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Quasselecke
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14
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
www.erklaert.de, Klaus, Hase, Wunschpilot, Lisa, P.Amadeus, Jens, FränkiDo328

und doch stürzen die dinger ab

Startbeitrag von Hase am 29.11.2006 03:59

Hallo alle miteinander,

ich habe immer zu den leuten gehört, die gerne geflogen sind und das hielt auch so lange an, bis ich 1997 bei einem rückflug aus der türkei mit der, damals noch nicht so bekannten, onur air meine bis dato intensivsten erfahrungen in bezug auf todesangst gemacht habe!!! die maschine wackelte und ruckelte über eine stunde lang und sogar die stewardessen saßen auf ihren plätzen und haben ab und zu aufgeschrien, was den passagieren natürlich die nötige panik eingeflößt hat!! später hieß es dann, dass wir in starke turbulenzen geraten wären, ich glaube aber bis heute, dass etwas mit der maschine nicht stimmte!
danach hatte ich eigentlich bei jedem flug immer angst, bin aber trotzdem immer geflogen, weil ich auf weite reiseziele nicht verzichten wollte. dieses jahr im märz hatte ich dann einen rückflug von mailand nach ddorf mit alitalia express. ganz kleine maschinen (fliegende vans:) ) das dolle war, das sich das szenario von 1997 quasi wiederholte!
seitdem habe richtig angst, wenn ich nur daran denke, ein flugzeug zu betreten und irgendwie kann mich nichts beruhigen, denn egal wie oft ich höre, dass fliegen sicher ist, ist es doch eine tatsache, dass es flugzeugabstürze gibt und es immer irgendwelche leute trifft! die statistiken, in denen fliegen mit autofahren verglichen werden beruhigen mich auch nicht, weil immer verglichen wird: verkehrstote/absturztote aber wie sehen die zahlen aus wenn man folgende parameter verwenden würde: autofahrten pro verkehrstote/flüge pro absturztote.
ihr merkt also, es wird immer schlimmer bei mir und mittlerweile bin ich während flügen wie versteinert. habe echt daran gedacht, das fliegen komplett zu lassen.
also, was soll ich blos machen???

Antworten:

Hallo Hase,

da diese Diskussion zur Korrektheit der Statistiken immer mal wieder auftaucht, erlaube mir, dass ich mich selbst (aus einem älteren Beitrag) zitiere:


(...) jede Statistik kann man sich so hinrechnen wie man sie braucht. Oft hört man bezüglich Statistiken zu diesem Thema auch, dass die meisten Unfälle schließlich während Start oder Landung passieren. Man solle also vor allem diese Flugphasen in der Statistik höher gewichten. Und schon hat man andere Zahlen. Und diese würden tatsächlich die Luftfahrt "alt" aussehen lassen, denn der größte Anteil aller Zwischenfälle passiert tatsächlich in der Start- oder Landephase.

Problem bei der ganze Rechnerei:
Das kann ich mit dem Auto auch. Hmmm. Die meisten Unfälle passieren auf Autobahnen in den Baustellen und in Staus und wenn's glatt ist. Also nehmen wir doch nur diese Bereiche für die Autounfall-Statistik... und siehe da...!


Ich sehe das folgendermaßen: es ist ein Unterschied, ob ich zu Fuß zum Nachbarn gehe, oder zu Fuß nach Australien wandere. Der Aufwand, zu Fuß nach Australien zu gehen, ist wesentlich höher. Die Wahrscheinlichkeit von Unfällen, Verschleißerscheingungen u.ä. ist wesentlich größer. Ich könnte nun sagen: Mensch, ich bin schon 100 mal zum Nachbarn gegangen und nichts ist passiert. Aber dieses eine Mal, als ich nach Australien gewandert bin, habe ich mich 20 mal verletzt. Ist das ein fairer Vergleich?
Diese beiden Wege (zum Nachbarn und nach Australien) miteinander zu vergleichen wäre meiner Meinung nach unfair, ohne die gelaufenen Kilometer miteinzubeziehen.

Genauso sieht es mit den Statistiken aus. Der Aufwand, mit einem Flugzeug von Deutschland nach Ägypten, Malle, etc. zu fliegen, ist wesentlich höher (Technik, Logistik, Energieumsatz, Material, Know-How, Personenanzahl, etc.), als mit dem Auto von zuhause zum Nachbarort zu fahren um einkaufen zu gehen. Insofern MUSS man einen derartigen Wert miteinbeziehen (z.B. die Reisekilometer) um wenigstens einen Ansatz von Vergleichbarkeit zu haben. Ich kann es nicht garantieren, aber selbst wenn man beispielsweise nach transportierten Personen geht, müsste die Luftfahrt immernoch gut dastehen.

Ganz abgesehen davon. Gibt es eigentlich überhaupt eine Statistik über ALLE weltweit passierenden Autounfälle? Also auch Asien (Indien, Pakistan, etc.), Afrika, Russland, usw.? Ich glaube nicht. Dabei passieren in diesen Ländern die meisten und schlimmsten Autounfälle (man hört hin und wieder von Bus-Unglücken, das war's aber auch). Im Unterschied dazu, gibt es eine nahezu lückenlose Statistik über Flugzeugunfälle. Sollte man wirklich einmal eine weltweite Statistik über Autounfälle haben, dann würden die Zahlen für die Luftfahrt noch viel besser aussehen.



von www.erklaert.de - am 29.11.2006 09:41
Hallo liebes team,

erst einmal danke ich für die ausführliche antwort! ich bin mir sicher, dass autofahren mindestens genauso gefährlich ist wie das fliegen aber irgendwie beruhigt mich das kein bischen, wenn ich grade im flieger sitze. bin eh der meinung, dass flugangst ganz unbegründet ist aber in der luft sehe ich das dann anders! muss wohl echt eine therapie machen, denn mich auf flügen mit medikamenten zu sedieren, dazu habe ich keine lust!!
das thema ist bestimmt 1000 mal besprochen worden im forum aber könnt ihr mir nochmal ein paar therapiemöglichkeiten nennen?


Gruß, (Angst-) Hase!

von Hase - am 29.11.2006 18:08
Hallo Hase,

wir empfehlen keine Therapien. Zum einen ist das aus der Ferne (über ein Forum) kaum möglich, zum anderen sind die jeweiligen Angst-Geschichten sehr unterschiedlich.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es zwei Möglichkeiten bei Flugangst gibt:

- Flugangst-Seminare: es gibt unzähle Agenturen (nicht selten direkt mit einer Fluggesellschaft verbunden), die Flugangst-Seminare (in Gruppen) anbieten. Dabei handelt es sich in der Regel um Wochenend-Seminare. Neben anderem bieten diese Seminare Hilfestellung bei Entspannungstechniken, beim richtigen Umgehen mit der Angst und informieren über die Sicherheit und Technik in der Luftfahrt.

- individuelle Therapien: bei einer "ausgewachsenen" Phobie sind Wochenend-Seminare meist wenig hilfreich. Hier bietet sich eine individuelle (Einzel-) Therapie an. Dazu müsstest Du erst einmal nach Psycho-Therapeuten in Deiner Nähe schauen und herausfinden, welche mit dieser Problematik Erfahrung haben. Den genaueren Therapie-Verlauf musst Du dann mit Deinem Therapeuten besprechen (nachdem er eine ausführliche Anamnese erstellt hat).





von www.erklaert.de - am 01.12.2006 10:33
Wie oft und wo hört man heutzutage von Abstürzen? Heutzutage gehören Berichte über Abstürze nicht mehr zu den Nachrichten, die man alle paar Wochen in den Nachrichten zur Kenntnis nehmen muss.

"die maschine wackelte und ruckelte über eine stunde lang und sogar die stewardessen saßen auf ihren plätzen und haben ab und zu aufgeschrien" - das ist natürlich übel. Ich habe mich bei einem 10-Stunden-Flug nach Asien unterwegs wieder 3x anschnallen müssen. Und die Landung war dann auch recht turbulent - es ging immer nur runter und rauf und runter und rauf. Das Ganze war kein Problem. Es muss einem halt nur erkärt werden. Und das hat der Pilot vorbildlich gemacht. "Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie sicherlich gemerkt haben, durchfliegen wir zzt. eine Zone mit turbulentem Wetter. Zu ihrer eigenen Sicherheit darf ich Sie daher bitten, sich wieder anzuschnallen."

Oder: "Unsere Landung verspätet sich um 20 Minuten, weil wir ein Gewitterv umfliegen mussten". Da weiss man, woran man ist.

Keine hysterischen Flugbegleiterinnen - die saßen auch angeschnallt da. Das lief alles sehr professionell ab. Und das ist wahrscheinlich der Unterschied: Eine Airline mit professioneller Ausbildung und der richtigen Kommunikation zum Fluggast.

Hier sollten mehr Piloten posten - obwohl sie dafür wahrscheinlich keine Zeit haben...

Klaus

von Klaus - am 04.12.2006 20:16
Hallo Hase,

natürlich stürzen Flugzeuge ab, wer das Gegenteil behauptet lügt!

Es gehen aber auch Schiffe unter, Eisenbahnen entgleisen, Fahrstühle stürzen ab und Du mußt bestimmt keine 10 km weit fahren um an eine Stelle zu kommen wo ein Mensch im Straßenverkehr gestorben ist.

Die Gefahr bei einem Flugzeugabsturz einer Verkehrsmaschine ums Leben zu kommen läuft gegen Null, mag ins besondere bei einigen Bananaairgesellschaften in z.B. afrikanischen Ländern etwas höher liegen, ist dort aber auch nicht wirklich gefährlich.

Auch wenn Du die beiden Flüge in schrecklicher Erinnerung haben magst, behaupte ich doch Du bist aller Wahrscheinlichkeit zu keiner Zeit in ernsthafter Gefahr gewesen... selbst nicht wenn mal eine Stewardess gekreischt hat... einen technischen Defekt an dem Flugzeug damals kannst Du ebenfalls ausschließen, die Maschine wäre umgehend auf dem nächsten Flughafen gelandet, Piloten wollen auch sicher nach Hause kommen und würde ihr Leben nicht für eine Anweisung der Gesellschaft die der Sicherheit zu wieder liefe riskieren.

Das was Du da erlebt hast waren ganz normale Turbulenzen, die sich in Extremfällen so weit steigern könnten das Passagiere die nicht angeschnallt sind und nicht befestigte Getränketrollis sekundenlang an der Kabinendecke kleben... Aber selbst dann besteht immer noch keine Gefahr für Leib und Leben, auch dann nicht wenn sich die Flügel der Maschine so stark verwinden das man lieber die Abdeckung des Fensters schließt um das nicht sehen zu müssen.

Nein was so ein Flugzeug aushält ist kaum vorstellbar und eben weit mehr als es seine Passagiere bereit sind zu ertragen...

Grüße

Amadeus





von P.Amadeus - am 10.12.2006 23:22
Zitat
www.erklaert.de
Hallo Hase,

(...) jede Statistik kann man sich so hinrechnen wie man sie braucht. [...] Ganz abgesehen davon. Gibt es eigentlich überhaupt eine Statistik über ALLE weltweit passierenden Autounfälle?


Hi,

Das mit dem "Statistik hinrechnen wie man sie braucht" trifft es auf den Punkt. Wenn man z.B. die Zahl der Reisen betrachtet, schneidet das Flugzeug schlechter ab als das Auto (wer fliegt schon zum Laden um die Ecke? Eben, da nimmt man den Wagen und meistens passiert nix), wenn man die Personenkilometer betrachtet ist das Flugzeug unschlagbar (wegen der großen Distanzen, die man mit einem Flugzeug im Gegensatz zu Auto und Bahn zurücklegt). Wenn man die Zeit, die man in einem Verkehrsmittel verbringt, bevor man bei einem Unfall stirbt, betrachtet, liegen Bahn und Flugzeug etwa gleichauf. Weit vor dem Auto.

Es gibt zu den weltweit tötlichen Unfällen im Straßenverkehr eine Schätzung, die von 1 Millionen Getöten ausgeht. Die WHO geht von 1,2 Millionen aus. Asien liegt da ganz vorn.

Aber mit solchen Zahlen im Kopf sollte man nicht in einen Flieger steigen - nicht in ein Auto und auch nicht in einen Zug. Wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, wird man irgendwann nicht mehr aus der Wohnung gehen. Übrigens passieren die meisten Unfälle im Haushalt...

Fliegen ist sicher und schön und man kann die Welt entdecken! So hab ich es erlebt. Vor allem die Welt entdecken. Angst gegen Neugier austauschen, Menschen treffen, die man sonst nie getroffen hätte. Ich plane schon meinen nächsten Urlaub - Asien oder Südamerika - da bin ich noch unsicher. Jedenfalls werd ich da eher vom Auto überfahren, sowieso an jeder Ecke übers Ohr gehauen - nur vorm Abstürzen hab ich keine Angst. Vielmehr freue ich mich, dass ich jetzt die Welt entdecken kann.

Gruß,
Klaus

von Klaus - am 13.12.2006 19:42

Frage

"1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.12.06 09:17 durch www.erklaert.de" Was bedeutet das?

Gruß

Klaus

von Klaus - am 16.12.2006 18:55
Hab nur Deinen Zitat Code geändert, damit es richtig angezeigt wird (vorher war der ganze Text in Zitat).



von www.erklaert.de - am 16.12.2006 19:53
Eine Anmerkung hab ich da noch wenn ich das alles so lese... Statistik hin oder her - es gibt doch Institutionen die jedes Risiko genau ausrechnen - ich meine die lieben Versicherungsgesellschaften:)

Und es gibt keine davon die fliegendes Personal privat unfallversichern...andere Berufe wie Taxifahrer, LKW-fahrer oder Lokführer werden gern versichert - spricht hier nicht die Versicherungsmathematik eine eindeutige Sprache?

von Jens - am 20.02.2007 22:20
Hallo Jens.

Zitat

Und es gibt keine davon die fliegendes Personal privat unfallversichern...


Ich fliege privat und habe eine (private) Unfallversicherung, in der auch vermerkt ist, das ich Flugsport betreibe.
Was Berufspiloten angeht, kann ich nix zu sagen, bin ja keiner ;)

Liebe Grüße
FRÄNKI

von FränkiDo328 - am 21.02.2007 06:19
Keine Versicherungsdaten aber die prozentuale Wahrscheinlichkeit kann ich nennen.

Hatte das schon in einem anderen beitrag gemacht. Allerdings nicht mit den korrekten Zahlen.

Hier also korrekt:

- im Jahr 2006 sind insgesamt 4,5 Milliarden Menschen geflogen.

- es gab weltweit 868 Todesfälle

- das macht eine prozentuale Wahrscheinlichkeit von 0,0000193 %

- 3 der 4 schlimmsten Flugunfälle fanden in russischem Luftraum oder unter Beteiligung russischer Flugesellschaften statt.


Soweit die aktuellen Zahlen.


von www.erklaert.de - am 21.02.2007 14:12
Hallo (:

Stimmt das denn, das die deutschen Flugzeuge, wirklich sehr sicher sind?
Ich fliege auch bald - leider );
Habe totale Angst.
Aber wenn ich wüsste, das die deutschen Flugzeuge wirklich sehr sicher sind & so, dann
wer ich erleichterrt.

Stimm das denn?

von Lisa - am 15.06.2007 20:40
Hi Lisa,

Eigentlich gibt es keine Flugzeuge die unsicher sind. Es sind fast alle auf dem selben Stand. In Deutschland/Europa legt man sehr viel Wert auf Sicherheit was das Fliegen angeht. Aber genauso verhält es sich so gut wie überall auf der Welt.




von Wunschpilot - am 16.06.2007 13:13
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