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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
Beiträge im Thema:
18
Erster Beitrag:
vor 7 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 7 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
X ~ mysnip, Gerd B., Drahbeck

Re: Lönnig / "Intelligent Design" (Teil 3)

Startbeitrag von X ~ mysnip am 12.10.2010 14:26

Fortsetzung von Teil 2 (nunmehr als Teil 3 bezeichnet)
Der Teil 2 begann bei:

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,81712,81712#msg-81712


Hallo Gerd!

Da ich deinen Beitrag vom 10. Oktober nicht einordnen kann, eine Frage: Möchtest du mir helfen deinen diesbezüglichen Gedankenfluss zu verstehen?

Antworten:

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Gerne X-mysnip!

Wenn der Papst auch einer Kirche angehört zu der ich nicht möchte, so kann ich seine Ansichten bezüglich Evolution und Schöpfung nach vollziehen. Andere dagegen nicht, die a priori die Schöpfungsmöglichkeiten ausschließen.

Genau so ist es mit Lönnig, ich möchte nicht mehr in seine Kirche eintreten, aber seine Ausarbeitung über die Entstehung des Auges, die zeigt, dass sich dieses nicht von selbst, ohne spirituellen Antrieb, wie ein Puzzle zusammensetzen konnte, kann ich akzeptieren.

Repeat: Andere dagegen nicht, die a priori die Schöpfungsmöglichkeiten ausschließen.

von Gerd B. - am 12.10.2010 14:41

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Danke Gerd!

Zitat
Gerd B.
... Wenn der Papst auch einer Kirche angehört zu der ich nicht möchte, so kann ich seine Ansichten bezüglich Evolution und Schöpfung nach vollziehen. Andere dagegen nicht, die a priori die Schöpfungsmöglichkeiten ausschließen.

Genau so ist es mit Lönnig, ich möchte nicht mehr in seine Kirche eintreten, aber seine Ausarbeitung über die Entstehung des Auges, die zeigt, dass sich dieses nicht von selbst, ohne spirituellen Antrieb, wie ein Puzzle zusammensetzen konnte, kann ich akzeptieren ...

Nun begreife ich das Posting vom 10. Oktober. Es ging um deine Meinung, die sich in Details (Schöpfung) mit Lönnigs deckt. Was aber nicht bedeutet, daß du seine religiösen Auffassungen als ZJ teilst. Zwischen Lönnig und der WTG herrscht, die Lehrmeinung betreffend, offiziell Übereinstimmung. Im Beitrag führtest du unterschiedliche Auffassungen Gläubiger innerhalb desselben Systems (Kirche) an. Beachtlich wäre also, wenn Lönnig bspw. evolutionstheoretische Ansichten veröffentlichte und das als praktizierender ZJ. ;-) Unter diesem Aspekt las ich den Beitrag.

Vielleicht noch eine Anmerkung. Wie schon hier erwähnt, geht es mir keinesfalls darum Stellung für oder gegen die Schöpfungs- oder Evolutionstheorie zu beziehen. Sinn meiner Beiträge ist ein anderer. Wenn prominente Personen Stellung beziehen interessiert mich ob und vor allem was für ein ideologisches System dahinter steht. Das verrät meines Erachtens nach einiges über ihre Integrität.


von X ~ mysnip - am 12.10.2010 17:34

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Zitat
X ~ mysnip
Vielleicht noch eine Anmerkung. Wie schon hier erwähnt, geht es mir keinesfalls darum Stellung für oder gegen die Schöpfungs- oder Evolutionstheorie zu beziehen. Sinn meiner Beiträge ist ein anderer. Wenn prominente Personen Stellung beziehen interessiert mich ob und vor allem was für ein ideologisches System dahinter steht. Das verrät meines Erachtens nach einiges über ihre Integrität.

Ohne in die Tiefen des Disputes Schöpfung versus Evolution einzusteigen (meine Meinung dazu habe ich ja bereits mitgeteilt: Ich war bei keiner der beiden Varianten dabei. Folglich ist einzuräumen: Es kann so oder auch anders gewesen sein; einzuräumen es gäbe Fragen die sicherlich weiterhin als offen bezeichenbar sind.
Frühere Generationen hätten sich ja vielleicht auch nicht vorstellen können, es gäbe mal elektrischen Strom, mit seinen Nutzanwendungen. Ich komme vielleicht zum Monatsende auf den Film Krabat nochmals zurück, der eben genannten Aspekt auch bildlich - sehr eindrucksvoll darstellt.
Frühere Generationen hätten sich auch nicht vorstellen können, es gäbe mal Internet. Und da bin ich so frei zu erklären, selbst einer Generation anzugehören, die sich in ihren eigenen Kindheitstagen das so noch nicht hätte träumen lassen. Heute aber nutze ich besagtes Internet selbst.
Insofern mögen spätere Generationen vielleicht "schlauer" sein bei Fragen, die man derzeit eben nicht letztendlich beantworten kann.
Ich zumindest kann damit leben, dass es derzeit noch nicht letztendlich gelöste Fragen gibt.
Aber etwas stört mich schon an diesen Disputen Schöpfung versus Evolution.
Der Aspekt nämlich, dass dieser Disput keinesfalls nur sachbezogen daherkommt, sondern eben die Rolle eines Stellvertreterkrieges für die These wahrnimmt.

Menschliche Geschichte mit ihren auch vielfältigen Schattenseiten, sei Ausdruck eines "göttlichen Marionettentheaters". Und auch brennende Holocaustöfen können in dieser Lesart als Ausdruck des Wirkens des "Strippenziehers" gedeutet werden, und anderes dieser "Güte".
Anderes dieser "Güte" wären da beispielsweise die Verklärung des ersten Weltkrieges durch zeitgenössische religiöse Kreise.
Keinesfalls nur durch die da als Buhmann vorgeführten Großkirchlichen Kreise, sondern auch und das bin ich zu belegen imstande, durch sogenannte Freikirchenkreise, mehr noch auch durch Sektiererkreise im Umfeld der WTG-Religion.
Im Falle des Kriegspredigers Küppers habe ich letzteren Aspekt im Detail schon mal nachgewiesen, und bleibe bei meinem Urteil, der gehört zu den schlimmsten zeitgenössischen Chauvinisten.

Insofern haben auch Sektiererkreise durchaus keinen Grund, sich selbstgerecht an die eigene Brust zu schlagen, denn auch Sektiererkreise waren es die da den Holocaust auch glauben in mehr als fragwürdiger Weise "theologisch" im Sinne des vermeintlich Allgegenwärtigen "Strippenziehers" ausdeuten zu können.

Kehren wir mehr zu Herr Lönnig zurück.
Er und sein Kompagnon Poppenberg, haben ja kaum eine Chance ausgelassen, ihre Sicht der Dinge marktmäßig zu verkaufen.
Poppenbergs Evolutionskritische Videos (die meisten davon habe ich ja mir mal angesehen), strotzen nur so davon, in ihnen auch besagten Herrn Lönnig, als vermeintliche Autorität vorzuführen.
Und noch etwas lässt sich bei Vermarkter Poppenberg und seinen direkten und indirekten "Stars" beobachten.
Die These nämlich die man bereits auch von der WTG bereits seit den frühen 50er Jahren kennt.
Die These Stalinismus und Hitlerismus, mit ihrem Sündenregister seien letztendlich durch die Evolutionstheorie entstanden.
Dieser These allerdings widerspreche ich.
Es hat auch ohne Evolutionstheorie (die es damals überhaupt noch nicht gab) etwa den Dreissigjährgen Krieg, und andere Schrecknisse gegeben; die Inquisition nicht zu vergessen.
Zu den anderen Schrecknissen kann man dann ja etwa im Buche des Otto v. Corvin "Der Pfaffenspiegel" weiteres nachlesen (meiner Erinnerung nach gibt es den Wälzer auch im Internet. Ergo muss man noch nicht mal Geld für seinen Erwerb aufwenden). Gleichwohl ist zu registrieren. Da gab es ja auch mal den Zeugen Jehovas zugehörige Buchhandlungen. Sofern von letzteren noch heute mehr schlecht als recht, gewisse Rudimente existieren, ist das sicherlich (der diesbezügliche Niedergang) nicht primär deren eigene Schuld, sondern eben auch Ausdruck des Niederganges, den auch andere Kreise versuchen, etwa vehement mit einem superscharfen Leistungsschutzrecht zu stoppen.
Allenfalls werden diese neuzeitlichen Maschinenstürmer sich damit selbst ins eigene Aus noch schneller katapultieren, wäre mein Kommentar dazu.
Wie auch immer, besagten seinerzeitigen Zeugen Jehovas-Buchhandlungen boten auch besagten "Pfaffenspiegel" mit an.

Die These da, die nicht geliebte Evolutionstheorie, als Buhmann zu kredenzen, konnte man ja bereits auch von der in hiesigen Kreisen, seit den frühen Infolink-Tagen, nicht unbekannten Diskutantin "Christel" vernehmen (wenn auch nicht hier an diesem Ort: so doch hier an diesem Ort, kritisch kommentiert).
Besagte "Christel" scheint das Evolutionsthema ja besonders weiter umzutreiben, wie man etwa auch ihren Diskussionsbeiträgen in dem (es gibt ja wohl noch nicht "genug" Foren), in dem von dem unter dem Namen "Theologe Frank, auch schon seit frühen Infolinktagen bekannten, und von ihm maßgeblich dominierten Forum entnehmen kann.
Siehe etwa. http://www.ihrseidmeinezeugen.de/forum/index.php?PHPSESSID=3f90cc787505eecb4282cbfc97ca7b78&action=recent

Ergo zusammengefasst.
Der Disput Schöpfung versus Evolution ist für seine besonders aktiven Protagonisten, das Trojanische Pferd für ihre eigentliche These, die sie im besonderen umtreibt.
Der These vom "Strippenzieher" im Hintergrund der menschlichen Geschichte.
Das ich eben dieser These widerspreche, widersprechen muss, habe ich versucht zu verdeutlichen.

von Drahbeck - am 13.10.2010 00:26

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Zitat
Drahbeck
Ergo zusammengefasst.
Der Disput Schöpfung versus Evolution ist für seine besonders aktiven Protagonisten, das Trojanische Pferd für ihre eigentliche These, die sie im besonderen umtreibt.
Der These vom "Strippenzieher" im Hintergrund der menschlichen Geschichte.
Das ich eben dieser These widerspreche, widersprechen muss, habe ich versucht zu verdeutlichen.

Exkurs:
Details einer diesbezüglichen Auseinandersetzung mit
Poppenberg

5.) "Gott würfelt nicht"
Wenn ein Buch, das vor bereits mehr als einhundert Jahren erstmals erschien (im Jahre 1899) noch heute als herausragendes Buhmann-Zeugnis herhalten muss, dann fragt man sich schon was denn in diesem über 600 Seiten umfassenden Wälzer damals alles so zu lesen war. Die Rede ist von dem Buche des Ernst Haeckel mit dem Titel: "Die Welträtsel". Derjenige der diese Schrift noch heute als "abschreckendes Beispiel" vorstellen will, heisst Fritz Poppenberg.

Schon gleich eingangs seines dem Thema Evolutionstheorie gewidmeten Video "Gott würfelt nicht", stellt er Haeckel nebst Darwin als abschreckende Beispiele vor.
Übrigens schon zeitgenössisch wurde Haeckel massiv angefeindet. Einer der es im besonderem Maße tat, war der Theologieprofessor Friedrich Loofs, der schon ein Jahr später, im Jahre 1900 eine programmatische Schrift mit dem Titel "Anti-Haeckel" veröffentlichen ließ. Das war jener Friedrich Loofs, der einige Jahre später dann noch mit einer noch heute zitierungsfähigen Schrift über die Bibelforscher in Erscheinung trat.
Sieht man sich Loofs "Anti-Haeckel" indes näher an, hat man in nicht seltenen Fällen den Eindruck von kleinkarierter Erbsenzählerei.

Haeckel, im Gegensatz zu Loofs, mit Sicherheit kein ausgewiesenener Kirchenhistoriker, bekommt nun von Loofs unter "die Nase gerieben", in welchen Details der Darstellung kirchengeschichtlicher Vorgänge, er nach Meinung von Loofs alles ungenau gewesen ist.
Schön und gut, mag man dazu nur sagen. Dennoch bleibt der fatale Nachgeschmack zurück, dass diese "Erbenszählerei" zugleich auch geschickt die Hauptthesen von Haeckel in Nebel hüllt und hüllen soll. Zu ihr hat sich bezeichnenderweise Loofs nicht in der gebotenen Deutlichkeit geäußert.

Genau einen ähnlichen Vorwurf würde ich jetzt auch Poppenberg machen. Ich würde sogar wagen zu behaupten, dass Poppenberg das Haeckel'sche "Welträtsel"-Buch nie selbst gelesen hat. Es reicht ihm offenbar, auch die andernorts nachweisbare Feststellung mit zu kolportieren, dass Haeckel mit einer der aktivsten "Durchpeitscher" der Darwin'schen Evolutionstheorie im deutschsprachigem Raum ist. Und die Evolutionstheorie ist es ja, die Poppenberg, als eigentlichen Buhmann in seinem Video vorstellen will. Haeckel erfüllt in diesem Kontext für ihn nur die Rolle eines untergeordneten "Statisten", den er an der ihm dafür passend erscheinenden Stelle mit vorstellt.

Poppenberg, und im Hintergrund noch etliche andere religiöse Kreise, belieben da eine Gleichung aufzumachen.
Evolutionstheorie; auf ihr fußend dann auch sowohl das sowjetische kommunistische Regime, als auch der deutsche Faschismus, werden da dem Zuschauer als Buhmänner genannt und namentlich die Evolutionstheorie als ihre eigentliche Wurzel gebrandmarkt.

Kritisch zu dieser These rückgefragt, wäre dann aber auch noch zu klären. Wie wäre wohl die Säkulargeschichte verlaufen, hätte es die Evolutionstheorie nicht gegeben? Wäre dann der Zustand "Friede, Freude, Eierkuchen" wirklich existent? Ich glaube kaum. Solch ideologischer Überbau kaschiert lediglich handfeste irdische Interessen. Auch ohne Evolutionstheorie gab es beispielsweise schon in den Kreuzzügen handfeste Interessengegensätze, die sich in Vorgängen entluden, die durchaus mit den Weltkriegen des zwanzigsten Jahrhunderts, vom Prinzip her, vergleichbar sind. Eine These die die Evolutionstheorie als das eigentliche Übel aller Übel darstellen will, greift zu kurz und erweist sich als zweckbestimmt.

Poppenberg versäumt es nicht, in seinem Video auch die Schwachstellen der Evolutionstheorie benennen zu lassen. Dazu kann ich nur sagen: Dies tangiert mich nicht. Ich kann damit leben, dass es Fragen gibt, die auch nach heutigem Erkenntnisstand nicht letztendlich beantwortet werden können. Die Evolutionstheorie war solch ein Beantwortungsversuch. Auch der kirchliche Gottesglaube ist ein solcher. Keiner ist mit letztendlicher Gewissheit bis heute bewiesen.

Was ich aber auch noch sagen möchte ist dies. Haeckel hat auf seinen genannten 600 Seiten keineswegs "nur" über die Evolutionstheorie schwadroniert, wie man dies bei oberflächlicher Betrachtung meinen könnte. Im Gegenteil. Er hat auch einige Wunden des kirchlichen Gottesglaubens beim Namen genannt, über die es heute noch zu reflektieren gälte. Die Poppenberg und Kompagnons machen es sich zu einfach, diese Aspekte, bewusst unter den Tisch fallen zu lassen. Nachstehend mal ein paar Zitate aus dieser Haeckelschrift, entnommen einer CD-ROM-Ausgabe ("Philosophie von Platon bis Nietzsche"). Auf detaillierte Seitenangaben dazu wird verzichtet. Gleichwohl stammen sie alle aus dem authentischem Text:
Zitat

Die Untersuchungen über diese »Welträtsel«, welche ich in der vorliegenden Schrift gebe, können vernünftigerweise nicht den Anspruch erheben, eine vollständige Lösung derselben zu bringen; vielmehr sollen sie nur eine kritische Beleuchtung derselben für weitere gebildete Kreise geben und die Frage zu beantworten suchen, wie weit wir uns gegenwärtig deren Lösung genähert haben.

Das schlimmste ist, wenn der moderne Kulturstaat sich der kulturfeindlichen Kirche in die Arme wirft, und wenn der bornierte Egoismus der Parteien, die Verblendung der kurzsichtigen Parteiführer die Hierarchie unterstützt. Dann entstehen so traurige Bilder, wie sie uns leider am Schlusse des neunzehnten Jahrhunderts der deutsche Reichstag vor Augen führt: die Geschicke des gebildeten deutschen Volkes in der Hand des ultramontanen Zentrums, unter der Leitung des römischen Papismus, der sein ärgster und gefährlichster Feind ist. Statt Recht und Vernunft regiert dann Aberglaube und Verdummung. Unsere Staatsordnung kann nur dann besser werden, wenn sie sich von den Fesseln der Kirche befreit, und wenn sie durch allgemeine naturwissenschaftliche Bildung die Welt- und Menschenkenntnis der Staatsbürger auf eine höhere Stufe hebt.

Dabei kommt es gar nicht auf die besondere Staatsform an. Ob Monarchie oder Republik, ob aristokratische oder demokratische Verfassung, das sind untergeordnete Fragen gegenüber der an ihre Stelle die kirchliche Konfession gesetzt. Der Glaube soll dem Wissen vorangehen; … jener unvernünftige Aberglaube, der die Grundlage eines verunstalteten Christentums bildet.

Dagegen sträuben sich aber mit aller Macht diejenigen einflußreichen Kreise, welche unsere Geistesbildung in betreff der wichtigsten Probleme in den überwundenen Anschauungen des Mittelalters zurückhalten wollen; sie verharren im Banne der traditionellen Dogmen und verlangen, daß die Vernunft sich unter diese »höhere Offenbarung« beugen solle.
Während der langen Geistesnacht des christlichen Mittelalters wagte begreiflicherweise nur selten ein kühner Freidenker seine abweichende Überzeugung zu äußern; die Beispiele von Galilei, von Giordano Bruno und anderen unabhängigen Philosophen, welche von den »Nachfolgern Christi« der Tortur und dem Scheiterhaufen überliefert wurden, schreckten genügend jedes freie Bekenntnis ab.

Dieses wurde erst wieder möglich, nachdem die Reformation und die Renaissance die Allmacht des Papismus gebrochen hatten. Die Geschichte der neueren Philosophie zeigt die mannigfaltigen Wege, auf denen die gereifte menschliche Vernunft dem Aberglauben der Unsterblichkeit zu entrinnen versuchte. Immerhin verlieh demselben trotzdem die enge Verknüpfung mit dem christlichen Dogma auch in den freieren protestantischen Kreisen solche Macht, daß selbst die meisten überzeugten Freidenker ihre Meinung still für sich behielten. Nur selten wagten einzelne hervorragende Männer, ihre Überzeugung von der Unmöglichkeit der Seelenfortdauer nach dem Tode frei zu bekennen. Besonders geschah dies in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts in Frankreich von Voltaire, Danton, Mirabeau u. a., ferner von den Hauptvertretern des damaligen Materialismus, Holbach, Lamettrie u. A.

Dieselbe Überzeugung vertrat auch der geistreiche Freund der letzteren, der größte der Hohenzollernfürsten, der monistische »Philosoph von Sanssouci«. Was würde Friedrich der Große, dieser »gekrönte Thanatist und Atheist«, sagen, wenn er heute seine monistischen Überzeugungen mit denjenigen seiner Nachfolger vergleichen könnte!

Unter den denkenden Ärzten ist die Überzeugung, daß mit dem Tode des Menschen auch die Existenz seiner Seele aufhöre, wohl seit Jahrhunderten sehr verbreitet gewesen; aber auch sie hüteten sich meistens wohl, dieselbe auszusprechen.
Wie allgemein bekannt, hat das Dogma von der Unsterblichkeit der Seele in der christlichen Religion schon lange diejenige feste Form angenommen, welche sich in dem Glaubensartikel ausspricht: »Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.« Wie am Osterfest Christus selbst von den Toten auferstanden ist und nun in Ewigkeit als »Gottes Sohn, sitzend zur rechten Hand Gottes«, gedacht wird, versinnlichen uns unzählige Bilder und Legenden. In gleicher Weise wird auch der Mensch »am jüngsten Tage auferstehen« und seinen Lohn für die Führung seines einstigen Erdenlebens empfangen.

Dieser ganze christliche Vorstellungskreis ist durch und durch materialistisch und anthropistisch; er erhebt sich nicht viel über die entsprechenden rohen Vorstellungen vieler niederen Naturvölker
Die Gründe, welche man seit zweitausend Jahren für die Unsterblichkeit der Seele anführt, und welche auch heute noch dafür geltend gemacht werden, entspringen zum größten Teile nicht dem Streben nach Erkenntnis der Wahrheit, sondern vielmehr dem sogenannten »Bedürfnis des Gemütes«, d.h. dem Phantasieleben und der Dichtung. Um mit Kant zu reden, ist die Unsterblichkeit der Seele nicht ein Erkenntnisobjekt der reinen Vernunft, sondern ein »Postulat der praktischen Vernunft«.

Wollten wir alle die einzelnen Gründe analysieren, welche für den Unsterblichkeitsglauben geltend gemacht worden sind, so würde sich ergeben, daß nicht ein einziger derselben wirklich wissenschaftlich ist; kein einziger verträgt sich mit den klaren Erkenntnissen, welche wir durch die physiologische Psychologie und die Entwicklungstheorie in den letzten Dezennien gewonnen haben. Der theologische Beweis, daß ein persönlicher Schöpfer dem Menschen eine unsterbliche Seele (meistens als Teil seiner eigenen Gottesseele betrachtet) eingehaucht habe, ist reiner Mythus.

Der moralische Beweis, daß die Mängel und die unbefriedigten Wünsche des irdischen Daseins durch eine »ausgleichende Gerechtigkeit« im Jenseits befriedigt werden müssen.
Die vorhergehenden Untersuchungen, die durch viele andere Ergebnisse der modernen Wissenschaft ergänzt werden könnten, haben das alte Dogma von der »Unsterblichkeit der Seele« als völlig unhaltbar nachgewiesen; dasselbe kann im zwanzigsten Jahrhundert nicht mehr Gegenstand ernster wissenschaftlicher Forschung, sondern nur noch des transzendenten
Glaubens sein.

Die »Kritik der reinen Vernunft« weist aber nach, daß dieser hochgeschätzte Glaube, bei Licht betrachtet, der reine Aberglaube ist, ebenso wie der oft damit verknüpfte Glaube an den »persönlichen Gott«. Nun halten aber noch heute Millionen von »Gläubigen« - nicht nur aus den niederen, ungebildeten Volksmassen, sondern aus den höheren und höchsten Bildungskreisen - diesen Aberglauben für ihr teuerstes Besitztum, für ihren »kostbarsten Schatz«.

Bei unbefangener kritischer Prüfung und Vergleichung zeigt sich, daß beide nur durch die besondere »Gestalt des Glaubens« und durch die äußere Hülle der Konfession voneinander verschieden sind. Im klaren Lichte der Vernunft erscheint der destillierte Wunderglaube der freisinnigsten Kirchenreligionen - insofern er klar erkannten und festen Naturgesetzen widerspricht - genau so als unvernünftiger Aberglaube, wie der rohe Gespensterglaube der primitiven Fetischreligionen, auf welchen jene stolz herabsehen.

Werfen wir von diesem unbefangenen Standpunkte einen kritischen Blick auf die gegenwärtig noch herrschenden Glaubensvorstellungen der heutigen Kulturvölker, so finden wir sie allenthalben von traditionellem Aberglauben durchdrungen. Der christliche Glaube an die Schöpfung, die Dreieinigkeit Gottes, an die unbefleckte Empfängnis Maria, an die Erlösung, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi usw. ist ebenso reine Dichtung und kann ebensowenig mit der vernünftigen Naturerkenntnis in Einklang gebracht werden, als die verschiedenen Dogmen der mohammedanischen und mosaischen, der buddhistischen und brahmanischen Religion.

Jede von diesen Religionen ist für den wahrhaft »Gläubigen« eine zweifellose Wahrheit, und jede von ihnen betrachtet jede andere Glaubenslehre als Ketzerei und verderblichen Irrtum. Je mehr eine bestimmte Konfession sich für die »allein selig machende« hält - für die »katholische« - und je inniger diese Überzeugung als heiligste Herzenssache verteidigt wird, desto eifriger muß sie naturgemäß alle anderen Konfessionen bekämpfen, und desto fanatischer gestalten sich die fürchterlichen Glaubenskriege, welche die traurigsten Blätter im Buche der Kulturgeschichte bilden.

Die Prinzipien der wahren Humanität, der goldenen Regel, der Toleranz, der Menschenliebe im besten und höchsten Sinne des Wortes, alle diese wahren Lichtseiten des Christentums sind zwar nicht von ihm zuerst erfunden und aufgestellt, aber doch erfolgreich in jener kritischen Periode zur Geltung gebracht worden, in der das klassische Altertum seiner Auflösung entgegenging.

Der Papismus aber hat es verstanden, alle jene Tugenden in ihr direktes Gegenteil zu verkehren und dabei doch die alte Firma als Aushängeschild zu bewahren. An die Stelle der christlichen Liebe trat der fanatische Haß gegen alle Andersgläubigen; mit Feuer und Schwert wurden nicht allein die Heiden ausgerottet, sondern auch jene christlichen Sekten, welche in besserer Erkenntnis Einwendungen gegen die aufgezwungenen Lehrsätze des ultramontanen Aberglaubens zu erheben wagten. Überall in Europa blühten die Ketzergerichte und forderten unzählige Opfer, deren Folterqualen ihren frommen, von »christlicher Bruderliebe« erfüllten Peinigern besonderes Vergnügen bereiteten. Die Papstmacht wütete auf ihrer Höhe durch Jahrhunderte erbarmungslos gegen alles, was ihrer Herrschaft im Wege stand.

Unter dem berüchtigten Großinquisitor Torquemada (1481 bis 1498) wurden allein in Spanien achttausend Ketzer lebendig verbrannt, neunzigtausend mit Einziehung des Vermögens und den empfindlichsten Kirchenbußen bestraft, während in den Niederlanden unter der Herrschaft Karls des Fünften dem klerikalen Blutdurst mindestens fünfzigtausend Menschen zum Opfer fielen. Und während das Geheul gemarterter Menschen die Luft erfüllte, strömten in Rom, dem die ganze christliche Welt tributpflichtig war, die Reichtümer der halben Welt zusammen, und wälzten sich die angeblichen Stellvertreter Gottes auf Erden und ihre Helfershelfer (welche selbst nicht selten dem weitestgehenden Atheismus huldigten!) in Lüsten und Lastern jeder Art.

»Welche Vorteile«, sagt der frivole und syphilitische Papst Leo X. ironisch, »hat uns doch diese Fabel von Jesus Christus gebracht!«

Die Kulturverachtung des Christentums. Da nach Christi Lehre unsere Erde ein Jammertal ist, unser irdisches Leben wertlos und nur eine Vorbereitung auf das »ewige Leben« im besseren Jenseits, so verlangt sie folgerichtig, daß demgemäß der Mensch auf alles Glück im Diesseits zu verzichten und alle dazu erforderlichen irdischen Güter gering zu achten hat.

In vorstehendem war unter anderem auch von dem Poppenberg-Video "Gott würfelt nicht" die Rede. Über seine eigene Firma vertreibt Poppenberg aber noch ein weiteres Video, mit dem Titel "Hat die Bibel doch recht?" Der Unterschied zwischen beiden besteht wohl darin, dass erstgenanntes ein "freies Video" ist. Das heissst keine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt steht als Finanzier hinter ihm. Anders wohl bei "Hat die Bibel doch recht?" Folgt man seinem Abspann, so hat dieses Video wohl seinerzeit der Fernsehsender SFB finanziert. Was aber Poppenberg nicht daran hindert es weitergehend zu vermarkten. Wer sich nicht gerade als "Spezialist" sieht, der kann und sollte sich die Geldausgabe für eines der beiden ersparen. Im Prinzip eine Art "doppeltes Lottchen". Kaum eine wesentliche These, die nicht in beiden Videos zum Vortrag kommt.

Der Unterschied darf wohl darin gesehen. "Gott würfelt nicht" redet bestimmten Religionsgemeinschaften in wenig qualifizierter Form, in der Tendenz nach dem Munde. "Hat die Bibel doch recht?" offeriert in der Substanz mehr die gleichen Aussagen einiger Wissenschaftler, die sich kritisch über die Evolutionstheorie verbreitet haben. Diese Kritik aus Wissenschaftlermunde ist aber noch lange nicht damit "identisch", dass seitens dieser Wissenschaftler nun die Bibel als "echte Alternative" angesehen werden würde. Dies ist durchaus nicht der Fall. Aber das vergaß genanntes "Cleverle" aber bewusst hinzuzufügen!

6.) Was Darwin nicht wissen konnte
In den 1950er Jahren "klingelten" die Kassen des Buchhandels bei einem Buch, dessen Verfasser von sich selbst sagte, kein Theologe zu sein. Auch darf man wohl als gesichert ansehen, dass auch die Zeugen Jehovas nicht unwesentlich zu diesem buchhändlerischen Erfolg beigetragen haben. Vor allem aber war es die kluge Titelwahl, die wohl als "das" ausschlaggebende Moment dieses buchhändlerischen Erfolges angesehen werden kann.
"Und die Bibel hat doch recht" so der Titel dieses Werner Keller, von dem eben die Rede war. Das ist es ja, was man sich gerne bestätigen lassen möchte, und meint es auch "mundgerecht" bekommen zu haben.

Ob diese Siegesgewißheit auch noch bei der Detail-Lektüre fortbestand? Da kann man schon eher einige Fragezeichen hinzufügen Zitiert nach der Ausgabe von 1955 konnte man darin beispielsweise auch die folgenden Sätze lesen:
Zitat

"Schon 1654 erklärte der Erzbischof Ussher aus Irrland, die Schöpfung habe in der neunten Morgenstunde am 26. Oktober des Jahres 4004 vor Christi Geburt stattgefunden, wie das genaue Studium der Heiligen Schrift ergeben habe"
(S. 401).

Ob die Zeugen Jehovas des Jahres 1955 mit dieser Aussage wohl "glücklich" gewesen sind? Oder ob sie es nicht einfach vorzogen, dass zu überlesen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, wäre jetzt die Frage.
Auch zu einem seiner Hauptargumente, dem Thema Sintflut, wusste Herr Keller relativierendes zu sagen. Etwa wenn er anführt:
Zitat

"Nach Wooleys Ansicht hat die Katastrophe nordwestlich vom Persischen Golf ein Gebiet in einer Ausdehnung von 630 Kilometer Länge und 160 Kilometer Breite verschluckt. Wenn man die Landkarte betrachtet, war es nur, wie wir heute sagen würden, 'ein lokales Ereignis' - für die Bewohner dieser Flußniederung aber war das einst ihre ganze Welt"(S. 38).

Auch mit den vollmundig vorgetragenen Thesen des Herrn Keller zum Thema "Turiner Grabtuch", dürften - in der Praxis - wohl die Zeugen Jehovas so einige Schwierigkeiten haben. Macht nichts, werden sie sich gesagt haben. Der Titel des Buches allein entscheidet. Da kann man dann schon mal ein paar ungeliebte Kröten mit herunterschlucken.

Worum es beim Thema Turiner Grabtuch geht, kann man auch gut an Hand eines Gerichtsberichtes in der seinerzeitigen Zeitschrift "Wochenpost" (27. 10. 1971) verdeutlichen. Unter der Überschrift "Das Wunder des Herrn Naber" liest man da die folgende "ergötzliche" Geschichte:
Zitat

"Ein Kämpfer für die Wahrheit? Ein Schwindler? Wir ein Kämpfer sieht er nicht aus, ein rundes, freundliches Gesicht und ein Schmerbauch. Der Kampf ernährt seinen Streiter.
Er will die vier Evangelisten des Neuen Testaments widerlegen, er wird beweisen, Jesus Christus ist nicht am Kreuz gestorben, sondern erst im Grabe. Diese Wahrheit ist Herrn Hans Naber in Stuttgart verkündet worden, im Jahre 1947. Eine Erscheinung. Von dieser Erscheinung lebt er, und wie man sieht, er lebt gut.

Er hat die Wahrheit kapitalisiert. Er gründet Stiftungen, Geschäfte, Firmen. Er nimmt Darlehen auf und findet Darlehen. Und er tat auch zurück, mit Zinsen und Zinseszinsen, wenn er wieder ein neues Darlehn bekam.
Die Erscheinung, das Grunderlebnis des rundlichen Herrn Naber, hat ihm den Weg gezeigt, wie man diese Wahrheit verbreiten und dabei noch zu Geld kommen kann.

In Turin, in Italien, in der Kathedrale San Giowanni Battista, dort in der Kapelle des Sandissomo Sudario, gibt es eine Urne, und in dieser ist das Linnen gelegen, in das Joseph von Arimathia den Leichnam Christi eingehüllt haben soll.
Schon das ist falsch, grundsätzlich falsch, poltert Herr Naber nun. Christi war nicht tot, er hat gelebt, als er vom Kreuz genommen wurde, und Herr Naber entfaltet 4,38 m lang und 1,10 m breit die Fotokopie des Turiner Linnens, und er legt los:

Ich komme sofort zur Fußblutung, hier hat das Blut getropft. Das ist nur möglich, wenn das Herz noch geschlagen hat.
Wenn diese Wahrheit ans Licht der Welt kommt, wird die Welt genesen, alle Probleme werden gelöst, die Finanzkrise, die Dollarschwäche, die Kriege verschwinden. Die Welt wartet auf das Wunder, auf das Wunder des Herrn Naber.
Nun ist es für ein Stuttgarter Gericht, für eine Große Strafkammer, außerordentlich schwer, an einer Fotokopie zu entscheiden, ob vor etwa zweitausend Jahren ein Gekreuzigter noch nach der Kreuzabnahme gelebt hat.

Und das Leinentuch in der Kathedrale von Turin ist genauso falsch wie die heilige Lanze, mit der ein Priester aus Marseille, Bartholomäus, die Kreuzritter 1098 zum Sieg geführt und für die Wahrheit und Echtheit der Lanze durch einen Haufen brennender Reisigbündel ging und dabei elendig umkam. Wird auch Herr Hans Naber für die Echtheit des Leinentuchs durchs Feuer gehen?

Schwer ist es für den Landgerichtsdirektor Fischer, zu entscheiden, unmöglich. Er hätte entscheiden müssen: Ist das Leinentuch echt, ist die Fotokopie echt und sind die Schlüsse des rundlichen Herrn Naber echt, real?

Herr Naber hat Vorkenntnisse, nicht direkt mit Leinentüchern, aber mit Tischtüchern und Servietten. Er hat nach eigenen Angaben schon im Ritzhotel in London die Tische gedeckt. Er hat Vorkenntnisse in Anatomie, mehr allerdings in der Zerlegung von Hasen, Rebhühnern und Rehen als in der Gerichtsmedizin.

Aber in der Chemie hat er wenigstens Erfahrung. Es stimmt, er war von 1950 bis 1960 in einer chemischen Fabrik tätig, allerdings nur im Außendienst. Laboratorien hat er nie von innen gesehen. Er war Vertreter und kein Analytiker.

Aber seit 1947 ihm Jesus Christus leibhaftig erschienen ist, fühlt er sich nur einem Herrn verpflichtet.
Und im Verfolge dieser Verpflichtung gründete er 1963 im Fürstentum Liechtenstein eine Stiftung zur Förderung und Verbreitung der Linnenforschung. Später hat er diese Finanzfirma in die Bankenmetropole Zürich verlegt. Den Aufsichtsrat der Firma will er nicht mit Namen nennen. "Ich werde genug verfolgt, ich muß meine Anhänger schützen, sonst werden sie genau so zugrunde gerichtet wie ich."

Präsident der Stiftung ist Herr Hans Naber. Aber auch aus Zürich soll die Stiftung weg, in dem Finanzparadies Bahamas wird sie in Zukunft ihr Domizil haben. Er hat viel für die Verbreitung der Wahrheit getan. Herr Naber hat auch ein Buch über seine Linnenforschung geschrieben, 'Das fünfte Evangelium', allerdings unter einem anderen Namen, Kurt Berna. Und überall fand der beredte Herr Naber Gut- und gutsituierte Gläubige, die er schnell in schlechter und schlechtsituierte Gläubiger verwandelte. Fabrikanten, Inhaber von großen Geschäften, ja selbst Steuerberater liehen ihm und seiner Stiftung Geld gegen Zinsen.

Manchmal zahlte die Stiftung auch Darlehen zurück, wenn sie wieder neue Gläubige gefunden hatte. Der Präsident bekam ein monatliches Fixum von tausend Mark und Aufwandsentschädigung natürlich. Und so sagt sich Herr Naber, selig sind die, die da arm sind im Geist, und er macht sie dann auch noch arm an Habe.

"Und wovon leben Sie heute, da die Stiftung nicht zahlungsfähig ist, da auch der Präsident schon lange kein Gehalt und keine Aufwandsentschädigung mehr bekommt?" fragt der Vorsitzende der Großen Strafkammer.

"Von der Zeitrafferbörse".
"Bitte, erläutern Sie uns das."
In der Spielbank verdient sich der Streiter für die Wahrheit sein kärgliches Brot jetzt. Er hat ein angeblich todsicheres System. Er lebt wieder einmal vom Glauben.

"Und wie verträgt sich diese Tätigkeit mit der Linnenforschung?" fragt der Vorsitzende,
Darüber kann der beredte Herr Naber gar nichts sagen. Selig sind, die da arm sind an Worten. Aber ihn als Betrüger zu bezeichnen! "Ich sei mit den Wassern des Betruges gewaschen; ich bin nur zahlungsunfähig geworden, weil mich die gerichtlichen Kreise mundtot gemacht haben. Eine unliebsame Entdeckung sollte erledigt werden. Würde meine Wahrheit allgemein bekannt, daß er nicht am Kreuz gestorben ist, sondern erst im Grabe, würde das ganze Lehrgebäude der beiden großen christlichen Kirchen ins Wanken geraten. Und deswegen haben diese Kreise einen Prozeß wegen Betrugs gegen mich angezettelt. Die Folgen meiner Entdeckung sind unabsehbar.'

Herr Naber ist fest davon überzeugt, oder er tut so, als ob seine Entdeckung der Nabel der Welt ist. Der Beweis auch die Voreingenommenheit des Gerichts.
Zwei Jahre Freiheitsentzug wegen Betrugs, sagt die Große Strafkammer in Stuttgart. Er aber ist ein Märtyrer der Wahrheit, und gegen ihn stehen die Jesuiten, der Papst, der Weltkirchenrat in Genf. Und daß man ihm auch noch Bewährungsfrist zugebilligt hat, ist für ihn nur das Tüpfelchen auf das i. "In dieser Zeit soll ich mundtot sein, die Wahrheit über den Tod Christi soll unterdrückt werden."

Aber Naber gibt nicht auf, nie. Und eines ist sicher: Wieder wird er Dumme finden, die da glauben, daß mit einem alten Leinentuch alle Probleme der Welt zu lösen sind."

SZENENWECHSEL
Herr Fritz Poppenberg, seines Zeichens Filmemacher, ist sicherlich ein umtriebiger Mann. Nach eigenem Bekunden ist er auch kein Zeuge Jehovas. Insofern besteht schon mal eine gewisse Parallelität zu dem eingangs genannten Herrn Keller. Dieses zwar selbst kein Zeuge Jehovas sein, hindert aber auch ihn nicht daran, jene Themen aufzugreifen, von dem der Poppenberg'sche Instinkt ihm sagt: Die kommen bei den Zeugen Jehovas an! Und so findet man denn im Videoangebot der Poppenberg'sche Firma eine ganze Reihe solcher Video's. Sei es geschichtlicher Art (Hitlerregime und Ostdeutschland), sei es die aktive Unterstützung der WTG KdöR-Ansprüche, mit B. als Hauptstar in diesem Film. Oder sei es gar die Bagatellisierung der WTG-Blutdoktrin, unter anderem mit der Milchmädchenthese. Eigenblutübertragung: und damit wären die den Zeugen Jehovas "angedichteten" Probleme vom Tisch. Großzügigerweise unterschlägt aber Herr Poppenberg, dass laut WTG-Doktrin, auch die Eigenblutübertragung nicht zulässig sei. Aber das kannte man ja schon von Herrn Keller. Über solche "Kleinigkeiten" breitet der geführt werdende Zeuge "natürlich" den Mantel des vergebenen Schweigens.

Denn Poppenberg hat sich ja in den Augen der Zeugen Jehovas verdient gemacht. Prompt verlieh denn auch folgerichtig, die seinerzeitige Satire-Webseite Spiessburger auch Herrn Poppenberg einen Orden für seine Verdienste.
Man vergleiche dazu:
Spiessburgerpreis für Poppenberg
Solcherart geehrt, stachelt das zu weiteren Höchstleistungen an. Und siehe da. Es bot sich das Thema Evolutionskritik an, auf dem auch Poppenberg sich engagierte, wie wohl kein zweiter Filmemacher vor ihm. Gern gesehenes Nebenergebnis dabei auch, dass sich damit die Poppenberg'sche Klientel beträchtlich erweiterte um die evangelikale Szene andernorts. Was aufgrund ansonsten unüberbrückbarer theologischer Gegensätze nicht möglich schien, hat somit Poppenberg vollbracht. Zwei an und für sich wie Hund und Katz gegenüberstehende, unter seinem, dem Poppenberg'schen Evolutionskritik-Hut zu vereinen.

Eigentlich wäre das doch noch einen weiteren Orden von seiten der Zeugen Jehovas wert. Schade nur. Das ist aus dem Grunde nicht möglich, weil die dafür in frage kommende Webseite "Spiessburger", nicht mehr Online ist.
Schon in seinen beiden ersten Evolutionskritischen Videos traten bei Poppenberg zwei "Stars" auf, die alle wesentlichen Thesen dominierten. Einmal der Herr Siegfried Scherer; zum anderen der Herr Wolf-Ekkehard Lönnig.

Übrigens ließ es Poppenberg nicht bei diesen zwei Evolutionskritischen Videos bewenden. Nein inzwischen sind es deren gar vier im Poppenberg'schen Angebot. Eines davon, unter dem Titel "Was Darwin nicht wissen konnte" bestreitet Herr Scherer gar als Alleinunterhalter. Wenn in einem Video nur ausschließlich eine Person zu Wort kommt, ohne jegliche Ko-Beiträge, dann ist das schon als ungewöhnlich zu bezeichnen und ansonsten keineswegs Video-typisch. Diese besondere Heraushebung kann dann wohl nur so interpretiert werden, dass der Veranstalter des Videos, den betreffenden "Star" als unübertreffbar ansieht.

Wie schon der Titel verdeutlicht ("Was Darwin nicht wissen konnte") argumentiert Scherer zurückhaltend. Er ist sogar bereit, im Laufe seiner Ausführungen, Darwin verbale Lippenbekenntnisse zu erweisen, indem er ihn in Gesamtheit, als einen durchaus großen Biologen charakterisiert. Wer also erwarten sollte, dass Scherer darin auch in der Wortwahl, einen totalen Darwin-Zerriß abliefert, der sieht diese Erwartung nicht bestätigt.

Scherer postuliert weiter, dass sowohl für die salopp gesagt Darwinsche Theorie als auch für den Schöpfungsglauben, jeweils unabdingbar, eine Voraussetzung notwendig ist. In beiden Fällen: Glauben.
An diesem Punkt stellt sich aber die Frage: Weshalb diese partielle Zurückhaltung. Weshalb poltert er nicht einfach darauf los, in der Form eines totalen Frontalangriffes?

Da ist Herr Poppenberg inzwischen schon weiter. Der hat sich dieser Scherer'schen Skrupel inzwischen für seine Person entledigt. Deutlich wird dies besonders an dem letzten Poppenberg'schen Video aus dem Jahre 2004, unter dem Titel "Der Fall des Affenmenschen", das man da wohl an erster Stelle nennen muss.

Schon einleitend scheut Poppenberg und sein Team keine Mühe und keinen Aufwand. Sein Crew unternahm eigens dazu eine Expedition in ein afrikanisches Land, dass heute noch über ein ziemlich zerfallenes Pasteur-Institut verfügt. Errichtet zu einer Zeit, wo jenes Land noch französische Kolonie war. Dieser Besuch erfolgt nun keineswegs als "langer Weile". Man will dort nach konkreten Beweisen suchen. Wofür?

Offenbar ist Poppenberg zu Ohren gekommen. In den zwanziger Jahren suchte ein sowjetischer Forscher, weil es in diesem Land auch Menschenaffen gibt, persönlich an Ort und Stelle etwas zu erreichen. Die Kreuzung zwischen Menschen und Affen. Dem stellten sich in der Praxis aber einige nicht überwindbare Schwierigkeiten gegenüber. Und dieser Versuch ist denn wohl als auf ganzer Linie gescheitert, zu bewerten.

Poppenberg sucht nun nach Spuren dafür, an Ort und Stelle. Und er trifft auf eine nicht überwindbare Mauer des Schweigens. Der Zugang zu einer wohl noch vorhandenen Bibliothek des Patsteur-Instituts, wird ihm auch unter fadenscheinigen Vorwänden verweigert. Auch Poppenbergs's Mission in jenem Lande ist somit auf der ganzen Linie gescheitert.

Wieder zurück in Deutschland streckt er seine Fühler nach der ehemaligen Sowjetunion aus. Über Mittelsmänner lässt er dort über diesen sowjetischen Wissenschaftler recherchieren. Das Ergebnis eher dürftig. Handfestes fördern diese Recherchen auch nicht zutage. Und so lässt er denn diesen Teil seines Filmes mit der Angabe ausklingen. Weiteres relevantes über diesen Wissenschaftler befinde sich wohl in den Archiven des KGB. Aber dazu gebe es keine Zugangsmöglichkeit.
Die Verschwörungstheoretiker aller Länder, hätten wohl angesichts dieser Hauptstory seines Videos, ihre helle Freude daran!

Nach diesem Aufhänger geht es zu den Kernthesen. Und siehe da: Was zu erwarten, trat wieder ein. Beide Hauptstars Scherer und Lönnig kommen wieder wirkungsvoll zur Geltung und können sich des lang und breit verbreiten.

Beiläufig erwähnt Herr Poppenberg, der weite Bereiche des Filmtextes auch selber spricht, auch die Kontroverse um Lönnig. Das die "Zeit" diesen Fall dargestellt; aber Lönnig in der "Zeit" keine Chance zu einer Entgegnung eingeräumt wurde. Und da dürfte dann die Klientel dieser Videos sich wieder in der Rolle der zu Unrecht verfolgten sonnen.

Rekapituliert man den Fall Lönnig, so stellt sich als dessen Widerpart besonders ein Herr Ulrich Kutschera heraus. Letzterer veröffentlichte nun im Jahre 2004 ein Buch (Streitpunkt Evolution. Darwinismus und Intelligentes Design), wobei er aus seiner Sicht auf diese Kontroversen eingeht. Um es vorweg zu sagen. Ein "Publikumsrenner" etwa im Stile des Keller-Buches wird Kutschera 2004 nicht werden. Wer mit populärwissenschaftlich verständlichen Abhandlungen zum Thema "bedient" werden möchte, ist bei Kutschera eher schlecht bedient. Der Inhalt des Kutschera'schen Buches erschließt sich wohl auch nur dem, der mit den Detail's der Lönnig Kontroverse schon im voraus vertraut ist. Wer zudem kein Biologie-Fachwissenschaftler ist, und von der Lönnig-Kontroverse auch noch nichts mitbekommen hat, der wird wohl eher in dieses Buch hineinschauen, wie der sprichwörtliche "Affe ins Uhrwerk".

Spätestens an diesem Punkt muss man Scherer mit seiner Aussage recht geben. Dass sowohl für die Evolutionstheorie wie auch für den Schöpfungsglauben - in beiden Fällen - Glauben notwendig ist.
Im Kontrast dazu steht die Kutschera'sche These (S. 30)
Zitat

"Das Problem der fehlenden Übergangsformen - zu Darwins Zeit noch ein kontroverser Punkt - kann heute als weitgehend gelöst angesehen werden."

Zu dieser These kann ich nur, soweit es meine Person betrifft sagen. Überzeugt hat mich Kutschera nicht. Er bleibt auf der Ebene der Behauptung stecken. Das einzigste wo mich Kutschera überzeugt hat ist seine Auseinandersetzung beim Thema "Darwinismus/NS-Ideologie", wo Scharfmacher auf christlicher Seite, eben alle Übel dieser Welt auf den Darwinismus zurückführen wollen. Dem widerspricht Kutschera. Und da hat er meines Erachtens auch recht.

Kutschera mokiert sich auch darüber, dass die heutigen Anti-Evolutionisten sich vielfach als Vertreter des "Intelligentes Design" (ID) bezeichnen, jedoch es vermeiden die Bezeichnung Kreationisten für sich gelten zu lassen. Letzteres trifft auch namentlich auf Herrn Lönnig zu. Der Hintergrund dessen erschießt sich auch aus dem Umstand, dass der Begriff Kreationisten vielfach auch auf solche Gläubige festgemacht wird, welche sechs Schöpfungstage buchstäblich verstehen. Sich auf eine Weltschöpfung am 26. Oktober um 9 Uhr Vormittags festnageln zu lassen, behagt wohl auch Herrn Lönnig nicht. Deshalb geht er diesem Dilemma durch Ablehnung der Vokabel Kreationist für seine Person aus dem Wege. Kutschera hingegen argwöhnt (wohl nicht zu unrecht). Das ist ja blos die alte Sauce in neuer Verpackung.

Kutschera arbeitet weiter heraus, dass viele seiner Berufskollegen, in ihrem Privatleben, mit der christlichen Religion nicht sonderlich viel mehr am Hut hätten. Durch die Aktivitäten der Lönnig und Co sieht er sich einer neuen Art von Zwangschristianisierung ausgesetzt. Und dagegen erhebt sich sein Protest auf der ganzen Linie. Auch notiert er. Zitat (S. 105):
Zitat

"Beide Großkirchen in unserem Land haben ihre ideologischen Widerstande gegen die Evolution inzwischen weitgehend aufgegeben, so dass der moderne Christ im Evolutionisten heute in der Regel keinen intellektuellen Gegner mehr sieht."

Auch diese Regel sieht Kutschera durch Lönnig durchbrochen. Und auch aus diesem Grunde hat sich sein Widerstand ein entsprechend personalisiertes Ziel gesucht.
Kutschera stellt es so dar, als habe er erst sehr, sehr spät mitbekommen, es bei Lönnig mit einem Zeugen Jehovas zu tun zu haben. Nun muss man letzterem auch bescheinigen, sein Zeuge Jehovas sein, nicht plakativ mit sich herumzutragen. Das erschließt sich eher auf die indirekte Art. So war es auch bei Kutschera, der dazu schreibt (S. 206f.):
Zitat

"Beim Verlassen meines Arbeitsplatzes (im Jahre 2003) wurde mir von einem Mitglied der Zeugen Jehovas ein Faltblatt in die Hand gedrückt."

Und weiter Kutschera:
Zitat

"Zu meiner Überraschung konnte ich in dieser Werbebroschüre aus dem Jahr 1998 die von W.-E. Lönnig vorgebrachten Argumente in geringfügig modifizierter Form wiederfinden. … Es kam mir daraufhin der Gedanke, Herr Lönnig könnte möglicherweise Mitglied der weltweit aktiven 'Endzeit-Sekte' Zeugen Jehovas sein. Ich konnte mir jedoch nur schwer vorstellen, dass ein auf Lebenszeit angestellter 'Group Leader' an einem internationalen Forschungsinstitut Anhänger einer derartigen Glaubensgemeinschaft ist."

Bei Versuch eines abschließenden Satzes würde ich es auf den Punkt bringen. Kutschera stellt nicht zu unrecht fest. Die Vertreter des "Intelligentes Design" sind in nicht seltenen Fällen verkappte Kreationisten, die dieses ihr Kreationisten-sein nur schamhaft verschweigen. Würden sie diese "Kriegslist" nicht anwenden, könnte man sie viel eher auf den "26. Oktober 9 Uhr früh" festnageln, der mit zu ihrem eigentlichen Wesen gehört, getreu dem Motto: Wer A sagt muss auch B sagen.
Wehret den Anfängen, offenbar auch das Kutschera'sche Motto. Sein Verdienst ist es vielleicht, verkappte Kreationisten als solche enttarnt zu haben. Damit hat er auf einem Nebenschlachtfeld einen Sieg errungen. Auf dem Hauptschlachtfeld indes, blieb er sieglos.

Hinweis auf den Disput die Userin "Christel" betreffend (ohne sie hier damals namentlich zu benennen)
Darin auch die Sätze:
Zitat

"Ein falsches Weltbild muss keine schlimmen Folgen haben, im Fall des Darwinismus hatte es schlimme Folgen."
"Der" Darwinismus ist kein Weltbild. Er ist ein Erklärungsversuch (Evolution) den man ablehnen, akzeptieren, oder auch einen Mittelweg dabei versuchen kann.

Die Unterstellung, Manchesterkapitalismus und schlimmeres hätte es nie gegeben, wäre nicht der Gedanke einer Evolution, durch Darwin und Nachfolger entstanden, ist falsch.

Ökonomische Gesetzmäßigkeiten, und Egoismus als wesentliche Triebfeder des "Manchesterkapitalismus" hätte es auch so gegeben, wenn Darwin nicht seine Thesen publiziert hätte.
Hinter vorgenannten Thesen steht die Illusion, hätte es keine Verweltlichung gegeben (die in letzter Konsequenz aus dem Darwinismus beruht), würden weiter die Menschen mit "frommen Augenaufschlag" gen Himmel schauen, und nur das tun was bornierte, selbstsüchtige Funktionäre der Religionsindustrie für ihre eigene Interessenlage als nützlich erachten. Dann gäbe es die "heile Welt".
Auch dieser Denkansatz ist falsch.

Es gab einen Dreissigjährigen Krieg und noch mehr Schrecknisse, obwohl es zu der Zeit noch keinen Darwinismus gab.

Und namentlich auch Päpste, etwa in den Enzyklika's Leo XXIII. haben sich mit ihrer These vom Ständestaat, als Schleppenträger des Manchesterkapitalismus entpuppt.

Übergeschwappt diese These auch im Evangelisch-kirchlichen Bereich.
Stellvertretend sei auf den "Narr in Christo Emannuel Quint" von Hauptmann verwiesen. Dort etwa auf die Dialoge: ...

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,42225,42451#msg-42451

von Drahbeck - am 13.10.2010 05:42

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Darf ich nur daran erinnern, dass ursprünglich das Thema lautete:

Was ist der Zweck dieser Veröffentlichungen? / "Intelligent Design"

Auch in einem anderen Forum erfolgte immer die gleiche Themenverfehlung:
Es wird alles mögliche behandelt, aber die Veröffentlichung, auf die der Eröffner des Themas sich bezog, wird nicht eingegangen!

Nur weil Lönnig seine Argumente einbrachte und der - um Gottes Willen! - ein ZJ ist, bedenkt man diese beiden Broschüren mit Verachtung, ohne im Detail auf die dortigen Argumente einzugehen. Da werden hier die Auschwitzöfen genannt, wie wenn Gott dort persönlich eingeheizt hätte, aber nichts über das "Intelligent Design" ...

Auch meine Vermittlung zu dem Link AUGE WIDERLEGT ZUFALLS-EVOLUTION kam nichts.

Neuer Versuch um wieder zum eigentlichen Thema zu kommen:









von Gerd B. - am 13.10.2010 05:47

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Hallo Gerd!

Zitat
Gerd B.
Darf ich nur daran erinnern, dass ursprünglich das Thema lautete:

Was ist der Zweck dieser Veröffentlichungen? / "Intelligent Design" ...

Was denkst du ist Zweck dieser Veröffentlichungen?

von X ~ mysnip - am 13.10.2010 13:47

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Zitat
X ~ mysnip
Hallo Gerd!
Was denkst du ist Zweck dieser Veröffentlichungen?


Sicherlich nicht, um die Leser zu belustigen ;)

Der Allgemeintrend vieler Menschen, die sich von Kirchen und Religionsgemeinschaften verabschieden, ist, eine Alternative für einen Schöpfer zu finden. Es stört solche Menschen, dass ein Gott vielleicht einmal Rechenschaft von ihnen fordern könnte - nun, das einfachstes Mittel um diese unangenehmen Gefühle los zu werden: man schafft Gott einfach ab! Und predigt diese Neuerkenntnis, wie zu besten Zeugens-Zeiten.

Daher finde ich die beiden Broschüren inhaltlich für die wenigen ZJ-Aussteiger die sich weiter mit Gott befassen wollen wertvoll, denen Mitaussteiger in ZJ-Aussteigerforen im 4/4-Takt Gott als Märchenfigur vorstellen. Oder mit dem Brustton der eigenen Überzeugung nur die subjektive Botschaft vermitteln, dass die Wissenschaft bereits bewiesen hätte, dass LEBEN aus der Evolution (von selbst, also ohne Designer) entstand und das wird wie die unverfälschte Wahrheit propagiert. Zusatz: ich will diese Leute nicht von ihrer neuen Sicht abbringen, ich kenne auch keinen einzigen Fall, wo Neu-Atheisten wieder zu Gott fanden. Ich vermute, es SOLL auch so sein, will keine bestätigenden Bibelstellen nennen.

Wenn dieser Thread - Nr. 1 und 2 - auf die Broschüren Bezug nahm, so wollte ich dazu meine 2 Cents mit einbringen und warte nur, was jemand zu Lönnigs Argumenten zur Entstehung des Auges wissenswertes beitragen könnte. Ist er, oder der Papst, zu einer bestimmten Thematik deswegen unglaubwürdig, weil sie gottgläubig sind, aber diesen oft theologisch nicht richtig darstellen?

Übrigens, ICH eröffnete den Ursprungsthread zum Thema NICHT! :cheers:

von Gerd B. - am 13.10.2010 15:31

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Zitat
Gerd B.
Zitat
X ~ mysnip
Hallo Gerd!

Was denkst du ist Zweck dieser Veröffentlichungen?

Sicherlich nicht, um die Leser zu belustigen ;)

Hierin stimme ich zu.

Zitat

Der Allgemeintrend vieler Menschen, die sich von Kirchen und Religionsgemeinschaften verabschieden, ist, eine Alternative für einen Schöpfer zu finden.

Ich meine nicht, daß viele eine Alternative suchen. Die Argumente jener, die Gott ablehnen, sind breitgefächert und für mich meist nachvollziehbar. Stichwort - Theodizee. Einer erheblichen Zahl von Menschen ist sowohl Gott, als auch Evolution völlig egal.

Zitat

Es stört solche Menschen, dass ein Gott vielleicht einmal Rechenschaft von ihnen fordern könnte - nun, das einfachstes Mittel um diese unangenehmen Gefühle los zu werden: man schafft Gott einfach ab!

Motive für sein Handeln hat jeder. Meiner Ansicht nach können jedoch die meisten Menschen, die Gott ablehnen, gar nicht ihre unangenehmen Gefühle loswerden wollen, da sie diese überhaupt nicht haben. Ist mir auch zu vereinfachend. Außerdem wirft diese Sichtweise Gegenfragen auf: Ist die Vorstellung, ihr Gottesbild infrage stellen zu müssen, für viele Gläubige mit "unangenehmen Gefühlen" verbunden? Welche Rolle spielt es beim Gläubigen vor Gott "Rechenschaft" abzulegen? Wird hauptsächlich aus dem Anreiz heraus geglaubt, ewiges Leben zu erhalten? Was ist Motiv?

Zitat

Und predigt diese Neuerkenntnis, wie zu besten Zeugens-Zeiten.

"Predigten", in Form von Vorhaltungen, kommen aus vielerlei "Ecken".

Zitat

Daher finde ich die beiden Broschüren inhaltlich ... wertvoll ...

Das habe ich mir hier schon gedacht.

Zitat

... Wenn dieser Thread - Nr. 1 und 2 - auf die Broschüren Bezug nahm, so wollte ich dazu meine 2 Cents mit einbringen und warte nur, was jemand zu Lönnigs Argumenten zur Entstehung des Auges wissenswertes beitragen könnte.

Wird wohl nicht passieren, da es im Ursprungsthread nicht um Evolution oder Schöpfung geht. Ich hatte dies mehrfach verdeutlicht.
Es geht darum, von wem und wozu ID benutzt wird.

Zitat

Ist er, oder der Papst, zu einer bestimmten Thematik deswegen unglaubwürdig, weil sie gottgläubig sind, aber diesen oft theologisch nicht richtig darstellen?

Nicht unbedingt. Trotzdem, bei der Glaubwürdigkeit gewisser Personen spielt für mich ihre Systemzugehörigkeit oder Nähe eine wesentliche Rolle.
Am Rande: Welcher Gottgläubige stellt "theologisch" meist alles richtig dar?

Zitat

Übrigens, ICH eröffnete den Ursprungsthread zum Thema NICHT! :cheers:

Gerd, weil du meine Ausgangsfrage nicht beantwortest - die Veröffentlichungen der WTG wurden Personen wie dir sicher nicht an die Hand gegeben, damit du Menschen zum Schöpfer führst - Was ist also Zweck dieser Veröffentlichungen?

DAS ist Thema!


von X ~ mysnip - am 14.10.2010 16:42

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Kutschera stellt es so dar, als habe er erst sehr, sehr spät mitbekommen, es bei Lönnig mit einem Zeugen Jehovas zu tun zu haben. Nun muss man letzterem auch bescheinigen, sein Zeuge Jehovas sein, nicht plakativ mit sich herumzutragen. Das erschließt sich eher auf die indirekte Art. So war es auch bei Kutschera, der dazu schreibt (S. 206f.):
"Beim Verlassen meines Arbeitsplatzes (im Jahre 2003) wurde mir von einem Mitglied der Zeugen Jehovas ein Faltblatt in die Hand gedrückt."
Jesaja 43:12: " ... ,Und ihr seid meine Zeugen', ist der Ausspruch Jehovas ... '" Gilt das nicht für jeden ZJ immer und überall?

Und weiter Kutschera:
"Zu meiner Überraschung konnte ich in dieser Werbebroschüre aus dem Jahr 1998 die von W.-E. Lönnig vorgebrachten Argumente in geringfügig modifizierter Form wiederfinden. … Es kam mir daraufhin der Gedanke, Herr Lönnig könnte möglicherweise Mitglied der weltweit aktiven 'Endzeit-Sekte' Zeugen Jehovas sein. Ich konnte mir jedoch nur schwer vorstellen, dass ein auf Lebenszeit angestellter 'Group Leader' an einem internationalen Forschungsinstitut Anhänger einer derartigen Glaubensgemeinschaft ist."
Bei Versuch eines abschließenden Satzes würde ich es auf den Punkt bringen. Kutschera stellt nicht zu unrecht fest. Die Vertreter des "Intelligentes Design" sind in nicht seltenen Fällen verkappte Kreationisten, die dieses ihr Kreationisten-sein nur schamhaft verschweigen. Würden sie diese "Kriegslist" nicht anwenden, könnte man sie viel eher auf den "26. Oktober 9 Uhr früh" festnageln, der mit zu ihrem eigentlichen Wesen gehört, getreu dem Motto: Wer A sagt muss auch B sagen.

1993 empfiehlt
www.weloennig.de/Die_Affaere.pdf
Lönnig [S. 35] im "Artbegriffsbuch" Anfängern die WTG-Publikation "Das Leben - Wie ist es entstanden?" Darin wird auf den Seiten 17-19 auf das "Auge" eingegangen. Kutschera kritisiert Lönnig. Er habe die Autoren des Werkes nicht angegeben. Dazu verbreitet Lönnig:

LÖNNIG - 'DIE AFFÄRE MAX PLANCK', - DIE ES NIE GEGEBEN HAT - S. 33 (3)]
,,Der (oder die) Autor(en) des Werkes Das Leben - Wie ist es entstanden? werden in dem Buch nirgends erwähnt - wie könnte ich also den oder die Autoren namentlich nennen?"
Beim Stichwort "Auge" denke ich an Folgendes:

www.weloennig.de/AuIn.html
"LÖNNIG - Auge widerlegt Zufalls-Evolution"

Bei "ZEIT ONLINE Wissen" zu "Religion und Evolution" findet sich der Artikel vom Genetiker Steve Jones "Gott pfuscht auch", in dem er auf das "Auge" Bezug nimmt. [www.zeit.de/2005/33/Kreationismus]

Steve Jones Beitrag kritisiert nun:

www.isau.de/id/unvollkommenheit.html#B_1]RALF ISAU B. 1. 2. DAS AUGE - NUR PFUSCH?
,,Die scheinbaren Sachargumente von Jones zur Rechtfertigung des ausschließlichen Wahrheitsanspruchs der synthetischen Evolutionstheorie sind schon seit Jahren als unzureichend nachgewiesen. Eine ausführliche Abhandlung hierzu erschien bereits vor dreißig Jahren unter dem Titel Auge widerlegt Zufalls-Evolution. (Der Genetiker Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig stellt sein umfangreiches Werk in einer überarbeiteten Neufassung jedem interessierten Leser im Internet auch online zur Verfügung.)"
Dreißig Jahre alt ist Lönnigs Abhandlung? Das von ihm empfohlene WTG-Buch ist von 1985. Hat Lönnig daran mitgewirkt?

Über Ralf Isau findet sich auch Informatives im Netz. Siehe:

www.karl-leisner-jugend.de/Ralf_Isau.htm
KARL-LEISNER-JUGEND
,,Ralf Isau und die Zeugen Jehovas"
Was soll man jetzt denken?

siehe weiterhin:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,46206,50213#msg-50213

von X ~ mysnip - am 14.10.2010 21:27

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Obwohl die "Widerlegung" zu Lönnigs Abhandlung über die Erschaffung des Auges keinerlei Substanz enthält, außer dass er ZJ sei, ist somit erwiesen, dass alle Augen, vom Adler- bis zum Hühner-, sich von selbst bildete?

von Gerd B. - am 15.10.2010 04:56

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Zitat
Gerd B.
... ist somit erwiesen, ...?

"Bewiesen" im strengen Sinne des Wortes, ist weder die eine noch die andere Variante eines Erklärungsversuches.
Beide, und das räumt selbst ein Herr Scherer ein (der ansonsten die Schöpfungslehre favorisiert), basieren auf Glauben.
Das Thema Glauben indes ist für die jeweiligen (egal welcher Art) immer ziemlich einfach.
Zu einfach!



Wir Glauben daran trotz gegenteiliger Beweise und damit basta.
Wie stellte ein nicht unbekannter User einmal zutreffend fest:
Glaube sei eine Art Energiesparkfunktion des Gehirns.

Angesichts solcher Vollmundigkeit ist man dannn wohl nicht mehr allzuweit entfernt von diesem Angebot:



Noch so eine vollmundige, mal in Umlauf gesetzte These (die man in indirekter Form) durchaus diesem Disput zuordnen kann:

Zwei Drittel aller Deutschen glauben an ein Leben nach dem Tod.

Auch wenn es denn tatsächlich "zwei Drittel" sein sollten, beweist auch in diesem Falle die hohe Zahl überhaupt nichts.
Man gelangt auch in diesem Falle über den Status Glauben, im streng wissenschaftlichen Sinne, nicht hinaus.

von Drahbeck - am 15.10.2010 07:33

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Ich gebrauche in dieser Kausa, den für MICH naheliegenden "gesunden Menschenverstand".

Der Erfinder der "Camera obskura" hatte eine wichtige Voraussetzung: er konnte SEHEN!
Dass ein blindes und gehörloses "Nichts", Tiere werden ließ, die sehen und hören können, leuchtet MIR nicht ein. Zu diesem Schluss kam ich schon vor meinem 19. Lebensjahr, also vor Einstieg zu den ZJ.

Dass die WTG Broschüren veröffentlicht die zeigen, dass ein Schöpfer als schuf, entspricht ihrer ideologischen Grundeinstellung, die in diesem speziellen Punkt sich mit meiner deckt.

Nun könnte man auch fragen "Warum verbreitet die WTG bibelerklärende Literatur?"

von Gerd B. - am 15.10.2010 09:29

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Das der in Rede stehende Disput keinesfalls "nur" auf die WTG begrenzt ist, ist bekannt und wird auch nicht bestritten.
Ergo wurden ja die einschlägigen Videos etwa von Herrn Poppenberg dahingehend charakterisiert.
Er wäre eigentlich vorschlagbar für einen weiteren Orden (nebst den welchem ihm bereits die seinerzeitige Spiessburger-Webseite verlieh).
Seine Ordenswürdige Leistung:
Er hat an und für sich wie Hund und Katze befindliche Kreise, unter seinem - Evolutionskritischen - Hut vereinigt.

Bereits in den 1920er Jahren musste ein Lehrer in den USA, arg um seinen Job bangen; dieweil er eben in diesem Disput für die Evolutionstheorie votierte.
Die Zeiten wo dieser Disput vielleicht mal etwas nüchterner angegangen werden könnte, sind bei weitem noch nicht erreicht. Garantiert auch nicht in der Gegenwart.

Mit ihren neueren thematischen Publikationen, giesst ja auch die WTG bewusst wieder Öl ins brennende Feuer.
Dennoch gilt das Scherer'sche Votum weiterhin.
Beide konträren Positionen reduzieren sich letztendlich auf den Faktor Glauben.

Keinem der Kontrahenten ist es bis heute gelungen, diesen Level wirklich zu verlassen.
Wenn die WTG das Thema aufgreift, ist unfraglich ihre Motivation, dem Leser im Sinne ihrer Variante eines "Weiterlebens nach dem Tode" zu motivieren.
Bitte jetzt keine "Erbsenzählerei" dabei.
Andere christliche Kreise verbinden mit dem Begriff "Weiterleben nach dem Tode" namentlich die Seelenlehre.
Mit dieser Seelenlehre hat ja die WTG erwiesenermaßen nichts am Hut. Lehrt sie im Wortsinne auch kein "Weiterleben nach dem Tode", so ist dennoch mit ihrer Harmagedontheorie und Co eine Variation desgleichen gegeben.

Das ist eben das Wesensgefüge der Religion insgesamt.
Man meint "mehr als Brot essen zu können".
Ergo "Erkenntnisse höherer Welten" zu haben.
Ob man die nun hat oder nicht, werden die so Siegesgewissen sich weiterhin vorhalten lassen müssen, bei ihren Thesen den Level des Glaubens nicht zu verlassen, nicht verlassen zu können.

Für mein Empfinden wird der nicht wertfreie Disput dazu benutzt, letztendlich die Jenseitstheorie als eigentliches "Event" zu verkaufen (wie bereits eingeräumt kann auch die sehr unterschiedlich sein).

Wenn ein Herr Kutschera als die ihn bestimmende Motivation, auch im Blick auf den seinerzeitigen Fall Scopes in den USA, sein agieren wohl in dem Spruch sachgerecht zusammengefasst sieht:
Wehret den Anfängen, dann kann ich mich diesem "Wehret den Anfängen" nur anschliessen.

Nicht aus einer Motivation als Biologiewissenschafter, der ich selbstredend nicht bin.
Wohl aber aus der Motivation den Jenseitsverkäufern, das notwendige Kontra entgegenzusetzen.

von Drahbeck - am 15.10.2010 10:08

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Was aber in der Diskussion nicht geschieht: die Jenseitsverkäufer die zur Diskussion stehenden beiden Broschüren über das Intelligent Design zu widerlegen!

von Gerd B. - am 15.10.2010 11:56

Re: Lönnig / "Intelligent Design"

Zitat
Gerd B.
Was aber in der Diskussion nicht geschieht: die Jenseitsverkäufer die zur Diskussion stehenden beiden Broschüren über das Intelligent Design zu widerlegen!

Das ist dann die Gretchenfrage wer die Beweislast zu tragen hätte.
Ich halte mich da wie gesagt an den Siegfried Scherer, den Poppenberg ein ganzes Video mit ihm als alleinigen Star widmete.
Und bemerkenswert, im Gegensatz zu anderen, formulierte Scherer keinen Totalzerriss von Darwin.
Und er formulierte auch klar. Beide konträren Aufassungen sind aus dem Stadium des Glaubens bis heute nicht herausgekommen.

Wenn es denn eine Schöpfung gegeben hat, dann trat zumindest nach deren Ende eine ziemlich lange Pause ein.
Interessierte Kreise etwa dokumentieren vom Aussterben bedrohte Arten ("Rote Listen" und was es da so alles gibt). Einige Arten sind dann ja wohl auch schon ausgestorben.
Als Nicht-Biologe der sich in diesen Themenkomplex auch nicht weiter vertieft hat, würde mir da beispielsweise das Mammut als ausgestorben einfallen.
Aber auch die Vertreter der Schöpfungslehre haben wohl bisher nicht die These aufgestellt, dass da vielleicht ersatzweise "neue Arten" aufgetaucht wären, die es vor einigen Jahrhunderten, so noch nicht gegeben hat.
Ergo bleibt die These von der "Schöpfungspause" bestehen.

Nun meinen andere, mit einer "Schöpfungspause" nichts am Hut zu haben, favorisieren dafür um so mehr etwa Evolutionsthesen.
Ich bleibe dabei.
Bis zum Beweis eines erneuten "wundersamen Eingreifens eines Schöpfers" (hoffentlich nicht wieder in der Form als "Jäger", der da Auschwitzöfen als sein Instrumentarium benutzt, um diejenigen dort hinzuscheuchen, wo sie gemäß seinen Marionettentheater-Regieplänen "hingehören".

Bis zum Eintritt eines solchen wissenschaftlich auch nachvollziehbaren Geschehens, sind weder Schöpfungsgläubige noch Evolutionsgläubige in der Lage, ihre bevorzugte These gemäß wissenschaftlichen Kritierien, zu beweisen.

Beide bleiben im Level des Glaubens stecken.
Das mag man als nicht schön empfinden, ohne Frage.
Ich würde es auch nicht als schön empfinden, einer früheren Generation anzugehören, die noch keinen elektrischen Strom kannte.
Die mögen das damals nicht so empfunden haben, dieweil sie es eben nicht anders kannten.
Aber ich kann mich durchaus damit begnügen, die derzeitige Gewissheit zu haben, es gibt wohl weiter ungeklärte Fragen.

Da bin ich dann schlichtweg mit dem zufrieden, was ich habe, und nicht unbedingt scharf darauf auch Fragen gelöst zu sehen, deren Lösung wohl vielleicht erst spätere Generationen sehen werden.
Das überbetonen der derzeit ungelösten Fragen, außerhalb der Fachleute-Ebene, ist da wohl so überflüssig wie ein Kropf.

Zitat aus der Wikipedia über Scherer:
"Scherer ist dafür bekannt in öffentlichen Diskussionen die Evolutionstheorie zu kritisieren. Er bestreitet nicht, dass Evolution stattfindet, ist jedoch der Ansicht, dass diese nur zu Veränderungen unterhalb der Artgrenze (Mikroevolution) und nicht zu einer Zunahme an Komplexität (Makroevolution) führt.
Er bezeichnet sich selbst nicht als Kreationist, war jedoch in mehreren kreationistischen Organisationen aktiv. Bis 2006 war er ehrenamtlicher Vorsitzender der evangelikalen Studiengemeinschaft Wort und Wissen, einem der wichtigsten Vertreter des Kreationismus in Deutschland. Bis 2003 war er Fellow des Discovery Institute (Seattle), eine der führenden Institutionen der Intelligent-Design-Bewegung. Heute distanziert er sich von den aktuellen Aktivitäten des Instituts, Intelligent Design mit juristischen Mitteln im Biologieunterricht zu verankern."

Verstehe ich die Angaben in der Wikipedia richtig, gibt es das Scherer'sche Video "Was Darwin nicht wissen konnte" (wohl von Poppenberg hergestellt) jetzt auch im Internet.

http://www.nuoviso.tv/index.php?option=com_content&view=article&id=306:was-darwin-nicht-wissen-konnte&catid=69:videovortraege&Itemid=84

Zitat bei etwa Minute 4,44 (freie Transkription. Den Aufwand wortgenau zu transkripieren möchte ich mir nun doch nicht auch noch aufladen).
"Werden wir mit Gewissheit wissen, was ist wenn wir nur genug Daten haben?"
Ergo auch Scherer vermeidet die Vollmundigkeit, wie man sie andernorts ja begegnet.

Minute 5,50
"Experimente müssen wiederholbar sein"
Dieser Forderung dürften beide Kontrahenten wohl nicht im ausreichendem Maße Genüge tun können.

Minute 6,22
Soweit es zurückgehend in die Vergangenheit geht, um so schwieriger wird es genanntem Kriterium zu ensprechen.

Ich breche jetzt meinerseits ab. Das Video kannte ich ja bereits als Poppenberg'sches Kaufvideo.
Wie gesagt, interessanterweise gibt es das jetzt auch im Internet.

von Drahbeck - am 15.10.2010 13:08

Re: Hilferuf!

:)

Hallo Manfred!

Übersah ich etwas?

Zitat
Gerd B.
Obwohl die "Widerlegung" zu Lönnigs Abhandlung über die Erschaffung des Auges keinerlei Substanz enthält, außer dass er ZJ sei, ist somit erwiesen, dass alle Augen, vom Adler- bis zum Hühner-, sich von selbst bildete?

Von welcher "Widerlegung" spricht Gerd? Wo [Posting vom ...] hat ein hiesiger Schreiber versucht Lönnig fachlich zu widerlegen?

Ich finde keinen Beitrag.

Viele Grüße!

von X ~ mysnip - am 15.10.2010 15:43

Re: ACCEPT

Zitat
Drahbeck
Es hat auch ohne Evolutionstheorie (die es damals überhaupt noch nicht gab) etwa den Dreissigjährgen Krieg, und andere Schrecknisse gegeben; die Inquisition nicht zu vergessen.

PROTECTORS OF TERROR

Auf der Suche nach christlicher Freiheit S. 322

von X ~ mysnip - am 22.10.2010 13:41
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