Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Forum zu den Eisenbahnen auf dem Balkan I
Beiträge im Thema:
2
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
s-lin, Joachim Piephans

[HR] HŽ Cargo wird mehrheitlich an Grup Feroviar Roman (GFR) verkauft

Startbeitrag von Joachim Piephans am 26.07.2013 10:28

Auf ihrer Sitzung am 24.07.2013 hat die Regierung der Republik Kroatien beschlossen, als Resultat eines halbjährigen Angebotsverfahrens einen Mehrheitsanteil von 75 % an der Güterverkehrssparte HŽ Cargo der Kroatischen Eisenbahnen an die rumänische Grup Feroviar Roman (GFR) zu verkaufen. Die restlichen 25 % hält weiterhin der kroatische Staat über die HŽ Holding. (siehe: [www.hzcargo.hr])

HŽ Cargo transportierte im Jahr 2012 ein Volumen von 11,4 Mio Tonnen auf der Schiene (5,6 % weniger als im Vorjahr) bzw. 2,4 Milliarden Tonnenkilometer, zum 31.12.2012 waren 2.898 Mitarbeiter beschäftigt. Interessant ist HŽ Cargo vor allem wegen seiner Verbindungen/Verkehrsanteile auf den kontinentalen Verkehrsachsen Mitteleuropa - Griechenland/Türkei und Mittelosteuropa (Ungarn) - Adria, insbesondere zum Hafen Rijeka.

GFR ist das größte private Unternehmen im rumänischen Schienengüterverkehr (Anteil von rund 27 %) und dort führend im Bereich der Mineralöltransporte, ist an der bulgarischen BŽK beteiligt und hat mit der Übernahme von Zelvoz Smederevo (Serbien) einen Waggonbauer im eigenen Unternehmen. Als letzte Kennzahlen liegen mir von 2010 vor: 9,25 Mio Tonnen Frachvolumen, ca. 2.000 Mitarbeiter. Man begegnet sich also auf Augenhöhe.

Zum Preis: innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung des Vertrages soll GFR 30 Millionen Euro zur Bedienung von Krediten der HŽ Cargo (für deren Rückzahlung bisher der Staat garantiert) überweisen, 10 Millionen Euro frisches Geld für den laufenden Betrieb und die Löhne zuschießen und 20 Millionen Euro für Investitionen einbringen. Innerhalb eines Jahres soll GFR nochmals mit 80 Millionen Euro langfristige, staatlich gedeckte Kredite für HŽ Cargo ablösen. Macht summa summarum 140 Millionen Euro an Verpflichtungen für den neuen Mehrheitseigner, bringt ihm aber auf einen Schlag den kompletten Marktanteil im kroatischen Schienengüterverkehr und die operative Steuerung desselben. Das Zagreber Management, ohnehin bei den letzten Neuwahlen komplett ausgetauscht, wird wohl Federn lassen müssen, und auch beim Personal stehen Einschnitte zu befürchten. Wie sehr GFR durch HŽ Cargo noch die Fläche bedienen läßt, ist eine der großen Fragen; im Mai hatte HŽ Cargo die Bedienung etlicher Nebenbahnen (u.a. nach Sirac) eingestellt. Andererseits brauchen die Kroaten dringend eine Verstärkung des Lokparks, u.a. leistungsfähige Maschinen für Rijeka - Lokve (-Zagreb), wo sich nach Umstellung auf 25 kV die 1141er regelmäßig die Radreifen scharflaufen. Ironie ist, daß die HŽ vor einigen Jahren etliche 1141er eben an GFR verkauft hatte, welche von Koncar analog den 1141.3 (heute HŽ PP) modernisiert wurden. Aber auch über Sechsachser-ASEAs verfügt GFR, und schließlich stehen bei rumänischen Herstellern neuentwickelte Elloktypen bereit. Ob man auch "Rumun", sprich 060er Kutter bzw. deren reimportierte chinesische Derivate auf kroatischen Schienen erleben wird - man wird sehen. GFR wird als private Gesellschaft, die viel Geld in die Hand nimmt, sicher rasch handeln, um die wirtschaftlichen und betriebsmaschinendienstlichen Probleme von HŽ in den Griff zu kriegen. Schmerzliche Einschnitte nicht ausgeschlossen.


Und wer hatte noch mitgeboten?
Im Dezember 2012 war die Mehrheitsbeteiligung ausgeschrieben worden, worauf bis Anfang Februar 2013 sieben europäische Unternehmen Interesse an (der hochverschuldeten) HŽ Cargo zeigten:

- DEAL d.o.o.
- Nexus Private Equity Partneri d.o.o. (im Hintergrund der Fonds Nexus FGS),
- Quaestus private Equity d.o.o. (Interessengemeinschaft des Fonds Quaestus Private Equity Kapital II und des Maschinenbauers Đuro Đaković Holding)
- AT Kearney GmbH (Consultingfirma)
- Rail Cargo Austria AG (RCA, Frachtsparte der ÖBB)
- Deutsche Bahn International GmbH
- SC Grup Feroviar Roman S.A. (GFR)
- Advanced World Transport (AWT; ex OKD/Tschechien)

Nach einem Auswahlverfahren genügten nur drei Bieter allen geforderten Punkten und kamen in die engere Auswahl: RCA, GFR und AWT.

Und ich sah schon die dänischen EA von DB Schenker Rail Bulgaria unter der 25 kV-Strippe in Kroatien laufen (ehrlich schade), oder die DB-241er nach Split, oder endlich die 1216 im Durchlauf zur serbischen Grenze ...


Den kroatischen Lokführern auf 1141 und 2062, den Rangierern und allen Mitarbeitern jedenfalls eine gute Zukunft mit GFR!!


Gruß,
Joachim

Antworten:

Kaufrausch!

Servus Joachim,


danke für die Info.

GFR wird ja bald zum Marktführer in Südosteuropa.

Vor kurzem hat man ja auch 51% von CFR Marfa erworben. Die Kartellbehörde muss allerdings noch zustimmen.

[www.railjournal.com]

[www.railwayinsider.eu]

SG
ste

von s-lin - am 29.07.2013 08:41
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.