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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 7 Jahren, 3 Monaten
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Drahbeck

Der Fall Kurras

Startbeitrag von Drahbeck am 10.03.2011 23:27

Ein Journalist, Armin Führer, verfasste zu dem Thema "Wer erschoss Benno Ohnesorg? Der Fall Kurras und die Stasi" ein im Jahre 2009 erschienenes Buch. Wie der Fall aktuell in der Tagespolitik auftauchte, gab es in entsprechenden Presseberichten, auch die eher nebulöse Angabe.
Auch beim Thema Zeugen Jehovas, soll Kurras letztendlich für die Stasi mit tätig gewesen sein. Selbstredend war das wohl nicht das Hauptfeld, wo Kurras für die Stasi agierte, eher eine Art Nebenergebnis.

Siehe dazu auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,28254,28254#msg-28254

Nun mag ja die "große Presse" ein Zeugen Jehovas-Bezug nicht sonderlich "bewegen". Die richten ihr Augenmerk dann doch lieber auf andere Aspekte. Aber daran habe ich auch keinen Zweifel, Wenn zu dem Zeitpunkt wo jener Fall die Presse erreichte, wirklich handfestes zum Zeugen Jehovas-Mitbezug bekannt gewesen wäre, hätte sicherlich die "grosse Presse" diesen Umstand sich nicht entgehen lassen, und weiteres dazu berichtet.
Jedenfalls soweit mir denn Artikel, der "grossen Presse" zu diesem Fall bekannt geworden waren, gab es da bestenfalls nebulöse Andeutungen, und keinen Cent mehr.
Grund genug also das Buch des Herrn Führer einmal selbst zu sichten, um zu erfahren, ob man dort bezüglich der spezielle Fragestellung etwas mehr erfahren kann.

Folgt man der Führer'schen Darstellung, so war wohl schon sein Vater zu Nazizeiten Polizist. Und Kurras Junior hatte offenbar die Intention in dessen berufliche Fußstapfen zu treten. Schon sein Geburtsjahr (1927) verdeutlicht dann, dass der Junior nach 1945 doch ein relativ junger Mann war. Nun trat etwas ein was des Junior's Pläne etwas ins Trudeln brachten. Ein Waffennarr war er wohl schon zu der Zeit. Im Dezember 1946 wurde er von sowjetischen Sicherheitskräften verhaftet, welche eine in seinen Besitz befindliche Waffe der faschistischen Wehrmacht feststellten. Die Sowjets machten kurzen Prozess. Sie sperrten ihn in ihr in Kontinuität zu den Nazis weiter betriebenes Konzentrationslager Sachsenhausen ein. Erst mit dessen Auflösung im Jahre 1950, sollte er wieder seine Freiheit erlangen.

Ab dem Moment seiner Freilassung stellte sich für ihn die Frage der beruflichen Zukunft. Getreu dem Vorbild seines Vaters, wollte er nun partout Polizist werden. Er bewarb sich auch in Ostberlin bei der Polizei, bekam dort aber eine schroffe Absage. Danach versuchte er dann sein Glück bei der Westberliner Polizei, und hatte dort auch in seinem Sinne Erfolg. Ein aus Sachsenhausen entlassener, konnte ja in westlicher Sicht, nur der rechte Mann sein.
Die weiteren Details seiner Karriere "hüben und drüben", konnte man dann in den grundsätzlichen Linien, schon den zeitgenössischen Presseberichten entnehmen. Jedenfalls war der Aufstieg für Kurras in der Hierarchie der Westberliner Polizei, offenbar grenzenlos. So landete er von der Kriminalpolizei kommend, letztlich beim sich mit politischen Delikten befassten Staatsschutz (dem Stasi-Pedant auf westlicher Seite).

Nun kann es an diesem Ort nicht um die weitere Ausleuchtung der Psyche des Herrn Kurras gehen. Wer sich für seine diesbezüglichen Knacks näher interessiert, kann die dann ja selbst in dem genannten Buch des Herrn Führer oder analoges nachlesen.

Aber zurückkehrend zur eigentlich hier im besonderen interessierenden Frage. Und dabei bleibt auch nach Lektüre des genannten Buches, bei mir weiterhin der Eindruck zurück. Inhaltlich mehr als dürftig.
Dazu ein entsprechendes Zitat (S. 63)
Zitat

„Das "Bohls" Berichte (Stasi-Name des Kurras) unmittelbar Handlungen des MfS auslösen konnten, zeigt folgendes Beispiel.
Am 2. Januar 1959 erstattete er Bericht über einen "politischen Einbruch" in der Charlottenburger Gemeinde der Zeugen Jehovas, die als religiöse Organisation in der DDR verfolgt wurden. Gestohlen wurden dabei vor allem Karteikarten mit Namen von Personen, die in der DDR lebten. Die Täter hatten genaue Kenntnis gehabt und seien sehr zielsicher vorgegangen. Der Einbruch war kein Zufall - Kurras selbst hatte kurz zuvor über eine Veranstaltung der Organisation berichtet, in der massiv gegen die DDR gehetzt worden sei. Redlin - (Stasifunktionär) hatte den Bericht an andere Abteilungen weiter gegeben und fragte an, was in dieser Sache veranlasst sei."

Ende der Durchsage. Weitere Zeugen Jehovas bezügliche Details gibt es auch im Führer'schen Buch nicht.
Was ist dazu im Detail zu sagen?
Zum einen, die westliche Tagespresse ging tagesaktuell auf den Fall berichtend mit ein. Das weis ich aus eigenem Erleben auch dahingehend, dass just an dem Wochenende nach dem Einbruch, große Aufregung in Zeugen Jehovas-Kreisen herrschte. Unter WTG-Einfluss befand ich mich an dem Tage, wo solche Presseberichte erschienen, als Kostenlos-Arbeiter in einem im Bau befindlichen Westberliner Königreichssaal. Die Presseberichte an jenem Tage überschatteten damals alles andere.
Meines Erachtens hat Kurras in seinem Bericht kaum mehr mitgeteilt, mitteilen können, als wie in der veröffentlichen Tagespresse zu dem Thema auch zu lesen war.
Und dann weis man ja heutzutage, wie das abgelaufen ist. Der im Auftrag der Stasi einbrechende Karlheinz Simdorn - (alias Wolfgang Daum) - ist heutzutage namentlich bekannt.
Die Stasi bekam also, da sie das ganze ja selbst angezettelt hatte, via Kurras allenfalls eine Art Feedback zu ihrer Aktion.
Zitat

"Redlin (Stasifunktionär) hatte den Bericht an andere Abteilungen weiter gegeben und fragte an, was in dieser Sache veranlasst sei."

Ergo war der Kontaktmann des Kurras auf Stasiseite selbst in diese Vorgänge nicht eingeweiht. Wäre es anders hätte er auch nicht die Frage stellen zu brauchen " was in dieser Sache veranlasst sei."
Siehe auch
19582Einbruch
Weiter das Zitat:
Zitat

"Kurras selbst hatte kurz zuvor über eine Veranstaltung der Organisation berichtet, in der massiv gegen die DDR gehetzt worden sei."

Wie eben genannter Bericht tatsächlich aussah, wird aber auch nicht im Detail beschrieben.
Ergo unterstelle ich mal - bis zum Beweis des Gegenteils - der Bericht über eine Kreisversammlung oder ähnliches dieses Kalibers. Das die Stasi zu solcherlei Veranstaltungen eine vorgefasste Meinung hatte, nämlich die, das dort "massiv gegen die DDR gehetzt worden sei", lässt sich auch aus etlichen anderen Quellen belegen.
Kurras dürfte da kaum wesentlich neues an Erkenntnis beigetragen haben.
Zudem pflegten solcherlei Kreisversammlungen (von denen ich ja selbst einige abgesessen habe, etwa in einer Sporthalle am Westberliner Sachsendamm, oder auch am Ausstellungsgelände am Westberliner Funkturm) öffentlich zu sein. Da konnte jeder hingehen (oder es auch sein lassen).
Ergo zusammengefasst. Im Kontext der hier besonders interessierenden Fragestellung, war dieser eine unbedeutende "Randpflanze". Er besaß für die Stasi auf anderen Feldern sicherlich beachtliche Bedeutung; nur eben auf dem einen nicht, dass hier im besonderen interessierte.
Siehe auch
Querbeet04
Parsimony.1127
Aus dem "Handbuch der Rauschgiftmafia"

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