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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
Beiträge im Thema:
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Drahbeck, Gerd B.

Dr. Werner Hodler

Startbeitrag von Drahbeck am 12.03.2015 15:02

Auf eine im Gästebuch eingegangene Anfrage, möchte ich des Umfangs wegen, hier antworten. Für umfänglichere Antworten ist das Gästebuch nicht vogesehen.
Der Fragesteller möchte wissen:

"In Ihrem Buch über die Geschichte der Zeugen Jehovas verbinden Sie auf Seite 169 den Sprachwissenschafter Werner Hodler mit dem Zeugen Jehovas Werner Hodler. Mich würde interessieren, ob Sie sicher sind, dass es sich dabei um dieselbe Person handelt – sowohl Werner als auch Hodler sind in der Schweiz häufige Namen.

Im Nachruf auf den Sprachwissenschafter Hodler findet sich jedenfalls keinerlei Hinweis auf eine jehovische Vergangenheit (was natürlich nicht bedeuten muss, dass es sie nie gegeben hat). Der Sprachwissenschafter Hodler war Lehrer und publizierte etliche sprachwissenschaftliche Werke, nicht nur diejenigen beide, das Sie nennen. Ganz abgesehen davon, handelt es sich bei seinem Werk von 1969 keineswegs um eine Neuauflage desjenigen von 1915 über die Wortbildung, sondern um ein völlig selbständiges, 800seitiges Werk über die Satzlehre.

Falls Sie mir nähere und sicherere Hinweise über die Identität oder die Identitäten dieser beider Hodler geben könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Dass der Katalog der deutschen Nationalbibliothek die beiden Hodler in einer Person verbindet, ist jedenfalls kein sicherer Nachweis – der Katalog der DNB wimmelt nur so von Fehlern....
Antwort:
Der für mich relevante Dr. Werner Hodler ist (man beachte auch ausdrücklich seinen akademischen Grad als Dr. . Sollte es einen zweiten Werner Hodler geben , dann ist die Frage, hat der auch einen Doktorgrad?)
Ich habe bedeutende Mengen an Zeugen Jehovas-spezfischer Literatur ausgewertet. Unter anderem eine (Selbstverlags) Broschüre mit dem Titel:
"Israel, ein auserwähltes Volk"
In ihr beispielhaft die Angabe:
"Diese Broschüre ist zum Preise von 50 Rp. erhältlich, (von 10 Ex. an
40 Rp.), beim Verfasser: Dr. Werner Hodler, Hallerstraße 28, Bern".
Dann gibt es beispielhaft (aus dem Englischsprachigen Raum) auch den Titel:
"(Werner Hodler)
A Voice from Switzerland
Translation of the Hodler Booklet
On Revelation 17 an 13
Das Tier
Hrsg. Von J. G. Kuehn
269 Washington Avenue
Rutherford, New Jersey, U.S.A.
Oktober 1932" (auch eingesehen). Besagter Hodler war in der einschlägigen Szene auch international bekannt.
Dann gibt es eindeutig den ZJ-Splittergruppen zuortbar, eine relevante Zeitschrift mit dem Titel "Die brennende Lampe". Von mir auch aus dem Bestandsbereich in der Deutschen Bücherei Leipzig eingesehen (die auch mit der Schweizerischen Landesbibliothek Schriftenaustausch praktizierte).
In deren Nr. 26 April 1943 S. 8 liest man beispielhaft:
"S. 8
Empfehlenswerte Schriften
Was will Gott mit den Juden? Eine Betrachtung der Judenfrage 51 S. Von Werner Hodler
Bestellungen richte man an Dr. W. Hodler, Ziegelfeldstr. 4, Olten"
Die Nr. 60 (1945) der "Brennende Lampe" verweist unter Hinweis auf angepriesene einschlägige Literatur erneut:
"Man wende sich an Dr. W. Hodler, Ziegelfeldstr. 4, Olten."
Auch weitere Hinweise auf den fraglichen Hodler gibt es in jener Zeitschrift noch.
Dann sei noch der Satz zitiert:
Nr. 350, Juni/Juli 1971
S. 24
"Dr. Werner Hodler, der während vieler Jahren als Redaktor dieser Zeitschrift gewirkt hat, sah sich infolge zunehmender Altersbeschwerden veranlasst, sein Amt niederzulegen. Wir gedenken hier gerne und in dankbarer Erinnerung seiner segensreichen Tätigkeit." Offenbar hat danach diese Zeitschrift dann nicht mehr länger am Leben erhalten werden können.
Summa Summarum. Der für mich relante Werner Hodler verfügt über einen Doktortitel. Seine Zuordnung zu einer Splittergruppe der ZJ ist eindeutig belegbar. Zwei seiner Wohnanschriften (Bern und zuletzt Olten) sind auch bekannt.
Sollte es einen weiteren "namenlosen" Werner Hodler geben, müsste er auch die genannten Kriterien erfüllen (Doktorgrad und genannte Wohnanschriften). Das er von seiner religiösen Überzeugung materiell nicht leben konnte, ist auch klar. Demzufolge passt seine Dissertation durchaus mit in das Personenprofil.
Auch das im Katalog der Deutschen Bücherei genannte Geburtsjahr 1887 würde, das ich so nicht bestätigen kann, im Prinip durchaus in dieses Raster mit hineinpassen. Aus einer anderen Quelle entnehme ich noch sein Todesdatum:
"am 17. April 1974 im 87 Lebensjahr verstorben."

Antworten:

Wenn schon das Thema des „Dr. Werner Hodler angerissen wurde, dann vielleicht noch ein paar thematische Ergänzungen, bzw. Hinweise was zu ihm noch zu beachten ist.
Wie man weis war der Philosemitismus (Judenbegünstigung) der frühen WTG eines ihre Markenzeichen, worin sie sich von ihrer sonstigen religiösen Konkurrenz unterschied.
Beispielhaft ablesbar an den WTG-Schriften „Die nahe Wiederherstellung Israels", oder auch „Trost für die Juden", oder auch die in jiddischer Sprache gedrückte Werbeschrift „Die Stimme" und anderes mehr. Etwa Russells Auftritt vor Juden im New York Hippodrom.


Was unter den gesellschaftspolitischen Umstanden der USA, für die WTG hilfreich war, musste es nicht zwangsläufig auch im alten Europa sein, namentlich auch nicht in Deutschland. Bis die WTG diesen Umstand dann „verdaut" vergingen allerdings einige Jahre. Jedenfalls musste die WTG in Deutschland erfahren, dass antisemitische Kreise, mit und ohne kirchliche Schminke, in den 1920er Jahren, ihre relevantesten Gegner zu der Zeit waren. Weitaus relevanter als wie die „nur kirchlich sein wollenden" Gegner. Die Antisemiten, dann besonders noch in der NSDAP vorfindlich (aber eben nicht nur dort) wurden immer stärker und zwangen schließlich auch die WTG zum Handeln. Aufgabe des Philosemitismus, dann Anfang der dreißiger Jahre, und miteinstimmen in den antisemitischen Haßgesang, unter religiösem Vorzeichen die Folge. Nicht aber unter dem Vorzeichen des Rassenantisemismus, welchen es besonders in den Nazikreisen gab.
Die Splittergruppen aus dem Zeugen Jehovas-Bereich machten diesen Schwenk zum religiösen Antisemitismus so nicht mit, und verblieben auf der Position des Philosemismus, welchen sie lediglich modifizierten, aber nicht grundsätzlich aufgaben.
Auch in der Publizistik des Dr. Hodler kann man diese Tendenz nachweisen.
In der April-Ausgabe 1943 der „Brennenden Lampe" kommentierte besagter Dr. Hodler beispielhaft:
Zitat

„Wie die Tageszeitungen berichten, soll sich der deutsche Minister Dr. Ley im „Angriff" folgenderweise geäußert haben:
'Werdet fanatische Hasser gegenüber den Juden, die den Bolschewismus geboren, die die wilde bolschewistische Bestie gezüchtet und sie jetzt auf die europäische Kultur losgelassen haben! Reißt jedes Mitleid und jede falsche Barmherzigkeit diesem Otterngezücht gegenüber aus euren Herzen! Brandmarkt und vernichtet jeden, der den Juden und seine Helfershelfer in Schutz nimmt oder gar vom Juden als auserwähltem Volk redet."

Mag Dr. Ley seinen Deutschen unter Androhung von Brandmarkung und Vernichtung verbieten, von den Juden als vom auserwählten Volk Gottes zu reden, einem Gott- und bibelgläubigen Menschen soll er es nicht verbieten dürfen. Denn es sind ja nicht die Deutschen, welche den Juden diese Bezeichnung verliehen haben, es ist der ewige und lebendige Gott selber, der die Juden anredet als: „Der Same Abrahams, seines Knechtes, ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten." (Ps. 105:6) und der erklärt:
'Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt." (Amos 3.2) und der im Hinblick auf eine ferne Zukunft wiederum verheißt:
'Jehova wird Juda als sein Erbteil besitzen in dem heiligen Lande und wird Jerusalem auch erwählen." (Sach. 2.12).
Wir glauben nicht, daß Gott sich von seinem Vorsatz durch die Drohung des Dr. Ley wird abwendig machen lassen. Vielmehr gelten einem so derben Einschüchterungsversuch Gottes (denn er ist mitbetroffen von Aussprüchen, wie sie ein Dr. Ley meint wagen zu dürfen)
Die Worte des Psalmisten:
'Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer. Dann wird er zu ihnen reden in seiner Zornglut wird er sie schrecken." (Ps. 2: 4.5).
Sie wissen es nicht, diese Vermessenen, daß sie, so oft sie dem auserwählten Volke Gottes fluchen, sich selbst verfluchen. Denn es steht geschrieben: „Die dich verfluchen, sind verflucht" (4. Mose 24:99 und „Wer euch antastet, tastet seinen (Jehovas) Augapfel an" (Sach. 2:8).
Viel mehr, daß sie fluchen, ist ja wohl schon ein Zeichen dafür, daß sie von Gott verhärtet sind zu ihrem Untergang, wie Gott jenen ägyptischen Pharao verhärtet hat, der sein auserwähltes Volk bedrückte. ...

In diesem Stil geht es weiter.
Die „Brennende Lampe" hatte das Glück in der Schweiz zu publizieren. Sie mußte dem Nazi-Zeitgeist also keine unzumutbaren Zugeständnisse machen. Andere aus dem Splittergruppen-Umfeld in Deutschland, etwa der Friedrich Bösenberg, machten diese Zugeständnisse an den Zeitgeist sehr wohl.
Auch die WTG selber hat sich in dieser Zeit kaum mir „Ruhm bekleckert."
Siehe dazu auch die Auseinandersetzung mit der famosen Gefälligkeits-Publizistin
Eva Kuhn
Dortselbst auch weiterführende Links.

von Drahbeck - am 12.03.2015 17:11
Ich habe die angeführte Broschüre von Werner Hodler: "Israel ein auserwähltes Volk". Habe die Titelseite und die erste Seite gescannt. Bei Picasa (google) ist die Einstellung für mich so, dass Fotos gleich in der "cloud" gespeichert werden. Da bekam ich auch die URL unterhalb.
Bitte lieber Manfred, schreibe mir du oder ein anderer Mitleser, ob ihr diese Abbildung öffnen könnt. Bei mir klappt es, vielleicht nur auf meinem PC, weil ich mit Picasa verbunden bin...

https://plus.google.com/photos/111205399341195559014/photo/6125657993103260978

Die Möglichkeit die Abbildung per "img" hier sichtbar zu machen klappte leider nicht.

von Gerd B. - am 13.03.2015 10:16
"Bitte lieber Manfred, schreibe mir du oder ein anderer Mitleser, ob ihr diese Abbildung öffnen könnt"

Für meinen Teil muss ich verneinen.
Error Meldung von Google. Begründung:
"Sie haben keinen Zugriff auf die Seite"

Sowohl die hiesigen Bilder von Jörg (@ Plus) als auch meine, sind im jpg-Format und bei entsprechenden Hostern hochgeladen. Dann ist, wenn diese Voraussetzung erfüllt ist,. auch deren Sichtbarmachung möglich.
Seit den Beginn der Facebookzeiten nehmen die Fälle zu, das nur "Auserwählte - Angemeldete" Texte und Bilder zu Gesicht bekommen. Auch Google ist offenbar auf diesen Zug mit aufgesprungen.

von Drahbeck - am 13.03.2015 10:31
Danke Manfred,

es klappt offenbar nur mit denen, die auf der gleichen google-Wolke sitzen so wie ich :cheers:

Hier hochgeladen wie üblich:



Ich fand auch noch weitere Hodler-Artikel in der "Brennenden Lampe", wie du schon hingewiesen hast.

von Gerd B. - am 13.03.2015 10:58

Hintergründe zum Thema Zionismus

Wie man weiß, ging die Stafette der Zionsmusbegünstigung, von der frühen Russell-Anhängerschaft, auf die evangelikale Szene über in der Gegenwart. Dort wiederum besonders auf die Kreise, die beim Thema Endzeitlehren, besonders betont, mit dem "Brettt vor dem Kopf" durch die Weltgeschichte zu marschieren pflegen.
In extremer Parteilichkeit praktiziert, und an die Folgewirkungen auch nicht im entferntesten denkend, und dann "aufschreiend" wenn diese Folgewirkungen trotzdem mal sichtbar werden, lassen es auch die Evangelikalen sicherlich nicht mangeln.
Das auch die Folgewirkungen nicht gutgeheißen werden können, liegt offen zutage. Aber letztendlich überziehen auch die Evangelikalen mit ihrer zu extremen Parteilichkeit.

„Aufbruch am Nil" so der Titel eines 1976 in Ostdeutschland erschienen Buches. Auch wenn man beim Hintergrund Ostdeutschland eher mit der Nase rümpft, hat dennoch die darin dargebotene Analyse meiner Meinung nach, einiges für sich.
Nachstehend ein entsprechendes Zitat:
Zitat

"Der politische Zionismus. Er war von Anfang an
Reaktionär ... denn er forderte die jüdischen Werktätigen auf, nicht im Kampf gegen ... Unterdrücker, sondern in der Auswanderung ihr Heil zu suchen.
Zweitens wandten sich seine Führer an Kololonialmächte, um mit ihrer Hilfe gegen den Willen der Araber, die Palästina besiedelten, ihr Ziel durchzusetzen; das verlieh den Zionismus selbst kolonialistische Züge. Nachdem sich die Zionistenführer vergebens an den türkischen Sultan, den deutschen Kaiser und den russischen Zaren gewandt hatten, schenkte ihnen Großbritannien schließlich Gehör.
Am 14. Mai 1948 legte Großbritannien sein Mandat nieder. Am gleichen Tag proklamierten die Zionisten den Staat Israel. Die inneren Auseinandersetzungen in Palästina, die Bürgerkriegsähnlicne Züge angenommen hatten, wuchsen in einen Krieg zwischen dem neuen Staat und seinen arabischen Nachbarn hinüber.
Bis Ende 1948 hatte sich die Zahl der im Gebiet Israels lebenden Araber von 700.000 bis 750.000 auf 167.000 vermindert. Der Besitz der Flüchtlinge wurde durch Ausnahmegesetze beschlagnahmt. So enteignete die israelische Regierung 70.000 ha Land von den ungefähr 110.000 ha, die 1947 noch arabischen Eigentümern gehört hatten. Um den Krieg und den Landraub fortsetzen zu können, ermordeten jüdische Terroristen den schwedischen Grafen Folke Bernadotte,
http://de.wikipedia.org/wiki/Folke_Bernadotte
den Vermittler der Vereinten Nationen, der sich um eine Beilegung des Konflikts bemüht hatte.
Der Krieg wurde dann 1949 durch zweiseitige Waffenstillstands-Abkommen beendet, die durch Vermittlung der UNO von Februar bis Juli zwischen Israel und den beteiligten arabischen Staaten abgeschlossen wurden.

De politische Zionismus wer zweifellos Reaktion auch auf den Antisemitismus, doch innerhalb einer grundsätzlich gleichen Geisteshaltung, des Rassismus. Darin treffen sich beide, Ihnen liegt gleichermaßen die Überzeugung zugrunde: Juden sind in Ländern mit vorliegend nicht jüdischer Bevölkerung eine Art Fremdkörper. ...
Die Zionisten brauchen die Mystifizierung der Geschichte.
Denn angenommen, die Juden wären ein Volk wie jedes andere: Hätten
dann nicht mit denselben Recht Ägypter, Griechen, Perser und Italiener ihren Anspruch auf Palästina anmelden können? Schließlich
haben auch sie zeitweise dort gelebt. Konnten dann nicht die
Spanier große Teile Amerikas und die Araber Spanien beanspruchen?
Um dieser Logik zu entgehen, die die Welt zum Schlachtfeld anachronistischer Forderungen machen müßte, lassen die Zionisten
normale geschichtliche Maßstäbe für das Judentum nicht gelten.
Um ihren Anspruch auf Palästina, d. h, auf arabisches Territorium
zu begründen, verweisen die Zionisten auch gern und pauschal auf die Rückständigkeit der Araber, sie betrachten diese geradezu
als minderwertige Menschen....

Ähnliches taten unter umgekehrten Vorzeichen, bekanntermaßen auch die Nazis!

von Drahbeck - am 16.03.2015 08:26
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