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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck

Vor fünfzig Jahren

Startbeitrag von Drahbeck am 07.10.2014 23:09

Letzte Teile dieser Serie
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,228910,228910#msg-228910


Tönern
Zitat

„In Dänemark gehören mehr als 97 Prozent der Bevölkerung der Staatskirche an, doch gehen nicht einmal 3 Prozent in die Kirche"
weis „Erwachet!" vom 8. 10. 1964 mitzuteilen.
Oder auch dieser Satz:
Zitat

„Viele Menschen gehören nur aus Rücksicht auf ihre Eltern oder weil diese einen Druck ausüben einer Kirche an."

Weiter soll nach dieser „Erwachet1"-Ausgabe die da als Sonderausgabe aufgemacht ist, ein ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen auf einer Tagung erklärt haben:
Zitat

„Es gehöre heute zum guten Ton, Mitglied einer Kirche zu sein; die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes sei innerlich säkularisiert."

Die WTG indes wähnt sich in die Brust werfen zu können, dies gelte aber so nicht für sie.
Wirklich?
Vieles ist im Leben eine Frage von Zeit und Umständen.
Und
Zitat

„gestern noch auf hohen Rossen - morgen schon die Kugel durch die Brust geschossen!"

Antworten:

Re:Keine Pazifisten

Vor fünfzig Jahren
Der „Wachtturm" vom 15. 10. 1964 zitiert sich selber mit dem Satz:
Zitat

„Jehovas Zeugen sind keine Pazifisten. Sie kämpfen oder demonstrieren nicht gegen die von vielen Regierungen festgelegte Wehrpflicht ..."
Etwas unvollständig ist aber dieses Zitat schon. Und des weiteren wird auch keine Quelle genannt, wo der WT das so formuliert, schon mal geschrieben hat.
In der Tat, ist diese Quelle aber bekannt. Und zwar der „Wachtturm" (deutsche Ausgabe) vom 15. 3. 1951. Dortige Artikelüberschrift unter anderem,
Zitat

„Warum Jehovas Zeugen keine Pazifisten sind".

Noch durchaus bemerkenswerter ist indes das Interview dass der damalige WTG-Funktionär (und Sekretär des WTG-Präsidenten N. H. Knorr) der amerikanischen Zeitschrift „Look" einmal gab. Nun war Henschel sicherlich nicht irgendwer. Bekanntermaßen brachte er es in späteren Jahren selbst noch zum WTG-Präsidenten.
Und in besagtem „Look"-Interview liest man auch die eher erstaunlichen Sätze
Zitat

„kämpfen die Zeugen Jehovas nur, wenn Gott es ihnen befiehlt."

Henschel im „Look"-Interview

Zurückkehrend zur „Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 10. 1964. Das war die Zeit, in der die USA zunehmend in ihr Vietnamkrieg-Abenteuer Abenteuer verstrickt wurden.
Offenbar hat aber Jehova nicht den Zeugen Jehovas befohlen, sich daran mit zu beteiligen. Das indes, empfand die Militär-Bürokratie in den USA, weniger lustig. Und sie reagierte auch entsprechend gereizt.
Und so liest man in dieser WT-Ausgabe weiter, von der Verurteilung eines Zeugen Jehovas in den USA, zu fünf Jahren Gefängnis, wegen Wehrdienstverweigerung.
Auch andere Staaten verstehen bei diesem Thema, bekanntermaßen keinerlei Spaß. Begrenzt man die Bewertung auf die Zeit nach 1945, kann man aber sagen. So drastische Urteile, wie das da in den USA ausgesprochene, sind ansonsten nur noch aus Griechenland bekannt; in der Gegenwart vielleicht noch, auch aus Südkorea. Gleich danach kommen also die USA, dieser angebliche „Hort der Freiheit".

von Drahbeck - am 15.10.2014 02:59

Spanien

Vor fünfzig Jahren
Auf etwa 7 Druckseiten jubelt „Erwachet!" vom 22. 10. 1964:
„Spanische Gerichte entscheiden gegen religiöse Unduldsamkeit".
Über einen Herrn Jose Orzaez Ramires und seinen Clinch mit der katholisch dominierten Bürokratie in Spanien, berichtet jener Artikel im besonderen. Danach hätten sich am 24. 12. 1960 13 Personen in seiner Wohnung im Sinne der Zeugen Jehovas zu einem sogenannten „Bibelstudium" versammelt, und wurden dieserhalb verhaftet (für etwa einen Tag).

Nun sind solcherlei Praktiken für freiheitliche Länder westlicher Prägung, sicherlich unüblich. Und Spanien zu jener Zeit machte eine unrühmliche Ausnahme von dieser Regel.
Die Frage indes bleibt unbeantwortet. Wieso wusste die Polizei, dass ausgerechnet am 24. 12. sich 13 Personen in der Wohnung des genannten versammelten? Irgendein äußerer Anlass muss doch wohl gegeben sein. Es hätte ja ebenso eine rein familiäre Zusammenkunft mit 13 Personen, an jenem Tage sein können.
Es werden zwar noch weitere ähnlich gelagerte Fälle geschildert. Indes stutzig macht eine weitere Angabe in jenem Artikel
Danach habe eine Gruppe von Zeugen Jehovas aus dem Dorf Petra auf der Insel Mallorca, eine ihrer Predigtdiensttouren, organisierter Art, just an einem 25. Dezember veranstaltet.
Es wird zwar nicht erwähnt in welchem Jahre. Indes berücksichtigt man etwa Aussagen im deutschen „Unser Königreichsdienst", kann unterstellt werden. Ausgerechnet ein 25. Dezember als Tag, wo Jehovas Zeugen wildfremde Menschen in ihren Wohnungen ansprechen. Solcherlei Praktiken haben durchaus System. Es kann unterstellt werden, das dürfte dann in Spanien in ähnlicher Weise abgelaufen sein.
Siehe auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,121412,138823#msg-138823
14. Oktober 2012 00:45
Zitat aus der entsprechenden KD-Ausgabe:
Zitat

"Da der 25. und 26. Dezember gesetzliche Feiertage sind, können die Versammlungen besondere Zeitschriftentage planen und entsprechende Sonderbestellungen einsenden".

Und das ist dann wohl auch dem Bereich der vorsätzlichen Provokation zuzuordnen.
Im Falle Spanien dann eben auch durch eine Gruppierung, welche dort noch keinerlei gesetzliche Eintragung erreicht hatte.
Aufs Provozieren indes, verstanden sich die WTG-geführten Zeugen Jehovas von jeher, und das keineswegs „nur" in Spanien!
Der Artikel endet auch mit der Angabe:
Zitat

„Der Oberste Gerichtshof von Spanien wird sich noch mit 30 weiteren Fällen von Zeugen Jehovas befassen müssen"
, was denn ein weiterer Beleg für die Vorsätzlichkeit des Handelns der WTG-Geführtern ist.

von Drahbeck - am 22.10.2014 04:27

Erziehung zum Außenseitertum

Vor fünfzig Jahren
Adressiert an die Jugendlichen widmet sich ein sechs Druckseiten umfassender Artikel im „Wachtturm" vom 1. 11. 1964 wieder mal der WTG-typischen Erziehung zum Außenseitertum.
Gelegentlich ist von WTG-Kritikern auch schon mal die Vokabel verwandt worden, was denn so alles bei den Zeugen Jehovas verboten sei.
Nun ist es in der Tat so, de jure Verbote im strengen Wortsinne, lassen sich nicht nachweisen. Aber unterhalb dieser Schwelle, gibt es durchaus etliche von der WTG forcierte Mechanismen, welche in der Endwirkung, durchaus mit Verboten vergleichbar sind. Auch der genannte WT-Artikel strotzt förmlich davon.
Zu den Mechanismen unterhalb von de jure-Verboten, welche die WTG nutzt, gehört auch das Miesmachen von Verhaltensweisen. Genau dieser Technologie begegnet man in diesem Artikel.
Dazu gehören dann auch solche Sätze im WT-Artikel wie:
Zitat

„Selbstverständlich könnt ihr nicht vollständig vermeiden, mit Ungläubigen in Berührung zu kommen ... Sobald aber die Glocke ertönt, die euch das Ende des täglichen Unterrichts ankündigt, braucht ihr euch nicht noch lange in dieser Gesellschaft aufzuhalten, als ob ihr euch in ihr wohlfühltet."

Nicht unerwartet wird auch etwa das Weihnachtsfest, sofern es im Schul-Stundenplan Eingang gefunden hat, mies gemacht und nahegelegt, alle Anstrengungen zu unternehmen, sich davon dispensieren zu lassen.
Auch das Thema Geburtstage, ist dann für den WT solch ein heikles Thema. Auch da wird nahelegt:
Zitat

„Ein Zeuge Jehovas würde um Befreiung ersuchen. Würde seinem Gesuch nicht entsprochen, so könnte er während der Feier einfach ruhig dasitzen, ohne sich zu beteiligen."

Sportliche Aktivitäten werden mit einem ähnlichen Stigma belegt. Ein Minimum das im regulären Stundenplan enthalten ist, wird zwar hingenommen, aber schon wenn es den Grad erreichen sollte, etwa von Schülermannschaften, erhebt die WTG den ablehnenden Finger.
Die WT-Belehrung dazu lautet dann unter anderm:
Zitat

„Denke daran, daß der Apostel Paulus dem jungen Timotheus schrieb: 'Die Leibesübung ist zu wenigem nützlich ... Da ein 'wenig' Leibesübung im Schulplan eingeschlossen ist und dein Lebensziel nicht darin besteht, eine Sportgröße zu werden ..."

Und weiter die WT-Belehrung:
Zitat

„Demnach solltest du bei Sport und Spiel außerhalb der Schule nicht mit weltlichen Jugendlichen zusammen sein."

Arbeitsgemeinschaften und Schülerclubs erhalten ebenfalls eine eher abwertende Bewertung seitens der WTG.
Insonderheit sollte sein Hauptmerkmal die Pflege von Geselligkeit sein.
Dazu auch die WT-Belehrung:
Zitat

„Selbst wenn es sich um einen Hobby-Klub handeln würde, müßte man sich fragen, ob es ratsam wäre ein Hobby in Verbindung mit Weltmenschen zu pflegen."

Schülerbälle etwa erhalten eine prinzipielle Negativbewertung. Dazu meint der WT zu wissen:
Zitat

„Viele Schulbälle sind schon zu einem öffentlichen Ärgernis geworden."

Daher die WT-Konsequenz:
Zitat

„Jehovas Zeugen nehmen daher an Schulbällen nicht teil."

Auch Musikangebote, insonderheit Schulorchester finden das Mißfallen der WTG, denn dort könnte ja - beispielsweise - etwa Nationalhymnen oder ähnliches, in Erscheinung treten.
Weitaus relevanter in diesem Kontext ist indes die Sorge der WTG, welche sie in dem Satz zusammenfaßt:
Zitat

„Müßtet ihr vielleicht wegen der Proben die Zusammenkünfte versäumen oder hättet ihr vielleicht weniger Zeit für den Predigtdienst ..."

Ergo die WTG will nur ihre eigenen egoistischen Interessen gewahrt sehen und sonst nichts!



von Drahbeck - am 01.11.2014 03:43

Portugal (II)

Vor fünfzig Jahren
(Teil I: http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,228910,275372#msg-275372
22. Juli 2014 07:26 )
Nachdem „Erwachet!" vom 22. 7. 1964 bereits eine großangelegte Propaganda-Kampagne gegen Portugal in die Wege geleitet hatte, welche in der Aufforderung gipfelte, seitens der Zeugen Jehovas jenes Regime mit Protestbriefen zu überfluten, setzt sich diese Kampagne in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 11. 1964 fort.
Adressat der Aktion war unter anderem die Portugiesische Botschaft in den USA. Selbige reagierte nun mit einem Antwortbrief, der auch den Satz enthielt:
Zitat

„Die Gesandtschaft wäre Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie diesen Brief in Ihrer Zeitschrift veröffentlichten".

Wohl eher mit ungutem Gefühl, wurde WTG-seitig dann auch dieser Forderung entsprochen. Wie wohl kaum anders zu erwarten, flankiert mit einer ellenlangen WTG-Gegenantwort.
Es wurde bereits notiert, das Portugal jener Jahre war in der Tat klerikal-faschistisch ausgerichtet. Insoweit war vorauszusehen. Es gibt keinen „Konsens" bei diesem Schlagabtausch. Die eher marginale Gruppe der Zeugen Jehovas in Portugal jener Jahre, die aber nicht nur ein stilles Leben führen sollte (gemäß den Brooklyner Anweisungen) sondern nahezu schrill-provokativ von sich reden machte. Das waren halt zwei „kommunizierende Röhren", die sich in der Konsequenz dann gegenseitig „hochschaukelten".
Einige bemerkenswerte Sätze aus dem Antwortschreiben der Portugiesischen Gesandschaft in den USA dann noch:
Zitat

Als „organisierten Haßfeldzug"
bezeichnet jene Gesandtschaft dann die WTG-Aktion, und verweist dabei auch auf den Umstand:
Zitat

„Wir haben Hunderte von Briefen erhalten - Dutzende davon sind gleichlautend, und einige sind sogar im verkehrten Umschlag angekommen."

Inhaltlich werden diese Schreiben wie folgt bezeichnet:
Zitat

Sie „sind größtenteils beleidigend, unhöflich und öfters zur Veröffentlichung geradezu ungeeignet."

Zu dem Gegenangriff der Portugiesischen Gesandtschaft gehörte dann auch die Aussage:
Zitat

„Bei ihrer Propagandatätigkeit in verschiedenen Wohnvierteln Lissabons sowie anderer Städte haben 'Jehovas Zeugen' Hausfriedensbruch begangen, indem sie unter den Leuten ihr Propagandamaterial aufdrängten, wobei sie es öfters an Drohungen und Beschimpfungen nicht fehlen ließen. In mehreren Fällen haben die 'Zeugen Jehovas' mit Gewalt die Türen offengehalten, wenn die erschreckten Wohnungsinhaber sie zu schließen suchten, um nicht weiter gestört zu werden. Das ist eine krasse Verletzung der Rechte der portugiesischen Bürger."

Angesichts dieses Vorhaltes wird man unwillkürlich an die Verhältnisse in Hitlerdeutschland erinnert.
Auch da wurden, wie sich die heraufziehende Verbotssituation abzeichnete, umfängliche geheime Bücherlager mit WTG-Büchern und Broschüren angelegt.
In den WTG-Jahrbuchberichten (nach 1933), wurde dann auch minutios Buch darüber geführt, wieviele dieser Bücher und Broschüren (allesamt mit Erst-Erscheinungsdatum vor 1933), dann in Hitlerdeutschland zur Verbreitung gelangten, durch die Zeugen Jehovas.
Als wenn in der eingetretenen Verbotssituation die Weiterverbreitung des WTG-Schrifttums an solche Leute, die es vordem noch nicht hatten, so überaus „wichtig" wäre.
Die Gestapo die das auch registrierte, für die war das auch ein Motivationsschub für ihre Gegenmaßnahmen.
Auch ein Beispiel von „kommunzierenden Röhren" die sich da gegenseitig hochschaukelten.
Der Unterschied im Falle Portugal ist halt der; ein formales Verbot, trotz alle Querelen gab es nicht. Hätte man sich still und ruhig verhalten, hätte man auch die katholisch-faschistische Phase in Portugal, einigermaßen heil überstehen können. Immer daran denkend, der Krug kann nur solange zu Boden gehen, bis er bricht. Und die Option das noch mal andere Zeiten kommen können, gilt es auch zu sehen.
Trotzdem wurden zur Unzeit, seitens der Zeugen Jehovas, betont aggressive Propagandamethoden praktiziert. Über die Ergebnisse dieser WTG-Strategie, braucht man dann wohl auch nicht verwundert zu sein!

Exkurs:
Einige Zahlen über den Umsatz an WTG-Schriften ab 1933 in Hitlerdeutschland laut den WTG-Jahrbuchberichten.
1933: 490.333 Bücher und 4.661.583 Broschüren.
Für 1934 gibt es bezogen auf das eigentliche Deutschland keinen Zahlennachweis. Das auch, weil auf Anraten der USA-Botschaft in Deutschland, die mittlerweile mit eingeschaltet war, ein Stillhalten angeraten wurde, einstweilen. Indes aus Danzig wird berichtet: 1739 Bücher und 56.269 Broschüren.
Aus dem Saargebiet 2010 Bücher und 38.567 Broschüren.
Auch für 1935 ist zu vermelden. Mit Unterstützung der USA-Botschaft in Deutschland, konnte die WTG eine Vermögensfreigabe erreichen. Die Balzereit-Administration suchte in dieser Sachlage eher zu lavieren. Insoweit gibt es für das eigentliche Deutschland keine Zahlenangaben. Aber wiederum die für Danzig:
2856 Bücher und 85.437 Broschüren.
Saargebiet: 2465 Bücher und 26.941 Broschüren.
Indes für 1936 gibt es wieder eine Zahl für Deutschland.
452.840 WTG-Bücher und Broschüren will man in jenem Jahre umgesetzt haben (aus den Beständen der geheimen WTG-Bücherlager).
Zuzüglich in Danzig 56 Bücher und 225 Broschüren.
Saargebiet 225 Bücher und 2281 Broschüren.
Für 1937 wird dann wieder keine Zahl nachgewiesen, wohl aber die für Österreich, welches sich mittlerweile auch unter den Verbotsländern mit befand.
3.622 Bücher und 48.137 Broschüren.
Für Deutschland des Jahres 1938 wird dann nochmals eine Umsatzzahl genannt:
14.289 Bücher und Broschüren.
Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Gestapo schon mächtige Verwüstungen in der Zeugen Jehovas-Infrastruktur angerichtet hatte, und die „Zeichen der Zeit" generell auf Sturm standen.

von Drahbeck - am 08.11.2014 06:20

H. H. Riemer

Vor fünfzig Jahren
Über einen Herrn Hugo Henry Riemer, wird im Rahmen der geschönten Lebensberichte, welche der „Wachtturm" da auch so von Zeit zu Zeit vorzustellen beliebt, auch ein solcher im „Wachtturm" vom 15. 11. 1964 kredenzt.
Der Name ist insoweit bereits bekannt, als er auch in den Namen jener sieben, sich selbst ergänzenden Herrschaften mit auftaucht, welche die Impressums-Angaben der WTG of Pennsylvania beinhaltet:

Zitat

WATCH TOWER BIBLE AND TRACT SOCIETY OF PENNSYLVANIA
N. H. Knorr, Präsident
F. W. Franz, Vizepräsident
Grant Suiter, Sekretär-Kassier
H. H. Riemer, stellvertretender Sekretär-Kassier
T. J. Sullivan, Direktionsmitglied
L. A. Swingle, Direktionsmitglied
M. G. Henschel, Direktionsmitglied"

Schon als die WTG ihre Olin Moyle-Krise hatte, und sich Rutherford zu einer lendenlahmen Verteidigung genötigt sah, durfte als Mitunterzeichner eben auch besagter Herr Riemer fungieren:
Zitat

Moyle ist vier Jahre lang mit den vertraulichen Angelegenheiten der Gesellschaft betraut gewesen, und darauf greift er ohne Entschuldigungsgrund diejenigen an, die ihm vertraut haben, und verleumdet sie. ... Da ihr nun gewarnt seid, muss ein jeder selbst wählen, ob er sich dem 'bösen Knecht' anschließen und die Folgen auf sich nehmen will ...
(gez): Fred W. Franz, N. H. Knorr; Grant Suiter; T. J. Sullivan, W. P. Heath jr., H. H. Riemer, W. E. van Amburgh, A. R. Goux, C. A. Wise. C. J. Woodworth.
Gut zur Veröffentlichung: J. F. Rutherford, Präsident."

Siehe auch:
19392Moyle

Bereits im Jahre 1883 kam die Familie Riemer mit WTG-Hörigen in Kontakt. Sein Vater damals Superintendent der Methodistenkirche, soll dann zu den Bibelforschern konvertiert sein. Riemer Junior soll dann etwa ab 1896 als Achtzehnjähriger diesem Trend ebenfalls gefolgt sein.
Namentlich erlebte er die WTG-Krise im ersten Weltkrieg (Verurteilung von Rutherford und Zubehör) zu je 20 Jahre Zuchthaus hautnah mit. Eine Folge dessen auch die zeitweilige Aufgabe des New Yorker WTG-Büros und Rückzug nach Pittsburgh.
Zitat Riemer:
Zitat

„Der Haß gegen uns nahm in New York dermaßen überhand, daß man uns keine Kohlen liefern wollte, obwohl der Winter nahte."

Und eben die Folgewirkung, Rückzug nach Pennsylvania.
Später sollte sich die Lage für die WTG wieder entspannen, und sie konnte nach New York zurückkehren. Riemer's Part beim Rück-Umzug dann in Pittsburgh, als „letzter dort das Licht auszumachen".
Derart einschlägige Erfahrungen bereits gesammelt habend, war ihm in der Folge die Position eines Chef-Einkäufers für die WTG zugeteilt.
Einkäufer ist dann wohl in erster Linie ein Kaufmännischer Geschäftsjob. Er mag diesen sicherlich auch im Sinne des Wohlgefallens seines Chefs N. H. Knorr gehändelt haben. Nochmals auf die Namen der im Impressum der Pennsylvanischen WTG genannten sieben Namen zurückkommend. Die repräsentierte zumindest in der Sicht des betörten Fußvolkes, so etwas wie die geistliche Leitung ihrer Religionsgemeinschaft.
Ob in den geistlichen Leitungen anderer Religionsgemeinschaften, auch ausgesprochene Geschäfts-Technokraten an so herausgehobener Stelle genannt werden, ist doch sehr die Frage. Immerhin auch ein Indiz, womit man es bei der WTG zu tun hat. Mit einem florierenden Geschäftsunternehmen.

von Drahbeck - am 15.11.2014 01:59

Weltraumfahrt

Vor fünfzig Jahren
„Gibt es Leben im Weltraum?" fragt „Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 22. 11. 1964 in einem Artikel.
Zu den mit erwähnten Details gehört auch das.
Eine geplante Rakete mit der ungeheuren Geschwindigkeit von 160 km in der Sekunde würde bei dieser Geschwindigkeit den nächsten Nachbar im Weltraum, Alpha Centauri, erst in 8000 Jahren erreichen, meint zumindest „Erwacht!". Ob das so stimmt oder nicht, vermag ich indes nicht zu beurteilen.
Demgegenüber steht etwa die Aussage der Wikipedia:
Zitat

„Am Abend des 20. Juli 1969 setzte der Lander des Raumschiffes Apollo 11 auf der Mondoberfläche auf. Neil Armstrong verließ um 3:56 Uhr UTC die Landefähre und betrat als erster Mensch den Mond"

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Raumfahrt#Die_Aufholjagd_der_USA_und_die_Reise_zum_Mond
Sicherlich hat diese Mondlandung keine „8000jährige Reisedauer" beansprucht.
Dieses Beispiel zeigt dann wohl, dass „Erwachet!" letztendlich auch nur im Nebel herumstochert, und nur Nebel als „Ergebnis" zu präsentieren vermag.
Dennoch nutzt „Erwachet!" die angesprochene Thematik, um sein vorwissenschaftliches Weltbild, als der „Weisheit" letzter Schluss zu verkaufen.
So wie es einst Leute gab, die mit aller Gewalt an ihrer Vorstellung, die Erde sei eine Scheibe, festhalten wollten, verhält es sich auch hierbei.
Als Laie täte man sicherlich gut daran, diese Frage den damit befassten Wissenschaftlern zu überlassen.
Als Laie täte man weiter gut daran, einzuräumen, es gibt wohl weiter unbeantwortete Fragen.
Die Vollmundigkeit, für ein Vorwissenschaftliches Weltbild, die da „Erwachet!" verkaufen will, ist wohl mehr als daneben!

von Drahbeck - am 22.11.2014 03:36

Dreissig Stunden fehlten

Vor fünfzig Jahren
„Harrst du aus, oder bist du müde geworden?" titelt ein Beitrag in der „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 12. 1964. Sinn solcherlei Belehrung sich für die WTG weiter aufzuopfern.


Und um diesem Aspekt zu unterstreichen, ist diese WT-Ausgabe dann wieder mal - zusätzlich - mit der Schilderung von Beispielen aus der WTG-Betörtenszene bestückt. Zum Beispiel dieses:
Zitat

„Ein Zeuge Jehovas, der bei einer Baufirma im Westen der Vereinigten Staaten schon längere Zeit als Bauingenieur arbeitet, ist gleichzeitig leitender Prediger einer Versammlung der Zeugen Jehovas. ... Letztes Jahr machten die Inhaber der Firma ihm das verlockende Angebot, Betriebsaufseher zu werden. Man bot ihm ein höheres Gehalt und noch verschiedene andere sogenannte Vorteile an."

Die Story endet damit, er lehnte ab, wegen des voraussehbaren höheren Zeiteinsatzes, welche diese Stellung wohl erforderlich machen würde.
Oder auch diese Story:
Einem Jugendlichen mit guten schulischen und sportlichen Leistungen,
Zitat

„wurde von einem Fußballclub ein Stipendium zum Besuch eines Colleges angeboten".
Auch in diesem Falle hebt die WTG die Ablehnung dieses Angebotes als „positiv" hervor.
Und um das Maß voll zu machen, schildert sie noch einen Fall aus ihrem Betörtenmilieu.
Einem Sonderpionier hätten demnach wegen Krankheit noch dreißig Stunden an seiner monatlichen Quote gefehlt.
Zitat

„Es fehlten ihm noch dreißig Stunden zu seiner Monatsquote, die ihn zum Bezug der Entschädigung berechtigt hätte. Da er die Entschädigung damals besonders nötig hatte, setzte er auf seinem Bericht die volle Stundenzahl ein."

Aber o weh
Zitat

„Die Schwierigkeiten nahmen kein Ende".

Als Happyend dieser Story teilt die WTG mit, man habe ihm „großzügigerweise" erlaubt die dreißig Stunden im kommenden Sommer in seinen Ferien nachzuholen
Zitat

„und forderte die Entschädigung nicht zurück".

Wenn da von einer „Entschädigung" die Rede ist, weis man ohnehin nicht, ob man nun weinen oder lachen soll.
Aber sicherlich ist es wohl auch war, dass einige aus dieser Szene mittlerweile ein besonderes Talent entwickelt haben, sich bei anderen Betörten „durchzufressen" nebst anderen Praktiken, die schon verdächtig den Grad der Simonie, der Bestechlichkeit erreichen.

von Drahbeck - am 01.12.2014 03:13

Nochmals: Chiropraktik

Vor fünfzig Jahren
Bereits Gerhard Hetzer notierte in seine Abhandlung über die „Ernsten Bibelforscher in Augsburg"
Zitat

„Bezeichnend (sei) der Einfluß von Naturheilkundigen in Augsburger Bibelforscherkreisen vor 1933. Zur Tarnung von Zirkeln als »Heilinstitute für Chiropraktik und Osteopathie« errichtet."

In den zugehörigen Fußnoten wird letztendlich auf den Großraum München verwiesen, wo das so zu beobachten war.

Da ist in der Tat auf ein Rundschreiben der Bayrischen Politischen Polizei vom 21. April 1936 hinzuweisen, dass auch ausführte:
Zitat

„Nach einer Mitteilung der Staatspolizeistelle Magdeburg sollen ehemalige Mitglieder und Anhänger dar verbotenen Internationalen Bibelforschervereinigung zur Tarnung illegaler Aufbaubestrebungen Vorbereitungen treffen und zu diesem Zweck Heilinstitute für Chiropraktik und Osteopathie eröffnen.
Wie hier festgestellt wurde, hat ein früherer Anhänger der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher aus Magdeburg tatsächlich in München ein derartiges Institut errichtet...."

Auch Herr Johannes Wrobel berichtet in einer Abhandlung über den im Jahre 1900 geborenen Zeugen Jehovas Wilhelm Emil Schumann:
Zitat

„1933 und 1934 war Schumann für die Watch Tower Society in Bern (Schweiz) tätig ... und ließ sich gleichzeitig durch Schweizer Ärzte in der Chiropraktik (Handheilverfahren durch Wirbeladjustierung) ausbilden. Nach der Rückkehr folgte 1935 seine Zulassung als Chiropraktor in Magdeburg. Schumann ... entwickelte erfolgreiche chiropraktische Adjustierungsgriffe und gehörte bald zu den bekanntesten Vertretern der Chiropraktik Deutschlands. ... Er wurde zusammen mit seinem Vertrauten Johannes Schindler ... am 17.10.1944 zum Tode verurteilt, doch beide entgingen dem Fallbeil in Brandenburg. ... 1945/46 war Schumanns Chiropraxis in der Otto-von-Guericke-Straße 50 in Magdeburg behelfsmäßiges Büro der Wachtturm-Gesellschaft. ... Kurz nach dem DDR-Verbot der Zeugen Jehovas am 30.08.1950 brachte sich Schuman in den Westteil Berlins in Sicherheit. Er setzte bis zu seinem Tod die Tätigkeit als ... Chiropraktor in Wiesbaden fort."

Diese Zitate belegen, wie besagte Chiropraktik in der Heilpraktikerszene ihren Konjunkturfrühling hatte, fand sie auch beachtliche Resonanz in Bibelforscherkreisen.
Man vergleiche zum Thema auch
Mysnip.128884

Dort zu zweiten Texthälfte heruntersrollen, der Abschnitt
Zitat

„Anmerkungen zu Chiropraktik"

Und dort wiederum gibt es in Zitierung eines besagte Chiropraktik begünstigenden „Erwachet!"-Artikel, auch die nicht bewiesene Behauptung:
Zitat

„Er (der Chiropraktiker) wird seine Patienten an andere Spezialisten überweisen, wenn ihr Leiden nicht durch chiropraktische Behandlung zu beheben oder wenn seine Untersuchungen ergebnislos verlaufen."

Die Praxis indes - da es sich hierzulande vielfach um eine Selbstzahler-Behandlungsform handelt (deren Kosten etliche Krankenkassen eben nicht übernehmen).
Die Praxis indes dürfte eher so aussehen, dass weiterleiten an andere Ärzte ist doch wohl dem Bereich der Legende zuzuordnen.
Die Begünstigung der Chiropraktik durch die WTG liegt durchaus offen zutage.
Eher als wiederwillig aufgenommen, muss daher ein Bericht in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 12. 1964 angesehen werden, der da mit notierte;
Zitat

„Vor einiger Zeit starb in Kalifornien die reizende achtjährige Linda Epping, die von einem Chiropraktor behandelt worden war, der behauptet hatte, er könne ihr von Krebs befallenes Auge durch Arzneimittel und chiropraktische Behandlungen heilen. 'Ich kann Ihr Kind heilen ohne operativen Eingriff', soll der Chiropraktor, wie Herr und Frau Epping berichteten, erklärt haben. Er verlangte ein Honorar von insgesamt 700 Dollar; Linda litt furchtbare Schmerzen und starb etwa einen Monat später."


Exkurs:
Wenn schon mal die Namen Schumann und Schindler mit genannt wurden, gehört noch ein dritter Name mit dazu. Der des Franz Fritsche
(in anderer Schreibweise auch Fritzsche).
Alle drei wurden vom Naziregime zum Tode verurteilt, überlebten aber letztendlich.
Im Falle des Fritsche ist auch auf das Buch des Horst Schmidt („Der Tod kam immer Montags") hinzuweisen, der da auch schildert, wie nach der Agonie des Naziregimes, Fritsche es war, der die ersten Schritte in der Freiheit organisierte. Zum organisieren war der schwer traumatisierte Horst Schmidt zu damaliger Zeit indes nicht fähig. Er brauchte einen, der ihn „an die Hand nahm", und das war eben Fritsche.
Zitat

„Franz hatte eine Laube in (Berlin) Reinickendorf. Das war nun unser Ziel. Es wurde jedoch ein weiter Weg. Um Berlin wurde noch gekämpft, Reinickendorf aber war schon russisch. Auf allerlei Umwegen erreichten wir die Laube aber doch, welche unversehrt war und von uns nun bezogen wurde."

Was das „wundersame" überleben von Fritsche anbelangt erklärt sich das so.
Dass die Gestapo ihn als Belastungszeugen in weiteren Zeugen Jehovas-Prozessen einzusetzen gedachte und nur das "Pech" hatte, dass inzwischen der Mai 1945 herangekommen war, und damit alle ihre Pläne zur Makulatur sich verflüchtigten.
Alle drei genannten Todeskandidaten lastete das Naziregime die Herstellung bzw. Verfielfältigung von WTG-Schrifttum an.
Schindlers Part war dabei der eines Kuriers, zweck Weiterleitung dieses Schrifttums auch an andere Zeugen Jehovas Kreise außerhalb Magdeburgs.
Keinesfalls mit „Häme" die sicherlich unangebracht ist, sei dann nochmals das Gnadengesuch des Schindlers, nach seiner Verurteilung zum Tode zitiert:
Zitat

„»An den III. Senat des Volksgerichtshofes
betr. Gnadengesuch

Ich bin am 17. 10. 44 vom III. Senat des Volksgerichtshofes wegen weiterleitens verbotener Bibelforscherschriften zum Tode verurteilt worden. Ich möchte den hohen Gerichtshof bitten ...
Als 1939 der Krieg ausbrach, meldete ich mich sofort freiwillig der Rüstungsindustrie und ich wurde am 12. September 1939 als Mobilmachungsersatz in eines der kriegswichtigsten Abteilung der Fa. S. u. B. Magdeburgs verpflichtet.
Ich schälte mich im Laufe der Zeit als Oberkontrolleur heraus und hatte nur noch die Schlußkontrolle über Einzelteile, die für automatische Regelung an Flugzeugmotoren die überaus genau funktionieren mussten. Meine Untergebenen, die für diese Teile Vorkontrollen ausführten, spornte ich tägl. zur Gewissenhaftigkeit an, indem ich immer zu verstehen gab, an jeden Fehler, den wir übersehen, hängen Menschenleben ab. Durch mein Pflichtbewusstsein und meine außerordentliche Gewissenhaftigkeit entstand ein hoher Prozentsatz Ausschuss, aber die Guten waren einwandfrei, was der Firma Anerkennung vom Luftfahrtministerium einbrachte. Nun kam ich 1942 mit Schumann zusammen und es war wiederum ein Akt meiner Gutmütigkeit, dass ich das Tragen der gedruckten Schriften nach Berlin übernahm. Wie ich schon immer zum Ausdruck gebracht habe, habe ich nur Interesse an rein bibl. oder christlichen Abhandlungen. Ich bekenne, dass ich mich innerlich völlig von der IBV gelöst habe und habe die mit politischem Inhalt durchsetzten Schriften verworfen.
Johannes Schindler«

Wie die DDR Verbotssituation hereinbrach, konnte Schumann sich noch nach Westberlin absetzen (von dort dann nach Wiesbaden).
Schindler hatte weniger Glück und wurde zum Doppelverfolgten, in den 1960er Jahren dann in den Westen abgeschoben.

von Drahbeck - am 08.12.2014 03:21

Kaffeesatz-Auslegern vergleichbar

Vor fünfzig Jahren
Wieder mal reitet der WT vom 15. 12. 1964 auf dem Thema Evolution herum, wähnt sich dieser Theorie „haushoch" überlegen.
Muss aber zugleich widerwillig auch mit einräumen, dass Skeptiker sich von der (auch) von der WTG forcierten Sicht, nicht überzeugen ließen.
Warum indes lassen sich letztere nicht überzeugen? Doch wohl deshalb weil die Religionsindustrie zugleich „Kaffeesatz-Auslegung" mit ihrer Sicht der Dinge koppelt.
Und die genaue Analyse jener Kaffeesatz-Auslegungen, die man besonders konzentriert auch bei den WTG-Hörigen beobachten kann, zeigt. Vorne und hinten nicht stimmig.
Ihr Rezept basiert darauf:
„Gibt es nichts mehr auszulegen - wird halt etwas untergelegt."
Es mag ja Zeiten gegeben haben, wo Menschen guten Glaubens wähnten, die Erde sei eine Scheibe. Just diese These wird heute (in der Regel) nicht mehr verfochten. Auch da hat sich die Religionsindustrie letztendlich korrigieren müssen, wenn es auch sehr lange Zeit in Anspruch nahm. Sicherlich wird es weiter ungelöste Fragen geben. Zu denen kann man Theorien und gegenteilige Theorien entwickeln. Solange diese Fragen weiterhin ungelöst sind, täte man gut daran, diesen Umstand als den eigentlich wesentlichen anzuerkennen.
„An ihren Früchten kann man sie erkennen" weis ein Weisheitsspruch zu belehren.
Und diese Früchte sind nach wie vor, nicht stimmige Kaffeesatz-Auslegungen, als Hauptwesensbestandteil der Religionsindustrie.
Ist der Hauptbestandteil morsch, ist es unangemessen, anderen Elementen eine Bedeutung zuzuschreiben, die sie eben nicht haben.
Die Zeit mag weitere Erkenntnisse mit sich bringen. Das vorwissenschaftliche Weltbild der Religionsindustrie ist dabei allerdings so überflüssig wie ein Kropf!

„Heilige" Einfalt
Bekanntermaßen wurde in San Diego im sonnigen Kalifornien, mal ein „standesgemäßes Haus" unter dem Namen „Beth Sarim" errichtet, in welches dann die wundersam auferstehenden „alttestamentlichen Überwinder" eine erste Heimstatt finden sollten, bevor sie dann danach nach Jerusalem weiterziehen würden, um von dort aus unter Nutzung des Radios, die Menschheit zu regieren.
Da besagte „alttestamentliche Überwinder" partout nicht erschienen, weder 1925 noch in einem anderen Jahr, zog es ein anderer Fürst namens Rutherford vor, sich „einstweilen" in besagtem „Beth Sarim" häuslich niederzulassen.
Nun kann man als nicht mehr WTG-Höriger, über die heilige Einfalt, die sich da in solcherlei Thesen offenbart, gelinde gesagt, nur mit dem Kopf schütteln. Es gab aber diese heilige Einfalt, was wohl nicht zu bestreiten wäre.
Ein anderes Beispiel jener heiligen Einfalt war etwa die Vermarktung einer einst im Mittelalter Konjunktur habenden Schrift mit dem Titel „Acta Pilati" ebenfalls durch Kreise aus dem Umfeld der frühen Bibelforscherbewegung.
Im Jahre 1901 publizierte in der Zeitschrift „Neue kirchliche Zeitschrift" mal ein Herr Ludwig Couard einen instruktiven Aufsatz, den er betitelte
„Altchristliche Sagen über das Leben Jesu".
Darin referiert er umfänglich aus besagten „Acta Pilati" oder Pilatusakten".
Siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nikodemusevangelium
Der Reiz der Darstellung von Couard liegt meines Erachtens darin. Er zitiert nicht unbedingt den wörtlichen Text, bietet aber eine Beschreibung des Inhaltes in eigenen Worten, die sich gleichwohl auf den Ursprungstext stützt.
Er geht auch der Entstehungsgeschichte jener Schrift nach, bemerkt, sie bestehe eigentlich aus zwei Teilen, die dann erst von Tischendorf wieder getrennt wurden.
Diese eher wissenschaftlichen Details mögen an dieser Stelle übersprungen werden.
Aber namentlich seine Referierung des zweiten Teils (welcher die Kapitel 18 bis Kapitel 26) enthält, sei an dieser Stelle einmal näher vorgestellt.
Er ist ein Schlaglicht über die Geistes-Naivität (oder meinetwegen auch blühende Fantasie), bei der die Gebrüder Grimm noch vor Neid erblassen können, welche das Christentum zu früheren Zeiten (und nicht „nur" zu früheren Zeiten) beseelt.
Diese völlig unwissenschaftliche Weltbild ist dem Christentum wesenseigen. Sich da nur die Rosinen etwa beim Disput in Sachen Evolution herauszupicken. Über die Naivität des christlichen Weltbildes in Gesamtheit nicht zu reden, ist eine Einstellung der widersprochen werden muss.
Vorhang auf für die Detailzitierung vorgenannten Aufsatzes, namentlich die zweite Hälfte aus den „Pilatusakten" betreffend (an dieser Stelle geringfügig gekürzt):
Zitat

„Der dunkle Hades wird plötzlich von einem hellen Licht durchleuchtet. Da erheben Adam und alle Patriarchen und Propheten ihre Stimmen und geben ihre Freude über das göttliche Licht Ausdruck, welches ihnen in der Finsternis aufgegangen ist. Jesaias tritt auf und erinnert an seine Weissagungen von diesem Licht; Simeon erzählt, wie er das Jesuskind auf den Armen getragen habe, Johannes berichtet über Jesu Taufe im Jordan, und Seth verkündigt auf Adams Befehl, wie er an den Pforten des Paradieses für seinen kranken Vater zu Gott um Öl vom Baume der Barmherzigkeit gefleht und vom Erzengel Michael den Bescheid erhalten habe, daß erst nach 5500 Jahren, wenn der Sohn Gottes auf die Erde gekommen und im Jordan getauft sein würde, dieser mit dem Öle der Barmherzigkeit alle Gläubigen salben werde.
Während nun alle diese Frommen frohlocken, tritt der Teufel auf und sucht den
Zitat

„alles verzehrenden und unersättlichen"
Zitat

Fürsten des Totenreiches gegen den kommenden Erlöser aufzureizen.
Er teilt ihm mit, daß ein gewisser Jesus von jüdischer Herkunft der sich Gottes Sohn nenne, aber ein Mensch sei, der den Tod fürchte, ihm in der oberen Welt viel Böses gethan habe.

Zitat

„Er verfolge meine Diener, und die Menschen, welche ich krumm, blind, lahm, aussätzig oder sonst krank gemacht hatte, heilte er durch sein bloßes Wort, und viele, welche ich schon für das Begräbnis vorbereitet hatte, machte er durch sein Wort wieder lebendig."

Zitat

Der Hadesfürst entgegnet ihm,
Zitat

einem so Mächtigen könne doch niemand wiederstehn, und wenn er gehört habe, daß Jesus den Tod fürchte, so hätte dieser das sicherlich nur gesagt, um ihn zu verlachen und zu verhöhnen und ihn mit seiner mächtigen Hand gefangen zu nehmen.
Zitat

Doch der Teufel erwidert ihm,
Zitat

er fürchte Jesum nicht, er habe die Juden gegen ihn aufgestachelt, und diese hätten ihn gekreuzigt und mit Essig und Galle getränkt; er solle sich nur bereit halten, um Jesum, wenn er zu ihm käme, gefangen zu nehmen.

Zitat

Diese letztere Möglichkeit bezweifelt jedoch der Hadesfürst;
Zitat

Jesus habe ihm schon viele entrissen, die der Teufel ins Grab gebracht - wie sollte er ihn denn nun wohl bewältigen können?
Erst jüngst habe er einen gewissen Toten mit Namen Lazarus, heruntergeführt, aber kurze Zeit darauf habe ihn ein anderer durch die Kraft seines bloßen Wortes wieder aus seinem Reiche entrissen, und er glaube, er sei dieser andere derselbe, von dem er spreche.
Zitat

Er trägt daher Bedenken ihn bei sich aufzunehmen, damit er nicht alle Toten verliere, und beschwört deshalb den Teufel, Jesum nun ja nicht zu ihm zu führen.
Während der Teufel so mit dem Hadesfürsten redet, erschallt es draußen wie mit Donnerstimme:

Zitat

„Machet" die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!"

Zitat

Da gebietet der Hadesfürst dem Teufel:

Zitat

„Geht heraus, wenn du mächtig bist und stelle dich ihm entgegen",
Zitat

und seinen Geistern gibt er den Befehl:
Zitat

„Machtet fest und stark die ehernen Thore und legt an die eisernen Riegel und meine Schlösser und steht alle auf der Wacht; denn wenn er hier hereinkommt, wehe, dann nimmt er uns gefangen."

Zitat

Doch seine eigenen Unterthanen lehnen sich gegen ihn auf.

Zitat

„Öffne"
Zitat

rufen ihm die Patriarchen zu,
Zitat

„daß der König der Ehren einziehe!"

Zitat

Und David und Jesaias treten auf und erinnern an ihre Weissagungen, David an den Adventsplan, in dem er diese Stunde vorher verkündigt habe, und Jesaias an sein nun erfülltes Wort:

Zitat

„Er wird den Tod verschlingen ewiglich".

Zitat

Da tönt es abermals von draußen:

Zitat

„Machet die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!"

Zitat

Erzitternd fragt das Totenreich:

Zitat

„Wer ist derselbe König der Ehren?"

Zitat

Und von draußen her antwortet jubelnd der Lobgesang der Engelchen:

Zitat

„Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit."

Zitat

Da zerbrechen die ehernen Thore und die eisernen Riegel zerspringen, da fallen allen Toten die Fesseln ab, und triumphierend tritt der Menschensohn in der durch sein Erscheinen hell erleuchteten Hades ein. Der Fürst des Totenreiches erklärt sich für besiegt, und der König der Ehren läßt den Satan und den Hadesfürsten von seinen Engeln in Fesseln legen.
Obwohl selbst gebunden, verhöhnt der Hadesfürst den gefesselten Satan, der den Herrn der Herrlichkeit zu töten meinte und nun selber vernichtet ist.
Christus aber führt den Adam und alle Gläubigen des Alten Bundes zu sich, und alle Kniee beugen sich ihm, ja, sie alle stimmen ein neues herrliches Lied zum Preise des Herrn an, bis dieser sie im Triumph an die Pforte des Paradieses führt.
Dort begegnen ihnen zwei alte Männer. Gefragt, wer sie seien, da sie den Tod nicht gesehen hätten und nicht in die Unterwelt gekommen seien, erwidert ihnen der eine:

Zitat

„Ich bin Henoch, der Gott gefiel, und dieser ist Elias, der Thisbiter. Bis an das Ende der Zeiten werden wir leben und alsdann von Gott abgesandt werden, um dem Antichrist zu widerstehen. Wir werden zwar von ihm getötet werden, aber nach dreien Tagen wieder auferstehen und in den Wolken dem wiederkommenden Herrn entgegengeführt werden."

Zitat

Während diese noch reden, erscheint ein gebeugter Mann mit einem Kreuz auf der Schulter.
Auf die Frage, wer denn er sei, gesteht er, daß er der Schächer am Kreuze sei, dem der Heiland auf seine Bitte hin das Paradies verheißen habe. Die Verheißung wird ihm erfüllt und unter Jubel und Frohlocken ziehen nun die Erlösten in das Paradies ein.


von Drahbeck - am 15.12.2014 06:38

Aspekte zum Thema Wehrdienst in den USA

Vor fünfzig Jahren
In den Jahren 1940 bis 1973, war in den USA beim Thema Wehrpflicht eine äußerst rigide Praxis üblich.
Unter Berufung auf einen Gerichtsentscheid des Obersten Gerichtshofes der USA, berichtet „Erwachet!" vom 22. 12. 1964 über eine Ausnahme von der Regel, von der in Sonderheit die WTG profitierte. „Kannst du beweisen dass du die Pflichten eines Dieners der Religion erfüllst?" titelt jener Artikel. Als Beispiele werden genannt.
Sogenannte Pioniere, die zugleich auch Älteste einer örtlichen Versammlung seien, hätten die Chance, von einer Wehrdienstbefreiung zu profitieren, auch wenn sie zwecks Lebensunterhalt, zusätzlich noch eine weltliche Beschäftigung ausübten.
Nicht hingegen gelte das für einfache Versammlungsverkündiger, die auch Zeugen-üblichen Predigtdienst ausübten.

Indes in der Bundesrepublik Deutschland versuchten in Musterprozessen, auch schon mal Pioniere und Sonderpioniere der WTG, eine analoge Befreiung zu erreichen. Sie erreichten ihr Ziel nicht.
Die Höchstrichterlichen Entscheidungen in Deutschland, bemängelten das „Ausbildungsverfahren" der Zeugen Jehovas, und betonten, andere Zweige der Religionsindustrie denen gesetzliche Freistellung vom Wehrdienst gewährt werde (etwa für Pfarrer und ähnliche), haben eine langjährige - vielfach universitäre Ausbildung - bevor sie ihren Beruf ausüben könnten. Diesem gehobenem Ausbildungsniveau entsprechen auch Pioniere und Sonderpioniere der WTG nicht. Daher hätten sie auch keinen Anspruch auf jene Privilegien, die besagten Religionsdienern der „gehobenen Art" gewährt werden.

Angesichts der Rigorosität, etwa zu Zeiten des Vietnamkrieges in den USA, stellt jener Gerichtsentscheid von dem Eingangs die Rede war, eine Privilegierung der WTG-Praktiken durch die USA dar, die so von anderen Staaten, nicht gewährt werden.
Beispielhaft sei auf einen Bericht der „Neuen Juristischen Wochenschrift" vom 16. November 1967 verwiesen.

Eine Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Köln vom 21. 7. 1967. Primär drehte sich der zwar um die Auch-Verweigerung des Wehrersatzdienstes, gleichwohl gibt es in der Urteilsbegründung auch einen Hinweis auf die USA-Verhältnisse.
Es handelte sich dabei um einen sogenannten Sonderpionier.
Zitat

„In dieser Eigenschaft übte er keinen anderen Beruf mehr aus, erhielt von der Gemeinschaft monatlich 141 DM nicht übersteigende Barbezüge und lebte vorwiegend von der Gastfreundschaft seiner Glaubensbrüder in den Bezirken, in denen er als solcher tätig war. Nach seiner Bestellung zum "Sonderpionier" durch die Leitung seiner Gemeinschaft erhielt er eine einmonatige Schulung durch einen Unterweiser, der vorher "Bezirksdiener gewesen war."

Weiter im Bericht:
Zitat

Einer„Einberufung zu einer Ersatzdienstgruppe (leistete er) nicht Folge und blieb bei seiner Weigerung auch, nachdem das von ihm gegen die Einberufung angestrengte Verwaltungsgerichtsverfahren nicht durchdrang. Als Begründung gab er an, er könne den Ersatzdienst aus Gewissensgründen nicht leisten, sei als "Sonderpionier" nach § 11 Abs. 1 Nr. 3 WehrpflG ohnehin nicht wehr- und damit auch nicht ersatzdienstpflichtig und habe sich darüber jedenfalls in einem rechtlich beachtlichen Irrtum befunden."

Was nun den „rechtlich beachtlichen Irrtum" anbelangt, liest man in diesem Bericht weiter:
Zitat

„Inzwischen hat auch der Ministerausschuß des Europarates dahin erkannt, daß bei Zeugen Jehovas die Verurteilung zu Gefängnis wegen Ersatzdienstverweigerung nicht gegen die MenschRKonv. verstößt.
Die aus der Gesetzgebung und der Verfassungsrechtsprechung in den USA von der Revision gezogenen Schlußfolgerungen erscheinen dem Senat deshalb nicht stichhaltig, weil die USA einen "zivilen Ersatzdienst" nicht kennen, sondern es dort allein um die Freistellung von Religionsdienern vom Wehrdienst geht, bei dem es in den USA ein für jedermann bestehendes Recht zur Verweigerung aus Gewissensgründen nicht gibt."

Damit ist verdeutlicht, in den USA besteht eine völlig andere Ausgangslage (kein Recht auf einen zivilen Ersatzdienst). Und wegen dieser anderen Ausgangslage erkennen deutsche (und wohl auch andere europäische) Gerichte, den Versuch die USA-Gesetzgebung hierzulande, auch für sich zu reklamieren, nicht an.

von Drahbeck - am 21.12.2014 23:30
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