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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 3 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 6 Monaten
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Drahbeck, sebe

Zillmann zum Zweiten

Startbeitrag von Drahbeck am 10.12.2014 12:21

Für Mitte Januar 2015 im Buchhandel vorangekündigt (tatsächlich aber schon früher lieferbar im Dezember 2014):

Zillmann, Raik: „Zwischen Glaube und Familie".
Das Thema hat sich für mich dergestalt erledigt, als es davon schon jetzt eine eBook-Variante, PDF gibt.
Allerdings letztere mit einigen Schwierigkeiten kombiniert.
Ich hatte zwar für eBooks schon vorher das Programm „Adobe Digitals Editions 2.0" auf dem Rechner. Indes musste ich mich belehren lassen, die Variante 2.0 kann ich nun vergessen. Die Variante 3.0 ist jetzt gefordert.
Sinn dieser Veränderung ist die Nutzbarkeit von eBook-Texten weiter einzuschränken.
Zwingend ist nunmehr auch eine sogenannte „Autorisation" bei Adobe mit Angabe einer eMail und Passwort.
Dafür erhält man dann nach dem Kauf, den Text auf einem Rechner, so man denn die dazu notwendige Prozedur, in der Hauptsache auch die geforderte „Autorisation" halbwegs überstanden hat und auch das Programm 3.0 als Voraussetzung auf dem Rechner hat. Wer es indes mit 2.0 versucht, kann sich das ersparen, wenn er nicht gerade Wert darauf legt, mit die Nervenkraft arg strapazierende Versuche, konfrontiert zu werden.

Beim lesen des Zillmann'schen Textes kam mir doch unwillkürlich ein Polit-Song der verflossenen DDR wieder in den Sinn. Und da sogar die Wikipedia ihn für Erinnerungswürdig ansieht, stelle auch ich die Frage:
„Sag mir, wo du stehts ..." http://de.wikipedia.org/wiki/Sag_mir,_wo_du_stehst
Diese Frage beantwortet sich nach der Zillmann'schen Lektüre.
Stehen tut er NICHT auf der Seite der Opfer der WTG.
Er unterscheidet bei der bereits bestehenden Literatur zu den Zeugen Jehovas, zwischen „guten" und „schlechten" Erbsen.

Zu den „guten" gehören in seiner Darstellung solche Lobyistenkünstler wie Yonan und Besier. Die „schlechten" indes weite übrige Bereiche, namentlich auch die, welche eine pointiert kritische Position zur WTG vorzutragen wissen.
Namentlich benennt er als Beispiele letzterer Art, Eimuth's „Sektenkinder". Auch Pape' „Ich klage an" gehört in seiner Sicht dazu. Wobei er sich aber keineswegs der Mühe unterzieht, sich mit diesen vermeintlich „schlechten Erbsen", im Detail auseinandersetzen. Es reicht ihm ein Dogma aufzustellen, wer oder was gut oder schlecht sei.

Auch bei den vermeintlich „guten Erbsen" namentlich bei Besiers Lobbyistenopus über die vermeintlichen „Inquisitoren" ist dieselbe hochgradige Oberflächlickeit zu beobachten. Wenn er den das Besier Opus gelesen hat, könnte ihm doch wohl nicht der ausgesprochene Lobbyistencharakter in ihm, auch für Scientology, nicht entgangen sein. So genau will es aber dann jener Herr aber nicht wissen.

Das im Besier'schen Lobyistenopus auch die These der Zeugen Jehovas von der famosen „vorverlagerten Gewissensentscheidung" (in anderen Worten die Einschwörung auf die WTG-Diktatur ihre relevante Darstellung in einer Öffentlichkeitswirksamen Publikation feiert), hat Herr Zillmann, entweder nicht mitbekommen, oder auch, er will es wieder gar nicht so genau wissen.

Wer solche Voten zu den „guten" zählt, dem ist dann wohl nicht mehr zu helfen.
Vielleicht der SPD nahestehend, sing auch Herr Zillmann deren Opportunismuslied, „alles nicht so schlimm".

Wie auch bei anderen Schriften dieses Genres, stellen Fragebogenbeantwortung, bzw. bei Zillmann mehr Frageinterwievs ein wesentliches Gerüst dar. Gerade bei seinen aus diesen Interwiews vorgestellten Details könnte aber deutlich werden, wer der WTG einen Glorienschein verpasst, hat seine tatsächlich wichtigen Schulaufgaben nicht gemacht.

So redet Zillmann von konstruktiver Zusammenarbeit mit örtlichen Versammlungen der ZJ aber auch mit den Verantwortlichen der Wachtturm-Gesellschaft
Als ein Beispiel angeführt.

Der Nicht-ZJ Ehemann spricht sich gegen Predigtdienst seiner Frau im eigenen Wohngebiet aus.
Entscheidung der Ältesten in der Sache. Die Zeugin wird Pionieren als Begleitperson außerhalb des Wohngebietes zugeteilt, verschweigt aber dem Ehemann diese Tätigkeit.
Zugehörige Fußnote. Von einem der Ältesten wurde der Verfasser (also Zillmann) gebeten, dieses Praxisbeispiel theokratischer Kriegslist, aber nicht zu erwähnen.

Als Lesefrucht aus der WTG-Literatur tut er auch das Detail kund, in Frankreich kämen auf zwei ZJ-Ehen, eine dritte „Mischehe".
Die Scheidungsquote solle nicht höher als der Landesdurchnitt sein. Und die Auslöser einer Scheidung, sei vielfach der Nicht ZJ-Teil solcher Ehen.
Das eben solche Verhältnisse vielfach zum „nicht aushalten sind" kann zwar auch Zillmann nicht bestreiten, reflektiert diesen Aspekt aber nicht weiter.
Siehe auch Eheprobleme

Auch das erwähnt Zillmann.
Obwohl zahlreiche Konflikte der Familienmitglieder mit der Religionsgemeinschaft in einem Fall auftraten, konnten diese über einen gewissen Zeitraum durch Nichtaktivität ausgehalten werden.
Wenn es weiter heißt der Interviewpartner studierte eine erklärungsbedürftige Facherkombination (dann wohl in erster Linie für Hardliner-ZJ erklärungsbedürftig).
In dem Fall wurde der Betreffende von der ZJ-Hierarchie letztendlich doch "angezählt", wobei seine Aktivitäten in einem Internetforum gesichtet wurden. Da halfen ihm auch keine falsche Namen und ähnliches.
Es ist meines Erachtens jedoch eine Überbewertung, wenn die ZJ den Betreffenden erst dann "enttarnten".

Schon davor liegende diverse Konflikte mit der WTG-Dogmatik und das Studium einer "Erklärungsbedürftigen Facherkombination" müssen dann wohl als gleichrangig für besagte "Enttarnung" angesehen werden.
Namentlich seine dargestellten Interview-Ergebnisse, enthalten diverse Bespiele der abbbröckelnden WTG-Kosmetik die letztendlich im Widerspruch zu den WTG-Apoplogten wie Besier und Co stehen. Das damit Zillmann durch seine Interview-Zitate sein sich auf die Seite der Opportunisten schlagen, nicht mitbekommen hat, oder nicht mitbekommen will, „zeichnet diese Arbeit im besonderen aus."

Antworten:

Danke für den Bericht! Ja, der Herr ehem.Doktorand R.Zillmann ist mir auch kein Unbekannter, habe ich doch eine Inerviewsanfrage abgelehnt. Nun merke ich welch gute Entscheidung das war. Mich ärgert gewaltig, wenn junge Leute die nie Zeugen oder im Dunstkreis von Zeugen gelebt haben plötzlich erklären können wer zu den"schlechten" und "guten"einzuordnen ist! Dient dieses Buch zur Aufklärung und wird auch die verantwortliche oberste "Regierung" der WTO beleuchtet, ?

von sebe - am 10.12.2014 14:28
Mit der Quellenangabe: "Aus der Pressemitteilung 37 der Bremischen Bürgerschaft" vom 16. 02. 2011, erfährt man im Zillmann'schen Text (S. 18), das auch der Sektenbeauftragte Helmut Langel der Bremischen Evangelischen Kirche dortselbst zu einigen für die Zeugen Jehovas neuralgischen Fragen befragt wurde, im Kontext der ZJ-KdöR-Ambitionen.
In anderen Fällen verweist Zillmann durchaus auf im Internet eruierbare Quellen. Nicht so in diesem Fall.
Der Nichtinformierte kann also aus seinen Ausführungen nur entnehmen, in der Bremischen Anhörung wurde auch Langel angehört. Nur Langel?
Das noch andere dort angehört wurden, unterschlägt Zillmann schon mal. Und man kann sehr wohl darüber streiten, welchen Part denn in Gesamtbewertung Langel in dieser Anhörung annahm. Den des dominierenden "Wortführers"? Oder den eines der Rubrik "ferner liefen" zuzuordnenden.
Weitaus wichtiger ist der Verschweigungsumstand durch Zillmann, dass im Endeffekt in Bremen ein für die Zeugen Jehovas ungünstiges Ergebnis herauskam, getragen von drei dortigen Parteien (in alphabetischer Sortierung):
Getragen von der CDU, den Grünen und der SPD. Das waren faktisch alle im Bremischen Rechtsausschuß vertretene Parteien, da die FDP dortselbst schon mal wegen ihres desolaten Zustandes überhaupt nicht mit im Rechtsausschuß vertreten war.
Somit liegt in Bremen eine relevante Allparteien-Entscheidung vor.
Diese verzerrte Darstellung durch Zillmann ist ein nahezu typisches Beispiel, das zeigt, wie er (mehr indirekt) als Sprachrohr, der WTG agiert. Andere etwa Besier, Yonan agieren da vielleicht etwas plumper, Zillmann eher mehr auf die feine Art.
Zurecht indes kann man Zillmann auch als einen Möchte-gern-auch-Besier-Verschnitt sein, bezeichnen.
Sich profilierend auch, als ein "Mit-Geschäftsführer der WTG"
In Sachen Instrumentalierung von Lobbyisten, hat die WTG mittlerweile einige Cleverness entwickelt. Nunmehr gibt es einen weiteren Fall dieser Art.

In Sachen Bremen, siehe unter anderem auch:
http://www.bremische-buergerschaft.de/fileadmin/volltext.php?area=&np=&navi=informationsdienste5&buergerschaftart=1&dn=D17L1753.DAT&lp=17&format=pdf&edatum=2011-04-2
Mit zitiert in
Forumsarchiv332

von Drahbeck - am 12.12.2014 06:59
Von einer „Causa Frost" redet Herr Zillmann in seinem Text auch noch (Fall Erich Frost). Nicht unerwartet im kritischen Verweis auf das DDR-Uraniabuch. Es ist dann eines, jenes Uraniabuch nicht zu mögen, ein anderes hingegen ist der Fall Frost den es tatsächlich gab, und der Kritik an dem Umstand, wieso ausgerechnet Herr Frost einen der höchsten Plätze in der deutschen WTG-Hierarchie (zeitweilig) belegen konnte.
Es gab zudem auch noch eine „Causa Franke" letztere erwähnt Zillmann schon nicht mehr, für die ähnliche Kriterien gelten.

Auch die „Causa Winkler" wäre mit zu erwähnen (gleichfalls von Zillmann unerwähnt). In Sachen Winkler kann man in einem neueren Buch von Hans-Rainer Sandvoßauch vernehmen, (S. 447)
„Die mit Urteil vom 30. Juli 1937 verhängte Zuchthausstrafe verbüßte Winkler bis zum 21. September 1940 in der Haftanstalt Luckau. Anschließend blieb er unter ständiger Beobachtung der Geheimen Staatspolizei".

Eher ungewöhnlich für einen Mann der einst einen relevanten Posten in der ZJ-Untergrundorganisation einnahm, dennoch nach seiner Haftentlassung, ohne KZ-Einweisung davonkam.. Das war dann wohl nur um den Preis vorangegangenes Wohlverhaltens möglich. Wäre er "störrisch" geblieben, hätte es kaum eine Haftentlassung gegeben.

Die vormaligen Akten des Sicherheitsdienst Reichsführers SS, in Sachen Zeugen Jehovas, befanden sich um 1955 wohl noch in der Sowjetunion? (unklar). Ihre Übergabe an die Ostdeutsche Stasi dürfte erst später erfolgt sein. Insoweit kannten die Ostdeutschen Stasiisten um Anfang 1955, noch keineswegs das Belastungsmaterial, dass in den SD-Akten, auch gegen Winkler vorliegt. Wenn es heißt Anfang 1955 setzte er sich dann in den Westen ab, bedeutet dass im Umkehrschluß, dass er bis dahin auch von den Ostdeutschen Behörden weitgehend ungeschoren blieb.
... Nach 1955 von Ost- nach Westdeutschland „umgesiedelt". Lebte offenbar dort bis 1978.
Seine kritisch zu wertende Rolle in der Nazizeit, hat die WTG dann wieder mal mit Schweigen bearbeitet.

Auch die Causa Hans Mueller oder Causa Ernst Bojanowski nicht zu vergessen. Klassische Beispiele von „Umgedrehten" zu Nazizeiten, die letzteren.
Auch bei anderen etwa den Kommunisten, sind solche Umdrehungsfälle belegbar. Hier wie dort dann durch Schweigen bzw. Verklärungen, im nachhinein „dargestellt".
Herr Zillmann täte gut sich nicht vor den Verklärungszug „Standhaft ..." mit spannen zu lassen.
Die tatsächlichen Fakten sprechen eine andere Sprache.
Zur Causa Frost
Zur Causa Franke
Zur Causa Winkler
Zur Causa Hans Mueller, Ernst Bojanowski

von Drahbeck - am 13.12.2014 00:53
Am Anfang der Kampanie über die Standhaftaustellungen wurde auch im Raum Sachsen von einem Bruder Winkelmann der in der NS-Zeit verfolgt wurde berichtet.
Kurze Zeit später gabs von Seiten der Zeugenverantwortlichen Order diesen Namen
nicht mehr zu nennen, es gab ihn quasi nie. Offizielle Begründung der Kehrtwende
gab es nicht, wie diese plötzliche Ungnade zu erklären ist!

von sebe - am 13.12.2014 08:17
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