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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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16
Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck

Im Zeitspiegel

Startbeitrag von Drahbeck am 30.01.2015 01:10

Im Zeitspiegel
Letzte Teile dieser Serie:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,513817,513817#msg-513817


Nachricht über das "Ministerium für Staatssicherheit" Hauptabteilung Bundesrepublik Deutschland. Dortselbst wohnhaft und agierend. Wenn besagtes sich zwar formal "Verfassungsschutz" nennt, ist das allenfalls eine Floskel ohne Praxiswert.
Ansonsten gilt:
Gleiche Brüder - gleiche Kappen!

www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburger-anwalt-und-politiker-wurde-jahrzehntelang-vom-verfassungsschutz-beobachtet--99714133.html

Ach ja, da fällt mir wieder jene frühere Meldung über einen Geheimdienst-IM aus einem nordeuropäischen Land ein, geführt vom "Verfassungsschutz" der BRD, dessen "Aufklärungsergebnisse" wohl eher den Status "Lachnummer" erreichten.
Nochmal das entsprechende Detailzitat:
Zitat

Antworten:

Hitlergruß

Über eine Verschärfung - als Anwendungspflicht des Hitlergruß (alias „Deutscher Gruß") - berichtet die „Freiburger Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 31. 1. 1935

Übrigens, deer WTG-Funktionär Hans Dollinger, in seiner Aktivzeit zu Zeiten des Naziregimes, pflegte seine Schreiben an Nazigranden, mit der Floskel:
„Mit deutschem Grüß" zu unterzeichnen.
Nun kann man zwar „philosophieren" semantisch ist „Heil Hiter" und „mit deutschem Gruß" doch nicht identisch, was dann wohl eher ein schwacher Trost ist.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=31a&year=1935&month=01&project=3&anzahl=6

von Drahbeck - am 30.01.2015 23:34

Der „Lutheraner" rechnet ab

Im Zeitspiegel
In einer mehrteiligen Serie im Jahrgang 1915 der Deutschsprachigen Zeitschrift „Der Lutheraner" (Missouri-Synode, Ohio, USA), nahm selbige das Thema des Russellismus erneut auf. Wie bereits früher festgestellt, waren die extrem theologisch konservativ orientierten Kreise, um den „Lutheraner" auf die Russelliten alles andere als „gut" zu sprechen.
Siehe etwa:
19122Freude
Wer solche Freunde hat

Vollmundig meinte jener „Lutheraner" in Kritik des Russellismus bereits früher:
Zitat

„Aber so leicht ist die Hölle nicht abgeschafft. Was Menschen sagen und beschließen, verschlägt dagegen nichts."

In Kommentierung dieser Kontroversen wurde bereits festgestellt:
Zitat



von Drahbeck - am 04.02.2015 13:28

Was der Herr Reidt alles so „weis"

Im Zeitspiegel
Die Zeitschrift „Deutsch-evangelische Korrespondenz" notiert in ihrer Ausgabe vom 6. 2. 1925 auch; ein Herr Reidt aus Long Island (USA) habe „den Weltuntergang und das Wiederkommen Christi" für den 6. Februar angekündigt.
Zitat

Er habe „schon ein genaues Programm dieser Begebenheit seinen Gläubigen mitgeteilt: am 6. Februar nach Eintritt der Dunkelheit werde am Himmel ein kleines Wölkchen zu sehen sein; das sei Christus, der zur Erde herniedersteige. Er werde unterwegs auf verschiedenen Planeten Station machen, um einige Anordnungen zu treffen, und die Gläubigen selber würden in die Luft emporgehoben und mit himmlischer Musik empfangen werden, wobei der Adventistenführer selbst als Virtuose auf der Zither betätigen wird."

Und weiter:
Zitat

„Viele Adventisten halten sich in Erwartung der letzten Ereignisse ihres irdischen Besitzes entäußert und versammelten sich auf den Höhen im Gebet. So tat auch Robert Reidt mit seinen 35 Jüngern in Long Island.
Als aber die angesagte Zeit verstrichen war und nichts Aufregendes sich ereignet hatte, begab sich der Führer zur Ruhe mit dem Hinweis, daß er und seine Gläubigen nur deshalb die Zeichen des Himmels nicht hätten wahrnehmen können, weil die Lichtreklamen der Kinos und Restaurants der Riesenstadt die Vorgänge am Himmel überblendet hätten"

Nun hatte die Dt.-ev. Korrespondenz jenes Geschehnis den „Siebenten Tags Adventisten" zugeordnet. Prompt bekam sie von letzteren ein Dementi zugesandt, worüber dann in der Ausgabe vom 3. 3. 1925 der „Dt.-ev. Korrespondenz" berichtet wird.
Der Vorgang als solches wird nicht bestritten. Bestritten wird allerdings eine organisatorische Zugehörigkeit des Reidt zu den STA.
Und man lässt auch durchblicken. Eigentlich würde man ja selber auch gerne solcherlei Thesen verkünden, wenn, wenn da nicht das Problem wäre, dass auch den heutigen STA bewusst ist. Solcherlei Spinnereien gehen halt nicht Erfüllung. Aus der eigenen Geschichte weis man ja, das man diesbezüglich bereits zu den „gebrannten Kindern" gehört.
Siehe etwa
Eggleston

Der Wikipedia ist entnehmbar. So wie die Katze des Mausen nicht lässt, so auch Reidt. Für 1932 und 1938 soll er dann nochmals ähnliche Verkündigungen getätigt haben.
http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Reidt
Mysnip.40222
Wie zu einem späteren Zeitpunkt Herr Lothar E. Träder von den Adventisten, deren Befindlichkeit kommentierte

Wie der Katholik Algermissen in den 1920er Jahren die Adventisten bereits kommentierte.


von Drahbeck - am 06.02.2015 23:12

Braune Medizinsekte

Im Zeitspiegel
https://www.youtube.com/watch?v=WYxKm3j2364&feature=player_embedded
https://www.youtube.com/watch?v=u4AZxKOiHSU

Das „Patentrezept" dieser Kreise, die Schulmedizin „madig" zu reden. Wer das letztendlich tatsächlich „madig" ist , dürfte wohl eine völlig andrre Frage sein.
Abgesehehen von dem „braunen" Aspekt, den man nicht generalisirend verwenden kann (außer im vorliegenden Fall) dürfte diese Geisteshaltung mit ihren gefährlichen „Neben"wirkungen auch andernorts fröhlichen Urstand feiern.

von Drahbeck - am 11.02.2015 23:21

Papst-Krönungstag

Im Zeitspiegel
Auf diese Meldung „wartete" dann wohl die Welt:
„Der Führer und Reichskanzler hat Seiner Heiligkeit dem Papst zum heutigen Krönungstag drahtlich herzliche Glückwünsche übermittelt."
„Freiburger Zeitung" vom 12. 2. 1935
Jener Papst - vormals Achille Ratti, wurde nach 14 Wahlgängen am 12. Februar 1922 zum Papst gekürt. 1935 wäre also sein 13. Dienstjahr. Inwieweit ein dreizehntes Dienstjahr etwa als Jubiläum gewertet werden kann, will sich nicht so recht erschließen. Ähnliches kann man wohl auch von seinem mit dem Naziregime abgeschlossenen Konkordat sagen. Fällt also der Anlass eines speziellen Jubiläums flach, kann man jene Meldung nur als „Schön-Wetter-herbeibeten" deuten. Wer selbiges nötiger hatte, der Herr Hitler oder der Herr Ratti, wäre wohl auch noch so eine offene Frage.
WTG-Vertreter pflegten dann etwa (zitiert nach Friedrich Zipfel) zu kommentieren:
„Solche unglaublichen Vorfälle sind tägliches Ereignis in diesem 'gelobten Lande' (Hitlerdeutschland) von (Achille) Rattis Planung."
Mögen sie mit dieser Wertung auch überzogen haben, kann man sich auch des Spruches erinnern, das Kindermund Wahrheit kundtut.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=12a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=6

von Drahbeck - am 11.02.2015 23:26

Katholische „Bauchschmerzen"

Im Zeitspiegel
Über katholische „Bauchschmerzen" kann man etwas in der Ausgabe vom 13. 2. 1935 des in der Schweiz, in Baden erscheinenden Blattes „Aargauer Volksblatt" erfahren.
Letzteres Blatt wähnte wie folgt reflektieren zu sollen.
Einleitend wird vermerkt, die Bibelforscher würden sich in letzter Zeit wieder lebhaft bemerkbar machen
Zitat

„und klopfen in und um Baden herum fast alle Häuser ab, um ihr "Goldenes Zeitalter" an Mann zu bringen."

Dieses Blatt indes so wähnt man weiter strotze nur so von mißdeuteten Bibelsprüchen und man wisse nicht so recht
Zitat

„woher es eigentlich stammt und wer ihr zu Gevatter steht."

Aber es handele sich dabei um ein „Gratispapier". Letzterer Umstand war dadurch bedingt, dass es in der Schweiz vorangegangene Gerichtsverfahren gab, mit dem Ergebnis.
Das Hausieren mit WTG-Schrifttum sei nur dann zulässig, werde kein Verkaufspreis dafür genannt. In der Praxis spielte sich das dann so ab. Man versuchte die „Interessenten" in ein Gespräch zu verwickeln, klappte das dann tatsächlich, ließ man zum geeigneten Moment durchblicken, man nehme sehr wohl „Spenden" für dieses Schrifttum entgegen. Immer die Gratwanderung dabei beachtend, keinen offiziellen Kaufpreis zu benennen. Das erlebte offenbar so auch der Berichterstatter im „Aargauer Volksblatt".
Selbiger berichtet weiter:
Zitat

„Das letzte mir ins Haus gefolgene Exemplar beschäftigt sich mit dem bekannten Januarius-Wunder von Neapel, das sich alljährlich am 19. September in der Weise ereignet, daß das dort aufbewahrte Blut der Heiligen wieder flüssig wird und in Wallung gerät. Die Wundertaten allesamt werden dabei ins Reich der Fabel und des aufgelegten Schwindels verwiesen."
Siehe dazu auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Januarius

Damit hatte der Berichterstatter im „Aargauer Volksblatt" sein Thema gefunden, und meint etliches weiteres zur Verteidigung dieser Art von Glauben anführen zu sollen, der aber wie bereits vernommen, von den Zeugen Jehovas nicht geteilt wird.
Und der Artikel schließt mit dem wertenden Schlusssatz:
Zitat

„Einem simplen Bibelforscher aber ward es nun vorbehalten, den "aufgelegten Schwindel" endlich einmal aufzudecken und das napolitanische Bocksblut zu wittern."

Das will dann der Verfasser aber im ironischen Sinne verstanden wissen, den aus seiner Glaubensgewißheit haben ihn offenbar auch die dazu kritisch stehenden Zeugen Jehovas nicht herausreißen können.
Und da der Verfasser weiter wähnt, dies sei eine Streitfrage, auf deren Beantwortung „die Welt schon lange gewartet habe", lässt er es sich angelegen sein, via „Aargauer Volksblatt" die Welt an seiner Glaubensgewißheit teilhaben zu lassen.
Damit dürfte dann die Welt wieder mal „heil gemacht" worden sein, zumindest für die überzeugten Leser des „Aargauischen Voksblattes" des „Nabels der Welt"???

von Drahbeck - am 12.02.2015 23:31

Über Raketenschnelle Karrieren im Naziregime

Reichswart
Im Zeitspiegel
Die „Freiburger Zeitung" vom 14. 2. 1935 meldet:
Zitat

„Die Wochenschrift „Der Reichswart" ist auf Befehl des Führers bis auf weiteres verboten worden wegen eines in ihrer Nummer vom 3. Februar unter der Überschrift „Wir sind doch ganz allein" erschienenen Artikels, der sich in aufreizendem und zum Teil direkt böswilligen Auslassungen gegen die Aufbauarbeit der Regierung wandte. Bezeichnend ist, daß der Verfasser dieses Artikels ganze 20 Jahre alt ist."

Die „Keule" saß dann wohl.
Nun besteht der relative seltene Glücksumstand, dass man sich jenen Artikel noch heute selbst im Internet ansehen kann.
http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/dfg-viewer/?set%5Bimage%5D=4&set%5Bzoom%5D=default&set%5Bdebug%5D=0&set%5Bdouble%5D=0&set%5Bmets%5D=http%3A%2F%2Fzefys.staatsbibliothek-berlin.de%2Foai%2F%3Ftx_zefysoai_pi1%255Bidentifier%255D%3Dd3e4482f-6a44-4004-be56-ba6de457f01d
Er ist mit Heinz-Ewald Bluhm gezeichnet.
Wenn man sich die Frage stellt, was denn wohl der Auslöser genannter Reaktion war, kann man wohl nur vermuten, dass es die darin enthaltenen Sätze sind:
Zitat

„Viele von unseren Weggenossen haben die berühmten Sessel der Macht besetzt. Sie sollen sich aber nicht einbilden, daß man sie gerufen habe, weil wir nun in ihnen die einzigen, die Retter gesehen haben ..."

Nun kann man über die Motivation eines solchen Votums rätseln. Eine Deutung wäre, da wird einigen die nach 1933 im Raketentempo ihre Karriere befördern konnten, ein Spiegel vor die Nase gehalten. Offenbar müssen sich dann auch wohl einige Herrschaften sehr persönlich angesprochen fühlen haben, wie aus der notierten Reaktion darauf, zu schlussfolgern ist.

Aber das ganze scheint dann wohl eher der Rubrik Warnschuss zuortbar zu sein, denn wenn man sich die Bestandssituation jenes Blattes für 1935 ansieht, sind darin keine größeren Verbotslücken feststellbar.
http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/list/title/zdb/25546545/1935/
Am 19. 2. gibt es dann die als „Gentlement-Agreement" deutbare Meldung. Der Artikel sei nur „versehentlich" in das Blatt aufgenommen worden.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=14a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=8

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=16a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=4

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=19a&year=1935&month=02&project=3&anzahl=8

von Drahbeck - am 14.02.2015 05:36

„Erasmus Pechmondl"

Im Zeitspiegel
Wie man weis, braucht derjenige der den Schaden hat, für den Spott auch nicht mehr zu sorgen, der kommt dann „ganz von allein".
Einerseits verwundert der Umstand nicht, dass die 1925-Verkündigung der Bibelforscher, nicht nur ihre traditionellen Gegner, sondern auch ausgesprochene Spötter mit auf den Plan rief.
Ein solcher Fall ist auch in der damals in Wien erscheinenden Satire-Zeitschrift „Die Leuchtrakete" (Februar-Ausgabe 1925) zu beobachten. Unter rationalem Gesichtspunkten muss man jene Dosis Spott, allerdings der Rubrik „überzogen" zuordnen. Rechte „Freude" indes will selbst bei Freunden der Satire, dabei nicht aufkommen. Und sicherlich sind die Opfer jenes Spottes, letztendlich ungerecht beurteilt worden. Aber eine „sachgemäße" Bewertung lag sicherlich nicht in der Absicht des Artikelschreibers. Das sei erst mal vorangestellt.

Noch was sei einleitend erwähnt. Als Folge des ersten Weltkrieges, hörte dann auch die Österreich-Ungarische Monarchie zu bestehen auf. Das anschliessend weiter bestehende Land Österreich reduzierte sich nunmehr auf seinen Deutschsprachigen Kernbestand, andere Sprachgruppen sind dann nur noch in ihren eigenen Staatsgebilden vertreten, über welche die vormalige Hauptstadt Wien, allerdings keine Bestimmungsmacht mehr hat.
Was sich so nüchtern anhört, hatte auch eine gewaltige ökonomische „Nebenwirkung". Der vordem massiv aufgeblähte staatliche Verwaltungsapparat, musste drastisch zurückgefahren werden, einschließlich damit verbundener Massen-Entlasssungen. Einen den es so auch traf, ist der aus der Zeugen Jehovas-Geschichte bekannte Autor Dr. Hans Jonak v. Freyenwald, aber eben nicht nur er.
Letztendlich baut das Sujet jener Satiregeschichte auch auf die vorbeschriebene Massen-Entlassungswelle mit auf.
Das „zweite Standbein" jener Story bildet dann das damalige WTG-Schlagwort von den „Millionen jetzt lebender Menschen die da nicht sterben werden."
Die Story fängt mit der Angabe an:
Zitat

„Erasmus Pechmondl hielt seine Entlassung aus dem Staatsdienst in den Händen. Er war der hunderttausendste Staatsbedienteste, der dem Abbruchprogramm zum Opfer fiel."

Für besagten „Erasmus Pechmondl" stellte sich nun die Frage, welche „Perspektive" er denn nun noch hätte. Und seine Selbsterkenntnis gipfelte in der Feststellung, wohl blos noch die, „sich selbst die Kugel zu geben."
Bevor er denn zu dieser beabsichtigten Tat schritt, wollte er aber noch sein bisheriges Leben durch ein „zünftiges Besäufnis" „krönen", und er erachtete die Silvesterfeier als einen geeigneten Anlass dafür.
Im Alkoholrausch tätigt er auf jener Feier auch noch so einige Entscheidungen. Unter anderem die, sich im Halbdunkel zu verloben. Er lässt aber auch durchblicken, nüchtern und bei Tageslicht, hätte er wohl jene Verlobung nicht realisiert.
Dann schritt er zur beabsichtigten Tat, und schoss gleich noch wild um sich, um noch ein paar andere mit ins Jenseits zu befördern. Die waren zwar auch alle von Kugellöchern dann durchsiebt, wie auch er selber.
Aber „wunderbarerweise" erzielte jene Massenschießerei nicht ihre Wirkung. Alle lebten „durchsiebt" „fröhlichst" weiter.
Dann geht die Story weiter mit der Angabe:
Zitat

„Da stieg plötzlich ein Mann, dem Aussehen nach ein Amerikaner, auf den Tisch, klatschte in die Hände und begann im Tone eines Predigers:
„Niemand von den heute noch lebenden Menschen wird mehr sterben. Sie werden ewig leben! Die Weissagung der ernsten Bibelforscher ist mit Eintritt des heutigen Tages eingetroffen!"
Ein Jubel durchbrauste den Saal, die Leute umarmten sich. Die Ein- und Ausschußöffnungen der Verwundeten wurden mit Champagnerpfropfen verstopft und die Unterhaltung wurde in toller Stimmung fortgesetzt."

Indes bei „Pechmondl" selber stellte sich eher eine Art Katerstimmung ein. Ihm wurde bewusst, keines seiner Probleme hätte sich nun durch dieses wundersame Weiterleben gelöst. Namentlich auch seine finanziellen Probleme nicht:
Zitat

„Was nun? Er war verlobt, ohne Posten, ohne Geld. Da fiel ihm in dieser Not seine Erbtante ein, die mußte ihm einen Teil ihres Vermögens, er war ja Universalerbe, vorschießen.
Er zog sich rasch an und ging zu ihr Neujahrswünsche überbringen. Dann brachte er sein Anliegen vor. Die Tante lächelte und wies ihm ein Flugblatt vor:
„Millionen jetzt lebender werden nicht sterben!"
Ich brauche ja mein Vermögen selbst, lieber Erasmus. Die Testamente sind hinfällig, es gibt kein Sterben mehr", entgegnete die Tante und Erasmus wankte wie betrunken heim."

Dann gibt es da noch diese Episode, und mit ihr schließt der Artikel:
Zitat

„Am nächsten Tag besuchte er seine Braut, erzählte ihren Eltern den wahren Sachverhalt, schilderte seine schreckliche Lage und bat, ihm sein Wort bezüglich der Verlobung zurückzunehmen. Der Schwiegervater verweigerte es.
Nun bat ihn Pechmondl, daß er ihm in irgendeiner Weise helfen möge. Da entgegnete jener, daß das ausgeschlossen sei, weil er als Heizer des Krematoriums seit gestern ebenfalls brotlos sei.
„Nehmen sie ruhig meine Tochter zur Frau" schloß er.
„Dann müssen wir ja verhungern", rief Pechmondl entsetzt.
„Ausgeschlossen, es gibt kein Sterben mehr!" ..."

Aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek gibt es die Februar-Ausgabe 1925 der „Leuchtrakete" auch Online!
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=dlr&datum=1925&pos=17&size=45
Man vergleiche dort besonders die untere Häfte der fraglichen Seite aus jenem Heft.
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/annoshow-plus?call=dlr|1925|0052|00000012||jpg||45|
Laut Wikipedia sind alle erschienenen Ausgaben jener Zeitschrift digitalisiert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Leuchtrakete

von Drahbeck - am 25.02.2015 00:24

Was so alles passiert

Im Zeitspiegel
Notierung außerhalb des hiesigen offiziellen Programms
Ein Publizist mit dem Pseudonym-Namen "Michael Mannheimer" der auf seine Blogseite auch tönt
"Islamisierung und Linkstrend stoppen". Dessen dem Internet entnommene URL ich aber hier nicht nenne, dieweil ich die These
"Islamisierung und Linkstrend" so NICHT teile.
Besagter Herr hat sich mit seiner Position sicherlich nicht nur "Freunde" eingehandelt.
Das konnte selbigem unter anderem auch deutlich werden (sofern er es aus anderen Gründen nicht bereits wusste), als auf der Seite "Stimme.de" unter der Überschrift.
"Radikaler Islamgegner zu Geldstrafe verurteilt"

http://www.stimme.de/heilbronn/hn/Radikalen-Islamgegner-zu-Geldstrafe-verurteilt;art31502,2779333
Siehe auch:

http://s1.directupload.net/images/130112/5lksl96k.jpg

Dortselbst auch lesen konnte:
er sei zu eine Strafe von "1800 Euro – 60 Tagessätze à 30 Euro" verurteilt worden, zahlbar an einen Kommunalpolitiker.
Besagter Kommunalpolitiker machte in seiner Klageerhebung wohl auch geltend, er sei vom Verurteilten als
„SED-Gemeinderatsvorsitzenden" dargestellt" worden. sei aber nie in der SED, ist Mitglied der CDU. Er sitzt jedoch für die Liste Bürgerfreundliche Heimat im Rat, diese Liste bildet zusammen mit dem einzigen Vertreter der Linken eine Fraktionseinheit."
Wie das so ist, solcherlei Verfahren sprechen sich herum.
In der Folge gab es auch Gerichtsbeobachter beim Verfahren. Einer von denen publizierte im Anschluss auch noch einen Bericht darüber.
In demselben auch der Vorhalt enthalten, der jenes Verfahren führende Richter habe dem Angeklagten (faktisch) es verweigert sich durch einen Rechtsanwalt verteidigen zu lassen. Dazu wäre allerdings eine Terminverschiebung vonnöten gewesen (die aber nicht gewährt wurde), weil der vorgesehene Rechtsanwalt zum tatsächlichen Termin wegen anderer Verpflichtungen verhindert gewesen sei. Somit der Angeklagte vor Gericht - ohne Rechtsanwalt - da stand.
Letzteren Umstand hat dann der Prozessbeobachter in seinem Bericht mit herausgearbeitet.
Für den Kommentator blieb das allerdings auch nicht folgenlos. Er handelte sich wegen seines Kommentars auch einen finanziellen Strafbefehl ein, veranlasst von dem Richter in dem "Mannheimer"-Verfahren.
Vordergründig unterstellt die Begründung zum Strafbefehl, der inkriminierte Kommentar haben den Verfahrensführenden Richter nicht semantisch genug "korrekt" bezeichnet.
Über den gravierenden Umstand indes, dass der Angeklagte, auf Grund der geschilderten Umstände, ohne Rechtsanwalt im Verfahren dastand, hielten die Veranlaser des Strafbefehls, sich aber nicht sonderlich auf.
Die nächste Stufe der Farce dann die. Der Kommentator wird dann seinerseits vor den Kadi gezogen, dieweil er ja den Strafbefehl nicht bezahlt habe.
Jenes Verfahren sollte dann im Februar 2015 stattfinden.
Kurz vor dem angesetzten Termin dann die Mitteilung, das Verfahren gegen den Kommentator, sei nunmehr auf unbestimmte Zeit verschoben worden (zwar nicht aufgehoben, wohl aber verschoben).
Man muss die Positionen der gegen "Islamisierung und Linkstrend" agierenden keineswegs teilen, was ich für mich nochmals feststelle. So indes wie diese Farce bisher abgelaufen ist, ist sie letztendlich nur Wasser auf die Mühlen der Islamhasser. Das Material für diese Replik wurde jenen Internet-URL's entnommen jener Personen die im Text genannt wurden. Jene URL direkt zu nennen, lehne ich ab.

von Drahbeck - am 27.02.2015 10:06

Zwei zeitgenössische Voten

Im Zeitspiegel
Durch sonderlichen „Tiefgang" wiesen sich beide Voten wohl kaum aus, eher durch das Gegenteil. Dennoch sind sie in gewisser Beziehung durchaus exemplarisch.
In der April-Ausgabe 1925 der Zeitschrift „Der Freidenker und Neues Leben" konnte man unter der Überschrift „Widerliche Zeitgenossen", den nachfolgenden Kommentar lesen. Einleitend wird vermerkt:
Zitat

„Es ist eine erwiesene Tatsache, daß zu Zeiten wirtschaftlicher und seelischer Depression der Boden besonders nährkräftig ist für Aberglauben jeder Schattierung, z. B . Spiritismus, Okkultismus und Sektenwesen.
In den letzten Jahren bemüht sich in hiesiger Gegend die Sekte der „Ernsten Bibelforscher", die Köpfe der Arbeiter mit himmlischen Phrasen zu verwirren. Sie machen den Proleten glauben, daß im Jahre 1925 die Welt untergeht."

Die Vokabel „Weltuntergang" sei jetzt nicht überbewertet. In eine theologische Detail-Verästelung pflegten sich Beiträge solcher Art nicht zu verirren. Ähnliches gilt für die Fortsetzung jenes Artikels der da im weiteren behauptete:
Zitat

„Früher hatten sie berechnet, daß unser Planet 1924 verschwinden würde - er dreht sich noch heute, trotz Bibelforscher. Das hindert ihre Schwärmer nicht, weiter ihren Blödsinn zu verzapfen. In Schriften und Versammlungen preisen sie das „goldene Zeitalter", wo der Prolet sich von den Mühsalen der Erde im Jenseits erholen soll."

Was das „1924" anbelangt, hat man eher den Eindruck, da hatte jener Artikelschreiber etwas „in die falsche Kehle" bekommen, und meint wohl eher „1914".
Weiter meint jener Artikel:
Zitat

„Die Unterlage der Bibelforscher ist, wie der Name schon sagt, die Bibel. Hier teilt, preßt und stößt man herum, bis daß der Inhalt in ihrem Kram paßt, alles nur zu dem Zweck, die Arbeiter vom Klassenkampf fernzuhalten. Der ganze Zinnober, den die „Ernsten" Bibelforscher vertreiben, ist importierter amerikanischer Schund."

Namentlich die mit verwandte Vokabel „Klassenkampf" verdeutlicht, wo jener „Freidenker" politisch stand. Sein „Neues Leben" dürfte in hohem Maße in dem verklärten Blick auf die Sowjetunion bestanden haben. Nun gab es unter den „Freidenkern" auch solche, die eher Sozialdemokratisch orientiert waren. Hier aber hat man es mit einem Exemplar zu tun, den sein eigenes Unzufriedensein mit seinen Umweltbedingungen, den totalitären Charakter des Sowjetregimes, völlig außer Acht sein ließ. Jenes totalitäre Regime, gar noch nach allen Regeln der „Kunst" schönredete, auch dort wo einiges durchaus nicht „schön" ist.
Als nächstes werden einige geschichtliche Aspekt der Bibelforscherbewegung gestreift, die hier aber übersprungen seien. Und diese Ausführungen enden mit dem Ausruf:
Zitat

„Die klassenbewußte Arbeiterschaft muß dafür sorgen, daß diesen Phrasenhelden das Handwerk gelegt wird. Der hungrige Prolet kann beten, daß ihm der Schnabel schäumt, kein Engel aus dem Jenseits wird ihm ein Stückchen Brot bringen. Nicht die Weihrauchduftenden Hirngespinste religiöser Phrasenhelden werden eine Besserung der Lebenslage der Arbeiterschaft bringen, sondern nur der Kampf für die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft."

Auf eine weitere Schrift aus dem Freidenker-Milieu, ebenfalls aus dem Jahre 1925, wurde früher bereits eingegangen:
Zitat



von Drahbeck - am 07.03.2015 01:07

Ein Verbot in Hamburg

Im Zeitspiegel
Ein tendenziöse Verbotsmitteilung in der „Freiburger Zeitung" vom 11. 3. 1935.
Unter der Überschrift „Ein feiner Prediger" ist von einer „Evangelisch-kirchlichen Gemeinschaft" in Hamburg die Rede.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=11a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=6

von Drahbeck - am 10.03.2015 23:30

Ein Präzedenzfall

Im Zeitspiegel
Über einen bemerkenswerten Schlagabtausch zwischen von der WTG beauftragten Rechtsanwälten und dem Naziregime, berichtet das Blatt „Reichsverwaltungsblatt" in seiner Ausgabe vom 31. 8. 1935.
Zugrunde lag ein Gerichtsverfahren in Sachen Zeugen Jehovas, welches vor dem Hanseatischen Sondergericht am 15. 3. 1935 zur Verhandlung kam.
Seitens der Hamburger Polizeibehörde, wurde die hastig gegründete „Norddeutsche Bibelforschervereinigung e. V." (in welcher nur „arische Deutsche" Sitz und Stimme hätten) bereits am 15. 7. 1933 für verboten erklärt. Ein weiteres regionales Verbot wurde zuvor am 6. 6. 1933 vom Polizeiamt in Lübeck ausgesprochen, während das Preussische Zeugen Jehovas-Verbot auf den 24. 6. 1933 terminiert war.
Nun fanden die WTG beauftragten Rechtsanwälte ein „Haar in der Suppe". Ihre Argumentation, weder das Lübecker Verbot, noch das Verbot der „Norddeutschen Bibelforschervereinigung" sei sonderlich öffentlich bekannt gemacht worden. Und weil diese öffentliche Bekanntmachung unterblieb, wähnten sie in ihrer vorgeschützten „heiligen Einfalt" argumentieren zu können. Wenn man etwas nicht kennt, braucht man es auch nicht zu beachten. Lediglich bezüglich des Preussischen Verbotes mussten sie einräumen, dass sei tatsächlich bekannt gemacht worden. Aber sie begehrten halt „nur" eine Verhandlung über das Lübecker Verbot und ebenfalls das Verbot der „Norddeutschen Bibelforscherverinigung".
Ein weiteres „Haar in der Suppe" das sie wahrzunehmen wähnten, bestand in der Begründung des Preussischen Verbotes. Letzteres setzte auf der Grundlage der Reichtagsbrandverordnung, diverse bürgerliche Freiheitsrechte außer Kraft. Aber so fanden sie weiter, der Artikel 137 der Weimarer Verfassung, der die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften gewährleiste sei damit nicht auch gleichzeitig außer Kraft gesetzt worden.
Verwiesen wird dann auf einige juristische Präzedenzfälle, deren Tenor besagt, einzelne Teile der Weimarer Verfassung seien zwar außer Kraft gesetzt worden, aber die Weimarer Verfassung in Gesamtheit, würde fortbestehen, einschließlich ihres bereits genannten Artikel 137. Namentlich der Artikel 137 sollte im Sinne der Argumentation der von der WTG beauftragten Rechtsanwälte der Strohhalm sein, an den sie sich klammerten um zu sagen, die bereits ausgesprochenen Verbote könnten aber nicht Rechtsgültig sein.
Das war nun die Ausgangslage, mit der sich das genannte Gericht im besonderen auseinander zusetzen hatte.
Indes, so wie jene Rechtsanwälte sich das gewünscht hätten, auf deren Argumentationsschiene ging das urteilende Gericht dann doch nicht ein.
Es konterte dergestalt:
Zitat

„Nach dem Siege der Regierung der nationalsozialistischen Revolution am 5. März 1933 war aber auch die Weimarer Verfassung als Verfassung erledigt.
Auch nach nationalsozialistischer Auffassung ist an und für sich den religiösen Bekenntnissen die freie Ausübung zugesichert, aber mit der Einschränkung des Punktes 24: "soweit sie nicht den Bestand des Staates gefährden oder gegen das Sittlichkeits- oder Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen".

Und weiter:
Zitat

„Das Gericht ist der Auffassung, daß beide Voraussetzungen, unter denen nach dem Punkt 24 die Freiheit der religiösen Bekenntnisse eingeschränkt ist, vorliegen, nämlich einmal gefährden die Bibelforscher durch ihre Lehre und Betätigung den Bestand des Staates und zum anderen verstoßen sie gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse."

Von diesem Leitsatz ausgehend bestand nun die nächste Schwierigkeit für das Gericht darin, den Angeklagten „individuelle Schuld" nachzuweisen.
Das erwies sich dann für die Nazi-Richter schwieriger als sie gedacht hatten.
Sie meinten zwar die Bibelforscher/Zeugen Jehovas müssen generell als „Wehrdienstverweigerer" angesehen werden. Dazu formulierte das Gericht dann die Sätze:
Zitat

„Maßgebend ist lediglich, daß die ganz allgemein von den Bibelforschern vertretene Tendenz gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstößt. Das Gericht ist der Auffassung, daß eine solche Einstellung der deutschen Ehre, die eine der allerersten Grundlagen des nationalsozialistischen Denkens ist, kraß zuwiderläuft. Das germanische Rassegefühl ist untrennbar mit dem Heldischen verbunden, der Deutsche hat niemals ein Knechtsvolk sein wollen. Gegen diese grundlegenden Erkenntnisse verstoßen die von den Bibelforschern vertretenen Lehren."

Also die Tendenz war erst mal klar. Die Bibelforscher/Zeugen Jehovas, werden Gerichtlicherseits in die Schublade der „Wehrdienstverweigerer" abgelegt. Nur das Handicap für dass Gericht bestand darin, dass die Angeklagten für sich, diesen Vorhalt als nicht zutreffend bezeichneten.
Dazu dann das Gericht:
Zitat

„Unerheblich ist, ob jeder einzelne Angeklagte selbst etwa die deutsche Wehrhaftigkeit untergräbt oder den Kriegsdienst verweigert."

Wenn das also „Unerheblich" sei, wie sieht es dann mit der sonstigen Beweislage für genannte Anklagethese aus?
Da kamen die Nazijuristen aber arg ins Schwitzen. Trotz all ihrer Bemühungen konnten sie keine Belegstelle aus der WTG-Literatur vor 1933 benennen, die diese ihre These gestützt hätten. Mit dieser mißlichen Lage gibt aber ein zünftiger Nazijurist sich nicht zufrieden.
Wenn also in der WTG-Literatur von vor 1933 keine geeignete Belegstelle auftreibbar sei, dann ist damit aber noch nicht „aller Tage abend".
Es gäbe ja auch noch die ausländische Zeitschriftenliteratur der Zeugen Jehovas, aus der Zeit nach 1933.
Und aus der meinte man durchaus eine Wehrdienstgegnerische Einstellung herauslesen zu können.
Daraufhin konterten die Angeklagten, gestützt von ihren Rechtsanwälten:
Zitat

„Übrigens könne auch nicht das, was in den ausländischen Zeitschriften stehe, ihnen zur Last gelegt werden. Es sei nicht positive Lehre der Bibelforscher, den Kriegsdienst zu verweigern.
Das Gericht ist aber demgegenüber der Auffassung, daß gerade diese Zeitschriften zur Grundlage der Beurteilung der Bibelforscherlehren genommen werden müssen."

Ergo die Angeklagten sahen sich als „unschuldig". Indes das Gericht erklärt sie auf der Grundlage der ausländischen WTG-Zeitschriften als „schuldig".
Da stehen nun zwei unversöhnbare Positionen gegenüber, die unter anderen Verhältnisse vielleicht zu dem Status „Freispruch mangels Beweisen" geführt hätten.
Nichts da mit „Freispruch" befand das urteilende Gericht. Die Angeklagten müssen auch in Gesamtheit bewertet werden.
Und dann wird den Angeklagten in der Folge auch noch dieses vorgehalten:
Zitat

„Der Preuß. Minister des Innern hatte das Verbot damit begründet, daß unter dem Deckmantel angeblich wissenschaftlicher Bibelforschung eine Hetze gegen die staatlichen und kirchlichen Einrichtungen betrieben würde, die beide als Organe des Satans bezeichnet würden. Die Anhänger der Vereinigung betrieben eine Kulturbolschewistische Zersetzungsarbeit, ihre Tendenzen standen im Gegensatz zum heutigen Staat und seiner kulturellen und sittlichen Struktur. Der jetzige Staat sei verschiedentlich in Wort und Schrift von den Funktionären der Vereinigung gehässig angegriffen worden."

In seiner weiteren Argumentation schrieb dann das Gericht den Angeklagten noch mit ins Stammbuch:
Zitat

„Es kommt aber noch hinzu, daß die Anschauungen dieser Religionsgesellschaften auch den Bestand des Staates gefährden. Das Gericht hat von den Angeklagten zwar den Eindruck gewonnen, daß es sich bei ihnen nicht etwa um getarnte Marxisten oder Kommunisten handelt.
...Was in den Zeitschriften steht, verstößt jedenfalls ganz gröblich gegen die Wehrauffassung des deutschen Volkes.
Indessen ergeben die Proben aus den Zeitschriften zur Genüge, daß die Anhänger dieser Lehren dem Staat und ganz besonders dem nationalsozialistischen Staat feindlich gegenüberstehen. Sie betätigen und bestärken diese Feindschaft vor allem dadurch, daß sie sich den staatlichen Gesetzen nicht fügen, sondern auf Grund des Befehls eines Amerikaners, den sie als ihr Haupt ansehen, in kleinen Zirkeln zusammenkommen, Druckschriften mit hetzerischem Inhalt aus dem Ausland beziehen und in ihren Kreisen zum Gegenstand von Studien machen. Die Bibelforscher verwerfen den Staat überhaupt und bezeichnen ihn sogar als Teufelswerk."

Weiter im Gerichtsurteil:
Zitat

„Die feindselige Einstellung zum heutigen Staat, die nicht nur aus den Zeitschriften spricht, sondern mehr oder minder deutlich auch aus den Erklärungen, die die Angeklagten vor Gericht abgegeben haben, ist nicht wegzuleugnen. Besonders bedenklich ist auch, daß die Angeklagten fanatisch eingestellt sind und daß sie sich noch einbilden, Märtyrer für ihren Glauben zu sein. Nicht nur Kommunisten können der neuen Volksgemeinschaft gefährlich werden, sondern auch Leute wie die Angeklagten, die fanatische Anhänger einer für normale Begriffe abwegigen Glaubensrichtung sind."

Besagtes „Reichsverwaltungsblatt" sah nun das vorstehend referierte Gerichtsverfahren als eine Art Präzedenzfall in Sachen Zeugen Jehovas an, der auch für weitere, ähnliche Gerichtsverfahren Bedeutung hätte. Daher seine Entscheidung zur Publizierung jenes Falles, auf das andere Gerichte zu Nazizeiten, sich fallweise auf diesen Fall berufen könnten.

von Drahbeck - am 15.03.2015 22:20

Wehrpflicht

Im Zeitspiegel
Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht in Hitlerdeutschland.
Meldung der „Freiburger Zeitung" vom 18. 3. 1935

„Passend" dazu - im Vorgriff auf Zukünftiges, in der vorgenannten Entscheidung schon mit angelegt, die Meldung vom 19. 3. 1935:
„Berlin im Dunkel.
Heute Verdunkelungsübungen in Berlin".
Den Nazis konnte es also mit ihrem „frisch-fröhlichen" Krieg, nicht schnell genug gehen.

Wie titelte eine Partei zu Weimarer Republikzeiten:
„Wer Hitler wählt - der wählt den Krieg!" Und zu den Hitlerwählern gehörten auch kirchliche Kreise. Nicht das die kriegerischen Ambitionen des Hitlerismus sie besonders angesprochen hätten. Das dürfte wohl weniger der Fall gewesen sein. Den saß eher der Schreckgespenst Sowjetunion im Nacken. Gleichwohl müssen diese Hitlerwähler sich auch im Nachhinein, ihre Einäugigkeit vorhalten lassen. Sie konnten im voraus wissen, was kommen würde, wollten es aber nicht so genau wissen. Und dem Hitlerismus die Stimme zu versagen, hätte nicht zwangsläufig mit dem votieren für sowjetische Verhältnisse identisch sein müssen. Man hätte auch die Kräfte zwischen diesen Polen stark machen können; hat es aber nicht getan.

„Passenderweise" hatte die katholische Kirche bei Abschluss ihres Konkordats, mit Hitlerdeutschland, das Thema Militärseelsorge, schon mal iim Detail geregelt, zu einem Zeitpunkt, wo - das aber nur als Formalie -, die Wehrpflicht noch nicht beschlossene Sache war.
„Artikel 27 gab den Nazis Einfluß auf die Ernennung des katholischen Armeebischofs und der katholischen Militärgeistlichen".
https://www.ibka.org/artikel/ag97/reichskonkordat.html

Der „Vorgeschmack" wurde nun sichtbar.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=18a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=8

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=19b&year=1935&month=03&project=3&anzahl=10

von Drahbeck - am 18.03.2015 02:31

Ernüchterung

Im Zeitspiegel
Eine Gruppe von in der Öffentlichkeit kaum bekannter Personen, hat nun das Wagnis begonnen, eine Art „Atheistenpartei" zu begründen. Formal wählte sie zwar einen anderen Namen, das indes ist dann wohl blos eine Formalie
Nahezu inflationär begegnet man in der einschlägigen
Szene dem Begriff Humanismus.

Angefangen über eine „Giordano Bruno Gesellschaft", dann einem „Humanistischen Pressedienst", gefolgt von einem „Humanistischen Verband" und jetzt gar einer Humanistischer Partei.

Erinnert man sich an die Freidenkerzsene der 1920er Jahre, in der es auch verschiedene Strömungen gab, so kann man an die Reminszenz erinnert werden, das die eine Strömung die andere salopp als „Beerdigungsverein" betitelte, und herausstellte mit dem Kriterium der Feuerbestattung, sei deren Potential schon mal erschöpft.
Selbst die Nazis, die den Kirchen zuliebe nichts vom Freidenkertum hielten, schätzten den „Feuerbestattungsverein" richtig ein, und ermöglichten unter variierten Namen, das Fortbestehen des Geschäftszweiges Feuerbstattung. In der richtigen Erkenntnis, von diesem „zahnlosen Tiger" nichts ernsthaftes befürchten zu haben.

Nach 1945 gab es namentlich im Bereich Westberlin, eine Neuauflage des Freidenkertums. Dessen Hauptevent war das Fortbestehen lassen der „Jugendweihe". Je länger je mehr schrumpften deren Teilnehmerzahlen allerdings zusammen. Wäre nicht der „Bertriebsunfall" der Auflösung des Ostdeutschen Staates dazwischen gekommen. Ob es jenes historische Freidertum noch heute gäbe, ist mehr als fraglich. So lebte also diese Strömung als „Humanistischer Verband", dank auch der Ostdeutschen Blutauffrischung, einstweilen weiter.

Noch zu Nur-Westzeiten begründeten einige damals „zornige junge Männer" in Konkurrenz zur damaligen Verbandszeitschrift „Stimme des Freidenkers" (heute "Diesseits"), ein eigenes Blatt, namens MIZ (Materialien und Informationen zur Zeit). Ihnen störte bei den Nachfolgern des „Beerdigungsvereins" etwa der Umstand, wenn der Beerdigungsverein die Chance bekäme - staatlich bezahlt - Militärseelsorge anbieten zu können, würde man nicht lange zögern und zugreifen.

Das mit der Militärseelsorge hat beim vormaligen „Beeridigungsverein" zwar noch nicht so geklappt. Dafür aber um so mehr des Aspekt als „Sozialunternehmer" zu agieren (mit Höhen und Tiefen). Angefangen vom Betrieb einer simplen Gaststätte („Cafe Rix")
Über die Fortführung von zu Ostzeiten renommierte Gastronomieprojekten wie dem Ermelerhaus in Ostberlin und Träger von Kindergärten und anderes mehr.

Indes der „Beerdigungsverein" musste auch noch erfahren, manchmal pflegen „die süßesten Kirschen" unerwartet hoch zu hängen, und sich letztendlich von dem Projekt wieder trennen.

Summa summarum, an Versuchen den Humanistischen Verband, nicht unwesentlich zum Geschäftsunternehmen zu gestalten, in Kontinuität zum „Beerdigungsverein", hat es sicherlich nicht gemangelt. Ideologische Auseinandersetzungen mit der Religionsindustrie, laufen dort unter „ferner liefen".
Es ist nicht ersichtlich, ob „Humanistischer Verband" und jetzt halt auch „Humanistische Partei" diese Tendenz ändern würden.

Bemerkenswert auch der Kommentar, den ein langjährig im „Humanistischen Verband" als Funktionär tätiger, jetzt besagter „Humanistischer Partei" widmete:

„Sorry, diese "Partei" ist so überflüssig wie ein Kropf und wird sehr schnell im politischen Niemandsland der Bundesrepublik verschwinden."

Ein Kommentar dem zuzustimmen wäre.
hpd.de/artikel/11430

Wenn man nicht darauf orientiert ist, nur eine „Ein-Tendenz-Partei" zu sein, also anerkennt man müsse ein breiteres Themenspektrum anbieten, dann war in der letzten Zeit wohl die Partei der Piraten solch ein Angebot. Deren Geschichte auch von Aspekten der Selbstzerfleischung gezeichnet, bekommt jetzt wohl noch Konkurrenz, von der hier die Rede war.

Ein tatsächlicher Wahlantritt wird für beiden Parteien wohl kaum berauschende Ergebnisse zeitigen. Zumindest eine von beiden ist in dieser Szene zuviel!

von Drahbeck - am 20.03.2015 07:43

Hand auf dem Rücken

Im Zeitspiegel
Eine Meldung vom 21. 3. 1935.
Einem bis dahin als Zeitungs-Verleger tätigem, wird die Lizenz für die weitere Ausübung dieser Funktion entzogen.
Sein Vergehen:
Er habe es gewagt bei einer Veranstaltung, beim Gesang des Horst Wessel Liedes „die Hand auf dem Rücken zu halten", mit den genannten Folgen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=21a&year=1935&month=03&project=3&anzahl=8

von Drahbeck - am 21.03.2015 06:05
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