausgeworfen. Dreiviertel davon wird verschwendet, indem man einfach falsch bohrt. Ein Dutzend Brunnen wird auf einem einzigen Block gegraben, weil man sich beeilen muss, damit der Besitzer des nächsten Blocks nicht das Petroleum fortpumpt. So kommt es, dass Dreiviertel des Nutzens, den die Menschheit haben könnte, in die Erde sickert oder für sinnlos aufgebaute Holzgerüste vergeudet wird. Das wiederholt sich im nationalen Masstab, weil sich die Kapitalisten nicht zu einer gerechten Verteilung entschliessen können: sie gehen bei dem Versuch, das Petroleum des Nachbarn zu rauben, selbst bankrott.

Der Statistik nach hat die amerikanische Regierung im Jahre 1920 - also in einem Friedensjahr - für gewesene und zukünftige Kriege 93 Prozent des gesamten Nationaleinkommens ausgegeben. Mit anderen Worten : wir wenden ein Vierzehntel unserer Energien an den Aufbau des menschlichen Lebens und 13 Vierzehntel an dessen Zerstörung - und dann wundern wir uns, dass Gott die Welt mit so viel Unglück heimsucht."



von Drahbeck - am 21.06.2009 03:56

Re: "Ein Gott zu sein ist schwer"

Zitat
Drahbeck
... Interessant zum Thema auch:
http://www.evolver.at/stories/Upton_Sinclair_Der_Dschungel/

Zitiert wurde der Pazifist Sinclair auch in der Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1936. Da die Substanz seiner Aussagen darin ähnlich ist, sei die Wiedergabe seiner Aussagen auf jene im GZ (Bern) vom 1. 5. 1924 beschränkt.
Sinclair wird dann wie folgt zitiert:

„ ... Ich lebe in der Nähe einer der neuen Petroleumquellen. Einige meiner Freunde sind in der letzten Zeit reich geworden, andere auch, aber schnell wieder verarmt. Ich sah den jähen Aufschwung einer kalifornischen Stadt, die ganz in Baugründe eingeteilt war. Ich sah, wie die Besitzer sich veruneinigten, wieder vereinigten, bekämpften. Ich sah in einem einzigen Stadtblock kleine Weltkriege wüten. Die Kriegsbazillen scheiden in den Körpern ihrer Opfer das Gift des Neides, der Habgier und des Hasses aus, und die Unseligen schicken sich an, das Glück ihrer Nachbarn und dadurch das eigene zu zerstören.

Für die Petroleumgewinnung in Süd-Kalifornien ist eine Riesensumme ausgeworfen. Dreiviertel davon wird verschwendet, indem man einfach falsch bohrt. Ein Dutzend Brunnen wird auf einem einzigen Block gegraben, weil man sich beeilen muss, damit der Besitzer des nächsten Blocks nicht das Petroleum fortpumpt. So kommt es, dass Dreiviertel des Nutzens, den die Menschheit haben könnte, in die Erde sickert oder für sinnlos aufgebaute Holzgerüste vergeudet wird. Das wiederholt sich im nationalen Masstab, weil sich die Kapitalisten nicht zu einer gerechten Verteilung entschliessen können: sie gehen bei dem Versuch, das Petroleum des Nachbarn zu rauben, selbst bankrott.

Der Statistik nach hat die amerikanische Regierung im Jahre 1920 - also in einem Friedensjahr - für gewesene und zukünftige Kriege 93 Prozent des gesamten Nationaleinkommens ausgegeben. Mit anderen Worten : wir wenden ein Vierzehntel unserer Energien an den Aufbau des menschlichen Lebens und 13 Vierzehntel an dessen Zerstörung - und dann wundern wir uns, dass Gott die Welt mit so viel Unglück heimsucht."

wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=40606825&top=SPIEGEL

Arkadi und Boris Strugazki Ein Gott zu sein ist schwer S. 80, 81
www.michael-andre-werner.de/bs/gott.htm

Ob die Einwohner ahnten, daß Furchtbares auf sie zukam, ob sie, wie der übergescheite Don, glaubten, daß man sich zum Tag des heiligen Mika rüste? Zweihunderttausend Männer und Frauen - Schmiede, Waffenschmiede, Schlächter, Galanteriewarenhändler, Juweliere, Hausfrauen, Prostituierte, Wechsler, Soldaten, Landstreicher, überlebende Bücherfreunde - wälzten sich in stickigen, verwanzten Betten: schliefen, liebten, überschlugen in Gedanken ihre Profite, knirschten vor Wut oder wegen erlittener Kränkung mit den Zähnen. Zweihunderttausend! Doch etwas hatten sie für einen von der Erde kommenden Fremden gemeinsam: Sie waren ausnahmslos alle noch keine Menschen im eigentlichen Sinn, sondern Rohmaterial, aus dem Jahrhunderte blutiger Geschichte einmal einen wirklichen, stolzen und freien Menschen meißeln würden. Sie waren passiv, gierig und unerhört egoistisch. Psychologisch gesehen, waren fast alle Sklaven: Sklaven der Religion, Sklaven untereinander, Sklaven ihrer kleinlichen Leidenschaften und ihrer Habsucht. Wenn einer von ihnen durch Schicksalsfügung zum Herrn geboren wurde, wußte er mit seiner Freiheit nichts anzufangen und hatte nichts Eiligeres zu tun, als Sklave des Reichtums, Sklave widernatürlicher Ausschweifungen, Sklave sittenloser Freunde, Sklave der eigenen Sklaven zu werden. Ihre überwiegende Mehrheit aber war unschuldig daran. Passivität und Unwissenheit führten sie in die Sklaverei, die ihrerseits immer neue Sklaverei hervorbrachte. Wären alle gleich gewesen, gäbe es keine Hoffnung. Immerhin aber waren es Menschen mit einem Funken Verstand, und bald hier, bald dort tauchten immer wieder in ihrer Mitte Leuchtzeichen einer fernen, doch unausweichlichen Zukunft auf, trotz allem, trotz ihrer scheinbaren Sinnlosigkeit, trotz aller Unterdrückung, obwohl man sie mit Füßen austrat. Obwohl niemand auf der Welt sie brauchte, alle Welt gegen sie war und sie bestenfalls auf verächtliches, befremdetes Mitleid rechnen konnten. ...

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von X ~ mysnip - am 29.06.2009 15:07

Re: Arkadi und Boris Strugazki

Arkadi und Boris Strugazki Ein Gott zu sein ist schwer S. 81, 82
www.michael-andre-werner.de/bs/gott.htm

Sie wußten nicht, daß die Zukunft für sie war, daß es ohne sie keine Zukunft gäbe. Sie wußten nicht, daß sie in dieser Welt gespenstischer Vergangenheit die einzige reale Zukunft, das Ferment, das Vitamin im Organismus der Gesellschaft waren. Zerstörte man dieses Vitamin, dann verfaulte die Gesellschaft, sozialer Skorbut breitete sich aus, die Muskeln erschlafften, die Augen verlören ihre Sehkraft und die Zähne fielen aus.

Ein Staat ohne Wissenschaft wird von seinen Nachbarn vernichtet. Ohne Kunst und allgemeine Kultur ist er unfähig zur Selbstkritik; er beginnt fehlerhafte Tendenzen zu fördern und bringt auf Schritt und Tritt Heuchler und Minderwertige hervor. Konsumdenken und Überheblichkeit seiner Bürger führen dazu, daß er letzten Endes einsichtvolleren Nachbarn zum Opfer fällt.

Man kann die Bücherfreunde verfolgen, Wissenschaften verbieten, die Kunst vernichten, aber früher oder später muß man sich eines Besseren besinnen und, wenn auch zähneknirschend, den Weg für alles, was herrschsüchtige Dummköpfe und Ignoranten hassen, freigeben.

So sehr die grauen Männer an der Macht auch das Wissen verachteten, waren sie doch machtlos gegenüber der geschichtlichen Entwicklung, die sie zwar hemmen, nicht aber verhindern konnten.

Trotz ihrer Abneigung und Furcht vor dem Wissen, würden sie, um sich halten zu können, gezwungen sein, es zu fördern. Früher oder später würden sie Universitäten und wissenschaftliche Vereinigungen gestatten, Forschungszentren, Observatorien und Laboratorien ins Leben rufen, Kader des Denkens und Wissens schaffen müssen: ihrer Kontrolle entzogene Menschen mit völlig andersgearteter Psyche und ganz anderen Bedürfnissen.

Diese Kader aber würden in der althergebrachten Atmosphäre von unwürdiger, niederer Habgier weder existieren noch wirken können - inmitten von Menschen, deren Gott der Bauch ist, die in stumpfer Selbstzufriedenheit und ausschließlich grob sinnlichen Bedürfnissen leben. Sie brauchten eine Atmosphäre allgemeiner, umfassender, von schöpferischer Spannung erfüllter Erkenntnis, bildende Künstler und Komponisten.

Die grauen Machthaber würden auch diese Konzession machen müssen. Und wer sich sträubte, würde im Kampf um die Macht von einem schlaueren Rivalen hinweggefegt werden, aber auch der zu Konzessionen Bereite würde sich durch diese seine Bereitschaft paradoxerweise wider Willen sein Grab graben. Denn todbringend ist für Unwissende, Egoisten und Fanatiker das kulturelle Wachstum des Volkes in seiner ganzen Vielfalt und Breite: von der naturwissenschaftlichen Forschung bis zur Begeisterung für große Musik. Eine Epoche tiefer sozialer Erschütterungen würde anbrechen, in der sich die Wissenschaften ungemein entwickeln und ein breiter Intellektualisierungsprozeß der Gesellschaft einsetzen würde, eine Epoche, in der das Graue seine letzten Gemetzel lieferte, um die Menschheit ins Mittelalter zurückzuwerfen, doch es würde eine Niederlage erleiden und in der von Klassen unterdrückung befreiten Gesellschaft als reale Kraft für immer verschwinden.

Holger Biege Reichtum der Welt
http://www.youtube.com/watch?v=tfJhX48JjrI

(2 von 2)


von X ~ mysnip - am 30.06.2009 14:49
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