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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Drahbeck, X ~ mysnip

Urteile in Halle/S. und Darmstadt

Startbeitrag von Drahbeck am 08.12.2014 19:47

Im Zeitspiegel
Unter Berufung auf einen externen Pressebericht (dem „Berliner Tageblatt") brachte die methodistische Zeitschrift „Der Evangelist" in ihrer Ausgabe vom 9. 12. 1934, die nachfolgende, Zeugen Jehovas bezügliche Meldung.
Ergänzend anzumerken wäre noch, das war wohl die erste thematische Meldung im „Evangelist", nach dem im Juni 1933 ausgesprochenen Naziverbot der Zeugen Jehovas. Das heißt, sofern einer nur besagten „Evangelist" gelesen haben sollte, und sonst nichts, erfuhr er damit zum ersten Male; die Zeugen Jehovas sind jetzt verboten.
Genanntes Blatt berichtete also:
Zitat

"Gefängnis für Mitglieder der Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas
Vor dem Sondergericht Halle/Saale hatten sich eine Anzahl Mitglieder des Bundes „Zeugen Jehovas" der Fortsetzung der verbotenen Organisation „Ernster Bibelforscher" zu verantworten. Sie erklärten sich für unschuldig. Sie seien treue Staatsbürger, achteten vor allem auch den neuen Staat und seinen Führer Adolf Hitler und hielten sich immer im Rahmen der Gesetze, natürlich aber nur, soweit sie mit dem Willen Jehovas übereinstimmen.
Ihr Anwalt berief sich auf den Schutz der freien Religionsübung, den die Verfassung von Weimar jedem Staatsbürger verbürge, Sowohl die „Zeugen Jehovas" wie die „Ernsten Bibelforscher" seien Religionsgesellschaften, wie sie die Weimarer Verfassung im Auge habe, ein Verbot käme einem Verfassungsbruch gleich.
Diese Argumentation lehnte aber das Sondergericht sehr entschieden ab. Es handele sich hier um Religionsgesellschaften, die ihrem Wesen nach Staatsgefährlich werden könnten. Mit Schriften, die aus dem Auslande hereinkommen, werde eine sehr bedenkliche Zersetzungsarbeit betrieben, der der Staat, obwohl er den Schutz der freien Religionsausübung grundsätzlich zugestehe, nicht müßig zusehen dürfe. Das Sondergericht, das zur Begründung seines Standpunktes Material über die Zersetzungsarbeit der „Zeugen Jehovas" beibrachte, sprach alle Angeklagten, Männer und Frauen schuldig und verurteilte jeden zu drei Monaten Gefängnis (Berliner Tageblatt)"

Ein Vergleich mit besagtem „Berliner Tageblatt" Nr. 553/1934; 23. 11. 34) ergibt, das stand dort so wie zitiert. Lediglich in der Überschriftenwahl, dürfte besagtes „Berliner Tageblatt" etwas ungenauer gewesen sein, denn es titelte:
Zitat

„Gefängnis für 'Zeugen Jahwes'. Die Angeklagten berufen sich auf die Weimarer Verfassung.
Drahtmeldung unseres Korrespondenten".

Aber jene kleine Ungenauigkeit in der Namensbezeichnung „bügelte" dann ja wie feststellbar, der „Evangelist" dann noch aus.
Eine in der Sache, nur als Dublizierung anzusprechende Wiederholung jener Meldung (dann halt für einen größeren Leserkreis) gab es auch in der „Frankfurter Zeitung" vom 21. 12. 1934.
In der Ausgabe vom 16. 12. 1934, gab es dann erneut eine thematische Meldung im „Evangelist". Letztere notierte:
Zitat

„Der thüringische Minister des Innern hat angeordnet, daß das im April 1933 beschlagnahmte Vermögen der Internationalen Bibelforschervereinigung einschließlich ihrer sämtlichen Organisationen freigegeben wird.
Die Betätigung der Wachtturm- Bibel- und Traktatgesellschaft in der Herstellung und dem Vertrieb von Traktaten und anderen propagandistischen Schriften bleibt aber verboten, ebenso jegliche Lehr- und Versammlungstätigkeit der Bibelforscher."

Auch hier wiederum feststellbar. Dublizierung derselben Meldung, wenn zeitlich auch etwas früher, in der „Frankfurter Zeitung" vom 14. 11. 1934.
Wie also feststellbar, spielte in der Argumentation der Verteidigung das Argument eine wesentliche Rolle, gemäß der Weimarer Verfassung, sei das Zeugen Jehovas-Verbot, eigentlich nicht zulässig. Letzteres bemühte bekanntermaßen die berüchtigte Reichstagsbrandverordnung vom 28. 2. 33, die dem Buchstaben nach, aber nur „kommunistische Umtriebe" ahnden wollte. Besagte „kommunistischen Umtriebe" wurden dann in der Praxis sehr großzügig ausgelegt. Eben auch als Verbotsgrundlage der Zeugen Jehovas, obwohl selbst Nazigranden eher widerwillig zugeben mussten. „Kommunistische Umtriebe" im eigentlichen Sinne des Wortes, könne man den Zeugen Jehovas, wohl kaum in die Schuhe schieben.
Da saß die Nazijustiz - einstweilen - in einer gewissen Zwickmühle. Indes gab es aus Nazisicht schon vor dem Urteil in Halle einen Präzendenzfall, über welchen die „Juristische Wochenschrift" in ihrer Nr. 28/1934 berichtete. Da hatte das Sondergericht in Darmstadt (Hessen) sogar alle 29 zugleich auf der Anklagebank sitzenden Zeugen Jehovas freigesprochen, weil es wähnte, die Weimarer Verfassung gelte ungebrochen weiter.
Allerdings, das konnten die Leser der „Juristischen Wochenschrift" auch sofort erkennen, wohin der Hase nun zu laufen habe. Denn schon in dergleichen Ausgabe der JW gab es einen Kommentar zum Darmstädter Urteil des Staatsrechtlers Huber (ohne jetzt der Sippenhaft das Wort zu reden, übrigens war jener Huber dann auch Vater des späteren evangelischen Bischofs Wolfgang Huber).

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Rudolf_Huber
Huber Senior indes, zu Nazizeiten einer der aktivsten Einpeitscher, der Umgestaltung der Justiz im Nazisinne.
Und in seinem genannten Kommentar zum Darmstädter Urteil, den wie vermerkt die JW ohne Zeitverzug mit abdruckte, wertete er schon; das Darmstädter Urteil werde
Zitat

„von rechtsirrigen Erwägungen getragen und kommt zu einem unhaltbaren Ergebnis."

Nach seiner Meinung müsse
Zitat

„in jedem einzelnen Fall besonders nachzuweisen (sein), daß ein alter Verfassungssatz übernommen worden ist, und man kann nicht umgekehrt aus der Tatsache, daß er nicht ausdrücklich aufgehoben worden ist, auf seinen Fortbestand schließen."

Besonders stellte dann Huber auf Punkt 24 des NSDAP-Parteiprogramms ab, mit der schwammigen Formulierung, würde eine Religion gegen das „germanische Moralgefühl" verstoßen, könne ihr keine freie Betätigung zugebilligt werden. Genau diesen Verstoß gegen besagtes „germanische Moralgefühl" sah Huber Senior als gegeben an.
Zitat

„Daß die Internationale Vereinigung ernster Bibelforscher eine volks- und staatsfeindliche Gruppe ist, kann nach den Feststellungen des Urteils nicht zweifelhaft sein. Die Bibelforscher verwerfen den Staat überhaupt als „Teufelswerk"; sie sind Kriegsdienstverweigerer, unterliegen unkontrollierbaren ausländischen Einflüssen und zeigen judaisierende Tendenzen und das Urteil selbst verkennt ihren staatsgefährlichen Charakter nicht. Im übrigen ist die Frage, ob im Einzelfall eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorliegt, von den zuständigen Exekutivbehörden nach ihrem Ermessen zu entscheiden und für die Gerichte nicht nachprüfbar."

Übrigens verwies eine andere Zeitschrift, die „Deutsch-evangelische Korrespondenz" in ihrer Ausgabe vom 19. 12. 1934 ausdrücklich auf den zitierten Bericht des „Evangelist". Damit wurde jener Bericht quasi in den Rang einer Präzendenz-Information für kirchliche Kreise erhoben.
Das Darmstädter Urteil vom 26. 3. 1934, hatte „schlafende Hunde" geweckt.
Bereits am 28. 3. 1934 hatte die „Frankfurter Zeitung" über dieses Urteil berichtet. Und die „Frankfurter Zeitung", das wussten auch die Nazigranden, wurde zu der Zeit besonders im Ausland hoch eingestuft, dieweil sie im Nazi-Gleichschaltungs-Einheitsbrei, eine gewisse (relative) Eigenständigkeit bewahren konnte.
Die „Frankfurter Zeitung" formulierte also schon mal in ihrem Bericht mit den Satz:
Zitat

„Eine Entscheidung von besonderer Bedeutung fällte das Hessische Sondergericht."

Wenn die FZ jenes Urteil also als von „besonderer Bedeutung" qualifizierte, dann bedeutete das im Umkehrschluß, dass bei allen jenen, die mit diesem Urteilsergebnis nicht einverstanden waren, verstärkt die Alarmglocken anschlugen.
Eine ganze Reihe angehender Juristen, sahen in einer scharfen Kommentierung jenes Urteiles, die Chance, ihrer Karriere im Naziregime einen „Beförderungsschub" zu verpassen.
Einen solchen Fall konnte man auch in Heft 5/1934 (15. Mai 1934) der Zeitschrift „Jugend und Recht" „bewundern".
Laut Untertitel sei jene Zeitschrift das „Organ der Reichsgruppe Jungjuristen des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen und der Reichsfachgruppe Rechtswissenschaft der deutschen Studentenschaft".
Der dort kommentierende Fritz Bettermann, Referendar aus Offenbach/Main, brachte schon im Titel seines Artikels zum Ausdruck, worum es ginge, wenn er vollmundig tönte:
Zitat

„Die Weimarer Verfassung gilt nicht mehr!"
Genau bei diesem Punkt war sich besagtes Darmstädter Sondergericht, keinesfalls so sicher, wie es die Bettermann'sche Selbstsicherheit suggeriert.
Aber auch das Darmstädter Sondergericht erkannte. In der derzeitigen Gemengelage stehen die Chancen der Zeugen Jehovas eher schlecht, indem es in seinem Urteil, laut Bettermann auch die Sätze mit hineinschrieb:
Zitat

„Das Sondergericht hat nicht verkannt, daß die Internationale Vereinigung der ernsten Bibelforscher an sich (!) Staatsfeindlich sein kann. Ihre Anhänger stehen zwar wohl dem nationalsozialistischen Staat an sich (!) nicht gegnerischer gegenüber als einem anderen. Aber sie verwerfen den Staat überhaupt, der ihnen Teufelswerk ist. Sie wären wohl im Ernstfall Kriegsdienstverweigerer. Sie unterliegen nicht nachprüfbaren, ausländischen Einflüssen und zeigen judaisierende Tendenzen.

Die „Frankfurter Zeitung" zitiert noch:
Zitat

„Sie (die Angeklagten) bestritten einen Zusammenhang ihrer Lehre mit dem jüdischen Glauben oder mit der kommunistischen Weltanschauung.

Und dann verkündet jenes Gericht dennoch Freisprüche. Das war es doch was vor allem die Möchte-gern-Karrieristen der Jungjuristen „auf die Palme brachte". Aber eben nicht nur sie.
In der Folge fühlt besagter Jungjurist sich dazu berufen, dem fraglichen Gericht „Nachhilfeunterricht" zu erteilen.
Dazu verweist er als erstes auf die 1932 erschienene Schrift des Alfred Rosenberg mit dem Titel:
„Das Wesensgefüge des Nationalsozialismus
Grundlagen der deutschen Wiedergeburt".
In ihr gibt es auch den Passus:
Zitat

„Im kommenden Reich des Nationalsozialismus werden die Menschen auch über Mittel und Wege kämpfen, aber im Ziel werden sie einig sein oder - ausgeschaltet werden müssen."

Und bei besagter Forderung nach dem ausschalten habe jenes Gericht schon mal versagt.
Weiter tönte Rosenberg:
Zitat

„Auch gegen diese volkszerstörenden Kräfte ist die NSDAP vorgegangen

Mysnip.132993.
Zitat

(auch in München wurden die Kundgebungen der „Bibelforscher" erst nach deutlichen Worten unsererseits durch die Regierung der Bayerischen Volkspartei verboten)."

Ergo hielten sich die Nazis zugute, eine wesentliche Aktie an den gegen die Zeugen Jehovas gerichteten Maßnahmen in Bayern gehabt zu haben.
Schwerpunkt der Rosenberg'schen Argumentation ist allerdings ein anderer Aspekt. Er wusste nur zu gut, dass sein Name in kirchlichen Kreisen, besonders nach der Publizierung seines „Mythus des XX. Jahrhunderts" zum Buhmann verkommen war. Nun sucht er gegenzusteuern. Hitler erklärt er zum großen Staatsmann, der sich aus Religionspolitischen Disputen prinzipiell heraushalten würde. Damit hätten in seiner Lesart, aber auch die NSDAP-Unterfürsten, Spielraum zum artikulieren von „Privatmeinungen". Nur das habe er doch getan, sucht er zu besänftigen. Daher wäre es ihm „unverständlich", weshalb katholische Kreise, etwa das Zentrum, nicht schnell genug zu den Nazis überlaufen würden (wie gesagt 1932 erschien jene Rosenberg-Schrift). Und da fühlt er sich berufen auch noch folgende „Breitseite" abzufeuern:
Zitat

„Das erste übrigens, was die Reichstagsfraktion dieser "Evangelischen" tat, war ihre Stimmabgabe gegen den Kandidaten der nationalen Opposition auf dem Posten des Reichstagspräsidenten. Sie zog es vor, mit dem Zentrum gemeinsam, ihre Stimme dem Vorkämpfer für Kriegsdienstverweigerung, dem linken Sozialdemokraten Paul Loebe zu geben. Auch hier also ein glatter Verrat sowohl am nationalen wie christlichen Gedanken."

Es mag ja mehr als nur dahingestellt sein, welche tatsächliche Rolle jener von Rosenberg genannte Paul Loebe spielte. In zum „Wehrdienstverweigerer" hochzustilisieren, ist wohl mehr als gewagt. Immerhin belegt dieses Beispiel, wie es denn um die Chancen tatsächlicher Wehrdienstverweigerer im Naziregime dann bestellt sein würde!
Noch so ein markiger Belehrungssatz des Herrn Bettermann an die Adresse des Darmstädter Gerichtes, das sich so schwer tat, die Weimarer Verfassung als einen „Fetzen Papier" zu behandeln. Da waren in der Tat die Bettermann und Co aus „anderem Holze geschnitzt". Mit solcherlei Skrupel hielten die sich nämlich nicht auf. Folgerichtig tönte auch Herr Bettermann:
Zitat

„Die Weimarer Verfassung gilt nicht mehr. Sie ist allerdings nicht förmlich außer Kraft gesetzt worden. Sie ist tot, sie braucht nicht erst für tot erklärt werden."

Ein besonders markanter Satz von ihm noch:
Zitat

„Jeder SA-Mann wird es bestätigen, daß die Weimarer Verfassung abgeschafft ist."

Angesichts solch schlagender Argumente, war dann in der Tat „alles klar"!

Exkurs:
Der Kommentar von Prof. Dr. E. R. Huber, Kiel
in der „Juristischen Wochenschrift" 1934 S. 1475f:
Zitat

Antworten:

Spanien will die Machtprobe

im Zeitspiegel
Auch hierzulande wollen das einige
www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/google-news-kommt-uns-spanisch-vor-13316204.html

Macht haben und anderen die eigenen Bedingungen diktieren zu können und die raue Wirklichkeit, pflegen nicht selten zwei linke Schuh zu sein.
Google hat den Ankündigungen zu Folge, in Sachen Spanien reagiert.
Es gibt dann wohl "Siege" regionaler Art,. die sich für den selbsternannten Sieger, als realer Verlust entpuppen.

v-i-t-t-i.de/blog/2014/12/google-news-in-spanien-verlage-rudern-zurueck-wollen-google-news-zurueck-und-zeigen-reue-39544/

juliareda.eu/2014/12/oettinger-leistungsschutzrecht-europa/

www.strandgazette.com/2014/12/28/google-news-in-spanien-eingestellt-15-weniger-traffic-fuer-online-zeitungen/

von Drahbeck - am 12.12.2014 11:58

Verurteilung von Bibelforschern

Im Zeitspiegel
Am 14. 12. 1934 brachte die „Freiburger Zreitung" eine Meldung über die gerichtliche Verurteilung von Bibelforschern.



http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=09&day=14b&year=1934&month=12&project=3&anzahl=20

von Drahbeck - am 14.12.2014 01:29

Entlassung eines Polizeiwachtmeisters

Im Zeitspiegel
Am 16. 12. 1934 meldet die „Freiburger Zeitung" die Entlassung des Polizeiwachtmeisters Wilhelm Wolff wegen Verweigerung der Ablegung des Diensteides.
Wie man vielleicht schon erahnt, der Bericht erwähnt es dann noch ausdrücklich, handelte es sich dabei um einen „Bibelforscher" (Zeugen Jehovas). Da verstand das Naziregime keinen Spass.



Übrigens, auch die „Kölnische Zeitung" vom 18. 12. 1934 griff diesen Fall mit auf.
In letzterer konnte man dazu lesen:
Zitat

„Diensteidverweigerung
Entlassung eines Polizeibeamten
Karlsruhe, 17. Dezember
Der wohl sehr seltene Fall, daß ein Beamter aus religiösen Gründen sich weigert, den Diensteid zu leisten und den Symbolen des Staates die Ehren zu erweisen, kam vor der Badischen Dienststrafkammer zur Verhandlung. Ein Polizeiwachtmeister von Karlsruhe, der 14 Jahre lang seinen Dienst zur vollsten Zufriedenheit versah und dem auch von seinen Vorgesetzten das beste Zeugnis ausgestellt wird, hatte sich am Tage der Vereidigung krank gemeldet. Wie er vor der Dienststrafkammer darlegte, erfolgte die Eidesverweigerung aus einem Gewissenskonflikt infolge Bindungen religiöser Art, da er vor einigen Jahren der Vereinigung ernster Bibelforscher beigetreten war. Trotzdem diese Vereinigung verboten und aufgelöst wurde, hielt sich der Beamte in seinem Gewissen gebunden und stützte sich auf das Evangelium Matthai 5,33-37 (Eure Rede sei: Ja, ja, nein, nein, was darüber ist, ist vom Übel) und auf Jacobi 5,12 (Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwöret nicht).
Er betonte auch ausdrücklich, daß er die nationalen Symbole achte, gegen den Führer und Reichskanzler, und den Staat nichts habe, daß es aber seiner innersten Glaubensauffassung widerstrebe, die nationalen Symbole zu grüßen.
Auf Vorhalten des Vorsitzenden erklärte der Polizeiwachtmeister, er sehe ein, daß der Staat konsequenterweise einen Beamten nicht behalten könne, der den Eid auf den Führer verweigere, und daß das Disziplinargericht keine andere Entscheidung als die Dienstentlassung aussprechen könne. Die Dienststrafkammer erkannte dem Antrag des Anklagevertreters gemäß auf Entlassung aus dem Dienste, billigte aber dem Beamten ein Unterstützungsgehalt in Höhe 80 v. H. des Ruhegehalts auf die Dauer von zwei Jahren zu, weil nicht unehrenhafte Beweggründe den Angeklagten zu seinem Verhalten bestimmt haben."


von Drahbeck - am 16.12.2014 03:29

Wünschelrute

Im Zeitspiegel
„Die Entlarvung der Wünschelrute", so der Titel eines Berichtes in der „Freiburger Zeitung" vom 18. 12. 1934

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=18b&year=1934&month=12&project=3&anzahl=12

von Drahbeck - am 17.12.2014 23:18

Fetz: Weltuntergang 1925

Im Zeitspiegel
In Sachen August Fetz, welcher es bis zum Schulvorsteher einer Schiller-Schule in Bremerhaven brachte (die Zeit um den Weltkrieg herum, wobei hier unberücksichtigt bleibt, dass in späteren Jahrzehnten es auch in Bremerhaven Veränderungen im Schulgefüge gab).
In Sachen vorgenannten Herrn wurde zu einem früheren Zeitpunkt bereits referiert:
Zitat



von Drahbeck - am 19.12.2014 02:07

Spät kommt ihr, aber ihr kommt

Im Zeitspiegel
Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschaungsfragen, hat jetzt ihrem Internetauftritt ein neues Outfit verpasst.

www.ezw-berlin.de/html/index.php

Nachdem schon vordem die Zeugen Jehovas, und auch die Adventisten, ihre Zeitschriften im Internet kostenfrei offerieren, glauben die Herren von der EZW sich nicht mehr länger diesem Trend verschliessen zu können.
Mit Ausnahme der letzten zwei, drei Jahrgänge, die weiter kostenpflichtig nur als Print-Abonnement erhältlich sind, hat man jetzt damit begonnen, einige Jahrgänge der EZW-Zeitschrift „Materaldienst" auch als Komplett-Ausgaben im pdf-Format zu offerieren (im Internet)
Als Stichprobe mal den Jahrgang 2010 aufgerufen.
Unter der Themenübersicht der einzelnen Hefte gibt es jetzt am unteren Rand drei Links:
Inhalt, bestelllbar, download.
Wählt man download kann man sich das jeweilige Heft als pdf-Datei herunterladen.
Dem Thema Zeugen Jehovas wird man allerdings in dieser Zeitschrift eher weniger begegnen. Und wenn es doch Ausnahmen von der Regel gibt, dann kaum mit relevanten Inhalten, die Sachkennern nicht schon vordem bekannt waren.
Zwei "Macken" (die "Otto Normalverbraucher" weniger tangieren, da ich sie aber registriert habe, sehe ich keinen sonderlichen Anlaß sie unerwähnt zu lassen).
Die Texte liegen im Speicherintensiven pdf-Format vor. Sicherlich nicht ungewöhnlich. Wer daran interessiert ist "schnell" einen inhaltlichen Überblick zu bekommen, tut sich mit pdf-Dateien allerdings mehr als schwer. Daher für mein Privatarchiv auch die Option ausgewähltes "nur" als einfache rtf-Datei greifbar zu haben. Da bieten sich in erster Linie die Jahresinhaltsdateien dafür an. Aus unerfindlichen Gründen ist die des Jahre 2007 Passwortgeschützt und lässt sich nicht kopieren. Aber eben n u r die des Jahres 2007. Warum wohl dieser Ausnahmefall besteht???
Zweite Macke. Das Heft 10/1993 ist nicht als Download verfügbar. Ebenfalls als Einzelfall registriert.

Auch das sei notiert. Ein Text von Detlef Garbe aus dem Jahre 1999
EZW Texte 145
http www.ekd.de ezw dateien EZW_Texte_145_Internet.pdf
gibt es nach dem Umgestaltung der EZW-Webseite, nun nicht mehr als freies Download-Angebot.

von Drahbeck - am 22.12.2014 08:16

Beth Sarim lässt grüßen

Zur Abwechslung gibt es jetzt eine Meldung über den Erwerb einer betont luxeriösen Immobilienanlage durch den USA-Zweig der WTG
Schon die Kapazität jener Anlange macht deutlich, dass ihre Nutzer wohl kaum die „kleinen Betheliten" sein dürften, auch handelt es sich um keine selbsterstellte Anlage.
Über die Nutzer jenes Beth-Sarim-Verschnittes muss man einstweilen noch spekulieren.
Tippt man auf die selbsternannte Creme der Creme in WTG-Gefilden, dürfte man wohl einen richtigen Riecher haben!

http://www.jw-archive.org/post/105792495908/almost-paradise-the-united-states-branch#sthash.s3SKC41w.dpbs

von Drahbeck - am 22.12.2014 09:38

Ein bemerkenswerter Nachruf

zum Thema Udo Jürgens.
Diesmal nicht auf einer der gängigen Medienseiten, dafür aber auf der Seite des Rechtsanwaltes Markus Kompa.

http://www.kanzleikompa.de/2014/12/21/zeuge-udo-juergen-bockelmann-1934-2014/

von Drahbeck - am 22.12.2014 09:49

Rückschlag

Im Zeitspiegel
Für die Rassisten im Umkreis Pegida

www1.wdr.de/themen/infokompakt/nachrichten/nrwkompakt/nrwkompakt35256.html

Die Sarrazin-Jünger (indirekter Art, den direkt hat sich ja Herr Sarrazin in Sachen Pegida wohl noch nicht geäußert), erinnern verdächtig an die „Arier" verflossener Zeiten.
Sie die da meinen das „rechte Blut" in den Adern zu haben, und sich auch nicht daran stören, dass ein Vorbestrafter ihr Frontmann ist, lassen es sich vielfältig angelegen sein, ihre Verachtung über die „Untermenschen", die in ihrer Lesart auf den Namen „Islamisten" hören, dann auch Medienwirksam zu artikulieren.

Nun kann man wohl seit den Zeiten, wo Islamkritische Bilder Folgewirkungen hervorriefen, zu Recht fragen, geht das ganze nicht tiefer zu hängen?
Man kann auch zu Recht fragen, warum ausgerechnet ein Herr mit Milli Görüs-Vergangenheit, sich zum überzogenen „Rächer" des Kabarettisten Dieter Nuhr berufen fühlt und dabei gescheitert ist.
Man kann weiter zu Recht fragen, wie es wohl um die Dünnhäutigkeit jenes Herrn bestellt ist, wen selbiger in Fortsetzung jener Attacke gegen Dieter Nuhr, nun sein Mütchen an dem Internetblog „Ruhrbarone" kühlen will, dieweil der auch den Umgangssprachlichen Begriff „Islamisten" verwandte. Insofern sind gewisse Herrschaften aus dem Islam-Bereich, keineswegs als „schuldfrei" zu bezeichnen. Indes hat das alles eine Dimension angenommen, zu der zu sagen ist. Auch diese famosen „Wutbürger" haben keineswegs „Patentrezepte". Der Weg zurück in die Einzelstaatlichkeit, möglichst gekrönt von „Schutzwallen" a la „Berliner Mauer", kann doch wohl nicht das "Patentrezept" sein.
Es ist in der Tat das Gebot der Stunde diesen Herrschaften, ein so nicht, entgegenzuschleudern!

von Drahbeck - am 23.12.2014 16:33

Re: Rückschlag

Exkurs:
Beinahe hätte es die Welt erlebt, bei den letzten USA-Präsidentschaftswahlen, dass ein Mormone dort das Ruder der politischen Macht ergriffen hätte. Es hat nicht viel gefehlt, und dieser Umstand wäre eingetreten. Was das letztendlich für eine Kulturbruch dargestellt hätte, mag an einigen Zitaten, aus einem von den Mormonen selbst herausgegeben Buch verdeutlicht werden, welches im Jahre 1923 in deutscher Sprache herausgeben wurde.
Als sein Verfasser wird benannt:
Joseph Fielding Smith vom Rate der Zwölf, Kirchengeschichtsschreiber (der Mormonen).
Herr Smith beleuchtet also die Geschichte seine Religionsgemeinschaft. Und dabei muss er selbstredend auch auf deren Gründer in der Anfangsphase zu sprechen kommen.
Er bezeichnet es beispielhaft als ein Fehler andernorts, dass man dort wähnte, nach Abschluss des Bibelkanons gäbe es keine weiteren Offenbarungen mehr.
Da hält es seine Religionsgemeinschaft in der Tat anders, wofür auch ihr namensgebendes Buch
"Mormon" steht.
In diesem Kontext formuliert er auch den markigen Satz:
Zitat

"In seiner großen. Weisheit erwählte sich der Herr ein unverdorbenes. Kind, einen vierzehnjährigen Knaben. diesem Jungen offenbarte der Herr die Fülle seines Evangeliums , das die Welt ihres Unglaubens wegen nicht annehmen konnte."
(S. 24)
Also ein 14jähriger Junge brachte es mit seinen damaligen "Harry Potter Visionen" letztendlich soweit, das sich eine neue Religion etablieren konnte.
Von jenem Joseph Smith vernimmt man deswetteren die Kuunde:
Zitat

"Am Abend des ... 21. September 1823 wandte ich mich, nachdem ich mich zu Bett begeben. Während ich so im Gebet zu Gott begriffen war, da erschien ein Licht in meinem Zimmer, das immer heller wurde als am Tage, worauf sogleich ein Engel neben meinem Bett erschien, in der Luft stehend, denn seine Füße berührten den Boden nicht.
Er nannte mich mit meinem Namen und sagte zu mir, er sei als ein Bote, von der Gegenwart Gottes zu mir gesandt und sein Name sei Moroni. Gott habe ein Werk für mich zu tun und mein Name werde entweder als Gut oder als Böse unter allen Völkern, Geschlechtern und Sprachen bekannt werden und beides, Gutes und Böses, solle von mir gesagt werden unter allen Völkern. Er sagte, es sei ein Buch aufbewahrt, das auf goldenen Platten geschrieben sei und das einen Bericht gebe von den frühern Bewohnern dieses Landes und ihrer Herkunft, ferner sagte er, in diesem Buch sei die Fülle des Evangeliums enthalten, wie es vom Heiland jenen Ureinwohnern verkündigt worden sei."

Diese von übersteigerten Sendungsbewußtsein kündende Story, blieb nicht folgenlos, und um dieses Ideologiegerüst bildete sich dann tatsächlich eine Kirche mit allem Drum und Dran.
Man erfährt desweiteren aber auch von der Feindschaft, der diese neuen Religionsjünger bei verschiedenen Anlässen ausgesetzt waren. Buchstäbliche Vertreibungen aus den Ortschaften, wo sie ansässig waren, standen auf der Tagesordnung. Nicht nur einmal, sondern mehrmals.
Obwohl die Gegner der Mormonen es nicht wahrhaben wollten, ihre feindschaftliche Antwort auf diese neue Religion, führte letztendlich zum gegenseitigen Schulterschluss der Hörigen. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass der Mormonengründer letztendlich Opfer einer Mord Attacke wurde.

Seinem Nachfolger Brigham Young war es dann vorbehalten, erneut eine Fluchtaktion als Folge der Feindschaft, zu bewerkstelligen, den Auszug in den damals noch wilden Westen in dem außer ein paar Indianern sich kaum sonstige menschliche Seelen wagten.
Jene Gegend später als USA-Staat Utah bekannt, wurde zu wesentlichen Teilen erst von den Mormonen kultiviert.

Eines ihre Dogmen, die Vielweiberei, sorgte aber für weiteren Konfliktstoff und Zusammenstößen. Schließlich gaben die Mormonen in diesem Punkte zu einem späteren Zeitpunkt nach, was erst ihre tatsächliche Assimilierung in die USA-Gesellschaft ermöglichte.

Aus einem anderem 1903 erschienenen Buche sei noch eine markante Passage zitiert.
Inzwischen versuchten auch aus Deutschland kommende evangelische Pastoren in jener Mormonengegend Fuß zu fassen. Mit eher mäßigem "Erfolg" einer jener, ein Herr G. A. Zimmer publizierte dazu ein Buch betitelt "Unter den Mormonen in Utah". Seinen Bericht beendet er dann mit der von Ernüchterung strotzenden Aussage:
Zitat

"Ich mußte selbst erfahren, daß jener Amtsbruder in Michigan nicht ganz unrecht hatte, der mir beim Antritt meiner Tätigkeit in Utah schrieb wer die Mormonen, diese Rotte Korah, bekehren will, der kann nur gleich mit der Bekehrung des Teufels anfangen, bei beiden wird wohl alle Mühe für immer umsonst sein."

Was lehren diese Reflektionen? Sie lehren wohl auch, die Kirchengeschichte ist übervoll von Beispielen Steinzeitähnlicher Elemente der Religion. Und das keinesfalls nur auf den Bereich "Islam" bezogen.
Sie lehrt aber auch, wer auf diese Herausforderungen mit dem Frontalangriff reagiert, hat sich die denkbar schlechteste Abwehrwaffe ausgewählt!

von Drahbeck - am 23.12.2014 19:04

Die Partei mit dem stärksten Zuwachs

Im Zeitspiegel
ist die "Partei der "Nicht-Parteimitglieder".

Wieder eimal wurde das als Jahresendbilanz festgestellt. Und das Querbeet von "rechts nach links" oder meinetwegen auch von "links nach rechts".

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/12/25/kein-nachwuchs-etablierte-parteien-verlieren-mitglieder/

www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wenig-neuzugaenge-volksparteien-leiden-weiter-unter-mitgliederschwund/11160786.html

von Drahbeck - am 25.12.2014 06:06

"Lehre und Wehre"

Im Zeitspiegel
Die deutschsprachige, von konservativen Lutheranern herausgegebene, in den USA erschienene Zeitschrift „Lehre und Wehre", publizierte in ihrer Dezember-Ausgabe 1914 (S. 529f.) auch einen Artikel über den „Russellismus".
Inhaltlich stützte sich selbiger auch auf die vorangegangene Schrift des
Reverend Ross, mit dem Titel:
„SOME FACTS AND MORE FACTS about tlie Self-Styled "Pastor" Charles T. Russell"
Etwa sinngemäß (Einige Fakten und mehr Fakten über den selbsternannten "Pastor" Charles T. Russell).
Als zeitgenössische Entgegnung aus WTG-Sicht ist da insbesondere auf Rutherfords Battle-Schrift aus dem Jahre 1915 zu verweisen
Rutherford: Ein großer Kampf in den kirchlichen Himmeln

Beide Seiten „schenkten" sich da sicherlich nichts.
Ross, indem er herausarbeitet, Russell mit seiner 7-Klassen-Schulbidung, und eben die konventionelle Religionsindustrie, welches sicherlich in der Regel über einen höheren Bildungsgrad verfügt, bevor sie denn „auf die Menschheit losgelassen wird".
Aber auch die WTG war dann wohl nicht zimperlich, wie es jene zeitgenössische Karikatur auch veranschaulicht.


Ross legt in seiner Schrift schon mal einleitend dergestalt los, dass er Russell als eine Art „religiösen Fakir der schlimmsten Art, wie etwa der Magus von Samaria" betitelt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Magus

Die Rutherford'sche Battle-Schrift, welche allerlei vermeintliche Autoritäten zur Verteidigung Russells aufbietet, „glänzt" auch mit dem Lobgesang eines Phrenologen auf Russell.
Siehe zu letzterer auch:
http://psiram.com/ge/index.php/Phrenologie
Und was ihre spätere Verwendung in der WTG-Literatur anbelangt, auch:
Mysnip.38325
Dazu mag man dann nur sagen. Wer sich solcher „Autoritäten" bedient, der hat es dann wohl in der Tat sehr nötig!
Ross nennt dann noch einige der von Russell auch gegründeten Gesellschaften. Etwa eine „U. S. Investment Co. Ltd" mit einem ausgewiesenen Gründungskapital von 1000 Dollar. Davon auf Russell selber 990 Dollar entfallend. Die restlichen 10 Dollar dürften sich Russells „Sohn Timotheus" (so von Russell mal selbst bezeichnet), der aber in Natura auf den Namen E. C. Henninges (Ehemann von Russells Stieftochter Rose Ball) hörte, später in seiner Australienzeit dann noch mit Russell zerfallen, und ein Russell höriger Herr C. T. Bohnet, teilen.
Damit war jene Gesellschaft die da in Immobiliengeschäft mitwirbelte, und noch ein paar andere, de facto unter der alleinigen Kontrolle von Russell. Besagter Herr Bohnet, sollte sich dann in späteren Jahren noch, als Steigbügelhalter für Rutherford entpuppen. Soweit war es 1914 allerdings noch nicht.
Bei der Gründung seiner diversen Geschäftsunternehmen, hatte sich Russell allerdings nicht träumen lassen, das seine Ehe mal in die Binsen gehen würde. In diesem Kontext nahm er dann auch noch eine bemerkenswerte Kurskorrektur vor.
Zu der formuliert dann J. J. Ross:
Zitat

„Es wird behauptet, dass er vielfacher Millionär sei, und doch hat er nicht einen Cent, den wir auf seinen eigenen Namen finden konnten."

Nutznießer des nunmehr dem Buchstaben nach „armen" Russell, war die von ihm auch begründete Wachtturmgesellschaft. Und dazu kommentiert Ross weiter:
Zitat

"Der Zweck dieser ganzen Transaktionen sei, seiner Frau ihre Mitgift zu berauben"
und das wertet er als Betrug.
Indem Russell so von Ross an den Pranger gestellt wurde, kann man schon nachvollziehen, dass ihm das nicht schmeckte, denn Image-schädigend war das was Ross da hinausposaunte, für Russell allemal.
Jetzt mehr auf den Artikel in „Lehre und Wehre" eingehend.
Einleitend wird schon mal der Etikettenschwindel bemängelt, dass man unter dem Namen "Internationale Bibelforscher-Vereinigung", sich als nicht näher mit der Sachlage Vertrauter, etwas gänzlich anderes vorstellen mag. Jedenfalls ist Russells Organisation alles andere denn als ein „Verein internationaler Bibelgelehrter".
Zu den Geschäftsunternehmen des Russell zählt „Lehre und Wehre" übrigens unter anderem auch die
„United Coal and Coke Company" and
„with capital stock of $100,000" wie Ross schreibt (sicherlich eine stolze Kapitalausstattung der letzten Company), eine „Gottesackergesellschaft". Auch Ross nennt noch die
„Pittsburgh Asphaltum Company", die „California Asphaltum Company", die „Brazilian
Turpentine Company"
In den allen mischte Russell mit. Es mag ja durchaus sein bei der genannten Kapitalausstattung von 100.000 Dollar, einer dieser Gesellschaften, dass die noch andere Investoren hatten. Ob mit größerem oder kleineren Anteil, jedenfalls war auch Russell an ihnen beteiligt.
Nun ordnet „Lehre und Wehre" die Verlegung der WTG-Zentrale von Pittsburgh nach Brooklyn auch dem finanziell kaltstellen der Frau von Russell zu.
Als Umsatzzahl für das Jahr 1912 nennt „Lehre und Wehre" für die WTG die Zahl von $ 202.000 an erhaltenen Spenden.
Ergo florierte auch das WTG-Geschäft.
Es wurden eben auch die Spenden für die WTG erwähnt. Dazu dann noch der Kommentar von „Lehre und Wehre":
Zitat

„Diese Freiwilligkeit weiß Russell auch zu fördern durch seine Lehre vom Millenium. Ist doch nach Russell dieses Jahr das letzte des gegenwärtigen Zeitalters, und bald ist es hin. Warum sollte man da noch irdisches Gut besitzen wollen? Im wundervollen Millenium ist es überflüssig. Warum es diese paar Tage noch festhalten? ... Kein Wunder, daß ein unaufhörlicher Strom in die Kasse des Watch Tower fließt, daß Russells Predigten in den täglichen Zeitungen erscheinen"
(und anderes mehr).
Namentlich die in der Tagespresse zu beobachtenden „Russell-Predigten" (in Deutschland kam da nur der „Volksbote" in Strehlen, Schlesien in Betracht), stört „Lehre und Wehre" doch sehr. Deshalb ihr giftiger Kommentar dazu:
Zitat

„Diese Predigten werden begierig gelesen von vielen Leuten.
Der Mensch mit einem bösen Gewissen hört gern die Predigt, daß es keine Hölle gibt."

Und weiter:
Zitat

„Die Russellsche Lehre bringt eigentlich nichts Neues; sie wärmt nur die alten Irrlehren wieder auf, die von verschiedenen Irrgeistern vor vielen Jahren schon vorgetragen und vertreten worden sind."

Als Detailkritik formuliert jene Zeitschrift dann noch:
Zitat

„Diese wunderbare Aufklärung gründet Russell auf mathematischen Berechnungen, für die er sich auf die jüdischen Jubeljahre beruft. Russell weiß gar wohl, daß Matth. 24, 27 („Denn gleichwie der Blitz ausgehet vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes") wie eine Bombe auf seine ganze Teufelslehre wirken muß, und darum stellt er als Schutzwehr gegen dieses klare Gotteswort die freche Behauptung auf:
„Das Wort 'Blitz' in diesem Spruch ist nicht die richtige Übersetzung. Statt „Blitz" sollte es „Sonnenstrahl" heißen."

Allerdings wäre kritisch anzumerken: Eine nachprüfbare Belegstelle für diese These, im WTG-Schrifttum nennt jene Zeitschrift nicht. Ich kenne bisher auch keine konkrete Nachweisstelle. Gleichwohl daraus die Unterstellung abzuleiten, das habe „Lehre und Wehre" sich aus den eigenen Fingern gesaugt, erscheint mir ebenso gewagt. Vom Prinzip her, sind Russell und der WTG, solcherlei Umdeutungen, durchaus zuzutrauen.
Dann spießt „Lehre und Wehre" noch die Russellthese auf:
Zitat

„Daß im Frühjahr des Jahres 1878 alle heiligen Apostel und alle Überwinder" des christlichen Zeitalters, die in Jesu entschlafen sind, zu Geistwesen gleichwie ihr Herr und Meister auferweckt wurden."

Das ist dann wohl auch „Lehre und Wehre" - zurecht - zu gewagt, und wurde später noch wie so vieles andere, von Rutherford auf den Schrotthaufen befördert. Gleichwohl wäre von Anbeginn her, dies der angemessene Ort gewesen!
Zitiert wird weiter aus dem Russell-Schrifttum die These:
Zitat

„Mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen verschwunden sein."

Auch eine der Schrottthesen.
Und dazu erneut der Kommentar:
Zitat

„Man kann sich leicht denken, mit welchem Enthusiasmus das nahe Ende die Herzen der Anhänger dieser Lehre erfüllen muß.
Warum sollten die Anhänger Russells noch Geld und Gut festhalten? Bald brauchen sie es nicht mehr.
Kein wunder, daß die Watch Tower-Kasse einen guten Vorrat an barem Gelde hat, der es den Russelliten ermöglicht, Predigten in den täglichen Zeitungen erscheinen zu lassen ..."

Jener Artikel endet dann mit der Aussage:
Zitat

„Russell ist nach Matth. 24 auch ein Zeichen der Zeit. Nicht nur führt er die Unwissenden an der Nase, sondern wir sehen auch in Erfüllung gehen, was 2. Thess. 2: 10,11 geschrieben steht:
„ ... Dafür, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen ...
Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge."

Die lutherische Missouri-Synode in den USA, gab neben „Lehre und Wehre" noch eine zweite Deutschsprachige Zeitschrift mit dem Titel „Der Lutheraner" heraus. Vielleicht kann man eine gewisse Arbeitsteilung zwischen diesen beiden Blättern dergestalt sehen, das der „Lutheraner" mehr für's breite Publikum bestimmt war, während „Lehre und Wehre" vom Anspruch her, eher eine Theologie-Zeitschrift sein wollte.
Auch der „Lutheraner" nahm im Jahrgang 1914 seiner Spalten, das Thema des Russellismus auf.
Bereits im Jahrgang 1913 gab es dort die durchaus symptomatische Klage:
Der
Zitat

„berüchtigte „Pastor" Russell, der den lieben Ungläubigen zu Gefallen die Hölle abgeschafft hat."
(S. 221). Ähnliche Formulierungen wiederholen sich auch im Jahrgang 1914.
In der Ausgabe vom 28. April 1914, ist unter Hinweis auf das Russell'sche „Photodrama der Schöpfung" von dem
Zitat

„berüchtigten Wolf im Schafskleid, „Pastor" Russell"
die Rede. Dazu meint man erneut kommentieren zu sollen:
Zitat

„Pastor" Russells (Lehre) besteht bekanntlich darin, daß er den Leuten einredet, daß es kein Jüngstes Gericht und keine Hölle gibt. Natürlich ist das vielen Leuten eine willkommene Botschaft, denn dann läßt sich's doch ruhiger sündigen."
(S. 144).
Über die Aufführung des „Photodramas" in einer Konzerthalle in Chicago wird kommentiert:
Zitat

„Das Auditorium ist die größte Konzerthalle in Chicago mit Sitzraum für 6000 Personen. Die Miete beträgt $ 1000 den Abend. Es müssen dem Herrn „Pastor" (mit Gänsefüßchen) Russell also bedeutende Summen zur Verfügung stehen. Fast in allen größeren Städten des Landes hat er seine Lichtbildervorstellung aufführen lassen, und der Eintritt war immer frei. Rechnet man hinzu, was Russell für Anzeigen in Zeitungen, in Straßenbahnwagen und für Reklame mittels Anschlagzettel ausgibt, sowie die Unmenge von Traktaten, die er frei verteilen läßt, so ist ganz klar, daß er mit einem Kapital von Millionen arbeitet, um seine Irrlehren unter das Volk zu bringen. Woher hat er das Geld? Von seinen betörten Anhängern. Es gibt Leute, die lassen es sich viel kosten, wenn man ihnen beweisen kann, daß sie ohne Scheu sündigen dürfen. Der Fall „Pastor" Russells steht in dieser Hinsicht nicht vereinzelt da."
(S. 326)
Die Russell'schen Eschatologiethesen werden mit dem Kommentar bedacht:
Zitat

„Unser Heiland hat auf gerade solche Irrlehrer, wie den Pastor an der Satansschule zu Brooklyn, geweissagt, als er sprach:
„Es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführet werden in den Irrtum, wo er möglich wäre, auch die Auserwählten. ..."

Der „Stein" den der Reverend J. J. Ross losgetreten hatte, zeitigte seine Wellen, auch in Deutschsprachigen Kirchenblättern in Europa. Ein solches, auf welches dieses zutraf war auch der im Prinzip als Geistesverwandt bezeichenbare „Weissagungsfreund" von Samuel Limbach, in der Schweiz herausgegegeben. Nun ist es keine neue Erfahrung, das Geistesverwandte Kreise, oftmals den härtesten Streit untereinander ausfechten, was auch in diesem Falle zu beobachten ist.
J. J. Ross hatte seine Anklageschrift ja ziemlich weit gespannt. Nicht nur die erwähnten fiskalischen Aspekte kommen in ihr vor. Auch, und das keineswegs an untergeordneter Stelle, die Eheschwierigkeiten des Russell.
Bereits im März 1913 hatte Limbach in seiner Zeitschrift notiert (S. 46):
Zitat

„Und wenn dann ein solcher Prophet sich noch dazu vor Gericht mit seiner geschiedenen Frau herumschlägt, so zeigt auch dies, dass er ein falscher Prophet ist."

Datiert vom 30. 3. 1914 sandte daraufhin der damalige Schweizer WTG-Fürst Emil Lanz, ein Protestschreiben an Limbach, in dem er in Sonderheit auf die vorgenannte Passage in Sachen Ehescheidung abstellte.
Vollmundig tönt Herr Lanz dazu:
Zitat

„Damit haben Sie ein Pressedelikt begangen, das sich als eine Unwahrheit und Verleumdung qualifiziert und das gerichtlich verfolgbar ist."

Limbach seinerseits konnte darauf verweisen, auch in anderen Kirchenblättern findet sich jene Aussage. Sie stammt somit keineswegs „exklusiv" von ihm selbst. Zudem erwies sich die andeutungsweise Drohung einer möglichen „gerichtlichen Verfolgung" als zahnloser Tiger. Immerhin konnte Lanz den Limbach soweit einschüchtern, in seinem Blatt eine von Lanz redigierte Gegenerklärung zu publizieren. In Ihr meint er in der Substanz:
Zitat

„Tatsache ist nur soviel, das Frau Russell, die der Frauenrechtsbewegung huldigte und ihren Mann nicht dazu bekehren konnte, vor Jahren gegen ihn eine Trennungsforderung vor Gericht einreichte, welchen auch entsprochen wurde, als die Richter erkannten, dass ein weiteres Zusammenleben unter diesen Umständen unmöglich geworden war. Von einer Scheidung aber, der ganz andere Ursachen zu Grunde liegen müssen, war überhaupt nie die Rede."

Limbach seinerseits notierte redaktionell dann noch:
Zitat

„Oben erwähnter Herr legte mir ein von Russell unterzeichnetes Dokument vor, in dem er mit Berufung auf den Richter erklärt, dass er nicht geschieden sondern nur gerichtlich getrennt sei von seiner Frau. Die Unterschrift Russells - nicht der Inhalt seines Schreibens - war amtlich beglaubigt."

Im weiteren Verfolg seiner Ausführungen, erwähnt Limbach dann das, was er zum Thema Russell bereits andernorts gelesen hatte. Und im Rahmen dieser Erwähnung kommt eben auch jener J. J. Ross mit vor.
Zusammengefaßt referiert Limbach („Weissagungsfreund" 1914 S. 77f.):
Zitat

„Die Schrift enthält einen ausführlichen Bericht über den Verlauf eines Anklagefalles, den Pastor Russell wegen Charakterverleumdung gegen Rev. J. J. Roß, einen Baptistenrediger, in Hamilton, Ont. angestrengt hatte.
Das Heft bringt eingangs den angeblichen Verleumdungsartikel den Rev. J. J. Roß im Juni 1912 gegen C. T. Russell veröffentlicht hatte.
In diesem Artikel wird behauptet, daß Russell niemals eine höhere Schulbildung genossen, dass er in der Philosophie und Theologie fast gänzlich unbewandert ist, dass er von den alten Sprachen nichts wüsste, obgleich er behauptet hatte, er kenne sie, ferner dass er niemals als Prediger ordiniert wurde, dass er mit keiner kirchlichen Benennung verbunden ist, daß seine Frau sich von ihm scheiden lassen musste, wegen nachgewiesenen ungebührlichen Verhältnissen mit anderen Frauen, und dass er ein Eigentum im Wert von 35.000 Dollar für 50 Dollar veräußert habe, um die Ansprüche seiner geschiedenen Frau darauf zu verhindern.
Es wird in der Schrift weiter nachgewiesen, wie Pastors auf jede mögliche Weise dem Verhör das er selbst geleitet hatte, auszuweichen suchte, das aber, als er schließlich auf dem Zeugenstand auftrat, er verschiedene Aussagen die er gemacht hatte als unwahr widerrufen musste und dass die verschiedenen Gesellschaften die er gründet hatte, nur von ihm selbst kontrolliert werden.
Dieses Verhör fand in Hamilton, Kanada statt. Die Großgeschworenen haben am 11. April 1913 eine Entscheidung gegen Russell abgegeben. Alle Behauptung von Rev. J. J. Roß gegen ihn sind aufrechterhalten worden. Pastor Russell hat aus nachweislichen Gründen den Fall vor den kanadischen Gerichtshöfen nicht weiter verfolgt."

Besagter damaliger Schweizer WTG-Fürst, Emil Lanz, der ja wie vorzitiert, es an subtilen Drohungen nicht mangeln ließ, zog es indes vor, zu den zuletzt gemachten zusammenfassenden Ausführungen von Limbach, die doch wohl sicherlich auch zu seiner Kenntnis gelangten, zu schweigen!

von Drahbeck - am 27.12.2014 03:22

Politische Abstinenz als Programm

Im Zeitspiegel
Das Bibelforscher „Wunderjahr 1925" warf seine Schatten voraus. Grund genug auch für Kreise, die ansonsten nichts mit der WTG-Religion zu tun hatten, sich mal für diese etwas näher zu interessieren.
„Der Pionier
Funktionärsblatt der Gemeinschaft proletarischer Freidenker" so der Titel eines Blattes, in dessen Ausgabe vom Dezember 1924, solch eine Abhandlung zu registrieren ist.
Einleitend äußert der nicht namentlich genannte Verfasser:
Zitat

„Religion ist nach dem sozialdemokratischen Verständnis Privatsache, jedoch wenn unter dem Titel „Religion" in öffentlichen Versammlungen der wildeste Unsinn verbreitet wird, so ist dergleichen nicht mehr Privatsache, sondern öffentliche Angelegenheit, sie gehört in das Gebiet der Volkserziehung und es muß solchen Dingen und Treiben auch öffentlich entgegengetreten werden."

Aber auch er muss beklagen:
Zitat

„Leider ist davon in der Sozialdemokratischen Presse recht wenig zu spüren."

Den Begriff „Sekte" dann streifend, meint er sich auf die Linie festlegen zu können:
Zitat

„Sie bilden keine Sekte irgend einer der großen christlichen Richtungen, der katholischen oder Protestanten der verschiedenen Art, sondern sind eine Richtung für sich und stehen zu allen Genannten in Gegensatz, ja in Feindschaft."

Indes sei das von ihnen vertretene Geistesgut, im strengeren Sinne nichts Neues.
Zitat

„Denselben Glauben, dieselben Hoffnungen haben die schon viel älteren" vertreten.
Er nennt als Beispiel dafür besonders die „Adventisten".
Als Charakteristikum der Bibelforscher beschreibt es dann diese so. Sie seien
Zitat

„die radikale Linke, die das Kriegselend und die Verzweiflungsstimmung ganz besonders auszubeuten verstehen."

Ihre Ideologie ortet er dann weiter im Urchristentum, und dort wiederum bei den Judenchristen. Bei diesen wähnt er besonders chiliastische Momente, und eben in der Neuzeit, auch bei den Bibelforschern wahrzunehmen.
Indes hätten sich aber aus den „Judenchristen" dann noch die „Heidenchristen" herauskristallisiert. Und schon setzte damals die Aufgabe der ursprünglichen eschatologischen Erwartungen, mit Raketentempo ein.
Kritisch bis sehr kritisch, kommt in seiner Wertung dann das Bibelbuch „Offenbarung des Johannes" davon. Selbiges meint er - stehe im besonderen auch für die Tendenz der Judenchristen.
Den Urchristen bescheinigt er:
Zitat

„Diese glaubten nicht, wie die Heutigen mit ihrer Seele entweder sofort oder nach Passieren des Fegefeuers oder nach dem großen Weltgericht (beide Anschauungen widersprechen sich) in den Himmel zu kommen, sondern wollten, gleich dem Apostel Paulus, die Wiederkunft des Messias aus dem Himmel auf die Erde noch selber erleben."

Und weiter:
Zitat

„Nachdem das himmlische Jerusalem auf die Erde herabgeschwebt (Offenbarung Joh., Kap. 21) glaubten sie, daß die Gläubigen, die „Heiligen" mit dem Messias, ohne gestorben zu sein, aber in verjüngter himmlischer Gestalt, in einem tausend Jahre währenden Reiche weiterleben würden. Erst dann erwarten sie die Auferstehung aller Toten und das himmlische Gericht.
Diesen Unsinn glauben nun die Bibelforscher noch heute und versprechen jenes Reich ihren Zuhörern, sofern sie aber in ihrem Sinne gläubig werden."

Damit ist er dann schon mal bei einer einschlägigen Parole der zeitgenössischen Bibelforscher angelangt:
Zitat

„Millionen von Menschen werden niemals sterben!" steht auf fast jedem ihrer Plakate, Flugblättern und Inserate - in den Versammlungen sind sie mit den Versprechungen meist etwas vorsichtiger."

Auch notierend wie andere Kreise sich so mit der WTG-Religion auseinandersetzen würden, geht es bei ihm weiter mit der Beobachtung:
Zitat

„Die Hinneigung zum jüdischen Glauben seitens der Sekte hat denn auch bewirkt, daß die Antisemiten die Bibelforscher für eine Gründung jüdischer Bankiers behufs Zersetzung des Christentums erklärt haben. Das mag wohl Schwarzseherei sein, - das eine aber ist nicht zu bestreiten, daß die seit Anfang mit großen Mitteln auftretende Sekte von Amerika finanziert worden ist und auch von dort aus geistig geleitet wird."

Als exemplarisches Beispiel verweist er auch auf das WTG-Photodrama, das
Zitat

„schon von Anfang der Propaganda an in vielen Orten (auch in Dresden) unentgeltlich gezeigt, und Flugschriften und Zeitungen in Massen verbreitet" würden.

Zurückkehrend zur Entwicklung im Urchristentum notiert er weiter:
Zitat

„Die Meinung der ersten Judenchristen ist schon früh zurückgedrängt worden - eben weil sich ihre Hoffnungen nicht erfüllten, der Messias nicht wiederkam und die Gläubigen unter ihren Hoffnungen abstarben.
Die späteren Christen paßten sich dem römischen Reiche, „der großen Hure Babylon" (die Bibelforscher verstehen heute darunter den Katholizismus), wie es in der „Offenbarung" heißt, ganz konsequent an.
Schon zur Zeit der Kirchenväter kam im Christentum der jetzt geltende Himmelreichsglaube auf, das Buch („Offenbarung") wurde verworfen und kam nicht mit in den Kanon des neuen Testaments, indem es hinter der Apostelgeschichte stehen möchte. Jedoch ganz waren die Chiliasten, die Anhänger des tausendjährigen Reichs nicht auszurotten und sie haben es nach vielen Streitigkeiten erreicht, daß die Offenbarung sich wenigstens als Nachtrag an den Kanon erhalten konnte. Streitig ist sie immer geblieben."

Wieder zu den frühen Adventisten springend äußert er über sie:
Zitat

„Als aber ihre verschiedenen Propheten oftmals daneben gehauen und sich verrechnet hatten, haben sie das aufgegeben..."

Erneut das Bibelbuch „Offenbarung" erwähnend meint er dann:
Zitat

„Jahr für Jahr verlieren in der gesamten Christenheit Hunderte von Grüblern unter ihren blöden, unklaren und widerspruchsvollen Schilderungen und Redereien ihr bißchen Verstand vollständig und rettungslos.
Das Elend des Krieges und der Nachkriegszeit hat bei den Hoffnungslosen und Kampfuntüchtigen wieder allerhand religiöse Hoffnungen erweckt - und je imponierender die versprochenen Wunder sind, desto mehr Zutrauen finden sie doch bei dem, der glauben w i l l."

Ohne sich mit Belegstellen aus der WTG-Literatur aufzuhalten, also mehr vom Hörensagen aus argumentierend geht es bei ihm weiter mit der Aussage:
Zitat

„1916 wurde die Wiederkunft auf 1918 gesetzt. Seit dieser Zeit von Jahr zu Jahr verschoben; jetzt wird uns das Weltende aber ganz sicher für 1925 oder 1926 versprochen."

Zu einer politischen Einschätzung übergegehend meint er.
Zitat

„Merkwürdig, aber ganz unbestreitbare Tatsache ist, daß viele Bibelforscher seit seinem Auftreten auf den Bolschewismus gehofft haben. Vielfach führten sie ihn im Munde, unklar blieb nur ob man in ihm den Retter ersah, in dessen Gefolge der Messias erscheinen werde, oder den bösen Feind, der die Drangsal und Trübsal, die dem Advent des Herrn vorausgehen soll, vermehren werde."

Auch zu dieser seiner Aussage ist festzustellen, die Mühe seine Thesen auch anhand der WTG-Literatur zu belegen, hat er nicht auf sich genommen. Er bleibt auch bei diesem Aspekt im Hörensagen stecken.
Mehr zum Ende seiner Ausführungen kommend wertet er dann noch:
Zitat

„Wenn diese meinen, daß Himmels- und Erlöserhoffnung sich mit demokratischer Selbsterlösung, die wunderbare Gestaltung von Welt und Menschen durch Gotteshilfe sich mit der Umgestaltung beider durch eigene Arbeit verbinden lasse, so ist das ihre Sache - wir müssen beides für unvereinbar erklären und die echten Offenbarungsgläubigen auch."

In diesem Kontext notiert er schlußendlich auch noch die „politische Abstinenz als Programm":
Zitat

„In dieser Beziehung sind letztere denn auch konsequent und beteiligen sich, wie nicht am politischen Leben im allgemeinen, so auch nicht an der Wahlbewegung, sondern wirken für Wahlenthaltung."


von Drahbeck - am 28.12.2014 00:40

Re: Adventisten - Jehovas Zeugen

Zitat
Drahbeck
Im Zeitspiegel

„Der Pionier
Funktionärsblatt der Gemeinschaft proletarischer Freidenker" ...
Zitat

„Sie bilden keine Sekte irgend einer der großen christlichen Richtungen, der katholischen oder Protestanten der verschiedenen Art, sondern sind eine Richtung für sich und stehen zu allen Genannten in Gegensatz, ja in Feindschaft."

Indes sei das von ihnen vertretene Geistesgut, im strengeren Sinne nichts Neues.
Zitat

„Denselben Glauben, dieselben Hoffnungen haben die schon viel älteren" vertreten.
Er nennt als Beispiel dafür besonders die „Adventisten".


1888 Der grosse Konflikt von E. G. White:

Zitat
Seite 706 (630/631)

Die Kinder Gottes müssen den Kelch trinken und mit der Taufe getauft werden. Gerade der für sie so quälende Verzug ist die beste Antwort auf ihre Bitten.

Indem sie danach trachten, vertrauensvoll auf den Herrn zu warten, daß er wirke, kommen sie dahin, Glauben, Hoffnung und Geduld zu üben, die in ihrem religiösen Leben zu wenig geübt worden sind.

Dennoch wird um der Auserwählten willen die trübselige Zeit verkürzt werden ...

Das Ende wird schneller kommen, als die Menschen es erwarten ...


1998 DER WACHTTURM

Zitat
1. Juni; Seite 5, 7

Warte geduldig ...

Je emsiger wir im Dienst für Jehova sind, desto schneller vergeht die Zeit.


von X ~ mysnip - am 28.12.2014 11:13

Re: Adventisten - Jehovas Zeugen

Zitat
X ~ mysnip
...
1998 DER WACHTTURM

Zitat
1. Juni; Seite 5, 7

Warte geduldig ...

Je emsiger wir im Dienst für Jehova sind, desto schneller vergeht die Zeit.

Der zweite Weltkrieg sollte laut zeitgenössischen WTG-Aussagen in Harmagedon ausmünden.
Ein Kommentar anläßlich eines Kongresses der Schweizer WTG des Jahres 1945 prägte dazu im Nachhinein den Satz:
Zitat

„Dauert es jemand zu lange, dann sei daran erinnert, dass Zeit niemals lang wird, wenn man alle Hände voll zu tun hat. Haben wir etwa nichts mehr zu tun?
Die Errichtung der Theokratie ist etwas so Wunderbares, dass man leicht. ein ganzes Leben lang darauf wartete kann."

Und für entsprechende Beschäftigungstherapie sorgte die WTG sicherlich. Vor, nach 1945 und auch in der Gegenwart.
Siehe auch die (gekürzte Zitierung) der „Trost"-Ausgabe vom 1. 6. 1945

Vorstehende spezielle Aussage ist in dem gekürzten Repro nicht mit enthalten. Indes sei darauf verwiesen der Volltext jenes „Trost"-Artikels, der auch jene spezielle Aussage enthält, ist mit zitiert in:
Kommentarserie 1945 Dortselbst Eintrag vom 03. Juni 2005 02:47:55
Abschnitt:
Zitat

„Nachstehend dieser Artikel einmal im vollen Wortlaut:
Harmagedon ist nahe ..."



Ergänzende Anmerkung noch. In der Originalen „Trost"-Ausgabe ist der in Rede stehende Artikel über zwei Druckseiten verteilt, wie ich jetzt beim nochmaligen Vergleich feststelle. „Trost" hatte da die etwas merkwürdigen Praxis, auf ihren Seiten zwei völlig unterschiedliche Artikel zu publizieren. Dem Artikel „Harmagedon ist nahe" wurde dabei jeweils die untere Seitenhälfte zugeteilt, und das auf zwei Druckseiten. Der erste Teil davon wurde als Repro vorgestellt. Von der zweiten Hälfte (eben dann auf der zweiten Seite), indes wurde kein Repro angefertigt.
Wer die Druckausgabe des DDR-Uraniabuches haben sollte, kann bezüglich dieses „Trost"-Artikels auch die Seite 55 des Uraniabuches vergleichen.
Dortselbst wurde jener „Trost"-Artkel mit vorgestellt. Allerdings nur in Auszügen, ohne kenntlich zu machen, was das Uraniabuch aus jenem Artikel nicht mit zitierte. Ergo dort nur ein Zitaten-Zusammenschnitt.

von Drahbeck - am 28.12.2014 12:16

1965

Rückblick auf den 1965er Jahrgang

von Drahbeck - am 29.12.2014 23:07
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