Gemma La Guardia Gluck

Startbeitrag von Drahbeck am 01.03.2015 03:20

Wer hierzulande kennt diesen Namen? Befragt man den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek findet man zu ihm zwar die Angabe:
Zitat

„Gluck, Gemma La Guardia. 1881-1962 / überlebte KZ-Ravensbrück; Schwester von Fiorello Enrico Henry LaGuardia (1934 bis 1945 für drei Amtszeiten Bürgermeister der Stadt New York)"

Indes ist damit dort schon mal das „Ende der Fahnenstange" erreicht, was Detailauskünfte dazu anbelangt.
Man kann weiter eruieren, 1961 erschien (Englischsprachig) von ihr ein Buch mit dem Titel „My Story".
Zu einer deutschen Übersetzung selbigen indes, ist es wohl nie gekommen.
KZ-Erlebnisberichte gibt es viele. Herausragend von den Deutschsprachigen etwa die von Margarete Buber-Neumann, oder auch der von Eugen Kogon. Auch Ernst Wiechert's „Der Totenwald" erscheint mir dabei der besonderen Erwähnung wert. Es gibt mit Sicherheit weitere Berichte. Nicht selten thematisieren ihre Autoren - dann aber eher beiläufig - ihre Erfahrungen, die sie in ihrer Leidenszeit, auch mit den Bibelforschern/Zeugen Jehovas sammelten. Indes keiner jener frühen zeitgenössischen Autoren, verfasste ein Buch in der „Vor Garbe-Zeit", welches denn „nur" den Zeugen Jehovas gewidmet wäre. Die waren für alle diese Autoren, die auch auf eigene KZ-Erfahrungen verweisen konnten, ein Thema unter vielen. Nicht selten schwankte ihre Bewertung zwischen Respekt und Kritik.
Exemplarisch am Beispiel Eugen Kogon's Bewertung ablesbar, welcher da den sinnigen Vergleich von einem „scharfkantigen Diamanten an dem man sich aber auch tückisch schneiden könne" wählte. Oder auch Margarete Buber-Neumann welche es sich auch angelegen sein ließ, Verhalten und Schicksal der sogenannten „Extremen" unter KZ-Bedingungen mit zu thematisieren. Oder Ernst Wiechert, der seine von Respekt kündenden Wertungen zugleich mit der sinngemäßen verknüpfte: „Ganz dicht im Oberstübchen waren sie wohl nicht".
Die Liste solcher Wertungen könnte noch um einige weitere Beispiele verlängert werden.
Insoweit muss schon mal die Frage gestattet sein, inwieweit soll sich denn der Bericht der Frau Gluck von den vorgenannten, beim Zeugen Jehovas-Aspekt abheben? Ich kann keine Fakten entdecken, auch nicht im WTG-Schrifttum, die Anlass zu solcher Wertung gäben.
Eines allerdings hatte Frau Gluck den anderen Autoren zum Thema voraus. Sie hatte einen leiblichen Bruder, der gar drei Amtszeiten lang, Bürgermeister von New York war.

Indem es der WTG eine besondere Herausstellung des Buches der Frau Gluck „My Story" in ihrem Schriftturm, etwa auch im „Wachtturm" vom 1. 3. 1965 wert ist, kann man diese besondere Hervorhebung, durchaus dem Bereich der Anbiederung an politisch Mächtige zuordnen. Weder Kogon, Buber-Neumann, Wiechert, konnte ja auf einen nahen Verwandten im Bürgermeisteramt verweisen.
Nachdem der Neuigkeitswert der Erstpublikation jener Autoren verrauscht war, ging man zur Tagesordnung über. Und auf der standen die Namen dieser Autoren nicht mehr mit drauf. Wenn die Autoren Glück hatten, erlebten ihre Berichte noch Nachauflagen. Indes auch das war keineswegs sicher.

http://books.google.de/books/about/My_story.html?id=EflmAAAAMAAJ&redir_esc=y

http://books.google.de/books?id=gFowSePV_gMC&printsec=frontcover&dq=Gluck,+Gemma+La+Guardia&hl=de&sa=X&ei=VoRsUaHwFIWStAa2q4D4DA&ved=0CDYQ6AEwAA

Indes die WTG will mit ihrer Zitierung im WT vom 1. 3. 1965 offenbar mehr erreichen.
Dieses mehr bettet sie in eine aggressive Attacke gegen den „Nationalismus" generell ein. Etwa mit den WT-Sätzen:
Zitat

„Seit dem Jahre 1914 erscheint das Wort 'Kampf' immer wieder in den Schlagzeilen der Presse. Kampflustige Nationalisten fordern für bestimmte Volksgruppen Rechte und Gebete. Auf diese Weise entstehen neue Regierungen. In den letzten vier Jahren sind allein in Afrika rund vierundzwanzig neue Staaten gegründet worden. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind auf diesem Kontinent insgesamt sechsunddreißig neue Staaten entstanden."

Dann folgt eine Attacke gegen die faschistische und die kommunistische Variante des Nationalismus.
Den wesentlichen Aspekt indes, stellt die WTG mit dem weitergehenden Zitat heraus:
Zitat

„Über den Nationalismus selbst sagt die 'Americana' aber unter anderem: 'In frühester Zeit galt die höchste Treue des Menschen seiner Religion. Heute nimmt die Nation diese Stellung ein."

Diese Linie fortsetzend fährt der WT dann noch eine weitere Attacke, namentlich gegen den Nationalismus kommunistisch-Ostdeutscher Prägung. Das liest sich im WT dann so:
Zitat

„In Ostdeutschland, das nun unter kommunistischem Einfluß steht, herrscht ein strenger Nationalgeist ... Vor kurzem leistete eine junge ostdeutsche Schülerin, eine Zeugin Jehovas, bei ihrer Prüfung in der Schule sehr gute Arbeit. Sie mußte einen Aufsatz schreiben über das Thema: 'Warum ist nur die Arbeiterklasse berechtigt, die Nation zu führen?'"

Wie bei Kenntnis der WTG-Religion unschwer zu erraten ist, erhielten aber die Themensteller jenes Aufsatzes, nicht die Antwort, die sie denn vielleicht erwartet hatten.
Ich stimme mit der WTG-Bewertung insoweit überein, dass ein übersteigerter Nationalismus, vielfältige Hauptursache jener Konflikte ist, von denen die Zeugen Jehovas-Geschichte, so überaus reich „gesegnet" ist.
Ich vertrete weiter die Auffassung, jene die Zeugen Jehovas etwa zum wählen zwingen wollen, könne meine Zustimmung nicht erhalten. Wohl wissend der vermeintlich „unpolitische" Ansatz, lässt sich durchaus kritisch hinterfragen. Dennoch billige ich diesen Narren es zu, ihr Narrentum auch etwa durch Nichtbeteiligung an Wahlen etc., zu dokumentieren. Insoweit gebe ich politischen Strukturen, wo selbiges möglich ist, eindeutig den Vorzug.
Diese partielle Liberalität ändert aber nichts an der Bewertumg solcher Haltungen. Nochmals wiederholt diese Bewertung: Narrentum hoch zehn!
Wohl dem Staat, der da meint es verkraften zu können, solches Narrentum. Der Ostdeutsche Staat und einige weitere, war sicherlich nicht von diesem Kaliber.
Die WTG hat ja selbst herausgearbeitet, worum es ihr mit ihrer Konfrontation in Sachen Nationalismus geht. Um die eigenen Machtansprüche. Ihre verlogene, vorne und hinten nicht stimmende Religionsversklavung, sei in WTG Hinsicht halt „wichtiger" als konträr dazu stehende nationalistische Ansprüche.
Wer denn in einem solchen nationalistischen Umfeld leben muß, hat mit Sicherheit keinen leichten Stand. Ihm zu sagen, was er tun soll oder nicht steht mir nicht zu. Aber ich würde dringend raten, mit zu bedenken, wie die WTG-Ideologie insgesamt aufgebaut ist. Von vorne bis hinten verlogen!
Wer das tatsächlich vergegenwärtigt, wird bei seinem Tun und lassen dann auch berücksichtigen den alten Spruch: „Wem nützt es?"
Nutzen die WTG-Machtansprüche wirklich dem Einzelnen?
Für meine Person verneine ich letztere Frage eindeutig!

Antworten:

Die Machtansprüche der WTG nutzt ihr nur zur Selbsterhaltung. Kein Einzelner hat Nutzen davon, die "treuen Hinterherglauber"sind Gehorsamsblind und glauben immer noch an Gottes-Kanal. Die Aussteiger haben selbst nachgedacht und der Nutzen wurde als Schaden empfunden. Wobei Ostaussteiger mt langjähriger Zeugenvergangenheit mehr Blessuren durch die staatliche Willkür( keine höhere Bildung, Berufsverbot, Stasibespitzelung, Haft usw) ertragenhaben und anderen Ortes als Opfergejammere abgebügelt werden.

von sebe - am 01.03.2015 09:34
Zitat
sebe
Die Machtansprüche der WTG nutzt ihr nur zur Selbsterhaltung. Kein Einzelner hat Nutzen davon, die "treuen Hinterherglauber"sind Gehorsamsblind und glauben immer noch an Gottes-Kanal. Die Aussteiger haben selbst nachgedacht und der Nutzen wurde als Schaden empfunden. Wobei Ostaussteiger mt langjähriger Zeugenvergangenheit mehr Blessuren durch die staatliche Willkür( keine höhere Bildung, Berufsverbot, Stasibespitzelung, Haft usw) ertragenhaben und anderen Ortes als Opfergejammere abgebügelt werden.

Andernorts gelesen:
Wenn die Versammlungszeit zehn Minuten überzogen sei, sei sie aufgestanden und gegangen.
Oder mit den (ungeschriebenen) Kleidungsvorschriften der ZJ, habe sie es auch nicht so streng genommen. Schön für sie, kann sich der Konflikt mit der WTG-Religion auf solche Elemente beschränken.
Das sind dann die heutigen "Welterklärer" in Sachen ZJ-Religion.
Da besteht um @ sebe zuzustimmen, ein Gegensatz wie Feuer und Wasser.

von Drahbeck - am 01.03.2015 09:52
Der Schriftsteller Jorge Semprun erwähnt in seiner Zeit als Häftling im KZ
Buchenwald auch die Zeugen Jehovas. Ein besonders hervorzuhebendes
Sozialverhalten zu anderen Häftlingsgruppen hatten sie nicht.

von sebe - am 01.03.2015 10:43

Noch eine Anmerkung

Die "Widerstandskämpfer" Made in ...

Ein dokumentierenswertes Posting. Mein Kommentar dazu siehe vorhergehende Anmerkung

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,519240,519247#msg-519247



von Drahbeck - am 01.03.2015 11:39

Re: Noch eine Anmerkung

Dieses einfach gestrickte Zeugenkind hat keine Ahnung wie es in einer "gutbürgerlichen" Ältestenzeugenfamilie zuging!!Würde dieses vorlaute Girl vor mir stehen könnte ich mein gute Erziehung veressen!

von sebe - am 01.03.2015 12:39
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