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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
Beiträge im Thema:
2
Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Gerd B., Drahbeck

eine eMail

Startbeitrag von Drahbeck am 16.02.2015 00:06

Guten Tag

Ich bin ein Zeuge Jehova aber langsam frage ich mich ob ich spinne oder ob es eine RIESENGROßE vertuschungs aktion ist. Ich merke einfach das vieles nicht so richtig stimmt und jetzt wollte ich fragen ob sie Anhaltspunkte habe um herauszufinden wo jehovas Segen ist, da ich ihm dienen will und ihn wirklich liebe. Vielleicht spinne ich einfach aber ich muss es wissen.
Danke im Voraus ...

Dazu die Antwort:
Der Begriff „Jehovas Segen" ist wohl ein schillernder Begriff. In mein Sicht zu vieldeutig. Er ist wohl gleichbedeutend mit der Frage, wo ist das Land, wo die gebratenen Tauben in der Luft schwirren, und man so ohne weitere Anstrengungen gesättigt werden kann. Ich kann Ihnen nur empfehlen, Einzelfragen nachzugehen, die Sie beschäftigen. Auf meiner Webseite können Sie sicherlich dazu einige Anregungen vorfinden.
Ansonsten erinnern mich solcherlei Pauschalfragen an den Dialog den schon einige Schriftsteller ein literarisches Denkmal setzten.
Walter Nigg in Zitierung eines russischen Schriftslellers, der Vor-Sowjetzeit (Maxim Gorki).
Dazu ein entsprechendes Buchzitat:
.
Er (Nigg) lässt seine Studie mit einem Zitat aus dem Roman "Nachtasyl" von Gorki ausklingen:

"Ich kannte einen Menschen, der glaubte an das Land der Gerechten. _ Er war arm und es ging ihm schlecht und wie's ihm schon gar zu schwer fiel, dass ihm nichts weiter übrigblieb, als sich hinzulegen und zu sterben - da verlor er noch immer nicht den Mut, sondern lächelte öfters vor sich hin und meinte: Hat nichts zu sagen - ich trag's! Noch ein Weilchen wart ich, dann werf ich dieses Leben ganz von mir und geh in das Land der Gerechten. _ Seine einzige Freude war es - dieses Land der Gerechten." [123]

Diese Parabel findet ihre Fortsetzung in der Feststellung, dass ein Gelehrter alle seine Bücher und Pläne durchforstet, aber nirgends das anvisierte "Reich der Gerechten" finden kann. Die Geschichte geht weiter mit den Worten: "Der Mensch - will ihm nicht glauben. _ Es muss drauf sein, sagt er. _ Such nur genauer! Sonst sind ja, sagt er, all deine Bücher und Pläne 'nen Pfifferling wert, wenn das Land der Gerechten nicht drin verzeichnet ist. _ Mein Gelehrter fühlt sich beleidigt. Meine Pläne, sagt er, sind ganz richtig und ein Land der Gerechten gibt's überhaupt nirgends. - Na, da wurde nun der andere ganz wütend. Was? Sagt er - da hab ich nun gelebt und gelebt, geduldet und geduldet und immer geglaubt, es gebe solch ein Land! Und nach deinen Plänen gibt es keins! Das ist Raub _" [124]

Die Geschichte endet damit, dass der Gläubige die Ernüchterung nicht verkraften konnte und seinen Frust in Aggressivität abreagierte und ein bitteres Ende fand. [125]

Damit ist letztendlich beschrieben, weshalb sich Menschen an Thesen binden, die von anderen als Fata Morgana klassifiziert werden. Es wäre sicherlich unangebracht, nun mit dem Finger auf solche Menschen zu zeigen.

Letztendlich ist derselbe Tatbestand auch in säkularer Form nachweisbar. Man denke nur an das florierende Geschäft von Glücksspielen und Lotterien, wo den Teilnehmern von vornherein klar sein kann, dass ihre Chance zum Gewinn, statistisch gesehen, verschwindend gering ist.

Die Mit-Zitierung dieser Passage können Sie auch vorfinden in:
www.manfred-gebhard.de/Sakramentalismus.pdf

Antworten:

Ist "Jehovas Segen" nur in der Organisation der Zeugen Jehovas zu erhalten?
Antwort eines ZJ:

Was meine Haltung zur Organisation betrifft - In eigener Sache - E.F.

Ich habe schon vor Jahren mein Ältestenamt aufgegeben, weil ich ja als Ältester die Weisungen und Anweisungen der WTG zu befolgen habe, dies aber nicht mehr uneingeschränkt tun konnte; deshalb halte ich auch keine Vorträge mehr, da ja nur Älteste und ausgewählte Dienstamtgehilfen Vorträge halten dürfen. Auch als Ältester habe ich in den letzten Jahren meine Vorträge frei gestaltet nach der Bibel und nicht unbedingt nach den Dispositionen, was dann zu Schwierigkeiten führte. Es dauerte nicht lang, und man sagte: der eine Älteste kommt mit der Bibel, die anderen mit dem Sklaven! Darum legte ich mein Amt nieder. Doch werde ich nichts vertreten oder sagen – in Kommentaren vielleicht - was ich nicht vor meinem Gewissen verantworten kann. Deshalb stehe ich auch jetzt und hier in dem ‘Geruch’, zwar gläubig, aber kein ‘Organisationsmann’ zu sein.

Ich bekenne meinen Glauben als Christ, meinen Glauben an Gottes Wort, an Jehova und seinen Sohn, unseren Herrn. Aber ich gehe nicht mehr von Haus zu Haus, predige auch nicht mehr im Sinne der WTG, wenn es darum geht, ob eine irdische Organisation – gegründet nach weltlichen Gesetzen, ob sie sich nun Kirche, Gemeinde oder Organisation nennt – Gottes Organisation sei. Jesus sagte einmal in Matthäus 13:38 ‘der Acker aber ist die Welt’; wenn ich in diesem Bild bleibe, dann gibt es in dem Acker eine katholische Fläche, eine evangelische, eine neuapostolische usw., auch eine Ecke für unsere Gemeinschaft. Aber der Weizen – wie auch das Unkraut – wächst auf dem ganzen Acker; der Weizen ist nicht nur in einer Ecke; und ob eine Pflanze Weizen ist, hängt nicht davon ab, in welcher Ecke sie steht. Die Einsammlung erfolgt von den Engeln (Vers 39). Doch sie sammeln erst bei seiner Wiederkunft nach Matthäus 24:31seine Auserwählten ein und trennen auch dann erst die Schafe von den Böcken; das ist ja auch die Lehre der WTG, daß nämlich diese beiden Ereignisse noch zukünftig sind. Wenn ich aber aus der Bibel sehe, daß Jesus den Weizen sammeln läßt, wie könnte ich dann sagen, daß jemand nur gerettet wird, wenn er zu einer bestimmten Organisation gehört? Könnte ich Christi Recht einschränken, zu bewahren und zu retten, wen er will?

Selbst in dem Gleichnis vom Schleppnetz deutet die WTG, ohne es jedoch deutlich zu sagen, diesen Gedanken an, wenn man denn ihre Deutung annimmt. In dem Buch ‘Der größte Mensch’ , Lektion 43, wird unter anderem dieses Gleichnis besprochen; man sagt, daß das Schleppnetz alle Organisationen auf der Erde darstelle, die behaupten, christlich zu sein; doch sagt Jesus, daß die Engel bei der Vollendung des Zeitalters die Fische aus dem ganzen Netz aussortieren, nicht nur aus einer kleinen Ecke davon. Wenn dem so ist, dann würden wir ja nur die Fische von einem Teil des Netzes in einen anderen werfen.

Wir sprechen gern davon, ‘in der Wahrheit’ zu sein; doch was meinen wir damit? Die meisten meinen: ‘in der Organisation’! Doch nach der Bibel ist Gottes Wort (Joh. 17:17), ja ist Christus selbst (Joh. 14:6) die Wahrheit; in der Wahrheit zu sein müßte bedeuten, in Christus zu sein; doch hörst Du in den Zusammenkünften, daß die Brüder so viel von Jesus sprechen wie von Jehova oder von der Organisation? Ich höre es leider nicht! Ehren sie den Sohn wie den Vater (Joh. 5:23)? Die ‘Wahrheit’ ist nicht die Sammlung von Lehren einer Gemeinschaft, schon gar nicht, wenn diese Lehren sich häufig ändern. Wenn heute jemand das verträte, was vor 20, 40 oder 60 Jahren als ‘Wahrheit’ galt, würde er ja ausgeschlossen. Als man Vertretern der Gesellschaft solche älteren Lehren vorhielt, sprachen sie von ‘antiquierten Ansichten’; aber damals mußten diese antiquierten Ansichten als ‘Wahrheit’ vertreten werden, und man war mit ihnen ‘in der Wahrheit’! Der Punkt ist jedoch nicht, daß wir uns in bestimmten Lehren irren, es gibt keine Gemeinschaft, die die ganze Wahrheit ‘hat’. Paulus sagt: ‘wir erkennen nur stückweise’ (1.Kor. 13:9+12). Was schlimm ist, das ist die Tatsache, daß Du nicht frei Deine Gedanken äußern darfst, wenn sie nicht ‘linientreu’ sind; Du gerätst in den Geruch der Abtrünnigkeit, obwohl Du nichts weiter als biblische Gedanken besprechen möchtest; aber solche Gespräche enden zumeist mit der Frage: ‘wie stehst Du zum Sklaven?’ Das führt letztlich dazu, daß nicht wenige Brüder unaufrichtig sein müssen, um ihre innersten Gedanken zu verbergen, statt sie frei äußern und diskutieren zu können, selbst wenn sie falsch wären. Die WTG erlaubt sich, ihre Irrtümer zu ändern, wenn sie es für angebracht hält, und dann muß jeder das ‘neue Licht’ annehmen. Warum gewährt man den Brüdern nicht die Freiheit der Meinungsäußerung? Alles im Namen einer falsch verstandenen Einheit?

Ich bin nicht gegen jemanden, auch nicht gegen die Organisation, wenn sie das tut, was sie sollte, nämlich ihren Brüdern dienen; wenn sie sich aber zum Herrn macht, tritt sie an die Stelle Christi, unseres wahren Herrn. Selbst ein Paulus sagte: Wir sind nicht Herren eures Glaubens (2.Kor. 1:24), und er zeigte große Geduld, wenn es nicht um das Evangelium der Gesetzes- und wertfreien Gnade ging (zum Beispiel Röm. 14, 1.Kor. 10:23; Philip. 3:15). Ich habe in den Jahren meiner Verbundenheit mit der Versammlung viele liebe und aufrichtige Menschen kennengelernt, und ich möchte ihnen, so weit es mir möglich ist, von der Rettung in Christus erzählen, davon, daß wir nicht nur außenstehende Freunde, sondern Kinder Gottes, Angehörige seiner Familie, sein dürfen (Joh. 1:12-13; 1.Joh. 3:1-2). Wenn ich mich von der Versammlung trennen würde, dann dürften diese Menschen alle nicht mehr mit mir sprechen, ein Gebot, das weder aus 1.Korinther 5 noch aus dem 2.Johannesbrief abgeleitet werden kann. Aber eine solche Entscheidung ist nicht für jeden geeignet; jeder muß seine Entscheidung selbst treffen; wichtig ist, daß er bei Christus bleibt (Joh. 10:28-29; 6:37). Wenn Jesus versichert hat, daß er dort ist, wo auch nur zwei oder drei in seinem Namen zusammenkommen, warum sollte ich seine Zusage anzweifeln, nur weil Menschen sagen: ‘nur bei uns findest Du den Herrn’?

Ich bekenne mich als Zeuge Jehovas, nicht im Sinne eines Mitglieds sondern als Zeuge Jesu Christi; denn als solcher bin ich auch Zeuge des himmlischen Vaters Jehova. Zwar wurde ich schon von Ältesten ‘angegangen’, warum ich nicht für den Sklaven beten würde – jetzt erhalte ich eben nicht mehr das ‘Vorrecht’ öffentlichen Betens – und warum ich – nicht immer, aber doch auch – den Namen Jehova nicht erwähnen würde. Ich erwiderte dann, daß ich Gottes Namen sehr oft erwähne, aber nicht wie einen Bauchladen vor mir her trage oder wie eine Zauberformel gebrauche. In den ganzen griechischen Schriften kommt er nicht vor, und selbst nachdem die Gesellschaft ihn in unserer Übersetzung eingesetzt hat – wohlgemerkt, ohne griechische Manuskripte – gibt es immer noch Apostelbriefe, die den Namen nicht enthalten. Werden diese Briefe deshalb etwa abgelehnt?
Und haben wir noch ein eigenes Gewissen, oder werden wir ‘ferngesteuert’?

Ich würde mich freuen, wenn die WTG zu einer christlichen Gemeinschaft zurückfände und nicht den Weg weiter zu einer autoritären Gemeinschaft beschreiten würde. Aber unsere Rettung ist davon nicht abhängig. Sie liegt allein in der Liebe und Gnade Gottes des Vaters und in unserem Herrn Jesus Christus.

E.F.

von Gerd B. - am 17.02.2015 06:10
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