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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 3 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 1 Monat
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Drahbeck

Aus "Holbach's Tagestextsammlung"

Startbeitrag von Drahbeck am 02.01.2015 12:16

Bereits im Jahre 2002 wurden (im damaligen Parsimony-Forum) als "Lesefrüchte", einige Auszüge aus dem Schrifttum des geschichtlichen Religionskritikers Baron von Holbach vorgestellt.

https://portal.dnb.de/opac.htm;jsessionid=7D6BDDAA1856854DE4CE2FE96401BABE.prod-worker0?method=showFullRecord¤tResultId=atr%253D123266351%2526any¤tPosition=11

Parsimony.2565

Insoweit bringt die jetzt beginnende Serie nichts neues. Indes von 2002 bis zur Gegenwart hat sich sicherlich auch der hiesige Leserkreis gewandelt. Auch andernorts - etwa im Fernsehen - sind Wiederholungen nicht unüblich. So sei es gestattet auch eine solche zur Anwendung zu bringen.
Auch die Zeugen Jehovas pflegen ihre Praxis der "Tagestexte". Meist kurze Texte, die zum weiteren Nachdenken anregen sollen.
Auch die Holbach'schen Texte würden sich meiner Meinung nach für solch eine Verwertung eignen.
In der jetzigen Serie werden sie noch durch wörtliche - unkommentierte - Zitate aus einer sogenannten "Heiligen Schrift" (alias Bibel) ergänzt. Auch diese Bibeltexte bleiben wie die eigentlichen Holbach-Zitate, unkommentiert.
Wer da will kann sich dann so seine eigenen Gedanken dazu machen.
Diese Zitatensammlung ist nicht thematisch sortiert. Was die Bibelzitate anbelangt, wird einfach vom Anfang der Bibel ab, ausgewählt. Eine Identität mit den Holbach'schen Ausführungen, dürfte in der Regel nicht vorhanden sein.
Vorgesehen ist eher eine lockere Offerierung (nicht Termin gebunden). Etwa als "Lückenfüller" wenn in einem größeren Zeitraum keine Postings vorliegen, Das ganze dürfte sich also durchaus in die Länge ziehen.

Ein seine Einsichten in Sachen Zeugen Jehovas, nur über das Medium Youtube Video verbreitender, verlautbarte einmal, auf seinem Kanal gehe es nicht vordergründig um Mission. Aber trotzdem sei seine Meinung anstelle der Zeugen Jehovas-Literatur, solle das Bibellesen die Ultima ratio sein.
Nun steht es jedem frei zu lesen was er mag, ergo auch diese Lesevariante.
Wer indes - das ist meine Meinung - nur im Bibellesen sein „Heil" sieht, der läuft hohe Gefahr „braune" durch „lila" Sch... auszutauschen. Wirklich voranbringen wird ihn diese Art von Lesegewohnheit nicht.
Exemplarisch auch studierbar, im Buch des vormaligen Zeugen Jehovas Josef Wilting mit dem Titel "Herr zu wem sollen wir gehen?"
Mein Kommentar dazu, der hat da die tiefste Verstrickung, in die er sich ohne Zweifel schon als ZJ befand, man sollte es nicht meinen. Es ist aber so, durch noch ein paar Stufen tiefer liegende ausgetauscht.
Andere etwa, einer der unter dem Namen „All" schrieb tauschte ebenfalls den Regen durch die Traufe aus. Und vor allem, nirgends war seines Bleibens für längere Zeit. Das alles weil sie dem Dogma huldigten, es müsse nach dem "Regen" nunmehr das "Paradies" kommen. Tatsächlich kommt für die so Gestrickten nur die Traufe, weil sie einen verkehrten Ansatz für die "Lebensreise" als Ausgangsbasis nutzen.


Im Gegensatz zu vorgenannten, würde ich eher empfehlen, lest auch was die Kirchengeschichte (auch die der Zeugen Jehovas) zu berichten weis!
Noch ein Veranschaulichungsbeispiel.
In dem 2014er Buch „Aus erster Hand" mit vertreten, der Verfasser Heinz Rudolph mit einem Votum. Selbiger meint auch die Kritik anbringen zu können:
Zitat

„Gegen eine in manchen heutigen Foren beschriebene Methode: Nach dem Zeugenglauben kannst du logischerweise nur Atheist werden."

Mit diesem Votum fällt da so manchen Vertreter der Religionsindustrie, namentlich derjenigen, die von selber auch materiell leben, bzw. leben möchten ein „riesengroßer Stein vom Herzen" und sie wünschen sich, es gäbe noch mehr solche Rudolphs in der Ex-ZJ-Szene.
Dieses Votum sei erst mal wertfrei zur Kenntnis genommen.
Die „Tücke des Objekts" offenbart sich dann wohl auch bei Rudolph bei einigen seiner weiteren Sätze. So etwa wenn er von einem irrtümlichen Ausflug in die charismatische Szene redet, denn er aber wieder beendet habe.
Wenn Rudolph zwar nur von der charismatischen Szene redet, erscheint es mir jedenfalls angebracht, diese zu ergänzen, auch die evangelikale Szene.
Womit man wieder bei meiner These angelangt wäre, des Austausches „brauner" doch lila „Sch...".
Ungewöhnlicherweise empfiehlt Rudolph dann noch ein Buch zur Lektüre. Selbiges habe ich zwar nicht selber gelesen, kann also nur vom Titel her und ein paar Google-Kostproben urteilen.
Und zwar das Buch, Siegfried Zimmer
„Schadet die Bibelwissenschaft dem biblischer Glauben?"
Rudolph charakterisiert selbiges als für ihn den Rang eines Quantensprunges erreichend.
Für mich hingegen würde ich charakterisieren, haben einige Bücher die in Aus dem Spektrum der Religionskritik mit genannt sind, den Rang eines Quantensprungs, und das vielleicht schon vor dem Buch des Herrn Zimmer, dieweil schon davor erschienen.
Jener Herr Zimmer beklagt unter anderem:
Zitat

„Viele Christen wollen aber keine Bibel, in der es auch Schwachheiten und Unscheinbares gibt. Das entspricht nicht ihren Vorstellungen und Bedürfnissen. Sie wollen eine Imponierbibel."

Diese Kreisen gegenüber, vielfach in der Fundamentalistenzene besonders ausgeprägt, sucht er nun eine „Brücke" zu bauen.
Die „Erfolgschancen" dieses Brückenbaues indes, muss er selbst (unfreiwilligerweise) in die Worte zusammenfassen:
Zitat

„Durch die Christenheit geht ein Riss
Der Grund für diesen Riss ist der wissenschaftliche Umgang mit der Bibel.
Diese beiden Lager grenzen sich voneinander ab und leben größtenteils nebeneinander her. Das führt unter den Christen zu Entfremdungen, Vorbehalten und Feindbildern."

Eigentlich sehe ich damit keinen prinzipiellen Dissenz zu dem Votum jenes Herrn Rudolph, wobei letzterer sich nicht unbedingt dieses Umstandes bewusst sein mag.
http://books.google.de/books?id=5lujm_JppKYC&printsec=frontcover&dq=Siegfried+Zimmer&hl=de&sa=X&ei=9aVTVPW2NoH0PPnygbAM&ved=0CBQQ6AEwAA#v=onepage&q=Siegfried%20Zimmer&f=false
Anstatt vieler weiterer Worte, empfehle ich die nochmalige Vertiefung in die Ausführungen zum Pfarrer Rohkohl. Das nimmt zwar auf die 1920er Jahre Bezug. Angesichts solcher berüchtigter Typen, wie etwa der Robin de Ruiter, die da (zumindest für sich Kassen füllend) die Szene dominieren, kann man nun wirklich nicht wählerisch sein. Rohkohl war - es sei beklagt - ein einsamer Rufer in der Wüste. Es wäre wünschenswert, es gäbe noch ein paar mehr Rohkohls, auch in der Gegenwart, was so leider nicht der Fall ist.
Siehe:
19282Rohkohl
Außerhalb des vorgesehenen „Holbach-Tagestexte"-Programmes. Erst mal zwei Texte des um 120 u. Z. geborenen Schriftstellers Lukian von Samosata
http://de.wikipedia.org/wiki/Lukian_von_Samosata

Von einem dieser Texte kann man mit Sicherheit sagen, er reißt Fragen an, die noch heute so manchen umtreiben, also nicht nur die Menschen des zweiten Jahrhunderts!

Antworten:

Lukian: Jupiter Tragödus

Im Internet als Einzeltext weniger greifbar. Sehr wohl aber in Sammlungen der Gesammelten Werke von Lukian
http://books.google.de/books?id=hr0YAAAAYAAJ&dq=Aber,+o+du+G%C3%B6tterfeind,+wem+kannst+du+die+Orakel+und+Weissagungen+k%C3%BCnftiger+Dinge+zuschreiben&hl=de&source=gbs_navlinks_s
http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN601284119&DMDID=DMDLOG_001
Jupiter Tragödus
Zitat

Timokles: Also haben sich alle Menschen und Völker betrogen, die von jeher Götter glaubten und verehrten?
Damis: Recht schön, Timokles, daß du mich an den allgemeinen Volksglauben erinnerst: denn gerade daraus kann man sehen, wie wenig Festes und Zuverlässiges in der Sage von den Göttern ist.
Die Verwirrung könnte kaum größer sein. Und jedes Volk hat darüber seine eigene Meinung.
Die Skythen opfern dem Gott Säbel, die Thrazier dem Zamolxis, einen Menschen der als Flüchtling aus Samos zu ihnen kam, die Phrygier der Mene, die Äthiopier dem Tage, die Cyllenier dem Phales, die Assyrer einer Taube, die Perser dem Feuer, die Ägypter dem Wasser. Und zwar ist das Wasser die gemeinschaftliche Gottheit der Agypter: insbesondere aber ist der Gott der Memphiten ein Stier und der Pelusioten die Zwiebel;
noch andere erweisen diese Ehre dem Vogel Ibis, dem Krokodil, dem Cynocephalus, dem Affen; ja es gibt Dörfer in Ägypten, wo in einem die rechte Schulter, und in den nächstangrenzenden die linke, Gott ist; wieder andere beten einen halben Kopf, andere ein irdenes Trinkgeschirr oder eine Schüssel an. Wie sollte nun das alles nicht lächerlich sein, schönster Timokles.
Timokles": Aber, o du Götterfeind, wem kannst du die Orakel und Weissagungen künftiger Dinge zuschreiben als den Göttern und Ihrer Vorsehung?
Damis: Sprich mir nicht von den Orakeln, mein Bester, oder ich werde dich fragen, an welches du dich am liebsten erinnern lassen willst: ob an das, das der delphische Apollo dem Könige von Lydien gab und das so doppelgesichtig war wie gewisse Hermen, die einem das Angesicht zuwenden, man mag sie von vorn oder von hinten betrachten - denn wie wuußte nun Krösus, ob er nach dem Übergang über den Fluß Halys das Reich des Cyrus oder sein eigenes zugrunde richten würde? Und gleichwohl bezahlte der unglückliche Fürst diesen doppelsinnigen Vers mit vielen Tausenden.
Timokles: Sage mir einmal, Verruchter hast du jemals eine Seereise gemacht?
Damis: sehr oft Timokles: Und hast du da nicht wahrgenommen, daß der Wind, wenn er mit vollen Backen in die Segel blies, euch mit einer Gewalt davonführte, der die Ruderer nicht vermögend waren, das Gegengewicht zu halten, und das das Schiff bloß durch denjenigen erhalten wurde der am Steuerruder stand?
Damis: Allerdings.
Timokles: Das Schiff hätte also ohne Steuermann seine Fahrt nicht vollenden konnen: und da kannst du glauben, das ganze Weltall fahre ohne Steuermann und Führer auf Geradewahl daher?
Damis: Aber, o Freund und Liebling der Götter Timokles, du wirst auch bemerkt haben, daß der Steuermann unaufhörlich für alles sorget, was zur Erhaltung des Schiffes und zu Beförderung der Reise dienlich ist; daß er alles, was man in der Not bedarf, immer zum voraus bereithält und den Matrosen darüber die gehörigen Befehle erteilt; ferner, daß in dem ganzen Schiffe nichts Unnützes und Unzweckmäßiges ist, nichts, das nicht schlechterdings zur Schifffahrt dienlich, ja unentbehrlich wäre.
Dein Steuermann hingegen, den du würdig hälst, diesem großen Schiff vorzustehen, und seine Gehülfen ordnen nichts zweckmäßig und nach Erfordernis der Umstände an. Da ist oft weder Takel noch Tau am rechten Orte, kein Segel recht aufgespannt, der Anker vergoldet und die Verzierung des Hinterteils von Blei, der Kiel bemalt, die hervorragenden Teile hingegen unförmlich und ohne alle Schönheit.
Timokles: Sieh also, ob dieser Syllogismus bündig schließt, ob du im Stande bist, ihn umzuwerfen - Wenn es Altäre gibt,
so müssen auch Götter vorhanden sein: nun gibt es Altäre, also gibt es auch Götter. Was hast du hierauf zu antworten?
Damis: Laß mich erst auslachen
Timokles: Du lachst ja, a1s ob du nie aufhören wolltest, Ich möchte doch wissen, was dir an meinem Argumente so lächerlich vorkommt?
Damis: Daß du nicht merkest, an was für einen dünnen Faden du deinen Anker und sogar deinen Notanker, gehängt hast. Du glaubst also dadurch daß du das Dasein der Götter an das Dasein der Altäre geknüpft hast, ein gewaltiges Tau zusammengedreht zu haben? Deinem eigenen Geständnis nach hast du nichts Stärkeres aufzubringen, unser Streit ist folglich zu Ende. Und wir gehen nach Hause
Bedenke nur, wie es einem Sokrates, einem Aristides, einem Phöcion auf ihrer Fahrt erging; wie oft es ihnen sogär an Lebensmitteln gebrach, und wie sie oft kaum Platz genug hatten, auf dem nassen Boden neben der Pumpe ihre Füße auszustrecken: was für ein Freudenleben hingegen ein Kallias, ein Meidicas, ein Sardanapalus lebten, und was sie sich gegen jene, die unter ihnen waren, herausnehmen durften. - So, mein hochweiser. Herr, geht es in deinem Schiffe zu; und woher kämen auch sonst die unzähligen Schiffbrüche? Hätte es einen Befehlshaber, der ein Auge auf alles und jedes hätte und über gute Ordnung hielte, so würde ihm nicht verborgen sein, was für Leute er am Bord habe; er würde Gute und Schlechte zu unterscheiden wissen und jedem begegnen, wie er's verdiente; würde die Besten an den oberen Platz neben sich setzen und die Schlechtem unten; würde die vorzüglichen zu seinen Tischgenossen und Ratgebern machen und jenem tüchtigen Matrosen eine der ersten Offizierstellen, dem trägen und untauglichen hingegen fünfmal das Tauende zu kosten geben. Du siehst also, mein vortrefflicher Herr, daß dein Gleichnis von Schiffe große Gefahr läuft zu scheitern, da du ihm einen so schlechten Steuermann gegeben hast.


von Drahbeck - am 02.01.2015 12:18
Lukian: Peregrinus
https://archive.org/details/bub_gb_7KI7AAAAcAAJ

Als einen Ergänungskommentar, aus einer anderen Zeitepoche, kann man dazu auch Lessings „Du kennst die Christen (und die Zeugen Jehovas) nicht" ansehen.
Text dazu am Textende
Lukian: Pregrinus
Zitat

Das Lebensende des Peregrinus, Lukian an seinen Freund Kronius.
Und so hat denn der heillose Mensch Peregrinus oder wie er sich selbst lieber nannte) Proteus die Ähnlichkeit mit seinem Homerischen Namensverwandten vollständig gemacht, und der ehrsüchtige Tor, nachdem er sich nach und nach in tausenderlei Gestalten verwandelt hatte, ist zu guter letzt - so heftig brannte die Liebe zum Ruhm, in ihm - noch gar zu Feuer geworden!
Doch ich übergehe alle seine Jugendstreiche dieser Art; denn damals war das Götterbild freilich noch ungeformter Ton und von einer Ausbildung und Vollendung noch weit entfernt. Aber was er seinem Vater getan, ist allerdings nicht zu übersehen, wiewohl ihr vermutlich alle schon gehört haben werdet, daß er den alten Mann, weil er ihm mit sechzig Jahren schon zu lange lebte, erdrosselt haben soll. Da die Sache bald darauf ruchbar wurde, sah er sich gezwungen, sich selbst aus seiner Vaterstadt zu verbannen und von einem Lande ins andere unstet und flüchtig herumzuirren.
Um diese Zeit geschah es, daß er sich in der wundervollen Weisheit der Christianer unterrichten ließ, da er in Palästina Gelegenheit fand, mit ihren Priestern und Schriftgelehrten bekannt zu werden. Es schlug so gut bei ihm an, daß seine Lehrer in kurzer Zeit nur Kinder gegen ihn waren. Er wurde gar bald selbst Prophet, Thiasarch, Synagogenmeister und, mit einem Wort, alles in allem unter ihnen. Er erklärte und kommentierte ihre Bücher und schrieb deren selbst eine große Menge; kurz, er brachte es so weit, daß sie ihn für einen göttlichen Mann ansahen, sich Gesetze von ihm geben ließen und ihn zu ihrem Vorsteher machten. Übrigens verehren diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neue Mysterien in die Welt
eingeführt hatte. Es kam endlich dazu, daß Proteus bei Begehung derselben ergriffen und ins Gefängnis geworfen wurde; ein Umstand, der nicht wenig dazu beitrug, ihn auf sein ganzes Leben einen sonderbaren Stolz einzuflößen und diese Liebe zum Wunderbaren und dieses unruhige Bestreben nach dem Ruhm, eines außerordentlichen Mannes in ihm anzufachen, die seine herrschenden Leidenschaften wurden. Den sobald er in Banden lag, versuchten die Christianer (die dies als eine innen allen zugestoßene große Widerwärtigkeit betrachteten) das Mögliche und unmögliche, um ihn dem Gefängnis zu entreißen; und da es ihnen damit nicht gelingen wollte, ließen sie es ihm wenigstens an der sorgfältigsten Pflege und Wartung in keinem Stücke fehlen. Gleich mit Anbruch des Tages sah man schon eine Anzahl alter Weiblein, Witwen und junge Waisen sich um das Gefängnis herum lagern; ja die Vornehmsten unter ihnen bestachen sogar die Gefangenenhüter und brachten ganze Nächte bei ihm zu. Auch wurden reichliche Mahlzeiten bei ihm zusammengetragen und ihre heiligen Bücher gelesen, kurz der teure Peregrin (wie es hieß, ihnen ein zweiter Sokrates). Sogar aus verschiedenen Städten in Asien kamen einige, die von den dortigen Christianern abgesandt waren, ihm hülfreiche Hand zu leisten, seine Fürsprecher vor Gericht zu sein und ihn zu trösten. Denn diese Leute sind in allen dergleichen Fällen, die ihre Gemeinheit betreffen, von einer unbegreiflichen Geschwindigkeit und Tätigkeit und sparen dabei weder Mühe noch Kosten. Daher wurde auch Peregrinen seiner Gefangenschaft halber eine Menge Geld von ihnen zugeschickt, und er verschaffte sich unter diesem Titel ganz hübsche Einkünfte. Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, daß sie mit Leib und Seele unsterblich werden und in alle Ewigkeit leben wurden: daher kommt es dann, daß sie den Tod verachten und daß viele von innen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, daß sie alle untereinander Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen und nach seinen Gesetzen zu leben.
Alles andere verachten sie durch die Bank, und sie halten es für eitel und nichtswürdig, ohne irgendeinen tüchtigen Grund zu haben, warum sie diesen Meinungen zugetan sind. Sobald also irgendein verschmitzter Betrüger an sie gerät, der die rechten Schliche weiß, so ist es ihm ein leichtes, die einfältigen Leute an der Nase zu führen und gar bald auf ihre Unkosten ein reicher Mann zu werden.
Übrigens wurde Peregrin (als es zu gerichtlicher Entscheidung seines Schicksals kam) von den damaligen Statthalter in Syrien wieder in Freiheit gesetzt, einem Manne, der die Philosophie liebte und, sobald er merkte, wie es in dem Kopfe dieses Menschen aussah und daß er Narr genug war, aus Eitelkeit und Begierde zum Nachruhm sterben zu wollen, ihn lieber fortschickte, ohne ihn auch nur einer Züchtigung wertzuhalten. Peregrin kehrte also in seine Heimat zurück, fand aber bald, daß des Gerücht von seinem Vatermorde noch immer unter der Asche glühte und daß viele damit umgingen, ihm einen förmlichen Prozeß deswegen an den Hals zu werfen.
Er hatte sich inzwischen einen großen Bart wachsen lassen und ging gewöhnlich in einem schmutzigen Kaput von grobem Tuch, mit einem Tornister auf den Schultern und einem Stecken in der Hand. In diesem tragischen Aufzug erschien er nun in der öffentlichen Versammlung der Parianer und erklärte sich, das er hiemit die ganze Verlassenschaft seines seligen Vaters dem Publico überlassen haben wolle. Diese Freigebigkeit tat den gemeinen Mann, einen Haufen armer nach dergleichen Spenden Heißhungriger Leute, eine so gute Wirkung, daß sie in laute Bezeugungen ihres Dankes und ihrer Bewunderung ausbrachen. 'Das heißt man einen Philosophen', schrieen sie, 'einen wahren Patrioten, ein echten Nachfolger des Diogenes und Krates!' Nun war seinen Feinden der Mund gestopft, und wer sich hatte unterfangen wollen, des Vaterlandes noch zu erwähnen, würde auf der Stelle gesteinigt worden sein. Indessen blieb ihm nach dieser Donation nichts anderes übrig, als sich abermals aufs Landstreichen zu begeben, denn da konnte er mit einen reichlichen Zehrpfennig von den Christianern rechnen, die überall seine Trabanten machten und es ihm an nichts mangeln ließen. Auf diese Weise brachte er sich eine Zeitlang durch die Welt. Da er es aber in der Folge auch mit ihnen verdarb - man hatte ihn glaube ich, etwas, das bei ihnen verboten ist, essen sehen - und sie ihn deswegen nicht mehr unter sich duldeten, geriet er in so große Verlegenheit, daß er sich berechtigt glaubte, die Güter von der Stadt Parium zurückzufordern, die er ihr ehemals überlassen hatte.
Nunmehr unternahm er eine dritte Reise zum Agathobulus nach Ägypten, wo er sich durch eine ganz neue und verwandlungswürdige Art von Tugendübung hervortrat; er ließ sich nämlich den Kopf zur Hälfte glatt abscheren, beschmierte sich das Gesicht mit Leim, tat (um zu zeigen, daß dergleichen Handlungen unter die Adiaphora gehörten) vor einer Menge Volks - was schon Diogenes öffentlich getan haben also, geißelte sich selbst und ließ sich von ändern mit einer Rute den Hintern zerpeitschen, mehrere noch ärgere Bubenstreiche zu geschweigen wodurch er sich in den Ruf eines außerordentlichen Mannes zu setzen suchte.
In der nächstfolgenden Olympiade erschien er wieder vor den Griechen, und zwar mit einer Rede woran er in den verflossenen vier Jahren gearbeitet hatte unter Entschuldigung seiner letztmaligen Flucht, den Stifter des Wassers zu Olympia bis an den Himmel erhob. Wie er aber gewahr wurde, das sich niemand mehr um ihn bekümmerte und daß er kommen und gehen konnte, ohne das mindeste Aufsehen denn seine Künste waren nun Altes und etwas Neues, wodurch er in Erstaunen setzen und die Aufmerksamkeit und Bewunderung de Publikums hätte auf sich ziehen können, wußte er nicht aufzutreiben, da dies doch von Anfang an das Ziel seiner leidenschaftlichen Begierde gewesen war, so geriet er endlich auf diesen letzten tollen Einfall mit dem Scheiterhaufen und kündigte den Griechen bereits an den letzten Olympischen Spielen an, daß er sich an den nächstfolgenden verbrennen werde.
Und dies ist nun also das wundervolle Abenteuer, mit dessen Ausführung er, wie es heißt, beschäftigt ist, indem er bereits eine Grube graben und eine Menge Holz zusammenführen läßt, um uns das Schauspiel einer übermenschlichen Stärke der Seele zu geben. Meines Erachtens gebührte sich's vielmehr, den Tod gelassen zu erwarten, nicht, wie ein flüchtiger Sklave, aus dem Leben davonzulaufen. Ist er aber ja so fest entschlossen zu sterben, warum denn gerade durchs Feuer und mit einem reichen tragödienmäßigen Prunk? Wozu nun eben diese Todesart, da er unter tausend andern die Wahl hat?
Denn wie ich höre, es sei keine schnellere Todesart als durchs Feuer, und man brauche nur den Mund aufzutun, um auf der Stelle tot zu sein. Aber vermutlich hat er dieses Schauspiel
bloß darum ausgedacht, weil es die Eitelkeit des ruhmsüchtigen Menschen kitzelt, sich an einem Orte zu verbrennen, der so heilig ist, daß andere ehrliche Toten nicht einmal darin begraben werden dürfen.
Und dies war also das Ende dieses unseligen Proteus, der, um alles in zwei Worten zusammenzufassen, für Wahrheit niemals weder Sinn noch Achtung hatte, sondern alles, was er in seinem ganzen Leben sprach und tat, bloß deswegen tat, um sich einen Namen zu machen und von dem großen Haufen angestaunt zu werden, und der von dieser törichten Leidenschaft so sehr besessen war, daß er sogar ins Feuer sprang, um einen Ruhm davonzutragen, wovon er sich den Genuß durch das Mittel selbst auf ewig raubte.

Exkurs:
Kommentar von Friedrich Engels zur "Peregrinus-Geschichte":

Zitat



von Drahbeck - am 02.01.2015 12:20
Aus "Holbach's Tagestextsammlung"
Zitat

Mit einem Wort, die Religion ändert nichts an den Leidenschaften der Menschen, sie schenken ihr nur dann Gehör, wenn sie mit ihren Begierden übereinstimmt.

Vergebens predigt die Religion Tugend, wenn diese Tugend mit den Interessen der Menschen in Widerspruch gerät und zu nichts führt.

Anstelle von Moral schärft man den Christen die wunderlichen Fabeln und unbegreiflichen Dogmen einer Religion ein, die der gesunden Vernunft völlig entgegengesetzt ist.


1. Mose 2: 10 -14


von Drahbeck - am 02.01.2015 12:22
Zitat

Trotz der Nutzlosigkeit und der Verkehrung der Moral, die das Christentum die Menschen lehrt, wagen uns seine Anhänger zu erklären, daß es ohne Religion keine guten Sitten geben könne. Gute Sitten - was bedeutet das aber in der Sprache der Christen? Das bedeutet unaufhörlich beten, die Tempel besuchen, Buße tun, den Vergnügungen entsagen und in Andacht und Zurückgezogenheit leben.

Mögen Sitten dieser Art in den Himmel führen, für die Erde sind sie äußerst nutzlos.

1. Mose 3:15


von Drahbeck - am 26.01.2015 19:46
Zitat

Viele sittenlose Menschen haben die Religion angegriffen, weil sie ihren Neigungen zuwiderlief; viele Weise haben die Religion verachtet, weil sie ihnen lächerlich schien; viele Menschen haben sie für gleichgültig erachtet, weil sie ihre wirklichen Nachteile nicht bemerkt haben. Ich bekämpfe sie als Staatsbürger, weil sie mir für das Glück des Staates schädlich zu sein scheint, weil sie eine Feindin des Fortschritts des menschlichen Geistes ist, weil sie gegen eine gesunde Moral gerichtet ist, von der die Interessen der Politik niemals zu trennen sind.

1. Mose 7: 11,12



von Drahbeck - am 30.01.2015 01:24
Zitat

Die Priesterschaft verleumdet die Wahrheit, weil sie ihre prunkvolle Anmaßung zunichte macht.

1. Mose 7: 24


von Drahbeck - am 26.02.2015 05:25
Zitat

Das sicherste Mittel, die Menschen zu täuschen und ihre Vorurteile zu verewigen, besteht darin, sie in der Kindheit zu täuschen. Bei fast allen modernen Völkern scheint die Erziehung nur das eine Ziel zu haben, Fanatiker, Frömmler und Mönche hervorzubringen, das heißt für die Gesellschaft schädliche oder nutzlose Menschen. Nirgends denkt man daran, Staatsbürger heranzubilden

1. Mose 8: 4 - 7


von Drahbeck - am 27.02.2015 04:08
Zitat

Unter dem Vorwand, ihnen Frieden zu bringen, brachte sie (die Religion) ihnen nur Raserei, Haß, Zwietracht und Krieg.

Es bildeten sich in jedem Staat zwei verschiedene Mächte heraus: die Macht der Religion, auf Gott selbst gegründet, siegte fast immer über die Macht des Herrschers. Dieser wurde gezwungen, Diener der Priester zu werden; und immer dann, wenn er sich weigerte, das Knie vor ihnen zu beugen, wurde er geächtet und seiner Rechte beraubt, wurde er von seinen Untertanen vernichtet, welche die Religion zur Revolte anstachelte, oder von Fanatikern, in deren Händen die Religion zum Dolch wurde.

1. Mose 9 : 3 - 7


von Drahbeck - am 03.03.2015 05:45
Zitat

Dieser unter dem Namen Moses bekannte Mann, erzogen in den Wissenschaften dieser Gegend, die an Wundern fruchtbar und die Mutter des Aberglaubens war, setzte sich also an die Spitze einer Schar von Flüchtigen, denen er einredete, er sei der Deuter des Willens ihres Gottes, pflege mit ihm geheime Unterredung und empfange direkt von ihm seine Befehle.

Der erste Befehl, den er ihnen im Auftrag seines Gottes gab, war der, ihre Herren zu bestehlen, als die sie gerade verlassen wollten. Als er sie auf diese Weise mit der Beute Ägyptens bereichert hatte und ihres Vertrauens sicher war, führte er sie in eine Wüste, wo er sie vierzig Jahre hindurch an blinden Gehorsam gewöhnte.

Den Hebräern, diesen Räubern, Usurpatoren und Mördern, gelang es schließlich, sich in einer wenig fruchtbaren Gegend niederzulassen, die ihnen aber, da sie aus ihrer Wüste kamen, lieblich erschien. Dort gründeten sie unter der Autorität ihrer Priester, der sichtbaren Vertreter ihres verborgenen Gottes, einen Staat, der von ihren Nachbarn verabscheut und zu allen Zeiten der Gegenstand ihres Hasses oder ihrer Verachtung war. Unter der Bezeichnung Theokratie regierte das Priestertum lange dieses verblendete und wilde Volk; es redete ihm ein, wenn es seinen Priestern gehorche, gehorche es Gott selbst.

1 Mose 12: 6,7


von Drahbeck - am 29.03.2015 10:36
Zitat

Die römische Regierung bemerkte die Fortschritte der verachteten Vereinigung zu spät. Die Christen, zahlreich geworden, wagten es, den Göttern des Heidentums bis in ihre Tempel hinein zu trotzen. Die Kaiser und Beamten, unruhig geworden, wollten die Sekte, die nun ihren Argwohn erregte, auslöschen. Sie verfolgten die Menschen, die sie nicht durch Milde zurückgewinnen konnten und die ihr Fanatismus halsstarrig machte. Ihre Martern riefen Anteilnahme zu ihren Gunsten hervor, ihre Verfolgung vervielfachte nur die Zahl ihrer Freunde. Schließlich erschien ihre Standhaftigkeit unter der Folter denen, die Zeugen davon wurden, übernatürlich und göttlich. Die Schwärmerei griff um sich und die Tyrannei diente nur dazu, der Sekte, die man auslöschen wollte, neue Verteidiger zu verschaffen.

1. Mose 15: 13, 14


von Drahbeck - am 27.04.2015 03:37
Zitat

Die Juden sagen, Jesus sei der Sohn eines Soldaten namens Pandira oder Panther gewesen, der Maria verführte, eine Haarmacherin, die mit einem gewissen Jochanan verheiratet war; oder, wie andere berichten, vergnügte sich Pandira mehrere Male mit Maria, während diese glaubte, es mit ihrem Mann zu tun zu haben. Auf diese Weise wurde sie schwanger, und ihr betrübter Gatte zog sich nach Babylon zurück. Andere behaupten, Jesus habe in Ägypten die Magie erlernt und sei von dort nach Galiläa gekommen, wo er seine Kunst ausübte und umgebracht worden sei. ...

1. Mose 12: 11 - 16
11 Und es geschah als nahe daran war Ägypten zuu betreten


von Drahbeck - am 28.04.2015 04:25
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