VDE und Ladestationen

Startbeitrag von Ralf Wagner am 05.11.2012 16:33

Hallo Zusammen,

die VDE regelt vieles im Zusammenhang mit Ladestationen und elektrischen Anlagen. Unter anderem gibt es eine neue VDE zum Thema

DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2012-10

VDE 0100 Errichten von Niederspannungsanlagen –
Teil 7-722: Anforderungen für Betriebsstätten,
Räume und Anlagen besonderer Art –
Stromversorgung von Elektrofahrzeugen;
Deutsche Übernahme HD 60364-7-722:2012

Darin steht z.B. dass der Gleichzeitigkeitsfaktor mit "1" angenommen werden muss, d.h. die Ladestation mit voller Leistung belastet werden kann, solange keine dynamische Laststeuerung vorhanden ist. Mehrere Ladestationen mit hoher Ladeleistung kann ich also nur bauen wenn ich auch eine Laststeuerung habe. Ohne Steuerung bliebe noch Stationen mit limitierter leistung einzusetzen.

...mal sehen was noch so drin steht.

Soweit
Grüße
Ralf

Antworten:

In der Tat ein Punkt, der in der Vergangenheit gerne mit 2/3 ider sogar nur 1/3 angegeben wurde -wohlgemerkt bei Haus und/oder Industrieinstallationen.

Erstaunlich fand ich es, als vor einigen Jahren ein vertrauter Elektrikermeister, mir die Last einer Ladestation für mein "Auto" mit 2kW bemaß und dabei noch die Leitungen auf 1.5qmm runtergerechnet hat.
Die Möglichkeit, daß ein Auto mit 11kW Ladeleistung an der Dose andockte, hielt er für absurd.

;-)

Wie die Zeiten sich ändern.

Gruss

Carsten

von inoculator - am 05.11.2012 16:46
Einem erstaunten Vertreter eine Ladestation habe ich heute die Ladeleistung des Renault ZOE präsentiert (3 Ph 63A)..


Ich habe mal weiter geschmökert und mir folgende wichtige Punkte notiert

DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2012-10
wichtige Punkte (Auszüge)

- Gleichzeitigkeitsfaktor muss 1 sein, ausser es ist eine Laststeuerung vorhanden (722.311)
- Jeder Anschluss eigener Stromkreis, eigene Schutzeinrichtung (722.311, 722.533.101)
- ...sollte ein Überspannungsschutz vorhanden sein (722.443.1)
- mechanischer Schutz der Betriebsmittel vor vorhersehbarer Beanspruchung (722.512.2.103)
- Steckdose möglichst nah am Parkplatz (722.55.101.2)
- Steckdosen Aufputz, Unterputz in Verteilern oder separaten gehäusen, Kupplungsdosen sind nicht erlaubt (722.55.101.2)
- Je Steckdose nur ein Fahrzeug (722.55.101.3)
- Bei Ladebetriebsart 3 oder 4 elektrische oder mechanische Verriegelung der Steckverbinder (722.55.101.4)
- UK Steckdose 0,5 bis 1,5 m (722.55.101.5)
- In Ladebetriebsart 3 und 4 darf keine unbeabsichtigte Rückladung ins Netz möglich sein (722.55.101.6) > nur durch Strommessung an der Station möglich
- keine Einspeisung in Ladebetriebsart 1 oder 2 (722.55.101.6)

Zusätzlich in D

- Bei Drehstrom und unbekanntem Fahrzeug ist ein RCD (FI) Typ B notwendig (722.531.2.101) > Ein RCD Typ B kostet ca. 400 €, ein Typ a unter 100 €.

Gruß
Ralf

von Ralf Wagner - am 05.11.2012 17:28
- mechanischer Schutz der Betriebsmittel vor vorhersehbarer Beanspruchung (722.512.2.103)

Ähm... Meinen die jetzt Feuerlöschanlage und Abreißschutz?

- ...sollte ein Überspannungsschutz vorhanden sein (722.443.1)

Sinnvoll! Stimme voll zu. DEHN Ventile sind auch nicht allzu teuer.

- Jeder Anschluss eigener Stromkreis, eigene Schutzeinrichtung (722.311, 722.533.101)

Ich nehme an, hier reicht ein Sicherungsautomat?!
Muss Drehstrom allphasig abschalten -also Draht durch die Sicherungslaschen?!

Gruss

Carsten

von inoculator - am 06.11.2012 08:08
Hallo Carsten, die meisten Sachen kamen mir auch sinnvoll vor. Beim mechanischen Schutz ist sicher gemeint dass man den Anschluss so platziert dass man ihn beschädigt, z.B. beim Einparken. Da kann man sich viel überlegen was sinnvoll zu tun ist.

Drehstromkreise müssen immer allpolig abschalten.

Grüße
Ralf

von Ralf Wagner - am 06.11.2012 21:55
Hallo

So wie ich es kenne ist der RCD Typ B nur für Ladebetriebsart 4 vorgeschrieben, für die Ladebetriebsarten 1 bis 3 nur empfohlen.

Macht ja auch Sinn da nur dort mit Gleichspannung gearbeitet wird.


Kannst du mal nachschauen ob sich da was geändert hat.


Gruß

Roman

von R.M - am 06.11.2012 22:23
Hallo

Eine Drehstromkiste ist keine Ladestation sondern nur eine Außensteckdose, da muss gar nichts geändert werden.


Gruß

Roman

von R.M - am 12.11.2012 21:55
Hallo Roman,
Zitat
R.M
Eine Drehstromkiste ist keine Ladestation sondern nur eine Außensteckdose, da muss gar nichts geändert werden.

klarer Fall von Definition.

Für uns (Elektrofachbetriebe) gilt es die Normen umzusetzen. Das bedeutet ua:
Eine Ladestation für Elektrofahrzeuge ist mit allstromsensitiven FI zu schützen. Mennekes schreibt außerdem LS-Schalter 3p+N vor!!!
Bisher habe ich keine Ladestation nach Typ2 (aktuell die einzige Möglichkeit einer Ladestation) errichtet. Bei einer 22kW-Ladestation im privaten Bereich ist außerdem eine Leistungsanfrage beim EVU notwendig. Gespräche endeten immer bei der Preisfrage. Mal sehen was passiert wenn zB die Besteller der E-Mobile mit 22kW-Lader und Typ2-Steckern diesen dann wirklich zu Hause nutzen wollen (Ladung nach Mode 3). Ladung nach Mode 2 endet bei CEE 1P/N/PE mit 3,7kW.


Gruß
Alfons.

von Alfons Heck - am 01.05.2013 09:04
Hallo

Wie du schon sagst "Definitionssache" 22kw Durchlauferhitzer muß ich hier jedenfalls nicht beim EVU anmelden, warum also eine 32A Drehstromdose.

Gruß

Roman

von R.M - am 01.05.2013 09:17
Hallo Roman,
Zitat
R.M
...22kw Durchlauferhitzer muß ich hier jedenfalls nicht beim EVU anmelden...


TAB 2007 für den Anschluss an das Niederspannungsnetz besagt in Punkt 2 Absatz 3
Zitat
(3) Aus den im Absatz 2 genannten Gründen bedarf der Anschluss folgender Anlagen...
und Verbrauchsgeräte der vorherigen Beurteilung und Zustimmung des Netzbetreibers:
– neue Kundenanlagen
– zu erweiternde Anlagen, wenn die im Netzanschlussvertrag vereinbarte gleichzeitig
benötigte Leistung überschritten wird
– vorübergehend angeschlossene Anlagen, z. B. Baustellen und Schaustellerbetriebe
– Erzeugungsanlagen gemäß Abschnitt 13
– Geräte zur Heizung oder Klimatisierung, ausgenommen ortsveränderliche Geräte
Einzelgeräte mit einer Nennleistung von mehr als 12 kW



Gruß
Alfons.

von Alfons Heck - am 01.05.2013 09:51
Hallo

Wollte bei mir keiner hören, die 125A Absicherung der Hauptleitung habe ich nur aus Kostengründen nicht gemacht, den Leitungsquerschnitt ins Haus habe ich aber für 250A ausgelegt.

Bei der Abnahme hat der Durchlauferhitzer jedenfalls niemand interessiert obwohl ich darauf hingewiesen habe. Die 32A Dose war ebenfalls kein Problem.

Allein bei mir in der Straße mit 7 Häusern haben 5 Häuser mehr als 20kw länger am Netz, wie Brotbackofen große Sauna usw.

Wenn man also die Ladestation über Stecker anschließt dann ist alles im grünen Bereich?

In alten Häusern und in Städten kanns sicherlich Probleme geben mit der Anschlußleistung,
bin da vielleicht etwas verwöhnt, der Bauernhof wo ich meine Werkstatt habe hat 250A Hauptsicherungen, und da wo ich früher geschraubt habe waren meist eigene Trafos nötig um die Anschlußleistung bereitzustellen.

Für mich fangen halt große Verbraucher ab etwa 1MW an.

Gruß

Roman

von R.M - am 01.05.2013 10:06
Hallo Alfons,

ich hatte beim EVU auch angefragt wegen dem Anschluss der Drehstromkiste.
Dort wurde mir gesagt das Durchlauferhitzer mit 22 kw angemeldet werden müssen,Steckdosen (CEE 32Ampere) jedoch nicht.:confused:

Gruß Matthias

von Matthias Rau - am 01.05.2013 10:06
Hallo Matthias,
Zitat
Matthias Rau
beim EVU auch angefragt wegen dem Anschluss der Drehstromkiste.
Dort wurde mir gesagt das Durchlauferhitzer mit 22 kw angemeldet werden müssen,Steckdosen (CEE 32Ampere) jedoch nicht.:confused:

das ist so richtig.

Bei einer Wallbox (Ladestation mit Typ 2) ist es ein Graubereich.
- es ist einerseits "nur" eine (spezielle) Steckdose = keine Genehmigung erforderlich
- es ist anderseits ein System zur Versorgung eines Verbrauchers mit mehr als 12kW =Genehmigung erforderlich

Ich als verantwortliche Fachkraft Frage definitiv beim EVU an und lasse mir die Errichtung genehmigen.


Gruß
Alfons.

von Alfons Heck - am 01.05.2013 10:28
Hallo

Warum die Station nicht über eine normale 32A Dose anschließen, dann hat man den doppelten Nutzen, oder ist das ausdrücklich verboten?

Gruß

Roman

von R.M - am 01.05.2013 10:31

Gleichzeitigkeitsfaktor

Durchlauferhitzer haben alle den Gleichzeitigkeitsfaktor 1 und von Hunderten im Bereich einer Mittelspannungsstation, können etliche gleichzeitig laufen, Solardächer gibt es nicht ganz so viele unhd sie sind viel schwächer in iherer Leistungsaufnahme. Durchlauferhitzer werden von den EVUs gerne gesehen, denn sie verbrauchen Strom. Solardächer nicht, diese VERLOGENEN HEUCHLER!
Trotzdem, wir können die Fluktuationen, die im Sekundenbereich anfallen, spielend auffangen. Das geht nur mit einem regelbarem Lader, der auch das Netz von Fluktuationen freihält.
Da würde ich den Gesetzgeber einschreiten lassen und alle Ladegeräte erstens mit einem positiven Eingangswiderstand versehen und zweitens einen Anschluss zu einem modernen Zähler mit einem sogenannten S0-Ausgang (nicht zu verwechseln mit dem von ISDN) vorschreiben, wenn die Ladeleistung 3,6 kW überschreitet. Das digitale Signal kann dann in das Männeken eingespeist werden und an den Lader weitergegeben.
Ehe da VDE Vorschriften erlassen werden, die nachher wieder rückgängig gemacht werden müssen.
Erst Verbote aussprechen und dann erst die Konsequenzen ziehen, ist falsch.

Ich behaupte, wir leben nicht auf einer Insel und für das Netz sind wir alle verantwortlich.

Wenn in einer Stunde die Ladeleistung für 2 Minuten auf im Schnitt 50% reduziert wird, wen würde das stören? Dann könnten unsere Netze ein Mehrfaches an Solardächern und Durchlauferhitzern abpuffern.

von Bernd Schlueter - am 01.05.2013 11:04
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.