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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 7 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 7 Jahren
Beteiligte Autoren:
Drahbeck

Das politische Plakat als Notnagel.

Startbeitrag von Drahbeck am 06.06.2010 01:17

Ein Erfahrungsbericht
Gerd Rohde

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Re: Rathenow

Sogenannt "eingesandte Briefe" in der CV, besonders dann, wenn sie denn anonym, ohne Namensnenung eines Verfassers sind, der für sie einsteht.
Diese Spezies von "Briefe" muss man in der Tat mit der "Kohlenzange" anfassen.

Die vorgeblichen "Einsender" können sich nämlich in nicht seltenen Fällen als den Amtsstuben der Stasi in der DDR zugehörig entpuppen.
Gründe warum ihnen einer missliebig wurde, kann es viele geben.

Nun bietet die CV 238, solch einen vorgeblich eingesandten Brief.
Mein "Bauchgefühl" sagt mir: Mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Amtsstuben des MfS entstanden.

Da wird also ein Zeuge Jehovas in der Brandenburgischn Stadt Rathenow attackiert.

Unterstellt der Verfasser ist tatsächlich dem MfS zuzuorten, bedeutet dies in Zwangsläufigkeit noch lange nicht, dass alles was ausgeführt wird, "erlogen und erstunken" sei. Auch das ist meine grundsätzliche Meinung dazu.

Insbesondere die abschließenden Sätze jenes "Briefes" bringen einen Tatbestand auf den Punkt, der in den 1960er Jahren in der DDR real war.
Diesen Tatbestand habe ich selbst in meiner Biographie (mit anderen handelnden Personen) erlebt.

Und dieser Schlussatz jenes Briefes lautet:
Zitat

"Auch ist bei ihm ein Bruder, der nicht im Gefängnis war, kein richtiger Bruder. Diese Einstellung vertritt er leider nicht allein, sie herrscht im allgemeinen bei den Zeugen Jehovas vor ..."


Das wäre also mein Kommentar dazu.
Nun ist genug kommentiert werden; und nachfolgend dann noch ein paar unkommentierte Auszüge aus jenem "Brief".

Es steht ja jedem frei seine Meinung dazu zu haben.
Ob den erfunden,
Ob den auf Tatsachen beruhend, oder
Ob denn eine Mischung aus beiden.

Zitat

Ich habe Euren Artikel ... gelesen. Er weckte so mancherlei Erinnerungen in mir, als ich selber noch ein Zeuge war. Dieses Porträt kommt mir sehr bekannt vor, ich glaube, es handelt sich um den Bruder R. aus der Versammlung Rathenow. Er fungiert dort als Versammlungsältester, wurde aber nie von Berlin (Bayernallee) oder von Wiesbaden als solcher offiziell eingesetzt. Man hat ihn im Laufe der Zeit als solchen geduldet.

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, kam er nach Rathenow. Bei einer Besprechung mit dem damaligen Versammlungsaufseher von Rathenow in Berlin, mit Bruder Pohl, wurde deutlich gemacht, daß der Bruder R. der Versammlung Rathenow nur als Hilfe und Beistand gegeben wurde.
Das hatte auch seinen bestimmten Grund, denn zu der damaligen Zeit war es aus Sicherheitsgründen verboten, daß Brüder, die aus dem Gefängnis entlassen waren, keine verantwortliche Funktion in der Versammlung bekleiden durften. Dieser Bruder aber hatte sich im Laufe der Zeit die Funktion des Versammlungsaufseher angeeignet.

Proteste des Kreisdieners, beim damaligen Gebietsdiener in Finow und in Berlin, bei Bruder Pohl, fanden kein Gehör. Man sagte, wenn die Dinge nun einmal so sind, dann sollen sie auch so bleiben.
Als der damalige Kreisdiener dann in den 60ziger Jahren nach Wiesbaden fuhr, sagte ihm Bruder Pohl das gleiche. Aber eine offizielle Ernennung gab es auch danach nicht. Und so wirkt er nun schon viele Jahre.

Viele Brüder haben sich damals gefragt, wie kann Gottes Segen auf einer Versammlung ruhen, in der solche Zustände herrschen. Brüder, die Bruder R. gefährlich werden konnten, hat er aus der Versammlung geekelt. Er hat sie einfach kaltgestellt, oder so deprimiert, daß sie die Versammlung verlassen haben, oder in eine andere Versammlung übergewechselt sind.

Seine Herrschsucht ging soweit, daß er den alten Kreisdiener fast zum Selbstmord trieb. Schwestern, die er gut leiden konnte, brauchten ihm über einen Bruder nur etwas flüstern und ohne mit dem betreffenden Bruder darüber zu reden, wurde er gleich dem Kreisdiener gemeldet. Dann erst kam es zu einer Aussprache.

In viele Familienangelegenheiten, selbst in die intimsten, mischte er sich ein, was auch seine Folgen hatte. Denn die Familien zogen weg, oder trennten sich. Auch ist bei ihm ein Bruder, der nicht im Gefängnis war, kein richtiger Bruder. Diese Einstellung vertritt er leider nicht allein, sie herrscht im allgemeinen bei den Zeugen Jehovas vor ..."


von Drahbeck - am 09.07.2010 23:00

Re:Hört, hört!

Mehr noch als vielleicht in anderen Ländern, besteht in den USA das "Spießbürgermilieu" "Anerkannter" "Spießbürger" kann dort nur sein, wer einer Organisation mit "frommen Augenaufschlag" angehört, und nicht zu vergessen; tatkräftig mit dazu beiträgt, deren Funktionärsschicht finanziell "durchzufüttern".

Wer denn diesen Spielregeln nicht folgt, läuft ziemlich schnell dort (aber eben nicht nur "dort") Gefahr, sich das Stigma der "Geächteten" einzuhandeln.

Auch ein Raymond Franz musste sich einmal mit dieser Sachlage auseinander setzen.
Und siehe da, im Rahmen seiner Korrespondenz bekam er auch einmal einen Brief, welcher ihn wohl veranlasste, seine Position dazu, zu Papier zu bringen.

Die CV 246 zitiert diesen Brief.
Nachstehend dann mal ein paar Passagen, was der "einsame Rufer" Raymond Franz, glaubte auf die ihm gestellten Fragen antworten zu sollen:

Zitat

... Du bittest um Adressen anderer Organisationen gewesener Zeugen Jehovas. In verschiedenen Ländern bestehen viele Aktivitäten ehemaliger Zeugen. Unterschiedliche Leute verließen die Wachtturmgesellschaft aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manche unter ihnen machten wie ein Pendel eine plötzliche Kehrtwendung in Richtung Orthodoxie, und in einer bedauernswerten Tätigkeit manifestieren sie den gleichen Dogmatismus, welcher typisch ist der Wachtturmgesellschaft. Deshalb gebe ich eher Einzelpersonen Unterstützung als einer Bewegung oder Gruppe.

Weiter Franz:
Zitat

Einige gewesene Zeugen lassen sich von der Überzeugung leiten, sie müßten irgendwo hingehören, um das Gefühl einer Persönlichkeit zu haben. Von mir selbst redend, kann ich nur bestätigen, daß ich mich jetzt wirklich frei und ungezwungen in meinen Kontakten zu Menschen verschiedener Glaubensbekenntnisse fühle. Wenn ich so das Verhalten gewesener Zeugen beobachte, wie sich versuchen sich wieder an eine von hunderten Religionen zu binden, empfinde ich nicht das Bedürfnis mich auch irgendeinem Religionssystem zu unterwerfen.

Solch ein Unterwerfen schafft, zumindest bis zu einem gewissen Grade, eine Trennlinie zwischen Menschen, weil man von Natur aus geneigt ist, zu Gunsten des eigenen Systems bzw. der Religion zu wirken, zu Ungunsten anderer.
Ich ziehe es vor, frei zu bleiben von solchen Pflichte und ihrer mehr oder weniger versklavenden Folgen. Es scheint mir, daß ich auf diese Art zu allen Menschen eine gute Beziehung haben kann, ohne das Gefühl der Trennung zu empfinden, welches entsteht, wenn man sich mit gegebenen Religionen verbindet, obwohl man deren Folgen möglichst gering halten möchte.

Solcherlei Voten dürften in den Ohren der konventionellen Religionsindustrie eher schrill klingen.
Weiter im Franz-Votum:
Zitat

Es kommt mir zu Ohren, daß verschiedene versuchen zu zeigen, daß eine Nichtzugehörigkeit zu irgendeiner Religionsgemeinschaft gleichbedeutend ist, sich außerhalb des Leibes Christi zu stellen. Das ist, meines Erachtens auch gleichbedeutend, sich der Gründe zu bedienen, welche auch die Wachtturmgesellschaft einimpft, daß eine Beziehung zu Gott und Christus nur durch Mitgliedschaft in einem System oder einer Organisation möglich ist. Für mich besteht aber kein Zweifel, daß ein Mensch schon dann ein Teil des Leibes Christi wird und sich mit ihm vereint, wenn er ihn im Glauben an seinen Erlöser annimmt und als sein Haupt anerkennt.

Auf diese Weise fühle ich mich verbrüdert mit allen, die einer Beweis solchen Glaubens ablegen, ich bin sicher, daß in jeder Glaubensgemeinschaft ein bestimmter Prozentsatz solcher Treuen vorzufinden ist. Ein großer Teil solcher existiert auch ohne zur genannten Kategorie zu gehören. Spreu mit Weizen vermengt ist in allen verschiedenen Religionssystemen vorzufinden und leider ist selten die Spreu in der Minderheit. Unsere persönliche Verbrüderung mit bestimmten Leuten - ich muß es zugeben - ist nicht groß, wenn es um die Zahl geht, aber diese geringe Zahl befriedigt uns außerordentlich.

Als Detail äußert er noch:
Zitat

Hier im Gebiet von Atlanta knüpften wir Kontakte mit einer Anzahl von Menschen, welche wir vorher nie gekannt hatten und ich bin beeindruckt von Persönlichkeiten inmitten vieler derer, die die Organisation verlassen haben. Und doch kann man sagen, daß es klar ist, daß ein verlassen der Organisation aus der Erkenntnis heraus, daß sie falsch ist, noch keine Verbesserung bringt,. Entscheidend ist der ausschlaggebende Grund, warum es zum Bruch mit der Organisation kam. So ein Wechsel hat größere Wahrscheinlichkeit des Erfolges, um durch Erfahrung Menschen zu helfen. Es bedeutet nicht nur die negativen Seiten zu sehen wie Fehler, wenig wehrhaft christlichen Geist und übermäßig aufgebauschte grundlegende Glaubenselemente, sondern statt dessen erkennen das, was eher verbindet; es bedeutet bemüht zu sein, sich von der Nähe und der beispielgebenden Menschenliebe und Erbarmen des Sohnes Gottes und seines Umgangs mit Menschen, leiten zu lassen.

Höher zu stellen ist eine Frömmigkeit, die sich spontan aus einem Herzen ergibt, das gelenkt wird durch eine Moral, welche durch die Liebe zum Mitmenschen diktiert wird, als durch unzählige Vorschriften und Regeln. Nach meiner Überzeugung muß eine tiefe Wertschätzung für eine wahrhaft persönliche Beziehung zu Gott und seinem Sohne bestehen, ohne die man in einer Art Leere sich befände und ziellos treiben würde. Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß ohne Freiheit des Handelns, gestützt auf Gewissen und Intellekt, niemals eine wahrhaft persönliche Überzeugung vorhanden sein kann.

Ich gebe Dir Adressen von Brüdern in andern Ländern, von denen ich weiß, daß sie sich von einem gesunden ausgeglichenen Geist lenken lassen. Keiner von ihnen gehört einer Organisation an wie auch ich keiner angehöre. Ich gebe die Adressen solcher, mit denen auch ich Briefkontakt habe. ..."


von Drahbeck - am 25.08.2010 22:31

Re:Die DDR-Zeugen Jehovas-Geschichte im Focus

Zwar teile ich nicht alle Interpretationen und Darstellungen, welche die CV 250 bezüglich der DDR-Geschichte der Zeugen Jehovas vornimmt.
Indes sollte man sich vor Pauschalurteilen - in beiden Richtungen - eher hüten.
Auszugsweise mal einige dort zusammengefasste Details (hier etwas gekürzt):


Vor den Schranken der Gerichte der Deutschen Demokratischen Republik wurde in überaus erschreckender Weise deutlich, welcher Zustand durch die jahrelange Einimpfung pseudoreligiöser ... Lehren in vielen ZJ-Köpfen entstanden war. Entsprechende WT-Gerichtsberichte aus jener Zeit geben einen fast makaberen Einblick in das gängige Denkschema einiger damaliger leitender Zeugen.
Zitat

"Nachdem Jehovas Zeugen verurteilt sind, drückten sie in ihren Schlußworten oft rückhaltloses Vertrauen und Zuversicht aus, daß ihr gerechter Lauf durch den höchsten Richter aller, durch Jehova Gott, gerechtfertigt werde, zuversichtlich rief einer aus: 'Wir werden euch überleben, gleichwie wir die Nazi überlebten!'
Ein anderer Angeklagter warnte: 'Ihr habt mich zu zwölf Jahren verurteilt, Jehova aber wird euch für immer verurteilen!' Unter begeistertem Beifall durch die Zuhörerschaft im Gerichtssaal wies ein anderer Zeuge auf den Titel eines der öffentlichen Vorträge hin, den die Zeugen gehalten hatten, und sagte; 'Das Königreich Gottes ist aufgerichtet, und die gerechte Rache von Harmagedon ist nahe - Frau Staatsanwalt, es ist näher, als Sie denken!' ... Als schließlich am Schluß des Prozesses die Angeklagten weggeführt wurden, nachdem sie ihr Urteil erhalten hatten, das auf viele Jahre, ja bis auf lebenslängliche Gefängnisstrafe lautete, bildeten die Zeugen unter den Zuschauern beim Ausgang Spalier und sangen theokratische Abschiedslieder. 'Es war wie bei einer Kreisversammlung', so tönte es vom Munde aller anwesenden Zeugen.".

(Wachtturm Nr. 17/51, Seite 269,270)
Mit dem zeitlichen Abstand von fast vierzig Jahren wird hier auch die haltlose Endzeitverkündigung der WTG beleuchtet. Zwar diente sie der leitenden Körperschaft kurzzeitig für ein ... Märtyrertum; viele der Verurteilten mußten aber später die Unhaltbarkeit solcher Prophezeiungen erkennen.
Nicht zu übersehen sind aber auch die WT-Widersprüche in dieser für einen Zeugen Jehovas damals so bedeutsamen Frage. Behauptet man im WT 3/51 auf Seite 35
Zitat

"... sucht sie (die Polizei) nun gründlich überall nach sämtlichen Mitgliedern dieser so starken Widerstand leistenden Sekte, um sie als solche endgültig zu liquidieren. ... und man muß der Möglichkeit ins Auge blicken, daß, solange die Kommunistenregierung an der Macht ist, alle Zeugen Jehovas in Gefängnisse verschwinden werden."

Dies hätte die WTG sicher gern gesehen. Somit war hier wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Da muß man im WT Nr. 17/51 auf Seite 270 aber zugeben:
Zitat

"Während eines Prozesses in Ch. wurde der Gerichtssaal massenweise mit Jehovas Zeugen überflutet."
Oder:
Zitat

"Unterdessen bildeten die Brüder von E. und Umgebung, die vor dem Gerichtsgebäude und auf den Treppen und in Gängen, auch im Gerichtssaal, waren, Sprechchöre."
Von etwaigen Verhaftungen konnte selbst der sensationshungrige "Wachtturm" nichts berichten.
An diesen Zitaten kann man deutlich erkennen, daß es der WTG in dieser für ihre Anhänger so problematischen Situation nur darauf ankam, die Stimmung weiter anzuheizen. Sowohl die DDR-Behörden wie auch die Zeugen Jehovas sollten zum Äußersten getrieben werden. Vor keiner Verleumdung schreckte der "Wachtturm" zurück: ...
Beklagte die WTG hier noch provokant das angebliche Fehlen einer "gerechten, wirklichen Berufung", zeigt sie ein paar Zeilen weiter selber, daß es ihr in ihrem Wahn, Märtyrer zu schaffen, darauf gar nicht ankam.
Zitat

"Als der Schauprozeß in E. stattfand und die Brüder alle zu vielen Jahren Zuchthaus verurteilt waren, wurde ihnen noch gesagt, sie dürften Berufung einlegen. Da stand der erste Bruder auf, und alle schlossen sich an. Er sagte: Auf Berufung verzichten wir; wir brauchen keine Gnade von Menschen; wir erwarten unsere Gnade von dem höchsten Richter, auf dessen Urteil wir uns heute schon freuen."

Welch grenzenloser Fanatismus wird in diesen Äußerungen deutlich! Der WTG vollends hörig, nutzte sie ihren Einfluß auf ihre Anhänger auf grausame Weise aus. Nicht nur, daß die Brooklyner leitende Körperschaft ihren Haß ... in die Köpfe der Zeugen einhämmerte und sie in Widerspruch zu staatlichen Gesetzen zwang. Gleichzeitig wurden die ZJ nach dem Motto "Bist du nicht willig, dann brauch ich Gewalt" in die vorgeschriebenen WTG-Bahnen gezwungen. Und das liest sich dann so:
Zitat

"Unheil wird über die kommen, die den Weg Jehovas kennen, sich am Tisch des Herrn ernährt haben und dann die Schulter widerspenstig zurückziehen. Ihre Verantwortung ist groß, denn sie sind der Organisation Gottes gegenüber nicht loyal und führen andere in die Illoyalität, hinein."
(Wachtturm Nr. 22/52, Seite 345) Und das "Unheil" wird dann auch im WT Nr. 21/51, Seite 335 näher definiert
Zitat

"Für willentliches Sündigen, wobei Jemand mit offenen Augen die unleugbare Wirksamkeit des heiligen Geistes oder der wirksamen Kraft Gottes sieht, gibt es keine Vergebung, und wir sollten nicht für die Vergebung der Sünden solcher Sünder beten."

Mit nicht weniger als dem "zweiten Tod", d. h., der ewigen Vernichtung, wird dem ZJ gedroht, der sich nicht streng der WTG-Richtlinie unterordnet. Damit aber nicht genug. Das ganze Ausmaß brutaler Unterdrückungsmethoden wird auf Seite 103 des Wachtturms Nr. 7/52 deutlich:
Zitat

"Wenn Harmagedon losbricht, werden alle minderjährigen Kinder, die nicht unter einer solchen 'Familienverdienst'-Vorkehrung stehen, Vernichtung erleiden, ohne die Hoffnung einer Auferstehung zu haben."
(Vgl. auch WT Nr. 13/51, Seite 207.) Mit anderen Worten: Kinder von "ungläubigen" Eltern (geschweige denn von Jenen, die der WT-Organisation den Rücken kehrten) werden in Harmagedon vernichtet. Ein zusätzliches Druckmittel, um einen Zeugen Jehovas "bei der Stange zu halten"!

Im Jahre 1951 wurden von der WTG die Kongresse "Reine Anbetung" veranstaltet. Neben dem deutschen Austragungsort in Frankfurt/Main hatte das an Bedeutung gewinnende "Ostbüro" in Westberlin wiederum "in aller Stille" einen eintägigen Kongreß im "Waldbühnen"-Stadion organisiert.
Zitat

"In bezug auf die Tagung in Berlin war von der Gesellschaft aus keine öffentliche Ankündigung ergangen, um die kommunistische Volkspolizei nicht vorher davon zu benachrichtigen, und so unsere Brüder in der Ostzone in Gefahr zu bringen. Eingeladen waren natürlich nur die Brüder und Berliner Freunde. Dennoch ließ die amerikanische Radiostation RIAS in Berlin an jenem Dienstagmorgen eine Ankündigung ergehen, wodurch die ganze Ostzone ebenfalls unterrichtet war, daß Jehovas Zeugen in der Waldbühne eine Versammlung abhalten würden. Auf jeden Fall ein Zeugnis!"
(Wachtturm Nr. 7/52, Seite 110)
Man stelle sich diese Falschheit einmal vor: Da wurde von der WTG im geheimen ein Kongreß organisiert und DDR-ZJ eingeladen, obgleich man wußte, daß jene bei ihrer Rückkehr mit rechtlichen Konsequenzen in der DDR zu rechnen hatten. Kaum wären die Zeugen Jehovas aber in Westberlin, ließ die WTG durch den "RIAS"-Sender diese Tatsache ausplaudern und schickte dadurch die eigenen "Brüder" und "Schwestern" ins "Feuer". Der Zweigdiener Erich Frost mit seinem Vortrag "Furchtlos bleiben bis zum vollendeten Ende" hatte gut lachen. Flog er doch danach ins sein trautes Bethel-Heim nach Wiesbaden zurück und brauchte sich nicht den DDR-Behörden gegenüber verantworten.
Auf diesem Kongreß gab man die Erweiterung des Wiesbadener Zweigbüros bekannt. Durch die zusätzliche Bereitstellung einer Druckpresse wurde ab 8.1.1953 dort auch der "Erwachet!" in. deutsch gedruckt.

In jenen Jahren bahnte sich eine Tendenz an, die die WTG sehr beunruhigte. Das "Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974" gibt darüber Auskunft:
Zitat

"Es wurde auch eine andere Änderung offenbar. Die Zahl der aktiven Versammlungsverkündiger wuchs weiterhin von Jahr zu Jahr, aber die Zahl der Vollzeitprediger der guten Botschaft hielt nicht schritt, im Gegenteil, 1955 gab es 200 Pioniere weniger als 1950, während es 21.641 Verkündiger mehr gab, fast zweimal soviel wie 1950. Der Tiefstand in dieser Entwicklung wurde 1956 erreicht; während 1950,4,4 Prozent aller Verkündiger im Vollzeitdienst standen, waren es jetzt nur noch 1,6 Prozent."
(Seite 234) Und wo lagen die Ursachen?
Darüber schweigt die WTG. Müßte sie hier doch die Auswirkungen ihrer unchristlichen Endzeitprophetie eingestehen.
Denn in der 1938 erschienenen WTG-Broschüre "Schau den Tatsachen ins Auge" ist zu lesen:
Zitat

"Jonadabe, die jetzt (1938) ans Heiraten denken, würden, wie es scheinen will, besser tun, einige wenige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm Harmagedons vorüber ist ..."
Harmagedon wurde demnach in der Zeitspanne 1939/45 erwartet.
Einen Zeugen Jehovas hatte man zur Geduld erzogen, somit wartete er auch noch ein paar Jahre länger. Aber selbst Anfang der fünfziger Jahre ließ sich ein Harmagedon noch nicht einmal erahnen. Sollte er sich da den wirtschaftlichen und sozialen Risiken eines Vollzeitpredigtdienstes aussetzen?
Natürlich konnte die leitende Körperschaft eine solche Einstellung nicht dulden. Hielten doch gerade die Vollzeitverkündiger (einschließlich der Sonderpioniere) die meisten Heimbibelstudien ab, woraus sich der so dringend benötigte Nachwuchs für die WTG rekrutierte.

BEISPIEL AUS "INFORMATOR" MÄRZ 1955
Monatlicher Felddienstbericht Januar 1955 Quote für Westdeutschland
Nachbesuche Heimbibelstudien (Durchschnitt)
Sonderpioniere 61,9 5,2
Pioniere 39,5 3,8
Versammlungsverkündiger
4,0 0,4
Also begann die WTG, die Zügel straffer zu halten.
Die erste Maßnahme leitete sie am 1. September 1953 ein. Man begann mit einem großen
Zitat

"Von-Haus-zu-Haus-Schulungsprogramm"
, welches jeden Versammlungsverkündiger betraf. Des weiteren wurde jeder Kreisdiener verpflichtet, nach einem regulären Arbeitsplan monatlich mindestens 100 Stunden „Im Dienst von Haus zu Haus, Nachbesuche- und Studientätigkeit inbegriffen", tätig zu sein. Ebenso sollten Bezirksdiener zwei Wochen im Jahr jeden ihrer Kreisdiener begleiten, um deren
Zitat

"Grad der Tüchtigkeit" zu erfahren.
("Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben", Seite 271)
Fortan wurde den Verkündigerzahlen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Nachdem im Dezember 1954 der Versuch, eine um 10 % höhere Verkündigerzahl zu erreichen, scheiterte, ging die WTG aufs Ganze. Großartig kündigte WTG-Präsident Knorr im "Informator" (März 1955) eine neue Broschüre an, die weltweit ab dem 3. April verteilt werden sollte. Die Schrift "Christenheit oder Christentum - was ist 'das Licht der Welt'?" legte den schon bekannten Standpunkt Brooklyns zu diesem Thema dar. Es ging dem Präsidenten auch nicht so sehr um den Inhalt der Broschüre; vor allem sollte eine 20prozentige Höchstzahl an Verkündigern dabei herausspringen.
Zitate aus dem "Informator":
Zitat

"Sämtliche 50.912 Verkündiger (der BRD und Westberlin.), von denen in den - Versammlungskarteien eine Karte vorhanden ist, werden nicht nur ermuntert, im April am Zeugnisgeben teilzunehmen, sondern es wird ihnen auch besonders Hilfe geboten. Verkündiger, die bis zum 10. April noch keinen Bericht haben, erhalten im Einklang mit dem unter der Rubrik 'Eure Dienstversammlung' gesagten Hilfe ... Und woher werden die zusätzlichen Verkündiger kommen? Nun aus den Tausenden von Menschen guten Willens in den über 23.500 verschiedenen Wohnungen, in denen Heimbibelstudien durchgeführt werden!"

Es ging einzig und allein darum, das WTG-Werk weiter anzukurbeln und dabei neue Vollzeitpioniere zu werben. Den Blick richtete man besonders auf die noch "Interessierten"; kannten sie doch das 1939/45-Dilemma aus eigener Anschauung nicht mehr. Das Buch "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" auf Seite 273 bestätigt das hier Geschriebene.
Zitat

"Tausende Neuinteressierte halfen zum erstenmal bei der Verbreitung mit. Demzufolge ergab sich während des Monats April eine neue Höchstzahl von 625 256 Königreichsverkündigern."
(Weltweit.) Keineswegs vergaß man zu erwähnen, daß die Broschüre auch in der DDR verbreitet wurde. - Am Rande dazu noch folgender interessanter Aspekt:
Die Kosten einer Broschüre lagen lt. "Informator" bei 2 Pfennig. - Und weiter:
Zitat

"..., aber in jeder Wohnung geben wir diese neue Broschüre ab, wobei ein freiwilliger Beitrag, seien es 20 Pf oder auch nur 5 Pf, entgegengenommen werden kann."

Und die "uneigennützige Großzügigkeit" der Wachtturm-Gesellschaft spricht . dann im nächsten Satz:
Zitat

"Wenn uns ein Wohnungsinhaber verspricht, die Broschüre zu lesen und sagt, wir dürften wieder vorbeikommen, können wir sie ihm sogar kostenlos überlassen."
Nun möge man mal nachrechnen. 21 Millionen Exemplare wurden gedruckt a 2 Pf = 42 Millionen Pfennig oder 420 000 Mark Druckkosten,
Nehmen wir großzügig an, daß an 6 Millionen Interessenten die Publikationen verschenkt und die 'restlichen 15 Millionen für nur 5 Pfennig verkauft wurden. Dann ergibt dies trotzdem noch einen Verkaufserlös von 750 000 Mark.
Damit war - so ganz nebenbei - die WTG um 330 000 Mark reicher. (1955) Den ZJ aber gaukelte sie im "Informator" vor:
Zitat

"Jehova liebt den Armen und Bedürftigen ebenso wie wir."

STRAFFE ORGANISATION SORGT FÜR UNTERORDNUNG
Mit Wirkung vom 1. September 1955 erhielt das Westberliner "Ostbüro" den Status eines Zweigbüros (Jahrbuch der ZJ 1974, Seite 228). Damit war es unmittelbar für die Anleitung der Zeugen Jehovas in der DDR und den sozialistischen, osteuropäischen Staaten verantwortlich. Auch der illegale Literaturvertrieb und der berüchtigte Devisenschmuggel wurden über dieses Büro abgewickelt. Gleichzeitig sah sich Präsident Knorr gezwungen, sowohl Erich Frost als BRD-Zweigdiener wie auch, Ernst Wauer als Ostbüroleiter abzusetzen. Während Konrad Franke neuer Chef in Wiesbaden wurde, setzte Brooklyn den Deutsch-Amerikaner Will Charles Pohl als Zweigdiener in Westberlin ein.
Um auch die Zweigbüros einer strengeren Kontrolle zu unterziehen, wurde von Brooklyn 1956 die Erde in zehn Zonen unterteilt, die von Zonenaufsehern "betreut" wurden (WT 15. Juni 1956. Seite 360). Im selben Jahr nahm man auch eine Neuorganisierung des illegalen Apparates in der DDR vor.
Zitat

"Danach wurden die bisherigen Bezeichnungen der Dienstämter der Zeugen Jehovas, wie Gruppendiener und Hilfsgruppendiener, aufgehoben und durch Tarnbezeichnungen ersetzt.
Gleichzeitig erfolgte eine Zusammenfassung in Ortsgebieten, denen Ortsgebietsdiener vorgesetzt wurden. Die Versammlungen erhielten neue Schlüsselnummern, unter denen sie Berichte und lnformationen zu liefern hatten. Auch die monatliche Berichterstattung wurde nach einem neuen Verschlüsselungssystem vorgenommen"
.

von Drahbeck - am 30.08.2010 00:58

Re: Erinnerungen von Hermann Balz

Gelesen in der "Christlichen Verantwortung" Nr. 252 vom Juli 1990
Einleitend vermerkt der Berichterstatter:
Zitat

"Wer Jahrzehnte in der WTG gewesen ist und ihr geglaubt hat, der hat in jedem Fall einen großen Schaden davongetragen. Hier rede ich aus Erfahrung und führe deshalb meinen eigenen Lebensbericht an."

Im einzelnen führt er dann aus:
Zitat

"Ich war erst 19 Jahre alt, als ich 1934 durch die Nazis aus meinem Dienstverhältnis beim Kulturamt Frankenberg, Hessen, entlassen wurde.
Als damaliger ernster Bibelforscher war ich fest davon überzeugt, daß die WTG im Namen Gottes das Ende der Welt richtig vorausgesagt habe.
In dieser Siegesgewißheit zerriß ich die mir ausgehändigte Angest.-Vers.-Karte und warf sie vor den Augen des Büropersonals in den Papierkorb.
Mein eigener Vater aber ging zur Polizei und meldete ihnen, daß ich die Versammlungen der Bibelforscher besuchte. Und so wurde ich während einer privaten Zusammenkunft von der Polizei aus dem Haue geholt und davongejagt. Zum Verhaften reichte es damals noch nicht aus, weil das offizielle Verbot der WTG noch nicht bekannt gemacht worden war.
Doch der eigene Vater drohte mir, mich tot zu schlagen, wenn ich weiter zu den Bibelforschern gehen würde. Und da ich obendrein eine böse Stiefmutter hatte, mußte ich aus dem Elternhaus die Flucht ergreifen.

Sein Bericht geht weiter mit dem Detail:
Zitat

Zum Glück kannte ich eine junge Glaubensschwester, bei deren Eltern ich eine Unterkunft fand. Hier wohne ich auch heute noch, denn wir haben etwas später geheiratet. Doch ehe wir unsere Ehe öffentlich schließen konnten, wurde ich wegen Verbreitung biblischer Schriften und wegen Militärdienstverweigerung verhaftet und eingesperrt. Man brachte mich in das Untersuchungsgefängnis nach Kassel. Kurz entschlossen nahm meine Frau zwei Trauzeugen und den Standesbeamten mit ins Gefängnis, wo wir dann standesamtlich getraut wurden.

Meine Frau kam etwas später ins Gefängnis, zuerst nach Frankfurt, und von dort nach Würzburg, während man mich in ein Gefangenen-Straflager nach Norddeutschland verfrachtete.
Nach etwa 18 Monaten wurde ich entlassen, kam aber kurz darauf in eine Militär-Sonderabteilung nach Grafenwöhr.
Meine Frau mußte eine neunmonatige Strafe verbüßen, war aber nach ihrer Entlassung zu Hause nicht mehr vor dem Naziterror sicher. Darum stellte, ich einen Antrag bei der Militärbehörde, und bat um Versetzung zur regulären Truppe. Der Antrag wurde genehmigt, und ich wurde nach Marburg/Lahn versetzt. Dort meldete ich mich zum Spielmannszug, um nicht an der Waffe dienen zu müssen. Nun hatte ich die Gelegenheit, für meine Frau und Söhnchen in Marburg eine Wohnung zu mieten, weil wir dort unbekannt waren. Dort hat meine Familie den Krieg ohne Naziterror überlebt.

Ich selbst überlebte den Krieg zuerst als Melder, später als Funker und Fernsprecher, und konnte mich kurz vor Ende des Krieges unbemerkt nach Hause schleichen. Das erzählt sich heute alles sehr leicht. Aber damals, wenn Gott nicht mit uns gewesen wäre, so hätten weder ich, noch meine Familie diese Zeit überlebt. ...

Zur Zeit nach 1945 überleitend erfährt man:
Zitat

Mit dem Ende des Krieges kam auch der Neubeginn der Wachtturm-Versammlungen. Ich half beim Aufbau von 3 Versammlungen, damals Gruppen genannt. Doch schon bald erkannten meine Frau und ich, daß wir die Bibel anders verstanden, als die Wachtturm-Oberen. Aber auch diese waren hellhörig genug zu erkennen, daß wir uns allein auf die Bibel beriefen und nicht zuerst auf den WT. Und so versuchte man schon gegen Ende der vierziger Jahre, uns aus der Versammlung, und sogar aus dem angestammten Wohnort meiner Frau zu drücken.

Was wir damals noch nicht merkten war dies, daß es in Wirklichkeit die falschen WT-Lehren waren, welche die Spannungen hervorrufen mußten. So nahmen wir an, die Schwierigkeiten wären nur örtlicher Natur. Und in der Tat wurden wir in einen Erbbetrug verwickelt, ausgelöst von dem Bruder meiner Frau. Dieser zog sich von 1950 bis 1974 hin.
Auch hier versuchten wir, nicht vor Gericht zu gehen, sondern nach der Anweisung der Bibel ... zu handeln. Die Zweigbüros der WTG waren damals angewiesen, für solche Fälle Rechtskomitees zu entsenden. Diese Komitees vom Zweigbüro Wiesbaden versuchten aber wieder, anstatt das biblische Recht zu suchen, uns aus der Versammlung zu drücken. Aber sie fanden lange keine Handhabe, nur verriet mir der Bezirksdiener Rachuba in seinem Zorn, daß wir beide in Brooklyn auf der schwarzen Liste stünden.

Und seine Erfahrungen zusammenfassend kommentierend meint er dann:
Zitat

Und so mutet denn auch der Schluß dieser Szenerie wie der Rat Bileams an, dem es auch nicht möglich war, das Volk Israel zu verfluchen. Darum gab er dem König von Moab den Rat, dem Volk Israel einen Fallstrick zu legen.
Das Rechtskomitee von Wiesbaden sprach nach 24 Jahren Verhandlung den Bruder meiner Frau schuldig und uns frei.
Danach aber klagte uns das örtliche Komitee erneut an: Wir hätten lieblos gegen den Bruder gehandelt, und schloß uns 1975 aus der WT-Organisation aus.

Nun zeigte auch das Zweigbüro von Wiesbaden sein wahres Gesicht, indem es den Ausschluß bestätigte und nicht mehr bereit war, mit uns zu sprechen.

Einen wesentlichen Fakt kann man wohl auch in der Aussage sehen:
Zitat

Kehren wir jetzt noch einmal zum Anfang zurück, weil die WTG behauptet: "Da hast doch keinen Schaden gehabt, sondern doch einen Nutzen!"... Hier könnte man schreien vor Zorn, wenn man so etwas liest. Es ist doch nicht genug damit, daß man auf Grund der falschen WT-Endzeitprophezeiungen während der ganzen Nazizeit in steter Gefahr war, sondern auch der materielle Schaden ist ungeheuerlich groß gewesen.
Bis 1950 stellte ich mich weiter der WTG zur Verfügung, ohne mich um einen beruflichen Neuanfang zu kümmern. Es wurde uns ja eingetrichtert, daß das Ende der Welt jetzt ganz nahe vor der Türe stände. Also warum noch Sorgen machen für eine Altersversorgung? Ich übernahm Vertreter-Tätigkeiten ohne Versicherungsschutz, bis mir dann am Ende der fünfziger Jahre doch Zweifel kamen. Aber meinen erlernten Beruf hatte ich längst verloren. Und 1979 war meine Arbeitszeit zu Ende, und jetzt fehlten mir für meine Altersversorgung 26 Arbeitsjahre, und das nur deshalb, weil da das Ende der Welt die ganzen Jahrzehnte immer ganz nahe war. Und jetzt fehlte auch meine 1934 zerrissene Angest.-Vers.-Karte. Hieß es doch jetzt, den Nachweis zu erbringen, daß damals überhaupt ein versicherungspflichtiges Verhältnis bestanden hat.

Gewiß, es waren noch einige alte Bibelforscher da, die alles genau wußten und auch hätten bezeugen können. Aber ich war ja ausgeschlossen, und nach WT-Lehre dem Satan zur Vernichtung übergeben worden. Niemand von Ihnen würde es wagen, dieses Tabu zu brechen.

Trotzdem wandte ich mich an den Bruder, der mir im Alter von 18 Jahren die WT-Lehren beigebracht hatte, und der mir immer gut gesonnen gewesen war. Ich sprach zu ihm:

"Heinrich, ich brauche heute mal Deine Hilfe. Ich muß vor dem Sozialgericht durch zwei Zeugen den Nachweis erbringen, daß ich als Bibelforscher 1934 aus meinem Beruf entlassen worden bin. Du hast damals ja alles miterlebt und kennst den ganzen Werdelauf, und ich bitte Dich, mir das schriftlich zu bestätigen."

Seine Antwort:
"Woher soll ich wissen, warum Du damals aus Deinem Beruf entlassen worden bist?
Vielleicht biet Du kriminell gewesen?"
Bei dieser Antwort meinte ich, daß mich der Schlag getroffen hätte. Das war nun der liebe Bruder, der mich bis zu meiner Amtsentlassung in der Bibel und dem Wachtturm unterwiesen hatte, und wo ich täglich ein und aus gegangen war. Da brauchte ich zu den anderen ehemaligen lieben Brüdern gar nicht hinzugehen, denn die hätten mich noch nicht einmal ins Haus gelassen, geschweige denn mit mir gesprochen.

Aber dieser genannte Bruder Heinrich hatte noch einen leiblichen Bruder, der kein Bibelforscher geworden war. Aber er wohnte jetzt in Bad Herzfeld. Doch als ich ihn anrief sprach er sogleich:
"Gewiß, Hermann, Ich weiß noch alles, als ob es gestern gewesen wäre, und ich werde Dir heute noch die gewünschte Bescheinigung ausfertigen und durch die Post zusenden."

Der zweite Zeuge, den ich fand, war unser ehemaliger Nazi-Bürgermeister; der sich trotz seiner 90 Jahre noch sehr genau erinnerte, denn er trug damals eine große Schuld an meiner Entlassung.
Jetzt aber, wo es galt, dieses zu bescheinigen, war er auch bereit, seine eigene Schuld einzusehen.
So waren es keine Wachtturmbürger, sondern Menschen aus der alltäglichen Welt, die mich in dieser Lage nicht allein ließen. ...

Ich habe mir noch eine kleine Rente erstreiten können, und der Staat hat die mir angetane Verfolgungszeit voll in meine Rente mit einbezogen.
Aber die WTG distanziert sich von allen Schaden, den sie heute noch am laufenden Band produziert. Sie läßt den Staat, den sie für Satans Werk erklärt, für den eigenen angerichteten Schaden zahlen, und kassiert weiter jährlich ungeheure Millionenbeträge steuerfrei unter dem Privileg der "Gemeinnützigkeit". ...


von Drahbeck - am 11.12.2010 01:23

Re: "Das Herz bei der Zentrale abgeliefert"

Zitat

"Manchmal hat man den Eindruck, als ob manche Geschwister ihr Herz bei der Zentrale in Brooklyn abgeliefert hätten und dort ist es mit eingestampft worden."

Dies der Schlusssatz eines Berichtes in der CV 255.
Deren Autorin wird in ihrem Selbstverständnis sicherlich nicht den Anspruch haben, "große Literatur" verfasst zu haben. Sicherlich nicht.
Aber sie gewährt in relativ einfachen Worten, dem Leser als "Geschichtsschreibung von unten", einen Einblick, wie sie die WTG-Religion in ihrer konkreten Situation wahrnahm.

Zwei Erläuterungen noch zu Begriffen, die mit in dem Bericht vorkommen, und mit denen Leser ohne DDR-Sozialisation, nichts rechtes anzufangen wissen.
Politik der DDR war die Verstaatlichung aller Betriebe. In den ersten DDR-Jahren blieben von dieser Verstaatlichungswelle noch relativ kleinere Betriebe verschont.
Auch das sollte sich noch ändern. Die relativ kleineren Betriebe, wurden in späteren Jahren unter durchaus massiven Druck genötigt bzw. gezwungen, sich zu sogenannten "Produktionsgenossenschaften des Handwerks" (abgekürzt PGH) zusammen zuschließen. In denen indes bestimmte schon mal der DDR-Staat, wer deren Managmentposten wahrnahm. Das konnte durchaus ein früherer selbständiger Unternehmer sein, der sich nun in besagter PGH wiederfand, musste es aber nicht sein.
Das sagen hatte nunmehr der DDR-Staat, nicht aber primär die früheren Unternehmer.
Das hing dann im Einzelfall auch sehr vom DDR-konformen Verhalten jener ab, die da zu PGH's zusammengeschlossen wurden.

Dennoch hatte der jeweilige Vorstand einer solchen PGH, wenn sie dann etabliert war, vielfach einen größeren wirtschaftlicheren Spielraum, als wie vergleichsweise die großen staatlichen Betriebe, welche etliche Jahre vorher schon verstaatlicht waren.

Gelang es dem Vorstand einer PGH wirtschaftlich effizient zu arbeiten, war nicht selten das Ergebnis, dass die PGH-Mitglieder einen höheren Verdienst erzielten, als wie etwa vergleichbare Beschäftigte in staatlichen Betrieben.
Auch dem DDR-Staat war dieser einigen Neid erzeugende Umstand durchaus bewusst. Er reagierte darauf dergestalt, dass es Beschäftigten aus staatlichen Betrieben in der Regel nicht möglich war, in eine PGH überzuwechseln.

Dann noch das vorkommende Stichwort "Haushaltstag".
Das war quasi ein monatlicher bezahlter freier Tag, der denjenigen zustand, welche die Hürden zu seiner Bewilligung gemeistert hatte.
In den großen staatlichen Betrieben, gingen diese Kosten mit in die allgemeine Kalkulation ein.
Nun, im Einzelfall hatten auch Angehörige von PGH's einen solchen Anspruch.

Im nachfolgenden Bericht ist auch davon die Rede. Offenbar wähnte der fragliche PGH-Vorstand, durch die Gewährung jenes Haushaltstages, wird die eigene Gewinnmarge eingeschränkt.
Das als Erläuterung.
Nun noch der genannte Bericht aus der CV 255
Zitat

FRAUEN UNTER DER WACHTTURMGESELLSCHAFT
... da sollte ich meine eigenen Erfahrungen nicht verschweigen. Aber zu Lebzeiten meines ehemaligen Chefs und Hauptbuchhalters H. St. und gleichzeitig meines Ältesten in der Versammlung wollte ich es nicht tun.
Kurz will ich meine Familienverhältnisse schildern und meine Pflichten als Frau. Wenn ich auch unverheiratet bin, so hatte ich doch auch meine Belastungen zu tragen. Sie waren so, daß ich mir eine Familie zusätzlich nicht noch hätte leisten können. Meine Mutter war nervenkrank und viele Jahre blind bis zu ihrem Tode. Meine Eltern lebten getrennt. Außerdem war ich die einzige aus der Gruppe, die nicht in der Stadt, wo sie arbeitete, auch wohnte. Jeden Tag mußte ich 24 km mit Hin- und Rückfahrt bewältigen.

In dieser Zeit hätte ich viel Dienst tun können. Dann haben wir ein großes Grundstück, das war sehr runter, da haben wir viel bauen müssen, das kostete auch viel Zeit. Ich bin in der Firma Finanzbuchhalter. Meine Mutter war erst Blindenstufe II und später III. Da ich auch oft mit meiner Mutter als Begleitperson zum Arzt gehen mußte, besorgte ich mir ein Attest. Das Attest wurde vom Betrieb nicht anerkannt. Bruder St. warf mir als Begründung vor: So hilflos könnte meine Mutter nicht sein, da sie ja; mit mir in den Urlaub fahren würde.
Als ich ihm sagte, daß ja die anderen Atteste, die die Lehrlinge und andere brachten, auch nicht anders aussehen würden, bekam ich die Antwort: Wegen mir würde man da nicht erst Vergleiche anstellen. Ich habe mich dann an die Handwerkskammer gewandt und bekam den Haushaltstag.

In der Zwischenzeit hatte ich während einer Zusammenkunft bei einer Schwester mal dem Bruder St. gesagt, daß er doch auch lügt, obwohl er immer so vornehm tut. Es kam zu einer Aussprache, weil ich ja einen Bruder beleidigt hatte. Ja, und was stellte ich fest. Bruder St. hatte das Vorstandsbuch aus der PGH (unserem Betrieb) mit und da stand drin, daß ich den Haushaltstag gemäß ärztlichem Attest bekommen hatte.
Das war Ende 1969. Erhalten hatte ich ihn erst 1970 über die HK Dresden. Man hatte von auswärts noch 4 Brüder besorgt, damit ich mundtot gemacht würde.

Ja, ich stand als Lügnerin da, denn im Vorstandsbuch stand ja schwarz auf weiß, daß ich den Haushaltstag ohne weiteres bekommen hatte. Erst kurz am Ende konnte ich mal mit meiner Aussage durchdringen, daß das ja gar nicht wahr war, was im Vorstandsbuch stand. Ich habe dann über ein Jahr die WTG gemieden, und weil es zu keiner weiteren Aussprache kam, und ich in eine andere Gruppe gehen wollte und nicht zu dieser Gruppe, wo die örtlichen Brüder (E. und L. - sind jetzt auch raus -) mit als Rechtsanwälte der Vorstandsbuchlüge auftraten, obwohl sie den Sachverhalt gar nicht beurteilen konnten, Sie glaubten damals auch noch an die Unfehlbarkeit der Wachtturmpäpste.

Nun frage ich: wie sollte ich als Frau in der WTG alles schaffen. Meine Mutter hatte ich doch auch noch finanziell zu unterstützen, also mußte ich auch voll arbeiten gehen. Herzkrank bin und war ich auch damals und mußte wegen einer Arthrosie deformans und Rheuma viele physiotherapeutische Behandlungen nehmen, die viel Zeit, kosteten.
Einige Jahre ging es noch ganz gut, aber als dann meine Mutter vor ihrem Tode hilfsbedürftiger wurde, bekam ich beim Studium und bei der Abhandlung der Früchte des Geistes und der wahren christlichen Eigenschaften; und all dieser "schönen Worte", deren sich die WTG immer im ausreichenden Maße bedient, Giftspritzen (nicht von allen Geschwistern). "Die ihre Versammlungen versäumen und die nur aus Egoismus reingegangen sind usw., die werden ihre Strafe kriegen."

Da kamen auch viele (ZJ)-Urlauber zu mir, die mit der Schwester Elfriede in der Haft waren. Die setzten mir noch zu über mein untheokratisches Verhalten. Manche waren gar nicht berufstätig und ließen sich von ihren Ehemann ernähren.

Die konnten es besonders gut einschätzen und viel Dienst machen und in die Zusammenkünfte gehen. [Hervorhebung redaktionell, nicht im Original]
Zitat

Der Bruder St. war in dieser Hinsicht verständnisvoll. Er hat mich nie zum Dienst oder zu irgendwas angetrieben, das muß ich ihm trotzdem lassen.
Da sollen nun die Geschwister nicht heiraten, ja aber, weil sie dann sich mehr dem Herrn widmen könnten. Aber alle Leute haben doch Eltern und Verwandte, die hinfällig werden im Alter. Und wenn sie dann selbst alt sind und niemand haben, dann landen sie oft im Heim, denn ein Zeuge soll ja der WTG dienen und nicht der Familie.
Manchmal hat man den Eindruck, als ob manche Geschwister ihr Herz bei der Zentrale in Brooklyn abgeliefert hätten und dort ist es mit eingestampft worden.
- M.St.-


von Drahbeck - am 11.01.2011 00:40

Unerwartet an einem Freitag

Da gab es im Jahre 2003 im Internet mal eine "erschröckliche" Story, die betitelt war:
"Wie die Zeugen Jehovas meinen Hund beklauten"
Wohl nicht mehr auf der Ursprungs-URL, dafür aber andernorts, ist jene Geschichte heute noch greifbar.
Siehe etwa:
www.fachwerk.de/wissen/hund-knochen-10239.html
Man mag zu dem dort geschilderten stehen wie man will.
Man kann es als "naturalistisch" wiedergegeben oder auch als "an den Haaren herbeigezogen" bewerten.
Indes sei daran erinnert, dass dem vernehmen nach, die Berufssparte der Briefträger, namentlich in ländlichen Gebieten, gelegentlich auch schon mal Bekanntschaft mit Hunden machten; und das diese Bekanntschaften für die Briefträger, nicht immer einen erfreulichen Ausgang nahmen.
Aber wie gesagt, es mag jedem überlassen sein, welche Variante der Erklärung, er bei solcherlei Geschichten den Vorzug gibt.
Unwillkürlich drängte sich mir die Erinnerung an die "Hundestory" beim lesen eines Berichtes in der CV Nr. 261 wieder auf.

Auch zu dieser "Story" die grundsätzliche Feststellung.
Es mag jedem überlassen sein, welchem Urteil - so oder so - er da den Vorzug geben mag.
Damit mag diese Vorrede ihr Ende haben, und nun "Manege auf" zur Geschichte mit dem Titel: "Unerwartet an einem Freitag ..."

Es ist 11 Uhr, ich habe alle Hände voll zu tun. Gerade bin ich dabei, das Mittagessen vorzubereiten. Es läutet an der Tür, schnell die Kochplatten abstellen aus Vorsicht vor dem Überkochen. Neugierig wie man eben ist, denke ich auf dem Weg zur Tür, wer stört mich jetzt mal wieder? - Tür auf und was sehen meine Augen? Sie sind wieder mal da, die Zeugen Jehovas. Zwei alte Omachen, nette Frauchen sind es.
Zuerst wollte ich sehr unwirsch sie zurechtweisen, daß man eine Hausfrau, die beinahe 10 Leute zu bekochen hat, nicht um 11 Uhr vormittags zu einem religiösen Gespräch auffordert.
Na ja, so kam es, daß mir ein Späßchen doch sehr angebracht wäre, um die Weibchen loszuwerden. Ich kannte die Frauen vom sehen, sie wohnen in unserem Ort. Somit also sagte ich sehr freundlich, eigentlich auch weil sie mir leid taten, denn fast von jeder Tür werden sie gewiesen: Kommen sie nur herein, ich bin zwar mitten bei der Kocherei, aber nicht abgeneigt, ihnen zuzuhören. Natürlich können wir das nur in der Küche, damit ich nebenbei meine Arbeit verrichte.
Strahlendes Lächeln ging über beide Gesichter. Ich muß sagen, daß die eine Emmi heißt, sie war die Ältere, 81 Jahre alt, wie sich nachher herausstellte, sie gefiel mir auf den ersten Blick und ich dachte, was ist es, was die Frau, diese unscheinbare, mit Falten übersäte Frau so anziehend machte? - Heute weiß ich es wohl, es waren ihre sagenhaft blauen Augen, die so strahlend waren und soviel Güte ausstrahlten.
Also traten die beiden ein bißchen schüchtern ein und mit viel entschuldigen sie, und nicht lange usw.
So sagte ich: "Hören sie auf mit dem Entschuldigungsgelaber, hocken sie sich hin und sagen sie mir, was so wichtig ist mit ihrem Jehova."
Ich stellte meinen Kartoffeltopf auf den Tisch, setzte mich zu den zwei Weibchen und sie fingen an, mir vom Weltuntergang zu erzählen und daß ich auch ein Zeuge Jehovas werden sollte, damit ich gerettet werde usw.
Ich hörte zu und die Weibchen wurden immer eifriger. Ich holte zwei Teller und zwei Messer und legte diese auf den Tisch und sagte ganz freundlich: Eine Hand wäscht die andere, während wir hier erzählen, oder vielmehr sie mir erzählen, was ich eigentlich schon weiß, helfen sie mir die Kartoffeln zu schälen und rädeln, das gibt Kartoffelsalat und ich kann den Fisch präparieren und panieren, so habe ich mein Essen fertig und trotz des langen Gespräches noch rechtzeitig auf dem Tisch.
Verwirrt schauten die beiden sich an und schickten sich an, aufzustehen.
Da habe ich aber nicht mitgespielt.
Bleiben sie da bitte, habe ich gesagt. Es ist wirklich interessant, was sie alles wissen und aus ihrem Buch mir für Sprüche vorlesen. Sie sind herzlichst eingeladen mitzuessen, vielleicht beim Gespräch am Mittagstisch lernen sie noch 8 Personen kennen. Sie zierten sich und trutzten herum, bis ich dann sagte: Sag mal, Emmi, können sie als Schwäbin keinen Kartoffelsalat machen? Oh, da war es passiert. Nein, nein, das ist es nicht, aber wir können das doch nicht annehmen, die Einladung zum Essen. Da sagte ich ganz trocken: Meine lieben Frauchen, jetzt hören sie mal, was mein Evangelium ist - Wer nicht arbeitet, braucht auch nicht zu essen; da sie mir aber jetzt helfen werden, haben sie die Einladung verdient.
Sie waren so von mir überfahren worden.
Sie konnten einfach nicht anders, zumal meine Fischsuppe so gut duftete, daß es durch das ganze Haus zog und ich sah in die strahlenden gütigen blauen Äuglein von der Alten und es war geschehen, sie blieben da.
Damit begann eine Verbindung, die ganz das Gegenteil bewirkte, als es gedacht war.
Ich wurde kein Zeuge Jehovas, aber sie wurden mein Anhängsel, sie kamen jeden Freitag und haben mir geholfen, ohne daß sie das je wollten.
Ich redete mit ihnen und brachte ihnen meine Sprüche bei, die alles andere als christlich waren. Sie hatten so einen Spaß noch an ihrem Leben und die alte 81jährige hat kurz vor ihrem Tod noch das Testament geändert. - Sie wollte in ihrer letzten Stunde mich am Bett haben und meine Hand halten. Sie sagte mir: Ich habe 40 Jahre nichts getan, nur dagestanden und versucht, den Wachtturm zu verkaufen. Ich glaube, ich muß nochmal kommen auf diese Welt, um vieles nachzuholen, was ich versäumt habe.
Sie sagte, ich danke Gott, daß er dich geschickt hat um mir die Augen zu öffnen. Das wahren ihre letzten Worte. Der auch anwesende "Jehova-Bruder" mit seinem scheinheiligen Gehabe hat beinahe seinen polierten Heiligenschein verloren vor lauter Wut und sagte, diese Frau wurde vom Teufel verführt.
Ich sagte: klar, da haben sie recht, weil jetzt das Vermögen der Alten für sie beim Teufel ist. Sie hatte alles den Kindern ihrer Schwester vermacht, mit der sie ein Leben lang verkracht war wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas. ...

von Drahbeck - am 29.01.2011 23:08

Eiskalt!

Die CV 262 (1992) zitiert aus dem 1948er ZJ-Jahrbuch mit dem "Bericht über das Dienstjahr 1947"
Eines wird wieder mal deutlich. Man hat es bei der WTG mit eiskalten Strategen zu tun.
Wer je eine andere Einschätzung selbiger haben sollte, täte in seinem eigenen Interesse gut daran, diese zu revidieren.
In besagtem Jahrbuch meint die WTG sich wie folgt verbreiten zu sollen:
Zitat

"Eine besondere Fügung des Herrn wird erkannt in der Evakuierung unserer Geschwister, welche die Ostprovinzen verlassen mußten, als die Polen diese besetzten. Viele Hunderte aus Schlesien und Ost- und Westpreußen verließen ihre Heimat und kamen nach den Westzonen. Telegramme um Ratschläge wurden von solchen Bedauernswerten, welche um ihr ganzes Hab und Gut gebracht worden waren, an die Büros der Gesellschaft gesandt. Einige äußerten Wünsche, möglichst geschlossen angesiedelt zu werden. Vom Büro wurde ihnen mitgeteilt, sie möchten dem Herrn vertrauen und ihre Ansiedlung völlig den Behörden überlassen. Sicher werde nichts ohne die Führung des Herrn geschehen, welcher ihr Los in der gleichen Weise zu gestalten vermag wie in den Tagen der Urkirche, als 'die Zerstreuten umhergingen und das Wort verkündigten'.

So geschah es denn auch, daß die meisten dieser Geschwister in der englischen Zone, und zwar dort in den schwärzesten katholischen Gegenden angesiedelt wurden. Sie begannen, von Haus zu Haus zu gehen, machten Nachbesuche und Heimbuchstudien, und nun formt sich Gruppe auf Gruppe in diesen weiten Gegenden, in welche seit Menschengedenken kein Lichtstrahl göttlicher Wahrheit drang. Mehr als 1500 solcher treuer Zeugen des Herrn wurden allein aus Schlesien in diese stockkatholischen Landstriche gebracht
.
Dazu kommentiert die WTG:
Zitat

Dort scheuchten sie nun als die Lichtträger des Königreiches die von der Hierarchie in den vergangenen Zeiten geschaffenen Nester auf und stören damit auch die Mönchlein und Pfäfflein in ihrem Schlummer. Deren Wehgeschrei kommt selbst den eifrigsten Kirchenanhängern schon verdächtig vor. Einst wurde einer dieser "Seelsorger" gerufen, um einem Großmütterchen irgendwo in einer Familie die "letzte Ölung" zu verabfolgen. Er kam jedoch nicht. Nachdem das Mütterlein gestorben war, protestierten die Angehörigen. Der Pfarrer erklärte wehklagend, daß die Bibelforscher einen Vortrag halten wollten, den er unbedingt verhindern mußte, und dabei habe er leider im "Amtseifer" diese seine Amtspflicht vergessen"

Das erinnert dann wohl auch an die skandalösen Vorgänge im Bulgarien des Jahres 2011.
Wirkungen haben auch eine Ursache.
Das Ursachengestrüpp mag in der Tat vielfältig sein. Da spielen politische - und nicht zuletzt - auch wirtschaftliche Ursachen mit hinein. Wohin es führt, wird dieser Frust durch Demagogen kanalisiert, sieht man in Bulgarien.
"Verständnis" über die Zeugen Jehovas-Ideologie dürfte wohl kaum einem der dortigen Täter zuzubilligen sein.
Den konnte man wohl ebenfalls kaum dem Ku Klux Clan in den Südstaaten der USA zubilligen. Dennoch kanalisierte sich der dortige Hass zu Terrorattacken des buchstäblichen "Teerens und Federn" der Opfer.
Es wurde darauf hingewiesen, auch in der seinerzeitigen DDR gab es subtile Ausländerfeindlichkeit, etwa gegen Vietnamesen und Polen. Das ist wohl nicht zu bestreiten.
Insoweit ist die latente Gefahr der Ausländerfeindlichkeit (auch der ideologischen) weltweit nachweisbar.
Erreicht die indes den Status des "Türen eintretens" wie in Bulgarien, ist der Toleranzschwelle über angestauten Missmut, bei weitem überschritten.
Die werden möglicherweise ihren Frust in genauso aggressiver Weise etwa gegen Sinti und Roma entladen. Entsprechende Meldungen aus den Balkanstaaten gab es ja schon.
Schlimm für die Opfer - in beiden Fällen.
Hält einer Opfergruppe nichts davon nur ein stilles und ruhiges Leben führen zu wollen, sondern eben das Gegenteil davon. Wohin das führen kann, man sieht es (auch) in Bulgarien.
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,99456,99456#msg-99456

von Drahbeck - am 25.04.2011 00:28
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