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Elweb Infra
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12
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
PowerTower, Joe-Hotzi, Huggi, Bernd Schlueter

sächsische Infrastruktur wird barrierefrei - und teuer

Startbeitrag von PowerTower am 14.09.2013 12:03

Hallo,

ich habe heute eine Meldung erhalten, die mich einerseits positiv stimmt, andererseits auch etwas die Zähne knirschen lässt.

Die Ladeinfrastruktur existiert in Sachsen hauptsächlich in den Städten Leipzig (Stadtwerke Leipzig), Dresden (Drewag), dem Dresdner Umland (ENSO) sowie einigen Ladesäulen in den anderen Ortschaften (RWE). Bisher war es immer so, dass man für die Ladekarte bei den Stadtwerken Leipzig und bei der ENSO einen Antrag stellen musste, diese dann kostenlos zur Verfügung gestellt wurde und der Strom sowie die Parkplätze ebenfalls kostenlos genutzt werden konnten. Das wahre Schlaraffenland für E-Mobilisten. Die Drewag Ladekarte musste immer zu den Öffnungszeiten des jeweiligen Betreibers ausgeliehen werden, dann konnte kostenslos geladen werden.

Es war absehbar, dass dieser Zustand nicht ewig anhält und nun ist es soweit. Innerhalb der nächsten Monate werden die Ladesäulen der drei sächsischen Energieversorger im Rahmen der "Modellregion Elektromobilität Sachsen" auf das Stromticket umgestellt. Damit ist es ähnlich wie bei der RWE möglich, das laden mittels Handy zu aktivieren. Somit werden nach der Umstellung keinerlei Ladekarten mehr benötigt. Die Kleinstaaterei hat also langsam ein Ende, auch wenn das natürlich deutschland- und europaweit gesehen nur kleine Fortschritte sind.

Der große Vorteil: Endlich kann jeder, der von auswärts kommt und auf die Ladesäulen angewiesen ist, diese rund um die Uhr benutzen. Und darum sollte es ja hauptsächlich gehen, denn ich will als Fremdling in anderen Bundesländern auch nicht vor die Nase gestoßen werden, weil mir die passende Ladekarte fehlt oder ich außerhalb der Öffnungszeiten laden will.

Was ist nun der Nachteil? Tja, kostenlos laden und kostenlos parken war einmal. Falls der Parkplatz auf dem sich die Ladesäule befindet kostenpflichtig ist, so müssen nun auch die entsprechenden Kosten entrichtet werden. In Leipzig bleiben die Parkplätze weiterhin kostenlos nutzbar. Des weiteren sind die Ladegebühren in einer Dimension, die das laden für mich in meiner eigenen Umgebung unattraktiv werden lassen (etwa 1 Euro / kWh). Ich habe die Lademöglichkeiten immer gern genutzt, wenn ich im Einkaufszentrum shoppen war oder einfach mich in der Stadt aufgehalten habe, aber so wird die öffentliche Ladung meinerseits auf das notwendige Minimum reduziert werden.

Preisübersicht ENSO: Klick
Preisübersicht Drewag: Klick

Gruß
Micha

Antworten:

Bei den hohen Strompreisen in ganz Deutschland wird eh eine europäische Einigung nicht zustande kommen. Im ladenetz.de ist offensichtlich auch der Unfriede ausgebrochen.
Dann müssen wir uns wohl oder übel damit abfinden, dass wir einen teuren Ladestecker nebst Dose auch zuhause benötigen nebst 11kW Lader für Laden unterwegs.
Zuhause laden wir nicht nur die Hauptmenge an Energie, sondern auch mit geringerer Ladeleistung.
Nur hier wird also das smart grid zum Zuge kommen können, über einen smart grid Zähler mit wechselnden Tarifen.
Das Laden außerhalb wird die Ausnahme bleiben, teurer , aber deshalb werden die Tankplätze auch leerer bleiben. Ein Elektroauto ohne heimische Steckdose halte ich für witzlos.

Ich denke, es ist so die beste Lösung, Tanksäulen praktisch nur für den Notfall.
Ich denke eh, dass das kleine range extender unverzichtbar ist.

Chademo ist wohl doch noch eine gute Alternative, dafür braucht man keinen schweren und teuren Lader herumzuschleppen.

Die Düsseldorfer Stadtwerke bieten Direktverkauf von Strom an Interessenten an.
Das könnte dazu führen, dass wir demnächst überschüssigen BHKW-Strom für 3,2 Cent die kWh tanken können. Natürlich legen wir dann aus Solidaritätsgründen noch einiges dazu.

Da kann sich der Peter Altmaier ins Eisbein beißen, wenn da schon einige Stadtwerke seine monopolfreundliche Politik nicht mehr mitmachen.

Von den Dräsdeneren erwarte ich Solidarität mit den Düsseldorfern. Alles mit "D" am Kraftfahrzeugkennzeichen sollte schließlich zusammenhalten.
Wenn die anderen nicht wollen, bauen wir eben unser smart grid mit BHKWs und freien Tanksäulen alleine. Klar, rote Drehstromstecker. Das ganze europäische Sortiment kommt weit billiger als ein einziges Männekenpaar.

von Bernd Schlueter - am 15.09.2013 09:56
Tja, auch habe bisher ab und an bei der enso geladen und nun eine nette Mail mit den angekündigten "Verbesserungen" erhalten. Hatte daraufhin mehrmals Mailkontakt und schließlich einen Beitrag im ENSO-Blog eingestellt. Zitat aus der Antwort der Verantwortlichen für Unternehmenskommunikation, Claudia Weinhold:

"Begrenzte Ladeleistung auf 11 kW
Sie weisen selbst auf den Sachverhalt hin: Die Fahrzeugtechnologie ist bisher nicht soweit voran geschritten, dass für uns als Ladesäulenbetreiber absehbar wäre, welche Ladesysteme sich in Zukunft durchsetzen."

Da fällt kaum was ein - ich kann mit dem 18 Jahre alten Hotzi mit etwa 15kW laden ...

"Im Zuge des "Modellprojektes Elektromobilität" sind in Deutschland zehn verschiedene Projekte mit eigenen Zugangs- und Abrechnungssystemen ins Rennen gegangen. Der Wettbewerb um die Technologien ist gewollt."

Der Kunde als Testperson. Irgendwo müssen die Steuergelder ja hin ...

Ich habe mal angefragt, ob denn ein eingeführtes System für Kleinstbeträge (Geldkarte) auch herangezogen wurde, um "am Ende die Systeme mit dem größten Potenzial und der besten Akzeptanz" zu ermitteln.

von Joe-Hotzi - am 10.10.2013 09:08
Hallo Jörg,

falls es bei dir passt, halte dir bitte den 22. Oktober ab 17 Uhr frei. Da sind wir bei der DREWAG zu einer Diskussionsrunde rund um das Stromticket eingeladen. Die neue Ladesäule in Gompitz kann übrigens 32A. Ich denke wenn man die bisherigen Ladesäulen nur für 16A ausgelegt hat, dann wird eventuell auch die Zuleitung nicht mehr her geben. Sollte das so sein, dann bin ich der Meinung, dass man es so lassen kann, bis es sich wirtschaftlich lohnt aufzurüsten. Ist ja nicht so, dass man mit 11 kW gar nicht vom Fleck kommt. Ich bin froh über jede Ladesäule, die an ihrem Platz steht. Und wenn sich dann später die 43 kW AC Ladung durchgesetzt hat, kann man den 22 kW Zwischenschritt direkt überspringen.

Aber lass uns da in Ruhe am Samstag darüber reden.

Gruß
Micha

von PowerTower - am 10.10.2013 13:54
Zitat
PowerTower
... halte dir bitte den 22. Oktober ab 17 Uhr frei .....


Sch... ich muß arbeiten ....
......akzeptabel sind nur preise pro kw/ pro h bis maximal 40cent und zugang 24h ohne internet,
.... ansonsten sollten sie nutzungsverhalten=solarwatt erwarten .... also nur kosten, keine einnahmen, weil das geld steck ich dann lieber in akkus fuer mehr reichweite ....
.... und die enso/drewag kann gern die kosten fuer die in den letzten jahren gesponserten ~35kwh erhalten wenn sie mal säulen da aufstellen, wo auch eine sinnvolle nutzung im verkehrsverbund möglich wäre ....

von Huggi - am 10.10.2013 21:05
Huggi, kommst du aus der Gegend? Morgen ist ja Elektrofahrzeugtreffen in Dresden Gompitz, wenn du Zeit hast, komm rum! Infos: klickst du hier

Das putzige ist, dass man gar kein Smartphone und auch kein Internet braucht. Aber genau das steht fälschlicherweise auf der Internetpräsenz des Stromtickets. Herr Winkler von der DREWAG hat mir an einer Ladesäule vorgeführt, dass sie sich auch einwandfrei per SMS freischalten lässt. Und das geht noch einfacher als bei RWE.

Ebenfalls habe ich gefragt, warum es keine Abrechnung je kWh sondern einen Zeittarif gibt. Die Antwort hat mich überrascht. Wenn man nach kWh abrechnet, dann hätte der Kunde wohl Anspruch darauf, den Stromanbieter an der Ladesäule frei wählen zu dürfen. Bei einem Zeittarif kann man diese Gesetzgebung aushebeln - schließlich will der Ladesäulenbetreiber verständlicherweise seinen eigenen Strom abgeben.

Die Preise bei der DREWAG werden gerade überarbeitet und werden dann je nach Ladegeschwindigkeit bei etwa 50 cent / kWh liegen. Das finde ich ok, wenn ich wirklich darauf angewiesen bin. Bei RWE sind es zur Zeit für mich 2 Euro / kWh. Und die ENSO ist ja eigentlich auch ganz human und verlangt die erste Stunde gar kein Geld, wenn der Parkplatz was kostet.

Gruß
Micha

von PowerTower - am 11.10.2013 04:49
Zitat
PowerTower
Die neue Ladesäule in Gompitz kann übrigens 32A.
Das erstaunt mich, ist doch bei der ENSO Preisübersicht eindeutig von Laden 400V/3~/16A geschrieben ... Für im Einzelfall wg. technischer Probleme zu geringe Zuleitung gibt es Verständnis - für "Abregelung" zugunstern längerer Ladedauer nicht.

von Joe-Hotzi - am 11.10.2013 08:12
Das ist schwierig, ich bin mir nicht sicher, ob die Mennekes Säulen bei der ENSO tatsächlich 32A liefern können. In den Verzeichnissen steht es aber so drin, tatsächlich. Ich unterstelle trotzdem keine böswillige Absicht, sondern einfach fehlende technische Voraussetzungen. Sonst hätte man schließlich auch einen entsprechend hochpreisigen 32A Tarif anbieten können - heutzutage schimpft sich sowas Premium. :D Hast du denn schonmal mit deinen 15 kW oder was auch immer du nutzt dort laden können, oder war es auch bisher auf 11 kW begrenzt?

Auch die neue NKT Säule in Gompitz wird zunächst nur für 16A frei gegeben, aus EMV Gründen wie es heißt. Wenn man das in den Griff bekommt, dann will man auf jeden Fall die 32A dauerhaft freischalten.

RWE gibt ja an ihren Säulen beim SMS Verfahren auch nur 16A frei, obwohl 32A überhaupt kein Problem sind. Und als Vertragskunde bekommt man die auch, ein Schelm wer böses dabei denkt.

Gruß
Micha

von PowerTower - am 11.10.2013 10:48
Na ja, die enso habe ich bisher nur zum Ausprobieren meines Mennekes -> CEE32 - Adapters bzw. Dresden-Fahrt mit etwa 8kW belastet. So dolle Langstrecke ist das enso-Einzugsgebiet für mich ja nicht ...

Aber auf der Fahrt nach Sinsheim war ich über jede große Dose mit Männerstrom froh. An RWE habe ich da auch schon knapp 15kW (2x4,5kW Zivan NG5, 2x1,5kW TC-Charger + 2kW Netzteil-Bordlader, Werte abgerundet) gezogen. Da macht es richtig Spaß - allerdings muss man die Temperatur beachten, wenns mehrmals ans Laden/Fahren geht.

von Joe-Hotzi - am 12.10.2013 00:24
Da ich nicht weiß, wer hier in welchem Thema so alles liest, möchte ich gern die Einladung auch hier nochmal veröffentlichen. Die DREWAG lädt zur Diskussionsrunde rund um die Ladeinfrastruktur. Es sollen sich alle diejenigen angesprochen fühlen zu erscheinen, die das Thema interessiert.

Datum: 22.10.13 ab 17 Uhr
Ort: Zentraler Betriebshof DREWAG, Fabrikstraße 5 01159 Dresden (Besprechungsraum)


Bitte ein paar Minuten früher da sein.

Gruß
Micha

von PowerTower - am 18.10.2013 06:49
Ich war positiv überrascht, mit welcher Ernsthaftigkeit diese Veranstaltung heute statt gefunden hat. Die von ENSO und DREWAG beauftragten Mitarbeiter rund um das Thema Elektromobilität waren anwesend und sehr gut vorbereitet. Dem gegenüber standen zwar nur sechs Elektroautofahrer, aber die Diskussion war dennoch sehr lebhaft und kann durchaus in größerer Runde wiederholt werden, vielleicht als viertel- oder halbjährlicher Stammtisch?

Auf jeden Fall hat es gezeigt, wie schwierig es ist, die Interessen von Energieversorgern und Ladesäulenbenutzern unter einen Hut zu bekommen. Dazu kommt das Problem, dass die beteiligten Elektromobilfahrer heutzutage eben größtenteils Enthusiasten sind, die das Thema sehr intensiv verfolgen und sicher nicht den gleichen Blick haben, wie jemand der in Zukunft einfach nur Elektroauto fahren will und das genau so gut funktionieren soll, wie beim Verbrenner.

Eine wichtige Erkenntnis ist sicher, dass das StromTicket nun doch mit SMS funktionieren soll. So steht es auch auf der Startseite vom Stromticket, allerdings habe ich auf der gesamten Homepage nicht einen einzigen Vermerk auf die entsprechende Telefonnummer gefunden, an die die Ladeanfrage geschickt werden muss. Wer hat bessere Augen als ich?

Gruß
Micha

von PowerTower - am 22.10.2013 20:47
Ich empfand die Veranstaltung auch als interessant und informativ. Allerdings bleiben bei mir einige Zweifel am Geschäftsmodell und dem jetzt eingeführten Abrechnungssystem:

- weder für stundenlange Schukolader (meist 2,3kW), noch für schnellere Lader (offizielle Beschränkung bei 11kW) ist die jetzige Preisstaffel interessant. Das wurde von den Nutzern deutlich gemacht. Eine Abrechnung per auf die Zeit umgerechneter Ladestromstärke (da Energieabrechnung per kWh nicht gewünscht) wäre eine Lösung. Durch die Eingabe der tatsächlich benötigten Ladestromstärke ließe sich die bezahlte Ladedauer entsprechen "strecken".

- für das Ziel einer Steigerung des Stromabsatzes (durchaus mittel- und längerfristig) konnte ich nur "das Prinzip Hoffnung" erkennen. Hier sehe ich in Marketingaktionen für E-Fahrzeuge und Engagement für städtisches "Daheimladen" - z.B. durch (Schuko-)Ladestellen für MFH und Wohnsiedlungen durchaus eine reale Chance. Dann verdient man auch an den avisierten 90% "Daheimladen". Dieses Engagement sollte auch Pedelec und E-Scooter nicht ausgrenzen - hier gibt es hohe Wachstumsraten und den Einstieg zur E-Mobilität.

- die in den Förder-Projekten untersuchten Zugangsmöglichkeiten haben das Bezahlen per Geldchip auf der EC-Karte ausgespart - warum? Dabei handelt es sich doch gerade um ein schon eingeführtes System zur offline-Bezahlung von Kleinstbeträgen ...

- Es konnte leider keine Aussagen gemacht werden zur Akzeptanz und Kosten des "Handy-Ticket", an welches sich das "StromTicket" ja anlehnen soll. Auch wurde zwar die Suche nach eine kostengünstigen Lösung betont (lt. Aussage Hr. Dreuse: "System mit den geringsten Fixkosten"), Abrechnungspreise konnten aber nur für Einzelrechnung (>10Euro), nicht für aber für Stromticket getroffen werden. Bezahlung per Geldchip liegt bei 10Euro=2Cent, ...) Beim StromTicket sind drei Firmen (!) beteiligt ...

- die im Vortrag aufgezeigt Entwicklungsgrafik zu Kosten und Umsatz erstaunte nicht nur wegen der hohen Betriebskosten einer Ladesäule, sondern auch wegen der linearen Fortschreibung eines bisherigen Trends. Da sei der Blick zu Lars Thomsen empfohlen.

Letztlich hat mich auch die praktische Demonstration des Webzugriffs für den Ladevorgang (Danke PowerTower) nicht überzeugt. Abgesehen von der langwierigen Abwicklung mit vielfachen Eingaben verschreckt mich, dass tatsächlich für Dresden und Leipzig wieder zwei verschiedene Anmeldungen zu tätigen sind, um das "gemeinsame" System nutzen zu können!!! Das ist die Fortsetzung der Kleinstaaterei, der man eigentlich den Kampf angesagt hatte!

Wie auch immer. Ich fand es gut, dass man den Kontakt und Informationsaustausch sucht. Der Nutzerkreis ist ja (noch) recht überschaubar. Der Vorschlag, die bisherigen Stromkartennutzer direkt anzusprechen, wurde interessiert aufgenommen. Eine entsprechende Anregung hatte Hr. Herr Lutzmann am 13. Juli 2013 um 02:13 Uhr schon im enso-Blog hinterlassen ...

von Joe-Hotzi - am 23.10.2013 10:00
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