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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Drahbeck

"Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Startbeitrag von Drahbeck am 18.04.2015 21:23

Letzte Teile dieser Serie:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,514046,514046#msg-514046


Prohibition

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Bekanntermaßen hatte sich Rutherford auch in Sachen der amerikanischen Anti-Alkoholgesetzgebung engagiert.
Siehe dazu auch 19302Prohibition

Mag dieses Thema für deutsche Verhältnisse auch nicht so „übergeschwappt" sein (eine WTG-Broschüre zum Thema Prohibition fand daher keine deutsche Übersetzung).
http://wtarchive.svhelden.info/archive/en/publications/1930_JR_Prohibition_League_of_Nations.pdf

So lassen sich entsprechend thematische Berichte, sehr wohl auch im deutschsprachigen „Goldenen Zeitalter" nachweisen. So etwa in der Magdeburger Ausgabe vom 1. 4. 1930.
Einige Auszüge aus dem dortigen Bericht seien nachfolgend einmal etwas näher vorgestellt:
Zitat

„Amerika ist bekannt als Land der Prohibition. „Prohibi" heißt nach dem gewöhnlichen englischen Wörterbüchern: verbieten, verhindern usw. Jedermann weiß heute, daß sich dieses „prohibi" auf den Genuß von Alkohol jeglicher Art - ausgenommen in medizinischer Form - bezieht, aber nicht bekannt ist, daß dieses Verbot darum eine einzige große Heuchelei darstellt, weil es gar nicht durchführbar ist und trotzdem die Menschheit in dem Glauben gehalten wird, Amerika sei „trocken".

Der Schreiber dieser Zeilen hat es in New York, Chikago und vielen andren Städten Amerikas viele Male gesehen, daß sich die Menschen in den Vergnügungsstätten zwar alle nur Mineralwasser bestellten; aber so, wie wir die Brieftasche aus der hinteren Hosentasche ziehen, zieht der Besucher an diesem Platz die Whiskyflasche hervor und gibt seinem harmlosen Wasser den nötigen „Geist".

Und für einen Fremden erst ist es dort gar nicht schwer, an irgendeinen Platz geführt zu werden, wo er findet, was er wünscht. Mit den Einheimischen ist man vorsichtig, weil man Denunziation fürchtet.

Ich habe in New York und Chikago in einer seiner zahllosen Geheimwirtschaften, in denen man oft mehr Gäste findet als in den Selterwasser-Stätten, das schönste Lagerbier getrunken, ganz abgesehen von der Alkoholfabrikation innerhalb der Haushaltungen.

Alles dieses ist nur möglich, weil das amerikanische Prohibitions-System eine gewollte und bewußte Täuschung ist. Man ist sich einerseits völlig bewußt, daß es nicht nur unausführbar, sondern auch unvereinbar ist mit des Menschen Freiheit - ihm den Genuß dieses oder jenes Genußmittels einfach zu verbieten, möchte aber andrerseits doch nicht den zweifelhaften Ruhm missen, eine scheinbar solidere Bürgerschaft zu besitzen als andere Länder.

Mit Verboten kann man aber den Menschen nicht frei machen. Verbotenes reizt nur; und manche Ausschweifungen haben nur darum zum Untergang der ihnen Verfallenen geführt, weil das Verlangen, die verbotenen Genüsse zu kosten, zu lange gewaltsam unterdrückt wurde und kann - bei der sich bietenden Gelegenheit - den tollen Rausch alles aufgespeicherten Verlangens nach dem Unbekannten zu einer Flut werden ließ, die jede Hemmung fortschwemmte.

Der weitere Kommentar dazu:
Zitat

„Warum solche Verbote aufstellen? Warum nicht lieber dem Menschen das Unvorteilhafte zeigen und ihn Erfahrungen machen lassen, welche die Wahrheit der Warnung bestätigen? Gewiß, Mißbrauch des Alkohols zum Schaden Dritter sollte verboten und strafbar sein, wie es einige Länder einführten, indem sie den Alkoholverkauf an Betrunkene bestrafen; aber das Verbot persönlichen Alkoholgebrauchs ist lächerlich und freier Menschen unwürdig.

Manche Eltern handeln ähnlich mit ihren Kindern, indem sie ihnen alles und jedes verbieten. Gewiß hat jede Altersgrenze im Leben eines Kindes auch seine Linie, an der das Erlaubte aufhört. Aber diese Linie sollte nie zu eng gezogen werden. ...

Das hat der größte Teil des trockenen Amerikas schon lange eingesehen: aber seine Kirchen fürchten, wenn sie die Prohibition nicht mehr haben, haben sie gar nichts mehr, worauf sie sich als Ruhm berufen können, und darum besteht in Amerika ein Gesetz weiter, das eine Schande für freie Menschen ist.

Es ist da wie hier das gleiche. Dort sind es Prohibition usw. hier sind es jene grausamen Gesetze, welche unglückliche Ehen zu einer nicht mehr zu beseitigenden lebenslänglichen Qual werden lassen, oder die den Arzt bestrafen, der ein armes Menschenkind von einer zur Hölle und zur Schmach werdenden Mutterschaft befreit usw. Und immer sind es - hier wie da - die großen Kirchen, die für die Beibehaltung rückständiger Gesetze kämpfen.

Ich sah noch nie eine Kirche, die „freiwillig" für Fortschritt eintrat. Wo diese - aus dem Mittelalter stammenden - Gebilde einmal ihrer die Menschenbefreiung hindernden Mission entsagten, da nur, weil ihnen das Risiko einer Verneinung zu groß war, oder weil ihnen andere, gleichwertige Vorteile geboten wurden. Diese Einrichtungen leben nicht im Fortschritt, sondern von der Rückständigkeit der Menschen. Je schneller dies allgemein erkannt wird, desto ungehinderter wird die wirkliche Befreiung der Menschen voranschreiten. Man lernt allerdings ziemlich langsam. Man treibt „Koalitionspolitik", wie man das nennt, und sieht nicht, wie der Politiker im Priesterkleid nur auf den Augenblick wartet, wo er seinen Koalitionsgenossen anspießen und alle Macht allein an sich reißen kann. ..."


http://de.wikipedia.org/wiki/Prohibition_in_den_Vereinigten_Staaten

Exkurs:
Zitat aus dem 1930 erschienen Buch von Firmin Roz "Geschichte der Vereinigten Staaten":

"Während die Oststaaten mit ihren Millionen Städten das (Prohibitions) Gesetz nur widerwillig ertragen, suchen es die prohibitionsfreundlichen Süd- und Weststaaten durch Sonderbestimmungen noch mehr auszubauen. So z.B. verbietet Alabama jedes Getränk, das wie Bier aussieht; ahnden Kansas und Michigan Rückfälle bei Prohibitionsvergehen als Verbrechen, die bei der dritten Verurteilung mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft werden müssen.
Kein Wunder, wenn in den Jahren 1920-28 die Verstöße gegen
das Prohibitionsgesetz zu 272.327 Verurteilungen geführt haben!
Alkoholindustrie und Alkoholhandel, früher ehrliche Gewerbe von Steuerzahlern, sind seit der Prohibition zum Tummelplatz verbrecherischer Elemente geworden, die ihrerseits den mit der Bewachung betrauten Beamten und Polizisten durch hohe Bestechungsgelder korrumpieren. Man veranschlagt, daß dreihundert Millionen Dollar jährlich nötig waren, um das Alkoholverbot wirksam durchführen zu können."

Treibender Keil dieser Sachlage, die Religionsindustrie, die damit ihre "moralische Bedeutung" herausstellen wollte.
Die Folgewirkungen hat das Zitat von Roz verdeutlicht!

Antworten:

Alfred Mütze

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
„Mütze - an die Front" lautete offenbar die Parole für die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters!" vom 15. 4. 1930.
Nun ist es in der Tat so - in Vergangenheit und Gegenwart" -, dass auch die WTG über ein paar Aushängeschilder mit akademischen Graden verfügt. Sieht man indes genauer hin, stellt sich heraus.
Nicht selten wurde der akademische Grad zu einem Zeitpunkt erworben, wo der Betreffende sich eben noch nicht im Sog der WTG befand. Dann auch nicht selten auf Gebieten, die mit Religion am allerwenigsten zu tun haben. Das wiederum schließt nicht aus, dass die Betreffenden zu religiösen Fragen auch eine Meinung haben. Nicht selten sind sie bereits von den etablierten Großkirchen „bedient". Wird nun solch ein „Fisch" (um es mal salopp zu formulieren), von der WTG-Religion „an Land gezogen", steht solch einem „exotischen Vogel" (gemessen an der sonstigen soziologischen Struktur der WTG-Religion), eine unverhältnismäßig rasante Karriere in den WTG-Gefilden bevor. Jedenfalls kann er erheblich größere Karrieresprünge absolvieren, als wenn er sich einer der konventionellen Großkirchen verschrieben hätte.

Nun kann man die Situation der dreissiger Jahre, nicht mehr mit der heutigen, generell vergleichen. Heute kann man auch einige Akademiker, namentlich in den zweiten und dritten ZJ-Generationen registrieren, die sich eben nicht von dem massiven abraten der WTG, zur Einschlagung eines solchen Weges, beeindrucken ließen.
Und da gilt es dann auch auf den Einzelfall genauer hinzusehen. So formulierte Jens-Uwe Lahrtz, den Dr. Mütze bezüglich sein Statement auch so:
Zitat

„Dr. Alfred Mütze, bis 1931 im sächsischen Justizdienst tätig, war seit 1917 getaufter Zeuge Jehovas. Eine besondere 'Funktion' hatte er innerhalb der Religionsgemeinschaft außer seiner Tätigkeit als Ältester einer Versammlung zwar nicht inne ..."

Lässt sich der Betreffende für WTG-Interessen instrumentalisieren, steht auch ihm eine relative Karriere bevor. Ist sein akademischer Grad eher der Art (etwa im Medizinbereich), dass die WTG als solches, nicht von ihm überdurchschnittlich profitieren kann, hält sich diese Karriere eher in überschaubare Grenzen. Denn immer noch werden solche „exotischen Vögel" in der Praxis, mit dem Blickwinkel von schräg unten nach oben links, angesehen. Entscheidendes Kriterium ist nach wie vor, wie nützlich sie denn der WTG sind.

Nun also gab es in den dreissiger Jahren auch einen Dr. jur Mütze.
Wie auch in anderen Fällen, beförderte der damalige deutsche WTG-Häuptling Balzereit, den zu seinen Hofschranzen. Mütze wurde übrigens dann auch noch durch das Naziregime verhaftet. Im Gegensatz zu etlichen anderen „kleinen Fischen" die ein ähnliches Schicksal ereilte, verwandte sich der damals noch in Freiheit befindliche WTG-Funktionär Hans Dollinger, in Form einer Eingabe vom 1. 11. 1935, ausdrücklich und namentlich für ihn.

Dr. Alfred Mütze sei ja nun schon 66 Jahre alt, lässt er die Nazibehörden wissen. Als wenn sich die Nazibehörden durch solcherlei Hinweise „erweichen" ließen.

Die Akten aus der Nazizeit in Sachen Mütze notieren noch:
Zitat

„ ...Besonders aufschlußreich sind in dieser Richtung Briefe, die bei dem Amtsgerichtsrat Dr. Mütze in Dresden beschlagnahmt worden sind ... Aus diesen Briefen der Gesellschaft ergibt sich unzweideutig, daß sie sich ohne Bedenken der Bibelforscher, die mit den Behörden in Konflikt kamen, in intensivster weise angenommen hat."

Damit dürfte schon mal deutlich geworden sein, wie es denn um die Erfolgschancen der Dollinger'schen Eingabe in Sachen Mütze bestellt war.

Auch die heutige WTG kam gelegentlich noch auf diesen Dr. Mütze zu sprechen. Dann aber nur in dem Sinne, dass er herhalten muss für den Vorwurf an die Adresse von Balzereit, einige scharfe WTG-Formulierungen im Deutschen „abgeschwächt" zu haben. Über Mützes's vorgenannten Part indes, verliert die WTG kein Wort.

Zur weiteren Vita des Dr. Mütze kann man etwa bei Jens-Uwe Lahrtz lesen:
Zitat

„Es erfolgte schließlich am 26. September 1935 eine Verurteilung vor dem Sondergericht in Freiberg zu 7 Monaten Gefängnis, auf die 4 Monate der Untersuchungshaft angerechnet wurden. In der Urteilsbegründung verwiesen die Richter am Sondergericht darauf, daß man strafverschärfend berücksichtigt hatte, "(...) daß der Angeklagte (...) seinem Bildungsgrad nach hätte erkennen müssen, daß die Lehre der Ernsten Bibelforscher unsinnig (...) und in ihrer Wirkung staatsfeindlich und volkszersetzend ist" .
Nach der vollständigen Strafverbüßung folgte die Entlassung im Februar 1936, so daß sich Dr. Mütze bis zu diesem Zeitpunkt fast 14 Monate in Untersuchungshaft und Haft befunden hatte, obwohl er zu einem weitaus geringeren Strafmaß verurteilt worden war.
Etwas mehr als zwei Jahre später kam es im April 1938 zur erneuten Verhaftung, nachdem die Gestapoleitstelle Dresden "vertraulich" und von "durchaus glaubwürdiger Seite" in Erfahrung bringen konnte, daß Dr. Mütze verbotene IBV- Flugschriften auf seiner Schreibmaschine vervielfältigt und sich ostentativ nicht an der Volksabstimmung zum 'Anschluß' Österreichs beteiligt hatte.
Beim folgenden Prozeß, wiederum vor dem Freiberger Sondergericht, erfolgte ein Freispruch aufgrund eines ärztlichen Gutachtens.
Die Urteilsbegründung betonte jedoch, daß Dr. Mütze mit einer "unverständlichen Sturheit der Idee der IBV. anhängt".
Auf den Freispruch folgte dann die erneute Schutzhaft auf Antrag der Gestapo. Im polizeilichen Gewahrsam befand sich Dr. Mütze, nun fast im 70. Lebensjahr stehend ..."

Und bei seiner Referierung des Falles Mütze, die verhältnismäßig umfänglich ist, und in der er in einem Punkt - zu Recht - auch dem Dr. Garbe widerspricht.
Garbe hatte als erster - unbelegt - davon gefaselt, dass „Goldene Zeitalter" sei nach 1933 unter Mütze's Auspizien in Prag erschienen. Dazu sage auch ich im Widerspruch zu Garbe.
Garbe möge bitte Belegexemplare eines in Prag gedruckten „Goldenen Zeitalters" beibringen. Ich jedenfalls kenne sie nicht.
Ich weiss nur. In Bern wurde es 1933f. weiter gedruckt.
Von einer eigenständigen Ausgabe in Prag ist mir nichts bekannt. Dankenswerterweise widerspricht auch Jens-Uwe Lahrtz dem Dr. Garbe in diesem Punkt.
Und wie gesagt, umfänglicher als andere, hat Lahrtz den Fall Mütze sicherlich referiert.
Und in diesem Kontext fällt auch bei ihm der durchaus beachtliche Satz:
Zitat

„Weil es aufgrund neuerer Forschungsergebnisse anscheinend ein "erschreckendes, bislang nahezu übersehenes Ausmaß an Denunziationen" gäbe.
Ich würde Lahrtz noch gerne dahingehend ergänzen:
Von der WTG und ihren Apologeten bewusst übersehen ...

Zurückkehrend zu den Anfang dreißiger Jahre
Balzereit fand es nun für angebracht, in einer konkreten Situation, Hofschranze Mütze „an die Front" zu schicken. Was besagen will. Er durfte für einen Artikel des Magdeburger „Goldenen Zeitalters" vom 15. 4. 1930, namentlich zeichnen.

Nicht der Artikel selbst, und seine Ausführungen, sind ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist für GZ-Verhältnisse lediglich die namentliche Unterzeichnung selbigen.
In diesem Artikel bekam wieder mal die Evang. Kirche ihr „Fett weg".

Ich hatte und habe, bezüglich der Anti-ZJ-Apologeten aus kirchlichen Gefilden, keine gute Meinung. Das gilt auch ausdrücklich in diesem Fall. Jene damaligen kirchlichen Apologeten, betrieben nicht selten einen großen Etikettenschwindel. Sie traten zwar als „Männer der Kirche" in Erscheinung. Viel Sachgerechter wäre es indes gewesen, sie hätten ihrem Votum die Überschrift gegeben:

„Hier spricht die Deutschnationale Volkspartei... In Übereinstimmung mit unserem Mäzen Alfred Hugenberg haben wir in der Bibelforschersache das nachfolgende zu verkünden ..."

Schade, eine solche Artikel-Einleitung gab es in der Praxis nicht. Wirklich schade, denn nur sie wäre im eigentlichen Sinne sachgerecht gewesen.
Es ist also unschwer zu erkennen, dass der WTG damit ein „Heimspiel" geliefert wurde, was denn ja auch für den von dem Dr. Mütze unterzeichneten Artikel gilt.

Er sei im nachfolgenden noch kommentarlos vorgestellt:
Zitat

„Der evangelische „Kirchenbote" Dresden- Strießen fördert Rassenhass. Wo immer Rassenhass sich zeigt, wie in Amerika beim Negerhaß der Weißen, im Antisemitismus oder sonst wo, ist er der Beweis des Vorhandenseins eines Minderwertigkeitskomplexes bei denen, die ihn üben. Darum wird auch der Antisemitismus da, wo er sich in der kirchlichen Kreisen zeigt, meistens in schlauer Weise verbrämt, unter nationalen Phrasen oder durch sonstige Heuchelei. Einen Meisterschatz an Vergewaltigung der Wahrheit leiste sich aber in dieser Beziehung der „Kirchenbote für die Versöhnungskirche" in Dresden Strießen in seiner Nummer 3.

Vor einiger Zeit wurde dort in der Dresdener Kirchenecke erst ein Geistlicher wegen Beleidigung der Bibelforscher gerichtlich verurteilt. Daraus hat man gelernt, und erfindet nicht mehr selbst Unwahrheiten, sondern nimmt lieber die Lügen, die ein anderer bereits früher einmal auftischte. Aus einem verlogenen Buch zu zitieren heißt aber, sich damit als auf derselben Stufe stehend zu identifizieren. Der Strießener „Kirchenbote" sagt auch selbst am Schluß seines Schmähartikels, dass die Bibelforscher das im genannten Artikel behauptete als Unwahrheit bezeichnen (und niemand konnte je das Gegenteil beweisen), aber trotzdem druckt er das, wovon er weiß, das es Verleumdung ist. Nebel ihr Herren!

Entweder bodenlose Niedrigkeit oder unverantwortliche Sachunkenntnis lässt den Artikelschreiber durch Zitat einer Reihe aus jedem Zusammenhang herausgerissener Satzteile eine Verbindung zwischen Bibelforschern und russischen Bolschewismus herstellen. Wie verlogen diese Behauptung ist, weiß jeder, der unsere Urteile über Kommunismus im GZ vom 15. Dezember 1929 kennt. Wir zitieren nur zwei Sitze aus der betreffenden Nummer.

Zitat

„Hier liegt die Schwäche des ganzen russischen Systems und hier auch liegt der Beweis, dass der Sowjet-Staat nicht auf Gerechtigkeit und nicht auf Wahrung der Rechte des Menschen stützt, sondern auf Gewalt.
Um dieser Tatsache willen können wir den Kommunismus und dem Sowjet-Staat Russlands voraussagen, dass er untergehen wird und muss, wie alles untergehen wird und muss, dass sich - was auch immer der Beweggrund dazu sein mag - gegen den erhabenen Namen Jehovas erhebt."

Zitat

Wollen die Leser des „Kirchenboten für die Versöhnungskirche" Dresden-Strießen sich die bewusste oder fahrlässiger Irreführung durch diese „Seelsorger" (!) gefallen lassen? Aber nicht genug mit einer Unwahrheit, fügt dieses rühmliche „Kirchen (!) Blatt" die zweite gleich hinzu mit der aus Rassenhass geborenen unwahren Behauptung, es beständen Zusammenhänge zwischen Judentum und Bibelforschern. Wir haben keinen Grund, diese unwahre Behauptung als Beleidigung zu empfinden - denn wir sind der Überzeugung, dass der Jude zumindest ein ebenso hochwertiger Mensch ist, wie der nominelle Christ, aber wir weisen die obigen Unwahrheit des Kirchenblattes zurück, weil sie beabsichtigt unsre Arbeit herabzusetzen, als geschehe sie nicht um des Evangeliums sondern um der Juden willen. Wir haben mit den Juden gar nichts zu tun - ausgenommen, daß ihnen ebenso wie allen Menschen die Wahrheit verkünden. Man beruft sich in dem bewussten Kirchenblattartikel natürlich auch in dieser Sache vorsichtiger Weise auf dieselbe Quelle der Unwahrheit: das Pamphlet von Fetz.

Denn wenn wir uns aber einmal das Buch von Fetz selbst ansehen, so finden wir in ihm nicht nur absolut keine Beweise für irgendwelchen Zusammenhang der Bibelforscher mit den Juden, sondern der Verfasser bittet vielmehr die Leser des Buches um Beibringung von solchen. Er beweist nicht, dass Pastor Russell ein Jude war, sondern sucht - weil ihm das widerlegt worden ist - auszuführen, dass es auf den Geist ankomme, der in ihm gelebt habe. Er beweist durch gar nichts, dass die Bibelforscher im Zusammenhang mit den Juden stehen, sondern schlussfolgert nur, dass die spätere Literatur der Juden aus den Verheißungen des Alten Testaments Folgerungen gezogen habe, die die Bibelforscher zu einem Teile auch zögen. Dies beweist aber gerade, dass die Bibelforscher recht haben, denn wenn Schriftforscher, die in zwei entgegengesetzten Lager stehen (die Grundlage aller Bibelforscherlehren ist Christus, welcher bekanntlich als Erlöser immer noch von den Juden abgelehnt wird), zu denselben Ergebnissen gelangen, so erhöht sich die Gewissheit der Richtigkeit ihrer Ergebnisse ...
Dr. Mütze, Dresden

Erwähnen sollte man auch, dass sich in den Akten der „Apologetischen Centrale" auch ein Vorgang nachweisen lässt, der möglicherweise ähnlich gelagert ist. Er sei nachfolgend noch vorgestellt:
Zitat

Evangel. Pfarramt Hasloch i. K. 1. Mai 1931
An die Apologetische Zentrale
Gegen eine starke, zu Kirchenaustritten führende Agitation der "Ernsten Bibelforscher" hatte ich in meinem Gemeindeboten im Februar einen Artikel geschrieben, zu dem mir jetzt Amtsgerichtsrat Dr. Mütze - Dresden, juristischer Beirat der IVEB schickt, obschon die beanstandeten Stellen in keinem Punkt über Scheurlen, 4. Aufl. hinausgehen.

1) In der Geldgeberfrage hatte ich auf den Prozeß Binkele - Dr. Fehrmann hingewiesen. Ist es möglich, daß ich die Prozeßakten für kurze Zeit zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt bekomme? -
Und ist es richtig, daß jüdisches Geld nirgends nachgewiesen werden konnte?

2) Ist irgend etwas bekannt darüber, wie Russell sein Vermögen erworben hat? Ob durch seine religiöse Schriftstellerei oder unabhängig davon?

3) Zur Frage der Ehescheidung Russells: Kann ich Wachtturm 1907 Nr. 4 und "Pastor C. T. Russell, sein Leben" zur Einsichtnahme haben?
Balzereit behauptet, "daß diese Ehescheidung ihn trotz seiner Schuldigsprechung persönlich nicht belastet und daß dies auch namhafte Gegner erkannt haben. Seine Ehefrau hatte sich in seine Religionsangelegenheiten eingemischt."

4) Schließlich wehrt sich Balzereit gegen den Vorwurf "Weltrevolutionärer Hetze". Hierzu wäre ich für kurze Belassung der Schrift "Freiheit für die Völker" dankbar.
Diese beanstandeten Punkte sind in meinem Artikel natürlich (außer dem ersten) Nebensache.
Da ich die Berichtigung in der Mainummer des Gemeindeboten bringen muß, wäre ich für schelle Erledigung sehr dankbar.
Mit evangelischem Gruß


Antwort: Herrn Pfarrer Köllner, Haslach i. K. Nr.
164,
Zitat

5. Mai 1931
Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Zu Ihrer Angelegenheit mit den Bibelforschern übersenden wir Ihnen vertraulich unsere und unsern Schriftwechsel über den damaligen Prozess nebst einigen andern Sachen, die Sie vielleicht interessieren werden. Wir fügen bei die Schrift "Freiheit für die Völker" http://wtarchive.svhelden.info/archive/de/Publikationen/1927_JR_Freiheit_fuer_die_Voelker.pdf und "Wort und Tat" Heft 11, S. 27 mit dem Aufsatz über dieselbe Angelegenheit.
Die Schrift "Russell sein Leben" ist leider z. Zt. bei uns nicht vorhanden. Wir werden uns aber bemühen, sie so schnell als möglich zu erhalten.

Wir raten Ihnen zu grosser Vorsicht in der Öffentlichkeit, da eben nicht bis zum letzten die Beweise herbeizuschaffen sind.
Wir sind überzeugt, dass finanzielle Zusammenhänge zwischen dem jüdisch-kommunistischen Kapital und den Bibelforschern bestehen. Aber es fehlen wie gesagt die tatsächlichen Unterlagen dafür, die auch wohl kaum zu beschaffen sind.

Nach Einsichtnahme erbitten wir die Sachen möglichst umgehend zurück.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Evangel. Pfarramt Hasloch
15. Mai 1931
Zitat

An die Apologetische Zentrale Spandau
Anbei schicke ich Ihnen Ihre Akten nebst Schriftwechsel eingeschrieben wieder zu mit herzlichem Dank für die freundliche Überlassung.
Die Vertraulichkeit bleibt natürlich streng gewahrt.
Da sie die eigentlichen Prozessakten, von denen es Vervielfältigungen geben soll, nicht mitgeschickt haben, nehme ich an, daß sie nicht in Ihrem Besitz sich befinden. Andernfalls wäre ich für eine Einsichtnahme sehr dankbar -

Unter 3. hatte ich 1. 5. d. J.) außer "Russell, sein Leben", auf das Sie Bezug genommen haben und daß sich inhaltlich decken soll mit "Wachtturm" 1917, Febr. Nr. - vielleicht hätten sie das? - um "Wachtturm" 1907, Nr. 4 gebeten.
Ich hätte mich doch gern persönlich informiert über Russells Ehescheidung. Nicht als ob ich besondere Neigung hätte, gerade darauf abzuheben. Aber ich möchte nicht unsicher bleiben, wo einmal die Diskussion auch diesen Punkt berührt.

- Die 2 Schriften kommen als Päckchen.
Mit evangel. Gruß


Antwort der Apologetischen Centrale an Pfarrer
Köllner in Haslach vom 19. 5. 31
Zitat

Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Wir danken Ihnen für die Rücksendung der Akten über die Bibelforscher und müssen Ihnen leider zu unseren Bedauern mitteilen, daß die Schrift "Russell sein Leben" und die Zeitschrift "Wachtturm" 1917 und 1907 Febr. Nr. vergriffen sind.

Ebenso sind wir nicht im Besitze der Prozeßakten, werden aber versuchen sie zu beschaffen und Ihnen dann alsbald wie möglich zu schicken.
Mit vorzüglicher Hochachtung.


Weiteres zu August Fetz

von Drahbeck - am 20.04.2015 03:33
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